gofjann ^friektcfj Sfarcfts Sagürijc# ^>ieg lieg fich in ben meiften gälteii IV SBotteort. butd) !ur$e 5lu3laffungen unb teilte 5lenberungen be* merffteßigen, fo bag §ier nidjt ein neues 33udj, fonbern mirflicfj ber „alte Starrf" öorliegt. @3 lägt fid) nid)t leugnen, bag über $oljann ^riebrid) Stard nor 2lnbern bie ©abe beS ©ebetS auSgegoffen war. -Jftöge nun biefe neue SluSgabe beS Starken ©ebetbudiel aße biejenigen, in beten |jänbe eS fommt, aus (Lottes 2öort reicglid) lehren, [trafen, beffern, ermähnen unb tröften in guten unb böfen £agen! St. ßouis, 3Ko., ben 2. September 1900. g. spieper. Inhalt bts täglichen latibbudjcö. ffirfter Ibfönitt. 3ttm ©ebraudji bet ©efuitbett. §v$ev ‘gfyeit. . SRorgrn*, SWittag» unb Ä6enb*Ättbailjten. stitt 2)et gläubige ©^rift Bereitet fidj jum ©oiteöbienft . 1 Aufmunterung jum ARorgengebet am Sonntag . . . 6 AJiorgengebet am Sonntag . 7 3>et gläubige ßljrift I>bret uitb lernet am Sonntag gerne ©otteä SBort 10 2)er gläubige ßljrift erroäget ben täglichen unb eroigen Sabbath . 14 Abenbgebet am Sonntag . 17 2Der gläubige (Sljrift banfet ©ott nach augehßrtem göttlichen Süorte. ... 21 ARorgengebet am ARontag . 26 2)et gläubige (S^rift bittet um Segen im Anfang ber SBoche . 28 Aufmunterung jum Abenbgebet am ARontag . 33 Abenbgebet am ARontag . 34 ARorgengebet am 2)ienStag . 36 25er gläubige ©fjrift freuet fidj feiner SBiebergeburt . 38 Abenbgebet am 2)ien3tag . 43 ARorgengebet am ARittrooch . 45 2)er gläubige ©hrift bittet, ©ott wolle if>n non ber Aöelt abjiefjen . 47 Abenbgebet am ARittrooch . 52 ARorgengebet am 25oniier3tag . 54 2Der gläubige Sljrift will 3>©fu nadjfolgen . 56 Abenbgebet am 2>onner3tag . 60 ARorgengebet am ^reitag . 62 2)er gläubige Shrtft bittet um ben ^eiligen ©eift . 65 Abenbgebet am Freitag . 70 ARorgengebet am Sonnabenb . . . 72 3Der gläubige §hrift bautet ©ott am ©nbe ber SBoche . 74 Abenbgebet am Sonnabenb . 78 £§££etC. gefb Anbauten. 2)er anbäditige betrachtet jur heiligen Ab»ent§3eit Shrifti Anfunft im §leijd). ARorgengebet . 81 Abenbgebet . 89 25er anbädjtige betrachtet auf SBeihnachten bie ©eburt 3©fu ARorgengebet . 92 Abenbgebet . 101 vr Sntyatt. ©öte 35er anbädjtige Greift betet unb banlt ©ott am ©djlufj be§ 2>aljreä. 3J2orgengeoet . 104 9lbenbgebet . . . 112 Ser anbäAtige Gf)rift betet bei bem 2litfang be6 neuen 2jahre3* fDtorgengebet . 115 Slbenbgebet . 125 Ser anbädjtige Gfjrift betrautet baä Seiben 3>Gfu GEjriftt bei bem 2ln= fang ber heiligen gaftenjeit. SJlorgengebet . 127 Slbenbgebet . 137 Ser anbädjtige Ghrift erwäget ben SobeStag ü$@fu ober ben Gljarfreitag 140 Ser anbädjtige Gfjrift freuet ftdj über bie Sluferftefjung 3©fu Gfjtifti. 2Korgengebet . 147 9lbetibgebet . t . 156 Ser anbädjtige Ghrift betrautet bie fQtmmelfafjrt 2jGfu Gfjrifti. ÜJiorgengebet . 160 2lbenbgebet . 170 Ser anbädjtige G(jtift erwäget bie Sluögiefjung be£ ^eiligen ©eifteö am ^eiligen fjifingftfefte. Ulorgengebet . 174 'Ubenbgebet . 183 Ser anbädjtige Gf»rtft erwäget bad ©efjeimnifj ber heiligen Sreieinigfeit. JüJJorgengebet . 186 Slbenbgebet . 196 Ser anbädjtige Ghrift betrachtet am HKidjaeliöfefte ben ©djufj ber fjri= ligen Gngel . 199 dritter ©ebete um allerlei geifHidje unö leibliche SBohltbaten. Ser gläubige Gf>rift bittet um jettlidjen, geiftlidjen unb ewigen ©egen 205 Ser gläubige Gfjrift banfet ©ott für feine ©efunbfjeit . 210 Ser gläubige Gfjrifi bittet, ©ott wolle fein $er3 ^eiligen . 214 Set gläubige Gfjrift bittet, ©ott wolle ifjn regieren unb leiten . 218 Ser gläubige Gfjrift bittet, bafj bie wahre Siebe ju ©ott in feinem bergen möge angejünbet werben . 222 Ser gläubige Gfjrift bittet, ©ott wolle bie Siebe ju bem 9tädjften in fein Öerj pflanjen . 226 Ser gläubige Gfjrift erfennet, bafj ©ott allein bad fjödjfte ®ut fei . 231 Set gläubige Gfjrift bittet, ©ott wolle ben angejünbeten ©lauben in ihm erhalten unb oermehren . 235 Ser gläubige Gljrift bittet um Semutfj . 239 Ser gläubige Gfirift bittet um ©anftmutfj . 244 Ser gläubige Gfjrift erfennet bie imtrterwäfjrenbe ©üte ©otteö . 249 Ser gläubige Ghrift erwäget bie fünftige £>errlidjfeit ber Äinber ©otted 253 Ser gläubige Ghrift beichtet unb bittet ©ott feine ©ünben ab . 257 Ser gläubige Ghrift betet bei bem ©enufj bed heiligen Slbenbmafjld. . . . 263 Ser gläubige Ghrift bittet, ©ott wolle ifjmifraft geben wiber bie©ünbe 269 Ser gläubige Ghrift will fidj ©ott jum Opfer geben . 273 Ser gläubige Ghrift bittet um grömmigfeit . 277 Ser gläubige Ghrift bittet um ein unoerlehted ©ewiffen . 281 ©laubige Gltern tragen ©ott ihre Äinber im ©ebet oor . . 285 fromme Kinber beten für ihre Gltern . 291 VII Reiter Hb[d)iritt* ßum ©ebrnurfi bet betrübten* Stile 23er Setriibte iröftet fid) ber Stilmacht ©otteä . . 297 23er betrübte tröftet 23er betrübte tröftet fich ber Siebe ©otteö . 301 fich ber §ülfe ©otteS . . . 305 53er betrübte tröftet fid) ber Sarmherjigleit ©otteg . 309 53er ^Betrübte erroäget bie göttlichen SBerljeifiungen . 313 53er ^Betrübte erroäget bie Slbfic^t ©otteä im Äreuj . 317 23er betrübte bittet um ©ebulb unb ©tärfe . • . 321 23er ^Betrübte bittet um 3lbnet)mung ber 2rübfal . 325 23er ^Betrübte erroäget ben frö£>Iic^en Slusgang bes ßreujeä . 330 Setrübte SBittroen fchütten ihr Igerj »or ©ott aus . 334 ffierlaffene SBaifen Hagen ©ott ihre Siotf) . . 340 23er betrübte flaget über bie Schwachheit feineä ©laubenS . 346 23er '-Betrübte Waget über fünbliche, böfe unb gottesläftedidje ©ebanfen 350 dritter $n>|d)nttt. 3«m ©ebraurfj bet Sttanfen. 2Jiorgengebet eine§ Äranlen . * . 360 2lbenbgebet eineä Äranfen . . . . . 364 23er Äranfe bittet ©ott um ©ebulb . • . 368 23er Äranle bittet um ©otteä Seiftanb . 374 2)er Äranfe erlennet, baff er ein 2Jienfd) «nb fterblich fei . . . 377 23er Äranle ergibt fich bem SÖiUen ©otteS, ?u leben unb ju fterben . 382 23er Äranle erlennet, baff baä Äreuj unb bie 2rübfal »on ©ott fommt 386 23er Äranle erlennet ben 9tu|en ber Äranlheit . 390 23er Äranle fefct fein Vertrauen auf bie göttliche Allmacht . 394 23er Äranle erinnert fitf) feines 2aufbunbe3 . 398 2>er Ärante grünbet fich auf bie SBohttlfaten be3 breieinigen ©otteS. . . . 403 23er Äranle röill fein Seiben ohne SDiurren tragen . 407 23er Slranfe fchidet fich jum ©enuff beä ^eiligen SlbenbmahtS . 411 23er Äranfe bittet ©ott um Vergebung ber ©ünben . 415 23er Äranle betet oor bem ©enufj beä hoffen SlbenbinaljlS . 419 23er Äranfe betet nach bem ©enuff beS heiligen SlbetibmahlS . 424 23et Äranle betet, roenn er Slrjnei gebrauchet . 428 23er Trante bittet um Sinberung ber ©djmeraen . 432 23er Äranle feufjet, ©ott roolle ihn nicht »erlaffen . 436 23er Äranle erinnert fich feines 2obe3 . 440 23er Äranle betrachtet ©rab unb Sluferftehung . 445 23er gläubige Sljtift banfet ©ott wegen «lieber erlangter ©efunbheit. . . . 450 (Sprüche unb ©eufäer jum -Jtachbenten berer, welche Iran! geroefen unb gefunb geworben finb . 564 Vierter 9Ö>fdjtutt. 3**»» ©ebraudj bet Sterbenben unb betet/ tuefrfje um biefelben finb* 23er ©terbenbe ftellet fich »or ba3 göttliche ©ericht . 465 23er ©terbenbe »erjeihet unb bittet um SSerjeihung . 470 2>er ©terbenbe nimmt Slbfchieb unb gibt ben ©einigen ben ©egen . 474 vm Stegifter bet ©efänge. -Seite 35er ©terbenbe befiehlt ficb ©ott . 479 35et ©terbenbe ftellet eine £immelSbetracbtung an . 483 S5et ©terbenbe erwäget bie Sßerbeifjungen ©otteS . 487 35er ©terbenbe betrautet bie ^immelsfreube unb =©efeHfcbaft . 491 35er ©terbenbe trbftet fid} beS SeifianbeS beS breieinigen ©otteS . 495 35er ©terbenbe miß auf 3@fum ©ijriftum fterben . 500 3)er ©terbenbe bittet um ein feltgeö Snbe . 504 ©ebet ber Umftebenben für ©terbenbe . 508 ©eufjer, Spräche unb ©ebete, welche bie Umftebenben ben ©terbenbe» norfptecf>en lönnen . 511 ©eufjer unb ©ebeft eines ©terbenben auS bem ©efang: 3Benn mein ©tünblein oorbanben ift . 541 35ie Umftebenben rufen bem ©terbenben ju . 566 ©egenSrounfd) über einen ©terbenben . 566 ©ebet ber Umftebenben, wenn ber ©terbenbe »erfcbieben . 667 fünfter 2lbfdjmtt. (Gebete 6e t befonberett Wcicgeiibcitcn. 35er gläubige ©brift lobet ©ott an bem wieberum erlebten ©eburtstag 3)er anbädpge ©brift banfet ©ott nad) eingefammeltcr ©rnte . 35er gläubige ©6rift betet bei entftanbenem ©eroitter . 35er gläubige ©6rift banfet ©ott, wenn baS ©eroitter »orüber ift . 35er gläubige ©grift betet ju ©ott, wenn er ficb oon $>aufe auf eine Steife begibt . ©ebet eines, ber ficb in fremben Säubern auf hält . ©ebet eines, ber in ber fjrembe fraitf barnieber liegt . 35anlfagung, wenn einer nad) oollenbeter Steife wieber glücflidj ift nadj allerliebfteä ©eetenpfanb . . . . . 423 D ßeiligfte SDreifaltigfeit . 195 D $@fu, meiner ©eelen fiießt . . . 265 D, melcß ein fjreubenfeft . 99 Seßauet boeß baä bittre Seiben . 136 ©ieß boeß, roie mein $einb midß feßmäßet . 248 ©ieß, eä ift alle§ mein . 256 ©ieß, eS ift ©otteä ©egen . 678 ©oll ber Fimmel alljeit meinen . 666 ©oll oßne Heiligung . 217 Unter meinem ©eßrnerj unb SJeinen . 363 ©ater, gib mir aueß bie ©abe . 221 Sorüber ift bie Sotß . 594 95$ann lommt mein S@fu3 boeß . . . . . 333 SJann roirb ©otteö ©tunbe fommen . 316 SJann mirb micß mein ©ott erßören . 329 SJasS frag ieß naeß ber SJelt . 50 SJa§ für Jammer, ma§ für ©cßrecten . 618 Siaä große Sngft unb ^erjeleib . 631 SJas> foll ieß ©ünber nun anfangen . 262 SJeicßt, rocicßet mir »on mir . 358 SJelcße fuße Snmmelsfreube . 494 Skr ba raill als ein frommer ©ßrift . 444 Skr ©otteä SJort anßört . 25 Skr in Äreuj unb itrübfal fteefet. .1 . 431 Skr nicßt mieber ift geboren . 41 SJie ift mein jgerj erfreut . 111 SHe !ann ieß gnugfam greifen . 454 SJie lieblicß ift bem SJort . 4 SJie finb mir fo aat nicßt3 . 380 SJoßi bem, ber (Slott »ertraut . . 312 €rfter 2lbfcf?nttt. 3unt ©efcraud) ber ©efunben. @rfter Zhcil. gerne, bafe id) im §aufe beS £>©rrn bleiben möge mein Sebenlang, ju flauen bie fdiönen ©otteöbienfte beä £@rtn, unb [einen Tempel gu befugen. «Pfalm 27, 4. @g f)at ber meife ©ott, fdgleid^ nad) bem ©ünbenfatl, bem erftett äftenfdjen, bem tlbam, bie Opfer angemiefen, welche feine Äinber, ®ain unb 2ibel, üon it)m mieberum empfangen, inbem tum biefer beiben Opfer 1 50Jof. 4, 3. 4. au3brMficf)e Reibung gefdjiefyet. SOrefe Opfer geftfjafjen nicf>t ftiflfcfymeigenb, fonbern babei befannten bie Opfern* ben it)re ©ünben, baten ©ott um Vergebung berfelben, beaeugten ifjren ©tauben au ben fünftig^t Stteffiag, $©* funt ©fjriftum, ber audj mürbe fein 93tut für bie itftenfcfjen uergiejjen, mie bag Opfertfper; ja, fie lobten bei fotdjen Opfern ©ott für bie empfangenen 2Bof)ltf)aten, unb pre* bigten aud) oon bem tarnen beg $©rrn. 2)iefe 2lrt beg ©ottegbienfteg ift tion ben ©rjoätern beibefjatten morben, big ©ott in ber äöüfte bie §ütte beg @tiftg aufridjten 2 Der gläubige Sfyrtft bereitet ftcfi jum (Uottesbienft. Keß, nad) bereu dufter (Salomo fjernadj ben Tempel bauete. $ltfo ^at ©ott im alten £eftament ben fiebenten ;£ag auggefonbert gu feiern, uitb geboten, benfelben oor allen anbern heilig gu galten, 2)ieg ©ebot get)et nadj bem äußeren SSerftanb ung Triften im neuen ^eftament nidjtg an; benn eg ein gang äußerlich 2)ing ift, wie an* bere Soßungen beg alten $eftamentg, an fonberli^e SSeife, $erfon, $eit unb Stätte gebunben, welche im neuen £eftament burd) (S^riftum aüe frei gelaffen finb. dennoch haitfe fomme, ©otteg 2Bort gu pren unb gu pnbeln, ©ott gu loben, gu fingen unb gn beten. Söann nun folcpr £ag herbeifommt, fo foÜ ein gläubiger ©h^ft 1) fein ©ernüth oon irbif^en Sachen frei machen unb non feiner Slrbeit ablaffen. 2) ©r fott fich auf ben beöor= ftebenben Sonntag bereiten mit Steten, unb ©ott loben für bie oielen SBoptpten, wel^e er bie SBodje über empfangen. 3) ©r foll bagjenige ©oangelium ober bie ©piftel, welche man beg Sonntagg erfläret, in ber Söibet auffepagen unb barüber eine Betrachtung anfteüen, unb fich alfo gu anbäepiger Anhörung beg göttlichen SBortg bereiten. © eb ei* ©näbiger unb barmherziger ©ott, \d) !omme an biefem &age oor bein piligeg $ngeficf)t mit ßobett nnb kaufen, ba§ bn mich bie begangenen fed)g Stage fo gnäbigiieh erhalten, nnb bie Arbeit meiner §önbe fo reiflich gefegnet pft. $>u pft meinen ©ingang nnb ^tnggang bemapet, auf meinen Söegen mid) behütet, nnb mir an &eib 35er gläubige ©ijrift bereitet fic§ jum ©otteSbienft. 3 unb Seele Diel @ute£ ertoiefen ; bafür lobe unb greife ion ©runb meinet Ker3en^ ©eEet nun meg, t|r irbifcEen ©efcEäfte! n>eid)et oon mir, iEr Sorgen ! 3or böfen ©efell= fcEaften, baß niiEt etma ber Satan burd) feine SBertgeuge mit möge in Müßiggang, QuulEeit, Ueppigfeit, ßuftbarfeit unb Siinben Einbringen, unb baburcE meiner Seele ben größten ScEabett gufiigen ! @ib mir beinen ^eiligen ©eift, baß id) btefen Sag bein SBort gerne Eöre unb lerne. SBemt bein 2Bort geprebigt ttnrb, fo öffne mir ba3 Ker3> baß id) barauf achten, foldje§ in mein Ker3 faffett, unb al§ einen tEeuren StEap barin oermaErcn möge. K^f' baß i$ ftn biefem Sonntag in mei= nem ®^riftent^um mi(E erbaue unb in ©rfemtfc niß ber SßaErEeit guneEme, bamit ba§ geprebigte unb gehörte 2Bort mi(E önbere unb Eilige, auf baß i(E, nrie an 3aEren, alfo audj an bem imuen= 4 2)er gläubige S$rift bereitet fidj jum ©otteSbienft, bigen 9#enfd)en, an ©lauben unb f$frömmigfeit ltmd)fen, eine neue ©reatur tnerben unb ein leben= bige3 ©lieb an bem Seibe meinet ,3@fu fein unb bleiben möge. Safe mid) mit Wnbadjt ben ©otte§= bienft enbigen unb ba£ ©eiernte bebutfamUd) be= magren. $ld), (afe mid) allezeit be£ angefjörten Söorteö eingebenf öerbleiben, bafe id) nad) bem= felben manbeln, reben, leben unb tfjun, unb atfo betneifen möge, bafe id) fein nergefelidjer §örer, fonbern ein Reiter be£ 2öorte§ fei. So lafe mid) tägüd) Sabbatl) feiern, bi£ bu mid) in bie einige §immelgfreube $u bem einigen Sabbat!} burd) ^©fum, meinen einigen ©rlöfer unb Selige ntadjer, einfüfyren mirft. ,f)©rr, öffne mir bie |>ergen3tl)ür, $eudj niein §erj burdj bein 2Bort gu bir, Safe mid) bein 333ort bemafjren rein, Safe mid) bein Äinb unb ©rbe fein. 3)ein 3Bort beroegt be3 ^ergenS ©rmtb, 2)eht Söort mad)t Seib unb ©eel gefunb, $)ein SSort ift, ba3 mein §erj erfreut, $)ein SBort gibt £roft unb ©etigfeit. ©Ijr fei bem Später unb bem ©ofen, $)em ^eitgen ©eift in einem £f)ron, 5£)er feeiligen 2)reieinigfeit ©ei Sob unb $rei3 in ©roigfeit. C#ef ang. 9M, : D ©ott, bit frommer ©ott. 1. 233ie lieblid) ift bein 3Bort, ©3 bringet lauter fjreube, ©3 ift mein gröfeter £roft Unb meiner ©eeten SBeibe; ©3 ift mein liebfter ©d)a|, $)en id) auf ©rben tjab, $)er mid) erquirfen foU, S8i3 man mid) trägt in3 ©rab. $er gläubige ©fyrift Brnitet ftdj jum ©otteSbienft. 5 2. ©3 ift bein 2Bort mein ßicgt, $a3 mit ben 2ßeg recgt geiget, Hub midj beftraft, mann ficg SJtein $ufj gum ^rrmeg neiget; $cg glaub nacg biefem 2ßort Unb leb nacg biefem SBort, ©o bringt micg biefe^ Siegt 9lud) an ben ^reubenort. 3. @3 ift mein §onigfeim, Söomit icg nticg erlabe, SSenn icg üiel 93itterfeit $n meinem $ergeit gäbe; SBie füg iffS meiner ©eel, SBenn fie in ^riibfal ftecft, SBemt igr be§ £rofte§ Duett $m 3Bort mirb aufgebecft. 4. ©§ ift beiit SBort mein ©cgap, ©rog über atte ©cgäpe, 3)arin icg micg allein $n 9?otg unb £ob ergäbe; 2)en ©djag raubt mir fein $einb Unb feiner $einbe £ift, 2Beil er gar mogl üermagrt $n meinem |)ergen ift. 5. pflegt ©olb unb ©über gleirf) ©in ©itler gu er- roäglen, $iel liebet ift bein SÖort ®er gottgelagnen ©eeleit; SBenn man bein Söort unb ©olb 3gr ftettet t>or3 ©efidjt, ©o greift fie nacg bem S33ort Unb acgt't be3 ©olbe£ nidgt. 6. 9ffatg3leute finden bie, ©o ba im gmeifel ftegen; £)iefelben fittb bein 2Bort, $)aght pfleg id) gu gegen; grag icg: 3Ba3 tgu icg jegt, ©egt’3 übel ober mögt? ©o geiget mir bein 333ort, 2£a3 id) ermäßen fott. 7. Üftacg biefent SebenSmort SSitt icg nun eingergegen, ©3 fott mein Seitftern fein, ©ieg, barnacg mitt id) fefjen; SBogu e3 micg anmeift, $)a$ tgu icg ungefcgeut, Unb meib mit allem $letg ®a3, nm§ e£ mir oerbeitt. 8. 5ldj, nimm bodj nid^t gimoeg ®as 28ort t»on meinem 9)htnbe, 5lcg, lag e§ fein mein ‘Jroft 53i3 in bie £obe3ftunbe; 2Öaun fidj mein Sftunb gufdgleugt, 9?immt feine ©petg megr ein, ©o lag bein liebes Söcrt 2)er ©eelen ©peife fein. 9. ©o gab icg Unterridgt, $)ietoeil icg merbe leben, 3dg gab attcg £roft, menn icg ©ott meinen ©eift auf= geben, Unb ma§ bein 2öort Oerfpridgt $tt biefer ©nahem geit, ©ieg, ba£ erlang icg bort jener §errlicgfeit. 2 6 Aufmunterung jum SRorgengebet am Sonntag. Aufmunterung prn SJforgcngcbct am Sonntag. £>@rr, fyöre meine SBorte, merfe auf meine 9febe, »ernimm mein ©freien, mein jt'önifl unb mein ©ott; benn id) miß not bir beten, ^fatin 5, 2. 3. Unfer gange« Scben foCC biflig nichts anbere« al« Seten ltjtb kaufen fein, nämtid) bag mir äße Sage ©ott in unferm ©ebet anrnfen um feinen ©egen, «g)ülfe, Sei* ftattb mtb ©nabe, uttb mertn mir foldje« erlanget, bah mir iljm herglich bafiir bauten. Partim, gläubiger (Sfyrift, mentt btt be« borgen« ermadjeft doit beinern ©cf)laf, fo hebe oor aßen Gingen unb guerft beitte Singen auf geit Fimmel, beule nicht gleich an beine ©efdfäfte unb Strbeit, laufe nidjt gleich t)in, etma« 51t erjagen, fonbern faße erft nieber auf beine ®niee, ban!e ©ott unb empfiehl bidj fei= nem gnäbigeit ©d)tip. Senfe nicht, bn üerfäumteft 51t diel, roettu bu foßteft eine furge geit be« borgen« gttnt <55ebet, mit Sefung eine« Kapitel« au« ber Sibet ober au« aitbern gottfcligen ©driften anmenben. 0 nein, bie auf« ©ebet gemenbete geit mirb bir mit taufenbfadfem ©egen in beiner Arbeit mieber eingebradjt merbett, unb ba« ©elefette mirb bir beu gangen Sag ein |jottigfeim in beinern 9Jtunbe fein. ®arum, menn bu ermadjeft mtb be« SJiorgett« gefttnb aufftebjeft, fo gebettfe 1) mie Diele fromme (Sljrifteit, meldje dießeicht frömmer finb al« bu, haben bie dergangette ^Rad^t in Slngft unb SBetje, in ©djmergen uttb ÄrattRjeiien, in ©chreden unb großer Unruhe hingebradjt, bu aber fiaft bergleichen biefe«mal nicht empfutiben. ©ebenfe 2) mie Slnbere in ber Stacht in Unglücf, ©(haben, ©efafjr unb Srübfal gerathen finb, bir aber fehlet nicht«, unb bafür banfe ©ott. SBitte 3) auch ©ott mit bem anbredjenben Sage, er moße bid) ben Sag über in feiner ©nabe erhalten, bafe bu an betm felben bidj meber an ihm tiodj au beinern Slächften ocr= fünbigen mögeft. Sitte ©ott, 4) er moße ben Sag über SDlorgengebet am ©onntag. 7 btch begleiten, bemafjreit unb iit beiuett (Sefcfjäften unb $3eruf3megen jegnen. $a, 5) übergib bicfy (Sott alfo, bafj bu ben ganzen £ag in feiner Siebe fielen, Don il)tn reben, an iljn benfen unb mit SBiffen unb SBillen i^n nidjt be= leibtgen mögeft; unb aläbann §meifte nicf)t, ber §©rr roirb bein ©eufeen unb (Sehet in ©naben erhören unb ben £ag über bir baSjenige geben unb oerleifjen, ma3 bir an Seit) unb ©eele mirb mißlich unb felig fein. 'Wtorgengetut am Sonntag. §®rr, frühe molleft bu meine Stimme hören, frühe mill idh mid) ^u bir fcfjicfen unb barauf nterfen, gnäbiger (Sott ! ®u bift toürbig gu neh= men $rei£, Dtuhm unb (Sfyre; toer füllte bitf) nitdf> nicfjt ehren, o liebreither SBater ! .3$ fomtne in biefer ^riitjftunbe gu bir mit bemüthigem £>anf, baß bu biefe !^at nad) graben nod) ftefjlen. 3d) freue mich befe, ba£ mir t)er= heifeen ift, bafe mir merben hinauf in bag §au£ be$ f>@rrn gehen, unb meine t$?üfee fiebert foden in beinen £f)oren, Serufalem. ©in£ bitte id) umn §@rrn, ba$ Ijätte id) gerne, bafe id) im £mufe beä §©rrn bleiben möge mein Sebenlang, gu fdhauen bie fd)önen ©otte^bienfte unb feinen Tempel gu befugen. 3Kein ©ott, ba£ fott heute meine Suft fein, bein SBort p hören, in bir mid) gu erbauen, bir p ©fjren Sob= unb $>anflieber anguftimmen, eifrig p beten, unb mein §erg bir p fdjenten. VSie lieblich finb beine Sßoljnungen, §©rr 3e= baotf) ! ÜIReine @eele freuet fid) in bem lebenbigen ©ott. Safe mid) aber fein üergefelid)er §örer fein, fonbern ein Später be£ V3orte£ merben. Oeffne mir baS £>erg mie ber Sqbia, bafe id) ben @amen be3 Vßorteg mit greuben aufneljme; fdjliefee her= nadf) mein §erg gu, bafe mir ihn ber ©atan nicht mieberum raube. Safe midi) t)eute in meinem ©fyriftentljum, in ber ©rfenntnife 3®fu ®hdfti, im ©lauben, in ber Siebe, in ber Verleugnung meiner felbft, im ^fbfterben ber Söelt einen feften ©runb legen, auf bafe id) bie gange V3od)e baran benfe, e3 au^übe, unb baüon gute $rüd)te bringe. Vemafere mid) uor Verführungen, bafe, menn ber SJlorgengebet am Sonntag. 9 Satan feine Söerfgeuge an mid) fd)idet, id) nidt)t in ba$ fünblidje SBefen ber Söelt gerade, unb eben bamit einen ferneren gtud) auf mid) labe, melier mid) bie gange 2öod)e über nod) brücfen fönnte. 2td), lafj meinen öffentlichen unb häug= lidjen ©ottegbienft, mein 33eten, mein §ören, mein Sefen unb Singen bir gefaben. Sei bu felber, o ,3®fu, mein Sekret, bafj id) gunehme an bem inmenbigcn ^enfd)en ; ja, mohne bu burd) ben ©lauben in mir, big i$ broben mit bir un= gertrennlid) uereinigt merbe. fettiger ©eift, bu $immetgtehrer, 9D?äd)tiger %x öfter unb SBefetjrer! Stdj, laf3 meinet §ergeng Sd)rein ©trug beine Sßotjnung fein, Simen, Worgcitgcfattg. 3M. : 2öadj auf, mein §erj, unb finge. 1. 3)ie Utacht ift nun vergangen, 35rum njttt id) gteidb Anfängen, 9Jät Singen unb mit Seien $8or ©otteg 3t)ron gu treten. 2. ©leid) mie bie Mütter pflegen^ $>ie ®inber fanft gu legen, 9iad) ihnen oft gu fe|en Unb um ihr Söett gu flehen : 3. So hat auch ®otteg Sieben 3)ag Unglüc? meg= getrieben, Sd) hab in Sd)u| unb Segen $n feinem Sd)oofj gelegen. 4. 9ftein §erge unb ©emüthe ©rfennt bie grofje ©üte, 3)ie e^ hat alte Stunben $n biefer Stad)! empfunben. 5. Saßt ung ben §öd)ften greifen, ßafjt ung bem 3)anf ermeifen, 35er $unge mit ben SUten 3n feinem Schu| erhalten. 10 Der gläubige £f>rift f?öret unb lernet 6. ©rieben ftc^ bie ©lieber, D ©ott!. fo fommt auch tuieber $)ie Unruh, ^reu^ unb Sorgen Schon an bem frühen borgen. 7. Sich, t)ilf mir aöeg tragen, Söenb ab beg ^reugeg plagen Unb laß nach Slngft unb Steinen $)ie $reuben= fonne fd^eineit. 8* Seit mich auf guten Söegett, Unb gib mir beinen Segen, Stuf bajs ich, mo id) gehe, 2)idj ftetö oor Singen felje. 9. 2)u rnoUft mein ^er^ regieren, Sttit ©ottegfurcht midieren, 3)aß ich mich bir ergebe Unb bir 31t ©tjren lebe. 10. Sich ©ott, erfjör mein glefjen Unb lafj bie 33itt gefdjehen, So miß id) beineu kanten $Bon $er5en preifen, Simen. Ser gläubige Siirift boret unb lernet aut Sonntag gerne ©ottts 3Bort. Slufmitnterung. 333ie lieblid) finb beine ^öotjnungen, £»©rr gebaotl) ! SJleine ©eele »erlanget unb feljnet fid) nacfy ben i&orjjöfen beä §6rm; mein Seib unb ©eele freuen fid> in bem iebenbigen @»tt. $falm 84, 2. 3. 3)er größte Schaß, melden ©ott bem Sftenfdjen hier auf ©rben gegeben, ift ©otteg SBort, benn ©otteg SBort ift für uni Verlorene Süuber bag SBort beg Sebent, tueldjeS ltitg aug ber Süube jur ©eredjtigfeit unb aug bem £obe sunt Sebert bringet. Unb infonberheit hat ©ott uttg nodj bie SÖofjltljat erzeiget, bajj er auch bag heilige ^ßrebigtamt georbuet, burd) roeltfieg fein Söort in öffentlicher SSerfammlung geprebigt unb gefjanbelt toerbe. $itr folcfje öffentliche ^ßrebtgt feineg Söorteg Ija* ©ott einen befonbereu Segen oerheißen, meldjeg Segeng benn alle biejenigen theilfjaftig merben, bie bag 2öort anbäd|= tig hören. ®ommt nun ber £ag herbei, melcher öon ber chriftlid)en Kirche für bie öffentliche ^ßrebigt beg SBorteg am Sonntag gerne ©otteä.SBori. n ©otteg georbttet ift, fo foß ein (Efjrift nirf)t fdofi feiern unb müßig gehen, beim bag !önnen bie Und)riften aud) roof)f, fonbern ein Greift foß bieg feine ©orge fein faffeit, ba% er ©otteg 2Sort höre unb lerne. SBefdje $eit ©otteg 2Bort int ©cf) mang unb Hebung gef)et, ba wirb ein red)- ter Feiertag gehalten; wo nicht, fo foß eg fein ©griffen- feiertag feigen, $ft nun bent atf or fo foß ein wahret ß^rift fid) Ritten, 1) baß er biefen Sag nid)t mit Srägfjeii unb SDHißiggaug ^inbringe. 2) (£r foß ficf) hüten, baß er biefen Sag nid)t anwenbe gu Ofreffen, ©aufen unb Ucppigfeit. 3) ©oß er ficf) pten, baß er nicht um ©ei^eg ober Seichtfertigfeit wißen ©otteg Sßort nachfaffe gu hören. Sich getoiß, an ber rechten freier beg ©onntagg liegt Diel, barait hängt ein großer ©egen! äßer weiß, warum Diele 9Jlcnfd)en ber §fudj unb Hnfegen briidet? Sie Sitten haben gefagt: 2öie man höret ©otteg SBort, fo gehet auch bie ^ptung fort. ©nbfid): £>at man ©otteg SBort gehöret, fo bemalte man eg in einem feinen, guten Jjergen, man lebe barnad), man bringe bie Sebeng= regeln fogfeid) in bie Hebung, unb fammfe fid) babei einen Sßorratf) an Sroftfeßren uub 9ftad)tfprüd)en, beren man ficf) in 9totf) unb Sob bebienett föitue. ©ebet4 Sieg ift ber Sag, bert ber §©rr gemalt hat, laffet ung freuen unb fröh(id) barinnen fein! 3df banfe bir, o (Sott, für beine uietfältigen ©abett, bie bu an biefem Sag mir ertßeitet: auf einen Sonntag ift 3®[ug, wein fxilanb, aug bem ©rabe auferftanben, unb ber fettige (Seift über bie 2lßofteI auggegoffen morben ; barum erinnere id) ntid) au btefem Sage billig meiner (Srlöfung, bie burd) 3®fHm ©piftum gefdjepn 12 35er gläubige Steift työret unb lernet ift, unb ber VÜttheilung beS ^eiligen (Seiftet, melier in ber ^eiligen £aufe retcfjltci) über mich ift auSgegofjen morben. baute bir für bein heiliges, reinem 2Bort, fo bu an biefem £age läffeft prebigen ^um Unterricht unb pxx Erbauung mei= ner Seele. 3amit ich Zeitig leb aübier Unb bir bort baute für unb für. ^ 5. ©br fei öem SBater unb bem Sohn, Sarnmt §eil= gern ©eift in ©inem $bron* Ster heiligen 2)reteinigfeit ©et Sob unb $reig in ©migfeit. 14 Set gläubige S^rift ethjäget Ser gläubige (Cljrift crnmget ben täglichen unb einigen Aufmunterung. @3 tft nodj eine 5)tuf>e »orfyanbcn bcm ißolfe ©otteä. So laffet uns nun ttjun, ein^ufomnten flu biefet 3iulje, bafc unfet feiner bahnten bleibe, ^ebr. 4, 9. 11. ©ott hatte beu 3uben hart geboten, am ©abbath fein 28erf 311 511)0 bjart nnb ftrenge l;at ©ott über bem ©abbatf) im alten £eftament gehalten, baß er auch ben fteinigeu ließ, bet am ©abbath ^olg auflaö, mie im 4. 33nd) 9Jto)e im 15. Kapitel ftefjet. 2)ie3 ©ebot gef)t un§ ©fjriften im neuen 25eftament nichts an, mie ©t. *ßau= lud fdjreibet 31t beu (Soloffem im 2. Kapitel, ©3 ift aber foldjer ©abbatf) ber $uben geroefen ein ©chatten ober $8otbifb auf ben rechten, geiftlidjen ©abbatf) ber ©Triften, ben fie täglid) feiern. 25 ie Triften nämlidj feiern einen täglichen ober geiftlidjen ©abbatf), meld)er nid)t barin be= ftefjt, baß man gar bie Sfrbeit nnterfaffen unb immerbar müßig geben foite, foubern bnreb ben täglichen ©abbatb mirb oerftanben, toenn ber Sftenfd) feiert Don ©iinben, ba§ t)eif3t fo Diel: mie bie $ubett auf (Sottet 23efef)t ruße- teu Do 11 ber |)anbarbcit, fo feiert ein ©hrift auf ©ottcä Söefebl alle $age Don Ueppigfeit unb 53o3fjeit; er hütet fich, baß er uid)t3 53öfe3 rebet miber ©ott unb ben 9Md)' ften, baß er nid)tg S3öfe§ tf)ue, entmeber allein ober in ©efeüfdjaft attberer Seute, baß er fid) aud) burdj anbere nicht laffe oerführen, foubern feine ©eele Don ber SBelt unbeflecft hafte, äßie er nun biefe§ meibet, affo befleißiget er fich unter feiner Arbeit, öftere an ©ott 3U gebenfen, 3U ©ott 3U feufgett unb ihn um feinet ^eiligen ©eifteä Sie- gierung unb 53eiftanb an3uflef)en; unb fiehe, ba§ ift ber geiftlicße unb tägliche ©abbatf), ben ein ®inb ©otte§ ftet3 feiern foH. 2Ber nun biefeu täglichen ©abbath eifrig ge? feiert, ber fanu oerfidjert fein, er merbe auch ben emigen ben täglichen unb ciuigen Sabbatt). 15 Sabbatfj im emigen Seben feiern, meldjer bariit beftehct, bafj bie ©laubigen unb au^ermählten Äinber ©otteS roer= ben non aller leiblichen Arbeit, non allem ^reug unb £rübfat, non aller ©üttbe befreiet, ©ott flauen non $ln= gefid)t 511 5lngeficht, immer mit iljm umgehen, ihn loben unb ihm ohne ^lufhören bienen. 0, ein heiliger unb herr¬ licher Sabbath, ber niemals tnirb geftört toerben! ®at)in merben nur bie gelangen, tuelche hier im ©lauben unb in ber Siebe $@fu merben oerharren bi£ in ben £ob. (Bebet* ^eiliger unb barmherziger ©ott, ba id) nun an biefem Sage beitt heiliges 2Bort höre, burd) njeldje^ bu mich zu beinern Heben ^linbe gemacht unb aus bem sJteid)e beS Seufels errettet höft fo erinnere id) mich an biefem Sage beS tög= Höhen geiftHd)en Sabbatb§, barin ich bon Siin= ben ruhen unb ablaffen unb bir meinen Seib unb meine Seele, mie auch mein ganzes Seben heiligen foK. ÜRun, mein ©ott, bas foll hin- füro, bnrch beine ©nabe, meine tägliche Arbeit fein, baf* ich thne beinen, nicht meinen SBillen, bafj ich bie böfen Stifte unb ©ebanten burd) beine $raft öertreibe, bamit bu allein in mir ruhen, mich mehr unb mehr erleuchten unb hc^^9cn mögeft. 2ld) ©ott, gib, bafc biefer geiftlidje unb tägliche Sabbath meinet ^erzenS niemals möge Derftöret merben.. 53ete bu in meinem §erzen, finge in meinem .^ergcn, lehre in meinem £>cr= 16 £>er gläubige G^rift ertrüget ben täglichen unb etrigen Sabbat^. 3ett, fo ift mein §et3 bein geheiligter Tempel. Söenn id) benn nun nach beinern fftath meineg ßebeug £age unb ^ugteid^ and) biefen geiftlidjen ©>abbath merbe geenbiget hoben, fo führe mich, o ©ott, ein gu bem hintmlifthen, emigen 6ab= bath/ bo mir merben in emiger 9tuhe unb in ber feligen himmlifchen 3^ßube bid) greifen in bem Tempel ber §errlid)feit ; ba merbe ich bog §ei= Hg, Zeitig, heilig mit allen Engeln unb ©heru= binen an [tim men* 2ld), mein (Sott, lafe mich bereirtft 311 foldjer (geligteit gelangen* Da mirb jein bag $reubenleben, Da Diel taufenb ©ee* len fchon ©inb mit $inunelgglanä umgeben, Dienen bir bor ©otteg Dhron, Da bie ©erapljinen prangen Unb bag hohe Sieb anfangen: fjeilig, heilig, heilig hetfet ©ott ber SSater, ©ohn unb ©eift. Simen. (i* e f a tt g* 2M. : £> (Sott, bu frommer ©ott 1. Der ©hrif*en ^abbath ift, Da fie in biefem ßeben Der ©ünbe fterben ab, Shr $erä gar ©ott ergeben, Da fie üon ©ünb unb ©dfanb Unb oon ber S3ogheit ruhn, Unb bag mit allem $teifa 2Bag ©ott befiehlt, thun, % Der ©abbath hört nicht auf, ©r baurt burchg gan^e Seben, Zubern fie alle ©tunb Shr $er5 3U ©ott erheben; Deg ^erjeng §arfe fpielt, Die $unge lobet @ott, Unb biefer ©abbath mährt ©ogar big in ben Dob. 3. Der emge ©abbath mirb 9tach biefem erft angehen, Dort in ber ©eligleit, SBofelbft bie frommen ftehen, Sn großem ©laus unb Sicht, SBie ©ortnen angefleib’t, 2Bo Suhe, $rieb unb fjreub ©te labt in ©migteit* 2Ibenbgebet am Sonntag. 17 4. 2öot)lan, wer einftenä miß 3u tiefer Sftuf) ge= langen, $er muß ben ©ab&atf) hie, SSie fidj’g gebührt, anfangen; ($r fei unb bleibe fromm Unb ne^m im (Glauben ju, ©o fommt er nach bem £ob 3ur wahren ©abbatfjäruh* ^Ibcnbgcbft am ©untttag. §@rr, bleibe bei mir, benn e§ rnitl $benb merbett, unb ber Stag fjat ftdj geneiget. 0, bu lebenbiger, allmächtiger ©ott, mie unbegreiflich fittb beine SBerfe, mie unaugfbrechlich beine ©üte, meld)e bu ben 3Kenfd)enfinbern ergeigeft! $d) fann üon ©nabe unb SBaljrheit, Don Siebe unb Söarmher^igfeit fügen, inbem bu ben Dergangenen Qag mir riet ©ute3 an Seib unb @eele ermiefen tjaft ; bn bjaft meine eele gefyeifet mit bem Sörob be3 Sebent, unb mir au£ ber lebenbigen Quelle ju trinfen gegeben ; bein 2öort ift meinem 9Kunbe füßer gemefen, benn £>onig unb §onig= feint* W©rr ift mein 2id)t unb mein §eit, tmr ment foHte id) mid) fürsten? $)er §©rr ift meines 2ebenS Alraft, oor ment foüte mir grauen? SBenbe $euer unb 3BafferS= noth unb alles Unglücf tmn mir unb ben 5£Reini= gen ab, unb lafe aEe betrübten, ^ranfen unb Sterbenben beinc reiche ©nabe geniefeen ; fo fott morgen früh unfer aller 3JJunb beineS Ruhmes Doll fein, unb mir mollen erzählen, mas bu uns ©uteS an 2eib unb Seele getfean feaft. ^er^eifee mir, menn id) nicht mit folgern ©ifer bein SBort gehöret, mie id) billig gefüllt, unb nimm beS= megen beine ©nabe nicht tmn mir. 2afe in ber neuen Söodje alles neu an mir fein, fdjenfe mir eine neue Siebe unb Verlangen n ad) bir, einen 2t6enbgebet am Sonniag. 19 neuen £rteb, bir gu bienen unb gu gehorchen. Safe mid) bie in ber vorigen 2Bod)e begangenen Sünben meiben unb fließen, bamit jebermamt erfenne, baß tott mir ent= fernet fein. 5. Sag alfo mir unb aueg ben Steinen, Unb mag mir fonften sugegört, 2)ein ©nabenlicgt beg Stfacgtg erfdjeinen, 2)ag aßeg bleibe ungeftört, 25ag, menn id) mieber aufer= fteg, $dg aßeg underleget feg. 6. Sag beinen ©ngel bei mir bleiben Unb immer um mein 33ette ftegn, Sag ign bag Unglüd don mir treiben, Stuf mieg unb aße frommen fegn; ©o feglaf icg fanft in ©otteg £jut, $)er aueg im ©cglaf mir ©uteg tgut. 7. $cg fürdjte niegt beg ©atang ©egreden, -ftoeg feiner 9totte SUlat^t unb Sift, Seil ©ott mieg felber miß be= beden, Unb meil mein 3©fug bei mir ift; SDarf ©atan mir fein Siegt augtguu, ©o mttg er mieg audj laffen rugn. 8. ©g gegn gur Stuge meine ©lieber, SRacgbem ber ©onntag ift doßbraegt; SJfein Sttunb briegt äug in $reu= benlieber S3ei etngebroeguer finftrer SZacgt; $cg fteg mit 3©fu mieber auf, Unb fo doßfügr icg meinen Sauf. 9. $eg miß bir ©eele, Seib unb Seben, ©omogl beg Xagg alg aueg bei -Racgt, $iemit, o treuer ©ott, ergeben. Sieg, gab bu felber auf mieg Siegt. Sieg, lag mieg bir empfoglen fein; 2)eun bu bift mein unb icg bin bein. 10. ©o bleib icg benn in $©fu Sunben, Unb fdglafe in benfelben ein; Stucg in ben legten ^obegftunben Serb icg ba mögt dermagret fein; darinnen miß icg auferftegn Unb gu beg Santmeg ^oeggeit gegn. 25er gläubige Greift banfei ©ott narf? an gehörtem göttlichen SEßort. 21 2>tr gläubige (£f)rift bantet (Sott nadj angefiöttem göttlidjcn Sßort. Stuf muuterintg. <5eti> ^:^äter be§ 2Bort§, tmb nidtjt §örer allem, bamit tljr euch felbft betrüget, $ac. 1, 22. 2Bie aße göttlichen SBohlthaten tmn ben Äinbern bie- fer Söelt mißbraucht merben, alfo gedieht eS auch oon ihnen in Slbficßt auf bie Anhörung beS göttlichen SBorteS, unb fie finb hierin bou ben mähren £inbern ©otteS meit nuterfd)ieben. 333elt!inber bilben fid) ein, 1) ber Sonn¬ tag fei gu ihrer Ueppigfeit unb ßuftbarfeit gu gebrau djen, ba fie, non ber Arbeit frei, ihrem ^teifche foßen SBergnü- gen mad)en, meldjeS hoch grunbfalfdj ift. 2) Sßeltfinber gehen, menn fie nod) öiel thun, auf eine ceremonienmäßige Sßeife beS Borgens gu bem ©otteSbieuft, ^adjmittagS aber gum fiinblichen Vergnügen, unb hernach fommen fie, rno nicht beraufeßt, hoch mit eiteln ©ebanfen, füublichen gerftreuungen unb meltlidjen ^hor^eiten nach §aufe. 3) SBeltfinber achten ba§ geprebigte Söort nicht, unb menn man fie 9ttontagS fragen fotlte, maS ihnen itjr Äinhen- gang genutet, roaS fie gehöret, maS fie gelernet, fo miffen fie nichts; ber Teufel hat ba£ Söort fogleich mieber tmn ihren |jergett genommen, baß fie nicht glauben unb felig merben, ßuc.8, 12, 4) Unb menn fie ja noch etmaS miffen, fo bringen fie e§ boih nicht in bie Hebung. Söahre ®inber ©otteS aber hören 1) mit ^Inbacßt baS äöort ©otteS an. 2) 3)a3 ©ehörte mieberholeit fie gu^aufe, fchteiben e§ auch mof)l auf, unb freuen fich barüber als über einen großen ©d)ah. 3) Sie benfen auch in ber 2Bocf)e baran, unb trad)= ten, eS in Hebung gu bringen. @3 hatte im alten £efta= ment bet §©rr bie £fpere jwm Offet ermählet, meld)e mieberfäueten, unb bie Seelen finb ißm auch bie liebften, melche baS gehörte ober gelefene 2Bort mieberfäuett, er* mögen unb aus bemfelben immer neue Nahrung, straft unb Saft faugen, unb fich alfo gum emigen ßeben erbauen. 22 ©er gläubige GEsrift banfet (Sott (Hebet* 0 bu gnabenreicher ©ott, mie fann icf> bir genugfam bauten, mie fann id) genugfam bid) loben unb greifen, baft bu mich btefen Sonntag haft erleben (affen, an meinem ich bein t)eiltge§ $Bort angehöret unb oernommen höbe, mie ich foH recht glauben, fromm leben unb bereinft felig fterben ! 0u höft mir laffen funb merbeti, maS bein gnäbiger 2öi Ke an mich fei, bu höft mich laffen lehren, maS ich fott meiben unb maS ich foÜ thun. 2lüter/ fcd)leu§ bodh mein §erz fo halb gu, menn baS Söort beS SebenS zu meiner ©rbaumtg in baSfelbige gegangen ift, bamit eS ber Satan mir nicht raube, unb ich leer mieber nacf) angehörtem göttlichen SBort. 23 nach §aufe gehen müffe* ©ib, bafj id) mid) piegele an bem ©^empel }o vieler taufenb 3Ken= fdjen, bie gtnar bein Söort, o ©ott, antjÖren, aber fid) nid)t belehren unb frömmer merben, nod) bie Sonetten, Unarten unb fünblpen ®emop= feiten abtegen, fonbern ütetmep bopafter unb freier mcrben unb bleiben* 2Ba§ tpft folgen ihr $ird)engehen, ip Gingen, ip §ören, ip ^Beten? Söirb ba3 2öort fie nicp befto mep oerbammen, ba fie be§ §©rrn SBiUett gehört, gehm&t unb bod) nid^t barnad) getpn haben? Wd), mein ©ott, laft mid) biefe 2Bod)e nun fröm= mer unb gottfetiger merben; gib, baft id) ba£ gehörte SBort täglirf) mieberpte, baöon mit ben 3Keinigen rebe, barüber mid) erfreue, unb allezeit barnad) ttjue. §abe cd) au§ beinern heiligen Söort oernommen, id) fotte fanftmüthig, bemütt)ig unb barmherzig fein: ad), fo öerleihe mir ©nabe, bafe id) attegeit baran mp erinnere, unb niemals in äorn, fRac^gier, @totz unb Unbarmherzigfeit verfalle, fonbern meine ^einbe liebe, mid) fetbft oerieugne, unb ben Firmen unb ©tenben ©ute6 thue* §abe ich gehöret, id) foUe gegen meine böfen Siifte unb ©ebanfen ftreiten, mid) oerleug= neu, ben atten SOZenft^en abtegen, hingegen ben neuen anziehen, güd^tig, gerecht unb gottfetig leben in biefer Söett: fo gib mir ffraft unb 24 2)er gläubige (Etyrift bautet ®ott Starte, baß ich mich barin tägltd) üben unb e£ vollbringen möge; unb ob e£ gtoar gteid? im 2ln= fang in großer Sd)it>aihheit gefd)iehet, baß id) both fortfahre in ber Heiligung, unb mich je mehr unb mehr reinige von aller Vefledung be£ Qiei- fchel unb bei (Seiftet, $ld), laß mid) mit beinern heiligen 2Bort umgehen, tvie bie SBeltfinber mit ihren irbifd)en Schäden, melche fie einfchließen unb mobl bemahren ; ebettfo gib mir $raft, baß ich bie heiligen Wahrheiten, theuren ©laubenl= lehren, fräftigen Vermahnungen gur Heiligung bei Sebent als einen lieben unb merthen Sm SDie anbefofjtne $flidjt. 8. 9J?ein ©ott, oerlei^ mir ©nab, 2)a§ id) bie |)im* metgtetjren 9J?ög immerbar mit Odeifj 3lt meinem 97u^en Ijören, S)af3 id), mag id) gehört, Sftit großer ©orgfatt t|u, Unb atfo t)ie unb bort ©etang gu meiner 9?ut). 26 SJtorgengebet am 2Jioniag. borgen gebet am Montag. Saß mi$ früt) pren beine ©nabe, benn id) ^offe auf bid) ; tpe mir funb ben 2Seg, barauf id) gepn fall, benn midj »erlanget nad) btr. ^eiliger, gütiger unb allein meifer ©ott, ber bu ben ^immei erfipffen, unb bie @rbe gegrünbet, unb »erorbnet pft, baß £ag unb 9£ad)t ab= toedjfeltt, unb auf ba§ Sicp bie ginfterniß, unb auf bie Arbeit bie Otup folgen fott, bamit fid) 3tfenfd)en unb $ief) erquiden mögen: id) lobe unb greife bicf> für beine SBeiSpit unb SSater- treue in biefer 3Korgenftunbe, baß bu mein ©ebet fo gnäbiglp erpret, mid) bie »ergangene üftadjt »or ^Iranfpit unb anberm Uebel beptet, unb ba3 Peinige mit beinern ©d)uj) umgeben pft. §®rr, groß finb beine 28erfe, bie bu an ben Iftenfcpn tpft, beine ©üte reichet, fo meit ber Fimmel ift, unb beine 2öappit, fo toeit bie holten gepn. ;3d) fdjüef, unb bu madjteft; id) toar im ben Sag in furcht, Siebe unb ©ehorfam gegen bich hinbringe. Schaffe in mir, ©ott, ein reine# £er;$, unb gib mir einen neuen, gemiffen ©eift ; Dermirf mich nicht non beinern 2lngefi®rr 3®fu, fleibe mich mit bem Otocf beiner ©eredjtigfeit. $ch mafche meine §änbe, |)@rr 3@fu, mafche mich mit beinern heiligen »lut oon allen meinen Sünben. »ernähre mich, bafe ich niemal# manbele im Otatb ber ©otb lofen, noch fi|e, ba bie Spötter fitjen, al# mel= eher greunbfehaft beine $einbfchaft ift; fo ich mitt ber Sffielt $reunb fein, unb mit ihnen ihre füttbliche unb alte ©emobnbeit treiben, fo mirft bu mein $einb merben. Weh, mein ©ott, brüefe 28 2)er gläubige S^tift bittet um ©egen in mein §erg bie Söorte : 2öanbele oor mir unb fei fromm. 0, tote Diele fanden eine äöoche an, aber fie oottenben fte nicht, unb fittb am @nbe berfelben franf ober fd)on begraben! $)arum laß mich allezeit nachjagen ber Heiligung, ohne toelche niemanb bid) flauen toirb ; laß mid) gott= feliger 2Borte, unfträflichen SBaitbefä unb ^eili¬ ger ©ebanfen mich befleißigen, bamit id) allegeit im ©taube ber ©nabe unb in bcincn 2Bunben, o 3©fu, erfunben toerbe. ^ie ©nabe be£ $8a= ter0 erhalte mich, bie Siebe be3 ©ohne£ heiÜ9e mich unb bie ©emeinfchaft be3 ^eiligen ©eifteg mache mich fruchtbar gn allen guten Werfen. 9ttit (Segen mich befdjfitte, 9J?eiit fei beine |nitte, $)ein SBort fei meine ©peife, $Bi3 ich gen §immel reife. fÜmen. ®er gläubige (Shrift bittet um ©egen im Anfang ber SBodje. Slufmuntermtg. 3tHe§, n>aä iljr tt)ut mit SS orten ober mit Sßerfen, ba3 t^ut aUeä in bem tarnen be§ $Grrn unb banfet ©ott unb bem SSater burdj it>n. Gol. 3, 17. §at man Urfadje, gu beten unb gu flehen, menn ein £ag anbricpt, mie riet mehr fott ein gläubiger ©hrift fein §erg unb feine klugen gu ©ott erheben, menn er eine neue 3öocf)e anfaugen mißt! Söie Diele 9Jtenfor ©ott pr ßiecgenfcgaft gefteßt rnerben, SEBer bag tgut, ber fann im ©egen bie SBocge anfangen unb unter ©otteg ©cgug »oßenben; unb foßte er eg igm aucg eine Äreu^mocge merben taffen, fo mirb er bocg barin fein §etfer, fRetter unb Söeiftanb fein unb bleiben. D bu liebreidger unb barmherziger ©ott ! 3dg fange unter beinern Seiftanb eine neue Slöodge an; idg meifj aber nicht toa3 mir barin miber= 30 2>er gläubige G^rift bittet um ©egen fahren toirb. 2öie Diel UebelS unb Unglücfs fann uns in einem £age begegnen, toie Diel me^r in einer ganzen 2öod)e ! Saturn fomme id) gleid) im Anfänge berfelben gu bir unb empfehle mid) bir gang unb gar. 2fd), mein ©ott, gib mir beinen ^eiligen (Seift, ber mid) ßeilige, leite unb regiere unb meinem ©eift baS ^eugniß gebe, baß id) ein $inb ©otteS fei. Segne mid) biefe B3od)e, fegne meinen 2luSgattg unb ©ingang, fegne meine Berufsarbeit unb ©efd)äfte, fegne meine Sd)ritte unb dritte. 3$ Ijebe meine klugen auf gu ben Bergen, Don tt>eld)en mir @egen unb |)ülfe fommt; meine f)ülfe fommt Dom §©rrn, ber §immel unb ©rbe gemalt ßat. 2Bemt bu mid) leiteft, fo irre id) nidjt; toenn bu mid) ßältft, fo falle id) nid)t, barum laß beine Streue unb ©iite mid) atttoeg behüten. Segne and) alles, toaS mein ift, unb laß eS in beinern Segen blüljen. 2ld), mein ©ott unb treuer Bater, fdjüjje unb betoaf)re mid) Dor Sd)aben, ©efaßr, Berluft unb Unglüd; laß mid) £ag unb üftadjt in beinern Sdjut) unb ©nabe fielen. Betoaljre mein £>auS um unb um, toie bas §auS friobs; laß um mid) unb bas SJieinige beine ©ngel eine Söagenburg ftßlagen, fo toirb mid) fein Unfall ftürgen, fo groß er and) ift. ©rljöre mein ©ebet, toenn id) gu bir fdjreie, unb laß mid) nid)t uner= im Slnfattg ber ffioc^e. 31 |ört t>on bem 2|ron beiner ©nabe toegge|en* 33ema|re mid) tot feineren ©iinben; tneife mir, §6rr, beute 2Bege; (eite mid) in beiner äöaf)r= |eit* @r|alte mein §erg bei bem ©inigen, bafe id) beinen tarnen fürste. @ib, bafc id) biefe 2öod)e möge frömmer unb gottfeüger merben, in beiner ©rfeuntniB unb Siebe guneimen, unb mie id) eine 2öod)e nad) ber anbern gurücflege, id) aud) an bem inmenbigen 9Jien}d)en tnad)fen, unb in meinem ©tauben barreidjen möge Smgenb unb in ber Sugenb 33efd)eiben|eit, unb in ber 53e= fd)eiben|eit ÜERäfeigfeit, unb in ber üDtöfcigfeit ©ebulb, unb in ber ©ebutb ©ottfeligfeit, bantit, tnenn nun bie te|te Seben^modje einbrid)t, id) beiner ©nabe möge oerftdjert fein* ©oEte aud) biefe 2Bod)e mir eine Äreugroodje merben, fo ftärfe mid) burd) beinen ^eiligen ©eift, baf; id) aEe§ unter beinern mastigen Seiftanb au£fte|en unb überminben tönue. ©ei bu felbft mein §el= fer unb ©rretter in unb au3 aEer 9tot|* 9tun, id) befehle midj mit Seib unb ©eele unb aEem, ma3 id) |abe, in beinen gnäbigen $aterfd)u|, toie aud) aEe frommen ß|riften* darauf fo ft>red) idj Simen, Unb groeifle nidjt baran, Unb gelj in @otte§ Stamen $)ie oorgefdjriebne ©a|n; ftrecf au3 meine §anb, ©reif an ba3 SBerf mit grreu* ben, $5a3 er mir ttrifi befdjeiben Sn mein’m S3eruf unb ©tanh, Simen* 32 3>et gläubige Greift bittet um ©egen im Anfang ber SBot^e. <$efattg* 3JM.: O ©ott, bu frommer ®ott. 1. $d) miß bie neue 2ßod) Sftit bir, o ©ott, anheben, $)u ttjoüft mir beinen <55eift Unb beinen ©egen geben; $m Anfang fteh mir bei Unb meidje nicht non mir, $)a(3 id) am ©nbe nodj bereinigt fei mit bir. 2. 0I)n beinen ©egen fann, SJiein $ater, nic^tö ge* beiden, 2)rum mir, o ©egeng=©ott, Um ©egen p bir fdfreien; 2td), fomme felbft p ung Unb greif bag SBerf mit an, Sßeil eg burdj bid) allein 93eförbert merben fann. 3. Sldj ja, eg ift umfonft, 5fm borgen früh aufftefjen Unb mit SBefümmernifj $ln feine Arbeit gehen, 2öenn bu nid)t felbft mitgefjft Unb fteljeft mit babei, 2)afj Shtfang unb auch ©nb Söou bir gefegnet fei. 4. 2)rum fomm, o ©ott, p mir Unb gib mir beinen ©egen; 2)enfelben moüeft bit $n meine 5lrbeit legen; 21d), fegne all mein $fjun, Sich, fegne meine Stritt Unb tffeile gnäbiglid) 9J?tr beinen ©egen mit 5. ßaß midh in $römmigfeit 2)ie gange SBod) fjim bringen; Safj meine Arbeit fein, 3)id) loben, beten, fingen; SBemahre mid) bor ©ünb Unb grober Sttiffethat, Unb menn ich 33ufje t|u, ©o fdjenf mir beine ©nab. 6. SJtein ©ott, begleite mid} Stuf allen meinen SBegen, Unb mittft bu biefe SBoch ©in ®reug mir auferlegen, ©o biet mir beine §anb Unb fteh mir fräftig bei, $a, trage felbften mit, SDafj ntir'g erträglich fei. 7. 9?un, mag bu ©uteg mirft SJtir biefe 2Öod) er* meifen, 3)afür fott bid), mein ©ott, Sttein 2ftuub unb §erge greifen; Sldj, laj3 mich alg bein ®inb $)tr ftetg empfohlen fein, 23ig ich burc| $©fu Sötut ©eh p ber $reube ein. Aufmunterung jum AbmbgeBet am Hiontag. 33 Aufmunterung jum A&cnbgefiet am Montag. $4> liege unb fdE)Iafe ganj mit ^rieben ; benn allein bu, $(5rr, mir, bafs tdj fidjer roofytte. fpfalm 4, 9. $ft bie 25anfbarfeit eine fdjöne £ugenb, melcße ©ott unb attenfdjen moßtgefäßt, fo foß aucß ein gläubiger ©ßrift berfelben eingeben! fein, wenn ißn ©ott einen 5£ag ^at überleben unb ben Stbenb erreicßen taffen* ©g ift gu be- flagen, baß öiete ^ienfcßeu Sage, Söocßen, -SRonate, ja, gange Saßre Einbringen, oßne gu erfennen, trag ©ott an ißnen getßan ßat. ©ie genießen bon ©ott ©ißu ß, 93ei= ftanb, gülfe, unb bauten ißm ntdtjt einmal bafür, fonbern meinen, eg müßte fo fein, fie müßten gefuitb, glütflicß unb im SBoßlfein ißre 3eit Einbringen, ©ott müßte alfo fie erEatten unb eg iEnen taffen moEt ergeEen. Sarnm, o gläubiger ©ßrift, fonbere bicE ab bon folgen unban!== baren ©eelen. §aft bn ben Sag unter bem ©cßuß unb 93eiftanb ©otteg glücflicß gurüctgelegt, fängt bie ©onne an untergugeEen, unb miß eg nunmeEr Slbenb merben, fo Eebe beine klugen auf gen girnmel mit hänfen unb mit Söeten. 1) S>an!e ©ott, baß er büß ben Sag über bor Ungtütf bemaEret, unb benfe, mie biete 9Jienfc^en bießeießt ben Sag, an melcßem bicE fein Seiben berüEret, in bag größte Unglüd gefommen, ißre ©efnnbEeit ber= toren, beg 2lbenbg Iran! unb in großen ©dfjmergen auf iEr SBette finb gelegt morben, ba fie ben -ÜDiorgen noeß frifdE) unb gefunb marett ; ja, mie biete finb in einem Sage arm gemorben bureß Unglücf, bie am borgen nodß nicEtg babon mußten. 2) SBitte ©ott um Vergebung beiner ©ünben, unterließe beine Sieben unb beine Sßaten; ßaft bu ben Sag über etmag gerebet miber ©ott unb ben 9iäcßften, ^aft bu etmag boßbraeßt, bag miber bein ©e= miffen unb ©ßrtftetttßum ift, o, algbann bleibe auf unb unb bitte eg ©ott ab, eße bu feßlafen geßeft. 3) ©ebente, bießeießt mirb in biefer -Uiaeßt ©ott beine ©eele bon bir forbern, o, barum maeße ^rieben mit beinern ©ott, eße 34 Sl&enbfle&et am SHontag. btt bie Singen fdjliefjeft. 4) Sitte ©ott um ©dju£ unb um feiner ^eiligen @ngel 2Bacl)t, baß fie alleg UnglüdE uon bir abtreiben. 5) Sludj in ber Üftactjt felbft, menn bu etma öom ©djlaf ermadjeft, fo ben!e an ®ott; banfe ifjm, fo fcfjtäfft bu in feinen Slrmen unb unter ber Zeiti¬ gen (£ngel ©dju£ fanft unb felig. 31 bcnbgcbct am Montag* $d) liege unb fdjlafe gan£ mit ^rieben, benn bu, §®rr, mir, ba§ id) fieser mofjne. £) bu emiger unb admäd)tiger ©ott, biefeg finb meine Slbenbgebanfen, ba id) mid) gur dtufye be= geben mid. 0, mie fod id) bir genugfam bauten, bafj bu mid) aug= unb einbegleitet Ijaft, baf$ id) meinen $u& an feinen @tein geftoften? 0u tjaft mid) greifet unb getränfet, bn fjaft mid) ge= tröffet unb erqnidet, bein Staffelten Ijat meinen Obern bematret, unb burd) bidZ unb beine ©nabe ftete id) nod) big auf ben heutigen £ag. Stde biefe unb anbere 28 o!) (traten finb lauter ©tim= men, meldje mid) 3U beinern Sobe anfmnntern; barnm fo lobe ben §©rrn, meine @eele, unb mag in mir ift, feinen ^eiligen tarnen; lobe ben §@rrn, meine @eele, unb öergtfe nid)t, mag er bir ©nteg gettan ^at. Vergib mir, o £>@rr, oergib mir ang ©nabe, mo id) ^ente bag Sor= bilb meineg 3K$fu nid)t oor Slugen gehabt, unb beine ©ebote aug ben Slugen gefetjet, hingegen n ad) ber 28elt unb mit ber SBelt gelebet l)abe. 2l&enbgebet am Sßontag. 35 2lch £)©rr, ich fdjjutbige mich uttb tfyue 33u§e im Staub unb in ber Wfche. SDer Stag ift nun bat)in, tilge auch meine Sünben, tote einen ^ebel, ttnb gebenfe b'erfelben nimmermehr; ich gelobe bir hiermit an, in rechter 2lufrichtigfett meinet §er;$eng, baj$ ich bir fleißig bienen unb meinen 933anbel nach betnem SBort einrichten toiCL ©e= hüte mich btefe üftacht t>or alten ^achfteEungen beg Qfeinbeg, oor Unglüd: unb allem Uebel ; brücfe mir fclbften, toenn ich einfchlafe, bie klugen ju, mein 3®fu, aber brücfe mir auch zugleich bein blutigeg 93ilb in mein §er^ baf$ ich beiner nicht oergeffe. Steine Seele mit Segier träume ftetg, o ©ott, oon bir, baft ich feft an bir ftetg bleibe, unb auch fchlafenb bein oerbleibe. Sei mein Sicht in ber ginfternifs, mein Reifer in ber üftoth; mein £>er$ hält bir oor bein 2öort: ihr fottt mein Wntlitj fuchen; barum fuche ich auch, §6rr, bein Stntlifc. 3t je£t in meiner 9tulj, 2öer moüte traurig fein? Simen, ^Rorgettgebet am &teit$iag. SQSad)e auf, ber bu fd)läfft, unb ftelje auf Don ben lobten, fo tüirb bid) ©^riftu§ erleudjten. O bu barmherziger (Sott, beffen ©üte unb Streue alle borgen neu ift, id> fage bir mit fterg unb TOuttb Sob unb S£>anf, ba§ bu mid) an biefem TOorgen mieberum gefunb üon meinem Säger haft aufftehen (affen, unb meinen Seib üor @d)a= ben unb meine @eele üor @ünbcn bewahret. 3Bie grofe ift beine ©üte, §©rr, bafe 9Jienfd)en unter bem @d)atten beiner glügel trauen unb unter bemfeiben fo mädjtiglidj bewahrt toerben! 3jd) fd)aue nad) ber Qirtfternife Wieberum ba3 @onnenlid)t; gib mir ©nabe, ba§ id) biefen gangen Stag in beinern Sid)t waftbele unb alte ÜBerfe ber SinfterniB fließe. 3d) adjte ben £ag für üerloren, an toetd^em ich ber 2Be(t gebienet, 2/Zorgengebet am Dienstag. 37 unb meinen SJJunb, meine ©lieber unb Sinne nad) ber SBelt ©emopnpeiten unb Sporljeiten gerietet l)abe, mooon id) bereinften t»or beinern ©ericf)te eine fernere 9ted)enfd)aft geben muft. 3d) opfere mid) hingegen bir gang gu beinern Sienft auf mit Seib unb Seele; lafj mid) nid)t§ modern nidf)t^ oornefjmen unb gebeuten, alg mag bir gefädt, auf ba& ber gange Sag bir möge ge= heiligt fein* 3a, la§ mich adegeit fo leben, reben unb tfjun, alg ob id) fyeute nod) fterbcn müßte. Unb ba id) nad) ber finftern barin id) alg beitt $inb in beinern 2trm gelegen, nun mieberum oon neuem lebe, fo meifj id) nirgenb pin, als gu bir; id) f topfe an beine ©nabentpür, id) menbe mid) mieber gu ber Segengquede, aug melier id) neunte einen Segen, nad) bem anberrt, eine §ülfe nad) ber anbern; benn mag bu, §©rr, fegneft, bag ift gefegnct emiglid); mcnn bu beine §anb auftljuft, fo mirb adeg gefättiget mit 2öol)Ige= faden* ®ib mir guten ütatt), menn id) Sftatf) bebarf; rid)te meine $lnfd)läge unb mein £8or= nehmen nad) beinern äöideit* ©ntgünbe in mir bie flamme beiner göttlidjen Siebe, bafe id) bie- fen Sag meinen ©tauben in ben SBerfeit geige, unb in mafjrer Siebe gegen bid) unb ben 9täd)ften oerparre, auf baf$ id) opne ©emiffengmunben ben $benb erreiche* 2öenn id) rufe gu bir, §®rr, 38 35er gläubige G^rift freuet f«h feiner SBiebergeburt. mein ©ott, fo fdjmcxge mir ntdEjt, auf ba& nicfyt, tt>o bu fdfjmetgeft, idfy gteicf) tuerbe benett, bie in bie §öüe fairem §öre bie Stimme meines Siemens, menn id) meine §änbe auffyebe ^n beinern ,f)eilig= tljum. Saft baS ©ebet ber ©tenben, traurigen, Oranten unb and) bas ©ebet ber ^einigen nnb aKer frommen oor beinern ©nabenftufji @r= fyörung ftnben. $a, ricijt mein gan^eg Beben Mein nach beinern ©inn, Unb menn icfj eg foü geben &ng £obeg 9tadf)en bin, SBemt’g pie mit mir roirb aug, ©o lajg midi) felig fterben, Unb nach bent Xob ererben $eS emgen Bebeng |jaug. Simen. Jet gläubige (Tljrift freuet firf) feinet SBiebergeburt. $tufmmttermtg. ©elobet fei ©ott, unb ber SSater unfer§ |>@rrn $@fu Gfjrifti, ber unä nach feiner großen Sarmher^igfeit tuiebergeboren hat *u einer lebenbigen Hoffnung burdj bie Sluferfiehung ^(Sfu (S^rifti non ben lobten, j$u einem unvergänglichen, unb unbeflecften, unb unverrvelllichen ©rbe, baä behalten tvirb im Fimmel. 1 ^ßetr. 1, 3. 4. 38er fic^ rühmen miß, ber rüfjme firf) beg |>©rrn. 38er firf) freuen miß, ber freue firf) über fotrfje ^Dinge, bie iljn eroig fönnen glürffelig machen, $ft nun etmag, beffen fief) ein ©laubiger rühmen, unb barüber er fid^ freuen fann, fo iftTg gemifj bie SBiebergeburt, fo iffg ge= raif} biejenige 2Bof)ltf)at, baß er getauft unb baburd) ein $inb ©otteg geworben ift. 3Bir tjaben in ber ^eiligen jtaufe erlanget : 1) bie ®inbfdf)aft bei ©ott. ©ott ift nnfer SSater, ber ung alg feine ßinber ernähren, bewahren, üerforgen unb uid)t taffen miß. 38ir Ijaben empfangen 35er fl laubige ß^rift freuet ftdf feiner SÖiebergeburt. 39 2) bie ©eredjtigfeit S©fu ©fjrifti; atteS, wa§ $©fu£ ^at burct) fein Seibeit unb Sterben erworben, ba3 ift un§ in ber tjeiligeit £aufe gefdjenfet unb gu eigen gegeben worben. Sa, wir finb in ifjn gepflanzt, er ift ber $Bein= ftocf, wir finb bie fftebeu, burtf) itjn erlangen wir neue Starte gurn ©uten, Sictjt, SSei^^eit unb ©tiabe. 3) Un3 ift ertfjeitet bie Snwotjnung be£ Zeitigen ©eifteö, ber Witt in uns wohnen, unfer §erg ^eiligen, unfere $unge unb unfern Sttunb regieren, unfer gattgeä Öebeit nacfj bem Söort unb ^Bitten ©otte3 einricfjten. 3)urd) fotcfje tit= Wofjnenbe Äraft be§ ^eiligen ©eifteg werben wir non bem SBöfen meljr unb mef)r abgegogen, unb warfen im ©tauben, in ber f^römmigfeit unb in ber ©otteäfurdjt, wie ein neugeborene^ ®inb an Kräften unb au Saften gu= nimmt. 4) 3Bir erlangen autf) bie ewige Seligfeit, bafi wir natij biefetn Seben an ber ewigen $reube unb §err- lidjfeit fotten Xtjeit fjaben. 2öer biefeg erwäget, ber mufj fiel) bittig fjergtidj in ©ott erfreuen. Stber er fefje fid) aucfj oor, 1) bafj er bie empfangene ©nabe nicfjt wieberum üertiere; 2) baft er würbiglicf) wanbete in feinem 23eruf; 3) baß er bie SBelt nictjt wieberum Heb gewinne, ober mit Unwiebergeborenen unb SÖetttinbern oorfäpticf) füit- bige, unb ftcf> ifjnen gteict) ftette; 4) baft er feinem fjimm- lifdtjen SSater getjorfam fei, wie ein liebet $inb, bafj er bem |j©rrn S©fu ttadjfolge, bag er be3 ^eiligen ©eifte$ $rieb nid^t wiberftrebe. So ift e§ gewifj, ba§ er be§ brei* einigen ©otte3 Siebe, ©nabe unb 23eiftanb wirb genießen hier in ber 3eit unb fetig fein horten in ber ©wigteit. © eb et* ©rof$er ©ott unb liebfter Skater, ttne !ann icl) genugfam beine Siebe erfennen, loben unb px& fen, bafs bu bid) meiner ©eele fo fyeqlid) ange= nommen ^aft, baß fie nidjt oerbürbe ! 0, meldje 40 Set fllüu&ige (S&rift freuet ftrf? feinet Söiebergeburt. ^>errlid)feit fjaft bu mir in ber tjeiligen £aufe mitgetl)eilet, ba bu mid) gu beittem ßinbe ange=t nommen Ijaft! 'Jiitfjmen 2Kenfd)en' iljre ©liicfc feligfeit gor fefjr, meld)e fie burdf) iljre f)o!)e ®e= burt, burd) ^efißnefjmung l)of)er ©ßrenftellen, burd) großen 9teid)tf)um mtb burdf) anfefjnlidfje ©fiter erlangt fjaben: fietje, fo adjte id) meine ©lüdfeligfeit öiel größer, nämlidf) biefe, boß id) bein Äinb bin; benn finb mir ^inber, fo finb mir aud) ©rbeu, ncimlid) ©otteg @rben unb 3Kit= erben ©fyrifti, fo mir onber£ mit leiben, bomit mir and) gur ©errlidjfeit erhoben merben. 93in idt) ein Sinb ©otteS, fo mirb mid) mein l)imm= lifdjer 5ßoter erhalten, regieren, oerforgen, be= fdjüfcen, ja, er mirb mid) niemals unb in feiner Sftotl) oerlaffen. 23in id) ein $inb ©otteg, fo fjabe id) nid)t nur an ifym einen kräftigen 33ei= ftaitb im ßeben, fonbern aud) große Qfreubigfeit im ©terben; barum mirb er mid) alä fein £inb erquicfen, laben, tröften unb uad) meinem 2lb= fd)ieb au§ biefer SBelt in ba3 emige ^reubenleben füßren. ©ib mir, o liebfter $ater, beinen §ei= iigen ©eift, ber mid) an biefe ©errlid)feit fleißig erinnere* $d) bin nod) in ber SBeft unb lebe unter ben $0fenfd)enfinbern. $ld), bemafjre mid), baß id) mit ben SBeltfinbern nid)t fünbige unb $8öfe£ tf)ue, unb micf) ifjnen nic^t gleidjftette. Set gläubige (Styrift freuet fid) feiner Sößiebergeburt. 41 €>ef)e id) jemanb 33öfeg tf)un, l)öre id) etmag Söfeg reben, fo lafc mid) gebenfen, id) fei ein ©otte^finb, bem fold)e Sünben unb Safter nid)t anftefjen. Saf$ mid) in beiner $raft fröljlid) fpredjen: äöelt, bn muf$t miffen, bajg mir mein $inbe3redf)t unb ßinbe^tfjeU an ©ott nnb an bem frimmel nid)t feil ift, nm beiner Suftbarfeit, ©itelfeit unb ©emoljnfjeiten 311 geniefjen. üDieht 3gfu, bu meißt, baß xd) bidt) lieb fyabe nnb mid) f>er3liif) betrübe, menn id) bid) nidf)t allegeit unb in ber £fjat fo liebe, mie id) feilte nnb mollte. $d(), nimm bod) meinen ^Bitten gnäbig an ; nnb alfo lajg mid) mein Beben in ©lanbett unb Sröxm migfeit, in §eiligfeit, 9teinigfeit nnb finblid)er $)emutl) führen, bid) lieben, etjren, fürd)ten unb bir folgen, bamit id) mie bein Hinb leben nnb fterben, nnb mie bein ^inb gur §intmel§freube gelangen möge. $cf) f)abe $©fum angegogen 3tfjon längjt in meiner ffeilgen 2uuf ; 2)u bift mir auch batjer gemogen, |)aft mitf) gum ®inb genommen auf. Sötern ©ott, id) bitt burd) 33lut, Sötad)?6 nur mit meinem ©nbe gut. hinten. (9cf aitg* 9M, : 3®fu, ber bu meine (Seele. 1, Söer nid)t mieber ift geboren $tu£ bem SBaffer unb au§ ©eift, 2)er ift emiglid) oerloren, 3Bie e§ ©otte§ StBort bemeift; 25enn e§ mufj attfjier auf ©rbeit 25er ein neuer SOtenfd) noch merben, äBeldjer miß nad) biefer $eit Äom* men in bie ©migfeit. 42 2)er gläubige Gfnrtft freuet fte§ feiner SBiebergeburt. 2. ©g muf} bie ©eburt gefdjeben 3)urd) bie £auf unb ©otteg sü3ort; 2Btrb man bent nid)t toiberftef)en, Stöfjet man bie ©nab nicfjt fort, So wirb man gar faatb empfin* ben, 2Bie bie Unart mirb üerfcbminben; $)enn fommt ©ott ing ^jergengbaug, ®o treibt er bie Sünb binaug. 3. Ung mirb aud) äugleid) gegeben, ©ott, ber merttje ßeitgc ©eift, $er fängt an ein neueg Seben, $)ag bie Safter aug ung reißt; ©r erneuert aöe Sinnen, SSorte, ÜBerfe unb beginnen, treibet ung gum ©Uten an, man ©ott redjt bienen fann. 4. ßierauf mufj ber SJlenfcß nun trauten, ©ott gu lie¬ ben allezeit, Äff bie SSelt unb ©iinb oerad^ten, SBadjfen in ber ^römmigfeit; ©r rnufj gängtid) untertaffen Unb non ©rmtb ber Seele Raffen, 2Bag er bat Dörfer geliebt Unb mit $reubett auggeübt. 5. Singen, SBeteu, ©ott gu ©bren, 3ft beg neuen 9ttenfd)en Sinn, $on ber SBelt §u ©ott fid} feeren, 9?eue Kräfte an^iebn; ©otteg SBiHen §u oerrid)ten, $ft beg neuen 9ftenfcben Siebten; SUfo mirb er gän^tieß neu, 2Ug ob'g nidjt ber Stftenfcf} mehr fei. 6. 2ftfo muff in bir oorgeijen ©ine §eräengänberung, 9ftfo rnuft mau an bir feljen ©ine Sebengbeiligung; So muß 4>erg, Sinn unb ©eberben ©anj an bir erneuert merben, $>afj fie ©taub unb Sieb au^ier, SDaft fie ©otteg ©eift regier. 7. 2tdf), mein ©ott, bie fall idb nieber, in mir biefeg SBerf, Stenbre Sinnen, ^erg unb ©lieber, ©ib mir beineg ©eifteg Start, $>a| id) ja nicht merb öerloren, Sonbern mieber fei geboren, £>a& icb alg bein Äinb bid) ebr Unb bicb liebe mehr unb mehr. 8. Saf3 mich aud) in biefern Stanbe $mmer bleiben, o mein ©ott, $8ig baft meine Sebengbanbe ©inft jerrei^en bureb ben £ob; 2)aß mid) nidbtg öon bir abtreibe Unb bu mein, id) bein üerbleibe; Wlgbamt geb icb °ng ber $eit Sn bie froße Seligfeit. 2lbenbgekt am Dienstag. 43 SlbettOgebei am $)ten3tag* Ser $($rr ift mit mir, barum fürste id) mid) nid^t ; ma3 fönnen mir SD?enfd)en ttjrni? Sllfo fpredje id) fetd, o bu gnäbiger ttttb tiebreidjer ®ott, in biefer $lbenbftunbe, unb fage bir bemib teigen £>anf, ba§ bu mid) biefen Sag unter beinern väterlichen @d)ut>, beiner liebreichen 3ür= forge, gttäbigen Rührung unb unter beinern rei= djen @egen baft ^urüdtegen taffen. §®rr, beine ©iite ift grofj unb beine 23armbeqigfeit bat fein @nbe. Ser §6rr ift nabe alten, bie if)n anrufen, alten, bie ifjn mit ©rnft anrufen ; er tbut, mag bie ©ottegfürdjtigen begehren, er höret ibr @d)reien unb hilft ihnen. 2td), mein ®ott, mie gefebminb gebet bod) ein Sag babin ; mie ein ^3feil mirb ab=. gefdjoffen, fo gefd)minb verfliegen unfere Sabre. Sarum lehre mi(b bod), ba& eg ein ©nbe mit mir haben tnufe, bafc mein Seben ein ,3iet bat unb bafj ich baoon muj$. 0iebe, meine Sage finb einer §anb breit oor bir, unb mein Seben ift mie nichts oor bir. 2Bir mliffen alle offenbar toerben oor bem fftid)terftubt ©b^fti, ba& ein feber em= pfange, nad)bem er gebanbett bat bei Seibeg Se= ben, eg fei ©uteg ober 33öfeg. Sarum richte ich mtd) fetbft unb frage: Ü02eine @eele, mie baft bu beute ben Sag hingebracht ? baft bu aud) etmag ©uteg gebacht ? ift ©ott beute mit bir oereinigt 44 Slbenbgebei am SienStag, geblieben, ober fjaft bu it)n mit oorfäjjüdfyen unb toiffentli(f)en Sünben oon bir getrieben? 3Ketn üIKunb, toa3 f)aft bu fjeute gerebet? fjaft bu gefprod£)eu, mag ehrbar, t oag feufd), mag moljl lautet? ift bag Sob ©otteg non bir auggebreitet morben, ober bift bu oon ^arreteiungen unb fdfmnbbaren Söorten üb er geflogen? 2öo feib ifyr fjingegangett, if)r Süfse? 2öag fjabt if)i* oerricbtet unb oerübet, it)r §änbe? 2Bag l)abt iljr gehöret, if)r 0f)ren. 3 f>r klugen, monad) Ijabt i^r gefefyen ? 2öag ift fyeute bein Verlangen, 0id)ten unb &rad)= ten gemcfen, mein §er 3? 2ldf), mein ©ott, memt id) auf alle btefe fragen antmorten foll, 0, tute merbe idt) befielen ? $d) §©rr, nimm meg mit btefem £age meine Uebertretungen. 0 3@fu, tilge meine @ünben mit beinern ^eiligen Sßlut 0 ^eiliger ©eift, oerfidpere rnid) ber Vergebung aller meiner «Sünben, ef)e id) nod) einfrfjlafe. Stn tdf) alfo dort meiner @d)ulb, breieiniger ©ott, frei' gefprodpen, fo fdjlafe idp mit greuben ein, unb l)üte mid) morgen mit größerem gleifc oor aKe bem, mag bid) betrüben fanm 3Kein Später, beine Siebe be fanft unb mof)l; 0 ^eiliger ©eift, tt)ue bu ben lebten ©eufger in meinem §ergen, ef)e idf) einfdplafe, mit meinem id^ meinen ©eift in bie §änbe ©otteg empfehle. SDZorgengebet am üKitttoocfy. 45 V 95in id) gteid) öon bir geroidjett, ©teö id) mid) bod) tuiebec ein, §at mid) boc£> bein ©ot>n rergtidjert fcurdj fein Slngft nnb Xobeöpein; $d) berleugne nic|t bie ©d)ulb, 216er beine ©nab unb §ulb $ft biet größer al§ bie ©üttbe, $)ie idj ftet§ in mir empfinbe. Hmen. 9Jtorgcuflcbct am SRtttrood). SBenn id) ermadje, bin id) nod> bet bir, o gnäbiger unb liebreicher ©ott, mein 3eb§, meine $Burg unb mein ©rretter, mein Sdjilb unb |)orn meinet §eils unb mein Sdjufc. 3d) ergebe in biefer $rül)ftunbe meine Stimme gu bem Sljrone behter ©naben, unb baute bir, baß bu bie öergangene üftadjt beine Flügel über mid) auggebreitet unb meinen £eib unb meine Seele oor allem Unfall bemafyret ßaft. ©elobet fei ber D@rr täglich/ unb gelobet fein ^eiliger staute emiglith* üßein ©ott, bu läffeft einen Sag mei= ne§ Sebent nad) bem anbern erfchetnen, baß id) rnid) gur ©migteit bereiten unb meine Seele bir gum ©igentljum unb gur SBo^nung ergeben foü. Du haft rnid) erraffen gum emigen Seben, miEft aud) nicht/ baß id) üerlorett merbe, fonbern baß ich mich befef)re unb lebe; o, fo laß rnid) biefen Sag aud) bagu anmenben, baß id) fdjaffe felig gu merben mit 3?urd)t unb gittern* 3d) bin nun mitten in ber ülöodje, unb habe brei Sage ber= felben glüdlid) gurüdgelegt; laß and) bie übrigen 46 SKorgengeBct am 2Jlitttood). brei unter beinern ©chutj unb bettier ©nabe nad) beinern 28of)lgefatten mid) erreichen. 2Benn ich mitten in ber $tngft toanbete, fo erquide mich; tnenn mid) meine $einbe umgeben, fo tritt bu in bie SRitte unb hilf mir. $ld), mein Mittler 3©fu, bleibe mitten in meinem bergen, baß ich gn bir in alten Gegebenheiten, Anliegen, Sftott) unb So b taufen, mtb non bir £mtfe erlangen fömte. 3ft ©ott für mid), mer mag miber mid) fein? Saß mid), o allerlicbfter §eitanb, heute in beine heiligen Qmßtapfen treten, unb manbetn, mie bu gemanbett f^aff ; fo rnerbe id) ben Verführungen ber VSett itnb ben Süden meinet eigenen ^ergen^ teid)t entfliehen, ©ei bei mir auf meinen Ge= rufätoegen; ich fpredje mit oöltigem ©tauben: §6rr, ich taffe bid> nicht, bu fegneft mich benn. ©egne mid) im ©chtaf unb Söadjen, fegne meinen ©chritt unb Sritt, fegne mid) in alten ©aon bir, unb nimm ben ©egen nicht oon mir. Saß mich mitten unter meinen Gerufe gefd)äfteu mein §et3 fleißig 311 bir richten, unb menn e3 fi«h in ber Söelttuft unb in ben V3elt~ fünben oermideln unb betuftigen mitt, fo gib mir Sraft, baß ich e3 toäreiße, unb e£, mein Vater, in beine Siebe, mein 3®fu, in beine SBunben einfenfe, baß e3 fid) nicht an§ beiner ©emein= $er gläubige (S^rift bittet, ©ott tuotte ityn toon bet SBclt abjie^eti. 47 fdßaft tterirre, unb an bem TOenb nod) bartnnen gefunben toerbe* ort; 9ätgenb§ a(3 non bir allein $ann idj recfjt bewahret fein. 5lmen. Ser gläubige (£ljrift bittet, ©ott mode fljit tum ber SBelt nbyelicii. 5l«f tu unter tt ug. ©teilet eud) nidf>t biefer 2BeIt gteid), fonbertt nercinbert eud> burd^ SBerneuerung eures ©ttmeS, auf baj* il)r prüfen möget, weldteS ba fei ber gute, ber rooijlgefällige, unb ber pollfommene ©otteS* nulle. 9tötn. 12, 2. SSenn ein gläubiger (S^rift erioäget, baß bie 3Be(t= liebe ift mie bag Unfraut, ba£ t>on fetbften in ber Seele ttmdjft, hingegen bie $urd)t ©otte£ unb bie Siebe gu ©ott tote eine fcfjötte, loofjlriedjcnbe ^ßßange, bie mit $(eiß unb Sftüfje erft mn § baßin gefeßet mtb tooß( bemaßret toerben, fo fann er barauä erfennen, ma3 man für Sorge unb Arbeit angumenben fjat. (Sr fott bemnad) 1) erfennen, baß SBelt in ißm unb außer tßnt fei, 2Be(t in ißnt finb bie böfen Süfte, Süden, SBegierben unb ©ebanfen feinet |>ergen3. S93e(t außer ißnt finb ber böfen Sftenfdßen 48 33«, gläubige Giprift bittet. (£$empel, Lodungen unb Verführungen, 2) liefen allen aber muh ein maijrer miberfteljen, ben auffteigenben Lüften unb ©ebanfen burd) ©ebet unb Seufzen, unb ber SBelt Steigungen burd) Vernteibung ber SSeltgefeßfdjaften, ©emohnheiten, Sanieren unb Lebensarten, 3) SBeit nun biefeS nicht ftehet in unfern eigenen Kräften, fo muh er @5ott um £>ülfe unb Veiftanb eifrig anflehen. 4) 3)ie= feS Slbgiehen oon ber SÖelt muß nicht fo gesehen, als ob man fich einfdjliehen, einfperrett unb mit niemanb reben unb umgehen moße, fonbern eS muh barin beftehen, bah mau mit ben Söeltfinbern nicht fünbige, unb ihre böfen SBerfe unb &hatea nicht nachthue. $)enn menn mir mit gar feinen ©ottlofen umgehen foßten, fo müßten mir, nad) $auli StuSfpruch, bie Söelt räumen. 3Bir foßen in ber Sßelt fein, mie $ofeph in ©gppten, Lot in ©obom, Daniel unb feine ©efeßen in Vabel, melche aße ber ©täbte unb Leute ©ünben nicht oerübten. 5) $)iefeS Slb^iehen Oon ber Seit foß auch nicht nur ^um ©djein, auf etliche £age gesehen, menn man miß jur Veieiligfeit. 9J?acf)e mir bie Söelt immer bitterer, aber bie grömmigtcit, ©otteöfurd)t unb ben §immel füfser. ©ib, baf$ id) beftänbig üeradjte bie oer= ganglidje Sufi ber Sßelt, bamit id) fie fließe, meil auf bie genoffene äBeltluft unb SBeltfreube lauter s$ngft, gerftreuung, ein böfeö ©emiffen unb ba§ Seelenoerberben folget. Dteifje au£ meinem §er* gen, ma3 nod) 2öelt unb SBeltliebe Ijeifjet, unb bflan3e beine fjeilige $urd)t in mid), bie ba3 5ööfe au3 Siebe 3U bir forgfältig meibet. 2)u ©Töpfer aller 35inge, 35u oäterlidje $raft, $Re= gierft non @mb 311 (Snbe kräftig au§ eigner -äftadEit. 3)a3 §er§ un§ §u bir tuenbe Unb fefyr ab unfer ©inne, ®ajg fie nid)t irrn non bir. Simen. <$ef ang* 3n eigener SMobie. 1. SBa§ frag tdj nadj ber SBelt Unb aßen i^ren ©cfjä^en, SBenn icf) mid) nur an bir, £>(£tr $(Sfu, fann ergäben ! 5)id) f>ab id) einzig mir 3ur SBofluft oorgefteUt, $u, bn bift meine 9tuf), 9Ba§ frag id) nad) ber SBelt! (Sott toolle i§n bon bet 2BeIt ab§ie$en. 51 2 . Sie Seit ift tt>ie ein 9iaudE}, Ser in ber Suft der^ geljet, Unb einem ©Ratten gleid), Ser furge $eit beftel) et; ÜJtein $©fug aber bleibt, Senn alleg bricht unb fällt; ©r ift mein ftarfer geig, Sag frag id) narf) ber Seit! 3. Sie Seit fud)t©l)r unb ffhtljm $Bei fjodf) erhabnen Leuten Unb bentt nid)t einmal brau, Sie halb bodj biefe gleiten; Sag aber, mag mein $erg $or anbern rüfjmlid) l)ätt, $ft$@fug nur allein; Sag frag id) nad) ber Seit! 4. Sie Seit fudfjt ©elb unb ©ut Unb fann nid)t el)er raften, (Sie l)abe benn gudor Sen Mammon in bem Äaften; $d) meiß ein beffer ©ut, Sornad) mein £>erge ftetlt: gft $©fug nur mein ©d)a&, SBaö frag icl) nad) ber Seit! 5. Sie Seit befümmert fid), $m gaff fie mirb der* atztet, 2llg mentt mau ißt mit ßift 9Zacf) ißren ©fjren tradjtet; 3dl) trage ßfjrifti ©djmad), (So lang eg ißm ge- fällt; Senn mid) mein |>eilanb efjrt, Sag frag id) nad) ber Seit! • 6* Sie Seit fann il)re Suft ifticßt l)od) genug ergeben, ©ie barf nod) moljt bagu Sen $immel bafür geben; ©in anbrer ßalfg mit ißr, Ser den fid) felbft diel ßält, gd) liebe meinen ©ott, Sag frag id) nad) ber Seit! 7. Sag frag icf) nad) ber SBelt, $m |jui muß fie der= fdjminben, $f)r Wnfefjn fann burdfjaug Sen blaffen Sob nid)t binben; Sie ©üter miiffen fort, Unb alle Suft der= fällt; SBfeibt $©fug nur bei mir, Sag frag id) nad) ber Seit! 8. Sag frag id) nad) ber Seit, 5fftein $©fug ift mein ßeben, SDZein ©d)aß, mein ©igentljum, Sem id) midi) gang ergeben, SOZein gangeg ^immelreid) Unb mag mir fonft gefällt. Srum fag icf) ttod) einmal; Sag frag id) nad) ber Seit! 52 2l6mbge&et am 2JHttwodj. $lbtnb$ebet am SRtttrood). 3d) Hege unb fdjtafe, unb ermadje, benn ber §@rr erhält mid). 0 bu fjeiliger, gütiger unb allein meifer ©ott, bu fjaft rnid) Ijeute biefen oer= gangenen Sag abermal erfahren laffen, bafe bu ber rcdjte $ater bift über alle3, ma§ Äinber fjeifeet im £>immel unb auf ©rben; bu f)aft nad) beiiter unenblidjen ©üte für mid) geforget, bafe e3 mir nidjt gemangelt Ijat au irgenb einem ©ute. 2ld) £>©rr, id) bin gu gering aller ©üte unb Sreue, bie bu mir ermeifeft. 3Bie foll id) bem §©rrn oergelten alle 2öof)ltl)aten, bie er täglid) an mir t^ut, ber id) nur ©taub unb 2lfd)e bin? $8erfd)tnäf)e nid)t ba£ bemütfjigc Sobobfer, mel= d)e§ id) bir in biefer $lbenbftunbe bringe, unb fiefje mid) ferner in ©naben an. Vergib mir, o gnäbiger ©ott, xvaä id) biefen Sag mit ©e= banfett, SBorten unb SBerten miber bid> begangen f)abe. £jitf, bafe id) mit meinen Kleibern aKe böfen @emof)nf)eiten, Unarten unb ©ünben au$= giclje, biefclben morgen unb 3ett meinet Sebent fyaffe unb laffe, bafe id) ablege nad) bem oorigen ülöanbel ben alten Ü0£enfd)en, unb iljn nimmer toieber angielje. Safe mtd) bie beoorfteljenbe SRad)! fammt allen meinen ^tnoenoanbten unb §au<§= genofeen unter bem @d)u^ beiner ©nabe fanft unb ruljig fd)Iafen. Sie ©onne oerbirgt fid), Slbcrtbgebet am aKtttmodj. 53 aber lafj, o 3®fu, bu Sonne ber ©eredjtigteit, beincn ©lang in meinem ^er^en (ernsten. @r= fülle mid) im @d)taf mit guten 33etoegungen, auf bafj, toemt id) crtoadje, bein Üftame unb ®ebiid)t= niß immer in meinem §er^en fei, bafj id) oon bir unb beiner ©iite, Streue unb guäbigen tfüljrung auf meinem Säger in }d)laflofeit 9Zäd)ten reben unb beuten, unb baburd) alle unnützen Sorgen unb fünblid)en ©ebantcu oertreiben möge. ©r= neuere im Sdjlaf meine ßräfte, baft id) munter unb frö()iid) bett Stag erlebe. ülöad)et ein <£nrt bei feiner beerbe, fo laft mid) and) beiner ^irten= treue an Seib unb Seele befohlen fein. So bu aber gur Prüfung meinet ©laubeng, meiner @e= bulb unb Hoffnung etmag SBibrigeg bei Stag ober 5Rad)t über mid) ocrfjängen moüteft, fo beute, mein ©ott, baß id) bein ^iub fei, baß id) ol)ne bic^ nid)tg oermag, unb bafc eg bir, alg meinem $ater, gufomnte, ©rrettung unb fpülfe'aug beinern §ei= ligttjum 3U fenben. 3n Sraurigteit erfreue mid), im ©lertb erquide mich; meint id) oerlaffen bin, fo nimm bid) meiner fyer^lid) au. Safj beine $11= gegemoart unb bein allfe^cnbeg $uge bei Sag unb üftadjt mid) oon Sünbett abtjatten. 3d) Ijebe meine klugen auf 3U beu ^Bergen, oon melden mir §ülfe tommt; meine £mlfe fommt 00m §©rru, ber §immel unb @rbe gemad)t l)at. 5 54 SDiorgenge&ei am 2>onner$tag. $@rr, e$ ift Don meinem Seben SSieberum etn £ag baljin; £el)re mid) nnn Sichtung geben, Db id) fromm ge* roefett bin? geige rnir'ö aud) felber an, ®o id) ma§ nidjt recf)t getfyan; Unb hilf je|jt in allen Sachen ®uten $eier= abenb machen. Simen. SOtorgettgcbet am &otmevdiag. §©rr, höre meine SBorte, merfe auf meine 9tebe, oernimm mein freien, mein $önig unb mein ©ott, benn id) will oor bir beten. 0 bu gnäbiger mtb barmherziger ©ott, i d) labe unb greife bid) in bicfer üD?orgenftunbe, baft bn mid) nidjt allein aon meiner Sugenb an fo oäterli@fu nacfjfolgett. fo bemale mein §erg uttb ©emiffen bor ifyren fünbltcben Dieben, ^tjaten unb Söeflecfungett* Segne meine Arbeit, bafj id) biefelbe mit finb= lieber guberficfyt auf beine gürforge freubtg unb getroft tJerrictjten, unb beinen Segen aller Orten empfinben möge* 9Zun, td) t)ebe meine klugen auf $u ben bergen, üon melden mir §ülfe fomrnt ; meine §ülfc tommt aom §@rrn, ber §immel unb ©rbe getnad)t l)at; ber fegne, beglMe unb be= ma^re tnid) t)icr in ber 3eü bis in bie frofje ©migfeit. Unfern Sluggang fegne ©ott, Unfern ©ingang gleid)er= maßen; ©egtte unfer täglidj 23rob, ©egtte unfer £l)un unb Saffen ; ©egne ung mit feigem ©terben Unb mach ung 3u itimmelgerben* Simen* Ser gläufiige Skript null 3®fit n«d)falgen. 31 u f ttt u it t e r u it g. SBill mir jemanb nadjfolgen, ber oerleugne fid) felbft unb nefjme fein ^reuji auf ftef) unb folge mir. SJtattE). 16, 24. §©rr, fietje, ob id) auf böfen SBegett bin; fo foE ein gläubiger ©ßrift täglid) feufeett nadj ^f* 139, 24. fraget ein beljutfamer SBanbergmatm fleißig nad) bem Söege, fo foU ein ©laubiger fid) fleißig beg |)immetgmcgeg er= funbigett. ©g finb Diele SSerfüßrer auggegangett, fprießt ^oljanneg, barum foE ein maßrer ©fjrift fid^ motjl oor= fefjen, baß er nid)t oerfüßret merbe. ©in gläubiger ©ßrift folget bemnac^ 1) nießt ben Söeltfinbern nad), bie ißn moEen mitneßmen gn tßren luftigen unb fünblic^en ©e= feEfcßaften; babureß mürbe er feine Seele in aEgu große $er gtöu&tge (SEjrift tritt ttatfyfolgen. 57 ©efaf)r fe|en; oiel weniger folget er bem £rieb feines böfen ^er^enS, fonbent er benfet aHegeit, fo i^m etwas in bie ©ebanlen lommt: ift baS aud) rec^t? Sr folget aucf) nid^t bem ©atan unb feinen Steigungen nad), fonbern er folget nad) 2) ber Zeitigen ©djrift, bie if)m oorftettet, was er glauben, was er tfyun unb untertaffen fott; baS ift feine ßebenSregel, was bie nid)t ertaubt, baoor ^at er einen tjeqtid^en 2tbfd)eu. Sr folget infonber^eit nad) 3) bem |)Srrn $Sfu, ber uns ein Sorbifb gelaffen tjat, bafj mir fotten nadjfolgeit feinen ^fufjtapfen; bie gufc tapfen $Sfu aber finb $5emutlj, ©ebutb, ©anftmutf), ®eufd)Ijeit, $reunblicf)feit unb ^römmigfeit, als welche £ugenben er bei feinem Söanbet auf Srben uns gum •äJhtfter fjat auSgeübet. §ierin heftetet bie Zeitige unb maljre Stadjfolge. Sr folget 4) and) ttacf) bem Stempel frommer Sfjriften; fiefjet er an frommen Sänften Sifer im ©ebet, Stjrerbietigfeit gegen ©ott, 9Jtilbtl)ätigfeit gegen bie Sinnen, unb anbere Xugenben, fo trautet er aud), foldfje nacf)3uaf)mett. 5) $iefe fjeilige Stadjfotge aber fott beftänbig bleiben bis in ben iob, fo wirb an fotzen ©ee* ten aud) erfüllet werben, was ^ofjanneS faget, Dffettb. 14, 4* ©ie folgen bem ßarnrn nad) in baS ewige Sehen. (Bebet* 2ld), mein (Sott unb ©@rr, mein cingigeS Verlangen ift, bafj id) alfo lebe, bamit id) nad) meinem Stöbe gur £)immelsfreube eiligeren möge» 3d) freue mid) allezeit, menn id) lefe, bie WuSer= mahlten im Rummel gefjen bem Samme nad), mo es t)inget)et ; aber id) erlernte and) moljl, baft berjenige, meldjer mid bem Samme nad)folgen in ber §errlid)feit, ibm and) muft nadjfolgen in biefer $nt, biemeü er noch in ber 2Belt lebet. 58 35er gläubige ©tyrift toitt 3©fu nad^folgen. 2öenn i4 biefe3 bebenfe, fo bin i4 red)t um mein §eil befiimmert; i4 felje oiele Vorgänger, nnb wei§ nid)t, wem i4 folgen fott. Ser Satan labet mid) 3 war ein burd) feine SBerfüfyrungen, ifym nad^ufolgen, bie SBelt (teilet mir it)r @£em= bei, itjrc 2Bege, iljre ©efellf^aft öor klugen; allein id) fürste, i4 möchte iljnen au4 na4 bem $obe folgen muffen, nämlid) jur £)Ötte unb $er= bammnife. 0, barum Witt id) bir, o 3@fu, nad)= folgen, fo gefje i4 ben fidjerften, beften unb feligften 3öeg. 34 will bir nadjfolgen in ©lau= ben, Siebe, Semutlj, ©efjorfam, grömmigteit unb ^euf4^eit* ©fyriftug bat un£ ein 35orbilb gelaffen, baf} wir fotten nadfyfolgen feinen Srufc tabfen. Siefen Sorbilb fott mir immer toor Gingen fielen, ,34 will nad) ^em ®£embel 3®fa meinen f)immlif4en SBater lieben, e^ren unb feinen ^eiligen Villen oottbringen. 34 will na4 feinem @$embel meinen $Jtä4ften lieben unb ifym ©ute£ t^un. 34 Witt na4 feinem (Sjentpel meinen Seinben gerne öergeilien* 34 Witt na4 feinem ©jembel bemütlüg Werben, Weil er fbri4t: Sernet oon mir, benn i4 bin fanft= mütb)ig unb t>on ^er^en bemüttjig. Sftun, bie3 ift mein heiliget $ortjaben, bagu wotteft bn mir ^raft üerletf)en. $4> erinnere mi4 allezeit bar= an, wenn td) ber böfen SBeltfinber ©eberben, Ser gläubige E^rift ttriü ä@fu nad^folgen. 59 SBorte unb ©itelfeiten oor mir fehe, bamit id) gebenfe: 2öo gefjeft bu ^in, o üßklt? £)ein (Song ift nid)t gu ,3@fu unb gu ber Seligfeit gerietet» £üf, ba§ id) mich felber frage: 3ft biefeä auch ber red>te £)immel§meg? ®ib, baj$ ich fleißig mid) erinnere, mer id) bin unb mer idf> fein foll. 3$ fott fein ein $inb ®otteS, ein Nachfolger 3©fu; idt) foll mid) t>on ber SBelt nnbeflecft erhalten. §ilf, bafc ich in biefer Nad)= folge unb in biefem Sinn beftönbig oerharre bis in ben £ob. $dj folge $(Sfu nach 3n ©otteSfureht unb (Glauben, 3fn roahrer ^römmigfeit, 3Die fott mir niemanb rauben; 3fn $)emutf) folg ich ihm> SBerb ich ihm folgen fdjmach, @o ftärft mid) feine §anb, folge S©fu nach, kirnen. @ef attg* 9M;: SlCTe SOlenfc^cn müffen fterben. 1. 3©fu8 bleibet meine $renbe, Db fihott in ber Seit nidjtö bleibt, (Sr ift meiner Seele SÖeibe, $8on bem mich nichts $rbfdje3 treibt; Such ich t5teub in biefem ßeben, ®ann mir foldje Ö(Sfu§ geben; 2)rum foU $(Sfu nur allein deiner Seele $reube fein. 2. $(£fu§ bleibet meine Sonne, Db bie Sonne unter* geht, (Sr bleibt meiner Seele SSonne, Db fd)on aHeö traurig fteht; SBirb mir nur nach meinem SSeinen $>iefe Sonne mieber fcheinen, D, fo ftehet'S um mich ttjo^t Unb ich bin Vergnügens ooÜ. 3. 3@fu§ bleibet unter ^reunben dennoch ftetS mein befter Jreunb, Seb ich unter fielen Reinheit, So mirb er hoch nie mein geinb; Sein §erg ift mit mir üerbunben, 60 2Utenbge6et am Sonnerötag. Unb xd) §ab an iljm gefunben, 2Ba§ icfy in bet SBelt nid)t finb, Sa, an feinet 9ftenfdjen ß'inb. 4. $©fu§ bleibet mein Vergnügen, 0b mirr§ an 93er= gniigen feljlt, 9Jlein Vergnügen ift fein $ügen, 9ftid) oer= gnügt, ma3 er ermäfjlt; 2)rum fpredEj idj: 9D?ir fott in allem üJhtr, mag bir gefällt, gefallen; Aftern Vergnügen ift bein SBitt, deinem ^Bitten plt id) ftiU. 5. $©fu£ bleibet mein ©rgöpn, ©onften ac^t id) feine ßuft, kluger if>m unb feinen ©dijäjjen äft mir fonft fein ©djajj bemüht; SDtein ©ut nnb bie befte ©abe, 2)ie id) l)ier auf ©rben ^abe, $ft mein $©fug nur allein, ©olTS aud) Dort im §immel fein. 6. 2) rum min xd) an $©fu fangen, 2Bo xd) gep, mo id) ftep ®enn bieg ift nur mein Verlangen, SDafi xd) immer iljm nadjgeb; 2öa§ fann mid) bon $©fu fdjeiben? ®eine SCrübfal unb fein Seiben. $dj folg, ob xd) gleid) bin fdjmad), $©fu, ©otteg Samme, nadj. 7. 2Bäf)lt, ip äftenfcpn, o, ermäljlet 9Jtit mir biefeg pdjfte ©ut; SBenn’g eud) gleidj an bielern fehlet, ©o pbt einen guten $ßutp ©ucpt $©fum, f)altft ip fefte, $)iefeg ift bag Slllerbefte; ©o pbt ip in aller 9iotb §ülfe unb audj £roft im $ob. 3lbcnbgcbct am ^omterätag. SBemt id) mid) 311 $3ette lege, fo benfe id) an bid), unb menn id) ermäße, rebe id) Don bir. 0 reifer unb liebreicher ©ott unb $ater, per fomtne id) abermat mit Dielen SBoptpten Don bir überhäufet unb begnabiget in biefer Slbenb- ftunbe mit banfbarem bergen Dor bein 2Ingefid)t. 0, mie gnäbig baft bu mich angefeben unb, mie ein $ater über fein Jdinb, bic b über mich er= 2l6mbgebet ant ©onnerötag. 61 barmet, bafe id) bett Wbenb unbefd)öbigt erlebet habe; beute Sangmuth ^at meiner gefdjonet, bafe bu mtcf) nid)t nad) 33erbienft geftrafet huft- $d), vergebe mir ade Uebertretungen, mornit id) heim= lid) ober öffentlich bid) beleibiget höbe. 3or mufe ber Satan fließen unb fiel) ferne machen. Safe and) bie Steinigen beine§ Sdfeujjeä geniefeen, tnie audfe alte Ernten unb ©lenben. «Störte im Sdfelaf meine ^raft, unb lafe mid) nad) beinern SBoljH gefallen ba3 5£ageSlidf)t morgen mieber erblicfen. 4)©rr, lafe micfe rnt)ig friEjlafen ein, §ilf, bafe tntd^ nicfetS erfcfereäe, Unb wenn bie redjte $eit wirb fein, SlBbann mitij toieber tnecfe, $)afe icfe an meine Arbeit tret, Söenn iä) gnoor feab burd£j£ ©ebet 3)ir meine SSerf befohlen. sfeerfdjmäl}, o ©ott, mein SBater, nicfet fOtein ©eufjen, 93itt nnb glefeen; Safe midEj bidEj, S@fu, wafereS Sicfet, 9ludE) in bem $inftern fefeen; D §eitger ©eift, am lefe= ten ©tib 9Uit beinern Xroft bid) §u mir wenb, $)afe id) brauf fanft einfdEjtafe. $lmen. ÜJtorgcngcbct am ^frettag. 9J£ein §er^ ift bereit, ©ott, mein §erg ift be¬ reit, bafe id) finge unb lobe, ©nöbiger unb liebreicher ©ott, mein Sater, ©rlöfer unb £>eilig= SRorgengebet am Freitag. 63 macker, id) ^ebc in biefer SDJorgenftunbe mein §erg unb meine §änbe auf gu bem St^^n beiner göttlichen SKajeftät, non meinem mir 3eit meinet Sebent, nnb aud) bie vergangene gar viele Stöohlthaten gugeflofien finb. $)u bift in berfelben meine ©tärfe, mein ©d)uh, mein ©r= retter, meine Surg, mein S^ot^^elfer, mein $roft, mein ©d)irm, }a, mein alles getvefen. WEer biefer Sffiohlthaten, mein ©ott unb §@rr, er? fenne id) mid) mttvürbig. ®u fjaft mitten in ber 3?infternife an mid) gebaut, unb al§ mid) bie bunfeln ©Ratten umgaben, ^aft bu meinen Seib unb meine Seele vor @d)aben unb ©efahr Väter? lieh behütet. $)arum greife id) bicf) unb lobfinge beinern tarnen. $)er §®rr hat ©rofje§ an mir gethan, befc bin iünbe, barein mein §erg mittigen mottte, fo geige mir eben bieg blutige SSilb, bafe baburtb alle Suft gur «Sünbe in mir erlöf^et, ertöbtet unb bertricben merbe* Wlfo mirb mir biefer Freitag ein red)ter greibeitgtag bon @ünben geit nteineg Sebeng bleiben, menn id) ben ©ünbett abfterbe, unb in bem neuen Söefen beg ©eifteg manbele, ©ebenfe aud) im Seiblidjen an mid) unb fegne mich* Safe mi(b alleg ^obifdje alg ein bergänglitbeg ©ut anfeben, bafe id) mein |>erg nidfjt baran bonge, fonbern naeiligen ©eift nidfjt f)at in feinem bergen, ber fann auefj horten nicf)t felig merben. £)erof)alben finb ba§ bie un= glücffeligften Sftenfdjen, bie oljne ben ^eiligen ©eift finb; bie fönnen nidt)t fromm merben, uodj fromm leben, fon= beru fiinbigen unb faßen, meil fie oljne biefert Regierer unb $üljrer finb; ja, mer miü fie auf tfjrem iobbette trö= ften, unb in ber lebten Botf) erquitfen? §at ung ©ott aber ben ^eiligen ©eift gegeben, fo füll man if)tt nid^t mieber oon fid) ftofjen bnrcf) mutljmißige ©ünben unb ein gotttofe§ Seben, fonbern täglidj feuf^en : SUmm beinen ^eiligen ©eift nid)t oon mir! ©oldje ©eelen fielen in ber magren Bereinigung mit ©ott unb in bem ©tanbe ber ©eligfett, mie ©t. $ßaulu§ bezeuget: Söeldje ber ©eift ©otteg treibet, bie finb ©otteg Mnber. 9töm. 8, 14. 66 3) er gläubige Gfyrift bittet um ben .^eiligen (Seift. ( Bebet ♦ ©roßer ©ott, ^eiliger Söater, fielje, idf) armes Äinb tomme in bir, unb bitte btd) um eine notI)= menbige ©abe, um ben ^eiligen ©eift, melden bu t»aft gnäbigtid) oerljeiien allen ^u geben, bie b idf) barum anrufen, £)arum fenbe il)n oon oben Ijerab, aus beiner ^eiligen 2öof)nung, in mein §er i, bafj er fei mein Süfyrer, ber mid) (eite nad) beinern fftatl), bamit idf) adegeit, maS oor bir moljlgefädig ift, nodbringe. 21d), id) fetje fo Diele $rrmege unb ©ünbenmege, id) felje fo oiele SHenfdfjen, bie auf benfelben gefjen, unb bie mid) tl)cilS mit freunblidjen, tljeilS mit ©df)tnäl)mor= ten reifen, id) fodte mit iljnen fiinbigen unb 93öfeS tfjun. $d) ©ott, leite mid) in beiner SBaljrljeit, erhalte mein §er i bei bem ©inigen, baf$ id) beinen tarnen fürd)te; ftede meiner ©eele allezeit oor, memt mir bie 2Selt mit iljren ©ünben mid gefaden, bafj ntidf) foldjer breite 2öeg in bas SBerberben unb in bie SSerbammnift führet. $ldf), gib mir beinen ^eiligen ©eift, ben ©eift ber 3öat)r^eit, ber ntidf) let)re; ben ©eift beS SrofteS, ber mid) erquide; ben ©eift ber greubigfeit, ber mid) erfreue in Straurigfeit ; ben ©eift ber 2öiebergeburt, ber eine neue ©reatur unb einen neuen iJ2enfd)en aus mir mad)e; ben ©eift ber ^inbfdjaft, ber ntidf) oerfidjere, idf) fei Ser gläubige C^rift bittet um ben öeiligen ®eift. 67 ein $inb (Sottet ; ben (Seift, baS $fanb meinet fyimmlijdjen ©rbeS. D mcrtljer ^eiliger ®eift, ad), fettige mit!), bu fietjeft jo, mie mein §crg nod) boü Unreinigfeit, Unart unb ©unben ift, batjer benn lauter anteilige ©ebanfen, SBorte unb Söerfe entfielen; aber bu fietjeft aud), toic id) burd) beine ©nabe baüor einen tjerglid)en 2lbfd)eu l)abe. 2ld), es ift mir leib, baß id) bid) jemals betrübet unb bein SJnflopfcn gering ge= atztet fyabe, §icmit ergebe id) mid) bir in beine ^eilige güljrung unb Regierung; bu follft fein meiner @eele @eele, meines ßebenS straft, mei= neS §ergenS Sroft, meinet SBerftanbeS Sidjt, meinet SBitlenS ^Rutje unb ©tärfe, meinet ©e= bädjtniffeS @d)atj, ein Urjprung, Anfang unb (Snbe meines neuen unb geiftltdjen SebenS* Wd), ^eilige mid) burd) unb burd), bamit mein (Seift fammt Seele unb Seib mögen unftröflid) bc= galten tnerben bis auf ben £ag 3@fu ©fyrifti äKadje aus meinem ^ergen beittett Tempel, unb roofjne barinnen. SDJadje meine ©lieber gu 2öaf= fen ber ©crecfytigfeit, baß id) bamit n id)t möge norfätüid) unb mutljmillig fünbtgeit* Wlaifye mein §erg gu einem lebettbigett Opfer, baS ©ott attge= nel)m fei Ou IjeiligeS gen er, brenne unb Der= treibe aus meinem §ergen alle fleifd)ltdjen Säfte unb 53egierben, baß id) aud) bie flräfte meines 68 2)er gläubige SEtrift bittet um beit ^eiligen ©eift. Seibeg gu beiner ©Ijre gebraute, Regiere mtb fü£)re rnid) allezeit auf ebener $3af)n, big bu rnid) in bcn §immel fü^reft* SBenn mein Qfleifd) unb 53lut nnb bie Sßelt mir megen bcg Seibeng biefer Seit ben Straft benehmen tuill, ba& id) fei ein Hinb ©otteg, ad), fo öerfidjcre rnid) burd) beinen fräftigen Sufprud), baj$ mcber Sehen* nod) Stob mid) merbe fd)eiben aon ber Siebe ©otteg, nnb baft Äinber ©otteg gmar «^reu^ unb Striibfal f)aben, aber bemtod) flinber ©otteg bleiben. 6ei nnb bleibe bu ber beftänbige ©inmofjner nnb £>©rr in meinem §crgen; gib 3eu9niß meinem ©eift, bafi id) ein $ittb ©otteg fei. Ströfte rnid) and) in ber ©tunbe. mciueg Stobeg, menn aller 9Kenfd)en fnilfe unb 33eiftanb oerfdjminbct, mit bem ü£roft, bafg id) merbe ber §errlid)!eit tl)eil= Saftig merben, bie mein 3@fu8 bnrd) fein Seiben unb Sterben mir ermorben f)at. SSater, gib mir aud) bie ©abe, $)ie bu alle bitten beißt, ®aß id) fie empfinb uub habe, ©ib mir beinen |>eitgen ©eift; $)enn id) ^abe grob Verlangen, 3)iefe ©abe 31t empfangen; Sld), erböte meine 33itt, Sipile beinen ©eift mir mit, Simen. ®ef attg* 2M, : 3end) ein 31t meinen Sporen. 1. Sieb, fontm botf) in mein |>erge, D mertfjer §eilger ©eift! @ei meiner @eele ®erge, $)ie fie gunt Fimmel meift, Unb mad) fie neu unb rein; $d) b^ 9ro6 S5er= langen, D ©eift, bid) gu empfangen, Sld), fe^re bei mir ein. $er gläubige E§nft bittet um ben ^eiligen ©ei[t. 69 2. $omm, gib mir neue ©tärfe meinem GUjriftem tfjum, Unb fjeilge meine SBerfe $u beinern SDienft unb 9tuf)tn; 2ld), mad)e mich gang neu, $)a| id) ftetö bet unb finge Unb nur allein boübringe, 2Ba3 bir gefällig fei. 3. $omm, Ijeilge meinen SBiden Unb rei§ if)n bon ber Söelt, SDamit iS) mög erfüllen, 3Sa§ bir, mein ©ott, gefällt; 3d) geb mi S) gängliclj bir, fftegtere meine ©innen, PJiein Sehen unb beginnen, Unb mofjne ftet§ in mir. 4. $a änbre §erg unb Seben Unb fyeilge gättglidl) midj, §eb auf ba§ Söiberftreben, $)aj3 aHe§ ritfjte fiel) SlUcin natf) beinern ‘Jrieb, feafg idj bie ©ünbe ^affe, 33Öfe unterlaffe Unb madjf in beiner Sieb. 5. Saft meine Sieben fpredfjen, 2Ba3 ehrbar ift, ftim fort, $)amit fie nidjt auäbrecften $n£ freche ©ünbenmort; Sei meiner 3unge §err, 3)aft fie ©ott lob unb greife, &em PJädjften Sieb ermeife Unb bien gu beiner ©ftr. 6. 3dE) min bon mir au§gef)en, SBenn bu geftft bet mir ein, Unb auf bein Söinfen feften SDir gang gu SDienfte fein: 3)u bift% ben id) ermäftl, $dj miß midtj bir ergeben, 35u foKft nun fein mein Seben Unb meiner ©eele ©eel. 7. SSenn bu nun fjaft genommen $n meinem §ergen $laft, 2Benn bu gu mir gefommen, ©o fotlft bu fein mein ©d)aft, ^Diemeil idj an bir Ijab $5en aUerbeften öftrer, 2)en feröfter unb Regierer, feie atter^öcfifte ©ab. 8. Söirb fid) mein Seben enben, $)aft id) abfefteiben fofl, ©o ift in beinen $änben SP^ir audj im ©terben mof)l; Verrinnt be§ Sebenä ©aft, 3)aft id) fann nidjt meljr beten, ©o mirft bu rnid) bertreten 25urc() beiner ©eufger ®raft. 9. 333enn id) nun merb erblaffen, ©o fprid) ben ^roft mir gu, $d) feie nid)t berlaffen, $d) fomm gu meiner 9ftul) ! $m lebten ®ampf unb ©treit §ilf bu mir fräftig ringen Unb feliglid) burdjbringen ,ßur |)immel£f)errlid)feit. 6 70 StbenbgeBet am 'Jratag. %Lbenb$ebet am ^fretiag, £)er ©ngel be3 §@rrn lagert fid> um bie f)er, fo ibn fürsten, unb hilft ihnen aus. 0 bu großer unb ftarfer ©ott, laß aud> in biefcr be= oorftebenben üftadjt beine heiligen @ngel firf) um mid) ber lagern unb mid) mit intern mastigen ©d)u£ umgeben; tjaft bu ben ©ngeln beS Stags befohlen, baß fie mid) behüten auf allen meinen Söegen, fo laß fte aud) beS $ftad)t£, als bie ©tar= fcn ©alomoniS, um mein 93ette fielen* 3d) lege mid) nun gut #iube, mein 3©fu, ad), beftreidje bu bie ^ßfoften meinet ^er^enS mit beinern beili= gen 33lut, baß nid)t @d^äblid)e^ fid) j$u mir naße; id) fürchte mid) nid)t, toenn bu bet mir bift 0u bafi irfid) beute begleitet, mo \, oer^eiße mir aus ©naben, maS id) biefen Stag über 33öfeS öollbra(bt, gerebet, gebadjt habe; laß mit bem abgeßenben Stag auch meine ©ünben unb ©ün= benftrafe oerfdjminben, baß ihrer in ©migfeit nid)t mehr gebaut merbe. ©o bu millft ©ünbe jured)nen, §@rr, mer mirb befteben? benn id) St&enbgebet am t^r eitag. 71 tt>ei§ gar wohl, baß eg alfo ift, baß ein ÜRenfd) nid>t gerechtfertigt oor @ott beftehen mag; hat er Suft, mit ihm 311 habern, fo !ann er ihm auf täufenb nicht eing antworten. 2Bag ich aber nicht oermag, bag will ich mit ,36fu $8lut be= gahten. 3Kein 3@fug ift mein, fein $lut ift mein, feine ©erechtigfeit ift mein, fein @immel ift mein. So erfenne mich hoch, mein §üter, mein §irte, nimm mich an; oon bir, Srnnn aller ©iiter, ift mir riet ©utg gethan; laß mich folche beine ©üte 3ur Snße leiten, benn bu haft mich je unb fe geliebet, nnb aug großer Siebe haft bu mich su bir gesogen. Saß bein heißeg Sßlut nnb beine treue Siebe mein falteg §ers erwärmen, baß ich biat unb bafe ich batmn rnufe. Starter unb aümäch= tiger ©ott, biefe^ finb }e|o meine ©ebanfen am @nbe ber 3®oon bir empfangen habe. $Du bift biefe üftad)t nicht oon meiner Seite gemichen, bu haft alteg Ungemach öon mir abgemiefen. ®u fprachft: 3Kein 5?inb, nun liege, trop bem, ber bich betrüge, fcptaf moht lafj bir nicht grauen, bu foüft bie Sonne flauen, 0ein Sföort bag ift gefdjehen, ich fann bag Sicht noch fehen, oon SJoth bin ich be= freiet, bein Sd)u£ hat mich fcerneuet. Weh/ lafe 9Worgenge&et am ©onrtabertb. 73 mid) biefen Sag beftönbig verleugnen alleg un= göttliche 3öefen nnb bie meltlicben ßüfte, nnb ba= gegen jjüdjtig, geredet nnb gottfelig ben Sag fyin= bringen, Saß mid) mit meinen Kleibern a^ießen Eerälidjeg ©rbarmen, ^reunbtid)feit, @rr, ba ich nunmehr ben (Schluß biefer SBochefo glüdflid) erlebt höbe. §®rr, mie theuer ift beine ©üte, bafc !&Kenfaft and) bie Peinigen beineg Sd)u|eg unb beiner ©nabe genießen laffen. üftun, bag l)at ©ott gettjan, bag ift ©otteg äöert, bafe id) biefe SBodje fo glüdlid) l)ingebrad)t Ijabe. Darum lobe ben |j@rrn, meine Seele, unb mag in mir ift, feinen ^eiligen tarnen; lobe ben §©rrn, meine Seele, nnb Dergifj liiert, mag er bir ©nteg getfjan fjat 2ldj ja, mie Diele finb biefe !2öod)e gefallen, nnb id) ftefje burd) beine ©nabe aufgeridjtet; mie Diele Ijaben eine betrübte Drauer= unb ^reu^modje gehabt, aber mid) fyaft bu fie in ^rieben nnb Stufje gurüdlegen taffen; mie Diele Ijaben (Slenb nnb Jammer erfahren müffen, aber id) bin unter beinern Sdjuij un= Derletd geblieben! Dafür fei Ijodjgeliebet, l)od)= gelobet nnb l)od)ge|)riefen Don ©runb meiner Seele. §abe Dan! für beinen Sdjut; unb beine ©nabe, l)abe Dan! für beine Siebe nnb beinen mastigen 33eiftanb, tjöbe Dan! für alleg ©ute, bag bu mir an Seib nnb Seele ermiefen ^aft* 2ld), mein ©ott, Der^eilje mir and) aug ©naben, mag id) in biefer 2Sod)e Unredjt getljan fyabe. 2ld), eg ift mir leib, eg reuet mid), id) betrübe mid) barüber, nnb bitte um Sßarmljergigteit nnb Vergebung meiner begangenen Sünben, um ber blutigen Sönnben 3©fu ©f)rifti mitten fd)one, Ser gläu&tge (Sfyrift banfei (Sott am @nbe ber 2ßo$e. 77 unb nid)t nad) äBetfen loßne. 5d) tüttt burd) beincg Seiftet $raft mit ber neuen Söocße muß befleißigen, bie üerübten ©ünben gu meiben nnb bir in ^eiligfeit unb ©ered)tig!eit gu bienen oE mein ßebenlang. ©et £ob unb ^ßret3 mit ©ßren ©ott Sater, ©oßn, ^eiligem ©eift! 4) ec mott in ung oermeßren, Sag er ung ang ©enab oerßeißt, $>aß mir ißm feft oertrauen, ©änalicß ung laffn auf ißn, Son ^jerjen auf ißn bauen, 2)aß unfr §er3, Sftutß unb ©inn $ßm feftiglicß anßan= gen; $)rauf fingen mir gur ©tunb: Simen, mir merbtt’g erlangen, ©laubn mir aug ^jergenggrunb. Simen» ©cfattg. 9M. : SQSerbc munter, mein ©emiitfje. 1. Shm bie Socße ift oerfloffen, ©eele, fo bebenfe bidß, Sag bu ©uteg ßaft genoffen, $>a bein ©ott fo milbigltcß Slufgetfjan bie Saterßanb Unb oiel ©utg bir gugemanbt, Unb anjeßt in großem ©egen 3)icß fie läßt äurücfelegen. 2. 35an!e ißm für feine ©aben, $>ie er reicßlicß aug' geftreut, Unb bie auf bein Sitten ßaben ®iefe Socße bieß erfreut; Ser ift, ber erfaßten fann, Sie oiel ©ott ißm ©utg getßan? ©cßau, mie ©otteg Srünnlein fließen, $)ie fieß reicßlicß auf bieß gießen. 3. greife feine große ©üte Stun bei biefem Socßen= fcßlttß, Unb ermuntre bein ©emutße, $>a bu noeß in bem ©enuß ©einer oielen Soßltßat fteßft Unb noeß tägtieß meßr empfäßft; $ft boeß feine ©tunb oergangen, ü£)a bu nießt ßaft ©utg empfangen. 4. Sitte, baß bir ©ott pergeiße Sitte beine ©ünben= fcßulb, Unb aug ©naben bir oerleiße ferner feine Sater* ßulb; ©prieß: Sttein Sater fieß nid^t an, Sag icß Söfeg 78 Sft&ertbgebei ant Sönrtabertb. haf> getfjan, Sag bie ©iinb unb ©traf ber ©üitbett $luch mit biefer SBod) oerfchttinben. 5. Sag mich betne ©nab and) fpüren, Söenn bie neue 2Boch anbricgt; 5ldj, bu moüeft felbft mich führen, 0 bu meiner ©eele 2id)t! Seib nnb ©eel unb mag ift mein, Sag bir ftetg empfohlen fein, SDetne ©nab lag bei mir bleiben Unb bag Unglücf t>on mir treiben. 6. ©otlt aud) mit ber neuen Söodjen 307eine legte 333oä) unb Xaa, ©ein gugleicg mit angebrochen, Ober bag rnid) teuj unb ^ßlag $e|t empfinbliä) treffen foK, 5ld|, fo macge alleg mof)l; 23ei bir !ann icf) nicht oerberben, $n bir fann ich fetig fterben. 2lbcnbgcbct am ©ottnabenb. Söenn ich im ginftern toanbele, fo ift ber §©rr mein Sicht O bu liebreicher unb gnä= biger ©ott, }e|o enbiget fiügel fallen, aber beiue ©nabe meidet nicht oon beinen Äinbern. üftun, biefe einige ©nabe hat mich auch biefe SOSoctje überleben laffen; mag ich im Anfänge ber 2Soche nicht mugte, bag meig ich nun, nämlich, bag ich gefnnb berfelben @nbe erreichen follte. deiner 2Bof)lthaten finb biefe SBoche über Diel getnefen, bu haft mein ©ebet erhöret, mich behütet, mir guten 9tath mitge= theilet, mich begleitet; fein Sag ift oergangen, ba ich nicht ©naben=, Siebet nnb (©egenggaben SIBcnbgebet am ©onrta&enb. 79 »on bir empfangen Ijabe, jo, feine Stunbe ift »er= gangen, barin nid)t reidje Ströme beiner 2öof)l= traten auf mid) gefloffen finb. ,3^0 fjabe id), mag itf) im Anfänge gettmnfdjet. 0 ber großen ©nabe, Siebe unb ^öarm^ergigfeit ! 3>d) gebenfe aber freute, am Sdfjluft ber 3Bodl)e, auct) an meine Sünben; Diel finb meiner Uebertretnngen ge= tnefen, bie id) mit teufen, SBollen, Verlangen, £f)un unb £ affen t)Dttbrad)t, bafc id) nid)t fo treulid) für meine Seele geforget, alg idt) billig fjätte tf)un füllen. 2ld) §©rr, §©rr, vergib mir biefe Sünben; ad) §®rr 3©fu, burd)ftreicf)e mit beinern ^eiligen 33lut bie gan^e Sünbenfjanb= fd>rift biefer SBodfye, baf$ fie mir auf einig »er= jiefyen unb »ergeben bleiben mögen* §©rr, ftrafe mid) nicfyt in beinern ,3orn, unb 3üd)tige mid) nidjt in beinern ©rimrn. Sei and) in biefer $ftad)t eine feurige Sftauer um midi) fjer, laf? fein Unglüd, Staben unb ©efaljr midj unb bie 3Jtei= nigen rühren* §ilf, bafc idt) ade meine Sorgen auf bid) merfe, unb unter beiner Sürforge, mein 35ater, fanft rul)e. 3$ bin nun eine 2Sod)e älter, unb audf) einen Stritt näfjer gur ©migfeit. 0ag ©nbe biefer 2öod)e erinnert mid) an bag ©nbe meiner S£age, bafe and) bie letde SBodje, ber le^te $ag unb bie le^te Stunbe meinet Sebent ein= bre^en toerbe, auf i»eld)e Ijernad) bie lange 80 2l6enbgebet am ©onnabenb. ©migfeit folgen foö; barum fyilf, bafj id) olle künftige $3oatt mid) in £jut, 33ring mid) morgen an ben Ort, ®a man bört bein fjeittg 2öort, hottet) mit felbem lab unb j^etfe, Sig id) in ben §immet reife. Simen. SRorgengefcet. 81 ^weiter SfociK ^fert=3V«ö achten. Ser anbädjtige Cljrift betrautet jur heiligen Stboentfc jeit Shrifti Slnlunft int gleifd). SSJlorgettgebet* Erfreut unb ent^üeft über beine fegenäöoüe 3ufunft in£ gleifd), öerlaffe id> anfetm mein Säger, unb Ijebe meine §änbe auf 3U bir, 0 ein= geborener ©ottesfoljn, non meinem mir alle §ülfe fommt. 2)u befudjeft bie SBelt, um fie ju erretten unb felig gu mad)en; fo tommft bu aud) mir $u gut unb j)u meinem heften auf bie ©rbe, bamit aud) id) in bir leben unb oolleg ©enüge bdben fönne. 2Bie foüte id) ntid) ba= fyer nici)t freuen? SSarunt follte id) nid)t fröf)= lid) fein? ©rfdjeineft bu nun, 0 3@fu, mir p gut in ber ©eftalt be£ fünblidjen Qleifdjeg, fommft bu um meinetmiüen in bie 2öelt: ad), fo tomme and) gu mir unb in mein |>er;$. ^eilige e3 burd) unb burd). bereite e§ bir felbft fo gu, ba& bu in bemfelben beiue SBo^nung auffd)lagen fannft Starte meinen ©lauben, unb erfülle mid) mit beiner Siebe, bafe idj bid) ber $Belt, 82 2J?orgengebct. ifjren Süften unb allem anbern oorgielje. SBitt bafjer bie 2Belt mit t^ren Sünben, al§ £>od)= mutl), ©tolg, 3ont, ttfrtfymrebigfeit uttb anbern SBerfen be£ gletfdje^ fommen nttb fagen: biefem @ergett motten mir moljnen, Ijier motten mir l)errfd)en, Ijier motten mir nn§ nieberfaffen : fo la§ mid) in beiner $raft ifjnen 2Biberftanb tfyun unb getroft entgegenrnfen: SBeidjt oon mir, il)r Sünben! get)e gurüde, Söelt! pkx ift be3 §®rnt Tempel! §inau3, fjinaug mit eudj! 3d) f)abe leinen $latf, id) f jabe feinen S'tanm für eud), ifyr fönnt bei mir euren Sijj nidjt auf= fragen; mein 3@fu§ ift bei mir, bem l)ab id) mid) allein unb gmar gang ergeben, ber fott mid) beljerrfdjen, beffen @igentf)nm mitt id) in geit unb ©migfeit bleiben. D, mie felig merbe id) al^bann fein, menn bu bid) bei mir aufljältft, unb id) mit bir bie Söelt unb alle $einbe meiner ©eele überminben fann! £>u bift, o mein £>ei= lanb, in bie SBelt gefommen, bie 6ünber felig gu matten; adj, barum nimm bidj aud) meiner an, unb fomme in meine 0eele. $)u Jjaft bir gmar biefelbe fc^on lange, unb el)e id) nod) ge= boren mar, gu beinern 2lufentl)alt ermäßet, unb and) in ber ^eiligen $aufe bagu bereitet, ba bu mid) mit beinern tfyeuern 23lut oon allen $e= fledungen bes gemafd)en unb gereini= 25er anbäcfjtige Steift Betrachtet bie 2lnfunft (Steifte. 83 get; allein id) bin oou bir gemieden, id) ()abe midj mit mieten unb großen Sünben mieber t>er= unreiniget, id) ^abe mit meinem gottlofen Söefen meinen £aufbunb oftmals Derfafjen. üftun aber ftette id) mid) mieber ein. 3efct öffne id) bir roieber bie $l)ür meinet §ergen£. 3ietft t>er= langt mid) redjt ernftlid) nad) bir. üffiie ein §irfd) fdjreiet nad) frifdjem Gaffer, fo fd)reiet, fo bürftet meine 0eele nad) bir, o mein ©ott unb ^eilanb! $ld), barum (a& bid) bemegen unb feljre bei mir ein. $d) fdjmöre bir eine emige Streue gu. bereinige bid) mit mir, bamit ung nidjtg möge oon einanber fdjeiben. $)ein ©eift uerbinbe jid) uon nun an mit bem meinigen unb (eite mid) allezeit auf ebener 23a()n,.bamit id) immerbar bir folgen unb anljangen unb aud) burd) bid) bereinft einig felig toerben möge. 3rüf)r audf) mein unb ©inn 3)urd) beinen ©eift baljiu, $)af} icf) mög alleg meiben, 2Bag ntid) unb bid) fami fdjeiben, Unb icf) an beinern Seibe ©in ©liebmajf emig bleibe. 2lmen. $lufmuttterintg. 35u £od)ter Sion, freue bidj fetjr, unb bu ^odjier S^rufalem, jaud^e ; ftefye, bein $önig fommt §u bir, ein ©eredjter unb ein Reifer, arm, unb reitet auf einem ©fei, unb auf einem jungen füllen ber ©felin. ©ad). 9, 9. 3ft eine Seit, meldje ©ott ergebene ©eelen gern mit 2lnbad)t Einbringen, fo fiub eg gemijj bie ^eiligen fjeft- tage, an melden bie ^^riften^eit bie 2öof)ltf)aten ©otteg 84 2)et anbäcfytige Stirifi betrautet bie Stntunft G^rifti. ermäget. Cb nun gteidj niete fogenannte Triften bie tjeitigen geftjeiten tfyettg in Ueppigfeit nnb SÖottuft, tljeilg in ©totg unb Äleiberpradjt, tfyeitg mit SJtüfjiggang unb unartigem ©efchmäfj taffen ü orbei g et) en, unb batjer bie Siebe unb ©nabe beg 2llterf)öcf)ften nicfjt $u $erjen nehmen; fo ift hingegen ein gläubigeg ®inb ©otteg oiel anberg gefinnet, beim bagfelbe freuet fid) 1) auf bie be= öorftef)euben ^eftäetten, um atteg feiner 2lnbad)t Dor^u* [teilen, mag ©otteg ©iite itjm gefdhenfet 2) $n ber tjeitigen Slbüent^eit betrachtet eg bie Siebe beg f)imm= lifdjen Baterg, ber feinet einzigen ©otjneg nictjt oerfdjonet tjat, fonbern itjn i» bie SSett gefanbt ^um Seiben unb jum ©terben, um ben SOZenfctjen bie ©etigfeit §u ermerben. 3) ©g fielet an bie brünftige Siebe $©fu, metdjer fidj in unfer armeg gteifd) unb Blut oerfteibet, bamit er ung mieber gum §immet unb gur ©etigfeit bringen möge. 4) ©g preifet bie ©nabe beg Zeitigen ©eifteg, melcfjer bie gefdjentten 2öofjltt)aten ben gläubigen ©eeten fo tebenbig unb fräftig norfteltet, gueignet, unb fotcfje eben fo empfmben täffet, atg ob fie tjeute erft mären gefdjetjen. SDatjer läßt eg 5) bie tjeilige $eit ftch audj eine ,3eit ber 5lnbadjt unb beg ©ebeteg fein, meldje eg mit Hntjörung unb Betrachtung beg SBorteg ©otteg, mit 2tnftimmung ber $efttieber unb mit einem ftiHen unb gottfetigen SBan- bet anfängt unb ooltenbet. 0 bu gnabenreicßer ber bu bift getom= nten gu futtert unb fetig gu madjen, trag öertoren ift, id) baute bir, bafj bu mid) biefe fettige unter beinern ©>d)u^ unb burd) beine ©nabe abermat fjaft erleben taffen, 2ld), gib beineg Zeitigen ©eifteg Straft, baf; id) fie möge in bei= 3>er anbädjtige Sfirift betrautet bie Slnftmfi Sfyrifti. 85 ner SurdEt mit Eiligen 33ctradEtungen unb gu meiner €>eele ©rbauung Einbringen, £)u einiger @oEu (Sottet ber bu bift gemefen, e£)e nodt) ber 2Mt ©runb geleget marb, bu bift in3 Steift getommen unb ein maErer 3JfenfdE gemorben, baß bu un£ möc^teft glitcflid) unb felig matten, 2öir tonnten megen be§ fdEmeren ©ünbettfattg nicf)t gu bir in ben Rummel fommen, barum fommft bu gu un§ auf ©rben, auf baß bu un£ aüe mögeft gur ©eligfeit einfüfjren. SOßir mären burdE bie Sünbe grernbe, ja, ©efangene unb ©otteg fjeinbe gemorben, aber burdE beine atter= Eeiligfte 2lnfunft fett atte§ mieber gut gemalt merben. 0 große ©nabe, o unau^fpredElidEe Siebe! Um beinetmitten, o ,3©fu, fotten bie gremben 3?reunbe, bie ©efangerten ©rlöfete, bie tJeinbe ©otte£ ©eliebte, bie €>ünber Äinber unb bie ©efattenen mieber aufgeridEtet merben. 0 ^eilige Slntunft! burdE bie mir gum 2mbe SSerbammte ba§ Seben erlangen fotten, unb bie mir oorEer au£ ber ©nabe gefallen maren, burdE bidE mit ergr ba& id) möge bein Ijetlige^ Söort mit Qdeifc unb $lnbad)t andren, im §ergen be= galten unb annebmen; im ©lauben, in beiner ©rfenntnifs unb Siebe and) in btefen ^eiligen £agett toadjfen, unb bie ©lauben§früd)te in meinem £ eben geigen, al3 ba finb ®eufd)beit, £)emutt), ©anftmutb, ©eborfam, grömmigfeit, bamit beine $nfunft auch mir möge eine felige unb bdlfante 2lnfunft fein. 2fd), betoabre mid), bafj e£ nid>t non mir feigen möge: ®r fam in fein ©igentbum, ober bie ©einen nabmen ibn nid)t auf. 2ld), £>©rr 3®fu, icb nehme bid) auf im ©lauben, id) liebe bid), id) ehre bid), id) folge bir. $omm brrein, bu ©efegneter be£ §©rrn; marum ftebeft bu braunen? i(b ba&e mein §erg bir burd) beine ©nabe bereitet. Nomine in mein $erg, i(b toill bid) als meinen einigen ©rlöfer, f)eilanb unb ©eligmadjer im ©lauben faffen, unb bein SSerbienft unb beine ©eredjtigfeit mir gueignen. Nomine in mein §erg, id) toill au3 Siebe gu bir alle toeltlidjen ©itelfeiten, £uftbar= feiten, ©ünben unb Sonetten gerne meiben, bamit bu allein meiner ©eele ©inmobner unb meines §ergen§ 53eberrfd>cr feieft. $ld), toobne in mir, heilige mid) bir, erbalte mid) in beiner ©nabe. Keine begangenen ©ünben bereue id), 2) et anbäcfyttge ©firtft Betrautet bie Stnlunfi ©tyrifti. 87 unb fudje in bir ©nabe, barutn werben fie mid) aud) nid)t mel)r Derbammen; benn wenn mid) ber @of)n frei mad)t, fo bin idj red)t frei* 3ft ©ott für mid), wer mag wiber mid) fein? 0 3@fu, bu famft al§ ein $önig; ad), fjerrfdje f)infüro in meinem ^ergen, bafc bie ©ünbe nidjt mef)r bar= innen Ijerrfc^en unb regieren fönne. ®u famft al£ ein ©eredjter; ad), madje mid), ber id) unge= red)t unb ein DerbammnngSWürbiger emutl) unb Sanftmutlj unb biefelbe in meinem Seben bei alten ©elegenfjeiten au£übe. 0 bu Sönig ber ©fjren, gielje aud) in bie £t)ore meinet §cräen§ ein; fiefye, id) tljue fie bir burd) beine $raft weit auf; regiere mid) fjinfüro mit beinern , Zeitigen ©eift, ba& id) beine 2Bol)nung unb bein Sempel beftänbig, bi3 an mein feligeS ©nbe, bleiben möge. 88 2)er artbädjtige Gfjrtfi betrautet bie Slnlunft ©tyrifti. 90?ein $erj roiCt bieg empfangen gern, 2)u ©ottedfogn, bu 2>atnbdftern, 2)u magrer Seibedfamen; 2)u ©cgilog, |>eitanb, §irt unb |)etl, OTeirt ©ruber, ©nabentgron unb 25geil, Äomm in bed |>©rren tarnen. $omm, Äöntg, f^riebefürft unb §etb, ©rlöfer, Mittler, Söfegelb, 2)u Siegt unb 25roft ber Reiben; 0 ©eligmaeger, $ülf unb ©cgup, ©erfögner, fftatg, ©ropget unb £ru$, 3eucg in mein §eq mit $reuben. Simen. ef an g* 3M. : 0 (Bott, bu frommer (Bott, 1. |jier ift Emmanuel! ©o lagt und jego fagen, $ur angenehmen ©eit, $n biefett ^reubentagen; |rier ift Emmanuel! 2)er und bie ©nabe bringt Unb bem bie (S^riftentieit 25ad ^ofianna fingt. 2. £jier ift Emmanuel! 2)en gat und ©ott gefenbet, Unb mit bemfelbigen ©ein |jerg gu und gemenbet ; |jier ift Emmanuel! Sieg, fegt, mie ©ott und liebt, 25a er gu unferm ^eil ©ein liebfted $inb und gibt. 3. §ier ift Emmanuel! 2>er $lucg !ann und niegt fegaben, 2)ad Opferlamm ift ba, Sir fittb bei ©ott in ©naben; §ier ift Emmanuel! Sir finb oon ©trafen frei, ©d fället und fein $all, Sie grog er immer fei. 4. §ier ift Emmanuel! 2)ie ©ünb ift und vergeben, ©ott fdgenft und ©nab um ©nab, Sir folleit emig leben; §ier ift Emmanuel ! ©ott miß und gnäbig fein, ©d maegt und 3©fu ©lut ©on unfern ©ünben rein. 5. |>ier ift Emmanuel! ®ein Unfall fann und tobten, ©ieg, $©fud ift bei und $tt allen unfern 9£ötgen; |jier ift Emmanuel! ©rfegreeft und Slngft unb 9?otg, ©o gilft und gnäbig aud £>er magre Sftenfeg unb ©ott. 6. §ier ift Emmanuel! Sagt und bie ©ünbe gaffen Unb alle Sieb ber Seit Sind Sieb 51t igm neriaffen; |>ier ift Emmanuel! 2)er ©eelen £roft unb Siegt, 25en faffe jebermann $n ©laubendguoerficgt. SlbenbgeBet. 89 7. |jter ift Emmanuel! 2Bir fönneit fröfjtic^ fterben, 2Bir werben burdj ben @ol)n £)e3 $8ater3 fRetd) ererben; §ier ift Emmanuel! 25ejj freut Jidj 2etb unb ©eel, Unb fpridjt aud) in bem Xob: §ier ift Emmanuel! SUfettbgebei* 3ßie ßat bet §@rr bie Seute fo lieb? 0o muß id) billig oermunberunggooll, o (iebreidjer unb licbensmürbiger ®ott, an bem ®d)Iu§ biefe3 Stageg meine erfreute Seele fragen* $on beiner unermeßlichen Siebe, meld)e bu gegen bie armen 9JJenfd)en ßegeft, bin idj nid)t allein burd) utt= gallige SBobltßaten, meldje bu mir unb anbern an Seele unb Seib ermiefen, überzeugt morben, fonbern aud) baraug erfenne id) biefelbe befon- bcrg, baß bu beineg eingeborenen @ol)neg nic^t oerfd)onet, fonbern ihn für alle öerlorenen ^inber $lbamg unb alfo and) für midj baßiugegcben haft. Söeld) eine auSneßmenbe $ßrobe bcr Siebe ßaft bu baburd) gegen mid) an ben £ag geleget, ba bu biefen beinen eingeborenen, geliebten unb einigen od>gelobet fei ba= t)er bon mir bein ^eiliger üftame für bie unenb= liefen Siebe^ermeifungen, meldje bu gegen mid) bei ber ©enbung beine§ Sof)ne§ in bie SSelt ge= offenbaret Ijaft. 2ld), la§ mid) baburd) ermum= tert merben, bid) mieber bon gangem §ergett, bon ganger urd) bicf) !ann id) alleg erlangen. ©?it bir !ann idf) alleg übernehmen unb augrid)ten. 3n feiner £rübfal miü ieiligfeit unb ©erechtigfeit mein Sebettlang. Safe mich bich beftänbig lieben, als Welches beffer ift benn adeS, bamit ich im Seben unb Sterben, in <3dt unb ©wigfeit in beiner ©emeinfdhaft möge er= funben werben. 0 mein trüber, o mein 2lus= erwählter, welche $reube wirb bas nicht fein, wenn ich bid), ben ich fd)on hienieben herzlich lieb gehabt habe, in ber ewigen Qreube, in bei= 25er anbäcfitige ßljrift betrautet bie ©efcurt S©fu G^rifti. 95 ner Grotte unb SD^aJeftät erbittert unb auf ewig mit bir werbe üerbuuben Serben! 3d) freue mid) barauf im ©eifte; mein §erg ift barüber fröbüd). Unb warum füllte id) mid) auify nid)t freuen, ba id) in ber Hoffnung bereite felig unb im |)immel bei ,3@tu, meinem Sruber, bin? 933ie bin id) bod^ fo beglich fro^, $)aß mein ©djab ift baS St unb 0, $)er Slrtfang unb bas ©nbe; ©r wirb mid) bod) 51t feinem $rei3 Slufnebmen in baS ^ßarabeis, 3)efj ftopf id) in bie $änbe. Simen, Simen ! Äomnt, bu fdjöne greubenfrone, S3Ieib nicfjt lange, deiner mart id) mit Verlangen. Simen. Aufmunterung* 35a aber bie ^ett erfüllet warb, fanbte ©ott feinen ©oljn, geboren non einem 2Beibe, unb unter bag ©efetj getljan, auf bafc er bie, fo unter bem @efe£ roaren, erlöfete, bafi mir bie jUnbfdjaft empfingen, ©al. 4, 4. 5, $ft bei ber ©eburt eines föniglidjen ^ringen $reube in bem gangen ®Önigreion ©ott unb ©otteS ift, bie menfcb5 liebe Statur in einer armen Jungfrau an fii) gu nehmen, unb ein Keines $tnb gu werben. ©S oerwunbern fid) 3) ©laubige in einer gläubigen ©title über ben betlfamen 9tatb ©otteS oon unferer ©eligfeit, baran fein Sftenfdj unb fein ©ngel gebaut hätte, baf} ©otteS ©obn foÜte 96 ©er anbäc^tige S^rift betrachtet bie ©eburt 3@fu Ghrifti. anftatt ber ^Jlenft^ert leiben, unb fie mit ©ott oerföpneit. ergen leiben. ©$ ef aitg* 9M.t D ©ott, bu frommer ©oü. 1. 0, toetef) ein $fteubenfeft, 0, meldje frotje ©tunben, $)a 3©fn§, ©otteä @of)n, SSinbetn roirb gefunben! ©3 ift mein ganges $erg ^tuf biefeg ®ittb gertc|t% Unb meine 2lnbad)t getjt Son feiner Grippe nid^t. 100 SDer anbäc^tige Greift betrachtet bie ©eburt 3©fu S^riftt. 2. 0 Sieb, o grojge Sieb ! 393er ba mit mir bebenfet, Dafj <55ott uug feinen ©oljn ßum Seben fyat gefdjenfet 0 grofje $aterlieb! Der un£ fo l)ocf) gead)t’t, Daß er in feinem ©oljn ©id) wt3 gu eigen madjt. 3. 0 Dreue! 3©fu3 ift ßu un§ oom |)immel fom= men, $at an fidj $leifd> unb 33lut, Dod) ofjne ©ünb, ge* nommen. ©r fomrnt unb bringet un§ ßur $ron, gut $errlid)feit, ßurn ©rbtljeil, gu bem $eil, ßur fü^en |)immet3freub. 4. 0 grofje ©nab, e§ tann ©in jeber ©nab erlangen, 333er biefem 5©fu mirb 3it ©lanb unb Sieb anljangen; 0 ©nabe, bie un§ Droft Unb maljreä Seben gibt! ©ef)t, biefer ©nab genießt, 2Ser $©fum tjerjlic^ liebt. 5. 0 greub, benn unfre ©ünb ©inb inlgefammt üer* geben, Vergeben in ber ßeit Unb bort in jenem Seben; Der 33ürge ift nun ba, Der fteUt fidj miÜig ein, 393ill unfer Söfegelb Unb ©eligmad)er fein. 6. 0 Droft, fo finb mir benn 9ftit ©ott gang au&= geföfjnet, 333er glaubt, mirb nifßt oerbammt, 33ielmef)r burd) ißtt gefrönet; De§ |>©rrett $©fu 33lut, Dob unb ©eredjtigfeit 3ft nufer fcpnfter ©djmud; Unb meifjeg ©fjreufleib. 7. 3tteiu $©fu, bu mirft ßier ©in 9)?enfd)enfinb auf ©rben, Dafj i d) ein ©ottegfinb ©oll ßier unb horten merben; Du fommft unb nimmft auf btd) 3111 meine ©ünbenfdjulb, hingegen fcfjenfft bu mir De3 3§ater3 Sieb unb §ulb. 8. Du fommft unb millft mir aud) $n Heiligung oor* gefyen, 333ie idj foll fjeilig fein, Dag foü idj an bir feßen; äöotjlan, id) folge nadj, Sötein $©fug nur allein ©oll, meil id) leben merb, SJtein Sicf)t, mein fpfyrer fein. 9. Derljatben fnie idj ßier 33or beiner Grippe nteber, $cf) ftimm mit0rreuben an Die frofjen 333eil)nad>tgtieber; 9Umnt an ben Sobgefang, 9timm aud) mein $erge an, 333eil id) bir, liebfter greunb, 9Ucljtg 33effreg geben fann. 2!6enbge&et. 101 10, tüttt aflfjier mit bir Stuf emig midj uerbinben, Stdj, tag mid) neue ©nab S3ei beiner Stippe ftnben; StJlein $@;Ju, id) bin bein, Std), fei unb bleibe mein Unb tag midj nimmermehr %$on bir gefdfieben fein. glben bgebet. 3Kein ,3®?«/ mein Smmanuel, mein König unb mein ©lut^freunb, id) liege nod) im ©eift nor beiner Krippe unb betraute beine heilige 3J2enfd)merbung. Unb mie fann id) and) biefen Sag, melden ber §@rr gemacht hat, beffer be= fliegen unb gu einem fügen unb erquicfenben Sdglaf mid) oorbereiten, al3 burd) fotcge 53e= tradgtungen? 3 baher nid)t für ben redeten. §eilanb ber SQSelt erfennen, unb mid) über beine Offenbarung im $leifd) nicht inniglich freuen? 2öa§ ber alten $8äter @djaar böd)fter SBunfch unb @ehnen mar, unb mag fie geprophegeit, ift 8 102 Sbenbgefeet. erfüllt nad) |>errlid)feit. üERein §erg t)üpfet be£= megen oor Qtoube, menn id) hieran gebenfe utib ermäge, mie unenblid) oiel ©ute§ mir baburd) jjugemacbfen ift. 0u bift ber bobe wtb erhabene ©ott, melier gemefen, ebe benn bie $3erge maren unb bie ©rbe unb bie üfiMt gesoffen morben, unb melier and) bleiben mirb, menn fdjon alle3 mirb gu Krümmern gegangen fein; bu bift ber einige Seljoüa, ba§ $1 unb ba§ 0, ber Einfang unb ba£ ©nbe, ber ba ift, ber ba mar unb ber ba fomrnt; unb bennod) oerfdjmäbeft bu nid)t ba§ menfd)lid)e ©efdjle^t, unb bu mirft gum fieil beleihen ber Merniebrigfte, $erad)tetfte unb Unmertbefte. 0 ber großen ©nabe unb Siebe, mie glüdlid) bin id), baj$ id) an bir einen foldjen ©rlöfer in ber ^frip^e liegen felje. 2ld), la§ mid) non berfelben nid)t obtte ©rmedung meiner Seele meggeben, fonbern lafc alleg, ma§ id> bei beiner menfdjlidjen ©eburt bemerfe, $u meiner Heiligung unb gur Starfung meinet ©laubeng etmag beitragen. 0u mirft in ber üftad)t geboren; ^ilf, bag id) alle Sünbenfinfter= niffe fließen unb ftetg, alg am £age, in beinern Siebte manbeln möge! 0u ftetlteft bid) auf ber ©rbe ein, ba alle§ fülle unb in $tube mar; ad), la§ mid) in bir gu einer mabren Stille be£ ^jer^eng gelangen unb alleg SMtgetümmel üer= Sflbenbgebet. 103 meibett, bamit bu oud> in fot(f>er 8tide bei mir einfefjren f önneft ! 3$ treffe biu läffeft bid) in einem finftern @tad, an einem unbequemen 0rte ^ur Söelt bringen; ach hilf; bafe i^ aden ©emäd)lid)feiten entfage, unb in biefer 2Belt mit altem gufrieben fei, toa§ mir beine ©üte gumcifet unb in meldje Umftänbe fie mich üerfept. 0u liegeft in einer Krippe, in SBinbeln eingemidelt; ad), ^ütte bid) auch in mein §erg ein, unb taft ba§= felbe beine SBobnung fein. 2Bie glüdtid) merbe id) fein, toenn bu in ©naben ade biefe meine fjeqlidjen 2öünfd)e erfüdeft! 3$ gtoeifCe nid)t, ba§ bu rnid) erböreft. 3$ glaube feftiglid), bafc bu mirft mein Verlangen ftiden. ©anj beruhigt unb gufrieben lege ieil unb @egen l)aft gufliefjen taffen* @o gnäbig bu nun gegen mid) gemefen ÜRorgengebet. 105 bift, fo barmfyergig l)aft bu bid) and) ergeiget. heitre üJtott), fein @lenb, feine $rübfal burfte mid) treffen unb Ijeimfudjen, fo brad) bein gärt= lid)e§ $aterl)erg üor (Srbarmen, unb bu fjatteft SCRitteiben mit mir* Saum mar meine Sftotf) am größten, fo marft bu mir aud) am nädjften* Saum überfiel mid) eine £raurigfeit, fo fingft bu fd)on an, biefelbe in Sreube gu oermanbeln* Saum jdjrie id) gu bir, fo er^örteft bu mid), ja, efje id) nod) öftere rief, autmorteteft bu mir* 0 be£ barmljergigen ©otte3, melier mid) and) in biefem ,3af)re mit ©ebulb unb Sangmutl) ge= tragen f)at! Slöenn id) in ©djmad)f)eit oerfiel, fo überfatjeft bu foldje* SBenn id) mid) an§ Uebereüung an bir oerfünbigte, fo fdjenfteft bu mir bie gemalte @d)ulb* SBenn id) oon bir mid) uub mid) mieber bußfertig einfteüte, fo naljmft bu mid) auf* SBeldj einen $ieid)tf)um beiner ©ebulb unb Sangmutl) b)aft bu mir ba= burd) ergeiget! Unb ebenfo fyaft bu aud) burd) bein SSerljalten gegen mid) begeigt, bafc bu oon großer ©üte feieft* Sßermittelft berfelben I)aft bu meinen Obern bemafjret, mein Seben gefriftet unb mid) gefunb erhalten, baj$ id) nun oor oielen anbern beine Siebe rühmen unb gu beinern greife fagen fann, bu fjabeft aüe§ moljl gemadjt, unb alles, alles redjt bebadjt, Oeine grofje £reue ift 106 äJlorgetige&et. bie Urfacfee biefeS beiner Segeigen^ gegen mi(fe* üftacfe betreiben erfütteft bu alle $erfeeifeuugen, toeldje bu getrau feaft, unb feältft beine $ufagen getoife. Sfodfe berfetben ift mir berofealben fo Diel ©ute£ gugefloffeu, bafe id) e§ nt(f)t all er^äfelen fattu* 2Bte faun id) bir nun, o mein ®ott, oer= gelten all ba3 ©ute, fo bu an mir getfean feaft? 3d) bin öiel gu unoermögenb ^iergu. $)arum nimm für biefe^mal mein fdjmadjeg Satten, ftatt eine§ Sob= unb SDaufopferg, in ©naben an, $)an! fei bir gefagt für alle £reue; $)ant für alle ©üte; ‘Banf für alle ©ebulb; $)anf für alle 53armfeer= gigteit; $)an! für alle ©nabe, ©rrneife bid) fer= ner gegen mid), tote bu bid) btefeer ertotefen feaft* Safe mtd) btefen $ag tu beiner gurcfet feinbringen, bafe id) an bemfelben fotoofel, al§ aud) in alle ©migteit beinen tarnen loben unb greifen möge* 0 baft icf) taufenb jungen feätte Unb einen taufend fa^eit SDtunb, ©o ftimmt idfe bamit in bie SBette $om allertiefften ^ergenägrunb ©in Öoblieb nocfe bem anbern an $8on bem, mag ©ott an mir getfean, $cfe miß Don beiner ©üte fingen, @o lange fidfe bie gütige regt, $cfe mitt bir ^reubenopfer bringen, ©o lange fiat)re$. 107 Slufmitttieruttg, 2o6e ben meine ©eele, unb roa§ in mir ifi, feinen ^eiligen tarnen ; lobe ben £@rrn, meine ©eele, unb oergifj niefft, rooä er bir ©ute§ getfjan fyai. 103, 1. 2. 2Senn anbädftige Seelen unb bantbare bergen fid) fyerätid) in (55ott erfreuen, wenn er fie eine SfBodje ober einen SJftonat gtücflid^ gurüdtegen lägt, warum folten fie niegt igre $reube oerboppetn, wenn fie unter bern 93ei= ftanb ©otteg ein gangeg 3at)r burdjtebt t)aben? Std), wie oiet Seiben !ann ung in einem iage begegnen, unb wie oiet metjr in einem ganzen 3atjre! SBenn ein an= bärtiger ©fjrift ben Sdjtufj beg Safjreg erbtidet, fo gebet er |iänbe, §erg unb SDhinb jum Jjimmet auf, unb fcglieget eg mit Soben, kanten unb 23eten, unb gwar ift eg ifjm rti(gt genug, baf? er etwa nur bie gewöfjntidjen SBorte aug= fpriegt: ©ott ßob unb 3)aitf! bag $atjr ift aud) oorbei; fonbern 1) bautet er ©ott, ba§ er igm bag $at)r ljtnburd) fein geitigeg 3Bort gur Seetentjeitigung I)at prebigen unb ben 38eg gum §immet weifen taffen, wie audj, bafj er itjm burd> bag geitige 2tbenbmat)I immer neue Äraft unb Starte gur Slugübung ber ©ottfetigteit unb §eroor= briugung ber ©taubenSfrücgte üertiefjen. 2) ©r fraget fieg, ob er and) bag $al)r über frömmer geworben, wie alt er nun an bem inwenbigeu äjtenfdjen nad) ber neuen ©eburt fei, ba er ttadj ber alten fünbXitgen ©eburt aber= mal ein $atfr gurüdgetegt tjat. ©r bittet 3) ©ott aud) ger^licg unb inbrüuftig um Vergebung ber begangenen Sünben, bie er entweber wiffenttieg ober unwiffenttieg ooübradjt t)at. 4) ©r preifet ©ott fobann für bie em= pfangenen oieten teibtiegen SBotjttfjaten, bafi er itjn er= nähret, oerforget, befdjü^et, errettet, ermatten, gefeguet, bewahret unb begteitet. 5) |)at itjm ©ott $rantf)eit, Seib unb Srübfat ^ugefdgidet, aber itjn aud) wieber ba= oon befreiet, fo fott er infonbergeit igm bafür bauten, unb fief) am ©nbe beg $aljreg, fo oiet mögliig, erinnern, 108 2>et anbädjtige Greift betet unb tua3 in jeber SSodje ober in jebern SJionat entweber if)tn ober ben ©einigen ©uteä nriberfafjren fei, auf bafj alfo bie lebten Sage be§ 3af)re£ ifjrn 2ob=, $et=, Sattf= unb 23ufc tage toerben mögen, babei er 6) auc| ©ott um feine ©nabe in bem neuen $af)re anfle^et 6rr tjat ©rofceS an mir getfjan, bejg bin id) frötjtid) ! 0 bu breieiniger ©ott, SBater, @of)n unb ^eiliger ©eift, alfo fbrid)t meine in beiner ©nabe fid) erfreuenbe 0eele, ba id) nun aber= mat unter beinern <©d)uj) unb $eiftanb ein 3a^r gtüdlid) gurüdgelegt f)abe. $ld) ©ott, mie treuer ift beine ©üte, ba& JRenfdjentinber unter bem ©Ratten beiner Flügel trauen ! fie merben trun= !en üon ben reichen ©ütern beiner |wufe3; bu tränfeft fie mit SBottuft, alä mit einem @trom; benn bei bir ift bie lebenbige Duette, unb in beinern ßidjte fe^en mir baä ßidjt. 9Kein ©ott, ber &age im ^dfjre finb niete, aber beiner 2Bot)l= traten nod) oiet mefyr; ©>tunben unb Minuten im «3afjre !ann man gälten, aber beine 2Bol)t= traten, bie bu mir ernriefen, finb un3ät)lig* 3d) banfe bir, baf$ bu mir biefe£ 3^* bein t)eitige§ 2öort t)aft lauter unb rein prebigen, unb barin ben Söeg gurn §immet unb gu meinem ernigen banft ©ott am ©$luf} beS 109 §eil anmeifen laffen* 2ldf), oerfiegle alles, ma§ id) gehöret fjabe, in meinem ^er^en, unb gib mir beinen ^eiligen ©eift, bafe id) mein ßeben bar= nad) einridjten möge* baute bir, bafc bu mid) oftmal in bem ^eiligen $benbmat)l mit beinern fjeiligen Seib unb 33Iut gef^eifet nnb getrönfet tjaft; ad), lafe es mir 3U meiner ©taubensftärfung unb ßebenSfyeiligung geheimen* baute bir, bafe bu mir oftmal bie Sünbe oergeben nnb bie oerbienten Strafen oon mir abgemenbet t)aft; ad), gib mir Straft, ba£ id) mid) in bem nädjften Saljre baoor t)üte, unb fie nid)t miebernm oor= fä^tidf) begehe* Sd) baute bir, bafe bu meinen ®eruf gefegnet, mir Sftafyrung nnb Reibung be= feieret, mir ©efunbljeit Oerlieljen, bas Unglüd, fo mir bro^ete, oon mir abgemenbet, mein äxm$ erleichtert, unb in meinem @lenb mid) in ©naben angefeljen Ijaft. Qu l)aft mid) behütet, mie einen 2tyfel im 2luge, bu fyaft mid) befd)irmet oor meinen geinben, bie um unb um ttad) meiner Seele fteljen. ®u f)aft in Sltotl) mid) erhöret, unb mein ©ebet burd) bie SBoIten oor beinen $fjron bringen laffen. Qu l)aft in meiner Qx Üb- fal mir §ülfe gefenbet 00m §eiligtt)um, unb midi) geftärtet aus 3ion. $>u beinen Segen über midi) auSgefdtjüttet, bu l)aft beiu $lngefid)t nicht oor mir oerborgen, ba id) 3U bir fcfyrie. Qu lieb= iiö 2>er anbäc^lige Gtyrift betet unb rettet Skter l)aft mid), bein ^inb, an beiner §anb gefüfyret; bu mastiger $?önig tjaft mid), beinen Untertan, miber ade meine $einbe be= fdjü^et ; bu getreuer §irt fjaft mid), betn Sd)äf= (ein, auf grüner 2luc gemeibct; bu tjaft mid) lebenbig erhalten, ba jene in bie ,f)öde fuhren; beine ©üte unb S£reue fyat mid) Dom Anfang be$ 3lal)reg bi£ an ba§ ©nbe ademege begleitet, £>eine 2öei§()eit ()at mid) geleitet, beine ßiebe ()at mid) bebedet, beine §ü(fe ()at mid) er= freuet, beiue ©nabe ()at mid) erhalten, beine TOmadjt (jat mir jebergeit . aMgeljolfen, beine milbe $ßater()anb f)at mir ade3 gegeben, bein adfel)enbe3 2luge (jat ^Cd)t auf mitf) gehabt, unb meinen Ausgang unb ©ingang behütet, bafe mir fein Uebe(3 begegnete, $)arutn, ad), fcljet unb fdjmcdet bod), mie freuttblid) ber £)©rr ift, unb mie Diel ©uteä er meiner Seele get|an l)at ! §aft bu mid) gmar gumeiten grofce uub Diele Wngft erfahren (affen, fo Ijaft bu mid) bod) mie= ber (ebenbig gemacht. ^>atte idj gumeilen Diele 58efümmerniffe in meinem |)ergen, fo Ijaben bod) beine £röftungen meine Seele ergäbet, 2Bar mir oftmals ©efa^r unb Üßotl) nalje, fo mar aud) beine §ülfe nal)e, unb bein ©ngel Ijat mid) behütet auf aden meinen Sßegen unb mid) er= rettet au§ bem Radien beg ßömen, 2ld), mein banft Gott am ©djlufi be§ 2>atyre$. 111 ©ott, beruhe mir aug ©naben alle ©ünben, ad|, alle Süttben, bie ich in biefem Sabre getban ijabe ! 2ld), ftrafe midi begmegen nid|t in bem neuen Safjte, fonbern üer^ei^e fie mir um S@fß mitten. £>@rr, gebenfe nid)t ber Sünben meiner 3ugenb nnb meiner Uebertretungen; gebenfe aber mein nad) beiner ^armber^igfeit, nm beiner ©üte mitten. §©rr, §©rr, fo befdjlicfee id) benn ba£ Saljr mit kaufen, Soben unb 33eten, nnb flehe bid) bemütbig an, bleibe aud) mein anb 3n biefem $ap: ge= fcpnfet, SBie er mich b^ oerforgt Hub oätertid) bemapt, Unb mich gefunb unb mop 33i£ biefe ©tunb berfpart! 2. SGSie tann id) fope ©nab, SJtein SSater, gnugfam greifen ? Step tonnt mein froher ©eift fftetp bantbar fid) ermeifen! D, bafj bodj aß mein 93tut Söie eine ,3nnge mär, Unb jeber Slberfcpag ©rbübe beine ©br. 3. $iel ©uteg pft bu mir 3n biefem Scd)r erzeiget, Unb beineg ©egeng ©trom Sftir reiflich gugeneiget; Sin 112 2lbenbge6et. 9?ott)burft, ©bei§ unb £ranf §afä niemals mir gefehlt; $5odj finb bie ©terne et) SltS beiue ©üt gegärt. 4. 933te ift mein $erg betrübt, 2Bemt id) babei ertoäge, Unb vor bir, treuer ©ott, ^Bußfertig übertege, 2öie idj fo unbanfbar 2)afür getuefen bin, Unb bafj i(| nicfyt gelebt Sftad) meines 3©fu ©inn! 5. $)enn, ad), bie ©ünbentaft Siegt mir auf meinem §ergen, 2Idj, bie genofjne Suft bringt je£o bittre ©djrner- gen; 3)afsid) gefünbigt tjab, 2ld), teiber! taufenbmat, 3BaS jag idj taufenbmal? ©o oft unb ofyne 3df)l. 6. $)u mirft jebod), mein ©ott, 3)iefetbe mir ber= geifjeit, Unb mir gur SBefferung $om ^jimmet ©nab uer- teilen; ÜUitnm meg bie ©djutb unb ©traf, Vertilg fie gang unb gar, Unb ftraf beSmegeit nidEjt SDUd) in bem neuen $at)r. 7, $dfj miß mid) bir hiermit 3unt ©igentf)um ergeben, ®ie ©eete fammt bem Seib, SSerftanb, ©inn, ©etft unb Seben; 5td), fd)teufj bie steinigen 3rt beine 33orfidt)t ein, Unb taffe, maS id) fjab, ®ir aud) bepfot)ten fein, 8, SBefd)ü|e ferner mid) Unb gib mir beinen ©egen, ©rljatte, maS id) tjab, ©ei bei mir, unb hingegen 3Benb ab beS UngtüdS ©türm, Unb bleibe ftetS mein ©ott, 3us gteid) tjab 2ld)t auf mict) $m Seben, 9?otIj unb !£ob. 9, ©o miß id) benn baS $aljr SUlit bir, mein ©ott, befdjttefjen; 2td), tafc im neuen and} 9J?id) beine |jutb genießen; Unb foßt baSfetbige SSießeidjt baS lejjte fein, ©o füfjr mid) burdj ben £ob 3ur $immetsfreube ein. 3lbettbgebei* $nj;efo beuge id) gum lebten SSJZale in biefern ^aljre uor bir meine ^niee, o mein ©ott unb ©rbarmer, unb fud)e nid)ts al$ beine ©nabe unb beinen ^rieben. ^ fcicf) vielfältig ' Slbenbgebet. 113 in ben oerfloffenen gmölf Monaten erzürnet unb betrübet Ijabe; id) meiß, ba& id) oftmals betne ©ebote übertreten unb nid)t immer ben 2Beg ge= manbelt bin, ben id) t)ätte toanbeln fotten; id) meifc, ba§ id) mit biefem meinem Ungefjorfam beinen 30ri1/ beine Ungnabe unb beine geredeten ©trafen oerbienet l)abe ; id) meijs aber and), bafe bu um mitten bußfertige ©ünber ^u ©na= ben annimmft, unb ifjnen SKiffettjaten, Ueber= tretuugen unb ©ünbett oergibft. Unb eben be3= megen merfe idE) tnid) ror beinern &J)rone nieber unb rufe um ©nabe* $d), §@rr, gebenfe nid^t ber ©ünbett meiner «gugenb, gebente aber meiner nad) beiner SBarm^ergigfeit, um beiner ©iite mitten, ©e^e uid)t mit mir in£ ©erid)t, benn td) tann fo menig mie anbere ror bir hefteten. SBer^eitje mir bafyer atte meine $ei)Ier, aud) bie oerborgenen. §abe id) bein geoffenbarte^ Sßort, meld)eg mid) untermeifet $ur ©eligfeit, in biefem Saljre nid)t mit fotd)er ^tnba^t unb $lufmerf= famfeit angefjöret, mie id) billig fjatte ttjun fotten, fo oergib mir foidje Unadjtfamfeit, unb taf$ mid) jjinfüro au3 einem $örer einen $£f)äter beiner SBorteg merben. ^>abe id) bidt) unb meinen Sftädfjften rtidf)t fo getiebet, mie e§ mir jugefom^ men, fo börnpfe in mir atten ^altfinn, unb ent= günbe in meiner ©eele ba3 ^euer beiner gött= 114 2l6enbge&et. üd)en Siebe, bamit td) bid) non gangem bergen, non ganger @eele, non gangem ©emütbe unb au3 allen Kräften, meinen Städjften aber mie rnid) felbft, lieben möge. §abe itfy in meinem Slmt, 0tanb unb Serridjtungen nid^t bie ge= porige Sreue beobachtet, fo oergeibe e3 mir au3 großem Erbarmen, unb lag rnid) ingfünftige mit bem Sfnnb, metd)e£ bu mir anoertrauet, beffer mutfyern, bamit id) ftct* al$ ein guter §au3balter erfunben tnerbe unb mit meiner Stecbnung be= ftet)en möge. Sei bir, o mein ©ott, ift bie Ser= gebung, barum fud)e id) biefelbe aud) bei bir. £ilge bei bem @d)Iufj btefe^ Safjrcg mein @d)ulb= regifter, toeldjjeg gro§ genug ift, mit bem teuren Stute meinet §ei(anbe§, meld)eg id) im ©tauben ergreife. Safe meine ©iinben nrie einen stiebet / oor beitten Slugen oorübergeben. Stimm fie meg non mir, unb gebenfe berfelben nimmermehr, bamit i(b nid^t at§ ein 0d)ulbner in bem neuen Sabre nor bir erfdf)einett möge. Stimm mid) au(b notb in biefer Stad)t in beinen @naben= fd)u|5, unb fei eine feurige Stauer um mid) ber> bafc mich fein Uugtüd treffen fönne. @olt aber biefe Stad)t bie teilte fein in biefem Sammertbal, fo nimm midg §@rr, in §immet ein, in beinen ^reubenfaat; benn atfo teb unb fterb id) bir, o ftarter gebaotb, im &ob unb Seben bttf bu SOlorgenge&ei. 115 mir aug alXer Slngft unb Sftotb. @o£( xcX) aber nad) beinern Oiatl) mein Seben X)5X)er bringen, unb mettn id) ermadje, in ein neueg 3af)r treten, fo ge(je mit beiner ©üte mit mir in bagfelbe; (eite mid) in beinen Söegett; mad)e mid) red)t fromm; flirre mid) auf ebener 53a^n, unb nimm beinen ^eiligen (Seift ni d)t oon mir, bamit id) bir (eben, bienen unb gehorchen möge. «3a, mein ©ott, bag (Sine bitte id) nur ttod), el)e id) eittfdjlafe, oon bir, bag molleft bu mir geben, ttämüd) im neuen 3al)re nad) beinern 3Biüen einen neuen @inn unb ©eift, ber, mag bein ?3cfef)l mid) Reifet, mid) Ief)r unoerrüdt erfüllen, bafe mein ©eift, fammt ©eel unb Seib, beineg ©eifteg Söo^nung b(eib. 0, bu großer ©ott, erfjöre, SBag beiit ®inb gebeten ^at, $©fu, ben id) ftetg oerefjre, SBIeibe ja mein 0d)u£ unb Sftatfj, Unb mein §ort, bu mertfyer ©eift, $)er bu *5reuttb uitb Prüftet fjeiBft, §öre bocf) mein fefjnlidj §lel)en! Simen, ja, eg foU gegeben. Simen. Ser anbädjtige (ffjrift betet bei bem Slnfang be$ neuen Saljreg. ^orgettgebet* 2öag fall id) mir nun oon bir, o mein ©ott unb SSater, augbitten, ba id) in ben erften @tum ben biefeg 3^b^eg, me(d)eg mid) betne ©üte bat erleben (affen, oor beinern ^br*>ne betenb er= 116 30?orgengebei. f(f>etne ? kreiertet bitte ich Dort bir in tinblicßem Vertrauen, unb hoffe, bu merbeft mir feinet Der= fügen, £>a$ ©rfte ift: baß bu mid) in biefem Zaßre mit beiner ftarfen unb mächtigen ^)anb befchüßen, bebeden unb erhalten motteft, So lange mir !äftenfd)en bienieben auf ©rben matten, fo lange finb mir Dielen SSeranberungen unb ©efäßrlichteiten untermorfen, meldtje un0 leic^t= lid) Derberben unb aufreiben tonnen, mo mir nid^t Don beiner göttlichen 3Jiad)t bemaßret unb errettet merben, Söitt mich baßer Unglüd Don mancherlei 2lrt betmfudjen, fo menbe fold)eg in ©naben Don mir ab, drohet mir allerlei ©e= fahr, fo nimm mid) unter beine Flügel, baß fie mid) niiht .treffen fann, üöitt $reug, £rübfal unb ^Jtoth bei mir eintehren, fo fei bu mein ©d)ub, melier mid) baoor behüte unb bemabre. Soll ich aber nad) beinern ^Bitten mand)eg Ser¬ ben biefer Zeit erfahren, ad), fo laß mid) fold)e§ in ©ebulb ertragen, al§ eine Züchtigung t)on bir annebmen, unb meinen ^Bitten bem beinigen untermerfen, @teße mir auch in ber @tunbe ber Slngft bei, unb laß mich nicht fleinmüthig merben, Ze^9e mir enblich auch halb beine §ülfe, unb laß mich meine Suft an beiner ©nabe feßen. £)a3 Wnbere, melcße^ ich bemütßigft Don bir be= geßre, ift biefe§: baß bu ZSfum allezeit motteft ■Korgettgebet. 117 in meinem §ergen wohnen laffen. SJZeitt §ei= lanb f)at fich ba£felbe bei meiner Saufe gu feinem Semmel bereitet, er fyat eg alg feine 2öol)nung eingenommen, unb fid) mit mir, ehe ich noch non mir felber. wufete, oereiniget; ja, ob ich gleich burd) meine Sünben ihn bon mir getrieben unb feine ©emeinfchaft tierfd^erjet t)abe, fo ift er bod) wieber bei mir eingetefyret, ba ich burd) feine ©nabe $Bufee that $ld), barnm lafe biefeg oor= treffliche ^leinob nie üon mir genommen werben, @tärfe meinen ©lattben an feinen tarnen. Safe mich meinen ^©fum über alleg Heben unb fdjätjen* Safe mich in beiner Sraft feine geheiligten ^ufe- tabfen betreten, unb immer fo gefinnet fein, mie er mar, bamit ich mit ihm allezeit auf bag ©e= nauefte oerbunben bleiben, unb um feinetmiHen bir Wohlgefallen möge, ©üblich erfudje ich bid) in ber tiefften ^Beugung meinet ^er^en^, bu moüeft beine heiligen ©ngel in biefem 5af)re um mich fein unb mich auf allen meinen äöegen be= gleiten laffen, S>u fenbeft ja btefe bienftbareu ©eifter aug gum Sienft berer, bie ba ererben foHen bie Seligfeit; bu willft auch/ bafe niemanb oerloren gehe, fonbern alle follen bag ewige Seben ererben, unb mithin gehöre id) and) unter bie= fenigen, welche fid) beg gefegneten Sienfteg jener ooHfommenen ©eifter, welche immerbar um bei- 9 118 SRotgengebet. tten ^tyron ftetyen, getroffen tonnen, unb aug eben biefer Urfattye erbitte itty oon bir fletyentlitty bie ©efebfttyaft beiner ©ngeL Sttyue itynen Sefetyl, ba§ fie mitty behüten auf aben meinen Söegen* Saft fie fitty um mitty tyer lagern unb eine 2öagen= bürg um mitty fttylagen, bamit nidf)t 53öfe^ 311 mir tann, unb autty ber Satan, menn er fitty in einen dngel beg Sittytg Derftebet, nittyt oermögenb fei, mir gu fdjaben unb mitty gu übermältigen* Saft mitty ftetg baran gebeuten, baft beine 6nget bei mir feien, bamit itty mitty oor Sünben tyiite unb mitty auf ebener Satyn leiten taffe* Söirft bu mir, 0 mein ©ott unb Skter, biefe meine brei= fattye Sitte gemäßen, fo merbe id) in biefem Sa^re unbertetyt bleiben, fo mirb eg ein Satyr geben, oon meinem itty merbe fagen muffen: @g tyat mir gefaben* Meine Seele mirb algbamt mit Sittyt, ßraft unb Störte erfübt bleiben; i(ty merbe im ©lauben unb in ber Heiligung ;$u= netymett, unb meinem 5ßeruf gefunb nattygetyen tonnen* Söenn bu mir a(fo oerleityeft, mag icty anfetyo gebeten tyabe, fo tyabe itty abeg, mag mitty im Seibtittyen unb ©eifttittyen gtüdfelig muctyen tann* S)a bu nun bte matyre ©tüdfeligfeit aber Menfttyen mibft, fo fctyenfe mir in ©naben bag ©ebetene gum neuen S^tyre* ©rtyöre mitty, ba itty gum erftenmal in biefem Sötyre bir fttyreie* Ser anbädjtige (Sfyrift betet bei bem 3lnfang beS neuen Sajjreä. 119 (Stb mir, mag id) in $)emutf) begetjret fyabe, mtb fei mir gttäbig, fo mitt id) aEegeit bid) mit frip= iidjem äftunbe greifen unb ergaben, mag bu an mir getfjan fyaft. 3)ieS afleS rootlft bu geben, 0 meines £eb eng £eben,9ftir unb ber ©ffriftenfdjaare 3um felgen neuen $at)re. Simen. 3lufm«ntermig* SDer $@rr, uttfet ©ott, fei un§ freunbtid) unb förbere ba§ ©er! unferer §änbe bet un§, ja, baä ©er! unferer §änbe wolle er förbem. - $ßf, 90, 17. 0bgleidj oftmal oormitjige, aber audf fleinmütfjige ©emütijer bei bem Slufang beS ^a^reg gerne miffen möd)= ten, ob i^nen baS $al)r merbe glücflid) fein, fo fielet eS bocf) nid)t in eines 2Reufd|en SJtacfjt, foldjeS jemanbem funb gu tfjun; betut gufüttftige ®inge meifc ber §©rr adeim 2)af)cr ift biefeS allen unb jebem gu ratzen, tuel= djeS audj anbädjtiger ©eeleit ©emofjnpit ift, baff fie, 1) roenn ein neues $af)r eintritt, baSfelbe mit SDanfen anfangen, bajü fie bie ©üte beS $Öd)ften greifen, ber fie unter fo oieleit ©turmminben beS SeibenS, unter fo nie* len ^lutljen ber Strübfal bennod) glüdlidj ein neues 3af)r tjat antreten laffen. Unb gemifj, fjat ein ©d)iff großes ©litd, baS burd) ©türm unb SBeden burcfyfommt, fo fjat man aucf) ©ott auf ben Änieen gu banfen, menn er uns ein $al)r glüdlicf) unb gefuub Ijat erleben taffen. 2) ©ol= len anbädjtige ©eelen oom SDanfen fidj gum ©ebet toen= ben, baff bie ©üte beS Slderfjö äfften fie ferner befdfüjjen, regieren unb erhalten mode. Söerlajg mid) audf in biefem $al)re nid^t, fpredfen fie, unb t^ue nid^t oou mir bie §anb ab, ©ott, mein §eil! ©ie befehlen ©ott ilfren Seib, ilfre ©eele unb adeS, maS fie fjaben, unter feinen ©nabenfdju|. 3) ©ie befleifjigen fidf audj in bem neuen $af)re, anbäd)= 120 Ser anbädjtige (S^rift betet tiger unb frömmer: gu werben. @ie nehmen fid^ mit ©ott oor, bajj biefeä $ap möge in bie neue ©etmrt ge= pren, ©ewig, wenn alte ßeute mit ipen nieten $apen prangen, unb finb boc^ babei irbifcfi gefinnt unb ber 2Bett ergeben, bie pben feinen gröjjern Stut)m, at§ ein atter 3ube ober |>eibe, ber fie metleicp an Sapen übertrifft. $)enn bie ^römmigfeit, at§ raettp eine 3rrutp be§ ©tau= bett§ unb ber inwopenben ©nabe ift, ift bie $ierbe ber Mutigen unb mitten. 4) ©3 nehmen fid) anbäcpige 6ee* ten aud) mit ©ott bei bem Anfang be3 $apeg öor, ©ot* te3 Söort fteipg ju pren, im $ergen gu bemapen unb barnad^ ip ßeben epuricpen. (befrei* §©rr, §©rr, barmpr^ig, gebulbig unb Dort gropr $reue, ber bu bift Don ©migfeit 3U @tt)ig= feit, unb bei metdpm ift feine SSeränberung nod) äBed)fet be3 Sid)t£ unb ber ^infternife, fiep, idj pbe unter beinern @rr 3@fu, heilige, maf$e unb reinige fie mit beinern heiligen 23lute, ©ott ^eiliger ©eift, mofjne in ihr, lafe fie beinen Semmel fein, 0, mie ein gefegneteg 3k$* toirb mir biefeg fein, menn i$, o ^immlif$er 58ater, in beiner ©nabe bleibe unb alg bein 5?htb lebe! 0, mie glücfli$ merbe i$ fein, menn i$ in beiner ©emeinf$aft, o 3©fu, merbe ftehen ! 0, mie f$ön merbe i$ gef$mücfet einher gehen, menn bu, merther ^eiliger ©eift, in mir mohnen unb mi$ regieren mirft 3ft beg ^önigg So$ter herrli$ gef$mü(fet inmenbig, fo merbe i$ in biefem S$mucf bir au$ gefallen. 122 35er anfcädjtige (Sfyrift betet Unb ioeil bu mir bigfyer Seben unb ©efunbfjeit alg eine eble ©abe oerliel)en fjaft, fo molleft bu biefelbe mir and) in biefem 3af)re, toenn eg bein oäterlidjer SöitKe unb meiner Seele Ijeilfam ift, gniibiglid) erhalten, bamit id) baburdj gu beinern $)ienft unb gur Berrid)tung meinet Berufg befto tüchtiger fein möge* Sollte eg aber beinern Ijei= v ligen Sftatf) gefallen, mid) mit ^ranffyeit ober Scfyntergen gu belegen, fo meidje nid)t non mir, unb menn id? Bein leibe, fo linbre mir foldje, unb lafj aud) beine ©rquidftunbe erfdjeinen, ba bu mir alteg mieber abnimmft. §alte beine §anb, $@rr, mein ©ott, über bie Peinigen unb über aUe^ bag SJteine; fei eine feurige Blauer um alleg tjer, mie um ©lifa; bema^re mtg ringg untrer, mie bag §aug §iobg. 33erlei^e mir bie $raft beiueg ^eiligen ©eifteg, bafe id) biefeg <3^ red)t fromm merbe unb ein toafyreg Sinb ©otteg mid) erzeige, bajs id) fei ein anbädjtiger Beter, ein fleißiger §örer unb Später beg SBortg. £>ilf, bafc in bem neuen 3aljre eg non meiner Seele gu= ftanb Reiften möge: &ag 5llte ift oergangen, eg ift alleg neu gemorben; bafc fid) in mir finbe ein neueg Bedangen nad) bir, neue Siebe gu meinem Bad)ften, ein neuer ^rieb, mid) mit bir gu oer= einigen unb in biefer Bereinigung gu oerbleiben. 9ld), ^eilige mid) bur d) unb burd), ba| mein bei bem Anfang be8 neuen Sa^reS. 123 ©eift fammt Seele unb Seib möge unfträflid) bemalten tuerbert big auf ben Stag 3®fu ©bjrifti. ©ib mir einen neuen ©ifer in meinem ©l)riften= tfyum, in bem ©uten gu mad)fen unb gugunehmen. Segne meinen Seruf unb meine Arbeit, fegne meinen 2luggang unb (Sittgang, gib mir, mag beine Segengf)anb mir beftimmt Ijat. Cag mid) aber and) bei bem Anfang beg S^reg bebenfett, bag aud) einft bag lejjte meineg Sebeng an= brechen merbe, bamit id) mich ftetg möge bereit l)al= ten, in $3uge unb ©lauben ftetyen, meine Campe bremtenb unb meine Cenben gegürtet fein laffen, bid), o mein ^Bräutigam unb gnäbiger ©ott, mit t?reuben gu empfangen, unb gu beinern, mir bon §lnbegimt bereiteten #ieid) eingugeljen. 2ld), gib mir nad) beinern SBiöen einen neuen Sinn unb ©eift, ber, mag bein 93efel)l ung Reifet, ntid) lef)r unberriidt erfüllen, bag mein ©eift, fammt Seel unb Seib, beineg ©eifteg 2®of)nung bleib. S@fu, tag mid) fröljtidj enben $>iefeg angefangne $afjr, irage mich auf beinen $änben, |>atte bei mir in (S5efat)r. 0tef) mir bei in aller Sftott), 2tdj, bertag mich nicht im $ob; fjreubig miU id) bidf umfaffen, SBenn id) fall bie SBett bertaffen. teen. ©efaitg. 2M, : SlUein ©ott in ber §öfj fei ©{)r. • 1. ©ott £ob! bag neue $afjr tritt ein, @g ift fdjon angehoben; 3ld), fönnt idj bod) red)t banfbar fein Unb 1 24 $er anbäc^tige ß^rift betet bei bem Anfang beS neuen ^a^reä. (55ott üottfommen loben! S mir, SDiein ©ott, mein Sictyt unb Seben^ier, Unb bleibe ftet£ mein Reifer. 2. Verleit) mir beinen guten (Seift, &er §er§ unb ©eel regiere, $>er micty mit ©tauben attermeift Unb ©ot* teäfurctyt au^iere, $)er micty erfülle jebergeit 9Jtit £mff= ttnng, Sieb unb |jeiligfeit Unb bleibe ftetö mein ^rütyrer. 3. Sag micty an ©laubengfreubigfeit Sn biefem Satyr äunetymen, Unb burcty ben fiegeäöotten ©treit £>e§ f^lei= fctye§ Süfte gätymen, Sluf bag icty bleibe fromm tyinfort 3« aUer 3eit, an allem Ort, Unb bleibe mein Regierer. 4. $la motteft bu mir geben Vergnügen naity ber £raurigfeit, $)ie ®röne nacty bem ®ampf unb ©treit, Sa, £>errlictyfeit unb SSonne. StöenbgeBet. 125 iUbenbgetiei* ©rofcer unb erhabener (Sott, meine auf btef) gefegte Hoffnung ift an bem erften Sage biefe3 3a^re^ nicht 3« Sdjanben gemorben. 3^ h°&e an bemfelben beine ©üte unb Siebe nerftmrei» Su ^aft mir ein fröhliche^ £erg üerliehen; bu fjaft mir bein üöort terfünbigen laffen; bu haft mich mit oielem ©uten geföttiget unb überhäufet Sob, S*ei§ unb San! fei bir bafür gefagt oon gangem §ergen. §aft bu nun in ©naben bi<3 hierher mein ©ebet erhöret, fo öernimm auch jetft mein freien, ba i(h mich gur Dtuhe begeben milL Sei bem Einbruch biefeö 3ahte§ unb Sageä habe ich mir beine fmlb, beinen «Segen, beine ©nabe au£gebeten; nun miü ich auch noch für anbere eine bemüthige Fürbitte einlegen, ba eg mir nach beinern Sefehl gufommt, Sitte, ©ebet, Fürbitte unb Sanffagung gu thun für alle 2Kenfchen. Sie, melche bu gu Obrigfeiten auf @rben gefeilt haft, lafc in einem ununterbrochenen SBohlergehcn ihr $lmt führen. $röne alle, melche bein Silb an fich tragen unb beine Siener finb, mit @efunb= heit unb gib ihnen Sorgfalt unb meife Wn- fchläge, ihr 2Imt recht auggurichten. Safj fie immerbar bebenfen, megmegen fie oon bir über anbere gu §äubtern gefeilt finb, bamit fie bie ©erechtigfeit hanbhaben, bag ©ute belohnen unb 126 ^benbgcbet. baS 33öfe beftrafen mögen, auf baß alle, fo unter ifyrer §errfdf)aft fielen, ein geruhiges unb ftiües Seben tu aller ©ottfeligfeit unb ©fyrbarfeit fül)= ren fömten. diejenigen, tt>eldf)e bu auSgefenbet Ijaft, baS ©tmngelium beS fJriebenS gu oerfün= bigen, riifte au£ mit ben reifen ©aben bein es ©eifteS; gib iljnen $raft unb Starte, if)r mic^= tigeS Wrnt uermalten gu föttnen; laß fie beftänbig mit greuben gu beinern Sobe ben 3JJunb auf= tfyun; gib, baß fie frei unb ungeteilt bie gött¬ liche SBa^rbeit oerfünbigen, bamit burdt) i^ren dienft bein Dieid) auf @rben immer meljr auSge= breitet unb bir eine ©emeinbe gefammelt merbe, meldfye fich beiner ©nabe getröfte. die gange ©fyriftenfyeit laß bir aud) in biefem ^afyxe an= befohlen fein. Serfa^re mit allen unb jebem als ein liebreicher unb burcß ©fyriftum öerfötjnter SSater ; tljue i^nen als beinen ffinbern ©utcS; fegne iljre SRaljrung, iljr ©emerbe unb ihre £>an= tierung; menbe alles Ungemadi) öon ihnen, unb fei beftänbig ihre Sonne unb ißr Sdf)ilb.* Unb menn bu bid) fo aller im leiblichen angenommen, fo ermeife bich i^nen audj im ©eiftlidjen gttäbig unb gütig, die Sünber laß burd) beine ©üte gur 23uße geleitet merbett, auf baß fidj bie ©ngel im Rummel über fie freuen mögen, die Segnabig= ten ftärte, grünbe unb befeftige im ©uten, bamit üSRotgengefcet. 127 ifytten burd) nid)t3 if)re Beilage «ttb $rone tonne geraubet merben. Me betrübte unb ©lenbe erfreue, Me Ärante uub Sd)mad)e ftärte unb Ijeile, Me 35er(affeue tröfte unb erquide, Mer 3Jtenfd>en erbarme bid). £>ie§ ift, o SSater ber ^öarmfjergigteit, meine gürbitte, meldje id) bei bir einlege; erhöre fie in ©naben, unb tyrid) bagu unb Mten, fo mirb biefeg 3a^r allen unb audj mir recf>t gefegnet fein, Segne un$ baljer fo, unfer ©ott, auf ben mir hoffen, fegne un§ fo im ©eiftlidjen unb £eibtid)en, bi£ mir bereinft in ber ©migteit ohne Mfbören Segen oon beiner §anb einernten unb bie bjerrlic^en ©üter beineS fpaufeg in 58efitj nehmen tonnen, 3n guoerficbt= lidjem Vertrauen auf bie gemiffe ©rbörung biefer 23itte fdjlie&e id) meine Mgen unb feuf^e: Unfern ©ingang in biefeg $af)r fegne ©ott, Unfern 2tu£gang gleichermaßen; (Segne unfer täglich 23rob; Segne unfer ^un unb ßaffen; Segne itn3 mit feigem Sterben Unb madj unä ju |rimmeteer6en, 9lmen, Ser aubädjtige ©brift betradjtet ba$ Setben 3©fu ©brifti bei bem Mftmg ber heiligen gaftenjeit 3@fu, beine Sßaffion miß td) fe|t bebenfen; moHeft mir Dom §imntel3tbron (Seift unb M= v bad)t freuten, bem Silb jejmnb erfd)ein. 128 JRocgengebet. 3@fu, meinem §ergen, mie bu, unfer §eil gu fein, litteft alle ©d)tnergen. $llfo fleße id) bid), teibenber §eilanb, billig um beinen gnabenoollen 33eiftanb an, ba id) bub im ©eifte feb>e nad) ber= fettigen ©tabt mallen, in melier fd)on ba3 $£obe£= urteil auf bid) märtet, unb mo bir bie geinbe, meldje bir ohne Urfad)e gram finb, mit Qfreuben entgegenfeben. ®te gegenmärtige 3eit, meld)e mid) beine unenbüdje ©üte anfeßt abermals fjat erleben lafjen, erinnert mich an bein bittereg Seiben, meidjeö bu nad) bem 9^atb)fdE)lufe beineg bintmliftbcn $aterg miHig übernommen, um alg bag ßamm ©otteg bie ©ünben ber gangen SBelt gu tragen unb für biefelbett genug gu tbun. ®ein trüber fonnte ben anbern erlöfen, ni?d) mit ©ott femanb oerföbnen; eg foftete gu Diel, ifyre ©eelen gu erlöfen, baß er eg mußte laffen anfteben emiglid) ; barum erbarmteft bu bid) über bie, bereu Qdeifd) unb Slut bu in ber Sülle ber 3eit angenommen, unb fyaft burd) eine blutige ^erföbnung ihnen ben ^rieben mieber oerfdjafft, melden fie burd) ihre ©ünben nid)t nur ge= brocken, fonbern aud) Oerloren Rattern £>urd) beine ffraft mußt bu mid) tüchtig rnadjen, men n id) btefe mid)ttge ©ad)e mit $rud)t unb ©egen betrauten foü, benn ohne bi d) fann id) nidjtg tßun. ©rleudfte beromegen meinen SSerftanb, SRorgengeBet. 129 bafc id) in beinern Sichte bie ©röf$e beiner Siebe unb ©rbarmung erfemten unb gu bem bir ge= bührenben ®anfe ermuntert merben möge; hei= lige aber auch meinen ^Bitten, bafj er bie mir burch beinen $ob ermorbenen 28ohlthaten an= nehme unb gu meinem heften antoenbe. ®u haft mich geliebet, ehe it^ oon bir mufete. ®u haft Schmach, Spott, Schanbe unb mancherlei Seiben au3ge= ftanben, nm mich glücklich gu machen. Sur mich, für mich, mir gum heften haft bu atle3 biefeg ge= ihan. Sollte ich bir berofjalben nicht fingen? Sollte ich bich bafür nicht loben unb greifen? 3a, taufenb, taufenbmal fei bir, liebfter 3@fu, ®anf bafür. ^aufenbmal fei bir gelungen, lieb= fter 3©fu. $reig unb #tuhm, haft bu §öü unb &ob begmungen; nun ich bin bein ©igentfjum, unb bu meine f?reub unb SBonne, ntöcht ich bich, o fchönfte Sonne, halb in beiner $rone fehn; !omm, bein Seiben ift gefchehn! 0 ja, fomnt gu mir, treuer Seelenfreunb, unb oerbinbe bich mit mir. ®u bift für alle unb alfo auch für mich geftorben, auf ba& bie, fo ba leben, hinfort nicht fich felbft leben, fonbern bem, ber für fie geftorben unb auferftanben ift. $omm bero= megen in meine Seele unb belebe biefelbe. Safe 130 ■ÜRorgengebet. mid) immerbar ermägen, mie diel e3 bid) gefoftet, bafe id) erlöfet bin* Safe mid) ftet§ eingeben! fein, bafe bu ben fd)mäf)Iid)ften Stob b)öft au£= fielen müffen, um mtd() don bem emigen Stob gu befreien, Safe e£ mir mie einen $)enfgettel aöe= geit oor meinen klugen fdjmeben, bafe bu bein Seben Ijaft oertieren muffen, meil id) mir unb ber 2Belt gelebet l)abe; lafe mid) audf) baburd) bemogcn merben, bir gu leben unb bir nad)gu= folgen. gielje rrtic^ felbft al3 einen Söranb au§ bem treuer, bamit bein Seiben an mir nid)t möge dergeben§ fein. Safe mid) beinett jünger mer= ben, melden nid)t^, nid)t£ don bir fdjciben !önne. ©djenfe mir beromegen beinen (Seift, meldjer in biefer ^eiligen $affion§geit adeS ba§ mir möge gueignen, ma3 id) in berfelben don beinern bittern Seiben unb ©terben |öre unb dernefyme. ©ib mir ©nabe, in biefen Stagen midf) immer mit bir gu befd)äftigen, an bir midf) gu ergöjjeit, unb ba= burd) mir einen etoig bleibenben ©egen git der= fd)affen. 2Bid bie 2öelt mid) gu VLfy$\$Mt unb 9Bol)lleben derleiten, mid ber ©atan burd) ader= lei gerftreuungen mid) ftören unb gerrütten, mid mein derberbteg gleifd) unb 53lut mid) gum 23öfen reigen unb loden, fo lafe midi) an bein Seiben ben= fen unb aden biefen SBerfüfjrungcn feft im ®lau= ben miberftefyen, bamit fie midi) nidf)t geminnen 3)er anbäcfytige Efyrift betrautet baö Sciben 2>(5fu GE>riftt. 131 unb übeminbert mögen, §Uf, bafc id) btä) atte= gctt möge im ©ebäd)tniB galten, mid) baburd) Dort Srnnben abhalten laffe, unb ettblid) mit bir in biejcnige ^errlicbfeit eingelje, 31t melier bn mit butd) bein Selben unb Sterben ben @in= gang üerfdjafft tjaft. §@rr, (ab bein bitter ßeiben 9ttid) reigen für unb für, 9ttit allem ©rnft gn meiben $>ie fünbtic^e Regier, 5Da§ mir nie fomme au3 bem Sinn, Söie triel e3 bidj gefoftet, 3)afj idj erlöfet bin, $lmen. 21 itfmmtie tun ß, ®ott l)ftt bett, bet oon Jetner ©iinbe raubte, für uns ^itr re Slnbadjt öerfdjminben, fottbern mie fie $eit i£)re§ Sebent unb audj im ©terben fidt) ber SBmtben $(£fn getröften motten, fo tjaben fie aud) 3eit Sehend im ®ebäd)tnifj ben gefreu^igten unb auferftanbenen $@fum* $)iefe§ Stuben* fen 4) treibt fie an gur ^reugigung if}rer Süfte unb Be* gierben, baß fie nicf)t mef)r leben nad) bem Sauf biefer SBett, ober oorfäfjlid) fiinbigen, fonbern ber ©ünbe immer met)r abfterben, unb geifttidjer SBeife auferftefjen* tiefer $teifj, Bertangen unb SBunfd) mirb üon ©ott ju i^reä Sebent Heiligung gefegnet merben. (Bebet. 2Itf) SSfu, mein 3@fu, mie grofe ift beine Siebe, bie bu in beinern bittern Seiben mir ermiefett fyaft! 0u bift ber eingeborne ©ofyn ©ottc^, bu bift ba§ unbeflerfte Samm, ber §@rr ber §errlid)feit, ber Sttterfyeüigfte, ber nie eine ©iinbe getfjan t)at; unb fiefye, bu ergibft bid) in ben atter)d)mät)Ud)ften Stob unb in ba£ grau^ famfte Seiben für mid?, ber id? ein Ungered?= ter, ein ©ünber unb ein £Httb be3 Sobeg bin* 0, mie gro| ift beine unau§fbred?Ud)e 33arm= fyergigfeit! 0er ^eilige trägt meine Unt?eilig= feit, ber fromme trägt meine $8o§f?eit, ber ©eredjte meine Ungered?tigfeit, ber Unfd?ulbige meine ©d)ulb* 0ir merben meine ©ünben auf= &er anbädjtige (Styrift betrautet ba§ Scibert !3@fu (S^rtfti. 1 33 geleget, bamit mir beine ©eredfytigfeit gefdjenfet mürbe, 3J£ein 3@fu, an beinern Seiben !ann i$ fetjen ben .gorn (Sottet gegen bie Sünbe, ben ©reuet ber ©ünben, bie Strafe ber ©itnben. Oemt f)at ©ott, um frember SERiffet^aten unb um gugerecfyneter @ünben mitten, bid) unfeö Seiben fid> nid)t gur 33uf$e unb gutn @tau= ben bemegen taffen unb itjre (Bünben felbft be= galten müffen! 9Mn 3©fu, idj trete fe|t gu bir, unb fdjaue bein Seiben gläubig an. Ou get)eft in ben ©arten ©etfjfemane, unb fd^mi^eft blutigen «Sdjmeifj, adf), für mid), bamit id) tum ber ©emalt be§ @atan§ befreiet mürbe. Ou mirft tmr ©eridfyt gefüfyret, öerftaget unb gum $obe öerbammet, ad), für mid), bamit id), menn id) nad) meinem £obe unb am jüngften £age nor ©eridfjt merbe geftettet merben, möge to£= gefyrodjen merben. Ou t)aft tmr ©erid)t lauter itnftäger, aber feinen gürfbredjer, ad), für mid), bamit, menn mid) meine @ünben unb mein ©e= miffen anftagen, bu mein Sürfpredjer fein mögeft. Ou mirft gegeißelt, unb bein Seib fließet mit 23tut, bie Pflüger gieren if»re 3?urdf)en lang auf 10 1 34 2)er anbädjtige (5E?rift betrachtet ba§ Seiben 3©fu Sbrifti. beinern dürfen, ad), für mid), bamit id) ntd)t megen meiner €>ünben geftraft mürbe. $)u mirft gum £obe gefübret, ad), für mid), bamit mein £obeggang mir fjeilfam unb ein Durchgang gum <£nmmel, ja, ein Eingang gum SBater fei. Du mirft gefreugiget, ad), für mid), bu Samm (Sottet baft alle meine ©ünben getragen. Du ftirbft am $reug, ad), für mid), baß id) burd) beinen Dob bag Seben fjabe. Du mirft begraben, ad), für mid), bamit bu mein ©rab ^eiligen mögeft. 3ft bag nid)t Siebe, ift bag nid)t $3armbergigfeit, baß id) burd) bein bittereg Seiben Seben, ©nabe unb Vergebung alter meiner ©ürtben erlangen foü? Miller meiner @ünben Strafe liegt auf • bir, auf baß id) Triebe hätte, unb baöon befreiet mürbe, ^un miß id) bieg Setben mir uor klugen fetten, mid) ftetg baran ergäben, id) fei and), mo id) fei. @g fall bein Stob unb Seiben, big Seib unb e>eel fid) fd)eiben, mir ftetg in meinem §er= gen ruljn. 2öar 3frael non aller «Sdjulb unb Strafe frei, menn eg im ©tauben ein Samm gum £>bfer nor ©ott braute, unb beffen b^ißeg 33lut uergießen fab, fo meiß icb aud), meil bu, o 3©fu, bu unfd)ulbigeg unb unbeflecfteg Samm ©otteg, für mid) geßblad)tei bift, unb bein beißeg 53tut rei(bli(b für mid) nergoffen ift, baß icb baburd), menn iergoffene£ 33lut mit! idf) benfen, menn mein mid) toid ^ur €>ünbe oerleiten; beine blu= tige ©eftatt am Oelberg, in ber ©eifcelung unb am ßreuj mid id) mtr oor klugen [teilen, menn bie Söelt mit ifyrem böfen ©jembel mid) reifen toid, bafe id) midi) i^r gleid) [teile* 3n beine 2öun= ben mid idf) fließen in meiner ©iinbenaugft, bein 93lut mid id) auffaffen al£ mein Söfegelb, memt mid) mein ©emiffen ängftet; ja, in meiner Stoben [tunbe mid idt> nid)t£ alg non bir, o 3©fu, miffen; bein ^eiliger ^©fugname fod mein lettfeg 2ßort, beine blutige ©eftalt mein leider ©ebante fein, bein leides 2öort am ^reug fod aud) mein le^= ter ^euf^er im ©terben fein, baf$ id) bamit bir fage: $ater, in beine §änbe befehle idf) meinen ©eift. foldjer meiner lebten Stunbe, o 3©fu, fei mein £roft, meine Qteube, meine ©rquidfung, mein $8eiftanb. (£rfd)eine mir §um 0d)i(be, 3um £roft in meinem Xob, Unb lafj mtcf) fef)n bein S3ilbe $n beiner Äreuje^ notfj. $a miü idj nad£) bir bltcfen, £>a miß id) glaubend ooH 2)id) feft an mein §erg brüden; 2Ber fo ftirbt, ber ftirbt moi)L $men. 136 in feinem Stute. ($efattg* 3Jlet» ; 0 ©ott, bu frommer ©ott. 1. ftirbt mein tiebfter greunb, SJlein $@fu§, ad), mein Sehen ! «Siel), et ift fd)on erblafft, $)er ©eift ift aufs gegeben; @r neiget nun fein |)aupt 2lm tjofien Ären^ ftamm, @r finlet in ben Xob, iftein Seelenbräutigam. 2. @8 ftirbt mein tiebfter $reunb, 2)afj id) nict)t möge fterben, $a§ idj errettet merb SSom ewigen Sßerberben. ja, er ftirbt für mid), $ür meine Sünb unb Sdjulb, befreit mid) non ber Straf Unb bringt mir ©otte3 |julb. 3. @3 ftirbt mein tiebfter $rettnb, Unb bennodt) nidjt mein Sieben, 95?ein 3©fu§ bleibet tief $n meine Seel gefcfjriebett. lieb il)n, weit idj leb, Unb lieb if)n aud) im £ob, 3d) lieb ifyn in bem Slreua Unb aller mei= ner 9Zotf). 4. $dj will mit meinem fjreunb 2lud) nocf) gu ©rabe geljen Unb, wie man ifjn einfenlt, ÜDiit ©lauben£augen feljen. 9ttein $reitnb, Ijier ift mein §erg, 3)a fenle bid) hinein, S)a3 foll bein ©igentljum Unb beine Üiu^ftatt fein. 5. 3d) will mein §erge bir §iemit ju eigen fdjenfen, $dj will bis in bett Stob 31n beinen £ob gebenlen; 2ldj, lebe, weil xd) leb, 9ttein Seelenfreunb, in mir Unb fterb idj bermaleinft, So fterb id), 9@fu, bir. 3(£fu$ in feinem Stute. ($cfattg. 3M.: ^reu bief? fefjr, o meine ©eele. 1. Scfjauet boc^ baS bittre Seiben, SöeldjeS $@fu§ mu| auSftefjn, 2öte bie $uben unb bie Reiben ©raufam= lidj mit Üjm umgehn ; ®ommt unb f^aut bie Starter an, Ob fie eud) bewegen fann, Ob üießeic^t eud) biefer Sdjmerä 9Rül)ren mög baS fjarte §erg. 2, Stauet, wie er wirb gefdjtagen, 39ßie bie ©eifjeln blutig fein; Schauet, wie er Spott mujj tragen, $a, 3T6enbgebet. 137 bie allergrößte ißein; Sd)auet bod^ ber geinbe 2ßutb, Sd)auet ba§ oergoffne Sötut, £>b’£ euch !önnt prüde Sieben, 3)aß ihr mögt bie Sünbe fließen. 3. Spanet, mie er enblid) ftirbet Stn bem tjoljen $reuäe3ftamm Unb bie Seügfeit ermirbet; Schauet an ba$ ©otte§lamm, 2Bie fein fjeifceg SSIut nod) fließt, Unb mie er bie Gingen fc^liegt, 0b?§ oietleic^t bie Siinber fdjreden Unb pr 23uße möd)t ermeden. 4. $@fu, liebfter 3@fu, fc^reibe 2)iefe£ aüe§ in mein §erä, 2)aß id) eingeben! tierbleibe, SSie bein Seiben, mie bein Sdpter^, SBie bein Sterben, mie bein 33tut &ommt mir 9trmen nod) p gut, 3)aß idj möge barauä fetjen, 2Ba$ auf Sünb für ©traf ergeben. 5. |)ilf, bafj biefe§ $8lut mid) lehre, 2Bo id) gebe, mo id) fteb, 3)aß id), mo id) mich binfebre, blutig bicb oor klugen feb, 33Iutig auf ber Sagerftätt, SBlutig auf bem Sterbebett, SBlutig, menn idb ©dfjmerpn leibe, SSlutig, menn icb nun derfcbeibe. 6. $(£fu, fteU bein 93lut unb SSunben $mmer dor mein 2[ngefid)t, $n ben SBunben b<*b idj fuuben ©nabe, Seben, £roft unb Siebt; $>eine harter, £ob unb Spein Soü im $£ob mein Sabfat fein, Unb fo lang idb merbe leben, Sott e3 mir t»or klugen f^meben. Stbenbgebet, 0 mein 3®fu, mein $önig unb mein §au})t, ehe idb meine ermübeten ©lieber gu ihrer fRube nieberlege unb einfdblafe, muß icb mid) nod) mit bir unterreben unb mid) bir aitbefeblen. 0ie ^Betrachtung beine3 ßeibenS, toeld)e idb beute an= geftellt, b<*t bei mir bie fünften ©mpfinbungen er= tneefet, laß midb baber audb in benfelben fanft ein= 138 Sl&enbgebet. }d)Iummern unb nod) bcin Wnbenfen mit frud)tbar fein. £)urd) bettt Selben, liebfter g©fu, f)aft bu gefyeiUget all ba£ Seiben, bag bellten ©Hebern, unb mithin and) mir, tniberfafyren !ann unb fott* gittern unb gagen Kjaft bu embfunben, ja, bu f)aft aud) erfahren, tnie e3 ©inem gu 3Jintl)e fei, tnemt man gang Dertaffen ift; unb biefe£ be3= tnegen, bamit, tnemt id) in bergleid)en Umftänbe gerade, id) burdf) bid) au§ benfelben möge er= rettet tnerben. Sei bu mir batjer in fotzen Stunben nid)t graufam, bu mein ©eiftanb in ber 0lott), tnettn id) rufe, fo fdjtneige nidfjt. $$ erfdjrede, tnenn bu tfjuft, al3 fjörteft bu mid) nid^t. trauern unb gagen überfallt mid), tnemt bu bid) oerbirgft unb bid) fteltcft, als fennteft bu rnid) ttidjt, als ginge id) btd) ntd^tö an* gittern unb 2lngft fiitben fidt) bei mir ein, tnenn bu mid) enttneber itt meinem Ieibltd)en ffreug ober in mei= nem geiftlidfyen Anliegen faft abtoeifen tniflft, als ob id) bei bir nidjjtS gu fagen l)ätte* Verbirg bidf) bero^atben nid)t oor mir, o bu ©nahem fonne! ©rtnede meinen ©lauben gu foldjer firn ftern geit, bajj id) mid) an beine $Berl)eiftungen unb Siebe feftiglid^ tjatte, unb gut>erfirid) in meinem Sciben meiner Seele frcunblid) gu. S3erla§ midf) nid^t ; tfjue beine §anb nid^t meg non mir« geige mir beine lieb= lidf)c ©eftalt, mie aud) bein Seiben ein f)errlid)eg ©itbe genommen, mtb la§ mid) auf beine ©üte unb Sarmljergigfeit feft trauen. 2a& mich and) in meinem £eiben bir äfjnlicf) merben unb beinern SBorbtlbc nadjfolgen. SöiHig lafc mid) alleg über= nehmen, mag bie emig meife 23orfidt?t über midf) ner^öngt unb mir gu tragen auferlegen mirb. ©ebnlbig lajg midf) fein, menn bie &rübfal mie ein Strom mir entgegen fommt. üDiit,©etaffen= fjeit laf$ midf) alleg ertragen, mag mir guftö&t, nnb lafe midf) aüegeit fo gefinnet fein, mie bu, o «Sßfa, audf) marft. meinem Anliegen laß mid) bir feine geit nod) Stunbe Dorf Treiben, mann bu mir Reifen fodft, fonbent ftetg mit bir fagen: Später, nid)t mein, fonbern bein 2Bitte ge= fdjelje. Sajg midf) fo nad) beinern 53eif^iel in mei= neu ^rauerftunben midf) auffütjren, bamit id) audf) bereinft mit bir gur emigen $reube eingeljen fönne. 8af$ midf) an bidf) gebeuten, fo mirb mein trauern halb Derfdjminben, benn bein ©ebädf)t= nife, 3©fu, madfjet, bafc mein traurig §erge ladf)et. Stelle bein blutigeg 33ilb oor meine klugen im= merbar, fo merbe id) nie ol)ne Stroft fein, fottbern mit bemfelben auf bag fräftigfte erguidet unb ge= 140 2>er anbädjttge Greift erwäget ben XobeStag 3<5fu, lobet merben. Ste^e mir aud) in biefer Sftadjt 3ur Seite, unb la§ mid), rnenn id) morgen, nnb fo oft e£ etmo nod) gefd)iet)t, ermäße, in beinern SBilbe fott merben. Störte mid) fo immerfort mit beiner §onb, bi£ enbüd) mein @nbe tommt. Unb toenn bann bo^felbe erfdjeinet, menn ber $ob fid> onmelbet, fo lofc mid) getroft meiner SSerönberung entgegenfefyen unb felig einfdjlofen. Sftimm aläbann meinen ©eift in beine §änbe, lafe mir bein ßeiben üor klugen fd)toeben, mid) au3 bemfelben $roft, $?raft, Störte unb.Sabfal in überfdjmönglidjem 3J2a&e fcf>ö^fen. Söann tdj einmal foß Reiben, ©o fdjeibe nidjt tion mir; Sßann id) ben £ob foß leiben, ©o tritt bu bann feerfür; SBamt mir am aßerbängfien Sföirb um ba£ ^jer^e jein, ©o reife mid) au3 ben Slengften ®raft beiner Slngft unb $ein. timen. Ser anbädjttge t£tjrift erwäget ben Sobeetag 3t£fu aber ben Karfreitag, Stnftnmiterttng. ^ürwatfr, (Sr trug unfere Äranßjeit, unb lub auf fitfj unfere ©djmergen. 2Sir aber gelten iljn für ben, ber geplagt unb non @ott gefdjlagen unb gemartert märe. Slber er ift um unferer $Riffettjat mitten oermunbet, unb um unferer ©ünbe mißen gerfc|lagen. 3)ie ©träfe liegt auf ijjm, auf bafj mir Triebe tjätten, unb burdj feine 2öunben finb mir geleitet. §ef. 53, 4. 5. Obgleich ber ©fea r= ober ftiKe Freitag, melier ber eigentliche ßeiben^ unb £obeätag unferS feodjgelobten SGcfu ift, audj nodj tum ben SSeltfinbern au§ äufeerltdjer ®er anbädittge C£E>rift ertoäget bert £obe§tag 3@ju. 141 © große Sieb, o Sieb olp alle ttftafjen, bie bidj gebraut auf biefe äftarterftrafjen ! Siebe brang $©fum, baß er SJfenfd) mürbe; Siebe bemog ifyit, bafj er fid) für uns baf)iitgab, unb am ßreuge ftarb. 2) ein utt= fdjulbtgeS Seiben. iüfan fott nicht meinen, als ob ber |jeilanb im ©eringfien etwas gethan, baS ber ©träfe roertl) gemefen fei, benn er mar Zeitig, rein unb non ben ©ünbern abgefonbert; er fjat feine ©ünbe gethan, ift auch fein betrug in feinem SDfunbe erfmtben morben. 2!lfo mar eS tmn ©eiten $©fu unöerbienteS Seiben, aber um unfertmillen nafjm er eS mittig auf fid). ©S mar 3) ein oon feinem himmlifdhen SBater pgefdjidteS unb beftimmteS Seiben; benn meil er nach bem mohlbebad)ten Statfje ©otteS gelitten, 51poft. 2, 23„ fo muffte $©fuS auch, maS ihm begegnen fottte. 2lber bamit finb bie $uben nid^t entfern Ibiget, als ob fie ©otteS Söitten hät¬ ten üottbringen müffen; benn ©ott hätte feinen ©of)n oottenbS p 4obe martern fönnen, mie er aud) fdjon im blutigen ©dbmeifje auf ber ©rbe lag; er bat fiel) aber ber $uben ©igenmiflen unb Bosheit bap bebienet, beren 5lb= fiebt nicht mar, ©otteS SBitten p erfüllen, fonbern ihre Bosheit unb ihren Sßutbmitten an ©hrifto auS5Uüben. Sßie auch $ofebh3 trüber ihn nicht oerfauft haben, ihren 33ruber pm großen |>errn p madjen, fonbern fie gebau¬ ten, eS bös mit ihm p machen, ©ott aber badete anberS, 1 ttttof. 50, 20. 4) 2öar ©hrifti Seiben ein maljrhaf- tigeS Seiben, inbem er alle SBunben enpfunben unb bie ©chmersen mohl gefühlet hat. tiefes alles jiehet eine gläubige ©eele in SBetrad^tung, unb läfft eS fich einen ©piegel beS göttlichen gornS gegen bie ©ünbe unb einen ©piegel ber göttlichen Siebe pm $eil ber -üttenfehen fein. 142 ®ec anbäd)tige ©fyrifi ertoäget bcn SobeStag 3®fu- (Befrei* 0 bu Hebreid>er unb ^olbfeli^er <3®fu, id) fomme jetd gu bir, betn bittere^ Seiben mit §er3en3anbad)t 311 ermägen. 2td), Iaf$ bein bitter Seiben mid) reifen für unb für, mit altem ©rnft 31t metben bie füttblidje Regier, baß rnir'3 nie tomme au£ bem Sinn, mie k)iel e£ bid) gefoftet, bafj id) erlöfet bin. 0 bu unfdjulbig ermürgteg Santm, bu tjaft gelitten, meit bir alte meine, ja, alter SDJenfdjen Sünben, Sdjulben, SDJiffettjaten, ttngeredjtigteiten unb 53o3t)eiten anfgebürbet unb 3ugered)net mürben, fo bafj bu oor bem göttlichen ©eridjte afe ber größte Sünber, ja, al§ bie Sünbe fetbft angefe^en marft. SBaren aber, bu unbefledteä Samm, mtfere Sünben auf bit märe gefom= men '(ShnftuS xn bie 2Belt, unb hätte an ftd) ge= nommen unfere arme ©eftalt, unb märe für un= fere Sünben geftorben midiglid), fo hätten mir rnüffen oerbammet fein emiglid). 3^un aber, menn id) an bid) glaube, unb bein heilig $3lut 144 35er artbäd^tigc (S^rift erläget ben 25obeätag 3®fu. in ©lauben^uöerfidEt mir gueigne, fo bin id) nidEt oerbammt, fonbern merbe bure. ßaft bein ßei= ben, bein ©tut, beine 2öunben auf meine §anb, ja, in mein §erg eingefdjrieben fielen, bafj bei febem Obentjjug nid)t0 at3 3@fu ßeiben, 3®fu Sob, 3®fu ©tut in meinen ©ebanfen fei, ba& idf) baburdf) oott ber 2Bett abgewogen, geljeiliget, gemafdEen unb gereiniget merbe. üD2ein 3@fu, mie bein ßeiben mid) aufridtjtet, erfreuet, tröftet, ertoedfet unb erbauet, atfo tEun fotd>e^ and) beine fieben SBorte am breiig, 5ld), and) für mid) Eaft bu gebetet: ©ergib iEnen! ©ergib biefer @eele, mag fie trüber bicf) getEan Eaf’ $ür mid) Eaft bu gefdjrieen: SKein ©ott, mein ©ott, marum b^ft bu mtd) oerlaffen ? baft id) niemals, nidt)t im ^reu-je, nid)t in 9tötEen, nid)t im er attbädjtige (Styrift erwäget ben £obe§tag igSfit. 145 $irfd) nacb frifcbem Sßajfer, verlangen, in beiner Siebe mid) ergäben unb erquiden möge* gür mid) ^aft bu geforget, ba bu fpraibeft gu 3obanne: £)ag ift beine Mutter* SBenn id) aud) unter beut $reu3 ober in S^rübfat t>on alten Menfdjeu, mie Maria, oerlaffen ftebe, fo mirft bu bid) meiner berglid) annebmen, bid) meiner erbarmen, für mid) forgen, mir Reifen unb gnäbig fein* s<üd), lafj mid) in meinem Sterben unb im &obe bie Stimme I)ören: §eute mirft bu mit mir im Sßarabiefe fein* SBerfidbere mid) beffen in ge= funben Klagen, rufe mir eg gu auf bem Sterbe¬ bette, laß eg an mir erfüllet merben nad) meinem £obe. Sür mid) fjaft bu gefbrodjen: ift tmH= bracht ! üftun ift alteg get^an, mag id) bütte tljun follen, nun ift alleg gelitten, mag id) butte leiben füllen* %lm ift mir §eil, Seben, §riebe, Qfreube, $roft, Seligfeit, bie $rone beg Sebeng unb bag meiße $?Ieib ermorben* 3a, bein lettfeg Süöort am ^reug foll and) mir im Sterben ein £roft= nnb greubenmort merben: $ater, id) befehle meinen ©eift in beine §änbe; fo mill id) beten, fo mitC i(b bir nad)fbred)en, mie bu mir buft oorgefbroiben* m\u, beine 2lngft unb Sßein Unb bein be= triibteg ßeiben ßafs meine lefcte 3uflud)t fein, Söenn id) t>on bter foU fdjetben* 3td) f)Üf, bab id) burd) beinen Xob 3retn fanft befc^tiege meine ^otf) Unb felig fterbe, Stmen. 146 2)er anbädjtige (SEjrift eriuäget ben lobeötag 3er anbä^ttse (£I)rift freuet ftd) über bte *9luf= erfteljung 3(£fn ^riftt Lütgen gebet» ®a id), mein «SSfu, anfetm meine klugen öffne unb ben fetten £ag erblide, fo fange id) gleidjfam tnieber non neuem an 31t leben, inbem id) in einem fanften Sd)Iafe, melden bu mir biefe sftad)t in beinen Firmen Dergönnt baft, mie im $obe gemefen bim 3a id) nun and) bereiften burd) beine Wufer= fteljung bin tfjeilfjaftig toorben, fo I aß e§ mid) in beiner ^raft offenbaren nnb öor alter 3BeIt 3eigen.m Saß mid) biefeg Seben offenbaren gegen ©ott, baß id) fleißig an ißn gebenfe, mit ißm au&= nnb eingelje, nnb atle£ mit ißm anfange unb oerridjte; baß id) fobann mid) nid)t fdjäme, oon ißm gu reben, tb>n al£ meinen beften unb lieb= ften $reunb überall gu rühmen, nnb feine ©üte aller £>rten %u greifen, Bemafjre mid) aber aud), baß fold)e£ nitfpt gefdjelje au§ falfdjer Äbfidjt unb eitler ©ßre, fonbern au3 inniger Siebe ju ißm unb gut Berßerrlidljung feineg ßeiligen ^ftameng. Saß fid) meiter beitt Seben in mir offenbaren gegen ben SRädjften, baß id) midi) feiner annef)me, unb mid) mit il)tn unterrebe oon bem 3uftren Seelen bom &obe Reifen möge* Scfjenfeft bu mir, o mein §eilanb, ttrie id? gu beiner ©iite guberfidjtlid) tjoffe, biefe erbetene ©nabe, baf$ idj in bir lebe, unb foldjeg erlangte ßeben in meinem Söanbet überall geige unb entbede, o, fo Ia% mid) nid)t mieber ein= fdjlafen unb fterben, fonbern töglid) neu aufer= fteljen unb in bem neuen ßeben beftänbig fort= tuanbeln unb gute fjrüd^te bringen, bis bu micty gu feiltet ,3eit gu bem einigen £eben bringen unb in baSfelbe einftifjren mirft. D $(£fu, tafj mid) auferfteljn $m ©eift unb mit bir leben, $SiS bu mid) felig mirft ertjö^n Unb mir bie ®rone geben, $)ie mir ift nad) biefer Beü bereit im Dteid) ber |>errlid)teit. §(£rr, tjör, unb tafj mein $tef)n gefd)ebn. firnen. bin bet Sebenbige. $$ war tobt I unb fiet>e, icf) bin Iebenbig »on ©TOtgleit ©roigfeit, unb tjabe bie ©djlüffel ber ipöHe unb be§ 2obe3. SDffenb. 1, 18. ©3 ift bie tjeilige Oftergeit eine greubengeit alter ®in= ber ©otteS, ats metcfye fid) in itjrern auferftanbenen $©fu tjergtid) erfreuen, ©ie freuen fidE) 1) über bie $ott= fommenljeit i^rer ©rtöfuug; benn nad)bem $©fu3 non ben lobten auferftanben, melier ftc^ at3 ber $ürge, für unS genuggut£)un, bargefteüet tjatte, fo ift bie 23egat)tung üöQig gefdjetjen; ©ott ift berfötjnet, er tjnt ben £ob feines ©otjneS für unfern £ob angenommen unb uns um feinet= mitten baS fieben gefctjenfet. ©3 freuen fidE) gläubige ©eeten 2) über bie berrtidjen B^gen mtb B^ugniffe oon über bie äluferfte^iimg 3@fu (S^rifti. 151 ber 3luferftehung ihres $©fu. $ft es nid)t ein herrliches gcugniß, baß er zehnmal nad) feiner Stuferftetjung fich hat feiert taffen, baß er fünfhunbert Brübern auf einmal er= fdjienen, 1 ©or. 15, 5., baß er fonberlid) mit feinen Jün¬ gern gerebet, gegeffen, Slpoft. 10, 41., ftdj öon ihnen be¬ rühren unb angreifen taffen, $oh- 20, 25* 1 $ol). 1, 1.; metche beugen alten Unglauben auf einmal auffjeben. $a, ber Unglaube mirb burc^ einen jeben ©laubigen an= nod) befieget; meit $©fuS in uns lebet, nad) ©al. 2, 20., fo mu^ er ja auferftanben fein unb leben. ©ie freuen fidEj, 3) meit ihnen ift üerfiegelt unb üerfidjert bie gnä= bige Vergebung ber ©ünben, ber Triebe mit ©ott, baß fie ungeteilt im ©tauben an ©fjriftum fich j$u ©ott naben biirfeu, unb miffen, baß er fid) miebernm 511 ihnen nahen merbe. 4) ©ie finb oerficfjert, baß bie Sluferftefjung $©fu and) im £obe unb ©terben fie erquiden merbe; $©fuS, hat ihren Stob im ©terben öerfüßet unb ihr ©rab ge* heiliget, unb fie fotten auch emigen ßeben auferftehen. 3)erohalben 5) bringen fie bie heiligen Dftertage, mie bie übrigen $efte, in IjeqenSanbacht, mit ©ebet, ©ingen unb Betrachtungen ber äBohlthaten ©otteS tyn, unb be¬ fleißigen fid) 6) geiftlidjer Söeife alte £age aufsuftehen unb ihr ©ünbengrab, baS ift, ihre böfen ©emohnßeiten, Unarten unb ©ünben, §u oertaffen, hingegen im ©tauben unb in ber Heiligung ihr übriges ßeben bem |)©rrn 5U ©ßren hiaäubringen, «Bebet* SDian finget mit greuben bom Sieg in ben Jütten ber ©erecßten; bie 9ted)te bes §@rrn ift ermäßet, bie 9tetf)te beS §@rnt beßält ben Sieg, ^luferftanbener ,3©fu, mächtiger Siegel fürft, Stifte, Ueberminber be£ £obeS, ftarfer Sirnfon, au3 beiner Sluferfte^ung ent= 152 2>er artbädjtige ßljrift freuet fic^ ftefyet fetjt in meinem ^eqen lauter Qfreube, ba id) burd) beine ©nabe biefe^ ^eilige 3?eft begehe, unb fage mit gebeugtem $itie unb gefalteten §iinben: ©ott fei $)anf, ber utt£ ben 6ieg ge= geben l)at burd) unfern §©rrn 3@fum ©fjriftum. 3®fu3 ift auferftanben oon ben lobten, ba£ ift eine fröfylidje 23otfd)aft. ®er $öürge ift au3 bem ßerfer be3 ©rabeg lo§gelaffen, barunt muß bie «Sünbe getilget, ©ott oerföljnet unb bie @d)ulb bellet fein* 2öer miß nun oerbammen ? ®ljri= ftu3 ift fjier, ber geftorben ift, ja oielmeljr, ber aud) aufermedet ift, meiner ift ^ur 9ted)ten ®ot= te£, unb oertritt un3. 3®fu3 fyat bem £obe bie üD?ad)t genommen, unb ba3 Seben unb ein unoergänglidjeg SBefen an bag ßid)t gebraut» © 3©fu, liebfter $reunb, beine ^tuferfteljung bringt mir einen breifadjen $roft. 3d) fage an biefem Qreftc: 3@fu $ufcrftel)ung ift mein @ieg. üftun fattn midj meine ©iinbe nid)t üerbammen, benn burd) ©tjrifti 33lut unb äßunben, burd) feine 2tuferftef)ung Ijabe id) Vergebung alter meiner «Siinben, fo Diel, fo groß unb ferner fie immer finb. ^ier ift ein ooßgültige§ Söfegelb, eine ooßfommene ©rlöfung; an ©fyrifto fjaben mir bie ©rlöfung burd) fein 33lut, nämlid» bie Vergebung ber t auferftanben, fo tonnen bie ©lieber nicht babinten bleiben, SRid)t allein aber toerbe irift freuet fttf> 0 ber grofjen §errlid)feit, bte mein §eüanb mir ermorben! 9luferftanbener «Sßfu, mie !ann xd) genugfam beine ©nabe imb Sßarmbergigfeit au&= breiten, rühmen unb greifen ? 0 Siebe, bie mir ba£ Seben unb bie ©eligfeit fd)enfet! 9tun ift aUeö mieber gut gemalt, ma§ burerforgen, im Seiben erhalten, gegen bie Qfeinbe befd)ütjen, in £raurig= teit erfreuen, im £obe erquiden, im ©rabe be= magren nnb bereinft gu ber §err(id)feit bringen unb mit ber $rone beS Sebent, bie aud) mir ber= heifeen ift, gieren mirb. £ebt (Sf)riftu§, ma3 bin ich betrübt? Ser ba nach bem $ambf unb ®rieg £>at erhalten ßtuhm unb ©ieg. 3. $(Sfu3 lebt, benn er hat fid) ©ar bon bieten laffen fehen, £)arum glaub ich feftxgtic^ Unb barf nid)t im 3mei= fei ftehen. ßftir fchabt nicht ber Slpfelbiß, 2)enn mein 3©fu3 lebt gemifj. 4. ©d)auet feiner ©ottheit Fracht, 2)enn er nimmt fein ßeben mieber, 2Betd)e3 er au3 freier 9Jtad)t $tt ben Xob geleget nieber! (Sr ftarb gu ber Seiben^eit Unb ftanb auf in $errlid)feit. 156 Slbenbgebet. 5. Seit er unfern ($eift belebt, SUhtfj er ja fein auf= erftanben, Unb mer iljm nid)t roiberftrebt, 2)en madtjt er non ©üribenbanben 2>urcE fein Seben üöllig frei, fcafj fein Sehen in i§m fei. 6. 9htn mitt id) bag f^ubenfeft 9DUt (Siebet unb $)anf Einbringen Unb bem, ber bag ®rab oertäfjt, Sau* ter ^ewbenlieber fingen; 3@fug, 3(£fug fotl allein $n bem Sttunb unb $ergen fein. 7. 9fun ift alle meine ©d)utb 2tuggetitget unb ber* geben, Unb id) merb in ©otteg §ulb |jiet unb horten emig leben; Sag icE fträfticE an mir ^abr Siegt bebecft in Ssfit ©rab. 8. 9?mt ift alle $urd)t ba^in $8or beg ®rabeg finftrer ©rben, Seit id) gan§ oerficEert bin, $d) merb aufermedet merben; 3)edt midj nur mit @rbe §u, §ier ift meinet ©dfjtafeö 9iuE. 9. Seit mein liebfter $t£fug lebt, Serb icE §iitfe bei iEm fhtben; Senn fid) fcEon ein ©türm erEebt, Sfttufj er bennocE halb oerfcEminben, 2)enn mein $(£fug fdjüEet micE, ä^fu^ Eüft wir gnäbigtid). 10. $(£fug lebt, ber mirb micE nid^t 3n ber Stngft unb SftotE oertaffen, 2ludj nicEt, menn mein 2lngeficEt §n bem £obe mirb erbtaffen; Sllsbann füErt mi(E feine §anb $n mein maEreg $atertanb. *11. $(£fug lebt, bieg Sort foÜ fein 5tudj mein Sab- fat in bem ©terben, 2)ag üerfüfjt bie £obegpeitt Unb be= freit micE öom SSerberben; sJtad) bem £ob merb icE auf= fteEn Unb gur SammegEocEgeit geEn. $lbcnbgcbct. Sebenbiger ^etlanb, §@rr 3@fu @b)rifte/ bletbe bet mir, ba eg mifl $benb merben unb ber 2ag anfängt fiu §aft mir 2I6enbge&et. 157 oiele ©nabe ertoiefen, ba bu mid) nidf)t nur ba§ erfreuliche 3# beiner Siegreichen s2luferftehung oon ben Sobten abermals in ©efunbfyeit t)aft erleben laffen, toofür id) bir unenblich öerbunben btn, fonbern ba bu mir aud) ^eute aug beinern miebererlangten Seben übetfd)mänglichen $roft haft üerfünbigen unb gueignen laffen* Söcidje nunmehr nid)t non mir mit beinen Siebe§ermei= fungen, bleibe mit beiner ©nabe bei mir, unb höre nod) meinem 33eten gu, mit meinem .id) mid) oor meinem ©infthlafeit gu bir nahe. 3d) hübe bei bem erften $nblicf biefe§ $age£, ba id) an beinc fegen^oolle Sebenbigmerbung gebaute, bidj barum inbrünstig angerufen, baß bu bein ßcben an mir überall offenbaren mögcft. ^Rufc mir fräftig gu: 2QSad>e auf, ber bu fdjläfcft, unb fteße auf oon ben lobten, fo merbe td) bid) erleuchten ! ßaß mid) biefe beine Stimme hören, ocrnehmen, unb erleuchte mid)- SBirfe in mir felbft bie geift= ltd)e 9luferftehung, baß id) nicht in meinen Sün= ben liegen bleibe* 3d) tarn biefe3 nic^t aug eige= uen Kräften bemerffteüigen ; beun ob itd; gleich eifrig lefe, ma3 mid) erbauen fann, ob id) gleid) anbere fleißig höre, meldje mir ben 3Beg bagu toeifen unb geigen, fo tann ich e§ bod) nicht ba= hin bringen, baß ich ein anberer 9JJenfd) toerbe, unb in bir lebe; ba3 ift allein bein 2Berf, bag 158 ülbenbge&ct. mu&t bu tfjun, bu mufjt bet mir mirfen beibe bag SBoßen uttb bag Vollbringen* $ld), barum ermeife bid> mit beiner ©nabe an mir mirtfam, uttb ermede mid) non bem 6ünbenfd)lafe. ©ib meinem Verftanb ein gröfcereg ßid)t, bid) unb bie Vkge, meldje id) manbeht fo ß, p erlernten. Verleihe meinem SVißen ein grögereg Vermögen, bag gu tf)un, ma^ bir gefaßt. @d)enfe meinem bergen eine beffere unb lautrere $lbfid)t in bem, mag id) tljue unb oerridjte, bamit id) eg aßein gu beinern V^ig unb p beiner ©Ijre tmrnefyme. Vegabe meine ©emütfygfräfte mit einem mißigen ©eljorfam, mich nad) .bir p ridjten unb fo mie bu gefinnet p fein. SBirft bu, o mein §ei= lanb, biefeg tl)un, fo merbe id) auffteljen unb mid) alg einen neuen Vtenfdjen geigen fönnen. 28ei( bu nad) beiner gefegneten $luferftef)ung nid)t aßein beinen ^eiligen Seib üerflörct, fon= bern and) oon ber dBtunbe an, in meldjer bu bein ©rab oerlaffen, einen gang anbern ttm= gang, eine anbere Sebengart ermäßet f)aft, alg bu oor beinern $obe fyatteft unb fü^rteft, fo la{$ mid), mettn id) mit bir geiftlid)er Söeife aufge= ftanben bin, biefe geiftlid)e 2luferfteljung, biefeg erlangte neue Seben an mir fpüren unb maf)rz nehmen; Iaf$ eg and) anbere an mir üernterfen unb erfennen, ba£ jebermann an meinen gott= Stbenbgefcet. 159 feligen Sieben, ön meinem unftröflidjen 2öanbel, an meinen ^eiligen, bir toofylgefäUigen äöerfen fel)e, baß id) nicf)t me^r fei ginfterniß, fonbern ein 2id)t in bem §(Srrn, baß id) fei berufen tvor= ben, unb nad) biefem 33eruf übergegangen von ber Qinfterniß gu beinern munberbaren Sidjte. Saß mid) von nun an verleugnen adeg ungött= lid)e SBefen unb bie meltlidjen Süfte, unb !jin= gegen forthin gültig, geredet unb gottfelig leben in biefer 2öett, Saß mid) auggefyen aug ber SBelt unb nur allein bir leben, auf baß bu immerbar in mir moljnen unb manbeln mögeft, 33emaf)re mid), §@rr ,3®f^ baß ttf), nad)bem bu mid) er= medet tjaft, nid)t mieber einfd)lafe, §alte meine klugen beftärtbig offen, baß fie ftetg matten, ba= mit id) mein neueg geiftlidjeg Seben nidjt mieber verliere, fonbern von einer fflarfyeit ^u ber an= bern, von einer ©rfenntniß gu ber anbern ge= lange, big id) bereinft auf etvig mit bir verbun= ben roerben unb leben möge, $cf) geb bir, o Emmanuel, beine $änbe Seib unb ©eel; $>u bift mein ©d)uß auf ©rbeit, 9D?ein eiuger $roft, ber mid) erlöft; Siidjtä ßieberg mag mir merben. Saß midj mit bir gu @rabe gefjn, Wit bir aud) tuieber auf* erfteßn, 3)en Säften ftetg gu fteuern; ®aß nad) ber $eit in f)öd)fter ^reub 3d) bort mög Oftern feiern, Simen, 160 2Rorgengebet. 2)er aitbädjtige Ehrift betrautet bic Himmelfahrt m* EWtL ^nrgcngebct. @tt>tger' ^oljer^riefter, derflärter 3@fu, bu bift heilig, unbefledt unb dort alten Sünbern ab= gefonbert, unb fä^reft nad) dott^ogener @enug= thuung in bie Höh^ ja, über alter Himmel Him= met, unb bereiteft beuten ©riöfeten bie Stätte, an metche fie, menn fte ben Sauf doltenbet unb ©tauben gehalten, fommen fotlen ; bu bitteftfür fie unb mirft fie auch einften£ $u bir fammeln, bamit fie emig ba finb, mo bu bift. 3eitanb grüben, ©ab mir ben $eitanb füffen? Äontm, ftette bidj bod? ein! Wmen. $a, eg gefdjehe alfo. 2lmen. Slttfmuittenutg. 3idh fafyre auf flu meinem '.Batet, unb ju eurem SSater, ju meinem ©ott, unb ju eurem ©ott. 20, 17. ©ie Betrachtung ber ^immetfa^rt $©fu, unferg §ei= tanbeg, !aun nicht anberg, atg einer gläubigen ©eete fefyr tröfttid) unb erbaulich fein. 1) ©rinnert fie fid) ber ©e? mibh^it itfrer ©rtöfung. BJeit nun ber ©iegegfürft mie= herum bahin lehret, nämlich in ben §immet, non mo er gelommen ift, fo f)ßt er bag SBerl öotlenbet, bagn er ge? fanbt mar. ©ein Sauf laut (in feiner ©mpfängnib unb ©eburt) öom Bater her, unb lehrte (in feiner §immet= fahrt) mieber gnm Bater, nadjbem er ben 9Re nfdjen? 164 3)er artbätfettge Greift betrautet finbern Triebe, greube, Vergebung ber Sünben, ©ered)* tig!eit unb Seligfeit erworben hatte. 2) ©ine gläubige Seele erinnert fid) babei, baß wir f)ier feine bteibenbe Stätte haben, fottbent bie gufiinftige fuchen muffen. ©3 haben weber fromme noch ©otttofe eine beftänbige SBof)- nung auf ©rben. ®te frommen verlangen es nicht, weit fie etwas SeffereS wiffett, unb bie ©otttofen, ob fie eS gleich verlangen, erlangen eS nicht; beim bem 9J?en= fchen ift gefegt, einmal gu fterben, hernadj baS ©eriebt. gft nun aber feine beftänbige SSohnung ber SÖtenfchen alihier auf ©rben, fo fdEjicfen bie grommen ihr $erg ba= hin, wo fie ewig wünfd)en gu fein. $a, fie erinnern fich 3) täglich baran, wenn fie ihr |jau3, ihre Kleiber, ihre ©iiter unb bie ghriflen anfetjen, baß fie baS alles ber- taffen müffeit. SDamit aber, wenn nun bie Stunbe ihrer Befreiung bou ber 9ftüf)fetigfeit biefeS SebenS fommt, fie ihre Stätte in ber .fjerrtiebfeit bereitet finben mögen, fo hatten fie 4) fleißig eine geiftliche Himmelfahrt; fie ber= taffen bie ©rbe mit ihren ©ebaufen, unb finb beS fern* metS eingebenf; fie öertaffen bie Sßett mit ihrer Siebe, unb hangen g©fu im ©tauben an. Sie bertaffen bie SEBett mit ihrem Sebeit, inbem fie nicht nach bem Söitten unb ber ©ewoßnheit ber Söett, fonbern nach ©otteS SEÖit* len teben, $>at)er, 5) wenn fie ben Himmel anfeßauen, fo benfen fie: 3Da ift mein SSatertanb, mein ©rbe unb meine ewige äöohnung. (B e b e U ©ott fahret auf mit Saud^eit, unb ber H©rr mit tjetter ^ofaune; lobfinget ©ott, lobfinget nnferm $önig! 511)0 befinge id), mein 3@fu, großer @iege§fürft, beine Himmelfahrt, ber bu nach bem ooUbradhten SBerf ber ©rlöfnng bes menfd)lid)en @efd)led)ts 3U beiner Herrlidjfeit bie Himmelfahrt 3©fu Sftrifli. 165 eingegangen bift. @3 liegen nun olle unfere geinbe, nämlich ber Teufel, bie 2öelt, bie Sünbe unb ber &ob, unter beinen Qfüfcen, bu boft un§ baoon befreiet, 9laeld>e greube, meldfye §errlid)feit ift baS, bie mein §eilanb feinen ©laubigen, feinen Jüngern unb Sängerinnen oerljeißet: 2Bo id) bin, ba foll mein ^Diener aud) fein! 2Id), mein 3©fu, laß mich fein, too bu bift, gieb)e mid) 3U bir, ba bu jur D^edpten ©ottes erjjößet bift, bringe mid) gur ©dpaar ber ^eiligen ©ngel unb aller 2luSermäßlten, laß midi) beine |>errlid)feit fel)en, meld^e bu beinen ©laubigen bie Himmelfahrt 3@fu Shttfti. 167 bereitet haft. 0b bu aber gleid) burd) beitte Auffahrt in bie §ö^e, o mein liebfter Seelen= freunb, betne fidjtbare ©egenmart mir entzogen haft, fo bift bu bod) bei mir unfid)tbarer äöeife, traft beiiter SBerhei&ung: Siehe, id) bin bei eud) aße Sage, bi£ an ber 3Bett @nbe* Sarum bin ich getroft in aßen Säßen, id) mei&, bu bift bei mir in meiner Sftoth, bn erretteft mid) au3 ©e= fahr, bn erquicfeft mid) im Seiben, bn tröfteft mid) in Sraurigfeit, bn fd)ütfeft mid) in aßer Söibermärtigfeit* Sarum bin id) gute£ SJcuthS, ber §@rr 3©fu£ ift mit mir, barum fürchte id) mid) nid)t, ma§ fönnen mir SRenfdjen tljun? Sehe id) bid) gmar nic^t, fo habe id) bid) bod) lieb, unb meifi, ba& id) bid) bereinft fehen nnb mid) mit unau£fbred)lid)er Srenbe tn bir er= freuen merbe. 3d) merbe bid) fehen, menn id) ber (Seele nad) eine Himmelfahrt nach meinem feligen ^Cbfdt)teb holte; id) merbe bidf) and) mit meinen Gingen fehett am füngften Sage, menn id^ oon ben Sobten auferftehen merbe* 3U ^ent ©nbe miß id) täglich eine Himmelfahrt anfteßen unb meine fünftige Söohnung, meine künftige ^rone, meine bleibenbe Stätte, mein meiße3 $leib mit ©lauben^augen befdhanen; ich miß and) bie 3Belt, fo lange idh in ber 2öelt bin, oer= laffen mit meinem H^en, mit meiner Siebe, mit 168 $er anbarfjtige G^rxft betrachtet meinem Sehen; iit^» nicht mehr, Söeil id) in ber Sieb mid) übe, @o ift $@fu3 mein Begehr; $offart, Giitelfett ber Grrbe, SöoHuft, Fracht unb SBeltgeberbe Sld)t tdl) meiner Sieb nicht merth, SU3 bie 3(£fum nur begehrt. 4. SBeiftt bu, tuo mein Jjer§ gu finben? Proben in ber §immel3freub. SQSettluft fann es nid)t mehr binben, bie Himmelfahrt 3©fu Gbrtfti. 169 @3 fd)mee, 2Bo idj rulje, mo id) ftel)e, 2Bo id) bete, mo id) bin, $ft im §immet §erg unb ©inn. 7. SJtidj fann nun nidjtg meljr ergäben, TO nur biefe §imme^grei^^ Proben bei ben §immetgfcf)ä|en 33in ict), bie id) fentt unb meifj; 9tteine Otufye, greub unb ©oitne, SP'Zein Vergnügen, Xroft unb SBonne 3ft nidjt, mo man mid) jept fielet, ©onbern mo mein (Seift tjingiefjt. 8. §C£fo geifttid) aufgufafyren TOe £ag unb alle ©tunb, ©par id) nidjt gu fpäten 3al)ren, TO ber $ob üerfd)tiefjt ben -ättunb; 9iein, bieg tt)u id) fdjon bei Seiten, 2Bilt mid) atfo red)t bereiten, 3)amit, menn mein ©nb ba ift, $d) l)infal)r gu $©fu ©tjrift. 9. Sttfo roerb id) nic^tö oertieren, Präget man mid) gleich ing (Srab, 3@fug mirb mid) perrtid) gieren, Söelcpen id) im ©tauben f)ab; ©terb id), menn eg (Sott gefaltet, ©0 ift fd)on ein Ort befteCCet, ®en mein |jeit mir f)at he* reift Porten in ber ©migfeit. 10. $>rum fei fröl)tic!l), meine ©eete, |>eb empor bein 2tugenlid)t; $iefe ©rb ift eine §öt)te, $)a bir menig ©utg gefd)id)t; ©djming bi d) burd) bie Stnbadjtgpget $u bem golbnen ©ternenljüget, Söo bir fielet tängft bereit Xau- fenbfad^e |)errtid)feit. 170 Slbenbgebet. $If»enb gebet. Sebenbiger unb erdeter Heilanb, bu bift tn bie Höhe gefahren unb ^aft bid) auch nach bei= ner Sötenfchheit gefe^et gur Rechten ber 3^qeftät ©otteS. Du ^aft baburd) fo luie burd) beinc gcfegitcte SKenfchmerbung meine Statur geabett unb mir baS 9^edt)t gum §immel uerfdjafft. Sob, $rcis unb Dan! fei bir bafiir gefagt, Safe aber aud) an mir bie Wbfidjt betner Himmelfahrt er= reidjt tnerben. Sie gehet bahin, bafe ba, mo bu bift, auth alle ©laubigen emig fein foden, bafe fie foden ©ins fein mit bir, tute bu mit betnem SBater nun ©ins bift. 0, lote rnirb mein ©eift mit greuben erfüllet, menit i(h ht^an gebenfe ! Id), lafe biefe $reube mich nicht vergebens etm= hfinben, fonbern mich gum öaden ©enufe ber= felbett auf einig gelangen. Sag mich, mein ©r= barmer, fchon in biefer 3eit gu ber ©jlüdfeligfeit lammen, bafe ich tnit bir ©ins fei, bafe ich täte ein ©lieb an bir, als an meinem Haupte, hanr: gen unb nimmermehr non bir gef (hieben merben, onbern in bir ffraft, Störte unb 3Bad)Sthum gu adern ©uten erlangen möge, bamit ich emig bei bir bleiben fönne. Safe mich gu bem ©nbe aon nun an mit bir unb aden beitten ©laubigen ©ins fein in Sdnfeljung ber ^errlid^en ©üter, taelche bu uns burch bein Seiben unb Sterben Slbenbgebet. 171 ermorben ^aft, bamit ich berfelben mit ihnen theühaftig merbe, unb baburd) beineti ^rieben, Vergebung ber eld)em ade einem ©hriften anftänbige Sugenben gufammen fomnten, unb uermittelft melcher fie ansgeübt ttterben tönnen. 2Bie bu mit beinern SBater in einer unausfbrechlichen Siebe ücrbunben bift, fo lafe mich mit bir unb bemfelben ©ins fein, baft ich biier in ber $eit gut gemiffen SBerfidjerung meiner ©eligteit unb gurn ^öefii ber ©eredjtigteit 3©fu, be3 gött= lieben, burd) ibn erworbenen Sriebeng unb ber $reube in bir gelangen, bort aber gur ©rlangung eine3 unöer gängigen, unbeflecften unb unt)er= weltlichen ©rbe3, Weld)e3 mir aufbebalten wirb im Rummel, einer ljerrlid)en Grotte, eine3 frönen weiten ^leibeä tommen, unb bid) mit bem SBater unb r wirb ber Sater im £immel ben ^eiligen ©eift geben benen, bie t^n bitten? £uc. 11, 13. 9tid)t adein t)at bie erbarmenbe Siebe ©otteg un§ oon ©migfeit üiet ©ute§ pgebadjt, unb $©fu3 itn§ mit [einem ^eiligen Stute erfauft, fonbern ber Zeitige ©eift, als bie aüerfjerrticfifte, notfjmenbigfte unb fetigfte ©abe, roiCt uu§ aucf> in biefent ftammertfat leiten, fjeiti* gen unb regieren. ©§ ift ber Zeitige ©eift 1) bie alter' ijerrlidjfte ©abe; benn ma£ tonnte ©ott mefyr unb größer an un§ ttjun, at§ baf$ er un§ feinen ©eift prn güljrer unb Söegmeifer mittljeitet? @3 mar ber einigen Siebe ©otte£ nidf)t genug, bafe bie Zeitigen ©nget, bie SBädjter, neben, um unb bei un§ fein unb un3 auf alten unfern SCBegen beritten faden, fonbern ber ^eilige ©eift fodte audf) in un$ mahnen, bamit Seib unb ©eete redfjt bemafjret unb ermatten mürben. $)er Zeitige ©eift ift and) 2) bie adernotfjmenbigfte ©abe. 2öir tonnen otjne Steicfjtfjum, großen ©fjrenftanb unb niete ©üter bemtod) gtiidlicf) in ber SSelt (eben, aber oljne ben ^eiligen ©eift tonnen mir roeber fjier nodj in ber ©mtgfeit maljrf)aft gtttdflid) fein. SDafjer ift er audj 3) bie aderfetigfte ©abe. ©r ift ba£ *ßfanb unfereg ©rbe§, ba§ ©ieget unferer ®inbfdjaft, burd) metdjeä mir oerfidjert merben, bafc mir ®ittber ©otteS unb ©rben be§ emigen Seben§ finb. ©r ift un§ fjödjft not^menbig in Sraurigfeit, £rübfal unb Stufet tung; benn ba üergemiffert er mt§, bafj mir beitnodj in ber ©nabe fielen; er oertritt un§, menn mir pm ©ebet un= oerntögenb finb, bei ©ott mit unau£füred)litf)em 0eufpn. 4) ®iefe f)errtid)e, nottjmenbige unb fetige ©abe mid ©ott aden geben, bie itjn nur barum bitten; biefe Ser* tjeifjung Ijaben mir nitf|t üon leiblichen unb irbifdfjen Gingen, meit fie ung nicht allezeit tjeitfam finb, aber biefe ©abe mirb ©ott niemanb oerfagen. 5) 25er §ei* 178 3) er anbüdjtige Steift ertraget lige ©eift fäubert ba§ §erg eineg ©fjriftert turn ber 2öelt= unb (Sünbettliebe, bantit er, ber gute unb reine ©eift, in bem ©fjriftett 2öof)nung neunten föttne. (Bebet. 3d) tuill SBaffer gießen auf bie dürftigen unb Ströme auf bie Dürren; id) tnill meinen CBeift au^gie^ett über alleg Qfleifd), baf$ fie tuadjfen foltert toie ©ra3, toie bie Reiben an ben 2£afjer= bäd^en. 2ld), Uebfter ,3@fu, biefe gnäbige ©er= tjei&ung tjaft bu an bem ^eiligen ©fingftfefte erfülltet, ba bu über bie $fyoftel beinen Seift reidjlid) au^gegoffen unb fie bamit gu bem Söerfe tüchtig gemalt f)aft, bie ©nabe, bie Vergebung ber Sünben in beinern ©lute unb bie Seligfeit allen ©ölfern gu nerfünbigen. treuer §eilanb, tfyeile mir and) biefe ©abe mit, gib mir aud) biefe fyerrltdje ©abe* 0 bu loertfyer ^eiliger ©eift, gief$e bid) in reid)em Maße über mid) au§, ber bu in tjeuerflammen bief? über ben ^l^ofteln geoffenbaret f)aft! ©rleudjte mid) gurn einigen Seben, erleuchte meinen ©erftanb, bafc id) 3©fum ©fyriftum erfennen möge; ^eilige meinen Bitten, bafj id) nidf>tg begehre unb tnünfdje, al§ nur ma§ bir gefallt* Söurbert bie $lpoftel, o bu ©eift ber Stärfe, burd) bidt) angetan mit Kraft au3 ber §öl)e: }o ftärfe meinen ©tauben, gib mir ülftutf) unb Kraft, in beinen Söegen einljergugetjen, bie bie Sluägiejjung beä ^eiligen (Seiftet. 179 SBelt gu befielen, bett ©itnben gu miberftehen, unb alg ein mahreg Äinb ©otteg gu leben» 0 bu gnäbtger SRegen, mache mich fruchtbar gu allen guten Werten, erquicfe mte auf mir, bu ©eift ber SBeigßeit, baß id) mißen unb tßun möge, trag ©ott gefällt. 9tuße auf mir, o ©eift beg $erftanbeg, baß id) maubete in bei= ner SBa^rßeit; erhalte mein §erg bei bem ©ini= gen, baß id) beinen tarnen fürchte. ^Behüte meinen SBerftanb dar 3rrthum, vertreibe baraug alle ^infterntß ber Unmißenßeit unb (Eigenliebe, hingegen gihtbe in mir an bag ßid)t beiner ©r= fenntniß, baß id) tu beiner ßiebe unb 6rfennt= niß möge täglich guneßmen. ßtulje auf mir, o bu ©eift ber gfurdjt beg §©rrn, bflange beine heilige §urd)t in mein §erg, baß ich nimmermehr mit SBißen unb SBilten fünbige. 9tuf)e auf mir, o bu ©eift ber Siebe, unb reiße allen 3örn, @igen= finn, !>fteib, ^Bogßeit unb Rachgier aug meinem ftergen. 6ei mein Größer in Äreug unb £rüb= 180 2)er anbädjtige (E^rift ertoägtt - fal, toenn bie ^lut^en mich erfäufen motten unb bie SBetten über mir gufammettfd)lagen. Sei meine ©tärte, toenn id) fd)toach bin, Ijiif mir bie ßüfte beg Sleifd)e§ beimpfen, hingegen laß in mir toachfen ©taube, Siebe, 0emutlj, Hoffnung unb ©ebulb. ©ei mein Rührer, ber mid) attegeit leitet auf ebener Vahn, baß id) nidt)t anftoße, fatte ober thue toiber ©otteä ©ebot. ©ei mein Sefyrer, ber ntidf) in atte 2Bahrl)eit leite unb - 3l@fum in mir oerfläre. 0 bu reinem Söaffer, tüafdje mid), gib, baß id) in bem ©uten toad)fe unb oietc Früchte bringe. £>ilf, baß id) burd) beine $raft «SSfunt in ber $hat einen £)®rrn Reißen möge, nämlid) meinen SSfum, meinen ©rlöfer, meinen ©eligmacher, ben ©runb meinet £>eil£ unb meiner ©eligfeit. ©iehe, o bu ßid)t meiner ©eele, toie id) in ber 2öelt mit fo Dielen Verführungen umgeben bin, bemt e§ finb Diele Verführer au^gegangen; barum betoahre mid), baß id) nicht Don bir toeidje, geige mir ben 2Beg, barauf ich toanbeln fott, benn mich Derlanget nach bir. 2öenn ich mich führen mitt, fo irre ich, toenn bu mich aber führeft, fo laufe ich ben Vkg beiner ©ebote. |>abe id) bid), o toerther ^eiliger ©eift, bisher betrübet, fo trage ich bar= über hergtich ßeib ; fiehe, mein §erg ftel)t bir offen, ach, tehre in bagfelbe mit beinen reichen bte ÜluSgiefsung beS ^eiligen ©eifteS. 181 ©nabengaben ein, erfülle em mit allen d)riftlid)en £ugenben, befeftige mtd), grünbe mich, unb er= halte in mir bam gute 2Berf, bam bu in mir an= gefangen ^aft. 2ld), fdjaffe in mir ein reinem ^er^, tilge aum bemfelben alle Unarten, alle böfen ©emohnheiten unb alle §err[d)aft ber «Siinbe, 0timm meg bam fteinerne ^erg, unb gib mir ein geheiligtem unb burd) beine ©nabe geänbertem ^er^. 2Bohne in mir unb lag em beinen Bembel unb äBohnung fein, @o ^abe td) bam Sßfanb meinem ©rbem unb ber ^inbfchaft, unb fo meig id) aud) genug, bag id) merbe emig felig mcrben. bleibe aud), o «^eiliger ©eift, bei mir in aller 9£oth unb im Sterben; fd)reie alm= bann in mir bam Wbba, lieber Später, ©ib mir einen 5Mid ber §errlid)feit unb einen $orfd)macf ber emigen 3?reube, tt>o id) nad) bem ^arnpf gur $rone unb nach bem Seiben gur greube gelangen merbe. §eitger ©eift, bu ®raft ber frommen, ®ehre bei mir Sirmen ein Unb [ei taufenbmal miHtommen, Safe mich beinen Tempel [ein; ©ciubre bu mir [elb[t bam §aum dei¬ nem ^ergenm, mir[ tjtuauS Stüem, mam mich t)ier tann [c^ei= ben Son ben fügen |>tmmetmfreuben. 5tmen. © ef attg* SM. : 0 ©oft, bu frommer ©ott. 1. $am Sßfingftfeft freuet mich, äöeil $@fum [eine ®a= ben reifem 9Wag aumtfjeift, ®ie tnünfdjt mein §er^ p 13 182 35er anbädjtige ßfirift erwäget bie 2luSgUfcung be§ £eil. ®eifte8. tjaben. Sötern S©fu, fd^cnfe mir $(udj beinen guten ©eift, $)er midj non mir j$u bir Unb gu bem $immet meift. 2. Sdj irre aüpfefjr, 333o midj bein ©eift nid)t führet, Unb mein $erj ängftet fid), 333enn e§ ben £rieb nidjt fpüret. 3S3ot)lan, fo teile mic§, Sftein Sidjt, auf ebner baf)n, $a§ id) in beinern Sidjt 3um Sichte manbeltt famt. 3. Sd) leb in f^infternifj, 3£o mid) bein ©eift nidjt teeret, 3Jtein §er§ bleibt unbelebt, 333enn er e§ nidjt belehret Unb neue SebenSfraft Sn meinem <35eift ent- günb't, fRodj meine ©tauben§mad)t Stuf S©fum ©f)ri- ftum grünb't. 4. Sd) fann micfj fetber nicf)t Su meinem Seiben tröften, Sd) braune reichen £roft, 33$enn meine Stfotfj am größten; $)arum fo ftetje mir 9ftit beinern Xrofte bei, $)a& id) ein ©ottegfinb fed) in bem Seiben fei, 5. Söie fann id) mid), mein ©ott, Sn ©taub unb Sieb ermatten? ©3 mürben biefe batb Ctjn beinen ©eift erfak ten; 2)arum fo gib mir fö'raft, ®a|3 id) nidtjt non bir meid), bis idf) tiad) meinem ®ampf $)e3 Sebent ®ron erreidj. 6. 9Jiein S©fu, gib mir bodj, 333a£ id) bidj t)ab ge« beten; Saji beinen guten ©eift Sm beten mid) nertreten, $>afj id) in Sfrömmigfeit bring meine £age tjiit Unb ridjte meinen Sauf Sftadj beinern 333 ort unb ©imt. 7. Stdtj, bein ©eift tjelfe mir Sftein $leifd) unb btut bejmingen, $)afj idj in feiner ®raft 9Jtög gute $rüd)te bringen; Sd) fterbe mittigtid) $5er 3Sett unb ©ünbe ab, 333enn idj ben guten ©eift $n meinem gütjrer f)ab. 8. $)u fottft, o merttjer ©eift, Sn meiner ©eete bteü= ben, $u fottft midj, o mein Sidljt, 3« uttem ©uten trei= ben; Stet), bteib bu atte^eit bereiniget mit mir, Sajj mid) gefd^müefet fein 35urcf) bid), mit bir, in bir. 9. Unb mirb mein SEBanberftab 3tud) in bem ©ter= ben bredjen, ©o mirft bu in bem ©treit 93?ir £roft unb 5ERutt) gufpredjen. Sdj gef) burd^ S©fu btut TObann ^ur $reube ein Unb merbe fd^ön oerftärt Sn S©fu fernen fein. 2tknbgeE>et. 183 SUtettb gebet* deiner ©eift be3 §@rrn §©rrn, !omm mit lieblidjem ©ebrau3, bet mir Firmen ein3ufeljren, l)ier in meinet ^eqeng §au£ ; o mein Sßerlein, meine ßron, !omm t)om $ater unb bem <^ol)n gu mir, beinern armen fiinbe, rnid) mit beiner ^Brunft entgünbe* ©tb ben $ater mir gu tennen unb ben @ot)n, ben er gefanbt, mad) bein füfteg Siebebrennen mir im Innern red)t betannt; mad) mid) fyeilig, rein unb flar, ftell mid) batb uotten= bet bar, mit ber golbnen ^ßerlentrone, ror bem Skater unb bem @ot)ne* @o muß id) mir nod), bu pcbfter Sröfter in aller Sfotf), bu mertljer ^eiliger ©eift, beine gnabenreidje ©inmoljnung unb beine fjimmlifdjen ©aben augbitten, el)e id) mid) gu meiner IRulje begebe, meil id) ^eute iiber= geugt morben bin, mie gern bu eine glitte @ot= te$ unter ben 3$enfd)en aufric^teft unb guberei= teft; rnadje and) mein §er g, meld)e§ mit 0el)nfud)t barnad) »erlanget, bagu; »ertläre in bem ©nbe 3@fum in meiner @eele, bamit id) il)n lieb ge= mittne unb aufncfyme, unb baburd) SJJadjt er= lange, ein $inb ©otte§ unb ein ^em^el be§fel= ben 31t merben- tertiäre il)n in mir nad) feiner Sßerfon, nad) feinen 2öol)ltl)aten unb nad) ber mir ermorbenen ©nabe, auf baf? id) il)n al£ meinen einigen ©rlöfer anneljmen unb in fei= 184 2H>enbgebet. item tarnen Vergebung ber 8iinben fuc^ert uttb finben möge. SSerfläre ifjn in mir nad) feinen Sugettben unb n ad) feinem auf ©rben geführten Söanbel, in meinem er mir ein $orbilb geloffen, meinem id) nad)folgen fod, bomit feine £Hari)eit, feine $>emutf), feine @anftmutl), feine <£>eiligfeit, feine Äeufdjljeit, feine Siebe, feine $ufrid)tigfeit nnb feine Söafyrfyeit fid) in mir ffnegeln, in met= nem ^er^en toie ein t)eöe3 ßidjt lenkten unb in meinem ganzen ßeben fid) offenbaren. SBerfläre ifjn in mir nad) feiner ÜUJafeftät unb $errlid)feit, toeldje er in bem @tanbe ber ©rniebrigung -ju meinem heften nid)t gebraust, n ad) bem ooden= beten Söerf ber ©rlöfung aber nrieber angenom¬ men Ijat, unb nun in berfelben 3ur 9fted)ten fei= ne§ l)immlifd)en SBaterä fitjet, auf bafe id) ilju al3 meinen einigen Mittler gtoifdjen ©ott unb mir öereljre, anbete unb iljm biene. SBerflärft bu ,3©fum in mir fo, fo toerbe id) burd) ben @lau= ben mit ifjrn oerbunben, burd) feine ©emeinfdjaft feinem 23ilbe äljnlid) gemadjt unb burd) feine Nachfolge in ba§ ^erufalem, ba3 broben ift, ge= leitet toerben. ©eift ber ©nabe, Kjilf mir gu bie- fer 0eligfeit. Dbne bid) tann id) ^©fum nid)t meinen §@rrn neunen. 2ld), barum toirfe in mir ben toafjren, lebenbigen ©lanbert ; toirfe unb OoHbringe in mir ade§, toaä baju nöt^ig ift, baf$ 9lbenbgebet. 185 ©fjriftuä in mir ©eftalt geminne unb id) fein eigen merbe; l)öre mein Seufgen, Dernimm mein t^leljen, nimm mein ©ebet an, unb lafc mir bie verlangte ©nabe miberfafyren. §aft bu fotd)e^ getfyan, fjaft bu 3@fum in mir Derfläret, fo laf; mid) audf) Don it)m zeugen, mie feine ^Xpoftel Don tl)m gegeuget tjaben, nad)bem bu in reifem äftafte über fie au^gegoffen rnareft* ßafe mid) ran ifym geugen in meinem gangen Seben, bafc id) nad) feinem 2öort unb nad) feinem 2Biücn gefjorfam lebe, manbele unb mid) auffüljre* Safe mid) Don tl)m geugen in meinem §crgen, baf$ id) ifjn für ben magren 3J2effia3 uttb für ben maf)rl)aftigen ©ott erlernte, ifjrn biene unb an ifjn glaube* Safe mid) Don il)m geugen mit meinem SJtunbe, baft id) iljn fomof)l in ber tiüe, al3 and) Öffent= lid) lobe unb greife, unb iljn immerbar betenne, bamit er mid) mieberum Dor feinem l)immlifd)en 23ater befennen möge* Safe mid) Don meinem 3©fu aud) geugen in meinem JÖeiben, bafj id) in bemfelben getroft fei, auf il)n feft tjoffe, ifjm Der= traue unb gelaffen feine §ülfe ermarte* ©ttbüd) laf$ mid) and) Don il)m geugen in betn £obe, baf$ id) il)m bi3 in benfelben getreu Derbleibe unb im ©lauben bie Ärone be§ Sebent Dort feiner §anb fjoffe* Säffeft bu mid) auf biefe SBeife beftänbig Don meinem §eilanb geugen, fo tuirb er bercinft 186 üföorgenge&et. aud) üon mir geugen unb mid) oor feinem ljimm= lifd)cn $ater befennett. ltnb mie glüdlid), mie felig bin id) algbann! (Seift 36fu, hilf mir bagu; id) ^offe auf bid), lab mich nid)t gu @d)änbcn merben; id) übergebe mid) bir. .Wd), leite mid) gum Rummel nnb lajj mid) nie auf Slbmege geleitet toerben. ©ermüde mid) mit beinen ©aben, 9Ö?ad)e mid) neu, rein unb jd)ön, Sab mid) maf)re Siebe fabelt Unb in bei* ner ©nabe ftefyn; ©ib mir einen fiarfen 9)iutf|, ^eilige mein $leifdj unb 33lut, Se^re mid) üor ©ott Eintreten Hub im ©eift unb äöatjrfjeit beten, (So miß id) mid) bir ergeben, SDir 311 ©Ijreu foß mein (Sinn 2)em, mag bmttn* lifdj ift, tiad)ftreben, 33il id) merbe tommen bin, $a mit Skater unb bem Sotjn £)id) im f)öd)fteu |)immelgtf)ron $d) erbeben taun unb greifen 9J?it ben (üben ©ngelö- mei[en. Simen. 2)er anbädjttge Chrift ertoäget öa$ ©e^eimni# ber ^eiligen 2>reieinigfcit. borgen gebet. §eilig, Zeitig, heilig ift ber §@rr ^ebaotl), alte Sanbe finb feiner ®f)te üoH ! tftit biefen SBorten lobe id) billig, ba ich anjejo 00m 6d)lafe enoadje, beinen groben kanten, anbetung^mürbiger ©ott, ber bu bid) al§ einig im SBefen, aber oerfd)ieben in s$er fönen gegeiget nnb offenbaret helft. £>er heutige £ag, toeldjen mid) beine ©üte abermals hat erleben laffen, oeranlaffet mich, biefe£ gn>f$e Sflorgengebet. 187 unb gottfelige ©ebeimttifs in ©rmiigung gu gieren mtb 311 meinem Üftuhett angumenbett. Sich, gib ©nabe, baft xd) meinen Sßorfajj erreiche; ermetfe bicf) gegen mid) al3 meinen (Sott, bamit td) ba= burd) möge ermuntert nnb bemogett merbett, mid) al§ bein geborfame3 ©cfdjöpf gu begeigett. SSater ber SÖarmbergigteit, beine §anb bnt ntid) gebil= bet, beine IRadjt bat mich bereitet, ba id) nod) im SJiutterleibe mar, mtb ntid) an be» $age8 Siebt gebracht; beine Brette bemabret meinen 0bem unb friftet mir mein Sebett. Sld), t)öre nicht auf, treu gegen nttd) gu fein, fottbcrn be= meife bid) immerfort al3 einen liebreichen 33ater gegen mich- Safe mich über and) mit bir mie ein $tnb in SDemutb unb ©befurcht umgeben, unb burd) beine ©nabe nach bem b*>eele. Söenn id) ftraud)le, fo er= halte mich unb richte mid) mieber auf* SBenn icf) irre, fo meife mid) gured)t unb führe mich auf ebener $3a()n. 2öenn irf) bete, fo bete bu mit mir; (ehre mich algbann, mag unb mie ich beten folf, unb gib meinen fchmachen Söorten unb @eufgern ü'raft, bafe fie meinen $ater im §im= me( bemegen, ihm itig §erg bringen, unb mir §ülfe oon ihm t>erfd)affen mögen. 0 breieini¬ ger ©ott, bemeife bid) a(fo gegen mich, fo mitt ich beinen tarnen (oben, beine @hr^ augbrei= ten, nach beinern SBillen (eben, unb enblid) mit Qreuben, menn bu mich rufen mirft, aug biefer jammeroollen SBelt gehen unb Don beiner 33arm= hergigfeit einen ©nabenlohn für meine Streue ermarten* 3BitX meine Derberbte Vernunft bei mir allerlei .gmeifel erregen, a(g ob bu, o bu Der= borgener ©ott, ber bu in einem Sichte mohneft, p melchem niemanb fommen fann, nicht fönnpft ©ing im SSefen unb mannigfaltig in ^ßerfonen ■äJiorgengeBct. 189 fein: fo Iofe mid) btefelbe unter ben ©etjorfam beg ©lauben^ gefangen nehmen unb iljren ©im rebungen nid)t ©et)ör geben, starte meinen ©tauben an bid) unb lafe mid) an beinen Dffem barungen unb ^eugniffcn fo feft tjatten, bafj and) bie Pforten ber ^ötte nid)t fönncn oermögenb fein, mid) gu übermältigen ober mir meinen ©tauben 311 rauben, SBitt and) mein trägcg Steift unb Q3tut nid)t gerne bir folgen unb itad) beinern ^Bitten leben, fo fdjenfe mir ffiraft unb Vermögen aug beiner unerfd)öt>ftid)en ©otteg= fütte, mid) bir 3U unterwerfen unb in meinem ganzen Seben geljorfam gu werben, Saft mid) meinen ©tauben in Werten gctgen, unb in beim felben barreidjen ©ebutb, unb in ber ©ebutb 33e= fd)eibenl)eit, unb in ber 33cfd)eibent)eit $0iäfetg= feit, unb in ber ÜDtäftigfeit brübcrtt^e Siebe, unb in ber brüberlidjen Siebe allgemeine Siebe, @0 lafc mid) in ßeitigfeit unb @ered)tigfeit bjier nor bir manbetn unb enbtid) oom ©tauben 311m @d)auen übergeben, 0ann mit! id) bid), menn id) bicf) fel)en werbe twn $(ngefid)t, ewigtid) mit alten Slugermätjlten toben, wie id) fd)Ott }et)t bamit ben Stnfang madje unb mit gerührtem §er3cn fage: ©etobet fei ber §©rr, StJtein ©ott, ber ewig lebet, SDen atteg lobet, wag allen Säften fd) webet; ©etobet fei ber §©rr, $)ejj tarnen fettig tjei^t, ©ott SBater, ©ott ber 190 2)er anbädjtige Gfjrift erwäget Sotjn Uub ©ott ber mertlje ©eift, S£)em mir bag $eitig jetd $Rit ^reubett taffen Hingen Ünb mit ber ©nget Sdjaar £)ag§eilig! fettig! fingen, 5Dett tjeratid) tobt unb preift 2)ie gan^e ©fjriftentjeit, ©etobet fei mein ©ott $n alte ©migfeit. Simen. |>altetuja! Simen. 5ltifmtiitterttug. SDret finb, bie ba seugcn im £>iminel: 2)er Sßater, baä 3Sort, unb ber ^eilige dkift; unb btefe brei finb (Sinä. 1 ^ol). 5, 7. Söemt eine gläubige (Bede bag ©efjeimnifj ber t)eiti= gen ©)reicinigfeit in Zeitige 23etrad)tnng aietjen milt, fo muß fie eg madjeu, mie einer, meldjer non ber Sonne Sidjt uub Shtjjen tjabeu unb fid^ beffen bebienen raitt. Sdjauet er mit uuoenuanbten Slugeu in bie Sonne f)in= ein, fo bteubet er fid), er fietft tauter $tnfternif}, ja, nidjtg; t)ält er aber bie Slugeu niebergefdjtagen, gebraust atfo ber Sonne Sidjt unb ©lang, fo Jietjt er niel, ja, er ftefjt adeg, mag er fetjen fod, $)ag'©et}eimnij3 ber Zeitigen 2)reieinig!eit ift 1) ein ber Vernunft unbegreiftidjeg ©e= Ijeimnifj; fie tarnt bag nicht begreifen: ©in SBefen unb brei ^erfonett. £)at)er niete an biefer ©taubengletire fidh geflogen tjaben, uub eg big auf biefeti £ag nod) mit ben Suben tjatten. Unterbeffen bteibt eg bod) 2) ein in ber Zeitigen Schrift nug beutlid) befcfjriebeneg ©efjeimnig; banon reben bie tjerrtidjften Sprühe beg Sitten unb Seiten Xeftamenteg. Slm Vorbau, atg ©tjriftug getauft mürbe, rnaren brei ^ßerfoueu §u flauen, Sttattf). 3, 17. ©)ie Söerte unb ©igenfdjaften beg breieinigen ©otteg tie= gen ung audj beutlid) befdjrieben nor Slugeu. tiefem Söorte beg ßebettg gtaubet ein anbädjtiger ©Ijrtft, big er bereinft in bem emigett Seben 31t bem Spanen gelangen mirb. Unterbeffen 3) betet er ben breimat heiligen ©ott mit |>er3engbemutt) an. ©r greifet feinen Stopfer für ade feotiltljaten, bie er itjrn an £etb unb Seete gettjan. ©r bautet feinem ©rtöfer, bajj er ifjn nom £obe, non ber baä ©eljeimnijj her ^eiligen 2)rcietmgfeit. 191 ©iiitbe, öom teufet unb üon ber §öfle ©eraatt befreiet ©r ergibt feinem $eiligmad)er fein §erj unb ganges! ßeben, befleißiget fid), bent breieinigen ©ott gu gebordjen, mtb ift oerfitfjert, baff er bermaleinft rnirb berrlid) feiert, tna§ er f)ier geglaubet ^at 2)emt felig fiitb, bie nidjt fet)en unb bod^ glauben. ©* e b e t* ©eilig, 5eilig, Zeitig ift ©o tt, ber £©rr baot5, atte ßattbe finb feiner ©tjre ooIL $lfo, o bu breieiniger ©ott, $ater, Sotjn itnb ©ei= tiger ©eift, ftirnme id) anjjetjo mit alten ©era= Petiten unb ©Kerubinen ein Soblieb an, beine ©o5eit, SJcajeftöt uttb ©errtidjfeit gn befingen. O bu einige^, unerf or f dt) tief) e§ unb unbegreif* lictyeS 2Befen, mein ©taube f>ätt fid) feft, einig unb aEein an beitt geoffenbarte§ Zeitiges 9Bort, morin bu bid) mir l^errticf) geoffenbaret tjaft. Da3 ift ba3 einige Seben, baf$ fie bid), $ater, baf$ bu aEein magrer ©ott bift, unb beit bu ge= fanbt f)aft, ^©funt ©5riftuut, erfennem ^d) bete bid) an, id) efjre unb greife bid), o bu $ater aEer ©nabe unb Söarmtjer^igteit, ber bu bid) aty ein SBater mir funb getrau tjaft. Du t)aft nid)t aEein 3@fum ©5riftum, beiiten einigen @o5n, non ©migfeit 5er genüget, fonbern bu bift and) ber rechte $ater über aEe§, toa§ ba ifinber geiget im fnmmet unb auf ©rben, $ld), btt ßaft bi§= 5er at§ ein gnäbiger unb tiebreid^er $ater am5 192 3)er anbädjtige Gljnft ervoägd mich ernähret, nerjorget, bemahret imb erhalten, ja, bu ernähreft, üerforgeft unb er^ä£tft mich noch bi3 auf btefe Stunbe. 0 bu barmherziger Sßater, nimm bich boohn (Sottet id> habe bith au3 beinern heiligen SBort erfennen ge= lernt al§ bie anbere^ßerfon ber heiligen 0reieinig= teit, Dott bem hintmlifchen SBater t>on ßmigteit her genüget, ©ott non ©ott, Sicht non Sicht auf eine un£ unbegreifliche SBeife entfproffen. 3ch höbe bich auch erfannt al3 meinen trüber unb ©lut£= freunb, ber bie menfchliche Statur an fich genom= men höt, um mich unb alle SKenfchen zu erlöfett non Sünbe, £ob, Teufel unb §ölle. 0, barum freue ich mich in bir unb bete bid) au ! SDu bift meine ©erechtigfeit, mein ©rlöfer, Sürfyrecher, §oherbriefter, ©nabenthron, Mittler, 3mma= nuel, ©eltgmacher unb §irt; in bir höbe ich ba§ Seben unb nolle ©enüge. 0u bift ba£ 0bfer= lamm, ba§ fich für meine ©ünben bahingegeben hat; betn $8lut ift bie Reinigung meiner 3Jiiffe= thaten; burch bich höbe ich 3u9an9 3ur ©Höbe unb gum Seben. 3n bir bin ich felig, hier zeitlich unb bort emig. 0 bu tnerther ^eiliger ©eift, bu hoft bich in beinern 2Borte mir geoffenbaret al3 bie britte ^ßerfon in ber ©ottheit, bie nom SSater unb 0ohn au^gehet, ein ©eift be$ SSater§ unb be£ baS ©efyeimnif} ber ^eiligen Sreieinigfeit. 193 er Sßater ift ©ott, ber @o!)n ift ©ott, ber §ei= lige ©eift ift ©ott, unb finb bod) ntd)t brei ©ötter, fonbern eg ift ©in ©ott* ®er Sßater ift ber §@rr, ber @rr, unb finb bod) nidjt brei §@rren, fonbern eg ift ©in §@rr. 0 bu brei¬ einiger ©ott unb §@rr, laft rnidj in biefer @r= fenntnif; immer toadjfen unb ^unefjmen, unb gib, bafj id) bid) im ©tauben ergreife unb an beinern ^eiligen Söort atg an meiner ©fauben^ unb Sebengregel fefttjatte, unb n >ag id) nidjt begreif fen fann, bennod) t>on ^ergen glaube, big idj oon bem ©tauben gum @d)auen gelangen merbe. 3nbeffen, mein Später, bede mtd) mit beinen @na= benftügetn unb fegne mid)* 0 <3©fu, toafdje mid) mit beinern Zeitigen £3tute unb fegne mid) ; mad)e rnidj geredet unb emig fetig. |j©rr ©ott ^eili¬ ger ©eift, erleuchte mid), unb fegne mid), bafe id) in beinern Sichte toanble unb in beinern Sidjte broben bag einige Qfreubentidjt erbltden möge* (Glauben muß ntan t)ier unb trauen, 2Ba§ ©ott oon fxcb felber fagt; $)ort bebt erftlicf» an ba£ Schauen, ©taube fragt nicht, .Qmeifet fragt. S3in ich bort getanfet morben Stuf ©ott Später, Sot)n unb ©eift, ©ein SBort mid) gum $orban U)eift, $5a aug offnen §immet^forten ©otteg Stimm oon $©fu ^eugt Unb ber ©eift f)ernieber fteugt* Simen. baS ©eljetmnijj ber ^eiligen Sreieinigfeit. 195 <&ef attg« SRcl. : 9lun freut euef), lieben Triften g’irtein. 1. 0 tjeitigfte dreifaltigfeit SSott Sßtajeftät unb ©hren, SBie fann bod) beine ©hriftenheit dein Sob genug ber- mehren? du bift feßr tjod^ unb wunberfam, ©ang u n* begreiflich ift bein üßam, 5£>eirt SSefen unerforfdjlid). 2. 2Bir bauten bir, baß beine ©nab, Stuch weit wir hie noch leben, $n beinern Söorte fo biet hat UnS offene bar gegeben, daß bu bift wahrer ©ott unb ©ott Später, ©oßu unb §eitger ©eift, dreifältig unb bod) einig. 3. 0 93ater, aller dinge 0ueß Uttb Urfprung, fei gepreifet $ür alle äSunber flar unb ßeß, durch beine •Jftacht erwetfet; du $ater ßaft bor aller $eit den ein- gen ©oßn bon ©wigteit, dein ©benbilb, genüget 4. dn haft gemacht ben ©rbentreiS Stach beinern Söohlgefaüeu, UttS SÜtenfdjen brauf, gu beinern fßreiS, daß wir bein Sob erfeßaßen; Sluch wirb bttrd) beineS SötunbeS SBort dies alles immer fort unb fort ©galten unb regieret 5. drum fteh, o $8ater, ferner bei Uns, beinen armen Äinbern, Unb äße ©chulben uns bergeih, SllS bußfertigen ©ünbern; 5luS unfern ÜJtöthen mannigfatt ©rrette uns unb hilf uns halb, 2öie btt unS haft besprochen. 6. 0 3©fu @hriße> ©otteS ©oßn, $on ©wigfeit ge= boren, UnS Sltenfchen aud) ittS Rimmels dhron gum ■ütittler auSerlorett, dttreh bid) gefdjid)t, was nur ge= fdjicht, 0 wahrer ©ott, o wahres Sicht $ßom wahren ©ott unb Sichte! 7. du bift beS SSaterS ©bettbilb Unb hoch bom §im= mel !ommen; SllS eben war bie $eit erfüßt, §aft bu gleifcß angenommen, |jaft uns erworben ©otteS $utb, SBegaßlet unfre ©iinb unb ©ernad)er aud) nimmft bu un§ auf, 3öenn bu gibft mafjre Bleue; $)urd) btcf> mirb unfre Hoffnung feft, Unb memt un§ äße SBett öertäfjt, Steibft bu bei un3 im fersen. 11. SBir bitten btd^ bemütt)igtid), *J)af3 e£ mag ja burd)= bringen, 3ßa3 mir burcf) ©eufger oft oor bid) Sn unfern •Köttjeu bringen; Unb menn bie tefjte ©tuttb ba ift, ©o t)itf, bajg mir auf ^©funt ©tjrift ©etroft unb fetig fterben. 12. ©ott BSater, ©of>n unb .^eitger ©eift, $ür aße ©nab unb ©iite ©ei immerbar ooit un§ gepreift BJiit freubigent ©emüttje; Xeä §intmet3 |jeer bein ßob er= ftingt Unb Zeitig! Zeitig! tjeitig! fingt. SDaö tt)un mir aud) auf ©rben. SHbeitbgebet* t «^eiliger breieiniger ©ott, twtt ©rexibe unb Vergnügen trete id) nod)ma(§ nor beinen £ljron, efye id) p. meiner Dtu^eftätte eile, toeil id) f)eute bie fröl)Ucf)e Sotf^aft nernömmen fjabe unb mm berfelben überzeuget tnorben bin, bafe bn in bie bergen berer, tt>eld)e bid) lieben, fommeft nnb in tljnen mofjneft. £)ag tjalte id) für bie allergrößte §errtid)feit, beren nur ein nernünftigeS ©efdjöbf Slfcenbgebet. 197 oon bir fähig ift, unb barüber ift meine Seele oergnügt unb hüpfet oor fjfreube. $)ie äöelt ur= teilet gmar anberg unb meinet, bag feien itn= glüdfelige TOenfdjen, welche ihr §erg bir gur Söohnmtg einräumten, inbem fie nid)t allein aller SVeltluft fid^ entfdjlagen, fonbern auch immer im $ampf unb Streit ftefyen müßten, bamit feine Sünbe eine ^jerrfdjaft über fie gewinne. 3errlich= feit unb Seligfeit bereitet ift. 3$ fe^ne mid) baher n ad) beiner ©nwohnung, unb trage nad) berfelben ein innigeg Verlangen. Äomm, o brei- einiger ©ott, fomm in meine Seele unb wohne in mir. Velebe unb beljerrfche mid). üDiache mich gang neu. Saß mid) nidt)t mehr mir felbft leben, fonbern bem, ber für mid) gcftorben unb auferftanben ift. 3$ weiß, baß biefe beitte @in= Wohnung feine bloße ©nbilbung fei, mofür eg bie üerfehrte VMt gu holten pflegt J fie ift aud) feine bloße ÜKittheilung beiner ©aben, no(b oiel weniger eine Vergötterung, fonbern bu fommft felbft beinern 3Befen uad) gu ung, nicht wie bu bei allen ©ottlofen bift, fonbern burd) beine be= fonbere ©nabe, ba wir fo genau mit bir oerbun= ben werben, wie bie $tebe mit bem VSeinftocf, bag §aupt mit ben ©liebem unb bie Seele mit 14 198 SCbenbgeBci, bem Seibe oerbunben ift. 0 ber unauäfbredb= liefen ©nabe! 3Bie bod) abelft bu, o ©ott, bie deinen, bafe fie beine3 ©eifteg unb beiner ^raft follcn tbeübaftig merben! ^iebft bu alfo ein in meine @eele, fo lebe iib nidbt mefyr, fonbertt bu lebeft in mir, bu rebeft aug mir, bu manbelft in mir, bu mirfeft in mir alles. Safe mid) bero= megen in beirter Sraft beftänbig einbergeben, bamit eS immer non mir beifee: Siebe ba, eine §ütte ©otteS bei ben SRcnfdjen ! SBiffet ibr nid)t, bafe 3©fuS ©briftuS in eud) ift? hieraus ent= ftebet meine mabre ©lücffeligfeit, auf meldbe idb midb non §er^en freue unb bie icb febnlid) münfcbe, ©in bettet Sidjt gebet nun in mir auf, barin idb meine Sünben unb beine ©nabe febe, unb ba= burdb ermuntert merbe, jene gu fliehen unb biefe •ju fudben. SlteueS Seben fommt mit bir in mid). üftun bin idb nidb.t mehr obnntädbtig, bafe mid) eine febe Sünbe fönne btnreifeen, fonbern icb oermag alles burdb bidb, ber bu midb mächtig madfeft. 9tun bube idb äroft in allem Selben, in allen gufällen, bei allem Anliegen. 2Bie glü(f= lidb bin icb alfo hier in ber $eit! Xtnb mie felig merbe idb aud) fein in ber ©migfeit, menn id) in berfelben in beiner ©emeinfdbaft bleiben unb bid) feben merbe, mie bu bift! $d), b^f wir biequ in ©naben. Safe midb im Stanbe ber 2>er anbädjüge G^rift betrachtet ben <3d)u$ ber fettigen Gugel. 199 ©naben verbleiben unb madjfett, unb btd) nie= mate rnieber non mir treiben, fonbern mit bir vereiniget fein, bi3 id> emig in ber Stoigfeit bid^ flauen !ann* ©rffalt mtdj, §©rr, im ©tauben, ^afj tcfj att beinern Seib, SSie am SBeinftoct bie Strauben grud^tbar unb feft befleib. 9ttem ^erg, Sinn unb ©emütfj ©rneure unb regiere, Sötern ,8unge felbft auch fütjre, Sdfo fingen mit: ©fr fei bem SBater oben 3m aßertjö elften £l)ron, @(jr fei mit ®aitf unb Soben ©eim allerliebften ©ofjn, ©Ijr fei 31t aller $eit 3)ent §eilgen ©eift gefungen 3n allem Sßolf unb 3ungen, |jeut unb in ©miglett. Ser anbädjtigc C£f)rift betrachtet am iltiidjaclisfefte ben ©dju$ ber heiligen (£tigcl. iHitfmiuiterung. ®te (Srtgel ftnb aUjumal bienftbare GJeifter, auägefanbt ^urn SDienft, um bet willen, bie ererben foHen bie ©eligfeit. §ebr. 1, 14. ©3 finb bie ^eiligen ©ngel tion ©ott erftf)affen morben §u feinem $)ienft unb ©Ijren, al§ meldje allezeit um feinen sfcfjron fielen unb feinen S3efef)I auöridjten. StBenn ein großer Sättig feine Seibmaefje unb Slufmärter einem artbern gitm SDienft befteöete, fo märe e§ Siebe unb ©nabe. 2)af)er 1) bautet ein gläubiger ©fjrift für biefe befonbere ©nabe, bafj ©ott nid)t allein fid} felbft ben 9)2enfrf)enfinbern mit aßen feinen ©ütern unb ©aben $um ©enuß, aud) 3©fum ©Ijriftum gum §etl ber ©eelen, beit ©eiligen ©eift gum Ströfter unb f^ütjrer, fonbern audj bie ^eiligen ©ngel gu SBäctjtern gefdjenfet l)at. 2) $u bem ©nbe treibet er biefelben burd) mutljmitlige ©ünben nidjt oon fidj, fonbern erfreuet biefelben oielmeljr burdi feine 23ujje unb burdj einen gottfetigen SBanbel 3) ©r 200 $er anbädjtige ßfjrtft betrautet trautet auf ©rben ben ©ngeln auch gleich gu merben, ©ott täglich 3U loben, $u greifen, ihm §u bauten unb ben ißm gefälligen ^Dienft jn leiften. 2öer att^ier ein Teufel auf ©rben, ich tüiü fagen ein miberfpenftiger, ßal&= ftarriger, unbefe^rter -äKenfch unb freier ©ünber bi§ in ben Stob bleibet, ber fann nach feinem £obe ben ©ngeln nimmermehr gleich roerben. 4) ©in gläubiger ©hrift befleißiget fich bemnacß nad) ber britten 93itte, ©otteS SöiOen $u thun auf ©rben, tote er gefdjiehet im $immeL 5) 2)ie ©nget betet ein ©laubiger niefit an, al$ welche ©hre nur bem §©rrn ber (Singel, aber nicht ben S0tit= fnechten gebühret, Dffenb. 19, 10» 6) Sn foldfer $Ber= faffung be3 ©lauben3, ber Siebe, ber ffrömmigfeit unb ©ottegfurdjt beharret ein gläubiger ©hrift bi§ an fein ©nbe, unb weiß, baß bie heiligen ©ttgel nicht allein auf feinen $8eruf£- unb oon ©ott gebotenen Siegen ihn wer= ben öor Uuglütf behüten, fonbern baß fie aud) bei feinem S£obe um fein SBette flehen, unb nach bem £obe bie (Seele in 2lbraf)am3 ©djooß begleiten werben* ©$ eb et SDer ©ttgel be3 §@rrn lagert ftd> um bie her, fo ihn fürsten, unb hilft ihnen au§* ®u barm= herziger unb liebreicher ©ott, mie freue ich mich, bafj bu beitte heiligen ©ngel mir gum @ gu mir naljet: foEte idj foldjeg nid)t beiner $ater= treue, S3aterltebe unb Sarm^ergigfeit gufd)rei= ben, bafe bu burd) beine Siener midj alfo erhalten 202 SDer artbäctytige (E^rift betrachtet unb behütet ^aft? 0, mie Diel ©efahr Ijoft bu burch ben mächtigen Schuh beiner heiligen ©ngel abgemenbet, baoon ich nichts gemußt! üftun, mein (Sott, bafür fei hochgeliebet unb hochgelobet oon nun an big in ©migfeit. 3$ bitte bich auch, liebreicher SSater, befiehl beinern ©ngel ferner, ba& er fomrne unb mich, bein ©igenthum, be= mache, 2a& beinen ©ngel ©efahr unb Unglücf non mir abmenben, mie oon ^ctfob, meinem bie §eere ©otteg begegneten unb ihm gur Seite gogen, ba ihm bie größte ©efahr oon feinem trüber ©fau beoorftanb. ^ernähre mein £>aug burch beiner ©ngel §eer ringg umher, mie bag §aug §iobg; lafj fie bei mir fein in üftöthen, mie bei Daniel; laß' fie bag Unglücf oon mir treiben, mie fie bie flammen oon ben brei Wän- nern hinmegfUefeen ; lafe fie meine Nahrung unb täglich 33rob behüten, mie ber ©ngel bem ©lia 5Brob unb SBaffer brachte; ja, laf$* fie um mich her lagern, mir äugelten unb mich begleiten auf ben Reifen, mie £obia, Weh, bu gütiger ©ott, oerleihe mir beinen ^eiligen ©eift, ba& ich biefe beine ^eiligen ©efchöpfe nicht möge mit meinen Sünben betrüben, ober mit meinem ruchlofett 2 eben oon mir treiben, bafj fie oon ferne fteljen unb oor meiner 33ogheit meichen müffen. ®ib, ba§ ich ben ©ngeln in biefern 2eben fchon möge ben <3dju$ ber ^eiligen ©ngel. 203 gleidj werben in beinern SDienft, Sob, ©etjorfam unb $rei3, bomit id) and) ben ©ngeht gteief) werben möge in ber fronen unb feligen ©wigfeit. $)ein SBille gefd)el)e auf ©rben wie im §immel, fott (jinfüro mir immer in ben Dljren unb in bem bergen ergingen* 9Jiein ©ott, (afj and) beine fjeiligen ©ngel bei mir bleiben im (Sterben, bamit fie aisbann meine Seele in Slbrafjamg Sdjoofe tragen unb p, beiner §errlid)tcit beglet= ten mögen. Sag mid) bafelbft in ifyrer ©emein= fc^aft unb ©efellfdjaft in ©wigfeit fein, mit ifynen mid) über beine §errlid)feit unb SDiajcftat er= freuen unb ba£ §ei(ig, heilig, Zeitig ifi ©ott, ber §©rr 3e^a°tt> ! anftimmen, unb bid), wie für alte, alfo aud) für biefe SBoljlttjat ewig (oben unb greifen. ©ott, aller ©elfter ©eift, §©rr aller ©erahnten, SDer feine Steuer tyeijjt Un§ SEfienfdjen 5U bebieiten, §©rr gebaotl), nur bir ©ebüljret ^anf bafür, Söir gefeit au§ unb ein, ©0 lab fie un§ begleiten; Söenn roir entfdjlafen fein, ©0 fteEe uu§ pr ©eiten 3)ie SBadje beineg iljrong, 3)ie ©tarfen ©atomon§. ©djaff, bab fie überall SDie §anb un£ unterlegen, Unb lab itn3 leinen gatl Slu§ ifirem ©djoob bemegen; $f)r Säger fdjlieb mtg ein, - SBann wir belagert fein. SBaitn wir, be§ ©iteln lo3, 2?te ©terbelieber fingen, Sab uns in 9lbram§ ©rfjoob $5urcl> biefe STräger bringen; Sttad) miS in beinern Üteid) 3)en ©ngeln felbften gleidj. Simen. 204 3)et anbädjiige betrautet ben ergeng Söunfd), Simen, er merbe mahr. 33er gläubige ©&rift bittet um seitlichen unb ewigen Segen. 205 dritter TJictl. ©fbctc not allerlei gn|tlidje uni» leiblidte lUaljlt&atfn. ®cr gläubige Sfjrifi bittet um seitlichen, geiftiidjeu unb ewigen Segen. (Sä fegtie unä ©ott, unfer ©ott. (Sä fegne unä ©ott, unb alle 9Belt fürchte it)n. 67, 7. 8. ©in jeber ©tjrift betet unb bittet etmag üon ©ott; babei aber foll ein jeber mof)I ermägen, mie er betet unb mag er bittet, ©in ©brift bittet 1) um leibliche $)inge, um ©efunbbeit, 6egen, Sftabrung, Slbmenbung ber ©efabr, fjülfe in S^ottj, 33eiftanb im Seiben, ©rret= tung aug Ungtücf ; unb bergleiif)en ©ebet fann ©ott mof)l leiben, meil er biefeg atte§ ung in feinem Zeitigen 28ort üerbeifjen bat. Slber ber ©brift bleibet nicht babei ftetjen ; biefeg ift bag ©eringfte. ©r bittet 2) fonberlid; um geift= liebe SDinge, um ben ^eiligen ©eift, um ein frommeg 4per<5, um bag Steidb ©otteg, melcbeg ift ©eredjtigfeit, §riebe utib $reube in bem Zeitigen ©eift, IRöm. 14, 17. ©r bittet um ©rleudjtung, SBaöjgtfium in bem ©uten, Heiligung unb um bie ©aben beg ^eiligen ©eifteg; bie= feg ift bag SSornetjmfte, mag er non ©ott bitten unb er- langen fann, unb menn ihm foldjeg mirb oerlteben, fo hält er eg für feinen größten 9teii^tf)um. ©in ©brift bittet 3) aud^ um emige £>inge, nämlich um ein feligeg ©nbe, um einen fröhlichen Slbfcbieb aug biefem Seben, um ben ermünfcbten ©intritt in bag ^reubenleben, ba- mit er ba ©otteg Stngefidjt flauen unb mit meinen 206 2)et gläubige Gfyrift bittet Leibern angetan fic^ nad) bem Kampfe emiglidj in if>m erfreuen tonne. 5tIfo mufj ein ©laubiger beten fonber= licf> um geiftticbe uub btmmliftfje ©iiter, wenn er recfjt uub ©ott mo^Igefätlig beten null. SDabei rnufc er fid) aber 4) eineä unfträftidjen, djrifilidjeit 2Sanbe(6 befleiß gen, bamit fein ©ebet nidjt burd) ein böfe§ ©emtffen üertjinbert roerbe. <& e b c t* 0 bu reifer unb gttiibiger ©ott, n>ie gro& unb perrlid), tt>ie reid) unb mäd)tig bift bu ! £>tt t)aft affe# unb fannft aud) affe# geben, ©ielje, id), beitt ^linb, id) tomme 31t bir unb bitte btd> um bellte ©aben. $)u meifet, bafc id) nid)t# mit in bie äöelt gebrad)t, bafe id) aud) nid)t# Don mir felbft fyabe, al# bie ©ünbe; bafyer affe#, um# id) ©ute# an mir tjabe, ba# tommt non bir; bettn ade guten ©aben unb affe Dofffommenen ©aben fommen oott oben tjerab; \a, ma# ^aft bu, 0 äKenfd), ba# bu nid)t empfangen f)aft? 2ld), mein ©ott unb $ater, tnad)e mid) fonber= lid) an meiner 6eele reid), gib mir beittcn §ei(i= gen ©eift, gib mir ein frommet §erj, befepre mid), erleuchte mid), bamit id) täglirf) ein neuer Sföettfd) merbe. §ilf mir fampfen unb arbeiten, ba§ id) bie böfe Suft be^mittge, bie böfen ©e= mopnljeiten ablege, mid) Don ber Söelt abfonbere, hingegen meinen Selb unb meine @eele bir er= gebe gu einem Dpfer, ba# ba lebenbig, heilig unb um 3eitlidjen, geiftlidjen unb eisigen ©egen. 207 bir woijlgefüdig fei. Siefye, mein ©ott, wie id) in ber 2öe(t fo Dielen ©efafyreit unb 35erfiit)= rungen unterworfen bin; barum (eite bu mid) burd) beine $raft, bafe id) nid)t oerfüfjret werbe, noch Don bir abweidjen möge. 2öof)ne in meiner Seele, bef)errfd)e mein §erg, unb oerleifje mir ©nabe, bafe id> ein (ebenbigeg ©lieb an bem Seibe meinet Sßfu unb eine neue ©reatur fei, fo bin id) in ber 2Be(t reid) genug, geefjrt genug, glücffelig genug. Sorge aud), o gnäbiger ©ott unb Sßater, für mid) in bem 3rbifd)en; bu weifet, toag id) bebarf, bu fiefyeft, wag mir fehlet; aber gib mir nid)tg nad) meinem, fonbern adeg nad) beinern Söiden. 3ft mir ©efunb^eit ^eilfant, ad), fo gib mir einen gefunben ßeib gu befto glücf- lieberer $8errid)tung meineg $erufeg. ©ib mir Nahrung unb Reibung, Weil bu weifet, bafe id) o()ne biefelben nid)t (eben tann. begleite ntief) auf meinen Siegen, behüte mid) oor Unglücf. Sege beinen Segen meiner Arbeit bei; bemt wag bu, §@rr, fegneft, bag ift gefegnet ewiglid). ®u t)aft mid) in bie SQSelt gefegt, fo wirft bu aud) mid) wof)l ernähren unb gu oerforgen wiffen. 3dj werfe ad mein 2In(iegen unb ade meine Sor= gen auf bid). $ld) ©ott, forge für bein £inb, er= tja(te bein $inb, unb (afe mid) beine SBatertreue unb ©nabe (jinfort reid)lid) geniefeen. Söeil bu 208 2)er gläubige E^rift bittet mid) ober, o großer ©ott mtb Skater, bloft um biefeg irbifdjen Sebent mißen erfd>affen Ijaft, fo fyoffe id) aud) nodf) auf größere ©üter; benn tjätte iß) nidjtg oon bir 3« ermarten, alg mag tß) tyiergu empfangen Ijabe, fo märe id) ber elenbefte äUJenfd) ; barum, mein $ater, gib mir aud) bie l)immlifd)en ©üter; erhalte mid) im ©tauben big an mein le^teg unb feligeg ©nbe; laft mid) an meinem ©nbe auf ßfyrifti £ob abfdjeiben; bie Seele nimm hinauf gu bir, gu beinen Qtouben. @ib mir and), toentt eg bein ^eiliger SBilte ift, ein öernünftigeg ©nbe, unb bringe mid) nach bem Ausgang aug biefem Seben gu ber Sdjaar ber $ugermäl)lten in ben §immel, bafe id) mit iljnen gefrönet, oerfläret, mit meinen Kleibern gegieret, bein Ijeiligeg 2lngefidt)t flauen unb mid) in bir emigtid) erfreuen möge. $ld), mein ©ott, fyöre bie Stimme meineg Siemens, unb oertoeigere nidjt, mag mein 9J?unb bittet, ©ib mir oon ben trbifd)en Gingen fo oiel, olg bir gefällig unb mir Ijeilfom unb felig ift, aber in geiftlidtjen unb f)imntlifd)en Gingen gib mir ein reidjeg 9JJafg beiner ©nabe, unb bringe mid) alg bein $inb bermaleinft gu ber Skrfammlung ber ^eiligen im Sid)t, bafc id) £)ier im ©tauben unb in ber Siebe, unb bort in ber ©migfeit mit bir bereini¬ get bleibe. um jeitltdjen, geiftliiffen unb einigen ©egen. 209 Unfern Stuggang fegne ©ott, Unfern ©ingang gleicher¬ maßen ; Segne unfer täglich 23rob, Segne unfer £t)un unb ßaffen; Segne un§ mit fetgem Sterben Unb rnad) uns ^u |>immel3erben. Urnern <&ef attg* 2M. ; 0 ©ott, bu frommer ©ott, 1. SMn SSater, bent an mid)! Sfd), gib mir beinen Segen, Unb tl)u jetjt auch an wir, 2Bie treue SBäter pflegen; ©ib, mal id) nötfjig f)ab Unb ma3 mir nü^tidh ifi; $d) fd)au allein auf bidh, SBeif bu mein SSater bift. 2. Std), gib mir beinen ©eift, 3)a3 mafjre Seelenleben, Unb wirft bu mir burd) iljn ©in fromme^ $er$ aud) geben, So bin id) reidh genug, So bin id) recht begliidt, 28eil mid) bein guter ©eift SJtit feinen ©abeit fdjmüdt. 3. ©ib mir mein tägtidh 33rob, ©efunbfjeit auch be3= gleichen, ßaf) beineu Segen nicfyt $on meiner Arbeit meieren; 2öenb aße3 Ungtüd ab, begleit mid) au§ unb ein Unb lafj bei Sag unb Stad)t SJtid) bir befohlen fein. 4. Safe mid) in $©fu ©l)rift £>ier leben unb aud) fterben, Unb taf) mid) burd) fein 33lut Sie Seligfeit er= erben; ßafj miefy nor beinern Sf)ron $n meinen Kleibern ftefjn Unb, $©rr, bein Stngefidjt SJtit aßen frommen fef)n. 5. 9ftein ©ott, erhöre mid), Stuf btd) ftef)t mein $er= trauen, $d) merb nod) meine ßuft Stn beiner ©nabe* flauen; SQleitt $er^e, ©eift unb Sinn Sei bir allein ge= rneifit; SOtein Segen, $reub mtb Sdjajj SBleibft bu in ©roigfeit. 6. SBofjlan, id} bin erprt, ©ott mirb'S au§ ©naben geben, Srum miß id) SJtunb unb §ers SJtit San! §u ifjm erheben : Sftein SSater, fdjenfe mir, Siemeil ich leb auf ©rb, 38a§ bu mir jugebadjt, Stur baß id) feüg merb. 210 35ec gläubige Gfyrift banfet GJott für feine Öefunbljeit. Aufmunterung. ift beffer, einer fei arm, unb habet frtfd) unb gefunb, benn reich unb ungefunb. ©efunb unb frifd) fein ift beffer, benn ©olb, unb ein gefunber Seib ift beffer, benn grofj ©ut. ift tein SReidjtbum $u Dergleichen einem gefunben £eibe, unb leine greube ber §erjenS 5reu^e gleich- ©ir. 80, 14 — 16. ©leicßmie ©ott ben Sttenfcßen unterfdßieblicße ©abett auStßeilet, geiftlicße unb leibliche, fo mag man moßt unter bie teibtid^en als eine ber oorneßmften mitredßnen bie ©efunbßeit. ©in gefunber SCRenfcfi ift ein gliicfticßer Sttenfcß, menn er babei fromm ift; er ift aber aud) ber unglüdfeligfte, menn er gotttos ift. ©in gefunber Sfteitfcß ift glüctfetig, meit er fann ©ott unb feinem Sftädhften um geßinbert bienen, feinen Söeruf abraarten, unb met ©ute§ Derricßten. $ft aber ber Sftenfcß nicßt fromm bei feiner ©efunbßeit, fo mißbrauchet er biefe eble ©abe auf baS entfeßlicßfte pr Ausübung oieler ©ünben, ©Rauben nnb Bosheiten. D, mie ßeilfam märe es manchem SOienfcßen, menn er laßm, ftumm unb btinb, ober mit ©cßmergen be= haftet märe, bamit er mit feinen mit ber |}unge, mit betx klugen unb mit feinem Seib nicht fo Diele ©üm ben auSiibete; baßer aud) auf fotcßen Mißbrauch ber ge¬ funben SeibeSglieber bereinft eine fernere $erantmortung ’unb ©träfe folgen mirb. ©in maßrer ©ßrift erfennet bie eble SBoßltßat ber ©efunbßeit, unb gmar 1) menn er feine gefunben ©lieber anfießet, fo banfet er ©ott bafiir. 2) ©r menbet feine ©efunbßeit an, ©ott p bienen, baS ©otteS= ßauS anbäcßtig p befucßett, unb in feinem ©ßriftentßum ppneßmen; 3) feinem 9?äcßften SDienfte p ermeifeit; 4) feinen 93eruf treulich unb aufrichtig p ooübringen. 5) ©r erfennet, baß bie ©efunbßeit fein emig unb beftäm big ©ut fei, fonbern baß auf einen 2Sinf beS lieben ©otteS fieß ©eßmerjen, ®ranfßeit, Saßmßeit ber ©lieber unb ein Set gläubige ®&rift banfet ©ott für feine ©efurtbtyeü. 211 ungefunber £ei6 einftnben fömte; 6) er mißbrauchet ber= falben in gefunben Xagen feine (Befunbtjeit nitfjt §u 9Jtutf)mitten, $ermegenf)eit unb Söopeit, bamit, menn bie Äranfpiten nnb ©djmeräengtage fontmen, ba3 ©e= roiffett nicht jage: 5E)a3 ift eine ©träfe ©otte§ megen be§ $0iißbrauch§ beiner ©efunbpit; toie beim alfo (55ott manchem gefunben, aber unbänbigen 9ftenfcf)en 3aum unb ©lebiß burcß 3uft allein in beinern 0of= fart unb gredjpeit, fonbern gib mir mopf gu erlernten, baß bu mid) baburd) mibft aufmuntern gur Stanfbarteit unb Qtfömmigfeit. §ilf, baß id) in^tünftige unb $eit meinet Sebent meine ©efunbfjeit anmenbe gu beinern Sob unb beiner ©pre, gu !ftuß meinet 9Zäd)ften unb gur $oll= bringuug ber ©efdjäfte meineg SJerufg. ©rßalte mir nad) beinern ^eiligen D^atf) uub ^Billen meine ©efunbpeit unb geraben ©lieber, bamit id) un= geßinbert unb eifrig bein §aug befugen unb in beinern Stempel £ob= unb t)an!lieber anftimmen tonne. @ib mir beinen ^eiligen ©eift, baß id) meine gefunben ©lieber peilige gu beinern 0ienft, unb meinen gefunben SBerftanb gum 2Bad)gtljum in beiner ©rfemttniß. 0 mein ©ott, gib mir ^raft unb starte, an bem inmenbigen SRen= fdjen gugunepmen, baß id) gefuub fei im @lau= ben, brünftig im ©eift, gebulbig in ^rübfal, an= bärtig im ©ebet, aufrichtig in ber Siebe gegen bid) unb ben 9?iid)ften, djriftlid) im Seben, fröp= 2)er gläubige Sbtift bautet (Sott für feine (Scfunbtjeit. 213 lidE) in ber Hoffnung unb getroft im Stöbe. 2ld), heilige ntidb; fegite mid); bein guter (Seift führe miaj3 bein §erg nid)t tro^ig merb; 2)enf in beinern ©lüd unb prangen, 2Bie bir'S ebmatö ift ergangen; 3)enf in ©lüd unb §errticbfeit 2lucb an bie bergangne geit. 2. S3ift bu nun gefuttb unb ftefjeft, $)eitf auch an ba6 ®ranfenbett; Sßenn bu fröblidj einbcrgebeft, SDent auch an bie ßagerftätt; Söift bu mieberum gencfen, SDenfe, baff bu trän! gemein; 2)enf in ©lüd unb £>errlicbfeit Sind) an bie bergangne geit. 3. 33Iüb>t bir §reub unb lauter ©lüde, ©tebet’3 um bitb tuobl jejjunb, £)enf btemeilen auch gurüde, 2öie eä bod) bor biefem ftuitb, Sie e§ f d)led)t um bid) auSfabe, 2Bie ba3 ©teilt» bir mar nabe; Sbenf in ©lüd unb |jerr- liebfeit Sind) an bie bergangne $eit. 4. 93ift bu reich unb grob an ©d)ähen, £)enfe babei immerbar, Um in ©ott bicb gu ergäben, 2)ab e3 borbent nicht fo mar; ©elig, mer bie $>emutb liebet, SEöeun ibm ©ott biel ©üter gibet; ‘Senf in ©lüd unb ^»errticfjfeit Stucb an bie bergangne $eit. 5. $8on beit bo§en ©brenauen, darauf bir?§ nadj SBunfcbe gebt, ©oltft bu in bie £iefe flauen, Unb menn ba ein §lrmer ftebt, £>enf: fo bin ich auch geftanben $n bergleidjen Xrübfaföbanben; $)eitf in ©lüd uitb $errlid)5 feit 2ludj an bie bergangne geit. 15 214 $er gläubige ßfyrift bittet, 6. 3)iefe feligen ©ebanfen galten bich gu aller Bett 3n ben magren $emuthgfchranfen, führen bid) gur ffrrömmigfeit, 2>af} bu nimmer bich erljebeft, Vielmehr ©ott bie ©hre gebeft. SÖIeib in beinen klugen flein, So wirb ©ott bir gnäbig fein. Ser gläubige (Tfjrift bittet, ©ott tooKe fein #erj heiligen. Jlufmutttermtg. ^aget nad^ bern Rieben gegen jebermann, unb ber Heiligung, ohne roeld>e toitb niemanb ben §(srtn feigen. §ebr. 12, 14. 2Benn fic^ ein gläubiger ©hrift in feinem natürlichen 58erberben anfie^et, fo erinnert er fid), 1) bafi er fid) felbft nicht heiligen fann, fonbern baff bag ein 28erf ©otte« ift; 2) berohalben braucht er bie t>on ©ott gut Heiligung oerorbneten fütittel. ©r gebenfet an feine heilige $aufe, barin ber ^eilige ©eift über ihn augge* goffen morben unb in feinem |>ergen SBohnung genom= men hat, unb forfdjet fleißig nach, ob er biefen guten ©eift in ben fpäteren fahren nid)t burd) muthmißige Sünben mieberum oertrieben ha&e* ©r met§, bafj bag heilige 2lbenbmahl eine Speife ber Heiligung ift; bar um trachtet er, menn er bagfelbe empfähet, baff baburch Seele unb Seib unb ade feine ©lieber mögen geheiliget merben. ©otteg SBort höret er anbächtig unb behält bag ©ehörte in feinem §ergen, bamit er in ber Heiligung gunehmen möge. 3) 3)enn eg foU bie Heiligung gefchehen fomohl an ber Seele, alg an bem Seibe, burch ©otteg ®raft unb beg ^eiligen ©eifteg äöirfung. $ft bie Seele geheiliget, fo mufj bag gange Seben in ber mähren Heiligung ge= führet, fo muffen alle ©ebanfen, SBorte unb Söerfe nad) berfelben gebilbet merben. 4) SDiefe Heiligung fott in Beiten gefchehen, nicht erft in bem Filter ober auf bem Stobbette, fonbern biemeil man nodj beten unb bie -tütte ©ott tootte fein Jgerj ^eiligen. 215 tet bcr Heiligung mit gutem SSerftanb gebrauten fann. 5) Sole |e Heiligung foÜ man ^ernai^ bemeifen 511 alten feiten, bet allen ©elegenfjeiten, auch menn man obngefäljr bet SSettfinbern fid) befitibet; ba follen mir in ©eberben, Söorten unb SBerfen geigen, bafj mir ein gezeitigtem §erg Zaben, unb bafj ber ^eilige ©eift unfern $htnb unb ba3 gange Sehen regiere, SotcZe gezeitigte «Seelen merben aud) bereinft gur SBoZnung ber ^eiligen im Sidjte ge* langen. ® t b e U 0 bu ^eiliger ©eift, id) erfd>recfe allezeit, menn in meinen 0Zren beine Stimme erflinget: 3Z* fotlt Zeitig fein, benn idZ bin tjeilig ; unb mieberum: 0Zne bie Heiligung mirb niemanb ben §©rnt fdjaueu. Üffienn id) biefem ermäge unb bagegen ^alte mein unZeiligen §erg, meine un= Zeitigen ©ebanten, unZeiligen SBorte, unZeitigen Sßerfe, fo geratZe id) oftmals in grofce Wngft, unb idZ f®rr, bie ^eiligen Zoben abgenommen. 0 barum, bu Zeitiger ©ott, gib mir allen moZt 3u erfennen, bamit i(Z mid) möge 216 Sec gläubige Greift bittet, mit rechtem @rnft ber mosten §eiligmtg in= menbig unb au^menbig befleißigen. 0 3®fu, Zeitige mtd) burd) beine ©cred)tigteit, burd) bein $erbienft unb ©lut; ad), freute mir non Statur Unheiligem beine £>eiligfeit, auf baß id) barin, als in meinem fdjönften or beinern himntlifd)en $ater erfdjeinen unb hefteten tönne! ^eilige mein Seben burd) bein ßeiligeg 2Bort. ^eilige mein §erg, baß e§ immer mit guten @e= banfen möge umgehen. §etligc meinen Ü0htnb, baß er nidjtg Unanftänbigeä, Und)riftlid)eg unb ©öfe§ möge reben. ^eilige meinen ^Bitten, ba= mit id) ba3 allein motte unb ooltbringe, mag bir gefällig ift. 0 heiliger ©ott, ^ieße mich ab non ber 2öelt, nercinige mich mit bir, bamit id) in mir burd) beinen ^eiligen ©eift ba§ ^eugniß habe, baß id) al3 ein Sinb ©otteg neu geboren fei unb in ber ©nabe fteße. Saß aber auch biefe Heiligung mahrhaftig fein, bamit id) nicht etma nur äußerlich heilig fei unb ber Heiligung mich befleißige in ber ^ireße, bei bem heiligen 2lbenb= mahl ober menn id) fonft bei heiligen |>anb= langen bin, fonbern baß id) aud) möge mahr= haft heilig fein unb mich ber Heiligung beftreben an allen Drten, 311 allen feiten, bei allen @e= legenhetten, and) menn id) gar unter SBeltfinbern unb in ihrer ©efettfdjaft leben muß, baß ich bann ©ott motte fein §er$ ^eiligen. 217 al3 ein $tnb ©otte§ möge rebett, leben nnb tfjurt, unb in folgern feligen Stonbe bleiben big in ben £ob, ba bu mid) mirft bringen %u ber @djaar ber ^eiligen nnb 2lu§ermäl)lten in bem emigen greubenlidjt. 2)u bift heilig, lab mich toerben fftein unb heilig immer mehr; Xöbt bie ©lieber, bie auf ©rben SBiberftreben bei= ner ©h*; mid£j in bem neuen Seben SBachfen unb ftetö ba^in ftreben, $ajü bie 0eet mit ©otteg S3itb Stuf bag neue toerb erfüllt. Simen. ©cfattg. 3M. : £> ©ott, bu frommer ©ott. 1. (Sott otjne Heiligung $>en |j©rren uiemaub fdjaueu Unb auggefdjloffen fein $on jenen „fpimtnelganen, ©o tradfjt icf) nun mit $teifj 3n biefer ©nabengeit, $)afj ich gelangen ntög ßur roatjren |jeiligfeit. 2. SDod^ mich gu heiligen, ©rforbert hohe Kräfte, ®ag fommet ©ott nur gu, $)enn bag ift fein ©efd^äfte; 3)runt bringe mid), o ©ott, gm magren Heiligung, Sich, mirfe bu in mir $>eg §ergeng Slenberung. 3. Sld), heilige mein |jerg, ©ib heilige ©ebanfen, 3)afj meine dritte nie SSon beineu SBegen toanfen. Sich, laffe §erg unb ©eift 33eftänbig heilig fein, Sttad) eg non fd)nöber Suft, SSon ©ünb unb 33ogf}eit rein. 4. Stet), heilige mich gang, $)ie ©lieber, SJhtnb unb $änbe, $)aj3 itfj fie nur allein beinern 5)ienft anmeitbe; f>erg, ©lieber, SJZunb unb |>änb @inb ja bein ©igenthum, 3)rum brauch ich fie allein 3n beineg Stomeng SRuhtn. 5. Sich, mein ©ott, heilge mich, $a, heilge @eel unb £eben, Sltg meldje ich hiermit SDir miß gu eigen geben; $itf, baß ich ölf° leb Unb thue mie ein ©hrift, $n toeU <|em 3©fug lebt Unb ber in ©naben ift. 218 23er gläubige ©$rift bittet. 6. 3n fotd^cr Heiligung Saß micf) bereinft aud) fter= ben, £a§ midj burcf) ©|rifti S3Iut 2)a3 ^reubenreid) er* erben 9)2it allen ^eiligen; 3)a merb ict) eitrig rein, $m fdjönften ^riefterjdjmucf SSon bir gelieret fein. 33er gläubige dfjriit bittet, ©ott mode itm regieren unb leiten. Sfufismntetrttttg* 2Beife mit, #®tr, beinen sBcg, bajj id> roanbele in beiner 2Babt= Jjeit; erhalte mein §erj bei bem Einigen, bajj id) beinen Üiamen fürste, $f. 86, 11. @3 ift biefeä Seben nid|t3 anbereä al3 ein 2Beg; menn mir geboren merben, fo treten mir itjn an, unb menn mir fterben, fo pret mit bem Seben ber Söeg auf, unb mir treten in bie ©migfeit. §ier gilt e3, ma3 mir für einen 2Beg in biefem Seben geben. ©eljen mir einen guten 2Beg, ben 28eg be3 ©laubenä, ber ^römmigteit unb ©otteöfurdjt, fo enbiget fidj berfelbe in be3 §immel3 §errlid)!eit. ©eben mir aber ben breiten 2Beg, ben 2Beg be3 Unglaubens, ber Soweit, ber ©ottlofigfeit, fo enbiget er fiel) bei ber §ölle, in ber emigen SSerbammnifj. 333enn ba3 ein K^rift ermäget, fo foü er fid} 1) uorfteHen, mie er in biefem Seben gmei SBege oor fidj Ijabe, ben fc^malen ^immelömeg unb ben breiten §öHenmeg; aber er foH mit allem $leif$ auf bem §immel3meg einbergeben. 2) 3)amit er aber barauf treten unb bleiben möge, fo foH er fleißig ©ott um feine Regierung unb gübrung anfle^en, bafj er Ü)tt leiten unb regieren moüe. 3) bittet er ©ott um fein Ijeilige3 Seiten unb Regieren, fo rnufj er nicht neben ober um fidj feben, mie anbere 3Beltmenfcben leben, unb ma3 fie für 3Bege geben; benn menn er benen miÜ naebgeben unb folgen, fo fyöxet ©otteS ©eift auf, if)n gu leiten, ja, er meidet gar bon ibm. 4) SBie nun ein SSaitberSmann einen ©eleitSmann oonnötben fyat, ©ott tüoöe ifyrt regieren unb leiten. 219 ber igrn ben regten 3Beg geige, alfo bebarf audg ein glau= biger bag igm ©otteg ©eift ben rechten 2Beg geige, ben er manbeln fo II. $iergn aber gehöret bie ©inmog= nung beg ^eiligen ©eifteg int $ergen, bag eg öon igm geige: SBiffet igr nic^t, bag it>r ©otteg Tempel feib, unb ber ©eift ©otteg in eucg mognet? 1 (Sor. 3, 16. |>at man biefen treuen ©eleitgmann in fic^ unb bei fiig, fo mirb er aucg bie ©ebanfen, bie Bunge, bie 6inne unb 93egierben regieren. 5) tiefer geiligen Regierung miber* fe&et fid^ ber gläubige ©grift nicgt, er miberftrebet aucg bem ^eiligen ©eift nid^t, foubern läffet ficg führen, er= muntern unb leiten, unb ift oerficgert, bag er mirb mögt gefügret merben, hier geitlidj unb bort emiglicg. ö felige §rügrung! SBogl bem, ber ©ott gum $itgrer ^at! <& ebet. $@rv, bu erforfdgeft micg unb fenneft mid); bu oerftegeft affe meine SBege. $dg, bu fiegeft unb toeifet audg toogl, mein lieber ©ott, toie id) ein gerglidg Verlangen gäbe, auf beinen SBegen gu gelten, unb alfo gu toattbeln, toie bu eg beinen ffinbern befohlen, unb toooon 3@fug uns ein Sorbilb gelaffen gat, Mein idg ntu& leiber er= fahren, toie micg halb gier, halb bort eine Ser= fügrung oon bem guten Söege unb Sorgaben abgefügret. Salb oerfügret mid) mein eigeneg £>erg burcg böfeg ©elüften, halb reiget mid) bie 2Belt mit igrem böfen ©jempel; id) mag folgen, toern id) toiff, fo ergürne idg bidg, meinen ©ott unb £>©rrn, idg oerlege mein ©etoiffen, unb je näger id) gur 2öelt fomme, je toeiter entferne id) 220 2)et gläubige Sljrift bittet, mid) oon bir. 0, barum bitte id) bich, ad), (eite uttb fü^re mid) nad) beinern Statt). 0u ^aft ja gefaxt: 3d) miß bid) mit meinen Stugen leiten; f)®rr, t)ier bin id), bein guter ©eift führe mid) auf ebener 93ahn. @ie^e, id) übergebe mich bir gang uttb gar, mein ©ott, ber bu (mfi bein $8o(f trodenen 3u?$eS burd) baS rothe ÜDteer unb un= oerleit burd) bie 2Büfte in baS gelobte ßanb geführet. 2ld)/ führe mid) burd) bie ©efahren biefeS Sehens, burd) bie Söüften unb $erfüh= rangen biefer Söelt mit einem guten unb unoer= (eiten ©emiffen in baS einige £eben. ,3d) ergebe bir §erg, SJcunb, ©lieber uttb mein ganges ßeben. Regiere mein £>erg unb erfülle es allegeit mit ^ei¬ ligen ©ebanfett. Regiere meine ©lieber, baf$ id) mit meinen §änbett nid)t möge nad) oerbotenen Gingen greifen, unb baß meine güfje nid)t mögen auf @üttben= unb §öüemoegen gefeit* Regiere meinen Dtunb unb meine 3unge, fie loeber Qflüd)e, nod) fdjanbbare, und)riftlid)e unb unan= ftänbige SEorte oorbringett. Regiere mein ganges Eeben, baß ict) möge oon nun an nimmermehr muthtoiüig toiber bid) fünbigen, bamit id) ein rechter unb frommer ©h*# heifeen unb and) fein möge. 2ld), lafe nic^t oon mir, toenn id) bir aus @d)toad)heit miberftrebe, unb überlafj mich nicht meinem eigenen Söiüen ober meiner Rührung; ©oit toollc ifut regieren unb leiten. 221 benn menn id) mid) fixere, fo merbe id) üerfüfyrt. ©ib mir eine Ijeüige $ef)utfamfeit in attem mei= mem 2^un, unb fcbreibe beine Zeitige $urd)t in mein bo§ id) mid) nad) bir, nad) beinern 3® ort unb meinet ,3@fu @$emf)el allein rieten möge* 3a, leite mid) nad) beinen klugen, Unb rtcf)t mein ganges £eben SttÜgeit nad) beinern Sinn; Unb menn id) e$ foü geben 3nS £obe3 ^Ractjen l)in, 2ÖennfS t)ier mit mir mirb aus, So tajj mid) fröl)lid) fterben Unb nad) bem Xob ererben $De§ emgen ßebenS §auS. Hmen. ©cfattg. 3M. : 91 Ke 2ftctffd)en muffen ff erben. 1* SSater, gib mir aud) bie (Sabe, 3)ie bu aüe bitten Ijeijgt; £), mie mol)l, menn id) fie tjabe! (Sib mir beinen guten (Seift. 93ater, id) l)ab grob Verlangen, ®iefe (Sabe gu empfangen; 21d), erhöre meine 93itt, £l)eile beinen (Seift mir mit. 2. (£3 fott biefer (Seift mid) teuren, 2£eil id) leb l)ier in ber 3eit, 2Bie id) mid) redf)t foü belehren Unb mie id) in ^römmigfeit Soll beftänbig einljergeljen, 3Bie id) foü im Glauben fteljen, 2Beld)er ba lebenbig tft Unb fidf) grünb’t auf 3&fum (£f)rift. 3. (£3 foü biefer (Seift midj führen SlÜegeit auf ebner 5Bal)n Unb mein §erge fräftig rühren, SSeitn idj 23öfe§ tjab getljan. @r fott leiten meine Sinnen, SBetfe, 3Borte unb beginnen, 3d) mit! gern in jeber Sadj folgen bie* fern güfrer nacl). 4. @3 foü biefer (Seift mit!) tröften 3n bem ®reug unb £raurigfeit; Sßenn bie 5Rot^ am aüergröfjten, So barf id) gu feiner $eit, 3n ben 5lngft= unb irauertagen Unb im ßeibenSfturm Oergagen, 2Beil ber (Seift mir 3eug= ni§ gibt, 2)a fj mein (Sott mid) bennoef) liebt. 222 3)er gläubige Greift bittet 5. Unb biemeil idg rnug empfinben Oft ämiefaegen SBiberftanb, $en icg faurn !ann überminben, ©o moH betrte SBatergaitb 9Jiir ben (Seift aueg ämiefaeg geben, $)ag icg, meit idg merbe leben, TOge ftarf im ©tauben fein Unb tmn SDZiffet^aten reim 6. Söertger ©eift üom $immelgtgrone, ©teiger ©ott üon ©migfeit $ßit bem Sßater unb bem ©ogite, Stomrn ^u mir, idg bin bereit; Sßeine (Seele, ©eift unb Seben 2öill idg bir jur Söognung geben, ®omm, aeg, fomm unb nimm eg ein, Sag eg beinen Tempel fein. 7. Steg, bemagre mieg oor ©iinben, Sieg, tag meine .Suoerfidgt ©icg auf $©fum ©griftum griiitben, feertger ©eift, oerlag mieg nidgt! Steg, bureg beine Siebegtriebe ©tarfe mieg in ©taub unb Siebe, Omgre midg bureg biefe 3^it 3n bie frage ©eligfeit. Ser gläubige Gfjrift bittet, baf bie loabre Siebe ju ©ott in (einem Serben möge mtgejänbet »erben. Slufmmttcrmtfl. ©ott ift bie Siebe ; unb teer in ber Siebe bleibet, ber bleibet in ©ott, unb ©ott in tf)m. Saffet uns ign Heben; benn er ^at un§ erft geliebet. 1 $og. 4, 16. 19. ©ott ift bie Siebe, unb meit ©ott bie Siebe ift, fo toiCC er aueg, bag alte feine $inber unb ©laubigen in ber mag' ren Siebe gegen faßen. £)ie Siebe ift ein 33anb, metegeg ©ott unb unfer ^erg, aber aud) ung unb unferg -»ftäcgften $erg mit einanber oerbinben fotl. ©in gläubiger ©grift bittet bemnaeg 1) ©ott, bag er fein §er^ mit feiner geU ligen Siebe erfüllen motte; benn audg biefe ©abe gegöret unter bie guten ©aben, bie üon oben gerab fommen. 2) ©r rnug aueg bie bittet nidgt oeraegten, mobureg ©otteg Siebe in igm fann angefangen unb oermegrt mer= ben, nämtieg bie anbäegtige Slngörung unb S3etradgtung beg SÖorteg ©otteg unb ben mürbigen ©ebraudg beg gei' um bie hm§re Siebe ju (Sott- 223 ligen Sl&enbmahtS. 3) ©tefyet er in ber Siebe ©otteS, fo muß er foldje audj betoeifen in einem Zeitigen, d)rifttidjen SBanbel, in anftänbigen Sieben, in ©ott tüofjIgefäßigen SBerfen; benn bie Siebe ift gleidj einem Jeuer, meines flammen unb Staud) nid)t fann berbergen. 4) ©r muß fid) aber mobl borfetjen, baß er nitf)t me Zernag bie Söeft roieber iieb geminne; benn wer bie S33ett tieb f)at, in bem ift nidjt bie Siebe beS SßaterS; bero^alben muß er aus Siebe ju ©ott SSelt unb SSeltfreunbfchaft unb «©efeßfdjaft meiben, weil fie itjn bon ber Siebe ©otteS abfüljren. 5) $n fotdjer Siebe fott er audj beharren bis in ben Xob unb alfo in ber Siebe ©otteS fterben. 6) $)iefe Siebe ©otteS foU mit ben gunefymenben fahren fid) immer bermetjren. 9)ian foü fid) fdjdmen, wenn man jmanjig, breißig, ja, biergig 3ai)re ber Suft unb Siebe ber Söett ßingebracßt, aber barüber bie Siebe ©otteS bergeffen hat, meidjeS ein ©hrift, »nenn if)m ©ott bie Slugen aufgetfjan, mit befto mehr inbrünftiger, heftiger unb beftänbiger Siebe erfe&en unb in folcher Siebe beharren foß bis in ben $ob. ® ebet* £) bu liebreicher, gnäbiger ©ott, bu bift attein liebenStoürbig ; bich/ bid) füllte id) billig allein bon gangem §ergen, bon ganger Seele unb aus allen Kräften lieben. $ld), id) flage unb befenne bor bir mit größter Setrübniß meiner Seele, mie bie Siebe gu bir, meinem treuen Sdjöpfer unb liebreichen 33ater, gu «36fu, mei= nem ©rlöfer unb Seligmad)er, unb gu bem £>ei= ligen ©eift, meinem Seljrer unb $ül)rer, nicht allein bureß bie ©rbfünbe in mir erlogen, fon= bern mie id) aud) beiner rufenben unb mirfenben 224 35er gläubige Greift bittet ©nabe unb bem Srieb beS ^eiligen ©eifteS nicfyt attegeit$la£ gegeben, bamit mieberum eine malere Siebe gu bir in meinem §ergen angegünbet mürbe. 3d) bitte bid), änbere bod) mein §erg, rei§e aus bemfetben alle 2Belt= unb ött unb Fimmel fein, $)a3 mich Sur Siebe triebe, So märeft bn mir gnug allein, SBarunt id) bid) nur liebe. Simen. 2M. : Sitte 3Xienfdpen müffett fterben. 1. Sldf), bag fid) boch <$otte§ Siebe £ief ergöffe in mein $erj! Sich, fie bod) immer triebe Sfteine Seele himmelmärtS ! Sich, bah bod) all mein beginnen, Sich, bafj alle meine Sinnen, §erg unb Seele inSgefammt, 2öärn burch (Sottet Sieb entflammt l 226 3)er gläubige ©Ijrift bittet 2. $ld), baß biefe Siebe riffe 2luS mir alle Sieb ber SBelt! %$, baff id) mid) ftetS befliffe, $)aS gu t§uu, maS ©ott gefällt, Unb aus Sieb ifjn nid)t betrübte, 9tie, maS ifjm mifjfällt, ou^übte, $5afj bie SBett mir bitter mar Hub ©ott füfjer ntefjr unb mefjr. 3. 0 bu Siebe, fo ergiefje 2)idj in mein |jerg tief Ijin* ein, S)af3 id) baburd^ gang gerfliefje Unb bein eigen möge fein, $)afj id) in ber Siebe ftelje, 2So id) fi£e, fd^taf unb gefje, $)ir gu Siebe alles tt)u Unb aus Siebe in bir ruf). 4. Saß mid) in ber Sieb aucf) fterben, SBenn idf) gefje auS ber fteit, $üfjre rnidj als beinen ©rben $n bie fro^e ©migfeit; 3)iefe Sieb lafj rnicf) genießen, SöiS id) merb bie klugen fdjliefjen Unb geljn gu ben $reuben ein, 2Bo mirb lauter Siebe fein. $er gläubige ©Ijrift bittet, ©ott tooUe bie Siebe p bem 9tö(bften in fein .per’, bflmtjen. Aufmunterung. ©o jcntanb fpritf)t : $dj liebe ©ott, unb Raffet feinen 93rubet, ber ift ein Siigner. £)enn roer feinen 33ruber nid)t liebet, ben er fielet, roie !ann et ©ott lieben, ben er nidft fielet? Unb bieä ©ebot Ijaben mir oon il)m, baff roer ©ott liebet, bafi ber audf) feinen trüber liebe. 1 %ot). 4, 20. 21. ©in neu ©ebot gebe id) eucf), bafj if)r eud) unter ein= anber liebet; babei mirb jebermann erfennen, baß ifjr meine jünger feib, fo if)r Siebe unter einanber Ijabt. Sllfo befdjreibet ©fjriftuS baS $enngetdjen feiner magren jünger unb Sängerinnen, Sol). 13, 34., nämlid) bafj man fie baran erfennen foüte, menn fie mürben ifjren ^ädjften lieben. ©S foU niemanb meinen, bafj er in ber Siebe ©otteS fielen fönne, menn er fdjon feinen 9täd)ften fjaffet, o nein! ©S ift aber unfer Sftädjfter 1) unfer ^reunb, 2Bof)ltf)äter unb SBermanbter; menn man nun fofdje lie¬ bet, fo ift baS gmar unfere ©d)ulbigfeit, es ift aber nocf) feine auSnefjmenbe ©fjriftentugenb, benn bie ungläubigen um tva^ce Siebe be§ 5Räd)ften. 227 Reiben lieben aud) il)re $reunbe, ©uttpftter mtb Slnoer* roanbten, bie ifjnen nicptm ^utüiber tpun. ©m ift unfer 9täu fte^eft, o att= toiffenber ©ott, toie ba3 Seten für meine Qreinbe fo träge unb gering ift, ba§ id> fie in meinem ®e= bet enttoeber Dergeffe, ober, fo id) ja ifjrer gebenfe, toeil bein ©eift mid) oft an biefe Sdjulbigfeit erinnert, bafe e3 bodl) leiber mit menigen 2Bor= ten gefd^ieljet. 9l(t), mein ©ott unb Später, id) erfettne baraug ba§ ®lenb unb $erberben, barin id) nod) fterfe, unb mie id) nod) nietet in folgern Stanbe ber magren jünger unb ^üngerinnen ,3@fu bin, in meinem id) billig fein follte, al§ meldfye man baran erfennet, ba| fie Siebe unter eittanber l)aben, ttid)t aüeitt gegen gute fjreunbe unb 2Boljitl)äter, fonbern and) gegen Leiber, gegen $einbe unb Verfolger. £)arum bitte idf) bicl), ad), änbere bod) mein rad)gierige3 unb bei= nem ^eiligen ülöitlen miberfbenftige^ §erg, baft id) burd) beine ©nabe meinen 9täd)ften fo fjer^ lid) unb aufrichtig lieben möge, al§ midh felbft. um fragte Siebe be§ SMdjften. 229 Serielle mir $raft unb ©tärfe, baj$ ich meinem Sftächften gern mit Qfreuben ba£ gönne, wa§ bu ihm gibft, unb nicht be^wegen betrübt brein fehe, wenn bu mich biefe^ 3M nicht mit gleicher 2Bohl= that erfreueft. Vehüte mich oor aller galfchheit gegen ihn, bafj ich mt nur bidj Ijabe, fo frage icf> nidjtä nacfj ^immel unb <5rbe. 9Benn ntir gleich Seife unb Seele t>erftet, fo bift bu bodj, ©ott, aUejeit meines §ergenS Stroft unb mein itjeil. 5ßf. 73, 25. 26. $>aS pdjfte ©ut gu pben unb gu befipn, ift ber üüttenfcpn Verlangen gu aßen Beiten gemefen; allein barin pben bie meiften gefettet, baff fie nid^t gemußt, meldjeS baS allerpdjfte unb aßerbefte ©ut fei. $)aS aßerpdjfte ©ut ntufj beftänbig unb ooßfommen fein unb muff uns im Seiben unb 4obe, in ©lücE unb Un* glütf aufridjten unb tröften fönnen* 9?ad) biefer 33e* fcpeibung ift baS aßerpdjfte ©ut 1) nidfjt Üteidjtpm, melden oiele für ifjr pcpeS ©ut gehalten pben unb nod) galten; benn ber oerläfst uns im £obe unb tann atsbann teine ©rquidung geben» 2) ©pe unb ©lü& feligfeit ift and) baS pdjfte ©ut nicfjt; benn mie oft fällt ber ©eepte in SBeracpung unb ©cpnbe, unb mie oft mirb bie ©fücffeligfeit in Jammer unb ©lenb oerman- beit! 3) SßJeiSpit unb ©efdjiälicPeit pben gmar ben $orgug oor anbern irbifdjen ©ütern, bafj man fie uns nicp rauben fann, aber fie berftfjminben bodfj im $obe. 2)eroplben fudjet ein gläubiger ©pift fid^ ein mapeS, 232 35er gläubige £f?rift erfennet, beftänbigeS ©ut, toetd^eä aber 4) aßein ©ott ift. §at er ©ott, jo fjat er alles, bie größte ©pe, ben größten 9tei(p tpm, bie größte SBeiSßeit, unb gmar in 3eit unb ©mig= feit ©ott erfreut ben Sftenfdjen in gliicflidjen Sagen, erhält ip in ®reug unb Srübfal, erquicfet ip im Sobe, bleibet mit iljm oereiniget in ©migfeit. $u biejem ©ut fönnen bie SDtenfdpn baburdj gelangen, baß jie ©otte£ SBort pren unb lejen, barau3 burdj be£ ^eiligen ©eifteS SBirfung ftc^ als ©ünber erfennen unb an ©piftum als ipen §eilanb glauben* bu gnabenreidßer ©ott, tote bift bu bod) fo prrlidp fo fd)ön, fo ooEfommen ! 2öer bidb fjat, bet f)öt aEe£, ber meiß aEeS, bet tarnt aEeg, ja, bet Ijat ba3 aEepödßfte, ba3 befte unb t>ortreff= lidßfte ©ut. 2ldß, fd^retbe bod) biefe ©rtenntniß tief iu mein §er^ pnein, baß id) attetu bidß fudßen unb bid) finben möge. Wcp bemape mein oor ber SBeltmenfdpn 5£f)orpit, toeldje meinen, toemt fie große ©pe in ber Söelt pben, ober großen 9fteid)tpm befipn, ober großem $er= gnügen unb große §errlid)feit erlangen, fo pt= ten fie bas pcfyfte ©ut; aEetn meit gefettet ! biefe ©iiter oerlaffen bie 3Kenfdpn im $obe, folgen ipen nidp nadj in bie ©migfeit, tröften fie nidßt in ber leßten <&tunbe; foldp SRenfdpn treten in bie ©toigfeit nadenb unb bloß, ja, ope bafj ©ott allein ba§ §5$fte ©ut fei. 233 ©ott. 0, barutit gib, ba§ id) ba3 mabre ®ut oott bem oergänglidjen mobl unterfdjeibe* 0 bu breieiniger ©ott, bu bift allein mein i)öcf)fte£, liebfte§, mabre§ unb atCerbeftc^ ©nt; bu millft bid) mir fdjenfen, bid) mit mir bereinigen; o, fo bereinige bid£> benn mit meiner ©eele in ,3eit unb ©migfeit! 6inb alte irbifd^en £>inge ben gein= ben, Lotten unb bem D^oft untermorfen, !ann fie ber Seiub rauben, ein Unglüd fie gemixten, fo bleibet mein ©ott, al§ mein böd)fte3 ©ut, ade= geit mein eigen; mit bem gebe id) au3, mit bem= felben gebe id) ein, ibn nehme id) mit mir auf bie ^eife, mit ibm lege iib midj gur ^utje, fa, mit ibm tomrne id) bereinft auch in bie frobe ©migfeit. $)arum, mein ©ott, menn id) nur bid^ f )abe, fo frage id) nid^t^ nad) §immel nnb ©rbe; ^abe idj bid), fo ^abe id) ba£ mabre Seben, ben größten 9teid)tf)um, bie mabre §err= lidjfeit, ba£ allerbefte ©ut, 0, barum lebe in mir, mobne in mir, bleibe bei mir, fo habe id) einen Reifer in Sreug unb ©lenb, einen 5öei= ftanb in ^Ötben, ben größten 9teid)tbum in 2lr= mutb, ben allerfräftigften £roft in äranfbeit, Ja, bie aüerfü&efte ©rquidung in ber lebten 6tunbe. Söenn bann bie SHMtfinber ib? ©ut oerlä&t, fo oerläfct mid) ©ott bodEj nidf)t; biefeä bü^fte ©ut bebalte idf) im 9lbfd)eiben au§ ber 28elt, ja, e§ 234 ®er gläubige S^rifl erfennei, bajj bottfommerter, rtod) treff¬ licher, ttod) herrlicher, mit böttigem ©lan^, gu unaustyrehlidjem ©emif$ gefhenfet merbert. 31 dj $©rr, menn id) nur bich l)ab, &amt fo fag idj allem ab; Segt man mid) gleid) in baS ©rab, Steh §©rr, roemt xty nur bidjj Ijab. Simen. ©ef attg. 2M. : 2ll£e SDienfdjen ntiiffen fterben. 1. Sn ©ott bin id) immer fröhlich, Sn ©ott Ijab idj lauter $reub, Sn ©ott bin ic§ reich unb felig, ©ott ift felbft bie Seligfeit. 2>arum lafj bie SBelt bergelien, Saft bie Ungemitter roelien, Sleibet nur ber §öd^fte mein, So fann ic§ bergnüget fein. 2. Sn ©ott f)ab icfj £roft unb Rieben, 25emt idj bin mit iljm berföljnt, 2) er ben |jimmel mir befdjieben, äfft mein S©fu3, ber mid^ frönt; ®rum fann id) in grieben fterben Unb in $frieb ben §immel erben, $rieb in biefer SebenSgeit, f$frieb in alle ©roigfeit. 3. ^n ©ott fann idj fidjer raften, ©r ift meiner Seele 9ftul), Qu ©ott, mie gu 9toalj3 haften, ©il id) toie baS Xäublein gu: Sftul) im Sehen, SRulj im §ergen, 9lu1j in Sfrübfal, Stuf) in ScEfmergen, 3^uh i« Seiben, 9tuf) in Sftotf), 9iuf) im ©rabe, Sftuij im £ob. 4. Sn ©ott bin idj reidh an Sdjäjjen, SBeldje feine Beit berftreut; $reub, Vergnügen unb ©rgöfjen Unb beS JrofteS SüBigfeit SBirb mir fd)on bon ©ott gegeben, Stauet bod), in biefem Seben; 3öie mirb'S nidjt mit bollern Schein $errlid) in bem §immel fein? 5. 2)rum mit! idj in ©ott berbleiben, ©r ift meiner Seele $ier, Sticht^ foll midj non iljm abtreiben, So bin idj bergnüget Ijier Unb bin audj mit ©ott oerbunben Sn ben lebten £obe3[tunben; 9Mn ©ott, meines SebenS Sicht, äßeidjt bon mir im Xob audl) nicht. Ser gläubige <5§rift bittet ©ott um (Erhaltung beS ©tauben^. 235 $er gläubige CDjrift bittet, ®ott tooüe ben nngcjiln= beten ©laufieti in ibm erhalten unb nermebren. sUufmmttmtttg. ©o bu mit beinern SJiunbe befenneft $@fum, baft er ber §@tr fet, unb glaubeft in beinern Qexyixi, bafj ifyn ©ott oon ben Xobten auferroedfet £)ai, fo wirft bu felig. sJftöm. 10, 9. $@rr, ftärfe unä ben ©tauben. Suc. 17, 5. So unglücffelig ein ungläubiger SRenfd) ift, fo glüc£= felig ift bie Seele, bie im ©tauben unb in ber magren ©rfenntniß ©otteg, $©fu ©hrifti unb ihreg §eileg flehet. $>enn ein Ungläubiger ift gleich einem ©ernad), barin fein Sicht ift, barin eg finfter unb unangenehm ift; aber eine gläubige Seele ift gleich einem ©emadj, barin eg tyU ift unb barin ein Sicht fcfjeinet, melcheg Sicht ber ©laube ift. liefen ©lauben !aun ficfj ber -äftenfch nicht fetbft geben, fonbern ©ott ift eg, ber ihn in ung angünbet, entmeber tn ber heiligen Xaufe, menn ber ^eilige ©eift mirb reich* lieh über ung auggegoffen, ober burch bag 2Bort ©otteg, baburch ber 9Uienfd| eine ©rfenntniß unb SSiffenfchaft fei« neg §eitg erlanget, burch ©otteg ®raft bem Söort Beifall gibt, eg für eine göttliche SÖahrheit in feinem §ergett hält, unb in fefter 3uoerficbt ©ott faffet, fich $©fum ©hriftum unb fein heitigeg SSerbienft gueignet, $>eromegen fott ein gläubiger ©hrift 1) ©ott bauten, baß er ihn gum ©lau* ben unb gur ©rfenntniß 3©fu ©hrifti gebracht unb ba* burch öor $uben, dürfen unb Reiben glücflich gemacht hat. 2) ©r foß fich feineg Xaufbunbeg unb ber barin erlangten Ijerrlidjfeit erinnern unb ben mit ©ott gemachten 33unb nicht muthmißig übertreten. 3) ©r foß ©otteg SBort fleißig unb mit $lnbacfjt anhören, bamit er immer mehr unb mehr erleuchtet merben unb gu größerer ©rfenntniß gelangen möge. 4) Söag er höret unb liefet, foß er in Uebung bringen mtb feinen ©lauben in ben äöerfen geigen. Nähere 5) eg einem mähren ©hriften nicht foß 236 35er gläubige Efyrift bittet ©ott genug {ein, gu {agen: $d) glaube, fonbern er foß aud) bie @Uauben§früd)te: ^römmigfeit, Siebe, ®euftf)f)eit, @5e* bulb, ©anftmutl) unb bergleid)en, in {einem ganzen Seben ^eruorleu^ten laffen. @r foß audf nic^t etroa nur eine 3eitlang glauben, {onbern im (Glauben ($ott getreu oer- bleiben bt§ in ben Xob. ©o lann er fidj aud) getrÖ{ten, bafj er merbe ba§ (£nbe feinet ©laubeng baoontragen, näntlicf) ber ©eete ©etigfeit. ©efcet* 0 bu gnabenreidjer ©ott, toeldje große $8arm= ^ergtgfeit ift es, baß bu mid) gur magren ®rfennt= niß meinet §eit3 gebraut ßaft ! 3erficht unb meiß nun ben regten §immel§toeg; benn mer gu ©ott fommen mid, ber muß an ©^riftum glauben. SDurd) biefen ©lauben unb ©rfenntniß bin itf) unterfdjieben oon ungläubigen 3uben, dürfen unb Reiben. 2ler gläubige ß^rift bittet Sott um (Erhaltung beö SlaubenS. §©rr, idj glaube, ^itf mir Smad£)en, ßa§ micfj ja Uergagen nidjt, ©u, bu fannft miß) ftärfer machen, SSenn miß» Sünb urtb £ob anfidjt. deiner ©iite miß iß) trauen, $8i$ iß) frötjtißj merbe flauen 2)iß), |j©rr $©fu, naß) bem (Streit Sn ber frofjen ©migfeit 5tmen. (Bef attg* 2M. t Sille ÜJJenfdjen müffett fterbett. 1. Stdjj §©rr , ftärfe meinen ©tauben, 9td), mein ©taube mirb gar fßjmaß), (Satan benft iljn mir gu rau¬ ben, $)a fid^ tjäuft mein Ungemad); 2Beit fidj feine Jjiitf täfjt ftnben, So miß faft mein ©taub öerfcfyminbert; 3Bo ift bodj mein $©rr unb ©ott? Sprecfj iß) je|t tn mei* ner 9totf). 2. 3öo finb feine Hßmadjtäproben, 3Bo ift feine SSaterljanb, 3Betcf)e anbre freubig toben? 23in iti} if)nt benn unbefannt? Seifj er niß)t, mie mir e£ gefyet? SBeifj er nißjt, mie’ä um miß) ftefjet? Sft mein ßeiben itjm gu grojj, 3)afi er micf) tagt f|ülfeto§? 3. §©rr, iit) glaube, fjitf mir Sßjmaßjen! Sa, tßj glaube feftigtißj, 35afj bu aßeä mofjt fannft machen, 3)rum fo fomm unb ftärfe ntidj). £>©rr, tß) gtaub, bafj bu noß) tebeft Unb ftet§ um unb bei mir fd^mebeft, $)afj bein Sluge auf miß) fiefjt, 0b bie $ülfe fdEjon oergietjt. 4. $©rr, idf) gtaube, baß miß) 5lrmen S©fu£ auß) er- töfet ijat, 2)aB er fißj miß mein erbarmen, $)afj ißj bin in beiner ©nab, $)af3 mein S©fu£ in ben ßeiben Zimmer merbe non mir fßjeiben; ßtur mein §erg empfingt e$ nid£)t, Söeit mir Stärf unb £roft gebricjt. 5. $ilf, ba§ ißj halb Stärfe ftnbe, Stärfe miß) bodf) fort unb fort, Sßjenfe beinern f^maßjen ®inbe Stteue Äraft au$ betnem Söort; ßefjre miß), bir feft üertrauen Unb auf bie SSertjeifeung flauen, $)ie bu in bem SESort mir gibft, 0b bu fßjon bie §ütf auffßjiebft 2)et gläubige (S&rift bittet um Semutty. 239 6. laß beineu ©eift mich tröften, deinen ©eift nimm nicht öon mir, 2öettn bie Sftotl) om allergrößten, 35er mich überzeugt öon bir, $)aß bu bodj an mich ge* benfeft Unb mir beine $ülfe fdjenleft, SBenn ba iommt bie ©tunb unb $ie gur inilfe ift bereit $er gläubige Eljrifl bittet um Semutb. Slufmmtteruug. galtet feft an bet $emutl). 2)enn ©ott rotberfte^et ben $offätttgett, aber ben SDemutI)igen gibt er ©nabe, ©o bemüt^iget eud) nun unter bie gewaltige §anb ©otte§, baß er eucß erfyöfje ju feiner $eit. 1 $etr. 5, 5. 6. Unter ben Sünben, bamiber ein gläubiger ©fjrift gu fämpfen ßat, ift and) ber Stolg unb |mchmuth beg ^jer* geng, melier hernach in äöorten unb Söerlen augbricf)t ©totg finb mir öon üftatur, nach bem Sünbenfatt, aber bemüthig müfjen mir merben burcß bie ©nabe. SCBer rtid^t bemüthig mirb, lann ©ott nicht gefallen unb and) nidßt ©hrifti jünger fein* 233enn nun biefeg ein gläu= feiger ©hrift ermäget, fo bittet er ©ott um ein bemüthigeg §erg 1) gegen ©ott 3)enn eg ift bir gefagt, SRenfch, mag gut ift, unb mag ber §©rr öon bir forbert, nämlidj ©ofc= teg SBort galten, unb Siebe üben, unb bemüthig fein por beinern ©ott ÖJZicfja 6, 8. ©r mirb gegen ©ott aber bemütljig merben, meun er bebenfet ©otteg $oßeit, 9)taje* ftät, $errlichfeit unb -£jetlt gleit, mie ihn alle ©ttgel unb Seraphinen, ©herubinen unb alle 21ugermäl)lte anbeten unb preifen, unb hingegen auch ermäget, mie er ein armer SBurm unb 2ftabe, ja, nidjtg alg ein elenber unb fünbiger 3ßenfth ift, ben ©ott in einem 51ngenblid öerberben lann. ©g mirb ein gläubiger ©hrift bemüthig merben 2) gegen ben 9?äcf)ften, menn er fith gering gegen ihn ad)tet, unb gebenlet, mie fein Sftädjfter üieüeicht nie! bemüthiger, gläu* feiger, frömmer, anbäd^tiger unb baher ©ott angenehmer 240 2>er gläubige bittet um 2)emut§. fei, atg er; tote er mit Üjm t|abe ©in 2öort, ©ine £aufe, ©in Ijeilig Stbenbmaf)!, ©inen Fimmel, ja, bafj er im ©rabe, mie ber ärmfte Bettler, mitb uerfaulen unb gu 2tfd)e roerben. ©g mirb ein gläubiger ©fyrift audj bemii* ttjig merben bei fid) fetbft, menn er ermäget, bafj er aUeg, mag er ^at, alle ©abeu, ©efd)icflid)feit, ©egen, £eben, ©lütf, 2Bof) (ergeben, nidjt non fic^ felbft, fonbern allein tmn ©ott habe, ber iljm atteg halb nehmen fönne, bafjer er nid^t bamit prangen, fic^ beffen überleben, ober bag £ob ber ©djmeicbler anfjören foü. ©r fteüe fid), bamit er auf teinertei SBeife ftotg merbe, fleißig öor bag ©jempel beg bemüt^igen $©fu, ber fidj unter ©ott unb alle ©reaturen erniebrigte unb ung gurufet: Sernet non mir, id) bin fanftmüt^ig unb üon ^er^en bemütl)ig. (Bebet. ©ro&er, ^eiliger unb barmherziger ©ott, bet bu bift ber §of)e unb ©rbabene, tot beffen Stfyron ©b^ubtnen unb Seraphinen unb alte 2luger= toäbtte in $)emutb ihr $nttih bebedett, id) be= fenne unb flage bir, bafc idj ton Statur zu eige= net @bre unb 3um £>od)mutb, nticb 3U erheben, geneigt bin. @g bat burd) ben Sünben= -fall ber Satan mein §erz mit |>offart, toetd)e ein Anfang alter Siinbe ift, vergiftet, bafe icf> oftmalg Oergeffe, bafj id) Staub, @rbe unb 2tfd)e bin. 2ld), mein ©ott, gib mir bod) ein bemütbi= geg §erz, bafz id) red^t tief einfeben möge, tote icb öon bir Seben, Segen, Obern unb atteg b^be, bamit id) rnid) unter beine getoaltige §anb bemü= tbigen unb nidjt freuentlid) bid) mit Porten, 3)er gläubige <£^rift bittet um SDemut^. 241 ©ebanfen ober Werfen beleibigen möge. £el)re mid) mein @lenb unb beine fjolje SJtojeftät er= fennen, baft id) t>on mir nichts fyabe, als @ünbe, $ob unb SBerbammnifc, maS \ä) aber ©uteS an mir finbe, baß xd) folcpeS alles oon beiner gnib bigen §anb empfangen fyabe, bamit id) mit nidjts prange, fonbern alles als bein ©efd^enf unb beine ©abe anfefje, meines bn mir halb mieber nehmen famtft, menn id) über bie Stenge ber 2Bof)ltl)a= ten beiner üergeffen ioollte. ^ßflange bie mafyre $)emutl) in mein §er y bafe id) bir gef)ordf)e, bid) fürd)ten, bidf) efjren, bir bienen, bidf) anbeten unb allein loben unb preifen möge, ^flan^e aud) in mein §er$ bie mal)re $)emutlj) gegen meinen !Städ)ften, bafe id) iljn niemals gegen mid) Derad)= ten, ober mid) if)m öo^ieljen möge. §ilf, bafe id) erroäge, mie bir bie ^offärtigen nod) nie gefallen Ijaben, aber bafe bu auf bie bemütljigen ©eelen bein ßid^t, beinen $roft, beine ©nabe unb ©üte Ijaft reid)lid) fließen laffen. SBenbe oon mir ab Ijoffärtige ©ebanfen, gib, baft id) mid) f)üte oor [tollen ^Borten, bema|re mid) oor ßljrgeig unb 3tul)mrebigfeit, barauS nid)ts als $erad)tung gegen ben !D£äd)ften entfpringet. ®r üde in mein §er^ baS 53ilb meines bemütfjigen ^eilanbeS, ber ftemuty. benn ich bttt tum bergen bemütbig, baß biefe Stimme o£te Wugenblide, menn fid) mein ^erj ergeben ttntl, in mir erfüllen möge. 3ft mein !Jtäemutb beS £>erj$enS j$u erfennen, baß altes, toaS ich bin unb höbe, burch beine ©nabe mir gehöre, baß ich mich nichts als mei= ner Sd)tt>ad)beit rühme. Sehre mich burch folche $)emutb in Triebe unb ©inigfeit mit febermann gu leben. Saß mein ^erg allezeit eine SBobnung beS bemütbigen 3@}u fein, fo merbe ich mid) nie= mals erbeben. Stolg unb §od)mutb toar beS Satans Sünbe; baoor bemabre mich in ©naben. Unb fo es bir ja gefallen füllte, mein ©ött, mich 5Der gläubige ßtyrift bittet um ®emut$. 243 in Spott unb Sßeracptung faßen 3U laffen, ba& midj mein $einb fcfymäfjet nnb ber $8eräd)tei: tnid) mit 3?üf$en tritt, fo gib mir Äraft unb (Starte, bafe id) aße§ mit $)emutt), ©elaffenfjeit unb ©ebulb ertragen möge, aud) biefe£ ju meiner $)emütl?igung unb befto gröfjern SBetjutfamfeit in meinem Söanbet mir bienen laffe. $d) §(Srr, §®rr, oerleifye mir ff raft unb Störte, burd> beinen mastigen 58eiftanb biefe^ aßeS gu boßbringen. (Selig finb, bie $emutlj fyabe n Httb finb immer arm im ©eift, fftülimen fidf) gang feiner ©oben, 3)ab ©ott merb allein gereift; SDanfen bem audf für unb für, 3)enn bas ^imntelreidj ift iljr; ©ott roirb bort gu ©ljren fefcen, ®ie fid) felbft gering fye fdjäfcen. Simen, <#cf attg. SJtel. : 2lUe 3Jfenfcf}en miiffen fterfcn. 1. 3)emutl) ift bie fdjönfte Xugenb, Silier Triften fRubm unb ©Ijr, $enn fie Bteret unfre öugenb Unb ba3 Sllter nodf) biel mefjr; pflegen fie nicf)t aud) gu loben, $)ie gu großem ©tüd erhoben? (Sie ift meljr al£ ©olb unb ©elb Unb ma3 J>errlic!fj tn ber SBelt. 2. Siefje, 3©fu3 mar bemütfjig, ©r erljob fid^ felbften nidf )t, ©r mar freunblid), liebreich, gütig, SBie un§ ©0 tte$ SBort beridjt’t; ^a, man faub in feinem ßeben ©ar fein fangen unb ©rieben; $rum fprid)t er gu mir unb bir: Sernet $)emutf} bodj non mir. 3. Söer ber $)emutl) ift befliffen, $ft bei jebermann beliebt, 2öer ba nic^tö mid fein unb miffen, $)er iff 8, bem ©ott ©l)re gibt; $emutl) l)at ©ott ftets gefallen, Sie ge* fällt audj) benen allen, $)ie auf ©otte£ SSegeu getju Unb in 3©fu Siebe fteljn. 244 2)er gläubige ß^rift bittet um Sanftmut^. 4. SDemutl) bringet großen ©egen Unb erlanget ©ofc »te$ ©nab, 2tn ißr ift gar Diel gelegen, $)enn mer biefe Xugenb ljat, &er ift an ber ©eel gefdjmücfet Uitb in fei¬ nem Xfjun begtücfet; Er ift glüdlicfy in ber 3eit, ©elig aud) in Emigfeit. 5. SDiefe eble 2)emut^gaben, ©o ba finb be£ ©lau* ben3 $rud)t, 2ßirb ein jeher Eßrift aud) Ijaben, SBeldjer fie üon fierjen fud)t; 2Bo ber ©laub mirb ange^ünbet, 3)a ift 2)emutlj aud) gegrünbet; (Glaube, Hoffnung, 3)emutlj, Sieb Äommt au3 ©otteS ©eifte3 £rieb. 6. 2luf bie $)emutlj folget SBonne, ©otteS ©nab fjier in ber Beit, Unb bort bei ber ^reubenfonne Triebe, £id)t unb i>errlid)feit; $a roirb SDemutl) ßerrlidj prangen Unb bie Eßrenfron erlangen; 2Ba3 man fjier gering geafft, fieudjtet bort in $immel3prad)t. 2>er gläubige (Ujrift bittet um ©anftmutf). 3lnfmuntcruug. Sfpriftuä f)ai un§ ein SSorbilb gelaufen, baji t^t foüt nadfifolgen fei* nen ^ujitapfen ; roelcfier feine 0ünbe getfyan Ijat, ift audE> fein ^Betrug in feinem SDtunbe erfunben, melier nid)t roieber fdjalt, ba er gefdjolten warb, nidjt bräuete, ba er litt; er fteßete eä aber bem tjeim, ber ba redjt rietet. 1 $etr. 2, 21 — 23. ■Jöemt ein Sßenfdj in feinem Eßriftentßum unb in feiner Erneuerung einen guten Anfang gemadjt f)at, fo muß er barnadj trauten, baß er immer ooKfommener merbe. Er muß nidjt nur barnad) trauten, baß er fidj öon äu^erlirf) groben ©ünben reinige, al§ ba finb: Ser= acfytung be3 3Borte§ ©otteg, Studien, Ueppigfeit, 53eid^t= fertigfeit, Ungeredjtigfeit, fünblid)e§ ©pielen unb 3Öelt= mefen, fonbern er muß bebaut fein, audj ba$ ^moenbige immerfort ju reinigen, fonberlidj oon ©tolj, Stoib, Bont, §aß unb Stadjgier, unb fid) mit ©ebet ber ©anftmutl) befleißigen. $)iefe befteßet barin, 1) baß man nidjt SöfeS mit Sofern üergelte, nidjt mieber fdjelte, menn man ge= 2)er gläubige ß^rift bittet um 0artftmutfy. 245 Rotten wirb, ntcfjt aug $aß, Born, Üiadjgier bent 9Zäc£)= ften brofje. 2) Ob rair fanftmüt£)ig fittb unb biefe ebte £ugenb befifjen, miffeu rate erft bann r ectjt, raettn ung ein 3?eittb angreift, ber ung nad) ©t)re, ©nt unb kanten trautet; beim raer ba gleich im Born entbrennet, fludjet, fdjilt, brofjet, bei bem raofjuet ber fanftmütfjige ©eift ©fjrifti nidjt. 3) $ebod) ift eg uic^t raiber bie Sanft* mutt), 0d)u£ gegen feine $eittbe bei ber Obrigfeit gu fudjen, raie ftd) aud) fßautug auf bett $aifer berief unb ficf) in beg ®aiferg Sd)u£ begab, atg man if)it in Sebent gefaxt bringen raoHte. &poft. 25, 11. 4) ©g fielet Äin* bern ©otteg nidjt an, raie franbe gU beiden, raie Bornen fitj) 5u aerreiffeu, raie railbe Xijiere fid) in ©rimtn imb Sitterteit p nerfotgen. 5) Sei folget SBerfotgintg, raeitn ung ein $einb brütfet, raiö ©ott eine ^Srobe unferg ©tau- beng fetjen, unb ung äur ©rfenntniß ber oorfjergegange* neu Sünbett führen, ob rair oielfeid)t mit unferm unge* regten SSerfapren attbern Beuten Seufzer auggepreffet paben. 6) 3)ie ^enn^eiepen ber Sanftmutp fittb: im Ijer^en öergeipen, für bie $einbe beten, 9flattp. 5, 44., ipnen ©uteg raiinfepen, alleg ©ute tpun, alleg ©ute gön¬ nen, niept alle Scpeltraorte pören, nid)t alleg beantraorten uttb äur SBerföpnung raillig fein. heftet* 0 bu tiebreid)er (Sott, ber btt bie Siebe felbft btft, unb miftft beitte Siebe itt ttttfere ^jer^ett aug= gießen burd) ben ^eiligen (Seift, ad), id) Hage bir mit betrübter @eele, baß mein §erg oftmal gar miberfpenftig unb nttbättbig ift. foftte in bemfelben 0emutf), Siebe, Sanftmut!) unb (Se= laffenßeit fein gur ^dt, mettn mid) mein ^einb bränget, oerfotget unb Raffet; aber ad), i (b finbe 17 246 3) et gläubige ß^rift bittet um Sanftmut^. leiber anftatt biefer djriftlichen unb nothtnenbi= gen £ugenben ©igenfinn, §afj, 30rn> Rachgier, geinbfchaft, burd) tneld)e id) angetrieben inerbe, tnieber %u freiten ben, ber mir Unrecht tt)ut, unb 9tad)e an bem aus^uüben, ber mich unbilliger SBeife angegriffen hat. SBenn id) aber, o ©ott, aus beinern heiligen SQßorte tneife, baß, bie foldjeS thun, nicht foUen ins 9ieid> ©otteS fornmen, unb bafc begleichen Aufführung gegen bie geinbe nicht fei ber $inber ©otteS unb ber mähren ©hri= ften Art, ad), fo erfchrede ich über mich felbft, baf$ id) noch beS Teufels Unart an mir habe, als mel= d)er rachgierig, bo^h^ft unb unoerföhnlid) ift, unb bitte bid), erbarme bid) meiner, o bu liebreicher ©ott, unb gib mir beinen ^eiligen ©eift, ber mein §er# ^eilige unb reinige non aller Bosheit unb ^Rachgier* §ilf, ba& id) allezeit fehen möge auf bas ©jembel meines 3@fu, meld)er nicht tnieber fchalt, ba er gefdjolten tnurbe, unb nie= malS feinen geinben brohete, bafc er fid) an ihnen fünftig rächen tooüte, ba er litt, fteöte aber oiel= mehr alles bem heim, ber ba recht richtet. Ad), gib mir auch einen folchen füllen, fanftmüthigen unb friebfertigen 0inn, bafc ich feinen ©roll unb §a$ in meinem bergen behalten unb bie @onne über meinem $om nicht untergehen laffen, fon= bern, ehe es noch $tam übet gelten fobte. 23e= maf>re nüdfy, bafc id) feine Seinbfc^aft meber in Söorten nod) ©eberben unb SBerfen fbüren taffe, fonbern mie gegen jebermann, atfo aucf) gegen meine Seinbe, in bem Dergen fei mitteibig, mit SBorten freunbtid) unb aufridjtig, mit ©eberben tjolbfelig, autf) mit Werfen mot)ttt)ätig, bamit burd) meine Unnerfötjnlidfyfeit mein ©ebet nid)t üerfyinbert unb ab mein ©ottegbienft unb 2Kn= bad)t nidfjt rermerflidt) merbe. ®ib, baß id) tmn §ergen »ergebe unb rergebe meinen Sd)utbi= gern, mie id) mib, baj$ bu mir meine Sefjler unb Miffetljaten gnäbigtid) üergebeft, bafc id) nidt)t täglich miber rnid) felbft beten möge. Safe auf midf) ben Segen fommen, melden bu ben Sanft= mäßigen uerfyeifcen Ijaft. Selig finb bie Sanft= müttjigen, benn fie merben bag ©rbreid) befreit. Setig finb bie ^riebfertigen, benn fie merben ©otteg ^inber tjeifjen. 53egminge in mir burdt) 248 Ser gläubige G^rift bittet um ©anftmutfy. beinen ©eift bie totber btej’e $ugenb ouffteigenbe Sujt, bamit id) a(£ beht ^inb glaube, lebe mtb fterbe, unb bermaleinft burd) beine ©nabe aud) in bte §eimat^ be£ $riebeng nerfetrt tuerbc. 0 (Seele, fdjaue $@fum an, $ier tannft bu redjt er* fennen, 3Bag mabre ^entutb beifeen !ann Unb mag mir Sanftntutb nennen; (£r ftellet fid) gnm Mufter bar; SBie 3@fug nun gefimtet mar, So fei and) bu gefinnet. SDag 93öfe fud)t er alfobalb Mit ©utem j$u oergelten; Man börte, meint bie 2Belt ibn fdjalt, $bn niemalg mieber freiten, Grr gibt eg feinem Später bin, (So fanft ift bei= tteg 3©fu ©inn; (So fei and) bu gefinnet. Simen. <$ef att$+ 3M. : 2ld), tua§ fott id) ©ünbcr madjctt. 1. (Sieb bod), mie mein ^eiitb mich fdjmäbet, ©rofjer ©ott, ad), böre bod)! ©ro^er ©ott, bu lebft ja rtod)! Sieb, mie er mit mir umgebet, 2Bie er tobet, ruft unb fd)reit Unb mid) faft aug goru anfpeit. 2. £>öre, ,§@rr, ad) bör fein Schelten! Slber ad), oer- leib mir @u ab, SDafj id) niemalg in ber Xbat, 9?od) mit SBorten mög oergelten, SSag er miber mid) angiibt Unb micb auf bag S3Iut betrübt. 3. ©ib, baf) id) nid)t mieber baffe, ®afj icf) fcbmeige, memt er fcfeilt Unb für ©uteg S3ög oergilt, 2>afj id) in ©ebutb mid) faffe Unb ertrage alg ein (Sbrift, SBag bent $leifd) befcbmerlid) ift. 4. |jilf, baf) id) ibn möge fegnen, SSentt er mir aufg fd)limmfte findet Unb nidjtg alg mein Ungliict fud)t, Unb bah id) ibm mög begegnen Mit gelaffnem, ftißem Mutb, Ob er mir gleid) Unrecht tbnt. 5. Saffe ntid) auf $@fum feben, SDer ba gar nicht mieber fcbatt, Sftod) mit 23öfem 23og oergalt, Unb bariu? 25er gläubige (Sfyrift erfennet bie immertoätyrenbe ©Ute ©otteö. 249 nen i^m nad)gef)en, $)a§ idf als ein ©otteSfinb Stets mit Sanftmut!) überminb. 6. $ld), taj3 beinen ©eift rnidj ftärfen, SBenn mein $einb mir fefjet ju, £>afj idj itjm ba ©uteS tf)n, £)afj in meinen 2Sort unb Söerfen Sid) nid)t finbe Sitterfeit, Sortt, ^afj, 3tad)gier, ©rintnt nnb ffteib. 7. Safj and) meinen gäftb aufljören, SDafj er nid^t mefjr miber midj fftebe alfo freoentlid); $a, bn moUeft iffit belehren, 2)a§ ber merb Ijinfort mein $reunb, s4Bet= d)er mar mein ärgfter $einb. 8. 2ld), bu molleft ifjtn bergei^en, 2öaS er nriber mid) getljau, Steine bod) eS i^m nidjt an! Unb bu mollft und ©nab berieten, SDag mir leben nad) bem «Streit Stets in ffrieb unb ©inigfeit. 9. Unb menn mir bereinften fterben, ^afi mir fterben als berföljnt Unb mit beiner ©nab gefrönt, fiaft uns beib ben Pimmel erben, Sn ber SammeSbodueit qebn Unb bein 2lntli£ emig feljn. Ser gläubige (Eljrift erlerntet bie immeruiftljreube ©üte Worte«. Ülufmuntermtg. SDte ©iite be§ $drrn ift, bafe roir nicht gar au§ ftnb ; ferne SBarrn« Ejer^igfeit tjat nod) fein @nbe ; fonbern fie tft alle borgen neu, unb beine Xreue ift grofc. Klagl. 3, 22. 23. 2lUeS $)ing l)at feine Seit, ©otteS ©üte aber mäfjret in ©migfeit, mie 3)abib im 136. ^Sfalm „bernt feine ©iite mätjret emiglidj" bei allen Serfeit mieberljolet. ©otteS ©üte ift mie eine Butter, meldje, menn ein Äinb geboren mirb, eS in ifjre Hrme nimmt, für eS forget, eS verpfleget unb ergießet; fo tf)ut and) ©ott an unS 2ftenfd)en. tiefes erfennet nun ein gläubiger ©Ijrift, unb j$mar, 1) baff eS eine unüerbiente ©iite ift. 2ldj, baS fjaben mir nid)t um ©ott berbienet; moUte er itad^ unferm Serbienft mit uns 250 Der gläubige S^rift erlerntet f)anbeln, fo müßte bag $8erberben an ßeib uitb Seele ung brüden. 2) ©g ift eine ung not^njcnbige ©üte; märe ©ott nitf)t fo gütig unb barml)ergig, fo müßten mir Der- fdjmadjten unb üergeljen, unb mürben nictjt einen £ag, ja, nidit eine Stunbe leben. 3)enn mie oljne bie ßuft feine ©reatur leben tarnt, atfo fönnen bie -Jftenfcfien aud) nicßt hefteten ol)ne bie ©üte ©otteg. Sa, mag bag steifte, e§ ift 3) eine immermäffrenbe ©üte; menn ein gläubiger ©Ijrift fein gangeg ßeben anfief)et, t>on feiner ©eburt an, in feiner ®inbf)eit, Sugenb unb ben fortmad)fenben Sal)* ren, fo ift eg lauter ©üte ©otteg. 2öag mir ©uteg an ung fyaben, bag Ijat ©ott in ung gemirfet; mag mir be= fi|>en im ßeiblidjen, bag f>at ung ©otteg ©üte gegeben. Sa, mag nod) melfr gu oerrounberu, eg ift 4) eine ©üte, metdje audj bie Unbanfbaren unb ©ottlofen genießen; aud) über fie läffet ©ott feine Sonne fdjeinen, er gibt üjnen 9iaf)rung unb Reibung; nur ber ©inmofynung beg ^eiligen ©eifteg merben fie nidjt tßeilfjaftig, meil fie if)r |jerg baoor gufd)tießen. ©in gläubiger ©fjrift läffet fid) aber burdj ©otteg ©üte aud) gur $nße, gur ßiebe ©ot= teg unb ©ottegfurcpt leiten, unb ift oerficßert, baß er atfo aud> berfelben genießen mirb big in ben £ob, ja, in alle ©migfeit. © ei» et. ©ott, tote groß ift beitte ©üte, baß 3J£en= fcßentinber unter bem (Sdjatten beitter glügel trauen! recher, Jreube 254 25er gläubige E^rift ertodgei ber ©eete, fftufje in ©ott; gegen biefe |jerrliä)fett ift ©itber, ©otb, ©etb unb aud) eine fönigficfye $roite für nid)^ p achten. 2) ©rofje Herrtidjfeiten ha6eit fie nadj biefem Seben p ermatten, nämtidj beit Eingang in ben Himmet, ba§ 2lnfd)auen be3 breieinigen ©otteg, bie ©e^ feßfdjaft ber ^eiligen ©ngel unb 2tu 3 ermäfjtten, bie 23e* freiung non aßem Seiben, ein etoige^ äBotßfein unb enb= lid) eine fröf)tid)e unb fetige Sßuferftefjung be3 SeibeS. ©in gläubiger ©fjrift foß 3) fidj barauf freuen, ficf) ber* fetben bei oorfaßenben £rübfalen tröffen, unb fid) t»er= fiebern, e§ merbe bereinft afleg ßeiben in emigeg ^audjjen oermanbett merben. ©onbertid) aber foß er 4) biefe Herrtid)fetten nidjt oerfdjerpn burd) ein fünbtidjeg 2BeIt= leben, foitbern gebeuten, er fei p etma3 Herrlicherem be¬ stimmt 3« bein ©nbe 5) bleibet er im ©tauben unb in ber Seben3f)eitigfeit, fielet ba§ $rbifdje an atä etmaä S5er= gänglidjeä, ba3 er nertaffen mufj, hingegen fc^idet er fein Herg oft bafjin, mo er emig münfdjt p fein. ©ebet, 2Bie gnäbig, gütig unb barmherzig bift bu botf), o bu etotger unb großer (Sott, baß bu nidjt allein ben ülftenfdjen in großer §errlid)feit er= fdjaffen, fonbertt and), ba er gefallen mar, mie= herum eine große §errlid)!eit zugefaget fpft allen, meldje ba merben bie ©nabe annehmen unb im ©lauben unb heiligen Seben bem Drieb beineö «^eiligen ©eifteg folgen! Denn foldje mieberge= borene unb geheiligte Seelen tonnen fidt> tröften, fie hoben in biefer geit }djon eine große £>err= lidjfeit, nämlich bie $inbfdjaft bei ©ott, bie ©e- redjtigfeit ©h^fti/ bie ©inmohnung be£ ^eiligen bie fünftige ^errlidjfeit ber Ättiber ©otteS. 255 ©eifteg, ben ^rieben mit bir, beine §ulb, ©nabe unb ßiebe, gu melier fie adegeit getroft in ihrem ©ebet treten, unb non ber fie in üRötljen §ülfe unb Söarmhergigfeit erlangen fönnen. 3U biefer £)errlid)feit mirb nod) eine größere fommen nad) biefer 3eit; benn wenn bie (Seele Dom Seib ge= fdjieben ift, fo fod fie fogleid) gelangen gum 2ln= flauen beineg 2lngefid)tg, fie fod beinen ^eiligen gugefedet unb mit ^immlifd)er Sfreube erfüllet werben* 3U faldjer §errlid)feit mirb and) ber Seib nad) ber 2luferftef)ung gelangen, ba foll er oertlöret werben unb leuchten wie bie Sonne. 9ld), mein ©ott, oerteilje mir ©nabe, baß id) btefe £errlid)feit möge adegeit oor klugen haben, wie id) im Sterben redf)t werbe anfangen gu leben, wie im £obe mein @lenb, nicht aber mein Seben in bir ein (Snbe nehmen werbe, unb baß id) alg= bann aug ber Unruhe gur fRuhe, aug ber £rüb= fal gur tJfreube, aug ber Wngft gur SBonne, aug ber Straurigfeit unb bem ^ammerthal gum £roft gelangen fod. 5Id), erhalte mid) im ©lauben unb in ber gfrömmigfeit, baß id), wenn bie 3öelt mid) oerführen wid, gebenfe, wer idf) fei, nämlid) bein Sinb, unb wag idf) nod) oon bir gu erwarten habe, nämlid) bie ewige §errtid)feit unb Selige feit, bamit id) nimmermehr bie 2öelt möge lieb haben, unb barüber beg ^immelg ^errlidfjfeit 256 2>er gläubig« (Sljrift erwäget bie fünfttge ^errlic^feit. oerfäumen. £nlf, bafe id), mie bie Säufer, fo in ben ©cpranten liefen, aufmerffam mären auf alle dritte, bamit fie ba§ Uletnob erlangten, aud) möge oorfid)tig manbeln, unb nid)t al£ ein Un= toeifer, fonbern al§ ein äöeifer, bamit idj am 6nbe meinet Sebent mit Söafyrljeit fagen föitne: 3d) I>abe einen guten Äampf gefämpfet, id) tjabe mei= neu Sauf DoHenbet, id) fjabe ©lauben gehalten; hinfort ift mir beigelegt bie ffrone ber ©ered)= tigfeit, mcldje mir ber geredete 9ftid)ter geben ttrirb, nicf)t aber mir allein, fonbern and) alten, bie feine ©rfdjeinung lieb Ijaben. 3)er Seib %mx itt ber (Arbeit $8on SSürment mirb oer= gehrt, SDod) aufermedt fott roerben, 5Durd) ©briftum neu oerflärt, Sßtrb leuchten at3 bie ©onne Unb leben obn ßß üftotb $n t)tmmlfc^er ^reub unb SBottne; 2öa3 frfjab't mir bann ber £ob? änten. ©efattg. 2M, : D (Bott, bu frommer (Bott. 1, ©ieb, e§ ift aHe3 mein, gum ©igentbum gegeben, 335a§ @ott nur ift unb bat, %a, fcbon in biefem Seben $ft e§ ftbon aüe3 mein, 3)a§ fRerfjt unb ber ©enufj ©rquidet mitb gar oft $n fügem Ueberflub. % $)enn fiebe, ©ott ift mein, Söeit feine SBatertreue, SBerpftegung, £ieb unb ©cbup 2öirb alle borgen neue, ©r ift mein Siebt, mein 4peit, 9Jton §etfer unb mein ©ott, Sttein Söeiftanb unb mein 5£roft $n aüer meiner 9totb. 3, Unb $©fu3 ift auch mein, ©otlt id) mi(b nicht er- freuen? SBa§ barf ich üßotb unb £ob, $)a§ ©rab unb ©rbe freuen? ©ein 231ut, ©erecbtigfeit Unb fein SSer= 2>er gläubige ßtyrift teiltet unb bittet ©ott feine Sünben ab. 257 bienft ift mein, ©oll id) begmegen nid^t 23on bergen fröt)* lief) fein? 4. $>er $eitge ©eift ift mein, $)enti er I)at mief) ge* fefjmüdet 9ftit ©tauben, ßid)t unb Äraft, $n il)m leb id) beglüefet $tt biefem £f)ränentf)al; äfteiit $©fu£ freutet mir 2)ie§ $fanb ber ©eligfeit 3nm ©ieget fetjon atlf)ier. 5. 3)er gimmel ift and) mein, 2U3 melden mir er- tnorben 9ttein $@fu§, ba er ift 2lm ®reuä für mid) ge* ftorben. ^d) teb nun ober fterb, ©o meifj teif) mof)l, mo= 1) in, SBeil id) burcf) $©fn 23lut ©in $immel3erbe bin. 6. Unb fo bin id) ja reid) 93ei biefen großen ©djäjjen, 2) enn biefe ©djätje fitib% ‘Sie mief) allein ergäben; $a, fetig bin id) fd)oit $it biefer ©nabenpit, Sa id) ben 5ßor= fctjmadf !)ab s#on jener |jerrüd)feit. 7. Sod) broben mirb mein |)eil $n tmHem ©lang an* t)eben, Sn ^rieben, Sroft unb Stuf), Sn jenem $reuben- leben, Sa rnerb idt) tjerrlid) fein, Sn frofjer §immel&= pradjt, Unb merb ba emig fein, 2Bof)in id) ftetö gebadet. Ser gläubige (£firift beidjtet unb bittet ®ott feine ©iinben ab. Slufmiuttenmg* ©ott, fei mir gttäbig nadt> beiner ©üte, unb tilge meine ©ünben nadj beiner großen sBarmtfepgleit. Söafdfe mid) roofjl oon meiner 9Jfiffetl)at, unb reinige mid) uon meiner ©ünbe. p. 51, 3. 4. ©inen gnäbigen ©ott p fjaben, ift mafjrlid) ber fetigfte ©tanb eine§ ©l)riften. 3mar meinet bie SBett, SReici)tf)um f)aben, geehrt fein, immer t)errtid) unb in Sreubett leben, ba§ märe ©lüdfeligfeit; aber fie betrüget fid), ba§ atteg mujj t>ergel)en, unb bringet oftmals ein böfe§ ©emiffen, fernere SSerantmortung, unb einen unfeltgen Sob. ©läu= bige ©Triften unterfliegen bertjatben 1) alle Sage if)r ©e= miffen, ob fie nod) in ber ©nabe ©otte3 fielen; 2) roenn 258 Siet gläubige ß^rift beiztet fie gut 23eid)te geljen, }o benfen fie nidjt allein an ißre ©ünben, fonbern bitten ©ott tjerglicf} um ^erjeiljung ber= felben; fie bereuen fie, fie trauern barüber, unb nehmen iljre guftucßt ber Sarm^erjigfeit ©otteS unb gu ben blutigen SBunben $@fu, unb flefjen bemütljig um ©nabe. £mt ©ott ü)nen nun Vergebung ber ©ünben burdj ben SJlunb feinet Wieners wiberfaljren laffen, fo tröften fie fid^ beffen, trauten aber, 3) einen gnäbigen ©ott ju bemalten, inbem fie fid^ oon bem ^eiligen ©eift regieren laffen; fie befleißigen fidj eines cfyriftiidjen ßebenS, unb bemeifen folcßeS audj in Sieben, SBorten unb SSerfen, flietjen bie ßafter unb ti origen fitnblitfjen ©emo^nßeiten; alSbann roiffen fie, baß fie im Seben unb ©terben einen gnäbigen ©ott haben werben. (Scbet* ^eiliger, breieiniger ©ott, Später, @of)n unb ^eiliger ©eift, id) armer @ünber fomrne attfjter bor bein aEerljeiligfteS $tngefid)t, unb bitte bid) ^er^lid) unb bemüttyig um Vergebung aller mei= ner ©ünben. mein ©ott, idj erfenne, ba& id) bid) leiber ! vielfältig erzürnet habe mit Dielen böfen ©ebanten, ^Borten unb SBerfen. §@rr, §@rr, baS betrübet mid), unb ift mir oon §er= gen leib, ®u haft mid) burcf> bie heilige £aufe gemalt gum @d)äflein beiner SSeibe unb gum ©lieb an beinern Seibe, barum id) beine stimme allein hören unb bir geljörfamen foEte. foEte als bein ©igentljum meine ©lieber begeben gum Dbfer, bas ba lebenbig, heilig unb bir n>ohl= gefäEig ift. äber ad), maS foE id) fagen ? id) habe unb bittet Oott feine ©iinben ab. 259 oftmals me^r bie stimme ber 9Belt unb meines Q?Ieifcf)eS, als beitie stimme gehöret, unb f)abe öielfältig getrau, maS bir gumiber ift. 0 ber Sölinbfyeit meinet fiergenS ! 0 ber %l)orf)eit mei= ner jungen 3a^re ! bu nun mit mir ins ©eridfjt gelten, miClft bu nad) beiner ©eredjtigfcit mit mir Ijanbeln, fo bin id) emig Verloren; beim mein ©emiffen zeuget miber mid), unb meiner @ünben finb mehr, als beS SanbeS om äKeere. 2ldj, it ad) beiner großen ©armljergigf eit erbarme bid) über mid). 2Wj, mein Sßater, red)ne mir nid)t gu , maS id) 3eit meines ßebenS 93öfeS ge= tfjan, fonbern redjite mir flu, maS 3®fus (£f)ri= ftus, mein §eilanb, für mid) get!)an ; id) ergreife fein für mid) uergoffeneS 53Iut in tuabrem ©lau= ben, id) eigne fein SBerbienft mir $u, unb fpredje: 2ld), um 3@fu mitten fei mir armen ©iinber gnäbig. ,3d) miü ^tnfort ein neues unb from= meS ßeben anfangen, unb miber bid), o breieiui= ger ©ott, nid)t mefyr mutbmiüig unb üorfä&lid) fünbigen. 0 $©fu notier ©nab, Huf bettt ©ebot unb fRatf) ®ommt mein betrübt ©emütlje 3« beiner großen ©iite; Sab bu auf mein ©emiffen ©in ©nabentröpflein fließen. £)urdj bein uitfdjulbig S9lut, SDie fdjöne rot^e $lutf), SBafd) ab alt meine er* fctjminbeu; ©®rr, §©rr, gnäbig, barmljergig, gebulbig unb oott großer ©üte, bu mirft nidjt etoiglid) gürtten, fonbern bid) meiner toieber in ©naben erbarmen. 2lch, b^nble nicht mit mir nach meinen @ünben unb oergilt mir nidjt nach meiner üDitffethat. 2ld> ©ott, bu höft cgefagt, bu toodeft nidjt ben £ob beS @ünberS, fonbern baf} er fid) befeljre unb lebe. 9ld), erbarme bid) aud) über mid), er= gürnter ©ott, fiehe mid) nid)t an in meinen «Sünben, fonbern fiehe mid) an in 3©fu, bei= nem Sohn, meinem einzigen §eilanb, Mittler unb Seligmad)er! Um feines oergoffenen 53Iu= teS toiden erbarme bid) über mid), um feiner hd= ligen SBunben toiden erbarme bid) über mid), 262 2>er gläubige E$rift beiztet unb bittet (Sott feine Sünben ab. um feiner twttgülttgert @ered)tigfett mitten, bie id) im magren ©lauben ergreife, erbarme btd> über mtd)! Safe mtd) ben £roft in meinem §ergen empfinben, mir feien meine Sünben ner= geben, id) fei burd) ,3®fum, meinen §eilanb, mit bir nerfö^net* 3d) mitt burd) betneS ^eiligen ©eifteä ffraft mein Seben änbern, mir beine atterbeiligfte ©egemoart norftetten, unb benfen : 3d) gef), ftef), unb ttm£ id) immer tf)u, fo fteljft bu ba, unb fiefjft mir gu. Safe foI<^e ©ebanfen nimmer aus meinem §er^en fommen. * fontme jefct gu bir aütjie 3n meiner 9totf) ge= fdjritten Unb roitt bid) mit gebeugtem Änie SSon gangem bergen bitten, Vergib mir bod^ genäbiglidE), 2Ba£ id) mein Jage miber bid) Stuf ©rben l)ab begangen. £) §©rr, mein ©ott, nergib mir’S bod), Um beines üJkmenS mitten, Unb tt)u in mir bas fernere Sod) ®er Uebertretung ftil- len, $)afj fiel) mein §erg gufrieben geb Unb bir Ijinfort gu @l)ren leb $n finblidjem ©eljorfam. Simen. ©efatig. Sftel. : SS et nur ben lieben ©ott lä§t walten. 1. 2Ba3 fall id) ©ünber nun anfangen, 3)a mein ©e- miffen mir aufmad)t? Std), ad), ma§ l)ab id) bod^ began* gen, 35afe id) t)ab meinen ©ott üeradjft? @ered)ter ©ott, üerftofe mid) nidjt, Stc|, get) nid)t mit mir ins ©eridjt! 2. ©ott unb fein SBort l)at mief) geletjret $5en redeten Söeg ber Setigfeit; 3d| t)ab ntid) aber nid)t belehret $n meiner grofeen <5id)erf)eit. ©eredjter ©ott, nerftofe mid) nidjt, Std), get) nid)t mit mir ins ©erid)t! 3. ©rgürnter ©ott, oergeit) mir Strmen, SSergeif) mir meine fernere ©djulb; Std), fdjjenfe mir burd) bein ©rbar* $er gläubige Gtyrift betet bet bem (Senufj bei tyeil. 2l6enbma$l8. 263 men Um 3@fu mitten ©nab unb |julb, ©ereilter ©ott, nerftofj mid) nidjt, Üld), gef) nidjt mit mit ing ©eridjt! 4. fließe f)in §u &©fu SBunbett, 2Ug meldjet midj ertöfet fjat; 3Bo atte ©ünber ©nab gefunben, $>a tjoff unb fudj idj aud) ©enab. ©ered)ter ©ott, üerftofj mid) nidjt, 2ld), gef) nidjt mit mir ing ©eridjt! 5. $d) änbre nun mein böfeg Seben Unb fang ein front* meä fiebert an; $d) mitt mid) bir, mein ©ott, ergeben, Unb nidjt mefjr tf)un, mag id) getfjan, ©eredjter ©ott, tierftofj mid) nidjt, 5tdj >, gef) nid)t mit mir ing ©eridfjt! 35er gläubige <£f)ri|t betet bet bem ©ettufj beb betligen abenbmobfe. Stufmuntcrung. ©o oft i^r oon biefem $Brob effet, unb »on btefem Äeldj trintet, fottt tfjr beS §@rtn Xob oerlütibigen, bis bafi er tommt. 1 gor. 11, 26. Unter anbere ©tärfungen beg ©laubeng, ber ßiebe gegen ©ott mtb^ben -JMdfjften, gehöret aud) bag Ijeilige Sbenbmaljl, alg’in meinem fidf) $©fug mitt mit unfern Seelen oereinigen, barin moijnen, bief eiben regieren, Ijei* ligen unb in ber fjrömmigfeit erhalten big ang ©nbe. biefeg fjeifige 2lbenbmal)l 1) oeradjtet unb oerfäumt ein gläubiger ©fjrift nidjt, mie bie Sftamendjriften pflegen, roeldje megen iljrer ©itelfeit, Söeltfreube, $tad)gier, $od)= mutf) unb SBofjlfeben fo gerftreuet finb, bajj fie nidjt fön* nen an biefeg ©eelenpfanb benfen. 2) ©g geltet ein gläubiger ©fjrift aud) nic^t ang bloßer ©emofjnljeit pm ^eiligen $lbenbmaf)l, fonbern er fommt ba$u mit einem bemütf)igen, anbädjtigen unb gläubigen §ergen, meldjeg ba ift oott guten $8orfa$eg, in ber Siebe S©fu unb in ©ottegfurcfyt beftänbig gu oerljarren. Unb biefeg ift and) 3) fein ©ntfdjlujj, bafj er nadj bem fjeiligen $tbenbmaf)l fid) feinem ©ott ganj ergebe, fraft biefer ©eelenfpeife atte 264 Ser gläubige Sfyrift betet Sage frömmer, anbädjtiger unb eifriger roerbe in feinem ©t)riftentf)um unb in ber Ausübung c^riftlidjer Sugen* ben, ja, feinem ©ott im ©tauben unb in ber $römmig= feit treu oerbteibe big in ben Sob. © e f »et* Wein 3®fu, tute !ann id) genugfam beine grofce Siebe greifen, bafc bu nid)t allein für mid) armen Sünber bid) in ben Sob gegeben, fonbern bafe bu mir and) beinen ^eiligen Seib unb bein tfjeureg »lut gu einer Serienreife in bem f)ei= ligen 2lbenbmaf)l öerorbnet Ijaft! 0 ßiebe, bein $ob bringet mir ba£ ßeben, unb bein Seib unb »lut ftärtet unb erquidet mid) gum emigen ßeben. 0aburd) bleibe id) in bir unb bu in mir, bu lebeft in mir, unb in bir erlange id) ©eredjtigfeit unb Störte; batjer fann mid) meine* Süttbe nid)t fd)reden, unb Satan fann mid) nidjt oerbamtnen, benn in beinern ©nabenmal)! empfange id) ba£ Sofegelb für meine Sünbe. §ier empfange id) ben Seib, ber für mid) in ben Sob ift bafjin ge= geben, t)ier empfange id) ba£ »lut, ba3 für mid) ift nergoffen morben gur Vergebung ber Siinben. 0icje£ ift ba§ »erfötjnunggblut, baburd) meine unb alter Wenfdjen Sünben finb getitget morben. So getoi§ xd) nun bagfelbe empfange, fo gemife bin id) mit ©ott üerföfjnet unb fjabe Vergebung aller meiner Sünben. 0u Ijaft in ber fjeiligen bet bent ©enufj be3 ^eiligen 9lbenbma§t$. 265 Saufe, al§ in bem erften €>acrament, fo id) em= pfangen, mir ben ^eiligen ©eift gum $fanb unb ba£ neue Seben gegeben, baburcp id) ber= fidjert bin, ba§ td) bein Rinb unb 6rbe bin. Sn bem ^eiligen $lbenbmat)l, al$ bem anbern Sacrament, gibft bu mir ba§ $fanb beineö ßei= be£ unb ©lutes, baburd) bu ba§ geiftlidje Seben itt mir tmtfft erhalten unb ftärfen. Sld), mein ©ott, ^eilige meine @eele, ftarfe meinen ©Iau= ben, barnit id) biefeä ßiebe§mal)l mürbig unb felig empfangen möge, ©ib, bafj meine @e= banfen allezeit mögen bei bir fein; Vertreibe au£ meinem ^ergen alle fünblid>e ©infälle unb ©e= gierben unb ade§, ma3 mid) in meiner $lnbad)t fyinbent !ann, barnit bu in mir beharren fönneft, unb id) in bir fein unb bleiben möge in alle ©ttrigfeit. $Grfu, mafjreä 23rob be3 £eben§, §ilf, baß idf) bod) nidjt öergebeng Ober mir üieUeidjt jum ©djaben ©ei §u beinern £ifdj getaben. Safe mich burdj bieö ©eelen* effen $)eine Siebe recfjt ermeffen, 2)afj id) aud), mie je|t auf förben, 2J2ög ein ©aft im $immel merben. Simen. <$efatt$* 2M. : SlEfein ©ott in ber §öf) fet ®Ejr. 1. O 3©fu, meiner ©eele Sidjt, Sftein £roft nnb mein Verlangen, $d) f)ab nor beinern Slngefidjt 2)ein Siebet maljl empfangen; Sld), moljne bodj ijinfort in mir, mit ic§ möge ftetö oor bir $n magrem ©tauben prangen. 266 2>er gläubige betet 2. 0 Siebe, bie bu mid) jo liebft Unb fdjenfft mir beine Siebe, Da bu bid) mir gur Spetfe gibft, 2tcf>, bafc id) emig bliebe Mit bir, o Sebenglidjt, oereint, Unb burd) bein tfjeureg S3Iut gereint, Dajj mid) nidjtg non bir triebe. 3. Der $8ater Ijat mir Ijeut gefcfyenft Den ^rieben unfrer (Seelen; Sä) bin gefpeifet unb getränft, 3ßag fann mir ©uteg fehlen? SSeil id) nunmehr in $©fu bin, (So ift bie Sünbenangft baljin Unb fann mid} nidjt meljr quälen. 4. Mein $©fug !jat mein £jerg erfüllt Mit feiner fügen ffreube; Mein junger ift burd) ifjn gefüllt Stuf biefet Seelenmeibe. Dein Seib, o $©fu, unb bein 33lut Sinb bag gemiffe $fanb unb ©ui, Daß id) nidjt non bir fdjeibe. 5. Der §eitge ©eift gibt mir babei Den Droft, ber mid) erfreuet, Da§ id) nun in ber ©nabe fei, Diemeit ber Sunb erneuet; 3a, ba^ id) bin ein ©ottegfinb, Dag bei ©ott Droft unb ©nabe finb’t, Dag fein Ungnab meljr freuet. 6. ©ott Sob, ber meine Seele Ijat So Ijerrlid) motten fpeifen, Um baburd) neue Sieb unb ©nab Mir Slrmen gu ermeifen; Den miU idj bafür allezeit, Slud^ in ber fronen ©migfeit, Mit ftetem Sobe greifen. ©in anbereg ©ebet bei beut ©eunff be§ ^eiligen $benbmal)lg. 0 3@?u, ba idt) anfetn) bein fyeiiigeg Siebet rnafjl empfange, fo empfange idj eg audj ju bet= nem ©ebäd)tnif$. 3$ bente an beine Siebe, mie bu mir gu gut in bie SSett gefommen bift, bafj bu mid) mödjteft gum @rben beg emigen Sebeng madjen. 3$ benfe an beine harter, $Pein unb bei bem ©enufs be§ ^eiligen 2lbenbma§!3. 267 5öunben, moburdp meine Sünben unb Strafen finb oon mir genommen unb beine ©eredptigfeit mir ift gefdjenfet morben. 3$ bente on beinen $ob unb an beine 5luferftehung, moburd) mir Seben unb @eligfeit ift mitgetheilet morben, 3$ meife, o 3©fu, um beinetmitten erlange ich ©nabe, bie Äinbfdhaft, ben ^rieben unb bie |rimmel&= freube. 3$ toerbe ntd)t öerloren merben, rnemt ich in bir, o 3@fu, bin, unb bu in mir bleibeft, 51 ei= ligung unb meiner ©eligfeit SBerfidjerung behaf= ten möge, 0 merther ^eiliger ©eift, erhalte midh in foldher ©nabe big an mein feligeg ©nbe. 33emaljre mid), baj$ ich nid)t mieberum rnutl^ mittig fünbige unb aug ber ©nabe falle, bamit 268 3>er gläubige <5t>rift betet bei bem ©enufc beS fyeil. 2Ibenbma!jl$. bag £c£te mit mtr nidjt arger merbe, benn bag ©rfte; fmtbern bag id) im (Stauben an ben brei= einigen ©ott, in ber Siebe gegen ben ÜRädjftett unb in ber 3^bmmig!eit beharre big an meinen £ob, bamit id) beg ©laubeng (Snbe, ber «Seele Seligfeit, möge baroutragen* $@fug fei mein ©peig unb Dranf, QlEfug fei mein ßobgefang, $@fug fei mein gangeg Sin, $(Sfug fei mein $reubenfd)aE. (Enblid) lab, o ljöd)fteg ®ut, $(Efu, lag bein tfjeureg 33lut, $)eine SSunben, beine Sßein, deinen Droft im Dobe fein. Simen. <£tef attg* 3M. : 9hm lafet un§ ©ott, bcm £©rren. 1. SRein 3@fu, fei gepreifet, Dafj bu mich I)aft 9^ fpeifet -JRit biefer §immelggabe, Die id) empfangen l)abe. 2. Dein Seib, ber ©eele Seben, $ft mir jepunb ge¬ geben, Dein 23lut l)ab id) genoffen, Dag bu für mich oerg offen. 3. SBeil 3©fug gu mir fommen Unb mein §erg ein= genommen, ©o ift er nun ber Steine Unb id) bin audj ber ©eine. 4. $n $(Efu bin id) frö1)lid), $n $(Efu bin id) felig; (Er mirb mir ®nab ergeigen, Denn id) bin nun feilt eigen* 5. SCRein $(Efu, ©eel unb Seben SöiE id) bir gang er= geben, Sld), mad)?g mit mir in allen -Rad) beinern SBoljl- gefallen. 6. Did), bid) miE id) umfaffen, Du mirft mid) nid)t uerlaffen; (Eg foE fein ^reug unb ßeiben 9Ridj nun non $(Efu fdjeiben. 7. Unb roenn id) einft foE fterben, ©o nimm mid), beinen (Erben, hinauf gur $reub unb SBonne, 3Bo bu bift £id)t unb ©onne. $er gläubige Sljrift bittet, ©ott Jooße ifyrn Äraft geben. 269 $er gläubige (ffjrift bittet, ©ott motte i(p traft geben miber bie SituDe. Slnfmuuteruug. Saftet bie ©ünbe nidjt f)ettfd)en in eurem fterblicfien Seibe, itjm ©eljorfam gu leijten in feinen Siiften. SCud) begebet nidjt ber ©ünbe eure ©lieber $u SJBaffen ber ttngeredfjtigfeit, fonbern begebet eud) felbft ©otte, als bie ba aus ben lobten lebenbig ftnb, unb eure ©lieber ©otte gu Söaffen ber ©eredftigfeit. 9töm. 6, 12. 13. 3Die @ünbe ift ein Slbtoe idjen Don ©ott, eine Ueber* tretung beg göttlichen ©efepeg; fie ift bag Unrecht. 9?un aber miß ein gläubiger ©|rift nic^t gern Don ©ott ab* roeicfyen, noch ©otteg ©ebot übertreten unb Unrecht thun, fonbern fein Verlangen ift, bajj $©fug in it)m lebe, unb bafj ber ^eilige ©eift ifjn regiere; foeil er aber biefeg itic^t aßejeit fo Dotlfommen ing 2Berf rieten famt, fo ntufj er fämpfen miber bie ©iinbe. Diefer ^ampf beftetjet barin; 1) 2)er gläubige ©hrift weife, bafe, tuer aug ©ott geboren ift, ber thnt nid)t @iinbe, nämlich mit SSorfa| unb Söiüen, unb barum hütet er fid), bafe er feinen ©ott nicht miffent* lieh unb Dorfäfelid) beleibige. 2) 2Beil ihm aber bag nicht genug ift, fonbern er iooÜte auch gern fein gan5eg |)er5 mit ©eele, ©eift unb Seben feinem ©ott heiligen, hin* geben unb meinen, fo befümmert ihn oft ein eingigeg füttblidjeg SBort, bag er gerebet, eg betrübet ihn ein auf* fteigenber böjer, fünblicfter ©ebanfe, unb fo er in ber ®fjat ©ott ober ben ^ächften beleibiget hot, fo feiltet er barüber. $n biefem ®ampf 3) nimmt er feine gufludjt ju ^©fu ©hrifP unb bittet um ®raft unb 0tärfe, er wolle ihm helfen, bie er gläubige (Styrift bittet, faffung fteljet, unb Verlangen Ijat, ®ott öon gangem §ergen, mm ganger @eele unb aßen Kräften gu bienen, bajj, bec ba§ Stoßen ^at gegeben, merbe aud) ba£ Soß* bringen bagu üertei^en; S©fu8 merbe feine Mängel unb Segler mit feinem Stute gubecfen, ja, ba§ t)ergtid)e Ser= langen if)m taffen mof)tgefaßen. e b t t. ©tarier unb allmädjtiger ©ott, ber bu alle# toeijjt, ma3 in bem 9J2enfd)en ift, ad), bu fiefjeft, toa3 id) für einen heftigen $amf)f fjabe toiber bie ©ünbe; id) mollte gern oott ^ergen fromm fein unb bleiben, bid) nidjt mcfyr erzürnen, nad) bei= nem ^eiligen 9Bort mein ßeben anfteüen, unb beinen ^eiligen ^Bitten allein ootlbringen; aber id) füljle ein anber ®efe| in meinen ©liebem, ba§ ba miberftrebet bem ©efe|j in meinem ©e= mütlje. SBenn id) meine, id) ftünbe nun gan-j feft auf bem guten SBorljaben, fo muft id) oftmals erfahren, baß auf einmal fid) in mir ©tolg, eige= ner 3Biüe, eigene ©t)re, 9Zeib unb SBibermiüen gegen ben üftädjften geigen, baf$ fünbtidje ©eban= !en ficf) in meinem bergen einfinben, ja, baf$ id) fünbige mit unbebad)tfamen SBorten unb unan= ftänbigen SBerten. 21d), id) betrübe mid), bafe id) fo t)oü Unreinigfeit bin; reinige bu mid), £)©rr, fo toerbe id) rein. 3d) erfenne in beinern Sid)t unb burd) beine ©nabe, bafe ©ünbe tl)un ein grofee£ Uebel, mein $erberben unb meine ©ott moUe itytn Äraft geben toiber bie ©ünbe. 271 ^Slage fei, mooon id) gern frei merben modte, baljer id) bamiber in beiner Sraft fämbfe, unb bod) gumeilen übermunben merbe. Mein eben biefer elenbe ^uftanb betrübet mid); mag mid bod) enblicf) aug mir merben, menn id) halb fromm, halb böfe bin, unb menn meine Öröm= migfeit feinen ©eftanb fjat ? Du fiefjeft ja, mein ©ott, mie id) über mid) felbft erfdjrede, mie id) aber mir nid)t Reifen fann aug eigenen Prüften; barum fomme id) gu bir, unb bitte bid), oergib mir alle bigfjerigett @ünben unb Unoodfommem fjeiten; fobann gib mir $raft, ber Sünbe %u miberftrebeit; ktfj beinen .^eiligen ©eift in mir mofjnen, unb mein §et*3 reinigen, lafj itjn mid) erinnern, menn id) zornig, radjgierig, f)od)iitütf)ig merben mid, bafc er mir algbattn gurufe unb fpredje: Denfe, bu bift ein ©fyrift, benfe, bu bift ein ffinb ©otteg, ober midft ein ^inb ©otteö fein; bamit id) möge fanftmütfyig, bemütbig unb fromm merben. §@rr, bu fjaft mir bag SBoden gegeben, gib mir and) bag $odbringen. @tärfe mid) an bem inmenbigeit ÜSKenfdjen, bafe id) burd) beine ^raft eine Süttbe nach ber anbern ablegen unb über fie berrfdjen möge. Wafyt mid) immer ftärfer, bie Söelt in mir unb au&er mir §u über= minben. Sdutt, id) oermag adeg burd) ben, ber mid) mädjtig madjet, ©Ijriftug! 272 2)er gläubige GIjrift bittet, ©ott troHe i^m Äraft geben. 2lcfj, tjilf mir, mein ©ott, unb gib, $af3 id) fei Don $er* gen fromm, 2)amit mein ganzes ©f)riftentf)um Slufridjtig unb redfjtf cf) affen fei, Üfticfjt Slugenbienft unb Heuchelei. Simen. <$ef attg* 9M. : 21 He 2ftettjcf)en ntüffett fterben. 1. $d) miß oon ber 3Selt auSgefjen, Sßeil icf) leb nodj in ber Söett, 2Beil id) an ifjr ba§ ntufj fefjen, 3ßaS aufs f)ödjfte mir mifjfäßt, üftämlid) $recf)t)eit, Hoffart, Sögen, ^alfcf»f)eit, ©itelfeit, betrügen, $einbfdjaft, Untreu, gaitf unb ©treit, Sieib unb Ungerechtigkeit. 2. ©oldje ©ünben miß icf) fjaffeti 3)urd) beS |jeifgen ©eifteS $raft, Unb bie böfe 333elt oerfaffen, 3)ie nur an ber ©ünbc Ijaft't; ©ott miß id) mein H^S ergeben Unb in ifjm beftäitbig leben, ßttein $er§ foß fein eigen fein, ^m gehört eS aucf) aßein. 3. 3Berb id) §mar mol)l müffen bleiben $n ber 393elt nod) eine $eit, ©0 id) bodi) nidjt mit treiben ^f)re 333eiS unb ©ünbenfreub; Sdj miß immer fein beffiffen, $)af? id) fjab ein gut ©emiffen, 2)a6 es ^ier bfeibt un- befleckt, Son ber 2Beft unangeftedt. 4. SBer fo oon ber SBelt auSgef)et, Sei bem gefjet $©fuS ein; 333aS oon 3S3elt gefeeret ftefjet, 333irb mit ©ott erfüllet fein; 93teibet gleich ber Seib auf ©rben, 2Birb bie ©eel bod) fjimmlifd) merben; ©o ift meinem Seben mofjl Unb bie ©eel ift freubenooß. 5. Sid), mein ©ott, üerteif) aus ©nab, 3)afj id) ja gef) aus bei $eit, $5amit idj nid)t leibe ©d)aben Sin ber ©eele ©etigfeit; 333er ber SBelt ©emof)nf)eit liebet Unb ben SluSgang ftetS auffdjiebet, $>en erfjafdjt zulejd ber £ob, Unb er ftirbt bann of)ne ©ott. 6. 2)rum miß icf) ans Sabel fließen, ©onbre bu midf) felbften ab, ©fj ber $ob midf} fjeifjet ziefjen SluS bem Seben in baS ©rab; $a, id) miß ber Söelt abfterben Unb ent= gefjen bem Serberben, ©o fomm id) ittS Himmelszelt, 333enn id) auSgef) aus ber 333elt. 25er gläubige Gtjrift will ficb ©ott jum Opfer geben. 273 Set gläubige (Efjrift toiU jtdj Sott put Opfer geben. S2lufmmttermtg. ermahne eud), lieben Sriiber, burdj bte Sarm^erjigfeit ©otteä, ba& tl)t eure Seiber begebet jum Opfer, ba3 ba lebenbig, heilig unb ©ott wohlgefällig fei ; wel^eä fei euer oernilnftiger ©ot= teäbienft. 9töm. 12, 1. ©m mufj fid) ein jeber (S^rift fleißig oorftetten, bafj wir nicht unfer eigen, fonbern ©ottem finb. tiefem aber foCC unm aufmuntern, bafj mir unm felbft unb allem, wam mir haben, (S5ott aud) mieberum aufopfern. $>ie Opfer bem alten Xeftarnentm, baran ©ott fottte einen SBofjlgefatten haben, mußten 1) freimittige Opfer fein. 3Der SJtenfdj mufj nid^t in ber Sßelt fromm teben aum gurdjt bor ber ©träfe unb ber §ötte, fonbern aum Siebe zu ©ott, benn fonft ift fein Opfer ein gezwungenem Opfer; ja, wenn aud) feine @ötte märe, fo wirb ein wahrer ©grifft bod) aum Siebe fidE» ©ott gum ©igentpum ergeben. 2) 3)ie Opfer mußten ©ott ganz, mit ®opf, ©ingemetben unb ©djenfeln, unb nicht halb gebraut werben; berhalben fotten mir unfer §erz nicht |alb ber SSelt unb halb ©ott geben, fonbern Don ganzem §erzen, öon ganzer ©eele unb aum atten Kräften ihn lieben unb unm ihm ergeben; ein halbem, ge= theiltem §erz unb Opfer oermirft ©ott 3) 4)ie Opfer mußten unbefledt fein, barum man fein Säumern unb 33linbem ©ott bringen burfte. 3Bir fotten unm bemwegen hüten, baf? mir bie ©eele unb ben Seib nicht mit ©üm ben beflecfen, fonbern beibe ganz w feinen $)ienft zu ftetten unm bemühen. 4) ©ott fjat fonberlid) ein belieben ge* tragen an Opfern, welche nodj jung waren, an jährigen, zweijährigen Sämmern, unm bamit zu z^gen, bafc mir mit unferer ^Belehrung nidjt fotten warten bim in bam hohe Filter, fonbern unm fein in feiten, in blüljenber $ugenb, ©ott zu einem Opfer übergeben. 5) 2Bam einmal ©ott geopfert mar, burfte man nicht mieber aumtaufdjen ober 274 SBer gläubige ©Ejrtft «nll fic§ ®ott jum Opfer gebe«. roegneljmen; fo fott auch ein Sfjrift in feinem guten SBorljaben, fit§ ©ott §um ©igent^um §n ü&ergebett, be= ftänbig fein. ©e&et* £>@rr, £>@rr ©ott, ber bu beinern $olf Sftaet Befohlen, btt täglich Opfer gu bringen, melcbe bir mußten gang gebeitiget unb übergeben merben, fiebe, id) bringe bir mein gläubigeg unb bu§fer= tigeg |>erg, bag mirft bu nicht verachten. $>u baft mich, o bimmtifeber Später, erfebaffen, bafc id) fott fein beiu ©igentbum. ®u boft mid), o liebfter 3©fu, erlöfet mit beinern 23tut, baf$ i cb in beinern 9teiu buft mid), o mer= tber ^eiliger ©eift, gebeitiget, ba& icb fott fein beine SBobnung unb baf} ©bnfto in mir lebe* 0, barum mitt icb mich bir auch mieber gang unb gar aufopfern unb ergeben. opfere bir auf meinen ^Bitten; icb mitt nun nicht mehr ooK= bringen, mag ich mitt, fonbern mag bu mittft. 30iußte üon alten Opfern bir bag gett fonberticb geopfert merben, ja, mürbe ohne 35er gläubige G^rift toiß ftdj Sott gum O^fer geben. 275 bagfelbe fein 0bfer bir angenehm getnefen fein, fo la& bir aud) meine ©abe gefallen* 3f t folc^e ein oon ÜKatur mtreineg unb gum 0bfer untiid^ tigeg ^er^, ad), fo itmfdje eg mit bem 33lute 3©fu ©grifft, meldjeg id) in magrem ©lauben amtefjme; reinige bu eg fetbft burd) beinen ^eiligen ©eift, ^eilige eg bir gur 28of)nung, ba§ bu barinnen regiereft unb f)errfd)eft. opfere bir auf mein Seben; bag mit! id) nad) beinern ^eiligen Söort unb nad) bem guten £rieb beg ^eiligen ©eifteg führen. 3d) opfere btr auf meine ©lieber; btlf, bafe fie mögen merben Söaffen unb 2Berf§euge ber ©eredjtigteit, baß id) fie nid^t gur <&ünbe unb @d)anbe mipraud)e, fonbern bafj fie bir mögen geljeiliget bleiben. 2Bie bag ©eobferte mit niemanb mefjr ©emeinfdjaft Ijaben burfte, fo null id) mid) and) gerne t>on ber fünblidjen 2Belt abfonbern unb öon if)rer @efeüfd)aft megbleiben. 3a, id) und mid) bir aufobfern, biemeil id) lebe unb noch gefunb bin, unb nid)t erft auf meinem ^ranfenbette; benn ba mödjte eg etma gu fbät fein. $ld) §@rr, ber bu gu allen feiten, am 2flor= gen, am Mittag unb am Ibenb, fjaft 0bfer on= genommen, fiel )e aud) in ©naben mein 0bfer an. Sringe id) bir eg etma erft um ben SÖJittag mei= neg Sebeng, ober ift ber 2lbenb begfelben medeidjt nalje, fyabe id) bie 3Rorgen= unb Sugenbjeit oer^- 276 ©er gläubige (E§rtft totü ftc§ ®ott jutn Opfer geben. fäurnet, fo tüirft bu bod) belegen mein Opfer rtid)t beradjten; id) bringe bir es im ©(auben, mie $bel; ad), fdtjaue bod) barattf nad) beiner Sarm^ergigfeit ! 3$ mitt nun bie übrige ^eit meinet Sebent bein ©gentfjum verbleiben* §©rr, mein |)irt, 23runn aller greubeu, $)u bift mein, Sdj bin bein, Sftiemanb fann un£ fdjeiben; Sd) bin bein, meil bu bein Seben Unb bein S31ut Sftir §u gut Sn ben £ob gegeben. 3)u bift mein, meil id) bid) faffe Unb bidj nid)t, 0 mein £id)t, SluS bem ^ergen taffe* £afi micf), lafj midj l)ingelangen, bu midj Unb idj bicf) Seiblicl) merb umfangen. Slnten. <$ef attg* 2M, : 2Ber nur ben lieben ©oit läjjt tnalten. 1. 9ftein ©ott, tag mid) ben Söunfd) erreichen, $ar* nad) idj feuf^e für unb für, SDafi id) nid)t möge üon bir meinen Unb bu and) nimmermehr non mir. §ilf, bafj id) alfo teb auf ©rb, $>afj id) ^ier fromm, bort felig merb. 2. ©ib, ba|j idE) S®fu Slut unb SBrniben ©rgreif in magrer 3ut>erfid)t, Unb mit if)m bleibe feft öerbunben, 93iS ba^ üerlifdt)t mein SebenSlidjt. |)ilf, bafj id) alfo leb auf ©rb, Siajj idj f)ier fromm, bort felig merb. 3. Unb bafj id) mög bie Sünbe meiben $8ei jeglidE)er ©elegenljeit Unb alles, maS ba mid) fann fd)eiben Sßon bir unb üon ber Seligfeit. $ilf, bafj id) alfo leb auf ©rb, 35afj id) t)ier fromm, bort felig merb. 4. ^a, bafj id), meil id) lebe, manble Seftänbig in ber ^frömmigfeit, Säe miber mein ©emiffeit Ijanble, Unb nid)t berfäum bie ©nabenjeit. $ilf, bafj id) alfo leb auf ©rb, 2)afj ich t)ier fromm, bort felig merb. 5. @o fann id) enblirf) felig fterben Unb frötilicf) getjen in mein ©rab, 3Beil idj im Sterben merbe erben, 3SaS id) fyex fd^on im 33orfd)mad f )ab. |jilf, bafj id) alfo leb auf ©rb, $)afj id) ^ier fromm, bort felig merb. ©er gläubige Gfyrift bittet um yröminigfeit. 277 Ser gläubige (ttjrift bittet um grömmigfeit. SCwfmuntcritttg. 93leibe fromm, unb fyalte btd^ ted^t ; benrt folgern roirb’S juleljt rootfl gefyen. ^ßf. 37, 37. $)ie $römmigfett ift ein Zierat ber $ugenb unb fielet bern Sttter audf) mof)l an. ©ott felbft ermahnet beit in bie ^rernbe reifenben Slbrafiam bap: Söanbte oor mir unb fei fromm, 1 Sftof. 17, 1. 3^r ^rönimigfeit aber ift nidEjt genug 1) eine äußerliche ©fjrbarfeit, benn fie finbet man audE) bei ben Reiben; fonbent fie muff ent= fielen au3 bern ©tauben, au£ ber Siebe ©otte§ unb au3 bem inttern ©runb ber (Seele. 2) 3« fotdjer $römmig= feit gehöret erftlicß bie Stufridßigf eit unb fftebtidjfeit be§ §ergen3 gegen ©ott unb ben fftädjften, fobantt aud) eine Unfträftidjfeit im Seben, ba| man ficß unanftänbiger Sieben unb undjrifttidier SBerfe enthalte; benn mo fid) biefe nodj bei einem Sttenfdjcn fiitben, ba fann man nidjt fagen, bafj er fromm fei. 3) SDiefe ^römmigfeit foH audj beftänbig fein bi§ an§ ©nbe. ©$> ift nidjt genug, gmei ober brei Xage fromm fein, menn man miß pm heiligen Slbenbmafjt getjen, fonbern hier mufj ßiobg ©ntfddiifj gelten: 23i3 mein ©nbe fommt, miß icf) nicht mefjr meidjett oon meiner $römmigfeit, $iob 27, 5. 4) 3Bic nun foldje ^römmigfeit oon ©otteS ©eift tn un§ gemirft mirb, fo fjat fie aud) bie herrlichften unb fdjönften SSertjeifjungen, nämlidE) biefe§ unb be§ pfünftigen Sebent. (Be bet* ^eiliger ©ott, ad), id) toeif$ faft nidjt, ob idt) oor beinern h)eiltgett ^Ingefidjt erfdjeinen barf, menn id) meine natürlid>e Ünljeiligfeit unb mein fünbltdjeS SBefen bebenfe. £)u rufeft auch mir gu: SBanbele oor mir unb fei fromm, unb menn bu fromm bift, fo bift bu angenehm; ja, bleibe 19 278 3) et gläubige Greift bittet um iJrömrnigleit. fromm unb fialte bief) redl)t, bernt folgen toirb’S Zule^t tooljl gelten. $lber adj, meine tfrömmig= feit ift leibet ttod) nicfyt toeit gefommen; id^ bin leiber in bie 2Belt, in baS SBelttoefen, in bie 2öeltgetoobnf)eiien, SSelteitetfeiten nodfy geflodf)= ten getoefett. 2Bo ober bie Siebe gut SHMt unb ißrem fünblidfjen Söefen fid^ noerzen anfangen, baß id) bich über alles liebe, bir biene, nnb toaS bir gefällt, ooübringe, ja, baß id) alle¬ zeit, tote ein frommes $inb, efje eS ettoaS oor= nimmt, feinen (Sltern nad) ben Wugen fielet, ob fie eS aud) erlauben, fo aud) möge erft in bein ^eiliges SBort unb ©ebot flauen, ob foldjeS, toaS id) oorljabe, mir als einem frommen ®l)ri~ 2) er gläubige S^rift bittet um $römtmgfeit. 279 ften anftefje, 3ft fo mein §erg fromm, fo mirb aud) mein 3JJunb fromm merben, ba& er nidjtg Unanftänbigeg rebe; ja, meine SBerfe unb ten merben bir algbamt aud) gefallen. 9tun, mein (Sott, id) habe biefen @ntfd)lu& in beinern Flamen gefaffet, gib mir bagu ©nabe, $raft, Stärfe unb 33armf)ergigfeit. £>abe id) in ben oerfloffenen fahren nid^t aßemege ttad) biefem ^leinob getrautet, fo öergeihe eg mir um @^rifti mißen. SBag id) aug Unöerftanb ober ^Minbfjeit öerfäumet, miß id> nun mit befto größerem ©ifer erfefien, unb in ^ufunft nid)t nad) ber 9JJenfd)en Siiften, fonbern nad) beinern 2Btßen leben. on §ergen unb im gangen Seben fromm merben unb fromm bleiben, bamit id) alg ein frommer ©fjrift bereinft aud) felig fter= ben fönne. ^agu gib mir beineg ^eiligen ©eifteg ßraft oon oben herab, um 3©fu ©tjrifti mißen. ©ib mir ein frommeg Iferg, ©eher aller ©oben, $)ag foH mein ftteidjthum fein, $)en id) begehr §u haben, S)ag foll fein meine gierb, Sflein 9tuhm unb fdjönfte Fracht, 3)enn fromm fein mirb bei ©ott Unb ©ngeln hoth geächzt. Simen. ©cfatt g. Sftel. : 2Ber nur beit lieben er^en fromm mög mer= ben Unb auf ben §immelgmegen gehn; $ft $römmtgfeit ber S3öfen 0$>ott, @o ift fie hoch beliebt bei ©ott. 280 £>et gläubige CE£?rift bittet um grömmigfeit. 2, Sie frommen gaben ©ott gum ^reuitbe, $ft biefeg nidgt ein gro^eä ©lücf ? Srum fdgaben irrten feine $etnbe 9Kit igrem $affe, 9?eib unb Sücf; Senn ©ott meig mögt, mag fte anficfjt, Ser treue ^reunb »erlägt fie nidgt. 3* Sie frommen merben gmar gebrücfet 23igmeilen eine lange $eit, Sodg merben fte gerauggeriicfet $lug igrer Slngft unb Sraurigfeit; $gr trauern mirb in ^reub »er- fegrt, $gr 33eten toirb »on ©ott ergört. 4. Sie frommen finb bei ©ott in ©naben, Ser 3»= tritt fteget ignen frei; 9Ucgtg fann ben Äinbern ©otteg fdgaben, ©ott fielet ignen treulieg bei; ©ott meieget »oit ben Rommen nidgt, Ser §©rr ift felbft igr §eil unb . Siegt. 5. Ser frommen ©lenb mug »erfegminben, Sluf Sei' ben folget Sroft unb ^reub, ©ie merben grogen ©egen finben 9tadg auggeftanbnem §ergeteib; ©ott mirft ing $euer folcge SRutg, Sie feinen ®inbern mege tgut. 6. Sie frommen fönnen fidg getröften, Sag feine STCotg fie ftürgen tttirb; $ft gleicg bie 9?otg am aflergrög* ten, ©o bleibt botg ©ott igr ©cgug unb §irt; D ©dgäfc lein, gäbe guten SDtutg, Su bift in beineg §irten §ut. 7. Sie frommen merben nidgt »erlaffen, ©ott ift’g, ber ignen geffen fann, Srum miffen fie fieg tuogl gu faffen, ©r nimmt fidg feiner Äinber an; ©priegt man: 9ta ift bag Unglücf ba, ©o fpredgen fie: Unb ©ott ift nag. 8. Sie frommen tüirb ©ott fdgon »erforgett, 5llg melcger igrer fieg annimmt; $gr ©eitfgen ift igm un»er* borgen, Srum gat er fdgon bie ©tunb beftimmt, Sarin er igre ©orgen ftiHt Unb fie mit Sroft unb $renb erfüllt. 9. Ste frommen fönnen felig fterbeit, ©ie fterben ja auf $©fum ©grift, ©ie merben ®ron unb |jimmel erben, Ser ignen lättgft bereitet ift; ©ie finb fdgon felig in ber Seit Unb fommen bort gitr ^errlidgfeit. £er gläubige Greift bittet um ein unberlefcteä ©etmffen. 281 Set gläubige GI)rift bittet um ein mm erlegte« ©emiffen. Stufmmitenimv Uttfer fltulfm ift ber, nämlidj baö geugnifj unferS ©eroiffenä, baff rotr tn ©infälttgfeit unb göttlid>er Sauterfett, nid)t in fletfdf)* lieber 2öeiö£)eit, fonbern in ber ©nabe ©otteS auf ber 3BeIt getuanbelt Ijaben, aUermeift aber bei eud). 2 Gor. 1, 12. $)ie meiften SJtenfdjeu tragen orfid)tig manbeln, Xeid^tlic^ tierle|et. 3) ©onberlid) mirb baS ©etmffen be¬ wahret burcf) ein anbädjtigeS, eifriges ©ebet §u ©ott, baß er uttS leiten unb führen unb burd) feine ©nabe unb ®raft auf rechter 33af»n erhalten moHe, unb bitrrfj bie SBorfteKung beS allgegenwärtigen ©otteS, als oor beffen Slugen mir immer manbeln. 282 2>er gläubige S£>ri[t bittet §6rr, mein ©ott, mie grofj ift beine ©üte unb Siebe, bie bu an uns bemeifeft! Du gibft uns Seben unb @efunbt)eit unb läffeft es uns mol)l ergeben nad) beiner Sarmfyergigfeit. 2ld), mein ©ott, biefes alles finb beine ©efttjenfe unb ©aben; aber fie merben uns mie ein bitterer SBermut^ merben, menn in bem gefunben Seibe unb bei alten ©aben unb ©ütern nidjt ein rein unb unöerle&t ©emiffen ift. Darum, o mein ©ott, erbarme bidf) über mid) unb erhalte mid> in beiner 3?urd)t, bafj i d) mein ©emiffen nic^t oerle^e. Das ©emiffen ift mie bas 2luge; menn in basfelbe nur bas geringfte Stäublein fommt, fo ift es unruhig, es tljränet, es toirb rotl), unb man !ann es nicfjt red)t aufifjun; fo getjet es and) mit bem ©emiffen: Ijat man toiber basfelbe etmaS öoübracfyt, fo mirb es unruhig, es oerfla= get, oerbammet, unb menn es redjt aufmadjt, fo getrauet man fid) nidjt, feine $tugen gen §immel auf^u^eben. 2ld), mein ©ott, id) mödjte gern eine unoerle^te «Seele unb ein rein ©emiffen oor bein ^eiliges 2lngefidf)t bringen, o, barum regiere mid) burd) beinen ^eiligen ©eift, ba§ id() mit meinem ©emiffen mie mit meinen klugen um= gelten möge» sild>, mie ift ein gut ©emiffen ein fo ebleS ffleinob! 0, mein ©ott, tafc mid) bie= um ein untoerlefcteS ©etmffen. 283 fett @d)ö| mobt bema^rett ! ^tlf mir, bafe ieue, unb gebenfe, btt feieft ein §ergen£fünbiger, al£ oor melcbem nid)tö oerborgen ift; unb ba id) mich nid)t !ann oor meinem ©emiffen üerbergen, fonbern beffen 53e= ftrafung, memt id) 53öfe§ tt)ne, fo halb füllen rnufe, bafe id) mid) ttod) meniger oor bir, o atts febenber unb altmiffenber ©ott, merbe üerbergen tonnen, ©ib, bafe itd) auffe^e auf 3@fum, mei= nen §eilanb, unb beffen heiligen Sufetapfen folge, ©ib, bafe i(b bein SBort, al£ meine ©tauben^ reget, nimmer taffe oon meinem SRunbe fontmen, bafe id) burd) $erteugnung meinet Staubend mein ©emiffen nid)t oermunbe. Safe bein 2öort 284 2) er gläubige Gfyrift bittet um ein unöertefcteä ©emiffen. aud) fein meine £eben3regel, bamit id) ntd)t Dor= fä^lid) bamiber fiinbigc, fonbern mid) in allem meinem Stl )un barttad) richte. 2ld), @©rr 3©fu, reinige mein ©emiffen mit beinern ^eiligen 53lute, nergeifye mir alle meine @ünben, unb fdjenfe mir bie ftille, maf)re §ergen3= unb ©emiffen3rul)e. 2ld), beitt ^eiliger ©eift fü^re mid) allezeit auf ebener 53a^n, fo mirb mein ©emiffen äußertest unb beine Söo^nung in meinem f>ergen ungestört bleiben. 0 ©ott, btt frommer ©ott, $>u 23runnqueß guter ©abeit, 0t)tt ben nid^tö ift, ma§ ift, SSon bem mir aße£ ^aben: ©efunben Seib gib mir Unb baft in foldjem Seib ©in unoerte^te ©eel Unb rein ©emiffen bleib. 2lmen. ($ ef attg. 9M. : 0 ©ott, bu frommer ©ott. 1. $ft mein ©emiffen frei, 2Ba§ frag icf) nad) ben Seuten, SDie aß mein £fjnn oerbriefjt, 3)ie aße§ übel beu¬ ten, nur non mir gefdjieljt? $m Fimmel ift, ber geugt $on aßent meinem $fjnn Unb ber gemifj nid)t leugt. 2. Qft mein ©emiffen frei, ©o lafj bie £eute fagen, ifynen nur beliebt; 38a§ barf id) barnad) fragen, •2Ba§ man mir falfdj aufbürb't Unb non mtr übel fpridß! 3)enn mein ©ott fielet moljl, 2Bie unreal mir gefd^icEjt. 3. $ft mein ©emiffen frei, ©o fann e§ mir nid^t fdjaben, 0b man mid) fd)on oerbammt; 23in id) bei ©ott in ©naben, 38a3 frag id) nad) ber SBelt? OTeitt $tid)ter ift ja ©ott, 35runt fid^t mid) gar nidjt an 5£)er fredjett $ein*>e ©pott. 4. $ft mein ©emiffen frei, ©o fann id) fröfjtid) beten Unb barf oor meinen ©ott ÜJÜt f^reubigfeit Eintreten; ©laubige (Sltern tragen ©ott ttyre Äinber im ©ebet ttor. 285 ©ott fief)t unb fennt mein Ijerg, $)em ift e§> aufgebedt, $)er roei|, baf3 ich ttic^t btn 9Jtit biefer @ünb beftedt. 5. $ft mein ©emiffett frei, anb ber ©Item forbern mirb. Senn nun fotdjeö fromme ©ttern ertragen, 1) fo tragen fie biefefbett ©ott fleißig im ©ebet oor, eße fie geboren tuerben, unb hernach fommen fie atfo oor ©ott, bag fie auch ihre Äinber mitbringen, ©3 bitten aber fromme ©ttern abfonberlid), baf3 ©ott ihren $inbern gebe ein fromme^ §erg unb ben ^eiligen ©eift, ber fie ^eilige, regiere, fti|re, al§ meld)e§ ber mahre ©rmtb ihrer ©lüd= feligfeit ift, gegen toeldjen fReidithum, ©efchidtidttfeit, Klugheit nichts ju achten finb, 2) ©s fotfen aber ©ttern nic^t allein für ihre tinber beten, fonbern fie and) in ber ffurcht ©otteS erziehen, ^agu gehöret, baß fie ihnen nicht ben freien Sitten (affen, toeil ber tinber Sitte üott Statur unartig unb ihr dichten nnb brachten böfe ift öon $ugenb auf, fonbern bafj fie biefetben unterrichten in ber ©rfenntnifj ©otteS, fie ^um ©ebet nnb djrifttidhen San= 286 ©laubige ©Item tragen ©ott if?re Äinber im ©ebet toor. bet anf)alten, iljnen feine ©rlaubitif} geben, in fünblicfyer, eitler 9ftenfd)en ©efetlfdjaft gu gefjen; benn, wenn fie bas erlauben, jo ift ifjr hiebet »ergebend, ja, fie fpotten ©ott mit i^rem ©ebet. 3) $)ie öerfäumte feinbergudjt bringet ben Güttern fernere SBerantroortung bor ©ott, inbem ©ott baä $8lut ber üerroafjrtofeten hinter t>on if)tien forbertt roirb. ©ie bringet aud) ben ©ttern ©djmad) mtb ©cfjanbe, ittbem fie an itjren ßiitbern feine ©fyre, fonbern ©djanbe tjaben tuerben, biämeiten in itjrem Seben, bod) gemib nacf) iljrem £obe. $)ie oerfäumte $inbergudjt bringet audf} ©otte3 .gorn auf bie ©Itern, ttne gu feigen 1 ©am. 2, 29. ßap. 4, 18. 4) Sftadjtäffige ©tteru bringen fidj unb itjre Äinber in bie |jötte, unb fjaben atfo mit itjrem gärtetn if)nen feine 2Bot)ttf)at entliefen. (befrei* £>©rr, attmädjtiger ©ott, bu Leiter ber 33arm= fjer^igfeit, bu fjaft unter anbern ©nabengaben mir aud) Stüber gegeben, toofür id) bic^ tjer^lidö lobe unb preife. Dtefe meine ^inber aber felje id) an at3 tfjeure ^fanber, bie bu mir anoer= trauet Ijaft, uub melcfye bu Don meiner §attb mie= ber forbern mirft; id) fepefie an al§ Seelen, bie 3©fu£ mit feinem ^eiligen 53tute erfaufet, bie ber ^eilige Seift in ber ^eiligen &aufe geljeiliget, unb toetdfe bu $u beinen Hinbent angenommen Ijaft; barum bin id) befümmert, bafc td) ja feinet burd) meine Sd)ulb verlieren möge. £>u fageft gu mir unb alten ©Itern: üßimm biefe§ $inb in Wd)t; mo man fein miffen toirb, fo foü beine «Seele an Statt feiner Seele fein, ^arum, o Später alter ©läufige ©Itern tragen ©ott tfyre Ätnber im ©ebet t>or. 287 ©naben, fomme iein ©ngel begleite fie, menn fie au£= unb eingeljen, bein ©ngel bemafjtt fie, toenn fie auf Reifen, in il)rcu ®efd)äften unb in ber grembe finb. ©ib iljnen beine ^eiligen ©ngel gu ©efäljrten, toie bem jungen £obia; fü^re fie burd) biefelben au$ ber ©efafyr, toie ben ßot, unb lafj fie ber ©ngel ©d)uti unb 2Baornenmeg in feftem Vertrauen unb in ber Hoffnung auf beine macht, baß bn afteä, aud) meiner Sinber Äreug, enbett unb menben tönneft. ©rtheite ihnen and) im Seiblichett beinen Segen, oerforge fie, bfle9e fie, gib ihnen Nahrung unb ftleibmtg, unb tfyue mie ein mächtiger himmlifcher SSater an ihnen; fei ihr Reifer in ©efahren unb Unglücf, ihr 2lrgt in ßraufheit, unb ihr fftathgeber, menn fie guten 9£athe3 bebürftig finb. ©ib meinen ffinbern eine fromme (Seele, gefnnben Seib, guten $er= ftanb, unb (aß fie oor bir (eben, bamit fie bid) attegeit ehren unb greifen. ^Sflan^e in ihre §er= gen bie mahre grömmigfeit, erhalte fie in beinern Segen, bamit ich $roft unb greube an ihnen haben möge. 2lch ©ott, erhöre mein ©ebet, unb gebettfe, finb ja fomohl beine, al£ meine Äittber; barnm moKeft bn auch mein Seufgett für fie oor bem $hrer= loren gefee, fonbern bafe fie aüe mit mir, unb id) mit i^nen, 31t beiner §errlic!fefeit eingefyen mögen. Hefe ©ott, fegne meine hinter, Sftimrn bicfe iferer treu- lief) an, £feu an ifenen auefe niefet mittber, HB bu ^aft an mir getfeait; Segne iferen Stritt unb £ritt, £feeil ben ©egen ifenen mit, Safe e§ ifenen mofelergefeen, Sie in bei* ner ©nabe fielen. Hmen. ©ef ang. 3M. : D GJott, bu frommer ©ott. 1. $u feaft, o grofeer ©ott, $)te ®inber mir gegeben, Unb bu erfeältft fie and) Sm Sofelfeiit unb beim Seben; Htfe, bafür banf iefe bir, HB eine liebe ©ab, $)ie iefe üon beiner §anb, SRein ©ott, empfangen feab. 2. Sei) iefe bie tinber an, So mufe id) gmar befennen $)afe fie finb alle mein, Seit fie fiefe non mir nennen; $ebodfe fie finb aud) bein, 3)rum fomm idfe je$t ju bir Unb trage im ©ebet $)ir meine £inber für. 3. Hefe, pflanj bie ©otteSfurcfet $n iferer aller Seelen, 3)afe fie, n>a3 bir gefällt, 3n iferem £feun ermäfeten; fe fülle iferen ©eift 9Rit maferer ^röfelicfefeit, 9Rit Äeufcfefeeit, ©taub unb Sieb Unb mit 3ufriebenfeeit. 4. Safe fie in Sugenben 9Rit jebent $afer gunefemen Unb pnt ©efeorfam fiefe Ofen Siberfpruefe bequemen; Scfeent ifenen Äraft unb Start, ©ib SeBfeeit unb $er= ftanb Unb füfer fie immerbar Hn beiner SBaterfeanb. 5. Safe beineit guten ©eift Sie aüegeit regieren, Safe mid) an iferem $feun £)eg ©laubenS ^rücfete fpüren; ©ib ifenen $afob£ ©lüd Unb $ofepfe3 §rötnmigfeit, £obiä folgfam |>erä Unb Segen aflejeit. 6. Unb menn fie in ber Seit $iel 33öfe§ foHten fefeen, So lafe fie nimmermefer Huf böfen Segen gefeen; Senb ifere Hugen ab $on Sünb unb ©itetfeit, SBemafere ifere Seel SSor Stolj unb Sidfeerfeeit. fromme Sinber beten für t^re (Ettern. 291 7. SBenn bie ©efeUfcfjaft tüttt $ur Sünbe fie oer= führen, So lafe fte beine furcht Urtb ©egenmart ber= fpüren, Unb fjob felbft Sld)t auf fie, Slemahre ihren £ritt, begleite fie unb gef), 2öo fte hingehn, felbft mit 8. ©rfjalte fie gefuttb, Unb geigen fid) ©efahrett, 93ei Xage ober Sladjt, So taffe fie bemahrett 2)er ©ngel gotb= ne3 §eer Unb immer auf fie feljn, SDafe fie in beiner ©nab Unb milbem Segen fte§n. 9. Unb nod) ©ins Kitt ich bid), &aS motleft bu mir geben: Saft mid) ja nimmermehr Sin ihnen Sdjanb er* leben, Sind) nicht nach meinem £ob. Sich ©oit, erhöre mich, Verleihe fotc^eö mir Unb ihnen bäterlid). 10. Safe mich an jenem Xag Slttd) meine ®inber fefeen, SDafe fie bor bir berilärt 3« beiner Rechten ftefeen, Sluf bafe id) fagen fann: £>ier bin ich unb bie ©ab, SDie Äittber, bie id) längft Sion bir empfangen hob. fromme .tirilier beten für ifjrc ©lern. Aufmunterung. 3f|r ßinber, feib gefjorfant euren ©Itern in bent £Cmn ; benn baä ift billig. @f)te Sßaler unb 3Jlutter; baä ift baö elfte ©ebot, ba3 33er^eifeung ^at : Stuf bajj bir’g ruotjl gebe, unb bu lange lebeft auf @rben. @pf). 6/ 1 — 3. Unter anbere fchtoere Sünben, moburd) ein SKenfdj ben ^rluch fann auf fid) Riehen, gehöret auch biefe, meint fid) ermad)fene ®ittber an ihren ©Itern berfünbigen. Ob* gleich ©Itern oon ber erften Stunbe ber ©eburt an mit ben feinbern SJiülje, Saft unb Serbrufe hoben, fo ift e£ ihnen bodj am empfinblichften, meun bie Äinber mtber= fpenftig, hetrifd), unartig unb boshaft gegen fie finb in ben ermadjfenen Saferen, al§ in melden fie billig ihnen füllten lauter $reube unb Vergnügen mad)en. fromme Äinber füllen bemitad) 1) fleifeig für ihre ©Item beten, unb in foldjem ©ebet ihnen allen Segen, ©efunbheit, 292 ^fromme Äinbet beten für iEjte Gltcrn. 2Bohtergef)en, langeg £eben unb 2lbmenbung aßeg Un= glücfg oon ©ott erbitten, fromme $inber foßen 2) it>re ©ttern lieben, benfelben gerne aufmarten, gu ihrem $>ienft mißig unb hurtig fein, unb ihrer pflegen, menn fie traut firtb. fromme Äinber foßen 3) ihren ©ttern gehorchen, baf} fie fid) gu adern ©Uten ergiefjen taffen, ben ©Iteru nid)t mtberbeßen ober miberfpred)en, wenn fie ihnen etmag heilen unb befehlen; aud) menn fie fid) oertjeiratfjen mot= ten, foßen fie ohne ber ©ttern SBiffen unb SSSißen fid) nidjt heimlich oerbinben, alg ft>etd)e§ lauter $tuch unb Unglüd nad) fid) gieret, fromme ftinber foßen 4) ihre ©Itern ehren int $ergen, bafj fie ertennen, ©ott habe bie ©ttern an feine Statt gefetzt, inbem ©ott burdj ber ©Itern $anb ben $inbern aßeg gibt; fie foßen fid) and) ehrerbietig mit äBorten unb Söerfen gegen fie erzeigen, fie nicht anfatjren, ihnen nid)t unfreunblid)e unb harte SBorte geben, and) ihrer ©Itern ©hre unb guten tarnen uertheibigen. 5) ©g foßen fromme ®inber gebenten, bag fie ben ©Itern nimmermehr oergelten tonnen, mag fie an ihnen gethan haben, ©ebente, mie fatter bu beiner 9J?ut= ter gemorben bift, unb mit mag für 9J?ühe unb Slrbeit bich bein SBater erlogen unb ernähret hat. 6) Unbauf- bare unb miberfpenftige ®inber finb rechte tebenbige $öl= lenbranbe, benen eg nimmermehr mohlgefjen fann, mo fie nicht bie Sünben unb SBogheiten, fo fie an ihren ©Itern begangen, oor ihrem £obe burch eine herzliche unb matjre Söujje mit Dljränen bereuen. <& ebet* bu gnäbtger unb barmherziger ©ott, ich lobe btcb oon ©runb meineg ^er^eng, bafz bu mith oon frommen unb riftlicf>en ^luffü^= rung gu erfreuen. Serlet^e mir beinen ^eiligen ©eift, bafe td) im ©tauben, in Srömmigfeit, in $eufd)bett unb ©otte§furd)t, tote e£ einem Äinbe ©otteg gebühret, möge ttmnbefa, bamit id) mit meinen @(tern am jüngften £age gu beiner fRec^= ten fielen unb mit ihnen gu beiner ^errlidjfeit eingeben möge. 3)u foflt e^tn unb geborfam fein SDem SSater unb ber Sttutter bein, Unb mo bein §anb ibn’n bienen fann, So toirft bu langä Seben bamit id) bantbar fei, So öiet icb immer !ann, Unb bleib ftetS eingeben!, 2SaS fie an mir getfjan. 296 fromme Äinber Beten für ityre Sttern. 5* 2lc£>, laß fie biele $ahr 3u meinem £roft erleben, Unb roo^Cteft auch babei (Sefunbheit ihnen geben; Erhalte fie, o (Sott, Sluf lange, fpäte $ahr, SDamit ich fie noch fei) $n ihrem grauen £>aar. 6. Sich, fchenfe ihnen hoch, € $ater, beinen Segen, Saß beinen Segen fein ^tuf allen ihren Söegen; Erhalte, ma3 bu gibft Unb ma3 bu fyaft befdjert, SDa3 fegne, baß e3 merb 25urch beine (Snab bermehrt. 7. (Stb mir ein mittig $erg, $)aß ich mid) taffe sieben, $)aß ich nod) ihrem Stath 3)ie Sünbe möge fliehen, i)aß ich gehorfam fei £>hn allen SBiberfprudj Unb ferne tmn mir bleib $)er fonft gebrohte $luch. 8. Saß fie an mir biel $reub Unb feine Sdjanb er= leben, Sich, fofc mir beine Storcht, Sttein (Sott, bor Singen fchmebett; Scßenf mir ein frommet |)ers, $)aß ich bie Sttnbe fcheu Unb bleibe bir, o (Sott, $n (Slaub unb Siebe treu. 9. Saß mich an jenem ^°9 Slucß meine ©Itern fehen $n großer ^errlicßfeit Qu beiner Rechten ftefjen, Unb laß midh auch bafelbft, $)urch 3(£fu S31ut fo rein, SJtit |jim= mel^glans gefdjmüdt, S3ei meinen ©Uern fein. Streiter 2tbfcf?nitt. 3um ©ebraud) ber betrübten. ®er SBetrü&tc tröftct firf) ber Mmacfjt ®otte$. ijlitfunuitcrmtg. $ürd)te bicf) nid)t, icf) bin mit bit; roeidje nidjt, benn idj bin betn ©ott. %<§ ftärte bid), id) Ijelfe bit auch, icf) erhalte bid& burdfj bie redete §anb meiner ©erecfytigfeit. $ej. 41, 10. $ft etmag, tr»efd)e^ eine betrübte ©eefe aufrid)ten fann, fo ift eg gettJtB bie 9tflmad)t ifyreg gnäbigen ©otteg; benn btefe ift ber betrübten Slrtfer, baran fie polten, rnenn fte fict) oorftetten: 1) bei ©ott ift fein SDing unmöglich; eg ift fein ©tenb fo groß, ©ott fann baraug erretten, feine Saft fo fdjroer, er fann fie abnefjmen, fein Unglücf fo fjeftig, et fann eg loenben, 2) 6ott ber betrübte bfc= benfen, bafj anbere bie( fdjmerere Würben getragen ljaben, urtb baja fie bennod) ©ott baraug errettet fjat. ©r foG baf)er mit jubelt |pre(^en: ©ott, bu btft nodj f)eute fo ftarf, atg bu gemefen emtgUd),' mein Vertrauen ftefit gan^ gu bir* 3) Sollten betrübte ftc^ erinnern, ©otteg 2lttmad)t tjabe feine ©djranfen, unb beromegen ben SD^ut^ nidjt finfett (affen, menn fie fdjoit nidjt felgen, mie, mo= burd) unb auf metdje Söeife ifjnen fönne geholfen merben; bertn bag adeg foß man ber göttlichen 3Seigf|eit, ©üte unb Breite übertaffen, ©ure ©ebanfen finb nidjt meine ©ebanfen, fpridjt ber §©rr, unb meine SBege finb nid)t eure SSege, $ef. 55, 8. SDiefe 33etrad}tung fott einer b$= trübten Seele Vertrauen unb Hoffnung ftärfen, toeif fie toeif}, ©ott fönne unb tooße ifr Reifen, Sie foG bero* 298 Der ^Betrübte troftet ficE> bet ®otte§. falben fttHe feilt, Ijoffen, beten, ©ott üertrauen, bie SJTriib- fal mit ©ebulb ertragen, tmb if)re Stugen freubig gen Fimmel Aufheben unb fagen : teilte §iUfe iommt nom |>©rrn, ber $immet unb ©rbe gemalt tjat. $f* 121, 1. «Befrei* 0 bu gütiger unb freunblidjer (Sott, bu toeifjt unb fieljeft, mie mein §erg betrübet ift; e§ liegt auf bemfelben ein fernerer ©tein, ben id) nidjt abmälgen !ann, eine tjarte Saft, bie id) !aum tra= gen fanm $>arum fomme id) gu bir, o allmäd)= tiger (Sott, id) fdjütte mein £>erg au£ oor bir, ber bu meine $uüerfid)t bift, id) merfe mein 2ln= liegen oon mir auf bid), unb bitte bid), bu motleft mid) oerforgen, midi) erretten, mir beiftefjen. $)a£ oon ^Bellen Ijerumgemorfene @d)iff(ein fyält ftdf) an ben hinter, unb id) ijalte mid) an bid), iebenbiger unb ftarter (Sott: ba3 gejagte 2Bilb eilet gu ben bergen, unb id) l)ebe meine Wugen auf gu bir, o mein $elg, mein Erretter nnb mädf)= tiger €>d)u|l)err ! 3$ tt>iÜ nidjt Oergagen, id) toeifg, ba& bu ein allmädjtiger ©ott bift, bn fannft Reifen, bir ift nid)t^ unmöglid); barum, §@rr, l)ilf mir, fo ift mir geholfen, fbrid) nur ein Söort, fo meidet meine 33efümmernifg, fo erlange id) §ülfe. $ld), mein ©ott, id) toeifc, bu bift barm= bergig, barum erbarme bid) fetd aud) über mid) ©lenben; bu toeifct meinen @d)tnerg, erfenneft ®er ^Betrübte tröfict fidj ber 2lllntad)t ©oitee. 299 mein §erg, feaft bu mir'£ aufgeleget, fo feitf mir’g aud) ertragen, 3$ föeife, bu bift ein meifer ©ott, bu mirft bittet unb SBege miffen, bie mir fe|t unbefannt finb. $d), geige mir ein S^roft- brünttteitt, mie bort ber meinenbett @agar, fage mir £)ülfe gu, mie efeemal£ ber betrübten SBittme, feilf mtr, mie bort bem oertaffenen @tifa, unb be= meife beine große ©üte an mir, mie an bem ge= fangenen $etro. Safe bie 33anbe meinet ©tenb£ unb 3ömmer§ oon meinem §ergen falten, Safe bein 3?reubentid)t in mir aufgeben, baburd) bu mtdb üerficfeerft: 3©rr, id) taffe bid) nid)t, bu fegneft mid) benn. 9tfein ©ott unb SSater, menn bu mir nicht bitfft mer fott mir benn helfen? 2luf bid) bin id) gemorfen oon SJEutterteibe an, ba feaft bu mid) tu bie kirnte beiner unermübeten 58armfeergigfeit genommen, unb bisher barin getragen, ad), barum laß midb 300 £>er ©etrüble tröftct fid? ber Mmcufjt ©olteS. aud) \t% t barttt £ülfe fittben* 3d) fdjreic bir fo lange nach, big bu ftmcbft: $>ir ge|'d)ebe, tote bu trnllft. Web ©ott, erbot mein Seufzen unb 3S3e^ftagen, Sab mitb in meiner 9?otb nicht gar üergagen, SDn meigt meinet ©cbmer^, ©rfennft mein $erg, §aft bu mir’g aufgelegt, fo hilf ntir’3 tragen. Wmen. at er mir boeb öerbeigett, ©r moüe bei mir fein Unb mich ber 9Zotb ent= reifen; SKarum oergiebt er beim, Verbirgt fein Wngeficbt, WIg mär er nid)t mein ©ott, WIg fennt er mich jegt nicf)t? S. Web, mo ift nun mein ©ott $n biefen meinen Döthen, 2)ie an bag Sehen gehn Unb mid) faft moÜen tobten? 3mr feine Wümad)t ift SSJtir aüpmof)! befannt, Unb boeb empfinb id) nicht 2)ie ftarfe ^elfergbanb. 4. Weh, mo ift nun mein ©ott, 28iü er fid) nid)t er= barmen? ©iebt er nicht meine üftotb? Beirut er nicht mehr mich Wrmen? Web ja, ich bin gernig, 2)ag bie Söarmbergigfeit 9)ttd) einft erfreuen mirb; Wßein mann fommt bie 3«t? 5. 5)och mag betrübft bu bidj, 9Mn |jerg, mit folgen fragen? ©ott lebet ja annod); W3ag rniüft bu immer flogen? $5er bijb mit feiner §ülf ©rfreuet ohne 3flb^ $)er hilft gemiglid) bir, ®(aubTg mir, auch biefegmal. 6. ©g bat ja ©ott noch nie $n Döthen bein t>er= geffen, Wkritm rniüft bu bidj jegt ©o ängftigen unb preffen? ©ott fiebt bein Seiben mobl Unb lägt eg fo 2) er Se trübte tröftet ftd) ber Siebe G5otte£. 301 gefd^etjn, ©r tütU in biefern Äampf 9lur beinen ©lau* beit fef>n* 7. SSergage nicht an ©ott! SöiHft bu ben ttid)t mehr fennen, S)er boc^ bein Skater ift Unb ben bit ^ftegft p nennen £)en atterbefien $reunb? $)rum ftctt bein trauern ein Unb gweiffe nirfjt, er toirb 5Detn greunb unb SBater fein. 8. Allein ©ott, ich h°ff auf bidj, &d), fafj bie ©tunbe fomnten, $a meine grofje Saft 28irb enbfidf) abgenom* men; $nbeffen ftef) mir bei Uub hilf mir gnäbigtich; $lch ©ott, erbarme bid>, 2fd) ©ott, erhöre mid). Ser betrübte tröftet fid) ber Siebe ©otteö. 'Unfmuutermtg. %ci) fiabe bid) einen Keinen Slugenblicf oerlaffen ; aber mit großer Sarm^er^igfeit raiü tdE> bi<| fammeln. $$ tjabe mein 2lnge= fic^t tttt Slügenblic! be§ gorM ein wenig oon bir «erborgen ; aber mit ewiger ©nabe will icfj mief) bein erbarmen, fprid^t ber §@rr, bein (Srlöjer. 54, 7. 8. ©iner betrübten ©eele fantt in ihrer ^ranrigfeit, im ®reus unb Seiben nid^tö ©r freu lief) ereg oorfomnten unb gefagt tnerben, afg biefeg: baft fie bennoef) non ©ott um ©fjrifti mitten geliebt werbe. $m ferneren $reug ift biefeg ber erfte ©ebanfe, ber ung oont ©atan unb unferm ^leifdje beigebradf)t mirb: ©ott ift bein $einb, er liebet bicf) nicht mehr; beuu tiebte er bicf), fo würbe er bid) nimmermehr alfo betrüben unb fein ©nabenangefidjt oor bir oerbergen. Sfttein biefem ©ebanfen fott ein betrübter fein ©ef)ör geben, fonbern if>m entgegenfefjen bie ewige Siebe ©ot= teg, welker feine ®inber nicht oerfäfit, unb fid) erinnern: 1) baß in ^reu^ unb £raitrigfeit p leben unb bod) ein Äinb ©otteg p fein, wof)f fönne bei eiitanber fielen ; benn (5^riftu§, ber geliebte ©ofp ©otteg, hatte £rübfaf genug, unb blieb bodf) ©otteg ©ohn. 2) ©ott ein Se* 302 35er 33etrü6te troftet fi ber Siebe ©otie§. trübtet erwägen, ba§ ©ott bettnod) benjentgen liebe, ben er in grofje $raurigfeit, in Anfechtung unb ^renj täffet gerätsen. @in SBater bleibet ein $ater, ob er bern ®inb liebfofet, ober ob er e£ mit ber Stutze pdjtiget. fommt, 3) ba& jold^eö Äreuj nidjt wirb ber betrübten 0eete pgefebidet au3 3orrt, and) nietjt p ihrem $8er= berben ober 0d)aben, fonbern bafj fie ®otte3 ©üte, All¬ macht, £reue unb SSeiSljeit befto mehr erfennen lerne. 4) $>iefe Siebe (55otteö ift and) unter bem ^reuj feljr ge= jdjäftig : fie erhält ben betrübten, bewahret ihn, ftärfet ihn, fegitet ihn, er wirb pweilen wunberbar erquitfet unb erfreuet, bie Saft wirb erleichtert; welkes aKe§ $ro* ben ber Siebe ©otteS finb. (iUbet. $)er §(Srr ift bei mir, barum fürchte ich mich nicht. $)u bift mein £>ort, mein gel£, meine Surg unb mein (Srretter. Wlfo feufge ich, mein ®ott, in meiner fejngen 33etrübni§ unb Wngft ber Seele. Weh §(Srr, £>(Srr, bu rneifgt jo moht mie mehe mir um£ £>erg ift, mie boller Seiben unb Schmergen ich bin. Wber ich meifj auch, bafj mich biefe Sfoth nicht unterbieten tnirb, tnenn bu mir beifteheft. Weh. verbirg boanb meiner ©ered)tigfeit ; id) mid bid) nidjt uerlaffen nad) uerjäumen. üftun, o grafter ©att, je|t Ijabe id) §ülfe uannötfyen, fetd ftelje bei mir, fe|t taeidje nid)t uan mir, fetd Derlaffe mid) nid^t* 3d) tt>eift, id) bin nid)t uerlaffen, beine ßiebe ift fa innig, baft bn bid) meiner erbarmen muftt. 0u t>aft mid) immerbar geliebet, unb au£ grafter ßiebe Ijaft bu mid) gu bir gegagen. Umfaffe mid) fetd mit beinen ßiebe^armen, erhalte mid), baft id) nid^t finfe, erquide mid) in meinem ßeiben, laft mid) l)ören greube unb Söonne, baft bie ©ebeiite fröfjlid) taerben, bie bn gerfdjlagen Ijaft. $ief)e mir au§ ben ©ad, unb umgürte mid) mit greu= ben, unb laft meine Traurigkeit in ^reube ver= roanbelt taerben. 33etueife aud) an mir, tua§ anbere fo vielfältig von beiner ßiebe unb ©üte rühmen, bamit id) mit ifjnen beinen graften tarnen greifen möge. 0, bu ©ott ber ßiebe, verfiegle ben Straft in meinem @ergen, bu fyabeft mein nid)t vergeffen, fa tuenig ein SBater feinet $inbe@ aergeffeu fann. treuer SSater, fiel)e, 304 35cr betrübte tröftet fic§ bet Siebe ©otte§. betn $inb ift betrübt, erfreue eg; eg ift oolter $ngft, erbarme bid) unb ^ilf ihm um ^ßfu mitten. 3?dj miß, bieweil ich lebe nod), £)ag ^reug bir fröf)= Iidj tragen nach; -Stein (Sott, mad) mich ba^u bereit, (£g bient gum heften allezeit 2lmen. <&ef ang* 2M« : 2öer nur ben lieben änben, 2Bag mich betrübt unb heftig quält; $d) weift, er fann eg leidjtlich menben, SBeit eg ihm nic^t an Mitteln fehlt; $it £riibfal, Äreug unb aller 9toth SSerlaft irf; mid) auf meinen (Sott 3. 3dj tüeijs, (Sott mirb nid)t üon mir meidjeit; 2Bo ®reuj ift, ba ift (Sott nicht weit; (Sr mirb mir feine £janb barreichen, £)er SSater hilft gur regten $eit; $n 5£rübfal, '®reu5 unb aller 9^oth Verlag ich mich auf meinen (Sott. 4. $ch weift, (Sott mirb rutd) halb befreien, SDenn er betrübt nicht immerbar, (Sr macht baraug oft grüne SÖtaien, 2Bag eine fdjarfe fftuthe mar; $n £rübfal, ^reug unb aller S^oth SSeriaft id) mid) auf meinen (Sott 5. 3a, ja, wenn (Sotteg ®tunb mirb fchtagen, @o höret aud) mein (Slenb auf; -Snbeffen miß tdj^ willig tragen: ©ott hemmt ber milben 2öeüen Sauf; 3n £rübfal, ®reug unb aller 9toth SSerlaft id) mich auf meinen (Sott 6» $5er $8ater mirb fein ®inb erhören, £>rum ^alt id) ihm im (Stauben ftill, (Sr mirb mir meine 23itt ge* mähren, 3)ag ich Ihm ewig bauten mid; $n £rübfal, $reu§ unb aller 9toth Verlaß id) mich auf meinen (Sott 35er 5Setrü6te tröftci ftcfy bet igülfe (Sottet. 305 Ser Setriiöte tröffet ftd) ber $iilfe @#tte& 21 ufitt unter iiitfl. $$ ^ebe meine klugen auf ju ben Sergen, non melden mir £ülfe fommt. Steine |>iüfe fommt nom £>@rrn, ber £>immel unb @rbe gemalt t>at. 121, 1. 2. ®eine $ülfe fjaben in feinem Seiben unb ©lenb ift mof)l betrübter, at£ ba3 Seibett felbft. dagegen madjt bie Hoffnung ber §ülfe unb enblicfjen Errettung audj baS fdjmerfte Selben leister. ^Betrübte Seelen foßen ftef) bamit aufridjten: 1) ©ott fanu if)nen Reifen, beim bei ©ott ift fein $)ing unmöglich; nichts ift i^nt 31t fermer unb nidjtä §u grofj, er faun Reifen in aßem unb aus allem, betrübte foßen 2) gebenfen, ©ott miß ifynen audj Reifen, in ber ®raft ber |errlid)eit SBerijeifjuitgen, er moße bei ifjneu fein in ber 9totl}, er moße fie Ijeraug reifen, er moße fie nidjt öerlaffeu nodj oerfäumen. ^Betrübte follen 3) ermägen bie ©gempel anberer, meldjen ©ott fdjon geholfen. 31 d), aubere finb oießeidjt ärmer, unglücf= feliger, trauriger, oerlaffener unb elenber gemefen, alä fie, unb bocf> ^at folgen ©lenben ber $©rr geholfen; marum moßte man benn feine Hoffnung fahren taffen? Stuf foldje §ülfe foßen betrübte 4) mit ©ebet unb ^lefjen, mit§offen unb Vertrauen märten, unb feftiglid) glauben, bie $>ülfe bleibt niefjt au§; benn ma3 ber £>©rr pfagt, ba6 tjätt er gemifj; fein SCBort lafj bir gemiffer fein, unb ob beiu §er3 fpridjt lauter ßteiit, fo taff bir bod) nidjt grauen, Sefjen betrübte 5) §mar nid)t, mie if)itett föune geholfen merben, fo foßen fie fid? erinnern, ©ott föttne tfyun über aße§, ma§ mir bitten unb oerfte^en, er merbe iljr Reifer, ifjr SBater, ifjr £r öfter, itjr ©rretter, ifjr $Bei* ftanb felbft fein. |>aben fie bann ©ott, fo fjaben fie aße$. $a, fie foßen audj 6) iljrer Straurigfeit $eit taffen, benn ba3 ift audj eine SBofßtfjat ©otteS, bajj er burdj bie geit unb SBergeffenfjeit unfer Seibett linbert. 306 33er betrübte tröftet fi$ ber §ülfe (Sotteä. SBemt id) betrübt bin, fo benfe id) an ©ott. 2ld), mo fall id) mich anbers ^tnmenben, an tt>en fott id) anber£ benfen in bem ßeiben unb ffummer meinet fiergen^, al§ nur an bid), mein ©ott? 2ld), bu ^aft mid) nod) nie betrübt t>on beinern atterheiligften Wngeficht meggehen laffen, o, barum ^öre auch je|t mein ©ebet um ©fjrifti mitten, öernimm mein Schreien, mein $önig unb mein ©ott, unb menn id) rufe, fo fdjmeige mir nicht, fonbern erhöre mid) halb. $on beiner §anb ift mir bas Seiben, fo id) trage, 3ugefd)icft morben, bu tannft mid) aud) nad) beiner 33arm= ^ergigfeit mieber baoon befreien. $)u, §@rr, §©rr, töbteft unb madjeft (ebenbig, bu führeft in bie §ötte unb mieber heraus. ®u, f>@rr, mad)eft arm unb matheft reid), bu erniebrigeft unb erhöljeft. ®u ertjebeft ben dürftigen aus bem @taub unb erhöheft ben Ernten aus ber Sftiebrigteit; barum fpredje id) im ©tauben: |)@rr, hilf mir, ad), bu tannft Reifen, bu bift fa ein allmächtiger ©ott; bu mittft helfen, benn bu haft es mir fcerhei&en. $ater, mittft bu bein $inb oerlaffen? SRein Später, tannft bu baS ©efd)rei beiner $inbeS ertragen, ba§ bu ihm nid)t gu §ülfe fommft? ®u hafb gejagt: ©hc fie rufen, mitt ich antmorten, unb menn fie noch 2>er SBetrii&te tröffet {tdj her §iUfe ©otteä. 307 reben, miß id) ßören; mein §er3 bricf)t mir gegen bid), baß id) mid) bein erbarmen muß* $d), er= f)öre mtd) nun aud), ßöre ba3 ©efdjrei meinet ^er^en^ unb ba3 meßmütßige Klagen meinet äfiunbeg, .Sebot^, mein $ater, id) meiß, baß bn mid) adegeit erßoreft, barum mifl id) bir aud) ttirfjt ,3eit nnb Stunbe Dorf djreiben, mann bu Reifen foüft; id) mift gern auf beine |)ülfsftunbe märten, ftärfe mid) tnbeffen bnrd) beinen ^eiligen ©eift, ftärfe meinen ©iauben, meine Hoffnung, mein Vertrauen, gib mir ©ebulb nnb Kräfte, mein ßciben 3U tragen, unb laß mid) enblid) bie ^eit erbliden, ba bu mid) mit beiner ©nabe er= freueft Wd), mein Später, bu ßaft nod) feinen öerlaffen, öerlaffe and) mid) nid)t; bu ßaft 33e= trübte aüegeit erfreuet, erfreue aud) mid); bu fjaft ben ©lenben geholfen, ßilf aud) mir; mann, mie unb mo bu midft, ba$ ade§ fei beiner 2Bei§= fjeit, ßiebe, ©üte unb ©nabe hiermit gänglidt) an= Ijeimgeftellet @0 fei benn mieber 3ufrieben, meine @ee(e, mag betrübft bu bid) unb bift fo unruhig in mir? §arre auf ©ott, benn id) merbe tßm nod) bauten, baß er meinem ^fngefidjt^ §ülfe unb mein ©ott tft* $@rr S@fu ©ßrift, groß ift bie -Kotf), SSortnnen idj muß fteden, 2tdj, ßilf, mein aüerliebfter ©ott, (Scßlaf nicßt, laß btd^ ermeden, Sfttemanb ift, ber mir ßelfen fann, $ein ßreatur nimmt ficß mein an; 3cß barfg and) 308 ®er betrübte tröftei ft<$ ber §ülfe ©otteS. nicmanb ftageu. §©rr $©fu ©t)rift, o ©otteg ©ot)n, 3« bir ftetjt mein Vertrauen, Sn bift ber rechte ©naben= tfjron; Söer nur auf bid) tfjut bauen, Sem bu bei in aller Statt), |jilfft ifjtn im Seben unb im Sob, Sarauf id) mid) neriaffe. Simen. 3J2et. : 3*°^ Uagt mit SKitgft unb ©djmerseit. 1. $at mid) ©ott benn gar neriaffen $e£t in meiner Sraurigfeit? $d) metfj feinen Sr oft gu faffen $it bem bittern ®reuä unb Seib; Std), roo ift bod) nun mein ©ott $n ber großen Slttgft unb Statt)? Std), mo foß id) itjn bod) fiubeit, Sa bie Statt) nicb)t miß nerfdjmittben? 2. SBißft bu meiner nicf)t gebeuten? Senf bod), bafj bu Später bift; ©oß bag Seiben midj nerfenfen, Sag fo fyart unb heftig ift? ©ietje, mag id) non bir fudj, $ft ja nidjtg atg bein Sßerfprud); Söirft bu felbigen erfüllen, ©o mirb fid) mein Jammer ftißen. 3. Sod) mag miß id) mid) betrüben? 3d) meifj, (55 ott nerlä^t midj nidb)t, ©r miß meinen ©tauben üben Unb aud) meine gunerfidjt; Steint er fern non mir gu fein, @o gebenft er bennodj mein, ©eine Sieb fann midj nid)t tjaffen, Stad) midj in ber Statt) neriaffen. 4. Sarum miß id) ttidjt nergagen, ©et>et eg gteictj munberlid), Steine Statt) miß idj ifyrn flagen, ©r mirb fjetfen näterlidj; SJZeine Statt) ift if)m befannt Unb mir feine ftarfe §anb; Siefe fann mein Seiben menben Unb mir feine §ülfe fenbett. 5. $dj miß ©ott im ©tauben faffen, SBie eg ©Iiut= bigen gebührt, $d) miß nimmer non if)m taffen, ©g ift gut, mte er micfj füf)rt; $üt)t id) gleich bie fdf)arfe Statt), ©inb boc^ btefe SSege gut, Sie mein Später mit mir gefjet Unb barin audj bei mir ftetjet. 6. ©g mirb fdjon bie ©tunbe fotnmen, ®ommt fie eben nicfjt gteidj t)eut, Sa mein Seib mirb meggenommen, Sa mein Sater mid) erfreut; Sßießeidtjt ift bie ©tunbe 33er Setrü&te tröftet ftd) bet Sarmtyerjigfett ©otte§. 309 nah, $a, nießeidjt ift fie fdjott ba, 3)a eg $)u bift erhöret, ®ir ift beine S3itt gemähret. 7* Sei getroft, o meine Seele, gaffe bid) in beinern ©ott, Sage, tlage unb empfehle S|m aßein nur beine 9totf); Sanften fd)roeige gänglid} ftiß, ©g gefdhelje ©otteg SBifl, ©r mirb mit ben ©nabenbliden 2)id) gu feiner ,3eit erquiden. ®tr betrübte tröftet jtdj ber Snrmljerjtgfeit ©nttcs. Aufmunterung* Sarm^ersig unb gnäbig ift bet §@rr, gebulbig unb non grofjer ©üte. (St tnitb nidE)t immer fyabern, nod> ewiglid) 3orn galten. 2ßie fic^ ein 33ater über $inber erbarmet, fo erbarm met fid^ ber §(Srr über bie, fo ii)n fürsten. ‘ißf. 103, 8. 9. 13. SQBie betrübt ift eg bod^, im ©lenb unb Kammer mit garten unb unfreunblichen Seuten gu tt)un gu haben! Mein ein betrübtet $inb ©otteg faß nerfidjert fein, 1) baß fein getreuer ©ott im |)immet miffe, mie aß fein Seiben, ©lenb unb Äreug, tute grofj unb ferner eg fei, mie lange eg baure, unb mie empftnblid) eg ber Seele faße; nid^t aßein meifj eg ©ott, fonbern 2) er erbarmet fidj auch beg ©tenben; biefeg fe^eu mir an ber betrübten Söittme gu 9tain unb au aßen Oranten unb ©tenben, benen er non freien Stücfen entgegen gegangen ift unb ihnen geholfen §at So fprad^ er non bem SSolf: Mid) jammert beg 93olfg; unb non Sion Reibet eg: $)arum bricht mir mein §erg gegen bid), bafj id) ntid) beitt er= barmen mufj. $n Betrachtung beffen, bafj ©ott alfo barmhergig ift unb SBarmhergigfeit augübet, foß 3) ein betrübter nid^t nergagett, fonbern gu bem barmljergigen ©ott feine Zuflucht nehmen; beim bie betrübten foßen getröftet merbett. 4) ©ott ermeifet aber feine 23armf)er= gigfeit gegen bie ©tenben, theilg, meint er ihnen gibt greu- bigfeit unb getroffen Muß), theilg, menit er in ihrem Sei* ben fie erhält unb ihnen Starte gibt, bafj fie eg augfteljen 21 310 2)er Setrübtc tröftet ftd? ber Sarmfyerjigfeit Sottet. unb tragen fönnen, ttje il§ aber auch, tuen» er eg gar oon ihnen nimmt. (Erbarmet fid; ein $ater über fein ®tnb, fo mirb ®ott ben betrübten and) nicht ohne ^Barmher^ig* feit in feinem CHenb nerberben laffen. <£ e & e U 0 bu oHltebenber ©ott, beffeit 23armbergig= feit fein ©nbe bat, beffert ©üte alle borgen neu mirb; fiebe, idh befümmerte unb betrübte @eete trete aü^ier öor bein atterbeiügfteg 2tngefidbt unb fdbütte meinen großen Kummer unb be= trübtet §erg t>or bir aug. ®tr ift ja mobl be¬ iamt mein 3ammerftanb unb grofeeg ©lenb, bag midb betroffen bat; meine Seele ift betrübet, mein ©eift ift geängftiget, unb Seiben hat midb umgeben ohne ,3af)L ,3^ Kbe ntid> um nadb geifern, aber ich finbe feine. ^enfdben moften fidf) tbeilg meiner nicht annebmen, tbeilg miffen fie meine ^otb nicht, tbeilg mag ier Setrübte tröftet jtdj ber Sarm^ecjigleit @ottc§. 311 ©efdjöjjf, barum mirft bu bag 2öert beiner £>änbe nicht (affen. 3a, id) bin mehr, id) bin aud) bein fi'inb, bag bn in ber ^eiligen Saufe in bie $rme beiner 33armhergigleit aufgenommen haft, barum fßreche id) : $ld), mein 23ater, erbarme bidt) beiner armen unb öerlaffenen ffiinbeg. 2Kein 3®fu, id) bin ja mit beinern heiligen 33lut erlauft; id) bin bod) bein ererbtet ©ut, erlauft mit beinern tbeuern $8Iut, barum nrirft bu bi d) beiner (Sigen= thumg erbarmen. 0, bu toerther ^eiliger ©eift, lege bag ^eugnif; in meine Seele, bafj id) bei allen meinen Seibett bennod) ein Äinb ©otteg fei, nttb menn id) im Seten matt merbe unb faft nicht mehr beten tarnt, fo fdjreie bu bod) in mir bag Wbba, lieber Später ! Siehe, id) finle, ad), reiche mir beine §attb; §®rr, hilf mir, §6rr, ftehe mir bei! §@rr, §©rr, lafc beine 23arm= hergigteit grofe an mir merben, unb gib mir Qfreubigteit beg §ergeng; ja, fdjreibe unb rufe ftetg in meine Seele bie Söorte: Sn bift nicht oerlaffen; ich mid mich bein erbarmen; ich bi« bei bir in ber üftoth; id) toitt bich herauf reiften unb gu ©hren bringen. 2lu Ijaft mid) ja nod) niemalg oerlaffen, ad), fo oerlafj mid) je£t aud) nid)t; E)ilf beinern ^inbe, bag gu beiner $8armt)ergigfeit allein feine 3u= findet nimmt. Sld), in feinem SBaterfjeqen $ft er fdjon auf §iilf be= boc^t, kleine £rübfat, Slngft unb ©dimer^en Unb mag mid) fonft traurig mad)t, 28irb fid) algbamt halb ab= menben, 2öenn er mir mirb £mlfe fenben ; 2)rum, mein SSater, fomm §u mir, $erg unb Sluge tfjränt nad) bir. Simen. <$ ef <*«$♦ 2M. : D ©ott, bu frommer ©ott. 1. 2öof)t bem, ber (Sott oertraut $it allen feinen ©adjen, Unb adeg bem ^eimfteUt, $)er eg meifj mofjl gu madfen, 28of)l bem, ber ba fein $aupt 9htr legt in ®ot= teg ©d)oo{3, $>er mirb ganj rufyig fein Unb üieler ©or= gen log. 2, SSofjt bem, ber ©ott oertraut, SUg meldjem nidjtg unmöglich, ©ein ftarfer Stümadjtgarnt 5tann Reifen unoer- güglid); 2Bag ung bünft all^it ferner, $ag ift bei ilfm gar leidjt, Sßeit alle 9tott) oon ung, Sßjeun errg befielet, meidjt, 2)et ^Betrübte eririäget bte göttlichen Verheißungen.. 313 3. SBo^t bem, ber ©ott oertraut! Äannft bu fein Mittel finben, Unb meineft, beiite sJ?otg 2Bär nidjt p übenoinben: 80 trau bem meifen ©ott, $)er alle |)ülfe gat, 23ei bem ift 9tatg unb £gat, 2Bemt bu bift ogne 9tatg. 4. 2Bogl bem, ber ©ott oertraut, 2)enn feine Siebet proben 2ttu| jebe ©reatur 3ftit frogem 9Jtunbe loben; ®er jeher ©reatur ®ie ‘ßtagrung reicglidj gibt, 2>er forget and) für bidj, 2Beit er bidj ^er^lidf) liebt. 5. 2Bogl bem, ber ©ott oertraut Unb nidjt ben SSttem fcgenfinbern; 2)ie finb gar oftmals falftg Unb fließen au üerginbern ffcag, mag ung nüfclicg ift; Db fie, mag ung gebricht, 2öogl raiffen unb oerftegn, ©o gelfen fie bod^ nidjt. 6. 3)rum miH idj immerbar 3)ir, meinem ©ott, oer= trauen, Stuf beine 23aterganb Sit meiner Stritbfal flauen; 21dj ©ott, icg fomm 31t bir, $ldfj, forge bu für mieg, 21cg, nimm bieg meiner an Unb gilf mir gitäbiglidj. 7. Söoglan, idj traue ©ott, ©g mag mir nun aud) gegen, 2Bterg meinem ©ott gefällt; Sdj bleib barauf be= ftegen, $)ag ©ott ben nidjt oerlägt, 5Der feft ftetg auf ign baut, 393eil bem geholfen mirb, $)er feinem ©ott üertraut. $>er betrübte ermäget bte göttlichen ^erlietßmigcii. Ülufntmttermtg. @r begehrt mein, fo miß idj ihm aushelfen; er fennet meinen 9ia* men, batum miß ich ign fchüßen. @r rufet mich <*n, f° miß ich ihn erhören; ich bin bei ihm in ber^oth, ich miß ihn f)er= auS reißen, unb ju @ljren machen; ich miß ihn fättigen mit langem Seben, unb ißm geigen mein £eil. $f. 91, 14 — 16. @0 fet)r ®reug, Ungtüdf unb ©lettb itieberfcgläget, fo gerrlidj rieten bie göttlichen ©nabenoergeifjungen mieber auf. 4)arum foU ein betrübter bebeufen, 1) alle gött= lidjett Verneigungen gegen audg ign an; man foß fieg 314 2) er Betrübte erwäget bte göttlichen Verhetzungen. nicht einbilben, als ob bie Verheißungen nur ßftofe, Mb unb benen gegeben finb, bie bagumal lebten ; nein, fie fielen auch auf uns, benn fo fpricgt $aulu§ fftöm. 15, 4. : 2Ba3 äuüor gefcgrieben ift, baä ift un£ gur fiepte geftgrie* ben, auf baß tüir burcg ©ebulb unb £roft ber 3<^rift Hoffnung gaben. ferner fott er 2) bebenfen, aße gött¬ lichen Verheißungen merben erfüllet merben ju ber §eit, bie ©ott gat beftimmt; barurn fott ein betrübter Sott nicht geit unb Stunbe tmrfdgreiben, fonbern mit 3)emutg unb im ©lauben bie §ülfe ermarten. 3) ©oll ein Ve= trübter bebenfen, baß bie Verneigungen ©otteä üon ber §ülfe, ©rlöfung, Errettung, Befreiung t»om äußeren Uebet biämeilen auch in biefem Seben erfüllet merben, fo baß Äranfe gefunb, traurige erfreuet, ©lenbe errettet, Vetrübte getröftet merben; aber baß btemeilen ©ott biefe feine Verheißungen erft in bem emigen Seben erfüßet, alö mo bann aße Verheißungen ©otte£ in igre ooflfom= mene ©rfiißung gegen merben. Sn Vetracgtung beffen foß 4) ein Vetrübter ftiße fein, unb auf bie ©üte ©otteS hoffen, ber feine Verheißungen an fo diel Xaufenben fdgon erfüßet gat. §@rr, mein ©ott, mein §erg geilt bir oor bein 2Bort: 3g* fottt mein Wntlig fudjen; barum fudge icg audg, £>©rr, bein $ntüt;. 3h meift in mei= ner $Befümmerni§ nirgetibg $roft unb Otatg ^u finben, al§ bei bir; bei bir mein §er^ $roft, §ülf unb 9tatg gu jeher geit gefunben gat (Sonber^ lieh finge ih meinen S^roft in beinen herrlichen Vergebungen; barin fittbe ich bie magre unb lebenbige ÖueUe, midg in meiner @eetenangft $u erquiden. 3aft gejagt: ,3$ bin bei bir in ber üftott), i$ null bi$ fyerauä reiften. 21$ §($rr, bie 2lngft meinet §ergen£ ift groft, füfyre mi$ au3 meinen ÜJiötften. ^)u ftaft gejagt: 3ür$te bi$ nicht, i$ bin bei bir; tnei$e ni$t, i$ bin bein ©ott, i$ ftärte bi$, i$ erhalte bi$ bur$ bie rechte £>anb meiner ©erccfttigfeit. ®u ^aft gejagt: @8 Jollen moftl $8erge mei$en unb §ügcl ^infatten, aber meine ©nabe folt*ni$t Dott bir meinen. 21$ §©rr, fo erbarme bi$ bo$ meiner, a$, mei$e ni$t t>on mir, Dertoirf mi$ ni$t non beinern 2lngefi$t; bein freubiger ©eift enthalte mi$. D, mein §6rr unb ©ott, i$ meift, bu mirft beine gufage un^ Söaftrfteit treuli$ halten im §imme(; mirb bein 2Bort ni$t mein &roft Jein, Jo muft i$ vergehen in meinem ßlenb. 2lber habe i$ f$on oiel 59e= fümmernifje in meinem ^erjen, fo erquiefen bo$ beine Sröftungen meine Seele. £>ein fteilige^ 2öort fteüet bi$ mir nor al§ einen mä$tigen ©ott, al3 einen liebreichen S3ater, al§ einen ftar= !en Reifer, al£ einen gnäbtgen 23eiftanb, als einen geroiffen ©rretter; baranf oerlafje i$ mi$, beft tröfte i$ mi$. Wein §erg ift geiroft unb unt>er= 309t unb darret be3 §©rrn. $>arum fei toieber 316 ®et 33etriiE)te ertcöget bie göttlichen SSerhet^ungen. gufrieben, meine «Seele, ber §(£rr »erftöfeet nidbt eroißltd^ ; er betrübet mobl, aber er erbarmet fief) mieber uad) feiner großen ®üte. 2Ba£ betrübft bu bid) bemnad), meine Seele, unb bift fo un= rubig in mir? §arre auf ©ott ! 2fteine Seele märtet auf ben |>6rrn ron einer SJforgenmadbe bi§ gur anbern; meine Seele märtet auf ben §@rrn, bi§ er un§ gttäbig merbe. (Erfreue meine betrübte Seele, ftärfe meine abgemattete Seele, t)alte meine finfenbe Seele, richte auf meine nie= bergefd)lagene Seele, tröfte meine traurige Seele, gaffe mid) in beine 2lrme unb erquide mich ; öer= lafj mid) nid)t unb tfyue nicht bon mir bie |)anb ab, (Sott, mein §eil! 3$ febne midb nach bir, meine Seele verlanget nach bir unb feufget: SBann tröfteft bu midb? Stuf ibn roitt idj »erfreuten $n meiner febmeren Beit; mag tfjn nidjtö gereuen, (£r menbet aUe£ £eib; §bm fei e§ §eimgeftellt, Mein Seib, mein fid?t ®otteä im Äieuj. 317 2. Slcfe, icfe gäfele Sag unb ©tunben Unb faft jeben ©locfenfcfelag, $8iS icfe feabe §ülf gefunben; $n ber 9tacfet, tt)ie an bem Sag, ©precfe icfe oftmals felbft mit deinen: 2lcfe, mann mirb bie ©tunb erfcfeeinen, Sie jur §ülfe ift beftimmt, Sie mein Seiben üon mir nimmt? 3. Sodfe icfe miß bir nicfetS öorfcfereiben, @S gefcfeefee, 4)G£rr, bein Sill; $cfe miß immer treu bir bleiben, Sir fealt icfe gebulbig ftiH; SöiUft bu mit ber ©tunb oergiefeen, 2BiH icfe brum nid^t non bir fliefeen, ©onbern rufe mit ©emalt: 2lcfe, tommt beine ©tunbe halb? 4. Slcfe, lafe beine ©tunb anbrecfeen, Seine ©tunb, o lieber ® ott; Safe micfe einmal fröfeltcfe fprecfeen: 9hm= mefer feört auf meine -Wolfe. Wacfe bem ©eufeett, nacfe bem ©cfereien Safe mir §ülfe angebeifeen; SlUe $lo tfe bricfet gleidfe entjmei, Senn bie ©tunbe fommt feerbei. 5. 2lcfe, mein 33ater, feor mein ^lefeeit, ©iefe, eS betet §erg unb 9Jhmb, Safe micfe halb erfreuet fefeen Ser er= münfcfeten «jpülfe ©tunb; Sirft bu beine ©tunbe fdfecfen, ©o mirb ficfe mein ©eift erqiticfen. 2lcfe, mein Sßater, feöre micfe, §öre micfe bocfe gnäbiglicfe! 2>et betrübte trmnget bie ©otteö int Srtuj. Slufmmttentng. 9XUe güdjtigung aber, tcertn fie ba ift, bitnft fie uns nidjt $reube, fonbern ülraurigfeit fein ; aber barnad) mirb fte geben eine fricb= fame $rudjt ber ©eredqigfeit benen, bie baburd) geiibei finb. $ebr. 12, 11. Senn ein ®inb bie gticfetigungen feines SBaterS emfefin- bet, fo meinet eS unb meinet, eS gefcfeefee ifem gar mefee; ift es bafeer ein Sunber, memt betrübte oftmals nicfet miffen, mie fie ficfe in ifer Äreug fcfeicfen foüen? @in 23e= triibter foH aber ermägen: 1) ©ott mit! uns burcfe bas ^reu^ nicfjt ins $8erberben bringen, fonbern barauS er= retten. Senn ber Sunbargt in bie Sunbe fdjneibet' 318 35er Betrübte eriuäget bie Slbfidjit Öotteä im Äreuj. ober beifjenbe 0acf)en auflegt, fo mill er fie feilen unb reinigen; unb burd) Stübfal miß un£ ®ott oon ber SBelt ab unb gu fic^ gieren. 2) 0iefjet ©ott, bafc mir ung in irbifc^e 3)inge unb (Kreaturen oerlieben, fo nimmt er uns biefelben, bafj mir itjn allein lieben unb unfere ^reube an iljm Ifaben foöen. $a, menn er fielet, bafj mir burd) beftänbige ©lüdfeligfeit, fftulje unb anl)altenbe£ 2Boljl= ergeben moUen trag gum ©ebet unb in unferm ®^riften= tf)um nad)läffig merben, fo läfjt er un§ ein menig beftim= mert unb betrübt merben, bamit mir mieber nad) i^m oerlangen unb in feiner Siebe unb ©rfenntnifj gu madjfen trachten. Sei biefem allem aber bleibet er ein gnäbiger, aflmädftiger, meifer unb gütiger ©ott, ber uns ^er^lid^ liebet. (Befrei. ^Rein ©ott, ber bu mitb fe^t in fo gro&e $raurigfeit unb Setrübnifc fetjeft, bafe mein £>erg geängftet, mein 3Runb oott Seufgen unb mein 2luge ooü £t)tänen ift, ad), id) meifj nid)t, mo id) mid) binioenben fott ! 2öar id) nid)t glüer Setrübte bittet um Öebutb unb Starte, 323 ferner merben. «3$ üermag aEeä burd) ben, ber mid) mächtig machet, S^riftug. ©reife mich aud) gu heftig an, bamit ich’£ tarn auäftehen. . §abe ©ebulb mit meiner ©chmachheit, ftärfe bie müben §änbe, erhalte bie manfenben $nice, fage gu meinem öergagten bergen: $>ein ©ott ift Ä'önig, bein 3®fu3 ift bei bir, bein $önig fomntt gn bir, ein ©eredjter unb ein Reifer. menn bu mir hilfft, fo ift mir geholfen, barurn t)üf mir, o mein §eit, um beineg Samens mitten; gu bir habe id) Zuflucht. ©teile bocf) meiner ©eele t>or, eg fei bein ^eiliger SSitle, bafe icf) atfo tei= ben unb mein 5lreug trogen fotte, bafs ich mid) bonn mit greuben entfchlie&e unb foge: Später, nicht mein, fonbern bein üHMlIe gefchefje. ©teile mir Dor bcitte Siebe, baf? bu mich unter bein Äreug unb in ber ^öetrübnife bennod) tiebeft, ba& mein Seiben nur eine fleine $eit unb nid)t emig bauern merbe, fo, baft biefer $eit Seiben nicht mertb fei ber ^errtichteit, bie an ung foü offene baret merben. §ilf, bafe ich ermage, bafe bu mein gttäbiger ©ott unb liebreicher $ater feieft, baß biefer $reug nicht fei ein Reichen beg $orng, fonbern ber ©nabe; übergeuge mich, eg merbe mein Pütjen fein, inbem ich baburch gu bir ge= gogen merbe. ©teile meiner ©eele bor bag @$em= $>el ber ©ebulb meinet lieben ^eilanbeg 3@fit 324 2)« Setrübte bittet um ©ebulb unb Starte. ©fyrifti, ber alleg gebulbtg auf fid) naljm, unb tute ein Saturn feinen $D?unb niefyt auftfyat. ©ib, baf$ id ) tfym in folget Stille unb ©elaffenfyeit burd) beine ©nabe nadjfolge; gib, baß id) mit bulbe nnb mit leibe, bamit id) aud) mit getrönet unb ;jur §errlid)feit erhoben tuerbe. Saß mein ^reug bein 2öort nid)t aug meinem bergen teilen, meinen ©lauben nid)t fd)tuäd)en, noch bag ©ebet uerfjinbern, fonbern gib mir neue Kräfte unb neuen TOutfj, tuenn id) einen Sturm augftefjen muß ober auggeftanben t)abe. ,3a, ftelle mir uor, baß mid) beine §ülfe halb erfreuen unb bein träftiger 53eiftanb getuiß erquicfen tuerbe. $)u bift mein ©tärf, mein $etg, mein |)ort, Mein 8cf)itb, mein ®raft (jagt mir bein 2öort), Wiein $ülf, mein $eit, mein ßeben, Mein ftarfer ©ott in aller ; 353er mag bir miberftreben? 2tmen. © ef an$. 2JieI. : D ©ott, bu frommer ©oti. 1, Mein ©ott, öergief) bod) nid^t, 5ld) fiel), mie icf) muß meinen; 353ann mitlft bu, o mein £icf)t, gu meinem £roft erfdjeinen? ,3u $aufe f>ab id) ^reu§, Unb gelj id) fdjon oft aug, @o getjt mein ßeiben mit Unb fommt mit mir nad) $aug. 2, $mar ßoff id) ade£ag: ©ieß, tjeute mirb eg beffer; Slttein bag Seiben mirb gaft alle £age größer; $d) merbe fdjmad} unb matt, Mein §erge ift beftemmt, ©g ift mein 2lngefid)t Mit Xtjränen überfdjmemmi 3, 25urd)g lange Seiben mitl Sind) bie ©ebutb ber- fdjminben, 353eit fid) bie Sinberung ©o gar nidjt mitl 33er ^Betrübte bittet um St&nebmung ber Xrübfal. 325 einftnben; $d) rnarte don bent £ag 23i§ auf bie ftide Sftadjt, Unb in ber SRadjt bin id) Sdjon auf ben Xag bebaut 4. SBiflft bu nun langer nod), 90^ein ©ott, bie $iilf dergiefjen, 2Bie mirb e3 mir ergebt? 5ld), mo fofl id) Ijinfliefjen? 2ld) ©ott, dergiel) bod) nidjt, 9td), eile halb tjerbei! 2(d) $©rr, mann rnadjft bu mid) Sßon meinen Öanben frei? 5. 2)ie |)ütfe ftef)t bei bir, Sie ftef)t in beineu §än= ben, 3)u fannft mit einem SBort Sttein Seiben fdjteunig menben, 2ld), menbe bid) gu mir, Komm unb errette mid), ©rleid)tre mir mein |>erg, 2td) ©ott, erbarme bid)! 6. 3)a3 Seiben ift nid)t fdjmer, SBettn bu mir e£ bjitfft tragen; $d) mid, raenn bu mit trägft, 23on feinem Seibeu jagen; $)etut trägft bu nur mit mir, @o trägft bu ba§ ©emid)t, $d) I)abe gmar ba3 treug Unb fül)l bie Saft bod) nidjt. 7. 2ld) ja, mein §@rr unb ©ott, Safj mid) bie Stunb erbliden, t)a bu nad) meinem Seib dltid) enblid) mirft er= quidett; 3ld), fdjenfe mir bereinft 2)ie taug ermünfd)te Stunb, SDaruad) ba3 ,f)erge feufgt Unb ber betrübte dJtnnb. 8. SBidft bu mir biefe ©nab, D großer ©ott, ermei= fen. So mid id), meit id) leb, SDafür bid) fjerglid) greifen; •3dtein ^reubenmort fod fein Sfad) auägeftanbiter fttotf): 2öie gnäbig ift bod) ©ott, ber §©rr §©rr $ebaotf)! J)cr betrübte Bittet um SlBnctjmiuig ber Xriibfal ültirmuutentng. $d> roinfelte roie ein Äranid) unb eine ©djwalbe, unb girrete toie eine 2aube ; meine 2lugen wollten mir brechen : |>@rr, id) leibe 9totf|, linbre mir’ä. ©iefye, um Stroft mar mir fefyr bange. 23u aber Ijaft bi$ meiner ©eele fyerslid) angenommen, baf; fie nidjt oerblirbe; benn bu mirfft alle meine ©iinben hinter bid) jutücf, ^ei. 38, 14. 17. ©ott fjat feinen ®inbern in ifjrem Seiben eine £inbe= rung unb ©tquicEung derfyeifjen, entmeber in biefem ober 326 23er betrübte bittet um 2lbne§mung ber iriibfal. in bem ewigen ßeben; eg ift bemnadj ben betrübten nid^t verboten, ©ott um bie ©ewäfirung berfelben aud) in bie= fern Seben an5uflel)en, bod) atfo, bafj fie babei fid) bem ^Bitten ©otteg gättglici) unterwerfen, deswegen, 1) wenn fie empfinben ifjreg $reu3eg §eftigfeit, Sitterfeit unb Saugwierigfeit, bürfen fie wot)l bitten, bafj er eg iljnen wieber abnefjmen wolle; benn fo machte eg ja ©fjriftug, unfer §eilanb, felbft, welker um SBegneljmung beg bit= tern ®eldjg feinen fjimmlifdjen Skater anfleljete; hiermit legen betrübte il)r Vertrauen unb 3uoerfid)t 51t ber 2111- madjt ©otteg an ben £ag. $ebod) 2) foH biefe Sitte um 2lbtief)mung beg $reu3eg mit einer gelaffenen ©r= gebung in ben 3Bißen ©otteg oerfnüpft fein; beffer iffg, wir tragen bag non ©ott gefdjitfte ®reu3 willig, alg bafc er eg ung wegen unferg Sfturreng abnimmt, unb im 3orn ein fdjwerereg 3ufcf)idt. $)iefe Sitte um 2lbnef)mung ber ^ritbfal fod 3) aud) eine gute Stbfidjt haben, nämfid), bafj wir ©ott befto freubiger unb ungeljinberter bienen föniten, inbem bie Xrübfal ung oftmalg jerftreuet, nieber= fd^lägt unb 31t heiligen Uebungen ungefdjidt macht SBoHte mau aber beg ®reit3eg entlebigt fein aug Ungebulb, ober um ber SSelt ßuft unb $reube wieber 3U genießen, fo fielet man ja leidet, ba§ ©ott ein fotd) ©ebet nid}t er= hören wirb, $ft bag §er5 nod) ffeifdhlich, eitel unb irbifd) gefinnet, fo läfjt er bag ®reu5 auf ung liegen, big eg alg ein heiligeg $euer biefe Stoppeln unb Unreinigfeiten aug- gebranut hat (Bebet* 0 bu gnabeuretcher ©oft, ber bu bie 33etrüb= ten unb ©teuben unfieljeft, unb btd) erbarmeft aller betner SBerfe, ad), ftehe, td) betrübte unb befümmerte Seele ftelje aüf)ter bor ber £l)ür bei- ner ©nabe, unb flefje bid) um £>ülfe an. $>u 25er Betrübte bittet um Slbnetymung ber Irübfat. 327 meijgt ja, tüte btt mid) betrübet hoft, bu n?et%t, tt)ie bu mid) angegriffen fyaft, aber bu meifct aud) mol)l, baß e§ mir niemanb fann abnehmen, benn bu allein. ®ie Sßaterhanb, bie mid) oermunbet, bie mufj mid) feilen, ber mid) getöbtet, rnufi mid) mieber lebenbig machen, fa, ber mid) in bie §öÜe geführet hat, muj$ mid) mieber heraus führen. 2ld), barurn, bu gnabenreidjer ©ott, fomrne id) gu bir unb fpredje: £©rr, b)ilf mir, ad), erbarme bid) meiner ! ®ein 3orn mähret einen 2lugen= blid, unb bu Ijaft Suft gurn ßeben, aber bein $lugenblid mähret mir faft gu lange. 5ßarm= bergiger ©ott, ber bu in beinern 2öort fo lieb= reid) beinen ^inbern erlaubet haft, bid) gu bitten: ^Bittet, fo merbet ihr nehmen; fucf>et, fo merbet ihr finben; Hopfet an, fo mirb euch aufgethan: ad>, la{j aud) mein Bitten, Suchen unb $lnflopfen bei bir ©nabe finben. Sftimrn meine ^rübfal oon mir; hoch nicht mein, fonbertrbein 2öide gefdjehe. ,3ch miU bir nicht ,3eit unb Stunbe, 5trt unb SBeife üorfdjreiben, fonbern beine §ülfe mit ©e= bulb ermarten. 2ld), la§ mich hoch eine ©rguidung entpfinben; midft bu mein ©lenb noch nicht gang oon mir nehmen, fo nimm nur ein Stüd unb &hetf begfelben oon mir. ®u midft bich tmr bei= nett ©läubigen nur einen fleinen 2lugenblid üer= bergen unb fie mit großer SBarmhergigfeit mie= 328 35er Betrübte bittet um 2t6ne$mung bet $rii&fal. ber fammeln. 2ld) ©ott, mie lange toiüft bu mein fo gar rcrgeffen ? 2Bie lange öerbirgft bu bein 2lngefid)t oor mir? 3fi i'& benn gang unb gar au£ mit beiner ©üte unb bat bie SBerbeifcung ein ©nbe? Safj mich bod) erfahren, bafj bu no, lange ift bem bergen bange unb oer= langt nach bir. $>ir ift ja nid)t3 unmöglich, §@rr 3ebaotb ift bein Sftame, gro{$ oon 9tatb unb mächtig oon ib^t. bift ber £roft Sfraelä unb ber Sftotbbelfer, barum oertafc mich nicht, hilf mir, errette mid) unb fei mir gnäbig; erquicfe mich nun mieber, nadjbem bu mich fo lange ge= plaget b^ft, nachbem id> fo lange mein ßeiben auggeftanben höbe, unb tbue nicht bie |mnb oon mir ab, ©ott, mein §eil. 3ft aber beine §ülf3= ftunbe noch nicht ba, fo ftärfe mi(b inmenbig unb gib mir folcbe Äraft, bafj id) e3 bir 31t ©b^en fcr» ner tragen fömte; benn menn bu, 0 lieber SSater, mit mir trögft, ober mir e3 linberft, inbem irf> in beiner ifraft einbergebe, fo mitt id) e£ auch für ein 9lbnebmen holten, barüber mich freuen unb bir bauten. Sößittft bu mir e£ aber in biefem Seben gar nicht abnebmen, fonbern ift e£ bein heiliger fRatb^ bafc ich e§ bi§ in ben £ob tragen 35er betrübte bittet um 2(&nefjmung ber Jrübfal. 329 fott, nun, fo gefdjebe aud) barin bein SBitte; nur lafe mtd) nit über mein Vermögen berfucbet mer= ben, unb berfüfje mir alte Sitterfeit unb £rüb= fal mit bem (Senuß beiner Siebe, mit beinern fräftigen Seiftanb unb mit einem erquidenben Sorgefcbtnad be3 ^nmmetg. ©ofi id) nod) mebr um beinetmißen leiben, ©o fteb mir, £>©rr, burd) beine Äraft gur ©eiten; SSefcbütge midi ftet3 gnabiglidj, §ilf meine Sötberfac^er ad beftreiten. 2lmen. <$ef attg* 2M. : 2lHe SJknfdjen ntüffert fterkrt. 1. SSSatin mirb mich mein ©ott erhören? 2tdj, mie lang oergiebt er bod)? 2öiß er ftd^ nic^t gu mir feeren, SBeggutbun bag fernere $odb? Sieb, id) mufj ja faft öer= geben, 3Öertn er mid) nid^t miß anfeljeu; stimmt fidj ©ott nid)t meiner an, Sieb, fo iffä um mid) getban. 2. §at rnir^ ©ott ja boefj üerfprocbett, 3)aß er mid) erhören moß, SBenn bie ©tunb ift attgebrod)en, £)ie mir £jütfe bringen foß; S3ei bem Söort miß icb ü)n faffen Unb barauf mid) feft berlaffen ; SBa§ er mir oerbeifjen bot, ^ann er leiften in ber ibat- 3. 3d) miß bennod) eifrig beten: ©djaite, Später, auf bein ®iitb, $d) miß immer üor ibn treten, Söie bie, fo oerlaffert finb; $d) miß feufgen, meinen, fleben, 9lßer Orten ibm naebgeben, $bm fc§icf id) bie ©eufger gu, $Bi§ id) bobe §ülf unb 9tub- 4. ©oß icE) in bem ^ammergarten, §ier in bem ©etf)= femane, Sänger auf bie £)itffe märten, ©o miß icb in 2ldj unb 2öeb Sftdjt an ©otte§ §ülf oergagen Unb mein ®reug gebulbig tragen; ©eb icb meinen $@fum §ier $n bem ©arten bod) bei mir. 330 2>er Setrübte ertoägei ben fröhlichen 2lu§gang be§ ßreujeö. 5. Stun, moljlan, id) bin tergnüget, ©ef> eg, rote eg gefeit foE, 2Sie eg mein ©ott mit mir füget, ©o tfjut eg ber ©eete mot)t. ©itblid) merb idj uoc^ lobfingen Unb iljm meine Opfer bringen, $a, ersten jebermann, 2öag er an mir fjat gettjan. Der Betrübte erwäget ben fröhlichen Buügang beö Sreujeä. Aufmunterung. 95er §@rr »erftöfct nicht ewiglich ; fonbern er betrübet n>of|l, unb erbarmet fidb roieber nach feiner großen ©üte : benn er nicht oon £erjen bie 9Jlenf^en plaget unb betrübet, ßlagl. 3, 31 — 33. Me £rübfal mirb leitet, menn man hoffet, eg merbe bafb beffer merben; eine befdjmertidje Steife mirb hir§, menu fie halb jurüdgetegt ift. hierbei foE ein 33etrüb= ter fidij torfteEen: 1) ba| fein ©lenb gemifc ein ©nbe nehmen merbe unb tieEeidjt nodj in biefem Seben, mie ©ott atfo $>atibg $tud)t, $igfiä ^Iranffjeit, $iobg ©tenb, ber Söittme grünen, beg ©id)tbriid)igen ©d^mergen nodj in biefem Seben gum heften gemenbet tjat. Slm aEer= gemiffeften aber mirb ©ott ber gromjnen teuj enben unb menben in bem £obe; benn ba foE iljnen bie ®rone, ein meifjeg Äleib, bie §immetgfreube $u ^tjeit merben, ba miß er abmifdjen ade Kranen ton ifireit Mgen. 2) ©oE fid) ein betrübter torfteEen, menn er burdf bag Seiben betrübet mirb, ba§ feine ©eete baburd) mirb erbauet; benn mm f)at er erfamit ©otteg Mmadjt, SBeigfyeit, Siebe unb Sarm^er^igfeit; burdj bag Setben unb beffeit frÖf)= ftdjeg ©nbe ift fein Vertrauen aufgeridjtet unb fein ©taube geftärfet morben; unb menn autfj burd) bag ^reug bie SBeltliebe in ifjm ift gettfget, bafc er nun frömmer, an= bärtiger, djriftlidjer, bemütljiger unb fanftmütf)iger ift ge= morben, fo t)at er gemi^ einen großen Stufen ton feinem Set 39etrü6te ertoäget ben frö§Ud)en 2lu$gang beß Äteujeä, 331 Äteuge. ©o bleibet ber 2luSgang be§ ®reuge§ fröt)Iic§ mtb fetig, e3 mag fidj enbert entmeber hier in ber $eit, ober erft bort in ber ©migfeit <& ef> e *♦ 2ld), bu großer ©ott, mie ift bod) mein ßeiben fo ferner unb grog, tote bu felbft meifct, ein {eher £ag Ijjat feine eigene s^tage unb eine jebe <©tunbe föft ibr eigene^ ßeiben; aber bod) foß mein ©taube, meine Hoffnung unb mein Vertrauen beämegen nid)t aufbörett, fottbern id) miß mitten in ber Srübfat meine klugen aufbeben gu ben Sergen, non melden mir <£>ütfe fommt, nämlid) gu bir, bem aßmäd)tigen, gütigen unb barmber= gigen ©ott. 3cb meifs, bu mirft enblicf) nad) ber ^rübfal mid) erfreuen, je nach bem Ungemitter mir bie <©oune mieber (affen fd)eineit. ®u ^aft nerfprocben, bafj bu bie SRübfetigen unb Setabe= nen erquicfen moßeft: nun, id) marte auf bie ©r= füßung biefer gnäbigen Serbeijgung; ad), gib mir, menn eg gu beiner @b*e unb gu meiner @elig= feit gereift, meinet §ergeng Söunfcb, unb mag mein üKunb bittet, benn bu bift meine 3uoerfid)t, <§@rr, §©rr, non meiner 3ugenb auf. «3d) meifg, beine rechte £>anb fann aßeg änbern. 2Id), fo änbere, menn eg bein beitiger 2öiße ift, meinen 3uftanb; erquiße mich, erfreue, erböre mich, daraus miß tib§ $8er= folgnngen gaben ißm ©elegenßeit, bie trefflidjften Sob= unb 0anflieber gu oerfertigen* Steine greinen follen aud) ein 0ame merben, barau£ gute grüdjte mad)fen; bie 0ornen, bie mich fielen, foEen Etofen tragen; nad) meinem $ambf foE ber @ieg, nad) bem streit bie $rone, nad) bem ßeiben bie (Irrettung, nad) ber traurigen unb betrübten $ftad)t ber frößlidje borgen folgen. SRun bafür banfe id) bir, bafür greife id) bid). 25er ©e trübte ertrüget ben frö£>£icf>eu 2tu3gang beä Äreuje». 333 ßobe ben §(£rrn, meine <©eele, unb öergtfj ntd)t, i tm§ er btr ©ute3 getarnt hat. 2Bie fjetrüd) mirb bermaleinft am füngften Stage bte (Möfung fein, menn id) ba üon altem Uebel befreiet in ba§ fymm* lifdje ^freubenlebett eingel)cn merbe ! $ft biefeö benn ba§ erfte Sftat, $)afj mir betrübet mer* ben? SBa§ haben mir, at§ Slngft unb Ouat, SBi^^er gehabt auf ©rben? SBir finb ja moIjt unb hoch gefräuft, Unb hoch hat ©ott un§ branf gefd)enft ©in ©tünbtein notier greu= ben. Simen. föefattg* 2M. : D ©ott, bu frommer ©ott. 1. SBann tommt mein $©fu£ bod)? SBilt er mich gar oerlaffen? SJieiu $eil, mann merb ich bidj ,Su mei= item £roft umfaffen? Sich, menn mein ©eelenfreunb ©o ferne non mir meid)t, Sb'er ift, ber in bem treuj Sftir feine §anb barreid)t? 2. SBann fommt mein 3©fu3 boch? ©ieh, anbre finb beglüctet, ©ie ftehn in £)errticrj tior ©ott aus. slluf muntern itg. 3f>r foUt feine SBiitroen unb 3Batfen beleibten. Söirft bu fie be= leibigen, fo roerben fie ^u mir fcfyreien, unb idb roerbe ifyr ©dreien erhören. 2 9J?of. 22, 22. 23. $d) bin eine SBittme, ein ütöeib, baS Seib trägt, unb mein 9J?ann ift geftorben. 3ttfo befdjretbet baS finge SBeib tmn £pefoa eine SBittme, 2 ©am. 14, 5. ©3 ift ber Stöittmeuftaub 1) ein £rauerftanb, inbent ein SBeib üjreS ©tjemanneS |)ütfe, Üiatt), £roft, ©egenmart unb ^reunbtidjfeit muß entbehren, metdjeS aud) reifen 2Sitt= mett gar empfinbtid) ift; armen SBittmen tfjut es befto metjer, meit ipnen biejenige $erfon burd) ben £ob ift ge= raubt morben, metdje fie unb ipre ®inber ernähret unb burd) ©otteS ©egen oerforget f)at. ©3 ift ber 2Bittmen= ftanb 2) ein betrübter ©taub, meit oftmals undjriftlidje Seute an Söittmen ©ematt üben, if)nen baS $tjrige nef)~ men, fie brüden, oeradjten unb itjnen Unredjt tf)un. ©3 betrübte SöUttoen {Jütten iljr §erj bor ©oti au3. 335 ift aber ber SBittroenftanb 3) ein non ©ott befat oerheifjeu, er motte ber SBittmen 9ttann, ihr Reifer unb Stifter fein, ber fidj ihrer anneh- men unb ihre ©adrett aitgführen unb befördern motte. $a, er ^at ihnen feinen befoitbern ©egen unb Beiftanb, mie auch feine befonbere j)ütfe unb ©nabe §ugefaget. $n beffen Betrachtung fotteu fromme SSittmen 1) nicht an ©ott oerjagen; bettn ift i|r SEJtaun geftorben, fo ift ©ott nicf)t geftorben. 2) ©ie fotten biefeg annehmen atg eine Prüfung i^reg Bertraueng unb ihrer Hoffnung auf ©ott. ©g fott niemaitb an einer ©reatur langen, ober ficf) auf biefelbe üerlaffeu; meint nun maucheg Bkib mei* net, eg föutte fie unb ihre ®inber niemaitb ernähren, atg ihr sJJtann, fo machet fie aug bemfetben einen Slbgott, barum fie ©ott oou btefer ©ünbe mitt frei machen unb itjr geigen, bafj er fie unb ifjre Äinber and) ohne 9flann erhalten unb ernähren fönne. SDarum fotten chrifttiche SBittmen 3) im ©ebet anhaften, nicht argmöhnifch fein, ©ott eifrig bienen, ein frommeg, ftitteg unb dhriftlidheg Seben führen, fo mirb auch ©ott fie reidhtich üerforgen, ernähren unb erhalten. 0 bu barmherziger unb gnäbiger ©ott, ber bu bift bie 3uflud)t aber betrübten, Bertaffencn unb ©lenben, ad), eg h^t bir nad) betnem heiligen unb unerforfchlithen 9tath gefallen, nttd) in ben betrübten BSittmenftanb gu fe^en. Steine 6onne ift am heben Mittage untergegangen, unb bie $rone meineg £>aufeg ift gefallen; id) bin ein 336 Setrübte SBitttnen [Jütten i^r §erj oor ©ott au§. Slöeib, ba£ Seib trägt, mein SRann ift mir gc= ftorben. Söo foH id) mid) nun hinmenben? 9Eo füll id) Statt) unb Ufjat fud)en? $tdj, mein ©ott, id) fomme 31t bir, mein §er3 hält bir oor beitt Söort: 3^ foHt mein Strittig fudjen; barum fuc^e id) and), §Krr, bein Slnttitj. ®u I>aft in beinern heiligen SBort oerheifeen, bu molleft fein ber Söittmen Stidjter unb ber Söaifen SBater : 3d), ber §@rr, bin bein SJJann, ©ott Sfraete ift mein Staute. Sld), fo fei aud) jetjt mein SJiattn, mein Stifter, mein Reifer, mein Krretter, meine <311= flucht unb ber Peinigen $ater. Siebe an meine 2h*itaen, tnie fie bie SBangen herab fließen, unb tafe fie 3ur gnäbigen ©rljörung gen §immel ftei= gen; fietje an mein Seufgen unb erbarme bid) meiner, ©ib mir red)t 3U ernennen, bafe id) ben= nod) oon bir ttidjt oerlaffen bin, ob id) gteid) ohne Ü0tann (eben mufj, unb bafj bu, 0 bu emiger unb unfterblidjer ©ott, nidjt geftorben bift, fonbern emigtid) lebeft, obgleich mein SJtann begraben liegt. Sld), e3 fd)eint, baß bu baburd) mich midft oon alten Kreaturen ab^ietjen, bafj ich bir allein Oertrauen unb auf bid) allein meine Hoffnung fe|en foH. SJtein ©ott unb Skater, id) glaube oon §er3en, baf$ bu mid) unb bie Peinigen ohne Stfann fd)ü|en, ohne Sfiann ernähren, ohne 3Kann oerforgen fannft; ftärfe biefert meinen ©tauben Betrübte Söittluen fdjütten i^r §erj toor (Sott auä. 337 nadj) beiner ©nabe unb Sarmbergigfeit. §©rr, tfyue ein geidjen an mir, bafg eg mir moblgebe, fiit»re midj, mie üftaemi, oerforge midj, mie bie Siutb, fegrte meinen Delfrug, mie ben ber SBittme in 3frael, lafg bag 3Ket)I unb ben Sorratb nid)t abnebmen, mie bei ber SBittme gu Sarepta, tt)if(i)e meine frönen ab unb fprid) gu mir: 2öeinenier= traue id) ooit gangem £>ergen unb uon ganger «Seele; bu bift meife genug, mich gu erhalten; bu bift mäd)tig genug, mid) gu fdjmben; bu bift reid) genug, mid) gu ernähren unb gu oerforgen; bu bift barmbergig genug, mir abeg gu geben, mag id) oonnötben tjabe; bu bift abgegenmärtig genug, in aben Stötten mir beigufteben, mir gu helfen unb mich gu erretten* 3$erläffet fid) ein Steifenber auf feinen Söegmeifer, er merbe ibn ben regten 2öeg führen, üertrauet ein trauter bem Wrgt feinen Seib unb fein Seben an, marum fobte id) bir, o abmädjtiger unb meifer ©ott, nitbt vertrauen unb mi(b auf bid) oerlaffen? §ilf mir, ©ott meineg £>eitg, um beineg Sfomeng 338 aSetrübte SBitimen f^ütten if?t §era bot Sott aus. mitten; Später unb SÖJutter üerlaffen mid), aber bu, o §®rr, ad), nimm mid) auf* Sie|e, um Sroft ift mir gar bange, bu aber Ijaft bidt) atte= ^eit meiner Seele fjergliit) angenommen, baff fie nicf)t öerbürbe; id) l)abe öiel 33efümmerniffe in meinem §ergen, aber beine ^röflungen unb gnä= bigen SBerlfeiffungen ergäben meine Seele* ©ib, baff id) biefen einfamen Stanb im ©lauben unb in Srömmigfeit füfjre, meine $reube an bir f)abe, an bir mid) ergäbe, niemanbem ein ^lergerniff gebe; benn td) toeiff fürmafjr, mer ©ott bienet, ber mirb nach ber 2tnfed)tung getröftet, au§ ber Srübfal erlöfet unb nad) ber güdjtigung finbet er ©nabe* So laff mid) and) oor bir, mein ©ott, ©nabe nad) bem ßeiben, £>ülfe nad) ber 53etrüb= niff, ^reube nadf) bem ^Beinen, Xroft nad) ber Sraurigfeit finben* S0Jadf)e mir alle meine getnbe 3U $reunben unb gib mir £mlb unb ©nabe bet febermann. @rf)Öre mein ©ebet, gib mir beinen Segen, fütjre mid) an beiner §anb, forge für mid) unb bie Peinigen nad) beiner gnäbigen $er= Ijeiffnng. 2tuf bid) bin id) getoorfen oon 3J?utter= leibe an, barum toirft bu aud) feijt mein Sd)trm unb Sdjattcn fein, mid) behüten unb mir ©uteS tlfun, bi£ bu midf roirft 311 ber §errlid)feit bringen, ba id) mit fröl)lid)em SKmtbe in ©migfeit bid) loben toerbe* Setrü&te aBititoen fcfjiitten i$r §erj toor ©ott aufc. 339 Sittmen finb in ©otteg Sinnen, Saifen finb in ©otteg (School, Sper teil! er fid) erbarmen, Sär bie 9totl) aud) nodj fo grof;; S)emt ein ungereimter ßftattn haftet ©otteg Sluge an, 25er bie Saifen nie erquictet Unb ber Sittmen ^jergen brüdet. Senn fte bleiben in ben ©epanfen, SDarin fie ©ott pt gefteßt, Unb üon il)m aud() niemals manfen, Seil er fid^l gu ipen pl t, ©ollen fie im |>immeIgfd)lofe Serben allen Kummer log; 2)a foß nidfjt rnep mie auf ©rben, Sittmennotl) gehöret rnerben. Simen. (&ef attg* 9M. : £) ©ott, bu frommer ©ott. 1. Sp Sittmen, feib getroft, £ap ab oon euerm Seinen, ©g miß ber ftarfe ©ott 3u euerm £roft erfd)ei= nen; ©r ift ber Sittmen Sftann, SBergagt üor Strauern ntc^t Unb fep auf biefeg Sort Slß eure 3uoerfidf)t. 2. 2)er §©rr ift euer Sftann, 25er mirb eud) nidfjt Oerlaffen; Senn ip gu finfen fdjeint, ©o miß er eud) umfaffen; 2)er §©rr £>©rr gebaott), 2)er £©rr ift euer 9ttann, §ier ftep ein ftarfer $elg, nimmt fid) eurer an, 3. 2>er §©rr ift euer SDfonn, ©r mirb eud) fcpn oer- forgen ; Sft euer Slngftgefdpei 25ent Sater and) oerborgen? ©r meifj, mag eud) gebridjt, 2>en Jammer, ber eudj quält, ©r aber ift ber §©rr, 2)er eud) im ^teuj erhält. 4. 2)er §©rr ift euer Sftann, 2>er mirb fidj fc^on er¬ barmen, ©r pret eure ©timm, ©r trägt eudj in ben Slrmett; ©r miß be§, ber eudj fränft, ©in ftrenger tRid^ter fein, 25rum fteßt bag Sldj unb Sei) Unb bittre Seinen ein. 5. 2)et §©rr ift euer SJtann, 2)er mirb eud) reidl)lid) geben, Sag ip oonnötpn pbt Sn enerm ganzen Seben; ©ott, ber nad) feinem fftatl) 3u Sittmen eud) gemadjt, 2)er ift auf euer $eit Unb Unterpit bebaut, 6. 2>er |j©rr ift euer Sttann, 25er mirb eudj reicfjlid^ tröften, ©r reifet eudj praug, Semt eure 91otb) am gröp ten; ©r mifdjt bieXpänen ab, 2)rum preep: 2)u bift mein ©ott, 9ttein ©ott, adj, ftelj mir bei Sn aßer meiner Sflotp 340 SSerlaffene SBaifen flagen ®oit i|re 7. &er §©rr ift euer Stttann, Frutti fottt if)r it)m ner* trauen Uub eure 3unerfid)t Stuf biefert Reifen bauen; Vertraut if)r ifyrn allein, ©o merbet if)r nod) fef)n, 2Bie e3 in biefent ©tanb ©udj mirb nad) Sßunfdje gefjn. 8. üftur bienet euerm ©ott $Dtit ©ingen, 3)anfen, Söeten; $ommt jebe ©tunb unb Xag $or feinen £f)ron getreten Unb flagt if)m eure -ftotf); 33teibt in ber $rötn= migfeit, Unb ftef)t im (Stauben feft Unb in Bufriebentfeit. 9. ©ott, frommer Söittmen (Sott Unb $8ater frommer SBaifen! 3Du molleft gnäbigtid) ©ie fd)ü|en, fteiben, fpeifen; ©ie miffen nirgenb t)in, $)enn nur gu bir allein, 3Drum umlieft bu itjr (Sott Unb treuer fuiter fein. 10. SSerforg ber Söittmen |>au£, $)ie Sßaifen moltft bu leiten ; $td), Sater, fdjau, mie fie Bu bir bie $änb au&= breiten; 3td), f)ör bod) ifyre ©timm, Unb nimm bidj iljrer an, 2)u bift ber äöaifen ©ott Unb frommer SBittmen 9ftann. Scrlafi'ctic SBaifcn fingen ©oft tfire Stoff). Slisfmutitertutg. Diein 33ater unb meine 3Rutter uerlaffen mid^; aber ber £(Str nimmt mid^ auf. l$f. 27, 10. $ft ein betrübter ©tanb, fo ift’3 gemifj ber ©tanb ber Sßaifen, ber ©tanb, memt Äinber, non $ater unb Butter oertaffen, unter fremben ßeuten leben, bienen, fidf) burdfbringen ober aufl^alten muffen, ©o betrübt aber ber ©tanb ift, fo mirfet er an ben ©eeten, menn bie SBaifen ©ott fürdjten, oiel ©ute§. 2)enn 1) foHen non SSater unb Butter nertaffene ^inber gebenfen, ob fie gleid) feine ©ttern traben auf ©rben, baft fie bod) einen reidjen SSater im $immel tjaben, at3 meldfier if>r SSater in ber ^eiligen £aufe getnorben ift. tiefer tfimmtifdje SSater ftirbt nid)t, er ift reid), er fiat atle§, ma§ mir be* bürfen; er ift madjtig, er fann alte3 geben; er ift ein Sertaffene 2Batfen Hagen ©ott ttjre 9tot$. 341 tueifer (Bott, ber alles munberlidj) unb ^errficfi auSgu- führen meifi. ©S fallen 2) fromme SBaifen bebenfen, ba| ©ott oftmals mit $leifj ben ®inbern ihre ©Item megnimmt, barnit er an ifjiten geige, mie er arme nnb oer* laffene fiinber ohne $ater unb 9Jtutter erhalten, ernähren unb üerforgen, ja, fie gu ©hren bringen unb reic^lid^ fegnen fönne, mie er baoon }ä)on öiet taufenb ©Eempel uns tmr klugen gefteUet hat, bie mit fröhlichem 9ftunbe fagen, mie Safob: 3ülfe fommt, meine |nilfe fommt nom £)@rrn, ber Fimmel unb ©rbe gemalt pat. ,3d) meifj, id) bin barum nict)t non bir neriaffen, ob id) gleid) non SKenfcpen neriaffen bin. £>, mie niele Stempel fielen mir nor Wugen non folgen Äinbern, melden bu Sßater unb Butter paft laffen fterben, fie aber bennoip ^errlidf) gefüprei, nerforget unb ernähret, 9t

ilf mir, bafe idf) in beiner ©rfenninifj unb Siebe immer 3unel)me. Safc beinen guten ©eift midj allezeit leiten, ^eiligen, regieren unb bemaljren, 344 SScelaflttte SBaifett Hagen ©ott i$te 9iot§. bafc id) burd) böfe ©efeCCfd^aft nid^t gu mutb= mittigen ^ünben ^erführet merbe. Safe mid) nicht in @d)lemmen unb Unfeufdjbeit gerätsen, unb behüte mid) oor oerfebrtem §ergen. 0 bu gnäbiger ©ott unb $ater, fd)rede mich ab oon ber ©ottlofen Söegen; marne mid), menn ich fünbigen mitt ; erinnere mid), menn id) bes Söfen mid) mitt geliiften laffert ; halte mtd), menn id) fatte; hole mid) herum, menn id) irren mitt; ftärle mid), menn id) fdjmad) bin; mache mich gefunb, menn id) Iran! bin. 0 treuer ©ott unb SSater, id) ergebe mid) bir gang unb gar, ad), laft meinen 9lu$= unb ©ingang bir befohlen fein. 0, mie mitt id) bir banfen, mie mitt id) bir lobfingen, bafj bu mir fo mobl tbuft! üfteine gunge fott fagen: 0as ^at ©ott getban; ©ott bot mid) gefegnet, erhalten, begleitet, gefübret, oerforget, fa, id) mitt jebermann ergäben, mie bu als ein gnäbiger SBater btd) gegen mid) ermiefen boft. $d) §@rr, £)©rr, höre baS ©ebet ber t>erlaffe= nen 3Baife, höre bte stimme beineS $?inbeS; bu bift mein 23ater in ber heiligen &aufe gemorben, in beine kirnte hoben mid) meine ©Itern nach meiner leiblichen ©eburt geleget; ach, bu bift ein reicher unb unfterblidjer Söater, ein meifer unb liebreicher SSater, ach, barum fei beinern ^inbe gnäbig. 3d) meifj, bu lannft mir helfen unb SJerlaffene SSaifcn üagen ©ott i^re 9tot§. 345 mittft mir Reifen, ad) §@rr, fo hilf mir um bei= ner ©üte mitten, bafc td) einmal beinern greife fagen !ann: ®er §@rr fyat ©tofeel an mir ge= ttyan, befc bin id) fröhlid)* Denn, weil bu mein ©ott unb $ater bift, Dein $inb wirft bu üerlaffen nid)t, Du üäterlideg ©erg, Sd bin ein armer ©rbenfloft, Stuf ©rben weift ic§ feinen Droft. Simen, @ ef attg« 3M. : C (Sott, bu frommer ©oft. 1. $fyr SSaifen, weinet nidjt! 2Bie? wollt ihr eud iiid^t faffen? SSerlaffet eud auf ©ott, Der wirb eud) nidjt oerlaffen; 0inb gleich bie ©Itern tobt, @o lebet bennod ©ott, dieweil ©ott aber lebt, <3o ^abt it)r feine Sfotlj. 2. ©ott ift uitb bleibet ftetg Der SSater frommer SBaifen, Der will fie inggefammt S3efd)ühen, fleiben, fpeifen; Dem übergebet eud, Der nimmt ftd eurer an, ©e^t! ©ott ift euer 0dufc Unb euer ©elfergmann. 3. ©ott ift ein reider ©ott, er wirb eud fdon bcr= forgen, ©r fennet eure S?oth, Die ift iljm unoerborgen; 0b i^r fdon wenig habt, Der SBorrath ift fefyr flein, 0o will ©ott euer ©ott Unb treuer Pfleger fein. 4. ©abt einen guten äRutfj, ©ott hot eg ja öerfteiften, Daft er SSerlaffene Slug Drübfal wollte reiften; Dag gehet eud and an, Sh* merbet gar halb fehn, Dag SBort wirb aud an eud ®d°n in ©rfüUung gehn. 5. Sa, glaubet, bleibet fromm Unb geht auf ©otteg SBegen, ©rwartetmit ©ebulb Den eud berljeiftnen @egen, Unb weidet nidt bou ©ott, Vertraut ihm aHegeit, @o blühet euer ©lüd Sn 3eit unb ©wigfeit. 346 2)er Setrübte Waget über bie ©dftuad^eit feinet ®Iauben§. Ser Betrübte finget über bie ©djmadfljcit feine« ©tauben«. Stnfmmttcrung. 3)aS jerftojjene Stoljt rottb er niefft gerbred^en, unb bag glimmenbe STodft wirb et nid^t au3löfcf)en. 34* 42, 3. |)(lrr, ftärfe urt3 ben ©lauben. 2uc. 17, 5. $ft etroaS, baS eine gläubige Seele fdjreden fann, fo iffs bie 2tnfed)tung, menn fie fiel) einbilbet, baf? fie nidjt retfjt bete, gar feinen ©tauben fjabe, ober bafj il)r ©laube fein matjrer, lebenbiger ©taube fei, baf»er bemt ber QmU fei entfielet, ob fie aud) merbe felig merben. Solchen ge= ängfteten Seelen bienet gum Xroft, 1) ba^ ein im tarnen 3©fu, auf fein Sßerbienft unb SÖIut gefprodjeneS ©ebet ein redjteS ©ebet, unb ein fdjtoadjer ©taube ebenfomofjt ein magrer utib feligmadjenber ©laube fei, als ber ftarfe; ein fleineS Ä'inb ift ja ebenfomoljt ein 90?enfd), als ein großer, ftarfer -äftann. 2) SBemt man gerne glauben m of tte, fo ift baS fdjott ein ©laube, meil biefeS Verlangen eine SSirfung beS ^eiligen ©eifteS ift; ein ©ottlofer be= gehret nidft gu glauben. 3) 3)er fd)mad)e ©taube er¬ greifet $©fum, fein IjeitigeS ißerbienft unb feine SBunben, mie ber ftarfe ©taube; toenn man einem ®inbe unb einem ftarfen SRann, jebent einen ©olbgulben in bie $anb gibt, fo Ijat einer fo Oiet als ber anbere. 4) $)er Satan fann uns bas ©laubeuSlidjt nidjt im bergen auStöfdjen, meil er ja fein Sidjt beS Sftadjts auStöfdjen fann. 5) 0b bie ©laubenSfreubigfeit im ©ebet gmar nid^t aHegeit empfun= ben mirb, fo ift boc^ ber ©laube ba, mie eine ®ol)le unb Sfünflein unter ber 2tfd)e ba ift, ob man eS fdjon nidjt fielet. 6) $)ie gemiffe ^Srobe, baf} man ben ©tauben tjabe, ift ber $ampf unb §afj miber ben Unglauben unb bie Sünbe, bafier aud) bie §rudjte beS ©laubenS entfielen, ©at. 5, 22.: Siebe, 2>emutf), Sanftmut^, ^eufdjfjett, Hoffnung, ©otteSfurdjt; benn foldje geängftete Seelen Ser betrübte flaget über bie ©djtoac^eit feineg ©laubeng. 347 fürsten fid), ettoaS Vöfeä $u reben ober gu tfjun. 2Bo biefe ftd) aber an einem Sötenfdjen finben, ba ift ber (Glaube unb fettige ©eift, benn e3 ftnb nid)t ^rüdjte be§ $teifcfje3, ©at. 5, 19., fonbern be3 ©tauben^ unb be$ fettigen ©eifte§; benn ber ©taube unb Zeitige ©eift finb unäertrenntid)’. 7) ©ebet, ßefen in ber ^eiligen (sdjrift, ©ebutb, §arren auf ©ott ftärfen beit ©tauben. 8) $)er ©taube ift eine ©abe ©otteg, ©ott mirb aber nict)t ntefjr üon bir forbern, at§ er bir gegeben tjat. 9) ©fjriftug ift audj für bie 0djmad)gtäubigen geftorbett unb betet für fie, bajg itjr ©taube nidjt auftjöre. Unb wenn bu fcf)on ba§ ni djt gtauben fannft, fo iffS bod) matjr, meit e3 bie Zeitige t ge= fallen fann. 2Beil id) bod) aber bir gerne ge= fallen unb felig toerben wollte, fo erfcfyrede id) über mid) felbft, wenn id) gumeilen fo gar wenig ©lanben in meinem bergen finbe* £)arnnt günbe in meinem ©eifte an ba@ ßid)t be§ @lauben3, baburd) id) bic£) aU ben einigen maljren ©ott red)t möge ertennen, wie bu bid> in beinern SBort geoffenbaret tjaft, unb ba| id) beinern geoffen- barten VSort möge oon §ergett glauben, unb beine Verkeilungen Don beiner ©nabe unb ber Vergebung ber Sünben, bie mir burd) ^(Sfum erworben worben, mit feftem Vertrauen unb un= 348 $>?r Betrübte ftaget über bte 0d)trad)|eit feines ©laubenS. gegtoeifelter guoerfidbt möge entnehmen. $)enn mi, o 3@fu, alg unfern einigen ©rlöfer unb @eligmad)er, an bidb, o ^eiliger ©eift, alg unfern ^eiligmacber unb £r öfter, bölt, audb ein ©laube fei, ber bir gefalle unb audb felig mache. @ib mir autb bie ©mbfhtbung beg ©laubeng bur(b eine innerliche greubigfeit im ©ebet, burdb einen fräftigen $roft unb burdb eine freubige Hoffnung gu fdbmeden, menn eg alfo bein beili= ger 2BiHe ift. %b, mein 3@fu, bitte audb für ntidb, toie bu für Metrum gebeten b^ft, bafc mein Set Betrübte Uaget über b;e ©djwacfyfjeit fciiteö ©laubeng. 349 ©laube nicht attfböre; üerfiegle in mir ben Sroft, ba§ xü) burtb bein heiliget ®Iut erlauft unb in ber ^eiligen Saufe bein $inb gemorben fei; baß mein fdjmatbeg ©ebet ©ott gefalle, um beiuer bei= ligen Fürbitte mitten; baß bein ©lut miatana*J ©ngel, bet midj mit Rauften fdjlage, auf baff ic| mid? rtidjt überlebe. SDafür id? breimal bem £©rrn gefielet habe, bajj er uon mir roidje. Ünb er t)at flu mir gefagt : Safs &ir an meiner ©nabe genügen; benn meine $raft ift in ben ©d>road>en mächtig. 2 Gor. 12, 7—9. betrübt ift eg, einen Traufen flagen §u hören über Schmerlen an allen ©liebem beg Seibeg; aber noch betrübe ter ift ber Seelenauftanb, raenn angefoebtene (Seelen flagen über fünblic^e, böfe unb gottegläfterlicbe ©ebanfen. Sot= djen betrübten Seelen aber bienet gum £roft: 1) ©eift~ liehe Slnfedjtungen, Sraurigfeit, Schrecfen unb Seelen* angft fornmen non ©ott, alg nach beffen SBiHen fie biefeg leiben müffen: ohne ©otteg SBiüen fann nicht ein §aar non i^rent Raupte fallen, wie nie! meniger fann i|nen bergleicben Seelenangft miberfabren ? 2) fromme ©brb ften unb ^ittber ©otteg merfen bie böfen unb abfdbeulicben ©ebanfen unb erfchrecfen barüber; bie ©ottlofen haben fie auch unb lachen barüber. 3) ^afc aber bie frommen barüber erfchrecfen, ift ein ^enngeichen, baff fie ©ott berg* lieb lieben, in ber ©nabe ©otteg unb im ©lauben ftefjen, unb baber nicht leiben fönnen, bafj bergletdjen bofe 3)inge in ihren §ergen auffteigen. 4) tiefer Sdjredfen, biefe Ülngft über bie läfterlichen ©ebanfen ift ein Beiden, bafj 3©fug unb ber ^eilige ©eift noch im bergen mobnen, mare Satan barinnen (mie bie Angefochtenen meinen), fo mürben fie nicht barüber erfchrecfen. 5) Solche läfter* liebe ©ebanfen rechnet ©ott ben Seelen ber frommen nicht gu, a) meil fie miber ihren SBiUen entfteben, b) meil fie barüber feufgen, c) meil fie baran feinen ©efaHen böfe unb gotteäläfterlicfie ©ebantcn. 351 tjaben, d) tueit fie einen 5lngftfd)meif$ empfinben, menn fie fommen, unb e) tueit fie if)nen miberfte|en. 6) Sin* fed)tung ift fein Äenngeidjen beg gorng, fonbern ber ©nabe ©otteg; fotdje ©eeten Ijaben bod) einen gnäbigen ©ott, mie an $iob gu fetjen ift; ©ott ift nid)t tmn itjnen geroid^en, er ift nod) int §ergen, aber er üerbirgt fid) bor ifjnen. 7) 2)ie ©eete fielet im Seiben unb nidjt im £t)un, menn bie ©ebanfen fommen, mie ein §aug, in bag man $euerfugetn tuirft; barum foH er nur feinen SJiunb gufyatten, unb bie böfen ©ebanfen in Sorten nid^t augfptedjett, aud) nidjt leidet Unoerftänbigen erjagten, bamit er nid)t jemanb ärgere. 8) ©r fott immer miber* fpredjen unb fagett: ©g ift nid)t maf)r, id) bin nidjt ber= bamrnt. ©atan ift berbammt, icf) bin ertöfet; bag böfe Sort ift nidjt mein Sort, id) billige eg nidjt; meg aug meinem $ergen! ^d) bin ©otteg, ©ott ift mein; mer ift, ber ung jdfjeibe? 9) 3)urd) läftertidje ©ebanfen foU man bod) fid) nidjt born ©ebet unb Sefen beg Sorten ©otteö abfjatten taffen, fonbern man foU bietmeljr oft beten unb tefen. 10) Seit fotdje ©eeten fagen, fie motl- ten lieber auf Konten get)en, am £eibe ©djmergen leiben, alg fotdje ©ebanfen tjaben, ja, meit fie fid^ aud) bor ©ün= ben unb böfen Serfen t)üten, fo ift’g ja eine unmiber* fpredjlidje fßrobe, bafj ber ©taube, $©fug, ber Zeitige ©eift, ja, bie gange Zeitige $)reieinigfeit nodj im §ergen ift. 11) können fie audj megen ber böfen ©ebanfen meber beten, nod) an ©ott benfen, fo ift it)re Ätage fc^on ein ©ebet unb itjr Sinfetn nad) ©ott ein gemiffeg geidjen ber ©egenmart ©otteg im §ergen; benn bag Verlangen fommt bon ber einmofynenben ©nabe, ja, fie beten burd) itjr Sinfetn unb Etagen am tjeftigften, eifrigsten unb fräftigften. 12) 0b fie fid) gteid) einbitben, fie ergürnen ©ott in alten Gingen, mag fie ttjun, fo nimmt’g itjnen ©ott nid^t übet auf, er fietjet itjren Sitten unb it)r Ver¬ langen an; fie meinen, fie mären bie 2ttterentfernteften bon ©ott, unb finb it)m bie üftädiften; fie meinen, fie 352 2) er betrübte {läget über fünbtidje, wären bie 33öfeften, unb finb ißm bie Xreueften, fie mei* neu, fie töären bie $8erftoßenen, unb finb ©ott bie Siebften. 13) 0ie foHen gebulbig auSßarren, benn man t)at fein Söei= fpiet, baß ©ott folc^e ©eelen ßabe öerlaffen; benn er er* freuet, erguicfet unb trdftet fie wieber; boc^ muß f)ier bie .Seit erwartet werben, wie man eine $ranff)eit muß aus* toben laffen; mit ber S^it toirb eS ficß fd?on nocß unb muß oerlieren, geringer werben unb enbticf) nadjlaffen; fo ßaben eS bisher bie frommen erfahren. 14) SDiefe Sfnfed^tungen macßen ben SDtenfdjen bemütßig, anbäcßtig, oorficßtig, fromm, baß er nidfjt leidet etwas 58öfeS tfjun ober reben mag; ja, biefe 3lnfed)tung wirb baS §erg oon böfen ©ewoßnßeiteit unb Unarten, üon fiauigfeit tm ©e* bet unb 2fnf)örung beS göttlichen SöorteS reinigen; ift baS nicht ein herrlicher iJhtßen? 15) $)iefe ©rünbe foll man einen nad) bem anbern betrauten, ober fianb nt$t gu f$toer über mir werben, bafe t$ ni$t oergehe» 3$ toitt ben $el$ gern trinfen, ben bu mir, o Heber 5$ater, eingef$enft hafi* Seife eg nur ni$t einen ^el$ beg ^orneg, fonbern beiner ©nabe fein. 51$, fei mir gnäbig, benn i$ bin f$toa$. 0, toie er= f$recte i$, wenn i$ merfe, bafe bag böfe ©tünb= (ein angehen will. 51$, oerftofee mt$ begmegen ni$t, weil i$ eg ni$t änbern tann, fonbern t$ mufe bag leiben; aber beine 5te$te, bu 5XHer= hö$fter, famt alleg änbern. ©rquiefe mi$, bu breieintger ©ott, unb wenn bag böfe Stünblein unb bte 5lngft oorüber ift, fo lafe mi$ beine t>ei= (ige ©egentoart unb rei$en Sroft toieber em= jtftnben, ja, gib mir mitten in ber 5Cngft einen $roftfyru$ in mein §erg, baran i$ mt$ f)dte unb bamit i$ mi$ aufri$te, unb ritterli$ wehre. 354 Ser Setriibte flöget über fünbtidje, > Soll mein Jammer lange tnö^ren, ad), fo gib mir aud) grofee ©ebulb, oiele Kräfte unb ®rr, $®rr, laß auch je£t biefeg Sid)t mir aufgeben, bag id) nod) meine ßuft an beiner ©nabe febe. $ld), mein Später, lag beine @tunbe fontmen, ba bu bie ©eelenangft mir mie= ber abnimmft; ftärfe mid), hilf mir, bemabre mein §erg mie mit einer ÜKauer, umgib e3 mie ba£ |)au8 |)iob§, bag enblid) bie böfen ©ebanfen nid)t mehr hinein fommen, ja, bag id> fie burd) beine $raft oerad)ten lerne* $>u getreuer ©ott, bu mirft mid) ja nidf)t laffen t)erfud>en über mein Vermögen, linbere meine $tngft, fo rnitt idj e3 aud) al3 eine §ülfe aunebtnen, bi§ bu mid) enb= lieb gu feiner $eit gang baöon befreien mirft* «3@fu, bu SBrunn aller ©naben, ber bu niemanb non bir ftögt, ber mit 6cbmacbbeit ift belaben, fonbern allen £roft einpgt: fottt ibr ©laube nod) fo flein, ate ein fleine£ ^enfforn fein, mollft bu fie bodb mürbig fd)ätjen, groge $erge gu oerfegen. Sag midj ©nab, §©rr, oor bir finben, &er idb bin öott £raurigfeit; §ilf bu mir fetbft überminben, SBenn i(b oft rnug in ben (Streit, SReinen ©tauben tägtidj met)r Unb be3 ©eifte§ Segmert oeretir, $>amit idb ben $einb fann fotogen, $lHe Pfeile oon mir jagen, kirnen. 356 Klagen wegen läfterlictyer ©ebanten. Hagen tuegen läpterlidjer 0ebanken. ® ef , menn mein $erg bann nur 3ln bick, mein ©ott, gebenft, ©o mirb’g im 3lugenblid $n Säfterung oerfenft. 4. ©g mirb ein jebeg 28ort $m |jergen mir öerfekret, $a, man oerbrekt bag SBort, ©o mir oiefleickt entfäkret, %% köre anbre 28ort, $llg idk im bergen kab, Unb biefe grofje Qual grifft mir bag $erg faft ab. 5. 3ldk, fcf}aue meine Üftotl), Salb miß midk ber öerbatm men, SDer felbft oerbammet liegt 9Ö?it betten in ben 3*tatm men; 33atb fommt ein ^euerpfeil: ©ott mü&te nidktg öon mir, 3dk märe, o mein ©ott, ©ar meit entfernt oon bir. 6. Wdk jo, bie Säfterung ßftifekt fick gu a^en Gingen, $n aßeg, mag ick *ku/ £efeu, 33eten, ©ingen; $Bag idk gu beiner ©kr ^nb ßhtkm ooßbringen foß, 3)ag fdkeint, atg madkt ick eg 3?ur meineg Unflatg ooß. 7. $ck fann ber Säftermort ©ogleid) midk nickt ent fcklagen, 3?ck muß fie oft gar lang Qkn meinen SBißen tragen. 3lck, re<|ne mir nickt gu $)ag, mag ick leiben mufc, Unb bem ick miberfpredk ; §ck leib eg mit SBerbrufj. 8. SJtein ©ott, bir ift belannt, 2Bie heftig ick miie $eit unb Stunb ber $ütf; So miß icg gern noeg bleiben $n biefem Äampf unb Sturm, (Sib mir u 358 Xroft gegen IäfterIicE»e ©ebanfen. nur $raft ba$u Unb fd)enf mir nad) bem ®ampf $>ie füge ©eetenrut). 9. SSitt aud) bie Säfterung 3« feiner 3eit mefjr fd)o= neu, ©o tüUXft bu boct), o ©ott, 3n bem Betrübten toof)= nen; 5td), luotjn jejjt audj in mir Unb rufe mir aud) §u: ©ie| ba, icfj bin bei bir, &u $od)betrübter bu! 10. Saft meinen (Stauben nid)t, D ©eetenfreunb, auf= tjören, 2td), tafj ben Säftergeift &ie Slnbadf)t nid)t mefjr ftören; 3eig wir nadj meiner Stngft $)ein gnäbig 2lngefi4t Unb na4 ber SJinfternifj ©in Ijerrtidj ^freubenlidfjt. 11. Hdj, großer, ftarfer ©ott, 2tdE), ftärfe meinen (Stauben, ®amit ber ©atan nie 3)enfetben fömte rauben, Berfidjere bu ntidj, $)u feift mein $@rr unb (Sott, 9Rein Bater, ber mid) tiebt, 9Rein Reifer in ber SRotf). 12. Unb weit bu niemanb tjaft 3fn 2lnfed)tung oer= taffen, ©o raitt id) beine (Snab SERit frohem ÜRuti) um= faffen; 2tdE), fenbe mir bodj batb SDie redjte ^ülfe^eit, $)a fid) in Xroft unb $reub Berfefjrt bie ^raurigfeit. 13. ©ief) an bie §ammerftag, $)ie Xtjränen meiner Stßangen, $4 fdtjrei bir immer nadj, Bi§ id) werb $ütf er= langen; Unb fdjmeigeft bu gteid) ftitt, ©o fdjrei id) bo4 SU bir Unb fpredj o|n Unterlaß: Btein (Sott, ad), tjitf bodj mir. 14. SCRein ©ott, erbarme bidf), ©iet) an mein bittre^ Sßeinen, 2ldt), ta^ bein ©nabentidjt $tt meiner ©eele fdjetnen; 2l4 ©ott, erquiefe mid) Unb gib mir $reubig^ feit, 3(4/ 0i& mir Sroft unb ©ieg SRacf) biefem ®ampf unb ©treit. tropt gegen läfterlidjc (Ütebanken. @ef ang. SJlel. : O (Bott, bu frommer ©ott. 1. SBeidjt, meidet nur bon mir, $tjr fünbtidjen ©e= banfen, Sd) bteibe ©ott getreu, Bon bem teilt id) nidjt manfen; $dj ad)t nun euer nidjt Unb eurer Säfterung, 5t)r bienet mir üielmetjr 3ur ©eetenreinigung. £toft gegen läfierticfje ©ebanlen. 359 2. ©ott rechnet mir nid)t p, Söag gegen mief) ge* fdfjieljet, Sa, mag mein SöiCC nidjt ift Unb mag mein £>erge fließet Unb baoor Stbfdjeu fjat; ©ott fennet meinen ©inn, Dafi xd) l)ier nid)t im Dfyun, SBielntefyr im Seiben bin. 3. Die grojje ßäfterung ©rmedt mir taufenb ©d)tner* gen, Sdj feufg audj immerbar 2Rit fjoepetrübtem §ergen; Dodj fte ift aufjer mir, Sng $erg fornrnt fie ja nic|t, Da* miber ftreit xd) oft, Dafj mir ber ©cfjmeijj augbridjt. 4. @o lang burd) ©otteg $raft Sdj nur nodj miber- fpredje, Unb jeben Safterpfeil Durdj feinen ©eift gerbredje, ©o fdjab’t ber ^ßfeit mir nidjt; Sttein S©fug ift bod^ mein, Sn ifym bin id) geredjt, Sn feinem 33Iute rein. 5. $mar füf)te id) oftmals, 2Bie ©atang ©ngel fdjlä* get, Unb giftig böfe SSort 9Rir an mein §erg geleget; Dod) mag fann idj bagu, Dafj id) gefd)lagen merb, äöeil ‘ope ©cfjläg p fein Dag matte |>erg begehrt? 6. ©ott fiep ben Sammer motjt, 9Rein ©eufgen, SBeinen, ©freien, Unb mtrb gu feiner geit ßRicf) fd)on bation befreien; SBeil id) für foldp 2Bort f)ab ©dpeefen, ^rurdp unb ©djeu, ©o fdEjenft mir ©ott bie ©d)utb Stuf meine 23ufj unb SReu, 7. Sa, tobet immerhin, Sp lafterpften SBorte, Sa, tobet mie ip rnoßt, Sn mir an jebern Orte; ©ott ift ben* noc^ mein ^reunb, Sd) adp botf) euer nidjt, 9Rein S©fug ift mein Droft Unb meiner ©eele ßidjt. 8. Sp fjabet midi) tmn iljm 93igpr nod) nitp üer* trieben, SP fönnet eg aud) nidjt, Sp miß xd) emig lieben; SBeiPg nip mein Söiße ift, Dafj ip im bergen feib, ©o bleib id) ©otteg ®inb Sn meinem |>ergeleib. 9. Std^ ja, id) merbe fdpn ©ud) einft nod) überminben, Sd^ merbe fRuf) unb Droft Sn S©fu SBunben finben; Sd) \tf) ben §immel fdpn SRit $reuben mieber an, Sd) freue mid) in ©ott, 2Bte id) oorpn getpn. Dritter Ubfchnitt. 3iutt ©efiraudj ber tränten. SHorgengefiet eine« tränten. Sluftttutttcumg. 3id> roill gu ©ott rufen, unb ber £@rr roirb mir Reifen. ®e8 9lbenb3, ÜDtorgenä, unb Mittags rotH idj flogen unb fyeulen ; fo roirb er meine (Stimme froren. $f. 55, 17. 18. Dbgleidfj ($fott einen SEßenfdjen läßt franf werben, fo fofl er barurn hoch nim ©ott oor* fteßen, baß er nun befto anbacßtiger beten lerne, nnb felje, mie eS ißm an Xroft nnb Erbauung mangele, meil er in guten £agen feinen SSorratfy nnb guten ©djafc an £roft= fbrüd^en nnb Gebeten gefammelt ßat. $ft er aber ein Siebljaber ©otteS unb feines Söorts gemefen, fo miß ißm ©ott Slnmeifung geben burd) bie Äranfljeit, mie er nun baS in bie Hebung foß bringen, mag er oon ber ©ebulb, üom Vertrauen auf ©ott, oon ber ©elaffenfjeit unb oon ber ©rgebung in ben 2Bißen ©otteä gehöret fjat. ® e b e t. 0 bu ^eiliger breieiniger ©ott, Söater, Soljtt unb ^eiliger ©eift, id) fornrne anfeßt, ba ber Sag angebrodjett, oor beinen aHertjeiligften Sljron unb baute bir, baß bu midf) biefen Sag toieberum tjaft erleben laffen. Su toeißt, §ßrr, tote id) bie üftadjt auf meinem ^ranfenbette Ijingebradjt fjabe; ben= nod) fann id) nid^t genug beine ©üte greifen, baß bu ba£ Sidjt ber Sonne midi) fjaft toieber feljen unb alle Stbrnergen fammt allem Uttgematf) glücf= Ud> oorübergeljen laffen. 0 bu ©ott ber Siebe, id) bante bir für beinen Sd)u£ unb ^öeiftanb; bein 5luge ^at midj bie üftadßt bemalet, beine |)anb t)at mid) bebedet, beine ©nabe Ijat mid) erhalten. 0 mein ©ott, bie Sonne gebet toieber auf, ad), laß audf) beine ©nabe neu über rnid) auf= geben. ©ib mir mit biefem Sage neue Kräfte, neue ©nabe unb neue ©ebulb, mein Seiben toil- Itg p tragen. £>@rr, mein ©ott, es l)at bir ge- 362 3Rorgengebei eines Äranlen. faßen, mid) auf btefes Krankenbette gu legen; mafßan, id) miß barauf bleiben, fa lange e§ bir gefaßt; nießeidjt mißft bu mid) baburdf) abfan= bern aan meinen gemahnten Sünben unb aan meiner arbenttid)en Arbeit, bamit bu aßein mit mir reben, mid) lehren unb untermeifen mögeft, mie id) faß für meine Seele fargen. 9hm ijabe id) 3eit, mein bisher gefüljrteg Seben gu nnter= finden, ab td) bir gebienet, bidf) geeljret, bir ge= ijardjet fjabe, bafe id) barüber mid) betrübe, rnidf) aar bir fdjäme unb maljre 53nfee tT^ne, and) mit bir einen 23unb rnadfje, unb alfa fdjaffe mit $urd)t unb Sutern, felig gu merben. ©ib, ba& tdf), a 3©fu, ben gangen Sag möge mein §erg bei bir tjaben, eifrig beten, an beine SBunben, an bein 33iut unb an beinen Sab benfen, unb ba§ rnaljre £>eil unb emige 2öal)lfein meiner «Seele betrauten, ©ib mir, mein ©att, einen fdf)önen Sraftfürud) n ad) bem anbern in mein «£>erg, ber beiner 33aterliebe mid) aerfidjere, beine ©nabe mir aerfiegele, unb beiner balbigen £)ülfe mid) aergemiffere. 33emal)re midi) fjeute aar gefdjmin- ben 3afäßen, neuen Sdjmergen, betrübten Stun= ben unb aßerlei ßeiben, ©rgnide mich in mei= ner Mattigkeit, ftärke mid) burd) beinen ^eiligen ©eift in meiner Sdjmad)l)eit; mißft bn aber an btefem Sage midi) Scijmergen unb Seiben laffen / üWorgengebei eines Äranfett. 363 empfinben, fo bleibe nur bei mir unb meüfye nid£)t non mir. ipilf mir ben %a$ glücflid) unb felig oottenben, unb aüeg mit ©elaffenijeit unb ftiüem ülftutl) annefjmen, mag bu mir auflegen mirft. €>ief)e, mein @ott, f}ier bin iä), mod)e eg mit mir, mie eg bir mof)lgefällt ; bu bift mein SBater, id) bin bein ^inb, bu fonnft mein ßeben mir er= polten, unb mid) mit beiner §ülfe erfreuen. tüiH auf ben 2lbenb beine ©üte rühmen unb beine SBarmfjer^igfeit ^er^Ud> greifen für alleg, mag bu an mir gett)an l)aft. deinen ßeib unb meine Seete, Sammt ben (Sinnen unb SBerftanb, ©rojjer ©ott, id) bir befehle Unter beine ftarfe §anb. §©rr, mein Sdfjilb, mein ©l)r unb 9ftuf)m, üftimm midj auf, bein ©igentfjum. deinen ©ttgel §u mir fenbe, 3)er beg böfen $einbeg ®tacf)t, Sift unb Hnfdjläg non mir mettbe Unb midj ^aXt in guter 2td)t, 3)er aud) enblid) mid) pr SRuf) £rage nad) bem §immel gn. Simen. (# efattg. 9M. : bid) fefjr, o meine ©eele. 1. Unter meinem Sc^merg unb SBeinen, Sftad) guriicf- gelegter SRadjt, Sei) id) jefct bie Sonne fdjeinen, Söeldje alleg munter mad)t; $)rum fang id) nun fröXjüc^ an, So Diel id) in Sd)mad}f)eit !ann, liefen £ag mit SBeten, Singen Unb mit 2lnbad)t fnugubringen. 2. $)afj idf? mid} je|t franf befinbe, §@rr, bag ift bein Sßill unb Statf), 2Beld)er mir, a lg beinern $inbe, tiefes gugefdiidet tjat. Sftun, id) netjm eg gern auf mid}, $a, id) trag eg mißiglid); 2ßag bu pftegeft aufjulegen, Sft nid)t o|ne ©nab unb Segen. 364 ai&enbgeBet eines Äcattlen. 3. tiefer $ag ift angefangen, SSeit nticg beine ©nab ergält, Sag micg aucg bag ©nb erlangen, 2Senn eg bir, mein ©ott, gefällt; Sinbre meinen ©cgmerg unb Sftotg, 5lcg, mein $ater, §@rr unb ©ott, $©fu, meiner (Seele (Sonne, ©cgenfe mir geut Xroft unb 28onne. 4. 3)oig eg foU bein 2öiß gefcgegen, $©rr, bein SBiße nur allein; Sßie bu mißft, fo foU mir’g getjen, ©o miß icg ^ufrieben fein; $cg miß leben, menn’g bein 2Biß, Sind) im Seiben galt icg ftiß; $cg miß miß) §um £ob unb Seben $)ir hiermit, mein ©ott, ergeben. 5. ©egne meine Slrjeneien, ©tärfe micg je megr unb rnegr, Sag biefetben mir gebeten, |>©rr, gu beineg 9^a= meng ©gr; |jör in ©naben mein ©ebet, 2Benn icg gläubig oor bieg tret, ®ag icg biefi im ©tauben faffe Unb micg feft auf bieg oertaffe. 6. ©nbet geute fieg mein Seiben, $)ag rnifg beffer mieber merb; ©oß icg oon ber SBelt abfegeiben, 3)er ieg bin nur ©taub unb ©rb : $©rr, bag überlag icg bir, SBie bu mißft, gefdgege mir; $ein bin icg mit Seib unb ©eete, $)u biff g, bem icg micg befegte. ?lbcnbgeBet eines Srmtfen. Aufmunterung. 3 an ©ott ; menn mein §er$ in Slengften ift, fo rebe icg. fßf. 77, 2. 3. SBenn ber Sftenfdg bie taufenbfältigen .ßufäße ermäget, metdge igm fomogl bei £ag, atg aueg beg Sftadgtg begegnen fönnen, fo foß er ja mögt niematg aufftegen ober fcglafen gegen, er gäbe fieg benn mit Seib unb ©eele bem mädgtigen ©cgufc beg gnäbigen ©otteg befoglen. ©onberlicg foß bag ein ®ranfer tgun. §at igm ©ott auf feinem $ran* Slbenbge&et dneS hänfen. 365 fenbette einen £ag perumgeptfen, fo foß er 1) ©ott für feinen gnäbigen SZeiftanb banfen; pat ©ott bie Slr^enei gefegnet, pat er ba§ Ungemadp ben Sag über teibticp ge* macpt, fo foß er tpn bafür peralicp greifen; babei folt er audp um SBergeipung bitten, menn er mit Spurren unb Ungebutb fiep an ©ott berfünbiget pat. ®ommt nun bie üftaept herbei, mooor fiep Trante fonberlidp §u fürsten pflegen, fo foß er 2) mieberum mit ©ebet fiep §u ©ott napen, unb ipn anftepen, er moße aße£ Unglütf, äße ge= fäprtidpen ,3ufäße unb (Scpmeräen in ©naben non ipm abmenben. §at er fiep alfo mit Seib unb Seele ©ott be= fopten, fo Reifte er niept, 3) ber breieinige ©ott merbe auch be3 9lacpt3 fein Sicpt unb feine Sebenäfraft fein, er merbe an feinem 33ette ftepen, fein pflegen unb püten, er merbe um 3©fu $8Iute3 unb Sobeg mißen ipm feine €$ün* ben vergeben nnb gnabig fein; foßte ipm auep in ber SRatpt bag Sobepünbtein befeueret fein, fo mirb ber brei* einige ©ott aläbann mit feiner ©nabengegenmart ipn um= faffen, unb feine @eele burep bie peiligen ©ngel in ben §immel taffen begteiten. -ättit fotepen guten ©ebanfen foß fiep ber ®ranfe ganj unb gar ber göttlichen SBeiSpeit, Siebe unb ©nabe übergeben* Wter gu, baß mir oorm Satan haben dtuf), fo fdjlafen mir im tarnen bein, bie= meii bie ©ngel bei ung fein; o ^eilige Dreieinig= feit, mir loben bid) in ©migfeit. SBenbe biefe 9£ad)t oon mir ab ade gefährlichen unb bläulichen gufäde, linbere meine Schmergen, bemahre mich oor Sdjreden, Wngft unb Unglüd. $ld), hintm= lifdjer Skater, bleibe bod) bei beinern franfen ffinbe; benn menn bu mit beiner ©nabengegen= mart bei mir bift, fo fürchte ich mich nicht. Der ^@rr ift mein Sicht unb mein §eil, oor mem fodte ich mich fürchten? ber §©rr ift meineg Sebeng ^raft, oor mem fodte mir grauen? © 3@fu, bie Sonne gehet unter unb meidet oon ung, aber bu, Sonne ber ©erechtigfeit, mei umfeljen, 2öeit mid) bie $ranff)eit müb gemalt, $d) miß mit $(£fu fdjlafen geljen, 3)er fetbft bei alten Äranfen madjt; $d) benf ba- bei an meinen ©ott, $a, aud) zugleich an meinen £ob. 2. 3)a§ 33ett ift gleicf) bem ftißen ©rabe, 307ein Seit unb ®rab liegt mir im ©inn; $)odj menn id) $@fum bei 368 Ser Äranfe bittet @ott um ©ebulb. mir §abe, Senn id) mit ihm bereinigt bin, ©o fc^Taf id) aller ©orgen log Unb ruhe fanft in feinem ©cfyoofj. 3. Senn id) mich bed, ben! id), bie ©rbe Sirb einfteng beden alfo midj, Senn id) barein geleget merbe; Sittein bab iä), o $©fu, bid), ©o ruh ich mot)I in meinem S3ett Unb aud) mot)l in ber ©rabegftatt. 4. $d) benf, menn id) bag £id)t augtbue, Seil man beg -Jtacbtg nidt)tg bat 3U febn, tröb ftudj, b>enn id) fomm jur 9lnt)e, SÜftein Sebenglidbt gefdiminb auggebn; 2)odj ä©fng, meiner ©eele £id)t, Sßerlifcbt in meinem ^jer^en nid)i 5. 3d) bente, trenn id) mid) entlleibe, ©o fleibet man mid) einfteng aug, Senn ich bon biefer Seit abfdjeibe Unb gebe in beg ©rabeg |jaug; ^a^rt bin, ibr Kleiber, fahrt nur bin, Seil idj in ©ott gefteibet bin. 6. pflegt man bie Kammer augufcbliefcen Unb gu »er* riegeln §aug nnb Xbür, S)amit id) mög ber 9lub genießen, Unb mich lein frecher fjeinb berühr: ©o fliegt mein Sluge j$u ber SRub Sftein liebfter 3©fug felbften gu. 7. $db merb auch aug bem 93ett auffteben, Senn nun bie SJlorgenrötb anbridjt, Unb freubig aug bem ©rabe geben, Senn $©fug, meiner ©eele ßid)t, ÜDiid) aufermedt jur §errlicbfeit Unb führet mich §ur |>immelgfreub. 8. 2)ieg finb bie feligen ©ebanlen, ©ieb, bamit fcblaf id) fröhlich ein, Sttein $er§ foH nicht bon $©fu tuanlen, 3fdj will im ©cblaf auch bei ihm fein; 0 füfjer ©cblaf, o belle 5Ra(bt, 2)a $©fug in bem §eqen madbt! J)tr Srcmfc Bittet ©ott um ©eiiulb. 3tufmmiteruug. 28a6 Betrübeft bu bid), meine ©eele, «nb bift fo unruhig in mit? Jpatre auf ©ott ; benn idj werbe iljm nod> banfen, bafj er mei* ne5 StngeftdUö $ü(fe unb mein ©ott ift. fy\. 42, 12. ©ebulb ift euch notb, bag ihr ben Sillen ©otteg tbuet, unb bie SBergeigung empfabet, ©o fagt Sßaulug Set Ärattfe 6itiet ©ott um ©ebulb. 369 @ebr. 10, 36. Unb getotg, mer ©otteS ^Bitten öottbringen mttt, bet muß nid^t miberfpenftig unb eigenmittig, fonbern gebulbig unb gelaffen fein. 3m: ©ebulb aber fott befon* berS einen $ranfen bemegen 1) ©fjrifti ©jempel, melier unter ben größten Schmerlen feinen Sttunb nictjt auftljat, fonbern mar toie ein Samm. 2Benn roir bafjer i^m mol* len gleid) merben in ber §errlict)feit, fo muffen mir audj, mie er, gebulbig leiben. 3)er ®ranfe foü 2) bebenfen, bafj biefe Ürattfljeit nadj ©otte§ SBitten jugef^icft fei; benn fann fein Sperling auf bie ©rbe, ja, fein §aar oon unferm Raupte fallen ofyne ©otteS ^Bitten, mie diel meniger fann uns eine foldje fernere Saft unb ®ranff)eit aufgelegt merben oljne ©ott? $ur ©ebulb fotl if)n 3) be* megen bie göttliche Siebe unb Stßmadjt. 3BaS ©ott auf- tegt, baS fann er audj mieber abneljmen; menn er ein SBort fpridjt, fo merben bie Äranfen mieber gefunb. 4) Sott ber Traufe ermägen, baß er mit feinen Siinben tuet fdjmerere plagen unb größere Srfjmeräen oerbient hätte; barum fott er, anftatt ber Ungebulb, öielmetjr in magrer Sufte unb ©tauben fidf) oor ©ott bemütfyigen, unb if|n um ©nabe anflefjen. 5) Sott ber ®ranfe bebenfen, Ungebulb madjt baS Äreug nidjt leister, fonbern fernerer; ja, ©ott fjat oerbeifjeu, er motte unfer ®reitä uns tragen Reifen, baS er uns aufgeleget. ©r mitt machen, bafj bie &erfud)ung fo ein ©nbe geminne, bafj mirTS fömten er« tragen. <& e b e t. ^Barmherziger ©ott, gnäbiger 23ater, fiehe, tdj armer 3JJenfch liege allster auf meinem $ran= fettbette unb fann nidjt ausfommen; aber p. bir fomme ich unb trete oor beinen erhabenen ^^ron. 2ldj, eS Ijat bir gefallen, mit biefem Seiben mid) Oäterlidj zu belegen unb anftatt ber bisher ge= 370 35er Äranfe bittet ©oti um ©ebulb. noffenen ©efunbpeit mir biefe ^ranf^eit gugu= fd)iden. 3tun, mein ©ott unb 23ater, e£ gefdjjepe bein 3öittef gib mir ©ebulb, bafe id) alles tragen möge opne SÖJurren unb oljne 2£iberfpred)en. ©ott fjat mid) in guten Sagen oft ergötzt, follt id) jejd and) nid)t etwas tragen? gromm ift ©ott unb fdjärft mit 9J£afeen fein ©eridjt, fann mid) nidjt gang unb gar üerlaffen. §abe id) ©uteS oon bir empfangen, paft bu mtd) in ge= funben Sagen oft erquicfet unb erfreuet, fo will id) aud) bie $ranff)eitS= unb ßeibenStage burd) beine ®raft mit ©ebulb annepmen, unb mid) in Semutp erinnern, wie id) Diele gute unb gefunbe (Stunben in meinem Seben genoffen, bagegen biefe wenigen ßeibensftunben wie niepts unb wenig gu regnen finb. «3$ weife, mein ©ott, bafe bu lieb= reid^ unb gnäbig bift, barnm wirft bu mir and) nidjt mepr auflegen, als id) tragen fann. 3d) palte mid) an bein Söort, baS ba fpriept: ©ott ift getreu, ber euch nidjt läfet oerfuepen über euer SSermögen, fonbern maepet, bafe bie Sßerfucpung fo ein ©nbe gewinne, bafe ipr’s fönnet ertragen. 3Wein ©ott, bu weifet auep wopl mein Vermögen unb meine ^cpwatppeit, baper wirft bu mein £ei= ben nad) meinen Kräften fd)on eiuridjten. @iepe an bein fdpwatpeS unb franfeS ßinb, unb panble mit mir n ad) beiner Saterliebe. 3$ feigere 2)er Ätante bittet ©ott um ©ebutb. 371 mid) nidl)t, gu (eiben, meil id) meif$, baf$ bu eg nid)t böfe mit mir metneft, meil bag ßeiben mir fott 31t meiner Heiligung bienen* 30^ein ©ott, l)ier bin id), maclje eg mit mir, mie bu mittft, gib mir beiiten ^eiligen 9^at^ redt>t 31t erfennen, baf$ biefe Äranfljeit foCt ein §euer fein, meldjeg bie Unreinigfeiten, bie id) ttod) an meiner (Seele Ijabe, Der^eljreu unb megueljmen unb mid) reinigen fott; mie eg fott fein eine 53ufjglotfe, bie midj aufmecfe, an meine Siinben 3U benfen, um biefelben ^erg= lid) gn bereuen; eine 23etglocfe, bafe id) um 3@fu mitten, um feitteg Sluteg unb $obeg mitten bie Vergebung atter meiner Uebertretungen fud)e; ja, eine Stimme, bie mir prüfe: 33eftette bein §aug; gebente an beinen &ob unb an bein ©rab; bereite bid) pr ©migfcit. 2öol)lan, fo ntacfye mid) fertig unb bereit, mie bu mid) Ijaben mittft bort in ber ©migfeit* ® enn idj meifj, baß auf bag geitlid^e Seiben eine emige unb über atte haften midjtige §errlid)feit folgen fott* $>arunt fei ftitte, meine Seele, mag betrübeft bu bid), unb bift fo unruhig in mir? £>arre auf ©ott, ja, Ijarre auf ©ott, bettu idj merbe eg iljm nod) banfen, bafj er meineg 2lngefid)tg §ülfe unb mein ©ott ift. äöag miEt bu bid) betrüben, D meine liebe ©eel ! beit nur Ijerpcf) lieben, 35er Reifet Emmanuel. Vertraue if)m allein, ©r mirb gut aEeg matten Unb förbern beine 372 35et Äratife bittet (Sott um ©ebutb. ( Satten , S93ie bir'g mirb felig fein. Denn ®ott öerläffet feinen, $er fidf) auf ifjn oerläfjt; (£r bleibt getreu ben ©einen, $)ie ifjnt oertrauen feft. £äfct fidj’g an munber* lid), ©o lafj bir bod) nidjt grauen, SCRit greuben mirft bu flauen, 2Q3te ©ott mirb retten bid>, 2lmen. <&ef ang« SM. : Was* mit Slngft uitb Sc^merjen, Seele. 1. 2ldj, mie lang fott idj nodj fämpfen? 2ldj, wie lange tuäfjrt ber ©treit? 233er null bodj bie ^einbe bämpfen? 3ld), mann bridjt boc^ an bie^eit, $afj idj ttadj bem ©treit unb $rieg £rage babon Äron unb ©ieg ? 2ldj, idfj merbe unterliegen, 2ldj, idj merbe bodf) nidjt fiegen. ©Ott. 2. Kämpfe nur getroft, o ©eele, Kämpfe, icf) miß bei bir fein, $ürd)te bidj nidEjt, ba& bir’g feljle, 3)u bift nidjt im $ampf aßein; $dj bin aße^eit bei bir, §alte bu bidj nur gu mir, $>u foßft meine $ülf empfinben, $>u foflft berrlidb itberminben. Seele. 3. 2lber adj, eg mäjjrt §u lange, 9fleine Kräfte finb baljin, 2t(fj, eg mirb mir angft unb bange, 233eit idj fo entfräftet bin; ßttein Seib ift non ©djmer§en fdjmadj, lättein SRunb fdjreiet 393elj unb 2ldj, §er§ unb SJtunb fann nidjjt meljr beten, $ldb, mer miß rniclj bodj erretten ? © Ott. 4. SBeifjt bu nidjt, bafj idj ben ©djmadjen, SSeldjem aßer $roft entgeht, Äann gar leicfjtlidj ftärfer ntadjen, Ob er gleich entfräftet fteljt? 97un moijlan, iclj ftärfe bidj, $elfe bir auch gnäbiglidb; ©ietje, bu foßft |errlidj fiegen Unb mit nieten unterliegen. $>er Äranfe bittet ©ott um ©ebulb. 373 «Seele. 5. 2tdj, mein Serben, ba3 tc§ trage, $ft fe§r grojs unb aK^uf^mer, 9Jteine $riibjat, Slngft unb Sßtage £>äuft fid^ immer metjr unb mef)r, 2tud) Stnfedjtung [teilt fid) ein, Unb ber ©taube roirb gar flein; 2öer roiü meine Stfott) auSfpredjen? $ld), ba$ Ütotjr tuirb gar gerbredjen. ©ott. 6. ©ei getroft in beinern ©tauben, Neffen $odjt oer= tilget nic^t. ®ein fjeinb foE benjetben rauben, $)enf nidjt, baß ba§ 9tot)r aerbridjt; SBäre e3 audf) nod^ jo fdfjnmd), ©ief), id) fütjre beine ©ad), $d) toiU beine $einb oertreiben Unb bir foE ber ©ieg oerbleiben. Seele. 7. 0 mein ©ott, in beiner ©tärfe §ab idj einen guten -JRutt), 3dj !enn beiner 9tEmad)t SBerfe, 2Bie bie* felbe SBunber tf)ut; 9?un motjtan, jo ftef) mir bei, 2)ag id^ überzeuget jei, 3Da§ bu merbejt rnidj erretten Unb auf meine ©eite treten. ©ott. 8. ©ief), bie ton ift aufgeftedfet, ©it, üoüenbe bei- nen Sauf! SDZeine §anb ijt auSgeftrecfet, ©ief), ber $im* met ftefjt bir auf; Söonne, ©onne, Stroft unb $reub 3n ber fronen ©migfeit; SSeijje ®teiber, Sidjt unb tone 333irb bem Kämpfer bort jum Sollte. ©ott unb Seele. 9. ©. 9tunmef)r f)ab id) übernmnbeu Stfle Üftotfj mit meinem ©ott. ©, Unb idj bteib mit bir oerbunben $n unb nadt) ber $obe3uotfj. ©. Unb mo fütjreft bti midj f)in, 2ßenn id) nun geftorben bin ? ©. $n ben §immet ä« ber Sßonne, 2Bo idt) jetbjten bin bie ©onne. 25 374 3>er Ärairfe bittet um ®otte3 Seiftanb. Ser fronte bittet um Gotte*? SBeiftaitb. Slnfmutttcrung. <5iel)e, ©ott fielet mir bet, bet $@rr erhält meine ©eele. «Pf. 54, 6. Sn Seibeng* unb Ungtücfgfäßen einen guten ftreunb unb Söeiftanb haben, ift gar ein großer £roft. Ob eg nun gleich gesehen fann, bafj ein ©lenber, $rember ober 5(rmer feinen SBeiftanb hat, ber gu if>m fpräche: Sßie gef)t eg bir? jo miffen mir ©fjriften bod) gemifi, baß ©ott mtrb aßer ©lenben SBeiftanb fein, 2)enn 1) ©ott hat aßen feinen $inbern $ülfe unb ©nabe oerheifjen; barum foß ein Äranfer nicht oergagen, menn er fielet, bafj ihn jeher- mann nerläfjt, bafj niemanb fid) feiner annimmt, unb feft glauben, ©ott merbe ihn nicht öerlaffen, unb gu rechter §eit ihm |jülfe unb Rettung leiften. §at 2) and) ein Äranfer gute ^reunbe unb Mittel, bamit er ficf» helfen fann, unb miß bod) nidEjtg anfdjlagen, fo foß er begmegen nicht fleinmüthig merben, ober an ber göttlichen 23er- heifjung gmeifeln, fonbern gemifj fein, ©ott merbe in aßen trüben irauerftunben mit feinem $eiftanb nalje bei ihm fein. 3) tiefer 23eiftanb mirb gefpüret entmeber in ber ©rhaltung beg Äranfen, ober in ber Sinbermtg ber ©«hntergen, ober menn ihm ©ott Kräfte gibt, and) bag fdjmerfte Seiben auggufteljen. Sa, ©ott ift treu, er ift oft nahe bei ung, menn mir meinen, er fei meit oon ung entfernet. (Befrei* £> bu treuer ©ott, bu fieheft, tute ich jejrt in einem elenben unb betrübten eine atterheitigfte ©e= genmart mirb mid) erquiden unb erhalten, meine ©djntergen linbern, unb meine ^Xngft ftitlen, 0, barum oertag mid) nid)t, unb fr)ue nid)t non mir bie |)anb ab, ©ott, mein §eil! $ßeid)et eine liebreiche Butter nid)t non ihrem tränten Äiube, fo mirft bu, mein ©ott, aud) nicht non mir meinen. Saß mid) beine gnäbige ©egen= toart empfinben burd) eine innere 3*eube, bUvd) einen fräftigen £roftfbrud), burd) einen fußen ©ebanten, unb tröfte mid) alfo in meinem ßeiben, mie einen feine Butter tröftet, 9td), mein ©ott, ftärte meinen ©tauben, erhalte meine Kräfte, hilf mir fäntpfen, hilf mir fiegen unb überminben; burd) beinen 33eiftanb merbe id) ftart, tnettn id) fd)mad) bin; id) nermag alle3 burd) ben, ber mid) mächtig machet, S^riftu^. Verglich lieh hab id) bid), o $©rr, $dj bitt, roottft fein üon mir nid)t fern 90Ut beiuer ©üt unb ©naben; SDie gange 2Selt nid)t freuet mid), Stod) §immel unb ©rb nid)t frag id), 2öenn id) bid) nur fann haben; Unb menn mir gleich mein |jerg g erbricht, <&o bift bod) bu mein 3uberfid)t, Sftein $heil unb meinet $ergen§ Xroft, SDer mtd) burd) fein S3lut hat erlöft §©rr $©fu ©hrift, üJfleiu ©ott unb §©rr, mein ©ott unb £j©rr, $it ©chanben lag mich mnt* mermehr, • Simen, ®er Äranfe ertmnet, bafi er ein 3Renfdj unb fterbftef» fei. 377 <&efang« 5D?eI. : 0 ©oft. bu frommer (Sott 1. SJtein ©ott, der taß mieß nießt, ©o miff icß eifrig fteßen, 23i§ icß oon meinem ifreuä 9DUcß merb errettet feßen; $cß fenn bein 58aterßerg: SÖenn ber ^Betrübte feßreit, ©o bleibeft bu oon ißm 9)ät beiner £mtf nießt meit. 2. Sftein ©ott, dertaß mieß nießt, 0ßn bitß bin icß oertaffen, Unb meiß auf biefer ©rb ©onft feinen Xroft 5U f affen ; 5lcß, menbe boeß gu mir 5Dein füße§ ©naben* ließt, 2tcß, eite boeß ßerbei, $)u, meine guoerfidßt. 3. SJtein ©ott, dertaß ntieß nid)t Sn biefen meinen 97ötßen, $>u mirft, mein fietfer, nießt Sflidß in benfetben tobten; $)ie 97otß ift je£t fo groß, ©rbarmer, fomm gerbet Unb madß in ©naben mieß $oit biefen SBanben frei. 4. 9Jtetn ©ott, dertaß mieß nießt 3n biefen großen ©djmeraen, $cß feßrei, mein ©ott, gu bir 2lu§ faft gerbroeß* nem §er^en; 3)u meißt unb fießeft moßl, 2Bie meß mir jefco ift, Unb icß meiß aueß gar moßt, SDaß bu mein Reifer bift. 5. $Dton ©ott, oertaß mieß nießt, $td), ßitf mir über» toinben, Unb taß, mein 58 ater, boeß üftid) beine £>anb em= pfinben; ©rfeßeine mir, mein §eit, ©o feßreiet §er§ unb Sffhinb, ?fdß, eite boeß ßerbei 907it beiner ^ütfeftunb. 6. 3dß mitt für biefe ©nab $)icß, meit id) lebe, greifen, Unb banfbar allezeit Sffticß gegen bidß ermeifen 907it 9tußm unb ßobgefang, Unb fagen jebermann: 5lcß, greifet ©ott mit mir, er mir diel ©uts getßan. Ser .ftranfe erfennct, bnf er ein STienfe^ unb fterblidj fei. Sfitfntunterttttg. S)cr ÜJlenfdj vom SBeibe geboren lebt furjfe Beit, unb ift t>oH Un* ruße, geßet auf roie eine 93Iume, unb fällt ab, fleucßt roie ein ©dßaiten, unb bleibet nidßt. §iob 14, 1. 2. Obgleicß affe Ütftenfcßen fterbtidß finb, obgteieß audß affe £age SJienfdßen fierben unb begraben merben, fo 378 Ser firanfe erfmnei, ba£ er ein äJtenfdf unb fterblid) fei. benfen bocg biß aßerwenigften an igre «Sterblicgfeit, fon- berlid) wenn fie gefunb finb unb wenn el ignen wog! geget; barum mug fie (Sott zuweilen au igre Sterblich feit erinnern, welcgel gefdjieget burcg $ranfgeit; benn wenn er bie (Sefunben läffet fcgwaig, bie [(gölten 9to[en weif, bie liefen burtg bie Äranfgeit matt werben, ba merfen fie erft igre SBergänglicgfeit. fftet^tfcfjaffene ßgri- ften [ollen belgalb 1) alle £age an igre ©terblicgfeit bem fen, unb ficg berfelben erinnern, wenn fie igre Kleiber aultgun unb igr @cglafgerätg aitlegen, unb allbann in igrem bergen benfen: ©o werbe icg nacg meinem £obe aucg entfleibet unb mit meinem £obtengeroanb umgiißet werben. Sägt (Sott aber einen -iDteniigen frattf werben, fo foß man ficg wieberum [einen beöorftegenben £ob oor= [teilen. (£3 i[t ein betrug bei @atanl, bag man meinet, wenn man an ben Ü£ob niegt bäcgte, [o ftürbe man niegt, benn man mag baran benfen, ober niegt, [o fommt un[er ©nbe, wann el (Sott gefaßt; Wer ficg aber ^um [eligen £ob bereitet, ber ftirbt befto [eliger. ©I fott ficg ber äßeufcg 2) aucg [einer ©terblicgfeit erinnern, wenn er an [eine oerftorbenen $orfagren unb $reuttbe benfet, unb glauben, bie Steige werbe ign aucg einmal treffen. ©elig ift belgalb, wer 3) in 83etracgtimg ber ©terblicgfeit im (Slauben $(£fum (Sgrifium ergreifet, unb in einem cgrift* liegen unb frommen Seben oergarret bil in ben %ob; ber wirb, wenn er ftirbt, niegt fterben, [onbern um $@fu wißen gur ©eelen=©eligfeit eingegen. ®ebei* 2Kein ©ott, el gat bir natg beinern geiligen Sftatg unb SSillen gefallen, müg auf biefel $ran= fenbette gn (egen, unb babnret§ and), baft id) alles muß oerlaffen, meine §abe unb ®ut, @l)re unb ©lüd unb maS id) in ber Söelt befijje. 3d) \ )&be bier feine bleibenbe Stätte, fonberu bie gufünftige fudl)e i d). SBillft bu burd) biefe Hranfljeit rnidb nun an mein @nbe erinnern, mie ben Honig §iSz fiaS, midft bu mir babei mie iljm gurufen: Q3e= ftelle bein §auS, benn bu mir ft fterben, unb nid)t lebenbig bleiben; fo oerleifye, baf$ id) freubig an meine Sterblidjfeit unb an mein ©nbe benfe; 380 3)er Äranfe ertmnet, baft er ein 9Jtenfct> unb (terbtidj fei. baß id) mit öorftede: Siebe ba, btefe^ if t öielleid)t mein le£te£ Saget unb mein le&teS 3abr, biefe ^tan!t>eii geiget t)ietleid)t an, baß bie Sebenstage, bie bu auf bein 33ud) gefcbrieben, nun berfloffen firtb, bamit id) möge mit ©ebet, mit $3uße unb ©lauben, mit maltet Untersuchung meinet bi£= bet gefügten Sebent mich gurn feligen Sterben bereiten. 3a, ftetle mit bot, mein ©ott, baß id) belegen nid^t ftetben muß, toenn id) mid) fdtjorr gurn feligen Sterben fd^i de, fonbetn baß id) ba= burcb bon SEßelt unb Sünben abgegogen, unb mein Seben, ©eift unb Seele bir gebeiliget merbe; ja, baß bu eben belegen bie ^tantßeit mit ge= fd)icft ßabeft, baß i(b mid) alfo prüfen, untere fud)en, belebten, bereiten, ber SBelt abfterben unb in bit leben foü. Siebe, mein ©ott, hier bin idb, nimm meine Seele bin, aber bereite mi(b guoor recht in bet 3eit, baß, menn ich fterbe, ich möge in beinet ©nabe fielen unb felig ftetben. $d) b«ö mein on ©ott ©mpfing p Seib nnb ßeben, 25ag gat er mir unb npt $d) felber mir ge= geben; 23orger mar id) ja nptg, 2ßg jette ©cgöpfergganb 9ttid) macgte, ba marb id) 25en SRenfcgen erft befannt. 3. $cg höbe nid^tö oon mir, 2)emt nadenb bin p fommett; 28ie tonnte aug bem 9?ptg 28ag merben mit¬ genommen? SSon ©ott tommt aßeg ger, ©g ift au cg afleg fein, $d) gab nptg ogne ©ott, £5gn ign ift gar nid^tö mein, 4. $eg meifj nptg non mir felbft; 2Son ©ott ift mir entgunbet 25eg magren ©taubeng Siegt Uttb bleibt auf ign gegriinbet; ©ntgiegt er mir fein Spt Unb feiner 3Bei^t)eit ©cgein, ©o muff id) ogne Spt Unb ogne 28eiggeit fein, 5. 3d) fcutu nie gtg üon mir felbft; 2Son ©ott gab p bie Kräfte, ©r gibt mir Sftutg nnb ©tärf, ©rgält bie Sebengfäfte; 25urcg ign fattn id) allein 9ftid) regen, gören, fegn, 2rüg mp npt feine §anb, ©o mürb id) halb »ergegn. 6. ©o bin id) ja gar nptg; 2)ocg bag foll mp fromm machen, 3:d) miß bie ftolge 28elt $n igrem 9tptg »erladjeit, 5Die fid) gar üiel einbilb't Unb auf ein 9tptg »erlägt Unb meinet, bag igr 9tptg 2)odg fei bag Slßerbeft. 7. ©ott ift bag Slfierbeft, ©ein 2lßeg foß »or aßen 9D?ir, ber p gar nptg bin, Stuf emig moglgefaßen. 2)u einig 2tßeg, gib, 25a§ id) an dl) jeben 2ag 25ein 2lßeg unb mein S^ic^tg 2ßit ©rnft ermägen mag. 8. 25 n armer Sftenfcg, bu Siid^tg, 28ag mißft bn bp ergeben? Äannft bn and) etmag fein, 2)ag ©ott bir npt gegeben ? 28er ba miß etmag fein, 2)er mirb gu nptg ge- maegt, 28er aber nptg miß fein, 2>er mirb emporgebraegt. 9. $agr gin, o 2Selt, fagr gin, 2>ein Üticgtg !attn niegt ergögen, 28er bieg für etmag galt, 2>er metg niegtg goeg gu fegäpen; 2Rein SlUeg ift mein ©ott, 25em leb unb fterbe p Unb bin bureg ign beglüeft Unb fetig emiglp. 382 2)er Äranfe ergibt fic^ bem Sßtllen ©otteS, ®er traute ergibt fid» bem SBilten ©otted, p leben nnb p fterben. 3hifmmifermtfl. Unb ^e biefer Äeld> »on mir ; bod> nid)i, wie icff witt, fonbern wie bu willft. matii). 26, 39. ©otteg 2öiße ift aße^eit ber befte; folcpg pflegen wir Wofjl au fageu, aber wenn man fid) ©otteg SÖBißen einig nnb aßein unterwerfen foß, unb fid^ bag taffen gefaßen, wag nnferm SSißen guwiber ift, ba empfhtbet mau oft einen großen SEBiberftanb. ©in ßranfer bemnad), wetdjen ©ott auf fein ®ranfenbette niebergetegt f)at, foß 1) be* benfen, baff eg ©otteg äöiße fei, baf$ er in folgern 3u= ftanbe fidj befinbe; barum foß er fid; pten öor Ungebulb, benn fonft würbe er an^eigen, bafj er mit ©otteg SÖißen nidjt gufrieben fei. ©r foß 2) auffepn auf bag ©gempt 3©fu ©pifti, ber in ben größten Seiben unb ©cpteraeu, bie ifjnt ben blutigen ©dpeifj augtrieben, boc^ fpratfj: S3ater, nid)t mein, fonbern bein 2Biße gefcpp! ©otcp ©etaffenpit nnb ©rgebung in ben Sßißen ©otteg gefaßt ©ott mofjt unb ift ein Beitpn ber föinber ©otteg. 3a, 3) wenn man aud) beftänbig ©otteg SBißen wiberftreben woßte, fo wirb eg bod? nidjtg plfen; pt ©ott befdßoffen, baff bag Säger foß bag tepe fein, fo wirb man eg burd) äßiberwißen nic^t abwenben, fonbern beg §©rrn Statt) unb SBiße wirb bod) an ung erfüßet werben. ®arum 4) ift biefeg bag Slßerbefte, bafj ein Äranfer fage: ©iep, §©rr, per bin id), tnadje eg mit mir, wie eg bir gefaßt; idj wiß länger leben, wenn bu wißft, id) wiß audj gerne fterben, wenn bu wißft. ©e&et* £> bu gnäbiger, gütiger unb barmpr^tger ©ott, t$ fomme anje^t mit meinem ©ebet unb $u leben unb ju fietben. 383 ©eufgeit oor beinen aderheiligften 2^roit, ob id) fdjon bem Selbe nach auf meinem &an!enbette bleiben muß- 3eg §©rrn SBide ge= fd)ef)e ! ^od ich noch länger auf ber 2Mt leben, fo mid ich bi bem äöitten GJotteö, fommen, bafj id) an biefer $rantf)eit fterben foü, fo mad)e mid) gu einem feligeti Sterben bereit 3d) meifj, bafj id) biefe £>ütte be3 ßeibe3 einmal ablegen mu&, aber id) meif* aud), bafe bu beinett ©laubigen tjaft einen 33au bereitet, ber ni^t mit Rauben gemalt ift, ber emig ift im frnmnel. 3m £>immet ift mein ©rbtl)eil, mein SBaterlanb, moin ^Bürgerrecht; fottte id) mid) nid)t freuen, ba§ mir ermorbene ©rbe eingunetjmen, in mein SBaterlanb eiten unb ber ^inber ©otteg £>err= tidjfeit 311 genießen? §abe id) Urfadje, um $Ber= längerung unb ©rfjaltmtg meinet Sebent gu bit- ten, fo liegt mir bod) and) Ijart an, ob e3 nid)t beffer märe, aufgetöfet unb bei ©fjrifto gn fein, meinen 3@fum -ju erbtiden, ben id) lieb gehabt l)abe, ba id) il)n bod) nod) nid)t gefeiert* SDarutn, mein ©ott, überlaffe id) bir aüe3, bu meifet am beften, ma3 mir fjeilfam ift, Siefye, Ijier bin id), ber §@rr tl)ue mit mir, mag iljm moljlgefällt. §@rr, mie bu miUt, io fdicfg mit mir Seben unb im (Sterben; SWein gu bir ftef)t mein Regier, ßajs mid), $@rr, nicht oerberben; ©rfjalt midi nur in beiner §ulb, rum foIX er nur allein $luf 3(Sfunt fein geridjt’i 2. $dj tritt, mag $(Sjug miß; 2öttt er, bag id) fott leben, SSo^Ian, idj miß eg auch, (Sr mirb aud) Kräfte geben; 3dj bin in feiner §anb, $bm leb unb fterbe idj, (Sr fiitjr unb leite mich, $d) folge mißiglicb. 3. $d) tritt, mag $(Sfug miß; SSiß er, bag id) foß tei= ben, 2öol)lan, icb miß eg and), Ödj bin bereit gu beiben; ©el)t $(Sfug nur boran, So geb id) gerne mit, $)enn feine (Segenmart Verfügt bie fauren Stritt 4. $dj miß, mag $(Sjug miß; SBiß er, bag idj foß meinen, SBotjlan, id) miß eg auch, (Sr mirb fdjon taffen fcbeineit 2)ie -Sonne nacfj bent Seib; $)enn feine (Sütig* feit SBifdjt aße £bränen ab Unb Ijilft jur redjten $eit. 5. ftdj miß, mag $(Sfug miß; 2öiß er, bag mich foß plagen 3)ie Soggeit meiner ^einb, ®ie mir ing 5lntlife fcblagen, So^lan, icb miß eg aud), (Sr gebe mir nur SJtutlj Unb fein (Seift ftärfe mid), 28enn man mir Unrecht t^ut, 6. 3dj miß, mag $(Sfug miß; 2Öiß er, bag id) öer* laffen 93on jebermann foß fein, 3a, bag man mid? foß ' Raffen, SBoljlan, id) miß eg auch; ^erlägt et mid) nur niipt, So acht idi’g nid^t, bag mir 3)er 3tZenfd^en $ülf gebricpt. 7. 3$ witt, mag 3©fug miß; Soß idj bereinft franf merbeiO SSoblan, id) miß eg aud), 3d) bin ja Staub unb (Srben; 2öie halb gerbridjt ein ©lag! 3bm ift ja aßeg leidjt, SBeil auf fein SBort fo halb $>ie Äranfbeit mie= ber meicbt. 8. 3d) tottt, mag 3(Sfug miß; 2öiß er, bag id) foß fterben, SBoblan, itb miß eg auch, 3)urd) ign merb icb er* erben $)ag mir berfprodjne 9teid), 3d) geb gur (Srbfd^aft ein Unb bleib im $aterlanb, 2öo icb foß emig fein. 386 35er Äranle erfennet, bafe baö Äwuj Ser Sfranfe erfennet, baß baö Sreuj nnb bie Sriibfal tum ©oft lammt. Slufmmttcrnug. 3)cr §<5rr tobtet, uttb machet lebertbig, führet in bie £öße, unb roieber IjerauS. 1 Sam. 2, 6. ©ott ift bie Siebe, ber bie SÖZenfdjen Ejerätid) liebet Siebegproben oon ifjm erhalten gläubige Triften alle Sage burdfj ben gnäbigett SSeiftanb unb burd) bie 3Bot)l= traten, melclje fie oon feiner §anb empfangen; fie feljen eg audj) an ben großen Siebegmerfen ber ©cf)öpfung, ©r= löfung unb Heiligung. $ft ©ott aber bie Siebe, fo gibt bag einen grofjen £roft tn $ranff)eit, menn ein Äranfer fidj oorfteEet: 1) SEeine £rübfal fommt nid)t Ijer non einem f$reinb, ber micty Raffet, fonbern oon einem ©ott, ber midf) liebet; fie lommt tjer oon einem SSater, ber mir üon äugenb auf in oielerlei ©efä^rlidtjleit unb 3ufäEen fdjon §ülfe ertoiefen Ijat ©tefjet biefeö in ber ©eele feft, fo fliefjet baraug 2) ein Ijerrlidjer $roft: *2)er SBater meinet eg nidjt übel mit feinem Äinbe, ber treue SEenfdjenfreunb ljat aud(j in bem gugefd^idEten Seiben ein liebreicfjeg $erj bemalten, hierauf foll fictj 3) ein ßranfer in ©ott faffen, unb fleißig gu ©ott rufen unb beten; er foll fein franfeg ' §aupt in ben ©dfjoofj ©otteg nieberlegen, mit $reuben unb gutem OTut^ ben $immel anfe^en unb benfen: 2)er eg fdfjidt, ber fann eg rnenben, er meifj mof)t, mie er foE aE mein Unglütf enben. ©onberlidj foE er 4) fi'df) nidjt laffen irre ntadjen feiner ®ran!ljeit $eftigfeit, feine großen ©e^mergen unb bie anfdjeinenbe ©efa^r; benn Ijier fteljet abermat ber £roft feft: ©ott leget eine Saft auf, aber er Ejilft fie audf) tragen; mir Ejaben einen ©ott, ber l)ilfi, unb einen §©rrn $©rrn, ber oom $obe errettet $ßf. 68, 21. ®tbet. |>@rr ©ott, barmf^ig, gebulbtg unb oon großer ©üte nnb Sirene, ber bu oergibft 3Kiffe= unb bie SErübfat Bott ©ott lommt. 387 tbat, Uebertretuug unb 6ünbe, ber bu beinen 3orn nid)t emigli(b fonbern fiebeft an bie ©lenben unb rtdjteft auf, bie niebergefdjlagenen §er3en^ finb, fiebe, i$ armer üfftenftb liege atl= biet t)or bir unb bitte: 21$, f$aue auf mi$ oon beinern ^o^en %f)xon, unb erhöre mi$. ,3$ toeife unb glaube, bafc mein Seibett unb meine 5£rübfal oon bir fommt; beine §anb f$lägt, aber fie feilet au$, fie oermunbet, aber fie oerbinbet au$ ; menn aber meine Äranffyeit oom Rummel fommt, fo f$aue i$ au$ toieberum gen ^rimmel na$ ber §ülfe. 3$ be&e meine 2lugen auf gu ben 23er= gen, oon melden mir §ülfe fommt; meine £>ülfe fommt oom §©rnt, ber £)immel unb ©rbe ge= ma$t böt. 3$ b^be oon bir ©efunbbeit, Seben unb SBoblergeben empfangen, foHte i$ bann ni$t au$ bie ffranfbeit annebmen? §aben mir ©ute£ oon (Sott empfangen, foltten mir ba§ 23öfe ni$t au$ oon ibm annebmen? 0ie 23äume auf bem Selbe fteben btemeilen in ooller 23lütbe, berrli$ mit blättern unb Srü$ten gegieret, bie , barum mitt i$ au$ beben= fen, baf$ biefes bie £}eit meines SeibenS unb mei= ner S^rübfal fei, bie bu mir jugeba$t unb be= 388 35er Äranfe erlerntet, bajj ba$ Äreuj ftimmt ^aft* $a, toie bu toeißt, too ein ©tern fteljet, ob er l)od) ober niebrig fielet ön bem großen ^immei, alfo toeißt bu audf), toie e3 um midj jefrt fielet. 0u toeißt, toie ferner id) trage, bir ift betonßt, toie lange id) leibe, bir ift and) be= fannt, toie oiel id) Kräfte Ijabe, ba$ atteö au^u* fte^en* 0 barum, lieber ©ott, lege auf, fo oiel bu toillfi, nur gib mir $raft unb ©tärfe, baß id)^ aud) tragen tönne. 34 toeiß, ofjne beinen SSßiden fann nidjt ein §aar oon meinem Raupte fallen, toie oiel toeniger tann id) oljne benfelben Iran! toerben? Qrällt fein ©beding auf bie ©rbe oljne beinen SBillen, toie oiel toeniger fann id) ©4mer3en, Uttgemad) unb Äranffjeiten unter* toorfen fein, fa, gar fterben o!)ne beinen fRat^ unb ^Bitten ? ^ornmt mein ßeiben oon bir, fo fommt t§> oon meinem S3ater ; fommt e£ oon meinem 93ater, fo fommt e§ oon geliebten §än= ben unb au£ einem üebeooHen bergen, nidjt ^u meinem SBerberben, fonbern gum heften meiner ©eele* mi4, mein ^ater/ bo4 mit äftaßen, baß bu mi4 nid)t gar aufreibefL 58e- trübe mid), aber erfreue midi) toieber; üerbirgft bu bein 2lngefidf)t, fo laß e3 au4 toieber leud^ten; laß leudjten bein 2lngefi4t, fo genefe tdj). 34 toill gern in bie <£>anb meinet $ater£ fallen, toenn id) ©träfe oerbienet Ijabe; benn fein 3ont unb bie Xriibfal bott ©ott lotnrni. 389 mähret einen 2lugenbücf, unb er ijat Suft gum ßeben; er toirb ftd) über $\on erbarmen, unb feinem Äinbe gnäbig fein* Dljne beinen SötUett fann mir nidjtS begegnen, 3)u fannft oerftudjen, unb aud) mieber fegnen; Sin id) bein ®inb, Unb Ijab^ oerbient, ©ib marmen Sonnendem nad) trübem fliegen. 3dj meig, baß bu mich ja nodj nie oergeffen, SBarurn foUt idj mein $erg mit £eib jegt preffen? 3n meiner fRotlj $)enf icfj an ©ott, ©r mirb bie Slngft nad) meinen Kräften meffen. Ütmen. ©ef ttttg* 2M. : £> (SJott, bu frommer ©ott. 1* ©in ©otteäfinb gu fein, Unb bod) mit Äreug ge* brücCet, Äann mögt gufammen ftegn; ©S bleibet bod} ge* fdjmütfet ^nmenbig an ber ©eel SDtit ©laub unb $röm* mtgfeit, 0b’3 gleid) auSmenbig fteljt $n lauter ®reug unb ßeib. 2. 2ßer f)ier bie Bornen trügt, Söirb horten fronen tragen, 2öer gier oiet feuf^t unb meint, 2Sirb bort oon Sreuben fagen; $)ü bleibft ein ©otteäfinb 2tud) mitten in ber fftotg, 3tudj mitten in bem $reug Sift bu geliebt oon ©ott 3. ©ieg, 3©fuS, ©otteö ©ogn, $rug eine 2)ornen= frone, Unb blieb bocg ©otte§ ©ogn, ©r litt oom (Spott unb $ogne, Unb blieb bei ©ott geehrt; fDrum reimet fidj's gar mögt, ,8u fein ein ©ottesfmb, Unb bocg be8 ßeibenS oolt. 4. Sleib beinern ©ott getreu fttn ©tauben unb Ser* trauen, ©o mirft bu feine |)ülf ©ar balb mit $renben flauen; Unb follft bu in ber SBelt $n lauter Xrübfat fein, 3Ba§ fimmel ein. 5. $ein Sater liebet bid), Obfcfjon bie fcgarfen fftutgen ffcie klugen machen nag Unb aucg baä §erg oft bluten. 26 390 Der Äranfe erfennet ben 'üfiufcen ber Äran^eit. ©ott liebet folcßeS ®inb, $5aS ftets gen ^jirnmel fießt, Unb in ber größten ÜRotß .ßu feinem $ater ftießt 6. 2)rum fei getroft in ©ott, ®ie ©tunbe mirb balb fomrnen, $n melier bir bein ilreuj SSirb enblicß ab* genommen; 0b beiner Serben feßon ©ar oiel unb ßeftig finb, ©o bift nnb bleibft bu bodß ©in maßreS ©otteSlinb. Set Strafe erfennet ben Stuben btt Srrafljeif. 3lufmwttterutig. $te ßranftjeit ift nidjt ^um £obe, fonbertt jur @f)te ©otteS, bajj bet ©otjn ©oite§ baburdj geefyret werbe. 3o1)* 11/ 4. $)aß trantßeiten großen SRußen bringen, miß ber natürtid^e SRenfcß nitßt glauben, benn er fprießt: $er ßeib mirb nießt alletu abgemattet, feßmaeß gemaeßt unb tommt in £obeSgefaßr, fonbern bie träfte merben aueß gefcßmäfßt, oßne anbere 33efcßmentiffe unb Untoften, bie mit ber ®rantßeit oertnityfet finb. Mein bem allen oßn* geartet bringet bie tranfßeit SRußen, bismeilen felbft bem Seibe, inbem babureß öftere bie Unreinigleiten ber Statur öerjeßrt merben, unb nacßßer bie ©efunbßeit befto bauer= ßafter mirb. ©onbetlicß aber bringet tranfßeit ber ©eele einen ßerrlidßen 9tußen, benn 1) babureß ßolet ©ott man= eßen 9Renf<ßen gurüd oon feinen ©iinbenmegen; mie man* <ßer ©ünber geßet tn feiner ^recßßeit baßin, aeßtet meber ©ott notß fein SSort, ßäufet ©ünben auf ©ünben? ©oldßen aber reißet ©ott gleießfam mit ©emalt guriid bureß eine ®rantßeit, bur<ß ©eßmeräen unb Seiben, baß et nütßtern merbe aus beS ©atanS ©triden. ©S bringet audß $rantßeit 2) ben frommen SRußen, benn fie lernen barauS erfennen ©otteS Mmatßt, ©fite, SBeiSßeit, Siebe unb Sarmßergtgleit, meldßeS alles fie oorßer moßl gemußt unb geglaubet, aber nunmeßr erft reeßt erfaßten ßaben. sjtadj ber Äranfßeit mirb aueß 3) bei frommen ©eelen ©ec Ärartle erlerntet ben Stufen ber Äranftyeii. 391 eine größere Siebe 311 ©ott, meßr ©ifer im ©ebet, eine größere SCufricfjtigteit in bem ©fjriftentijum üerfpüret. SOZan lernet, fiel) ©ott ergeben, ben £ob oorfteHen, 311m feligen 5lbfterbett bereiten, an ben $immel fleißig benfen, ja, feine Seele in ©otteä $änbe empfehlen. 2Bemt bie* fe§ ein Äranfer bebenfet, fo mirb er mit ©ott aud) in ber ß’rattffyeit tootjl 3ufriebeu fein. eb et* 0 lieber ©ott unb Skter, id) fefje unb merfe mol)l, tueld)e3 bein ^eiliger Dktl) über mid) fei, nämlidj, baß biefe3 mein Seibenöjaßr, meine Set? bengmodje, ja, meine Seibenägeit fein fott, barin bie ©lücföfonne eine ^eitlang oerbunfelt, meine ©efunbßeit gefd)tx)äd)t unb bie Seibeäfräfte üer= ringert merben füllen. 3d) banfe bir, mein ©ott, baß bu mid), eße bu mid) alfo ßeimgefudjet, oor= ßer beine SBege ßaft erfennen laffen, rtämlid), baß ber $reuge3meg and) ein ^immel^meg fei, unb baß bu in ^ranfßeit aud) unferer Seele ©ute3 tßueft. 3<ß feße moßl, mein ©ott, baß bu muß oon ber SBelt millft abgießen, bu toiHft mir bie SBelt bitter unb ben §immel füß rnatßen, baß i<ß foB oerleugnen ba£ ungöttlicße SBefen unb bie toeltlitßen Säfte, unb gültig, geredjt unb gott= felig leben in biefer SBelt; baß i d) fott formen unb unterfueßen mein Seben, unb burd) eine ßerg= Iid?e ®uße mid) gu bir belehren, ?$?reitid), toenn un§ moßl ift, unb mir oon feiner Sarübfal miffen. 392 2>« Jfrartfe erfemtet ben -ttufcen ber Ärantyeit. fo bünfet uns, mir feien nur in ber 2Belt, baft mir irbifd^e^ ©ut fammeln, ober aber, baß mir mit ber SBelt Werken, fünbigen, ©efeüfd^aft madjen, ©efeEfdjaft galten, uns in iljre Steife, 2öege unb ©Uten fd)iden foEen; aber meil bas nuferer Seele ©erberben unb emige ©erbammniß mürbe fein, fo pflegft bu nad? beiner &reue uns biS= meilen befonberS gu führen, um allein mit uns gu fpredjen. 9td), mein ©ott, eS fdjeint, bu moEeft mit mir fejrt aud) aEein fpredjen unb mir fagen, id) foE mid) öorfefjeu oor ber SBelt Sun* ben, ©erfiiljrungen, ©osljeiten, @emol)ttf)eiten; bu miEft mir einreben, id) foE bie begangenen Sünben bereuen, id) foE mid) ber Söelt nidjt mefjr gleid) fteEen, fonbern burd) ©eränberung meines Sinnes erfennen, meines ba fei ber gute unb mofjlgefäEige, ja, ber ooEfommene ©otteS* miEe. !Kun, mein ©ott, biefes miE id) and) tljun, mirft bu mid) laffen gefunb merben, fo miE id) frömmer merben, eifriger beten, bas ©öfe mei= ben, meine oorigen böfen ©emof)nf)eiten ablegen, bie Orte unb SKenfdjen, mo unb mit melden id) gefünbiget, meiben, unb bann ein neuer SEKenfd) merben. äöer bie ©Seit lieb Ijat, in bem ift nid)t bie Siebe beS ©aterS; memt bu nun gefeljen, mein ©ott, ba§ u$ aud) in meinem ®^riften= tljum bin trög, im ©ebet nadjläffig, hingegen 2)er Äranfe erfmnet ben 9?u|en ber Äranl^eit. 393 gur eil gu benfett, unb bom 'Sünbenfd^laf aufguftebem 2öad)e auf, ber bu fdbläfft, fbricbft bu gu mir, id) miß bid) reinigen bon bem hörigen Unflatb. 3a, id) febe, bafg bu mid) burd) biefe Äranffyeit miHft an meinen £ob unb an ba3 ©ttbe meinet Sebent erinnern, baß id), menn id) gefuttb merbe, fott beine Mmadjt, Siebe unb ©üte erfennen lernen unb greifen, mel= djeg nid)t gefdjeben märe, menn bu rnid) nidbt auf biefe Söeife beimgefudbet bdtteft. ^un, §@rr, fo führe ba3 gute SBerf an mir au£, meldjeS bu in mir angefangen boft, gu beiner ©bre unb mei= ner ©eele §eil; mache burdb biefe bittere 2lrgnei meine @cele gefunb, §eile burcb biefe fdjarfen @d)nitte unb @d)tnergen ber ©ünbe SBunben. SBafdje burcb biefe fdjarfe Sauge meine Unarten ab, unb gib, bafg id) in mabrer ®ufte unb in lebenbigem ©tauben in biefer ^ranfbrtt mid) bor bir bemütbige, in ben SBunben 3®fu |)ülfe, Statb, &roft unb Vergebung meiner @ünben fudtje unb ftnbe. < Sflad) mir ftetä guderfüg ben §immel Unb gafiem bitter biefe Söett; ®ib, baß mir in bem SMtgetümmel $)ie ©migfeit fei oorgefteüt SOZein ®ott, ich bitt burcb Sljrifti SBlut, SJZacb’S nur mit meinem @nbe gut 2tmen. 394 2>er Ärattle fefcei fein Vertrauen auf bie göttliche 2IBmadjt. ©efang* 3M. : Sitte 9J2enfcfieu miiffen fterben. 1. Äranfgett, Seiben, 9tngft unb ©cgmergen, Unb mag fünften mid) anficfjt, Steifen mir aug meinem bergen ©ott unb feine Siebe nicgt; SBifl mein ©ott mid) gleich be= trüben, 2öitt id) ign bod) gergti d) lieben, ©r verbleibet bod) mein ©ott $n ber größten Stngft unb üftotf). 2. ©r miß burcf) bag ^reug miag idt) ign erlernten lerne, Unb mid) non ber SÖett entferne; §ier feg icg, mie ©otteg &reu Stile borgen merbe neu. 4. 3©fu, fdjlieg in beine SBunben Steine matte ©eele ein, Sag in meinen ^ammerftunben $)arin igre SBognung fein, ©g fei ©eete, Seib unb Seben, treuer SSater, bir erge* ben, ©(güge, ftärf, erquide ntieg $n bem Seiben guäbigtid). 5. $dg befet)l in beine |)änbe, Siebfter $©fu, meinen ©eift, ©tärfe rnidj big au mein ©itbe, S3ig beg Sebeng $8anb gerreigt; 2)ann tag rnidj mit ffreuben flauen $ene frönen §immelgauen, $ügre mieg burd) tampf unb ©treit 3« for ©eete ©etigfeit. Ser trmtle fetjet fein Vertrauen auf bie göttliche 2IEmad)t. 2(ufmuuteruug. £@rr, mein ©ott, ba id) fdirie $u bir, mad)teft bu mid) gefunb. §@rr, bu fjafi meine ©eele auä ber §ölle gefütjret ; bu tjaft mid) lebenbig bemalten, ba bie in bie ©rube fuhren. $f. 30, 3. 4. 9?icgtg ift erfreuenber unb tröfttidjer in gefährlichen 3ufütten, atg menn man einen guten greunb gat, öon bem 3)er Ärattfe fe^ct fein Vertrauen auf bte göttliche Stßmacftt. 395 man fagen faitn: Sä) metfj, ber !ann mir Reifen unb mirb mir Reifen. (Sin Äranfer fann foldjeg mofjl non feinem Sttenfdfen fagen, aber non ©ott ift er beffen gemifj, SDie $(ümacf)t ©otteg faitn ein Äranfer erfennen 1) an bem ©jempel Stnberer; menn er Ijöret, liefet ober meijj, mie ©ott £obte lebenbig gemalt, audj iobfrattfen mieber aufgetjolfen, fo fann er feftiglid^ fdfliefjen: 2)er aUmäd)= tige ©ott, ber ba^umal geholfen, ber lebt nod), ©g fann fic| ein ihanfer 2) oorfteUen bie unumfct)ränfte 9Jlad)t beg großen ©otteg, meldje größer ift alg bie äJiadjt aller Könige in bar SBelt, ja, aller 9D?enfcf)en; barnm mag ung 9Jtcnfdjen unmöglidj ift, bag ift ©ott möglich, mag ung ju ferner ift, bag ift ©ott gar letdjt. 3) ©oll ein ®ran= fer bebettfen, eg fefjle ©ott nid)t an Mitteln gu Reifen; auf fein SCBort muff bie $ranf£)eit meinen, er fann audj bag geringfte Kräutlein ober Slrgnei fegiten, baff eg mufj bag Uebel ber ®ranff)eit Ijeben unb bie ©efunbljeit be~ förbern, 2Bettn biefeg ein Staufer ermäget, fo foH er 4) fein ftiHe fein in ©ott, anf)alten im ©ebet, unb ©ot= teg §ülfgftunbe erroarten, iRid)t meitiger foÜ er 5) bie ■ ^Irgnei unb §ülfgmittel gebrauchen, bie if)nt tion Siebten borgefdjriebett merbeu, fid) aber babei bor allen abergläu= bifdjett Gingen, alg nor ©egenfpredjerei unb ©aufetei Ijüten, unb berfidjert fein, ber Slllmädjtige fönne unb merbe gemifj Ijelfen, menn feine ©tunbe mirb gefommen fein, mtbtu 2ld), mein D@rr unb mein ©ott, bu fteijeft, mie mid) Seltner^ unb Seib umgeben t)at, unb mie meine $lage alle äKorgett ba ift; meine Äranffyeit meidet nicfyt, unb id) metfe nidjt, ob biefeg Säger öiedeidjt mein (efteg Säger fein folt, biefeg ftette id) in beinen ^eiligen 2Bilten ; id) mill leben unb fterben, mann eg bir gefallt. 3J2eine 396 2)cc Ärartfe fe^et fein Vertrauen auf bie göttliche 3Ulmadjt. £age finb einer §anb breit oor bir. üßtone Sahre fielen in beinen Rauben, bu f)aft mir ein $iel gefegt, ba£ merbe id) nid^t übergeben, 2)u haft auf bein 53uch gefchrieben, mie öiel meiner Seben^tage merben foßen, alä ihrer noch feiner ba mar. dennoch taffe ich belegen ben $D?uth nid^t faßen, fonbern ich ^ebe meine Gingen auf pi ben bergen, oon melden mir §ü(fe fommt, meine §ülfe fommt Dom §@rrn. $4 meifc, baf$ bu bift ein aßmächtiger ®ott, ba§ Seben unb $ob in beiner §anb fielen, aber bafj bu burd) beine 2lßmatmann: §®rr, fprich nur ein 2Bort, fo mirb bein Unecht gefunb; ja, fbrich ein 2öort, fo merbe ich leben, ich merbe non aßen meinen Seiben befreiet merben. 3 in Slngft unb -Dtotl), 5) er fann mid) allzeit retten Slu$ Xrübfat, Slngft unb 9£ötf)en, Sttein Unglücf fann er toenben, ©tefjt aU$ in leinen $änben. Simen. (gelang. 2M, : ©djtoing bidj auf ju beinern ©ott. 1. Saffet bod) ben meifen ©ott Sitte ©adjen matten, tteberlaffet eure Stotfj, ®ümmerniB unb plagen ©einer SBeiäfjeit; er tueiB tt>of)l, 38ie e§ muB ergeben, Söann unb mo unb toie er foß ©ucf) in Stotf) beiftefen. 2. ©djreibt bem meifen ©ott nid^t für ©tunbe, unb SJtaBe, fraget nid^t mit Ungebühr, 2Öa3 er tfju unb taffe ; ©r fängt ja nidjt fjeute an, ©rft für eucf) gu forgen, $>em ©ott, ber eud> Reifen fann, Sft gar nicfjtö oerborgen. 398 Der Äranfe erinneri ftcfy feinet laufBunbeä. 3. Sefjrt ben toeiferi (Sott bod) nid^t 2Bie er’S fott an* fangen, 2Sie es merbe auSgeridjft, ®af3 ifjr mögt getangen 3u bem regten 3mecf unb 3iel; folget feinen SBegett, gattet feiner güfjruttg ftiE, Unb ermarft ben ©egen. 4. 2Ba§ ber meife Sßater tt)ut UeberaE auf (£rben, 2)aS mufc un§ gemigtid) gut Unb redjt f)eitfam merben; Gingen aud) bie ©ad)en nidjt, 2Bie mir gerne moEten, Unb mie fie nad) unferm £id)t StnberS gefjen fottten. 5. D bu meifer (Sott, bir fei StEeS fjeimgefteüet, ©tefje mir in (Snaben bei, SDiadj'S, mie bir'S gefäüet; 9ftad) es mit mir muuberlid) §ier auf biefer (Arbeit, Sieber SSater, füfjre ntidj, Saft midj felig merben. Der traute erinnert fid) feines XaufbunbeS. 'Uufmmttcrmig. 2)ie fjeütge Xaufe ift ni<$t ba<§ Slbtt^un be§ Unflat^ am ^leifdj, fon= bern ber 33utrb eines guten ©ennftenS mit ©ott. 1 ^etr. 3, 21. $ft in Slnfefjung (SotteS ein ^ame tröftlid), fo ifteS gemifc ber 9iame Später, unb ift in Slnfefjung beS 9Jten= fdfen eine §errtid)feit gro§, fo ift es gemijg biefe: ein ®inb (SotteS 31t fein. 2öie nun biefeS erfreuen tanu in bem gangen Seben, fo tanu eS audj tröften in Äranffyeit liefen 4roft foE ein trauter nietjt aus feinem bergen taffen. (£r foE bebenfen: 1) (Sott ift ein aEmädjtiger SSater, bem nidjtS unmö,glid) ift. 2) (Sott ift ein treuer SSater, ber es gut mit feinen fönbern meint. 3) (Sott ift ein meifer SSater, ber aud) baS bittere ®reug feinen ®in- bern fann gu einer f)eilfamen Slrgttei ntadfen. 4) (Sott ift ein gütiger unb liebreicher $ater, ber betrübet, aber fid) aud) mieber erbarmet. SBenn biefeS ber Äranfe er= mäget, fo fann er ftd) fjerglid) erfreuen. $u biefer §err= lidjfeit ber Äinber (SotteS aber ift ein djriftüdjer Äranfer gelanget burd) bie fjeitige £aufe, ba er fjat einen 39unb mit bem breieinigen (Sott gemacht. tiefes nun foE itjn aufrid)ten unb fröhlich machen, aEein er foE audj 1) fein Ser Äranft erinnert ftdj feineä £auf6unbeä. 399 als ein ®inb alles, maS ifjrn mib erfährt, beS bimmltfdjen Katers Villen unb überfaffen, nidjt miber ben Sßater murren, fonbern baS Vertrauen ^aben, ©ott merbe fidj mie ein treuer SSater ermetfert. 2) §at er in gefunbett Xagen ben l)tmmltfcf)en Später erzürnet, unb gumelten mie ein SBeltünb gelebet, fo foH er eS iljm auf bem Äranfem bette ^erjü^ abbitten, unb eine mafyre ßebenSänberung fict) oornefjmen, unb gemtß glauben, ©ott merbe ficf) auc§ über fein franfeS $tttb erbarmen. §®rr ©ott $ater, 0o^n unb «^eiliger ©eift, fiefje, id), bcin Hinb, bin in einem folgen $u= ftanbe, baß id) in ber SBelt feinen Reifer me^r finbe; id) fef)e ßin unb l)er, unb frage nad) §ülfe, aber niemanb nimmt fic() meiner an; barum aber tt)i£t i d) nid)t fleinmütfyig merben, fonbern id) und tnelmeljr gu meinem f)immltfd)en Söater gefeit unb bem meine SJiotlj Hagen, ©ilet in ber ÜRotf) ba£ t Reifen; barunt, o mein ^immlifc^er SBater, nimm bu mid) auf. ©rbarmte fidb ber §au:ptmann über feinen ßnecbt, ber tobiranf mar, bemühte er fidb ibnt %\i Reifen, adb, mein SBater, fo erbarme bidb meiner and), unb hilf mir. ©ing ber SBater, beffen Softer in ben lebten 3ügen lag, 3@fu nad), unb fpradf) : §©rr, meine äodbter ift jettf geftorben, aber fomme, unb madje fie lebcnbig, fo gebe id) aud), mein ©ott unb SBater, bir nad), unb fage: 3ff $ bein äöitle, ift es mir beilfam, fo mache mid) gefunb, unb erhalte mir mein Seben. 3d) meifj, bu bift ein aümäd)tiger SBater, ein meifer SBater, ein gnäbiger unb liebreicher SBater; mo fott bas Äinb anbers bin in feiner SKotb, als gu feinem SSater? f)6rr ©ott 23ater im £>immel, erbarme bidb über mitb ! £>©rr ©ott @obn, ber 2Belt §eilanb, erbarme bidb über mich* §@tr ©ott ^eiliger ©eift, erbarme bidb über mich l 2Bie fidb ein SBater erbarmet über $et Äran!e erinnert ftd^ feines XaufbunbeS. 401 feine Äinber, fo erbarmet fid> ber §@rr über bte, fo iljn fürsten: ad), erbarme bid) aud) über mid). Sin id) ein ungetjorfames ffitnb getoefen, fo be= reue id) e§; bin id) gleich oon bir gettndjen, fo fteHe id) mid) bod) mieber ein. 2iefc ber Sätet feinem oedorenen 6o^ne £mlfe miberfafyren, fo nimm mid) aud) in ©naben an, ber id) in Sufje unb ©lauben je£t gu bir tomrne, unb f$>red)e: ©rbarme bid), erbarme bid), ©ott, mein @r= barmer, über mid) ! Söenn bu miüft @ünbe gu= regnen, §6rr, mer mirb hefteten? 3 n folgern Sertrauen, mein Sater, marte id) auf beine $ülfe. 3$ fyabe fdjon erfannt, bafc ein Äinb ©otteö fein, traut unb elenb unb mit vielerlei ilreug beleget fein, mol)l tonne bet einanber fielen, barum aud) @atan mid) fo balb nirf)t in meiner finblid)en 3«t)erfid)t irre machen fott; allein lag mid) aud) balb bein öätedid)e§ §er3 erblicfen, bafe bu meiner nid)t oergeffen fyabeft; lafe mid) beine Satedjanb emjjfinben. betrübtes $er$, o fei äufrieben, Ob bid) fdjon ertbloS Kummer plagt; 3$er Fimmel bleibt bir bod) belieben, ®en bir bei« gugefagt; ©teilt fic^ fd)on Stot!) unb Äranfbeit ein, ©o will bod) ©ott bein $ater fein. Simen. ©cfaitg. 33tel. : SBer nur ben lieben ©ott tjffjt walten. 1. $d) bin getauft, id) fiel) i m Sunbe $>urd) meine $auf mit meinem ©ott, ©o fprad) id) ftetä mit meinem 402 &er Ärattfe erinnert fi<±> feines Xauf&unbeS. Eftunbe $n feug, in Srübfal, Elngftunb E?o% £5$ bin getauft, befj freu id) mictj, 2)ie fjrreube bleibet emiglid). 2. $d) bin getauft, id) fjab empfangen $>ag aller- fdjjönfte (Sljrenfleib, ®arin id) aEegeit fann prangen, 21E= Ijier unb in ber $errlid)feit; 3?d) bin mit 3@[u E3 tut er- lauft, Unb id) bin aud) bamit getauft. 3. $d) bin getauft, mir ift gegeben $u gleicher 3eit ber §eilge (Seift, 2)er Ijeiliget mein §erg unb Seben, ä)a= für fei emig (Sott gepreift; 0 gierbe, meld)e grofje $rad)t, $)ie mid) geregt unb felig rnadjt! 4. $d) bin getauft unb eingefdfrieben, EftidE) fdjliefet bag E3ud) beg ßebeng ein, Eftein ESater mirb midi) emig lieben Unb feinem ®inbe gnäbig fein; (£g ift mein Ekme (Sott befannt, Eftein Etame ftel)t in feiner §anb. 5. $d) bin getauft, mag fann mir fcfjaben? $d) bin unb bleibe (Sotteg ®inb, $d) rneifj, id) bleib bei (Sott in (Suaben, S3ei bem id) Xroft unb §itlfe finb ; SDenn menn id) meine bitterlidj), ©o fpridjt mein ESater: §ier bin id). 6. 3dj bin getauft, nid)tg fann mir fehlen, SDiemeil mein ESater an mid^ benft; EBer fann bie EBol)ItI)at aE erjagten, 2)ie er mir mirflicf) f)at gefdjenft? Eftein ESater ift ein reidjer §(Srr, 2)er gibt mir immer meljr unb mefjr. 7. $d) bin getauft, ib)r $einbe, meid)et, $d) ftel) nun unter (Sotteg ©d)u£, &er feinem ®inb bie §anb bar- reirfjet; EBag ad)t id) eure Eftad)t unb Xru£? £afft iljr ein (Sottegfinb nid)t an, Unb glaubt, baf) (Sott eg fd)ü£en fann. 8. 3d) bin getauft, unb bin gufrieben Eftit meinet Ekterg Sieb unb £teu, $d) merbe non il)m nie gefdjieben, Eftein Siebegtrieb mirb ftünblicf) neu; SBie eg mein Ekter fd)icft unb fügt, ©o ift mein $erg mit itjm oergnügt. 9. $d) bin getauft; ob id) gteid) fterbe, EBag fdjabet mir bag füljle (Srab? $d) mei§ mein Ekterlanb unb (Srbe, $)ag id) bei (Sott im |>immel l)ab; Eiad) meinem $ob ift mir bereitTt*2)eg §immelg $reub, bag fjeierfteib. 2)er Sranfe grünbet ftdj auf bie Sßotiltfyaten be§ breieinigen Ooiteä. 403 Ser .tranfc grünbet firf) auf bie 3Bof)(tI)atcn beS breieinigen ©altes. Shifmuutmmg, 2)er $@rr roirb mid) erlöfert oon allem Hebel, tmb auä^elfen $u feinem t>immlifc^ en 3ieid) ; roeldjent fei @ljre oon Grroigfeit ju (Stnigfeit ! Simen. 2 Stirn. 4, 18, frommen Triften fann eg in ihrem Seiben unb in ihrer ®ranff)eit niemalg an Xroft fehlen, wenn fte nur bebettfen, wer fie fittb, unb mit wem fie eg $u tf)un haben, ©ie finb ®inber <35otte§, barum fotten fie glauben, ber breictuige ©ott werbe fie in ihrem Jammer unb Seiben nidCft tiertaffen. 1) ©g wirb fie itjr ©chöpfer nicht der* taffen, ber fie in ihrer $ugettb geführet, in ben fotgenben $afjren ernähret unb big bahin dätertidj ermatten hat; follte ©ott feine ©efcfjöpfe unb bag äöerf feiner £)änbe dertaffen? Verbergen famt er fid) wotjt, aber dertaffen will er fein ©efchöpf nid^t. 2) $t)r ©rtöfer, $©fug ©tjriftug, wirb fie auch nicht dertaffen, benn ber hat für fie harter, ^ßein unb £ob gelitten; ber fein heiligeg S3lut für fie hat dergoffen, fottte ber fie in ber ßranfheit ohne ©iitfe taffen? Ö nein! ©eine Siebe ift §u brünftig. 3) Öhr §eitigmacher, ber werthe Zeitige ©eift, wirb fie auch nicht dertaffen; ber wirb atgbamt fie tröften, erquiefen, erfreuen unb ihnen .ßeugnifi geben, bafj fie ©otteg $iitber finb, obgteich ihre Sranfheit, Seiben unb ©chmergen an= hatten. Söenn ein franfer biefen breifachen £roft im bergen hat, fo wirb er feinen befdjwertichen 3uftanb mit ©ebulb tragen, unb feft gtauben, feine §ülfe fei nicht mehr ferne. 3)och aber 4) mufj er babei abbitten alleg, wag er bem breieinigen ©ott in gefunben £agen juwiber gethan hat, unb in folgern guten Vertrauen bie gnäbige |>ülfe gebutbig unb gläubig erwarten. I 404 Ser Äranfe grünbet fuf> auf bie 0 bu heiliger breieiniger ©ott, obftbon id) mid) fd^toad^ beftnbe an meinem Seibe, fo mid id) bod^ begmegen nid^t ftbmad) toerben in meinem ©lanben unb Vertrauen gu bir; benn bie auf ben |>©rrn hoffen, toerben uttbetoeglitb bleiben, tt)ie ber 33erg $ion. 3^ar toitt bie Sänge unb Saft meiner anbaltenben ^ranfbeit bigtoeilen mid) fleingläubig matben; allein td) ermuntere mid) toieber burd) beinen ^eiligen ©eift, unb fonberlid) autb bamit, baß idt) mir bie oon bir fd^on längft empfangenen Söobltbaten DorfteHe* ©ollteft bu mid) oerlaffen, bu mein ©djöpfer, ber bu mid) aug SRid^t^ erftbaffen, unb biö auf biefe ©tunbe erbalten b^ft ? 3ft benn beg §@rrn §aub öerfürget ? 0 nein, bie §anb, bie mid) bigber geleitet* gefübret, geftärfet unb erbalten, toirb mitb autb in meiner ^raufbeit erbalten. Su bäft ntid^ je unb j;e geliebet, unb burtb beine ©üte bigber gefübret. Siebe ift eg, baß bu mir boft fo lange $eit ©efunbbeit ge= fd>Wad)()eit mein Seiftanb, ja, mein Sröfter bleiben, unb mir aud) je|t 3eu9ni& Geben, bafj idf) ein $inb ©otteg fei, ob id) gleid) mit Seiben unb Srübfat umgeben bin. Sarum wid id) güte^ 3Kutt)eg fein in meinen ©djmerjen unb Seiben, unb wid in meiner @ee(e fagen: ©g (jat bid) ber (jimmlifdje $ater in feine ewige Siebe eingefdjloffen; ber @o()n ©otteg ()at bid) in feinem ©igenttjum, trüber unb Sterben er= wählet; ber ©eilige ©eift t)at bid) feineg füfjen Srofteg unb feiner feligen ©inwofjnung oer= fidjert; barum ift adeg bein, bie ©nabe ©otteg 27 406 &er ßranfe grünbet fid> auf bie So^tt^aten beä breieinigen ©otieS. ift beht, boS $erbienft unb bie ©eredjitigfeit ,3@fu ift beiit, ber fräftige £roft be§ Zeitigen ©eifteS ift bein, ja, ber gonge §immel mit aller feiner §errlid)feit ift bein. 0, toeil benn bem alfo ift, fo miß idj) mid) um meinen fronten ßeib nid^t befümmern, fonbern mein Anliegen auf ben |>@rrn merfen, unb bem ©ott vertrauen, ber mir fo üiel ©ute£ erttriefen ^at. $ldf), mein SBater, id) oerlaffe mid) auf bid). 0 3@fu, gu bir fließe id). 0 ^eiliger ©eift, bir ergebe id) mid). |)@rr ©ott SBater, mag bu ^oft erfdjaffen, §@rr ©ott @ot)n, toa3 bu f)aft erlöfet, |)©rr ©ott ^eiliger ©eift, mag bu Ijaft geljeiliget, ba£ befehle idj bir in beine §änbe; beinern ^eiligen Bornen fei Sob, @^re unb $rei£, je£t unb in ©toigfeit. ©ott mirb ben nid^t üerlaffen, 5Der itjrn vertraut attgeit, £)b ifjn fd)on niete Mafien, ©efdf)ief)t ifjtn bod^ fein Seib; ©ott teilt bie ©einen fdjü^en, 3ule£t ergeben §od) Unb geben, ma3 ifm’n nü£et, $ier geittictj unb auch bort. Wmen. (Befaitg* SPtcl. : 2Ber nur ben lieben ©ott läfet toalten. 1. Sft ©ott für mi(t), fo bin ic() frö^tid^ Unb Ija& im Seiben guten 9Jtuttj, Slucfj in bem £obe bin idt> felig 3)urdf) ©otteö ©nab unb $©fu 33tut; ©ott ift für mid), baS meijj idj mobb $>rum bin id) altes £rofteS oott. 2. §ft ©ott für midj im Ungemitter, ©o trifft mid) bod) baS SBetter nidjt; $ft mir baS $reug gteid) ferner unb bitter, ©o bleibt ©ott meine $ut)erfid)t; ©ott ift für mit auftljun ; bu nntft’S wo^t machen. 39, 10. §©rr, wie lange wiUft bu mein fo gar üergeffen? wie lange oerbirgft bu betn 9lntli£ Dor mir? ©o feuf= jen oft fromme bettlägerige ©fjriften in iljren ßtanfljeiten, nadj $f, 13, 1. ©otteS ©tunbe bleibet ifjnen oftmals allju lange aus. 2Benn fie oiele £age, 2Öod)en unb Monate jurüdbleibet, atsbann geljet es bei Dielen nicljt oljne Durren ab. Allein fo weit foU es ein frommer $ranfer niemals fommen taffen, fonbern er fott bebenfen ; 408 35er Äranfe teilt fein Seiben ofyne Durren tragen. 1) ©ott bergigt unb berlägt uns nidEft in bent Seiben, in ber Xrübfal unb ^ranffyeit, benn baS wäre toiber feine SBer^eigung; ob er gmar bedieltet, fo tjarre fein, er ttfut audt> baS $u unferer 0eele Seftem. 2) ©oßte in bent langen Ausbleiben ber $ülfe ©otteS baS ^reug aud) fd^tüerer rnerben, fo foß beSmegen fein Durren entgegen, fonbern man foß fid^ erinnern ber Allmacht, Siebe unb SSarmgergigfeit ©otteS. SSieget man bem $ranfen feine Arpei ab, jagtet man bie bittern tropfen, bie man ignt gibt, fo foHen mir glauben, bag aucg aß nnfer Ereuj fei abgemogen unb abgemeffen; benn ©ott ift treu, ber uns nicgt lägt berfucgen über unfer Vermögen. $)erogalben 3) ift baS Seiben ferner, ift es Dielerlei, mähret eS lang, fo foß es beSmegeu bocg unfer Vertrauen nic^t aufgeben, fonbern man foß unter ftets angaltenbem Seufzen, ©ebet, ©lauben, Hoffnung unb Vertrauen bie ^jülfsftunbe er* märten, £) bu geiliger unb toeifer ®ott, id) fe^e fegt beuten geiligen ^atg unb ^Bitten an mir, bag itg fall biefe $eit unb Söotgen, unb fo lange es bir gefaßt, auf meinem Sette, in meinem ^aufe gubrittgen. 2Boglan, icg toiberfgrecge beinern geiligen ^Bitten nid)t, id) miß nicgt totber bic^ murren, fonbern fagen: Siege, gter bin icg, ber §®rr macge eS mit mir, tote es ignt too^fgefäßt ! t ©ift einfcgenfen. $@rrn 3orn tragen, benn icg gäbe toiber it>n gefünbiget. 9tucg bas bittere Seiben fann meiner Seele nicgt 2>er Äranl« loitt fein Öeiben o£?ne SKurren tragen. 409 anberS beitn Ijeilfam fein, obgleich 3?leifd) unb 23lut baoor einen ^lbfd)en t)at. Du btft mein $ater unb ©ott getoefen t>ott 3ugenb auf, fo mirft bu es jejjjt in meiner tonfljeit aud) bleiben* ©oll id) lange alfo liegen unb leiben, mein ©ott, mad)e es botf) nicf>t gu lange, fonbern gib mir 3umeilen eine ©rquidungsftunbe, barin bu mid) non meinen ©djmer^en befreieft unb mein ßeiben linberft* ©oll id) üiel leiben, fo gib mir aud) oiele Kräfte; bu mei&t ja, mie fd)ttmd) id) bin, unb mie id) nicf>t biel mefyr auSfteljen !ann; greif mid) nid)t gu heftig an, bamit id) nid)t nerge^e, bu meifet rnoljl, maS id) tragen fann, toie’S um mein Öeben ftetje ; id) bin ja meber ©taf)l nod) ©tein, toie halb geltet ein 2Binb herein, fo fall icl) l)in unb fterbe* 2ld), madfje es mit mir, toie eine SKutter mit ifjrem fdjtoacben ^inbe; l)ilf mir tragen, ja, trage mid) unb nimm mid) in beinen 2lrm unb ©djooß. ©oll mein Seiben fernerer merben, als es ift, fo meidje bu nur nidjt mit beiner ©nabcnbülfe unb beinern $eiftanb oon mir; foU id) nod) tnefyr betrübte ^ädfjte fabelt, fo laf$ mid) nur beinen Droft empfinben, bafe bu bennod) mein ©ott, mein Sßater unb mein greunb feieft* toeift mof)l, toenn bu beinen Ambern ßeiben fdjideft, fo toiüft bu fie nid)t ber= berben, fonbern nur 3U bir gieren* ©o gielje mid) 410 2)er firanfe teilt fein Seihen o^ne 2tturren tragen. benn, mein ©ott, burdh biefe ^ranfljeit öon ben böfen ©emol)nl)eiten, k>on ber greube ber SBelt 3U bir, gur Heiligung, gur Sfrömmigfeit, gum §immel unb gur Seligteit Sa, mein ©ott, ob bu mid) gleid) läffeft alfo (eiben, fo mitt id) be£= megen nid)t oon bir fließen ; mein §irte, fü^reft bu midf) ben 2öeg burdh Bornen, bie meinen &eib unb meine Seele oertounben, fo folge id) bir mittig nad). £>at ba3 §au|)t Bornen getragen, fo fönnen bie ©lieber nidjt auf Doofen geljen* 3d) tjabe bid) geüebet, ba bu mir gabft ©efunb= fjeit, ©liidffeligfeit, unb ba bu mir es liefeeft mol)l ergeben; barum toitt idt) bidt> audf) lieben in Äranffjeiteit, in Seiben unb Schme^en; id) toeifj, bu fanttft mir Reifen unb mirft mir Reifen. (Sott hat mid) bei guten £agen Oft ergäbt, ©oEt id) je£t ^ic^t auch etmaS tragen? $romm ift (Sott unb fcfjärft mit SO^a^en ©ein (Seridjt, ®ann mich nid^t (Sang unb gar üerlafjen. 51men. ©efattg* 9M. : 22er nur ben lieben ©ott läfjt teaften. 1. §at bir bein (Sott ein freu;* befdjieben, Unb fließt mit frönen bein (Sefidjt, ©o fei mit beinern (Sott frieben, Unb murre ja bamiber nicht; $aß beine ©ee(e in (Sebulb Unb tröfte bid) beg |)öchften $ulb. 2. ©i et), ber (Sott, ber bid) franf fann machen Unb mirft bic& auf ba§ ©terbebett, 4)em fiitb e$ ja gar (eichte ©adjen, SDafj er btch mieberum errett’t; (Sr machet franf, er mad)t gejunb Sn biefer unb in jener ©tunb. 2)er .traute fdjtcfet ftcfj junt $ertufi be§ ^eiligen Slknbma^Iä. 4 1 i 3. 21dl), murre nid^t, ©ott f>af§ öerljeifien, ©r moß oein treuer 23eiftanb fein Unb bid) au£ aßen SUjtljett reifen; ©iel), biefeä trifft aud? jejp ein; Vertraue ©ott, e§ fommt bie geit, Sßießeidfjt ift feine §ülf ntdjt weit. 4. ®u mitfjt bidj beinern ©ott ergeben Unb fagen: ©ie§e, ^ier bin id), $ir miß id) fterben unb and) leben, 23ir überlaß id) ganglid) mic^; ßftad)^ mit mir in ber 3eit unb Söelt, Sftein SBater, mie e§ bir gefaßt. 5. 2öer atfo offne SDturren traget Unb mit ©ebulb bas» auf fid) nimmt, 2Ba3 ©otte£ Siebe auf iljn leget, $>ent ift bie §ülfe fd)ou beftimmt, 3)er mirb erquidt Ijier in ber geit Unb horten in ber ©migfeit. $er .traute fdjitfet fid) put ©enuf beö ^eiligen Iben&ntahte. 3liifmmttermtg. 2)er 'SERenfdb prüfe aber fiel) felbft, unb alfo effe er uon biefern 23rob, unb trinfe oon biefem $eld). 1 ßor. 11, 28. ©§ foß bißig ein jeher ©fjrift alfo leben, bajj er aße 2lugenbiide felig fterben fönne. ©oß nun alfo ein ge= funber TOettfdj fid) auf führen, mie oiel nte^r ein franfer! ©in Äranfer tfjut bemnad) 1) gar mof)l, baf) er bei bem erften Slnftofj ber ®ranff)eit an feine ©ünben beule, unb fprecfje^ $cl) beule fjeute an meine ©ünben; benn meil um ber ©ünbe mißen ®ranff)eit unb Seiben fommt, unb mer fidj an feinem ©djöpfer oerfüubiget, oft burd) ®rauf= bjeit beftraft mirb, fo muß aud) ber Ironie auf bie SBer- föfjnung mit ©ott bebadjt fein. 2) 25iefe Sßerfößnung aber gefdf)ief)et, menn ber Ironie mit ^Seinen unb im ©lauben ©ott um Vergebung feiner ©ünben anfleffet, unb bußfertig ba£ fjeitige 21benbmaf)l empfängt. 3) $>enn man foß fid) nid^t einbilben, man ftürbe, menn man ba3 ^eilige 2lbenbmaf)f genietet auf bem ®ranfenbette; e§ ift 41 2 $er Ärante fdjidet ftdj juirt ©enujj beä ^eiligen Mfcenbma^lS. ja feine ©petfe gum Xobe, fonbern sunt Seben unb gu ber @eele ©eltgfeit. SDabet ift 4) gu erinnern, bafj ntan mit feiner 23ufje unb bem ©emtb beg fjeütgen §tbenbmaf)Ig nidji märte, big ber £ob auf ber Bunge fi^et, big SSer^ ftanb unb Kräfte meg finb, fonbern man foß halb unb bei Briten bagu tfjun, biemeit man nocf) feinen SBerftanb fjat, biemeit man nod) beten ttttb fitf) mit ©ott öerföfjnen fann. SBirb ftd) alfo ber Sttenfcf) gu ©ott menben non ©runb feiner «Seele, fo mirb er um Sffrifti $©fu mißen in iljm leben unb ©nabe erlangen. (Bebet* §©rr, §©rr ©ott, barmßergig, gütig unb non großer streue, id) armer SCRenfdf) Ijabe mir oorgenommen, mid) mit bir 31t Derfößnen, meine Sünben bir ßerglid) abgubitten, bie id) .geit mei= neg ßebeng begangen; id) miß in beit Söunben meineg 3©fu ©nabe nnb Vergebung ber Sün= ben fudjen, nnb alfo gu einem feligen $lbfd)ieb non biefer Söelt mid) gefaßt rnadjen. ®g l)at bir gefallen, mein ©ott, mid) auf biefeg $ranfen= bette gu legen; metl id) aber nid)t meiß, ob id) baoon mieber gefunb aufftefyen, ober barauf fter= ben toerbe, fo miß id) oor aßen Gingen meine Seele tterforgen, nnb bag Uebrige bir, meinem gütigen unb barmtjergigen ©ott, befehlen, 3d) miß mid) mit bir oerföljnen, meil id) meinen $er= ftanb nod) ßabe, meil id) mid) nod) befinnen fantt, mann id) gefünbiget, mie oft id) gefünbiget nnb mie fdjmer id) gefünbiget; id) miß bid) um 33er= S)cc ftranfe [cfjicfet ftdj 3 um (Senufj be§ ^eiligen 2tbenbma§f3. 413 Reibung bitten, ba id) nod) beten fann, inbern id) nid^t meiß, ob nirf)t meine ^ranfbeit gunefjmen, hingegen mein SBerftanb unb meine ©emütbg= tröfte ftd) verlieren toerben, ba itf) meber beten, nod) an bidE> benfen fann. 3d) meiß ja mobl, mer fid) jurn feligen Sterben bereitet, ber ftirbt begmegen nid)t früher nod) tyäter, fonbent er ber= fdjaffet bielmebr fict) bamit ben größten Stuben; näntlid) biefen, bafj, toenn er gefnnb toirb, er fid) bor ben Siinben bäte, bie er auf feinem £ranfen= bette erfennet unb bereuet bat; unb menn er ftirbt, bafe er berfidjert fei, er fterbe mobl unb bereitet $)iefeg fiub meine ©ebanfen, mein ©ott; id) miß gur ©rlauguug unb $erfid)erung ber Vergebung meiner Sihtben bag ^eilige $lbenbtnabl emßfan= gen, unb fobauu gebulbig, frenbig unb gläubig ermarten, tuie bu eg mit mir madjen mirft. £)eg= megert falte id) in ber $lngft meineg ^er^eng bor bir uieber unb fbredje: $ld), fei beinern Äittbe gnäbig; ad), red)ne mir nid)t gu bie Sünben mei= ner Sugenb unb bie $borbeiten meiner jungen Satire, 2td) §©rr, fei gnäbig meiner äKiffetbat, bie ba gro§ ift, um 3®fu, meineg §eilanbeg, milten. 2ld), mein ©ott, gib ©nabe $u meinem heiligen Sarbaben, berteibe gnäbiglid), bafe td) bag heilige 2lbenbmabl emßfabe gnr $erfid)e= rung, bafj bu mir alte meine Sünben bergibft 414 2)et Ära nie fcflicftt ficfi jurn ©enufj beä fettigen 3IbertbmaE>Iö. Hlfo fomm id) nun and) aHf)ie $n meiner SRottj ge* fdjritten Unb tlju btdj mit gebeugtem ®nie ©on gangem bergen bitten: Vergib mir bod) genäbiglidj, 2Öa£ id) mein Sebtag miber bid) Huf (Srben t)ab begangen* Hmen. 04 c fang* 5DM. : D ©ott, btt frommer ©ott. 1. 3d) miß anjefjo mid) 3um £iebe§mat)le Halfen, Unb $(£fu Seib unb S3tut 3u meinem ©roft empfafjen; Hd), mein (Sott, ftärfe mid), Hd), meidje nidft oon mir, ©afj id) in Hnbad)t3trieb bereinigt bleib mit bir. 2. Vertreibe bodjj üon mir ©ie fünblidjen (Sebanfen, Unb taffe beinen (Seift ©on meinem (Seift nid)t manfen; ©erbinb, mein $@fu, bic^ SOiit meinem ©eift unb Sinn, ©af) idj ber Sieb genieß, ©arnad) id) hungrig bin* 3. ßafj ja nic^tg (£itele3 öejjt meine Hnbad)t ftören; Hdj, taj? mid) ffreub unb Söonn $n meiner Seele fjören; Hd) 3©fu, ftel) mir bei, Hd), bitte bu für mid), ©ring mein (Sebet öor (Sott Unb t)ilf mir gnäbiglidt). 4* Hd), tjeilige mein $erg, Hd), tjeiiige bie Sinne, 9Mn $(£fu, nimm fie ein Unb moljne felbft barintte; Hdj, ntacf) fie aüefammt fRed^t fjeilig, fctjön unb rein Unb lajf fie imnterbar ©ein $au3 unb äöoffnung fein. 5. (Srroed gugleid) in mir ©ie maljre Seelenftiüe, ©ar= au§ bie Seelenfreub Unb malfre Hitbadjt quiUe, ©arin id) fdjmecfen mög, §@rr, beine Süffigteit, ©ie (Segentoart, ben ©roft Unb mafjre Seelenfreub. 6. §ab id) bann beinen £eib SÖaljrtjaftig nun ge= noffen, §at aud) bein tfjeureä ©lut, ©aS bu für mid) oergoffen, ©tid) abermals erquidt, So bleib bu aud) in mir, ©amit id), meil id) leb, Hud) leb, mein §eil, in bir. 7. 3a, lag bie Heiligung, ©ie in mir angefangen, 3um grögern Sidjt unb (Slang ©on ©ag gu ©ag ge= langen; ©u, Siinbenluft, gel) au§, 9J?ein 3©fug gelfet ein, @r nimmt ben ßeib unb Seel ,8u feinem ©empel ein. 2)er Äranfe bittet ©ott um Vergebung ber ©ünben. 415 Ser Sronfe bittet ©ott um Vergebung ber ©imben. Slufmuittmmg. 3$ fd^ulbige midj, unb tf>ue Sufte in ©taub unb 2lfcfye. §tob 42, 6. ©g ift ein feiner unb löblicher ©ebraud}, wenn red£)t' fdjaffene Triften äße Stbenbe tmr ©ott fidj) fteßen unb überlegen, mag fie beg $agg über gerebet, gebaut ober getrau, unb atfo i$n um Sßergeifjung ber begangenen @ün= beu anrufen, unb efje fie fidj gur 9tube tegen, fi(f) mit ©ott oerföljnen. or bei= nen ©nabentfjron, unb bitte bicf) bemütl)tg um Vergebung alter ©üttben, bie id) 3e^ meinet 2eben§ begangen. 9)Mn ©ott, td) mufe geftefyen, bafc id) bid) bi^ljer Dielfältig erzürnet. 3df) l)abe leiber meine gefunben £age nidjt allemal an= gemenbet 3n beiner ©tjre, 3um ©otte^bienft, 3um 2Bad)3tl)um in meinem ©fyriftentfjum unb 3ur gfrömmigfeit, barnm bu and) Urfad)e t)aft, mid) mit Sranfljeit l)eim3ufud)en, bamit idt) in midf) gelje, unb ben 3Jti§braud) meiner ©efunbljeit, nebft ben übrigen or beinern 3tid)terftut)l fott Sftedjenfdjaft geben non einem jeglichen unnü^en 3®ort, ba§ idj gerebet f)abe! 0 mie merbe idt) mit meinen ©ebanfen 2)er Ärartle bittet ©ott um Vergebung ber ©ünben. 417 oor bir befte^cn, meil bn audj ein ^itfjter ber ©ebanfen bift ! Unb fott id) oon meinem gan= gen ßeben, tmn öden meinen SBerfen unb S^^aten 9fted)enfcf)aft geben: ad), mer !ann oor bir be= fielen? $>arum fomme id) oor beinen ©naben= tfjron in gläubiger guoerfidjt auf 3@fum ®btis ftum, meinen §@rrn unb ^eilanb, unb bete: sild), um feiner Söunben mitten erbarme bid) über mid), um feines üergoffenett 93luteS mitten oer= gib mir alle meine Sünben, burd) feinen $obeS= fantpf unb blutigen Sdjmeifs tjilf mir, lieber ^6rr ©ott! 3urd) bein unfdjulbig 23lut, $ie fcßöne rotße glutß, SBafdfj ab aE meine ©ünbe, Eftit $roft mein §er§ oer= binbe, Unb ifjr nidjt me^r gebente, $ng Efteer fie tief oer* fenfe. Einten. ©efattg» 2fteL: 333er nur ben lieben ©ott läfct toalten. 1. 3d) armer ©ünber fomme mieber, Sdf) !eßre um oom ©ünbenpfab, $dfj fall in tieffter ^ernutß nieber Unb bitte ßerjlid) bid^ um ©nab; 2lcß ©ott, ben! nidjt, mag id) get^an, &dj, nimm mid) armen ©ünber an. 2. Etun feß id) erft, mag idl) begangen, füßl ber ©ünbe Elngft unb $ein, Eid), laß mid) mieber ©nab er= langen, Eldj, laß mid) nidjt öerloren fein; Eid) ©ott, ben! nid)t, mag i ä) getßan, Eid), nimm mid) armen ©ünber an. 3. Eid), id} betrübe midf) oon ^jer^en, Eid), fiel) an bein oerirrteg ßinb, $)ag ba mit £ßranen, 9teu unb ©djmergen E3ei bir fid) mieberum einfinb’t; Eid) ©ott, ben! nidj)t, mag idE) getßan, Eid), nimm mid) armen ©En* ber an. 4. Eldf) », beine rottjen EBunben ©inb meine $u= fludjt aEe^eit, iarin icß immerbar gefunben Vergebung, $rieb unb ©eligfeit; Eid), ben! bod) nicßt, mag id) getßan, äcß, nimm mid) armen ©ünber an. 5. $d) miE ein anber Seben führen, Eid), fdjen! mir beineg ©eifteg ©ab, ©in jeber foE nun fel)n unb fpüren, 3)aß icß mid) gang geänbert I)ab; Eid) ©ott, ben! nicßt, mag id) getfjan, Eid), nimm mid) armen ©ünber an. 2)« Äranfe betet bot bern ®enufs be$ ^eiligen 2tbenbma^l«. 419 Ser fronte betet vor betn öemift beb beiltgen Slbenbmablb. Aufmunterung. 35er gefegnete $eld), treiben n>ir fegtten, ift ber rtid^t bie ©emein* fdfjaft beä Sluteö ß^riftt? 35aä 33rob, baä roir brechen, ift baä nidjt bie ©emeinfdjaft be§ fieibeö (S^rtfti? 1 Gor. 10, 16. $)a3 Zeitige 5lbenbmaßt anbäeßtig unb mürbig gu empfangen, foß fidß ein jeber maßre ©ßrift befleißigen; folcßeg fann nun ein Kanter fonbertieß tßun, meitn er fieß oorßer redßt prüfet. $>enn 1) er ift algbann oon aßen §inberniffen befreiet, mobureß fonften bei ber öffent= lidßen ©emeine bie Stnbadßt bigmeiten geftöret mirb; er fann atgbann in Stnbacßt unoerßinbert beharren, menn ißn ©ott oor ©eßmergen unb ©mpfinbungen ber ®ranf= ßeit bemaßret. 2) 35ag ßeitige .Slbenbmaßl gu §aug gu empfangen, foß fieß niemanb ein ©emiffen machen, meil mir miffen, baß 3©fug aßer Orten unb aße Stage mit feiner ©nabe ©egenmart bei ben ©laubigen gu fein ber= ßeißen ßat, 3) ©in Äranfer foß audß gu ber geit be* benfen: oießeießt ift biefeg bag teßte SDZal, baß idß bag ßeitige 2lbenbmaßt empfange, unb begßatb mit einem befto feftern ©ntfeßtuß, im ©tauben unb in ber ^römmigfeit gu oerßarren, fieß öorneßmen. 4) $aben ^fromme ge* münfeßet, baß ißr tepteg S35ort $©fug, ißre teßte ©peife bag ßeitige Stbenbmaßt unb ißr fester ©ebanfe ber am ®reug ßangenbe blutige ^©fu§ fein möge, mie foß fieß benn nießt ein Äranfer freuen, menn er beg einen ©tiictö auf feinem Äranfenbette tßeitßaftig mirb, unb nidßt gmei= fetn, baß gu ben übrigen beiben ©ott ißm bie ©nabe audß geben merbe? 5) SBenn man aber bag ßeitige $lbenb* maßt auf bem ®ranfenbette empfangen mofite, um baburdj mieber gefitub gu merben, fo märe eg ßötßft unredßt, unb ein Slbergtaube. 420 2)er Ätanfe fceiet uoi bau Qkttufj bes ^eiligen SlbertbmaljK. ® ebet. ßiebfter 3©fu, idj) bin 2Bülen§, anfet^t ba§ Don bir eingefe|te &iebe3mal)l, ba id) auf mei¬ nem ^ranfenbette barnieber liege, gu empfangen, meil id) nid)t meifc, mann id) Don ber Söelt merbe abfdjeiben. SDamit id) aber nid)t ol)ne bid) Dor bem ©eridjte @otte3 erfdjeinen möge, fo mitt id) nod), biemeil id) lebe, midi) Don neuem mit bir Der= einigen, auf bafi bu in mir unb idj in bir fei unb Derbleibe. 3d) totH anje|t ba8 fjeilige 2lbenb= mafjl gu §aufe empfangen, unb bin gemijj, baf* bu and) bafelbft mit beiner ©nabe mid) erfreuen unb erquiden merbeft. $ld) liebfter ©eelenfreunb, bu bift ja nafje bei ben ©lenben, bu erfreueft bie ^Betrübten, bu f)ilfft benen, bie ein bebrängte§ ©emütl) l)aben; fo lafe aud) je^t mein §erj er= freuet unb meine ©eele burcfy biefe f)immlifd)e ©peife, burdt) biefen f)itnmlifd)en Sranf erquidet merben. 3d) Ijabe gmar bei gefunben iagen ba^felbe audf) mit ber ©emeine empfangen, aber leiber! nid)t allemal mit foldfjer $nbad)t unb ^tufmertfamfeit, mie e£ mol)l billig fjätte fein follen, meil ber 3Kenfdf)en SBielljeit, ©itelfeit unb mein lüfterne^ 2luge Diele 3krl)inberungen Der= nrfadjen; nun aber foll niemanb meine SKnbadjt ftören, ba id) in meiner ©infamfeit midj mit bir Derloben unb Dereinigen mid. £) liebfter 3@fw, 25et Jtranfe betet bot bem ©enufs beS ^eiligen StbenbmatjlS. 421 ba ify alfo in Ijeiliger 2fnba$t bein Ijimmlifdjeä Sreubenmaf)l auf ©rben galten mill, unb idf) fonft feine 93erf)inberungen labe, ad|, fo fteure ben @d|mergen unb ber ffranf|eit, unb gib mir bie ©rquidung in biefer ©tmtbe, bafe id| unge= linbert unb ungeftort fönne mein 23or|aben roH= bringen* 3>d) oerfünbige anjejt beinen £ob, unb erinnere micf) an bein ßeiben unb Sterben, an betne Söunben unb iadjmergen, an beine 3Karter unb $ßein, an beinen ÄreugeStdb unb an aEeS, ma£ bu für mid| get|an |aft; idj benfe baran unb banfe bir audf) bafür, unb fbredfje: Utun, id) banfe bir öon bergen, 3®fu, für gefammte !ft0t|, für bie ffiSunben, für bie ©djmergen, für ben gerben, bittern £ob; für bein gittern, für bein gagen, für bein taufenbfad|eg Klagen, für bein 2lngft unb tiefe $ein mill id| emig banfbar fein* gdl) erinnere midi) aud£) an bie ©infe&ung beineS ^eiligen $benbma|lS, in meinem bu mid) fpeifeft unb tränfeft gum emigen ßeben; id) glaube bei= nen SBorten, als eines aKmiffenben, aümädbtigen unb ma|r|aftigen ©otteS; id) glaube, bafe id) im ^eiligen $benbma|l empfange betnen magren Setb unb bein maljres 33lut; nämlidjalfo: menn id) bas gefegnete 93rob empfange, fo empfange id) unftcf)tbarer SSeife, o g®fu, beinen magren ßeib, unb menn idf) ben gefegneten 5?eldE> em= 28 422 S)ec Äranlc betet t>or bem ©enufj be§ fjeUtgett 2(benbma^tö. pfange, fo empfange idf) unfid)tbarer 28eife bein mafjrel Sötut. üftun, biefe fjimmfifdje Speife, bie= fer I)immlifdf)e Sranf foU rnid) ftärfen im ©fau= ben, baf$ id) mit ©ott nerfötjnet fei; biefe fyimm= lifdE)e Speife unb £ranf foü midi) tröffen, bafc id) nicf)t verloren fei, fonbern bal emige Seben fjabe; biefe I)immlifcr= fidfjern, bafe id) in beiner ©nabe ftefje, baft id) Vergebung ber Sünbe f)abe, unb mit bir toer= einigt bin, ber bu bift bie SBerföfjnung für unfere Sünben, ja, für ber ganzen SBelt Sünben. SDiefe f)imm(ifdf)e Speife unb Xxant fotf midf) erinnern an bie f)immlifd)e $reubentafel, nömfid) an bie emige greube unb §errlid)feit, mo^u bu midf) nadf) meinem $obe führen mirft. © 5@fu, mei= ner Seele Bräutigam, ^eilige unb reinige midi), bamit idf) all beine 33raut mid) mit bir auf emig nerloben unb vertrauen möge. © meiner Seele £>irte, fü^re bein Sdjäflein auf grüner lue, fpeife mid) mit bem 33rob bei Sebenl, erquidc midf) mit beinern ^eiligen 53lut. lllbann fann ber Satan mir nidf)t fdtjaben, bie Sünbe mid) nidf)t öertfagen unb and) nidjt nerbammen; fjier fjabe idf) ein öotlfommenel ßöfegelb für meine Sünben, meldfjel bu am Stamm bei Grengel für midf) bellet fjaft, baburd) bin idf) geregt, baburd) bin idf) felig. 2>er Ärartfe Betet Bor bem ©emifj beS fettigen 3tbenbmß$t8. 423 Stdj, roie hungert mein ©emütlje, SJfenfcfjenfreunb, nad) beiner ©iite! Siel), mie pfleg id) oft mit frönen SJftd) nadj biefer Äoft 31t fernen! mie pfleget rnidj ju bürften Stad) bem £ranf be§ ßebenöfürften ! 2BünfdE)e ftetö, bajs mein Gebeine ©id() burdj ©ott mit Q5ott dereine. Simen. <&ef attg, 9J?et. : Sittein (Sott in ber £>Ölj fei ©fjr. 1. 0 aEerliebfte3 ©eelenpfanb, 2)em nic^tö an §ot)eit gleichet, Unb roeld)e3 oon be§ |)Ddjften |janb ÜMr je$t mirb bargereid^et ! £)er ©eele allerl) öd)fte$ ©ut, $)e§ §©rren 3©fu Seib unb 23lut, SSitl id) jeputtb empfangen. 2. ®er ©ott bet Siebe liebet rnid), 4)bd) bamit biefe Siebe Sftedjt fjerrlid) offenbare fid) Unb mir dor Slugen bliebe, ©o gibt er biefeä ^fanb babei, er mit mir der* bunbeit fei Unb emig bleiben motte. 3. i)ie3 ^Sfanb derfid)ert rnidj aufs neu, 3)afj alle ©ünb dergeben Unb baß mir ©ott genäbig fei, $)afj id) tjinfort foff leben $n feiner Siebe, ^ulb unb ©nab, ®ie er mir jettf derfiegelt f>at $)urdj biefe ©eelenfpeife. 4. $a, biefeö Sßfaitb derfidjert micf), $)afj id) foß auf- erfteljen Slnt jüngften Xage feliglidj Unb ju ber 0rreub eingetjen; SBeil id) bie§ *ßfanb empfangen fjab, ©o bleib icf) nidjt in meinem ©rab, Sßenn id) im ©lauben fterbe. 5. ©ott Sob unb $>anf, ber rnidj gefpeift Unb Ijerrlid) tjat getrautet, 2)er foldje ©nabe mir ermeift Unb felbften fid) mir fc^eufet; $5em fdfjenf xd) mid) fjinmieberum Unb bleibe nun fein ©igentfjum $m £ob unb au cf) im Seben. 6. §©rr $®fu, bir, bir lebe id), 2)ir, bir mitt id) and) fterben, 3dj bin gemifj, bu nimmft aud) rnidj 9hm an ju beinern ©rben, Büro ©rben t)ier in biefer Beit, 3um ©rben bort in ©ruigfeit; ©o fterb idj ja mit greuben. 424 Ser ßrattfe betet nach bem ©enufi be3 heiligen Slbenbma^tS. Ser Srattfe betet itadj bem ©eitufi beb heiligen tlbenbmablb. Stufmunterung. 3«h lebe aber; bodh nun nicht ich, fonbem GhnftuS fc&et in wir. $)enn roaS ich jefct lebe im ^leifch, bas lebe ich in bem ©tauben beS ©ohnä ©otteS, ber mich getiebet h«t> unb ftdh felbft für mich bargegeben, ©at. 2, 20. ©leidjroie ein magrer ßfjrift adegeit ©ott ^erätid^ gu banfen Urfadje Ijat, menn er baS Zeitige $lbenbmaf)l em* pfangen, mie oiet meljr foCC ein Äranfer ©ott non ©runb beS ^ergenS (oben, menn er baSfelbe mit gutem Berftanb Ijat genießen fönnen. hierbei aber ift gu erinnern, 1) bafj man fid^ nidjt einbilbe, auf ba$ ^eilige $lbenbmal)l änbere e$ fid) mit bem Ärattfen; ja, es änbert fid^ mit feinem Seelettguftanb, menn er eS mürbig empfangen, nämlidj er erlanget Vergebung ber Sünben unb Trieben mit ©ott, er gelanget in bie genaue ©emeinfdjaft mit $©fu; bafj aber baS ^eilige Slbenbmaljl eine Beränberung öerurfadje in ber ßranfljeit, bagu ift eS nidjt eingefept, baoon Ijaben mir audj feine Berljeifmng. Saturn 2) foll es audj fein ftranfer empfangen, bamit er fefje, ob er gefunb merben ober fterben foüe, meil biefeS ein SÜtijübraud) ift, fonbem er foti eS gebrauten gut Stärfung bes ©laubenS, gur Berfidjerung ber Vergebung ber Sünben, ber ©nabe ©otteS unb ber Seele Seligfeit. §at er eS alfo em* pfangen in ber Drbnung, mie eS (£(jriftuS eingefefct, fo ^at er 3) ©ott bafür gu preifen, unb mit ftiflem $ergen unb gläubiger Seele fidj ©ott gu ergeben. SBenn man im Kriege baS Befte in Sidjerlfeit gebraut, fo ift man gu* frieben; unfere Seele ift baS S3efte, l)aben mir biefe burdj maljre Bu&e unb Bereinigung mit S@fu ©Ijrifto in bie §änbe ©otteS empfohlen, fo finb mir oerfidjert, ©ott merbe es audj moljl mit bem Seibe rna^en. 35er Äranfe betet nad) bem ©ertufi be§ ^eiligen Slbenbma^Iä. 425 Ü0£ein 3©}u, mid) fyat fjerglid) berlanget, bog Ijeilige 2lbeubmal)t gu empfangen, e^e benn id) ftcrbe. üftun, biefeg Verlangen ift mir fe|t er? füllet unb geftiHet morben; bn t)aft mid) gefpeifet unb getränfet mit beinern ^eiligen ßeib unb *8lut, bofür preife id) bi(f> bon ©runb meiner Seele. 3d) liege tjier auf meinem 5öette, babon icf) burd) beine Mmadjt mieber auffommen, aber barauf td) aud) fterbcn tann, memt eg bein ^eiliger 3Bitte alfo ift; barum Ijabe id) mid) bereitet, meine Seele ift nun gettefen, nadjbem idj mit 3@fu bereiniget bin; fa, id) tnid nun gerne fterben, nad)bem id), o gu ber genaueften ©emein= fd^aft mit bir gelanget bin. ßobe ben |)©rrn, meine Seele, unb bergife nid)t, mag er bir ©uteg getljan l)at. §@rr, nun laffeft bu beinen 0te= ner in ^rieben fahren, benn meine klugen l)aben beinen §eilanb gefeljen. 0 3®fu, lebe in mir, fdjenfe mir einen gelaffenen äRutl), dfjriftlicfje 3«= friebentjeit unb eine bir gang ergebene Seele, ©rfjalte mid) beftünbig bei ^eiligen unb guten ©ebanfen, unb ta§ bein lieblidjeg unb füfceg 2ln= beuten immer in meinem bergen fein. SBiUft bu midi), o ©ott, nun burd) ben $ob bon biefern ßeben abforbern, fo gefd)ef)e bein 2öide. 3d) meifj, meine Sünbe ift mir bergeben, barum barf 426 Ser Äranfe Betet nad) Bern GSenujj beä ^eiligen 2I6enbma$fö. id) mid) nid^t fürchten, oor bid) gu treten; benn mo Vergebung ber @iinben ift, ba ift and) £eben unb «Seligfeit. 3d) meig, ,3@fu§ bat mir feine ®e= red)tigfeit gefd)enfet; menn id) in biefem @d^mucf unb @b renfteibe öor bid), 0 ©ott, fomme, fo mirft bu mitb um berfelben mitten oor bem ©erid)t frei unb lo§ fpred)ert. Sfom id) bin geredet morben burd) ben ©tauben, fo t)abe id) Triebe mit ©ott burd) unfern §®rrn 3@fum ©bjriftum ; burd) tbn ift mir ber §immel unb ber Zugang Bu ^em ©ttabentbron eröffnet. 3d) meif$, ,3©fu3 ift mein tJürfpretber bei ©ott, id) fterbe in ber ©nabe ©otteg, in bem g^^ben mit ©ott; id) bin oer= fidjert beä 53eiftanbeg be3 ^eiligen ©eifteS. @0 bin icb felig, fo fterbe id) felig, fo gebe id) felig au£ ber 2Bett unb merbe aud) emig felig fein. $)ie3 ift eine grof$e Söobltbat, bie bu mir, 0 ©ott, an meiner ©eele erzeiget ^aft, bafc icb FM bei gutem Sßerftanbe biefe§ btrowttftfF ßiebe^mabl mit $@fu habe galten fönnen; biefe bintmlifd)e @peife ftärfe unb erhalte mid) in mabrem ©lau= ben gurn emigen Seben. @0 ift benn aud) mein SBunfd) erfüllet, baf$ meine Steife oor bem 2lb= fterben and) möge ba£ 2lbenbmabl fein. Verleibe mir aud), baf$ mein lebtet 2Bort, ba3 i(b auf ber Söelt rebe, möge 3®fu3, unb meine lebten ©ebanfen, bie icb baK auf <3@fu $lut. 35er Ärante betet nactj bem ©enujj be§ ^eiligen 3l6enbtna§I§. 427 £ob, Seiben unb Sterben unb auf fein J)etUge§ SBerbienft gerietet fein; fo toeifc id), bafc td) fröb= lid) unb feltg leben unb fterben merbe. 3ft ©ott für un£, mer mag mtber un3 fein? $a, mer mitt mtd) fdjeibett non ber Siebe «3©}u? 3d) laffe i^n nid)t, bt£ er mid) bringet gu ber ©emeinfcbaft ber ^eiligen unb 2lu§erttmf)item ©ei Sob uttb fßretS mit ©breit ©ott SSater, ©obn, §ei= tigern (Seift! $)er moE in utt§ oermebren, 29$a§ er uns au£ ©enab oer^eißt, $5afj mir ibm feft oertrauen, ©ängtidj uns taffn auf ibtt, $Bon bergen auf i^u bauen, 3)af} unfr §erg, äjiut^ unb ©itttt $but feftigtid) anbangen; SDrauf fingen mir gur ©tunb: Stmen, mir merbn’3 erlangen, ©laubn mir aus ^erjenggruub. Simen. ©efaitg, 2M. : ©djmütfe bidj, o liebe Seele. 1. 9hm ift meine ©eet gefpeifet, 3)afür fei mein ©ott ge:preifet; 9Rit ber ©peiS ift mir gegeben ©nabe, ©egen, Sirfjt unb Seben; 3©fug t)at fidj ü)r gefebentet, ©ie bat ficb in i^n oerfenfet, ©ie bat feine Sieb empfunben, Q ber füfien ^reubenftunben! 2. SDiefeö mar auch mein Verlangen, $©fum fetig ju empfangen; 9hm empftnb icb 9tub unb ^rieben, 3©fu 9teid) ift mir befc£)ieben ; 2öie bod) ift mein §er§ geebret, 2)a mein $©fit3 eiugcfebret, 2)a er in mein §er5 ge= fommen Unb bie Sßobnmtg ba genommen! 3. ©t foE auch mein §er§ regieren, ©3 mit Siebt unb fftedjt auSjieren, ©eete, ©eift unb aEe ©innen, Söorte, SBerfe unb beginnen ©oEen ftet£ in aEen Gingen, 2Ba3 mein $©fu§ raiE, ooEbringen; $cb miE nid)t§ mehr tbun unb benfen, $d) miE 3©fu ganj midi fdjett!en. 428 SDet traute betet, wenn ec Strjnet gebrauchet. 4. $)urdj if)n will iß) fettig werben, 2)afj iß), weil ißj leb auf ©rben, mein ©eift, fammt @eel unb Seibe, 9Jlit if)nt feft bereinigt bleibe; ©r foß meinen ©eift burß)= bringen Unb baburdj miß) babjin bringen, SDag iß} wie ein wahrer 3tebe $n iljm wie ein SBeinftoß lebe. 5. $©fug, $©fug foü miß) ftärfen, £)af) in meinem f£l)un unb SBerten $ß) beförbre feine ©l)re, @onften aber nidjtg begehre Unb bem Sßöfen wiberftelje, $m ©eljorfam ifjm nadjge^e. $©fu, aß), laf) mir'g gelingen, Sßtiß) nie! ©laubengfrüßjte bringen. 6. 2lß), lafj boß) in folgern (Stanbe Zeigen meine ßebengbanbe, 5(ß), lafj miß) in folgern Seben deinen ©eift bereinft aufgeben; Safe in meinen £obegftunben 90Hß) feft fein mit bir berbuttben; Sllfo tann iß) felig fter- ben Unb bag $reubenreiß) ererben. 2>er tränte Betet, toemt er Slrjnet geBraudjet. Stuf nt tut teruttg. $ffi jemanb Iranf, ber rufe ju fidb bie 2lelteften oon ber ©emeine, unb laffe fie über fid) beten, unb falben mit Dele in bem 9iamen beä §@rrn. Unb ba§ ©ebet be§ ©laubenö wirb bem Oranten helfen, unb ber §(Srr wirb ihn aufrid)ten; unb fo er h«t ©ünbe getf)an, werben fie ihm oergeben fein. $ac. 5, 14. 15. ©in anbäd)tigeg ©ebet ift allezeit nötljig in gefunben Xagen; warum faßte eg ein trauter bergeffen, fonberliß) wenn er Slrgnei gebraust? 2ßag bie 51r§nei unb beren ©ebraud) anlanget, fo foß ein Äranter 1) ben Slrgt unb bie Slr^nei nic^t beraßften, unb niß)t benten: wenn iß) gefunb werben foß, fo fann miß) ©ott ol)ne Slrgnei gefuitb rnaßjen, unb wenn iß) fterben foß, fo wirb mir bie Hrjnei nic^t Reifen, 9tein ! aifo foß man niß)t beuten, benn bag Reißet ©ott berfußien; ©ott l)at nid^t berfjeifjen, ung offne Mittel gu Reifen; wag ung ©ott niß)t berl>ei§en l)at, bag $>er ßranfe betet, toenn et Strjnei gebrauchet. 429 !öttnen mir and) nicht don ihm forbetn. 2öeld)e bie nei derad)ten, itnb aljo fterben, bie finb Sftörber an ihrem Seibe. 2) $)odj foE man fein Vertrauen nicht auf ben Slr^t unb bie ^Ir^nei fe£en, fonbern auf ©ott; mie benu unter bie ©iinben be3 $önig§ SIffa and) biefe3 ge^ätjtet mirb, bafj er in feiner Äranftjeit nic^t ®ott, fonbern bie Herste gefuchet, unb ihnen mehr benn ©ott dertrauet habe, nact) 2 (Stroit. 16, 12. $>arum 3) foE ein ®ranter bie ^O^ittetftra^e ermäßen, mit feinem ättunbe unb |jer3en foE er beten, unb mit feftem Vertrauen auf ©otteä §ölfe bie ^tr^nei ergreifen, unb fie alfo gebrauchen; auf fotdje SBeife weift er, baft fie ihm toirb gefegnet fein. <& eb e t* 0 bu großer @ott, bu fieljeft ben guftanb, barin id) ftefje, benn dor beinen adfefyenben klugen ift gar nic^tö verborgen; bu fiefjeft in bie der= borgenften SBintel, bu fiefyeft and) auf mein Sranfenbette unb meif$t, mie mir je&t gu 3J?utf)e ift. yid), mein @ott, id) miü bie mir derorbnete $lqnei in beinern ^tarnen gebrauten, meine ein= gige Hoffnung aber fielet auf bid), benn bu bift ber §@rr, unfer 2lrgt. ,3ebod) tneil bu läffeft trauter au3 ber @rbc madjfen, unb bie ^Ir^nei* mittet fetbft erraffen tjaft, metd)e ba fotten gur ©efunbtjeit ber ÜEftenfdjen bienen, fo mitt id) an- fe&t bergteidjen unter tjer^idjer Anrufung beineg Üttameng unb mit ©ebet aud) gu mir neunten; ad), lege bu felber ben Segen hinein. ^ar ^eife id) mot)t, baft bu ohne Wr0nei Reifen unb gefunb 430 2)«r Äranfe betet, tceitn et 9trjnei gebrauchet. mathen fannft; bentt toenn bu nur ein 2ßort fbrithft, fo toirb ber Trante gefunb, uttb menit bu nur minfeft, fo mufj bie ^ranfheit meidjen; allein meil bu un§ l)aft and) bie Mittel gu ge= braunen befohlen, fo ttntl id) in biefer Drbnung mid) berfelben bebietten, unb bitte bith, o großer ©ott, fegne bie 2lrgnei, bie id) jetjt in beinern tarnen unb im feften Vertrauen auf bith em= bfange ; lafj fie mir gebeten gur ©rftattung unb SBiebererlangung meiner ©efunbtjeit, gur ßinbe= rung meiner ©d)mergen unb auch gur ©rquidung in meiner ©thmathheit. ©brithft bu beinen ©egen bagu, fo mag and) ba§ geringfte Kräutlein mir Reifen, Ja, $raut unb ^flafter hilft unb heilet, menn bein ©egen^mort babei ift* 3d) nehme bie Wrgitei nid)t, bie ©efunbheit gu ergmingen, fon= bern al§ ein Mittel, ba£ bu mir erlaubet haft, bie ©efunbheit oon beiner gnäbigeit |>anb mie= ber gu erlangen. Sd) hebe meine Wugen auf gen §immel, toenn id) bie Wrgnei mit ber §anb faffe; ith feufge gu bir öor bem ©ebraud), in bern ©e= brau(h unb nad) bem ©ebraud), SBenn bu fie nun mir anfdjlagen laffeft, fo merbe id) mieber genefett, benn meine £age ftehen in beiner §anb. 0h«e beinen ©egen fann unb mag Ja nid)t§ ge= beihen, barum ith, o ©egeng=©ott, um ©egen gu bir fdjreie; mag bu, |)©rr, fegneft, bag ift ge= ®er Äranfe &etet, trenn er 2lrjnei gebrauchet. 431 fegnet emigltd). SBirft bu burd) bie Wrgnei mir Reifen, fo mift id) ^mar für btefe§ btr ber^id) bauten, aber and) bebenfen, baf* mid) nid^t ßraut unb Sßflafter, fonbern beine ©nabe erhalten unb beine £>anb gebettet bat, nnb mitl mit §i£fia bein 2ob bei febermann au^breiten. §ör unb öernimm mein ©djreien, $)u aller* liebfteg SSater^erg ! 2öoHft alle ©ünben mir üergeiben Unb tinbern meineg §ergeng ©djmerg. Gsrbarme bitär! unb ßinbrung finben. 432 2>et ÄratiEe bittet um Sinberuttg ber Sd^mcrjen. 5. 2)ir miÜ idf) mid) gang ergeben, £ob unb Seben fteßt bet bit; «Soll \ti) annod) länger (eben, 2Bie bit miÜft, gefdjeße mir; $n bem ferneren Seibegfcßmerg SBeiß id), baß bein SSater^erg -iftacf) bem SBeinen, ©eufgen, ©freien 9fticE) bom Seiben mirb befreien. Ser Sranfe bittet um Sinberung ber Sdjmerjen. Slufmunteruug. 9Benn idj fdjon rebe, fo fronet mein ber ©djmer^ rtidfjt ; laffe td)’3 anftefjen, fo geltet er ntd)t non mir. §iob 16, 6. $>ie ^ranfßeiten unb ^uftänbe beg Seibeg, in meldje ©ott einen -Jßenfdjen gerätsen (äffet, finb nidjt einerlei: ©fließen fdjidt ©ott eine Äranfßeit gu, babei ißnen fein ©lieb, ja, fein Ringer meße tßut, ©fließe aber merben mit graufamen ©cßmergen ßeimgefueßet, mie foleßeg bie ©r* faßrung teeret. SDiefeg fott ung erinnern: 1) menn man beten, ©ott ertennen, unb fidj mit ©ott berfößnen miÜ, baß man eg fein in Beiten tßue, unb nirfjt marte, big man franf mirb, mie ©tracß fagt: ©pare beitte 23uße nid)t, big bu franf mirft. 3)enn mie mitt man in folgen heftigen ©eßmergen beten, an ©ott benfen, fid) mit ©ott ber= föhnen? foleßeg leiben bie großen ©dßmergen nidjt. Söirb aber ein $ranfer bon ©cßmergen angegriffen, fo foü er 2) begmegen nicßt miber ©ott murren, fonbern aüeg in ber ©title unb mit ©ebulb anneßmen. $)ocß aber 3) barf er moßl um Sinberung bitten, mie auc^ ©ßrtftug in feinem Seiben getßan ßat. ®inber fragen ben ©Itern ißre Sftotß, roarum nicßt ein ®inb ©otteg? $n ben großen ©dßmers gen aber fod er 4) benfen an feine große ©ünbe, bie er Beit Sebeng begangen, unb erfennett, baß eg moßlber= biente ©cßmergen finb; er foü aber aucß benfen an ©ot> teg große Söarmßergigfeit unb an feine große Slttmacßt, nadß metcßer er ißn babon befreien fann. ®ann er 5) in folgen großen ©dßmergen nicßt biel unb lange beten, fo $et Ärante bittet um Sinterung bet ©djtnerjen. 433 feufee er gu ©ott, unb tuiffe, bajj foldje furge ^jer^enä* fcufger ttid)t toerben unerhört bleiben. 6) Ungebulb aber iinbert bie ©t^mergen ttidjt, fonbern madjt fte itodj größer. (Hebet* §@rr, Ijöre mein ©ebet, oernimm mein Qflefjen, mein ff Önig unb mein ©ott, benn id) mill oor bir beten. 9ld), id) töiH beten unb bitten, bu motteft mid) in biefer meiner Seibe£fd)ttmd)ljeit in ©na= ben anfefyen, unb meine Sdjmer^en unb mein grofjeS Seiben Hnbern. £>u fjaft ja oerljei&en, bu motteft mä nid)t laffen oerfudjen über unfer Vermögen, fonbern madjen, bafc bie SBerfudjung fo ein ©nbe gemimte, baf$ mir'g tonnen ertragen. 2ld) fiefje, mein ©ott, bie Saft mirb mir faft gu ferner, bie ^tbmergen nehmen iiberfjanb, mein Seib ift matt, meine ffräfte fjaben abgenommen, meine ^unge Hebet ön ^em ©öurnen, meine ©e= beine finb oerbrannt, mie ein $ranb, ba£ ©efid^t bergest mir, ba& id) fo lange mufc Darren auf meinen ©ott. 2ld) mie lang, ad) lange ift bem bergen bange, unb oerlangt nad) bir ! Ser^ielje nidjt, mein ©ott, bu erfenneft, mie mefje mir ift. ©u meifjt ja, bafc ber betrübten $age unb üftäd)te fd^on finb oiete gemorben, bu Ijaft felbft gehört mein $ed)3en, @euf^en, fflagen unb freien. 2So foH id) l)in in meinem @lenb unb in meinen @djmer3en? Sldj, roo fott id) f)in? mo meifj id) 434 $et Äcaitle Bittet um Äinberung ber SdEjmerjen. ßin? mo tarn id) l)in? al§ nur gu bir allein, bem §@rrn, meinem ©ott! 2Öenn id) allen 3Jienfd)en meine Sftotlj flagte, mürben fie moljl mit mir SDütleiben Ijaben, aber mid) bod) nid)t erretten, 0arum fomme id) 31t bir, idl) meiß, bu fannft mir Reifen, e3 fielet bei bir, fprid) mtr ein 2öort, fo merbe id) leben. 0 liebfter 3®fn, ber bu bem tobenben äfteer l^aft befohlen, fid) gu legen, ad), ad), befiehl aud) meinen Sc^mer^en, baß fie fid) legen muffen; ber bu beit ©id)t= brühigen mit einem SSorte geßeüet ßaft, laß aud) beine ^öarm^ergigfeit an mir groß merben. ©rquide mid) bot^ mieber, ttad)bem id) fa lange gelitten unb fo oiele^ auggeftanben l)abe. 2ld), fomme p. mir mit beiner §ülfe, eße mid) ber @d)mer3 gar auf reibet. Unb foU id) ja nadj beinern Satf) nod) langer ©djutergett leiben, fo laß mid) bod) in beiner ©nab alg mie ein @d)äf= lein meiben, baß id) int ©laubett unb ©ebttlb ermarte meinet SSaterg §ulb, bie meine 6d)mer= 3en füllet. 2ld), lege beine ©nabenlmitb auf mid), fo merbe id) gefunb unb öon ©djmeqen befreiet. ber $£iefe rufe id), §©rr, 311 bir, laß beine Dljren merfen auf bie stimme meinet Sle^ett^; meine @eele märtet auf ben §®rrn unb auf feine §ülfe, öon einer 3Korgenmad)e big ^ur. anbern ; benn id) meiß, bei bem §©rrn finbet man §ülfe. £et Äranfe bittet um Sinberung ber 6djmerjejt. 435 fnlf mit, ©ott meinet §ei(g, um beirteg SRameug mitten, errette mid), uttb vergib mtr meine Sünbe um beiner ©üte mitten; bod) nid)t uad) meinem, fonbertt uod) beinern ^Bitten. ‘Sott id) Sdjmer= jen nod) länger trogen, fo gefdjefje bein SBitte; gib mir nur Kräfte, bafe id) e3 au$ftef)en föuue. ©ib mir, mein ©ott, ^umeüen einen SRafttag, bo id) mid) mieber erquide, ober bod) eine 6tunbe, barin id) mid) erhole, Unfere $rübfal ift ^eitlicf) uitb leid)t, barum m ad)e bu mir meine St^mergen leister unb befreie mid) enblid) banou. Hd) ©ott, erpr mein Seufzen unb SSepIogen, Saft mid) in meiner sJiotf) nid)t gar oergagen; Xu meifit mein ©dimerg, ©rfennft mein &erg, fiaft bu mir’3 aufgelegt, @o f)itf mir^ tragen. Hüten. ©efattg* 9M. : D ©ott bu frommer ©ott. 1. Heb, mein ©ott, hilf wir bod), Xu fiebeft, mie mir’3 geljet, Heb, bir ift tnobl bemüht, 2Bie fdjtecbt e3 um mich ftebet; Xu tueifjt ja meinen ©d)merg 59tebr, als id) fagen fantt, Xrum hilf wir gnäbiglicb, @onft iffS um mich getbau. 2. Heb, mein ©ott, plf wir boeb, Huf bidb ftep mein Vertrauen, Heb, lab wich beine gülf 9Jtit $reuben halb recht flauen; Xu bift% ber £ntlfe leifft, Sa, bu bift’3 gang allein, Xrum fteCte bieb boeb halb $u meiner §ülfe ein. 3. Heb, mein ©ott, pl? wir boeb, 3u wem foü id) fonft fliehen, Söenn bu mir beine ©nab Unb §iilfe miHft entgieben? ©emifj, icb weidje nicht, Sd) taffe nicht non bir, 58i3 bu mir auä Unb uimmft bie 9iotb non mir. 436 35er Jtrcmle feufjet, (Sott tooöe i§n nid&t Oer taffen. 4. $tdj, mein ©ott, Ijilf mir bodj, $dj weiß, bu lannft midj retten, 2)rutn woEeft bu eg tfyun 3n biefert meinen SRötfje n; 2)u fannft eg, bu bift ©ott, $)em nidljtg unrnög* lidj ift, tu wiEft eg, weil bu aucfj Sugleidj mein S8ater bift 5. 2ld), mein ©ott, Ijilf mir bodj, tafj idj bein ßob ergeben Unb bidE) audj greifen mög, Wieweit idj werbe leben, Unb fageu attegeit: ©etroft! ©ott lebet nodj, Unb wäljrt eg nodj fo lang, @ielj, mein ©ott Ijilft mir bodj. ®cr fronte feufjet, ©ott motte ijn nidjt oertoffen. Slufmutiteruttg. Sion fpricfjt : fDer §@rr fyai rnief) oerlaffeit, ber £@rr t)at mein »et* geffen. Hann aud£) ein 2öeib ifjreä ÄinbleinS oergeffen, baft fie ficff nic^t erbarme über ben ©ot)n i^reö Seibeä? Unb ob fie beäfelbigen oergäfee, fo min idj bodj bein nict>t oergeflen. ©iefje, in bie §änbe fjabe idfj bidE) gejeid^net. $ef. 49, 14 — 16. SSerurfadjet eg bei einem Firmen eine große gfreube, einen reifen äöofjltljäter ju Ijaben, bei $ertaffenen, einen ftarfen 93eiftanb gu ftnben, fo fann audfj ein ®ranfer große £$rreubigfeit Ijaben in feiner ßranfljeit unb in feinem Sei* ben, meil er bie Sßerljeißung ßat, ©ott wolle ifjn nidfjt ber* laffen. hierbei aber foE er merfen, 1) baß ein SSerjug ber $ülfe nidljt ein SSerlaffen fei; benn ntandfje Äranfe, wenn ©ott nidjt gleicfj unb nac| ifjrer 9tedfjnung halb Ijilft, fo fdjreien unb fpredjen fie, ©ott tjabe fie oerlaffen. StEein fo foE man nidjt benfen; $ülfe, bie er aufgefdjoben, Ijat er brum nidjt aufgefjoben; Ijilft er nidjt §u jeber $rift, ^ilft er bodj, wenn’g nötfjig ift. ©g foE ein Äranfer 2) bebenfen, ©ott fjabe feine |>ülfgftunbe beftimmt, in wetdjer er Reifen wiE, bodfj big biefelbe anbridjt, foE er gebulbig warten, ©r foE 3) bebenfen, ob er in gefunben tagen audEj nidfjt ©ott oerlaffen fjabe: wag wäre eg benn SBunber, wenn itjn foldfjeg ©ott jeßt embfinben ließe? hieran aber wiE ifjn ©ott erinnern burdj ben SBergug ber öerfpro dienen £jülfe. $)arum bleibe ber ®ranfe 4) babei, 3)er firanfe feufjet, ©ott tuoße i^n nidjt öerlaffen. 437 bafj er im (Stauben fage: (Sott fann mid) nid^t üertaffett, id) bin fein $inb; (Sott miß mich nidjt oertaffen, er f»at mir’S üertjeifjen; (Sott mirb mid) nidjt oertaffen, er tjat mir üor btefern fdjon oftmals geholfen. Söirb er fidj atfo in (Sott faffen, fo mirb er ben ^ßergitg ber $ütfe in (Se- butb leiben, unb etiblidj fjerrtid) fetjen, bafj er oon (Sott nidjt fei oertaffen rnorben* (Sehet. 0 bu atlertiebfter (Sott unb $ater, ber bu mid) je unb je geliebet, unb au§ großer Siebe gu bir gezogen ! @ief)e, id) armer ffranfer fomme 3u bir, unb bitte bid) bemüttjig, bu molleft mid) jejü; nidjt oertaffen in meiner Seibesfdjmadjljeit 0u meifjt ja, mein ©ott, baß otjne bid) mir nidjt fann geholfen merben. 0u bift ber SJRädjtige in ^afob, ber ©djujj Sfraetg, bie Sufludjt btx 93e= trübten, ber Reifer ber ©lenben, ber 33eiftanb in ber ^ottj* 0er §@rr ift mit mir, barum fürste td) mid) nid^t ; er mirb fidj aufmadjen unb über Sion fid) erbarmen, er mirb mid) in ©naben an= fetjen, üIRenfdjeu fbredjen: 3d) fann euch nidjt tjelfen; unb fo bin id) ja oon alten ^enfdjen oertaffen* 0od) id) meife, bafj id) nidjt oon bir oertaffen bin; benn ©ott oertäjjt ja feinen, ber fid) auf itjn oertäfjt, er bleibt getreu ben deinen, bie itjm oertrauen feft; läfjt fidj’3 an munberlid), lafj bu bir gar nid)t grauen, mit ffreuben mirft bu flauen, mie ©ott mirb retten bid), Wdj, mein 29 438 33er Äranfe feufjet, ©ott t»oKe t$n nidjt berlaffen. ©ott, Oerlaß mid) nic^t, fielje bod), mie mein £ei= bett fd)on lange müßtet $lm Wbeitb bente id): borgen mirb e3 beffer merben, unb am Mittag fehlte id) mid) fd)on mieber nad) bem 2tbenb; ja, in ber SRad&t rufe id) oft: £>üter, ift bie !^a(f)t ßßier ßin? SKeine Seele märtet anf bidt) oon einer 3J?orgenmadf)e bi§ gur anbern. $dt), mein ©ott, oerlaß mid) nicßt, fieße bod), mie mein £ei= ben immer fernerer mirb; ad(), laß mid) bod) bie Saft nid)t gar erbrüden, nimm meg ben Stein, ber anf mir Heget, bie Sftutße, bie mich fdjläget, bie Stßmergen, bie midf) plagen* $)u tenneft Ja meine fd)mad)en Kräfte moßl, mie oiel idt) au£= fteßen fann* ÜDton ©ott, oerlaß mi(ß nidjt, fieße bo<ß, mie mein Seiben gar mannid)faltig ift; eg fdjehtet, alg ob fidß bie £rübfal nitßt oerringere, fonbern oielmeßr oermeßre. 2Bo foü id) benit ßin, menn bu mi<ß oertaffen miüft? SBittft bu mir nid)t ßelfen, fo !ann mir feine ©reatur ßel= fen; miüft bu mid) oerlaffett, fo bin nnb bleibe id) oßne §ülfe, Wüein id) meiß, bu oerläffeft rnidß nid)t, id) ßalte bir oor bcine SBerßeißnng, ba bu gefprocßen: 3$) mitt bicß nid^t oertaffen, id) miü bid) näßt oerfäumen. $>ie auf ben §@rrn Darren, mcrben nicf)t falten, fonbern feft bleiben, mie ber $erg $\on. $)er §elb in Sfraet ßat eg oer= fyrotßen, er mirb feinem $olfe Alraft geben, nnb Ser Jtranfe feiltet, ©ott toolle i^n nidjt öetlaffen. 439 ben ©lenben, ber feinen Reifer bat, erretten, nnb ben Seelen ber Firmen gnäbig fein, üftun, nuf bein Söort traue id), nnb baffe, bu mirft beitte $ufage treulich galten im §immel. ®u fannft miib nid)t neriaffen, benn icb bin ja bein $inb ; bin id) bod) bein ererbtet ©ut, ermorben burd) bein tbeures Slut; id) bin bein ©igentbum, barum toirft unb fannft bu mid), bein $inb nnb @igentf)um, nicht neriaffen. 3d) bin nerfitbert, bu mirft mid) nid)t neriaffen ; bu fyaft mid^ nod) nie nerlafjen in meinen Seiben unb £rübfalen, ba mid) Seiben ohne 3°bf ergriffen bitten, ba bie SOßeÜCen ber £rübfal über meinem Raupte 3ufammenfd)lugen: fo toirft bu e3 biegmal and) nicht tbun. darauf gebe id) mich ^ufrieben, bar= auf neriaffe id) mi(b, unb bin guteg üStfutbg, unb fagc: §©rr, xd) laffe bid> ntd^t, bu tjelfeft mir benn, auf eine fold)e $lrt unb 2Beife, als eg bir gefällt. Söo foU i d) mich benn menben bin? 3U bir, |)(£rr $(Sfu, ftei)t mein ©inn. 93ei bir mein |jerg $roft, |jülf nnb Ütatb SlUgeit gemifj gefunben bat; Stiemanb jemals uerlaffeu ift, 35er getraut bat auf S@fum ®brift* Simen. @ef attg* 2M. : 2Ber nur ben lieben (Sott läfct knallen. 1. 3fdj trage mein ®reug nid^t alleine, SERein $©fuS traget es mit mir, $m Seiben bin icb aud) ber ©eine, ©r ftebet mir bei für unb für; trage mein $reug nicht allein, 3)ieS fall mir Xroft unb ^ufludjt fein. 440 fDer Äranfe erinnert fid) feine? SobeS. 2. Sen 23eiftanb hat er mir oerfprothen Unb auch bie |jülf ju feiner Beit; Sßenn nun bie ©tunb ift angebrochen, @o meidet and) mein ^er^eleib; Srum mirb mein ©taube niemals ttein, 3d) trage mein ^reuj nicht allein. 3. (Sieh, ©ott ift eS, burch beffen ©nabe $ch bis auf biefen Sag noch fteh, Ser macht, bafj mir baS ®reuj nicht fdjabe, 0b ich flletth fü^lc Slngft unb 2Beh, Safj ich *mr großem ©chmera oft mein, Soch bin ich nicht im Äreuj allein. 4. 9htn, ich mit! es gebittbig tragen, Unb mährte es gleich noch f° lang; Sollt ich an ©otteS §ülf net^agen? Um §ülfe ift mir gar nicht bang; ©ott fteüt fidj halb gur §ülfe ein, $ch trage mein feug nicht allein. 5. ^KRein treuer ©ott, bir mill ich trauen, $8erlaffe mich im teuje nicht, Stuf beine Siebe miß ich flauen, $8iS meine §ülfeSftunb anbricf)t; Safe mich im Äreuje nidft allein, Su bift ja mein unb ich &in betn. Ser .traute erinnert ftdj feine« £obe«. ^lufmuiitcruug. ®ie meine? 2tbfdjeiben? ift cor^anben. ^abc einen guten Äantpf gefämpfet ; id> habe ben Sauf noHenbet ; id> ^abe ©lau* ben gehalten, ^pinfort ift mir beigelegt bie $rone ber (ämfy tigfeit, roeldje mir ber £>@rr an jenem (läge, ber gerechte 9tidj= ter, geben mirb, nidjt mir aber aQein, fonbem auch aUen, bie feine" ©rfcfyeinung lieb haben. 2 Xim. 4, 6 — 8. ©ich feines SobeS erinnern, ift 1) eine nämliche ©ache, benn baburcf) ziehet man fein £>erg oon ber (Sitelfeit unb ben ©ünben ab, man fiehet alles, maS irbifch ift, als Singe an, bie man nicht fann mit in ben |jimmet nehmen, bie man nic^t fann behalten, tutb bie uns in ber ©tnnbe beS SobeS nidht tröften fönnen. (Sief) beS SobeS erinnern, ift auch 2) eine nothmenbige ©ache; benn meldje ba meinen, ber Sob fei noch meit oon ihnen entfernet, bie merben oft frech, nppig, boshaft, oertiefen ftch in bie SBelt unb fteßen 2)er Äranlc erinnert fic§ feines £obe$. 441 fidj igr gleich; überfällt nun folcge ber £ob bon o^ngefä^r, jo geljen fie genug oertoren. Sid) be§ XobeS erinnern, ift 3) gar geilfam, benn mer, ege er ftirbt, fieg fein ©nbe fleigtg norfteßet, ber ftirbt niegt, menn er ftirbt, unb bem fommt ber $ob nidjt erfegreeflidj bor; benn ber £ob ber ©laubigen ift niegtä anbereS, als ein Eingang gum SBater unb ein füger Scglaf. 2öer fürchtet fidj aber roogl, junt Später ober gu SBette gu gegen? Slttan foß aber 4) nidjt benfen, bag ba3 ein Beiden gum £obe fei, menn ein $ran= fer biel bont Xobe rebet, feine ßeidje befteßet, fein Xefta- ment machet, unb fid) gum feligen Sterben bereit gält; o nein, barum ftirbt niemanb einen Slugenblicf eger, als igm ©ott feinet Sebent $iet bestimmet gat, 9ttan foß 5) and) fidj feine SobeSftunbe nidjt fo gar graufam unb fdjrecflicg borfteßen, mie manche ®ranfe tgun, bie fid^ bor bem Sterben unb $ergbredjen fürsten; bie Reiben gaben gmar gefagt, ber £ob fei baS Sdjredlidjfte unter aßen fdjrecflidjen Gingen, ©Triften aber fterben in ber ©nabe ©ottes, in ben Slrmen 3©fu, in ber ©emeinfegaft beS ^eiligen ©eifteS; maS ift baran fdjrecflicg? ift biefeS niegt uielmegr £roft, Sügigfeit unb $reube? (Be bet* £>@rr, e§ ift genug, nimm meine Seele ght. 6o feufge idg 311 bir, mein ®ott, ba idg in meiner grogen Sdgmacggeit, bie immer gröger toirb, mogl tnerfe, bag meinet Sebent $iel ift* 3>dg be= gegre, aufgelöfet unb bei Sgrifto gu fein. 3dg fürdgte tnieg oor bem £obe unb Sterben nidjt, idfj gäbe bei gefunben £agen oft baran gebadgt, barum lommt e3 mir je^t nidjt fdgreeflidj oor. ©leidjmie baS Häublein be£ Sftoag mit ffreuben gu bem haften fegrete, mie ein 3? rember mit 3kr= 442 25er fttanfe -erinnert ftc^ feines £obe3. langen nad) feinem Skterlanbe eilet: atfo felje id) meinen Stob an alä eine Aufnahme gur fftuhe au§ ber Unruhe, al£ ein glüdlidhe^ ^Inlangen au3 ber ^ilgerfdjaft in ba3 §imm(ifd)e greubenlanb, ba nad) bem fehnlid)en Verlangen ein !)immli= fdf)e§ Umfangen meinet ,3@fu folgen mirb. 3d) loeife, bafc ber Stob einem gläubigen Triften ein fanfter @d)laf ift, unb ein S£>urd)gang in ba§ einige 2eben. 53öfe 3JJenfd)en unb SBeltfinber mögen fid) oor bem Stöbe fürd)ten, benn fie haben feinen gnäbigen ©ott, fie ftehen nid)t in ber ©e= metnfd)aft mit 3@fu ©^rifto, unb haben ifjr §erg ©ott, bem ^eiligen ©eifte, nicht gur 2Bof)nung übergeben; allein idh fürste mich nid)t, p fterben, loeil id) beffen aüeg oerfidjert bin. £)er §@rr ift mein 2id)t unb mein §eil, oor loem foüte id) midh fürsten ? Stier §@rr ift meinet Sebent ilraft, oor loem foüte mir grauen? ©ott ift mein $a= ter, 3@fu§ mein $ürfpred)er, ber ^eilige ©eift mein $üf)rer unb Strofter; p bem fomme id), gu bem gelange id), toarum foüte ich mid) fürd)= ten ? deiner Seele Bräutigam toirb midh, feine $raut, moljl empfangen. 2öenn mein 3©fu£ oon feinem beoorftehenben Stöbe rebete, fo fprad) er: 3d) gehe pm SSater. 3a, liebfter 3©fu, id) toiü bir aud) fo nad)fpred)en: Söenn idh fterbe, gehe idh pm Später, gum §immel, gur $reube, 2)er Ärartfe erinnert ftc& feineg £obeg. 443 ^ur er Seit) fommt in bie @rbe, aber bie 0eele fahret gu ®ott; fie geltet au§ ber 2Mt in ben §im= me(, an§ ber ©itelfeit in bie ©eligfeit, au£ bem Iranern in bie $reube, au3 bem Seibett gur ©lüdfeligfeit, au£ bem deinen gur §errlid)feit; ift ba3 nid)t ein feliger Durchgang? 3$ gebe gur tttulje, gur Sreube, gur SBottne, gur @onne, gnm einigen Vergnügen, Sebe id> bod) fd)nn, tnie bie (Sngcl um mein Sette fielen, uttb bie @eele ju foltber §erdid)feit begleiten motten* er Äranle erinnert fidE> feines XobeS. bie feine (Srfdßeimntg lieb fyaben. 2Bie mof)I tpirb mir fein, menn idß aufgelöfet bin! Söie felig tuerbe idß fein, tnenn idß in 3@fu Firmen bin! 2ßie ßergnügt tnerbe id) fein, tnenn idß burdß ben 2:ob in ba3 eitrige Seben bin burdßgebrungen! ®ann ung bodß fein £ob nicßt tobten, ©onbern reißt Unfern ©eift 5tug tuet taufenb -iftötßen, ©fleußt bag £ßor ber bittern Seiben Unb macßt $8aßn, 35 aß ntan fann ©eßn gur §immelgfreuben. hinten. <& ef attg« Sei. : Senn mein ©tünbletn öor^anben ift. 1. SBer ba tüiU alg ein frommer ©ßrift üftadß ©otteg Spillen fterben, 3)urcß ©ßrifti 33lut oerfidßert ift, 3)en $immel 511 ererben, 35er fctmpfe «nb bereite ficß, 35amit er algbattn fetigtid^ $8on Rinnen mög abfißeiben. 2. SSor allem faß er ©ott gu $uß; Gemeine feine ©ünben, ©r tßu in feiten maßre 23uß, 35aß er mög ©nabe finben, ©r ßaffe jebe böfe £ßat Unb mag er fonft begangen ßat $n feinem gangen Seben. 3. ©r glaube feft an $©fum ©ßrift Unb fließ gu beffen Söunben, 3Der ba ber ©ünber gufludjt ift, 35amit er merb entbunben $on aßer Ungerecßtigfeit, Unb neßrn bieg 33lut gutn ©terbefleib $n feinen 35obegftunben. 4. ©r füßr fobann in $römmigfeit ©in ©ott gefäßig Seben, §ab ©ott im $ergen aßegeit; ©r foß ficß aucß be* ftreben, 35aß er fiiß nie ton ©ott abmenb, Unb bleibe fromm big an fein ©nb, Söie ©ott eg ßat befohlen. 5. ©r fließe babei aßermeift 35te fdßnöben ©ünben* mege Unb mag ba fonft oon ©ott abreißt; ©r fteßt nidßt auf bem ©tege, Stuf melcßem fredße -JKenfdjen finb, ©r leb audß alg ein ©ottegfinb Unb meibe, mag ©ott ß affet. 6. @r ßalte ftetg mit 33eten an $n ben gefunben $agen, ©r bete, meil er beten fann, 3)ie Slotß ©ott oorgutragen; 35er Äranfe betrachtet ©rab unb Sluferftehung. 445 ©o mirb ©ott baS ©ebet anfepn, Söettn feine Sippen ftarrenb ftepn %m ©nbe feines Sehens. 7. 23efonberS foU er fidj bei geit SUlit feinem $einb derföpnett, $er ipn mit gorn unb SBitterfeit |jat pflegen gu oertjöfjnen, 2)afj er ein liebreidj |jer yt fjab, dlj man ifjn traget in ba§ ©rab Unb er ben geinb öerlaffe. 8. ©r ftebe niafj idj bie SBelt nichts adjte, Unb gerne folge beinern ßtatf) Unb it)n mit $lei| betrachte, Stuf ba§, menn nun es bir gefällt, Sfdj moljl bereitet aus ber 2§elt 3um $immet mög ein* geljen. Ser Strante betrautet ©rnb unb Suferftcbung. 3lufmiuitcrntig. 3©iuS fpridjt: ^dj bin bie 3luferftetjung unb ba3 Seben. SBer an mich glaubet, ber wirb leben, ob er gleich ftürbe. Unb roer ba lebet unb glaubet an mich, ber mirb nimmermehr fterben. Sol). 11, 25. 26. 2Ber als ein ©fjrift fein ©rab anfiefjet, ber mirb ba- dor nic^t erfdEjredfen, fo finfter e£ audj) immer fein mag: benn 1) eS ift eine ßtupefammer, mo mir oott aßen ©djmer^en, don allem Jammer, Kummer unb ßergeleib foUen befreiet merben; mirb aber ber frommen Seib of)ne ©dEimer^en ftfjlafen unb ruljen, fo mirb 2) bie ©eele einer Ijimmlifdjen unb unenblicpen $reube genießen, benn ber ©eredjten ©eelen finb in ©otteS |>anb, unb feine Sßlage rühret fie an; £roft, ffreube unb SBonne mirb ftets um fie fein. $)er Seib foß 3) audt) im ©rabe nidjt blei* ben, fonbern bie ©ebeine unb matten ©lieber, menn fie nun auSgeruljet Ijaben, foßen am jüngften £age l;errlid) mieber auferfteljen, lernten mie bie ©onne, unb mit ber 446 Ser Sranfc betrautet ©rab unb 2luferftef>ung. ©eele wteberum vereinigt werben. SCBoüte man 4) ein= wenben: $eele einen ©rquicfung^ort im fnmmel. @ud;en ülftenfdjen fd)öne Raufer, meid)e Setten gur 9tube, fo fiitb fie mit meinem ©rab nidjt im Dergleichen; au3 einem frönen §aufe !ann man burd) Reiter, ffeinbe unb anbere fälle gejagt merben, in meinem ©rabe aber mirb mid) niemanb ftören. 3@fu§ mirb meine ®e= beitte bemalen, baß beren nicht @ine3 mirb oer= (oren geben, ja, er mirb aud) meine Dermoberten ©ebeine mieber -jufammenbringen. 3m meinen Sette muß 9Kand)er ^cbmeqen unb Uttgemad) au^fteben, aber in meinem ©rabe mirb tein Unglitcf fid) «ju mir naben unb fein «Stbmerg mirb mitb rübren. @o ift ba3 ©rab ein non allen Seiben unb S^mergen befreitet Sette; fo= halb jemanb babtnein gelegt mirb, fo büret fein (^cbmer^ unb Ungemad) auf, Söarum füllte irum bleibt im ©rab unb 3©fu SBunben Sttein ßeib unb 0eele tvoßl vermährt, 0ie ßaben barin 0cßuß gefunben, 2Bo fie gur |jerrlidßfeit verfpart Verbleiben, big ber große $irt 0ie tvieberum vereingeit tvirb. 6. 0 fdjöneg ©rab, 0 füßle ©rbe, 0 ftßtvarge ©ruft, boeß fanfter 0<ßooß, darinnen icß reißt glüdlidß merbe, Von Seiben, 5rübfal, UngliidE log. §©rr, meinen ©eift befeßl icß bir, 55ie Vuß gönn meinem ßeibe gier. 450 2)er gläubige S^rift banlet (Hott Ser gläubige £l)rift bautet ©ott toegcn totebec erlangter ©efunbbeit. Slufimmteruiig. ©ief)e flu, bu bift gefunb roorben ; fiinbige fyinfort nid)t mef)r, bafj bir nidjt etwas 2letgete§ roiberfa^re. $ot). 5, 14. $)ag Diele Krante mit bem Sttmtbe ©ott Diel oer= fprechen, mie fie, memt fie ©ott läjjt gefunb merben, motten neue ©reaturen, fromme Steiften, eifrige 33eter, fleißige Kirchengänger, unb Dom Seben, bergen unb ©itten gang neu roerben, ift gemift. Slber bajj manche biefeg 5?er* fpredjeu nicht halten, lehret leiber! bie tägtif^e ©rfahrung, inbem fie nach erlangter ©efunbljeit mieber fo eitel, hofc haft, ltnbänbig, unartig unb frech werben, n>ie fie Dorher gemefen, menn fie nur nid^t fchlimmer merben. SDaljer fott ein roahrer ©hrift, menn ihn ©ott Don bem Kranten- bette befreiet hat, 1) ©otteg Slttmacht ertennen, loben unb greifen, mie ©otteg Stacht ihn auf einmal aufg 23ette hin= gemorfeit, aber aud) baDon mieber aufgerid)tet unb ihn Don ber iobeggefahr gnäbig befreiet habe. 2) ©g fott ein folcher Kranter, ber nun mieber gefunb gemorben ift, fein auf bem ©terbebette gethaneg ©elübbe begabten, unb fein SBerfpred)en halten, barum, meil er eg ©ott unb nicht 9Jten= fchen get|an hat. 2)enn eg ift beffer, nid)tg Derfprec^en, alg ein SBerfpredjen nicht halten. 3) $at er mieber, mie §igtiag, neue Kräfte erlanget, fo fott er bem allmächtigen Ijelfer unb ©rretter bauten, auch öor anbern 9)?enfd)en ©ott loben unb preifen unb ihnen baburdj ©elegenheit geben, bie ©nabe ©otteg gu ertennen, bie er ihm ermiefen hat. 4) ©ott er auch an bie Stngft feiner ©eele benfen, bie f£obeg= unb Sebenggefaljr fleißig ermägen, unb bem att* mächtigen breieinigen ©ott gu ©hren ein frommeg unb gott* feligeg Seben führen, ja, alfo im ©tauben unb gottfeligen SEBanbel Derharren, ba§ er hinfort, menn ©ott etma mit ber Sobegftunbe tommen fottte, möge gum feligeit ©ter* ben unb fröhlichen Sluggang aug biefem Seben bereit fein. wegen Wiebet erlangtet ©efunb^ett. 451 efcet* £> bu aflmätbtiger unb gnabiger ©ott, id) trete jettf att^ier öor bein alterbeiligfteg $lngefianb bot mid) gnäbig üott meinem Säger aufgeridjtet, bu boft mi(b mie= ber auf meine Qrü§e geftellet, baß idj ou&= unb eingeben tann. ©eine ©nabe bot mein Klagen oermanbelt in einen Steigen, bu boft meinen @acf auägegogen, unb mich mit greuben gegürtet §©rr, |>©rr, bu boft ©rofje£ on mir getbon, befe bin id) frbblid) ; beine Siebe nnb 58armf)er= gigteit bat mir bi3 hierher geholfen, ©enn ba£ meife iib fürmabr, mer'®ott bienet, ber mirb nod) ber $lnfed)tung getröftet, unb ou$ ber ©rübfal erlöfet, unb n ad) ber Züchtigung ftnbet er ©nabe, ©enn bu, o ©ott, boft nid)t Suft an unferm SScrberben; nad) bem Ungemitter läffeft bu bie @onue mieber fd)einen, nad) bem §eulen unb SBeinen überfd)ütteft bu un§ mit ?$freuben. ©iefe Sarmbergigfeit unb SBatertreue bobe id) aud) in meiner Trautheit emüfunben ; baber mill itb mein Sebenlong benfen an bie Slngft meiner @eele. 452 Ser gläubige ©§rift banlet Sott aber id) mitt aud) rühmen, o aHmäd)tiger (Sott, oor ber großen ©emeine, ma£ bu an mir getfjan fyaft. $5u fyaft bic ^Ir^nei gefegnet, bu Ijaft meine Sdjmergen gelinbert, bu fjaft mir Stärfe gegeben, bag ßeiben gu überminben, bu fjaft nad) ben müf)= famen unb elenben üftädjten mir ©rquidung^tage befeuert, unb bid) meiner in meiner £rübfal mie ein Später erbarmet. $>arum lobe ben £©rrn, meine Seele, unb mag in mir ift, feinen fjeiligen tarnen; lobe ben §©rrn, meine Seele, unb oer= gife nid)t, mag er bir ©uteg getfjan fyat. 3d) miH ben §©rrn loben allezeit, fein Sob fott immerbar in meinem üßunbe fein; meine Seele foll fid) rühmen beg §©rrn, ba§ eg bie ©lenben unb an= bern ^ranfen fyören unb fid) freuen, greifet mit mir, if)r, bie i^r jemals, mie id), in üJtötfyen, ^rantfjeiten unb Seiben gemefen feib, ben £>©rrn, unb laffet ung mit einander feinen tarnen er= f)öl)en. £)enn ba mir ©lenbe riefen, fjörete ber §@ rr, unb f)alf uns aug allen unfern SRötfyen. ®ie ben <£)©rrn in ifjrem ©lenb im ©lauben an= feljen unb mit ©ebet anrufen, beren $lngefid)t mirb nid)t $u Sträuben; er laffet fie nid)t betrübt öon feinem £f)ron meggeljen, fonbern er erbarmet fid> il)rer gnäbiglid). Vid), mein ©ott, lafj biefe mir ermiefene ©nabe unb Söarmfjer^igfeit allezeit oor meinen klugen unb in meinem bergen fein. toegeit Itriebet erlangtet ©efunbljeit. 453 9lun meiß ich unb höbe e§ erfahren, bafe bu ein mächtiger ©ott bift, bafe bu fannft bie Dobten lebenbig, bie Äranfen gefunb, bie Schmalen ftarf unb bie betrübten fröhlich machen* 2Bar ich bem Dobe nahe, fo hat beine ©üte biefe§ 3JJal mein ßeben noch erhalten* Darum, mein ©ott, habe ich mir burch beine ©nabe feft oorgenotm men, bie mir gefchenfte ©efunbheit, ba3 auf3 neue mir oerliehene ßeben unb bie Jahre, bie ich nach beinern SRath in ber Söelt noch bleiben foß, gu beiner ©h^ angumenben unb in ber mähren §rrömmigfeit gugubringen. $ch, ich habe in mei= nen Schmergen unb ^ranfheit erfahren, mie Sil= ber unb ©olb, ©hre «ab §errlid)feit ber äöelt, auch gute greunbe bie ffreugeälaft mir nicht ab= nehmen tonnten, fonbern menn bu mir nicht ge= holfen hätteft, fo märe ich in meinem ©lenb t>er= gangen; barum miß ich hwfort nicht mehr nach eiteln Dingen trachten, fonbern meine Qfreube an bir haben; ich miCt ber SBelt fünblidje ©efeß= fchaft rneiben, unb mich halten gu beinern Elitär, ba man höret bie Stimme be3 Danfe§ unb ba mau ergählet alle beine 2Bunber; ich miß, ba mir biefe befonbere ©nabe erfchtenen ift, oer^ leugnen ba3 ungöttliche Söefen unb bie meltlichen ßüfte, unb gültig, gerecht unb gottfelig leben in biefer SBelt, bamit ich mie bie fingen Jungfrauen 30 454 35et gläubige ©ljrift bautet (Sott bereit fei, mertn bu mit meiner £obe£ftunbe uttb mit bem @nbe meinet Sebent tommen mirft, gu ber §od)3ett beg Sommer gu ber emigen t?reube unb §errlid)feit ein^uge^en. Sd) hatte öiet 33efütnmernif}, Sftein (Sott, in meinem Ijer^eu, $)och beine £röftung mar gemifj $)ie Slr^nei mei= iter Schmerlen. Emmanuel! $roft Sfrael! Se mehr bu mich oerte^teft, Se mehr bu mich ergö^teft. Sd) hatte otet SBefümmernifj, Söenn ich ben 4ob bebaute, $)a mir bag finftre ©rab gemifj Sticht fleineg ©rauen machte. Emmanuel! £roft Sfrael! 2öeit bu ben £ob gefchmedet, $at er mich nicht gefd^reefet. (So hatt ich öiet $8efümmer= nifj, $u aber riet mehr Siebe; 3Dein £roft mar mir fo eugelfüfj, $afj er bie Slngft oertriebe. Emmanuel! £roft Sfrael! ®annft bu mich hier f° tröften, $)ort ift ber £roft am gröbten. Simen. (#ef attg. 9JM. : 2Bie fotf td) btd^ empfangen. 1. SBie !amt id) gmtgfatn greifen, |j©rr, beine 2öun= berthat, Unb tiefften $)anf ermeifen $iir beine Sieb uttb ©nab, SBeil bag, mag mich gebrüefet, SReitt Seiben, ift ba* hin, Unb ba ich hoch beglüdet $ont £ob errettet bin? 2. Sttein ©eift ift fefjr erfreuet, 2Bemt er bie §ülf er* blieft, Dag Seben ift erneuet, Die Seel ift auch erquieft; Sa, Sinne unb ©emüthe, Unb mag nur ift in mir, Dag greifet beine (Sitte, SJtein Später, für unb für. 3. Drum foß mein SJtunb nicht ftfimeigen, Der mie= ber fingen fann, Unb banfbar fid) erzeigen Dem, ber mir ©utg gethan; SJtein §er^ ftimmt ein mit $reuben Unb rühmet überall, 2Bie ©ott in meinem Seiben ©eholfen biefeg SJtal. 4. ^ch fahe mich nerlaffen, Unb bu erljobeft midj; Sßie fann idh^ gungfam faffen, Dafj bu fo gnäbiglidj wegen lieber erlangter ©efunb^eit. 455 58on aßen ‘Srübfalgftunben, 2)ie bir unb mir befannt, oaterlid) entbunben 2)urd) beine ftarfe §anb? 5. 3dj fonnte mir nicht ratzen, 3d) mar non |jütfe blofj, $>od) faf) id) 28unbertl)aten, $>a bu in beinen @c|oüfj 9)iidj alg ein 58ater legteft Unb ^ietteft bic^ gu mir, 3 a, mie bein Äinb mid) pftegteft Unb fprad)ft : 3d) bin bet bir. 6. 3a mof)t, idtj ijab empfunben, ©aß bu an mid) ge* bad)t, ©enn icfj §ab übermunben ©urc| beineg 9lrmeg 9ttad)t; 9ld) ja, id) bin genefen, Sobt ©otteg §errlid£)feit! 3d) bin in fftotf) gemefen Unb nun baraug befreit. 7. $©rr, id) f)ab red)t gefefjen, 28ag bu an mir ge* tfjan, 3d) miß eg gern geftefjen Unb fagen jebermann, ©aß beine 9ftad)t unb ©tärfe, 58 or ber fid) aßeg neigt, ©id) t|at an biefem SBerfe ©ar ftd)tbartid) gegeigt. 8. Wü), lernet ©ott nertrauen, ©ie it)r in Sftörtjen feib, ©enn an mir fönnt it>r flauen, 2Bie feine ©utigfeit ®ann aßeg Unglüd menben, ©ag euer |jerg befdjmert, Unb eudj bie §iilfe fenben, ©o mie itjr fie begehrt. 9. ßMit ©ott, id) merf mid) nieber $8or beinern ©hron aßfjier Unb finge ^reubenlieber Wx t tiefgebeugtem .Änie; 3d) banfe bir non bergen 5CRit meinem ©eift unb 9ttunb, ©aß bn mir nacf) ben ©djmergen ©efdjenft bie $reu* benftmtb. 10. ©iemcit idj merbe leben Unb meit id^ benfen fann, ©oß mir nor Gingen fd)meben, 2Baö bu an mir getrau; ©ein Reifen, betn Regieren, ©ein Seiten hin unb Ifer, ©ein ©orgen uttb bein führen SBergeß id) nimmermehr. 456 ©prüdje unb ©eufjer gum 9iad)benftn berer, @prüd)t unb Stuftet ptn ^odjbcnfen berer, »eld)e traut gemeftn unb gefunb getoorben frnb. §@rr, mein ©ott, ba icb fdjrie ju bir, madjteft bu mid) gefunb. $ßf. 30, 3. ©elobet fei ber £>@rr, benn er f>at eine nmn= berlid^e ©üte an mir bemiefen. 3d) f)obe bir, ©ott, gelobet, bafe id) bir bauten Drill, benn bu baft meine @eele Dom £obe errettet, meine güfee oom ©leiten, bafe id) toanbeln fann Dor bir im Sid^te ber ßebenbigen. 3d) rief bem $©rrn in meiner SRotf) : 2ldf) ©ott, t>er= nimm mein ©freien. 35a f^alf mein Reifer mir oom $ob Unb liefe mir Xroft gebeiben. &rum banf, ad) ©ott, brum banf id) bir, 21dj banfet, banfet ©ott mit mir! ©ebt unfernt ©ott bie ©bre^ 3d) bin gu geringe aller S3armbergigfeit unb aller $reue, bie bu an beinern $ned)te getljan ^aft. 1 Sftof. 32, 10. Wd) ja, mein ©ott, nur ©rbarmen unb ßiebe ift es Don bir, bafe bu rnid) t>on meinen <©d)mer= gen unb üftötfjeu erlöfet baft- 3er 2öobltbaten gang unnmrbig. $>eine £reue bat fid) bei mir red^t Derberrlid)t, ba bu bid) mei= ner fo ^crgltdö angenommen, unb mit mir fo ge^ banbeit, toie bu mir Derbeifeen baft. Safe mir biefeS niemals aus bem 6inne fommen. ßafe ftanf gemefen unb gefunb geworben ftnb. 457 mid() baburcfe ftet3 ermedfet merben, gegen bid) ßiebe unb Streue pi bemeifen mein ßebenlang, bomit idf) bir als bein ffnedfet biene nad) beinern SBofelgefatten, unb enbltdf) au$ al% ein frommet unb treuer $nedfet ben fröfelicfeen guruf ^ren möge: ©ef)e ein gu beine£ £)@rrn ^reube! SBater, bu Ijaft mir erzeiget Sanier ®nab unb ©ütig* feit, Unb bu baft P mir geneiget, $(Sfu, beine ^reunte liebfeit ; Unb burd) bid), o (Seift ber (Knaben, SBerb idfj ftetö noch eittgelaben. iaufenb', taufenbmal fei btr, (Sro* feer ®önig, $>anf bafür. taufenbmal fei bir gelungen, §(Srr, mein (Sott, ^ßreiö, ßob unb t)anf, 2)afj e3 mir bi^ber gelungen; 5ld), laß meinet Sebent (Sang ferner bod) burd) 3©fum leiten, üttur geljn auf bte (Sroigfeiten; t)a tuiö id^, $(£rr, für unb für, (Srnig, emig banfen bir> (Sr l)at meine ©eele erlöfet, bafj fie nidjt füfjre inS Sßerberben, fonbern mein ßeben ba$ £id)t fäfje. ©ielje, ba3 atteä tljut (Sott ^mei* ober breimal mit einem jeglid^en, baff er feine ©eele fjerum tjole au£ bem SSerberben, unb erleuchte iljn mit bem Sidjt ber Sebenbigen. §iob 33, 28 — 30, §@rr «3@fu, bu t)aft bicl) gegen midi) al£ einen redfeten ©rlöfer unb (Irretter bemiefen, bafj bu nicht nur meine 0eele erhalten, fonbern auch meinen Seib bemaferet feaft, ba nur ein Schritt, \a, nur ein §aar mir gmifdfeen £ob unb Seben mar. 2leiligfeit unb ©eredjtigfeit, bie bir gefällig ift. ©ib mir $raft, ©lauben unb gutes ©emiffen $u bematjren bis an mein ©nbe. 2öaS nodf) feinterfteöiger 3?it im 3?leifeilanb, bafe aud) an mir gefd^etjen ift, maS bn efjebem non beinern tränten ^reunbe Sagarus gefagt fyaft. 3Keine überftanbene ^ranffyeit mar nicfjt gum ®obe, benn bu feaft mid) redt)t fyerrlid) non ber= felben befreiet. ®ir gebüfjrt bafür allein bie @fyre! Safe benn aud) meine ©enefung allein gu beiner $erl)errlid)ung geretdjen. ©ib mir ein neues §erg unb einen neuen @inn. Safe mid) aller Orten oertünbigen, maS bu ©rofees an mir toelcfje franf getoefen unb gefunb getootben finb. 459 getT^att baft. ©erleibe mir $raft, bir aUetrt 31t ©bren 3« leben unb bid) ohne Unterlaß an mei= item Selbe unb in meinem ©eifte gu greifen. 3d) roitt bid) all mein Sebenlang, 0 ©ott, üon nun an e^ren; Sttan foll, 0 ©ott, bein Sobgefang Sltt allen Orten bäten. SJtein ganges §erg ermuntre fid), Üttein ©eift unb Selb erfreuen ftd^. ©ebt unferm ©ott bie ©brd Siebe 511, bu bift gefunb morbett; fiinbige binfort nitf)t mehr, bafj bir nicht etmaä 2lergere3 miberfabre. ^ob. 5, 14. tiefer ©rtnabnung, 0 §©rr ,S@fu, lafe midj alle3eit eingebent fein, ©ine moblnerbiente ©träfe meiner ©ünben t>aft bu non mir genommen, bö bu mid) non meiner erbulbeten Trautheit errettet baft. @3 ift bir etma3 Seid)te§, mid) nod) härter beirngufudjen, toenn id) mid) nid)t beffere. ©3 fann mir leidet etma3 $ergereg miberfobren, »nenn id) auf§ neue in bie ©ünbe toillige unb tbue miber ©otte§ ©ebot. Danor bcnmbre miib bod) gttä= bigltd). ©ebüte mid), ba& icb fortbin niibt meb.r oorfä|lid) fünbige, fonbern nor bir monble unb fromm bleibe. Sld), erbalte mein §erg bei bem ©tntgen, bafj id) beinen tarnen fürd)te. Bucht, ©br «nb ^reu nerleib mir, $©rr, Unb Sieb gu beinern SBorte; 23ebüt mid), §©rr, für falfd)er Sehr, Unb gib mir fyex unb borte, 2öa§ bient gu meiner Seligfeit; SBenb ab all Ungerecbtigfeit 3m meinem gangen Seben. 460 <5|jrüd?e unb ©eufjer jum 9iacfybenfen berer, @8 ift beffer, einer fei arm, unb babei frifd) unb ge^ funb, benn reich unb ungefunb. ©efunb unb frifch fein ift beffer, benn ©otb, unb ein gefunber ßeib ift beffer, benn groß ©ut. ©S ift fein föeichthum su nergtei^en einem gefunben Seibe, unb feine ftreube beS ^jer^enS ^reube gleich* ©ir. 30, 14 — 16, ERein ©ott, baS ^aft bu mich burch meine le^te ^ranffjeit gete^ret. $>a habe td) erfahren, mie ®ut unb ©elb, ttrie Wohlergehen unb ©lücf fo nichtig feien, unb mie man ba£ alles nicht brauchen fönne, menn man ber ©efunbheit ent= behren mui fa, baf$ man biefe ebte ©abe fid^ burch all fein Sermögen nic^t ft^affen fönne, $)anf fei bir gefagt für biefe h^Ifame Sehre. SRathe midh nun auch tüchtig, berfelben gu folgen. 58emahre mi(h, bafc ich bas ^rbifche nicht lieb ge= rninne, ober es höW achte, <*ls ^ 3U achten ift. @tärfe mich, bie ©efunbheit als eine theure ©abe recht hoch 3U achten, fie mit allem $leif} gu be= mähren, unb alles gu meiben, momit ich mich um biefelbe bringen fönnte. D ©ott, bu frommer ©ott, $>u SBrunnqueU guter ©aben, £)f)n ben nichts ift, tuaS ift, $8on bem mir alles haben: ©efunben ßeib gib mir Unb baß in folgern ßeib ©in unöerle$te ©eel Unb rein ©emiffen bleib, ©oll ich auf biefer Sßelt $iein ßeben höher bringen, $)urer bidj mir hat jum greunb gebracht, ©ei mieberum er¬ neuert! Sch miß bir je^t mit Süfrinb unb §anb $)ie $reu aufä neu oerfpre^eu; 2lQein, meil bir bod) mol)I be= fannt, SSßie gar leicht id) fann brechen, ©o fteh bu meiner ©chmachheit bei, $tff, baj3 bein ^reunb id) allzeit fei, ©o mie bu btft ber meine. 462 Sprüche unb ©eufter jum 9iac§benlen berer, 33teibe fromm, unb fjalte bid) rec^t; benn folgern wirb'3 gute^t wohl gefeit* *ßf. 37, 37. Sieber $ater in bem Rummel, btefen beinen treuen .Quruf lajg mir immer im bergen fein unb öor meinen D^ren erfchalten. 9Äad)e mid) auch tüchtig, bemfelben mit alter £reue gu folgen. üDiadje mid) recht fromm. Sehre mich tf)un nach beinern Söohtgefatten, bein guter ©eift führe mich auf ebener $3ahn. Verleihe mir immer mehr $raft, ber Heiligung nadjgujagen unb beinen ^Bitten gu oodbringen. 6tär!e mtd), im ©tau= ben, in ber Siebe, in ber Srömmigteit immer mehr gu machfen unb gugmtehmen, unb laft mir cä bann mohl gehen, fo tauge ich noch lebe auf ©rben. Sftein ©ott, gib mir in beinern £id)te 9ttein grobem ©tenb gu oerfteh«, £afj mid) ror beinern 2lngefid)te $n mahrer ^ergen^bemuth gehn; $d) bin ja nid)t§ at£ ©taub unb Äot|, $5u bift ber §©rr, $©rr Zebaoth. $rum lab mid) immer twr bir wanbetn, Sch, gib wir Äräfte, fromm gu fein, ©o fann ich immer fjeitig hartbetn, ©o trifft bie Hoffnung richtig ein, 3)ab bu mein ©ott unb $ater bift, Unb mir ein ©rb im §immel ift. ©iehe, fetig ift ber 9flenfdj, ben ©ott ftrafet; barum weigere bid) ber Züchtigung be§ ^Untüchtigen nicht. ®enn er öerle^et, unb oerbinbet; er äerfdjmeifiet, unb feine |>anb feitet. 2tu3 fed)£ Xrübfaten wirb er bidh erretten, unb in ber fiebenten wirb bidh fein Uebet rühren. |jiob 5, 17 — 19. toetdje (tan! getoefen unb gefunb geworben ftnb. 463 2öte matjrfyafttg ift bod) bein 2öort, o mein ©ott, benn mir ift eg ebenfo gegangen, mie bort getrieben fielet, bu f»aft mid) berietet unb aud) nerbunben, bn tjaft mid) gefdjtagen unb aud) ge= feitet, bu t)aft mtd) fd)on aug riet unb mand)erlei %rübfat errettet, (Selobet fei bafür bein Zeitiger 9lame. Vielleicht aber ftetjet mir halb mieber eine $riibfat betmr; bag meifjt bu am beften. 9^un, menn fie fomnten fotl, fo gib, bafc id> red)t mittig unb bereit ba^u fei. Saft mich ba auf bein Söort feft vertrauen. Saft mid) ba eingeben! fein, mie oft bit fd)on tjerrtid) geholfen, Saft and) ba mein Vertrauert unb meine Hoffnung finblid) auf bid) fetjen unb fo märten, big bu mir mieber ftitfft. Safe mich bann aud) unter ber güdjtigung fdjmecfen unb f et) eit, mie gut bu eg mit mir tnei- neft, unb mie benen, bie bidt) lieben, alle SDhtge gum Veften bienen. 0, tob midj bieg im ©tauben faffen Unb mich mit ftarfer guoerfidjit Stuf beine Vunbegtreu öerlaffeu, Söenn atteg manft, fo manft fie nid^t; SJtit 9teu unb iemutf) fud) iünbe täg= m abfterben unb ber ©eredjtigfeit leben. • Safe mid) bir ^u ©l)ren leben, unb alt mein 2t)un unb ßaffen nad) beinern SGßillen einrid^ten. Saß mid) in ©Ijrifto 3©fu, meinem £>©rrn, bir immer an= genehm fein. Erneuere midb nodb immer burd) beine ©nabe, unb mad)e midb gu einem 0bfer/ ba£ ba lebenbig, tjeUig unb bir gefällig fei. @r= balle midb aud) fo in beiner ©emeinfdbaft bis an mein ©nbe, barnit mid) nid)tg mieber au£ beiner £mnb reifen möge. $)ieg mirfe, ©ott, bein ©eift in mir, $d) habe fein Vermögen, $)ie ©ünb unb atteg, ©ott, mag bir SSerbafjt ift, abjulegen; $ier ift mein $er§, nimm mich ganj fyn, Unb gib mir einen neuen ©inn, barnit id) bir gefalle, ©o merb idj, ber id) finfter mar, ©in £id)t in beinern Siebte; Söefteb eittft mit ber fleinen ©cjbaar $5er $ront= men im ©erid)te; $roblocfe bann, unb lobe bicb, $afj beine ©nab unb £reue mid) ©eredjt unb felig madjjte. Dierter 2lbfcfymtt. 3um ©ebraudj ber Sterbenben unb berer, toelc^e um btefelben finb. Ser Sterbcnbe fteüet jtdj uor bas göttlirfje 0erid)t. glufmuntermtg. 3öir milffen alle offenbar roerbett oor bem SRidjtftul)! Gljrifti, auf baff ein jegltcffer empfaffe, nacfjbem er geffanbelt fjat bei Seibeö Seben, eö fei gut ober böfe. 2 Gor. 5, 10. ©o wir un? fetber rieten, fo werben mir nitfjt ge* richtet, ift $auli ©rmafynung 1 ©or. 11, 31. ; unb freilich wenn ber SDtenfcl) fetbfi fein Sehen unterfudjet, fid^ üer= finget, um $@fu willen um ©nabe Bittet, fo wirb iljn ©ott nidjt rieten unb oerbammen, fonbern ifjm gnabig fein; beun wer feine 9ttiffet§at befennet unb läffet, ber wirb 33arm^erjigfeit erlangen. 2)iefe? nun foü aud) ein ©terbenber t^uit; er foü bebenfen: 1) er mufj einmal oor ba? ©ericbt, benn bem SSKenfdjen ift gefegt, einmal ju fterben, unb ffernad) ba? ©eridljt; biefe? gefdjieljet nun gleich nacfj bem £obe, ba mufe bie ©eele alfobalb oor ©ott erfdjeinen. §at nun ber SUtenfdf), bieweil er auf ber 233elt gewefen, geglaubet unb fromm gelebet, fo fommt er nidjt in? ©eric|t, fonbern weil bie ©ünben auf ©tben um be? 23lute? $©fu willen oergeben finb, fo wirb ifjrer im §immet audj nidjt meljr gebadet werben, fonbern fie werben oergeben bleiben, ©in ©ottlofer aber mujj in? ©ericfjt, weil er ofjne bie SSerföfjnutig mit ©ott geftor= ben ift. f£)erljalben ttjut ein ©terbenber 2) wofil, wenn er fidj bei feiten mit ©ott oerföljnet, ©ott um be? 8lute? 466 35er ©terbenbe (teilet ftrf> bot baS göttliche ®ertdji. mitten um Vergebung bittet, unb alfo (Zitate er= langet; fo ift er üerfic§ert, er fterbe, mann unb mie ©ott miß, fdjleunig ober iangfam, fo mirb ©ott feine 0eele 51t ©naben aufnefjmen, unb am jüngften ©erid)te mirb er atö ein um $©fu $lute§ mißen ©ereilter in bie emige $reube eingeljett. geltet* 3$) meifj, mein ©ott, baß bem äftenfdjen ge= fe£t ift, einmal 3U fterben, barnadj ba3 ©erid)t; begmegen fteEe idj mid) je^t nor bein ©eridjt, biemeil id) lebe, unb mitt mid) mit bir nerföfjnen, elje id) fterbe. 0 geregter ©ott, meil id) nid)t meiß, mie lange e3 nod) baßin ift, baß id) non ber SBelt foK abfdjeiben, fieße, fo fotnrne id) alt= ßier nor bein ©eridjt unb tlage mid) felbft an. 2tdß, id) erfenne, baß id) ein großer 6üuber bin; idß ßabe alte beine ßeiltgen ©ebote, unb audß oft= malä miffentlidß, übertreten, id) ßabe bidß nidjt ge= liebet non ga^em ^er^en, nan ganzer ©eele unb non alten Kräften, id) bin nitßt ben gußtabfett meinet 3@fa allezeit nad)gefolget, noch ßabe id) midi) non bem ^eiligen ©eift ftet§ führen laffen, mie id) billig ßätte tßun folten. 3<ß benfe baran, baß id) bein $inb bin in ber ßeiligen Saufe gc= morben, aber baß idj nidf)t altemal mie ein $inb @otte§ gelebet, baß id) in ber Seidjte unb bei bem ©enuß be£ ßeiligen $tbenbmaßl§ bir nid nerfbrodjen, aber menig gehalten,, unb mid) mie= $>er Sterknbe ftellet ficff bor b a& göttliche ©eric^t. 467 herum her 2öelt gteidßgefteffet ßabe. |)©rr, idß ßab nic^t red^t geßanbett, \a, mid) brüdt ber Sünben Saft, i dt) bin nidßt ben 2Beg gemanbett, ben bu mir ge^eiget ßaft; meine 6ünben geßen über mein ^außt, unb mie eine fernere Saft ftnb fie mir gu ferner gemorben. D gnäbiger ©ott, ber bn bedien ßaft, bn motteft nid)t ben &ob be3 0ünber3, fonbern baß er fid) befe^re unb lebe: fieße, idß tomme feßt, ba mein äkrftanb nodß bollfommen ift, idß mieß aueß nodß moßt be= finnen !attn, unb mill Qrteben mit bir madßem 2ldß, id) bereue meine Sünben, falte bor beinern SHidßterftußt nieber unb ßpredße: §©rr ©ott ter im §immel, erbarme bidß über midß! £>@rr ©ott @oßn, ber 2Belt §eilanb, erbarme bidß über midß! §©rr ©ott fettiger ©eift, erbarme bidß über midf) ! 3dß fließe, o Sßater, ju beiner großen ^armßergigteit unb fßredße: 3$ ßabe ge= fünbiget bor bir, idß bin nid)t mertß, baß idß bein Äinb ßeiße; aber adß, fei beinern $inbe gnäbig, unb berftoße mid) um meiner Uebertretung mte (en nid)t. 3<ß fließe gu bir, o 3®fu> mein gür* fpredßer, ad), bitte für midß armen ©ünber jeßt unb in ber 0tunbe meinet $obe£. $)emt ob femanb fünbiget, fo ßaben mir einen gürfpredßer bei bem Söater, 3®?um ©ßriftum, ber geredßt ift; ber ift bie Söerfößnung für unfere ©ünben, nidßt 468 $tr ©terbenbe ftettet bot baS göttliche Oeric^t. aßein für unfere, fonbern audf) für ber gangen 3Bett ©ünben; adf), um beineg Sluteg mißen »ergebe mir meine 3JJifjetl)aten, um beiner f)ei= ligen Söunben mißen laf* micf) »or bem ftrengen ®eriß)t ©nabe finben. ©ott, fei mir gnöbig naß) beiner ©üte, unb tilge meine ©ünben nadj beiner großen $armf)ergigfeit. 0 bu mertljer ^eiliger ©eift, gu bir fließe iß), adf), fß) affe ein neueg §erg in mir, gib mir bag geugnifc, ba& idf) ein $inb ©otteg unb bei ©ott in ©naben fei. 3a, mirfe in mir eine matjre 99ufee, einen lebenbigen ©lau* ben unb ^eiligen $orfa&, bir aßein gu ©l)ren gu leben unb gu fterben in finblißjem ©e^orfam. Wdf), mirfe in mir fjeilige ©ebanfen, anbäd)tige ©eufger, liebliche &obegbetraß)tungen; »erleide mir eine erquißenbe 93etraß)tung beg ^immelg . unb ber künftigen £>errliß)feit. Saft midf) ben $roft im §ergen empfinben: ©ei getroft, mein @of)n, bir finb beine ©ünben vergeben. 2llg= bann fürchte iß) miß) niß)t, gu fterben, meil idf) meife, bafc bie Ijter »ergebenen ©ünben audj im §immel »ergeben finb. 0 bu fjeilige 0reieinig= feit, erbarme bidf) über miß), la§ midf) bei meinem Wbfßjieb aug ber üöelt bei bir ©nabe finben, unb reßjrte mir niß)t gu, mag iß) femalg unreßjt getljan, fonbern erbarme bidf) meiner naß) beiner Siebe. Ser ©ter&enbe [teilet fid? öcr baä göttliche ©eridjt. 469 9ftein 9©fu! SBenn id) oor ©ericp foE treten, $)a man nicp entfliegen faitn, 2ldh, fo raoüeft bu mid) retten Unb bic^ meiner nehmen an; 3)u allein, §©rr, fannft eg mehren, ^ag idj nicp ben Sind) barf hören: gu meiner linfen §anb, ©eib non mir noch nie erfannt. 2tmen. ® ef attg* 2M. : €> ©ott, bu frommer ©ott, 1. 9hr lobten, f tef)et auf! ©o mirb bie (Stimme Hingen, 2)ie ung am jüugften £ag ®amt aug ben ©rfe berit bringen. 3Bie biefer (Stimme ©d)aH $)er frommen ©dhaar ergäbt, ©o roirb ber böfen Sftott 3)aburdj in gurdjt gefep. 2. 9h* lobten, ftept auf! 9p pbt nun auggefd)la= fen; 9h* frommen, fomrnt herbei Unb ftellt euch gu ben ©chafen; ©eliebte, gehet ein 3ur $reub unb £>errlid)feit, ©ud) ift bag Neige ftfeib, $)ie ©penfron bereit 3. 9p lobten, ftept auf! ©ilt, gept aug ber ©rben; 9p SSöfen, ip fallt fegt Qux §öü geftogeu merben; 9p pbt nicp fromm gelebt, ©ep gu ber ^öUenpin, ©g fall ber Ort ber Oual 9htn eure SÖopung fein. 4. 9p lobten, ftept auf! ©ep, per finb eure ©lie= ber, §aut, klugen, $üg unb ,£jänb, $>ie nehmet jep mie- ber; 2Bomit ip ©ott gebient, £>em ift bie ^errlidjfeit, SBomit ip (Sünb getpn, $)em ift bie ©traf bereit. 5. 9p Xobteit, ftept auf! ©itd), ^omme, foH um= geben ©in pller ©onneitglang, 9p fotlt nun emig leben; S)ie ©eele fepe fich Sfoin ihrem Seibe gu Unb pb, mit t^m oerfnüpft, SSergnügte £)immelgrup 6. 9h* lobten, fielet auf! 8td), mop bieg SBort er* fcpHen 9n aller ©ünber §erg, ©o mürben fie nicht fallen 9n fdhmere Üßiffetpt; 3)eun mem bag $erg nun brip Unb liebet 9©fum nidht, £)er fommet iug ©eridht. 7. 9h* lobten, ftefjet auf! $)ag fod mid) nicht er= fdhreden, 3)ic ©timme mirb ben £eib Seben aufer^ 31 470 ®er ©terbenbe »erjei^et unb bittet um SSerjet^ung. toedCert ; $dj merbe fdjöu berftärt 3um ^reubenreid) ein* getjn Unb, |)©rr, bein Hngefidjt SO^it aßen frommen fefjn. 8. Sm ©tauben miß id) bir, D ©eetenfreunb, an* tjangen, $>urd) beineg ©eifteg ©nab Vecfyt fromm gu fein anfangen, 2)amit, menn auf bein 2öort S)ie lobten auf- crf tet)n, $d) mög bon btr bertlärt $ux ©etigfeit eingetjn. 3)*r ©tetbenbe uerjeifjet unb bittet nnt SBerjeibung. Aufmunterung* ©o iljr ben ^Renfdjen it>ve $et)le »ergebet, fo rotrb eud) euer fyitnms Itfdjer 5Bater aud) »ergeben. ,9So ttjr aber ben sJJienfd)en tljre $el)Ie nid)t »ergebet, jo i»trb eud) euer Skater eure $et)Ie aucf) nic^t »ergeben. s3)tgttf). 6, 14. 15. 3u ber magren Vorbereitung gu einem fetigen ©ter* ben gehöret and} bie Verföfjnung mit bem ÜZädjfiett; biefe Verföfjnung nun foß ein ©terbenber nidjt lange auf- fcfyieben, fonbern fie in 3eiten, ba fein Verftanb nod) boß- fommen ift, bornetjmen. ©g foß fid) aber ein ©terbenber 1) erinnern, menn it)m bon anbern ßeuteit ift biet gu= miber gettjan morben, bafj er feinen ©roß gegen feine j^einbe nnb Veteibiger mit ing ©rab neunte, fonbern eg it)nen bon bergen bergeitje, unb, fo eg moglid), mit SBoI)!* traten ober burd) gute $reunbe itjnen fuitb tfjue, bafj er tf)nen oergietjen |abe. Söenn er aber 2) anbern Seuten Verbrufi angetfjan unb fie beteibiget t)at, fo foß er nidjt el)er rutjen, big er fid) mit it)nen berfötjnet, ja, er foß fid) nid)t fdjämen, fie bor fein ©terbebette fomnten gu taffen, unb fie mit §erg, ßttunb nnb §anb um Vergeilung gu bitten, ober menn fie abmefenb finb, eg itjnen fdjrifttidj abgubitten, ober menn fie tobt finb, ©ott um Vergeitjung belegen anguftetjen. hierbei foß man aud) bag ©$= fiotjteue unb ©ntraenbete, aud) bag bem 9^äd^ften mit Un* rec^t ©utriffene ifjm ober feinen ©rbeit miebergeben, meit bie ©ürtbe nidjt fann bergeben merben, menn man bag $er Stcrbenbe berjeityet unb bittet um SSerjet^ung. 471 (Sntmenbete unb (Seftohlene, ober ben SEBert^ begfelBett nicht erftatten miß. fold^er SSerföhnung foll 3) einen ©terbenben antreiben fotuotjt bie djrifttiche ©djulbigfeit, at§ auch ber göttliche 33efe^t unb bie Söebrohung, 90?atth. 6, 8., unb er foü miffen, bafj er, menn er nicht oer^eihen miß bei (Sott and) nimmermehr ©nabe erlangen merbe. 298ie bu mit beinern ^einbe umgeheft, fo mirb (Sott mit bir umgehen* (B c btt* üDJeitt ©ott, id) lebe, unb meift nidfjt, lote lange; id) muf} fterben, unb meifg nicht, loattn; barum null ich mich in feiten mit meinem ^0^= ften oerföhnen, bamit ich mit einem oerföhnten bergen oon ber 2öelt abfcheiben möge. $)er §im= mel loirb genennet ba3 |)au3 beg griebeng, in melcheä feine nnoerf ähnlichen, rachgierigen unb mit 3orn unb §ajg angefiißten «Seelen einge= laffen, fonbern loooon fie gurüdgeftoften loerben; barum miß ich mein £>erg oon aßem $oxn nttb oon aßer geinbfchaft reinigen, ich miß gern oer= Reihen unb um $ergeihmtg bitten, bamit mich ©ott, um 3©fu mißen, af£ einen 25erf ähnlichen gu ©naben anfnehme. fleh, ich bin noch auf bem SBege gur ©migfeit, barum miß ich aße f$reittb= fchaft ablegen, in ber gemiffen 3ut)erfi(ht, mie ich oott bergen oergeihe, alfo mirft auch bn mir oer= geihen. £>arum oergeihe ich hi^mit, unb oon ©runb meiner Seele, aßen meinen Reinheit, 472 Hier ©terbenbe berget unb bittet um 33erjeityung. ütBibermürtigen unb alten benen, bie mid) jemals mit SBorten, SBerfen ober ©eberben beleibiget haben; id) bergeihe unb bergebe es ihnen, nicht allein mit bem üIKunbe, fonbern and) bor ©otteS Wngefid)t unb bon §ergen; id) milt nun unb nimmermehr mieber boran benfen, ich milt es bcrgeffen, unb gur $erfid)erung meiner 33erföh- nmtg ihnen altes ©ute münfdjen, unb ©uteS thun, too unb mann id) nur tann; ja, id) bitte ©ott, er motte fie fegnen, unb es ihnen unb ihren $inbent (affen mohlergehen, geitlid) unb emiglidj. 2öie i(h nun bon §ergen bergeihe unb bergiehen habe alten, bie mid) jemals ergürnet, ober mir etmaS gumiber, gum Sd)öben ober gunt $erbruf$ gethan h^ben: atfo bitte id) aud) hiermit um Sßergeihung alte biejenigen, benen id) jemals gu nahe gerebet, benen id) etmaS gumiber gethan, ober Sd)aben unb SSerbrujg gugefüget höbe; ach, bergeihet es mir, ihr lieben Qfreunbe, um ber Siebe 3©fu mitten, traget feinen §afc miber mich, id) erfenne, ba§ id) euch gu biet gethan habe, id> bitte euch hiermit um SSergeihung bon bergen, mit <£)anb unb Ü0hinb, unb mottte ©ott, idf) fönnte eudj hier bor meinem «Sterbebette atte fehcn, fo mottte id) es eud) and) gegenmärtig abbitten. 25a, bn barmhergiger ©ott, bergeihe mir aus ©naben, maS ith Seit meines ScbenS meinem Sftächften, Der ©terBente berget unb Bittet um äSerjetyung. 473 er fei, mer er tootte, aug Soweit ober ergenggrunb 9ttein 0reinben mög bergeben, Sergeib mir auch gu biefer ©tunb, 6d)aff mir ein neueg Sehen. $)ein SBort mein ©peig lab aU= meg fein, 2)amit mein ©eel gu narren, SSJtid) gu mehren, SBenn Unglüd gebt batjer, $>ag mid) halb möd)t berieten. Simen. (Scf attg, 2M. : $reu btdj feljr, o meine (Seele. 1. $dj tbiU jebermann bergeiben, $)er ba mich be= leibigt bot; Sid) (Mott, lab mir angebeiljen SDiefe unber= biente ©nab, $)ab id), bein berföbnteg $inb, 93ei bir neue ©nabe finb; 3d) bergeib bon $ergenggrunbe, Unb ber- fpred) eg mit bem Sflunbe. 2. SKein Verlangen unb mein ©ebnen $ft, mein SSater, bieg allein, ®ab iib mög mit allen benen Völlig auggeföbnet fein, $)ie mir finb bon -Jjergen feinb, 3enft, aeg, ben!et nimmer nietjt, 2Bag idg 33öfeg angericgt’t; Slüeg fei hiermit oergiegen, Sagt ung alle ^einbfegaft fließen. 5. ©toger (Sott, ba bieg gefegegen, ®omm icg nun joerfögnt gu bir, Steg, lag mieg bein Stnttig fegen, ©roger ©ott, oergeig and) mir; SUntm meg meine ©ünbenfcgutb, ©egenf mir beine Sieb unb $ulb, Sag mir feine $einb- fdjaft fegaben, Sämm mieg ©ünber an in ©naben. 6. Sfun ift meine ©eete ftiHe, 2)iemeit icg oerfögnet bin. ©g gefdjege ©otteg SBitle, ®em geb idg mieg gäng* Iidg gin; fjrieb mit Sttenfdgen, 0rrieb mit ©ott, 2)ag oer= fügt bie ^obegnotg, SItfo fann man felig fterben Unb ent= gegen bem SSerberben. Ser ©terötnbe nimmt ^Ibidjicb unb gibt ben ©einigen ben ©egen. Slufmmttcruttg, 9tun, Heben Srübet, id) befehle euch ©ott, unb bem Üöort feinet ©nabe, bet ba mastig ift, eud? erbauen unb ju geben baä ©rbe unter allen, bie ge^etltget roerben. Slpoft. 20, 32. $)ag ©terbenbe oor igrem £obe oon igren Stnge= görigen unb $reunben Slbfcgieb negmeit unb igren Am¬ bern, menn fie beren gaben, ben ©egen geben, ift in ber geiligeit ©dgrift eine gar befannte ©adge, mie mir foldgeg an Sftofe, ^faaf, $afob, $obta, ©grifto $©fu unb Stnbern flar fegen, ©olcger ©egen nun 1) ift niegt öergebeng, benn meil eg ein Slbfcgiebggebet ift, fo ber ©terbenbe für bie ©einen tgut, fo mirb eg audg, menn eg aug bem ©tau* unb gibt ben ©einigen ben ©egen. 475 Ben fommt unb im lernten Sfjrifti gefdt)ief)et, nicf)t um erhöret BleiBen. 2) $ie lebten Söorte beä ©terbenben pflegen bei ben Hinterbliebenen nidjt ol)ne 9tad)brucf &u fein, bafjer eine dermal) ttung eine§ fterbenben $Bater3, einer abfefjeibenben Butter, ober eineä ^teunbeä nirfjt jo balb bergeffen mirb, fonbern als ein ©tacket in bem ©e= mütlj pngen bleibet. 3öie e§ löblid? ift, mentt ein ©ter- benber mit 23eten, ©egnen unb ©ute3=2Bünfdf)en non ber SBelt 2lbfd)ieb nimmt, fo foü er fid) 3) and) pten, bafj er niemanbem 33öfeö münfefye, meil ba§ eine Slrt öon 9tad)e fein mürbe, meldje feinem (Steiften geziemet. 5?in= ber foüen 4) ermafjnet fein, baff fie bie Eltern bei gefun= ben lagert nidjt betrüben, ipen fein Her^eleib madjen, unb baburd) öerurfadjen, bafj bie (Eltern ipen eben fei¬ nen ©egen ^xrtterlaffen föttnen. £)urd) ber ©Itern $lud) mirb oft ber böfen itinber ©lücf in Ungliicf oermanbelt. fromme djriftlidje Grltern aber geben aud) ipen böfen Sinbern lieber ben ©egen all ben $ludt). ©tüiger, gütiger unb gro&er ©ott, id) tueife nidjt, tüte nap meinet Sebent ©ttbe etnta fein mödjte, unb tüann bu über mid) gebieten nnb mid) tton ber 2BeIt abforbern tnerbeft; barnm tüiü id) mid) in feiten gu meinem Sterben fdjicfen, fon= bertid) aber aud) mit $3eten unb Singen midi) gu bir tnenben, al§ tüeldje^ mid) in meiner Sd)tüad)= pit am meiften ergäben unb ftärfen fann. £>ettn menn id) in Sftötpn bet nnb fing, fo tüirb mein §erg red)t guter ®ing, beim ©otteg ©eift begeugt habet, bafe bie£ be3 Sebent SBorfdpnact fei. So toiü idf) mid) benn aud) gu bem fimftigen Seben 476 2)et ©terbenbe nimmt Stbfc^ieb bereiten, unb at(e§ nodt) beforgett, ma£ id) in bie= fern fieben gu beforgen habe. 34 neunte bem= na4 Abf4ieb non alten meinen Söermanbten, $8e= fannten, 2Bohtthätern unb greunben; i4 befehle fie bir, o großer ©ott, in beinen @4n£, in beine ßiebe nnb ©nabe; tfyue ihnen ®ute§ für bie mir erzeigte ßiebe unb ©uttßaten, unb ba i4 ihnen nid)t alleg oergelten fann, fo molleft bu an mei= ner Statt hinfort ihr reifer Vergelter fein. 34 oerlaffe meine $mmbe, Sßermanbten unb 53e= fannten, aber bu, o großer ©ott, molleft fie ni4t oerlaffen ; erhalte fie in beiner ^urcbt, im @lau= ben unb in ber Srömmigfeit, bamit mir einanber im emigen ßeben mieber feßen mögen. 34 gehe ben 2öeg aller 233elt, ich gehe ooran, aber im §immel merben bie ©laubigen unb $inber @ot= te£ mieber ^ufammenfommen. diejenigen aber, o treuer ©ott, bie i4 Ijinterlaffe, unb melden mein Abf4ieb oon ber Söelt mirb betrübt unb f4tnersli4 fein, bie überf4ütte mit beinern rei4en €>egen. der £>©rr fegne eu4, i^r meine geliebten Angehörigen, er fegne eu4 an ßeib unb Seele, er fei hinfort euer Sßater, Serforger unb Pfleger, er nehme eu4 in feinen @4nt*, er befeuere eu4 na4 feiner oöterli4en ©nabe ein gefegneteg Aug= fommen, unb bemahre eu4 oor allem Uebel. üftun fürstet hinfort ©ott, unb feib fromm, unb gibt ben ©einigen ben ©egen. 477 feijet euer Vertrauen auf if)n, unb tniffet, er ttrirb fid) über eud) erbarmen unb eud) gnäbig fetjj* 2Benbet eud) nid)t non il)nt ab burd) Unglauben, 53o^eit unb und)riftlid)en Söanbel, fonbern feib il)m treu bis in ben £ob, fo tnirb er eud) bie Ärone beS Sebent geben, ßaffet nidjt tum ©ott, fo tnirb er eud) aud) rtirf>t nerlaffen. @^ret, bie¬ net, Hebet unb gef)ord)et iljm. «3a, ber ©ott aller ©naben unb ^armljer^igfeit fegne euren 2luSgang unb ©ingang, baß iljr fein unb bleiben möget bie ©efegneten bes £>®rrn. D großer ©ott, id) ^abe fie gefegnet, laß fie aud) gefegnet bleiben. Unb hiermit lege id) mid) in beine 2lrme, o breieiniger ©ott, nimm meine (Seele Ijin, nimm fie auf in bie einige greube. 3$ begehre aufge= löfet unb bei ©^rifto $u fein. §©rr 3@fu, bir lebe id), bir fterbe id), bein bin id) tobt unb lebenbig. SW, bie id) binterlap, oerforge, ferg unb ©eift erheben, 3ch fürchte mich nicht oor bem 2ob, 2enn 3©fuS ift mein ßeben; ©ieh/ ich bin hier, ach, nimm mich hin, Söeil ich ntit bir oerföhnet bin, 2ir tüitX ich »ich ergeben. 6. 2ie ©rbe toirb fd)on meinen Seib $n fanfter 9?uf)e becfen, Söofelbften er oermahret bleibt, 33i3 ihn ©ott mirb ermeden; 3h* ©djmergen, Äranfheit, eure Mitacht ®ann, menn ich bin gu ©rab gebraut, Mltich auch nidjt mehr erfchrecfen. 7. Unb meine ©eel empfeljl ich &i* 3n beine tiefen Söunben, Q 3©ju, 3©fu, bleib bei mir 3n meinen 2obe3= ftunben; O 3©fu, ach, oerlah mich nicht, 33i3 bah ich ha& bein Mlngefidjt Mtach meinem äBunfdj gefunben. 8. 3m ©lauben unb in ^römmigteit 2öiK ich mit $reuben fterben, Unb fo bag fcf)öue $eierfleib 2urd) 3©fum S^riftum erben; 3dj leb unb fterb auch al§ ein ©h^ift $er &a &ei ©ott in ©naben ift, Unb merbe nicht oerberben. 9. Unb hiermit fdjlafe ich fanft ein, SBeitn fich mein 2)er ©terbenbe befiehlt fidj ©ott. 479 Seben enbet, 5D7ein $©fuS mirb auc§ bei mir fein, 3)er ficf» fdjon 5U mir menbet. $af)r t)in, mein ©eift, ju bei= nem ©ott, $af)r t)in gut greube nact) ber Sftot|, Sttein Sauf ift nun öottenbet. ®cr Sterbeubc befiehlt fid) ©ott. . Sliifm unter utig. $tt beine §änbe befetjl id) meinen (Seift; bu Ijaft ntid) erlöfet, §@rr, bu treuer ©ott. Später, ic| befehle meinen ©eift in beine £änbe. 31, 6. £uc. 23, 46. ©S tjaben ©terbenbe oftmals oor itfrem 5tobe nodE) oieterlei gu befehlen unb attguorbnen. ©ie motten ifjr $auS befteßeit, unb Dergeffeu bariiber baS 23efte, näm¬ lich itjre ©eele. 3)aS aber ift oon itjnen fetjr unmeiS- tief} unb ungeredjt gefyanbelt. 93ietme|r fotl 1) ein jeber ret|tfcf)affene ©Ijrift täglidEj, menn er fid) beS Slbenbs fdjtafen leget, ober am borgen aufftetjet, feine ©eete fammt bem Seib in ©otteS ©ctjup beferen, unb baS bittig, meil er nidjt meifj, maS ©ott am £age ober in ber Sftadtit über itjn gebieten merbe. £t)un aber baS fromme ©fyriften tägtidfj, fo foüen eS auc^ 2) ©terbenbe tfjun. ©ie |aben oor fid) baS ©£empet itjreS |jeitanbeS; als ber fterben moßte, ba fprad) er: $ater, idj befehle meinen ©eift in beine §änbe. ©o machte *S ©tepfjanuS, als er unter bem ©teinigen feufgete: §©rr $©fu, nimm mei¬ nen ©eift auf. $>iefe ©orge ift ©ott angenehm, baburd) leget ber 9ttenfdj feinen ©tauben unb fein Vertrauen gu ©ott an ben Xag. tiefes aber ift auch 3) tjödjft nötpig; man fielet an ©terbenben fo oietertei SBeränberungen unb gufätte; o, mie motft iffs bann getf)an, menn man bei gutem SSerftanbe ©ott feine ©eete anbefiet)tet, unb baS i&efte in gute SSerma^rung bringet, im Uebrigen aber fid) ©otteS SBitten gu leben unb gu fterben überläßt. $ft fo atteS beftettt, fo ftirbt man fetig. 480 2)er ©terbenbe befiehlt ftdj (Sott. ©ebet* 23artnhergiger unb liebreid)er ©ott, ber bu bie 9J2enfd)en Xäffeft fterben, unb fprirf>ft : $ommt lieber, if>r 3J2enfd)enfinber, ber bu beine ©elieb= ten burd) ben £ob $u bir gief)eft, unb fie ber $errlid)feit theilfmftig madheft, bie un$ _3@fu3 mit feinem bittern-Seiben unb Sterben erworben hat; idt) fel)e, bafe meine Schmadhhdt eine taut rebenbe Stimme mirb, bie mir prüfet: 33eftelle bein £>au§, benn bu mufet fterben; madje bid^ bereit, bem Bräutigam entgegen ^u gehen, t)atte beine ©tauben£lampe immer brennenb. Söeil i allein an bir ergäbe, in bir midh erfreue, tmn bir rebe, beine £>errlid)feit mir öorftetle, unb bie ^freube ber 2lu3ermähtten, bie audtj meiner märtet, unaufhörlich betrachte* ©rfütle mein §erg mit beinern ^eiligen ©eift, bamit er gute 93emegungen in mir mirfe. §ilf, bafe idt) im @ebäd)tnife bemalte ,3®fum ©h^fturn, fein uer= goffeneg 53lut unb feinen £ob mir allegeit tmr klugen ftetlenb. 2öenn nun bie £übe$ftunbe her= 3)er (Sterbenbe befiehlt ftdj ©ott. 481 bei fommt, fo betrage mid), trenn eß bein tjeilt' ger SBiHe ift, uor Anfettungen, t)or fd)treren ©ebattfen, ror großen Scpmergen unb k>or un= anftänbigen ©eberben. Safe ntir meinen guten ©erftanb biß an mein ©nbe, bi§ mir ber Dbem auägeljet, auf baft mein §erg, ffllmb unb ©eift Don bir finge, rebe unb bete; unb fo mir fa bie Spradje entfaßeu faßte, baß id) in meinem £>er= gen beine Sieblid)feit genießen unb beitte aßer= fjeiligfte ©egcntnart empfinben möge. ®ib mir burd) beine ©nabe greubigfeit im Sterben, lafe mid) atebantt einen ©lid tpun in bie frofje Selig= feit, gib mir in ber $obe£ftunbe etliche tropfen gu ftmeden ron ben pimmlifdjen Süfeigfeiten, bamit id) roß Qreuben unb 5£roft möge non Rinnen fdjeiben. 3d) befehle bir meine Seele, trenn fie ben Seib rerlöffet, ad), nimm fie al£= bann in beine £)änbe. ©ater, in beine §änbe befehle id) meine Seele, ja, §@rr Sßfu, nimm meinen ©eift auf. ©ebede fie mit beiner roß= fommenen ©eredjtigfeit, unb füljre fie gur §im= mel^freube ein, trie eine ©raut gur §od)geitg= freube, trie ein ^ittb gum @rbe, biß fie an bem lieben jüngften £age mieberum tnirb mit bem £eibe bereinigt trerben. $a, id) befehle bir aut meinen Seib in ber füplen ©rbe; rerleilje bem= felbett eine fanfte SJhtpe, bi3 bie lepte ©ofaune 482 Xtt Sterbenb« befielt ftcfi fitott. erf fingen unb rufen tnirb: €>tef>et auf, ifjr 2ob= ten, unb fomrnet bor ©ericfyt, unb laß mid) bann um 3^1U mitten ^um £eben fröi)tid> unb felig auferfte^en* ©oU id) einmal nad) beinern fRat^ $on biefer 2Belt ab= treiben, Verteil) mir, o §©rr, beine ©nab, 2)af3 eg gefdjel) mit $reuben; ©fein Seib unb ©eel befef^l id) bir, 0 $©rr, ein felig ©nb gib mir 2)urdj 3©ium Stjriftum, Stmen. ©ef attg* SJlel. : SBer nur ben lieben @ott läßt tuenden. 1. ©fein ©ott, id) f)abe nod) bag Seben, SDag beine £ianb tterliefjen f)at, ®ag mid id) bir jept mieber geben, $od) bitt id) nod) um biefe ©nab: 2Bann nun mein lepteg ©nb anbridjt, Sllgbann, mein ©ott, öerlafj mid) nid>t 2. $d) lebe nod) unb fann nodj beten, 2)runt bet tdEj and) unb fomm gu bir; SBirft bu im ©terben 511 mir treten, ©0 ift mir moljl, fo gniiget mir, Unb mann ber Xob am .Jjergen ftid)t, Sllgbaun, mein ©ott, oerlafj mid) nid)t. J3. Söann meine £obegftunb erfdjeiuet, ftd) merbe nadj unb nadE) gar blafj, SÖann jeber bei mir flagt unb meinet, 3d) lieg im ^obegfdjmeifje nafj, Sßann fid) entfärbet mein ©efidft, Hlgbann, mein ©ott, berlafj mid) nidjt. 4. SBann mein ißerftanb ftd) roirb oerlieren, 5Dajg id) nidjt meljr mei§, mo icf) bin, ©0 lafj mid) beinen ©eift regieren, $5amit id) 3©fum ^ab *im ©itm; Unb fo mid) meiue©ünbanfid)t, 2Ugbann,mein©ott, nerlafj mid)ntd)t 5. 28ann fid) bie blaffen Sippen ftpejgen, Kalman fein sfBort meljr üott mir fjört, ©0 laft mir biefen iroft gufliefjen: 3d) geb bir, mag bu f)aft begehrt; SSann meine $unge nidjt mef)r fpriept, SUgbann, mein ©ott, öerlajj mid) niefjt. 6. ©3ann bag ©efidjt mir mtrb ttergepen 3ute^t in meiner ©terbenggeit, ©0 tag mid) bid) im ©lange fepen Unb geig mir beine $errlid)feit; 2tud) mann oerlifd)t mein $lugculid)t, Sllgbamt, mein ©ott, öerlafj mid) nidjt. ®ec (Sterbenbe fteCfet eine §imnte[§betrad|tung an. 483 7. $ann ieütgc3 ©eifie§ fa^e auf gen £>immcl, unb fatje bie ^errlidjfeit ©otte3, unb ^©fum fielen ^ur Wcdjten ©otteä, unb fprad): ©iefye, id} felje ben £immel offen, unb be§ ‘üDtenfdfcn ©oljn gut Siebten ©ottcS ftetjen. Slpoft. 7, 55. SlidgtS ©iigereS unb SlngenegmereS tarnt einer gtäu= bigen ©eete fein, atS an ©ott unb ben Fimmel beuten. $nt §immel ift igre Söoguung, igr SSatertanb, igr Stroft, igr ©rbe, igre föroite, igre §errticgfeit, igr Verlangen, igre $reube. ^gr ift auf ©rben, igre ©eete bei ©ott, igre Strbeit auf ©rben, igre ©ebanten im -Jjintmet. ©ott es atfo fein mit einem ©laubigen, mie tuet megr mit 484 3)er ©terbenbe (teilet eine ipimmelöbetracfjtung an. einem ©terbenben? Sei ben ©terbenben ftnben fiel) aßer= tei traurige 2)inge ein: bie finftre @rbe, ber Stbfc^ieb öon ben irrigen, ber Umftef}enben £f)räiten, bie le£te £obe3= augft unb bergteidjen. Stßeiit bteö aße3 fann oerfiifjet merben, menn ber ©terbenbe fein $erg fcfjicft batjineitt, mo er emig miinfdjt gu fein. 1) SDer finftern (£rbe foß er entgegenfe|en bie |)errliimmel3 oorfteßet, bem mirb fein ©terbebette jum $arabie§ merben. (teilet* 0 bu gnäbiger ©ott, mie groß ift beine Siebe unb ©nabe gegen utt3 SDtafchen ! allein tfjuft bu un£ ©ute§, bu f)ilfft un£, erhöreft uns, erbarnteft bid) über uns, iiberfdjütteft uns mit Dielen 2Bot)ltl)aten, biemeil mir leben, fonbern haft uns and) Diele unb fjerrlidje ©iiter in bem ©immel aufgehoben; benn im §immel follett mir haben, o ©ott, mie große ©aben. deshalb fteüe id) mir fd)on im ©lauben oor beine große 2tfafe= ftftt unb §errlid)feit, ben ©lan^, barin bu moh= neft, mie fo Diel taufenb ©erabhinen, alle ©ngel Ser ©terknbe (teilet eine §imme[§f»etrac^tung an. 485 uttb 2lu3erioäl)lte, nämlid) alte frommen, bie je= mal3 auf ßrben gelebet ßaben, oor beinern £ßron fteßen, büß loben unb greifen, unb ba£ §eilig, «£>eilig, §eilig bir gu ßßren anftimmen* $a, i<ß ftelle mir oor, toie id) and) halb toerbe nnter ißnen fteßen, toettn i<ß nun fanft unb felig ge= ftorben bin* 3d) erinnere mid), toie itß atebann eine ßerrlitße $rone auf meinem Raupte tragen, unb mit einem toeißen Sleibe toerbe angetßan fein, ja, toie itß toerbe felbft lenkten toie bie @onne* 0 §errlid)feit, o Seligfeit, o ©lüd= feligfeit, bie mir ber Sater aller ©naben unb Sarmßergigfeit um 3@fu mitten mittßeilen toirb. 0arum erftßredc i(ß oor bem £obe nid^t, toeil er mir bie 5£ßür gu foltßer §errlid)feit auftßun mirb* ^ann ein irbiftßer $önig feinen ^3alaft fo ßerrlüß augftßmüden laffen, baß man fitß bar= über oertounbert, unb ficß nicßt fatt feßen fann, toie groß unb ßerrlüß toirb nid)t bie ^raißt beg ßimmliftßen $önig£ unb ber ©lang be3 uttenb= liefert (Sottet fein ! 0e£ßalb toill itß gern fter= bett unb bie ßrbe üerlaffen; id) feßaue mit greu= ben ben ^irnmel an, bentt ba ift meine etoige Söoßnung, ßier ßabeu mir bod> feine bleibenbe Stätte, 0iefe SBoßnung ßat mir 3®fu§, mein ^eilanb, burtß fein Seiben unb Sterben ertoor- ben, baßin toerbe id) aud) burtß ben ©lauben an 3a 486 35er ©terbenbe fteHet eine SjjimmdSbetradjtung an. ttjn gelangen, Schaue id) ben §immel an, fo erinnere id) mid), ba ift mein $aterlanb, mofelbft alle frommen Triften unb ©laubige üerfammelt finb. 0iemeil id) auf ber 2Mt bin, bin id) nne ein Pilgrim unb SBanberömann, ber immerfort reifet; aber menn id) burd) einen fetigen %ob in bem §immel angelanget bin, al^bann !omme id) 3ur ^Rulje, gum ^rieben unb gu meinem etoigen Söohlfein. <3dj fefye ben §immel an mit Sreu= ben, unb benfe, ba ift mein ©rbe; habe id> hier ein grofeeg ©rbe auf ©rben gehabt, im Fimmel ift mir ein emigeg unb unbeflecfteg ©rbe auf= bemalten, 3$ benfe, ber £>immel ift ba£ $ßara= bie£, barin ©ott bie ©laubigen ergäben mirb, gegen meld)e§ ba$ ^arabieg auf ©rben nur ein Sdjatten mar, 3$ tt>i£t, wein ©ott, toenn id) beitte ^errli^feit im ^nnttnel erbliden toerbe, gu bir, toie bie Königin au3 bem 3Rorgenlanb 31t bem Salomo, fagen: 0 mein ©ott, 0 mein 3©fu, mir ift nicht bie §älfte in biefem ßeben non beiner §errlid)feit gefagt, bu l^aft mehr §err= lidjfeit unb @ute§, benn ba£ ©erudht ift, ba£ id) oon bir gehöret höbe. ß'omnt, o Xob, bu 0djlafe3=23ruber, ®omm unb führe mid) mit fortA £öfe meinet ©chiffleing Sftuber, bringe mich in ficheru ^ßort; (£§ mag, tt>er ba miü, bich freuen, £)u fannft mich vielmehr erfreuen, 2)enn burch bich fomm ich hinein $u bem liehen $Gsfu mein. toen. 2)er Sterknbe ertmget bie SSerbeijjungen ©otteS. 487 <&efattg* 9M. : 3i°n flößt ittit Stngft unb e nicht, ich bin bein ©ott; unb ferner, meint mein SSfuS fpricht: 2öo ich bin, ba foE mein ^Diener auch fein; in meinet Söaterg §aufe finb Diele 2Boh= ttungen, ich gehe hin, euch bie Stätte gu bereiten, ich miE mieber tommen, unb euch SU mir nehmen, auf baß ihr feib, mo ich bin ; ja, menn ich üer= fichert merbe, bete für mich unb fei mein 3Der ©terbcnbe ertoäget bic SSer^eijjurtgen ©otteä. 489 $iirfpredf)er, unb bafc ber ^eilige ©eift midi) ber= trete mit unaugfpredfjlicfyem Seufgen. 0 bu gnä= biger ©ott, erfülle anjefct alte biefe SBerfjeifjungen an mir. 9ld), bie !Kotf) ttrirb immer größer, ad), fei unb bleibe bei mir in meiner testen Sftotfy. kd), öerlaf} midf) jet)t nid^t, ftefje bei mir, o 3©fu, lafj mid) gelangen gu ber §errlid)feit, nnb bie •Stätte entnehmen, bie bu mir bereitet fyaft; o 3@fu, fei }e^t mein Sürfprec^er; ad), bitte für mid) armen Sünber, bamit id) ©nabe nnb Söarmljergigteit erlange. $ld), bn mertljer §eili= ger ©eift, ftefye mir bei in meiner Sd)ttmd)f)eit, unb gib mir &aft unb Starte. Stehet mir ein fernerer ^ambf beüor, fo f)ilf mir fiegen unb über= minben. §abe id) einen ^ot)en 95erg gu fteigen, fo oerleit)e mir Starte. Stehet mir ttod) eine fjarte Stnnbe beoor, fo Ijilf mir au3 berfelben. 2Benn mein üDhmb nidjt metjr beten fann, fo oer= tritt midj bei ©ott mit unau3fpred)lid)en Seuf= gern, ja, bringe meine fdjtoadjen Seufger oor ©ott. 9tun, bu gnabenreidjer ©ott, id) tjalte mid) an beine SSer^ei^nngen, nnb glaube, bu merbeft fie aud) nad) beiner 33armt)ergigteit an mir, an mir dlenben, erfüllen. 3d) glaube bei= nem 2öorte, id) traue auf bein 2Bort, mein £>erg l)ält bir oor bein äöort; 3^r foUt mein 3lntli| fu^en; barum }ud)e id) aud>, §@rr, bein $lntli£. 490 Ser Sterbenbe ertraget bie 3?er^eifjungen ©otteS. Sld), beitt Söort ift mir in meinem Sehen immer £roft unb Qrreube gemefen, ad), (ab e£ je$t in meinem 2obe oud) mein Sabfal unb meine @r= quidung fein. $ommt bie $eit, ba mir um £roft gor bange mirb, fo nimm bid) meiner ^eele ^erg= lid) an. ©rquide rnidb, menn ber 2obe$fd)meib anbridjt, erfreue mid), menn bie Sippen blafe merben, tröfte mid), menn £>ören unb bu großer ©ott, erhöre, SöaS beitt ®inb gebeten bat, 3©fu, ben idj ftetö dere|re, 33tetbe ja mein ©djup unb Statt), Unb mein |jort, bu merttjer ©eift, $er bu $reunb unb £röfter beif#/ $öre bocb mein febnticb Rieben! Simen, ja, eä fott gefaben. Simen. @ef attg» 2TleI. : Söentt mein ©tüiiblein bor^artben ift. 1. 3cb fterbe gern, marum foOt icb SJtidj t>or bem ©rabe fdjeuett? Stein ©taube pfleget oftmals fid^ Stuf meinen $£ob gu freuen; 3d) toeib, bab ©ott nach biefer 3eit SJiitf) broben in ber ©migfeit ©ar berrtid) roirb Der* neuen. 2, Sfcb fterbe 9ern^ ^enn nad) bem Xob Sötrb ficb mein ©töd anbeben, $ür irübfat, Jammer, Slngft unb Stottj Söirb ©ott mir ^reube geben; $)a§ £bränenntab toirb notier Söein, 2)a3 trauern lauter $aud)äen fein §n fot= d)em ^reubenleben. 3>er ©tcrbenbe betrautet bie ^immelSfwubc unb ^©efeHfdjaft. 491 3. $d) fterbe gern, biemeit id) merb $)ereinften auf= erftefjen Unb tjerrftd) aus ber finftern ©rb Unb meinem ©rabe get)en; 3d) merb, oerftärt in ©lang unb £id)t, ®e3 HUetpdEjften Hngefidjt SOfit ßuft unb 3*eube fefjen. 4. 3?d) fterbe gern, bieä bteibt mein SÖort, 33i§ bafc idj merbe fommen 3ß ©ott, an jenen $reubenort, 3ur fdjönften ©djaar ber frommen. 2fd), mann brid)t an bie ^reubengeit, $)aB icb gut öimmetäberrtidrfeit Stucb merbe aufgenommen? 2) er Slcrlicitbc betrachtet bie $raune(äfrcui>e unb =@efeUf(haft- Aufmunterung. 3) arnad) fa^e iimmet3freube unb §immet3gefetlfd)aft beutet, meiner ©ebattfe ben Rommen fcfyott auf ©rbeti oft ergäbet? SDenn ein ©terbettber fott, 1) ma3 er auf ©rben fielet, anfdjauen at3 3)inge, bie er balb oertaffen unb nid)t rneljr fetjen mirb. ©r fott hingegen 2) Ijimmtifdje ^Betrachtungen t)aben, unb fleißig beuten an bie gufüuftige |rimmet3freube, mie er nadj bem Slbfdjieb aus biefem ßeben merbe in be3 £jimmel§ $reube unb ©lang oerfe|t merben, mo tauter ©otute, §riebe, $reube, Xroft unb §errtid^feit ift, mo anftatt be§ ßeibettä unb ber ©ctjmergen ein emige§ ©rgö^en itjn erfreuen mirb. ©§ fott aber and) 3) ein ©terbenber feine Betrachtungen anftetten über bie f)immtifd)e ©ejeHfdjaft, mie er nun balb mirb flauen ba$ $lngefidjt be£ breieinigen ©otte§, unb fommen gu fo oiet taufenb ©ngetn unb 2lu3ermät)Iten. 492 2)er ©ter&enbe Betrachtet bie §immelSfreube unb =@cfeüfcf;afi. 2Benn alfo ein ©terbenber biefe himntÜfche ©efeUfdjaft unb feine fünftige {SUücffetigfeit fic^ üorfieüet, fo wirb if)m fein ßeibeit üerfüjjet unb bte ©tunbe fur§ werben, ja, er wirb baburcf) ^eilige Bewegungen in feiner ©eele empfinben. (Bebet* 3Bie Itebltd^ finb beine Söoljnungen, |>®rr ^ebaotf), meine Seele feinet fid) nad) beinen SBorljöfen; ad), mann merbe id) bafjin fommen, baft id) bein ßlngefidjt flauen unb oor beinern %l)ron mit allen Engeln unb $lu3ermäl)lten fielen merbe? 0 meld)e grofje ,£>errlid)feit unb Seligfeit merb^e id) antreffen, menn id) oon bie- fern Seibe gefd)iebett unb felig geftorben bin, meil id) in bie Raufer be£ f$rrieben£ merbe Perfekt, mit Sdjmud: unb ©hren gefrönet unb be§ ^imm= lifdjen ©langet theilfyaftig merben! 0 meldje §errlid)feit unb ^reube märtet auf ntid) ! 3d) merbe flauen bett breieinigen (Sott mm Wngefid)t ^u 2lngefidjt; ma3 id) l)ier geglaubet, merbe id) bort flauen, ma§ id) hier nicht begreifen fonnte, merbe id) bort tmllfommen miffen unb erfenuen; ba merbe id) üöllig burd)ftral)let, burd)leud)tet unb mit t)imm(ifd)cnt Sicht erfüllet fein. Bßeld)e Qfreube aber mirb ba£ fein, ben großen majeftöti= fdjen ©ott in feiner §errlid)feit gu erbliden! 0arum feufee id) unb bete mit Verlangen: 2Bie ber £)irfd) fdhreiet uad) frifdjem Gaffer, fo fdjreiet $er ©ter&enbe betrachtet bie öimmelsfreube uttb =<5iefeIIfct?aft. 493 meine Seele, ©ott, 31t bir; meine Seele bürftet nach ©ott, nad) bem tebenbigen ©ott; mann merbe id) bat)in fommen, ba& id) ©otteö 2ln= gefidjt fd)aue? 0a3 ift bie Eödjfte $reube, ©ott gu fdjauen, an ben mir t)ier geglaubet, unb iEn borf) nie gefeiert Eobcn. biefern SeEen mirb ba£ EÖdjfte Vergnügen, bie lieblid)fte Siiftigfeit unb bie oobfommenftc ©liidfeligfeit hefteten; mein Seiben mirb in Qfreuben, mein SBeinen in 3aud)3en, meine Strübfal in Söoitne, mein ©lenb in ©rgöjjen, mein Jammer in &roft unb mein §ergeleib in lauter §errlid)feit oermanbelt mer= ben, «3m ^irntnel merbe id) and) in einer freuben= reidjen unb feligeit ©emeinfdjaft leben; l)ier bin id) unter äftenfdjen, ja, id) fyabe unter ^renttben unb Seinben miifjen mein ßeben Einbringen; abein in ber <£errlid)feit merbe id) antreffen fo öiel taufenb ^eiüge ©ugel, meldje in großem @(an^ unb 2id)t um ©otte§ S^ou fdjmeben, unb ba3 heilig, Zeitig, ßeiüg ift ©ott, ber £>©rr gebaotE, anftimmeu. 3d) merbe ba antreffen abe frommen unb 2Iu$ermäElten, bie Dom 2lti= fang ber 2öelt fytx gelebet Eoben. 3eute nod) mit $reuben fter- ben Unb fein $eil ererben. Simen. (#ef attg. 3T?eI. : SlUe SDtenfdjen miiffen fterben. 1. 3Betd)e füfje §immel$freube, SBeldfe grobe §err- lidjfeit, 0 meid) prächtige^ ©ebäube Sft ben frommen gubereit’t Sn ben frönen |>immel£auen, 2)ie fie einften$ foöen fdjauen; Sich, mein ©eift ift gang entgücft, menn er fotzen ©lang erblicft. 2. SDa ift red)t ba§ Sanb ber frommen, $>enn ba tommt tein $8öfer bin, 2>a mirb ber nur angenommen, $>er gelebt nad) S^rifti Sinn; $ier ift ©ott felbft Sicht unb Sonne, §ier ift gut fein, l)ier ift SBonne, §ier ge= uiefjt man allezeit Sauter £id)t unb (Seligfeit, 3. 3)a labt ©ott fid^ felber fetjen, $>en fein Slug auf (£rben fieljt, Sn bem Sehen mirb entftefjen ^roft, S$er= gitügen, $reube, Srrieb; Sn bem aS ergäbet ftetö ooit neuem; Slug unb (Seel mirb nim* mer fatt, 3)a§ ooö Vergnügen bat. 4. Sa, in biefem ^reubenleben, Sin bem freubenooüen 0rt, Sie^t man diele Gmgel fcbmeben, &ie um ©ott finb hier unb bort, $)ie im frönen ©lange prangen Unb beg §öcbften Sob anfangen; Sd) ftimm auch mit ihnen ein, SBann ich merb bei ihnen fein. 2)er ©terbenbe tröfict fidj beS Setftanbeä beä breieinigen ©otteä. 495 5. 25a finb't man bet frommen Sdjaaren Folter Sßradjt ltnb §errlid)feit, 25ie guoor in 2rübfal maren Unb in taufenb §ergeteib, §eüe gtängen mie bie Sonne, ßeben in ber größten SBonne, Stegen ba öor (Siotteö 25t)ron, Sd)ön gegiert mit ifjrer ®ron. 6. lXnabläffig ©ott gu toben, $ft ber frommen 2öer! attfjier; $on beit Seiten unb üon oben ©länget alleg mie Saphir; 25 ie man t)ier betrübt öerlaffen, $aitn man freubig bort umfaffen, 2)a, ba ift bag SBieberfetjn, 25ag ba einig mirb beftetjn. 7. Stuf, auf, taffet ung beftreben, 25ie mir nodj finb in ber 2öett, 2)ajg mir einft nad) biefem fiebert kommen in beg |jimmetg gelt; fiaßt im ©tauben und feft fteljen, Unb auf ©otteg SBegen getjen, Unb ergreifen $Kfunt Kfjrift, 25er ber 2Beg gum $immet ift. 8. D mein ©ott, lafc midi) gelangen 2lud| gu biefer tierrlidjfeit, 2ldj, bergeif), mag id) begangen dfteine gange ebenggeit; bleibe mid) mit reiner Seibe, $üljr mict) gu ber $immet§meibe, 25a idj mit ber Rommen Sdjaar 25id) mitl loben immerbar. ®tt ©tertenöc tröflet jidj bt$ SBciftonbeö beö breieinigen ©otteö. 3lufmuutcnutg. (St erquiefet mkf) mit Blumen. . . . (Seine Sinle liegt unter meinem Raupte, unb feine 9ted)te tjer$et rnidj. §o^el. 2, 5. 6. 2)ie ©egenmart ©otteg im Seibeti tann nid)t anberg atg einer Seete füB unb tröfttid) fein, ©ott aber ift nidjt allein natje bei allen Kreaturen, fonbern er ift audj mit feiner befonberen ©egenmart naf>e bei ben ©laubigen, im ßeben unb aud) im Sterben. 3ßie er benn bertjeifjen t)at: Sietje, id) bin bei eud) ade 2age, big an ber Sßett Knbe, 0 foHte ©ott ben frommen bie Stugen öffnen, 496 2)er ©ietbenbe tröftet fid^ be3 Seiftanbe§ be§ breieinigen ©oiie®. mie horten bem Knaben ©lifö! 0 mag mürben fie um it)r Sette für eine fettige ©efedfdjaft feilen, fo oiel ^eilige @ngel, bie fic^ fd^on freuen, bafs fie mieberum eine ©eele 5ur §errlid)feit begleiten füllen, mie audj oftmal fromme ©terbenbe gerülfmet unb gefagt: 0 mie §eÜ ift eg um mein Sette? ©efjet iljr horten nid)t bag meiffe Sidjt? meldjeg gemifj ^eilige (£ngel merbett gemefen fein. ©on= berlid) aber ift eine gläubige ©eele oerfidjert üon heg breieiuigen ®otteg Seiftanb. 1) SDer ^immlifc^e Sater mirb an feine Satertreue benfen unb feinem Äinbe bei= fielen. 2) ^(Sfug mirb bie burd) fein Slut erfauften ©eelen in bem lebten ^obegfampf nicfjt allein taffen. 3) $)er ^eilige ©eift mirb audj burd) feinen fräftigen STroft atgbann fie erquiden. Sergefyet gleich §ören unb ©el)en, oerge^en alle ©inne, fo meiff bod) ein ©terben- ber, bafj bie Serljeifjung : $d) bin bei it)m in her 9tott), audj je$t in her $obegnotl) merbe an ifjm erfüllet merben. 0 mof)l bem, melden ®ott biefeg alleg in feinem ©ter- ben empfinben läfjt! (befrei* $omin, §ßrr [u, fo fyreat mid) oiel gu lieb, Sleibt ein ®ater bei feinem 25er ©terbenbe tröftet ficti b e$ Seiftanbe^ be§ breieinigen ©ottes. 497 franfen Äittbe, unb f)ilft üjm, fo öiel er fattn, nrie oiel mehr !attn id) mid) be3 allmächtigen unb fräftigen Beiftanbe§ meinet t)immlifd)en Bater£ tröffen 1 9hm mirb mein Ijimmlifdjer 33ater mir ba3 ©rbe erteilen, ba§ mir ,3©fu3 burd) feinen Sob ermorben l)at. (Sr mirb mid) fjei&en ein= gehen in ba§ SReid), ba3 er mir non Anfang ber Söelt bereitet f)at Sterben fomrnt mir nid)t fdjredlid) toor, id) fterbe in ber Bereinigung mit 3@fn (^tjrifto; biefe ©emeinfd)aft ift im ©Iau= ben fjier angefangen, biefelbe mirb auch nimmer= me^r aufgehoben merben. 3n biefer ©entein= fd)aft bin id) ein Iebenbige3 ©lieb an beut ßeibe 3@fu ©fjrifti, baoon er ba£ §auj)t ift; meife aber ba£ §au$)t mof)l, mie e$ feinen ©Hebern geljet, fo meifj and) mein ,3@fu§, mie e£ i<$t um mid) fielet. «3d) bin in it)tn unb er in mir, unb in feiner heiligen ©emcinfdjaft mit! id) je£t fterben. §at er gefagt: bin bei euch alte Sage, bi§ an ber SBelt (Sttbe, fo wirb er aud) bei mir fein in bem Sterben. ©ieid)tt)ie er bie Seinigen gelicbct hat bi3 an£ ©ttbe, ba er fid) für fie in ben Sob gegeben, alfo Hebet er fie aud), menn fie fterben modern 9öenn id) alfo in meinet 3@fu Ernten bin, fo ift mir ber Sob nid)t fdjredlid), meil id) ben bei mir tmbe, ber ade Sobe^bitterteit burd) feinen Sob fyat meg= 498 35cr 6terBenbe tröftet futy be$ Seiftanbeä beS breiciitigen <3otte8. genommen« §ter ^at mein mid) fdjon angegogen mit bem Stode be3 §eil£ nnb mit bem Otod ber ©ered)tigfeit betleibet, horten toirb er mir ba3 toeifee $leib ber ©^ren unb §errlid)feit onlegen. TOein Seelenbräutigam führet mich gut §od)geit, mein Seelenfreuttb macht mid) feiner 4>errlid)leit theilhaftig. 3Kein |)©rr erfüllet an mir, toa$ er gefagt: 2Bo id) bin, ba foCt mein Wiener and) fein. £>er £ob ift mir nicht fd)red= lief), xd) fterbe in ber ©emeinfd)aft be§ ^eiligen @eifte§, ber t)at fid) mein |)erg gum Stempel ge= heiliget in meinem Seben, ber toirb and) mit mir oereiniget bleiben im £obe. $>er mid) fo oft in meiner Srübfal getröftet, im Seiben erfreuet, im ©lettb erquidet, im ffreug erhalten, ber toirb mid) in ber letzten Stunbe aud) nicht üerlaffen, fon= bem ^eugnift geben meinem ©eift, bafj ich getoifc ©otteg $inb fei. Sollte mir auch bie Sprache entfalten, bafc ich nicht mehr beten fann, fo toirb er mich bei ©ott oertreten mit unau3fpred)lid)em Seufzen. 3a, toeil er ift ba§ $fanb unfere£ ©rbe§, fo oerfichert er mich fchon, baf$ ich ein ©rbe be£ |)immel§ fei unb gu beffen oöKigem Söefifj entgehen toerbe. £>er $ater reichet mir bie ffrone bar; 3©fu§ führet mich an ber §anb gur greube; ber ^eilige ©eift gieret mich mit Sicht unb äßonne; bie heiligen (Imgel freuen fich Ser Sterbettbe tröftet jtdj beS SeiftanbeS be$ breietntflen ©otteS. 499 über meinen Eintritt in bag f)tntmlif@fum ßfiriftum fterben. übermunben; 2Bte merb id) fein be# £rofte# üott, 2öenn mein £eib ift oerfdjmunben ! 0 ^reubenftunbe, brid^ bodj an, $>aj3 id) gu $©fu fommen !ann Unb bleib mit if)tn oerbunben. ®et ©terfienbc mtU auf 3®fum {£fnifüitn fterben. 'JJufmmttcruug. $@rr 3®fu/ nimm meinen ©eift auf ! 2lpoft. 7, 58. ($3 fragen ©terbenbe oftmal#, mie fie mit allerlei ©e= banfen fo Diel gu tljuti fabelt, meldje ntdjt meinen unb rnanfen motten; biefe nun gu oertreiben, tfjut ein ©lau¬ biger tuoffl, 1) wenn er ficf) im ©tauben unb in ^eiliger Setrad)tung oorftetlet $©fum am föreug, unb babei biefe frommen ©ebanfen f)at: $©fu SBunben finb für mid) ge* fd)lagen, fie fotten aud) in meinem £obe meine einzige 3uflud)t fein, $©fu Slut ift aud) für mid) Oergoffen, biefe# Slut wäfd)t uttb heiliget mid) aud). 3©fu au#* gefpannte 2lrme motten aud) midi) umfaffen unb in ben ipimmet gieren, ©r ftirbt am ^reug, bamit mein £ob mir möge oerfüfjet, unb id) burd) ben £ob in ba# emige Seben eingefütjret werben, ©otdfje unb bergleidjen ©e* bauten merben bie irbifc^en ©ebanfen oertreiben, unb ba# ©emütt) gang ruljig unb ftitt unb ba# £>erg freubig machen. Sei biefett Setrachtungen fott ber gläubige ©fjrift 2) audj alle feine 3uoerfid)t auf biefen §eilanb ber 3Belt fe^en; er fott ©Ijrifti ©ered)tigfeit unb Serbienft fid) gueignen, bamit oor ©ott treten unb fagen: 2ld), um meine# 5©fu ©eredjtigfeit, Stute#, $obe# unb Serbienfte# mitten fei mir guäbig, barauf lebe id) unb fterbe idj, unb baburd) will id) gur $immel#freube eingeljen. ©e&et* 0 3®fu, Itebfter £)eilanb, tt>etttt id) tum t>on biefer S3elt foü abfd^eiben, inbern bie SSorboten ®er ©terbenbe toiß auf 3er ©ierbetibe teilt auf 3J@futn Gfiriftum fterben. Du bift bie Söafjrljeit, ad), bu Ijaft bisher alle beine ©nabenoerfjeigungen an mir maljr gemacht, barum erfülle aud) biefe, ba bu mir oedjeigen: 3ßo id) bin, ba fall mein Diener autb fein; men n id) erf)öf)et merbe tmn ber ©rbe, miß id) fie alle 3u mir gieren. Sftimrn mid) fetd ju bir, mo bu bift. @@rr, lag beinen Diener in ^rieben fal)= reu, mie bu gejagt Jjaft* 9ld), giefje mid) gu bir, px bem tmlligen ©enug beiner f)immlifd)en ©üter. 3d) ftelle mir tmr, mie bu am ^reu^e für midi) geftorben, mie bu bein Zeitig 53lut oergoffen, mie bu für mid) bafelbft bein Seben gelaffen. 9ld), bein ^eiliges 33lut mafdje unb reinige mid) tmn allen meinen @ünben; um beiner ^eiligen 3Bun= ben mitten lag mid) ©nabe unb Sarmfjeraigfeit erlangen. Du bift baS Samm ©otteS, baS fid) für mich am @tamm bes ^reu^eS fjat fdjladjten laffen, unb burd) bein $lut bin id) mit ©ott oerföf)net. Du bift mein £ml)erbriefter, ber für mid) betet. Du bift ber §elb, ber mir l)ilft; ber griebefürft, ber mid) in bie §äufer bes $riebens aufnimmt. 0 3©fu, id) fomtne gu bir, barum faffe unb l)alte id) bid) im ©lauben unb fyredje: äReinen 3©fum lag id) nid)t; meil er fid) für mid) gegeben, fo erforbert meine $flid)t, fletten= meis an if)tn px tleben; er ift meines Sehens Sidjt, meinen 3@fum lag id) nidfjt. 3a, an &et ©terbenbe hnü auf 3©fum ©fyriftum fterben. 503 3®fum tottX id) fe£t attettt benfen, ber foü mei= ncr @eete £id)t unb §etf, meinet Sebent $?raft, meine Sonne unb 2Bonne, mein $5ufyten unb $rad)ten, mein teufen unb Ueberlegen, mein Me£ fein* 2©eg, tf)r eiteln ©ebanfen, an 3®fu Skrbienft unb öergoffenem 23lut mid td) mid) er= gö^en, feine heiligen Söunben mill id) mir oor= fte&en, feinet bittern Selben^ toitt idf) mid) trö= ften, unb mein lebtet SBort foU 3®fu§ fein, ja, mein (ebter ©ebanfe fott SSfu^, 3©fu£ fein. ©rfdjeine mir pm @d)itbe, $um $roft in meinem ^ob, Unb lob mid) fe^tt bein 93ilbe Sn betner ^reugeS- notg. ®a miU id) nad) bir Miefen, 2)a mitt id) glaubend boU $)id) feft an mein ^jer^ brüefen; 2öer fo ftirbt, ber ftirbt mögt Amen. ©efaitg* 9M. : O (Sott, bu frommer (Bott. 1. Se3 ©taubenS $iet er* reifen, Vergebung, $rieb mtb $reub, Ser ©eeteit ©etig* feit; ,3id) meinen ©eift nad} bir Surdj bie ge^pattne ©eit 6. Unb enbtid) mid id) aud; $it biefen Söunben fter= ben Unb in benfetbigen 25er ©eete §eii> ermerbeit; Unb fd^taf id) gtaubenSöod $tt $©fu SBunben ein, ©o mirb mein Seib unb ©eet ©ar mopt oermatjret fern. ®cr Sfctknbc Bittet um ein feliges (SnBe. Aufmunterung. ift genug, fo nimm nun, £>@rr, meine ©eele; idj bin nic^t beffer, benn meine SSäter. 1 ft'ön. 19, 4. Söenn im alten Seftament jemanb ©ott bent §©rrn eine ©abe brachte, fo mupte e§ fein gegmuitgeneS, fonbern ein freimtdige3 Opfer fein, ©o ift e§ aud) mit unferm ©terbett; e3 mitfj ein ffflenfdj nicfjt fterben mit Sßerbrufj, nicf)t gelungen, itid)t mit Durren unb SBibermiden, fonbern e§ fotl 1) ein 9J?enfdj in gefunbert Sagen fidj be* fannt marfjeit bie |)errttd)feit, bie un3 in jenem Seben bereitet ift, bie ftrone, baS tueiße Äteib, bie fjreube, bie mir itad) bent Sob erlangen foden. Süiatt fod 2) and) fidj befannt madjett beit 2Beg, ber 51t biefer $errtid)feit führet, metdjer ift $©fu3 ©t)riftu3, baff man im ©tauben betjarre bi§ in ben Sob. Äommt benn nun bie ©tunbe tjeran, bie ©ott 511m $tbfd)ieb beftintmet, jo fod man 3) mit ^reubeit feine 3(Ugeu aufbebett gen ^imntel unb ©ott um eilt fetigeg ©nbe anftetjen; biefen fann atfo ge* ftfjefjeit, meint mau bem breieintgen ©ott feinen Seib unb feine ©eete empfief}tet, $©futn ©tjriftum immer im ©e* badjtnifi betjält, anbäc^tig betet, uitb fo auf fein ©tiinb* tein märtet; babei mau auch ©ott anrufen fann, er mode ein ftide§, fanfteS, PentünftigeS unb fetigeä ©nbe per* 3)er (SterBenbe bittet um ein feligeä (Srtbe. 505 leiden* Sollten aucg guweilen einige unanftänbige ®e= berben mit untertaufen, fo mirb e§ bod^ ben Umftegenben emüfmblicger at§ bent Sterbenben fein, metdjer unter- befjen in ber fügen ©emehtfcgaft mit feinem $(£fu bleibet. ©ebet* ©armger^iger, gttäbiger ©ott, idj inerte, bag bie $eit meinet Wbfcgieb§ bor^önbett ift, bog idj foll in ^rieben gittfagren, unb gut Sftuge mid) nieberlegen; mein ©eficgt oergeget mir, meine grafte neunten ab, unb e§ fcf)einet, e§ mirb halb onber^ mit mir merbett; barum fomnte id) gu bir, unb tgue mein legtet ©ebet, metd)e§ barin befteget: Mein Seib unb Seel befe^t idj bir, o §@rr, ein felget ©ttb gib mir, nnt ^©fu ©grifti mitten. §@rr ©ott, gimmlifcger SSater, ber bu mid) erfcgaffen, blöder oerforget unb erhalten gaft, adj, nimm meine @eete in ©naben an. 0 <3©fu, ber bu mid) mit beinern ©tut ertöfet unb abge= mafcgen bjaft, ad), tag mid) im magren ©tauben auf bein 33erbienft urtb ©tut fegt fetig fterben. 2ldj §©rr 3©fu, in beine ^jättbe befehle id) mei= nett ©eift. 0 mertger Zeitiger ©eift, mein Xxö- fter unb ©eiftanb, ad), oertag mid) jegt nic^t, gib mir Qfreubigfeit unb ©erficgerung, bag id) ein ©rbe be§ emigen Sebent fei, ja, bete in mir unb mit mir, unb Oertritt mid) bei ©ott mit unau^fyrecglidjen ©entern. @iege, icg bin be= 506 3)er ©terbenbe Bittet um ein feligeS Gnbe. reit, bie @rbe gu oerlaffen, urtb fehlte mid) aEein nad) bir, unb bei bir, o breieiniger ®ott, gu fein» §atte $\xael ein ©rlaßfaljr, ba eg aug ber $ned)t= fd^aft tnieber gu feiner Steifheit unb gu feinem ©igentfjum fam: öd), mein ©ott, menn id) felig fterbe, fo gel)et mein ©rlaßjafyr an, baß id) oon allem Sünbenbienft, non aller $)reugeglaft be= freiet, gu ber ooEfommenen Qfreiljeit ber $in= ber ©otteg in bem emigen Seben gelangen foE. 0 mein 3©fu, öffne mir bie |)immelgtl)ür, be= gleite unb fixere mid) gu bem emigen Seben, gu ber ©emeine ber ^eiligen im Sid)t* $ld), mein ©ott, gib mir ein oernünftigeg ©nbe, baß id) möge meinen 5ßerftanb big an ben lebten 2lugen= blid meineg Sebeng bemalten» ©rljalte mid) bei fjeiligen unb guten ©ebanfen, baß id) immer im ©ebädjtniß bemalte Sdfum ®l)riftum, unb fo ja meine klugen früt) brechen foEten, fo erquide mid) inmenbig in meiner Seele mit beinern l)imm= lifdjen S^roft unb Sid)t. Saß 3©fum immerbar oor meiner Seele klugen fielen; gib, baß id) mid) über fein $lut erfreue, in feine offne Seite mid) oerberge, feineg ^erbienftcg mid) tröfte, unb feine ©ered)tigfeit in magrem ©lauben ergreife* ©ib mir, menn eg bir gefällt, ein fanfteg ©ttbe. $8ef)üte mid) oor Ungeberben, Wnfed)tungen unb gerftreuenben SorfteEungen» Saß mein £>erg, $er ©terknbe bittet um ein fetigeä Gnbe. 507 meld)eg betrte SBoljnung ^xer gemefen, fein fanft gebroden merben, Süd), ta§ mid) in beinern Hrm fanft oerfd)eiben» sHd), gib mir aud) ein feltgeä @nbe, baß id) möge beitt l)eilige§ Süngefid)t balb mit greuben erbliden. 0 breieiniger ©ott, fegne meinen Hu^gang au§ biefer ©terblidjfeit unb meinen Eingang in bie frolje ©mtgfeit. 0er §©rr fegne mid) unb behüte mich ; ber £>©rr laffe fein SKntlifc teuften über mir unb fei mir gncibig; ber £>©rr ergebe fein Hngefidjt auf mid) nttb gebe mir ^rieben! Flamen bes breieinigen ©otte£, be£ $aterg, be§ @of)tte3 unb be3 ^eiligen ©eifteg, lebe nnb fterbe id), in fei= ttem tarnen fdjliefje id) meine Süugen gu, unb be= fetjle mid) ©ott unb feiner ©nabe» $d) fage Hnten brauf in meineg $©fu Manien; ©3 fage gteid/fattg aud) ber .f?©rr, mein ©ott, nun hinten; rufe ftetS aÜtjier: 3)reieiuger ©ott, fomm bu; Hd), fage: ©ei getroft, mein tinb, fomm gu ber 9iuf). Hmett. (Bef <*«$♦ aUct, : 2tße 2J?enfd)eu tniiffen fterben. 1» Hufgelöfet batb git merbeit 2öitnfd)et mein erfreuter ©eift, 3dj öerlaffe batb bie ©rbeu, SBeit mein $©fu3 mid) fd|on fpeift 9)tit beS ,£)int niete ©üfcigfeiteu, Unb oerbleibet mir gur ©eiten; 3Benn id) $©fum bei mir tjab, $iird)t id) nid)t bag finftre ©rab. 2t 23red)t, it)r Hugen, brecht gefdjtoinbe, ßafjt oer= gefeit euer 8id)t, 2Beil id) b^er fd)ou $©fum fittbe 9ftit ijettglängenbem ©efidjt; Huf bem ftnftern Sobegtoege, Huf 508 ©e&ei ber Umfteljenben für ©tcrbenbe. bent flotten $immel3ftege 3ft mein $tuge 3©fu§ ©pift, £)er mein Sic|t unb Seben ifi. 3. Unb bu, rotier 3Jhutb, erblaffe, 3a, ip Sippen, fdfliegt eud) gu, SBeil id) meinen 3©fum faffe, Äomme gu ber |jimmel3rufy. 3@fu3 mirb mid) fc^on oertreten, (Sr mirb fräftig für mid) beten; 3©fu§, 3©fu§ ift mein SÖtunb 3n ber testen £obe3ftunb. 4. 3a, ip Open mögt eud) fdjliefjeit, 3d) brauch euer nun nidp mep, Mein £roft muff non innen fließen, 2)m> auf id) mit ^reuben pr. 3d) fe| fd)on bie $reubenfonne, SJleirt Op pret ^reub unb Söonne; 2Ba3 ift ba3 für ein ©efang? 3ft e3 nidjt ein ©itgelflang? 5. 3)u, mein $erg, gerfpriitg mit $reuben, (Sbleä Seben, fape pn; §Ud) mirb itidpS non 3©fu fcpiben, 2Beil id) ja in if)m nur bin; 3©fum pb id) fdpn gefun= ben Unb id) bleib mit ipm nerbunbeit; SBcnn baS §erg in ©tüden bricht, ©o Bricht biefeg 23anb bod) nidp 6. 3a, ip faft erftarrten ©lieber, $)urd) ben falten ^obeSfcpeifj, Segt eud) nur in§ ©rab jept nieber, 2öeit icf) fdjon oerfidjert meif), 3®fu3 mirb ba3 ©rab aufbeden Unb eud) mieber aufermeden, Unb eud) fcpn mit ©taug nerneut bringen ^u ber $errlid)feit. 7. Unb bid), ©ott ergebne ©eele, SDid) empfepl id) meinem ©ott, ©ep nun au§ beg Seibeg §öple, ©ep au$ alter 5lngft unb 9totp; ©ep gur ^reube nacp bent Klagen, ©ep gur SBontte nacp ben plagen, ©ep gur §intmel&= freube ein, 0 mie mopl mirb bir ba fein! ©eiet ber Umftepnben für ©terBetibe. O bu ^eiliger, breieiniger @ott, SSater, ©o^n unb ^eiliger ©eift, bu erfyöreft ©ebet, barum fommet aüe3 $ieifdp 3U bir; fiep, mir fomrnen je^t and) 3U bir, unb tragen bir in unferm ©ebet ©ebet ber ttmfte^enbett fiit ©terbenbe. 509 biefen Sterbenbcn oor* @©rr ©ott Später im |)immet, erbarme bid) über it)n ; bu tjaft itjn er= frf)affen gu beinern ©benbitb, er ift beine ©reatur, er ift and) beitt $inb, toeldjeg bu in ber £aufe gu ©naben aufgenommen ^aft, ad), barum er= barme bid) über ifjn; fietje, beitt «Rinb ift traut, ftelfe, bein $inb toid fterbeit, ad), laß eg anfetd fein £littbegtf)eü erlangen, nämtid) bag ©rbc im §imme(, ber Seele Seligfcit; oergib iljm ade feine Sünben, bie eg feineg ßebeng toiber bid) gctban, uttb fiefye if)n in ©uabett an* §6rr ©ott Sot)tt, ber 2Belt fteilanb, erbarme bid) über biefen Sterbenbcn; bu tjaft ifjtt mit beinern l)ci= (igen $3lut erlöfet, bu bift auch für if)tt geftorben, ad), barum red)tte it)m feine Sünbctt nid)t ft\, fonbern rechne i^m 31t bcitte ©ercdjtigteit unb bein 33crbienft, toafdje if)tt mit beinern ^eiligen 33lute, bebede ilfn mit beitter ©ered)tigteit, uttb lafe iljn fetd afg einen burd) bein 33lut ©ereinig= ten oor bem £f)rott ©ottcg crfd)einett. £)©rr ©ott ^eiliger ©eift, erbarme bid) über biefen Sterbenben, erhalte in ilfm bett ©tauben, gib geugni^ feinem ©eift, bafe er maljrfjaftig ©otteg $htb fei, unb oertritt if)tt bei ©ott mit unaug= fpred>Iidt)em Seufzen; Zeitige itm, ftärteifjn unb begleite i^n gum etoigett Sehen. O bu tjeilige £>reieinigteit, nimm biefen Sterbenben ^u ®na= 510 ©e&et ber Untftefyenbcn für (Stcrbenbe. ben an, gebenfe nid^t ber @ünben feiner Sugenb unb feiner Uebertretung, gebenfe aber feiner nad) beiner großen 23armbergigfeit um bciner ©üte mitten* üftimm feine @eele in beine fmnbe unb lajg fie ber einigen greube genießen* ©noccfe auch ben fet^t erfterbenben Sei b am füngften £age fröhlich unb ^errlid)* Verleibe ihm inbeffen bie fünfte tttube in ber füllen ©rbe, big fid) in ber attgemeinen Wuferfte^ung Seib unb 0eele loieber mit eittauber öereinigen unb gur ^immelgtoonne einget)en roerben. ^nbeffen, §©rr, §@rr, ba feine üftotb unb s#ngft immer größer toirb, fo (afe ihm nicht aug bem euf$er, Sf>riicfye unb ©ebete, ben ©terbenben tjorjufpredjen. 511 einiger ©ott, bleibe bu bei ihm, unb erhalte ihn im ©laubett, big er feinen Sauf feli'g unb fröljlid) ooftenbett mirb. §©rr ©ott 33ater, mag bu t)aft erraffen, §®rr ©ott ©ohn, mag bu ^aft er= löfct, §@rr ©ott ^eiliger ©eift, mag bu f>aft geheiltget, bag befehlen mir bir in beine £mnbe; beinern Bornen fei £ob, unb Sßreig, fe|t unb in ©migfeit! 9Soüeube, SBater, feinen Sauf, 9?imm il)n 31t beinern ^rieben anf; Üöernt nun fein $erg im £obe bridjt, $8er= toirf i^n nicijt, $©rr, |j©rr, oott beinern 2tngeficf)t. kmen. ©euföcr, Sprüche unb ©ebete, Hielte bi e Untftchem ben ben ©terbenben uorfprec^eit Kinnen *) Sion fpridtjt: $)er §@cr bat mich oerlaffen, ber $>©rr bat mein üergeffen. $attn auch ein Söeib i!t|reö Äinb= teilte oergeffett, bafj fie fidj nidtjt erbarme über ben ©ol)n if)re§ Seibeg? Unb ob fie begfelbigen oergäbe, fo mitt itf) boänbe bab icb bicb gezeichnet. $ef. 49, 14 — 16» 2)enn ©ott oerläffet feinen, 35er fid) auf ibn oertäfjt; ©r bleibt getreu ben ©einen, 3>ie ihm oertrauen feft. £äfjt fidhrö an nmnberlich, ©0 lab bir bodj nicht grauen, 9Jtit greuben mirft bu flauen, 5Bie ©ott mirb retten bicb. Sich, barmherziger, gütiger ©ott, fyüf mir in meinem ßeibett unb in meiner Smbegftunbe. *) fromme ©Driften tfyun audj toenn fie fettige bei gefunben Xagen fict) betarmt machen, bainit fie in bem Sterben, »nenn burdj bie itranf^eit bag ©e^or toergefjen füllte, fidj fetbft in ©ott ermuntern fönnen. 512 (Seufzer, ©priidje unb ©ebete, 0 mein ©ott, bu bift \a allegeit mein gnäbiger ©ott unb mein Seiftanb gemefeu, ad), bleibe e§ aud) anjetd. 0 3@fu, bleibe bei mir, benn e£ mill Sübenb merbett, unb ber S£ag meineg Sebent bat fidj geneiget. 0 mertber ^eiliger ©eift, ftärfc mid), erhalte mid) im feften ©Inuben big an mein @nbe, erleud)te mid) pm emigen Sebett. Sä) toid auf 3©fu Slut unb Sönnben fterben, bem lebe id), bem fterbe id), auf fein 33erbienft nerlaffe id) mid). 233ie ber §irfdj fcfjreiet nad) frifOjem Sßaffer, fo fdfjreiet meine ©eele, ©ott, 5« bir. Steine @eele biirftet itad^ ©ott, nad) bem lebenbigen ©ott. SBann merbe id) batjin fommett, baß icß ©otteg 2lngefid)t fdf)aue? ^ßf. 42, 1. 2. SÖaiin foü e§ bocf) gefdjeben, Söattn fomrnt bie liebe 3eit, £)aß mir iljn m erben fe^ett $tt feiner §errlid)feit? S)u Stag, manu tüirft bu fein, $)aß mir ben |)eilanb grüßen, $)aß mir ben |>eilanb füffeit? $omm, fteUe bicf) bodl) ein. 3@fu, bu 8id)t meiner Seele, luenn meine klugen mollert bunfel merben, fo laß in meiner Seele aufgeben bie bimntlijdje Klarheit. 2öeid)e nid)t oott mir, memt meine Wugen bredjen; geige mir algbamt beine ©eftalt, unb laß mid) feben bein Silbe, mie bu bid) am ^reug gu Stöbe geblutet baf^* ^ id) fd)on tnanble im finftern £bal fürchte id) bod) fein Ungliid, benn mein bert ©terbenben borjutyredjett. 513 3®f«§ ift bet mir* 3a, mein 3@fu, bleibe bei mir, ftärfe mid) im ©lauben, mtb lag mid) bein ©igenthum fein, l)ier geitlid) mtb hart ettnglid). $d) bin arm unb elenb, ber $@rr aber forget für mid), 3)u bift mein Reifer nub (Erretter; mein ©ott, aeneudb nicht $f* 40, 18* 3ßo foß idj mid) benn menben f)in? 3« bir, |j©rr $(£fu, mein ilf, bag icg ja nicgt raanfe $on bir, £)(5rr $©fu (£grift, ®en jcgtuacgen Glauben ftärfe $n mir ^u aller $rift; §ilf ritterlicg mir ringen, Sieg, gäbe auf mid) Siegt, Si3 icg mag fröglicg fingen : §cg gab’S mit ®ott botlbracgt. £>urd) beinen bittern £obegfampf unb blu= tigen «©egtoeifj gtlf mir, lieber £)©rr ©ott! 3err= lidjfeit, oerfür^e meine Sdjmergen, oerfü&e mir meine $obe£ftunbe, tröfte mid) mit bem inner= liefen Stroft be3 ^eiligen ©eifte^, benfelben nimm nid)t non mir* Wuf ba§ SSerbienft 3®fu lebe unb fterbe id). Sa§ mid) halb bein greuben= 2lngefid)t fdjaucn in ber einigen §immel§freube. $dj aber tuifl fdjaueit bein Slntti^ in ©eredjtigfeit; icf) roitl |att inerben, meint id) ermad)e narf) beinern 33ilbe. $f. 17, 15. 2(dj, id) f)abe fdE)on erbtiefet ®iefe groge §errlid)feit, $e£o merb id) fdtjön gefdjmücfet 3J?it bem meinen |)immet3= fteib; Wit ber gütbnen (5f)renfrone ©telj id) ba nor ©ot= te§ Shjrone, 0d>aue fotc^e $reube an, SDie fein SDleiifd) befdjreiben fann. Web, mein 3®fu, freubig ift meine Seele, toenn fie an beine §errlid)feit unb an bie grenbe bettfet, bie bu mir bereitet jbaft. 3$ neriaffe gern bie äöelt, meil id) gu meinem 3®fu fomme, ben ©terbenben toorjufpredben. 517 meinem Seelenbräutigam; o mie mof)I, o mie fetig merbe id) fein, menn er meine Seele als feine Sraut mirb ;jur §od^eit einfüljren, mir bas meifee Äleib anlegen, mir bie $rone auffetjen, unb mid) emig, nad) fo bieten ausgeftanbenen Selben, Sd^mergen nnb £rübfalen erquicfen. $>er (SJereäjten Seelen finb in ®otteS §anb, unb feine Dual rühret fie an. Son ben Unoerfiänbigen merben fie angefeljen, als ftürben fie; unb ifjr 9lbfd)ieb mirb für eine Sein gerechnet, unb ifjre $infal)rt für ein Serberben; aber fie finb im ^rieben. SBeiSty. 3, 1 — 3. ^freu bidj fefjr, o meine ©eele, Unb üergifj all üftotlj unb Dual, 233eil bid) nun (SljriftuS, bein §(£rre, Stuft aus biefem ^ammertljal; 9tuS £rübfal unb großem ßeib ©ollt bu fafjren in bie ftreub, $)ie fein Df))f jemals gehöret Unb in ©migfeit aud) mähret. 34 u>ei§, menn id) fterbe, fo fomme id) aus bem ©lenbe 3« ©ott, aus ber Saft gur Suft, aus ber Wngft gutn ^rieben, aus ber ßitelfeit gur Seligfeit, aus ber Unruhe gur Dftufye, aus bem Seib gur $reube, barum freuet fid) meine Seele. £) mein ©ott, fyier bin icl), fo nimm meine Seele l)in, mad^e fie Kjerrlid), madje fie felig. SDZein 3®fu, id) bin bein, bu bift mein, mir motten im Sob unb Sebett ungefdjieben fein. Sßir miffen aber, fo unfer irbifdj |>auS biefer §ütte jerbrodjen mirb, bafc mir einen Sau Ijaben non (Sott er= bauet, ein §auS, nidjt mit Rauben gemacht, baS emig ift, im Simmel. 2 (Sor. 5, 1. 34 518 ©eufjer, ©priidje unb ©ebete. 35a mirb fein ba3 $reubenleben, 35a t)iet taufenb ©ee len fcfjon ©inb mit $hnmel3glang umgeben, 35ienen bir üor ©otteä 3hron, 2>a bie ©erahnen prangen Unb baS tjofje Sieb anfangen: §eilig, fjeiitg, Zeitig fjeifjt ©ott ber $ater, ©ot)n unb ©eift. 2ld), lieber §6rr ^©fu, öerfiegle biefen Sroft in meinem bergen, bafe id> gu ber |)immel3moh= nung unb £>errliau§ unb bie3 mein Sterbebette ber= laffen merbe. Söeld) ein herrliche^ §au3, meid) eine fjreubenftätte ^aft bn mir bereitet, ba ift feine $ngft, fein Jammer unb ©lenb mehr, fon= bern ^reube, £roft, §errlid)feit, SBonne, Sonne. 2ld), mären mir ba ! Söeiche nicht t>on mir, idf> mid nimmermehr t>on bir meinen, bir müt id) anbangen, auf beine ©nabe oerlaffe id^ mid), tit beine SBunben oerberge id^ mid), auf beincn Stob fterbe ich, burch bein $3lut mad)e mid) gerecht unb felig. 35te ©rlöfeten be§ @©rrn merben mieber !ommen, unb gen 3i°n fommen mit ^aucrrlid)feit tljun, erfreue mich nad) bem ßeiben, erquide ntid) in bir mtb burd) bid) in ©migfeit. 3d) ba&e einen guten $ampf gefämpfet; id) habe ben Sauf tmtlenbet; id) b«be ©tauben gebalten. §infort ift. ntir beigetegt bie Strone ber ©ered)tigfeit, tuelc^e mir ber |)©rr an jenem Sage, ber geregte &id)ter, geben mirb, nid^t mir aber allein, foubern aud) allen, bie feine ©r= fdjeinung Heb haben. 2 Sim. 4, 7. 8. $(£fu, bitf ftegen, unb ta§ rnir'3 getingen, Sab icb bie 3eid)eu be§ (Siegel ertaifg; ©o miÖ icb emig bir ßob unb San! fingen, §©fu, mein |>eitanb, mit frobem ©e^ fang; 2öie mirb bein Üftante ba merbett gepriefen, 3Bo bu, o |>elb, bicb fo mädjtig ermiefeit. O 3@fu, hilf mir glüdltd) übermittben, mettn nun ber lebte Äampf angebet; ftebe bei mir, fo mirb e3 mir leidet merben; ftärfe midb, menn icb fraftlo^ bin, mein Reifer, hilf mir in meiner $ngft unb ^Kattigfeit. S)eine ©nabe ftärfe midb, bein 33lut erquide midb, beine §anb erbalte midb, bein heiliges SSerbienft bebede meine Sünben; 520 ©eufjer, «Sprüche unb ©ebete, halte mich ©lenben in beinen Ernten, labe mich, menn ich ohnmächtig merbe, Wuf ben Äampf fol= get bie Ärone, auf ben Streit ber habe ihn geliebet in gefunben &agen, ich mitt ihn auch lieben bis in meinen &ob. O 3@fu, um beiner heiligen äöunben mitten er= halte mich in beiner Siebe; bir mitt ich treu uer= bleiben im ©tauben bis an ben £ob, bir emig treu fterben. ,3@furo in meinem ^er^en, ©hnftuw in meinem 6inn, in 3©fu tarnen fdt)laf ich ein. Sdj bin gemig, bag meber £ob noch Seben, meber Kngel noch §ürftentf)um, noch ©emalt, meber ©egen* märtigeS noch ,3ufünftige3, meber |u>he§ noch XiefeS, nodj feine anbere Kreatur mag uns fdjeiben non ber Siebe ©otteS, bie in Khrttt° S@fu ifh unjerm $Krrn. 9töm. 8, 38. 39. ben Sterbcnben öorjufpredjen. 521 $(£fum, $(£fum miß icb lieben, §ier unb bort in ©nngfeit, ©oUten mid) gleich f)ier betrüben 2lßer Jam¬ mer, alles Seib; 2Ba£ frag id) nach §öH nnb Xob? $(£fu3 ^itft mir ans ber üftotb, 25er mirb mich ^ur greube fuhren, SBo bie ©einen jubiliren. 3a, bas ift mein ©d)lu§, meinen 3@fum laffe id) nicht. 3d) bleibe im ©lauben, id) bjalte mid) an ihn, ber £ob fd)eibet Seib unb Seele, aber meine Seele fdjeibet er non3®fu nic^t ; 3©fuS ift mein, id) bin fein, id) lege mid) in meinet 3@fn 2lrme, barin mid id) felig leben unb fter= ben; o mie mobil o mie mobil ©elig ift ber ÜRann, ber bie Anfechtung erbulbet; berut nac^bem er bemühtet ift, tuirb er bie ®roue beS Sehens empfaben, roetc^e ®ott oerbeiben bat benen, bie i^it lieb haben, $ac. 1, 12. ^er^tich ttjut mid) Verlangen üftad) einem felgen (£nb, 2Seil id) f)ier bin umfangen SOtit 25rübfal unb felenb; $d) bab Suft abäufcbeiben $ou biefer böfeit äßelt, ©ebn mich nad) §immelSfreuben, 0 $@fu, fomm nun halb. 2ld) ja, o 3@fu, fontme ^n mir, ad), fontme bod) halb, ohne Aufenthalt, unb nimm mich t)in in ^rieben; gib mir ©ebulb nnb Starte, id) übergebe mid) bir gang nnb gar, meinen Seib, meine Seele; erhalte mich im ©lauben bis an mein feligeS ©nbe. 0 3©fu, hilf mir burd) beine grofie ©nabe nnb Sarmhergigfeit px emi= gen greube nnb Seligfeit §6rr ©ott, ber bn 522 ©eufjer, ©priidje unb Gebete, bift unfre guftudjt für un^ für, fet }e|t and) meine gufludjt, wein $etf/ wein ©ott, mein £roft, mein ©rretter, mein Erbarmet nnb Selig= madjer. S^irnm auf bie Seele, bie nad) bir feuf^et. 0 mie verlanget mid), ®otte£ Wngefid)t gu fefyen, bei ben ©ngeln unb $lu§ertt)äf)(ten gu fein, in Ijimmlifdjem ©taug unb $larl)eit einf)er3ugef)en. Sn beine £jättbe befehle icf) meinen ©eift; bu fjaft mid) ertöfet, $@rr, bu treuer ©ott. $f. 31, 6. ©leidjmie fid^ fein ©in Sßögetein Sn fjoljle 33äum öer= ftecfet, äßenn’ä trüb bergest, ®ie ßuft unftät, SJienfdjen unb $8iel) erfdjredet: 2llfo, |j©rr ©Ijrift, SJtein 3uflud)t ift $ie |)öf)ie beiner Sßunben; SBenn ©ünb unb Xob SDtidj bracht in -ftotf), $ab id) mid) brein gefunben, S)arin icf) bleib, Db ©eet unb Seib §ier üon einanber f^eiben, @o merb id) bort S3ei bir, mein §ort, ©ein in emigen $reuben. Sföeine einzige gufludjt neunte id) in meinem «Sterben gu bir, o breieiniger ©ott, gu ber $8arm= fyer-jigfeit be@ I)immlifd)en $ater£, gn ben bluti¬ gen SBunben 3@fu ©tjrifti, gu ber ©ütigteit be§ ^eiligen ©eifteä. liefern breieinigen ©ott be= fel)le id) meinen Seib nnb Seele. $td), nimm bein Säublein auf, id) fomm in bottem Sauf. 23reit au§ bie Qtügel beibe, o ^©fu, meine greube, unb nimm bein Äuglein ein. 2Bitt Satan mich ber= fdjlingen, fo la& bie ©nglein fingen: £>ie§ Sinb foH unüerlefcet fein. beit 'Sterbenben fcotjufpredjiett. 523 $br fetb fommen p bent SBerge 3ion, p ber ©tabt be§ lebenbtgen ©otte3, gu bem ^immüfd^en ^erufatem, mib gu ber Stenge Meter taufenb ©nget, unb gu ber meine ber ©rftgebornen, bie im Fimmel angefdjrieben finb, unb gu ®ott, bem Üttd)ter über aEe, unb gu ben ©eiftern ber öoEfommenen ©erec^ten. $ebr. 12, 22. 23. 9flein (Sott, id) bin bereit, 3um §immet einpgefjen Unb in oerftärtem (Slang $8or beinern ^tjron gu fielen; 2Sa3 foE idj auf ber SBelt 3n Xrübfal tanger t^un? &dj, t)ole midj gu bir, $)ort tann td) fieser rut|n. §6rr, eite mit mir fort, §ter mirb mir gar p lange, $en §immet münfd) icf) mir, $)aB mich bie $reub umfange, 3)a icb bidb fdjauen fann $n aEe ©migfeit; 2ldj, eite batb mit mir, SDton (Sott, i(b bin bereit. 3J?ein 3<$fu, n>ie ^errltd) mirb ber Wnblicf fein, mentt idf) merbe bidf) in beiner §errlid)feit unb aEe @tt(jel unb ^uöermä^Ite in bem §immel antreffen. 9?un, barauf freue idf tnid). 3db ber= laffe bie ©rbe unb fomme gur £>errlidbfeit, idf ber= laffe ba£ ®lenb unb !omme gur $reube, idf nerlaffe bie 3Wenfd)en unb fomme §u ben ^eiligen ßngeln. $(£fu3 &bnftu3, geftern unb beute, unb berfelbe audb in ©migfeit. §ebr. 13, 8. $d) rübme mich immer ber blutigen SBunben, $>ie 3@fu£ au §änben unb $üBen enpfunben; 35rein miE id) mich tjüEen, red^t dbriftlicb p leben, .2Ber moEte um $(£futn niefjt immerbar fd)meben? SSenn $luge unb |>erg nun im $obe ficb neigen, rum fafjr id) tjin mit greuben. ja, mein «fpirte «S^fu, bringe mid), bein armeg Sd)äflcin, nun gur £nmmelgfreube, Ia& ben Satan mid) nid)t auä beiner §anb reifen, bu bift mächtiger unb ftärfer al3 ber Satan; bein bin idj, bein mid id) aud) bleiben. Satan bat fein $^eil unb $Red)t an mir, aber bein ®igen- tf)um bin id) gemefen unb mid c§ aud) emig fein. 2ldj, nimm meine Seele, mic ein mattet Sc^äf- lein, in beitte 2lrmc unb bringe fie ^ur emigen Söonne. 0 mie mol)t, o mie felig, menn id) bei meinem <3(£fu bin ! ben ©terbmben fc>orjufyrec§en. 525 ©elig ftnb bie lobten, bie in bern §@rrn fterben, non nun an, $a, ber ®eift fpridjt, baß fie rut)en non ifjrer Strbeit; benn ifjre SSerfe folgen i^nen nad). Dffenb, 14, 13. $>rum laß idl) billig bieg allein, 0 $©fu, meine (Sorge fein, SDafi id) bid) f)er3lid) liebe, ®a(j id) in bem, mag bir gefällt Unb mir bein flareg Söort nermelbt, Slug Siebe midi) ftetg übe; S3ig id) Grnblidj SBerb abfdjeiben, uitb mit $reuben gu bir fommett, Sitter £rübfal gang entnommen. 2)a merb id) betne ©üfjigfeit, 2>ie jeßt berühmt ift meit unb breit, $n reiner Siebe fc^mecfen Unb fet)ii bein lieb* lid)g Slngeftd)t SJüt unnermanbtem Slugenlirfjt, 01) tt alle $urcf)t unb ©djretfen. 9ieid)lid) SSerb id) ©ein erquicfet unb gefdßnücfet nor beim Xtjrone SJtit ber fct)önften §int* melgf rotte. Wd), §©rr, fprid) meiner Seele ben $roft ein: id) toerbe in bir fterben. O 3®!«/ bu Ijaft in mir gelebet, unb id) in bir, borum null id) and) in bir fterben, in beiner Siebe, in beiiten 2öun= ben, in beiner ©nabe; Ia§ meinen Jammer unb Kummer, meine Sdjmergen unb Seiben auff)ören, hingegen bringe mid) 311m einigen feligen Seben, ba toerbe id) ru^en non meiner Slrbeit, non mei= nen Seibett unb Sdjinergen. D 3@fu, f)öre mid), \a, fomme, £>©rr 3@fu! $)er §(Srr aber mirb mid) erlöfen non aüem Uebel, unb augl)etfen gu feinem f)immlifd)en fReicf» ; meldjem fei <ütt)re non ©migfeit gu Grmigteit ! Simen. 2 £im, 4, 18. ($ott Sob ! bie ©tuttb ift tontmen, $)a id? merb auf¬ genommen $ttg fd)öne ^ßarabetg. Eltern bürft nirfjt flagen, Sftit ^euben fottt il)r fagen: 2)em $öd)ften fei 526 Seufjec, unb Gebete, Sob, ©tjr unb Sßreis! ©r eilet mit ben ©einen, £äfjt fte nidjt lange meinen $n biefem Sfjränentfjal ©in fdjneü unb fetig ©terben $ft fd^netl unb glücftid) erben 3)eS frönen |jimmels ©fjrenfaat. 0 großer ©ott, benfe jetjt in ©naben an midj, unb erbarme bi$; ad), gib mir ein öernünftigeS, ftitleS unb fanfieS (Snbe. üKeht SobeStag ift mein ©rlöfungstag, unb meine &obeSftunbe ift bie Stunbe, ba id) gur emigen Sreube eingefjen fott. $td), erhalte mir meinen guten Sßerftanb bis an baS ©nbe meines SebenS, lafe mid) freubig andren ben £roft, ber mir nerfprodjen wirb, unb berleitje, menn eS bein tjeiliger Söitte ift, ba& id) ben Umftefjenben nod) meinen ©tauben unb meine Hoffnung beaeugen fönne, unb fo er= töfe mid) burd) ein fetigeS ©nbe Don altem Hebet. ®ommt f\ex, itjr ©efegneten meines SBaterS, ererbet baS 9teict), baS eud) bereitet ift Don Stubeginn ber 2Bett. 2Rattt). 25, 34. $m $immel ift gut mahnen, SSo mit bem CS^renfteib SRein S©fuS mirb belofjnen $)er frommen ^erjeteib; $)a gtängt ber Seib unb funfett, ©teidjmie ein ©betftein, $aS 2icf)t mirb nidjt Derbunfett, $m §immet ift gut fein. Wü), mein 3©fu, lafj mid) aud), menn id) Don bem Seibe fcfyeibe, biefe Stimme tjören; tyrid) meiner Seele aisbann $u: ^ornme t)er, bu ©e= fegnete! 3a, laß Setb unb Seele am füngften &age mit biefen SBorten in bie ^errlidjfeit ein= ben ©terbenben borjufyrecfjen. 527 gefü£>ret merben. ^nbeffen foffe id) bid) im ©lau= ben unb erlange in bir unb burd) bid^ ben @egen nnb ba§ @rbe. _ _ i $dj freue micf) im g@rrn, unb meine Seele ift fröb= lid) in meinem (Sott; benn er fjat mid) ungezogen mit Kleibern be3 geife, unb mit bem Sftocf ber ©eredjtigfeit gefleibet. $ef. 61, 10. D ^erufatem, bu Schöne, 2t Sünb unb Xob anfidjt; deiner ©üte miß idj trauen, 23i§ idj fröf)tidf) merbe flauen S£)idj, |j@rr 3@fu, nadj bem Streit, $n ber frofjen ©migteit. tyä), liebfter (Sott unb Sßater, laf$ mid) fe|t auf S^rtftum fanft unb felig bon Rinnen Reiben; id) toet§, bu f>aft mid) aud) geliebet unb mir beinen @ofyn gegeben; icb fyabe and) an ifyn geglanbet, unb miß in folgern ©tauben an ifyn beharren big an ben lebten ^(ugenblicf meinet Sebent* $d), berfidjere mid) burd) beinen §ei= tigert ©eift, id) merbe nid)t bertoren merben. @tärfe mijb üt folgern ©tauben, bafc id) halb, mag id) t^ier geglanbet, möge flauen in bem emigen ßebett. $(d), 3©{u, ftefye mir bei, ad), bertafe ntid) nid)t. SBiffet, bafj if)r nidjt mit bergattglidjem (Silber ober (SJolb erlöset jeib bott eurem eiteln SSanbel nad) bäterlicfjer SBeife, fonbern mit bem ttjeuren 23Iut ©tjrifti, aU eitte§ unfct)ulbigen unb unbefledten Sammet. 1 $ßetr. 1, 18. 19. .J)@rr $(£fu ©fjrift, betn %nreg 23lnt $ft meiner (Seele f)öd)fte§ ©ut; ®ag ftärft, ba§ tabt, ba3 madjt allein 9fteitt ^er§ bon aßen (Sintbert rein. |j(£rr $(£fu, in ber lebten SRotlj, 2öemt mtc^ jdjredt Teufel, §öH unb Stob, So lafe ja bie§ mein Sabfal jein, 2)ein S3lut mafyt midj bon Sünben rein. ,3d) fomme jei)t, o großer (Sott, bor bid), nid)t auf meine ©eredjtigfeit, fonbern in ber @ered)= bcn Sterbcnben borjufpredjen. 529 tigfeit <3@fu ©brifti, bic id) mir burd) bert ©Iau= bett gugeeignet Imbe. 0 bu Samm ©otteg, ba3 bu trägft bie €>ünbe ber Üöelt, erbarme bid) meiner. $d), geregter ©ott, fiefye nid)t an meine Sünben nnb Unreinigfeit, fonbern meinet «3®fu ©ered>tig!cit nnb §eiligfeit; biefelbe ergreife id), in feine üöunben verberge id) mid), auf fein $Ber= bienft fterbe id}, um befj mitten fei mir gnöbig unb barmfjergig. ift in feinem anbern §eit, ift auch fein anberer SRame ben 9ftenfd)en gegeben, barin mir fotten felig merben. Sfyoft. 4, 12. 3©fu3 ift für midj geftorben, Unb fein Xob ift mein ©eminn, ©r bat mir ba§ |jeit ermorbeit, 35rum fat»r idj mit ^fteuben bi«/ |>ier au§ biefem Sßeltgetümmel, 3n ben fcfjönen ©otteäfjimmet, ©djaue fold^e ^reube an, 2)ie fein 2ftenfdj befcbreiben fann. 3@fu, mein eirtgige^ §eil unb meine 3uflud)t, id) fomme gu bir je^t in meiner 0obe£ftuttbe, ad), erbarme bid), berlafe mi d) nid)t. 0er fiifce 3@fuö= 9tame unb bas $tnbenfen feinet bergoffenen 53lu= teS, feiner SBunben, feiner b^ili^n ^erfon fott nun in meinem Sftunbe, in meinem §ergen unb in meinen ©ebanfen bleiben. §®rr ,3©fu, bir lebe id); §@rr 3©fu, bir fterbe id); §@rr «3©fu, bein bin idj tobt unb lebenbig. Wmen. 530 ©eufter, Sprühe unb ©ebete, 0b jernanb fiinbiget, fo f)aben mir einen ^ürfpredjer bei bem SBater, $@fum (S^riftum^ ber gerecht ift. Unb berfetbige ift bie $erföt)nuncj für unfere ©ünbe; nictjt allein aber für bie unfere, fonbern auch für ber ganzen Sßelt 3fo5.2,1.2. ©o fahr id) ^in gu $(£fu (Stjrift, äftein 2(rm U)u id) au£ftredfen; ©o fd£)laf id) ein unb rutje fein, ®eiit 9J?enfc^ !ann mich aufmecfen, £)enn $(£fu3 Sbriftug, ©otteg ©o^tt, 3)er wirb bie §immel§tbür auftljun, 9)Hdj fübrn ^urn erogen ßeben. 0 großer ©ott, bie $eit fommt gerbet, baf* id) fott abfdjeiben au§ ber SBelt unb oor bein ®erid)t treten; ad), tjtmmlifdjer Später, erbarme bid) über mid), nnb nimm mid) al£ bein Äittb, ba3 bn erfdjaffen unb geliebt Ijaft, in ©naben auf. 0 3®fu, bitte für mid), bu bift mein Mittler, gmrfpredjer unb <©eligmad)er. Stimm meg meine Sünben, fleibe mid) in beitte ©credjtigfeit, fo bin id) felig. 0 toert^er ^eiliger ©eift, toofjne nnb bleibe in meinem bergen, baf} bn mid) bringeft gu ber etoigen ^immel^oobnung. SBafjrlid), tna^rtid^, id) fage euch/ mer mein 233ort böret, unb glaubet bem, ber mid) gefanbt t)atr ber bjat ba§ emige £e6en, unb fommt nid^t in ba§ ©eridjt, fon= bern er ift nom £obe jum ßeben binburd) gebrmtgen. $ob. 5, 24. SBenn td) nun foll fterben, Unb mein ^feifdf) üerber= ben, 3)a oerlab mich nic^t; £ritt mir an bie ©eite, |>ilf, bab id) jo ftreite, $)ab icb in§ ©erid)t $a nid)t fornrn, (£r= halt mid) fromm, $)ab id) in bem ^reubenleben Um bidb möge jdjjmeben. bcn Sterfcenben fcorjufprec^en. 531 ®tefe SBerbeifeung erfülle and) an mir, mein §eilanb, in ©naben* $or ba§ ©ericbt taB mi über mier= leibe mir beinen geitlicben unb emigen ^rieben* $@rr, nun täffeft bu beinen Wiener im ^rieben fab* ren, tute bu gejagt benn meine Slugett buben beinen §eitanb gefe|en. Suc. 2, 29. 30. $Gs:fu, bu $ergog ber $rieben3=§eerf paaren, D ®önig in Salem, ad), sieb midj nach bir, Sab nticb ben ^rie= benäbunb treulich betoabren, $m SBege be3 jjriebenä bir folgen aUbier; 2ldj, lab beinen (Seift fräftig mich regieren, Unb bir nach im ^rieben gum Später biufübren. 3a, ber Triebe ©otteS, meiner bö^er ift, benn alle Vernunft, ber bemabre aud) mein §erg unb meine a finb bie Srieben^bänfer, ba tyxii’ä: $ic= toria! ba trägt man @iege3reifer; acb, mär tälfte gehöret, toag ich mit klugen bor= ten fehen toerbe. 2lch, giefje mid) gu bir, unb bereite mich 3U bem feligen Eingang in beine @errlid)feit. _ Unfer feiner lebt ihm fetter, unb feiner ftirbt ihm Selber. Sehen mir, fo leben mir bem §©rrn; fterben mir, fo fterben mir bem |j@rnt. 35arum, mir leben ober fterben, fo fiub mir beS $©rrn. 9töm. 14, 7. 8. ^erglidj lieb hab id) bich, 0 $@rr, $dj bitt, moUft fein bon mir nicht fern 9ttit beiner ©üt unb ©naben; $)ie gan^e 2öett nicht freuet mich, 9tö©rr, $n ©chan= ben lag mich nimmermehr. 0 großer ©ott, ich bin betn getoorben in ber heiligen Saufe, ich bin bein geblieben burch ben ©lauben, lag mich je^t im Sterben auch bein 536 ©cufjer, ©ptücfje unb ©ebete. ®igentt)um fein» O 3@fu Sfjrift, ©otte§ @oljn, ber bu für mid) l)aft genug getrau, ad), jdjliefe mid) in bie SBunben bein, bu bift allein ber einige Sroft unb Reifer, mein. Wüten. |jalt im ©ebädjtnig $(£jum ©briftum, ber auferjtan- ben ift oon ben Siebten. 2 £im. 2, 8. (£rjd)eine mir jutn (Sdjilbe, $utn &rojt in meinem Slob, Unb lab mid^ feijn bein Silbe, $n beiner ^reu^eänotb. $)a miß id) nad) bir bliden, 2)a miß id) glauben^ooß 2)id) feft an mein §er§ brüäen; SÖer jo ftirbt, ber jtirbt moljl. ,3®fu3 ift mir tief in mein §erg eingefdjrieben; ad) ja, o ,3@fu, id) tjaite fe&t im ©ebädjtnifc beine harter unb $ein, bein ßergoffeneg SUut, beine ^eiligen Söunben. 3@fu, idj nmfaffe bid), an mein $erg brücf id) bid), adj, meid)e nicht non mir, mid) bedangt nad) bir, o mein §eüanb, mär ich bei bir! |)(£rr, gebenfe an mid), menn bu in bein Weid) fommft. Unb fprach ju i^m: Söabrlicb, idb jage bir, beute mirft bu mit mir im jparabies jein. Suc. 23, 42. 43. 9tuf, auf, mein (Seift, ermuntre bich Sei aßem beinern fdjmeren Seibe; D glaube Qfföju fidjerüdj, 2)ieg ijt ber näcbfte 2Beg gur $reube. @rgib in finblid)er ©ebulb 3)id) beineg Saterg Sieb nnb |>ulb, (St mirb in jeitten treuen Rauben SDi«h unaugfpredjtidj fdjön ooßenben, Unb ehe bu bidb’g mirft ßerjebn, SEBirft bu öerflärt bort oben fte^n. ÜRein «Sdfu, mein ein^ige§ Verfangen ift nach beiner ©nabe unb Söarm^er^igfeit. Weh, nimm ben ©ierbcnben ttorjufpredjen. 537 meine burcb bein tbeure3 33Iut erfaufte «Seele auf in beine heiligen §änbe. $ie Sofung bleibt: $d) bin gemib! §@rr, id) märte auf bein §eil ! 3®fu$ macht bie Sünber felig, er macht rnid) aud) felig. 3®fu£ nimmt bie Sünber an, er nimmt mich auch an. 3d) ttteine3 3®fu eigen unb bleibe fein eigen. 3$ bebe meine klugen auf gen öimmel, unb febe, ttrie 3@fttS mich 31t fitb rufet. 538 Seufeer, ©^rüdje unb ©e&ete, 333enn id) nur bid) höbe, fo frage idj nidjtg nach Inm* mel unb @rbe. Söenn mir gleich Setb unb Seele öer= ^machtet, fo bift bu bod), (Sott, allezeit meineg §ergeng $roft unb mein ^heü. $f. 73, 25, 26. SBann ich einmal foH fd)eiben, So fcheibe nicht öon mir; 333ann ich ben *£ob foll leiben, So tritt bu bann herfür, 333ann mir am aßerbängften 333irb um bag |)erge fein. So reiß mich aug ben $lengften $raft beiner 31ngft unb $ein. 0 3®fU/ mein Sehen enbet ftd^, ad), nimm mid) auf bir* üDJein £rirte, nimm bein @d)äf= (ein; mein ^Bräutigam, nimm beine^Braut; mein SSater, nimm auf bein $inb; mein 3®fn, nimm bie burd) betn 231ut erfaufte «Seele -JU bir. So bete idh, fo münfd)e id), unb fo fdhliefee id) meine Wugen gu. _ darnach fahe idh, unb fietje, eine grofce Sdhaar, meldhe niemanb fühlen fonnte, aug allen Reiben, unb Golfern, unb Sprachen, oor bem Stuhl fteljenb, unb oor bem ßamm, angethan mit meinen Kleibern, unb Halmen in ihren Rauben. Unb er fpradj gu mir : 2)iefe finbTg, bie fomtnen finb aug großer irübfal, unb hoben ihre Kleiber gemafchen, unb hoben ihre Kleiber helle gemacht im Slut beg Sammeg. Dffenb. 7, 9. 14. 333er finb bie öor (Sotteg $hr°ne? 3Sog ift bag für eine Schaar, 333elche gieret eine tone, (Släitgenb gleich ben Sternen flar, Singen ©alleluja all, Soben (Sott mit großem SdjaII? € mie grog mirb fein bie S33onne, 333ann mir merben aüermeift Schauen auf bem hohen Xhrone 33ater, Sohn unb Jjeilgen (Seift; (Srofjer (Sott, bir fei bereit Sob unb $reig in (Smigteit. Hch, mein ,3@fu, id) freue mid) auf bag toeifce Äleib unb auf bie fdjöne ffrone, bie bu mir mirft 1 ben Sterfcenben bo^uftirec^en. 539 + geben. 3$ mafdje inbeffen meine ©eele in bei= nem ^eiligen ^ölute, id) eigne es mir 31t; airb bann ber Sag halb tommen, Sajg id) gu bir merb aufgenommen ? %6) $(£rr, mann fomrnt bie ©tunb fjeran, Safj id) in 3iort jaudjgen fann? 0 bu püiger breieiniger (Sott, nimm jettf meine €>eele auf in bein fjimmUfdjeg 3?reuben= reid^. 2ld) fomnte, §@rr 3@fu, id) marte auf btd), ad), fü^re midi) ein gu beiner greube. £>@rr @ott SBater, bu fjaft erfdjaffen, £>(£rr ©ott ©oljn, ma3 bu t)aft erlöfet, §@rr (Sott ^eiliger (Seift, ma3 bu tjaft getjeiliget, ba3 befehle idt> bir in beine §anbe, beinern ^eiligen tarnen fei 8ob unb ^Pret3 jejgt nnb in ©migfeit ! 5lmen. ©ief)e, id) tomme batb, unb mein Sop mit mir» Offenb. 22, 12. 2Ba3 fjätt birf) bod) gurüde? SJtein liebfter ©eeten= $ort! 3So finb bemi beine SBtide? 2öo bteibt bein ttjeureä 2Bort, S)a3 mir unb anbern frommen ©tetö in ben Dpen fdjaltt, Safj bu halb motleft fommen? ©o tomm, $(£rr 3@fu, batb! Sn Srenfter alter freuen, SOlein ©d)ap bergig mein nidjt, Sab bxcf» ben SBunb nid^t reuen, ben bu fjaft aufgeridjft; $d) bin ja bie (beliebte, S^adfj ber bein 331ut fo roatXt; %d), rette bie ^Betrübte, §(£rr $(£fu, tomm bod) batb, 91un eite mit ber $rone, Sie beine $utb gemacht, 23eförbre mtd) gum Spane, S)en bu mir gugebadjt: Söo frotjeS ^nbetfingen Unb $aud)gen miberptlt, Sßo tauter Gsutgel fpriugeit; |)(£rr $@p, !omm botf) batb! $a, tomm, |>@:rr $(£fu, hinten! Äomm, tomm, üergiet) bod) niefit, Unb ben! an beinen tarnen, Unb mag bein SBort oerfpricp; $d) feufge, meil id) tebe, Unb meil bie $unge lallt, $8ig id) ben ©eift auf¬ gebe: ©@rr fttSifu, tomm bod) batb! ©eufjec unb ©ebete cineä ©tecbenben. 541 Seufjtr unb ©eScte eine« Stetbetibeiu l. äöeitu mein ^tnnblcin borljnnben ift. 9ldj, mein ,3@fu, ba§ meiftt bu am beften, mein le|te£ ©terbeftünblein ift DieCteidjt balb torbanben, barum lehre mid), ba§ mein ßeben ein $iel unb id) baoon muß. ©rbalte mid) im ©lauben, bafj id) auf ben breieinigen ©ott, auf ben id) getauft bin, mid) oerlaffe, unb auf bein Sßerbienft, $Iut unb Sunben, o 3©fu, ade meine Hoffnung fetje. Wd), in ber lebten 6terbe= ftunbe bemafjre mid) oor 2lnfedjtung, l a% beine ßinfe unter meinem Raubte fein, unb beine 9tedjte mid) beeten* ©rquiefe mid) in meinem @terbe= ftünblein burd) ben $roft beg «^eiligen ©eifteg, unb lafe mich hören greube unb Sonne. Sleibe bei mir, memt mein ©nbe fommt, Unb foH Ijittfaljrn mein strafte. 2ld) ja, mein ,3©fu, id) tuerbe bie &obe£= ftrafte fahren, aber id) fürchte mich nicht, toenn bu, o 3@fuf bei mir bift. 3Keiu £ob ift ein Eingang gum $ater; mie freue id) mid), bafc id) l\x meinem himmlischen SSater, gu bir, meinem 3@fu, fommen fall, ba merbe i(h Triebe, $reube, $roft, Sonne, @onne, ein berrlid)e3 ^leib, eine 542 ©cufjcr unb ©ebetc eines Sterbenben. idjöne Ärone antreffen* 0 tote tooljl toirb mir oa fein, ba toirb all mein Jammer unb @lenb auffjörett unb id) toerbe gur Sftufye, gur f$?reube unb gur Seligfeit gelangen. $uf biefer £obeg= ftrafee gnm etoigen Seben fei bei mir, o treibe oon mir meiner Seele Seinbe, freute mir hingegen beg ©laubeng Qrreubigfeit unb beineg &rofteg Sii§igfeit, unb bamit id) biefe £obeg= faljrt mit greuben felig antreten unb ooltbringen möge, So gleit tm itiiij, Süfu ßljrift. 2ld) ja, o 3@fu, begleite mich aug biefem geit= li^en ßeben in bag etoige ßeben. 3ff g auf ber £obegftrafje finfter, fo toerbe icf) bod) im ßid)t toanbeln, toenn bu, o 3@fa, mein ßid)t bift. Stelle mir bei an meinem Sterbebette, unb nimm meine Seele auf,' toenn fie oon bem ßeibe fdjeibet. SBenn id) meine ßeibegaugett im £obe fdjlie&e, fo la§ meiner Seele klugen bid) erblirfen* begleite meine Seele, big bu rnid) bringeft gu bei= ner ^eiligen 9©of)nung, gu ben ^eiligen @ngeln unb gu ber Sdjaar ber $lugertoäl)lten. 3a, be= gleite mid) oor ben SQron beineg l)immlifd)en ÜBaterg alg bein ©igentljum, bamit id) bafelbft ©nabe erlange unb alg ein ©rbe ber Seligfeit angenommen toerbe. 3« meinem $bfd)ieb aug ber 2Belt ftefje bei mir, unb ©eufjer unb Oebete eines Sterbenben. 54^ Sftit §nlf rnidj nidjt berlaffe. ;1 2ld), es famt mir in meinem Sterbeftünbleiu niemanb Ijelfen, als nur bu, o 3©fu, allein. ^g>ilf mir unb ftärle meinen ©lauben, f)ilf mir unb gib ^eugnifj meinem (Seifte, bafc xd) ttmf)rf)aftig ®ot= teS $inb fei, unb jejt, als ein $inb ©otteS, baS emige ©rbe empfangen merbe. 3a, oerlafj micf) nid)t, menn xd) im £ob erbtaffe nnb bie $£obeS= färbe anpelje. SSertafe mid) nid)t, toenn mir bie Wugen bredjett, aisbann fei bu unb bleibe baS 2id)t meiner Seele. 33erla§ mid) nid)t, menn mir baS ©el)ör üergeljet, aisbann letjre, tröfte unb erquicfe mid) inmenbig in meiner «Seele. SBertaft mich nidpt, wenn mir bie Spraye t)er= gefyet unb idj nid)t nteljr beten fattn, aisbann bitte für mid), o 3@fu, unb, o ^eiliger ©eift, bete in mir unb vertritt mid) bei ©ott mit un= ausfpredjlüfyem Seufzen, Sßerlafe mid) nid)t, menn xd) nun oerfdjeibe, aisbann füt>re mid() -jur §immelsfreube, acf), nimm üftein Seel an meinem testen <$nb in beinen Sd)uj) unb ©nabe auf. 0 3®fu, bn Ijaft ja meine Seele mit beinern ^eiligen 33lut erlauft; ad), toafd)e unb reinige fie, bamit fie als ein reinem unb ©ott moplgefälligeS ©efäfc er= fuuben toerbe. Somrnt nun bas ®nbe meines 44 ©eufjer unb ©ebete eines Sterbenbeu. natürlichen ßebeng, ad), fo gib mir ein oernünf= tige£ ©nbe, menn e£ bein heiliger 2öiüe ift, bafe id) möge mein £)erg, Singe unb ©emüth 3U bir rieten unb beten, fo lange bie $unge faüen fann, feufgeu, fo lange ber Sltfjem in mir ift, ja, bafe id) ben ^ufprud) ber Umfteljenben mit 3reu= ben unb gu meinem Stroft oernefymen fann ; gib - mir ein fröt)lid)e3 ©nbe, menrt e§ bir gefällt, bafe id) möge beiner ©emeinfd)aft, o ,3©fu, im ©ter= ben geniefeen, bie Süfeigfeit beiner ©inmobnuttg empfinben, unb burd) ben £roft be§ ^eiligen ©eifte3 erquidet merben, ®ib mir auch ein feli= ge§ @nbe, bafe id) im ©laubeit fanft unb felig einfdjlafe unb mit bir oereiniget bleibe, oor bem Stöbe, in bem Stöbe unb nach bem Stöbe, Stamit ba§ möge gefd)el)en, fo übergebe id) bir meine 8eele. SDteine @eele SBefeljl td) bir in beine §anb. 0 mie mol)l mirb fie barin oermaljret fein! ^iefje, id) t )abe bir meine ©eele alle Stage an= befohlen, fo foü and) fettf bie§ mein ©ebet fein: §©rr 3©fu, nimm meinen ©eift auf, üBtein 3l©fu, bu haft ja meine eele mit beinern ljeili= gen S3lut erlöfet oon ber Siinbe, oon ber ©etoalt be3 Steufel§, barunt befehle id) fie bir, fie ift bein @igentl)um unb foü and) bein bleiben in ©migfeit. Stimm fie auf %\x beiner emigen §im- ©eufjer unb ÖSebete ettieä ©terbenben. 545 melsfreube, gut Söonne, gut §errlie mir nach bem (Glauben bag Schauen, nach ber Un= ruhe bie 9ffuhe, nach bem ßeiben bie greube, nach ber $lngft ben Droft, nach bem ®lenb bie @r= quicfung* Safe meine Seele unter ben (Sngeln unb 2lugermäl)lten beine Herrlichkeit fetjen, bie bu beinen ffinbern bereitet haft* 2. 5ERein Süttb mich tocrbcn Haufen feljr. 2leutt iljr flitb biel, toic ©anb am Meer. 3ft beö SaitbeS am 3Kecr biel, nod) biel meljr finb meine Sünben; biel l)abe id) gefünbiget mit ©ebattfen, biel I)abe id) gefünbiget mit meinen SBorten unb unnü^en Sieben ; biel Ijabe id) ge= fünbiget mit meinen Werten unb $f)aten, bort 3ugenb auf bi§ auf biefe Staube. So bn nun, §®rr, mittft Süttbe ^uredjnen, mer mirb be= fielen? mittft bu bie ©ebanten meinet ^ergens bor ©eridjt bringen, }o rnufc id) mid) fcfjämen ; fott id) für ein feglidf)e3 unnüjjeg Stöort $ed)en= fdjaft geben, fo bin id) bertoren; mittft bu midi) rieten, unb mir geben nad) meinen äöerfeit, 548 ©eufjer unb ©«bete eines ©terbenben. o mie mirb eg mir ergeben? $ld), mag foU id) @ünber machen? ad), mag foE id) fangen an? mein ©emiffen flogt mit!) an! $odj miß irfj niifit besagen. Unb marunt foEte id) oergagen? ber ^imm= lifc^e Später mirb \a fein armeg bußfertigem $htb nic^t ücrftoßen, 3$ miE nid)t öergagett; 3@fug ift ja mein |)eilanb, mein Mittler unb $ür= tyrcdjer bei feinem f)immHfd)en $ater. 2Ber miE bie Wugermäblten ©otteg befd)ulbigen ? ©ott ift hier, ber geredet mad)t; mer miE oerbammen? ©fyriftug ift ^ier, ber geftorben ift, ja oielmebr, ber aufermcdet ift, meldjer fißt gur leibten ©ot= tem, unb vertritt ung. 3d) miE nid)t oer^agen, ber |>eilige ©eift mirb mein ^öeiftanb bleiben, audj in meiner £obegnotb, unb mir geugniß geben, baß id) mabrl)aftig ©otteg J?inb fei, baß meine ©ünben mir um 3©fu miEcit foEen oer= geben fein, baß bie ^Barmber^igteit ©otteg mid) in bie 2lrme faffen mirb, £> barum, fo oft mid) 0atan, meine ©ünben unb mein ©emifjen ängftb gen unb tränten moEen, fo foEft bu, o 3@fu, mei= ner €>eele 3uflud)t unb mein £roft fein. Menten miß ttfj an bein lob. 3d) miE mir in meinem ©terben oorfteEen bitf), o 3@fu, ont Äreu;j, mie bu für mid) ge= ©eufjer unb ©ebete eines Sterbenben. 549 ftorben, tüte bu für mid> bein 93Iut üergoffen hoft, unb fagen: @iehe, bas ift ©ottes Samm, bas ber 28eU €>ünbe trägt C ßamm ©ottes un= fcf)ulbtg am ©tamm beS ^reugeS gefchladjtet, otl= ^eit funben gebulbig, miemohl bu mareft ücr= adjtet; att Süitb tjaft bu getragen, fonft müßten mir besagen; erbarm bid) meiner, o 5©fu! $)ein £ob bringt mir baS Seben, meil bu für mich geftorbcn, fo folt iä) nidf>t beS emigen &obeS fterben unb üerbammet merben, fonbern burd) bid) bas Seben hoben. $llfü ^at (Sott bie 2BeIt geliebet, baß er feinen eingebornen «Sohn gab, auf bafe alle, bie an ihn glauben, nid)t verloren merben, fonbern bas emige Sehen hoben. So foH nun immer in meinem §ergen fein 3©f w bitteres Seiben unb fein oergoffetteS 5Mut, ja, 3<£fu, itnii teilt SBunten rot| lafc mir je&t in mein §erg eingefdjriebcn fein. Diefe SfiSunben finb and) für mtd) gefd)Iagen morben, in biefelben mitt id) meine ^oflu^t nehmen, ©leidjmie ftd) fein ein Nägelein in hohle Säum oerftedet, memt'S trüb hergeht, bie Suft unftät, 3J?enfdjen unb SBieh erfdjred'et: alfo, §@rr ©h^ft trtein 3uflud^t ift bie frnhle beitter funben ; mentt Süttb unb Stob mich bradjt in SJloth, hob id) mith brein gefunben. ,3« keine hei= 36 550 Seufzt unb ©ebeie eines ©terbenben. ligen Söunben verberge ich mich, unb mid borin felig leben unb fterben, barin ift meine Seele n>ot)l aufgehoben* Qflofj aus beinen heiligen Söunben Söaffer unb ©lut, fo ift mir baburd) bie 9teini= gung oon meinen Sünben unb bie ©erföhnung mit ©ott oerfichert morben. 3@fu ©lut, £ob unb Söunben follen meine lebten ©ebanfen, unb ,3©fu3, ,S@fu§, SSfuö mein Ie|de£ 2Bort fein. 0 3@fu§ ©h^iflu^ ©otteS Sohn, ber bu für mich fo oiel gethan, 0(h, fc^Itefe mid) in bie 3Butt= ben betn, bu bift allein ber einige £roft unb Reifer mein. Set, §@rr beine Söunben $ie »erben mtdj erholten. Um berfelben mitten erlange id) ©nabe bei ©ott, bie ©eredjtigfeit unb bie enrige Seligfeit. Schließet man meinen Seib in ben Sarg ein, fo mid ich meine Seele in bie SSßunben 3@fu einfchliefeen. 0arin mirb fie erhalten merben, ba fann fie ber Satan nicht rauben, baraus fann fie fein Seelenfeinb oertreiben, in biefen 2Sun= ben ruhet fie, unb mirb gebraut ju ber Schaar ber Qtommen. 3. 3$ bin ein ©lieb an beinern Selb. 0 meldjer grofce £roft ift bas in ber Stunbe meines £obes, bafc ich bin ein ©lieb an beinern ©eufoer unb ®e6ete eines ©terfcenben. 551 heiligen ßeibe! 3n ber ^eiligen Saufe bin id) neu geboren unb toiebergeboren tnorben, ba bin id) geworben ein ©Heb ber aubt 3®fu£ ift; ift aber 3@fu$ mein §aut>t, unb id) fein ©lieb, fo tneifj id) aud), bafj id) ba fein tnerbe, too mein 3®fu3 ift. 3@fu3 aber ift in ber £>errlid)feit, ba tnerbe id) auch ^in= fornmen; (äffet aud) ein £muj)t fein ©lieb, tneldjeS es nidjt nad) fid) ^ie^t ? 3a, mein 3®fu3 tütrb mid) aud) nad) fid) Rieben in fein einiges (jimm= lifdjeS ^reubenreid). ®r §at oerbei&en: Söenn xtb erhöbet tnerbe non ber ©rbe, fo miß i(b fie alte nad) mir Rieben. O 3@fu, bu bift ja er* höbet ^ur Stedjten beineS bimmlifdjen SßaterS; giebe midb n ad) bir, bringe mid) au(b 3u beiner etnigen btwmlifcben iJreube! $aubt, mirb midi), fein ©lieb, Ijerrlid) madf)en; 3©fu3, mein £>eüanb, wirb feltg rnadjen; barum fage id) and): ÜKein ,3@fu, Son btr ii $ uttßefdjiebcn Weib. £ann man in biefem Seben ba£ |>aubt oon bem Seibe trennen, fo fann mid) bod) niemanb t)on ,3@fu trennen; idj bin gemifj, bafj meber $£ob nod) Seben, meber ßngel noch 3?ürftentl)um, ttocf) ©emalt, meber |mt)e§ nodf) £iefe£ mid) fdjeiben fott tmn ber Siebe ©otteg, bie ba ift in ©fjrifto ,3@fu, unferm §©rrn. 3a nid)t3, nid)tö foH mid) tmn 3©fu fdjeiben. $ein ^reug unb $ranffyeit, barin mitt id) beftänbig au^alten; fein ^ambf nod) 2lngft meiner Seele, barin mirb mir mein 3@fu§ beifteljen unb mir überminben Reifen; ja, and) ber £ob nidjt, fonbern ber mirb mir bie $l)ür auftl)un, bafj id|) gu 3@fu eingefje. ,3dt) miß tmn 3©fu ungefdfjieben bleiben im ßeben, Seiben unb Sterben ; Seib unb Seele mögen fidf) Seufjer unb (Gebete eine§ ©terbenben. 553 fcheibett, aber 3®fu§ unb meine 0eele folten nimmermehr gerieben merbett; muß i i©rr 3©fu, bir fterbe ich; §®rr 3@fu, bein bin ich tobt unb lebenbig. 2Ber fo ftirbt, ber ftirbt mohl benn 554 ©eufeer unb ©ebete eines ©terbenben. Söemt id) glctd) fterb, fo fiterb fdj bir. ,3a, mein 3®fn, i$ mitf gern fterbeu, meil id) meiß, baß id) gu bir in bie $err(id)feit fommen merbe. 34 toiß im ©(auben fterbeu, unb mid) auf bein SSerbienft, 33Iut unb Stob oerlaffen. 34 fterbe fröt>üd) unb felig, benn id) fterbe inr, auä bedangen nad) bir, id) fterbe al$ bein ffinb, meldjeä bu bi3f)er ^aft geleitet; id) fterbe al£ bein ©djäfleiu, meld)e3 niemanb au£ beiner §anb reißen fattn; id) fterbe a(3 bein ©rbe, meinem bie ()immlifd)e Sreube unb 2Bonne bereitet ift* $)enn <$in etoßeS Scben ^aft bu mir ja bort bereitet; benn im «grimntel bei bir, in ber Qteube, mirb fein 2ld) unb üESeß, feine ^ranffjeit nod) ©djrnerg, fein Seiben unb Stob meßr fein, fonbern greube, Stroft, Triebe, ©rquicfung, on meinen Gingen. 0 felige Stunbe, n>emt td) gu biefer $reube gelangen tnerbe; unb bafc id) aud) bagu gelangen merbe, toeife idl) gemi§, bentt bie£ greubenleben fjaft bu mir 9ftit beinern 2ob ermorben. 0u bift, o Samm ©ottes, für rntd) geftorben, bu bift bie Serföfynung für ber gangen 3öelt Sünbe. Qair ntidt) bift bu öerfpottet, gefreugiget uub getöbtet; bein £ob meinen £ob oerfüfeet, es fommt alles mir gu gut; bein 33erfbotten, beiu S3erfüeiett muft gu ©fyren mir gebeten; taufenb, taufenbmal fet bir, liebfter 3®fu, 0attf bafür. 0ein £ob ift audf) mir gu gut gefdjefycn, baburd) bin td) mit (Sott öerföljnet, baburdb fjabe id) Triebe, Vergebung ber Sünbett, ©ered)tigfeit uub ber Seele Seligteit erlanget. SBeil bu nun lebeft, fo merbe idl) aud) leben. 0 baruin fei getroft, meine Seele, unb fefjaue mit ^reuben gen §immet. 3@fuS Ijat bir ben ^inttnel er= morben, unb bir bafelbft eine Stätte bereitet. @r fbridfjt: 3d) ge^e l)tn, eud) bie Stätte gu be= reiten. 0 mof)lan, l)abe idf) bemt fjier feine blei= benbe Stätte, enbiget fidf) mein Seben, bridjt mein §erg, fd)eibet ftd) Seib unb Seele, fo toeig icf) fdjon, tootjtn: gu 3©fu, gu Sdfu, meinem §ei= 556 ©eufjer u«b ®ebete eine« ©terbenben. tanb. £>enn id) tüeife, memt biefeg £mu§ meinet trbtfcf)en glitte be3 £eibeg burd) ben 21ob ger= brocken mirb, fo fyaben mit einen 33au, non ©ott erbauet, ein §au£, ba£ nid)t mit §änben gemalt ift, ba3 emig ift, im §immd, unb biefeg tjat mit mein ,3®fu£ burd) fein ßeiben unb Sterben er= morben. 4. Söcil bu toorn Xob erftanben Mp, ift e£ ein fjerrlidjer Stoff, ben mit ©otte£ Söort gibt: menn id) fdjon fterbe, fott id) bod) miebet auferfteljen. Dbfdjon mein Seib mirb fdjmad) unb matt in bie ©rbe geleget, ob er gleid) barin toitb in Staub unb 2lfd)e merben, fo toirb et bod) nidjt im ©rabe bleiben, fonbetn fyerrlid) miebet auferfteben ; et fott leuchten mie bie Sonne in be3 SBaterg IKeid), et fott oerfläret, oerberrlid)et unb mit meinen Kleibern angetan merben. ba£ nie^t ein großer Sroft für mid)? unb ber cntftetjt habet, meil mein ,3@fu§ nom Sobe auf= erftanben ift. ©r ift für mid) am Stamm be§ ffteu^e^ geftorben, alä bas mtfd)ulbige Santnt @otte£, et ift aud) begraben morben, et ift aber miebetum fiegreid) am britten Sage auferftanben; ,S©fu3 ift erftanben, i(b metbe aud) auferfteben; 3©fu£ lebet, id) fott aud) leben. 0 greube, ©eufjer unb ©e&ete eines SJterbmben. 557 o 0roft, fterbe id) gleid), un b mein Seib mirb in bie ®rbe geleget, er foll mieberum Ijerbortommen, mit Unfterbltd)feit unb §errlid)feit angetfyan. ift nid)t im ®rabe geblieben, fo aud) SSetb id) im (Brat) ttidjt Bleiben. ,3®fu§ mirb mir mein Seben miebergeben, nnb aud) meine ©lieber, öeib unb 6eele, bie burd) ben $ob getrennet maren, merben in ber feligett 2luferftef)ung mieber bereiniget merben. 0, barunt leget meinen Seib nur f)in in ba3 ©rab, id) bleibe bod) uid)t barin, ba ift meine @d)laf= famtner, ba mitt id) fanft fdjlafen, bi3 mid) ,3©fu@ mirb ermeden. 0a ift mein 9iul)ebette, nad) fo bietem 2öad)cn, ferneren Seiben, «Sdjmer^en unb Ungemad) merbe id) nun gur Stulje fomnten. meinem ©rab bedet <3@fu§ mid) mit feinen ©na= benftiigeln, er bemafjret meine ©ebeine, big er fie mirb mieber bereinigen, mir meiner Wugett £id)t, §auf)t unb £>änbe, ja, alle ©lieber miebergeben. @o menig bag ©rab meinen ,3®fum fjat galten fönnen, fo menig mirb eg mid) aud) galten, menn bie le^te ^ßofaune erflingt, meldje aud) burd) bie ©räber bringt. @o ift mir bag ©rab nid^t fd)äb- lid), biemeil mein ßeib ba ruljet bon aller 6orge, bon aller Arbeit, bon allen @d)mergen, unb meine e>eele mirb in ber §immel£freube bon ©ott er= 558 ©eufjer unb ©e&ete eines ©terbenben. quidet unb getröftet merben. 3a, mein §eilanb, nicht allein erfreuet mid) beine fiegreicße Wufer= ftehung, fonbern auch / SJteiu fjädjftcr $rc<|t bein Wuffaljrt ift. WlS 3@fuS üon ben lobten erftanben mar, fo fuhr er auf gen Himmel unb ging ein in feine Herrlidhteit. Siehe, mein 3®ß*S ift oorange* gangen, ich folge nach, ich merbe auch eine herr¬ liche Himmelfahrt halten* äfteine Seele mirb fogleid) nach bem WuSgang aus biefem £eben gu ©ott tommen, unb in ber feügen unb fröhlichen Wuferftefjung ber lobten merbeit mir bem H@*rn in ben Söolfen entgegengerüdet merben, ba bann 8eib unb Seele mit einanber foHen gu ihres H©rrn Sreube eingehem Weh, mein 3©fu, ftelle mir biefe herrliche Himmelfahrt fleißig oor, baß idh midh beren möge bei meinem Wbfterben ge= tröften; ba erinnere mich, baß idh nicht fann gen Simmel fahren, ehe ich bies Sterbliche abgelegt habe unb entfleibet morben bim $)as foÖ nun mein hödhfter unb lieblidhfter $roft in meinem Sterben bleiben: 3®fu3 lebt, ich merbe auch leben; 3@fa3 ift gen Himmel gefahren, idh merbe ihm auch nadhfahren ; 3®fa3 ift in bie Herrlidh= feit eingegangen, unb idh merbe auch bei meinem ©ingang in ben Himmel berfelben theilhaftig ©eufjer utib ©ebete eines ©ierbenben. 559 werben; n jaS !ann mir bemt nun füfeer unb an= genehmer fein, al£ meinet ,3@fu unb meine gu= fünftige Himmelfahrt? ^obSfuriht fann fle toertreiBcit. 3erriid)= feit fein: ba£ Sd)äflein bet bem §irten, ber jünger bei bem Selber, ber Wiener bei bem ,f)@rrn. So l)at er e£ aud) berljei&en: 2Bo id) bin, ba foll mein Wiener aud) fein. 0 weldfje ^reube wirb ba3 fein, wenn mid) 3@fu§ in feine 2lrme foffen unb gu ber §errltd)feit einfü^rett wirb. 0 mein §eilanb, mann fommt benn bte Stunbe ber feligett Bereinigung unb §eimfüf)= rmtg? ÜJfidjt allein fjaft bu mid) oon ber Ber= bammnif; unb au3 ber §öfle Badfyen befreiet, nid)t allein t)aft bu ber Seele Seligfeit mir erworben, nid)t allein bift bu borangegangen, unb ^aft mir bie Stätte bereitet, fonbern bu miüft mid) aud) gu bir aufne^men, wie bu allen beinett ^inbern oerfyeifjeft: 3$ eud) mit nehmen, auf bafe il)r feib, wo idt) bin. 0 wohlan, fo bin id) wotjl, wenn id) bin, wo 3@fu£ iftr unb biefe£ bient gu meinem £roft, $aff td) ftets bei bir leb tmb bin. 0arum wirb er mid) gu fid) nehmen, baß id) bei ifjrn leben fott in ewiger $reube, ba& id) ge= niesen foH ber f)immlifd)en §errüd)feit; nun foK id) meinet f)immlifd)en Bater3 BBofynung ererben, aller l)immlifd)en ©üter tljeilljaftig werben, nun l)at meine 993allfa^rt ein ©ttbe, id) bin baljetm. ©eufjer unb ©ebete etneö ©terbertben. 561 3a, auf biefe Bereinigung fod niemals eine £ren= nnng folgen. 3$ foll oor feinem £l)ron flehen nnb fein Wntlitj flauen, meines $lnfd)auen bie aderunau3fbred)li(hfte greube geben toirb; id) fod bei ihm leben, nnb burdj i^n etoiglid) erqnidet toerben, unb toeil id) baoon überzeugt bin, $rttm fa^r id) !jtn mit grettbett. Söarnm toodte id) nicfjt mit Qfreuben fterben? 3Kit grieb nnb greub id) fahr bahin, noch ®ot= te§ BÜden, getroft ift mir mein H^S unb ©inn, fanft nnb fülle, toie (Sott mir oerheifjen tjat, ber £ob ift mein @d)laf morben. 3 oon bannen $u ©h^fi bem Bruber mein, auf bafj i(h gn ihm fomme unb etoig bei ihm fei. 3$ fahre hin mit grenben au£ ber 2öelt in ben Himmel, au§ bem 3ammerthal in ben ^reubenfaal; benn aug ärübfal nnb großem Seib fod id) fahren in bie Sreub, bie fein £>hr ie hat gehöret, bie in ®toig= feit aud) toähret. 562 ©eufjet unb Gkbete eines Sterbenben. 5. 0o faljr id) (in g« 3@ftt <£ljrtfl. Sprint mein ^eUonb: 3 unb felig fterben; baS 53(ut 3©fu fe^rifti, bes Sobnes ©otteS, mad)t midb rein oott allen Sünben. 3a, $er mirb Me §immd3tpr ttuftpit. Wtb, mein 3@fu, trenn meine SebenStbür ftd) fd)lief$et/ fo tbue mir auf bie fnmmetstbür. $tn ben fmnmet l)abe id) fleißig in meinem Seben gebad)t, id) ^abe aud) bitrd) ben ©lauben in ber SebenS=£)eiligfeit nad) bem Stimmet getrad)= tet; barum, o 3@fu, tbu mir bie ^immelstbür tneit auf, trenn id) befdjliefe meinen SebenSlauf. 0 3®fu, öffne mir bie @immelstl)ür, unb fpridb : @i bu fromme unb getreue 0eele, gebe ein gu beineS £>®rrn §reube. Somme ber, bu ©efegnete, ererbe ba§ 9teid), baS bir bereitet ift oon 2lnbe= giutt ber 3Belt* 0 toie felig tnerbe id) fein, trenn bu mirft mit foldjen fügen SBorten SJJltdj ffi^rn $um emgen Seben. SBie ein Bräutigam feine ©raut gur §od)geit führet, fo führe midi), o 3@fu, in bas einige Seben, gum Seben, bas niemals aufböret, gur §errlid)= feit, bie bu mir Ijaft ertnorben, gur Qfreube, bie in ©tnigfeit foE Umbren; fo fterbe idb fröblid). üJtun 37 566 $>ie Umftefyenben rufen bem ©terfcenben ju. bin id) bei 3@fu, er ift bei mir. 3$ bin aus bem trbifdjen Sommerleben berfetjet in baS tymm? tifcfje greubenleben. Sftutt bin id) Dort bem ©lau= ben gum @d)ouett gelanget, deinen lieben ©ott bon Wngefid)t tnerb id) anfcbauen, bron gmeifle id) nid)!, in einiger Qfreub unb §errlid)feit, bie mir bereit; bir fei öob, ^3reiS in ©migteit. Tic Umftcljenbett rufen bem Sterbenben $n. galtet im ©ebäcbtnifj $©fum ©briftum, gebenfet an fein bitter Seibett unb Sterben. Tröftet eud) ber Siebe beS ^immtifdjen $ater§, ber euch in ber ^eiligen Taufe gu feinem ®inbe angenommen unb eud) jept als ein ®inb in bie emige ^errlidjfeit mitt aufnebmen. Tröftet eud) ber blutigen SSunben 3@fu ©fjrifti, bie er fid) auch für eure Sünben bat fdjlagen laffen. Tröftet eud) feineg f)ei= tigen 93luteS, baS er auch für eure Sünben bergoffen. Tröftet eud} be£ $8eiftanbeS be£ ^eiligen ©eifteS, ber euch gebeiliget bat. ^tuf biefen breieinigen ©ott lebet unb fterbet felig. Simen. ScgenSmuufdj über einen Sterbenben. gabre bin, bu burcb 3©fum ©briftum tbeuer erfaufte Seele! $ab*e bw 3U beinern lieben ©ott unb SSater in 3©fu ©brifto, ber bid) gefdjaffen unb geliebet bat, ben bu finblid) gefürchtet unb bem bu oertrauet b^ft* $abre bin git bem $©rrn $©fu, beinern tbeuerften unb treueften Wirten unb ©rtöfer, ber bidb als fein Sd)aflein mit fei= ttem S3lut erlauft, an toeld)en bu btdj im ©tauben ge= batten baft. ^bre bm $u bem Tröfter, bem ^eiligen ©eift, ber bidj gebeiliget unb %u feinem Tempel unb Söoijnung erforen bat. $abre bm auS ber ©itelfeit in bie ©migfeit. ^abre bw aus biefer $ilgrimfd)aft iiig ©efcet bet Umfte^enben, toenn bet ©ietbettbe t>etfdjieben. 567 himmlifd)e SSaterlanb. $al)re hin aus bern Seib in bie $reube. $al)re hin aus nßer 9£otl) gu bern lebenbigen ©ott; ber fegne beinen HnSgang unb ©ingang, unb be= mal)re bid) burd) feine 907ac^t gut ©eligfeit. §at)re hin, unb tritt ein in bas 9teid), baS bir bereitet ift non Hn= beginn ber HMt. £>er §©rr fegne bid), unb behüte bid); ber §©rr erleuchte fein Hngefieht über bir, unb fei bir gnäbig; ber $©rr ergebe fein Hngefidjt auf bid), unb gebe bir Rieben ! Hüten. (Bebet ber ttmfieljenben, taetttt ber ©terBenbe berf^iebett. £) bu ^eiliger unb geredeter (Bott, fo tjat eS bir ge= faßen, biefen oor unfern Hugen liegcnbett Verdorbenen burd) ben geitlidjen £ob non Rinnen abguforbern. Hd), lad uns an biefent £obe lernen, bafj mir aud) einmal alfo fterben unb bie 2Selt neriaffen muffen, bannt mir uns in geiten burd) Vufje, lebenbigett ©lauben itttb Ver= meibung ber ©itelfeiten nnb ©ünbett ber 2öett bagu be= reiten mögen, ©rfreue bie nunmehr abgegebene ©eele mit hinunlifd)em iroft uttb ffreube, unb erfüfle an if)r aße ©nabent»erf)eidungen, bie bn beinen ©laubigen in beinern ^eiligen SBort getfjan; bern Seibe gönne in ber ©rbe eine fanfte nnb füfce dtutje, bis an ben lieben jiing= ften £ag, ba bu alSbaitn Seib unb ©eele mieberum ner= einigen unb gu ber ^errlic^teit einfül)ren mirft, bamit ber gange Sttenfd),. ber fjier gebienet, bort möge mit f)immlifd)er $reube erfüllet merben. $röfte aud) bie burd) biefen Xob betrübten, unb fei unb bleibe ber §interlaffenen Vater, Verforger, Pfleger, Reifer nnb Veiftanb. Verlad fie nid>t, nnb tfjue nicht tum ihnen bie §anb ab, fonbern lad fie beiner ©üte, ©nabe, Siebe unb |mlfe reid)lid) genießen, bis bu fie aud) mirft bermal= einft frö^tict) unb felig fterben taffen. Hd), erhöre uns um beiner Varmhergigfeit mißen. Hmen. fünfter 2lbfd?nttt. ©eßete bei ßeftmbertt ©elegenljeiteit. J)er gläubige SM* lokt ®att an km mtekrum erlebten ©eburt^tag* 'Unfmimtermtg. 2öie fott ic& bem &@rrn oeraelten alle feine ©ohlthat, bie er an mir ttiut? $f. 116, 12. ©eburtstage, an meieren mir baS Sicht biefer Sßelt erblicft haben, faden billig Sob= unb 2)anftage fein, meldje mir mit ©iitgen unb 33eten, mit innerlicher unb äufjer= tiefer Stnbadjt hinbringen foüen, fonberlich menn mir er= mögen bie grofjeu uttb ütelen 2öof)lthaten, melche mir 3eit SebenS, bis h^herr aott ber treuen §aitb ©otteS empfangen haben, bafe er uns in ber $inbheit, in ber Sugenb, bis auf biefe ©tunbe auf ben Firmen getragen hat. 5lHein baran beuten bie Ungläubigen nicht. $mar mirb auch bei ihnen beS StageS gebaut, unb er mirb gefeiert, aber mie? 9Jicht anberS benn mit SCTta^Iäeiten, mit langen unb ©prittgen, melcheS mohl fein Sob= unb £)anftag, nodh eitt ©ott mohlgefälliger £ag fantt genennet merben. fö'inber ©otteS, menn fie ben Stag jährlich erleben, loben ©otteS £reue unb ©üte, 1) ba| er fie ooit chriftlichen ©Iterit hat (affen geboren merben, metdje fie gur ©rfennt= nifj beS |>eils in $©fu Shrtfto gebrächt haben; 2) bafj er ihnen gefunbe ©lieber unb guten ^ßerftaub gegeben, melcheS eine grofje, aber unerfannte SBotjlthat ©otteS ift; 3) bafj er fie üor Unglücf beroahret, ans ©efahr errettet unb bis ^ietjer erhalten hat ©ie bitten ©ott zugleich 4) bemüthig um Vergebung ber ©üiiben, unb Oerfpred)en ihm, bie übrigen SebenStage in finblichem ©ehorfam unb ^römmigfeit hin^ubringeu. ©ie tröften fich auch/ o) menn fie alfo im ©tauben unb in ber Siebe oerharren, bafj 33er flläufctge ß^rift lobei <55ott am ©eburtötag. 569 <$ott ferner feine (Snabenftüget über fie ausbreiten werbe. 0ie erinnern fic^ enbticf), 6) bafj btefeg tootjl bie fe£te ^eier be3 ©efmrtötageS auf (Srben tonne gemefen fein. ©wiger, gütiger unb barmherziger ©ott, ich habe heute burch beine ©nabe wieberum meinen ©eburtätag erlebet, an welchem bu mich nicht allein an ba3 2age^lid)t gebracht, fonbern auch ttacf)her burch bie heilige SLaufe zu beinern $inbe auf= unb angenommen höft. 9Durch bie erftere SBohltfjat bin ich ein äftenfeh unb beiit ©efthöpf, burch bie anbere aber bin ich bein £inb unb bein ©rbe geworben. $>arum foll biefer £ag mein 2ob=, $8et= unb SDanttag fein. 2obe ben £®rrn, meine Seele, unb wa3 in mir ift, feinen heiligen tarnen; lobe ben £@rrn, meine Seele, unb der? gifj nicht, wa£ er bir ©ute§ gethan höt. greifet mit mir ben §@rrn, unb laffet un$ mit einanber feinen tarnen erhöhen. ,3$ will ben £)@rrn loben allezeit, fein Sob foll immerbar in meinem üDtunbe fein. Sollte ich bich nicht loben unb greifen, mein ©ott, bafj bu mich nicht allein mit gefunben ©liebem, mit wohlgeftaltetem 2eibe, welches eine grofje Söohlthöt ift, fonbern auch oon chriftlichen ©Itern ^aft laffen geboren wer= ben, welche mich Zu beiner ©rfenntnifj, o brei- einiger ©ott, don «Sugenb auf angeleitet höben ? ^ütteft bu mich don 3uben, dürfen unb Reiben 570 2)er gläubige (Eljrift lobet ©ott (offen entfprie&en, fo märe id) oiedeidjt fo blinb unb fo oerftocft tote fie. Üdun ober fenne id) bid) unb liebe bid), unb fjabe in bir ber Seele Seben unb Seligfeit. 53in id) benn nun in beinen Firmen oufergogen toorben, fo l)oft bu mid) in ben folgenben 3of)ren geleitet, begleitet, fjoft mir Sftoljrung unb Äleibung gegeben, unb mid) bi3 biefen £og gnäbiglid) erholten. mein @ott, idj bin 3U gering oder Sorm^ergigfeit unb Streue, bie bu ott mir getfjan f)aft. Somrnt l)er, l)öret gu, id) toid ergäben, toa3 ber §©rr on meinem Seibe unb an meiner Seele getljan fjai 2lber ad), id) fann e3 nic^t ade§ ergäben; e£ mödjte ef)er femonb bie Sterne am §immel ^äljlen, als bie ©nabengaben, bie id) oon bir, §@rr, em= pfongen l)abe. 2lu£ toie oiel ©efopren Ijaft bu mid) errettet! toie oiel Unglucf Ijaft bu uott mir obgetoenbet ! £)ein ©eift !)at mid) geleljret, regieret, gefiitjret, unb toenn id) füttbtgen toodte, mi d) intterlid) beftrofet unb gurüdgejjogen. 2Ber= ben nun meiner 3of)re oiele, mein ©ott, ftnb beiner 2Bofyltl)aten oiele, fo gebenfe id) Ijeute aud) on meine Sünben, bie id) mein ßebtag be= gongen l)öbe. $d), oergei^e mir biefelben um 3@fu toiden, tilge fie mit feinem ^eiligen Sßlute, unb lofe mid) um feinettoiden ©nabe finben. S3erleit)e mir beine ^armljergigfeit, ba§ id) bie an bem tmeberum erlebten ©eburt§tag. 57 1 nod) übrigen £age meinet Sebent meldje bn mir auf beinern $8ud) angefchrieben h^ft, in ttmfjrer ©otte§furd)t unb Srömmigfeit Einbringen möge, auf bafj bir all mein £f)un unb geben tnohl= gefallen möge. Unb ineil id) nicht toeifc, mie niel meiner $age auf ßrben tnerben foüett, t)in= gegen aber getnifc bin, bafc bu mir ein .Qiel ge= fetjet Eoft tneld)e3 id) nicht übergehen fann, fo bemahre mich, bafc ich e3 mir nicht felbft abfür^e burch _3orn, Unmäfeigteit, Sünben, $erinegeu= heit unb greüelthaten, fonbern laf$ mich meine beftimmten ßeben^fahre in ©efunbheit, in beinern @egen, unter beinern @d)u| glücflid) erreichen, big bu mir für biefeg irbifdje unb nergängliche bag einige unb hitttmlifihe ßeben um ®hrifti milten geben mirft, 93ig bahin mitt id) biefen Sag, fo oft ich ihn erleben merbe, bir ^u ©breit mit Sob unb San! feiern, unb finge fe^t: 9^un lob, mein (Seel, beu £>@rren, 2öa£ in mir ift, beit tarnen fein! (Sein 2Bof)lthat tt)ut er mehren; Vergib eö nicht, o §er^e mein ! $at bir bein (Sünb »ergeben Unb heilt bein Schtöadjheit grob, ©rrett bein arme? Seben, Stimmt bidj in feinen (Schoob; Sftit rechtem £roft be= fchüttet, Verjüngt bem Slbler gleich. ^er ®ön'g fchafft stecht, behütet &ie Seibenben im Steid). Simen. Sobr ttnb $an!lieb am (Steburtgtage. SOtel. ; O ©ott, bu frommer ©ott. 1. $)teS ift ber liebe £ag, $en hat mir ©ott gefdjenfet, Tarent mein froher ®eift SRit taufenb Suft gebenfet, 572 3)« gläutige 6fnrift lotet (Bott am (BeburtStag. SSag feine Dreu unb ©üt ©igfjer an mir getfian, Drum ftimm id) it)m gu £ob ©in §ergengban!tieb an. 2. Dieg ift ber Dag, ba id) ©in in bie SBelt ge= fommen, Unb bin in meiner Dauf 3« ©naben angenom= men, Da mid) mein 3©fug t)at Durd) fein ©tut rein gemadjt Unb mid) gu feinem ßidjt Durdj feinen ©eift gebraut. 3. ftd) gäbe ftein unb arm Dag ©onnenlidjt erbtirfet, ©ang natfenb, ogne $leib; Dod) ©ott ^at fc^ön ge^ fcgmücfet Den ßeib unb auc| bie ©eet. $d) gäbe nicgtg non mir, 3ßag id) nun bin unb gab, Dag tommt aßein non bir. 4. Du reicher, guter ©ott, O mie niet ©nabengaben §aft bu mir mitgetgeitt, Die mid) erfreuet gaben; ©e= fuubgeit, ©lücf unb §eit, Deg |>eilgen ©eifteg ßidgt ©rgögt micg aße Dag; Steg, xd) meifj aßeg nicgt. 5. $a, icg meig aßeg nicgt, 9J?ir mirb’g an ©Sorten festen, ©Senn id) ber ©naben ^üß Unb Stenge moßt er* jagten. Drum fpred) id): fftugm unb ©reig ©ei ©ott, auch Dan? unb ©gr; Der ©Sogttgat ift niet megr, Sttg ©anbeg an bem ©teer. 6. Stuf, jaucgge geut, mein §erg, ßag aud) bie ©timm erftingen, $cg miß bir, treuer ©ott, ©in ^reubenopfer bringen, Der meinen ßeib bemagrt Unb meinen ©eift erquidt, Unb mid) big biefe ©tunb TO feinen ©aben fcgmücft. 7. Du moßeft aud) gugteicf), O ©ater, mir nergeben, ©Somit id) bid) betrübt Sn meinem gangen ßeben; ßöfd) aug mit ©grifti ©tut Die ©cgulb unb ©tiffetgat, ©Somit bieg |)erg unb ©tunb Unb Dgat ergürnet gat. 8. %d) miß burd) beine §anb $infort nicfjt oon bir meinen, ßag micg beg ßebeng 3iel Sn biefer ©Jett er= reifen, Dag bu beftimmet gaft, Dag id) in Srontmigfeit ^inbringe, bir gum ©reig, Die gange ßebenggeit. 9. Dag ©nbe meiner Dag ©erbleibet mir Oerborgen, Drum miß id) aßerraeift 3für meine ©eete forgen. ©tein 25er anbädjttge (Styrift banfet ®ott na# eingefammelter (grnte. 573 ^erge liebet bien Fimmel mir bort geben; ©o bin idh reidb genug Unb glüdflidj gnug auf ©rb, SSBenn ich bei bir, o ©ott, 3m §immel leben merb. Ser nntmcfjtige Gtljrift banfet ©ott und) einge= famntefter ©rate. Aufmunterung. ©ie roill m#t roiffert, baff i# e3 fei, ber il)r gibt $ont, fJJIoft, Del, unb iljt »iel ©ilbet unb ©olb gegeben ijabe, baä fie Ijaben Saal gu @t)ren gebraust. ®arum miß i# mein Äorn unb föioft nüeber nehmen gu feiner 8ett, unb meine Söoüe unb $la#3 entrcenben, bamit fie ifyre ©#am bebecfei. §of. 2, 8. 9. 3ft eine in aßer URenfdjen 5lugen faßenbe ^errlid^e unb grofje 2Bol)lthat gu finben, fo ift e§ unftreitig bie jährliche ©rnte, menn ©ott bie ©aat be3 SBinierä in ber 574 25er anbädjttge ©fyrift bankt ©ott nad) eingefamntelter Smie. ©rbe bewahret, in ben ©ommertagen fie läffet blühen, roadjfen unb $rucp bringen; menn er |>aget, SBettet' fdjläge unb ©turmminbe abmenbet, unb burd) feinen ©egen ©djeuern unb Heller füllet. Slber ift audj eine üor ber SBelt geringe unb beracpete 2öot)ltpt, bafiir matt ©ott am menigften bannet, fo ift es eben biefe ©ritte; benn ba meinen bie unbanfbaren ßJtenfdjen, eS müpte fo fein, eS müpte nad) bem ßauf ber üftatur aßeS madjfen, babei pbe ©ott nicps getpn; beSmegen ber erzürnte ©ott oftmals aus gerechtem ©ericpe läffet SDlifpadiS entftepn, bamit jebermann erlernte, bafj baS ßanb nicps geben fönne, mettn ber $@rr nic^t gibt, unb bafc nid^tö macpfen fönne ofjtie feinen ©egen, ©in gläubiger ©fjrift ift attberS gefinnet. 2Öemt er bie üoßen Sieben in ber ©rnte unb bie mit Trauben befcptteten SBeinftöde er- blidet, fo pbet er 1) feine Stugen auf gen |>immel, unb preifet beit aßmädpigen ©djöpfer, ©eber unb ©rplter feines ©egenS, als ber aus einem ®orn fo oiele Körner, aus einem unaufeptlidpn §olg fo eine föftlicp gfrucp pro erbringet, ©r rühmet 2) bie göttlidje ^itrforge uttb ©rpltung, bafj er baS gange $ap über ftriipegen unb ©patregen gu feiner 3eü gegeben, $)onnermetter, SDürre, £jagelfteiite unb Ueberfdpoemmung in ©naben abgemett- bet, unb hingegen bie ©rnte beptet pt. SBenn er nun bie 3eit erlebet, bafj bie feprfe ©icpl baS torn nieber- leget, mentt er es fiept in bie ©cpunett fafjren, menn er fiept in ber Kelter bie Trauben gerquetfepn, fo nimmt er 3) alle biefe ©aben mit gerüptem §ergen unb banf= baren §änben an. ©r gebraust aud) biefelben 4) unb nimmt fie gu fiefj mit 25anffagung. ©r erfennet, bafj ©ott ipt näpe, Oerforge, erplte. $a, er läffet fiep 5) burd) ©otteS ©üte gur $ufje leiten. SJanfet man einem Sopltpter, unb ergürnet ip nid^t, ber uns etma ein $teib, ober etraaS gu unferm Unterpit gibt, marum foü man ben größten SSopltpter niep loben, ber uns aßeS gibt? 2) er anbacfytige E^rift battfei ®ott nadj eingefammelier Ernte. 575 (Hebet* $)anfet beut §©rrn, benn er ift freunblich unb feine ©iite mähret emiglid). $llfo freche id), mein ©ott, ba ich mieberum bie gefegnete @rnte= geit erlebet habe. 0 bu gnabenreicber ©ott, mie groß ift beine ©iite, bie bu an ung bemeifeft ! 0u baft bag ©rbreid) gegrünbet auf feinen ©oben, baft e8 bleibet immer unb emiglicb* $lber in eben biefeg ©rbreid) baf* bu beine brrrlicben ©cbä^e geleget, bagfelbe mufj ung bie grüßte reichlich ^erüorbrtngen, bie ju unferer Sebent Unterhaltung, Nahrung unb ©efunbbeit bienen. @onberliimmel bat bie ©rbe erhöret, unb bie ©rbe bat £forn unb SKoft getragen; bu baft ung gegeben t$?rübregen unb @patregen gu rechter baher haben unfere Selber geblübet, unb ben t>on bir aug ihnen 576 $et anbädjtige ©fyrift banfet (Sott nadj eingefammelter ©ritte. un! entfpringenben Segen bargereidjet. Unfere Söäume fjabeit aßerlei ftf)öne unb liebreiche grüßte burd) beine ©nabe gegeben unb ber Söeinftocf l)at uni erfreuet Siebreicher ©ott unb $ater, bu fyaft ba! Selb unb ba! gan^e Sanb mit bei= nen ©nabenflügeln bebecfet, bu haft bie Sonne (offen fdjeinen 3U rechter $eit, ba& aße! gur Zeitigung ift getommen, bu haft alte! bemaltet oor §agelfd)lag, 23ranb, $)ürre, Ueberfd)mem= mung; menn mir fd)liefen, fo noachteft bu, bu marft unferer Selber §üter unb Sdjupljerr. |)®rr, beine Söerfe finb grofe unb oiel, bu haft fie äße meillid) georbnet, unb bie ©rbe ift tmß beiner ©üte. 9lße Kreaturen, SDlettfchen unb 33ieh, märten auf bich, ba& bu ifynen Speife gebeft gu feiner geit; menn bu itjnen gibft, fo f ammein fie; menn bu beine §anb auft^uft, fo merben fie mit ©ut gefättiget 3a, mohl haft bu, 0 reicher ©ott, un! biefe! 3at)r mit beinen ©ütern reichlich gefegnet 9hm, bafür bauten mir bir t>on ©runb unferer Seele, kommet, laffet un! beten unb fnieen unb nieberfaßen, laffet un! mit kaufen fommen in fein §aul, unb mit S^loden i« feine Sßor^öfe. Saffet un! mit banfbarem §ergen fagen: $)er §@rr hec cmbädjtige (S^rift bautet ©ott itadfj eingefammelter ©ritte. 57? 2t®rr, lafj utt^ bicfe beine verliehenen ©aben unb SBohlthaten nicht mißbrauchen, fon= bern barau3 beine Siebe gegen utt§ unb beine SSatertrene erlernten. $ch ©ott, trenn ja etliche Unbanfbare foHten mit ^djmelgerei unb Uttban! beine ©oben verachten, ad), fo entziehe un3 be£= treten beinen @egett nicht, fonbern erhalte un§ bettfelbett nach beiner Sßarmhergigteit. 0 $ater, ber bu \m§ je unb je geliebet, unb auch burch biefe leiblichen SBohlthaten 3U bir gieheft, bafc mir au§ ben ©aben ben ©eher, unb au$ bem herrlichen ©efd)en! ben SBohlthäter erfcnnen follen, h^f/ bafe urt§ beine ©iite möge ^nr SBufee leiten, bafj mir, menn mir beine ©aben auf bem 5£ifd)e üor un3 fehen, in ben §änben haben unb tu ben ÜDhutb nehmen, allezeit unfere klugen mögen auf= heben gu bir, 0 bu SrunnqueH alte£ ©egenö! Unb mte bu burch biefe ©aben unfern Seib er= hältft, ach, fo laß un3 auch an bem inmenbigen ^cnfdjen, an ©lauben, Siebe, ^römmigfeit burch beine bagu oerorbneten ©nabenmittel pnehmen, ba& mir in bem ©uten mad)fen, unb au£ einer Klarheit gur attbern gelangen, bi§ mir bermal= einft gum ©enuß ber hitnmlifcben ©üter in bem emigett Seben burch ©hriftum merbett aufgenommen merben. 578 anbäcfytijje ßfirift ban!et ©ott nacf) emgefammelter ©mte. ©otteg S3rünntein hat getränfet Unb gefeuchtet unfer £anb, 2öag gefdtjabet unb getränfet, $at ©ott mächtig abgemanbt; SJIonb unb Sterne, Sonnenfehein §aben muffen fräftig fein, 5Da§ bie ©rbe Frucht gegeben, 3u er* hatten unfer Seben. Söeil benn, eh mir eg oermeinen, Sluch bie ©rnte biefer Seit ©üblich mirb gemifj erfchei» neu, 5Da 51t fepiefen hat befteüt $©fug feine ©ngetein, ©i, fo tafj ung SBeigen fein, 2)en fie bei üiel $ubiliren 3« beg |)immetg fjreube führen. Stmen. (^efattg. Sftel. : 9hin tob, mein ©eet, bett $©mn. 1. Sieh, eg ift ©otteg Segen S9Zit großen ^reuben eingebracht, SBie füllten mir begmegen Stuf ©otteg Sob nicht fein bebaut? ©ott hat bag 3ahr gefegnet SJiit fei» nem großen ©nt, Unb auf ung ift geregnet $)eg Segens reiche $luth; SBie riet finb hoch ber ©aben, 3)ie er ung gugeroanbt, 2)ie mir empfangen haben Slug feiner SBater» hanb! 2. 2)ie gelber, Härten, Sßiefen §at man mit 8freu= ben angefchaut; 0 Schöpfer, fei gepriefen, $>u, bu haft fie fo fdjön gebaut; Sie mären recht befchmeret SSon $rüdjten überall, ©ott hat fie ung oerehret $n SOtenge ohne 3ahtj ®a mir fie abgetefen, 0 gro|e ©otteggnab, $ft itjr’r oiet mehr gemefen, Sttg man gemeinet hat. 3. SDie Sttenfdjen auf ber ©rben, Unb mag ba lebt, bag SSieh zugleich, ®anu nun gefpeifet merben, So ift üon Segen alleg reich; 2)eg meifen Schöpferg ©üte ©ibt jebem feine Speig, SDarum fott bag ©emüthe Stugbreiten ©otteg $reig; So nieten ©reaturen 3« Waffen Unter» halt, $>ag finb mahrhafte Spuren $)er göttlichen ©ematt. 4. Steh, lafjt ung biefen Segen Unb bag oon ©ott gefchentte ©ut 3n Unbanf nicht anlegen, 3ur SBoHuft, Saufen, Uebermuth; ©ott tann ihn mieber nehmen $)urch ^tuch unb böfe 3eit> Söenn mir ung nicht bequemen 3ur mahreit ^römmigteit; ©r mar in ©otteg §änben, Unb 23er anbädjttge ß^irift bantet ©ott nad? eingefammelter ©ritte. 579 bleibe nod) barein, ©r fann if)n wieber wenben, 2Benn wir boS^afttg fein. 5. Srurn la^t ung banfbar werben, 3e reidjlicpr wir finb befdjenft; ©leid) wie fid} gu ^er ^rben Sag |jaupt ber ooßen Sfepen fenft, ©o laffet ung in ©tiße, 3n Semutf), Sanfbarfeit Slnnetjmen biefe $üße 3n biefer ©nabengeit. 3e mep ung ©ott gegeben, 3e mep foß $erg unb SJiunb Sie grojje ©nab ergeben 3u jeber 3eit unb ©tunb. 6. $a, benft bei biefen ©aben, Sie wir empfangen in bereit, SBag gu erwarten pben bie ©läubigett in ©wig= feit, 2ßag in bent ^reubettleben Jür reidjen Ueberflufc Ung ©ott wirb ewig geben 3m feligen ©enufj; Sag laffet ung erwägen §infüro fpät uttb früt}, Samit aud) biefer ©egen §inauf gu ©ott ung giel). ©itt an ber er. 9M. ; 3eudj ein ju meinen £Ijorcn. 1. Sie ©rnt ift nun gefdppn, Sie $rncp ift einge= bradE)t; 2Bir fönnen äße fepn, SBie wofyl unö ©ott bc= badp; Ser wunberbare ©ott, Ser, wag ba lebt, ernähret, §at Wieberum befeueret, SSag ung bieg $ap ift notf). 2. 93etrad^tet feine SSunber, ©predjt; Sag pt ©ott getpn! ©in jeber fcpu barunter Sie fdjönert ©aben an, Unb tafjt ung fröpid) fein; 3a, lobt bett, ber eg liebet, Unb fammelt, wag er gibet, 90iit |jergengfreuben ein. 3. Ser §immel pt erpret Sie ©rb gu feiner 3eit Äeiit Ungtiid pt geftöret Seg ^elbeg $rucpbarfeit; Ser Siegen matp eg meid), Sie ©onnenwärme fpielte, Seg |jöcpten §anb erhielte Unb macfjte ung fo reiß). 4. 33efdput bie ©egeitgfpnren Sin biefem Sag mit ^rleifs, £$mr a^e ©reatnren 3ft nun gemadjfen ©peig; Ser Weife ©dppfer pt Ser ©reatur bag Seben Unb aud) bie ©peig gegeben Äug lauter Sieb unb ©nab. 5. 233te fromme Später pflegen $rürg |jaug beforgt gu fein, ©o pft bu aud) beit ©egen ©elegt in Büfuuft ein; 580 2)er gläubige (Sfjrift betet bei entftanbenem ©etritter. $)u bift bie reiche Oued, 3)arau§ oiel ©abett fiteren Unb meldje ftd£) ergießen Huf unfer Seib unb ©eet. 6. Xod) roettn lütr öid) oerlaffen Unb, roenn mir haben fatt, Hftit biefert ©aben praffen, <£[e man jn £jätlpen hat, @o ift eg bir gar letcfjt, ffeen SBorratl) gu oerminbern, $>aß ooit beu böfett föinbern ©ar ader ©egen meidet. 7. ®u fiiCteft itug bie 4>aitbe, € ©ott, mit Ueberfluß, Hdein 51t fotdjem Grube, 2)amit in bem ©enuß 2Bir loben, ber ung liebt, Unb baß mir in bem ©ffen 2)eg ©eberg nicht oergeffett, SDer adeg reid)lid) gibt 8. ©leichmie bie ©idjel fädet 2)er Ijoljen Hehren Fracht Unb fie befottberg ftetlet $n eine fülle 9£ad>t, ©0 nefjmt ein 33eifptel ab: ©g mirb ber £ob ung fällen Unb einfteng gugefeden SDen ©tiden tn bem ©rab. 9. Hch, giet) ung oort ber Arbeit 3)urdj biefe ©ab gu bir, Huf baß mir tjimmlißh merben Unb bleiben für unb für; ©0 bauten mir bir heut $ür bag, mag mir empfangen, Unb mag noch 511 erlangen, ©rmarten mir mit $reub. Der gläubige SFjrift öetet bei entftonbenem ©emitter. Aufmunterung» ©ein ©ejelt um ifjn tjer mar ftnfter, unb fdfjrvarse biefe ÜBolten, barin er verborgen tvat. S0111 @Ian§ vor ifym trenneten fid) bie Sßolfen, mit §agel unb Silixen. Unb ber §6rr bonnerte im $immel, unb ber £>öcfüie tieü feinen Bonner aus mit §aael unb Sitten. fPf. 18, 12 — 14. 3u ben äußerlichen Gingen, moburd) gottlofe 2ßelt= finber pflegen gefdjredt unb 311m ©ebet ermedt gu mer= ben, gehören auch Remitier, menn ©ott ein fdjmereg, mit Bonner unb SBlifcen oermifd)teg Ungemitter auffteigen läffet; bettu ba mid ber fredje TOunb fogleid) beten, nicht aug Siebe gu (Sott, benn maritm hot er eg oorfjer nicht gethan? foubern aug furcht oor ber ©träfe, ©läubige ©haften erteuuen gmar, 1) baß Bonner unb SBliß oon natürlichen Urfachett entftefjeu, aber auch, 2) baß bie= 3)er gläubige Greift betet bei entftanbenem ©ewitter. 581 felben Lottes 23efef}l au§rid)ten. ©leidjmie ©ott alle Kreaturen miber bie böfen Sftenfdjen maffnen fann, alfo ift'3 tljm aud) leidet, burd) ben 4)onner Sftenfdjen mtb $ief) gu fd^r edett, unb burd) fein Sölitjen Käufer, Rieden mtb ©iäbte an^upttben. £)af)er follen 3) fromme ©f)ri= ften öon bem greulichen $lud), ba matt mit Sßetter unb Bonner find) et, fid) enthalten; hingegen 4) bet entftelfen- bem ©emitter nid^t tleinmüt|ig merbett, erfdpdett unb üor Stngft uer^agen moflen, roeldjeä ein 3eid)en eine3 fd^led^ten Vertrauens gu ©ott ift; fonbern 5) jicfj er* innern, baff ©ott ben Vlit* unb Bonner in feinen $än= ben t)at, unb baff er fie mot)l merbe fdjütjen föttnen, menn fie aud) mitten im $elbe uttb unter freiem .£)immel märett. 6) ©ie follen fidj aber alsbamt befto mel)r mit ©ebet gn ©ott menben, unb barauS iljr 9?id)tS unb ©otteS 2IUeS erfennen, mie ©ott ein mächtiger ©ott fei, mir 9ÜfJenfd)en aber nur arme äBiirmer, ©taub unb 2lfd)e ftnb, meiere ©ott mit einem SÖSittf uttb ©traf)! oerberbett fönnte, unb bemnad) 7) fief) üor bem majeftätifdjen ©ott fürchten uttb freuen, nid)t allein menn eS bonnert, fonbern and) menn bie ©onne fdfeinet, uttb fid) tjöten, if>u mit Söorteit uttb Sßerfen ju beleibigen, fonberlid) aber alfo leben, bafj mau eines gttäbigett ©otteS fid) üerfidjern föttne 31t allen $ei= ten, unb aud) menn er uns moflte in einem SSetter oon ^er SBelt nehmen, (Bebet* 0 bu ftarfer unb aEmädjtiger ©ott, td) höre beine «Stimme in ben holten, idj fefye beine SMijse teuften, unb oernef)me, mie bein 0onner briiEet unb fd)läget. Start ift bein $rm, unb groft ift beine ©emalt, unb menn bu moEteft, fo fönnteft bu utid) uttb aEe 3J?enfd)en in einem ^tngenblicf, fammt aEen ©reatnren gn 33oben fdjlagen* Wber, 38 582 3)et ßläu&ige (Steift Betet Bet entftanbenem ©etoitier. ad) §®rr, ^)©rr, gebenfe an beine 58armljer3ig= fett unb ©üte, bie Don ber äöelt ir gemefen ift; gebettfe nid)t ber ©ünben meiner Sugenb, nodf) meiner Uebertretung, gebenfe aber meiner nad) beitter 33arml)ergigfeit, um beiner ©üte mitten, 2ld), ftrafe mid) nid)t in beinern gorn, unb güd)= tige mid) nid)t in beinern ©rimm. 3df) erfenne mit magrer ^emutf) meinet §ergen£, baß id) umi üerbienet fyätte, baß bu mid) in beinern geredeten 3orn oerbürbeft unb gerfdjmettertefi 2lber ad), bu langmütiger ©ott, oerfd)one meiner bei bte- fetn ©emitter, ©ott, fei mir gnäbig nach beiner ©üte, unb tilge alle meine Sünben nad) beiner großen Sarmljergigfeit; ad), es reuet mid), unb ift mir f)erglid) leib, baß id) bid) bisher fo oft be= leibiget unb mit ©ebanfen, Porten unb SBerfen erzürnet habe; ad), id) bitte um ©nabe unb $8er= gebuttg aller meiner @ünben unb Uebertretungen. ©ietje bod) an, o immlifdjer $ater, baß id) bei t ©efdjöpf unb aud) bein ^inb bin; mo fotten aber Äinber in iljren ^ttötßen unb 2lengften anberS in, als gu iiem Sßater? £)arum fomme id) and) gu bir, o mein $ater, unb bitte bicf>, fei mir, beinern $inbe, gnäbig ! Wdf) Später, fd)ü|e mid), bebeefe mid), bemaßre midj; unter bem Statten beiner Qrlügel ßabe id) gufludjt, Oerbirg mid) t)etmlid) in beinern Segelt, ftette beiner ©ngel 3!Bad^t um midß 23er gläubige S^rift betet bet entftattbenem Oetoitter. 583 {»er, ba& mid) fein Unglüd rühre, fein ©traljl t)er- lef)e unb fein ©d)lag treffe. $ld), §®rr 3©fu, bu ©ohn ®otte£, mein einiger Mittler, Sürbitter unb §eilanb, fei nicht fern non mir, benn 2lngft ift nahe; ad), eile -$u mir, fei mir ein ftarfer ©d)u|;, nerlaf; mid) nicht, unb tfjue nicht non mir bie £mnb ab, ®ott, mein §eil ! ©iehe, ich ftefje tum affen Kreaturen unb 2Qtenfd)en neriaffen, aber ad), nerlafj bu mid) nid)t, erbarme bidh mein unb errette mid). 3er^ fdjlägeft, bafc ich 33u&e thun, mich be= fehren unb non affen ©ünben abfaffen foff, bamit ich aisbann miUig f)*Ue, ber SBeft mich nicht in fünblichen Sieben, ©Uten unb ©emohnheiten gleich ftelfe. 0 bu heilige 0reieinigfeit, er= barme bith über mich unb affe frommen Kh*i= ften, bebede mit beiner allmächtigen §anb meinen Seib unb mein ßeben, mein §auS unb §of, be= mahre bie fruchte auf bem ^Ibe, fafc ben ©fi^ nicht mein £>aus angünben, ober beine 0onner= 584 £er gläubige ©§rift betet bet entftanbenem ©enntter. fd)lä^e mid) öerle^en; fei bu mein Seiftanb in ber 5loth, benn 3J2enfdjenJ)üIfe ift fein nüje. 5ld), bu mächtiger Schu|ljerr beiner $inber, fd^aue auf mid), unb la§ rnith unter beinern Sd)u|j unb Sd)irm fidler mohnen. $on beinern Bonner regen fit!) bie 53erge unb bie ©rbe er= gittert: mie fottte id) armer ©rbenmurm benn nidjt oor bir erbeben ? Safe mid) barauS erfeunen bie $ergänglid)feit ber 2Öelt, mie alles, maS mir fetjen, bereinft im $euer vergehen mirb, bamit id) mid) in SleifdjeSluft, 5lugenluft unb fjoffär= tigeS Sebeu nidjt möge öerlieben, unb bidf> bamit gum 3ont reifen, 5ld) f)®rr, bemahre mid) nor einem böfen fdjnetten $ob, lafe bieS ©emitter glüdlid) unb ohne Staben öorübergehen, 51 d) §©rr, mer ift bir gleich? ber bu fo mafeftätifd), allmächtig unb erfdjrecflid), aber aud) fo barm= bergig unb gnäbig bift, ber bu uns medeft unb bedfeft ; ad), oerfdjone meiner, unb lafj mich audj biefeS äRal ©nabe unb ©rrettung finbem §©rr ©ott 53ater im §immel, erbarme bid) über uns! §©rr ©ott Sohn, ber 58elt ^eilanb, erbarme bid) über uns ! Sei uns gnäbig, oerfdjone unfer, lieber §@rr ©ott ! Sei uns gnäbig, hilf mt§, lie¬ ber |)drr ©ott ! 33or 3euerS= unb 2BafferSnoth behüte uns, lieber $@rr ©ott ! 53or einem böfen fthneüen £ob behüte uns, lieber §6rr ©ott! Set gläubige S^rift betet bei entftanbenem ©etoitter. 585 Scbtag nic^t bei ung ein, frommer (Sott! Sieb an beg $©rren S©fu £ob; 23efiebt bem S8ti|e, bafj er nicht ©in Ungtücf ^ter bet ung aurid)t. $)u ^eilige 2)reieinig= feit, SUmm £eib unb Seel in beine §ut, Sematjr aud) Käufer, {mb uitb ©ut! $erfd)on ung, lieber {j©rr unb ©ott, Unb menbe bon ung biefe ÜRotb; So motten mir gu alter ,$eit ©tetg riitjmen beine ©ütigfeit. kirnen. <&efattg« 9M. : 2ldj, toa§ foß \ti) ©ünber machen. 1. ©ott, mir t)ören beine Stimme, Söie bag ÜÜÖetter tobt unb briittt Unb mit Scbretfen ung erfüllt; 3Bie bu in bem 3orn unb ©rimme $immet, ©rb unb 5iuft erregft, Uttb ung ju ber 23ufj bemegft. 2. {mreit mir beit ^Donner fnatlen, StBie er graufam= tidj fierfatjrt Unb faft Stabt unb Saitb nmfebrt, 2öie fo tjarte Schläge faßen: So erbittert unb erbebt 5lßeg, mag auf ©rben lebt. 3. ^a, mir fefjen beine Stifce, 2öie bag ^euer auf ung fließt Unb gteirf) Strömen ung umftiefjt, So bafj mir er= fd)tocfen fifjen Unb ung fürsten, ob bu nicht Ung mißft forbertt üor ©eridjt. 4. Sn bem Bonner, 23Ii£ unb SSetter kommen mir gu bir, o ©ott! 3td), hilf nng in biefer Slott)! 0 bu §et= fer unb ©rretter. ©rofjer ©ott, erbarme bid), Sieb ung boeb att gnäbiglicb. 5. Äein SUlenfc^ fann ung je£t beifteben, Stiemanb ift, ber uttg befdjüfct, 2)a eg atfo febreeftieb blifct; 2lßeg mufe gu ©ruttbe geben, Söo bu ung nicht fetbften beefft Unb bie |>anb ber §ülf augftreefft. 6. ©ott, mie grofj ift beine Stärfe, 0 mie grofc ift beine Sttacbt, £>ie oft mirb gering geafft! ‘Seine großen Slßmacbtgmerfe geigen 33Ii| unb Sonnerftrabt, ©rofjer ©ott, je|t überaß. 7. treuer SSater, febone, fdbone, üftimm ung auf itt beitte {jut, S^üb ung oor beg SBetterg äöutb, Sdjau auf 586 25er gläubige Sfjrift betet bei entftanbenem ©ehntter. un§ bon betnem Spone; treuer SBater, ftefe uns bet, •Jftaife uns non ber ©träfe frei. 8. HJettn mir bicfe niefet moüen feören, HtSbann fefeiefft bu in baS Sanb UnglücE, SBetter, $(ucfe unb Söranb, $afe fie ©tabt unb Sanb gerftören, Lebemann jur 3ütfetigung Unb pr SebenSbefferung. 9. Hefe, fiefe niefet an unfre ©ünbett, ®ie ein jeber feat getfean, Hefe, nimm uns in ©naben an. Safe ben SBlife bocfe niefet angünben Unfre Raufer, $ab unb ©ut,*2Benb ab $eur unb HkfferSflutfe. 10. He fe, mir beben unb erbittern, Sßenn uns in bie Open fcfeaßt, 2öie bein ^Donner fcfjredftid) fitaüt; Hefe, in folgen Ungemittern Uebeft bu oft ©traf unb Sftecfet Ueber einen böfen ®necfet. 11. Hefe, bu tannft uns jefet aucfe [trafen, SBenn bein Sßetter fdpget ein, 2öo mir jefet Oerfammelt fein; Hife, miUft bu uns benn feinraffen? $8ater ber SSarmfeergigfeit, ©cfeon uns bodj gu biefer 3eit. 12. ©iefee niefet an unfre ©itnben, ©iefee boefe an $©fum ©ferift, $)er für uns geftorben ift; Um befemiüen tajs uttS finben §ülf, ©rrettung, Xroft unb ©nab, $ie er uns ermorbeit pt. 13. Hefe §©rr, plf uns, mir oerberben, Hefe |j©rr, ptf, bertafe ititS niefet; £ ©ott, unfre 3uoerJic^t ! Safe uns niefet in ©üuben fterben; Sinberft bu niefet beinen 3orn, ©o finb mir gemife bertorn. 14. Hefe, bu großer ©ott, bepte SPienfcfeen, Sßiefee, $etb unb Sanb $or $8ermüftung, $Iutfe unb 93ranb; §©rr, nacfe beitter grofeeit ©üte Safe ben ©türm t>or* iibergefen Unb unS beine §ütfe fep. 15. Hefe, bebede unfre griicfete, $)ecfe unjre ganje ©tabt, Unb baS, maS ein jeber pt, SPiacfe eS niefet im 3orn 5U nicfete; $)u bift, ber uns ptfen fann, Hefe $©rr, nimm bidfe unfer an. 16. Hefe |>©rr, feör uns boefe in ©naben, ^feeit uns beinen ©egen mit, Hefe, erfeöre unfre SBitt; Safe baS $er gläubige S^rift ban!et ©ott, wenn ba§ ©ewittec öoriibet ift. 587 Söetter un§ nidjt fdhaben; 5ld), wir fallen bir gu ©ieh an unfre wahre 83u|. 17. $5aher wollen wir erfeitnen, Söenn bu un3 an= jefjt befreift, 5Dafj bu unfer ©ott noch feift, Unb bidj un= fern SBater nennen, äBeldjer feine fetnber fchont, Unb nicht nadj ben 2öer!en lohnt. 18. $a, wir woüen immer greifen 2)eine große 2Bun* bermadft, SBelche über itn§ gewacht, Unb bir fröfjlirfj $)anf erweifen, 9Udht nur hier in biefer geit, ©oubern auch in ©wigfeit. ®er gläubige Eljrift bautet Sott, menn bn« ©emittet uoriiber ift 2(ufmmitcrnng. ©ott bonnert mit feinem Seltner greulich, unb tfyut grofee Singe, unb mirb bod> nidjt erfamtt. §iob 37, 5. ©leicßwie äße Söerfe be§ |>©rrn, bie er oor ben Stugen ber SJfenfdhen tfjut, ungemein groß finb, unb gleichwie ein jeber/ber ihrer adjtet, feine ßuft, feine $reube, fein 93er* gnügen baran haben fann: alfo finbet fid) folrfje^ aud) he- fonber3, wenn man ben Bonner gehörig betrachtet, ©nt* fielet gteith berfelbe attä natürlichen Urfacßen, fo ift er bodj) immer in ber $anb ©otteS. ©ott bonnert mit fei= nem Bonner, ©r regieret bie mit fünften unb $euer gefchwängerten Rolfen. ©r leitet biefelben nadj feinem SBo|lgefaßen. ©r brauchet fie, wo§u er will, unb läffet fie bag auäricßten, wa§ i£?tn wohlgefällt. ©ein Bonner ift bafjer immer furchtbar, furchtbar unb fdhredlid) ift ber Slnblid unb bie Anhörung be§ ©ewitterS. ®ie fdjen erfdhredett. 2)a£ unoernünftige $teh gittert unb heulet. 2We3, wa§ Dbem hat, geräth in $lngft unb furcht. 3Ba3 beweifet wollt ©ott baburd) anber3, al§ feine große SJiacht unb $errfichfeit, nach weldher er aße§ fann in $8e= wegung fe§en, fobalb er nur feine ©timme, burdj ba£ ©e= 588 $er gläubige G^rift bautet Oott, töfe in ben SBolfen, auf ©rben ßören läffet? ©S tßut aber ©ott burcß baS ©ewitter nocß meßr. ©r tßut große $)inge, welcße halb gum ©cßaben, halb gum 9iußen bet SOtenfcßen auSfcßlagen; gum ©cßaben, wenn ber Sliß ftarfe Säume ^erfpltttert, wenn er Raufer angünbet, wenn er 9Jienfcßen ober $ßiere erfcßtägt unb tobtet; gum Sßußen, wenn ber Bonner burcß feine ©rfcßütterung bie £uft reiniget, wenn er bie grudjtbarfeit beS ©rbbobenS beförbert. Segeuget baS nicßt Wieberum, baß baS ein großer unb ßerrlicßer ©ott fein muffe, ber auf eine folcße unbegreifliche SBeife fo große $)inge tßun fann ? Sißig fottte biefeS alle 9Jien- fcßen, bie folcße £ßaten beS $©rrn öfters feßett, gur leben- bigen ©rfenntniß unb gur bemütßigften Sereßrung beSfel= ben ermuntern. ®em oßneracßtet aber unterbleibt folcßeS oielfättig. ©ott tßut burcß feinen Bonner große i)inge, unb wirb bocß nicßt erfannt. ©o lange bie meiften ETien* fcßen baS ^raffeln beS ©ewitterS ßören, fo finb fie gagßaft unb niebergefcßlagen, fobatb aber baSfelbe ooriiber ift, fo ift aucß bei ißnen alles ooriiber, fo wirb alles oergeffen, fo ift eS nid^t anberS, als ob fie bie ©timme beS §©rrn nicßt geßöret, als ob fie nicßt gehöret ßätten, was er ©roßeS an ißnen getßan ßabe. |jat baS Söetter ©cßaben getßan, fo begeugen fie ein flücßtigeS 9ftitteiben unb Sebauern gegen bie, welcße es betroffen ßat. $ft es aber glücflicß oorüber= gegangen, fo fommt folcßeS gar nicßt in Slnftfjlag unb 9tecß= nung; unb fo bleibet ißnen ©ott immer unbefannt. 0 ber ßarten |jergen, welcße ficß nicßt woEen erweicßen taffen! 0 ber fträflicßen Unempfinblicßfeit! 0 ber fcßänblicßen Unbanf barfeit! SBaßre ©ßriften ßüten ficß baüor mit aller ©orgfalt. ©ie feßen unb betrachten mit §lufmerffamfeit bie Söerfe ber Statur, unb taffen ficß baburcß gu ißrem ©cßöpfer leiten. $)aS tßun fie aucß befonberS, wenn ber ©ott ber ©ßreu im $immel bonnert. ©eßen fie ein äBetter auffteigen, fo bewunbern fie bie Ettajeftät, bie ©röße unb bie §errticßfeit beffen, ber folcßeS oeranftaltet. $ören fie ben Bonner über ißrem Raubte ßinroEen, feßen fie bie toenn baä (Uetnitter borübet ift. 589 23tipe um fid) leudjten, fo ergeben fie fid) gelaufen unb ge^ troft in bie §anb beg $©rrn, in melier fie immer finb, unb ermarten in finbticper ,3ut)erfid)t non berfetben afteg ©ute. $ft bag Söetter glüc&idj üornber, fo erfennen fie, ma§ ©ott an ifjnen getfjan tjabe; fie banfen if)tn bafür; fie loben unb greifen feine ©iite unb £reue mit |jerg, Sflunb unb $änben. Unb bag führet fie gu ©ott, unb bringet iljnen nidjtg alg §eit unb (gegen. Neffen oer= fiebert fie ber 3£at)rf)aftige fetBft, ba er fpridjt: 3Ber SDanf opfert, ber preifet midj; unb ba ift ber Söeg, ba§ id) it)m geige bag §eil ©otteg. ©ebet* rnid) verlanget nad) beinern £>eil, o bu ©ott meinet §ei(g! $)egmegen nafje id) midf) anfetd $u beinern ©nabenttyrone, um bir mein fdE)ulbigeg'£ot>= nnb $)anfo})fer bargubrtngen, ba bu rnid) aug 9£otfy, ©freien unb ©efafyr fo gnäbiglid) errettet fyaft. 2Kir mar bange, ba id) beine mächtige stimme in ben Süften fyörte, meil td) nidjt mufete, mag bu mit berfelbett augfüfyren mürbefi 3d) nafym ^u bir im ©ebet meine $u= findet, unb empfahl midi) unb afleg bag 3Jteine beiner oäterlidjen gürforge, unb bu oermarfeft mid) ntd)t, fonbern fyaft bidfj meiner redf)t fyeqiid) angenommen, unb in ber $|at gegeiget, bafc bu fet)r gern fjilfft. SQSie leidet hätten beine Slitjc fönnen unfere Käufer unb SMber an^ünben! SÖHe leicht f)ätte bein 3Better fönnen uttfere 3elb= fruchte jjerfdjlagen! ÜBie leidet f)ätte bag Un= 590 $er gläubige (Efyrift bantet (Sott, geftüm fömten unfere ©üter unb §abfetigfeit öer^e^rett unb gänzlich oernid)ten! 3Bie Ieid)t bätteft bu fömten ein $lbama au§ un3 machen unb un£ voie $eboim gurteten ! Unb ba3 ^ätteft bu mit fRed£)t tbun fönnen, menn bu nach unfern Siinben mit un§ bätteft banbeht unb un§ nach unfern ütJftffetbaten vergelten motten, ma£ mir bamit oerbienet haben. $lber ba§ t>aft bu nicht getrau. ®u b<*ft in Siebe an uns gebaut. Ou baft ©nabe für fRedbt ergeben taffen. $)u baft nn£ mit Strafen oerfdbonet, unb bafür mit 2öobI= traten überhäufet. ’Oeine ©üte ift e3, o ©ott, bafc mir unter bem Statten beiner glügel trauen unb nun mieber fidler mobnen fönnen. Oeine ©üte ift e3, bafc e3 nicht mit un£ au§ ift, unb beine Sarmbergigfeit bat nodh fein ©ttbe. Oa£ erfennet meine Seele mobl. ©erührt, gebeugt unb ootter Oanf fomme idh baher oor bidb unb fage: $)u, §@rr, baft ©rof$e3 an mir gethan, befc bin idh fröhtidh. bringet her bem |)@rrn @b*e unb 3J2atbt. 33 etet ihn an im heiligen Scbmucf. @3 fürste ihn alte SBett ! Sandtet bem |i>@rrn, alte 3Bett, finget, rühmet unb tobet. Saffet un§ mit kaufen oor fein $lngeficbt fommen unb mit ^ßfalmen ihm fauchen! 3ttte§, ma£ Obern bot, lobe ben £)@rrn! Sobe ben §©rrn auch bu, meine Seete, unb oergifj nimmermehr, ma§ er Wenn baS ©eliutter tiorüber ift. 591 and) fe|t ©ro§e3 au bir getban ^at* 9tun ^abe idj gefeben, mie bu, o ftarter unb allmäd)tiger Sott, ba£ fd)tt>ere unb fürchterliche SOÖetter fo batb, fo gnäbig abgemenbet, unb e£ ohne @cha= beu l[)aft laffeu oorübergeben ; a


anffagung empfangen. £a& midb mit meinen ©ütern alg ein treuer §augbalter umgeben, ©ib, bafj ich fie nie rnifc brauchen, unb gur SHMuft unb Xlep^tgfeit on= rnenben, fonbern bafj idt) fie jebergeit gu beiuer ®^re, gu meinem üftutjen unb gunt heften meinet %benmenfd)en gebrauten, unb fo bereinft mit meiner Rechnung freubig üor bir hefteten möge. Stimm auch in ,3ufunft atleg bag Peinige in bei= nen gnöbigen off= nung treu bleiben, unb non meiner $römmig= feit nicht abtaffen, bi£ mein ©nbe fontmt, ba= mit, menn ber §©rr 3©fug an jenem grofeen £age be3 ©erid)t3 mit Qfeuerftammen, im £>on= ner unb Stife mirb offenbar tnerben, 9tad)e 3u geben über bie, fo ©ott nid)t ernennen unb feinem ©oangeüo nid)t gehorfam finb, id) nic^t erftfereden, fonbern mit ^renben mein §auüt aufheben unb mit ihm 3um emigen Seben ein= gehen möge. SId), lafe mid) ja ntdjt au§ ber Sicht, SBenn un§ bein jüngfter^ag erlernet, 3)er £ag, ba t»or ©eritfit gebraut, Sind) baä, fo man hier nicht gemeinet; Safe mich 3** beiner 9ted)ten ftefeen Unb 3U be3 SammeS ^ochgeit gehen; SOton $(£fu, bann hab SId)t auf mich, will ich elt,ig greifen bid^. Simen, 594 2>er gläubige Sfcrift betet ju ®ott, (Bef attg« 3M. : 2luf meinen lieben ©ott. 1. Vorüber ift bie ! ©elobet fei mein ©ott! 3)er es fo Ijat gemenbet Unb feine §ütf gefenbet, 3)af3 id) in feinen ©d)aben Unb Jammer bin gerätsen. 2. SBaS ift moffl hieran ©djufb? Stitffts als beS SSaterS §ulb, SfidjtS als beS §eilanbS 33eten Unb feines ©eiftS Vertreten; 3)aS mar'S, maS midj befdjirmte, 3)a $Sli£ unb Söetter ftürmte. 3. 38ie grofj ift beine £reu! 3)u ftanbeft mir ba bet, $)a beine ^Donner fragten Unb ntid) red)t furdjtfam malten, 35a mein ©ut unb mein ßeben 28ar mit ©efafjr umgeben. 4. 35u retteft munberticf) ! 35afiir id) preife bidj, Unb bitte beine ©iite, 35ajj fte mid) ftets behüte, SSenn ja in manchen Siötfyen ©S fd>eint, bu «Mft mtcf) tobten. 5. Sld), ba oergifj mein nidjt! Safc ntid) bein Stngefidjt SSielmeljr mit ^reuben flauen, Stuf beine Sieb feft trauen, Unb nicf)t üerlaffeu merbeu, ©o lang id) leb auf ©rben. 6. $a, gib mir beinen ©eift! 35aS bitt icfj aöermeift, 3)afj er midj ftets regiere, 35aj3 er mich ftets fo fiiljre, 35aft idf) nidjt barf erfdjrecfeu, SBenn bu ntid) mirft aufmetfen. 7. Sßenn ba bie le£t *ßofaun ©rflingt, bafj idj erftaun, ©o lajg mid) auferftetjen, $u bir in |jimmel geljen; 35a mit! idj beinen tarnen 9toc| emig preifen. Simen. - ®cc gläubige £f)rift betet ju ©ott, luenn er fid) uon §er §©rr behüte bid) ttor allem llebel ; er behüte beine ©eele. ®er §@rr behüte beinen 2lu3gang unb ©ingang non nun an bi§ in ©roigfeit. 121, 5—8. 33on §aufe §n reifen, fönuen einen gläubigen ©fjriften vielerlei Urfadjen antreiben; tfyeils bie 23erufSgef(f}äfte, trenn er ftd) auf eine Steife BegiBt. 595 tfjeils bte Siebe bes Stächften, theits ber Buftanb &er ^ funb^eit: bemt UepigteitS* utib SöoUuftreifen fielen einem magren ®inbe ©otteS nicht an. 3ft aber eine notf)s menbige Urfache bortjanben, marum ein gläubiger ßtjrift einegeitlaug fein $auS unb baS ©einige toertaffen mufj, fo foU er folche fReife 1) mit ©ebet antreten, unb benfen, meint er mm §aufe reifet, baff ©ott aller Orten bei ifjm in frembeu Sanben fei, ber alles fielet unb höret; bapr er fid^ atidE) felbft, als oor ©otteS Slttgefidjt, ehrbar, süchtig, fromm unb cfjtiftlich aufführen fofl. 2) ©oU ein gläubiger ßpift fid^ ©otteS ©chu£ unb ©nabe bei bem Antritt fei= ner Steife empfehlen, ba§ er ip in guter ©efunbpit, mit gefunbett unb gerabett ©liebem mieberum uactj .frnufe bringen molle. $)enn gemifj, auf ber Steife fiitb oieie um Seib, Seben, ©efuubpit unb in Unglücf gefontmen. 3) ©oll er auch ©ott feine ^unterbliebenen, mie and) $auS unb ©üter befehlen, bafj er burd) feine heiligen ©ngel alles in feine heilige Skmahrung nehmen, oor ^ener, SBafferS* fluth unb Uttgliic! inbeffen bemahren molle. 4) ©oll er bitten, bah ©ott ihn alle baS ©eine unb bie ©einigen unüerlefjt nttb gefunb mieber molle antreffen laffen. ©ebet. ©ncibiger unb barmherziger ©ott, id) huhe mir in beinern tarnen rorgenommen, auf einige geit tnith bon ben Steinigen unb t>on meinem §aufe zu entfernen, barum fomme id) zu bir, unb bitte bid) : %b, fegne meinen $u£= nnb ©in= gang; in beinern tarnen mül id) bie Steife an= treten, unter beinern ©eleite lafe mid) biefelbe »errieten, nnb unter beinern ©d)uj* modeft bu mid) mieberum nad) §aufe bringen. Saß mid) ber @ngel §eer nnb @d)n£ umgeben, mie ben 596 25er gläubig« betet ju ©olt, igafob, laß beitten ©ngel in aller ®efat>r bei mir fielen, mie bei $aulo, laß beiner ©ngel 6d)aar mit mir au&= unb fjeimreifert, toie mit Sofepl) unb 3)?aria unb bem ^inblein ,3©fu, bamit itf> non allem Unglücf, non Sieben, Korbern unb anberm @d)aben befreiet bleibe. $ld), bu §üter 3frael3, ber bu meber fcßläfft noch fd)lummerft, fei bei £ag unb 9tad)t eine feurige Stauer um mid) ber, toie um ©lifa, bamit fid) fein Uttglüd: unb 33erberben ^u mir nalje. begleite mid) früf) unb tyat, in SBälbern unb Reibern, mit beiner ^eiligen ©ngel 2Bad)t, toie bu bie ^ittber 3frael§ mit einer Söolfenfäule burd) bie Söüfte geleitet l)aft. begleite mid), toenn id) reife; bleibe bei mir, toenn id) rulje; toadje für mid), toenn id) fdjlafe; ja, §©rr, §©rr, l)abe Wd)t auf mid), too id) mid) ßimoenbe, unb laß mid) beiner ßei= ligen 0bl)ut empfohlen fein. ©ib, baß mir alle &age, ja, alle 6tunben in meinen 0I)rcn er= fallen bie Söorte, bie bu Wbrafjam mit auf bie Steife gabft, al£ er oon §aufe reifen fotlte: äöanble oor mir, unb fei fromm; auf baß id) beine aüerßeiligfte ©egentoart in ber Qtombe möge oor klugen l)aben. *öetoal)re mid), baß id) in meiner 2lbtoefenf)eit oon §aufe unb aitf ber Steife mid) nidjt laffe be£ 53öfen gelüften; behüte mid) oor SMerei, IXep^igfeit, 3red)f)eit, 33o§fyeit, tuen« er fidj auf eine SReife begibt. 597 ©leidjfteHung bet 2Belt, Stugübung ber , o $@rr, in beinen ©d)u|), £>afj if)re Sift, ©emalt unb Xru£ SJtir nimmer !önne fdtjaben. Söteibe audE) ftetS bei ben SJteinen, $)ie midi) roünfdjen halb gu fefjn, Safe auf fie, al§ auf bie deinen, $)eine ©nabenaugen feljti: $üf)re fie bod> atfermeift, ©rojger ©ott, burd) beinen ©eift, fie nimmermeijr gerätsen 3n ©efafjr unb 9Kiffetf)aten. Simen. ©cf attg. SDXet. : 28er nur ben lieben ©ott läfct malten. 1. SDtein ©ott, id) bin üon §au§ gegangen, T>urd) beinen S3eiftanb bin icfj §ier; SJtit bir §ab idjj eg an- toenn «r ftd) auf eine Seife begibt. 599 gefangen, 3ldj, weiche audß hier meßt bon mir. D treuer SBäcßter Sfrael, ®ir, bir befeßf id) Seib unb ©eet. 2. $cß will ßier meine Beit gubringen 3« beiner ©t)r unb beinern fftußm, 9ttit Sitten, gießen, 2)anfen, Gingen, Slfg bein geliebteg Grigentßum; Segteite mieß, menn icß auggeß, Sewaßr mid), wo icß bin unb fteß. 3. Saß mid) addier beßntfam Wanbeln, $n ©otteg= furcht unb f^römmigfeit, Stießt wiber mein ©ewiffen bau* bein, Unb Itjitf mir, baß id) allegeit $)icß gegenwärtig bor mir feß Unb nitbt auf böfen SBegen geß. 4. Saß in bent kleben mid) erwägen, $>u, lieber Sater, böreft gu, Unb baß auf allen meinen SBegen £)it adeg fiebeft, wag icß tbu. Slcß, bring mir nießt aug meinem ©inn, $)aß bu aud) feieft, wo icß bin. 5. Sld) laffe, großer ©ott, ben Steinen, 2)u fenneft fie, fie finb gu $aug, Slucß beine ©nabenfoune fcbeiiten, Xbeil i^neu beinen ©egen aug; Stcß, laß eg ihnen wohl* ergehn, Saft mich fie fröhlich wieberfeßtt. 6. Sewaßre fie bor Slngft unb ©djreden Unb wenb auch adeg Unglüd ab; 3)ein ®uabenflügel wod bebeden, $)ie ich gurüdgelaffen ßab; Slcß, treuer Sater, fie finb bein, Slcß, laß fie bir befohlen fein. 7. Sich wache, treuer SJienfcßenßüter, SDurcß beiner guten (Singel SBacßt, Sind) über meine $ab unb ®üter, Unb h«be fleißig barauf Sicht. SBenb Unglüd, SBafferg' flutb unb Sranb $n ©naben ab burd) beine |>anb. 8. Saß mieß bon feinem Unglüd hören, 0 Sater ber Sarmß er gigfeit, Saß mich gefuttb nach $aufe lehren $)urcß beine ©üt, gu feiner Beit; ftnbeffen, §®rr, befeßüßemieß Sor adern Unglüd bäterlid). 9. ©rßöre mein ©ebet unb gießen, Sich, tßeil mir beinen ©egen mit; Sich, laß boeß meine Sitt gefeßeben, Seßüte meine ©cßritt unb $ritt; ©o will id) mit ber frommen ©cßaar SDicß greifen jefct unb immerbar. 600 $ebet eine3, bet fidj in ftemben Sänbem auf^ali ©c6et eines, brr fttfi in fremben Säubern anfljält. dntfernt tmn meinen fjreunben unb Se!aitn= ten befinbe id) mtd) nun in ber grembe, mo id) fe^r menige SJtenfdjen tenne. Slber bid) fenne id) bod(), o bu in fremben Sänbertt auföält. 601 2öege ttad) ©mrnauS gefettet, unb bift auf ifjre Sitte bet ifjnen geblieben. $ld), fo bleibe benn aud) bei mir, unb meidfye nid)t oon mir. Sleibe mein ©efö^rte, mein @d)u|, mein Seiftonb, mein Statfygeber, mein Süljrer unb mein ©rretter. 2ld), §6rr 3®ju, tafc mich tn allen Satten empfinben, baft bu mir naf^e feift. Semaljre mid) t>or böfen ©efettfdjaften, unb fo id) \a in foldfje gerade, fo ftärfe mid), bafe id) ntd)t mit fünbige unb mid) 3um Söfett oerfül)ren laffe. ®ib mir $raft, allen ^tei^ungen unb Serfüfjrungett gur @ünbe 3u miberftefyen unb ein reinem ©emiffen gu be= magren, ©rroede mir treue unb gute Sreunbe, mit meldjen id) oertraut umgeben fönne, uub lajj mid) iljres Umgangs mit 9iu|en unb @egen ge- niesen, üftimm mid) nad) Seele unb Seib in beinen ©d)ut), unb gib mir nid^t nur einen ge= funben Seib, fonbern aud) biefeS, bafc barin eine unbefledte Seele unb ein reines ©emiffen bleibe. Sdjenfe mir burd) beinen ©eift bte ©enügfamfeit beS SfiofeS, bie $eufd)l)eit SofepljS, bie ©ottfelig= teit Samuels unb bie ÜSftä&igfeit Daniels. @r= fülle meinen Serftanb mit $lugf)eit, bafj idf) in allem meinem £l)un red)tfdl>affen Ijanble. Sfteige meinen ÜBitten -ptr Stugenb, ba{$ id) mid) in ber= felben übe, bamit ic b in ber Srembe einen guten Flamen mir ermerbe unb bemalte, bamit id^ ein 602 @e&et eines, ber fi<$ in fremben Sänbem auf^ält. gu teg geugnife mit nach §aufe neunten unb mich beineg Söobtgefatteng erfreuen fömte. gähnte meine Seibenfdjaft, bafe ich nid)t in Streit unb Verbrufe gerade, fonbern bie ©inigfeit im ©eift burth bag Vanb beg Qfriebeng treulich bemabre. Stärfe mich befonberg, mein §eitanb, bafe ich bid) uor ber VMt mit üüJunb unb §erg, mit Söorten unb Vierten befennen unb oerberrtichen möge» Unb fotlte ich \a um meinet ©laubeng mitten an= gefönten merben, fo Oerteibe mir bie ©nabe, bafe ich allezeit bereit fei, Sftechenfchaft gu geben Don ber Hoffnung, bie in mir ift, unb bafe idj mich auf feinerlei Vkife gum Wbfatt, gum Verleugnen beiner Sehre, ober gur Untreue gegen bid) oer= leiten taffe, Safe bein 233ort atlegeit meineg ^ufeeg Seudjte unb ein Sicht auf meinem Vkge fein. $)amt !ann id) unfträftid) manbeln unb immer oor btr befielen, ©rbalte auch, o mein ©rbarmer, mich bei ©efunbbeit unb beim Scben. Safe mit!) öon ben Peinigen nidfjtg atg ©uteg hören. Segne meine ©efchäfte, um beren mitten ich mid) hier aufbalte, unb tafe att mein Unternehmen mobl= gelingen. Unb menn ich bann meinen ©nbgmedf erreicht höbe, fo bringe mich mieber oergnügt unb beglüdt gu ben Peinigen gurüd; fo mitt ich bir meine ©etübbe begabten, unb bid) für alle mir ergeigte Siebe unb %reue ohne 2lufbören toben ©e&et eine«, ber fidi in ftemben Sänbern auf^ält. 603 unb greifen. Safe mtd} aber bei meiner gurüdfc funft in mein §au3 ftetä bebenfen, bafj id) fei beibe3, bein Pilgrim unb bein Bürger, unb be3= megett ftets fo ttmnble, baft id) meine 2Baö= fatjvt auf Srben mit bir glüdflid^ fortfe^en unb Dollenbett, unb bann in mein rechtes unb ()imm= lifdfjes SBaterlanb fornmen, unb ba in beiner @e= metnfdjaft (eben möge emigltd). 3(£fu, bu roirft aße3 machen, Söie e§ gut unb nüfjtid) ift, $d) ergeb bir meine ©adfjen, 25er bu §(£rr unb 9U?itt= ter bift; ©orge bu für mirf) allein, $dj tuiü bir gefjorfam fein Unb, mie bu mid) füfjreft, geljen, 2öa3 bu millft, rnufi bod^ gefd;ef)en. Simen. <&efattg« 9M. : SB er nur ben lieben ®ott läfet malten. 1. SDtein (Sott, idj bin in fremben Sanben, Entfernt non meinet $8ater3 |jau3; SBer gefyet mir alliier gu Rauben? 2Ber ^ilfet mir in Stötten au£? SJtein (Sott, o meine 3ut>erfidjt, SSertafc mich in ber $rembe nid^t 2. Sttit bir bin idfj oon ,£jau3 gegangen, Sluf meiner guten $reunbe fRatt), 9Rit bir t)ab idfj e§ angefangen, Unb fprecf) be3f)atben frülj unb fpat : 33leib in ber $rembe ftetä bei mir, $d) meidf)e nidjt, mein (Sott, oon bir. 3. S3efdf;ere mir oiel gute Orreunbe, Sin metdffem Drt idfj fefyre ein, Unb taffe mir and) meine $einbe 25urdj beine (Snab gemogen fein; 2)u bift mein $reunb, bid) ^alte idj, Sind) in ber $rembe tieb id) bidf). 4. (Srljalte mir mein 2eib unb Seben, 2)ie (Stieber, Kräfte unb (Sefidjt; (Sefunbfjeit motleft bu mir geben, Sertafj midj and) in Äraitffjeit uidjt; (Sebenf, baff biefeö ift bein ®inb, $>a3 in ber f^remb fidj franf befinb't. 5. 23et)üte rnidf) t>or ©ünb unb ©djanbe, SBemaljre 604 Qtbct eines, bec in ber Jrembe franf bamieber liegt mein ©emiffen rein, Unb lag mir aucg im fremben Sanbe, £©rr, beine $urcgt oor klugen fein, 2>ag icg geben!, bein Slngeftcgt Siegt, ma§ im fremben £anb gefcgicgt. 6. ©ib, bag xd) freche Sünber gaffe, Unb flieg bie Käufer, roo ge finb, Unb rnitg ba niemals finben läge, SBo man tterübet Sfganb unb Sünb! ©ib, bag id) benfe für unb für, $tg tuanble in ber ^rremb üor bir. 7. |>itf, bag icg bir getreu öerbleibe 3n ber erfannten ©laubenSlegr, 35ag micg nicgtg non ber SBagrgeit treibe. Stiegt 9teid()tgum, SöoUuft, ©lücf unb ©gr; SBer bieg oer= leugnet in ber $ei t, $er bringt fieg um bie Seligfeit. 8. @ib mir, mein ©ott, aueg beinen Segen, Sefcgere mir mein täglicg Srob; Sei ftetg bei mir auf meinen SBegen Unb fei mein Seiftanb in ber Stotg; Sag midj in beinern Segen ftegn, Sieg, Sater, lag mir*3 rooglergegn. 9. Sieg, fegne micg im Seglaf unb SBacgen, Sieg, fegne meinen Stritt unb $ritt, Sieg, fegne mieg in allen Sacgen, Sieg, tgeil mir beinen Segen mit; ©ib mir ein frommet $erj babei, SDamit icg re<|t gefegnet fei. 10. $)u molleft bie$ ©ebet ergören Stacg beiner grogen ©ütigfeit Unb biefe Sitte mir gemägren. So miß ieg nun unb aUejeit Sttit ^reuben fagen jebermann, 3ßa§ bu mir ©uteä gaft getgan. ©ebet eine$, ber in ber ffrembe franf bamieber liegt. 2öie gar munberbar finb beine äöege, rneldge bu, unenblidg großer ©ott, mit ben 3Jienfcgen gegeft, mie gar unbegreiflich finb bie ©dgidfungen unb fjügrungen, melcge bu mit ignen oornimmft! @o mug idg anje&t fagen, ba icg gu bir fomme, ob idg gleidg auf bem ^ranfenbette liege. $5a idg oon §aufe megreifete, mar idg frifdg unb gefunb, ©ebet eiltet, ber in bet Jrembe Iran! batniebet liegt. 605 itttb nun bin id) franf unb elenb. $5a id) unter= . megg mar unb f)ier anlangte, mar id) ftar! unb fräftig, unb nun bin id) matt unb fd)mad)* @o fann'g not üftadjt leidet anberg merben, a(g eg am frühen borgen mar* $ld), mein ©ott, (aft mir biefeö red)t gu meinem heften bienen* Saft mid) baraug ernennen, mie nichtig unb uergÖng= lid) bag £eben, bag ©lürf unb ber 2Bof)lftanb ber 3Wenfd)en fjienieben auf ©rbett ift, bafc id) nie barauf baue, bafc id) nie mein £>erg baran (jänge, fonbern am meiften nad) bem ringe unb tradjte, mag emig unb unöergäng(id) ift* Sefjre mid) bebenfen, bafc id) fterben mufc, auf baß id) f(ug merbe. Sefjre mid) einfet)en, baß mein £eben ein 3iel fyßbe, unb id) batum muß* muß eg gmar befennen unb geftetjen, baß mich biefeg be= fonberg fdjmerget, baß id) nun oon ben 3JZeini= gen entfernet bin, baß idf) ifyren Umgang unb gufprud) nid)t genießen !ann, unb baß id^ nict)t meiß, ob id) il)r 2tngefid)t mieber fe^en merbe* $)egmegen aber miß id) boef) rtidt)t fleinmütljig merben, fonbern auf btd), mein SBater, Ijoffen, ber bu aud) in ber 3?^mbe bei mir bift, ber bu aud) ba für mid) forgeft, unb mid) gemiß nid)t aug ber ^Id^t (affen mirft* 3d) lege mid) bafjer gang getroft in beine kirnte I)in unb fage: 2JJad)e eg mit mir, mie eg bir mo^lgefäüt* Sßimm bidj 606 ©ebet eme3, ber in bet grcmbc Iran! barniebcr liegt. oor allen Gingen meiner Seele ^ergtid) an, bafj fte nid^t öerberbe. Sefefjre bu mid), fo merbe id) belehret £>eile bu mid), fo merbe id) gefjeilet |)tlf bu mir, fo mirb mir geholfen. Vergib mir in ©naben alle meine Sünben, mit melden id) bid^ jemals beleibiget unb betrübet Ijabe. $Ber= gib mir biefelben um beineS SoljneS, um meines 93etfÖl)nerS, um 3@fu ©fyrifti mitten. Starte meinen ©laubeit auf feinen üftamen, unb lafe mid) in bemfelben ftetS gu bir beten unb bie fmlfe fudjen, bie mir nötljig ift. 2Birfe in meinem §er= gen red)t träftig burd) beinen ©eift, unb bilbe mid) fo in ber Seit, mie bu mid) Ijaben mittft in ber ©migteit. ©ib meinem ©eift burd) benfelben bas geugnifj, bafc id) ein $inb ber ©nabe unb ein ©rbe beS emigen SebenS fei. SSerlei^e mir bie nötige ©ebulb, bafj id) nid)t gegen bid) murre, ba§ id) midj nid^t gegen bid) auflefyne, fonbern alles gelaffen anneljme unb ertrage, toaS bu mir auflegeft. ®u bift eS ja, o §©rr, ber bu ben ülftüben $raft gibft unb ben Unöermögenben Störte genug oerleifyeft; barum tljue eS and) an mir nad) beiner großen 33arml)ergigteit. Soll id) oiele Sdjmergen leiben, fo laß mid) bebenten, baf$ biefelben nod) oiel geringer finb, als id) mit meinen Sünben oerbienet l)abe. Sott id) lange leiben, fo lafe mid) bir audj fiitte galten, unb oon ®ebet eine5, ber in ber 3?rembe franf barnieber liegt. 607 einer üftorgenttm(f)e bis gu ber anbern auf beine §ülfs= unb ©rrettungSftunbe märten. Unb menn btefe fommt, fo lafc mid) meine Suft an beiner ©nabe fefyen. SJJacfye es mit mir, mie es bir mofylgefäEt. Sein SBiEe ift ber befte. Ueber= genge midi) baoon in meinem §er^en, Setjre rnid) mit meinem £>eilanbe beten: SBater, ift's möglid), fo gefye biefer $eld) non mir; bodf) nidt>t mein, fonbern bein SBiEe gefdjetje. 3ft’S möglid), ge= fäEt es bir, fo lafe mid) genefen. «Segne bann bie Slr^neimittel, bie id() gebraudje, unb laß mid) non Sag 311 Sag gu neuen Kräften fornmen. Stergilt and) benen ifyre Sreue unb Sorgfalt, metdje fidf) meiner als eines Sfremblings amtel)= men, unb fei bafür if)r S^ilb unb if)r fefyr großer ßoljn. ©efäEt es bir aber nid^t, micf) auffommen 3U laffen, miEft bu, baf; id) in einem fremben ßanbe mein ©rab finben foE, nun, fo nerlei^e mir $raft, baf$ id) aud) ba meinen SBiEeu in bei= nen guten unb gnäbigen SöiEeit gän^lid) ergeben möge. Safe mid) bann bebenfeti, bafj bie 6rbe überaE bein fei, unb bafj bu audf) l)ier meine t>er= moberten ©ebeine finben unb mieber lebenbig machen fannft. üftimm bann meine abmefen= ben $reunbe unb Stermanbten in beinen Sd(ju£. Segne fie im ©eiftlidjen unb im Seiblid^en. 3?üf)re fie burdfy beineu ©eift auf ebener Steljn, 608 ©ebet eine§, bet in bet gtembe front barnieber liegt. bafe n>ir bort in ber fronen (gmigfett tnteber gufammenfommen unb bid) ba gemeinfdjaftlid) loben unb greifen mögen. S'lun, §®rr, td) fjoffe auf bid), unb glaube feft, bu mtrft alles mol)l machen. SKetne ,3ut)erfid)t ift allein auf bid) gerietet, barum fage id) aud) üoH SSertranen: §ab Sld)t auf mid), ba id) bin franf, 3)a bie ©efunb* beit ift oerfd)ttmnben, ®a& id) red)t freubig unb mit 4)att! Sttid) leg in meines 3@fu SBunben; Safj mid) nic^t utt= gebulbig rnerben, Unb benfen, ba§ id) ©taub unb ©rben; Unb roenn bie ©cbmer^en mehren fid), -äßem SSater, fo bab Sld)t auf mid). §ab enblid) benn auch Siebt auf mich, SBenn id) ber Söett SSalet foK geben, 3)aB id) im ©tauben batte bid), S3i3 icb fomm in ein anbreS Sehen, $)a mir baS frobe ©laubenSenbe ©rtbeilen merben beine §änbe, ®aß icb bei bir leb eroiglicb; Sttein SSater, fo b&b Sld)t auf mid). Simen. <$efattg, SOlel. : SWj £(5rr, mid) amtett ©üitber. 1. (£3 ftebt in beinen |)änben, |)©rr, meine Sebent geit, $>a3 Sehen mirb fiod) bie $urdE)t muff oerfdjminben, SBenn icb in mabrer S9u| bereue meine ©ünben Unb falle bir ju f$ruB; SBenn icb in 3©fu SBunben ©cbliefj meine ©eele etn, ©0 mirb 3U allen ©tuitben 9ttein Gmbe felig fein. 4. Unb alfo miß icb'3 machen, $d) liege hier öor bir; 2)anffagung, t»enn einer hrieber ift nac§ $aufe gelomnten. 609 fRei§ tttid} au§ Satang 9tad)en, Unb fdjenf bid) fetbften mir; 2) ein Sötut mafd) mic| oott Sünben, $>a§ rottje Söfegelb, So merb idj ©nabe finben, Söenn id) gef) au3 ber SBelt. 5. ßafj bann mein ©nbe fommen, $d) merb burd) $©fn 33 lut $9 (Knaben angenommen, 3)a3 gibt mir £roft unb 9Jtutf) ; $d) meifj, id) merbe fterben, §d) meifj and), bafj id) merb $)ie Seligfeit ererben, 2Benn ic§ oerlafj bie ©rb. 6. $)amt fomm id) nid)t otteine, 2öenn id) oerfd)ieben bin, SETleiti $©fu, id) bin beine, $ld), nimm bie (Seele f)in, Unb bleib mit mir oerbunben, 3td), meid)e nid)t non mir, $5afj nad) bett ^obegftunben $d) emig fei bei bir. 7. üJBie tann mid) bann erfd)recfen 3)er $ob, bie ©migs feit? 3öeit $©fu3 mirb ermeden $)en Seib 511 feiner 3eit 3)er ^at 9tuf) in bem ©rabe, $>ie Seel ift freubenooU; 35iemeil id) $©funt Ijabe, So ift mir emig mof)ü ^anffngung, menn einer nadj bottenbeter flteife «lieber glüdlidj ift nadj §anfe gekommen. §©rr, §©rr ©ott, gnäbig, barm^er^ig, ge- bulbig unb oott großer ©üte unb £reue, ber bu überfdjttmngfid) tfjun lannft über atte3, mag mir bitten unb toerftefyen, ber bn ©nabe unb |mlb reidjlid) er^eigeft benen, bie bidt) fürsten unb in beiuen 2öegen manbeln; fiefye, id) trete je^t ^um erftenmal mieber in meiner eigenen Söotjnung tmr bein aUertjeiUgfte^ Stngeficfjt, nadjbem id) unter beinern Seiftanb bie in beinern tarnen unternommene Steife glüdlid) ooüenbet I)abe* 3d) fmbe gelobet, bafj id) bir bafnr banfen mift, 610 2)anfi'agung, wenn einer ton bet SReife unb nun mill id) bir and) biefe£ mein ©elübbe bqatylen. Sld), ergebe mein §erg $u bir in feuri= ger Slnbadjt unb ^nbrunft, unb neige beine Dfjren ^u meinem Sdjreien, mein $önig unb mein ©ott! 3?d) ^nn nid )t bergen, bafj id) biele Befümmernifte in meinem ßer^en ^atte, ba id) oon <§aufe megreifete, baft mir faft bonge mar, menn id) an bie mannigfaltigen ®efäf)rlid)feiten bad)te, meldjen bie Steifenben öftere au3gefe£et finb. Unb mie teid)t fjätte nidjt aud) mich foldf) Ungemad) treffen fönnen ! 3Bie leidjt Ratten mid) SDiörber unb Räuber überfallen, befielen unb tobten fönnen! SBie Ieid>t Ijätte id) fönnen in Unglücf fommen unb meine geraben ©lieber oer= lieren ! SBie leid)t Ijätte mid) ^ranffjeit, @d)merj$ unb Sob fönnen bafyinreifjen unb an meinen Ber^ rid)tungen oerf)inbern ! Söie leidet Ijätte nid)t ' mein §auS unb §of, mein ©ut unb Vermögen in meiner Slbmefenljeit @d)aben leiben fönnen! Slber ba$ aöe£ ift nid)t gefdjeben, Bon bem allen ift mir uid)t£ begegnet $)a§ Ijabe id) einzig unb allein beinern mäd)tigen 6d)ut}, beiner t)äterlid)en gürforge, beinern fräftigen Beiftanb unb beiner treuen Begleitung gu oerbanfen. $)ir, bir fei aud) allein bafür Sob, Buljm, ßljre unb B*ds! Stidljt allein aber fyaft bu rnid) auf meiner tmH= brauten Steife fo gnäbig öor allem Unfall unb toteber (}Uiulb unb ©nabe genießen, ©rmede mid), ihnen öftere gu ergäben, ma§ bu auf meiner Steife ®rofee£ an mir getfjan baft, bamit fie aud) baburd) gu beinern s$reiS, gur ©emunberung beiner £reue unb Siebe, gunt ftnbli^en Vertrauen auf bitb mögen ermuntert merben. Safe mid) mit ihnen in D^ube, in ^rieben, in mabrer 3ufrieben^eit leben, fo lange id) nod) bei ihnen bin, unb immer nur barauf feiert, bafe mir bir bienen mögen in ^eiligfeit unb @ered)tig= feit, bie bir gefällig ift. Safe mich ben Segen, ben bu mir burd) meine Steife gugemenbet f)nft, nun auch mobl anmettben, unb ihn allegeit mit $)anffagung anfeben unb gebraudjem Safe mid) überbauet meine gange folgenbe Seben^geit nicht anber3 ai3 mie eine Sfteife nach ber ©migfeit be= trachten* Safe mich besmegen biefeibe, in beiner guten ©eifte£ ^raft, in ©otte^furebt, in $röm= migfeit unb in beinern £>ienfte binbringen. Safe mid) bie SSaflfafert nach meinem btntmlifdf>en ©aterlanb mmerbrofjen fortfeben, unb alles glüd= lid) überminben, m a§ mir in ben 2öeg fommt Unb menn id) bann meinen Sauf ooEenbet habe, fo nimm mich auf in bein emige3, bttrtmlifc^e^ Eteid), unb bringe mich gu ber Etube, melert)errlid^en* Da toitt id) einig rühmen, bafj betn §erj treu fei* Daufenbmal fei bir gefungen, |)©rr, mein ©ott, $retS, Sob nnb Daitf, Dafj eS mir bisher gelungen; 5ldj, lab meines SebenS ©ang ferner bocb burd) $©fit Seiten 9htr gebu auf bie ©migEeiten; Da miß id), |)©rr, für unb für, ©mig, emig banEen bir. kirnen. (Bef ang« 2M. : Sei Soft unb @t)r bent fjödjften ©ut, 1. $dj beuge mtd) üor beinern Dbroit, D ©ott öoß ©nab unb Siebe, Hub bitte bid) burd) bcinen @of)n Unt beitteS ©eifteS Driebc, Dafj mir ein bauEbar Sieb geling, Dafc id) mit ÜJiunb unb $ergen fing: Der §©rr fei bodj- getobet! 2. SBiel ©uteS itub SBarmbersigfeit |>aft bu mir ftetS erzeiget, 9ttit lauter Sieb uttb ©ütigEeit |>at fidfi betn i>erg geneiget^n mir auf ber tmßbradjteu 9ieif\ Drum fag icb aud) $u beinern ißreiS: Der |)©rr fei t)od)gelobet! 3. 9Sor Ungiüd, ©djabett unb ©efa^r §aft bu mid) fetbft gefd)üi)et, Unb beiner guten ©ngel ©d)aar f>at mir aßmeg genüget; ©ie E)at aß Uebel abgemanbt, 33is icb erreicht mein SBaterlaub; Der $©rr fei bodjgetobet! 4. 393ie reich lid) bat beiu ©egen mid) 9lud) in ber $remb befdjenfet! S33ie gütig, ja, mie oäterlid) §aft bu mein Df)un gelenfet ! Du gabft gu aßem meinem SBerE Die nötige SöeiSbeit, traft unb ©tarE: Der §©rr fei bo©rr fei bodjgetobet! 6. Drum bau! icb bir mit 9Äunb unb £>er§ $iir aße 40 614 Xtx gläubig? ©$rift Betet in Ätieg^geiten. bicfe ©nabe! SBenb ferner üon mir Seib unb (Söhmerg Unb maS mir fonften fdjabe; SBo ich nun gehe au£ unb ein, $>a lafj mich bir befohlen fein; $>er §@rr fei hodj= gelobet! 7. 33efonber3 gib mir beinen ©eilt, 35er mid) ^um $immet teite, Unb la^ mid), mie bu fetbft oerheifjt, 35a ftehn an beiner (Seite; (So bin ich bein in biefer 3eit, @o fing id) bir in ©migfeit: 3)er |>©rr fei hodjge* tobet! 2)cr gläubige dfjrift betet in triegsgeiten. Aufmunterung, 2ldb, $©rr, fie^e bocf), rote bange ift mit, bafj mit’ä im Seibe bauott roe^e ttjut ! sJJtein £erj roaUet mit in meinem £eibe ; benn id) bin Ijod) betrübt. £)raujjen ^at mid) bas ©djroert, unb im £aufe l>at mid) ber %ob gur 9Bittroe gemacht. 2)er Jp@rr hat feinen Sogen gefpannet, roie ein $einb. @t hat oertilget äße Saläfte. @3 lagen in ben ©affen auf ber ©tbe Knaben unb Sllte ; meine Jungfrauen unb Jünglinge finb burdjä ©djroert gefallen. $IagI. i, 20. 2, 4. 5. 21. 35ie brei Saitbplagen, momit ber erzürnte ©ott ganje Sauber unb ©täbte oer^eeret unb roüfte machet, finb Ärieg, junger unb ^eftileng, Jfer. 19, 12. $rieg ift eine fernere (Strafe, benn roenn ©ott feinen er gläubig« S^rifi betet in £rieg§jeiten. ner furcht manbetn, bir bienen unb geborfam fein, fo ift bet un3 letber ! SBerachtung beineg SBorteg, ütJügbraud) beine» ^eiligen Warnen#, Ungerechtigfeit, Sicherheit, 53o«^eit mit bett ab= fcbeutichften ßaftern im Scbmange gegangen. 3Bir fchämen um, erzürnter ©ott, unfere ©reuet atte iu ergäben, bie obnebem in ben §immet fchreien. Weh, barmbergiger ©ottr gebente bod) rticbt unferer SWiffetbaten, beren fo niete finb, mie be# Sattbe# am SWeere, gebenfe aber unfer uad) beiner großen Söarmbersigfeit, nm beiner ©üte mitten. 2Bir tiegen hier nor bir mit unferm ©e= bet, nicht auf unfere ©eredjtigfeit, fonbern auf beine ©nabe unb Sarmbeqigfeit; mir hoben ge= fünbigt, Unrecht getban, finb gottlob gemcfen, abtrünnig gemorben unb non beinen ©eboten ge= micben. Web, ftrafe un# nicht nach beinern 3orn, unb süchtige un# nicht in beinern ©rimm. SBir ftieben 31t bem ©nabentbrone, 3U 3©fu ©brifto, unferm einigen §etfer unb ^ürbitter. Weh, fiebe an fein 23lut unb feine Söunben. 0 (Srbarmer, er¬ barme btch über un#; mittft bu nach unfern 6ün= ben unb beiner ©erechtigteit mit um bottbeln, fo mirb ber $einb um öertitgen, tierf dringen, tierbrennen, übermäßigen, unb eg mirb fein ©r= retter ba fein. Mächtiger @d>uhbe^r ber ©ten= ben, ftebe auf, bafc nicht 3tfenf®rr, bir ge= bütjret bie @t)re, baft bu ©djmerter gerbridjft, ©Riefte gerfc^tägft unb SBagen mit fetter ner= brenneft. ©rt)öre bag ©freien, o liebreicher ©ott, berer, bie }e£t in ©efafyr fteden mtb in beg Seirtbeg §önben finb, unb mandje @d)tnad) unb Unbarmtjergigfeit erbutben unb augftefjen. ©r= barme bid) ber Firmen, ber SBittmen, ber alten unb betagten Seute, ^inber unb Unmimbigen, metd)e nicht entfliehen fönnen. äKacfye beg fd)äb= liefen ^riegeg ein balbigeg ©nbe, unb erhöre unfer ©ebet, um beiner ©üte unb 23armhergig=. feit mitten. 618 Der gläubige ßffrift betet in ÄriegSjeiten. 0 großer ©ott, ooH £reu, SSeit oor bir niemanb gift, Stlg bein 0of)n S@fug ©h^ft, $)er beinen 3orn g&= ftillt, 0o }ief) hoch an bie SBunben fein, $)ie große Slngft unb bittre ©ein, Um beffen mitten fcfione Unb nidjt nach Söerfen lohne. Stmen. (£ef aitg. 2J2el. : 9Idj, trag fott idj ; SJtan erftaunet, mettit man höret, Söie bie Unbarmhergigfeit 3)enen Sllt unb Sungen braut 4. Stileg fielet dotier Sommer, Slüeg gittert, atleg meiert, SBer nur fließen fautt, ber fleußt; 0ogar bie oer= borgne Kammer, ^^äter, SBälber, Söüftenei Sft don geinbegfurcht nicht frei. 5. $öre, mie bie Slrnten meinen, Söemt man ihnen atteg nimmt Unb gut ®ned)tfdjaft fie beftimmt, SBenn bie geuerflammen fdtjeinen; Sttan oerheert, gerreißt, der* brennt, 3)aß man !aum ben Ort noch fennt 6. O ber fchredti^en ©erichte, Söelcße jefjt bein 3orn augübt, ©egen bie, fo bich betrübt! StUeg macht ber geinb gu uichte, SSemt bu nicht, o ©ott, aufmachft Unb gur §ülfe biih aufmachft 7. Steh, mir fallen bir gu guße, fRett ung hoch aug biefer S2oth, Mächtiger §©rr 3ebaoth! Steh, mir thun oou §ergen ©uße; 0d)one, lieber ©ater, fchon, 0ieh ung an in beinern 0of)n. 23er gläubige Greift lobet ©ott na<$ erlangtem ^rieben. 619 8. Neffen 33tut fiel) an in ©naben, $ilg bamit bie Sltiffetlfat, SBelcffe biiij e^ürnet fjat. Safj beit $einb ung nicht mehr paben, ©ib t^m nimmermehr ben ©ieg, ©rofjer ©ott, in tiefem ßtieg. 9. Sich, gerbrith beg Jeinbeg 333affen Unb nimm ihm ben flogen Slhtth, Siäche bag oergofjne SÖlut, Sftrnrn meg bie nerbienten ©trafen; 23aue, mag ba liegt oerljeert, Sticht auf, mag ift umgefehrt. _ 10. Saf} ben $einb batb üon utig Riehen, ©chleufj beg $ammerg Pforte gu, ©dhettf ung nach ber Xrübfal Stuh; Safj ben ebeln ^rieben blühen, bringe bag oer= muffte £anb Söieberum in guten ©taub. 11. ©o fotl, §©rr, bein 2ob erflingeit, ©g fott fagen jebermann: ©ehet, bag l>at ©ott gethan; Üitb mir motten fröhlich fingen: Sobet ©otteg ©üt unb ©uab, 3)er bem Ärieg gefteuert höt. 12. 3=a, mir motten hinfort leben 3n ber mahreit ^römmigfeit, Unb bir jejjt unb attegeit Uitfer |>er3 311m Opfer geben; Sllfo fott nad) bittrem ©chrein Uitfer §er3 ooll Stühmen^ fein. Ser gläu&tgc Sljrift lobet unb bautet ©ott nadj erlangtem grieben. Slufmuitteruttg. ßommt ber, unb flauet bie 3Berte be§ ber auf (Srben foldj .Serftören anricf)tet ; ber ben Kriegen fteuert in aller 2öelt ; ber Sogen ^erbricht, ©piefie jerfdjlägt, unb 2Bagen mit ^euer oer* brennt, ©eib ftiüe unb ernennet, bafe idj ©ott bin. 3at. ©r erfemtet, 3) wie ber ebte Griebe fei gleich einer ©onne, bie aße3 aufrid^tet, gteid) einem Xtjau, ber a£te§ erquicfet. ©r bittet ©ott, 4) er motte ben Grieben taffen banertjaft merbeu, unb alten Grieben§ftörern fetbft mehren, ©r menbet 5) bie Griebenfett an, nid^t gur lleppigteit unb SBoltuft, fon* bern bap, in feinem ©t)riftentt)um äu^uneljmen, unb feinem ©ott ungeftört unb ungefjüibert gu bienen. §@rr, §@rr, grtöbig, barmfyer^ig unb öon großer ©üte, bu t)oft au£ geregtem ©ertöte bi£= f)er ben ^rieben non unferm ßanbe meggenom= men, meil mir bie guten £age unb ben ^rieben miPranct)t Ijaben, me^alb ein blutiger Ärieg entftanben; bu Ijafi bie $einbe un£ ^ur ©träfe gerufen, bie mußten ba§ ©djmert aufieljen, mürgen, ba£ ßanb ner^eeren, unb un£ mit lauter §urdj)t unb ©cfyretien erfüllen. 0b mir nun mol)l nerbienet, baf$ biefer $rieg un3 gar ner= berbet fyätte, fa t>aft bu bod) mitten im 3ont cm ©nabe gebaut, bu ^aft ben friegenben feilen ©ebanfen be£ $riebenö gegeben, bafür mir bir ban!ct ©ott nacfr erlangtem grieben. 621 berglitb unb mit greubett bauten* £>a§ «Stbmert mu§ auf beinen Söefebl mieberum tu bie Stbeibe fahren, bie ©eflütbteten fomtnen mieber, uub mir fönneu au£ unfern Sporen mieberum rubig uub ohne ©efap au§= uub eingebet.. greife, 3eru= falem, beu §©rrn, lobe, 3ion, beinen ©ott, beun er mattet feft bie Siegel beiner unb fegnet beine Äinber brinnen, er fdjaffet beinen ©rengen Trieben. SBeld) ein ^errlid^es ^leiitob ift ber Triebe, beffen fitb ba£ gange Sanb erfreuet! ®u entwerft uns freute bie gnäbige SOerbeipng : 3br fottt fitfyer tu eurem ßanbe mobnen, id) mill 3?rie= ben geben eurem Sanbe, bafc ibt ftblafet unb nte= manb eutb ftbretfe, unb fotl fein Sibmert mehr burtb euer Sattb geben. 2ltb §©rr, erbalte biefen Trieben beftänbig gu unfern 3^tten, erbebe über m§ bein $ntlih, unb gib mt£ ben Trieben ab§ ein berdicbeg €>tücf beinen göttlichen @egen£, ben bu auf bein $8olf geleget baft. Saß unfern Trieben fein mie einen SBafferftrom, ber nimmer abnimmt, fonbern beftänbig bleibet unb quiüet; benn bu allein bältft Trieben natb beiner gemiffen Sufage. Safe ©eretbtigfeit unb griebett fitb immer füffen, unb ©eretbtigfeit oorn §immel ftbauen. ©ib un§ beinen ^eiligen ©eift, bafe mir ben ebeln ^rieben nitbt miprautben gur Ueppigfeit, Mölleret unb Sicherheit, fonbern oielmebr un§ erbauen, unb in 622 $)er gläubige S^tifi tobet (Sott nac§ erlangtem ^rieben. ber Sur©rrn tuanbeht. ©rqutcfe burdg beinen Segen bag bergeerte Sanb, gäbe aüe^eit ©ebanfen beg §riebeng über ung. Saft ung am @nbe nuferer Sage in ^rieben fahren, unb in bie Käufer beg grtebeng gefammelt tnerben. $©rr ©ott, btd^ toben mir $ür beine grofeen ©naben, Safe bu bag gange £anb Sßott friegeglaft entlaben, Safe bu ung blügen lägt Seg golbneu ^riebeng $ier; Stunt jaudgge aEeg $olf: $©rr ©ott, bieg loben mir. Simen. (ttefattg. 3M. : ÜRutt lob, mein Seel, ben ^®rren. 1. Ser $rieb ift nun gefegtoffen, ©ott gat ung gnäbig= lieg ergört, fein 23tut mirb ntegr oergoffen, fein Sanb unb ©tabt mirb megr gerftört; Sag ©egmert ift einge* fteefet, Sie 33ogen loggentacgt, fein $einb, ber ung er* fegreefet, Sa ung ber Triebe lacgt; Sarum foE geut oor aEen, Sfacg biefer f riegegnotg, ©in ^reubentieb erfcgaEen Sem $©rrn §©rrtt gebaotg, 2. O Triebe, tgeure ©abe, 0 ebleg fleinob, bag bu bift, Saburcg nun uitfre |jabe 33on neuem unfer morben ift, Sa ©ott bieg ung gegeben, ©o gibt er ung gugleicg Vergnügen, ©egen, Seben, fRug in bem gangen Sleidg; Sie ftreitenbeu ©entittger 3um ^rieben finb geneigt, Ser treue SJtenjcgengüter §at ung bie ©nab ergeigt, 3. Sie geEe ^riebengfonne Söeleuegt't bie Sänber meit unb breit, ©ie bringet §eil unb SBonne, Sarum ift jeber= mann erfreut; Ser Sbfergmann !egrt mieber 3« feinem Sieferbau, Ser $irte fpietet ßieber Stuf feiner grünen Stu; Sie ©egäftein meiben ftitte, SBeit fie fein §einb megr fegreeft, Unb nun bie ©egengfüEe Sag gange Sanb bebeeft. 4. ©teiegroie ber f rieg gerfplütert Sag aEeg, mag er nur erreiegt, Safe 33erg unb Sgal ergittert Unb gleiegfam non ber ©teEe meiegt: Ser fjriebe pflegt gu geilen Sag, $>er gläubige (Sljrift betet in Steurung unb !gungeränot§. 623 wag ba liegt berfyeert, Unb ©amen augptlieiten Sem, wag ba ift gerftört; SRit Suft fieljt man nun bauen Sie Raufer unb bag gelb, Ser Fimmel fc^eint §u trauen, 2Bag unferm ©eift gefällt. 5. ßajg biefen grieben bauern, 0 treuer $8ater, lange Beit, Safj wir in unfern dauern SRidjt mel)r erfahren $rieg unb (Streit; 2ld), fjabe ftetg ©ebanten Seg ^rie= beng ung $u gut, Unb tyatte in ben ©tfwanfen SDer 9ften= fetten Uebermutf); 91imm wegen unfrer ©ünben Ung nur ben grieben nid)t Unb lag ung ©nabe ftnben, Söann fonft beirt B^n anbrietjt. 6. 2ßir wollen nun öermeiben, Sa bu ung biefen grie= ben fdjenlft, 3Bag bid) unb ung fanit fdjeiben, 0 ©ott, unb gitäbig an ung beitfft; Sidj wollen wir uereljren, Sief) lieben unb allein Sag §er^e $u bir lehren Unb alfo banfbar fein; ÜEBir wollen ftetg befriegen Ser ©ünben ßafterljeer Unb alle ßuft befiegen Bu unferg ©otteg (Sfjr. 7. Unb ba in biefen Sagen Ser eble Triebe alfo bliifyt, ©o lafjt ung alle fageu: ®ommt, fd^aut beg Siliert) ödjften ©üt; Ser f)at bem $rieg gefteuert, ©el)t, bag ift ©otteg Sfjat, Sen grieben ung erneuert, 0 unoerbiente ©nab! ßafjt greubenlieber flingen Sem $©rrn $©rrn Bebaotl), Unb laßt ung alle fingen: 9ta banfet alle ©ott! 2>er gläubige ®&rifi betet, »nerat ©ott mit Renntag unb ^ungeronotb bas Sanb beimfmbet. 3litfmmttmntg. Su -BtenfcEjenünb, ftef)e, idf) roitl ben Sorratl) be§ 33rob§ $u 3leru= falem roegneljmen, ba| fie ba§ Stob eften miiffen nadj bem ©etmd&t unb mit Hummer, unb ba§ SBaffer nad^ bem ÜJioft mit Hummer trinfen. $efef. 4, 16. SBerben ^atjute unb wilbe Spiere mit junger ge§üd^= tiget, bafj fie etwag lernen ober it»re wilbe Slrt oerlaffen muffen, fo pfleget ©ott eben folgen Buum unb ©ebig 624 25er gläubige Greift betet in Neurung unb SgungerSnotty. ben 9Dlenfd)en in ben Sftunb gu legen, menn fie nid^t gu ifjm motten. ©ott toefet fie fange mit 5Bof)ttf>aten, um fie bamtt gu fic^ gu gieren; wenn fie aber burd) fotdje (Siüte fid) nidbjt taffen gur $SuBe leiten, fo fdjicfet er junger in£ ßanb, eittmeber burd) 2J?iBttmd)§ ober burd) $rieg, ober burd) $t)eurun9 unb Mangel, ober menn er ben ©egen oom 23rob megitimmt, baB man iffet unb nidjt fatt mirb. $)iefe ©träfe fommt gemeiniglich : 1) menn bie UJenfdjen ba§ Söort ©otte# gering achten, unb nur auf 2Bof)tteben bebaut finb, $ef. 5, 13.; 2) menn man fromme Seute unb bie ®ned)te ©otte§ oerfolget, 3er. 11, 22.; 3) bie ©timme be§ fatjdjen ^ropfieten gern höret, 3er. 14, 15. 16.; 4) Baf^ftorrig ift, 3er. 24, 10.; 5) itugef)orfam bleibet, £>efef. 4, 16.; ober 6) menn man ©ematt gegen ©eringe oerübt, 2 ©am. 21, 1. 2. 3)iefe ^jungerSnott) bringet mit fid) Strmutt), ©tenb, SSerfdjmad)* ten, baB ©ttern ifjre $inber unb anbere SDinge oor junger effen. 7) SBenn bagu nod) ber geiftlic^e junger fommt, 2Imo6 8, 11., fo ift ber junger unou3jpred)tid). ©e&et* ©erec^ter ©ott, ber bu einem jebett gibft nad) feinen 2Berfen, unb löffeft gont, Srübfol unb kngft fommen über bie, fo ba $3öfe§ ttjun: mir fommen al©ier oor bein alterfyeiligfteg Wngeficfjt, unb fdjämen un£, baB mir uns bermafeen an bir oerfünbiget, baB bu un§ mit junger gum ©ebet unb ©efjorfam gmingen muBt. 0 mie reidjütf) haft bu uns in ben oorigen 3af)ren gefpeifet! mir ijaben 33rob bie Qfütte gehabt, bie ©rbe braute uns bie liebüdhften unb fd)Önften grüßte. 0iefe ©aben hatten uns foHen als Siebesfeile gu bir, ®er gläubige ßfyrift betet in Steurung unb £unger3ttot§. 625 bem retten (Seber, gieren unb gur 33uße loden. 2lber mie ftbänblid) finb btefe ©üter gur SBöfterei, gum Söobtteben unb Ueberfluß mißbrautbet tüor= ben, fo, baß bie Kreatur felbft über uns t)at ge= feufget, baß fie Don ben unbanfbaren SDtenfd)en mit unbanfbaren §ergen unb fmnben ift em= pfänden morben! üöaS t|Ts benn Söunber, baß ein fruchtbar ßattb nichts trögt, um ber ©iinbe mitten berer, bie bartn mobilen? £)u ftrafeft uns mit £beuruttg, üDtangel, 2)ürre, baß bie (Sr be ihre 3*üd)tc färglid) gibt, baber bie Xbenrung baS ßaitb briidet. §(Srr, fyöxe baS ©freien ber Ernten, bie um $rob bitten unb nid)t fatt merben. üftitnm bocb 311 §ergen baS SBinfeln ber ^inber, baS Klagen ber (Sltern, ben Jammer, ber in ber ©tabt unb auf bem Satibe alle Raufer erfüllet. (Ss fc^eint, bn bßbeft ben ©egen oon nuferer ©üeife genommen; mir effeit, unb mer= ben nid)t fatt, mir nehmen riet ©peife gu uns, unb üerfd)maeife legeft. Safe ba3 Qrel b halb mit ^rücfyten mieber erfüllet merben, ber= met)re baä menige SäKefyl, mie bas ber Söittme p Sarepta, lafi ben geringen SBorratf) genug fein pv ©rfyaltung Dieter, Safe inbeffen bein SBort unfere «Steife aEemege fein, un3 bamit p nähren, bentt ba£ ift unfer 3 §ergen§ Straft, unfer §onig unb ^onigfeim; mir moEen bid) für bicfe ©nabe rühmen unb greifen unfer Sebenlang. StdEj §©rr, fiet) an bie grobe Sfotty, ©ntgiel) nnS nidjt ba3 liebe 33rob, ©djüti beinen ©egen au£; $)u bift ja unfre guberficfjt, ®rum bitten wir: SBerftofi uns nidjt! Hüten. ©ef aitg. 2M. : flagt mit Slngft unb (edmtergen. 1. 9DUt ben fdjarfen £fjeurung3rutfjen $0?ad)ft bu, o erzürnter ©ott, Unfer fyaxteZ $er§e bluten. Hdj, bie bittre §unger$notIj SDrofjet uns ben Untergang, ©ie madjt unfrer ©eele bang, Jammer Ijot un§ ganj umgeben, $>a Wir fotcfye Üftotf) erleben. 35et gläubige G^rift bete! in ^eurung unb §unger8not$. 627 2. (£§ ift faft nidjt augaufpredfien, SB3ie ber Mangel aßeg brücft; @3 möcf)t bem fein §er§e Bremen, Ser bie Sljränenflutt) erblicft, SBeldje biefe 97otfy augprefjt, Sarin ©ott ung finfen lägt; ©djau, ©rbarmer, auf bie Sinnen, Sßater, benf an beim ©rbarmen. 3. Mangel brücfet ©rojj unb kleine, Unfer SSorratl) ift bal)in, fanget fcpn )äd)t ung 9D?arf unb SBeine, Mangel quält ung immerhin; Mangel! ruft ber Slmte aug, 9D7an= gel ift ing fJieidjen $aug, Mangel t)at ung aufgerieben, Sag ung nichts ift übrig blieben. 4. Std), bag machen unfre ©ünben, SDiefe fteigen l)im= rnelan, Sag man feine $iilf fann finben, Sie bem Mangel fteuern fann; gred)l)eit unb §algftarrigfeit bringt ung biefeg ger^eleib; Ungeljorfam unb SBoljlleben Sttüffen biefen Soljrt ung geben. 5. ©djaue, mie bie ®inber jammern: Sid), mir finb ja ttodj nirfjt fatt! Stuf bem gelb unb in beit Kammern Siegen »iel t)or junger matt; Sort fiegt man Diel Sirme ftefjn, Sie um 23rob unb |)ülfe fielen, $a, man f)ört bag Sßiel) aud^ brüßeu, Sag miß feinen junger ftißen. 6. §©rr, bu Ijaft l)inmeggenommen Seinen ©egen non bem SSrob, Unb adjj, baljer ift gefommen, Siefe SIjeu= rung, biefe 97ot^; Unfre ©peife fättigt nidjt, äöeldj ein fdjrecflidjeg ©eric|t! junger bleibt audjj in bem ©ffett, Unb ber ©peig ift halb oergeffen. 7. |j©rr , mir faßen oor bir nieber, fRettc ung aug biefer Saft, ©ib ung beinen ©egen mieber, Sen bn mtg genommen gaft; Saß bie nieder mieber blüljn 97adj bem ©äen unb SBemüljn, Sag fie reiche grüßte bringen, Sag ben ©egen ^u ung bringen. 8. ©peig ung nur mit beinern SSorte, SSenn eg ung an S3rob gebricht; SBenn mir flopfen an bie Pforte, SSater, fo öerftog ung nidjt; Siefeg magre Sebengbrob ©tärfe ung in biefer 97otfj; Stuf ben fetten ©eelenmeiben $ft leicht leiblidj junger leiben. 9. Saß ung mieber ©nabe finben, Sag burdj beine 628 2) er gtäufcüje Gfyrift betet in 'ßeftjeiten. ©egenäflutfj Xiefe £f>eurung§notf> oerfdjroinben, ©o mirb aße§ mieber gut; $>ann foß unfer ger^ ttnb Sftunb Stile £ag unb alle ©tunb ©preßen: ©ott f)at 23rob unb Seben Un§ au3 ©naben mieber geben. Ser gläubige Slirift betet tu ^eftjeiten. Slupniiutonuig. tffienn bu aber nid^t gefjordjen rairft ber (Stimme beS §@rrn, beineS ©otteS, . . . fo roerben aüe biefe f^Iücbe über bi d) fommen, unb bid) treffen. $)er §{§rr wirb bir bie ©terbebrüfe anljängen, bi§ er bid) vertilge. 2>er £>@rr tnirb bid) fdjlagen mit ©djmulft, Riebet, $i£e, Brunft, SDürve, giftiger Siuft unb ©elbfudjt, unb roirb bid) üerfolgeti, bis er bid) umbringe. 5 9Jiof. 28, 15. 21. 22. SBenn über bie, meldje 23öfe3 tljun, 3orn, £ritbfal unb Slngft foß fommen, fRötn. 2, 8. 9., fo gehören p foldjer Slngft aßerbing3 anftedenbe ®ranffjeiten unb bie Sßeft. SDiefe ^Slage fommt mef)rentt)eilö : 1) toenn bie SJteufdjen betn Söorte ber Söarnung unb SSerntaljnung feinen ©lauben beimeffen, 4 Sftof. 14, 12.; 2) mettn man ©ott nur äufjerlid) unb nid)t oon bergen bienet, $er. 14, 12,; 3) ©ott gar burd) Unge^orfam aug ben Slugen fe^et, $er, 24, 10. 27, 9.; 4) bie Wiener ©otteg öer= adßet, $er. 29, 17.; 5) toenn ba§ SSolf frecf) unb un* bärtbig toirb, §efef. 14, 19.; 6) toenn |jurerei unb SJtorb itn ©damalige getjet, |>efef. 33, 26. 27.; 7) toenn feine 33uBüermat)nungen meljr angenommen toerbett, Stmo3 4, 10.; 8) um ÜljebrudjS mißen, 4 SEHof. 25, 9.; 9) um ©otte§läfterung mißen, 2 Äön. 19, 35.; 10) um Jtodjs mut^§ mißen, 2 ©am. 24, 15., aud) um anberer ©ünben toißen. 2öo nun biefe ©träfe einretßet, ba ift nott)toenbig, bafe man SSufce tf)ue, meil bod) ber |)©rr fidj nadf feiner SBarmljersigfeit erbitten täjjt, berl)albett audi $)aoib unter ben brei plagen lieber biefe ermüdete. 35er gläu&ige (Efyrift Betet in ^eftjeiten. 629 ©eliet* ©tarfer unb admäd)tiger ©ott, grofg tft bein 3orn gegen bie ntutbmidigen @ünber, me(d)e fid) burd) beine 28ob(tbaten nid)t (affen gur Sufee (eiten; bu fjanbelft eine Qettlang mit ben Ü0iett= fdjenfiitbern a\§ mie ein liebreicher SBater, ber bk Ungeborfamen mit Dieletn $erfd)onen gu fid) lodet, nad)tnal§ aber, menn fie beine ©nabe auf ÜKutbmiden Riehen, fo bemeifeft bu bid) al§ ein ftrenger ^Richter. Oiefe£ erfahren mir jetd and), geregter (Sott, mir hören, bafe an oie(en Orten fid) eine artftedenbe @cud)e beroortbut, me(d)e öiete taufenb ^Jicnfdjeit babinraffet, fo bafe faft in febem fpaufe $obte finb, unb fid) nicht fpänbe genug finben, fie gu begraben. Oa3 tnad)t bein ,3orn, bafe fie fo Derberben, unb bein ©rimm, bafe fie fo btö^(id) babin muffen, fabelt mir nid)t bobe Urfadjc, gu befürchten, bu merbeft ba3 um fid) reifeenbe üebel auch in nufere ©rengeu unb in unfere @tabt fdjtden? 233ir biirfen, o eifriger ©ott, gar nicht meinen, bafg jene adein ©ünber Dor anbern finb, meldje bu biefe fdjarfe IRutbe (äffeft entpfinben, mir müffen Didmebr be= fenneit, bafg mir mertb finb, ade alfo umgufom= men, mie jene. ©3 finbet fid) bei un3 Sicherheit, $erad)tung beine3 bdligen 2öort3, §a(3ftarrig= feit, Üebbiflfdt, öurerei, Uugered)tigfeit, 2Bo(= 41 630 3)er gläubig« £§rift betet trt ^eftjeiten. luft, Stol^, ja, es ift foft feine 3?urd)t ©otteS im Sanbe; bie ^eiligen haben abgenommen, unb ber ©laubigen finb menige unter beit 2Kenfd)en. SfiMttft bu nun Sünbe guredjnen; §@rr, mer mirb oor bir befielen ? 2(d) §©rr, §@rr, mir galten bir oor bein 2öort: 3h* fottt mein 2lntlih fuchett; barum fucben mir auch, §@rr, bein 2lnt= iib; bu mittft nicht ben 5£ob beS SüttberS, fon= bern bafj er fid) belehre, unb lebe; barum fd)ul= bigen mir uns, unb tfyun ^öufee im Stanb unb in ber Wfdje. Sieh nid^t an unfere Sünben grofe, fprid) uns berfelben aus ©naben los, ftet) uns in unferm ©leub bei, unb mach uns aller «Strafen frei. 2öir haben gefünbiget mit unfern SBätern, mir haben nicht recht gehanbeit, unb finb gottlos gemefen. befiehl hoch bem Söiirgengel, ber baS £Rad)efd)mert führet, baf$ er ablaffe, unb fage, es fei genug. Safe uns leben, fo motten mir beinen tarnen, rühmen. Sittb mir feiner ©nabe merth, fo finb mir ihrer hoch bebürftig; finb mir atte $inber beS £obeS, fo haft bu hoch ben *öuf$fer= tigen oerheiBett, bu motteft ©nabe für fRed)t er= gehen laffen. 0 fo fchenfe uns beine ©nabe unb bas Seben, um 3@fa. unferS einigen Mittlers unb Särfbred)ers mitten; erbarme bidj), erbarme bich, ©ott, unfer ©rbarmer, über uns, fei uns gitäbig, oerfd)one uns, lieber §6rr, fei uns gnö= ©er gläubige ©tyrijt Betet ttt ^eftjeiten. 631 big, t)ilf un£, Heber §@rr ©ott! ©rbarme btd) ber Firmen unb ©lenben, tnelc^e burd) bie heftige ©endje finb angegriffen, unb bie junger unb Kummer (eiben müffen, aller pflege beraubet, unb oon allen üffienfd)en neriaffen finb; fiiljre fie gur ©rfenntnife beiner ©nabe in ©fyrifto, beinern lieben @ol)ne, ftelje iljnen mit $roft bei, unb bein ©eift gebe 3eu9niß i^ern ©eift, bafe fie $inber ©otte3 finb, ob fie gleid) an biefer ^Slage fterben müßten. 2ld) §©rr, erhöre unfer ©ebet, unfer SBaterlanb, fo motten mir fagen: $)er |)©rr f)at ©rofeeS an mir getljan; ja, bu fannft erretten alle, bie gu bir treten« 2tdj §©rr ©ott, burd) bie Breite bein 9)tit £roft unb Rettung mtS erfc^ein, 23eroeif’ an uns betn grobe ©itab Unb ftraf uns nid)t auf frifdjer £baH 2Bof>n uns mit beiner ©üte bei, 2)ein 3orn unb ©rimm fern Don uns fei« Stmen« (Qefang* 2M. : 2Benn mein Stünblein oorbanben tft. 1« 2BaS grobe 5lngft unb |)ergeleib Säbt uns ©ott je£t erleben, 3)a mir in biefer ^ammer^eit $n SCobeS- nöt^en fdjmeben, Unb faft, o fd)recftid)eS ©eriefjt, $Bor bes Söürgengels 2lngefid)t ©rattern unb erbeben! 2« ©ered)ter ©ott, bies täffeft bu Uns Pren unb faft fet)en, Unb fbridtft babei: $omntt, febjet 51t! 0o foü es euch aud) geben, 2Benn itjr Don eurer 9JHffetbat, $ie mich gum 3orn gereiget bat, 9tid)t merbet halb abfteben. 3« Sieb ja, bie grobe ©idjerbett i'anu niemanb faft betreiben, Sftan meib Don feiner ^römmigfeit, ©in jeber 632 2>er gläubige CS^rtft betet, lafjt fidj treiben 93on ßügen, trügen, 0d)metgerei, $er* acfytung ©otteg, §eutfjelei, Unb atfo roitl nmn bleiben. 4. SBißft bu nad) unferm ©itnbenmajj 5)ie fcfyarfc fftutfje binben, Unb unfre Soweit, 9teib unb $afj Santmt anbern ferneren Sünben Seftrafen mit ber Seud? unb fßeft, Nation bu ung öiel fjören lägt, Slcfj, mer mirb ©nabe finben? 5. 0 ©ott, mir faßen bir 51t Std) SSater, fdjoite, fegone! SBir ttjun mit Xfyränen ger^licg Sufi $8or bei= nem ©nabentf)rone; ©ebenfe nidjt, mag mir getfjan, Unb fiet) ung bod^ in ©naben an 3n ßljrtfto, beinern ©ofjne. 6. $it SBunben moßen mir $m ©tauben ung einfjüßen, Söir bringen gier fein 93lut oor bir, Um biefeg 33Iuteg mißen 2Birft bu ung Sinnen gnäbig fein, 5)ieg geige 33tut fann bodt) aßein 5)eg goriteg ^flutfjen ftißen. 7. SSerteig 1111g boeg gefunbe Snft Unb fdjenf 1111g nodj bag Sebeit, Vertreib ber giftgen heften $uft; SBirft bu ung biefeg geben, @0 foßeu §erj, ©eift unb ber SDlunb 5)ir Sob unb ftiutjm 51t afler ©tunb 90iit taufenb 3)an! ergeben. Der gläubige (£f)rift betet, lueim eine gciieröbnmft nuegebrorfjen ift. 'iüifiunuternitiV <3ief)e, ber $<$rr £@rr rief betrt ^euer, bamit j^u [trafen ; bag foUte eine grofje SLiefe uerjef)reu, unb frafj fdjon etn ^tjeil bafyin. Ta fpradb id) : 21d) £?(Srr Ajßrr, lafs ab ! mer mill ^afob mies ber auf tjelfen? benn er ift ja geringe. Ta reuete ben §©rrn bag aueft, unb ber £>(5rr £>@rr fptacb : @ö foIX auch nirfjt ge= fd^en. 2tmog 7, 4 — 6. Slug biefer ©cfjriftfteße erfegen unb lernen mir be= fonberg breiertei. guerft biefeg, bafj ©ott immer fein SBerf babei gäbe, menn er Unglüefgfäfle über bie 9ften* fegen fontmeit unb oorneffmltdj eine ^euergbrunft aug= brechen läffet. 5)egmegen fagt ber fßropfyet: 55er §©rr tomn eine $euetäfaunft auSgebrod^en ift. 633 §©rr rief bem treuer. ©ott rufet bern $euer, uttb fenbet eg ben 9Jtenfc^en unmittelbar, menn er feine SÖIi^e aug* täffet, bafj fie Söälber unb §äufer angünben. Mittelbar aber rufet er bem $euer, menn er guläffet, bafi eg entmeber 95öfetüicf»ter anlegen, ober bafj eg aug Unöorfidjtigfeit unb SRadpläffigfeit ber 9Jtenfchen entfteljt. SSenn bafjer ein ©Ijrift pret, baff $euer abgebrochen fei an bem Orte, an meinem er roofjnet, fo benfet er: 2)ag ift fein btinber 3ufaü, fonbertt bag hat (§5ott getljan; benn ift and) ein Ünglücf in ber ©tabt, bag ber |)©rr nicht tljue? ©r er= innert fid), baf3 er and) unter ber gemaltigen §anb ©otteg ftefje, bie il)n bet biefer ©elegenfjeit ebenfaUg l)eimfud)en fömte. ©r beuget fid) tmr ©ott, unb flehet if)n um ©d)uh unb 23eiftanb an. ©r empfiehlt fich finblid) feiner ©nabe, in ber feften 3uoerfid)t, bafj benen, bie ©ott lieben, ade $)inge müffen gum heften bienen. 2Öir erfennen aug ber angegogenen ©djriftfteße meiter, bafj ©ott bag treuer öfterg gur Züchtigung unb SBeftrafung ber SDfanfdjen braune. 3)emt ber $rophet fagt: ©r rief bem fjeuer, bamit gu ftrafen, bag foHte eine grofje £iefe t>ergef)ren, unb frafj fdjon einen ^eit ba^in. ©ott ftrafet bie ©ü n* ben ber 2ttenfd)en. Unb bie muff er beftrafen, fomoljt megen feiner §eiligfeit,' nach meiner er benfelbett gram unb feinb ift, alg aud) megen feiner ©erecf)tigfeit, nad) melier er bie Drohungen erfüllen rnufj, mit melden er bie Ungefforfamen unb iöog^aften heimgufud)en unb gu güdtjtigen in feinem ^eiligen SBorte erfläret. ©g ftrafet auch ©ott bie -äftenfchen mirflid) megen ihrer ©ünben manchmal mit befonbern, manchmal mit allgemeinen plagen. 9ttit befonbern plagen t^ut er eg, menn er fie mit ®reug unb ßranfljeit beleget, menn er ihnen feinen ©egen entgiehet, menn er fie mancherlei ©lenb empftnben läffet. $>a müffen fie tune merben unb erfahren, mag bag fjeifje, ben §©rrn oerlaffen, uttb fid) nicht fürchten oor feinem ©ott. SBeitn aber biefeg nicht fruchten miU, fo fenbet auch ©ott gumeilen allgemeine plagen, burd) 634 35er gläubige (S^rift betet, welche er feinen $orn über bie ©ünber äußert, ^)aju brauset er benn aud) manchmal baS Feuer, unb täffet burd) ba^felbe aller Orten ©djrecfen auSbreiten unb öfters grofje Sßerwüftungen anric^ten. Vornehmlich beftrafet ©ott auf fotd^e Art tfjeüs bie Verachtung ber fßrebigt feines SBorteS, t^eilS ben Unban! für bie Don ihm em¬ pfangenen großen unb unzähligen 2Bof)lthaten, wie wir baoon ein beutlidjeS Veifpiel 4 2ttof. 11, 1* ausgezeichnet fiitben; theilS aber bie beharrliche Unbufjfertigfeit, wie wir aus bemjenigen erfehen, was nach 1 9ftof. 19 mit ben ©täbten ©obom unb ©omorra gefchehen ift. ©in ©hrift muh fiann wirb er aucf) gemtjj Sarm^er^igteit erlangen unb ©nabe finben auf bie geit, ba i^m §ülfe nott) ift. ® ebeü Ö@rr, f)@rr, bu bift ein unenblid) gütiger unb freunblidjer, aber autb ein erfct)reeflid)er ©ott, mcnn bu gürneft uttb ben SEReufdjen beine Ungnabe in ben ©eridjten gu erlernten gibft. 3 e|t erbltcfe id) nid)t bein freunblidjcS Wngefidjt, ba£ id) fo oft unb vielfältig fonft gefet;en habe. 3e|t fetje id), bajt bu gürneft, unb toer fattn oor beinern beftebeit unb gegen beinctt ©rimm fid) f^üben? 33ott alten ©eiten l)er böre id) fe^t Särmen, ©freien, 3ammern unb 9Bef)fIagen. üUtein §eq bebet SReiue Äraft bat mid) oer= laffett. teilte ©eele ift fet)r erfdjrodeit. fe ift ein Qttier au^gegangen, tvelc^e^ ohne bcitien ^Bitten unb ol)tte beine ^ulaffurtg nid)t t»ätte gegeben tönnen. $d) toeife gmar nod) nid)t bie eigentliche Urfad)e, toeldje biefcn blöfclidjen ©raub oerantaffet bat 2lbcr bag toeife id) bod) genrift, ba& baran oornebmlid) fd)ulb finb meine unb meiner ÜIRitbrüber äRiffetljaten unb ©ünben. ®ie finb oor bid) gelommeu; bie haben beitter 636 3)et gläubig« S^rift betet, Sangmutf), mit melier bu ung fo lange getragen haft, ©rennen gefettet, bafe bu uttg einmal ftrafen unb geigen mußt, bu feieft nid)t ein ©ott, bem gottlofeg Söefen gefalle, mer bög fei unb bög bleibe, ber bleibe nicht t>or bir. 2ld) ja, |)@rr, £@rr, mir finb ©ünber, grofee ©ünber, bie beinen 3orn üerbienet ^aben. 2Bir befehlen unfere 3ftifjetf)aten nicht. äßir befennen eg, mir haben gefünbiget im Fimmel unb oor bir, unb finb nicht mertt), bafe mir beine föinber Ijeifeen. 2öir fefeen nun beinen geuereifer t>or ung, unb erfennen, bafe bu ung alle in menigen 2lugen= bliefen aufreiben unb oerberben fönnefi $lber, ad) §©rr, thue bod) foldjeg nicht. Safe ab oon beiner Ungnabe. ©ebenfe mitten in beinern gorn an beine grofee 93arml)ergigfeit, meld)e bu oer= heißen ^aft benen, bie Sein 2lngefid)t fudjen. ©ebenfe bod) nid)t allein an unfere €>ünben, fonbern aud), unb noch öiel mehr, an bag tljeure unb rollgültige SBerföhnopfer beineg ©oljneg, unferg ^eilanbeg 3®fu ®hnfti. Um feinetmil= len fdjone, unb ntd)t nad) Werfen lohne. Söfdhe ab in bem Samme beineg ©rimmeg flamme, ©ott SBater, benf an £ob, fieh an fein heilge äBunben roth, bie finb ja für bie gange SBelt bie Zahlung unb bag Söfegelb; befe tröffen mir ung aHegeit, unb hoffen auf SBarmhergigfeit. toenn eine ^eueräbrunft auäge&rodjen ift. 637 üttun, barauf hoffe auch id) befonber^ in ber gegenwärtigen ÜEotf) unb ©efat)r, unb menbe mid) belegen gu bir, al3 meinem einigen 8ei= ftonb unb Erretter. 3pricp nur ©in 3®ort, fo mirb e§ gefd)e£>en. ©ebenfe an beine tpeure ^ufage, tae *>u (jetpan paft, ba bu gefproepen: @o bu in£ föexxex gepeft, fottft bu nid)t brennen, unb bie Stamme fott bict) nid^t an^ünben; benn id) bin ber §©rr, bein ©ott, ber Zeitige in Sfraet, bein §eitanb. ©ebenfe baran, unb tpue e3 natp beiner großen 33arm= per^igfeit. @egne babei bie guten Wnftalten, metdpe ^ur Dämpfung beg Sauers gemaept merben, unb tafe bief eiben bie ermünfepteften Sßirfungen haben, ©rfütte alte bie, melcpe ben !>JtotpIeibenben beifpringen, mit magrer Siebe, mit ^örtlichem 3Kitteiben unb mit beiner Surcpt, bamit fie ihnen reblitp beiftepen unb helfen. Unb feilten fidp $Böfemid)ter einfinben, mebpe au ba3 stauben unb ©teplen benfen, fo rüpre ihr £erj fräftig, bafe fie t>on ihrem böfen $orfap abtaffen, unb bie ^Betrübten niept noep mepr betrüben unb be= fipäbigen. äJiatpe unferer 9fotp halb ein ©nbe. Safe mieber 9tupe unb ©tüte in unfere dauern fommen. Söfdpe bie (obernben Stammen felbft au§, unb tafe fie nitpt mieber augbreipen. Safe un§ aber auep burtp biefe3 bein über un§ oer= pangte§ Strafgericht gebemiitpigt, gebefjert unb bapin gebracht merben, bafe mir un§ fortpin Wenn eine $euer3&nmft auägt&todjen ift. 639 fürdjten Dor beinern gortt, unb nicht mehr oor= fattfid) toiber beine ©ebote thun, fonbern bielmehr uttfer Sebettlang bor bir manbeln in f>eiltgfeit unb ©eredjtigfeit, bie bir gefällig ift. ©rhöre biel mein unb aller anbereit frommen ©Triften ©ebet gnäbig, unb fenbe uni beine .gmlfe, fo moHen mir biä) für biefe unb alle anbern üföoljlthaten loben unb greifen, l)ier geitlicf) unb bort emiglüh. §©rr ©ott $ater, erbarme bidj über uni! |j©rr ©ott ©ofjn, ber 28elt $eitanb, erbarme bidj über uni! $©rr ©ott ^eiliger ©eift, erbarme bid) über uni! Sei uni gnäbig, oerfdjotte uni, lieber §©rr ©ott! ©ei uni gnäbig, hü? uni, lieber §©rr ©ott! Simen. <&ef attg* 9M. : 2Bcr nur bett lieben ©ott läfet halten. 1. ©eredjter ©ott, tafj bid) erbitten Sn ber entftanb= nen ^euerlnoth, S©fu, tritt fetbft in bie Bitten, $ßer= fötjn burd) beineu bittern £ob $)el §öd)ften ,ßorn nnb unfre ©ünb, ©o biefel $euer angeaünb’t. 2. ÜÖit b«ben biefe fd^ruereit plagen, Std), teiber ! tängftenl moht üerfdjulb’t; 2>n t>aft jebennod) uni ge* tragen Sftit SBatertreu unb mit ©ebulb, Unb uni mit beiner ftarfen §anb 33ilher errettet aul bem 33raub. 3. Sld), hätten mir’l hoch recht ertennet, SSenn bu uni oft gemarnet höft, SEann anberimo bein 3orn 9^ brennet Sftit junger, Sßeft unb ^riegeltaft, Unb hätten fotche frembe $ein Uni taffen eine Söarnuug fein. 4. Steh, großer ©ott, tutr faden nieber f&tit fHeu üor beinern Slngefidjt, Unb fnchen beine ©nabe rnieber, Sldj, geh nicht mit uni in! ©ericht; Safj uni bie je£t empfunbne 5ioth fftedjt beffern, tieber §©rr unb ©ott! 5. ©ib neue bergen, neue ©innen, Sßerteif) uni beinen guten ©eift, 3)a| ber in unferem beginnen Uni immer 640 25er gläubige (S^rift betet, trenn er beine 2öege meift; (£rljatt un3 ftetg in beiner |>ulb Unb, menn tüir fehlen, fyab ©ebulb. 6. Vemahr un3 ferner t>or bem ©Freden, 2)en bu un3 jefd gefenbet gu, ®ib, bah un§ biefer mög ermecfen, bir 5U fud)en unfre Nuh $ür ©eel unb Seib in biefer .ßeit, $urd) tuafjre Vujj unb ^römmigfeit. 2 a gläubige dfjrift betet, toenn ei bitrd) bu$ geuer bat Sdjnbcti gelitten. Sfuftttttttierttttg. 35er irjßrr fjat’ä gegeben, ber $(Srr l)at’§ genommen; ber 9Jame beö £(trrn fei gelobt! £iob 1, 21. . SBortrefftic^e SBorte, in welche ber fromme §iob au^ gebroden ift, ba ihm mancherlei unangenehme Nachrichten hinterbracht mürben, non ben Unglü erfüllen, melc|e feine $inber unb feine irbifdjen ©üter betroffen hatten. Unter folgen Nachrichten lautete auch eine alfo: $)a3 geuer ©otte§ fiel Dom Fimmel, unb üerbrannte ©chafe unb Knaben, unb tjerge|rete fie. Sind) biefe fiirdhtertid^e Vot* fefjaft erfdjrecfte ihn nicht, ober brachte ihn au3 feiner Raffung. Vortreffliche^ Veifpiel für (5h^iftenr melche burch $euer3noth in gleiche Umftänbe öerfe^t merben, bah he nn ihren (Mtern unb an ihrem Vermögen ©dja* ben leiben. $enn bah ©hriften fidh an bem SNufter ber ©ottfeligen unb frommen fpiegeln unb ihnen nach- folgen foöett, ba3 lehret nicht nur ©ir ach, bn er ihnen (£ap. 11, 10. gurufet: ©ehet an bie ©jempel ber Nlten, unb merfet fie; fonbern auch ißaulug, ba er Vom. 15, 4. fdjreibt: 28a§ gnoor gefchriebett ift, ba§ ift un£ gur ßehre gefchrieben, bah mir burch ©ebulb unb £roft ber ©chrift Hoffnung hnben. 333enn alfo Triften nach bent üer= borgenen unb gerechten Nathfdjlnh ©otte§ fo hßimgefucht merben, bah fte oon bem ^h^9en Vielem einbühen unb berlieren, fo müffen fie fich faffen unb fich beeifern, nach burd? baS ^eucr fyat ©djaben gelitten. 641 bem 33eift)iel §iob3 iffr Verhalten eiitäuridjten. tiefer fromme 9ftann itafjnt nidjt nur aUe§ gelaffen ooit ber |janb be3 §©rrn atir fonbern er überließ fid) aud) getroft feiner Jüljrung unb feinem SBifien. &uf fold)e Söeife müffen e§ matjre Triften and) madjen, unb be§megeu folgenbe ^ßfltdjten beot>ad)ten. 31)re erfte ^ßflidjt ift, bafj fie nidjt glauben, fie feien oon ©ott üerlaffett, fonbern bafj fte fid) in finblidjer $£)emutl) 51t iljnt nal)en, unb iljn um anbern unb neuen ©egen anrufeiu Sljre anbere $flid)t ift, baß fie nidjt fleinmütljig merben, menn fie nun einen geringeren Vorrat!) atö fonften üor fidj feljen, fon= bern al^bamt fleißiger beten unb arbeiten, unb babei ge= miß glauben, ba§ iljnen ©ott bas> SSerloreite reidjlid) mieber erfefjen föitne. $f)te britte Sßflidjt ift, bafj fie feft auf ©ott trauen, unb fid) oerfidjert fjalten, bafj er taufenb Mittel in §änben tjabe, ifjtten ben erlittenen ©djaben gu erfe^en, unb bafj er aud) foIdjeS gemifj nadj feiner großen ^reue tljun merbe, meint er nur bei ifjnett feine liebeoollen 21bfid)ten erreichet Ijabe. SSerfjalteu fid) bie ©Triften auf biefe Slrt, fo loerbett fie unfehlbar aud) ittne merben unb erfahren, bafj e§ ©ott ein Seidjtes fei, fie mieber ju fegnen unb reid) gu rnadjen, bafj er iljre 2)iirftigfeit mieber merbe megneljmen, bafj er fo mit iljnen Raubein merbe, bafj fie gule|t gu feinem fßrei3 mit gerührtem §er^en müffen fagen: 3)er -Kante be3 $©rrtt fei gelobt! ® ebet* §@rr, attmM)ttger ©ott, tote gar fdjretflid) ift eS bod), in beittc §änbe gu falten, tote gar unerträglid) ift beitt $oxn, toenn bu benfetben über bie äKenftbett auSläffeft! $)a£ Ijaben toir fe|t erfahren, ba bu uns tticfjt nur mit Qfeuer tjeimgefucfjet, fonbern aud) burd) bte flammen einen großen £ljeil beffen mieber genommen fyaft, 642 $er gläubige G^rift Betet, toenit er wa§ un§ bein Regelt oorljer befeueret ^atte. 2öir gefielen e§ frei, baf$ mir foldje ©trafen mit unfern ©iinben gar mol)l oerbienet f)aben. 2Bir be= fennen bir unfere ©ünben, unb t>ert>e^Ien unfere äRijfetljat niefjt. ©inb mir bo mit beinen ©aben nid)t immer fo treu umgegangen, mie mir billig gefottt ©inb mir bod) mandjntal unge= rechte |)au3l)aiter gemefen. ©inb mir bir bod) trietteidjt meljr alä ge^ntaufenb $funb fdjjulbig. $ein Sönnber alfo, baf$ bu un§ in beinern ge= regten ßoxn gegücf)tiget unb alfo geftrafet ^aft* ^Id>, bafj mir fo feljr gefünbiget, ad), ba§ mir beine göttliche ÜKajeftät fo gröblich beleibiget Ijaben! 2öir fallen bir gn 0?ufs, unb bitten bemütf)iglid) um ©nabe, 2öir fdjulbigen un£, unb tljun 33u§e im ©taub unb in ber $fd)e. 2öir fud)en bein 9lngefid)t, ad)r laß un3 bod) um 3©fu (ä^^rifti mitten ©nabe oor bemfelben finben. 3Jcerfe auf un3 unb erhöre un3, mie mir fo fläg= lid) meinen unb gagen. ©träfe un£ nid)t mefyr in beinern Qoxn, unb güdjtige un@ nic^t meljr in beinern ©rimrn. ©ei un§ oielmeljr gnäbig, benn mir finb fdjmad). £>eile un§, §@rr, benn unfere ©ebeine finb erfdjroden. ©ei unä gnäbig nad) beiner ©nte, unb tilge alle unfere ©ünben nad) beiner großen Sarmfjer-jigfeii ©elje nid>t meiter inö @erid)t mit beinen $ned)ten, benn oor bir burdj bag ^euer ^»at Staben gelitten. 643 ift fern Sebenbiger geregt, 33ebenfe, bafe mir ©taub unb $tf(he finb. 5tt)ue ein Reichen an un£, baß cZ un3 mohlgehe. Kräfte un3 mieber, nadjbem bu m% fo ^art gefthlagen, ^etle un£ mieber, nathbem bu un3 fo ferner oermunbet haft. ©rfe^e rnZ mieber burd) beinen ©egen, mag ung bie flammen geraubet unb in 2lf(he öermanbett haben. ©rmede mitleibige unb gute §erjcu, tüelcfje ung liebreid) beiftehen unb Reifen, ©egite unfern 53eruf, unfere Arbeit unb bag Söer! un= ferer §änbe, ja, bag 2Berf unferer §önbe motteft bu förbern um beitteö ÜRameng mitten. ©uteg unb Sßarmher^igteit laß uns folgen att unfer Sebenlang, unb ung nimmermehr beinen emigcn goru erfahren, ben mir mit unfern ©ünben mohl üerbienet hoben. Spache ung red)t oorfid)tig, bafe mir treuer unb Sicht niemalg oermahrtofen, unb baburd) meber ung noch unfere Nachbarn in ©chrecfen unb ©(haben bringen. $or attcn Dingen aber mache un Z recht fromm, ©ib, bafe bag erbulbete $reug unb Seiben mZ möge gu bir führen unb bei bir erhalten big an unfer ©nbe. ©(heute un Z ffraft, alle ©ünben gu mei= ben, unb in einem neuen Seben uor bir gu manbetu. Safe ung ben neuen ©egen, ben bu nnZ f(hen!eft, red)t mohl anmenben, unb fo gebrauten, bafe mir immer mit unferer Rechnung t>or bir beftehen 644 ®er gläubige Gtyrift betet, tuerm et butcf) ba§ geuet tc. fönuett. Seite uns burd) beuten ©eift atte^ett auf ebener 33af)tt, nnb füfjre un£ ettblid) au3 ©naben in bein t)immlifd)eg D^eid), ba£ bu öon ^Inbe^inn bereitet tjaft betten, bie bid) Heben* Bitten, eg gefdjebe, STmen ! ©ott oerfiegle bieg in mir, 2luf bab id) in 3©fu tarnen ©o beit ©laubengfampf augfiifjr; ©r öerleit)e Straft nnb ©tärf Unb regiere felbfi bag 3£erf, ^ab i d) madje, bet unb ringe Unb alfo jum |jimmet bringe* ?Uneit. (vtefang* Sütel. : ©äjtuing bicf) nuf 31t beinern ©ott, 1* $reus unb Seiben fiitjrt §u ©ott, 2)eb miß id) mid) tröften 9?ad) erlittner $euergttotb, $)a bie 9Ingft am größten, ©ott, ber meint eg bennod) gut, 3)a er mid) erhalten, $)arum bab id) guten 9Jtutb Unb lab ibn nur malten. 2. ®rücft bag $reu3 mid) noif) fo fetjr, ©ott !ann eg batb menben, 3ft bie Saft auch nod) fo ferner, ®attn er ,£)ütfe fenben; ©eine Mmad)t, feine ©nab §aben feine ©djtaitfen, SDafür miß id) früh nnb fpat öon §er= jen banfen. 3* $n bent ©lettb fatut id) mof)I Steine 0bnmoffyt Unb mer mir ba helfen foß; 3« toem foß id; geben? $d) faitn tueber §iitf ttoeb Statt) Sei mir fetbften finben, £)od) meib ic^, bab ©otteg ©nab Sftid) faun leidet entbinbeit. 4. Sldj , mein ©ott, icb ruf 51t bir, Sitibre meine Sei= ben, ©ite, fomm unb fcfjenfe mir Stad) ber Sriibfaf $reu= beti; $d) öertraue bir aßeiu, Sab nicht ab mit Rieben, 39ig bu mir mirft gnäbig fein Unb mir felbft beiftefjen* 5. ©g foß feine Striibfat bod) SKid) oott bir abfdjeibett, 2)enn id| meib, bu lebeft nod) Unb ftebft mir §ur ©eiten; 28emt mid) äße SSett oeriäbt, 2öiß icb bir bod) trauen, SJteiu ©taub ^ätt fid) an bicf) feft, Sig icb bid) merb fdjaueit* ®er gläubige SEirift banfei ©ott naö) bet ^euetöbrunft. 645 Ter gläubige (£l)rii't bautet Sott, neun bie geitcrfc biunft glütfltdj uoriibec tfl i?liifntiititeriiitg. freuet eu fie ifjnen etma in ber $euer§gefat)r Ratten anoertraut, unb baoon nidjt ba§ ©eringfte gurü (galten, bettn ba3 ift geftotjlen unb bie betrübten nod) metjr be= trübt, meines unoeranimorttid) ift. Sotcfjeö müffen fie aud) enbtid) nod) fo tfjun, bafj fie, memt jene eine S3ei= fteuer t»otx ifjnen begehren, ifjnen gerne, millig, reidjlid) unb nad) ifjrem Vermögen geben, ebenfo, mie fie müm fd^cn, bafj e3 ifjr 9M($fter in ätinlidjen fällen gegen fie ttjun möge. So meinen fie mit ben Seinenben, unb nehmen Xtyil an itjrem Jammer unb ©tenb. So müffen aber and) ©fjriften fid) freuen mit ben ^rö^Ud^en. Senn fie fefjen, bafj i^re befd)äbigten 33rüber fid) ermuntern, itjr §erg 511 ©ott ergeben unb tfjm banfen, bafj er bodj in ber 9totf) ifjreg 2Ingefid)t§ §ütfe unb itjr ©ott gemefen ift, fo müffen fie fid) mit ifjnen im ©eifte üerbtnbett, mit if)nen ©ott loben unb greifen, unb it)tn non bergen eben fomof)t bafür $)anf opfern, bafj er itjren 23rübern mieber geholfen, al3 aud) bafür, bajj er fie befdjüfjet, befdjirmet unb unbefdjäbiget gelaffen tjat. £fjun Stiften biefeS, fo tfyun fie itjre ^Sflidjt, unb ba§ bringet ifjnen lauter Segen unb £jeit. ©ott Ijat an irrten ein gnäbigeS Sofjtgefatlen. ©r nimmt fie in feinen Scfjujj. ©t mirb an fie in allen ferneren SRötfjen benfen, unb fie au§ benfefben l)erau3= reifen, ©r mirb fie itnmerbar fdjnteden unb fefjen taffen, ,mte freunbtid) er fei. toenn bie $euer3f>runft gtücflidj Vorüber ijt. 647 ebet« ©o ^aft bu benn nunmehr, o ^eiliger unb ge= rechter ©ott, bein ©eridjt an un3 bwau£gefübret, mit meinem bu uns (>aft ftrafen, gültigen unb befferu motten. 3 )u baft un§ grnar habet ein §arte3 erzeiget, aber bu baft bo@rr ift geregt, unb feine ©eridjte finb auch geredet. 3db gittere nou baft ba£ ©eufgen ber (Slenben erhöret unb bein gnäbigeS Wngefidbt mieber gu un£ gemenbet, ba& 648 Ser gläubige 6$rift banfei (Bott, bie toütbenbe Qf^mme nicb bin nidjt beffer alg meine trüber; id) ^abe gleite Strafe berbienet* 2tber bn ^aft mid? in ©naben berfdjonet. 0u baft mir unter ber %lotf) Sftutb unb 0roft ber= Heben; bu ^aft bag geuer bon meiner glitte ab= gehalten; bu b^ft mich, bie ÜKeinigen, meine ©üter unb mein Vermögen gang unberfebrt ge= (affen. 2ld), toie foö i(b bid) bocb bafür genugfam (oben? 0aufenbma(, taufenbmal fei bir, großer fiönig, 0anf bafür ! 0 bafc id) taufenb jungen hätte unb einen taufenbfacben STCunb, fo ftimmt ich bamit um bie SBette bom oder tiefften §ergeng= grunb ein Sobtieb nad) bem atibern an bon bem, toag ©ott an mir getban. 0a aber mein $Ber= mögen oiel gu fdjtoad) unb 31t gering ift, bir, 0 ©ott, fo gu banfen, mie eg bie ©röfje beiner mir ermiefenen ©üte unb §u(b erforbert, fo nimm meinen ^Bitten für bie $b^t an, unb Ia§ bir mein armeg Satten in ©naben tooblgefatten. Verleihe mir babei $raft unb Störte, bafe id) bir mein gangeg folgenbeg Seben gum 0anfo|)fer toibmen unb barbringen, bafj ich bie Sünbe ernft= tcenn bie geueröbrunft gtücflid^ öorüber ift. 649 lief? rneiben, baß ich ber Heiligung eifrig nadh= jagen, baß id) bir unoerrüdt anhangen unb treu= ließ bienen möge big an mein feligeg @nbe* @o erbarme bid) meiner um ,3©fu ®t>rifti mitten, unb erhalte mi<ß in beiner ©nabe, baß idb biefelbe genießen fönne, hier zeitlich unb bort emiglidß, ^iimm hieß aber aud) befonberg berer an, melcße bie gebämpfte Qfeuergbrunft betroffen bat, tttießte bu fie felbft auf mit beinern göttlichen $£rofte, unb (aß fie beinen ^eiligen üöittett erfennen, ®ib ißnen ©ebulb in ihrer £riibfal, unb laß fie in maßrer ©elaffenßeit nur an bir unb beiner ©nabe hangen, ©rfeße ihnen ben erlittenen Sßerluft mit beinern 0egen, unb oerleiße ißnen ©nabe, baß fie beine oäterlicße Siebe, ©üte unb £reue an fieß erfennen, unb hieß ba oßne Wuf= hören loben unb preifeti, üftun, §©rr, unfer ©ott, fei ung allen in $ufunft gnäbig unb barm¬ herzig, Sftimm ung täglich in beinen 6cßuß unb ©cßirm. 53emaßre ung oor aller ferneren Seuerggefaßr. ©ebenle an ung allezeit in ©na= ben, $ßue ung moßl nach beiner ^öarmßergigfeit um beiner ©üte mitten, Stßue ung moßl big an bag ©nbe unferer £age, fo motten mir bir opfern bie Darren unferer Sippen, mie mir foldßeg audß jeßt tßun, ba mir auf unfere ®niee fallen unb fagen: 650 35er gläubige S^rifl banlei Oott nadj ber 3feueräbrunfi. $©rr (Sott, bidj loben mir, 2)afe bu uns $mar ge* ftrafet, gebodj inb einem 3*>m Stidjt gar ^aft meggeraffet; ©S feat bie SSaterfeanb Uns beine ©nabentljür §efet mies bet aufgetfean; §©rr (Sott, mir banfen bir. $©rr ©ott, mir banfen bir, 5>u Sfraetis $üter, $>afe bu uns oätertidj $)ie Äird), bie ülf, bie uns mar nafee, ©fe man es fid? oerfafee. 4. $>anf, 3)anf fei beiner ©üte! ©rfüd nun baS ©es mütfee 9Jtit greuben nadj bem SBeinen, Safe uns bein Sid)t ftetS fdjeinen. 5. 3)ein Sicfet in beinern Söorte Safe bod) an unferm Orte @o leuchten, bafe mir Slinben 3)en SBeg gum @immel finben. 6. Safe uns bein Sicfet umftrafelen, SBenn 3)unfelf)eit, menn Oualen UnS nocfe f o fieftig fdjrecfen Unb beinen 3orn entbeifen. 7. 3>ann lafe uns beutficl) fefeen, 35afe bu uns mirft beifteljen; 3)ann lafe uns auf bit| trauen, 23iS mir bii) emig flauen. 8. Unb bann lafe uns ofen ©nbe, SBenn mir in beine §änbe $ier Seib unb ©eel ergeben, gn greube bei bir leben. 25er gläubige G^rift betet ju Sott bet ttaffer 2ßitterung. 65 i Ser gläubige (flirift betet p ©ott bet anbaltenber najfer Witterung. 3lufmmttcrmtg, ©ief)e, td£) TOtÖ eine ©iinbfluif) mit SIBajfet fommen Iajfen auf (Srben, ju uerberben afleS §leifd), barin ein lebenbtgcr Dbern ift, unter bem £immel. 2tfle§, roaä auf (Srben ift, foH unter* geljen. 1 sJJiof. 6, 17, 5tuf btefe SBeife erftärte fidj ©ott ebebem gegen ben frommen 9?oab, unb entbetfte if)m bamit ein fdjmereg «Strafgericht, metcßeg er Sßißeitg fei, über bie fünbige SEBett 3U üertjängen. ©ott lehret ihn bamit ^ubörberft, baß bie fommenbe SßafferjTutfj allein oon itjm unb oon feiner SÖeigbeit unb SJtacht abbänge, inbem er fagt: $dj miß SBaffer fommen taffen auf ©rben. ©r geiget ifjm bamit meiter, baß er fotctjei im Born, um ber ©ünbetr. ber ßftenfcben mitten tbun motte, inbem er eg augbrüdtid) eine ©ünbftutf) nennet, ©r bemerfet and) enblitfj nod), baß er foldje jur Zeftrafung, jurn Zerberben ber ©ünber fenben unb gebrauchen motte, inbem er fpridjt: 5U oer- herben aßeg §teifc^, barin ein lebenbiger Öbcm ift, unter bem §immel; atteg, mag auf ©rben ift, foß untergeben. 3)iefeg atteg traf and) richtig ein. ©g fam bie Sxiub= ftuth ; bie SBaffer muffen; atteg $teifd) mürbe oerberbt; mag einen tebenbigeu Dbem batte unb nicht mit bem 9ioafj in ben haften gegangen mar, bag ftarb. $)iefeg über¬ zeuget ung fomobt oou ber SBabrbaftigfeit ©otteg, nach metdjer er aße feine Bufageu, fomofil feine Zerbeißungen, atg aud} feine Drohungen, auf bag genauefte erfüllet, atg auch oon feiner ©ereeßtigfeit, nach metdßer er bie @ünben unb Uebertretungen ber ^Jtenfcben zmar tauge mit ©ebutb trägt unb überfießet, aber fie am ©nbe bodj in feinem Born beimfudjet unb ftrafet, menn fie nicht baoon ab* taffen unb redjtfcbaffene Zuße tbun. Unb obgleich ©ott üerßeißen bot, baß er bie Söett nid^t meßr mit einer aß* gemeinen Üeberfdjmemmung süchtigen unb fie barin oer* 652 35er gläubige (Efyrift betet gu ®ott tilgen motte, ob e§ gleid) babei gemig unb emig bleibet, fo lagt bocg ©ott nocg manchmal gut $>emütgigung unb ©rmecfmtg ber fünbigen SJtenfcgen SSafferflutgen, ftarfe SÖaffergüffe unb eine angaltenbe naffe Sßitterung fom= men, bag ber Stegen angält unb nicgt aufgören mitt oorn £>immel gerabgufatten. 2öenn nun Triften bergteidgen 3ufätte magrnegmen, fo erinnern fie fid) babei guerft, bag fie oon ©ott fontmen, bag fie unter feiner meifen tJftegie- rung gefd)egen, unb geben fid) be^megen getroft in feine $änbe, in ber feften .guüerfiegt, bag er bocg alles mogl machen merbe. ©griffen bebenfen meiter bei folcgen §eim= fucgungen, bag ©ott über igre ©ünben, über igren Un- gegorfam gürne. $)e3megen fegren fie in fid), unb fudgen igr böfeS Söefen unb £eben gu erfennen, gu bereuen, unb in magrer 23uge bei igm, um S©fu ©grifti mitten, ©nabe unb Vergebung gu erlangen. ©Triften ermägen aud) nod) enblitf) bei folgen ©reigttiffen, bag fie gar leid)t gu igrem SBerberben gereicgen formen. ©ie finb babei nicgt gleid)* gültig, fonbern überbenfett mit Stufmerffamfeit, maS ©ott an ignen tgun fönne. Unb ba fegen fie gar halb, menn bie naffe Sßitterung gu lange angalten mürbe, mie gar leid)t aisbann ber ©rbboben gu fegr ermeiiget, bie $rücgte beS Selbes oerfaulen, bie ©emäcgfe oerberben, ben 90ten= fegen unb bem SSieg bie Sftagrung unb baS Butter ent* gogen, unb baburd) Mangel, Neurung, junger, Äranf* geit unb enblicg eine allgemeine Stotg erregt merben fönne. 4)ieS treibet fie gu ©ott, bag fie fiel) in feine |>anb be* fegten, bag fie gu igm fegreien unb rufen in igrer Stotg, bag fie ign um bie Slbmenbung beS ignen brogenben ©trafgericgtS anflegen, bag fie bei igm finblidj unb gläu* big bie ©rrettung unb $ülfe fuegen, metege ignen gu fol* eger geit befonberS nötgig ift. SBenn fie biefeS tgun, fo mirb ignen ©ott mieber fein §erg gumenben, unb fo gnä* big merben, als er oorger gornig gemefen. ©r mirb fieg igrer erbarmen unb ignen fruchtbare feiten fegenfett, bag igre bergen erfüllet merben mit ©peife unb greube. Bei att&altenber naffer Bitterung. 653 ©e&et* ©rof$er unb mafeftätifcher ©ott, ber bu ben Fimmel auSgebreitet, bie ©rbe gegrünbet unb alles erraffen haft, t nag ba lebet, mebet unb ift; mir fehen es mit unfern klugen, ba§ bu alte^ re= giereft unb alles fdjaffeft, maS bu nur millfi 2öie halb fannft bu nid)t bte ©eftalt ber @rbe üeränbern! Söie halb fannft bu ihr nicht ihre @d)önheit unb gierbe nehmen ! 3Bie halb fannft bu uns nicht mieber baS ©ute unb ben ct gläubig« ®bnft betet ju Sott unb erbarme bid) über un£ gnäbiglid). Qu geigeft un3 je£t gar beutlid), baß bu über un£ gürneft. Unb mir erfennen eä aud) gar mol)l, baß mir mit unfern Sünben, mit unferm Ungeljorfam, mit unfrer Untreue unb 2öiberf|)enftig!eit biefen bei= ben 30rn erreget Ijaben. ja, mir ftnb Sünber, große Sünber, unb mangeln gänglid) be3 fRuljmS, ben mir oor bir f)aben fotten. 2öir Ijaben ge- fünbiget oor bir, unb ftnb nid)t mertlj, baß mir beine $inber Reißen. 2Bir fjaben'S oerbienet, redjt mol)l oerbienet, baß bu un£ beinen Segen entgiefyeft unb bafür beine Ungnabe embftnben läffeft. 2Bir befennen bir besmegen unfere Sün= ben, unb oerl)ef)len unfere ÜRiffetfjaten nid)t. 2ßir bemütljigen unö oor bir in magrer Sßuße, unb bitten bid) um ©rbarmung unb ©nabe* 2ld), fo erbarme bid) benn mieber über un£, nad)= bem bu unö fo ewpfinblid) gefdjlagen unb be= trübet fjaft. ©ebenfe an un£ unb fegne uns. ©ebenfe unfer im heften, ©ebenfe, baß mir nur Staub unb Wfd)e ftnb. ©ebenfe an bte oott- fommene 33erföf)nung 3©fu, unb laß um ber= fetben mitten aud) nunmehr bei un§ ©nabe für fRed)t ergeben. $>u fjaft ja oerfyeißen, fo lange bie ©rbe ftefye, fotte nid)t auffyören Samen unb (Srnte, Sommer unb Söinter, ^roft unb §ifce, £ag unb 9^ad)t. $)u Ijaft ja gugefagt, bu motteft bei anljaltenber naffet SDitterung. 655 fättigen alles, maS ba lebet auf ©rben, mit 2öol)l= gefallen. §)u l)aft \a bie tljeure 3ufa9e gettyan, baß bu bie ©rbe unb if)re 8emof)ner nid)t ntefyr mit SBaffer vertilgen unb ausrotten molleft. 21$, baran gebenle bo$ au$ {efct! 21$, baS er= fülle bodt) au$ au uns, o bu ©ott notier ©nabe unb Söatjrfjeit ! 2$ue bie f^enfter beS Rimmels 3 u, unb gebiete bem Stegen, baß er auffyöre, auf uns gu fallen, ^eitere ben trüben Rummel auf, unb laß uns baS f$öne agel unb Ungemitter. 0$enfe Srüfjregen unb ©pat= regen gu feiner ^eit, unb laß bie liebe ©onne bas Sanb immer mieber erquiden, menn bu es ge= mäfjert f)aft, baß |o bas ©ras ma$fe für bas SSie^ unb bie @aat gum Stufen ber 3Kenf$en. Saß uns aber au$ aisbann beine ©aben, bie bu uns fo munberbarlt$ erhalten unb fo gnäbig be= fd^eret f)afi, mit ^anffagung empfangen, unb 656 2) er gläubige ©Ijrift betet $u ©ott nimmermehr öergeffen, t oa§ bu ©rofje3 ön un£ getf>an ^aft. ©rmeidje unsere h^ten bergen burd) bte un$ erzeigte ©üte unb £reue, bafj mir un$ reblid) beffern, alle miffentlidjen ©ünben meiben, ber $römmigfeit unb 5£ugenb nad^agen, unb an nufer @nbe t>or bir manbeln, mie e£ bir gefällig ift. Unb bann nimm un§ auch, nad) bemiefener $reue, in ©naben auf in bein emige§, himmlif(he§ Gleich. $>a motten mir bir meit oott= fommener banien für atte un§ erzeigten 2öof)l= thaten, al§ mir hi^ in ber Scfymachheit ttjun fonnten. $)a motten mir, menn alles mirb mohl Hingen, bir emtg Sob unb £)anf fingen. §eilig, heilig, Zeitig merbe, ©ott, bein üftame ftetö genannt, 3)enn ber §tmmel unb bte ©rbe Aachen beinen Sn^in befannt; 3)etne ©üte, beine ÜKacht, SöeiS^eit, Sßfajeftät unb 2ßrad)t §at bod} nirgenb ihres ©teilen; ©ott, mer fann bein 2ob erreichen ? hinten. ($ef attg» 2M. : $reu btd; fefjr, o meine Seele. 1. ©oß ber $tmmet aßgeit meinen ? ©oß er fiets be* bedCet ftetjn? ©oß uns feine ©onn mehr flehten? ©oß man fie nidEjt mteberfehn? Sßiflft bu benn, erzürnter ©ott, 9üd)t anfehen unfre 9?otf)? ©ielfje, burd) beS SftegenS Briefen ©djmeßen auf faft aße liefen, 2. HßeS ftehet überfdjtoemmet, §tßeS faulet auf bem $etb, 9?id)tS ift, baS ben tftegen hemmet, $)er ba täglich häufig faßt; Unfre $rüd)te §eitgen nid^t, SBeit es an ber SBärrn gebrid}t; SQ3 aS ftdj nach ber ©onne fehnet, ©teht mit Sftegentljau bethränet. bei att^fllienbec ttafler SBitterung. 657 3. 3lßeg trauert, mag man fielet, Qfft mit Söaffer an= gefüllt, £)a bie Sonn ficg ung ent^ieget, 3ft ber $immel ganj öerfjiitlt; 3lcg, eg ift ung angft unb bang, ©in £ag fcgeint ung SEBocgen laug, 335ei( fo niete £ag nergegen, ®ag mir feine ©onne fegen. 4 3(d), ber £jintmel miß ung teuren, 335ie mir gar öerftodet finb, $)ag man ficg nicgt miß befegren, $ag bei ung fein Statt mefjr finb’t, 393enn man rufet: £gut bodj 33ug! ©egt unb fallet ©ott gu $ug! ®rum miß ung bie gfotg erfaufen, 3Benn mir unfre ©ünben Raufen. 5. 5(4), eg miß ber $intme( meinen, 3®ei( niemattb bie ©ünb bemeint; 395er ift bocg non ©roß unb Steinen, $)er eg jegt mit ©ott recgt meint? 3öo ift 33ufje, gräm* migfeit, 3Bagre Sebeuggeiügfeit? 2)runt fann, ob mir geftig fcgreien, Äeine £jülf ung angebeigen. 6. Sieg ©ott, moßeft bieg erbarmen, §a(te bocg bett Stegen ein; §öre bag ©eftgrei ber 5(rmen, ©ib ung mar- men ©onnenfcgein; ©ieg, mir fommen in ber $eit, Unfre ©ünben finb ung teib, Unb bag mir gu unferm ©djabeit ©olcge ©traf auf ung gefaben. 7. ©cfjenf ung bocg bie ©onne mieber, 3lcg ©ott, fo foß unfer Sftunb ©ingen 2)anf= unb ^reubenlieber; 3)enf boag ba, menn bu mißft, noeg geut Sßon bem blauen $imme(g= faale Ung bie liebt ©oitit beftragle. 9. 2öenn bu bieg ©ebet ergöreft Unb ung fegenfft ber ©onne ©fan^; 3Senn bu mieberum befegereft, 395ag ba fegien üerborben gang: 393oßen mir $u aßer ßeit greifen beine ©ütigfeit, $)ag bu ©onne, Sidjt unb Sebeit 3öie- herum ung gaft gegeben. 658 2)et gläu&ige S^rifi betet 311 ©ott ®er gläubige Cljrift betet $u ©ott bet anhaltender unb Siitte. Stuf munter uttg. EliaS mar ein SJlenfdj, aletc^rote mit, unb et betete ein ©ebet, bajj es nic|t regnen foute; unb eS regnete nidjt auf Erben bret 3a^r unb fed}§ SJlonben. Unb er betete abermal, unb ber §immel gab ben Siegen, unb bie Erbe braute ifyre $rudjt. ac. 5, 17. 18. jDie eigentliche 51bficf)t, in melcßer uns ber heilige Sl^oftet SfacobuS btefeö Beifpiel beS Bropljeten ©liaS oor Slugen [teilet, ging feineSmegS bahin, um uns ju lehren, als ob eS bloß in bem Söiden unb in ber aftacfjt biefeS ^ßrop^eten geftanben habe, bem £anbe ben Siegen 311 oer= [Raffen unb gu entgiehen, [onbern oielmeßr bal)in, nnt uns gu geigen, baß ein gläubiges, redjtfdj affen es unb ©ott mohlgefädigeS ©ebet eine gar große ifraft habe unb fe^r oieleS auSridfjten fönne, unb bamit feinen furg dorher getanen SluSfpruch: 35eS ©erecfjtcn ©ebet der= mag diel, menn es ernftlidh ift, noch mehr gu beftätigen unb außer allen 3^eifel gu fe^en. daraus erlernten mir beim folgeitbe brei SBaßrßeiten. $)ie erfte Söaßrßeit: ©ott adern ift ber $err beS fftegenS, ober derjenige, mel* djer bie dWaijt hat, ben dflenjcßen ben liegen entmeber gu fenbeti, ober aber auch dorguentßalten, unb in beffen Söidett es adein fteßet, ben §immel aufgutßun ober ihn derfd)loffen gu galten. SDiefe dftacht fontmt ©ott nicht adein gu als bem |>errn ber üftatur, als bem ©djöpfer, ©rßalter unb Berforger ber SBelt, ber adeS tßun fann nach feinem Söoßlgefaden, unb adeS in feiner §anb hat, fonbern fie mirb ißm auch in feinem Zeitigen Söorte nor* güglidj unb adein gugeeignet, 3)enn fo fagt unter anbern ber ^Sroptiet Jeremias, 14, 22,: ©S ift bocfi ja unter ber Reiben ©ö£en feiner, ber dtegen fönnte geben; fo fann ber §immel auch nicht regnen, ®u bift hoch ja ber |)©rr, unfer ©ott, auf ben mir ßoffen; bemt bu fannft foldjes adeS tßun. 93 ott ihm fomrnt alfo bie Befeuchtung unb 6ei an^attenber !§ifce unb &Ürre. 659 Slugtrocfnung ber ©rbe, bte Staffe unb bie $)ürre fjer. 8u i^m menbet fidj audj ©tiag mit feinem ©ebet. (Seine $anb, feinen Statt) mu§ man bafjer aßegeit erfemten unb in $>emutf) oeref)ren, menn man fielet, m ag auf ©rben gefdjiefjet. Stidjt ber Statur, nidjt bem Sdjicffal barf eg atfo ber ©tjrift gufdjreiben, menn ber Siegen fommt unb menn berfelbe augbteibet, fonbern bem §errn ber Statur; bie 353irfung unb Regierung ©otteg mufj er babei er* fennen unb fidj berfetben gängtidj untermerfen. $)ie an* bere SCßatjrtjeit: ©g ift eine grofje ©nabe oon ©ott, menn er ben Stegen gur regten geit fenbet; menn er aber fot* d)eg untertäffet, fo ift eg non itjm eine fernere Strafe. $u beibertei Stiicffid)t betete ©tiag gu ©ott. 8uerft betete er, bag ber Stegen augbtiebe unb bag 9$olf megen feiner Sünben beftrafet mürbe. |jernad) aber betete er, bag ©ott feine Strafe megnetjmen, feinen gorn mieber in ©nabe oermanbetn unb bag auggetrodnete Sanb mieber mit bem Stegen erquicfen moße. Unb in ber £f)at ift bie 33erteif)ung beg Stegeng eine grofje ©nabe oon ©ott. $)ag ©rbreidj mirb baburd) ermeidjet unb gur ferner* bringuttg feiner $rudjt tüdjtig gemalt. $)er in ber ©rbe tiegenbe Same mirb gunt Slufgetjen bereitet unb gum keimen gebracht, gelber unb Kälber merben geftärfet. SJtenfdjen unb £f)iere merben erquicfet. $)ie gange Statur mirb betebet unb in itjrer HSrac^t erhalten. 353er muf} atfo nidjt ben Stegen für eine geredete ©nabenmot)Itt)at er= fennen, meldje ©ott beit SJtenfdjen ergeiget? $)egmegen oertjeifcet audj ber £j©rr biefetbe dornefymtidj ben SJten- fd^en algbattn, mettn fie mürben in feinen Söegen man= betn, feine ©ebote Ratten unb barttad} tf)un. $>enn fo fagt er augbrütftid) 5 SJtof. 11, 13 — 15.: 353erbet itjr nun meine ©ebote fjören, bie idj eud) fjeute gebiete, bafc ifjr ben $©rrn, euren ©ott, liebet, unb if>m bienet oon gan* gern $ergen, unb non ganger Seete; fo miß idj eurem Sanbe Stegen geben gu feiner 3eit, ^rüfjregeu unb Spat* regen, ba§ bu einfammteft bein ©etreibe, beineu Sttoft 660 2)er gläubige £§rift betet gu @ott unb bein Del; uttb toiK beinent Sieß ©rag geben auf bet* nem $et be, baß ißr effet unb fatt merbet. ©leicßmie eg aber auf biefe SSeife eine große ©nabe non ©ott ift, menn er bem ßanbe ben nötigen Stegen gibt, alfo ifi eg and) im ©egentßeit eine große unb fernere ©träfe, menn er betw felben gurürf^ätt, unb bag £anb mit 5)ürre, Srodttung unb §iße beleget 35iefe ©träfe täffet ©ott über bie SJtenfcßen fommen, menn fie an ißrn fiinbigen unb nid)t in feinen ©eboten manbetn. ©o geregt biefe ©träfe ift, fo ßart, fo empfinblicß ift fie aud). $)ettn mie jämnter* li <ß unb erbärmticß fteßet eg nicßt adentßalben, mo ber Stegen fehlet, mo §iße unb 25ürre brüdet? 3)ie ©rbe fpringt don einanber, unb ßat feine ®raft, ißre ©emäcßfe gu liefern. SDie SBiefen merben ben ©inöbett gleid^ ; bie Säume dermelfen; bie ^riicßte faden ab; bag Sieß bürftet; ber SJtenfcß ßßmadjtet; Stßeurung, Mangel, Äranfßeiten unb ©eueren fönnen leicht entfielen; bag gange ßanb ift mitten im ©ommer gteießfam mit einem Xobtenfleibe angegogett. trauriger Slnbticf, emüfinbticße ©träfe! ©ießet man baßer biefelbe dor fieß, fußtet man fie, fo muß man babei nicßt gleichgültig bleiben, fonbern dietmeßr in fieß geßen, feine Serfünbigungen erfennen, unb mit einem gebemütßigten unb bußfertigen §ergen bie SerfÖßnung berfelben in ©ßrifto 3©fu bei ©ott fueßen, unb ißn mit gerfttirfeßtem ©eift um bie ßinberung uttb Slbmenbung feiner gereeßten ©trafen anrufen. ®ie britte SBaßrßeit: ©in reißtfcßaffeneg unb ©ott moßtgefädigeg ©ebet ift bag fießerfte SJtittet, dermittetft beffen man don ©ott adeg ©ute, unb aud) bag erlangen fann, baß er feine ©träfe abneßme, unb bag oerborrete ßanb mit einem gnä* bigen Stegen fäuge unb erquide. $)ag erfeßen mir aug bem Seifßiet beg ©üag. tiefer mar grnar ein ^ßropßet beg $©rrn, aber boeß übrigeng ein SJienfcß, ein fünbiger, ein fterblidjer, ein oßnmäcßtiger unb fdjmacßer SJtenfcß, gleicßmie mir. ©r betete, unb ©ott gab ißm, mag er bat. ©r betete uaeß bem SÖidett unb Söoßtgefaden ©otteg, unb bei an^atienbec £ifce uub ®ürre. 661 er mürbe erhöret. ©leicßeg ©lücf föttneit aucß mir ge= nießen. ©leiden ©egen fönnett aucß mir erlangen; beim bet ©ott gilt fein 91nfeßen ber fßerfott. SBer if)tt fürcfjtet uub recßt ber ift ißttt angenehm. 2Öer 51t ißm betet nacß feinem äßiüett, bett erßöret er. SBettn baßer maßre ©ßrifteu feßett, baff ©ott feine §anb gur ©träfe über fie ßabe auggeftrecfet, baß er ißtteit ben $egen entließe, baß er fie mit §iße mtb Xitrre plage, fo miiffen fie 511m ©ebet ißre 3uflucßt neßmett, mtb bagfelbe mir fo oerricßten, baß eg üor ©ott fontmen mtb bei ißm einen füßeit ©erncß er= mecfeit föntte. ©ie müffen fo beten, baß fie ißre ©üttbett aufrichtig befenueit; fo beten, baß fie bereit Vergebung in Sßrifto 3©fu gläubig fließen; fo beten, baß fie babei im minbefteit nießt zweifeln; fo beten, baß fie nießt nacß= laffen, fonberit bamit anßalteit, big ißitett bie tierlangte |)ülfe ift 51t £ßeil morben. 3)amt fönnett fie oerfidfert fein, baß fie ©ott erßören nnb ißtten bag geben wirb, ma§ ißr $er5 begeßret. $)ann merben fie halb bie füÖung ißreg Sßerlangeng tjor fieß feßeu; beitu ber |)©rr ift naße allen, bie ißu attrufett, bie ißn mit ©rnft anrufen; er tßut, mag bie ©ottegfiircßtigeu begeßren; er ßöret ißr ©dßreiett unb ßilft ißnen. ©et »et. SRutt, fo ßilf uttg beim and), 0 §(rrr, uitfer ©ott, ber bu bift gniibig, barmßergig, gebnlbig unb oon großer ©iitc unb Streue, in ber großen 9totß, in toelcßer mit uug jeßt gu bir näßen unb bitß um beitte Sarmßcqigfeit anrufen ; ßi(f uttg in ber großen ÜJtotß, meldje un§ rtunmeßr be= troffen ßat; ßilf ung, unb errette uns toieber au£ berfelben gnäbiglicß. SDu ßaft eßebent beinern Solle gebroßet, toenn eg beiner ©tim me uitßt 43 662 2>er gläubige (£§rift betet ju ©ott geborgen, memt e§ nach beinett ©eboten unb Rechten nid)t tbun mürbe, fo molleft bu ben |)immel über feinem §aupte ehern unb bie ©rbe unter feinen Süßen eifern machen, fo molleft bu feinem ßanbe Staub unb Wfeld)e traurige folgen fönnen nid>t nod) baraus ent= fielen? 2ld) §®rr, §®rr, fiebe bod) barein, unb mache biefer unferer Sftotb ein @nbe. ÜKßir müffen eS atlerbingS uor beinern heiligen Wngefidjt befennen, bafc tnir tnegen unferS beftänbigen Un= geborfamS gegen beine ©ebote, bafc mir tnegen beS fd)änblid)en UnbanfS gegen beine nieten SBobltbaten, baj$ ttrir tnegen beS großen 502ife= brauch beS ©uten, baS bu uns ergeigeft, ber= gleichen feinere ©trafen gar mobl nerbienet haben. 3a, tnir müffen gefteben, bafe bu gar nid)t unrecht bötteft, tuenn bu tnegen unferer nicl= faltigen SKiffetbaten uns mit nod) tneit härteren ©trafen betegteft. 2tber, o Sater ber Sarm= bergigfeit, fiebe, tnir falten bir gebeugt unb ge= bemütbigt gu prüfte, unb bitten bid), nergib uns bod) uttfere großen ©iinben, unb tnenbe bein gnäbigeS 2lngefid)t bod) tnieber gu uns. ©rbarnte bid) über uns, unb tnenbe bod) biefe fdjtoere Stage enblid) non uns ab. ®u bift es ja, ber bu uns 3J£enfd)en nie! ©uteS tbuft, bu bift es, ber bu uns nom £>immet Dtegen unb fruchtbare 3e^en gibft, unb unferc §ergen erfütteft mit ©peife unb Sreube; bu feudjteft bie Serge non oben fyx, unb mad)eft bas Sanb not! $rüd)te, bie bu fdjaffeft; bu täffeft ©raS macbfen für baS Sieb 664 35er gläubige Gbrift betet $u Sott utib €>aat 3um üftutjen ber ÜDienfdjen, baß bu 23rob au3 ber ©rbe bringeft ; atter klugen warten belegen auf bid), baß bn ihnen Steife gebeft 31t feiner 3eii Wd), fo bente benn and) jejjt an un£ um beine§ ÜKamenS mitten, unb erqnicfe un£ mit einem fruchtbaren unb burchbringcnben Siegen. D bu allmächtiger Schöpfer unb (patter aber $)itige, tl)ue bocf) bie Qrenfter be£ |)immetg auf, fudje ba3 2anb, ba3 nach bciner ©üie led^et, eiu= mat mieber heim, unb mäfjere e§, baß bie ^rücbte auf ben federn unb in ben 0bft= unb 3Bein= gärten 3U ihrer Steife fomtncn, bafj bie ©ewächfe in ben Reibern aufmachten, baß ba§ ©ra£ auf ben liefen hetoorfomme, baf* 3Jcenfthen unb $ieh allenthalben mieber- Nahrung unb Untere halt finben mögen. @inb mir gleich, 0 ©ott, nngehorfame fiinber big hierher gemefen, fo fiitb mir hoch noch burd) @^riftum bcine oerföhnten ffinber; unb baher rufen mir bid) um feinet® mitten bemüthig att, bu motteft mtfer «Seufgen unb flehen in biefer fo bringettben unb ant)at= tenbcn üftoth quäbig erhören, unb alleg, mag ba lebt, mit 3Baffer oon oben herab fröhlich machen, behüte aud) ferner unfer Sanb unb unfere Mahnung oor anftcctenben beuchen, oor Seuer, oor Steurung unb oor anbent mot)toer= bienten plagen. 2a§ ung bie jc£t empfunbeue bei anf)altenbet unb Dürre. 665 Strafe bagu bienen, baß mir un3 forthin beffern, unb üoit §eqen gu bir befeljren. ©ib beinen ©eifi bem ©nbe in unfer §er$, baß er gang onbere Seute au§ un3 madje, nämlid) fold)e Seute, bie in beinen Sßegen treulich manbeln, beine ©e= bote polten unb barnad) tljun. ^eilige bu un§ fclbft burd) t£)n burd) unb burd), baß unfer ©eift, fommt bcr »erließen $ern üon unferm Saub unb Ort; Stnbre fetjn im Ueberfluß $5eine§ Segens ©egenSguß, Sur auf unfre bürren Sluen SSittft bu nidjt in ©naben fd&auen. 5. 2td), mir faßen oor bir nieber, Sitten bid} um ©nab unb §utb; 2td), mir feeren fjeute mieber, ^Seinen über unfre ©cfjulb; Stdj, oergib uns gnftbiglidj, Söomit mir erzürnet bitf); Sld}, mir motten unfer Seben ©ir ^u beinern 2)ienft ergeben. 6. 2td}, erbarme bid) in ©naben Ueber uns unb unfer Sanb, Saß unS bod} nidjt ferner fcßaben $)er erfaßten ©onite Sranb; ©d)ließ ben |)immel mieber auf, Saß bem Segen freien Sauf; Sag ben Segen uns erbtiefen, Stenfd>en, Siet) unb $elb erquiuen. 7. SBirft bu bieS ©ebet erhören, O bu großer ©egens* ©ott, Unb uns unfre SBitt gemähten, äöenben biefe große Sott), $)aß bu feift mit uns oerfüßnt, 3)aß baS $etb aufs neue grünt, ^Sollen mir ju allen feiten SDeine ©nab unb Sieb auöbreiten. (tf dietliuri) für Schwangere, ©ebcirenbe, ülinbbetterinnen itnb Unfruchtbare, entf>altenb SWorgett*, Slbettb= uttb $ri»ftget>ete farnmt 2lufmunterungen itnb ©efängen, raie audj (Sprühe unb ©eufeet in 9iötf)en ju fpredjen unb oorsufpredfen. St. Louis, Mo. CONCORDIA PUBLISHING HOUSE. 2Bad ber treue unb liebreiche (Mott aßen (Mläubigen oerheifjt: ©chuj}, Veiftanb, ©orge unb (Mrhörung bed (Mebetd, beffen haben [ich üornehmlich fromme unb d)rift= lieh lebenbe ©fjefrauen hn gemärtigen, menn ber $(£rr fie fegnet, bafj fie fruchtbare Mütter merben. (Md bleibet feft, road ®aüib fagt: ßeibedfrucht ift ein (Mefdjenf; unb bafür nehmen ed auch fromme (Mhemeiber an, mie man an ©araf), Stebeffa, Vafjel unb anbern heiligen grauen roahrnehmen fann, melche, menn (Mott fie gefegnet, ihn bafür non §ergen gepriefen haben. Werten gottfelige (Mljefrauen beu ihnen befdjiebenen ©egen, fo regt fich in ihrem |jergen ber heifte SBunfdj, bad Verborgene möge gtucflich unb mohlgeftalt an bad £agedticht fommen. ©ie merfen aber in frommem ©imt ihre Slugen auf ben |j(Mrrn, bed feften Vertrauend, ber aßmäihtige unb gütige ©chöpfer merbe ihr (Mebet erhören. Unb je naher ihre $eit fomrnt, um fo eifriger flehen fie gu bem, ber aßed oermag, unb märten feiner österlichen $ülfe. Gehört nun ber §(Mrr ihr oertrauenbed (Mebet, unb fehen fie ihr $inb gefunb ind ßeben getreten, fo rühmt §erg unb 9Jhmb bed treuen (Motted gnübige ßeitung. $n bem gegenmärtigen Vudje finben anbädjtige (Mh e= frauen gureidjenbe unb gemijj ermiinfehte 2tnmeifung, mie fie fomofjt mähreitb ber ©chmangerfdjaft ald bei unb nach 4 ber ©ntbinbung in ttmljrfjafi djriftlidjem ©eift fic§ gu üer= Ratten fyabett. Sftöge ber treue ©ott äße frommen ©e= mittler, bie in bemüt^iger ©rgebuttg feine aßumfaffenbe ©nabe anrufen, mit fegenSretdjer ©rtjörung erfreuen! 3©fu, ber bu burd) beine Zeitige ©eburt unfere fünb* tid^e gefjeiliget f)aft, ftelje mit beiner mächtigen ©nabe aßen benen bei, meldje bidj in if)ren ^öttjen anrufen. |jitf itjnen, erquide fie, tröfte fie, erfreue fie. Sftalje bidj 3U if)nen, meit Sftenfdjentjittfe 31t fd)macf> ift. ©djaue, mie iljr |jer3 nadj bir feufget, iljr 3Jtunb bebet unb if)re Wugen fid) 31t beinern §eiligtf)um rieten. Sprieß üjneit innerlich £roft gu: $d) bin bei bir in ber Sftotf), idj miß biefy fjerauSreifjen ; fürste bid^ nici)t, id) bin bei bir. ©0 mirb bein fftuljm erftingen, bafj fie fagen : ^er §©rr Ijat ©rofjeS an un3 getljan, be| finb mir frötjlidf), ber 9tame beä §©rrn fei gelobet je£t unb in ©roigfeit. 2lmen. Jlniiad)ten fSr Sdpaitgere. Sie ©djumngere atmetet iljr äRorgengeöet. Slufmuntcruitg. ©in jeglicfjer ©fjrijt joE biEig an jebem borgen, ef)e er an jeine Arbeit gefjt, fid) bern Scf)u| unb ber ©nabe ©otte§ befehlen, unb barum bitten, bafj ©ott jeinen ßeib unb jeine Seele in {einer gnäbigeu Obfjut erhalten rooEe. ©etüi^, e§ ijt eine grofje S33o^Itf)at ©otteS, menn ber $Eenfdj be§ Borgens gejunb auf ftetjt, unter bem Seijtaitbe be§ $öcf)fteu ben Sag gejunb fjinbringt, unb be3 2fbettb3 ficf) mieber gejunb in jein Sette nieberfegen fann. S)ajj biejeö eine bejottbere göttliche 2S$of)ltf)at fei, fiefjt man bafjer, meit mancher SEtenfcf) einen ungfücfticfjen Sag fjat, an toefcfiem er am borgen gejunb ijt, be£ 2lbenb3 frant, lafjm, bermunbet, ober mit berieten ©liebem ficf) gu Sette rnufj bringen taffen. Soff aber ein jeber Sflenfcfj fic§ afjo in bie Obfjut ©ot* te$ empfehlen, toie bielmefjr joEen e§ Sdjmangere tljun? Siefefben joEen ffeipig unb eifrig aEe borgen ©ott an* rufen : 1) er tooEe jie ben Sag über in fjeifigen unb guten ©ebanten erhalten, bamit fie an ©ott benten, if)n aEe= Seit in ifjrent §eqen fjaben, unb mit ifjrn umgeben mögen. Sie foEen ©ott aucf) 2) ifjr Seben unb if)re ©lieber be* festen, bajj er föoEe ifjren Sritt bemalten, unb jie bor gefäfjrlidjem gaEen unb anberem Unglüc! behüten. Sie {offen aud} 3) if)re f5rut^f in bie Zeitige Obfidjt ©otteS fleißig befehlen, baff jie möge madjfen, geftärtet unb tt>of|f gebilbet tberben. Sonberlicfj aber joEen jie 4)}ben Sag über ficf) bor Sorn, $anf unb Streit Ijüten, nicfft^aEeS jo 6 2)ie Scfjtoangm »errietet ifyr äßorgengebet. genau fudjen, ober fidj über aßeg erzürnen, bamit fie nicht burch ihren ©igenfinn unb gorn fld) unb ihrem berbor* genen $fanb Unglücf, ^ranfheit ober gar ben Sob z«s Rieben, SBerben fie fich atfo ber ©üte unb ©nabe ©otteg überlaffen, fo hoben fie ben Sroft, baB ©ott feinem ©ngel befehlen toirb, baB er fie behüte auf aßen ihren SBegen. W or gen^ebct. ,£j©rr ©ott Später, mag bu haft erraffen, §©rr ©ott Sohn, mag bu haft erlöfet, §©rr ©ott ^eiliger ©eift, mag bu haft geheiliget, bag befehle id£) bir in beine $äube; beinern heiligen tarnen fei Sob, ©hre, Sßreig unb ®anf 9e' fagt in biefer SJforgenftunbe unb in aße ©roigfeit. Hmen. D bu gnäbiger, gütiger unb barmherziger ©ott, ber bu felbft bift bag Sicht, bei meinem, ift fein SÖedjfel beg Sichteg unb ber §infternig, ich banfe bir oon ©runb mei= ner Seele, baB bu mich in biefer finftern 9?acht fo gnäbig bemahret, unb mich biefeg fröhliche Sßtorgenlicht mieberum haft erleben laffen. 0 bu Sicht meiner Seele, gib auch biefen borgen einen heßen Schein in mein $erz, baB ich baburch in beiner Siebe, in meinem Vertrauen unb in ber Hoffnung möge geftärfet merben. ^eilige meine Seele, bamit ich biefeu Sag mit bir umgehen, an bidj benfen, in bir mich erfreuen unb beiner ©nabe mich getroffen möge, ©ib, baß iß) an biefem Sage nicht öorfä&lid) miber bidh fünbige, fonbern in §eiligfeit unb ©erechttgfeit ber $in* ber ©otteg bir biene unb oor bir manbele. Steße mir beine aßerheiligfte ©egenmart oor klugen, baB bu aße* Zeit um unb bei mir feieft, aßeg höreft, mag ich rebe, aßeg fieheft, mag ich tljtte, bamit ich baburch wöge befto mehr aufgemuntert merben, in ber Heiligung fortzufahren, unb bidj nicht zw beleibtgen. $dj befehle bir auch meinen Seib unb mein Seben, meinen ©ang, meine Schritte unb Sritte. Su haft mich anjefct, o bu ©ott aßer ©üte unb ©nabe, in einen befonberen guftanb gefegt, barin ich $i« Scfjtöfltigere «errichtet if;r 9Jtorgengekt. 7 aud) beine§ befonberen ©dju|)e§ ltnb 33eiftanbe3 benötiget bitt ; barum bitte ltnb flel)e id) bemütfjigtitf), o bu ©d)ub= betr beiuer föiitber, behüte meinen 3lu§gang unb ©itt= gang, laf; beine ©nabe mid) leiten, beitteit ©ttgel mid) an ber $anb führen, bamit id) uid)t gleiten, fallen, mid) oer= mnitben, ober meinen ©liebem mtb gugleidj and) meiner $rud)t babitrd) einen ©d)aben sitfügen möge. löematjre mid), ftärfe mid), erhalte mid). Vertreibe bon mir alle3, toa3 mir fdjäblicb ift. 2>ein guter ©eift füfjre mid) auf ebener 2kbu. Saft mid) bann beit Slbeitb roieberunt unter beinern ©dbutje erleben, mo id) bir fröl)ticb bauten miH für alle 233ol)Itlt)aten, bie bu mir an Seib unb ©eete fo gnäbiglid) ermiefeit l)aft. 9htit, ber |>©rr fegite nticl), unb beljüte mid) ! $er £)©rr laffe fein llitgefidjt leiteten über mid), unb fei mir gitäbig ! 35er |)©rr ergebe fein 3ln= gefid)t auf mid), unb gebe mir ^rieben. $)ie ©nabe be§ SatcrS fdbüfje mid), bie Siebe §©)n berfe ntid), utib be§ ^eiligen ©eifteä Seiftanb erhalte mid) je£t unb allezeit! 31 dj, fegne mid) im ©d)Iaf unb $tfad)eu! 3ld), fegite meinen ©djritt unb Stritt! Sld), fegite ntid) mit allen ©adjett, unb tf)eil mir beitteit ©egett mit; lafj ntid) ge= fegttet fein bott bir, unb nimm beit ©egen nid)t bon mir. Simen ! © ef an 9* 3M. : Sreu bidj fefjr, o meine 0ccle. 1. $d) erbtief bie fjette ©ouite, 9?adjbem nun bie SRadjt ift f)iu; $dj erblid and) meine 2B ouite, $©fit£ ift mir fd)ott im ©inn; S)J?it if)in ^ab id) btngebrad)t SDie oergaugne finftre -ftadjt, SDüt ibrn bitt id) aufgetoad)et, 2Beld)e3 mid) oergniiget madbet. 2. $d) tuiU aud) beit £ag Einbringen SÖZit bir, $©fu, meine $rreub! $8eten, Sobeu, kaufen, ©iitgen ©oll fein meine Slrbeit beut. 3©fu§, meine $ierb unb SRuijm, ^Reiner ©eeleu ©igentbum, kommet nidbt au§ meinet ©eelen, SDem tuiU icb mid) aitempfeblen, 8 2>ie €>djtoangere »errietet i^r 2t&enbß«bet 3. Sich, regiere meine dritte, SEBenbe fdjmereg fallen ab! Sich, behüte meine ©dritte, Stärfe bie verborgne ©ab! $d) befef)( bem meine 3rrucf)t, Seichen meine Seele furfjt. $ld) £j©rr, lafj fie tmr bir leben, 2)u moüft ifjr ©e^ beiden geben. 4. $üf>re mid) an beinen §änben, Stehe mir in ©naben bei; deinen ©ngel mollft bu fenben, 3)afe er immer bei mit fei; 2ßann idf gleite, fjatte mid): Sieb, ich tjatte mid) an bidj; 33or ©rfdjreden unb ©efabren, SBoßeft bu mid), $©rr, bemabren. 5. £affe fein mein ^er^e ftiüe, Ohne $orn unb 93itter= feit, $afj mein ©eift, ©emiitb unb SÖiÜe 33 leibe in ber $römmigfeit. $©fu, o mein Xroft unb Scbilb, Safe bein lieblich ä^fugbilb $mmer mir tior Slugen fcbmeben $n bem, mag ictnb augbreiten 3(uch bei angebrocbner SRadjt; 3cb miß bauten beiner £reu, Söetdje aße borgen neu, Unb mit 33eten, hänfen, %Utyx\.r 9Rit bir auch su 33ette geben. $ie Sdpangere »errietet if)t 2l6eitbgebet. Ülnf tttuti terimg. 0 meid) eine grofce Söobltbat ift eg, menn ©ott einen SRenfdjen ben 3tbenb gtücflicb erleben fäffet, menn er bei bem 9iicberlegen gu feiner fRube fagen famt: $d) liege unb fdjlafe gang mit ^rieben. 0 metdfje herrliche fRulje ift bag, menn man in ^rieben mit ©ott, in ^rieben mit feinem ©eroiffen, in leiblichem ^rieben unb Vergnügen 35 ie ©c^iüangere »errietet ifyr Slbenbgebet. 9 ficf) zu 33ette begibt; ba fann ber 93?ettfif) zum ßob beg breieinigen ©otteg fagett: $)er £)©rr hat ©rofjeg an mir getfjan, bejg bin id) fröhlich* ©d)läft er alfo bann mit banfbarem bergen unb mit einem ©ott lobenben Sftunbe ein, fo mirb bie übrige Skdjtruhe auch tum ©ott gefegnet jein. Stuf btefe SBeife fallen auch ©damaligere ibjr §erz, ihre Singen unb ihren Sftunb zu ©ott ergeben, menn fie nun ben $ag glüdlid) tmllbracht haben. ©ie füllen ©ott bauten für ihre ©rfjaltung, für feinen ©d)uh, für feine ©nabe unb fid) feiner Siebe unb 93arm^er§igfeit befehlen. $ft bie 9?adjt, mie mau fpricht, feineg SJtenfdjen greunb, mie Diel meniger ber ©djmangeren. ©ie füllen bemnad) ©ott anrufeit, er molle abmenben 1) allerlei ©Freden unb Uitglücf, meil burd) unverhoffte ©djreden bie ©djmange= ren öftere in bie größte ©efafjr fönnen gefegt merben; er mode fie 2) tmr Äranfheit unb ©djmerzen behüten; er molle 3) feine ©egeugfliigel über fie unb ihre 0frudjt be= ftäubig auggebreitet feilt laffen. 23rid)t barauf mieber ber frühe borgen an, fo füllen fie 4) mit ßob tmr ©ott erfdjeinen unb mit Xaoib fagen: ßobe ben ,£>©rru, meine ©eele, unb mag in mir ift, feinen ^eiligen tarnen; lobe ben |>©rrit, meine ©eele, unb bergig nicht, mag er bir ©uteg getfjan hat. 31 b c it b g e b e t. ©näbiger, liebreicher unb barmherziger ©ott, id) er- fdjeine alltjier oor beinern aderljeiligften Slngefidjt mit fröhlichem |>erzen. |j©rr, mie theuer ift beiue ©üte, bafj SJienfchen unter bem ©chatten beiiter Jtügel trauen; ja, unter bem ©chatten beiner Flügel bin id) heute aug= unb eingegangen, unter bemfelben bin ich bemahret morben, fein Unfall hat mid) gerühret, fonberu ich habe nunmehr ben Slbenb gefunb erreichet, ©elobet fei bie ßiebe beg himmtifchen SSaterg, ber mich alg fein $inb auf feinen Slrmen getragen hat. ©elobet fei $©fug ©hrUing, mein |>eilaub, ber mich an feiner §anb geleitet hat, bafj mich 10 2>ie ©djtoattgerc Verrichtet ibr 3I6enbgebet. fein Unfall fjat ftiirjen fönncn. (belobet fei ©ott ber ©eilige (Seift, ber nidjt öon mir gemieden ift. D bu l)ei= lige Dreieinigkeit, Später, Sot)n unb ©eiliger (Seift, bleibe auef) biefe 9?ad)t bei mir. Breite beine ©iite, $©rr, §©rr, über bie, bie bid) feinten, unb beine ©ered)tigfeit über bie frommen. SBemafjre meinen Seib mtb meine Seele bor allem Unfall, lajj mid) itn Sd)laf immer mit bir umgeben, bamit, menn id) ermadje, id) annod) bei bir fei. Siefje, idj meifj feinen ©elfer, benit nur allein bid), bu (Sott ftfraelg. Safj beiiten ©ngel neben unb um mein S3ette machen, bafj mir unb bem, mag bu mir aug ©naben ber- liefen, nicfjtö fcfjäblic^ fein föntte. treibe aug meinem bergen alle uunötfjigen Sorgen, böfeit ©ebanfen unb fal- fd)en ©inbilbungen; treibe bon meinem ^öette unb boit meinem |janfe atteg, mag mir Unglücf bringen fann. So lege idj mid) beim in bem tarnen meineg ©otteg ttieber, id) fdjlafe in ben Firmen meineg 3©fu, feine Siitfe ift unter meinem @aupt, unb feine fftedjte beefet midj. O bu mein Schöpfer, ©riöfer unb $eiligmad)er, fei unb bleibe bei mir. $)u breieiniger ©ott bift mein Std)t unb mein ©eil, bor mem fottte id) mich fürd)ten? bu bift meineg Sebeng Äraft, bor mem füllte mir grauen? $a, mir grauet bor nid)tg, meil ©ott bei mir ift, id) fürchte ntid) nid)t, meil id) $©fum bei mir l)abe. 3ffg finfter um mid), $©fug ift bag Siebt meiner Seele; mill fiefj $urd)t einfinben, ber ©eilige ©eift ift mein STroft unb 33eiftanb. Saß biefe $ftad)t glüeflid) unter beinern Sd)u| boriiber geljen, bafj id^ errettet, be= glüefet, bemafjret, erhalten bie liebe Sonne erbliden möge; ba fott mein fühtnb bid) mit ^reubett loben unb bir banfen für atteg, mag bu ©uteg an mir getljan fjaft. So oft bie sJiad)t bie ?lber fd)lägt, fott bidj mein ©eift umfangen; fo bielmat fiefj mein ©erg bemegt, fott bieg fein mein $er= langen, bafj idj mit lautem Sd)att mög rufen überall: £5 3©fu, 3©fu, bu bift mein, unb id) aud) bin unb bleibe betit. So mitt id) bettn nun fcfjlafett ein, $©fu, in beinen Ernten, beitt 21uffid)t fott bie Decfe fein, mein Säger bein 3)ie Sdjtöangcre »errietet U;r 2tbenbgebet. 11 (Erbarmen, mein Riffen beine 33ruft, mein £raum bie fügeSuft, bie au§ bem Söort be§ Sebent fliegt, unb beiuen ©eift in3 §er3 mir giegt. Simen. (9 e fang« 5DJe(. : SBerbe ntintter, mein ©emiitfje. 1. Sieg, bie ©onn mid non un§ gegen, $@fu§ gegt bodj uiegt non mir; $n ber 9tadgt miß et aueg flehen S3ei mir, an bem S3ett adgier. D mie mögt bin icg bemalt, äöetttt and) in ber finfteru Slacgt $©fu $änbe mieg be= beefen, £)ag teilt Unfall mieg tarnt fegreefen. 2. 3)arttm mid id) mid) ergeben, $©fu, beiner £reu nnb ©nab. Sieg, ergalte mir mein geben Uttb ma£ mir gefdjettfet gat $)eine gttabenreidje £>anb; $)tt fennft ba3 Derborgtte ^fartb; Slttf ba3 lag ben ©egen fliegen Unb mid) beinett ©cgug geniegen. 3. ©ieg, gier bin icg, sJßenfd)engüter, Sieg, begiit mieg Dor ©efagr ! ©cgüg bie Stteiueu, ,£>au3 unb ©üter, Söacge bei mir immerbar. Sßentt icg feglaf, fo maege bu, 3)ede bu mieg felbfteu 311; Sag mieg faitft uttb ntgig fdjlafett Unter beiner ©nget SBaffen. 4. 3cg leg mieg in $©fu Slrmen, $dj leg mieg in $©fu ©djoog. O mie grog ift fein ©rbarmen! ©eilte Sieb uttb £reu ift grog. ©ein ©rbarnteit ift mein Siegt, ©eine Sieb üerlägt mid) niegt. ©o bin icg mit Sid)t um- geben, Söentt id) mttg im 2)unfeln leben. 5. 9?un mit 3©fu miß icg fcgliegen teilte müben Slugett ! $©fu, ad), lag mieg geniegen ©ine fanft unb füge 9tug; ©egue mid) uttb aueg mein ®ittb Unb aueg bie, fo um mieg ftnb; S5or Slngft, ©egreefen unb ©efagren SBodeft bu ung, §©rr, bemagren. 6. Sag mieg aueg gefunb aufftegett, SSenn icg au§= gefeglafen gab, Sag mieg einfteitg fröglicg fegen $)ie att= noeg Derborgtte ©ab. Sßenu icg geg au3 ober ein, Sag mieg bir befoglett fein; Sag fein Uuglttcf, $©rr, aus ©naben Sftir unb meinem ßinbe fegaben. 12 üäglidjc Betrachtung einer ©djtoangeren. 7. 3d} leg midj mit $Efu nieber, 9J?it itjnt fte^ id) roieber auf, Unb fing afäbann ^reubentieber Unb ootl= füt>re meinen Sauf. $Efu, idj be fef)t mid) bir, $Efu, roeicfye ntdjt non mir, ©o fpred} id) in 3Efu kanten 9iadj bem 23eten fröfjtid) Simen. rägtidjc Betrachtung einer ©djumngeren. SBeun ©ott eilte Etjefrau ben Etjefegen empfinben läffet, fo fott fie fid) fjerätid) barübet erfreuen unb ©ott bafiir bauten. Stber fie fotl ftd) cmdj Dorfteilen, 1) baf} in biefem ©tanb ftdt) niete ©djmeraen, oiet Uttgemad), niete 33efd)merltd}feiten einfinben, banoit fie üorfjer im lebigen ©taub nidjtg gemußt unb nid^tö empfunben f)at. £)ie ©dnner^en aber finb non ©ott bem meibtidjen ©e= ftfytedjte ttad) bem ©ünbettfatl auferlegt, nad) 1 Sftof. 3, 16., ba e3 tjeifjt: $dj mitl bir nie! ©c^mer^en fdjaffen, mettn btt fdjmanger mirft; bu fotlft mit ©djmeraen $ittber gebären, kommen aber bie ©dimergett atfo non ©ott unb finb fie bemttad) eine Erinnerung an bie ©ünbe, fo foHen djrifttidje Ehefrauen 2) bebenten, bafj ©ott um Efjrifti mitten ein gnäbiger ©ott ift, ber itjnen biefetbeu tinbern mirb, ein mastiger ©ott, ber fie it)iten mieber abncfyntett tarnt; ja, meit benen, bie ©ott lieben, alte 3)inge mitffen gum heften bienen, fo roerben aud) biefe 93efd)mertid)feiten, metc^e bie ©d)toangerfä)aft mit fid; bringt, and) ben ©djmaugern 311 nieter Erbauung unb Hebung im Efjriftentfjum gereidjen; fie fötttten babei lernen ©otteg §eitigteit, SBeiäljeit, ©üte, SOtmad)t, §ülfe unb ©egen, metdjeS atteg fie außer biefem ©tanb nidfjt fo mofjt Ratten miffen tonnen, ®onttnt eine betrübte ©tunbe, eine fd)taftofe -Jiadjt, ein befcfjmertidjer gufatt, fo fotlett fie 3) fidj erinnern au ifyrett Xaufbititb, ba| ©ott it)r SSater fei, ber fie at3 feine ®ittber nidtjt oertaffen toerbe ; beim mie fid) ein Sßater erbarmet über feine $inber, fo £äglicf>e Betrachtung einer ©djtoangmn. 13 erbarmet fid) bei* $©rr über bte, fo tb>n fürchten, ©ie fotleit fid) uorfteEeu ©otte3 ©tärfe, bafj er ihnen merbe Straft geben, ba3 gute SBerf p ooEettbeu unb an ben £ag p bringen, meld)e3 er in ihnen angefattgeit hat ©oUte e3 ihnen bisweilen fo fermer borfommen, bafj fie meinen, fie fönitteit e§ nirfjt anSftehen, fo foEen fie fid) erinnern, bag bei ©ott nic|t§ unmöglich ift, imb menn er nur ein 2Bort fpridjt, fo ntüffen fief) (egen bie ftotgen SöeEeit be3 SeibcttS uttb ber 93efd)roertid)feit 4) ©oEten aber bie ©djmerpn lange anhatten, fo foE hoch il)r SSer* trauen barum niefjt finten, nod) ihre Hoffnung wanfen, fonberu fie fofien bebenfen, ©ott habe bie ©tunbe fchon beftimmt, ba er mieber Reifen min. ©r fprid)t oft 31t uns, mie 31t 9Jiaria, feiner Butter: Steine ©tuube ift nod) nid)t gefommen; bertjatben mufj man and) ben SSergug ber göttlichen £>ütfe im ©tauben unb mit ©ebulb er= tragen, unb fid) auf bie götttidje SEertjeifiung Oertaffen, menn er fpridjt: 3d) miE bid) nicht oertaffen noch öers fäumen. ©pred)t ihr: Stber eS taffen biete ihr Seben in ber ©chmangerfchaft unb in ber ©eburt, fo antmorte ich: ©ott hat einem jebeu feine XobeSftunbe beftimmt. SBiffen nun ©djmaugere ©jempel ber ©hefrauen, bie in ber ©d)maugerfd)aft ober in ber ©eburt geftorben finb, fo fehen fie and) niete ©jempet berer, welche gtütflid) ent- bnnbett, unb fröhliche Stiubermütter geworben finb, ja, beren 2lnph* ift ungemein größer, bie ber §©rr nach 28unfd) ertöfet unb ihnen auSgehoifeu hat, at£ berer, bie in bem ©tanb geftorben finb. 3£eun nun aber gegen hunbert faum ©ine geftorben ift, unb neun unb neunzig fröhlich geboren haben, fo ift baS miber ben ©tauben unb miber bie Siebe p ©ott, fid) aEejeit baS Stergfte ober ba$ ©djtimmfte oorfteEeu motten; ba£ ift ein SÖJifjtrauen gegen ©ott, unb eine fd)mere ©ünbe, meint man an ©ott ber* gweifelit mottte uitb fagen: Db ©ott gteid) fo bieten §un* berten, ja, £aufeuben geholfen, fo mirb er mir bod) nicht * helfen ! Söer hat eudj bie§ SJtifitraueu in ben ©inn ge* 14 tägliche ^Betrachtung einer (Schwangeren. pflanzet ? kennet iljr öießeidjt ©otteg ©üte unb fßßmadjt nid^t ? ®arum testet eg öielmeljr um unb faget: 25er ©ott, ber fo dielen ^aufeubeit geholfen, ber mirb mir audj Reifen unb mir auä| beiftefjen; unb barauf derlaffet eud) oon ©runb eurer Seele, miberfpredjt aßen ätoeife!= haften ©ebanfen, uub flauet hingegen auf bie mächtige unb ftarfe §anb ©otteg. ©efeßt aber, eg Ijätte ©ott einer Sdjmangern i^r ©nbe beg Sebeng in ber Sdjmanger= fd^aft unb ©eburt be[timmt, fo ftirbt fie bod) felig, beim fie ftirbt in itjrem 93eruf ! ©leidfjmie eg ein feliger Xob märe, menn eine fromme Seele über bem ©ebet, ein fßre= biger auf ber ^an^et, ein SÜienfd) in 2tugtl)eilung ber $llmofen, ein ®önig auf feinem SDjron, ba er ben Sirmen red^t fßridjt, ftürbe: atfo ift and) ein feliger 25ob, meitn eine ©fjefrau in ilfrer Sdjtoaugerfdjaft unb ©eburt i^reu ©eift aufgeben foßte, benn fie ftirbt in itjrem 23eruf, in einem ©ott moljlgefäßigen Stanbe; ber 35ob foldtjer gott- feligen ©Ijefrauen ift mertl) geartet dor bem £©rrn, unb er mirb fie mit SBonne naä) fo dielen Seiben uub Sdjmer= gen in ber emigen ^immelgfreube fälligen unb erquiäen. SBie man aber felig ftirbt, unb mann man felig fterben foU, bag aßeg foßen mir ber göttlichen SBeigljeit über- taffen; menn idj nur felig merbe, menn id) nur in ben Fimmel fomme, fo foß eine gläubige Seele fageit, fo mag eg ber §©rr machen unb fänden, auf mag für einem SBeg ober in mag für einer Stunbe er immer moße. ^ebocfj foßen fidj Sdjmangere and) fein faffen, baff fie nidjt burd) 3orn unb ©igenfiun fiangeten. 15 mtb tüiber btefe Unart beten; benn wenn fie burch ber* gleichen 3ont unb Verbitterungen fict) bie ©aße rege machen, bah barau3 gefährliche Schwachheiten, h^9e lieber unb bergleidjen entftehen, fo miiffen fie nicht fagen, ba3 h^t ©ott gethan, fonbertt ba£ haben fie fetbft gettjan, unb ihre Schwaugerfchaft bringt fie nicht um§ Seben, fom bern ihr böfer Sinn, ihr ßont mtb ©igenftnn. $a, ich gebe aßen chrifttichen ©hefrauen bebenfen, wenn ihre Frucht in fotdjem verbitterten ©eblüt wadjft, zunimmt unb geboren wirb, ob fie nicht Stfjulb baratt finb, bafj fie böfe, zornige, eigenfinnige Äinber zur 2Belt bringen, bie ein fo wiberfpenftig ©cmiiih fyabeu, wie bie Mütter in ber Schwangerfdjaft gehabt hoben. $)e3holb fotl hier eine chrifttiche ©hefrau Pi fetbft überwinbett unb in ©ott faffen, unb fidtj nicht ben £ob unb eine böfe ©eburt burd) ihre Schutt) herbei^ichen. Söerben fie ©ott barum am rufen, fo wirb ber, non bem äße guten ©aben 001t oben herab fommen, auch biefe ©nabe ihnen nicht verfagen; ja, atsbanu fönneu fie fidj im ßeben unb Sterben eiltet gnäbigett ©olteS getröften. Unb weit auch chriftlidje ©he= frauen gern in foldjent Stanbe zum heiligen Stbenbmaht gehen, fo haben fie alSbaun um befto mehr fich fetbft unb ihre $rud)t bem §©rrn 3@fu zu übergeben, unb bnreh beffen Äraft im ©tauben, itt ber Siebe unb in ber |)eiti= gung, fammt ber 3u(ht, 8U bleiben. (& e b e i. ^eiliger, gütiger unb barmherziger ©ott, ich fomme ZU bir, Vitte, ©ebet, ^iirbitte unb ^anffagung vor bich ju bringen. 3)u haft, o großer ©ott, mir einen ©hefegen anjefjt erteilet, bafiir ich bir vom ©runbe meinet ^er¬ zen# banfe unb bich bitte, gönne mir auch zu feiner |$eit einen fröhlichen Stnbticf beäfelben. SÖeit bu aber, o ge= rechter ©ott, auf biefen Staub viel Schmerzen unb Um gemad) gelegt hoff, fo nehme id) biefetben unter beinern Veiftanb auch wißig auf. kommen bemnad) betrübte 16 2ägtidje Betrachtung einer Schwangeren. ©tunben, frf)merä^afte £age, fd^Taftofe $äc§te, |j©rr, mein ©ott, fo roeid^e nidjt üott mir; i$ meifj, bu fattnft nad) beiner 2tßmad)t all mein £eiben tinbern, bu bleibft aud) mitten in beit Seiben unb ©djmeraen mein SSater, mein 93eiftanb, mein ;?tott)tjetfer, meine einzige 3uflud)t unb mein guäbiger ©ott; ber bu fie mir öerorbnet unb aufgeteget, tjaft audj bie Straft unb ©tarfe, fie ^u mäßigen* SBoßen bie 93efd)mertid)feiten nttb 3ufäße grofj unb Diel, ja, faft unerträgtid) merbett, fo miß idj bod) barum nidjt »erjagen, fonbertt mid) erinnern, bafj bu, getreuer ©ott, mid) nid)t mirft laffen oerfucfyen über mein SSermögen, fonbern madjett, bafj bie iöerfitcfyung ein folctje§ ©nbe ge* mimte, bafj id) e3 ertragen föittte. 2Benn id) feufge: 2ldj mie taug, mie tauge ift bem ^ergen bange, unb öertangt nad) bir, fo gebeufe bod^ an beine §ütfeftunbe, unb tafj fie nad) beinern gttäbigett SBißen halb erfdtjeinen. ©tette mir, o ©ott, beine Mrnadjt oor Stugen, ja, fd)reibe fie mir in mein $erä tjittein, baß id) nidjt erfdjreden möge, menn etiua attbere, meldfje aud) in folgern ©tanbe fid) befinbert, befdjmertid)e $ranfljeiten au3ftet)en, ja, gar in ber ©eburt ifyr Seben üertieren. £ap atsbann mir be= ftänbig in meinem ©emütfj unb in meinen ©ebanfett ein* gefd)riebett bleiben, mie be3 $atjr§ über fo üiet tjunberi ©cfymangere gtiidtidj entbunbeit, bie menigften aber non bir in ber ©eburt tiott ber SSett abgeforbert merbem ^)arum miß idj aud) beiner Sfßmadjt unb ©nabe trauen, unb flefye bidt) bemüttjig an, laß mid) eine frö^tidEje ®in= bcrmutter merben, |jitf mir in ber ©eburtgftunbe, unb er* freue mid) mit einem gefunben unb motjlgeftatteten $inbe. ©oßteft bu aber befdjtoffen tjaben, mir in biefem ©tanbe mein SebenSeube $u befeueren, |j©rr, fo gefd)ef)e bein SBitte! Sd) meife, idj fterbe atsbann in meinem 23eruf, idj fterbe in beiner ©nabe, bie mir ©fyriftnS ermorben t)at, id) fterbe in beineit Firmen, id) fterbe at§ bein tinb, idj fterbe feüg unb bu mirft midEj gu ber emigen f^reube unb ©etigfeit einfütjren. ©ib mir aber, o mein ©ott, Xägltc^e Betrachtung einer ©efeinangeren. 1 7 inbeffen beinen ^eiligen ©eift, ber mieg immer bei guten ©ebanfeu ermatte; gib mir einen ftißen unb fanften 9J?utg, bag icg niegt bureg 3ont ober S3o3geit mir unb meiner ^ruegt ben Xob oerurfaege; gib, bag icg meinen 3orn mäßigen, unb alfo miig nicht felbft um ba§ Sebett bringen möge. Sag auch meine $ftucf)t mit guten Kräften beä SeibeS unb beS ©emütgg au^geriiftet merbett; lag fie maegfen unter bent ©Ratten beiner ©nabe, biä bu fie mirft enbtief) au ba£ £age3licgt bringen, unb alfo afle meine 0d)mer5eit in SBonne unb meine £raurigfeit in $reubc oerfegrett. 9?un, ,£>©rr, mein ©ott, ich gäbe mein §er3 oor bir auägefcgüttet; aeg, ertjöre mid) nad) beitter ©iite, errette ntid) nach beiner $crgeignitg, erbarme bieg meiner nach beiner Breite, hilf mir nad) beiner Siebe, er= freue ntid) ttad) beiner ©nabe. 3cg meig, bu gaft mein nocg nie oergeffen, bag icg mir fotlte oor Seib mein fo preffen. Bitten in ber 9?otg benf icg an ©ott, er mirb ben ©djmerä ttaeg meinen Kräften meffett, bag icg bnreg beinen ©eift ntög überminben, unb mid) aß^eit in beinern $au3 eiufinben gitnt $rei3 unb 3)anf, mit Sobgefang, 311 emiger Siebe mirft bu mieg oerbinben. Hmett. ^ottfeliger Umgang einer gläubigen Seele mit ©ott. ©efattg* 2M, : 3*on flagt mit Slngft unb Schmerjen. 1. 3d> miß ftet§ mit ©ott ttmgegen, 3cg miß immer bei igm fein. Huf ign miß icg fleigig fegen, SSemt idg au^geg ober ein; Ogtte ign geg icg niegt aus, ©r ift aueg bet mir gu §au3; $cg fauu niegt megr ogn ign leben, Sttadgbem icg mieg igm ergeben. 2. 9flein |jer5 foß au ign gebeuten, ©ott ift% ber mein §er^ erfüllt; $cg miß e§ in ign oerfenfen, ©g foß fein mit ©ott umgiiflt. 0egt, icg benfe nun niegt ntegr; ©ott ift ber ©ebattfett £>err; ©ott ift aße§ mir in allen, Ogn igtt fann mir niegtö gefallen. 18 £ägltcfye $8etrad)tung einer Sd^hJangeren. 3. 9D?ein SOluttb joG ftetg öon i§m fprecfjen, ©ott im §ergeit, ©ott im SDlunb; Sftein SUhinb foG öon bem aug= bredjen, 2öag mir liegt im |)ergenggrunb. 2Bag mein ÜDiunb nur immer fpridjt, $ft gu ©otteg SRuljm gerieft; ©ott im §ergen, ©ott in SBorten, SSon ©ott fpred) id) aGer Orten. 4. 9ftein 2tug foG ftetg nad) itjm flauen, SDenn ©ott finb id) überall, 9?idjt nur in ben §immelgauen, ©on= bern aud) im Xljränentljal. SÖSo mein 2luge blicfet l)in, SDa ift ©ott in meinem ©inn; 9Kid) biinft, bafj er öor mir ftelje, Söo id) immer nur tjinfetje. 5. $n ber Arbeit, in ©efdjäften $ft mein ,£jerg oljn $©fitm nidjt; Arbeit id) aug aGen Kräften, 93Ieibt mir ©ott bod) oor ©efidjt. ©o mirb mir bie Arbeit leidjt, Söeil mein ©ott nidjt öon mir meidjt. Ofjne ©ott famt id) ntd)tg inanen, ©r muff fein bei aüen ©adjen. 6. ©fj id), fo miG id) empfangen 3Son iljm aGe meine ©peig; Strinf idj, fo ift mein Verlangen, 2)afi gu meineg ©otteg ^Sreig 3)iefeg aGeg mir gebei|, Unb bafj er ftetg bei mir fei, Unb mir ©peig unb Xranf barreidje, Unb aud) ba nidjt öon mir meidje. 7. 2öiG id) mid§ gu 23ette legen, 2Benn id) bin ber Slrbeit log, ©o erteilt er mir ben ©egen, Unb idj rul) in feinem ©djoofj, $dj fdjlaf in if)tn ru|ig ein, 23in aud) nid^t im ©d)laf aGein, 2Beil er fid) naf) gu mir machet Unb aud) um mein 93ette machet. 8. 93ridjt nun an ber JjeGe borgen, ©tef) id) mit ©ott mieber auf; Sttein Verlangen, ©efjnen, ©orgen 3fft, haft id) ben Sebengtauf SDUt ©ott füfyr, unb bafj fein £ritt, $a, fein SBort, nodj £ljat unb ©djritt ©eie mei= nem ©ott gumiber, 58ig mein |jaupt fid) leget nieber. 9. $on ©ott fann mid) nic£)t abtreiben ©lenb, Jam¬ mer, $reug unb Seib; tiefer Umgang foü aud) bleiben §ier unb bort in ©migfeit, Setben fcpeib’t mid) nidjt öon ©ott, $eine ^rübfal, 5lngft unb Sftotl), Seil mid) ©ott nid)t fann öerlaffen, ©o lang id) il)n merb umfaffen. 2)ie (Schwangere erwäget il)ren ©ott wohlgefälligen ©tanb. 19 10. SD^ein Umgang mich nidjt gerreifjeit, Söenn ger= reifjt ba3 Sebett^banb; ÜBarum foUt id) baanb 9flid) gegeidjnet, bafj er midj feiß erhalten oäterfid), $a, mir and) nacf) biefem ßeben $ort bie ^immefgfrone geben. 11. 3d) merb aud) mit if)tn umgeben, SBenn id) bort im ^imntetögfang 2öerb üor feinem $f)roite ftefjeu Unb, öoti itjin burdfftrafjfet gang, SBerbe gfeicfi beit ©ngefn fein, ©ang oerffäret, Ijeß unb rein, Unb in ^reubett, Sidjt unb dornte £eud)ten toie bie golbne ©onne. Die Scfjtaangere erwäget ihren ©ott wohlgefälligen Stanb. 5t it fmuuterung, ©leidfttne ©ott ben ©Ejeftanb felbft I)at eittgefefjet, unb burd) bertfelben ba£ menfdjfidje ©efd)fed)t fortpflan' gen miß, baffer er aud) gu unfern erften ©ftern in bem ^ßarabiefe fprad): ©eib fruchtbar unb mehret eud); affo fjat aud) eine gottfelige ©fjefrau fidj in ©ott gu erfreuen, menn fie fofdje ^rrudjtbarfeit oermerfet. ©ie foß babei gebenfett: 1) Ä'inber finb eine ©abe ©otteä, ioeid)c ©abe er etfidjen gibt, anbern aber nerfaget, batnit bie 9)?en- fdjen nidft mödjten ettuaS iljrer Äraft gufdjreibeti. ©o= bafb nun eine ©f)efrau folgen ©egen ©otteS oerfpüret, foß fie 2) bebenfen, ©ott Ijabe in ©naben an fie gebaut, mie horten e£ üon ©araff unb 9iaf)ef Reifet: Unb ber §©rt gebaute an ©araf), ber §©rr gebaute an 9iat)ef. hierauf foß fie fid) 3) gufrieben geben, ©ott banfen, unb glauben, if)r gegenwärtiger ©tanb fei öon ©ott, ber fjabe if)r biefen ©egen erteilet; fie foß fid) erinnern, menn fie au3= ober eingefjet, fo geljet fie unter bem ©djufc unb ©efeite ©otteg; ©otte§ fjeifige ©itgef tjaben eine befon- bere Sluffirfjt auf fie, $inben fid) aber ©djntergen unb 23efd)tt>erlid}feitett ein, fo foß fie 4) bebenfen, baff ©ott 20 SDie ©ctytoangere erfraget i^reit ©ott frotylgefätügen ©tan i>. fie 51t biefem ©tanbe georbnet habe, aber bafj er barum fie nicht Dertaffen motte; fottbern ba§ fie befto mehr ihr Vertrauen auf ihn fe|en fott, ba fie bann empfinben mirb, mie ber $©rr atteg herrlich machen merbe. ©ie fott gu bettt ©nbe 5) im (Siebet anfjaften, fid) Dorgorn unb 33og* beit hüten, im ©tauben, in ber Siebe $©fu unb mähren $römmigfeit oerbarren, unb Derfidjert fein, fie ftebe in einem fetigen unb ©ott mobtgefätÜgen ^uftanb, barin fie ficb beg Söeiftaubeg unb ber fmtfe ©otteg getröften fönne, unb roa3 fie nadf ©otteg SSittcn in folgern ©taube btt* teu merbe, bag merbe ©ott ibr auch nach feiner 23arm* berjigfeit gnäbigticb geben unb Derteiben. dfr eb et* O bn tiebreicber ©ott unb SSater, mie fann idj genug* fam beine Satertreue erfennen, toben unb greifen, bafj bn mirf) in ben gegenroärtigen ©taub berufen unb gefepet baft! £»©rr, bn |öft in ©naben an mich gebaut, unb mich biefer ©abe unb Frucht bcg ©beftan^e^ tbeittjaftig gemacht, $ft biefer mein ©tanb befcbmertid), fo meifj id) bod), bafj id) in beiner ©nabe ftebe, unb bafj mein ©tanb oor bir gefällig unb öon bir eingefepet fei. $)n meifjt, |j©rr, bafj id) teineg SJtanneg begebret habe aug Seicht* fertigfeit, bafj ich meine ©eete rein behalten Don aller böfen Suft, unb habe mid) nicht 51t untüchtiger unb leicht* fertiger ©efeßfdjaft gehalten; einen $tann aber tu net)' men höbe ich gemifliget in beiner furcht, in Äeufd)beit, bir 31t ©bren, $)a bu benn auch in ©naben an mid) ge* bacbt, unb bie grudjt beg Seibeg mir befcberet baft fo nehme ich fotdjeg atg ein ©efd)enf Don beiner §anb an. Safj mir in biefem ©tanbe beine Söarmbergigfeit miber* fahren, fei in bemfetben mein gnäbiger ©ott, ber mein ©ebet unb ©eufjen erhöre, unb meine ©euf^er taffe Dor ben Stbron ber ©nabe fommen. ©ei in biefem ©tanbe mein ©eteitgmann, ber mich fd)üpe, begleite unb bemabre. ©ei in biefem ©tanbe mein $roft, memt ich betrübt merbe, SDie Schwangere erwäget i^ren ©ott wohlgefälligen Stanb. 21 unb gib mir beinen ^reubengeift, ber mir allezeit 3e»9s nifj gebe, bajg id) bein ®inb fei, ©ei in biefem ©taube meine .ßuflucfjt, ba id) mein |jerg augfcptte, bie mici) er¬ freue, menn icf) betrübt bin, bie ntid) erquide, menn id) matt bin, ©ei in biefem ©taube mein Reifer, ber rnicf) oerficpre: $d) bin bei bir in ber fftotf), id) miß bidt) prauS reiften. ©ei in biefem ©taube mein 23eiftanb, menn fiel) etma ©djmergen, Ungemacf) unb 23efd)merlid)feiten ein= ftnbeu foßtett. ©ei in biefem ©taube mein ©rretter, ber gu feiner 3eit bie 23anbe löfe, mid) fröljlid) entbinbe, nnb mid) erfreue, ©ei in biefem ©tanbe, o |intmlifcpr Sater, meine ©tärfe; ad), trage, erhalte, ftärfe nnb erquiefe mid). ©ei in biefem ©tanbe, o $©fu, mein 0fürfpred)er, ber midj bei ©ott oertrete, nnb mein fdjmad)e£ unb gumeilen unter Dielen ©cpiergett abgefcpdteä ©ebet Dor ©ott bringe, ©ei in biefem ©taube mein Sröfter, o ©ott «^eiliger ©eift, ber mid) üerfidjere, baft id) in ©naben ftep, baft id) ein ®itib ©otteä fei, unb ber midj einer fröljlicpn ©ntbin* buitg unb gnäbigen $ülfe gemift ntadje. bu, brei= einiger ©ott, fei mit mir in biefem ©tanbe, fo merbe id) mofjl begliicfet, befepftet, bemapet unb errettet merben. $©rr 3©fu, leite meinen ©aug, baft id) fortpi mein Sebenlaug nad) beinern Sßißeu malle. 33epte bu mir ©eel unb £eib, mid) felbft in beine |>änbe fd)reib, auf baft id) ja nidfjt falle. ?ld), gib Antrieb, beine SBunben äße ©tnnben gu betrauten, unb bie &$elt für nid)t3 gu achten. 2lmen. rtttg* 9M. : Mein (5) ott in ber .£>Öf) fei ©ljr. 1. SEBie pt ber grofte ©ott bodj midj $n ©naben angefepn, 2öie pt er bodj fp gnäbiglidj ©rprt mein gläubig 0rlepn! ©o baft mein pd)ft erfreut ©emütl) ©rfennet feine Söunbergüt; 3)afitr fei ©ott gepriefen. 2. $ftT$ nidEjt mein ©eppfer, ber ba pt 9)Hr Seib unb ©eel gegeben, Unb friftet mir au3 lauter ©nab $)a$ 22 2>ie ©längere etluäget ifiren ©ott Jro^lgefäKigen ©tanb. mir gefdjenfte ßeben? Sa, mag id) tjab in bieder $eit, Dag fommt t>on feiner ©ütigfeit; Dafür fei ©ott ge- priefett. 3. ©g Ijat midj S©fu tljeureg Slut befreit aug ©a= taug ©triden, Unb biefeg aßerl)öd)fte ©ut 3Bid mid) nodj ftetg erquicfen. Sa, biefeg Shit bag mad)t mid) rein, darinnen merb id) felig fein; Dafür fei ©ott gepriefen. 4. ©g mirb mir audj ber ^jeilge ©eift 3ur $eitis gung gegeben, Der mir ben !£Beg jnm |)immel meift, SJtidj fii^rt im ganzen Seben; ©r meif)t mein §er^ gu feinem §aug Unb treibet aße ©ünb tjinaug; Dafür fei ©ott gepriefen. 5. ©r feilet ferner mir and) mit Den längft er= münfdjten ©egen, ©r fegnet meine ©djritt unb Dritt Stt adelt meinen Söegen, Sa, mag idj mit ©ott immer t!)u, Da fließet lauter ©egen $u; Dafür fei ©ott genriefen. 6. ©oß ßeiben, Slngft unb ©d)meqengmutt) Stuf mid) aud^ einft toggetjen, ©o miß er in ber Drübfalg= flut| 9ttir bod) pr ©eite fteljen. ©r fjilft, menit uic= manb Kfelfeu faun, ©r ift mein Droft unb §elfergmanu; Dafür fei ©ott gepriefen. 7. Std), mie t)at er fo oäterlid) Sigfyero mid) geleitet Unb feine ©nabe über mid) 2Bie Flügel auggebreitet. ©o leb icf) beim in feiner |jut, ©r freutet mir getroften SJhitf); Dafür fei ©ott gepriefen. 8. Dod) mie fann nur mein fdjmadjer Sttunb Die 2Bof)ttl)at fyerergciljlen? SSiel ©uteg tljut er jebe ©tunb Dem ßeibe unb ber ©eelett. ©r liebet, führet, leitet midj, Sa, er oerforgt mid) milbigtid); Dafür fei ©ott gepriefen. 9. Unb mag für grofje §errtidjteit 28iß er mir horten geben, Da£ id) in jener §immelgfreub Sei il)m fofl emig leben! Drum, menn id) fterb, fo fterb idj nid)t, Sd) fomm gu ©ott, gut $reub, jum Sidjt: Dafür fei ©ott gepriefen. Sie Sdjtnangece banlet (Sott für ifjre 'Jru^tbarEeti. 23 ®ie Sdpattgece banfet @ott für ifjre grudjtbarfett. Stufmutt teruug. Obgleich bie meiften äftenfdjeit meinen, bafj $inber eine üftaturgabe mären, fo lehret bod^ bie heilige ©djrift uns ein anbereS, roenn fie fpricht: ©iebe, 2eibe3frudjt ift ein ©efdjenf. i)atjer and) gläubige ©Ijeleute biefe ©abe unter attbern ©oben üou ©ott $u erbitten haben. 2Ba3 Spuren unb attbere ungläubige ißerfonen anlanget, fo er= langen fie gmar biefe ©abe, meil ©ott ber SJtatnr iffren Sauf läfit, inbem fie nidjt gur ©fjre ©otteä Äinber zeugen, foitbertt nur itjre füublidje Brunft löfeben motten; bei gläubigen unb frommen ©belenten aber ift e3 anberg, bie nehmen bie föinber als eine ©abe ©otteä baufbarlidj an. SSettn bann nun eine gottfelige ©befrau bie Orrudjtbarfeit merfet, fo foll fie 1) ©ott bafür banfen, unb fidj erinnern, baft ©ott bett oerffei^enen ©egen beS ©beftanbe§ ihr nun aud) ertfjeifet. hierauf foll fie 2) be^utfam mattbeln, fid) in ben ©djranfeu ber 9J?äfjigfeit, ©ittfamfeit, ©anftniutb unb cbriftlidjer 33efcf>eiben^eit galten, bamit fie burd) ihre eigene ©djulb bie $rudjtbarfeit nicht mieber oernic^te, meldjeä burcb unntäfjige Htbeit, uitbebädjtige§ 9teidjen, normi^igeg fragen unb |jeben, bo^böften gortt unb an= bere Frechheiten gefdjebeu famt. 3) ©oll fie fobann, mettn fie merfet, baf; ihre Fnidjtbarfeit gunimmt, ©ott fid) unb i^re Frucht täglich empfehlen, unb ihn anrufen, er moUe fie felbft bilbeu, erhalten, ftärfen, bemaljren, unb gu feiner 3eit fröhlich au baä Sicht bringen, ©ie foü 4) miber bie Sefdjmerlichfeiteu ii^reö ©tanbeö nicht nur nidjt murren, foubern auch nicht gornig unb rachgierig gegen ihren ©bemann, gegen ihr ©efinbe unb anbere ^Serfonen fein, al3 meldjeg fdjon ein Reichen ber Uttgebulb über bie $rudjt= barfeit, unb folglich ein Uttbattf fein mürbe, meieren gemifj ©ott fiehet, erfennet unb nterfei, unb foldje ißerfoueu e§ fann entgelten laffen. 24 2)ie ©t^Wangere bautet Oott für iEjre Jrudjtbarfeit. Webet. $©rr, allmächtiger ©ott, ber bu bift ein ©ott beS SebettS, ber uns aßen Dbem unb Seben gibt, ber bu bett ©tjeftaub mit $rücf)ten beS SeibeS gefegnet tjaft; id) banfe bir, baß bu auch an miu mätf)= tiger |)(£rt haft mir eine größere 2Bol)lthat ermiejeit, als anbern, meldje nad) biefer ©abe feufeen unb fie nicht er= langen; barum bitte id) bid), laß mich *oohl erfettnen, maS bu ©utcS an mir gethan haft. 3d) befehle mid) bir gait^ unb gar. Vef)üte mid) oor 5lngft unb Sdjreden, oor Ratten unb ©efahr, üor Uttgliid unb maS fonft baS mir gefchenfte ^faub entmenben fönnte. ÜJBirfe in mir eine chriftlidje Vehutfamfeit int ©eben unb Arbeiten, bantit ich nicht felbft baS üerberbe, roaS beine ^anb üerliehett hot. .£>@rr, mie groß ift beine 2BeiSl)eit, baß bu bie 9Jienfd)ett fo rounberbarlicf) bilbeft; mie groß ift beine Wßmacht, baß bu fie felbft ans Sicht briugeft; mie groß ift beine ©iite, baß bu auf foldje Söeife baS menfd)lid)e ©eftf)led)t erhältft unb meßreft! 3d) banfe bir, mein ©ott, baß bu mid; and; ^u einem Söerf^eug biefeS b^ineS herrlichen SöerfeS be= ftimmt, unb mid) burd) beinen göttlichen ©egen fruchtbar gemacht haft. &d), führe baS angefangene SBerf burd) beine ©ttabe herrlich h^auS; erhalte, maS bu ljaft ge= geben; ftärfe, maS bu ^aft oerlieljen; bemahre, maS btt haft gefdjenfet. Saß mich meine 3eit glüdlid; unter bei= uem 0d)uh Einbringen. Saß oor meine Hugen fein Uu= geheuer, unb Oor meine 0hren fcine entfe£lid)e Votfdjaft fornmen; unb fo ja nach beinern fftath bergleidjen mir miberfalpn foüte, fo erhalte meine $rud)t burd) beine allmächtige §anb. Saß mich 3U rechter 3eit eine fröhliche Äinbermutter merben, unb baS Verborgene mit $renbeu erbliden. §©rr, laß beine ©üte unb Streue mid) alle 3Sege begleiten, behüte meinen $uß, baß er nicht ftrau- chele, meine ©lieber, baß beren feines ^erbrochen, unb 3)ie Sdjtoangere banfet ©ott für i^re J-ruc^tbartcit. 25 meinen Seib, baß er nidjt befc^äbiget merbe. ©rfjalte bie gcfdjenfte ©abe, nttb laß fie bir befohlen fein, ftnbeffen aber miß id) auf beine |jülfe flauen, id) f)ebe meine Singen auf 5tt ben Sergen, non melden mir §ülfe fommt; meine $ülfe fommt üont §©rrn, ber §imntel unb ©rbe gemacht ßat. %d) miß ben £>©rrn loben aße^eit, fein Sob foß immerbar in meinem Sftunbe fein. 3)eS Borgens, 9)tit= tags unb SIbenbS miß id) bem §©rrn bauten für aß baS ©ute, baS er an mir getfjan. Sobe ben $©rren, ber bei= neu ©taub fidjtbar gefegnet, ber aus bem $immel mit ©trömen ber Siebe geregnet; beitfe baran, maS ber Stß* mächtige fatin, ber bir mit Siebe begegnet. Simen. ($cf ait g. SM, : O ©ott, bu frommer ©ott. 1. $tf> banfe bir, mein ©ott, $ür eine jebe ©abe, 3)ie id) nun lebenslang, Son bir empfangen habe. -»Kimm an ben heißen £)anf $ür beine große ©nab, $)ie beine Saterßaub $Jtir bargereidjet fjat. 2. $d) banfe bir, mein ©ott, $)aß bu micf) ßaft er* höret, Unb maS mein §erj gemünfcßt, SluS ©naben mir befcßeret. SId), ad), erhalte bodj $)aS auoertraute fßfanb, $)aS id) empfangen ßab Son beiner ©egenSßanb. 3. $d) banfe bir, mein ©ott, 3Daß bu in meinem Scbett, fDftt großer Sftitbe mir Siel ©uteS ßaft gegeben. Sld), taufenb, taufenb 2>anf, §ab 2>anf, £©rr 3ebaoth, $ür alle beine ©nab, 3d) banfe bir, mein ©ott. 4. $d) banfe bir, mein ©ott, $)aß bu mir beigeftanben, $rt manchem ferneren Seib, $n fdjmeren $rübfalSbanben. ädj, bleibe ftets bei mir, SSenn fid) bie S^otf) einfteßt; $>u bift es, ber mid) ftärft, $u bift'S, ber mid) erhält. 5. $d) banfe bir, mein ©ott, $>aß bu ßaft abgemenbet ©o manches bittre ®reu-$, Unb mir bie §nlf gefenbet, ®ie .£>iilf, fo abgemanbt $ie SIngft, fo id) gefcßeut, Unb midi nad) SIngft unb 9ö3ef) SSJtit reichem £roft erfreut. 26 3)ie ©djtoangm empfiehlt ©ott ftc£? unb tljre $rud|t. ß. 3d£) ban!e bir, mein ®ott, 2>a£| bu mid) nie üer= taffen, 5lud) nid^t oertaffen mirft, ©o lang idj toerbe Raffen $)er ©ünben 2öuft unb (Sreul; ©iet), icf) oerpflid)te mid), $5afj icf) bir bienen miß $ier unb bort etuiglidj. 7. 2ld), bleibe bod) mein (Sott, 3ld), bleibe meine ©tärfe, 9Dlein Reifer, ©d)nt} unb Sftatlj, SDamit icf) |)ülfe merfe, 2Benn nun bie 9iotf) eittbrid)t; 2ld), fteb) mir fräf= tig bei, $)af3 idj gu aßer $eit $on bir gefd^ü^et fei. 8. 2ld), bleibe bod) mein (Sott, §tlf, bafg id) über* toinbe, Unb in ber £rübfalSftuub $>ie |jülfe bei bir finbe. ©o foß mein frofyer Sßunb auSgeftanbner 9lotf) ©tetS fpredjen btr gum ^ßreiS: 3d) banfe bir, mein (Sott. Sic ©djttmttgere empfieljlt ©oft ftd) unb iijre grud|t. 3f it f mutitcrii itg. 2ßenn eine gottfelige (Stjefrau ben ©egen itjrer Jrucfjts barfeit merfet, fo fjat fie, nebft ifjrer Berufsarbeit, fonber* fid) biefeS gu tf)un : 1) ©oß fie fid) (Sott ffeifjig aße £age unb ©tunben befehlen, bajg er fie tooße begleiten, ftärfeu unb behüten. 2) ©oß fie aud) ifjre ffrudjt (Sott fleißig beferen, unb if)m in ifjrem (Sebet treutid) oortrageu. $)enn baS ift ber Unterfdjieb unter d)riftlidjen Grfyefrauen unb Ungläubigen, unter gottfefigen Leibern unb leidjt= fertigen §uren : Ungläubige unb |>uren fluchen toofjl über i^re ©djroangerfdjaft, achten ifjre ^ruc^t gering, banfen (Sott nidjt bafür, tfjun ifjr mefje, too fie fönnen, unb fjabeit oießeicfß nidjt öiel ®uteS mit ifjr im ©inne. (Sottfelige (Sfjefrauen aber finb anberS gefinnet, fie beten niemals, fie tragen benn if)r ®inb (Sott mit öor; fie rufen ifjn an, er moße eS fein bilben, iljm gefunbe unb gerabe (Slieber geben, eS bei Sehen erhalten unb gefunb taffen geboren toerben. ©ie lieben ißre $rudjt, ef)e fie biefelbe feljen, tragen ©orge für ißre ©rljaltung, bereiten aßeS, toorin fie nad) ber (Seburt fann eingetoidelt toerben. 3a, fie tragen Ste eil unb £roft empfunben; SDie Rettung fteüt fid) ein, 3)ie ©tunbe gef)t borbei, daraus erfenn itf) ja, 3)afi mein ©ott bei mir fei. 7. 3d) meiere nid^t bon ©ott, 2ludj nidjt, menn idj foü fterben; $d) merbe nad) bem £ob ®ie ©etigfeit er= erben. $)rum feb unb fterb idj itjm, $dj bien itjrn in ber 3eit, Unb bleib mit if)m bereint 4)ort in ber $errlidjfeit. Sit @©rr, idg meig in meinem ßuftanb nirgenb gin, alg nur gu bir atteitt. $cg gäbe »iete ©orgen, Sefümmerniffe unb Stengfte in 35te Sdjtocmgere erinnert ft<$ ber göttlidjen Ser^et^ungen. 31 meinem Imr^en, aber beine ^röftungen ergö|en meine Seele, unb bein Söort ber SSergeigung rietet micg auf. Söeil icg benn meig, bag bu ber @dju|gerr betner ©läu= bigen, ber Reifer ber SBerlaffenen, bie 3uflud)t ber 58e= trübten, ber 33eiftanb ber $ütftofen bift, fo bin icg barüber gutes 9)?utgS, unb gälte micg an bieg. $cg mid micg an bid) unb bein 2Bort galten; menn mein Scgnter^ unb bie 2tngft meinem ^jet^enS grog mirb, ba mid idg feitfgen: $©rr, icg taffe bieg nic^t, bu fegneft micg benn. $er= jiegeft bu mit ber §ülfe, fo erfcgeinei fie enbticg bodj gum Xroft ber ©lenben, unb bu gilfft ignen gerrltcg. ®u, §©rr, legft eiue Saft auf, aber gilfft fie audj tragen; barum, menn bu meine Saft mir tragen gilfft, fo mirb fie mir nicgt ferner merben. 2)u bift meine 3uüerftdgt ge= mefen, ba icg ttodj an meiner Sftutter Prüften lag; barum foUft bu aud) meine 3ufludgt bleiben 3^it meines SebenS unb in aden 3ufäden. ©ott ift meine 3ut,erfidE)t unb Stärfe, eine $ülfe in ben 9lötgen, bie micg getroffen gaben; barum fürchte icg rnidj nicgt, unb marum foKte id) mid) füregten? $ft bodj ber |)©rr bei mir. 3)er $©rr ift mein £id)t unb mein $eil, oor mern fodt idj micg fürsten? $er $@rr ift meines SebenS Äraft, oor mem füllte mir grauen? 9Jiit ©ott mill idg getroft an meine beoorftegenbe Slrbeit gegen, unter ©otteS 23eiftanb mill idg arbeiten, aber aud) glüdlid) überminben. 0 bu gnäbiger ©ott, ftärfe meinen ©tauben, befeftige meine 3uoerfidgt auf beine ^ergeigung. Sag midi), oor adern Unfad befcgirmet, frögtid) meine 3^it erreichen. Snbeffen mid idg beten unb fingen, bir oertrauenb, bis icg, fröglid) entbunbeit, bir in bem Tempel, unb 3eit meines SebenS für beine Sogltgat in meinem bergen Sob unb $reis opfern merbe. hinten, ja, baS mid icg glauben, benn gier gab icg ©otteS 2Bort, baS fod mir fein Unfad rauben; icg mid immer fort unb fort micg auf biefen ©runb üerlaffen unb ben |)offnungS= anfer faffen mit ber ftarfen ©laubenSganb, aucg in biefem meinem Stanb. feen. 32 $te ©d&tocmgere erfreuet ficf> ber 2Cßmadjt ®otteä. (B ef ang« 9M. : 2C nicht Oerlaffen, 0b id) fefjott elenb bin; $n ©ott miß td) mid) faffen ; Aftern $erg, ©emüth unb ©inn ©oß fid) nur an tfjn Ratten Unb ihm bertrauen feft, $a, $©futn laffen tu alten, 3) er ntief) botf) nie berläfjt. 2. Stuf fein SBort ttJiU ich trauen; 28ag er mir guge= fagt, darauf miß ich feft bauen, $ftit if>m fei eg gemagt! ©r mirb fein Söort erfüllen, $)ag mir bie £>ülf berfprid)t, Unb meine ©djmergen ftißen, 2Benn feine ©tunb anbridjt. 3. 3mar bautet eg mir oft lange, 2Benn mid) bag Seiben treibt; SDemtod) ift mir nicht bange, Söeil ©ott mir nicht augbleibt. ©r meifj gar roof)l bie ©tunbe, 3)ie er gur §ülf beftimmt, Unb mo er aug bem ©runbe £)ag Seiben bon mir nimmt. 4. ©ott fann mid) nid^t berlaffen, $)enn idE) bin ja fein ftinb; ©r fann ja bie nicht tjaffen, 2)ie ba fein eigen fiitb. ©oßt er beg ®inbeg grünen 0hn §ütfe ftetg anfeljn, Unb foßt mein feufgenb ©eignen ^^m nicht gu §ergen gehn? 5. ©ott hat mid) nie berlaffen $)ie gange Sebeuggeit, 0b id) fdEjon ol)ne 9ftafjen £rug Slngft unb $ergeleib. ©oßt er benn nun anheben, $)a id) ber |)ütf begehr, Unb fie mir gar nid)t geben? SDag glaub id) nimmermehr. 6. Vielmehr miß id) ©ott trauen, 3)enn er ift fromm unb gut, 9luf feine §ülfe fd)aueit ßJiit redjt getroftem ßflutf). $>ie ©tunbe mirb fd)on fommen; Sllgbattn, menn bie anbricht, SBirb mein ®reug abgenommen, ®enn ©ott oerläßt mid} nicht. Sic Stimmigere erfreuet fitf) ber Mmmfit ©otte«. uf »tiuttcrung. 2Bemt man bie ©mpfängnif), bie ©rhaltung, bag SÖachgthum unb bie ©eburt eineg ®inbeg betrachtet, fo fann man ©otteg 2lßmad)t nid)t genug greifen. 0hne &ie angere erfreuet ft$ ber 2CHmacfyt ©otte§. 33 ©otteS SlEmacht fann fein Mnb auf biefe 2Belt geboren werben, unb wenn eines geboren wirb, jo ift'S allezeit ein SBunber dor aEer ©laubigen 2tugen. 2öenn benn nun biejeS eine gottfelige ©Jjefrau weif}, jo joE fie 1) auf bieje 2tEma(f)t ihres ©otteS fid) derlaffen; jo Diel fie Mm ber geboren fielet, jo diel SBerfe ber 5lEntacht ©otteS joK fie fid) oorfteEen. 3Bie nun bie aßntädjtige §attb ©otteS anbern geholfen, jo fann fie fid) aucf) 2) getroffen, baf} ©ott if)r Reifen werbe, ©ie foü, 3) wenn fiel) Mein- müthigfeit etwa einfinben wiE, fid) an beu SluSjpruch beS ©ngels erinnern, wenn er fpridjt: Sei ©ott ijt fein Ting unmöglich, Suc. 1, 37. $ft nun ©ott fein Ting unmög= Itd), jo fann eine Schwangere fid) ber göttlichen 2lEmad)t auch erfreuen. ©oEten fid) 4) Umftänbe einjteEen, bie bei anbern dieEeid)t nicht fittb, jo joE hoch barum baS Vertrauen auf ©otteS 2lEmad)t nicht wegfaEen; benn eben barum, weit ©ott aEmädjtig ift, jo fann er auch aEe gefährlitfjen SBunben heilen, aEe fd)meren Saften ab* nehmen, aEe betrübten gufäEe abwenben. ©inb 9Jtenjdjen §war bei ber ©eburt eines MnbeS, jo ift bod) ©otteS aE= mächtige §anb auch ba, bie aEeS regieret, unb burch befjen Mraft aEeS glüeflid) don ©tatten gehen wirb. <£$ efret* •Jttein ©ott, wie freuet fid) mein ©eift, wenn id) an beine 2lEmad)t bettfe, an beine aEmäd)tigen $änbe, bie aEeS heben, aEeS tragen, unb aus aEern erretten, ©ehe ich mich in meinem gegenwärtigen ©taube an, jo mufj beine 2tEmacht aEeS aEein thuit; beine 2lEmad)t ntu§ mich auf ben formen tragen, wenn ich nicht faEen joE; beine 2lEmad)t muf3 meine Sefd)Werlid)feiten tinbern; ja, beine 2lEmad)t mujj in meinen bedorftehenben SRötfjen aEeS aEein oerrichten, ©ebenfe ich meiner Frucht, jo mujj abermat beine $lEmad)t biejetbe erhalten, ftärfen, bewahren unb ans Tageslicht bringen. Tiefes ift nun 34 35« angere erfreuet ftdji ber ätlhnacbt (Sottet. mein größter £roft jeßt unb B^t meinet Sebeng, baß bu bift et« allmäcßtiger ©ott; bin icß fcßmacß, bu bift ftarf; bin icß etenb, bu bift allmächtig; bin icß oßnmäcßiig, bu bermagft atteg. liefen £roft fotl mir uiemanb rauben: ©ott fann mir Reifen, unb ©ott tüitX mir Reifen» 38ir ßaben einen ©ott, ber ba ßilft, unb einen |j©rrn |j©rrn, ber bom $obe errettet. $ft ©ott attmäcßtig, fo fann mir fein Seib miberfaßren. 3ft ©ott attmäcßtig, fo merbe icß herrlich errettet merben. $5arum, o allmäcßtiger ©ott, befehle icß micß bit gang unb gar; macße über micß, er= halte micß, ftärfe uticß. kleine Stltmacßt ermatte micß in meiner ©cßmangerfcßaft; beine $tttmacßt taffe micß gtücf* ließ meine erreichen; beine Slttmacßt ftärfe micß, wenn meine ©ebärftunbe ßerannaßet; beine Slttmadßt fteße mir bei, menn fie nun ba ift; beine Stttmacßt fei im Anfang, Mittel unb ©nbe meiner Arbeit bet mir, big icß eine fröß= ließe ftinbermutter merbe; beine Slttmacßt entbinbe micß frößließ, unb faß micß einen ermünfeßten Stnbticf erleben. $cß mitl midß bemnaeß nicht fürchten, eg geße, mie eg mitl, icß ßabe ja einen allmäcßtigen ©ott; ich tuill mißt ber= jagen, menn bie -ftotß groß mirb, icß ßabe einen aflmädß* tigen ©ott; id; toill guteg Sftutßg fein, menn icß arbeiten fotl, benn icß ßabe einen allmäcßtigen ©ott. $cß mit! in meinen SRötßen feßreien unb feufgen: 0 bu attmäeßtiger ©ott, ßitf mir! $cß öerlaffe ntieß auf bieß, ich h°ffe aiIf bieß, bein $inb märtet auf beine §ütfeftunbe. ©ite aueß, barmßergiger $8ater, mit beitter Slttmacßt gu mir, laß micß ßören $reube unb SSonne, baß bte ©ebeine frößließ mer- ben, bie bu gerfeßtagen ßaft, teilte Mrnacßt treibe bon mir alle ©efaßr; beine Stttmacßt erßalte meine $rucßt; beine Mmacßt gebe mir Sraft; ja, beine Sltlmacßt erfreue micß bureß eine frößtieße ©ntbittbung; fo mitl idß, biemeit idß lebe, foteße beine Stltmacßt greifen unb rüßmen, unb fagen : Sobe ben §@rrn, meine ©eete, unb bergiß nicht, mag er bir ©uteg getßan ßat. $cß rief bem §©rrn in meiner S^otß: Sich ®ott, bernimm mein ©freien. $>a 2>ie Schwangere erfreuet [ich ber 2UImacht ÖJotteS. 35 ffalf mein $elfer mir nom £ob unb lieg mir £roft ge* beiden* 2)rum banf, aeg (Sott, brum bant icg bir. Sieg banfet, banfet (Sott mit mir! ©ebt unferm ©ott bie ©gre. 3lmen, ($ef er gilft in allen £eiben, Unb ift baS ßeiben gart, ©o foU’S mieg boeg niegt fdgeiben SSon meinem lieben ©ott, 2)em ift ja alles leiegt, ©o leiegt, bag auf ein Sort 2)aS Seiben non mir meiegt. 4. Sir gaben einen ©ott, 3)er gilft unb gört ben Firmen, 3) er gerglicg gu igm fegreit, ©r mirb fidg fein er« barmen; 2)ie Firmen fieget ©ott, ©r gört, er fügt, er gibt 3ur 3eit, toenn mir'S ift ttüjj, Unb roenn es igm beliebt. 5. Sir gaben einen ©ott, $er gilft, foUt man aueg fpreegen: |)ier ift bie $itlf gar auS; SllSbaitn miü idg auSbreegeit Unb fagen: gier ift ©ott! 3ft ber fein Reifer megr? 3leg ja, er gilft gemig 3u fernes Samens ©gr. 6. Sir gaben einen ©ott, SDer gilft, mer miß Der* gagen? Seil er uoeg gilft, fo fann $dg fröglicg jego fagen; 3ttein ©ott unb Reifer lebt, Stuf ben nerlag idg mieg, StuS allem Äreug unb Seib $ilft er mir gnäbiglicg. 7. Sir gaben einen ©ott, $)er gilft, bieS foH ber= bleiben Süftein Stroft, biemeil icg leb, $a, biefeS miU icg ftgreiben £ief in mein $erg ginein ; ©mgftnb idg mandge 3^otg, ©o fpreeg icg aueg getroft: Sir gaben einen ©ott! 36 2>te ©djttxmgere tröftd ftdE} ber göttlichen $ülfe. Sie Sdjfflimgert tröftet firf) ber göttlichen .plfe. 3( itf mutttcruttg. 2öenn Ijütfgbebürftige $erfonen große ©efat)ren, üie- lerlei Seiben, fd^toere Saften unb faure Arbeit oor fidE) fefjen, fo finb fie bodj guteg Sßtutßeg, trenn fie jemanben Baben, ber in ben ©efaßren ißnen betfte^en, in bem Seiben burd)f)elfen, bie Saft erteiltem unb in ber Arbeit ißnen bie $anb bieten miß. 9fam biefeg ift aitdE) ber $roft aller ©dEgoangern. §ören fie, 1) baß bei ber (Geburt ©efaßr entfielen fattn, fo fagen fie: E£>er §@rr ift mit mir, barum fürcfjte idE) miß) nicßt. ©mpftnben fie 2) üielerlei Seiben, fo fpredjen fie gu (Sott: 35u bift mein Reifer unb (Erretter; mein ©ott, oeraief) nidE)t! 2Birb ißre Saft itjnen täglicß fernerer, fo erinnern fie fidE), 3) ber |)©rr leget eine Saft auf, aber er fyitft audj tragen, $ürd)ten fie ficf) nun 4) oor ißrer beoorfteßenben Slrbeit, fo miffen fie, ber §©rr merbe ißre Arbeit begtiicfen unb ifjnen burdjßetfen. ©oßte nun folcßeg ©dfjmangern nidEjt einen guten 9flutf) machen, fonberlidE) ba fidE) ©ott in ber ^eiligen ©dEjrift einen .fjelfer nennet? |)ilft ©ott aber, fo ift itjnen gemiß unb redfjt geholfen. SftenfdEiett moßen oft gerne Belfert unb fönnen nidfjt, aber ©ott !ann unb miß Reifen; bero- ßalben, ob’g fcßon nodt) fo traurig unb gefaßrlid) augfeljen füllte, fo foß ifjnen in bag §erg gefdfrieben bleiben: 35er §©rr ift mein $elfer. e b e t* SBag betrübft bu bidE), meine ©eele, unb bift fo un= rußig in mir? §arre auf ©ott, benn itß merbe eg ißm nodE) banfen, baß er meineg 2lttgefidjtg §iitfe unb mein ©ott ift. 3a, mein ©ott, bag ift mein iroft in meinem gegenmärtigen guftanb, baß bu meineg SlngefidEjtg |)ülfe fein merbeft. 3ft mein SCngefid^t btaB oor f^urcfjt, bu tannft aße £5urdjt burd) beine ijertlidße |jülfe oertreiben. 3ft mein ^tngefid^t naß oon freuten, bu fannft fie ab* 2)ie ©djtoangere tröftet fidj ber göttlichen §ülfe. 37 mtfdjen, menn bit mit beiner gnäbigen §ülfe erfdjeinft. SDarum miß idj midj auf bidj öertaffen, unb alte bern, mag mir f^urdjt, 5Tngft unb (Sdjrecfett öerurfacgen miß, entgegenfe^en biefeit iroft: ©ott ift mein Reifer unb mirb mein §elfer fein unb bleiben. 3)u aber, o aßmädj= tiger ©ott, eite mit beiner gnäbigen |jülfe gerbei, menn mir §ütfe notg ift; $©rr, icg marte auf bein |jeil unb auf behte§ülfe; ieg oertaffe midj auf beine §ütfe; menn bu mir nidjt gilfft, fo bin icg üertoren. SBirb mein Seiben grog, §©rr, fo meidje mit beiner gnäbigen $ülfe nicgt oon mir. ©rfdjeinet meine ©ebärftttnbe, fo erfdjeine audj mit beiner §ülfe. ®u bift meine einige .ßuftudjt, mein ©ott unb SBeiftanb, idj meig ja feinen anbern. SKiüft bu mir utdtjt Reifen, mer fann midj erretten? §itf mir, o bu ©ott meinet Jjeitg, menn idj bete, unb ergöre midj; gitf mir, menn eg gefägrtidj augfieget; gitf mir, menn meine ©tunbe fommt; atgbann miß idj in freubigem Vertrauen mit meinem 3©fu feufeen: SSater, fjitf mir aug biefer ©tunbe! |jab icg bid^ bann bei mir, fo merbe idj über= minbett, fo mirb meine ^raurigfeit in $reube üerfegret merben. 0 mie gerrtieg gaft bu anbern geholfen, adj, fo fjitf mir audj ! 3)u bift ja nodj eben ber ftarfe, gnäbige unb aßmädjtige ©ott, ber bu oormatg gemefen bift. |>©rr, icg gatte an mit Söeten, mie bag cananäifdje SBeib, unb fage: ,£j©rr, Ijilf mir, ja, icg gefje nicgt oon bir, idj taffe nidjt ab, big bu midj mit beiner $ülfe erfreuet unb mir geholfen gaft. ®ontm, ad) SSater ber ©naben unb 93arm= ger^igfeit, unb fjitf beinern $inbe, mefdjem ogne bid} nicfjt fann geholfen merben. Äomm, o $©fu, bn |jeitanb aßer ■Utenfdjen, unb fjitf mir, bleibe bei mir, big idj gtücftidj entbunben bin. ^omm unb gitf mir, o mertger Zeitiger ©eift, unb öerfiegle mir ben £roft, bag meine |)ülfeftunbe batb anbrecgen merbe. $)reieiniger ©ott, 51t bir fliege idj, auf bieg oertag icg midj. gitf mir, mann bu mißft, aber im SSer^ug ber $ülfe ftefje mir in ©naben bei; fjitf mir in ber fftotfj, reig midj aug ber 97otg, ba icg bir bann 38 2)ie «Schwangere triiftet fich ber göttlichen JjbiUfe. mit frö|lic|em ßftunbe banfen miß. ^nbeffen: $rifd| auf, mein ^erj, oerjage nicf)t, ©ott miß fid) bein erbar¬ men; Sftatt), §ülfe miß er tfyeilen mit, er ift ein ©djn$ ber fernen; im $oßgenu§ unb Ueberflufi fann man nidjt aßgeit fifcen; mer ©ott oertraut, |at mo|l gebaut, beu miß er emig fdjüpen. Qa, id) miß meine guoerfidjt auf bid^ beftänbig fepen; bu mirft, menn mir’g an Xroft ge* bricht, mit Jjfilfe mid) ergäben. Öttbeffen miß id) ftiße fein, big fic| bie |jülfe fteßet ein, unb beinen Manien greifen, Simen, <$efattg* 9M.: D ©ott, bu frommer ©ott, 1. SÜtfein ©ott ift ja bei mir, $)rum muff bie Oritrdjt öerfdjminben, SBeil fic| in 9?otl) mtb Xob ©ott miß bei mir einfinben 9D?it feiner |)ütf unb $reu, 9J?it Söeiftanb, $roft unb sJtat|, äöie aud) fein tljeureg ÜBort SDtir feft öerfprodjen |at. 2. ßßein ©ott ift ja bei mir; Äomrnt fcfion ein ®reu£ gegangen, ©o miß id) eg mit ©ott Ofjn aße 3rurd)t ent* pfangen. ®ommt Äreu^, fo tommt and) ©ott; Äomrnt aud) 5Üreua nid^t aßein, Unb ift eg mancherlei, ©o miß ©ott bei mir fein. 3. 9ttein ©ott ift ja bei mir; ßJhifj id) bie Xrübfal fdjmeden, ©o miß er mid) baburd) $u feiner Sieb ermeden. ©teßt fid| bie Srübfal ein, Sllgbann entpfe|l id) mid) $)eg Slßerl)öd)ften ©dmjj, $)er |ilft mir gnäbiglid). 4. ßRein ©ott ift ja bei mir, Unb foßten Unglüdg* flutfjen ©ar über ntid> erge|n, ©o ift eg mir gum ©uteu. $)ag Ungtüd meidet bod), $d) merbe baoon log, SÖeit mein ©ott bei mir ift, Unb mär eg nod) fo grofj. 5. ßttein ©ott ift ja bei mir; SBiß aud) bie 9tad|t einbringen, S9ig fid) bie §ülf einfteßt, ©o miß id) hoffen, fingen Unb midEj tmß ßuoerfidjt ©mpfe|len ©otteg $ren, $>er £reu, bie Xag unb üftacf)t, $a, aße ©tunb ift neu. 6. ßttein ©ott ift ja bei mir; ßftidf) fann ber %ob 2lnbac$t bet ^eraimabenbet ßkbärftunbe. 39 ntd^t tobten, £>e§ $ödjften |nilfe ftetjt 2)Ur bet in allen •ftötfjen, SJtein ©ott meiert itid^t oon mit, 3ftein ©ott »erläßt midi) nid)t, SfZein ©ott, mein £roft unb $eil, (Sott meine guoerfidjt 7. 9Jiein ©ott ift ja bei mir; SSeg ade Otordjt norm ©rabe! $a§ ©rab erfdjredt mid) nidjt, SBeil id> ba fttulje tjabe 5$or aßet $lngft unb Gual; ©3 bringt mir füße 9tut), 3)enn ©ott, ber bei mir ift, 2)edt mid) felbft fanft bort 51t. 8. 9ttein ©ott ift ja bei mir; ©ott mirb mir fdjon erfdjeiiten ,8um £roft, gur $nlf, gum |>eil, Sttad) meinem bittern ^Beinen. 9ftein $erg, 0 fei getroft Unb l)offe für unb für, Unb fyridj mit frohem 9)httf): 3Rein ©ott ift ja bei mir! Jlniifldjteit für ddiürrnüe. ?lnb(id)t bet bcrminabettbcr ©cbärjhrabe. ufm unter itng, SBenn $autu3 ben djriftlidjett ©tjefrauen oerfprid^t, fie mürben felig merben burtf) äinberjeugen, fo ift bie Meinung nidjt, al3 ob fie mit Äinbergebären fönnten bie ©eligfeit ermerben, benn bie ©eligfeit Ijat allein ©Ijriftuä $©fu8 burd) fein Seiben unb ©terben ermorben; fonbern er gibt ifpien »ielmefjr bamit ben Xroft, ob fie gleid) megen beä ©ünbeufaHä unter Dielen ©djmerjen müßten Äiitber gebären, fo Ijätten fie bennodj einen gnäbigen unb Oer* föhnten ©ott, unb menn fie aud) über ber ©eburt fterben müßten, fo fönnten unb feilten fie bennod) felig merben, menn fie nur blieben im ©lauben, in ber Siebe unb £jei* ligung, fammt ber 3ud)t $Bon il)nen mirb hälfet erfor* bert: 1) baß fie im ©lauben bleiben, baß fie if)r Vertrauen, menn bie ©ebärftunbe fjeraufommt, nic§t megmerfen, nid)t 40 Slnbadjt 6« tyeranna^enbet ©e&arfhinbe. miber ©ott murren, fonbern im ©tauben, in ber Hoffnung unb .ßuoerficfjt bleiben, raenn eg fdjon tjart herginge, unb auch at^bann fid) an bie tjerrtic^en Söertjeifiungen unb an bie göttliche 2lßmadjt erinnern. 2) ©ollen (ie bleiben in ber Siebe ©otteg, bajj fie ©ott herzlich lieben, unb aud) algbann im ©tauben fprecheu: Iferjlidj lieb hab id) bid), o $@rr, ich bitt, roollft fein öon mir nid)t fern mit beiner ©üt unb ©naben. Sie fotlen bteiben in ber Siebe gegen ben Sftächften, bafj fie notier fidh mit ©ott unb bem iftädjften oerföhnen, mie benn aud) gottfetige ©^efrauen in ihrer ©djmangerfchaft gern bag ^eilige 2tbenbmat)t empfangen, um baburch ber ©nabe ©otteg oerfid)ert p merben. ©ie foßen aud) bteiben in ber Siebe gegen ifjre $rud)t, bafj fie burd) ;J£ad)Iäffigfeit itjr feinen ©djaben mögen pfügen, burct) Siberfpenftigfeit biefelbe nid)t um bag Seben bringen, fonbern bem guten SRath unb gufprud) ber ^Berfonen, bie um fie finb, mittig folgen. Senn aber tieblofe Mütter gegen ihre armen Kinber fid) bei ber ©e= burt miberfpenftig ftellen unb nicht thun motten, mag ihnen ©ott aufertegt, unb mag fie p ttjun fdplbig finb, mooon aud) Kaiferinnen, Königinnen unb ^ürftinnen nicht frei finb, unb eben mie anbere Seiber fidE) oerhatten muffen : fo merben fie fjftörbertnnfcn an ihren Kinbern, meld)e fie oor ©ott oerftagen merben, baß fie ihnen burdh ^auttjeit it)r Seben genommen, unb fie atfo oor ber ©e^ burt getöbtet haben. ©nbtid) foßen fie aud) 3) bteiben in ber Heiligung fammt ber 3ud)t, bafj fie ein Zeitig, pd)tig unb d)riftlid) Seben führen, für tt)r Kinb fleißig beten, fid) oor ©ünben pten, unb in folget Zeitigung ihre ©ebärftunbe ermarten. (Befrei* fp©rr, aßmächtiger ©ott, getreuer, lieber Später, eg fommt nunmetjro meine ©ebärftunbe immer näl)er unb näher herbei, barum nahe bid) auch 3U mir mit beiner £mtf unb ©nabe. Sd) nahe mich gu bir mit meinem ©es Stnbad&t bei ^eranna^enber ©ebärftunbe. 41 bet, herzlichem Vertrauen, beftänbiger 3uberfid)t, leben* bigem ©lauben auf beinen gnäbigen 93eiftanb ; ad), nahe biif) 311 mir mit beiuer atler^eitigften ©egenmart, ©iite unb Sarmherzigfeit, ®omm gu mir unb bleibe bei mir in, unter unb nach ber ©eburt. 2öenn id) bid) bei mir habe, jo f)abe td) ben aßerftärfften Erretter, ben mächtig* ftett Reifer unb ben treueften $reunb bei mir. ©ib mir 51t ber Stunbe ^reubigfeit, bafj ich unerjchroden fei unb ade $urd)t fahren (affe, baff id) getroft mid) möge bezei* gen, getroft fielen, getroft nieberfejjen ober liegen, unb mid) tröften, mei( bu bei mir bift; fo mirb aßeS glüdlidj Don Statten gehen. Stärfe aud) meine ©lieber, bamit id) nid)t matt merbe, fonbern in beiner ®raft unb Stärfe meine Arbeit berrid)ten unb fröhlich enbett möge. 5£)urdj beine $raft mirb mir alles leicht merben; ift ber §©rr bei mir unb mit mir, fo bin ich genefen. ©ib aber and), lieber ©ott, benen, bte mit mir umgeben müffen, SBeiS^eit unb SBerftanb, bafj fie flüglidj aßeS anorbnen, mir nidjt Zu menig unb zu üiel tljun; fegne ihr ^Beginnen unb be= glüde ihr Vornehmen, bafj fie mit mir, unb id) mit ihnen bir bafür banfen mögen, Verleihe mir, bafj id) gutem fRatt) folge, äße ÜBiberfpenftigfeit oermeibe, unb baburd) meber mir felbft fdjaben, noch auch meinem Äittbe ein Ungliid ober ben £ob ziehen unb mir eine fo fdjmere SBerantmortuug oerurfadjen möge. §öre, ad) gnäbiger ©ott, mein unb aßer Slnmefeuben Seufzen unb ©ebet; hilf mir halb unb f)ilf mir glücflich, menn eS bein heiliger SBtfle ift. Safj mid) mein ®inb fröhlich unb lebenbig erblicfen, unb eine erfreute ®inbermutter merben. Siebe, §®rr, hier bin ich; mache es mit mir, mie es bir mol)l= gefaßt. 33erlafj mid) uid)t unb tljue nic^t bie £>anb Don mir ab, ©ott, mein §eil; bleibe bei mir in ber äufjerfteu üftotl), unb ftärfe atsbann meine ©ebulb, bafj id) nicht mübe merbe; meine Hoffnung, bafj id) fie nicht laffe finfett. 9ta, id) oermag aßeS burd) ben, ber mich mäd)tig madjt, ©fjriftuS. 2)er himmlifdje $ater fegne, behüte unb er- 42 SIrtbadjt bei f>eranna^ertber ©ebätftunbe. ftalte mid). $@fuS ßftriftus fei bei mir, ftärfe unb erquidfe mid), unb ber ^eilige (Seift üertrete mid) bei ©ott mit unauSfpred)£id)em ©eufgen, unb gebe geugnift meinem (Seifte, baft \6) maftrljaftig ©otteS Äinb fei* SDie Siebe beS SBaterS becEe mid), bie ©nabe beS ©oftneS erquide tnidj, ber Seiftanb beS ^eiligen (Seiftet erfreue mid). ©reulidf) miß i d) (Sott bitten, gum Söeiftanb nehmen ifjn; ber für mein §eit geftritten, gu $©fu miß icfj flieftn. ©ott fattn bem 2Selj gebieten, unb mir ©ebulb berleiftn. ©r wirb ntidj moftl behüten unb mein 9tott)t)etfer fein. Simen. (^cftiiin* 2M. : 3ton ffofli mit 2tngft unb (BdEjmergen, 1. Sldj, ftiff mir aus biefer ©tunbe, $ater ber 33arm= ftergigteit! ©o fdjrei idj mit £>erg unb ÜDtunbe ^e|t in biefer SeibenSgeit. Std), idj mettbe mid) gu bir, ©rofter (Sott, ad), Ijilf bu mir; Saft mid) bod) halb £ülfe finben ©urd) ein gnäbigeS ©ntbinben. 2. @3 fteftt ja in beinen £)änben, ©prid) ein SBort, fo iffS gefdjeljn; SBirft bu beine |jülfe fenben, ©o mirbrS mir nad) 2Bunf©rr, bu fjaft es ja oerljeiften, ©aft bu woßeft bei mir fein Unb aus aßer Sftotlj mid) reiften; |nlf mir, §@rr, benn idj bin bein. Reifer, ftitf jeftt gnäbiglidj, ©rofter ©ott, erbarme bidj ; §öre, rette, fomm unb eile Unb bodj länger rtic^t oermeile. 4. gmar miß id) bir nidjt öorfcftreiben ©einer §ülfe ©tunb unb 3eit; $dj miß bod) gebulbig bleiben $n bes SeibenS SHtterfeit. ©ib mir je|b ®raft unb ©tär! |jier gu biefem ferneren SSerl; Sld), ijilf felbften mir arbeiten, Unb meid) nidjt bon meiner ©eiten. 5. |j©rr, icf) miß bir feft bertrauen, ©rüdt es mid) aud) nod) fo lang, Unb auf beine Slßmacftt fdjauen, Söäre mir aud) nodfj fo bang, ©ieft, idj fef)ne midj) nadjj bir, $coft bet ^eranna^enbet Geburt. 43 Sater, Sater, Ijilf bod^ mir; §ilf, o Sater, beinern ®inbe, |>ilf, mein Sater, bodj gefdjminbe. 6. Süd), mein ©ott, |iJr meine Sitte, Oeffne, mag der* fd)toffen ift, Xritt je^t felber in bie SRitte, 2Beil bu bod) ber Reifer bift. £eg bu felber $anb mit an, 2)ie |janb, bie mir Reifen !ann. <5ief), mie icf) bid) feft umfaffe Unb mid) ganj auf bid) oerlaffe. 7. $n ©ott f)ab id) Äraft unb Stärfe, 3n ©ott fjab idj guten Sftutl); $>er ift felbft mit in bem äBerfe, Sluf bem alle §ülfe ruf)t. ©otteg $ülfe ift fd)on nat), SBenn er fpridjt, fo fteljt eg ba ; 9D2ein 2)?utl) ift mir unbenommen, ©otteg ©tunbe mirb halb fommen. 8. O mie mid id) ©ott bann preifen, 2ßenn id) nun entbunben bin ! 2Bie mid id) ifjm $)anf ermeifen ! -äftein ©emüttje, ©eift unb Sinn Unb aud) mein erfreuter äftunb ©od für biefe §ülfeftunb Smmer, meil id) merbe leben, ©otteg ©nab unb dtuljm ergeben. Jroft Bei berannabenber ©eburt. Aufmunterung. ©g pflegen fid) gottfelige ©l)efrauen oftmalg gu ängfti= gen, unb Unerfahrene gu erf djrecfen, menn bie $eit ber ©eburt ba ift; aber marum modet iljr erfcljrecfen, il)r habt ja ©ott bet eud) ? 3)er ©ott, ber eud) b|at bie ©dpne^en aufgeleget, ber mitt fie aud) Reifen tragen unb überminben. ©rinnert eud; gurgelt ber ©eburt: 1) ©ott ift ein guter unb gnäbiger ©ott, er meinet eg nid^t bög mit eud), benn benen, bie ©ott lieben, müffen ade $)inge ^um Seften bienen; meil er ein gnäbiger ©ott ift, fo mirb er eud) ©nabe erzeigen, unb euer ©lenb unb euren Jammer am feljen. ©r ift 2} getreu, er meif3 eure Kräfte unb Ser= mögen beffer alg il)r felbft; ©ott ift getreu, ber euch nid)t läffet üerfucfjen über euer Sermögeu, foubern mad)et, bafj bie SerfudE)ung fo ein ©nbe geminne, bafj i^r eg fönnet 46 44 ©cufjet bot bet ©eburt. ertragen. 3) ©ott ift barmherzig; er mirb fid^ aud) über euch, mie ein SSater über feine Äiber erbarmen. 4) ©ott ift ftarf ; mag if)r nid)t oermöget, bag üerrnag ©ott, benn feine ®raft ift in ben @d)roac§en mächtig; fehet nicht an eure geringe ®raft unb (Starte, fonbern ©otteg Sftadht; ihr foßt eg auch nic^t tf}un, fonbern ©ott miß aßeg tf)un, unb eure |jänbe, 2trme unb ©lieber ftarf en, mie SDaoib ©ott aßen fftufjnt beiteget unb fpricht: SDu f>aft mich aug meiner Butter Seib gezogen, auf birt) bin idt) gemorfen. ©rinttert eud): 5) eure (Schmerlen mähren nid)t lange, nicht Satire unb Xag, mie $>aöibg ©lenb, unb mie jeneg Traufen ©djmachheit, fonbern nur eine ©tunbe, unb fo ficfj’g ja tanger üergiefjen foßte, fo fprec^t in finbtidjem Vertrauen: Unb ob eg mährt big in bie WacEit unb mieber an ben borgen, bodj foß mein §erg an ©otteg SÖ?ad^t uergmeifetn nid^t, noch forgen. ©e^et, biejeg taffet euren Xroft fein, menn eure ©tunbe fommt. ©eufjer »ot bet ©dmrt |>©rr, aßmächtiger ©ott, menn idh nun merfe, baß meine ©tunbe batb einbredjen mirb, ba id) midf) jur ©e- burt anfdjiden foß, fo fomme id} £u bir, unb bitte bid), ad), meidje nidjt Don mir; ad), bleibe bei mir, gib mir Äraft ^u gebären unb entbinbe mid) gnäbigtief), tinbere bie ©eburtgfdjmergen, bie bu bem meibtichen ©efct)ted)te aufgeteget haft. ® odj ba bu fie ber ©Da unb ihren £ödj- tern aufgeteget, pr $eit, ba bu fie mieber begnabiget, unb 3©fum, ben 3öeibeg*©amen unb $erföt)ner ber 9Jien fdjen, oerheifjen ^atteft, fo fe^e id) bie beoorftefjenben ©dE}mer= jen an nicht atg eine ©träfe eineg zornigen fftichterg, fon= bern üielmetjr atg eine Züchtigung eineg liebreichen unb oerföhnten SBaterg, metdje eine Stnbenfen beg ©ünbem faßg fein foßen, aber aud) eine ©rinnerung, bajj id) burdj 3©fum ©tjriftum mit ©ott öerföhnet bin. 0 barum, ©eufjer t)or ber ©eburt. 45 ftarfer unb allmächtiger ©ott, t)üf mir fröftig; meine |)ülfe fielet bei bir; nach bir, §@rr, »erlanget mich; mein ©ott, idf fyoffe auf bich, taff mich nicht gu ©chan* ben merben: eile, mir beijuftetjen, $©rr, meine |)ülfe! D S©fu, ber bu bift Sftenfch geboren morben, um beiner heiligen ©eburt unb 2ftenfen bennod) ein ®inb ©otteg fei. 0 bu heilige $)reieinigfeit, hilf mir, unb erbarme bidj über mich. Simen. diu attberer. 0 bu liebreicher ©ott, ber bu ung ßftenfdjen herzlich liebeft, unb fonberlid) in unfern Seiben unb ©d>madjheiten ung beipftehen »erheifjen ^aft, bu mei^t ja ben ©tanb, barin ich flehe, bu fieheft auch, mogu ich mich bereite, unb mag ich jefct öorffabe; o barum ftehet alle meine Hoffnung gu bir. 0 bu ftarfer ©ott, ber bu ben »erlaffenen §ir* fchen im milben Söalbe, ohne menfchliche $ülfe, menn fie im ©chnee unb $roft ihre jungen hoben, beifteheft, ach, lafj bir auch meine Seibegfrudjt anbefohlen fein, unb fegne bie $änbe, bie gu ber ©eburt fich barbieten; leifte bu mir felber bie befte §ülfe unb entbinbe mich gnäbiglicf). $>u |aft gefagt: fürchte bich nicht, ich 'bin bei bir; meiche nicht, ich bin bein ©ott, ich ftärfe bich, ich helfe bir auch, ich erhalte bich burd) bie redete $anb meiner ©eredftigfeit. Sluf fotche beine gnäbige Verleihung oerlaffe ich mich, unb greife an bag SBerf mit O^euben, moju mich ®*>tt hat befchieben in meinem Söeruf unb ©tanb. 3iß inbeffen nach beiner Orbnung unb nach beinern ^Bitten gern leiben, ma^ bu mir auflegeft, fei bu mir nur nicht fern, |j©rr $©rr, meine 3ut>erficht in ber Sftoth. ©ei unb bleibe 46 ©eufjet bei unb unter ber ©e&urt. meinem öerfchloffenen Sßfanbef gnäbiger ©ott, ermatte, o §©rr, maf beine §änbe bereitet §aben. Deffne in ©naben gu rechter $eit bie $anbe ber Statur, unb menn alle Sttenfchen oergagen motten/ fo bemeife bu an mir beine Stfadjt unb munberbare ©üte. Sei mit beiner $raft in meiner Schmalheit mächtig, ftärfe mich an meinem ©eift unb Seibe, linbere unb erleichtere mir meine Schmergen, unb Iah meine Frucht frifch unb gefunb bieSBelt erblicfen: lege fie lebenbig in meine Arme unb $änbe; fo mitt ich mit aufgeregten Firmen unb gefalteten §änben bir ßob jagen, unb maf bu mir gegeben, alf ein Opfer unb als bein ®inb in ber ^eiligen £aufe bir miebergeben. (Sollte aber in beinern heiligen 9tath über mich befdjloffen fein, baf$ ich über biefer Arbeit meinen ©eift aufgeben fott, fo gefchehe bein 5B3iHe; bu bift mein ©ott, mein §©rr, mein ÜBater, ich beine ©reatur, beine 9Jtagb, bein ®inb; mache ef mit mir, mie bir ef mohlgefättt, ich aber bin bereit gum ßeben unb Sob, unb menn bu gleich mich töbten mottteft, mitt ich hoch auf bicf) hoffen. Verleihe mir ein gebulbigef unb mittigef §erg, beftänbigen ©lauben unb fefte 3uoer= ficht, Sch lieg im Streit unb miberftreb, o |>©rr ©hrift, bem Schmalen, an beiner ©nab allein ich fleb, bu fannft mich ftärfer machen; fommt nun Anfechtung, £©rr, fo mehr, bah fie mich nicht umftofje, bu fannft mähen, bafj mtr'f nicht bring ©efä|r, ich bu mirfff uicht laffen. Amen. ©eufjcr 6ei unb unter ber ©efiurt. §©rr §©rr, grojj oon Ütath unb mächtig oon Sljat, fiehe, hier bin ich unb feufge allein nach beiner |jütfe. $ier fann fein ttftenfch helfen, nur bu allein. Sch erfenne gu beinern $reif, bah bie ©eburt einef SJtenfchen ein SBunbermerf ift, melchef bu allein beförbern mußt, unb ftehet in feines ttftenfdjen SJtacht, ein $inb gur SBelt gu bringen. Serhalben flehe ich bich, o allmächtiger 9?oths ©eufjer bei unb unter her ©eburt. 47 Reifer, bemüt^ig an, bu moüeft beine SlÜmacht bemeifen. 5)u meigt ja meine ©cgmergen, meil bn felbft fie mir auf* gelegt ^aft; ich fi£e ober ftehe, ich gehe ober liege, fo ift eg bir befannt, benn bu, §©rr, bift um mich. SDu fieheft auch meine Xfjränen, unb mein ©eufgen ift bir nicht oer¬ borgen. $dj erinnere mich je£t beiner unenblidhen Slü= macht, bu fannft überfdjmänglich thun über aüeg, mag mir miffen unb oerftefjen; teine iftotf) ift fo grog, bu fannft baraug erretten, ©iehe, beine mächtigen §änbe haben mein Mnb bereitet, fie haben eg mit §leifd) unb $aut angegogen, Seben unb Söohlthat haft bu ihm fchon lauge ermiefen unb burth bein Sluffehen fein 35afein bemahret. Partim bringe eg aud) ang Sicht biefer SBelt nach beiner Skrmhergigfeit. §©rr §©rr, ber bu fo met £aufenben geholfen haft an allen Orten ber SBelt, bu mirft nach bei= ner ©üte mir auch helfen? tchmache. 83etrübteg §erg, fei mohtgemutg, marum roiüft bu oergagen? ©g mirb hoch aüeg merben gut, unb all bein ©d)merg unb Magen mirb fich in lauter §röf)lich= feit betmanbeln in gar furger $eit; bag mirft bu mohl erfahren. Simen. <$itt anberer. Sich, gnäbiger unb barmgergiger ©ott, bu haft gefagt: fftufe mit| an in ber S^oth, fo miü id) bid) erretten, unb bu foüft mich greifen. Stuf biefeit gttäbigen 33efef)t fomme ich in biefer ©tunbe auch gu bir, Slbba, mein Später, ich fdjreiegu bir in meiner 9tot|, ach, 'höre bodh meine ©timme, unb öerbirg bich nicht oor meinem glehen. ©ebenfe, bag ich bein ftinb bin; ad}, tag mich hoch nicht über mein 48 ©eufeet fiet utib unter ber ®eburt. Vermögen ©djmeraen empfinben; §©rr, wenn idj 9^ot^ leibe, fo linbre fie. $©fu, bu ©ol)n 25aüib§, erbarme bicf> mein, burd) beine ^eilige ©eburt unb ättenfdjwerbung I)ilf mir, lieber §©rr ©ott, fiel je mir bei, fjilf mir unb erfreue mid). ^eiliger ©eift, bu £röfter in aller Siotl), fprict» meiner ©eele ben £roft ein, baf) id) halb eine fröf)= lidje Äinbermutter werben möge, bringe mein ängftlidjeg ©ebet Ijinauf oor ben ^Ijron ©otteg, wnb wenn id) t>or Slngft nid)t beten fann, o $©fu, fo bitte bu für midj; o werter ^eiliger ©eift, fo oertritt bu mid) bei ©ott mit unauäfpredjlidjen ©eufgern. £) breieiniger ©ott, reidje mir unb meinem $inbe beine |janb. £a| un3 nidjt oer= berbeu, nodl) ©djaben leiben. Söeweife an unä beine Äraft, fo wollen wir rühmen unb loben beine -ättadjt, nidjt nur in ber ©terblidjteit foß bein Stufjm erfd)aßen weit, id) wiß^ audj Ijertiad) erweifen unb bort emiglidf) bidj greifen. Safe bie $rucf)t meinet SeibeS, als bein ©efd)ö))f, in biefer ‘Jtotf) nidjt oerberben, fonbern ermatte fie gnäbiglid) burdj beine ®raft; I)ilf, baf) idj an i^r nidjtö oerfäume, fonbern fie burdj beine ©nabe fröfylidj erblicfeit möge. §©rt ©ott Sßater im §immel, erbarme bid) über midj; §©rr ©ott ©oljn, ber 2Belt §eitanb, erbarme bid) über mid); £>©rr ©ott ^eiliger ©eift, erbarme bidl) über midj! Simen. ©iit aitbem. ©näbiger unb ftarter ©ott, e3 ift bie ©tunbe ba, welche bu gu meiner ©ntbinbung beftimmet $aft, barum wenbe id) mt©rr, unb gilf mir, fonfi öerberbe idj. ©grifte, bu ßamnt ©otteg, ber bu trägft bie ©ünb ber Söelt, erbarme bieg über micg. drifte, bu ßamm ©otteg, ber bu trägft bie ©ünb ber SBelt, üerteige mir Rieben ! Stuten» ©priidje, ©eufjcr unb ©ebete in Stößen ju fprcdjen. $)er $©rr ift nage allen, bie ign anrufen, allen, bie ign mit ©ruft anrufen. ©r tfjut, mag bie ©ottegfiircg= tigen begehren, uub göret igr ©freien, unb gilft ignen. $f. 145, 18. 19. $ä) menbe micg don allen Gingen, Unb fegre micg gu 3©fu ©grift: $cg mei$, eg mirb mir halb gelingen, Söeit 3©fug nage bei mir ift; «Ütein hoffen ift auf ign gericgft, $cg gälte ign unb lag ign nidjt. $cg min, mie Safob, mit igm ringen, $cg bete, meil er Reifen !ann; 3cg miß igm meine ßieber bringen, 3cg greife eg mit 3©fu an; 3fcg rufe: §©rr, icg lag bid^ nicgt, S3ig mir bein SJiunb ben ©egen fpricgt. Steg, mein $©fu, fei je£t nage bei mir, unb bleibe bei mir, big bu mir geholfen gaft; ad), tgue bocg, mag icg begehre, icg begegre aber nicgtg, alg mag bu mir in bei¬ nern SBort dergeigen gaft, nämltcg betne §ülfe. 3Bag betrübeft bu bieg, meine ©eele, unb bift fo un= rugig in mir? |>arre auf ©ott; benn icg merbe igm nocg bauten, bag er meineg Slngeficgts §ülfe, unb mein ©ott ift. ^f. 43, 5. 2ßag fränfft bu bieg, o arme ©eet? ©ei ftiU unb tag bag SBanten; ©ott, meine S3urg, gum $roft idj mägl, Unb merbe igm nocg banfen. ©ebulb im ßetb nur furge 3eit! Stuf fftegen fd^eint bie ©onne, Stuf Slngft fommt §ceub unb Söonne. 50 «Sprüdje, Seufzt unb ©cbcte in 3iöt£en ju farw^m. Sieg, mein S@fu, ieg warte auf beirt §eil, icg garre auf beine |)ülfe; ad), lag fie mir halb erfegeinen, bu aßein bift meine Hoffnung; aeg, ergöre mieg, acg, erfreue mieg, ad), entbinbe mieg, fo miß icg bir bauten emiglieg. $er §©rr gat bid^ taffen im ©efcgrei fein, bag bu feieft mie ein berlaffen unb bon $er§en betrübt Söeib. . * . Seg 1 )abe bieg einen fleinen Slugenblie! berlaffen; aber mit großer Varmger^igfeit miß icg bieg fammeln. Scg gäbe mein Slngeficgt im Slugenblie! be§ 3orn8 ein menig bon bir berborgen; aber mit ewiger ©nabe will icg mieg bein erbarmen, fpricgt ber |j©rr, bein ©rlöfer. Sef. 54, 6 — 8. Steg S©fu, gitf mir bod^; Stuf bir ftegt mein Ver¬ trauen, Sieg, lag mieg beinen £roft SJtit greuben halb an= flauen. 2)u bift’3, ber $ülfe fegenft, Sa, bu biffg gang aßein; 2)rum fteße bieg borg halb 3« meiner §ülfe ein. Sieg, mein ©ott, erbarm bieg mein, berlag mieg nid^t, bu bift mein ©ott, D barmgerjiger ©ott, meine Slugen fegauen auf gen §immet unb jegnen fieg naeg beiner §ülfe. Verbirg bein Slngeficgt niegt bor mir, beine ©nabe ftärfe mieg, beine |janb ergalte mieg. Sieg §©rr, mie lang, mie lange ift bem §er$en bange unb berlangt naeg bir. ©iege, be3 §©rrn §anb ift niegt §u furg, bag er niegt gelfen fönne. §ef. 59, 1. ©otteg §änbe finb ogn ©nbe, ©ein Vermögen gat fein 3tel; Sft'3 befegmerlieg, fegeinfä gefägrlicg, deinem ©ott ift niegte gu biel. Sdg meig, mein ©ott, bag bir niegtö unmöglidg ift, barum bertraue itg auf bieg. |>©rr, reefe beine §anb ^u mir au3, mie gu bem finfenben Vetro. $>eine $anb fann gelfen aus aßen, in aßen unb bon aßen Stötgen. Sieg |)©rr, fegaue auf mieg, ieg fegne mieg naeg beiner ©nabe. Sprühe, ©eufjer unb (Sefcete in SRötljien ju fatec^en. 51 ©r begehrt mein, fo toiH id) tf)m augljelfen; er tennet meinen tarnen, barum miß id) iljn fd)ü|eu. ©r rufet midj an, fo miß id) ifjn erhören; idj bin bei iljm in ber üftotf), id) miß il)n l)eraug reifen, unb §u ©f)ren machen; id) miß ibn fättigen mit langem Seben, unb ibm geigen mein $eil. $f. 91, 14— 16 |)©rr 3©fu S^rift, groB ift bie Sftotl), $>arin id) rnid) befinbe: öitf oäterlid), o guter ©ott, $ilf beinern fdjmadjen ®inbe; fein 50^enfd^ ift, ber mir Reifen tarnt, Uttb nie= manb nimmt fidj meiner an, Of)n bid^ bin idj neriaffen. 2ldj, mein $©fu, meil mir niemanb Reifen tann, alg bu, fo eile mit beiner gnäbigen §iilfe ^erbei. (Biefje, id) bin je£t in ber 9totl), acf, reif mid) nad^ beiner $erl)eiBung Beraub; id) begefyre bein, l)ilf wir aug; mein $erg fjält bir Dor bein SBort: ifjr foßt mein 2Intli£ fudjen, barum fudje id) aud), #©rr, bein $lntlijj. ©g foßen mol)l Söerge meinen, unb $ügel fjinfaßen; aber meine ©nabe foß nid)t oon bir meinen, unb ber 2hmb meinet $riebeug foß nicfjt Ijinfaßett, fpridjt ber |j©rr, bein ©rbarnter. $ef. 54, 10. SBag id) nid)t tann, bag gib bu mir, D fjödjfteg ©ut ber frommen! ©ib, baB mir nidfjt beS ©laubeng Bier $)urd) £riibfal merb entnommen; ©rljalte mid), o ftarter §ort, Söefeffge mid) in beinern SSort, Seljüte mid) ttor Durren. £5 S©fu, nimm beine ©nabe unb beinen ^eiligen ©eift nicf)t non mir; ad), meidje nid)t non mir, ftärte mid) gu bem SBerte unb in bem SBerte, mit meld)em id) jej-jt befdjäftigt bin. $5ente an ben 23unb, ben bu in ber fjei= ligen iaufe mit mir gemacht, $raft biefeg Sunbeg bift bu mein Sßater unb id) bein $inb; ad), mein $ater, benf au bein Äinb, tjilf beinern $inbe, erbarme bidj beineg ®inbeg. 52 ©priidje, ©eufjer unb ®ebete in 9ti5t§en gu fpredjen. 2Bie ficf) ein SSater über ®inber erbarmet, fo erbarmet ficf> ber §@rr über bie, jo ihn fürsten. $f. 103, 13. SBeil bu mein ®ott unb Sßater bift, $>ein ®inb mirft bu oertaffen nicht, &u oäterlicheg §er§; bin ein armer ©rbenftofj, Stuf Grrben meijj ich feinen Stroft. Sich mein guäbiger ©ott unb SBater! $ch meifj feinen £roft unb feine $ülfe gu fuefjen unb ju finben, alg nur allein bei bir. $>arum fdjreie ich ßu bir: ach, hilf mir, mein $ater, erbarme bitf) über mich, mein Sßater, ad), laß bein ^ater^erj ermeidjen, bamit icf) batb möge er= freuet merben; ad), bu fannft eg ja, um beiner $3arm= tjer^igfeit mißen ifyue eg bod). $@rr, id) traue auf bich; lafj mich nimmermehr gu ©chanben merben, ©rrette mich burcf) beine (Seredjtigs feit, unb hilf mir aug, neige beine Dhren gn mir, unb hilf mir. ©ei mir ein ftarfer |jort, baf)in ich immer fliehen möge, ber bu gugefagt tmft mir gu helfen; benn bu bift mein $elg unb meine S3urg. $f. 71, 1 — 3. §@rr $©fu (£l)tift, ifh f*hrei 5U bir Slug hoth&etrübter ©eele; 2)ein Slßmadtü ta§ erfd^einen mir, 2)aj3 mich’g nicht länger quäle; SSiel gröfjer ift ja Sloth unb ©chnterg, ©0 anficht unb betrübt mein $erg, fe baf) ich’g fann erzählen. Sld) §($rr, mein Jammer unb Grlenb ift bir gar mohl befannt. §Grrr §©rr, je mehr bie Sfotf) grofj mirb, befto eifriger miß id) um §ülfe rufen; ich miß eg in meinen Döthen machen, mie mein $(£fug, melcher ba er mit bem £obe rang, heftiger betete. Sfteine ©eele märtet auf ben $@rrn non einer Sftor= genmache big jur anbern. $f. 130, 6. Unb ob eg mährt big in bie SZadht Unb mieber an ben borgen, $)od) foß mein §er^ au ©otteg Stacht Sßerjmeis fein nicht, noch forgen. Sprüdje, Seufjer unb ©ebete in üfiöt^en ju fpredjert. 53 ßftein ©ott, bag ift unb foß auch mein fefter (Sntfcglug bleiben, iredjen. 55 ©et §fcr gibt bent SUtiiben $raft, unb ©tärfe genug beut Unoermögenben. ©ie auf ben $@rrn Darren, friegeit neue ®raft, baß fie auffafyren mit klügeln mie $tbler, baß fie laufen, unb nidjt matt merben, baß fie manbeln, unb nidjt mübe merben. $ef. 40, 29, 31, |)(£rr ^(Sfu ©Ijrifte, ©otteg ©oßn, 3u bir fteßt mein Vertrauen, ©u bift ber redjte ©nabentßron; 333er nur auf bidj tfjut bauen, ©ent fteljft bu bei in aller Üftotf), fjilfft ißm im ßeben unb im ©ob, ©arauf id) mid) oertaffe. 2ldj $©rt, mein ©ott, gib mir audj neue ®raft, t)er= leiße mir ®raft unb ©tärfe beineg ^eiligen ©eifteg; id) bin gu fcßmadj, biefeg 333ert aügäufüljren, aber in mei= neg ©otteg ©tärfe tiermag id) alles. $©rr §©rr, ftärfe mid) aud) biefeg fötal, mein ©ott, f)ilf frö^tic^ überminben, ©er ötame beg |j©rrn fei gelobet. S93o ber $©rr mir nid^t Ijülfe, fo läge meine ©eele fdjier in ber ©tiHe. 3d) ßatte nie! 33efümmerniffe in meinem £jenen: aber beine ©röftungen ergöfeeten meine ©eele. fßf. 94, 17, 19. fötaine §ülfe fommt tmnt |>©rrn, $Ufo toiU idj mid) getröften; SBenn bie $ülfe fdjeinet fern Unb bie ötatß am allergrößten, 333eun fein SJtenfcf) mir Ijelfen fann, ©o fdjau id) ben $intmel an. §©rr, aflmädjtiger ©ott, non bem alle |jülfe fommt, fo auf ©rben gefielet, bu fjaft ja gefagt: fftufe mid) ait in ber fRotfj. Stuf beinen SSefeljt rufe id) unb fage: §©rr, ßilf mir, $©rr, erbarme bidj, nimm meg bie föefünunerniffe unb bie ©orgen meiner ©eele, fdjenfe mir, mag id) tjoffe, gib mir, mag idj bitte. §©rr, eg fteßet in beinen |>änben. 333ir rüßmen ung au d) ber ©riibfale, biemeil mir mif= fen, baß ©rübfal ©ebulb bringet; ©ebulb aber bringet ©rfaßrung; ©rfaßtung aber bringet Hoffnung; Hoffnung aber läßt nidjt ju ©djanben merben. fRÖrn. 5, 3 — 5. 56 ©priittye, <5eufjer unb (Sebete in 5iöi§en ju fprec^en. SBer gofft in ©ott unb bem bertraut, $)er mirb ntnt= mer gu ©Rauben, Unb mer auf biefen Reifen baut, 0b igm fdgon fommt gu §anben Siel Unfall gie, §ab idg bocg nie $5en -Stenfcgen fetten faßen, £)er fic^ üertägt Stuf 3©fum feft; ©r ^ilft fein ©täubgen aßen. 2ldg §©rr, ^itf mir aucg nadj beiner großen ©üte unb Sarmgergigteit, icg marte auf beine |jütfe, icg goffe auf eine fröglicge ©ntbinbung, bie fielet bei bir ; fieg an micg betrübtet 3öeib unb erfreue micg mieber, tag beine ©tunbe anbrecgen, bamit icg mit frögticgem SJhinbe bir banfen möge. SDag ©ebet ber ©lenben bringet burdg bie 2Botfen, unb tagt nicgt ab, big eg ginp fomme, unb göret nicgt auf, big ber $ödgfte brein fege. ©ir. 35, 21. 2ldg ©ott, ergör mein ©eufeen unb mein Ätagen, ßag micg in meiner 9lotg nicgt gar besagen; 3)u meigt ben ©cgmerä, ©rtennft mein §erg; |jaft bu mirTg auf= gelegt, ©o gitf mir'g tragen. $panj nur ©ebutb burcg Seinen ©eift ing ^eq Unb tag micg aCtgeit fcgauen gim* ntetmärtg, gu beiner geit SBenb ab mein £eib; SDurdg ßttar? unb Sein bringt mir ber groge ©cgmerj. $©rr, atlmäcgtiger ©ott, ber bu ber ©tenben ©eufeen nidgt berfdjmägeft, ber bu ber betrübten ^er^en Verlangen nicgt beracgteft, fiege an unfer ©ebet, metcgeg mir bir in unferer SRotg oortragen, unb ergöre utig gnäbigticg. ©ott, göre mein ©ebet, unb oerbirg bieg nidgt oor mei= nem Riegen. Sfterfe auf micg, unb ergöre micg, mie idg fo ftäglicg gage unb geute. $urcgt unb gittern ij* an- fornmen, unb ©rauen gat micg Überfällen, ^f. 55, 2. 3.6. |joff, o bu arme ©eete, §off unb fei unoerjagt, ©ott mirb bieg aug ber §ögte, ^a bieg ber Kummer jagt, 9Jtit grogen ©naben rüden, ©rmarte nur bie geit, ©o mirft bu fdgon eobtiden 35ie ©onn ber fegönften 5reub, ©priic^e, «Seufjer unb (Gebete in 9Wt£en ju fprecfyen. 57 5ttfj |>©rr $©rr, bu fannft geifert, bernt bu bift ein allmächtiger (Sott; bu miHft Reifen, bu bift ja mein lieb= reifer ©ott unb SSater; ad), barum fo erhöre mid), laf) teuften bein Slntli^, fo geuefe id). ©ott fpridjt: $d) ^abe bich in ber angenehmen $eit erhöret, unb höbe bir am Sage beg peiU geholfen, ©eljet, je^t ift bie angenehme 3eit; je£t ift ber Sag be§ §eifa. 2 ©or. 6, 2. SBenn Sroft unb §ülf ermangeln muh, Sie alle Söelt erzeiget, ©o fommt unb hilft ber Ueberflufj, Ser ©chöpfer felbft, nnb neiget Sie SSateraugen beme ju, Ser fonften nirgenbä finbet Sfhih* ©ebt unferm ©ott bie ©hre* Sich ift beine ©tunbe noch nicht getommen? §©rr, mie lauge miüft bu mein fo gar oergeffen ? Sod) ich weih, mein ©ott oergiht meiner nid)t, feine £iebe ift 31t grofj, fein §ers gu brünftig; ach, um öder beiner ©üte roiüen errette mich- Sich wie fang, mie fange, ift bem bergen bange, unb oerfangt nach bir! £afj mein flehen öor bich fontmen; errette mich nach beinern SBort. $©rr, mich oerfanget nach beinern §eil, nttb höbe £uft an beinern ©efe£. Sah meine ©eele leben, bafe fie bich lobe, unb beine Rechte mir helfen, ^ßf. 119, 170. 174. 175. Ob fidj'S anlieh, afa moßt er nicht, ©0 Iah bich gar nicht fehreefen, Senn too er ift am beften mit, Sa miH er’£ nicht entbeefen; ©ein Söort Iah bir gemiffer fein, Unb ob bein §et3 fpräen ju [preßen. btd^r o attmädjtiger ©ott! 5ldj, laß beine ©nabe mir beiftetjen unb beinen 3lrm mir auSljelfen; Ijilf bu mir, o ©ott meines §eils, fo ift mir gesoffen. miß iljr trauern in $reube oerfe^ren, unb fie troften, unb fie erfreuen nadfj iljrer SBetrübniß. Ser. 31, 13. ©r mirb smar eine Söeite 9DUt feinem £roft t>er§ie^n Unb tljun an feinem £fjeile, 3llS f>ätt in feinem rt mich auf rechter ©trafjen, 3)a ich fonft irrte fehr, Reichet mir feine -fjanb; $>en Slbenb als ben borgen &hut er wich wohl oerforgen, ©ei, wo ich woß, im Öanb. Sich ja, mein ©ott, ich taffe bi«h nicht bu fegneft mich unb t)elfeft mir benn. ßajj hoch auf ben SSer^ug beiner £jülfe bie fröhliche §ülfeftunbe anbrechen, ^nbeffen miß ich anhalten mit ©eufzen unb S3eten, unb fagen: §(£rr $(£fu, hilf fiegen! ip&tv 9@fu, hilf ringen! ßSeine ©ntbinbung, mein Seben unb meine £>ülfe ftehet in beU nen £jänben. $@rr, wie lange tuißft bu mein fo gar oergeffen? SBie lange oerbirgeft bu bein Slntlijj oor mir? 2ßie lange foß ich forgeit in meiner ©eele, unb mich ängften in mei= nem |jerzen täglich? . . . ©chaue hoch, unb erhöre mich* |j@rr, mein ©ott. $f. 13, 1 — 3. Sich, mann wirft bu bich erbarmen lieber meine fernere $ein? SBann wirft bu mir gnäbig fein? Sich, wann wirft bu mich umarmen? Sich, mein ©ott, wie lang, wie lang, ©oß mir fein fo angft unb bang? Sich, mein gnäbiger unb barmherziger ©ott, ba beine §ülfe oerzieht ift mir angft, aber ich wtfl bo«h nicht Der- Zagen. 3)u bift mein SSater unb ich bein ®inb. Sich, *>er= birg bein Slugefidjt nicht länger oor mir. ©prich nur ein Söort, fo werbe ich geuefen; benn wenn bu fprichft, fo gefchieht^, unb wenn bu gebeutft, fo fteljt^ ba. §(£rr, erhöre mich gnäbiglich* 47 60 ©priidje, ©eufjer uttb ©ebete in ÜRöt^en ju f preßen. $@rr, bu bift bie Hoffnung Sfraet. . . . §eite bu midg, |jGt;rr, fo merbe icg ^eit; ^tlf bu mir, fo ift mir geholfen: benn bu bift mein Stugm. ©ei bu mir nur nicgt fdgred* lieg, meine 3uoerfidgt in ber üftotg. $er. 17, 13. 14. 17. 2Bo foU icg micg bemt menben gin? 3« bir, §@rr 3@fu, ftegt mein ©inn; 93ei bir mein §erg £roft, $ülf unb StUgeit geroig gefunben gat; Sftemanb jemals neriaffen ift, $)er ficg oertägt auf $(£fum Sgrift. 0 mein $@fu, alle meine Hoffnung fielet jegt gu bir unb gu beiner Slltmacgt; gitf mir, mein §eilanb, halb, tuenn eg bein geiliger äSiße ift; gitf mir, bag icg midg über beine §ülfe freuen fann. 0 mie roitl idg Seinen Manien rühmen unb bir lobfingen, menn bu micg gerrlicg erlöfet gaft! Sfteine 3uöerP%i fteget im tarnen beg |j(£rrn, ber Fimmel unb @rbe gemalt gat. 3eg goffe aber barauf, bag bu fo gnäbig bift; mein §erj freuet fid^, baß bu fo gerne gitfeft. $dg miß bem |j(£rrn fingen, bag er fo mögt an mir tgut. ^)ßf. 13, 6. 93in icg gu fdgmadg, tag beine £reu Sftir an bie ©eite treten; §itf, bag icg unnerbroffen fei 3nnt Stufen, ©euf= 'gen, Sieten. ©o tang ein |jer§e gofft unb glaubt Unb im ®ebet beftänbig bteibt, ©o tang ift'g unbejmungen. 0 bu getreuer $eilanb unb liebreidger SPtenfdgen* freunb, mein ^erg galt bir oor bein SBort: Sgr foltt mein Stnttig fucgen; barum fudg idg aucg, §(£rr, bein Slnttig; idg meig, bu fannft getfen unb gilfft au cg gern, barum goffe icg auf bidg, icg goffe üon einem Stugenblicf 311m anbern, Steg ®ott, tag eg jegt 3eit fein* $@rr, gitf mir nadg beiner Söarmgerjigteit. $nbeffen fteget meine Hoffnung auf bid) feft. Sfte in Vermögen ift bagin, unb meine Hoffnung am §@rrn. ©ebenfe bodg, mie idg fo etenb unb oertaffen, mit SBermutg unb ©alle getränfet bin. 2)u mirft ja baran <3$jtiic§e, Seufjer utib ®ebete in 9lötyett $u f^tcdjcn. 61 gebenfen, benn meine ©eele fagt mir'g. Ü£>a3 neljme id) gu bergen, barum Ijoffe idj) nod). $lagt. 3, 18 — 21. Sollte mtcf) ber $©rr aucfj tobten, Söffet ifyn mein §erg bod) nid)t; ©r |ilft mir auä aßen iftöttjen, ©r be* matjrt mein Seben3tid)t; Ob er ficf) fd)on anberä fteßt Unb bei fidj oerborgen f)ält, SDer mir ßeib unb ©eet ge= fdjenfet, $er ift% ber jejjt an mi$ benfet. Std) ja, mein ©ott benfet an mid), barum fpredje idj: SDer $©rr benft an midj unb fegnet mid), er laffet fein Slngeficfjt leuchten. $ft gleid^ mein SSerntögen nid)t grofj, ift bei mir feine ®raft gu gebären, fo Ijabe id) bod^ bei unb in ©ott ®raft unb ©tärfe. $d) merbe bod) meine Suft an beiner §iitfe fetjen. 35u läffeft mid) erfahren oiet unb grofje Slngft, unb madjft midi) mieber lebenbig, unb fjoteft mid) mieber au3 ber SÖiefe ber ©rbe fjerauf. $5u madjft mid) fef)r grofj, unb tröfteft midE) mieber. ißf. 71, 20. 21. 0 SSater, fief) mid) gnäbig an, $5amit id) nidjt oer- gefje; 5)u meifjt mot)I, mag id) tragen fattn, Sie’g um mein Seben ftetje; Stuf bidj, o Reifer, nur aßein Äann ftetg mein £roft gerietet fein, 0|tt bid) bin id) üertorett. Sldt) ©ott, mißft bu mid) grofje Sliigft unb ©d)mergen erfahren taffen, act), fo greif mid) nur nidjt gu heftig an; bu meifjt mein Vermögen, meine ®raft ift bir nid)t oer= borgen. O barum erquicfe mid); menn id) finfe, fo t)ebe •midf), menn idj ol)!tmäd)tig merbe, fo labe mid), menn idj mübe merbe, fo ftärfe mid). ,£)©rr, ©ott meinet Sebent, ermatte mir unb meinem ®inbe bag Seben, bafür foß beiu Spante emiglid) geridjmet unb gepriefen merben. 6iet)e, ©ott ift mein §eit, id) bin fidjer, unb fürdjte mid) nidjt; benn ©ott ber |>©rr ift meine ©tärfe, unb mein ißfatm, unb ift mein §eit. Sobfinget bem £©rrn, 62 ©prüdje, ©eufjet unb ©ebete in SRßt^en $u fyredjen. benn er l)at fid^ ^errtid^ bemeifet; foldjeg fei funb in aßen Sanben. Sef. 12, 2, 5. Unb tt»eil id) ja nad) betnern fJlati) §ier foß ein toenig leiben, So lafj mid) and) in beiner (Snab $118 mie ein Sdjäflein meibett; SDafj id) im (Stauben bie (Sebulb Unb burd) (Sebulb bie ebte |julb Sftad) fernerer SJlotl) erhalte. 9ld) ja, mein (Sott, bag ift mein Straft, baff mein Sehen ettblid) ein guteg unb fröljtidjeg @nbe nehmen toirb, barum toeil bu meine Starte, mein Sftotljfjelfer unb Erretter bift; Ijabe id) (Sott bet mir, fo Ijabe id) eine gemiffe ©rrettung. 4)arunt miß id) ftiße fein unb Raffen, burd) Stißefein unb $offen merbe idj ftarf fein. Sd) üermag aßeg burd) ben, ber rnidj mädjtig madjt, Sfyriftum. Sei nid)t ferne oon mir; benn Stngft ift nalje; benn eg ift t)ie fein Reifer. SJteine Kräfte finb oertrodnet toie ein Sterben, unb meine ^unge flebet an meinem (Saumen. $f. 22, 12. 16. §aft bit benn, S@fu, bein Slngefidjt gänglidj üerbor= gen, $)af} id) bie Stunben ber 9?äd}te mufj tourten big borgen? 2Bie j^aft bu bod), Süjjefter, können annod) bringen bie traurigen Sorgen ? — SÖtuftt bu benn, Siebfte, bid) alfo oon «fjer^en betrüben, 3Dafj id) ein toenig 51t lange bin aufjen geblieben; Reifet bu benn nidjt, 2ßie bir mein §erj eg oerfpridß, 3>id) ftetg unb etoig 31t lieben? Sa, beine Siebe unb Breite, mein S@fu, ift ber (Srunb meiner Hoffnung Unb 3uüerfid)t; bu l)aft rnidj je unb je geliebet, unb fraft beiner Siebe mir oftmal geholfen unb mid) errettet; barum tjoffe id), bu ioerbeft aud) biefeg 9Jtal mid) erquiden. Obgleich meine 9?ott) grofj ift, meine §ülfe nod) fern fdjeinet, unb oon ‘Jßattigfeit meine ßunge am (Säumen flebt, fo ift bodj in bem aßen mein §erg auf bid) gerietet, bu ioirft mid) bod) nod) fröljlid) oon aßem Seibeit erretten. ®ag glaub id), bag toeifj td); ad) §©rr, ftärfe mir (Stauben unb guoerfidjt. Sprüche, ©eufjer unb ©cbctc in 9?Ötfyen ju fpredjett. 63 2>ie ©iite be§ $©rrn ift, bafj nur nid)t gar au§ finb1; feine $8armf)ergigfeit fjat nod) fein ©nbe; fonbern fie ift äße borgen neu, nnb beine £reue ift groß. $)er §©rr ift mein Üßeif, fpridjt meine ©eefe, barum min idfj auf ii)tt fjoffen. ®Iagf. 3, 22 — 24. ©oßt e§ gfeidj btemeifen fdjeinen, 2U3 menn ©ott oerfiefj bie ©einen, ©t fo glaub unb meifj id) bie£: ©ott Ijilft enblid) bod) gemijg. |jüffe, bie er aufgefdjoben, |>at er brum nidjt aufgehoben; gilft er nicf)t gu jeber grift, §üft er bodj, menit^ nötfjig ift. 2Td), mein gnäbiger ©ott, beine ©üte ift 6ei mir nid)t nur alle borgen, fonbern alle Stugenbticfe neu, bu ftärfeft unb erf)ältft mich augenbfidfid). feie fönute id) ohne bid) biefe§ aßeä oerridjteit, bexn $fuffefjen bemafjret meinen Obern, bu ftärfeft $auipt nnb |wnbe. 2)arum bin id) nidEjt oerlaffen, ©ott meidjet nid)t non mir, unb idj meid^e audj nidjt oon ©ott. 2)arnm mirb and) meine $ülfes ftunbe halb fjereiitbredjen, toeif id) ben bei mir fjabe, don bem ade |)itlfe fommt. ©rf)öre midj, menn id) rufe, ©ott meiner ©eredjtig* feit, ber bu mid) tröfteft in Slngft; fei mir gnäbig, unb erf)öre mein ©ebet. ©rfennet bocf), baf) ber §©rr feine ^eiligen rounberlidj führet; ber £>©rr fjöret, menn id) if)n anrufe. ‘ißf. 4, 2. 4, ©ei getreu in beinern hoffen. §ifft gfeid) ©ott nicht, mie bu mißt, ©r l)at bafb ein Mittel troffen, $)afj bein SBünfdjen merb erfüßt. ... $>rum getreu, getreu au§|atten SJiufjt bu beinern lieben ©ott; $fjn mufft bu nur laffen malten, 223enn bu nic^t mißt hoben ©pott. 9tufe nur, ©ott ift fcfjon ^ier, ©ein $erg bridft if)m gegen btr ; Sftufe nur, ©ott ift üorhanben, Hoffnung mad)t ja nid)t gu ©djanben. 2ld), mein ©ott, id) meifj, bafj bu midf) aßegeit erfjöreft, barum miß id) bir oertrauen in meiner ferneren $eit; 64 ©prüctye, ©eufjer unb (Sefceie in -Köthen 31t fyrecfyen. menn Barte Stürme tomnten, fo miß id) bir getreu auS= Ratten* ^rüfjreft bu mid) munbertid), fo fütire mic^ nur felig; id) meiß, bu bift unb fteljeft neben mir, ob bu gleidj bid) mit beiner $ülfe nod) nidjt offenbareft; id) fpred)e inbeffen im (Stauben: ©ile mir beiguftefien, |>©rr, meine §ülfe! $)er |>©rr ift freunbltd) bem, ber auf ü)n ßarret, unb ber Seele, bie nad) ißm fraget ©S ift ein föftlidj 35ing, gebulbig fein unb auf bie $filfe beS §©mt hoffen, tlagl. 3, 25* 26* 3cß meiß, bu mirft in beinern Sinn Stets äftitleib mit mir tjaben Unb mid), tote icfy’S bebürftig bin, StJlit ©nab unb $iilfe laben. %d)f ftärfe meine fcßmadje |)anb, $ld), Beil unb bring in beffern Stanb 2)aS Strau^eln meiner Pße. 3a, mein (Sott, auf bid) Barrel meine Seele, unb mein Vertrauen manfet nicBt. $)u fremibltd)er 3©fu, erquide mid) mit beiner $reunblid)feit in meinen ^tötBen, richte auf bie manfenben $üße, ftärfe bie matten |)änbe; id) Boffe auf beine ©üte, id) märte auf bein §eil, id) tröfte * mid) betner ©nabe! 0 bu ©ott aller ©naben, ber bu uns tröfteft in Slngft, laB mir 33armBergigteit miberfa^ren. 3d) rufe gu bir, baB bu, ©ott, moHeft micB erhören; neige beine Of)ren gu mir, BÖre meine Sftebe* 33emeife beine munberltd)e ©üte, bu §eilanb berer, bie bir toer= trauen* . . . 33eBüte mid) mte einen Slugapfel im Sluge; befdjitme mid) unter bem Statten beiner 0-Iügel. fßf. 17, 6—8* 3eud) mid), geud) micB mit ben Ernten deiner großen greunbli^feit; 3©fu S^rifte, bein ©rbarmen |)elfe mei= ner Sölöbigfeit* SBirft bu mid) nid)t gu bir giefjen, 3td), fo muß id) öon bir fließen* 3eud) mid) mit ben ßiebeS= feilen, $eud) micB fräftig, o mein ©ott! $ld), mte lang «Spriidje, Seufger uttb Öiebeie in SßÖt^en gtt fpredjen. 65 miEft bu oermeiten, ©tarier ©ott, ^>err ,3e6aotJ) ? $)od) id) tjoff in ollen Sftöttjen, SÖenn bu mid) gleich rooüteft tobten. 2lct) $©rr, bematjre oor Ungtücf midj unb mein $inb, bebecfe un! beibe mit beinen ©nabenpgetn, tjöre mein Seufzen unb tjilf mir. SBerbeit bie -iftötfje nod) heftiger, fo ta| audj fräfttgere §ütfe erteilten; id) oertraue bir bennod), ob el gteid) fd^eirtet, at! ob bu mp tobten moEteft. D beine £janb ift nid)t oerfür^t, id) fef)e nictjt auf mein Unoermögen, fonbern auf bid) gnäbigen, ftarfen unb barmt) erjigen ©ott. ©ott oertejjet, unb oerbinbet; er aerfdjmeifiet, unb feine $anb feitet. 9tu! fedj! £riibfalen mirb er bid) er* retten, unb in ber fiebenten mirb bid) fein Uebet rühren* $iob5, 18. 19. SBalb mirb mir |>ütfe merben; 2Ba! foE ber feige 2Jhttf)? -Kadfbem id), mal auf ©rben, ©rtitten, mirb el gut. $>ann merb idj fröpd) fingen: 2tnf ©ott fjab idj gebaut, 2)rum muff e! mir getingen; SSSotjt bent, ber ©ott üertraut. 2ld) ©ott, bie oorige fo oftmat mir geteiftete §ütfe madjt mir Sttutf), bafj bu aud) biefe! 9ttat merbeft mein ©ott, ©rretter unb 33eiftanb fein, $>u bift ja nod) fo ftarf, all bu normal! gemefen; tjaft bu fo nieten geholfen, fo bemeife audj an mir beine ©üte; fo foE itadE) ber §iitfe mein SJhtnb noE Stürmen! fein, unb idj miE fagen: 3)al fjat ©ott gettjan, ber 9iame be! $©rrn fei gelobet! $)er $@rr, bein ©ott, ift ein barmtfergiger ©ott; er mirb bidj nidt)t taffen, tiodj nerberben, mirb audj nidfjt oergeffen bei SBunbel, ben er beinen Tätern gefdjmoren t)at. 5 3Rof.4,31. 3®fu, mein ©rretter, fietje, S33ie oft idj in 9?ötf)en bin; $tdj, bu biffl, gu bem id) fließe, ©onften meifj idj 66 ©prüdje, ©eufjer unb ©ebete in 9ißt§en gu frechen. nirgenb§ t)in; $5arunt fürdjt idj feine 9Zotfy, Äeine ©d)mer= gen, Äreug unb £ob; 2lu3 ben größten Seibenäfetten 2Bei^ mein $Grfu§ mid) gu retten. 5ldj, mein SSater, gebenfe an ben 23unb, ben bu mit mir in ber Ijeiligett iaufe gemalt Ijaft, gebenfe, baß bu mein $ater bift, unb idj bein ®inb. $(£fu, gebenfe baran, baff bu mid) gemafdjen unb vereiniget Ijaft mit beinern Zeitigen 931ute; gu bir flief) id), unb fletje bicf) um .Jjülfe in meinen 91ötl)en an, ad), errette mid) ! ad), erquide midj ! ad), erfreue mid)! $)er §@rr oerftöfjt nid)t emiglid); fonbern er betrübet moljl, unb erbarmet fidj mieber nad) feiner großen ©üte: $)enn er nidjt non bergen bie Sttettfdjett plaget unb be= trübet, ®lagl. 3, 31—33. !ftidjt beffre $reu auf (Srben ift, 2)enn nur bet bir, fGcrr $©fu ©f)rift; $dj meifj, baß bu mich nidjt oerläfjt, ein Sroftmort bleibt mir einig feft; $£)u bift mein rechter, treuer |jirt, &er emig mid) behüten mirb. $ld) ja, mein |jirt mirb fein ©djäflein, unb mein SSater fein ®inb nidjt nertaffeit; Ijaft bu mid) betrübet, mein (SJott, adj, fo erfreue mich aud) mieber, Ijaft bu mir ben ©egen gegeben, fo lafj mich il)n aud) erblicfen; lege mein ®ittb, o $Gtfu, mir lebenbig in meine Slrme, id) miU e§ bir burd) bie Ijeilige £aufe mieber in beine ßiebe^arme legen, unb bir miebergeben, ma§ bu mir gefdjenfet Ijaft; ift e3 mein nad) ber 91atur unb leiblidjett ©eburt, fo foÜ e§ bein merben nad) ber Sßiebergeburt. belobet fei ber §@rr täglid). ®ott legt un£ eine Soft auf, aber er Ijitft un§ aud). ©ela. SSir l)aben einen ®ott, ber ba f)ilft, unb ben $Grmt §@rrn, ber oom “Jobe errettet. fßf, 68, 20. 21, ©djidt er mir ein ®reug gu tragen, bringt herein Stngft unb $ein, ©oüt id) brum oergagen? &er e§ fdjidt, Sprüche, öeufjer unb ©ebetc in -Rotiert ju fyredjen. 67 ber mirb e3 menben; ©r meifj moljl, 2Bie er foß W mein Ungliicf ertben. |>©rr, bu f)aft biefe Saft mit aufgelegt, adj, nimm fie mir audj rnieber ab; bu bift ja ber Reifer unb bie3u= flud^t aller ©laubigen. £ mie leidet ift e§ bir, mid) ju entbinben, bie 33anbe 51t löfen, bie £f)ür aufptljun; bei bir ift nid)t§ unmöglid), lajj mid) in biefem Vertrauen auf bid) beftänbtg bi§ jur ©tunbe meiner ©rlöfung »erharren. ßtufe midj an in ber SRotfj; fo miß idfj bijuf<|lagen.) Jtnbttdjtm für Höd)nerinnen. Sie SßJöd)nerin banfet ©ott fite i&re gIMidje ©nt= binbung. Aufmunterung. „©in SBeib, . . . menn fie ba3 $inb geboren ßat, benfet nid^t nteßr an bte 2lngft um ber $reube mißen, baß ber Sftenfd) ^ur SBelt geboren ift"; atfo fagt ber -ißhtnb ber SBaßrljeit, ©fjriftuS ($of). 16, 21.). $>iefeS läßt audj ©ott gottfetige ©ßefrauen empfiitben, baß fie nad) ber gtüdlidjen ©ntbinbung aße3 trauern untertaffen unb ©ott tjod) greifen. ie 28iS<$nenn banfet (Sott für il)re gfürflicbe (Sntbtnbuitg. 69 ißre ©eburlgfcßmergen abgefürget unb getinbert ßat ©ie foßen 3) ©ott bauten, baß er fie ißr ®inb mit gteuben ßat erblicfen taffen, ober fo eg ja tobt märe, baß eg ©ott gur emigen $reube unb §errlicßfeit aufgenommen, unb ifjm nacß feiner 33arm^ er^igf eit für bag irbifcße ßeben bag ßintmlifcße greubenleben gegeben ßabe. ©ie foßen 4) bie ißnen oon (Sott gefd^enfte ßiuße burcß $ormiß ober ©eig, ober unnötßigeg Umßergeßen unb Semüßungen nicßt brecßen, fonbern biefet be genießen unb anneßmen. $)enn menn manche Äinbbetterinnen tn ben ißnen oon (Sott beftimmten fftußetagen ficX) oftmalg moßen groß ntacßen mit 2lug= unb ©iugeßen, fo faßen fie in gefaßt ließe $ranfßeiten, be!ommen befcßmerticße ßeibegfcßäben, ungtüdXicfie Bufäße, unb bann mögen fie eg ficß felbft unb ißrem $ormiß gußßreiben unb ben ©cßaben tragen, baß fie ßaben meifer fein moßen afg (Sott, ber ißnen eine 9tuße georbnet unb für nötßig erachtet ßat, fie aber bie= felbe für unnötig gehalten unb oeradßtet ßaben. SDaßer aucß bie ©ßemänner ißre ©ßemeiber in folcßer ßtuße uidßt ftören, fonbern ©otteg Orbnung, melcßer ben ©ecßgmöcß= nerinnen befohlen, 3 äftof. 12, baßeim gu bleiben unb fidß 51t erßolen, treuließ nadßfommen, unb fie 31t feiner Arbeit anftrengen, ober oor ber Beit ißr Söocßenbett gu oerlaffen nötßigen foßen. 3lucß foßen bie SSöcßnerinnen 5) ©ott täglicß anrufen, er moße fie unb ißr ®tnb oor aßem Uebel unb Unfaü bemaßren, unb atfo ficß unb bagfelbe in fleißi= gern ©ebet ©ott empfeßlen. ©nblidß foßen fie 6) audß ©ott um ©efunbßeit unb neue Kräfte bitten, baß er nacß ©rlangung berfelben fie einen frößließen $tug= unb ®ircß* gang moße ßalten laffen. Slßmäcßtiger, großer unb ftarfer ©ott, icß erfeßeine aßßier mit ^reubett oor beinern aßerßeiligften Wngefidßt, unb lobe bieß für bie ßerrlicße unb große 2ßoßttßat, bamit bu midß begnabigt ßaft. $dß greife bieß, baß bu meine 70 2>it SBödjnerin banlet ©ott für tfit« glücfltctye Sntbinbung. ©eburtgfdfmergen gelinbert, mid) frötjlid) entbunben, unb in ber ©eburt beine §anb über mid) gehalten tjaft. wie grog ift beine $lUmad)t, wie tjerrlid) ift beine Starte! 35u |ietteft mid), ba id) finfen wollte, bu erquicfteft mid), wenn id) fdjwacg unb of)nmäd)tig werben wollte, bu ftärfc= teft mid), wenn alle Kräfte baljin waren. 3?a, bu gaft alleg gerrtid) auggefügret, mein Äinb mir gefdjenfet, mein ßeben mir erhalten, atleg Unglüd abgewenbet unb mid) nun nad) SSunfd) erfreuet, ßobe ben |j©rrn, meine Seele, unb wag in mir ift, feinen fjeiligen tarnen; lobe ben §©rrn, meine Seele, unb oergig nidjt, wag er bir ©uteg getgan gat. S)er §©rr gat ©rogeg an mir getgan, beg bin id) fröglid). ©elobet fei ber $©rr, benn er gat er¬ höret bie Stimme metneg $legeng; ber §©rr ift meine Stärte unb mein Scgilb, auf ign goffet mein $erg; mir ift geholfen, mein |)erg ift fröglid), unb id) will igm ban= fen mit meinem Siebe, kaufet bem |>©rrn, benn er ift freunblidj, unb feine ©üte währet ewiglidj ; fo Jaget, bie igr erlöfet feib burd) ben |j©rrn, benn feine ©üte währet ewiglidj, bie er aug üftotg erlöfet gat, unb bie gum §©rrn riefen in igrer -iftotg, unb bie er errettet aug igren 2leng= ften, bie Jollen bem |)©rrn banfen um feine ©üte unb um feine SBunber, bie er an ben äftenfcgenfinbern tgut, unb $)ant opfern, unb ergäben fein SBert mit $reuben. 3a, mein ©ott, id) ergäbe feilte bein 2öer! mit ^reuben, unb Jage: 38ie foü icg bem $©rrn oergelten alle 2Bogt= tgat, bie er an mir getgan gat? 2ld), mein ©ott, lag audf) ferner beine Sarmgergigfeit an mir grog werben, befcgüge, ftärfe unb erhalte micg and) in biefem meinem äßocgenbette. Sieg, bewahre mid^ unb mein ®inb oor allem Unfall, öor ®rantgeiten unb fonftigen gefährlichen Zufällen. Sdjenfe mir meine oerlorenen Kräfte halb wieber, unb lag midi) jeben £ag ftärfer werben. O bu ©ott aller ©nabe unb Sarmgergigteit, breite beine ©na= benflügel aug über mein $aug, bewagre eg oor geuerg*' unb Söaffergnotg, über mein SBocgenbette, unb tag mid) 25ie SBöcfinerin banfet ®ott für i§re glücflic^e Sntbinbung. 71 barin gefunb meine 3eit im ©ebet unb in beiner f}mrcEt Einbringen. SDZein Äiitb aber rootteft bu gu beinern ißreig unb gu beinern fftuEm erEalten, unb mir ©nabe berieten, bafj ifE bereinft mit erneuerten £eibegfräften unb guter ©efunbEeit meinen ^ircEgang Ratten, in beinern Tempel erfd)einen unb Oor beinern SlngeficEt mein freubigeg Sob= unb $)anfopfer abftatten möge. iftun banfet alle ©ott mit bergen, Sftunb unb $änben, ber grofje SDinge t^ut an ung unb allen ©nben, ber ung non Mutterleib unb $inbegbeinen an uttgäEIig Diel ^u gut unb nodj jepunb getEan. Slmeit. (Hefattg* 5D?el. : 9hitt freut eud), lieben (Triften g’ntein. 1. ©elobet fei ber grofje ©ott, S)er |jülfe mir gefen= bet, 3)er meine grofje Hngft unb ÜftotE |>at gnäbig ab * gemenbet, 2)er mein betrübt ©efcErei erEört Unb meine Sitte mir gemäErt. Sobt feine ©nab unb ©iite! 2. ©r ift in biefer Seibengjeit 9Jtein 23eiftanb rec^t gemefen, 3)urcE feine grofje ©ütigfeit 33in id) nunnteEr genefeit; 5ld), feljet ©otteg Sßunber an, 333ie er fo Een> lid) ^etfert fann. ßobt feine ©nab unb ©üte! 3. 9Bie mar mir botfj fo angft unb bang, $5ocE murb id) nicEt neriaffen; ©g bäumte mir bie 3eit 5U lang, Sllg mir in sJtötEen fabelt; 9hm ift öerfeErt bie SftotE in §reub, 3)ie $raurigfeit in ©üfjigfeit. ßobt feine ©nab unb ©üte ! 4. 3a, feine ftarfe ©ottegEanb §ab xd) jept recEt ge= fpüret; Sllg SD2enfd^en4»üIfe gar nerfdjmanb, $at ©ott bag Süßer! gefü^ret. ©cEnetl fanb ftd) feine |)ülfe ein Unb tränfte micE mit $reubenmein. Sobt feine ©nab unb ©üte! 5. $)arunt mtH i(E su feiner 3ett, 0 großer ©ott, nergeffen, 2)afj icE in meiner Slngft unb Seib 3n beinern 0d)ooB gefeffen; 3d) fafi in beinern ©djoofje moEl Unb mar auf bitfj Sertraueng tmß. ßobt feine ©nab unb ©üte! 72 3>ie JBödjrtertn Betet i§r SRorgengeBet. 6. (Bott fei gelobet uttb gereift, $ie SftotE ift nun oerfdjtounben; Ser ade Sanbe leidjt äerreißt, £)er ^at mid) aud) entbunben. 0 großer ©ott, idj baute bir; ©o bautet, banfet ©ott mit mir. Sobt feine ©nab unb ©üte! 7. $a, id) miß nun mit Sob unb ißreig 2)ie $eit mit ©ott Einbringen, |>infüro aud) mit adern prleiß S)ie große ©nab befingert* 3d) mid iEn loben, too ic^ geE, Sd) toid iEn loben, ujo idj ftet). Sobt feine ©nab unb (Bitte! 8. 0 großer ©ott, icE banfe bir $ür bein getreueg Sieben, $)aß bu fo gnäbiglicE bei mir $n meiner SftotE geblieben, Unb nunmeEr nücE baüon befreit. 5Dir fei Sob, Sßreig in ©loigfeit. Sobt feine ©nab unb ©üte! $te äBödjiteriit Betet if)r SDiorgenge&et Aufmunterung. ©od beten unb ©ott anrufen bie tägliche Arbeit eineg jebett frommen (SE^tften fein, nne oiel meEr fod eine ©e(E&= möcEnerin mit ©ebet ben Sag anfangen unb fdjließen; fonberlicE, ba in biefem ©tanbe iEr unb iErem $inbe fo oielerlei begegnen fann. Söenn fie aber ficE unb iEr ®inb in bie §anb ©otteg empfoElen Eat, fo fann fie audj befto getrofter auf bie göttlid)e §ülfe fid) oerlaffen. ©g fod bemnacE eine ©ed)gmöcEtterin am borgen 1) ©ott banfen für bie oerlieEene SftadfjtruEe, unb menn biefelbe oEne ju* rüdgebliebene ©(Enterben oodbradjt ift, fod fie 2) fid) unb iEr ®inb ©ott übergeben unb anbefef)len, baß er fie beEüten, fegnen unb bemaEren toode. ©ie foU and) 3) mit guten ©ebanfeu ben £ag Einbringen unb bie beftimmte Stu^e mit 3)anffagung genießen. Unb fo ja nodj 93e= fcEtoertidjfeiten übrig ttmren, tueld^e ficE nacE ber ©eburt einguftnben pflegen, fo fod fie 4) biefetben mit ©ebulb ertragen, unb glauben, baß ber ©ott, ber fo Eerrlid) fte aug ben 9tötEen geriffen, bag übrige SöeEe au«E in ©na= ben abroenben toerbe. 2>ie SSödfnerin betet ifyr 3Jtorgengebet. 73 © e b et* 0 bu gnabenreidjer ©ott, Sater, ©ot)n unb Zeitiger ©eift, id} ergebe itt biefer Sftorgenftuitbe 311 bir mein §erg, meinen Söiunb unb meine §anbe, unb ban!e bir für ben gnäbigen ©cf)u|, ben bu mir biefe -ERacht geteiftet tjaft. 2)ein ©ngel |at um mein Sette gemalt, bafj mid) fein Unfall gerü^ret; bu fjaft mid) unb mein ®ittb bemafjret, unb mich biefen borgen fröhlich mieber bie liebe ©onne erbtiefen taffen. §©rr $©rr, mie grofj ift beiue ©üte, meld)e alle borgen neu ift! 3)eine ©nabe t)at mid) bie 9?atf)t umgeben, bein ©cfjuh ift um mid) gemefett, unb beiite Sarm^ersigfeit fjat mief) bebedet, bafj id) uttbefd)ä= bigt bin ermatten morbett. 9Zun, baS fyat ©ott getf)an, ba£ ift ein 2öerf feiner Siebe unb £reue. 3)arunt auf, mein ©eift unb meine Beete, unb tobe ben |)©rrn, ber bir fo biel ©uteS getrau hat. $©rr §©rr, bu bift immer= bar unb aud) biefe 9fad)t mein Seiftanb gemefen, bu tjaft beiue §aub über mid) gehalten, id) ^abe erfahren, mie gnäbig, mie ftarf, mie allmächtig, mie liebreich unb gütig bu feieft. |j©rr $©rr, idj miß nimmermehr oergeffett, maS bu mir ©uteS getl)an tjaft* 3ch miU ben |)©rrn toben allezeit, fein Sob fott immerbar in meinem SOhutbe fein, meine Beete fott fid) rühmen beS §©rnt, baj? bie ©lenben es hören unb fid) freuen, greifet mit mir ben |)©rrtt, unb taffet uns mit cinanber feinen tarnen er* höhen. $)a ich ben §©rrn fudjte, antmortete er mir, unb errettete mich aus aller meiner 5urd)t; ba ich ©lenbe rief, hörete ber §©rr, uttb half mir aus alten meinen •ftöthen. $)arum fott auch mein Sttunb oott Rühmens fein, unb mein §erg fott ihm bauten, ja, ich miU mit ge= falteten .gänben feine ©nabe greifen, Stber ach, $©rr |>©rr, tafj mid) auch biefen E£ag beinern gnäbigen Sater= fdjufc befohlen fein, 3d) befehle bir meinen Setb unb meine ©eete; ach, bemahre meine ©eele unb mein ©e= müth uor fdhmeren ©ebanfen, 5lngft uttb Setrübnifj, lafj hingegen Seinen ^eiligen ©eift in meinem ^er^en tool)5 74 2>ie 5Böd)nerirt Betet t£)t SJtorgengeBet. nen, baäfelbe Zeitigen, mit tjtmmtifdjem &roft unb mit O-reube erfüllen, bamit idE ben £ag in beiner ^urdjt, mit innerlictjem ©eelenöergnügen in ber Siebe $©fu unb in ftnblidjer gufriebenEeit möge Einbringen. ©or allem UebeL ,£j©rr ©ott ©oEn, ber SBelt §eilattb, erbarme bicE über micE/ fet mein grürbitter, mein {^ürfpred^er, mein 3©fu§, mein ©elig* macEer, unb lafc beine ©nabe, mie einen freien XEau, biefett £ag micE erquiden; fteEe mir bei, ftärte micE unb erEalte micE. $@rr ©ott ^eiliger ©eift, erbarme bidE über micE, bete xn mir, unb gib geugnifj meinem ©eifte, bafj itf) maErEaftig ein $inb ©otte3 fei 9£un, ber §©rr fegne micE unb behüte micE; ber $©rr erleudEte fein 5ln= gefidEt über micE, unb fei mir gnäbig; ber §©rr erEebe fein SlngeficEt auf miie SftacEt ift nun öerfdEmunben, ©3 Ea* fidj ein* gefunben $a3 SidEt, ber Xag, bie ©onne Unb $©fuä, meine Söonne. 2. SJtein $©fu§ mar mir naEe, Sll3 icE bie ©onn niie ffiöd&nerin Betet i§r StBenbgeBet. J)ic SBödjncrm Betet fljr SIBenBgeBet $1 uf mu tttcr uttg. TO bort bie jttjeen jünger $©fum ben £ag über bei fid) gehabt Ratten, fo wollten fie i^n aud) nid)t am Slbenb twn fid) taffen, fonbern fpradjen: SBteibe bei un3, §©rr, benn eä witt Slbenb werben, unb ber £ag fyat fid^ geneiget. Suc. 24. Sltfo fott and) eine SBödjnerin mit ©ebet ben $ag anfangen unb befdEjliefjen, unb bie befonbere ©naben* gegenmart if)re3 ©otteg fic^ gum ©dju£ in ber beoor* fte^enben 97adE)t erbitten. 1) ©ott fie ©ott bauten, baft er ben £ag über fie t»or ©djmergen unb Zufällen, uttb itjr ®inb twr Unruhe bewahret, ©ottte aber ©ott it)r nad) feinem Slatlj nodj einiget Seiben äugefdjidt traben, fo fott fie 2) ifyn greifen, baß fie unter feinem Sßeiftanb baöfetbe au^ftetjen tönnen, unb ben Slbenb erlebet t)abe. hierauf fott fie 3) fict) unb iljr ®inb bem ©dju£ beä bret- einigen ©otteä in ber beöorftet)enben 97adjt empfehlen, ©ewifi, finb atte Unglüdföfätte un$ ttftenfdjen gefätjrlidE) unb betrübt unb oerurfadjen ©dfjrecfen, wie oiel mef)r einer 2Böd>nerin, meiere unoermögenb ift, einer ©efatjr gu entlaufen, unb gu fct)Wad), melertei ßeiben au^uftetjen. ©ie fott fobann 4) nad) bem ©ebet, otjne fidt) fetbft ©orge, Slngft, $urd)t unb ©d^redEen unb eine fcblimme 97adE)t gu machen, in ben Slrmen unb in bem ©djoofj ifjreS lieben ©otteä etnfdE)Iafen, unb audE) bei bem Hufmacfyen an ©ott benten, fidj in i^m erfreuen unb fidj ifym ergeben. (Bebet. $©tr, attmadjtiger ©ott, wie fott id^ bir genugfam bauten für beine Siebe unb ireue, bie bu mir ^ute er* miefen ^aft? $d) tja&e aU£B biefen $ag unter beinern ©d)tt£ gliicftidE) Ijingebradjt, idj §abe ben Slbenb frö^tid) erlebet, bie ©djmergen unb Söefdjwerlicbteiten meines ©tanbe§ Bflfi bu mir ^etfen tragen unb überwiubeit, bu ^aft mief) befdfjü^et unb bewahret, bu bift mein unb mei= Die SBöcfynerm betet t§r 5äbettb gebet. 77 neg Äinbeg gnäbiger Sater, ©dpfcgott unb 33eiftanb ge« mefen. |j©rr, ba id) gu btr fdpie, macpeft bu mid) gefunb. 2>n pft mir meine Älage oerroanbett in einen Zeigen, bu pft mir meinen ©ad augge^ogen, nnb mid) mit ^renbe gegürtet, auf bafj bir tobfinge meine ©pe, unb nicp ftiöe merbe. |)©rr, mein ©ott, id) miß bir banfeit in ©migfeit. §aft bu aber nad) beiner Sarmprjigfeit ben 2ag über mid) mit beinen ©nabenflügeln bebedet, adf), fo breite aud) beine ©üte in biefer 9tocp über mid) aug, bepte mid), mein $aug unb alle bie Peinigen oor Ungtüd, ©efap unb ©dpben. Ser^eip mir and) in ©naben afleg, mag id) biefen 2ag mit ©ebanfen, SBorten unb SBerfen miber bid) getpn pbe. Sd) miß mid) nun legen, o ©ott aCter ©nabe unb Sarmprsigfeit, in beine 5lrme, unb miü fpedjen: $d) liege unb fdjtafe ganj mit ^rieben, beim bu allein, $©rr, Ijilfft mir, bafj id) ficpr mope. Sefiep beim ©ngel, bafj er fomnt unb ung bemadE), bein ©igen« tpm; gib ung bie Heben SBäcper su, baf) mir norm ©atan pben 9tup fo fdjlafen mir im tarnen bein, bie« meil bie ©ngel bei ung fein, ^a, o großer ©ott, in bei« nem tarnen miß id) jep einfd)Iafen unb meine Stugen fdjliefjen; ad), madp bu fetbft um mein Sette, unb treibe gurüd alleg, mag meine fftup ftören fann. 0b aber mein Seib fdjläft, fo foU bodl) mein ©eift immerbar gn bir matten unb bei bir fein unb in bir fein Vergnügen pben. §©rr ©ott Sater, lafc mir bein Saterprg biefe 9Zad^t offen ftepn, bamit id) im ©c^lafe an beiner SlUmacp, ©üte, Siebe unb Sarmpr^igfeit mid) erfreuen möge. §©rr Sffifu, bu Sicp meiner ©eele, umleucpe mid) aud) biefe liftacp mit beinern pmmlifdpn ©nabenlidp, bafj id) beiner Sönnben, beineg Sluteg mid) tröften, bein lieblid) $©fug= bilb in meinem §ergeit bemapen unb bamit einplafen möge. 0 mertpr ^eiliger ©eift, ermede in mir aud) pilige Segierben unb Verlangen, finge unb bete in mei« nem bergen, unb oerfiegle mir ben 2roft, bafj id) ein ®inb ©otteg fei. 0 bu breieiniger ©ott, lafj mid) alfo 78 3)te Söhnerin betet i^r 3lbenbgeBet, in beiner Siebe einfd^tafen, in beiner ©nabe fanft rügen, auf bafj, menn ieg ermäße, ieg annocg bet bir fei. Sag mieg ben borgen lieber fröglicg unb gefunb erbliden, ba ieg atäbann bir banfen unb bieg für aße beine mir an Seib unb ©eele ermiefeneu SSogltgaten loben unb greifen miß. 3)ie ©nabe beä SSaterä fc|ü|e rnid), bie Siebe $©fu bede mieg, unb ber SSeiftanb be§ merken ^eiligen ©eifteä ftärfe unb erhalte mieg. 2)er £ag ifi gin, mein $©fu, bei mir bleibe; o ©eetenliegt, ber ©ünben Sfacgt oertreibe; geg auf in mir, ©lang ber ©ereegtigfeit, erleuegte mieg, adf) |j©rr, benn e3 ift 3eit. 2)u feglummerft nicgt, menn meine ©lieber fcglafen, acg, tag bie ©eel im ©cglaf aueg ©ute§ fegaffen; o Sebenafonn, erquide meinen ©inn; ieg tag bieg nicgt, ba nun ber £ag ift gin. Simen. (4$ e fang. 2M. : D (Sott, bu fronrater ©ott. 1. |)©rr 3?©fu, magrem Siegt, 3)er £ag ift nun oer= gangen, ©3 ift nun eingefteßt $>er golbnen ©onne pran¬ gen; $©rr 3©fu, magreä Siegt, Sieg, rneiege nicgt oon mir. Sag mieg oereinigt fein Sind) biefe Sladgt mit bir. 2. $)ir leb ieg, meil ieg leb, |jaft bu mir boeg mein Seben ©ammt beineS ©egeng ©trom Slu3 groger §utb ge* geben; 2)ir leb ieg, ©eetenfreunb, 2)tr leb ieg nur aßein, Sttein §erg unb ©eele foß, §©rr, beine SBognung fein. 3. §©rr $©fu, gib mir aueg $n biefer Staegt ben ©egen; Sieg, bede bu mieg gu, $eg miß gur Slug mieg legen. |j©rr $@fu, bleib bei mir, Shntmegr, fieg, e§ mirb Staegt, f>ab bu auf ©eel unb Seib, Sftein |jeilanb, gnäbig Siegt, 4. $ir ft erb ieg mißigtieg, SSenn ieg bereinft foß fterben, 2)enn bu gaft mieg gemaegt $u beinern |)immel&= erben; 2)ir ft erb ieg jeben £ag, Unb fterb ben ©ünben ab; 3m ©terben leb ieg bir, Söeil ieg bieg, 3©fu, gab. 5. $5 ein bin ieg £ag unb Slaegt; 2)eS £ag§ mirft bu mieg leiten.. Steg, meieg beg Steegtg aueg nidgt, ßftein ©ott, oon meinen ©eiten. $ein bin ieg aßegeit, ©e= 2)« SBö^nerin trägt ©ott im ©e6et i^r Jtrnb bor. 79 funb, franf unb betrübt; 3d) meig in jebem Staub, Sag mid) mein 3©fug liebt* 6. Stobt unb int ©rabe fein, pflegt anbre gu er- fdjreden; Sod) aug bem ©rab unb Stob SBirb §©fug midj erwetfen; Sobt unb begraben jein fRuft ung bag Sette ju, Sod) $©fug wedt mid) auf Son Sob unb , Scglafegrug. 7. Sebenbig toerb id) audj Hug meinem Sett auf- ftegen Unb nad) genoffner fftulj Sag Siegt ber Sonne fegen; Sebenbig bringt micg and) Stein $©fug aug bem ©rab, Sacgbem in feinem Srrn 3cg auggefcglafen gab. 8. Simen, erhöre mid), Unb laß itnicg füg einfcglafen, Stonb aüeg Unglüd ab Surcg beiner ©ngel Stoffen; Simen, nimm auf bein $inb, Stit $©fu fcglaf id) ein, Stein $©fug foH im Stglaf 3n meinem ^erjen fein. Sie Söhnerin trägt Sott tut @c6et if)r Sinb Bor. $1 uf uiuutcruug. SJenn ©ott ben ©Item Äinber gegeben gat, fo geget nidjt allein bie Sorge für fie an, fonbern eg finbet fic^ audj bei ignen eine Siebe ju ber Äinber ^eitticfiem unb ewigem |jeit unb ein Verlangen nadj igrer Stoglfagrt; biefeg alleg aber muff mit ©ebet non ©ott erlangt werben, weil e8 mit gehöret unter bie guten ©aben, bie non oben gerab fomtnen, non bem Sater beg Sicgtg. ©g foH bemnaeg 1) eine fromme Stutterigr ueugeborneg ®tnb ©ott bemü- tgig empfehlen, unb ign bitten, bag er eg wolle jur gei= ligen Saufe gelangen laffen, unb in berfelben in feine Sirme alg fein $inb, unb gu feiner pflege, ^ürforge, Siebe unb ©nabe aufnegmen. Söffet eg ©ott an Sauren gunegmen, fo mug eg 2) in bag Slbenb* unb Storgen= gebet, ja, aud) in bie täglidjen Seufzer eingefdjtoffen wer= ben, bag eg ©ott wolle mit feinem ^eiligen ©eift regieren, ignt ein frommeg $er§ nerieigen, gute ©efunbgeit, Stodjg= 80 ©e&et, toemt baä ßtnb jut Saufe gelangt. t^urn unb ©ebenen geben, feine geraben ©lieber erhalten, unb eg oor Unglüd; unb ©traben bewahren. $5ag ©ebet unb bie ©orgen frommer ©Itern nehmen 3) mit gunef)= menben fahren gu, baß ihre ßinber mögen in ber d£jrift= XidEjen ßefjre unterrichtet, gegriinbet unb gu ber ©rfennt* niß 3©fu ©hrifti gebraut werben, meieren ©chajj ihren Äinbern mitäuttjeiten fie weber Unfoften, noch SO^iitje, nod) $leiß fparen follen. ©efjen fie in bie $rembe, ober fom* men unter bieSBettfinber in ben (patern fahren, fo nehmen bie ©orgen ber ©Itern gu, aber eg muß auch ba 4) befto eifriger gebetet werben; ba machen eg fromme ©Itern wie |)iob, welcher alle $tbenb ein Opfer für feine ®in* ber brachte, um ©ott angurufen, er woUe feinen ®inbern gnäbig fein unb ihnen ihre ©ünben oergeben, ©g rufen fromme ©ttern ©ott an, er wolle ihre Äinber oor Ver* führung bewahren, er wolle fie in feine fdjweren ©ünben unb ©chattben fallen laffen, er wolle fie burd) feinen guten ©eift auf ebener Vaßn leiten, unb eg ihnen laffen geifc lieh unb ewig Wohlergehen, ©ie haben aud) 5) bag Ver= trauen gu ©ott, wenn fie an guter 3ud)t, Vermahnung in bem $©rrn, chriftlicßer ©rgiehung nichtg haben man* geln laffen, baß er ihr ©ebet aud) wirb erhören, unb fo ja bie Äittber eine ^eitlang irre gehen fotlten, baß er fie nach feiner Feigheit wieber herum gu holen wiffen werbe. $)abei fie bann 6) bag ®iuberfreug, fo ihnen ©ott nadj feinem wunberbaren IHath aufleget, mit ©ebulb unb Ver* trauen auf feine ©nabe ertragen foHen, big er auch bag* fetbe linbern, ober nach feiner Varmljergigfeit wieber weg* nehmen wirb ©ebet, wenn bag $tn& gut $aitfe gelangt. D bu gnäbiger unb barmhergiger ©ott, ber bu ber redjte Vater bift über alleg, wag ba ®tnber heißet im Fimmel unb auf ©rben, fieße, ich fomme gn bir in wah= rer 3)emuth meineg $ergeng unb trage bir mein neuge* boreneg ®inb oor. Varmhergiger ©ott, nimm bod) ben ©efcet frommer (Sttern für i^re ßtrtber. 81 twn bir gefcgenftett ©egen burdj bie fettige Daufe 5« bei= nem ßinbe an ; ad), tag eg bein ®inb werben unb bleiben, befcgtrme unb ergatte eg. Du guft, 0 $©fu, gejagt: Saffet bie ^tnblein p mir fontmen unb wegret ignen niigt; fiege, icg bringe bir autg an biefem Dage mein $inb, gib igm beinen ^eiligen (Seift, ber eg bureg SBaffer unb (Seift wiebergebäre, ber eg geitige, regiere unb fein §erg mit ©tauben unb gimmtifcgem Siegt erfülle; tag eg maegfen p beiner ©gre, unb oerteige mir ©nabe, bag icg eg in beiner $u*tgt unb bir pm $reig erliegen fönue. Steg, mein ©ott, giermit gebe icg bir mein $inb mieber p bei= nem ©igentgum, icg lege eg, 0 gimmtifdger Sßater, in bie Sirme beiner Sarmger^igfeit, aeg, üerforge unb befegüge eg. 3cg übergebe eg bir, 0 §©fu, wafege eg mit beinern geiti- gen 33tute, üerbirg eg in beinen SBunbeu miber alte ©e= matt beg ©atang. 3cg befegte eg bir, 0 ©ott ^eiliger ©eift, p beiner pflege, aeg, geitige eg bureg unb bureg, bamit fein ©eift fammt ©eete unb Seib möge unfträftidj begatten werben big auf ben Dag 3©fu ©grifti. Saft biefett Dag fein meineg ®inbeg §8unbeg=, ©egeng= unb 3Biebergebitrtg=Dag, unb gib, bag eg beffett aüejeit ein= geben! bleiben, unb icg baran eg oft erinnern möge. Sag eg biefen 33unb niematg wieber breegett, unb aug bem ©taub ber Söiebergebnrt niematg treten, fonbern im ©tauben unb in ber §eitigung begarren big an fein ©nbe, ba bu eg wirft alg bein $inb unb ©rbe pr ewigen $reube aufnegmen. Du SSotf, bag bn getaufet bift unb beineu ©ott erfenneft, aueg naeg bem Stauten 3©fu ©grift bidg unb bie Deinen nenneft, ttintm’g wogt in Stdgt unb benfe bran, wie tuet bir ©uteg fei getgan am Dage beiner Daufe. Simen. ©ebet frommer ©tterti für itjre $tttber. §©rr, attmäegtiger ©ott, Später aller ©nabe unb SBarmgergigfett, fiege, bu gaft unter anbern ©nabengaben mir aueg $tnber gegeben, bafür icg bieg geqticg tobe unb 82 ©e&et frommer ©Item für il>re Äinber. greife. SSemt ieg aber, mein (Sott, meine ®inber anfege, als tgeure ^jSfänber, bie bu mir anbertrauet, bie $©fu£ mit {einem geiligen 93lute erlöfet nnb bie bu in ber gei= Hgen £aufe gu beinen ®inbern angenommen gaft, ac^, {o bin ieg befümmert, bag ieg ja feinet berfelben bureg meine Scgitlb berlieren möge. 2)u fageft gu mir nnb allen (Sttern : 9Hmm biefeö $inb in Hegt, mo man fein miffen mirb, foll beine Seele an (Statt {einer Seele {ein. 2)arum, o SBater aller ©nabe, tomme ieg gu bir unb trage bir meine ®iitber bor; ieg miÜ tgun, maS ieg fann, aber tgue bu ba£ $8efte; aeg, {egne meine £inber, begleite meine Äinber, menn {ie auS= unb eingegen, erhalte fie in beiner geiligen $uregt, bag {ie nintmermegr mögen mit fegmeren Sün* ben bieg beleibigen unb betrüben, ober fieg Scgaben unb Scganbe berur{atgen. Segreibe meinen Ambern $©fum inS §erg, tag $©fum in igren bergen mognen unb igr §erg geiligen, bamit fie nimmermegr einen gnäbigen ©ott nnb ein gut ©emiffen berlteren mögen. Següte {ie bor SSerfügrung unb bö{er ©efeU{cga{t, erinnere {ie altegeit bureg beinen ^eiligen ©eift an beine aüergeiligfte ©egen= mart, bag fie bebenfen, bu {eieft bei ignen gu §aufe, in ber $rembe, beS XageS unb bei iftaegt, in ber ©efeßfegaft unb ©iitfamfeit. $)ein ©ngel geleite {ie, menn fie ein- unb auSgegen, bein ©ngel bemagre fie, menn fie auf 9^ei= fen, in igren ©efegäften unb in ber $rembe finb ; gib ignen allezeit beinen ©ngel gum ©efägrten, mie bem jungen £obia; fügre fie bureg beine ©ngel aus ber ©efagr, mie ben £ot; lag fie ber ©ngel Segug geniegen, mie 3afob. Sollte bir aber gefallen, mir ein $inber!reug gugufegiefen, entmeber bureg Xob, ober Äranfgeit, ober Unglütf meiner ®inber, {o gib mir ©ebulb in folcgem Seiben, bag ieg be= bente, ogne bieg tann niigts gefegegen; bie ®inber gaft bu mir gegeben, bu gaft aueg Sttacgt, fie mieber gu bir gu negmen. SBiüft bu mieg aueg bureg meiner Äinber £ob gu bir giegen, bag ieg babureg bieg allein gu Heben foH aufgemuntert merben, fo ergalte mieg auf biefem $)ornen= ©ebet frommer (Eltern für i&re Äinber. 83 mege bod^ in Vertrauen unb Hoffnung auf beine 5tttmadjt, bafj bu, mie atleg, atfo audj meinet ®inber Äreug enben unb menben fönneft. ©rtpile aud) im ßeibtpen mei* neu Äinbern ben ©egen, oerforge fie, näpe unb pftege fie, gib ipten SRapung unb Reibung, unb tpe mie ein treuer 33ater an ipten; fei ip $elfer in ©efapen, ip 58ei= ftanb im Seiben, ip fftatpeber, menn fie ^atp bebürf= tig finb, ip ©rptter im Ungtücf, ip 5lrgt in ®ranfpit. ©ib ipten eine gute Seele, guten $8erftanb unb gefunben £eib, unb tafj fie m>r bir leben unb bp epen unb greifen, ©ib ipen ein geprfanteg unb bemütpgeg |jerg, tafj fie aufroad)fen burd) beinen Segen, unb tafj mp an ipen £roft unb $reube erleben. 2td) ©ott, erpre mein ©e= bet, unb benfe, eg finb ja fomoljl beine atg meine ®inber; barum moUeft bu aud) mein Seufzen für meine ®inber üor ben Spon beiner ©nabe fommen taffen unb eg er* pren. Saft mp am jüngften $ag mit alten meinen Äinbern gu beiner SRedpen ftepn, unb gu beinern Jßreig fagen: Siep, per bin p, mein ©ott, unb bie $inber, bie bu mir gegeben pft, idj pbe beten feineg bertoren. 3a, mein ©ott, oerteip, bafj feineg meiner $inber oer= toren gep, fonbern bafc fie mit mir unb id) mit ipen gu beiner §errtpfeit eingepn mögen. 51 d) ©ott, fegne meine IHnber, nimm bp iper treutp an, tp an ipen auct) npt minber, atg bu pft an mir getpn; fegne ipen Stritt unb $ritt, tpit ben Segen ipen mit, tafj eg ipen mopergepn, fie in beiner ©nabe ftepn. 5tmen. ©ef attfl* 2JM. : D (Sott, bu frommer ©ott. 1. $)u pft, o großer ©ott, $)ie Äinber mir gegeben, Hub ipen oätertp Öigpr gefdpnft bag ßeben; 5p, bafür banf p bir Sttg eine tiebe ©ab, $5ie p oon bei* ner §anb, SRein ©ott, empfangen pb. 2. Setj idj bie Minber an, So mufj p gmar befennen, 3)ag fetbige finb mein, SBeit fie fidj oon mir nennen; 84 ©eBet frommet ©Item für ifjre ftinber. Sebocg fie finb and) beht, Srum fomrn icg aueg gu bir, Unb trage bir, o ©ott, $egt meine $inber für. 3. Sieg, pftan-je ©ottegfurcgt $n igre garten ©eeten, Sag fie, mag bir gefaßt, $n igrem Sgun ermägten; ©r= füüe bocg igr $erg SJtit magrer ^römmigfeit, Sag fie in beiner $urcgt feergarren aßegeit. 4. Sag fie in Sugenben Sttit jebem ftafjr gmtegmen Unb gum ©egorfam ficg Dgrt Siberfprueg bequemen; ©cgenf ignen beinen ©eift, ©ib Seiggeit unb SSerftanb Unb fügr fie immerbar Sin beiner SSaterganb. 5. Sag beinen guten ©eift ©ie aßegeit regieren, Sftit Sernutg, ©taub unb Sieb $gr garteg §erg ftetg gieren; Steg, bein ©eift leite fie, Senn fie gegn aug unb ein; Steg, tag an jebem Drt ©ie bir befogten fein. 6. Senn fie aing in ber Seit SSiel 23öfe3 merben fegen, ©o tag fie nimmermegr Stuf böfe Sege gegen; Senb igre Stugen ab $oit ©ünb unb ©itelfeit, 23emagre igre ©eet SSor ©totg unb ©iegerg eit. 7. Senn bie ©efeßfegaft miß 3ur ©ünbe fie üer* fügten, ©o tag fie beine fjuregt Unb ©egenmart Der* fpüren; $a, fegreefe fie batb ab, S3emagre igren Sritt, begleite fie unb geg, So fie gingegn, fetbft mit. 8. ©rgalte fie gefunb, ©ib ignen beinen ©egen, Stimm fie in beinen ©cgup, $ügr fie auf beinen Segen; Sieg, tag eg ignen boeg Söeftänbig mögt ergegn, ©ie ftetg in beiner ©nab Unb beinern ©egen ftegn. 9. Unb noeg eing bitt icg bieg, SaS moßeft bu mir geben: Sag mieg ja nimmermegr Stn ignen ©eganb er¬ leben; Slucg noeg naeg meinem Sob, Steg ©ott, ergöre mieg, ©rbarm bieg meiner boeg Unb igrer gnabigtieg. 10. Sag mieg an jenem Sag Slucg meine $inber fegen, Sag fie oon bir üerftärt beiner ffteegten ftegen, Stuf bag icg fagen fann: $ier bin icg unb bie ©ab, Sie $in- ber, bie icg einft SSon bir empfangen gab. £>ie ©edjgtoödjnerin fc^icfet ftd? ju ifyrem Ättc^gang. 85 Sie ©edjSttödjneriit (djidet ftd) ju intern ftrdjgattg. Slnfmuntcruug. SBenn ©ott eine ©ed()gtoöif)nerin gnäbigtidfj ifjre fecfjö 2ßod(jen fjinburdj ermatten, it)re Kräfte toiebergegeben, fie geftärfet, fie unb itjr $inb üor Ungtücf bemalet f>at, bafc fte nun if)ren $irct)gang galten fann, fo foß ja aßerbingg tfjr Üßhtnb öoIX 9iüpmen3 fein unb ©ott banfbartid) greifen unb loben, ©te fotl 1) ermägen, toie fd^mad^ unb frafttoö fie fictj in itjr S3ette gelegt, aber tote ©ott ifjre Kräfte er= neuert fjabe, bafj fie nun gefunb unb frifdE) toieber auägetjen fann. ©ie foß 2) bebenfen, toie anbere ©edj§mödf)nerin= neu fcfjtoere Äranffjeiten auSgeftanben, nadj ifjren fecf|3 Söoctjen ein fdEjtoereä Säger unb Ungtütf gehabt fjaben, ja, gar geftorben fittb, unb beStoegen ©ott, ber fie baoor bemafjret, mit befonbern £ob= unb ®aitfliebern ergeben unb greifen. SBenn fie über ba8 anc§ itjr $inb frifdj unb gefunb fielet, fo fjat fie 3) Urfadje, bie fjofje SBofyftfjat ©otte§ bemütfjigft gu erfennen. $fjr Äircpgang benmadfj foß 4) gefdjefjen mit Wnbacpt, mit einem banfbaren |jer* gen unb tobenben Sftunbe, fie foß fictj erfreuen, toenn fie in bie fßorfjöfe beg $©rrn tritt unb gu bem Stttar fictj natjet. ©obann foß fie 5) itjr ©ebet, $ürbitte unb $)anf* fagung oerridfjten, ©ott loben, fictj unb itjr Ä'inb befehlen, ben ©egen empfangen, unb tjernadj ber empfangenen ©üte ©otteS aßegeit eingebenf oerbteiben. et» e *♦ 3Bie foß idj bem |>©rrn oergetten aße UöobjXt^aten, bie er an mir getfjan fjat? $a, ber §©rr Ijat ©rofjeg an mir getljan, bep bin idj fröljtidj! € bu gnäbiger unb ftarfer ©ott, icfj toiß nun toieber meinen erften ^ircfjgang patten, bir in beinern Tempel gu banfen für beine guäbige |jülfe unb für ben ftarfen Setftanb, ben bu mir fjaft er- totefen. $@rr ©ott, bu Ijaft mictj glücflid^ entbunben, 86 35« @edj§toöd?nerin fc^icfet ftdj ju tljrem Äirdjgattg. ment Sehen erhalten, mein &inb mier ba liebreich ben anfiebet, $>er im ©tauben 31t ihm fliehet, Unb 3U un# in Xrubfat fbricßt: ©ei getroft, id) laß bid) nicht. 5. ©ott bat mein ©ebet erhöret; £rau ihm bod), mer bu auch bift; $d), id) bin e# nun getebret, &aß er unfer §etfer ift. ©ott fann fetten unb and) bedien Unb 5U / 88 Sie gottfelige SJIutter banlet ©ott, unfrer §ütf augftreden Seine ftarfe ^ülfeFjanb, 3)ie mein Seihen |at gewanbt. 6. ©ott fjat mein ©ebet erhöret; Sttfo fprerf) id), mo idj getj; Steine 5reu^ tmrb ftetö üermet)ret, SBenn id) beine $ütf anfef). 2>arum lern audj ©ott vertrauen Unb auf feine |>ülfe bauen, So mirft bn aud), gteid) mie id), £jülf erlangen gnäbigtid). ®tt gottfelige SJlutter banlet ©ott, wenn il)t ftiub entwöhnet wirb. $luf ntutiterung. §at eine gottfelige Butter tägtid) für itjr $inb gu beten, fo erneuert fid) bag ©ebet, menn nun bag ®inb foß entwöhnet merben. $enn bag ift eine grofje ©nabe, bafj ©ott bie Sftitdj bem garten Äinbe Ijat fo geheimen taffen, bafj eg nunmehr gewad)fen, ftarf geworben unb an Kräften gugettommen, bafj eg otjne 9ftild) tarnt mit Speifen ermatten merben. 3)arum foß 1) eine gottfelige Butter ©ott bauten, baß er burd) bie SDUId) if)r ®inb gu fotdjer Starte tjat gelangen taffen, bafj eg nun burd) am bere Speifen fein Seben ermatten tann. Sie foß 2) ©ott banfen fonberlid), menn fie it)r ®inb felbft geftißet, bafj er if)t gefunbe SJtitd) gegeben, gu berfetben feinen Segen »erliefen, ja, baburd) itjr $inb t)at geheimen taffen. Sie foß 3) ©ott anrufen, er moße audj bem Äiube nun bie Speife fegnen, eg taffen aufmacljfen gu feinen ©tjren, unb mie eg an $at)ren gunimmt, aud) fein §erg mit ben ©aben beg Zeitigen ©eifteg erfüllen. Unb meil and) bie $inber um bie 3eit fid) gum Slßeingeljen bequemen, fo foß bie gottfelige Butter 4) ©ott bitten, er moße it)r ®inb fetbft führen, burd) feinen Zeitigen ©ngel bewahren, t)or fernerem ffaßen behüten, i|m gerabe unb gefunbe ©lie¬ ber ermatten, unb eg alfo in feiner ©nabe unb unter fei* nem Sdjufj oott einem Sitter gum anbern gelangen taffen. tnertn i^r Äinb enfiuofynet ftnrb. 89 <& e I» e U $8armf)er5iger unb gitäbiger ©ott, mie ift mein ^erg erfreuet, bafj id) nun and) bie 3eit Ijabe erlebet, bajj id) mein £inb öon ber ßltutterbruft entroöfjnen fanti. 0 lieb= reifer ©ott, bu f)aft mir biefeg $inb nad) beiner ©üte gegeben, eg unter fo Dielen gufäßen erhalten, iljm fein jarte^ Seben gefriftet, unb eg nunmehr fo meit fomrnen laffett, baff eg 5« feiner ©rfyaltung ftärfere Steife bebarf. ©elobet fei beiue Sarmljeräigfeit, bafj bu itjrn bie Butter* bruft bigljer gefegnet Ijjaft, bafj eg ju Kräften gefommen unb bon bir bag ©ebenen empfangen fjat. £>abe SDanf für beineit ©egen, l)abe $>anf für beinen ©d)u|, Ijabe $)anf für beine £rene unb ©nabe. 0 |)©rr, bu tf>uft alle £age nod) bag größte SSunber, ba bu in ber 2)tutter= bruft ©peife unb £rant in SKildj Dermanbelft unb berfel* ben eine näljrenbe Straft beilegeft, bag bie Äinber babnrd) gelabet, erquidet unb geftärfet merben. $ldj ©ott, gaft bu nun meinem ®inbe bie ßftutterbruft gebeten laffen, ad), fo fegne ifym and) bie übrige ©peife unb $ranf,'baju id) eg angemö^nen und; gib, bag eg fidt) bagu raißiglidj bequeme, lag eg aud) baburd) ferner macgfen, unb mit jebent £ag, mit jeber 3Sod)e unb jebem $af)r an Kräften äunegmen. SBleibe aud) bei ifjrn, menu eg miß anfangen gu gefeit, begleite eg burd) beinen ©ngel, gälte eg, menn eg fallen miß, behüte eg, menn ©efagr tmrganbeit ift. Wd), tag bieg mein tinb bir befohlen fein, am Seib unb an ber ©eele, ftärfe eg aud) an bem inmenbigen 9ttenfd)en, fjeilige eg burd) beinen ^eiligen ©eift, bag eg im ©egorfam unb in ©ottegfurcgt ficg gern ergießen laffe, nirf)t miberfpenftig fid) bemeife, fonberit alg ein frommeg ®inb gern folge unb göre; gib ignt beinen ^eiligen ©eift unb ein frommeg §er^, bamit icg ^reube aßgier erleben, unb eg bermaleiuft gut emigen §immelgfreube mitneljmen, unb mit ignt %u beiner |jerrtid)feit eingegen möge, ©egr groß, 0 |)©rr, ift beine ©üt, bie midj bcfcgüget unb bef )üt’t; id) miß fie rügmen gier auf ©rb, fo lang icg Obern gaben merb. 51men. 90 Srinnerung unb Xrofi für Unfruchtbare. föefattg. 3M. : 0 (Sott, bu frommer (Sott. 1. $ er §©rr, ber große ©ott, 2)er feinen reifen Segen $Xuf midß gefeßiittet ßat H13 einen fanften Stegen, $)en preis icß biefen Sag, Sa icß unb and) mein ®inb $n allem Söoßtergeßn Unb feinem ^rieben finb. 2. £jat großem Ungemacß SBiel anbere gebrüdet, So ßat mit feiner $ulb Ser §öcßfte uns gefctjmücfet. Sie SJZitcß, bie jüße Speis, SD melcße große ©nab! $ffS, metcße ©ott biSßer Sem ®inb gefegnet ßat. 3. Hn mir unb meinem $inb Sinb SBunber oiet gefcßeßen; SaS muß icß biefen Sag 8« ©ottes $reis ge* fteßett. Uns beibe fcßüßte er, ©r gab uns ®raft unb Stärf, 23iS er au uns Oodbracßt Sein großem Söunbermerf. 4. ©etßait ßaterfooiel, ©efcßenft fo reiche ©aben, Sie micß unb aucß mein $inb TOßer erfreuet ßaben; ©r ßitft, bemaßrt, er liebt, |>ält uns in feiner §ut, ©r tßut an uns nocß rneßr, TO fonft ein SSater tßut. 5. Seß bin icß fr ö^lid^ ßeut; Stteiu ©ott, maS foft icß fagen ? Su ßaft mein ®inb unb micß Huf bei* ner §anb getragen. Heß, fegne uns ßinfort, Heß fieß, mir finb ja bein, Heß, laß uns beiner ©nab HU^eit em* pfoßlen fein. (Erinnerung nnb Crolt für Infrndjtbarr. SBenn ©ott läffet ©ßeleute oßne ®inber fein, baß fie mitHbraßam fagen: |j©rr|)©rr, maS miüft bu mir geben? icß geße baßin oßne föinber, 1 Sftof. 15, 2., fo foüen fie 1) bebenfen, baß bie Urfacßen ber Unfrudßtbarteit fönnen natürtidß fein bei ben beiben ©ßeteuten; benn roie ©ott nießt einerlei Statur allen Sttenfcßen gibt, atfo aueß nießt einerlei fjrudßtbarfeit. Söenn nun ©ott biefe Erinnerung unb ^rojl für Unfruchtbare. 91 ©abe nidjt in if)re Üftatur geleget Ijat, fo fotten fie bes¬ iegen mit if)m gufrieben fein unb miffen, ba| er bocf) barum if)r gnäbiger ©ott ift, ber fie liebe unb i|nen ge= mögen fei. §at eine $ufye fdjon nidjt fo biele Blumen als ber ßiofenftod, fo ift fie bod) bem ©ärtner unb §errn beS ©artenS ein liebes @emäc|s. Söie oiel Säumlein gieren beit ©arten unb tragen büß) feine fjrüdjte, unb man f)at biefelben boc£» gern im ©arten ftefjen. 5llfo finb audj unfruchtbare ©Ijeleute ©otteS liebe ®inber, ob fie gleich anbern an f^rnc^tbarfeit nid)t gleid) finb. @ie foHen 2) fid) erinnern, bafj $inber eine ©abe beS §©rrn finb; mem er biefe ©abe nidjt geben miß, ber foß barum nidtjt miber ©ott murren, nocf) fdjeel feiert, mettn ©ott einem nie!, bem anbern meniger gibt, ©ott ift ber §err in feinem $auS, mie er miß, fo tljeilt er aus. ©ott fjat fid) oorbeljalten brei ©djlüffel: ben ©djlüffel gum ©rabe, benn niemanb fann £obte aufermecfen, als ©ott; ben ©djlüffel gum Stegen, benn fein ©ö$e fann 9fegeu geben, unb fein Mettfd) fann regnen laffen; unb ben ©d)lüffel gum Mutterleib, ba fann niemanb öffnen, menn ber $©rr gufdjliefjet, unb niemanb gufdjliegen, menn ber |j©rr öffnet. $ft aber biefe SBorentljaltung beS ©IjefegenS ©ot= teS gnäbiger 9Biße, fo fjaben foldje Seeleute eine ^ßrobe i^rer ©ebulb, ©elaffenljeit unb Hoffnung abgulegen. 3) Unfruchtbarkeit ift fein Beiden beS Borns ©otteS, benn baff ©ott nidjt gornig über fie fei, foßen fie batjer abneljmen, meil eS ihnen ©ott an anbern 2Bol)ttf)aten nidtjt läffet fehlen; er gibt itjneit leibliche ©aben, ©efunb= t)eit, ©egen, üftahrung, 28of)lergehen, meines er gumeilen benen, bie $inber haben, nidjt fo reicfjlidtj erteilet, fon= bern Äranfljeit, ^inberfreng unb ©lenb ihnen reichlidj gumiffet. ©ott gibt ferner benen, meldje ohne $inber finb, bie fjimmlifdjen ©aben, als $reube in ©ott, $rie= beit mit ©ott, bie ©eredjtigfeit $©fu ©fjrifti, Xroft unb SSonne; baburd} fie ja abermal übergeuget merben, bafj ©ott nidjt gornig über fie fei; benn mer unter ©otteS 49 92 ©rinnerung unb Sroft für Unfruchtbare. gotn unb Ungnabe fielet, ber muß audg genüg her gimm* lifd^en ©aben entbehren. 4) ©g foGen unfrudgtbare Seeleute bebenfen, bag ©ott audg Jjterin ignen eine befonbere ©abe ermeife, uttb igren Seiber unb ©emütggäuftanb beffer erfenne, atg fie fetbft. $)enn obgletdg niete ©gefrauen bie Äinber lieb gaben, fo finbet fie ©ott boeg nieGeicgt §u fegtoadg, fomogl in ber ©eburt, atg in ber ©r^iegung ber ®inber, roie audg im ^inberfreug; nieGeii gt mürbe bag Äinb ber ©gefrau unb igrem ©gemanne nie! gerftreuungen unb ©orgen nerurfadgen, bie fie an igrem ©ebet unb ©ottegbienft ner= ginbern; ja, nietteiigt mürbe bag Äinb gu niet Söetrübnig madgen, menn eg ©ott nadg feinem 9tatge mieber fterben liege; barum, meit ©ott bie ©tärfe unb ©egmaeggeit ber Sttenfdgen beffer fennt, atg fie fetbft, fo ermeifet er ignen barin eine befonbere ©nabe, metdge fie boeg aug Unner= ftanb für feine ©nabe gatten. 5^) ©onberlidg aber foGen fidg ©geteute ja mögt güten, bag fte feine ®inber non ©ott mit Durren unb ©rämen unb mit ungebutbigem pflegen ergmingen motten, benn fonft gibt ignen ©ott im .gorn ®inber. ©ntmeber mug bie murrenbe Butter ßeben ober ©efunbgeit barüber ner= lieren, ober menn bag nidgt gefegiegt, fo gerätg ein fotegeg im gorn gegebeneg ÄÜnb fo übet, bag eg ben ©ttern tau= fenb ©egredfen, Jammer, Öerbrug unb $ergeteib anridgtet, unb fie igr Sebentang in Stngft, $3etrübnig unb £raurig= feit feget, metdgeg ^rüdgte igrer unnerftänbigen 93itte finb. 9ßie mandger mit Unnerftanb non ©ott erbetene ©ogn ift feineg SBaterg ©rab unb feiner Butter ©eigel gemorben! 6) ©g foGen gierbei gottfetige ©gefrauen ben ©prudg ^Sault, 1 Xint. 2, 15., nidgt migbrauegen, menn eg geiget: i)ag 2Beib mirb fetig merben burdg Äinberseugen, fo fie bteibet im ©tauben, unb in ber Siebe, unb in ber Heili¬ gung, fammt ber gingt. £>emt in bem ©prudg jaget $autug nidgt, bag bie SBeiber foGen um beg ^inbergeu' geng miGen fetig merben. 3)enn mir merben burdg bag ©rinnetung unb Sroft für Unfruchtbare. 93 SSerbicnft $©fu ©hrifti unb um feines bergoffenen 33tuteS mißen bor ©ott geredet unb felig, 9iöm. 3, 28. 5, 1., unb nicht burch ®inbergebären; benn wenn ba£ mahr märe, fo müjjte ja feine Jungfrau felig merben fönnen, meines miber <35ott unb fein fjeiftgeS SBort ift; fonbern ^SautuS führt biefen ©p ruch gum Xroft ber ©heftauen an, nämtidj ob ihnen ©ott fcEfon grofee ©chmergen in ber ©eburt aufgeteget, barum meil fid^ baS SQSeib im ^arabieS berühren taffen unb bie ttebertretung unb ©ünbe eim geführt hat, ba§ jebodj ©ott in ber ©eburt ihnen moße beiftehen unb burcphelfen; fie foßen hoch felig merben, ob fie gleich burd} fotcheS fdjmerghafte Äinbergebären ben 3orn ©otteS füllen, nämlich, memt fie mürben in folgern ©tanbe bleiben im ©tauben an ben |j©rrn $©fum, in ber Siebe gegen (Sott unb 9ftenfd)en, in ber Heiligung beS SebenS unb in ber $ucht unb d^rifttid^em SBanbet. 2)er^atben ift biefer ©pruch ein ^roftfprud) in Äinbefc nöt^en unb eine SBerfidjerung berer, metdje in ®inbe$= nöttjen fterben, bah fie ber ©chmergen, bie megen ber ©ünbe aufgelegt finb, ungeachtet bodtj foßen fetig mer= ben, aber er geiget feine ttrfadje ber ©eligfeit ber 393ei= ber an. 7) ©£ foßen ©heteute auch bie Seit ermatten unb im ©ebet anhalten. ©tlidje $8äume tragen gteich baS erfte ^ahr, etliche aber nach ^erftuh bieter Satire. 35arum foßen fromme ©h eteute nicht aße Hoffnung megmerfen; merfet euer Vertrauen (auf ©ott) nicht meg, meines eine grofje Belohnung hat, §ebr. 10, 35. SBie nun ©ott nicht aßen Sttenfchen gu gteich er 3eit leiblich e Söohlthuten gibt, fonbern bem einen frühe, bem anbern fpät, atfo auch w biefen ©aben. 8) hierbei foßen fid) ©h dmit fleißig hüten bor Sflifc bergnügen gegen ihre ©begatten, menn baS 333eib bie ©d)ulb auf ben Sttann, ober ber Sftann auf baS SSeib f Rieben moßte; fonbern bebenfen, bah ©ott H ber ihnen bie Frucht beS ßetbeS nicht geben miß, 1 Sttof. 30, 1. 94 ©rittnetung uttb Xroft für Unfruchtbar«. $)erhalben fie einattber bodj lieben nnb mit ©ott gufrieben fein foflen, meil feines oon beiben ohne ©otteg ©abe, ©egen unb SBiÖen etmag baau tfjun fann. $lbfon= betlidj füllen fie fidj auch oor Sfrgmohn, Sfteib unb -JRifc gunft hüten, menn etma bie $reunbe, trüber unb ©chme* ftern fchon nach ber fiinftigen ©rbtheilung fragen unb trauten; fonbern aufrichtig in ber Siebe gegen einanber oerharren, bie 0hren&^fer abmeifen, nnb auch io ben irbifdjen (Gütern nad) ber SBiHigfeit nnb Siebe, menn eg ja einmal fein rnufs, eine ^erorbnung machen. 9) Söffet ©ott eg frommen ©heleuten an ®inbern fehlen, fo foUen fie befto mehr in ber Siebe $©fu guneh3 men, unb ba bie, fo $inber haben, oft am ©ebet, am ©ottegbienfte unb an ber ©rbauung burch bie Äinber gehinbert merben, fo fönnen fie befto mehr bem $)ienft ©otteg ungehinbert unb ungeftört abmarten. 10) ©djenfet ©ott d^riftlid^en ©heleuten feine leib¬ lichen Äinber, fo foUen fie befto mehr bie Firmen fid) laffen empfohlen fein, frommen Äinbern ©uteg thun, fie fiei- ben, tn bie ©d)ute halten, $u ihrer ©rgiehung helfen, meldje Äinber bann folche ©h eleute am jüngften £age alg Sßater unb Butter preifen, unb audh oor ©ott rühmen merben: $)iefe hafcen mich gefleibet, gefpeifet unb ge* trfinftf, SRatth. 25. 11) ©ott gibt aug Siebe unb ©nabe frommen ©hc= leuten jumeilen feine ®inber, auch barum, meil er fielet, bafj ingfünftige fdjrecfliche Sanbplagen unb ©trafen über eine ©tabt unb Sanb einbrechen merben. SBenn er nun bie frommen Oor bem Unglücf megrafft, unb feine lieben Äinber, ehe bag ©turmmetter ber ^rübfal fommt, fd)la= fen legt, mie er foldjeg bem §igfia oerheifcen unb an bem heiligen Stuguftiuo ermiefen, melcheg aUerbingg eine grofje ©nabe ©otteg ift: fo iffg ja eine 333ohUhat, menn ©ott feine Äinber gibt, bamit fie ben Jammer, ber über bie SBelt fommen fott, mie in ber ©ünbflutlj gefchah, nicht erleben unb erfahren. ©rinnenmg unb £roft für Unfrud)t6are. 95 12) ©nbtidE) mögen ©t>eteute audj moljl bebenfen, ob fie etma bie ®inber nur alg eine Sftaturgabe anfeljen, ober ob fie biefelben alg eine ©abe ©otteg, roie benn $inber in ber $f|at finb, Ratten, deinen fie, eg fei eine 9^atur= gäbe, meldje fie fetbft beförbern könnten, fo fehlen unb irren fie, unb miß ifjnen, burcf) SBorent^altung beg ©t)e~ fegeng, (Sott geigen, ba£ eg nicfjt bei iljnen ftelje, fonbern bajj eg eine ©abe fei, barum er miß gebeten fein. SBenn Bier djriftlicfje ©f)eleute mir moßten entgegenfe&en, bafi |>urer unb §uren mo^t niefit barum bitten unb bodj fenber geugen nttb friegen, fo antmorte ic^ : 93ei benen läffet ©ott ber Statur if>ren Sauf, gur Offenbarung ifyrer iefeg aßeg foßen cftriftlidje ©fteleute fid) fleißig oorfteßen unb fid) bamit gegen aße Ungebulb unb ©emütf)gunrul)e bemafjren, unb bebenfen: ift itjr |>aug einfam unb ofjne ®inber, baft fie nad) itjrem fetigen Slbfterben in ber $err* ticftfeit, in ber ©efeßfcftaft oieler taufenb heiligen ©ngel fein merben, mit melden fie fid£) in ©migfeit oor bem ^rone beg breieinigen ©otteg erfreuen foßen. $©rr $©rr, mag mißft bu mir geben ? idfj gehe ba^in ohne Äinber! $ldj, mein ©ott, ich felje, mie bu anbern ben ©hefegen mit reidjem iüfafte gutheileft, aber mir fjaft bu benfeiben bigfter üorentl)alten unb nid)t gegeben. $©rr §©rr, laft mich bodf) biefeg aßeg mit d^riftli^er ©elaffen* 96 Erinnerung unb Xroft für Unfruchtbare. geit, als beineit gnäbigen SBißen, gebulbig aufnegmen. $cg weiß, bu bift ein aßmäcgtiger ©ott, ber bu mir leidet ®inber geben unb mid) frucgtbar macgen fannft, menn bu wißft. $cg weig aucg, baß bu mein gnäbiger (Sott bift, ber mid) liebet unb feine ©nabe mir noig nie oerfaget gat; barum wiß id) mid) gebulbig auc^ hierin beinern Söißen unterwerfen, bu weigt am beften, warum bu mir biefen «Segen nod) nid^t befdjeret gaft. Sollte id) etwa p fcgwad) in ber ©eburt, p trag in ber ©r^iegung ber ®inber, ober p niebergefdglagen im $inberfreug fein, fo erfenne id) baraug beine ©iite, bte meiner fdjonen unb mid) nid)t über Vermögen toerfucgen taffen will, ©ibft bu mir aber nidjt bie $inberfreube, fo lag in btr befto megr midg er* freuen, baß idtj bid) geralicg liebe, an bir all mein ©rgöjjen unb Vergnügen gaben möge, Sag midg inbeffen bleiben im ©lanbeu an bieg, breieinigen ©ott, in ber Siebe gegen meinen Sftäcgften, in ber Heiligung beg Sebeng, ja, lag midg in 3udgt unb ©grbarfeit oor jebermann wanbeln. Sag beinen ^eiligen ©eift mein §erj immer megr unb megr überzeugen, bag biefeg bein gnäbiger SBiHe über midj fei, bem id) midg benn non ©runb meiner Seele er* geben will. Söewagre inbeffen mein §erg oor -tReib, Slrg* wogn, Ungebulb unb SUtigoergnügen gegen meinen ©ge* gatten, bag id) ign bennodg gergticg liebe, ign als mein iftnb gatte, ign lieber gäbe, wie §egn Sögne ober £öd)ter. $ft’S bein SBiHe, bag icg eine 3eitlang foß warten, unb bag bu midj bennocg p einer frudjtbaren SJZutter madgen unb an micg, wie an §anna, gebenfen wißft: fo über* Zeuge mein §erz non biefem beinern gnäbigen SBoglge* faßen; wißft bu mir gar feinen ©rben geben, $©rr, fo foß bag mein ©rbe fein, bag icg beine SBege gatte; 8©fuS foß meinet $erpnS STroft unb mein £geit fein. $©rr $©rr, eg ift bir aßeg mögticg, gaft bu Sarag unb ©tifa* betg über bie «Seit ber Sftatur taffen fcgwanger werben, fo ift eg bir audg ein ©eringeg, meine bigger unfrucgtbare ©ge p fegnen. £©rr, lag bid) erbitten, fo miß icg für bie Erinnerung unb Sroft für Unfruchtbare. 9? ©abe bir banfen mein Sebenlang, unb pe bir $um Sßreig unb 511 r ©bre ergieben; idj totU fie bir burdj bie heilige Saufe mieberfdjenfen. Sag ntid) aud) nid)t fcbeel feben, toenn bu anbern bag §aug ooE $inber gibft, fonbern befto mef)r Siebe, ©nabe unb Barmbergigfeit an armen unb oerlaffenen ®inbern ermeifeu, biefelben fleiben, öerforgen, pflegen. 9tun, $©rr, beine ©üte fei über ung, mie mir auf bid) hoffen; erfreue mid), tröffe mid), hilf mir, gib mir $inber, menn eg bir moblgefäEt, aber nidjt im 3orrif nicht 3U meiner ©träfe, nicht 3U meiner ©djanbe ; ift mir’g tiü^lid), fo gemäße mir nach beiner Barmberjigfeit meine Bitte, iffg aber bein SSoblgefaEen nid)t, fo miE ich auch bir fein ®inb ab^mingett, ja, id) miE miber beinen gnä- bigen SBiEen nidjtg, unb and; feine föinber haben. §©rr, idj f|abe mein ^erj üor bir auggefdjüttet, ad}, fdpcfe eg, mie eg mir fefig unb bir gefäEig ift ©ib, bag id? meine ©eefe in ©ebulb faffe, big bu mir beine §ülfe erzeigen mirft $dj bin oergnügt in meinem §offen, benn hilft ©ott gleich nidjt, mie idj miE, fo fjat er ffbon Öen ©dpup getroffen, er meip am beften $eit unb $iel; ich borr ctuf ihn, benn fo betrügt bie Hoffnung nicht, id) bin oergnügt. $dj bin oergnügt, mirb mir nur geben ber aEerijöcbfte SBunbergott ein fröbtidjg $erg, gefunbeg Seben unb mag fonft meiner ©eele notb; bag Uebrige, mie er eg fügt, be* fehl idj ibm, id) bin oergnügt. Simen. (Bef attg* SDlcI. ; 8UIe 9ftenfdjen muffen fterben. 1. Sldj $©rr, mag miEft bu mir geben, SBeil idb ohne ®inber bin? SOteine $eit unb auch mein Seben ©ebt in oielem Kummer bin; Slnbre mup idb fröhlich feben Unb mit ßinbern einbergeben, Slber icb gef) ganj aEein Unb mup ftetg befümmert fein. 2. Sftdjtg erfreut micb mehr im $ergen, Stlg ein garteg Äinb §u fefjn, 9ftit ibm aEegeit 31t fd^ergen, EJtit ibm bin 98 ©tinnmmg unb Sroft für Unfruchtbare. unb ger 5U gegn, Siefeg pflegt micg gu ergäben Unb in taufenb $reub gu fegen; Socg bie $reube t )ab icg nicgt, SöeTO an ®inbern mir gebricgt. 3. 2Barum tguft bu an mir minber, TO an anbern, lieber ©ott ? 5lnbre gaben öiele $inber, Sie faum gaben täglid) S3rob. Su gibft mir fonft großen «Segen, 2lber, acg mein ©ott, hingegen ©ibft bu mir nicgt biefe (SJab, Sie icg oft gebeten fab. 4. 3lcg, mein ©ott, icg toitt nicgt fragen, Sgue nur, mag bir gefällt; $erg gebeten gat; §ab icg bieg, 0 meine Sßonne, 9Jiein ©ott, meine ^reub unb Sonne, So bin icg in bir üergnügt, SBie’g bein SBille mit mir fügt. 8. Soll icg feine Äinber gaben, So foH meiner Siebe Srieb Sieg allein an 3©fu laben, Sem fdgenf ierg unb Sieb. $©fu, beine Sieb unb Scgöne 3ft mir lieber atö Diel Sögne; SBenn icg $©fum bei mir gab, So gab itg bie grögte ©ab. 9. 9£un, mein ©ott, icg bin gufrieben 9J?it bem mir beftimmten Sgeil, Sßelcgeg bu mir gaft befegieben, 5lHeg (Erinnerung unb 5Eroft für Unfruchtbare. 99 bient gu meinem §eil; $arunt miß idj bir oertrauen Unb auf beine |jülfe bauen; -äftad) mein §etg bertrauengöoß, ©ib mir, mag id) Ijaben foß. 10. Snbefi miß id) $©fum lieben, 2ln if)m fjaben meine fjreub, 9ftid) in Sieb unb ©tauben üben, Unb burd; ftille -äftilbigfeit Slrnten Äinbern reiflich geben, $)afj fie ©ott gu ©Ijren leben, $l)nen Reifen ©ott gurn $reig 5Durd) mein Söoljltfjun, £reu unb ^leifj. 11. 3Ber mei§, mag mein ©ott gebenfet, 3Bag er mir beftimmet Ijat? 2Ber meifj, mag er mir nod) fdjentet? 2Ber meifj, mag ba feine ©nab ßftir nodj gugebadjt gu geben ? 2öer meifj, merb id) nod; ergeben 9iad) ber §ülfe |)erg unb 9Jtunb, Sßenn erfd^eint bie ©nabenftunb? 12. $©rr, erhöre bieg mein Sieben, 2ld), nimm meine ©eufger an, Saffe meine 33itt gefd;el)en, $)u biffg, ber mir Reifen tann: $>od) lajj mid) in aßen fällen Slßeg bir, mein ©ott, fjeimfteflen, 3)afj idj, mie eg immer gel), (Sprehe: £)©rr, bein 2Biß gefdjel). JJrgtßer. Ütefftttge. ©ettt 9td} §@rt, roaä roiHft bu mit geben . 97 Stet), ^ilf mir auä biefer ©tunbe . 42 ©er <0©rr, ber grojje©oii . 90 ©ie ^adjjt ift nun oerfdfrounben . 74 ©u haft, o großer ©ott . 83 ©elobet fei ber grofje ©ott . . . 71 ©ott fiat mein ©ebet erhöret . 87 ©ott roirb mid) nicht »erlaffen . 32 §©rr 3©fu, magres £icf)t . 78 3dE) banfe bir, mein ©ott . 25 erbfidt bie ^eUe ©onne . 7 3dj roeidje nic^t »on ©ott . 28 §cb will ftet€ mit ©ott umgehen . 17 9Wein ©ott ift ja bei mir . 38 ©ief), bie ©onn miß oon unä gehen . . . 11 38ie hat ber grofje ©ott bocf) mich . 21 SBir haben einen ©ott . 35 ^tnbar^tett für ©cfjhmngcre. ©ie Schwangere »errietet ihr äßorgengebet . 5 ©ie Schwangere »errichtet ihr Slbenbgebet . 8 ©äglidfje ^Betrachtung einer ©chroangeren . 12 ©ie Schwangere enoäget ihren ©ott roofjIgefälUgen ©tanb - : . 19 ©ie Schwangere bautet ©ott für ihre ^rutijtbarfeit . 23 ©ie ©djroangere empfiehlt ©ott fid? unb if>re $rucht . 26 ©ie ©djroangere erinnert ficf) ber göttlichen 33erf)eiftungen . 29 ©ie Schwangere erfreuet ficf) ber SUImadit ©otteä . 32 ©ie ©c^raangere tröftet fid) ber göttlichen Spülte . 36 3ütbad)tetf für (Be&orenbe. Slnbacht bei herannaffenber ©ebärftunbe . 39 ©roft bei herannahenber ©eburt . 43 ©eufjer »or ber ©eburt . 44 ©in anberer . 45 ©eufjer bei unb unter ber ©eburt . 46 ©in anberer . 47 ©in anberer . 48 Sprüche, ©eufjer unb ©ebete in 9tötf)en ju fpredjen . 49 $(ttbftd)ten für aSJbrfjnerinnett. ©ie SBöchnetin banfet ©ott für ihre gCücflic^e ©ntbinbung . 68 ©ie SSödjnerin betet ihr -JJiorgengebet . 72 ©ie SCBöchnerin betet ihr Sfbenbgebet . 76 ©ie äöödjnerin trägt ©ott im ©ebet ihr Äinb oor . 79 ©ebet, wenn ba3 $inb jur ©aufe gelangt . 80 ©ebet frommer ©Item für ihre Äinber. . 81 ©ie ©ech§TOÖchnetin fdjicfet fich ju ihrem Äircfmang . 85 ©ie gottfelige SJtutter banfet ©ott, wenn ihr winb entwöhnet roirb .... 88 ©rinnerung unb ©roft für Unfruchtbare . 90 [Seite I] Johann Friedrich Starcks Tägliches Handbuch in guten und bösen Tagen. Enthaltend: Aufmunterungen, Gebete und Lieder zum Gebrauche 1. für Gesunde, 2. für Betrübte, 3. für Kranke, 4. für Sterbende, sowie 5. bei besonderen Gelegenheiten. Nebst einem Anhang für Schwangere, Gebärende, Kindbetterinnen und Unfruchtbare. Neue Ausgabe, durchgesehen von F. Pieper. St. Louis, Mo. CONCORDIA PUBLISHING HOUSE, PRINTED IN USA [Seite II] [Seite III] Vorwort Johann Friedrich Starcks „Tägliches Handbuch in guten und bösen Tagen“, gewöhnlich kurzweg „Starcks Gebetbuch“ genannt, wurde auch aus den Kreisen unserer Synode immerfort viel begehrt. Es erging daher an den Unterzeichneten die Anfrage, ob sich aus diesem viel gebrauchten und in mancher Hinsicht so vortrefflichen Buche nicht das tilgen lasse, worin Starck von der reinen Bibellehre, wie sie Gott aus Gnaden der Kirche der Reformation wieder geschenkt hat, abweicht. Bei näherer Durchsicht mußte die Frage bejaht werden. Diese neue, von dem Unterzeichneten besorgte Ausgabe des Starckschen Handbuchs unterscheidet sich daher von allen andern Ausgaben dadurch, daß in derselben zunächst die Partien ge tilgt und zumeist durch Stellen aus älteren rechtgläubigen Schriften ersetzt sind, in welchen Starck eine falsche Sonntagslehre vorträgt und überhaupt hie und da göttliche und menschliche Ordnung vermischt. Sodann ist durch das ganze Buch darauf gesehen worden, daß die Ver mischungen von Natur und Gnade, Rechtfertigung und Heiligung, die dem Pietismus eigen sind und im geistlichen Leben des Christen so leicht Verwirrung anrichten, beseitigt wurden. Dies ließ sich in den meisten Fällen durch [Seite IV} durch kurze Auslassungen und leichte Änderungen bewerkstelligen, so daß hier nicht ein neues Buch, sondern wirklich der „alte Starck“ vorliegt. Es läßt sich nicht leugnen, daß über Johann Friedrich Starck vor Andern die Gabe des Gebets ausgegossen war. Möge nun diese neue Ausgabe des Starckschen Gebetbuches alle diejenigen, in deren Hände es kommt, aus Gottes Wort reichlich lehren, strafen, bessern, ermahnen und trösten in guten und bösen Tagen! St. Louis, Mo., den 2. September 1900. F. Pieper. V Inhalt des täglichen Handbuches. Erster Abschnitt. Zum Gebrauch der Gesunden. Erster Theil. Morgen-, Mittag- und Abend- Andachten. Seite Der gläubige Christ bereitet sich zum Gottesdienst . 1 Aufmunterung zum Morgengebet am Sonntag . 6 Morgengebet am Sonntag . 7 Der gläubige Christ höret und lernet am Sonntag gerne Gottes Wort 10 Der gläubige Christ erwäget den täglichen und ewigen Sabbat . 14 Abendgebet am - 17 Der gläubige Christ danket Gott nach angehörtem göttlichen Worte.... 21 Morgengebet am Montag . 26 Der gläubige Christ bittet um Segen im Anfang der Woche . 28 Aufmunterung zum Abendgebet am Montag . 33 Abendgebet am Montag . 34 Morgengebet am Dienstag . - . 36 Der gläubige Christ freuet sich seiner Wiedergeburt . 38 Abendgebet am Dienstag . 43 Morgengebet am Mittwoch . 45 Der gläubige Christ bittet, Gott wolle ihn von der Welt abziehen . 47 Abendgebet am Mittwoch . 52 Morgengebet am Donnerstag . 54 Der gläubige Christ will JEsu nachfolgen . 56 Abendgebet am Donnerstag . 60 Morgengebet am Freitag . 62 Der gläubige Christ bittet um den Heiligen Geist . 65 Abendgebet am Freitag . 70 Morgengebet am Sonnabend . 72 Der gläubige Christ danket Gott am Ende der Woche . '74 Abendgebet am Sonnabend . 78 Zweiter Theil. Fest- Andachten. Der andächtige Christ betrachtet zur heiligen Adventszeit Christi Ankunft im Fleisch. Morgengebet Abendgebet . 89 Der : Christ betrachtet auf Weihnachten die Geburt JEsu Christi. Morgengebet . Abendgebet . 101 VI Inhalt. Seite Der andächtige Christ betet und dankt Gott am Schluß des Jahres. Morgengebet . 104 Abendgebet - - 112 Der andächtige Christ betet bei dem Anfang des neuen Jahres. Morgengebet . 115 Abendgebet . 125 Der andächtige Christ betrachtet das Leiden JEsu Christi bei dem Anfang der heiligen Fastenzeit. Morgengebet . 127 Abendgebet . 137 Der andächtige Christ erwäget den Todestag JEsu oder den Charfreitag 140 Der andächtige Christ freuet sich über die Auferstehung JEsu Christi. Morgengebet . 147 Abendgebet - - 156 Der andächtige Christ betrachtet die Himmelfahrt JEsu Christi. Morgengebet - - 160 Abendgebet - - 170 Der andächtige Christ erwäget die Ausgießung des Heiligen Geistes am heiligen Pfingstfeste. Morgengebet . 174 Abendgebet . 183 Der andächtige Christ erwäget das Geheimnis der heiligen Dreieinigkeit. Morgengebet . 186 Abendgebet . 196 Der andächtige Christ betrachtet am Michaelisfeste den Schutz der heiligen Engel . 199 Dritter Teil. Gebete um allerlei geistliche und leibliche Wohltaten. Der gläubige Christ bittet um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen 205 Der gläubige Christ danket Gott für seine Gesundheit . 210 Der gläubige Christ bittet, Gott wolle sein Herz heiligen . 214 Der gläubige Christ bittet, Gott wolle ihn regieren und leiten . 218 Der gläubige Christ bittet, daß die wahre Liebe zu Gott in seinem Herzen möge angezündet werden . 222 Der gläubige Christ bittet, Gott wolle die Liebe zu dem Nächsten in ein Herz pflanzen . 226 Der gläubige Christ erkennet, daß Gott allein das höchste Gut sei . 23 1 Der gläubige Christ bittet, Gott wolle den angezündeten Glauben in ihm erhalten und vermehren . 235 Der gläubige Christ bittet um Demut . 239 Der gläubige ' bittet um Sanftmut . 244 Der gläubige Christ erkennet die immerwährende Güte Gottes . 249 Der gläubige Christ erwäget die künftige Herrlichkeit der Kinder Gottes 253 Der gläubige Christ beichtet und bittet Gott seine Sünden ab . 257 Der gläubige Christ betet bei dem Genuß des heiligen Abendmahls.... 263 Der gläubige Christ bittet, Gott wolle ihm Kraft geben wider die Sünde 269 Der gläubige Christ will sich Gott zum Opfer geben . 273 Der gläubige Christ bittet um Frömmigkeit . 277 Der gläubige Christ bittet um ein unverletztes Gewissen . 281 Gläubige Eltern tragen Gott ihre Kinder im Gebet vor . 285 Fromme Kinder beten für ihre Eltern . 291 VII Inhalt. Vll Zweiter Abschnitt. Zum Gebrauch der Betrübten. Seite Der Betrübte tröstet sich der Allmacht Gottes. Der Betrübte tröstet sich der Liebe Gottes . 301 Der Betrübte tröstet sich der Hülfe Gottes . 305 Der Betrübte tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes . 309 Der Betrübte erwäget die göttlichen Verheißungen . 313 Der Betrübte erwäget die Absicht Gottes im Kreuz . 317 Der Betrübte bittet um Geduld und Stärke . . 321 Der Betrübte bittet um Abnehmung der Trübsal . 325 Der Betrübte erwäget den fröhlichen Ausgang des Kreuzes . 330 Betrübte Wittwen schütten ihr Herz vor Gott aus . 334 Verlassene Waisen klagen Gott ihre Noth . 340 Der Betrübte klaget über die Schwachheit eines Glaubens . 346 Der Betrübte klaget über sündliche, böse und gotteslästerliche Gedanken 350 Dritter Abschnitt. Zum Gebrauch der Kranken. Morgengebet eines Kranken. . . Abendgebet eines Kranken . 364 Der Kranke bittet Gott um Geduld . 368 Der Kranke bittet um Gottes Beistand . 374 Der Kranke erkennet, daß er ein Mensch und sterblich sei . 377 Der Kranke ergibt sich dem Willen Gottes, zu leben und zu sterben . 382 Der Kranke erkennet, daß das Kreuz und die Trübsal von Gott kommt 386 Der Kranke erkennet den Nutzen der Krankheit . 390 Der Kranke setzt sein Vertrauen auf die Allmacht . 394 Der Kranke erinnert sich eines Taufbundes . 398 Der Kranke gründet sich auf die Wohltaten des dreieinigen Gottes. ... 403 Der Kranke will sein Leiden ohne Murren tragen . 407 Der Kranke schicket sich zum Genuß des Abendmahls . 411 360 Der Kranke bittet Gott um Vergebung der Sünden . 415 Der Kranke betet vor dem Genuß des heiligen Abendmahls . 419 Der Kranke betet nach dem Genuß des heiligen Abendmahls . 424 Der Kranke betet, wenn er Arznei gebrauchet . 428 Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen. Der Kranke seufzet, Gott wolle ihn nicht verlassen . 436 Der Kranke erinnert sich seines Todes . 440 Der Kranke betrachtet Grab und Auferstehung . 445 Der gläubige Christ danket Gott wegen wieder erlangter Gesundheit.... 450 Sprüche und Seufzer zum Nachdenken derer, welche krank gewesen und gesund geworden sind . Vierter Abschnitt. Zum Gebrauch der Sterbenden und derer, welche um dieselben sind. Der Sterbende stellet sich vor das göttliche Gericht. 297 432 465 Der Sterbende verzeihet und bittet um Verzeihung . 470 Der Sterbende nimmt Abschied und gibt den Seinigen den Segen . 474 VIII Register der Gesänge. Seite Der Sterbende ' sich Gott . 479 Der Sterbende stellet eine Himmelsbetrachtung an . 483 Der Sterbende erwäget die Verheißungen Gottes . 487 Der Sterbende betrachtet die Himmelsfreude und -Gesellschaft.... Der Sterbende tröstet des Beistandes des dreieinigen Gottes . 4195 Der Sterbende will auf JEsum Christum sterben . 500 Der Sterbende bittet um ein seliges Ende . 504 Gebet der Umstehenden für Sterbende . 508 Seufzer, Sprüche und Gebete, welche die Umstehenden den Sterbenden vorsprechen können . 5 1 1 Seufzer und Gebete eines Sterbenden aus dem Gesang: Wenn mein Stündlein vorhanden ist . 541 Die Umstehenden rufen dem Sterbenden zu . 566 Segenswunsch über einen Sterbenden . 566 Gebet der Umstehenden, wenn der Sterbende verschieden . 567 Fünfter Abschnitt. Gebete bei besonderen Gelegenheiten. Der gläubige Christ lobet Gott an dem wiederum erlebten Geburtstag 568 Der andächtige Christ danket Gott nach eingesammelter Ernte . 573 Der gläubige Christ betet bei entstandenem Gewitter . 580 Der gläubige Christ danket Gott, wenn das Gewitter vorüber ist . 587 “ Der Christ betet zu Gott, wenn er sich von Hause auf eine Reise eaibt - - 5 Gebet der sich in fremden Ländern aufhält . 600 Gebet eines, der in der Fremde krank darnieder liegt . 604 Danksagung, wenn einer nach vollendeter Reise wieder glücklich ist nach Hause gekommen . Der gläubige ' betet in Kriegszeiten . 614 Der gläubige Christ lobet und danket Gott nach erlangtem Frieden. ... 619 Der gläubige Christ betet, wenn Gott mit Teurung und Hungersnot das Land heimsuchet . 623 Der gläubige Christ betet in Pestzeiten . 628 Der gläubige Christ betet, wenn eine Feuersbrunst ausgebrochen ist.... 632 Der gläubige Christ betet, wenn er durch das Feuer hat Schaden gelitten 640 Der gläubige Christ danket Gott, wenn die Feuersbrunst glücklich vor5 über ist. - 64 Der gläubige Christ betet zu Gott bei anhaltender nasser Witterung.... 65 1 Der gläubige Christ betet zu Gott bei anhaltender Hitze und Dürre.... 658 Register der Gesänge. Wich, daß sich doch Gottes Liebe . 225 Ach, geh nicht ins Gericht . 260 Ach HErr, stärke meinen Glauben . 238 Ach, komm doch in mein Herze . 68 Ach, mein Gott, hilf mir doch . 435 Ach, wie lang soll ich noch kämpfen . 372 Register der Gesänge. DX Seite Ach, wo ist nun mein Gott . 300 Aufgelöset bald zu werden . . 507 Das Pfingstfest freuet mich . 181 Demut ist die schönste Tugend . 243 Der Christen Sabbat ist . 16 Der Engel goldnes Heer . 204 Der ist nun geschloffen . 622 Die Ernt ist nun geschehen . . 579 Die Nacht ist nun vergangen . . 9 Dies ist der liebe Tag . 571 Du hast, o großer Gott . . 290 Ein Gotteskind zu sein . 389 Es steht in deinen Händen . 608 Es stirbt mein liebster Freund . 136 Geht dir's wohl nach deinem Leiden . 213 Gerechter Gott, laß dich erbitten . 639 Gottes Liebe, Gnad und Güte . 252 Gott Lob! das neue Jahr tritt ein . 123 Gott Lob! der Sonntag ist herbei . 13 Gott, wir hören deine Stimme . . 585 Hat dir dein Gott ein Kreuz beschieden . 410 Hat mich Gott denn gar verlassen . 308 Hier ist gut sein, also sagen . 487 Hier ist Immanuel . 88 Ich armer Sünder komme wieder . 418 Ich beuge mich vor deinem Thron . 613 Ich bin getauft, ich steh im Bunde . 401 Ich freue mich auf meinen Tod . 499 Ich gebe mich in Gottes Willen . 320 Ich klage dir, o Gott . 356 Ich lege mich in JEsu Wunden . 19 Ich liege hier vor dir . 357 Ich scheue mich nicht vor dem Grabe . 449 Ich trage mein Kreuz nicht alleine . 439 Ich sterbe gern, warum sollt ich . 490 Ich will anjezo mich . 414 Ich will die neue Woch . . 32 Ich will jedermann verzeihen . . . . 473 Ich will mich nach der Ruh umsehen . 367 Ich will mit frohem Mut . 503 Ich will, o großer Gott . 295 Ich will von der Welt ausgehen . 272 Ich will, was JEsus will . 384 59 JEjusfähret auf gen Himmel . 168 JEsus lebt, des freu ich mich . 155 Ihr Todten, stehet auf. . 469 Ihr Waisen, weinet nicht . 345 Ihr Wittwen, seid getroft . 339 In Gott bin ich immer fröhlich . . 234 Ist denn die Liebe gar . 230 Ist Gott für mich, so bin ich fröhlich . 406 Ist mein Gewissen frei . 284 X X Register der Gesänge. Seite Kommt, laßt uns Christi Todestag begehen . 146 Krankheit, Leiden, Angst und Schmerzen . 394 Kreuz und Leiden führt zu Gott . 644 Lasset doch den weisen Gott . . 397 Laßt uns den HErm hoch preisen . 650 Mein allergrößter Fleiß auf Erden . 279 Mein Gott, ich bin in fremden Landen . 603 Mein Gott, ich bin von Haus gegangen . 598 Mein Gott, ich habe noch das Leben. . . 482 Mein Gott, laß mich den Wunsch erreichen . 276 Mein Gott, verlaß mich nicht . 377 Mein Gott, verzieh doch nicht . 324 Mein JEsu, sei gepreiset . . 268 Mein Stündlein nahet sich herzu . 477 Mein Vater, denk an mich . 209 Mich soll kein Kreuz von Gott abtreiben . 304 Mit den scharfen Teurungsruthen . . 626 Nun der Himmel bleibt verschlossen . 665 Nun die Woche ist verflossen . 77 Nun ist meine Seel gespeiset . 427 O allerliebstes Seelenpfand . 423 O heiligste Dreifaltigkeit . . 195 O JEsu, meiner Seelen Licht . 265 O, welch ein Freudenfest . 99 Schauet doch das bittre Leiden . 136 Sieh doch, wie mein Feind mich schmähet . 248 Sieh, es ist alles mein . 256 Sieh, es ist Gottes Segen . . 578 Soll der Himmel allzeit weinen . 656 Soll ohne Heiligung . 217 Unter meinem Schmerz und Weinen . Z63 Vater, gib mir auch die Gabe . 221 Vorüber ist die Noth . 594 Wann kommt mein JEsus doch . 333 Wann wird Gottes Stunde kommen .... . 316 Wann wird mich mein Gott erhören . 329 Was frag ich nach der Welt . 50 Was für Jammer, was für Schrecken . 618 Was große Angst und Herzeleid . 631 Was ' ich Sünder nun anfangen . 262 Weicht, weichet nur von mir . 358 Welche süße Himmelsfreude . 494 Wer da will als ein frommer Christ . 444 Wer Gottes Wort anhört . 25 Wer in Kreuz und Trübsal stecket . . 431 Wer nicht wieder ist geboren . 41 Wie ist mein Herz erfreut . 111 Wie kann ich gnugsam preisen . 454 Wie lieblich ist dein Wort . 4 Wie sind wir so gar nichts . Wohl dem, der Gott vertraut . . 312 1 Erster Abschnitt. Zum Gebrauch der Gesunden. Erster Teil. Morgen-, Mittag- und Abend-Andachten. Der gläubige Christ bereitet sich zum Gottesdienst. Aufmunterung. Eins bitte ich vom HErrn, das hätte ich gerne, daß ich im Hause des HErm bleiben möge mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottesdienste des HErm, und seinen Tempel zu besuchen. Psalm 27, 4. Es hat der weise Gott, sogleich nach dem Sündenfall, dem ersten Menschen, dem Adam, die Opfer angewiesen, welche seine Kinder, Kain und Abel, von ihm wiederum empfangen, indem von dieser beiden Opfer 1 Mos. 4, 3.4. ausdrückliche Meldung geschiehet. Diese Opfer geschahen nicht stillschweigend, sondern dabei bekannten die Opfernden ihre Sünden, baten Gott um Vergebung derselben, bezeugten ihren Glauben an den künftigen Messias, JEsum Christum, der auch würde ein Blut für die Menschen vergießen, wie das Opfertier; ja, sie lobten bei solchen Opfern Gott flir die empfangenen Wohltaten, und predigten auch von dem Namen des HErm. Diese Art des Gottesdienstes ist von den Erzvätern beibehalten worden, bis Gott in der Wüste die Hütte des Stifts aufrichten 2 Der gläubige Christ bereitet sich zum Gottesdienst. ließ, nach deren Muster Salomo hernach den Tempel bauete. Also hat Gott im alten Testament den siebenten Tag ausgesondert zu feiern, und geboten, denselben vor allen andern heilig zu halten. Dies Gebot gehet nach dem äußeren Verstand uns Christen im neuen Testament nichts an; denn es ein ganz äußerlich Ding ist, wie andere Satzungen des alten Testaments, an sonderliche Weise, Person, Zeit und Stätte gebunden, welche im neuen Testament durch Christum alle frei gelassen sind. Dennoch halten wir Christen in christlicher Freiheit im neuen Testament auch Feier- und Ruhetage, vornehmlich den Sonntag, allermeist darum, daß man Zeit und Raum gewinne, des Gottesdienstes zu warten, also daß man zu Haufe komme, Gottes Wort zu hören und zu handeln, Gott zu loben, zu singen und zu beten. Wann nun solcher Tag herbeikommt, so soll ein gläubiger Christ 1) sein Gemüt von irdischen Sachen frei machen und von seiner Arbeit ablassen. 2) Er soll sich auf den bevorstehenden Sonntag bereiten mit Beten, und Gott loben für die vielen Wohltaten, welche er die Woche über empfangen. 3) Er soll dasjenige Evangelium oder die Epistel, welche man des Sonntags erkläret, in der Bibel aufschlagen und darüber eine Betrachtung anstellen, und also zu andächtiger Anhörung des göttlichen Worts ereiten. Gebet. Gnädiger und barmherziger Gott, ich komme an diesem Tage vor dein heiliges Angesicht mit Loben und Danken, daß du mich die vergangenen sechs Tage so gnädiglich erhalten, und die Arbeit meiner Hände so reichlich gesegnet hat. Du hast meinen Eingang und Ausgang bewahret, auf meinen Wegen mich behütet, und mir an Leib Der gläubige Christ bereitet sich zum Gottesdienst. 3 und Seele viel Gutes erwiesen; dafür lobe und preise ich dich von Grund meines Herzens. Gehet nun weg, ihr irdischen Geschäfte! weichet von mir, ihr Sorgen! Ich vergesse, was dahinten ist, ich lege meine Arbeitslasten und Hantierungen nieder und richte meinen Sinn allein zum Himmel, zu Gott, um mich in ihm zu erfreuen. Ach, gnädiger Gott, laß mich den bevorstehenden Sonntag in deiner Furcht und in deiner Gnade hinbringen. Bewahre mich vor bösen Gesellschaften, daß nicht etwa der Satan durch seine Werkzeuge mich möge von dem Gottesdienst abhalten, und hilf, daß ich einen Lockungen nicht folgen möge. Behüte mich, daß ich diesen Tag nicht möge in Müßiggang, Faulheit, Üppigkeit, Lustbarkeit und Sünden hinbringen, und dadurch meiner Seele den größten Schaden zufügen! Gib mir deinen Heiligen Geist, daß ich diesen Tag dein Wort gerne höre und lerne. Wenn dein Wort gepredigt wird, so öffne mir das Herz, daß ich darauf achten, solches in mein Herz fassen, und als einen teuren Schatz darin verwahren möge. Hilf, daß ich an diesem Sonntag in meinem Christentum mich erbaue und in Erkenntnis der Wahrheit zunehme, damit das gepredigte und gehörte Wort mich ändere und heilige, auf daß ich, wie an Jahren, also auch an dem inwen- 4 Der gläubige Christ bereitet sich zum Gottesdienst. inwendigen Menschen, an Glauben und Frömmigkeit wachsen, eine neue Creatur werden und ein lebendiges Glied an dem Leibe meines JEsu sein und bleiben möge. Laß mich mit Andacht den Gottesdienst endigen und das Gelernte behutsamlich bewahren. Ach, laß mich allezeit des angehörten Wortes eingedenk verbleiben, daß ich nach demselben wandeln, reden, leben und tun, und also beweisen möge, daß ich kein vergeßlicher Hörer, sondern ein Täter des Wortes sei. So laß mich täglich Sabbat feiern, bis du mich in die ewige Himmelsfreude zu dem ewigen Sabbat durch JEsum, meinen einigen Erlöser und Seligmacher, einführen wirst. HErr, öffne mir die Herzensthür, Zeuch mein Herz durch dein Wort zu dir, Laß mich dein Wort bewahren rein, Laß mich dein Kind und Erbe sein. Dein Wort bewegt des Herzens Grund, Dein Wort macht Leib und Seel gesund. Dein Wort ist, das mein Herz erfreut. Dein Wort gibt Trost und Seligkeit. Ehr sei dem Vater und dem Sohn, Dem Heilgen Geist in einem Thron, Der heiligen Dreieinigkeit. Sei Lob und Preis in Ewigkeit. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Wie lieblich ist dein Wort, Es bringet lauter Freude, Es ist mein größter Trost. Und meiner Seelen Weide; Es ist mein liebster Schatz, Den ich auf Erden hab, Der mich erquicken soll. Bis man mich trägt ins Grab, Der gläubige Christ bereitet sich zum Gottesdienst. 5 2. Es ist dein Wort mein Licht, Das mir den Weg recht zeiget, Und mich bestraft, wann sich Mein Fuß zum Irrweg neiget; Ich glaub nach diesem Wort. Und leb nach diesem Wort, So bringt mich dieses Licht. Auch an den Freudenort. 3. Es ist mein Honigseim, Womit ich mich erlabe, Wenn ich viel Bitterkeit. In meinem Herzen habe; Wie süß ist' s meiner Seel, Wenn sie in Trübsal steckt, Wenn ihr des Trostes Quell Im Wort wird aufgedeckt. 4. Es ist dein Wort mein Schatz, Groß über alle Schätze, Darin ich mich allein. In Noth und Tod ergötze; Den Schatz raubt mir kein Feind. Und keiner Feinde List, Weil er gar wohl verwahrt. In meinem Fierzen ist. 5. Pflegt Gold und Silber gleich. Ein Eitler zu erwählen, Viel lieber ist dein Wort. Der gottgelaßnen Seelen; Wenn man dein Wort und Gold Ihr stellet vors Gesicht, So greift sie nach dem Wort. Und acht’t des Goldes nicht. 6. Ratsleute suchen die, So da im Zweifel stehen; Dieselben sind dein Wort, Dahin pfleg ich zu gehen; Frag ich: Was thu ich jetzt, Geht's übel oder wohl? So zeiget mir dein Wort, Was ich erwählen soll. 7. Nach diesem Lebenswort Will ich nun einhergehen, Es soll mein Leitstern sein, Sieh, darnach will ich sehen; Wozu es mich anweist, Das thu ich ungescheut, Und meid mit allem Fleiß Das, was es mir verbeut. 8. Ach, nimm doch nicht hinweg. Das Wort von meinem Munde, Ach, laß es ein mein Trost. Bis in die Todesstunde; Wann sich mein Mund zuschleußt, Nimmt keine Speis mehr ein, So laß dein liebes Wort. Der Seelen Speise sein. 9. So hab ich Unterricht, Dieweil ich werde leben, Ich hab auch Trost, wenn ich Soll meinen Geist aufgeben, Und was dein Wort verspricht. In dieser Gnadenzeit, Sieh, das erlang ich dort. In jener Herrlichkeit. 6 Aufmunterung zum Morgengebet am Sonntag. Aufmunterung zum Morgengebet am Sonntag, HErr, höre meine Worte, merke auf meine Rede, vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott; denn ich will vor dir beten. Psalm 5, 2.3. Unser ganzes Leben soll billig nichts anderes als Beten und Danken sein, nämlich daß wir alle Tage Gott in unserm Gebet anrufen um einen Segen, Hülfe, Beistand und Gnade, und wenn wir solches erlanget, daß wir ihm herzlich dafür danken. Darum, gläubiger Christ, wenn du des Morgens erwachet von deinem Schlaf, so hebe vor allen Dingen und zuerst deine Augen auf gen Himmel, denke nicht gleich an deine Geschäfte und Arbeit, laufe nicht gleich hin, etwas zu erjagen, sondern falle erst nieder auf deine Kniee, danke Gott und empfiehl dich einem gnädigen Schutz. Denke nicht, du versäumtest zu viel, wenn du solltest eine kurze Zeit des Morgens zum Gebet, mit Lesung eines Kapitels aus der Bibel oder aus andern gottseligen Schriften anwenden. O nein, die aufs Gebet gewendete Zeit wird dir mit tausendfachem Segen in deiner Arbeit wieder eingebracht werden, und das Gelesene wird dir den ganzen Tag ein Honigseim in deinem Munde sein. Darum, wenn du erwachet und des Morgens gesund aufstehet, so gedenke 1) wie viele fromme Christen, welche vielleicht frömmer sind als du, haben die vergangene Nacht in Angst und Wehe, in Schmerzen und Krankheiten, in Schrecken und großer Unruhe hingebracht, du aber hat dergleichen diesesmal nicht empfunden. Gedenke 2) wie Andere in der Nacht in Unglück, Schaden, Gefahr und Trübsal geräten sind, dir aber fehlet nichts, und dafür danke Gott. Bitte 3) auch Gott mit dem anbrechenden Tage, er wolle dich den Tag über in seiner Gnade erhalten, daß du an demselben dich weder an ihm noch an deinem Nächsten versündigen mögest. Bitte Gott, 4) er wolle den Tag über Morgengebet am Sonntag. 7 dich begleiten, bewahren und in deinen Geschäften und Berufswegen segnen. Ja, 5) übergib dich Gott also, daß du den ganzen Tag in seiner Liebe stehen, von ihm reden, an ihn denken und mit Wissen und Willen ihn nicht beleidigen mögest; und als dann zweifle nicht, der HErr wird dein Seufzen und Gebet in Gnaden erhören und den Tag über dir dasjenige geben und verleihen, was dir an Leib und Seele wird nützlich und selig sein. Morgengebet am Sonntag. HErr, frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir schicken und darauf merken, gnädiger Gott! Du bist würdig zu nehmen Preis, Ruhm und Ehre; wer sollte dich nicht fürchten, du König der Heiden, wer sollte dich nicht ehren, o liebreicher Vater! Ich komme in dieser Frühstunde zu dir mit demütigem Dank, daß du diese Nacht eine Wagenburg um mich und die Meinigen geschlagen und deine Güte und Treue wiederum an mir hat neu werden lassen. Begleite und beschütze mich auch heute auf allen meinen Wegen. Laß diesen Tag sonderlich einen Erbauungs- und Erquickungstag für meine Seele sein. Du hast nach deiner erbarmenden Liebe dein teures Wort uns Menschen gegeben und die öffentliche Predigt desselben verordnet. O, darum erleuchte, heilige und lehre meine Seele, daß ich Schätze möge sammeln, welche mich in Noth und Tod, in Kreuz und 8 Morgengebet am Sonntag. Leiden erquicken können, welche weder Motten noch Rostfressen, da die Diebe nicht nach graben noch stehlen. Ich freue mich des, das mir verheißen ist, daß wir werden hinauf in das Haus des HErrn gehen, und meine Füße stehen sollen in deinen Toren, Jerusalem. Eins bitte ich vom HErm, das hätte ich gerne, daß ich im Hause des HErm bleiben möge mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottesdienste und einen Tempel zu besuchen. Mein Gott, das soll heute meine Lust sein, dein Wort zu hören, in dir mich zu erbauen, dir zu Ehren Lob- und Danklieder anzustimmen, eifrig zu beten, und mein Herz dir zu schenken. Wie lieblich sind deine Wohnungen, HErr Zebaoth! Meine Seele freuet sich in dem lebendigen Gott. Laß mich aber kein vergeßlicher Hörer ein, sondern ein Täter des Wortes werden. Öffne mir das Herz wie der Lydia, daß ich den Samen des Wortes mit Freuden aufnehme; schließe hernach mein Herz zu, daß mir ihn der Satan nicht wiederum raube. Laß mich heute in meinem Christentum, in der Erkenntnis JEsu Christi, im Glauben, in der Liebe, in der Verleugnung meiner selbst, im Absterben der Welt einen festen Grund legen, auf daß ich die ganze Woche daran denke, es ausübe, und davon gute Früchte bringe. Bewahre mich vor Verführungen, daß, wenn der Morgengebet am Sonntag. 9 Satan seine Werkzeuge an mich schicket, ich nicht in das sündliche Wesen der Welt geräte, und eben damit einen schweren Fluch auf mich lade, welcher mich die ganze Woche über noch drücken könnte. Ach, laß meinen öffentlichen und häuslichen Gottesdienst, mein Beten, mein Floren, mein Lesen und Singen dir gefallen. Sei du selber, o JEsu, mein Lehrer, daß ich zunehme an dem inwendigen Menschen; ja, wohne du durch den Glauben in mir, bis ich droben mit dir unzertrennlich vereinigt werde. - Heiliger Geist, du Himmelslehrer, Mächtiger Tröster und Bekehrer! Ach, laß meines Herzens Schrein Ewig deine Wohnung sein. Amen. Morgengefang. Mel.: Wach auf, mein Herz, und finge. 1. Die Nacht ist nun vergangen, Drum will ich gleich anfangen, Mit Singen und mit Beten Vor Gottes Thron zu treten. 2. Gleich wie die Mütter pflegen, Die Kinder sanft zu legen, Nach ihnen oft zu sehen. Und um ihr Bett zu stehen: 3. So hat auch Gottes Lieben Das Unglück weggetrieben. Ich hab in Schutz und Segen. In einem Schooß gelegen. 4. Mein Herze und Gemüte Erkennt die große Güte, Die es hat alle Stunden In dieser Nacht empfunden. 5. Laßt uns den Höchsten preisen, Laßt uns dem Dank erweisen, Der Junge mit den Alten, ln einem Schutz erhalten. 1 0 Der gläubige Christ höret und lernet 6. Erheben sich die Glieder, O Gott!, so kommt auch wieder. Die Unruh, Kreuz und Sorgen. Schon an dem frühen Morgen. 7. Ach, hilf mir alles tragen, Wend ab des Kreuzes Plagen. Und laß nach Angst und Weinen. Die Freudensonne scheinen. 8. Leit mich auf guten Wegen, Und gib mir deinen Segen, Aufdaß ich, wo ich gehe, Dich stets vor Augen sehe. 9. Du wollt mein Herz regieren, Mit Gottesfurcht auszieren, Daß ich mich dir ergebe. Und dir zu Ehren lebe. 10. Ach Gott, erhör mein Flehen. Und laß die Bitt geschehen. So will ich deinen Namen. Von Herzenpreisen, Amen. Der gläubige Christ höret und lernet am Sonntag gerne Gottes Wort. Aufmunterung. Wie lieblich sind deine Wohnungen, HErr Zebaoth! Meine Seele verlanget und sehnet sich nach den Vorhöfen des HErm; mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott. Psalm 84, 2. 3. Der größte Schatz, welchen Gott dem Menschen hier auf Erden gegeben, ist Gottes Wort, denn Gottes Wort ist für uns verlorene Sünder das Wort des Lebens, welches uns aus der Sünde zur Gerechtigkeit und aus dem Tode zum Leben bringet. Und insonderheit hat Gott uns noch die Wohltat erzeiget, daß er auch das heilige Predigtamt geordnet, durch welches sein Wort in öffentlicher Versammlung gepredigt und gehandelt werde. Für solche öffentliche Predigt seines Wortes hat Gott einen besonderen Segen verheißen, welches Segens denn alle diejenigen teilhaftig werden, die das Wort andächtig hören. Kommt nun der Tag herbei, welcher von der christlichen Kirche für die öffentliche Predigt des Wortes am Sonntag gerne Gottes Wort. 1 1 Gottes geordnet ist, so soll ein Christ nicht bloß feiern und müßig gehen, denn das können die Unchristen auch wohl, sondern ein Christ soll dies seine Sorge sein lassen, daß er Gottes Wort höre und lerne. Welche Zeit Gottes Wort im Schwang und Übung gehet, da wird ein rechter Feiertag gehalten; wo nicht, so soll es kein Christenfeiertag heißen. Ist nun dem also, so soll ein wahrer Christ sich hüten, 1) daß er diesen Tag nicht mit Trägheit und Müßiggang hinbringe. 2) Er soll sich hüten, daß er diesen Tag nicht anwende zu Fressen, Saufen und Üppigkeit. 3) Soll er sich hüten, daß er nicht um Geizes oder Leichtfertigkeit willen Gottes Wort nachlasse zu hören. Ach gewiß, an der rechten Feier des Sonntags liegt viel, daran hängt ein großer Segen! Wer weiß, warum viele Menschen der Fluch und Unsegen drücket? Die Alten haben gesagt: Wie man höret Gottes Wort, so gehet auch die Nahrung fort. Endlich: Hat man Gottes Wort gehöret, so behalte man es in einem feinen, guten Herzen, man lebe darnach, man bringe die Lebensregeln sogleich in die Übung, und sammle sich dabei einen Vorrath an Trostlehren und Machtsprüchen, deren man sich in Noth und Tod bedienen könne. Gebet, Dies ist der Tag, den der HErr gemacht hat, lasset uns freuen und fröhlich darinnen sein! Ich danke dir, o Gott, für deine vielfältigen Gaben, die du an diesem Tag mir erteilet: auf einen Sonntag ist JEsus, mein Heiland, aus dem Grabe auferstanden, und der Heilige Geist über die Apostel ausgegossen worden; darum erinnere ich mich an diesem Tage billig meiner Erlösung, die durch JEsum Christum geschehen 12 Der gläubige Christ höret und lernet ist, und der Mitteilung des Heiligen Geistes, welcher in der heiligen Taufe reichlich über mich ist ausgegossen worden. Ich danke dir für dein heiliges, reines Wort, so du an diesem Tagelassest predigen zum Unterricht und zur Erbauung meiner Seele. Ich danke dir für alle leiblichen und geistlichen Wohltaten, die ich Zeit meines Lebens von deiner Vaterhand empfangen habe, daß du mich von Jugend aufgeleitet, gefiihret, erhalten, und mir sehr viel Gutes an Leib und Seele getan hat. O, wer kann doch deine Wohltaten alle nennen, die da unzählig sind! Nicht allein aber soll dieser Tag mein Danktag, sondern auch mein Bettag sein. Ich bitte dich, mein Gott und Vater, laß mich diesen Tag in deiner Furcht hinbringen. Behüte mich vor Verführungen, eiteln Gedanken und bösen Gesellschaften. Ach, daß alle meine Adern Zungen, und meine Blutstropfen Stimmen wären, dich, o dreieiniger Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, zu loben und zu preisen. Ach, daß keine Stunde verginge, in welcher ich nicht dein Lob ausbreitete! Versiegele in meinem Herzen das gehörte Wort, daß ich daran fleißig gedenke, und darnach mein Leben und meinen Wandel einrichte. Und da ich nun eine Woche älter geworden bin, so gib, daß ich in deiner Erkenntnis, in Liebe und am Sonntag gerne Gottes Wort. 13 Frömmig-keit zunehmen und an dem inwendigen Menschen wachsen möge. Ich bitte dich, gib mir deinen Heiligen Geist, der mich diese Woche und die ganze Zeit meines Lebens daran erinnere, mich regiere, leite und führe. Gib deinen Segen zu meinen Arbeiten und Verrichtungen, und laß mich in deiner Gnade meine übrigen Tage und Jahre ferner erleben, bis ich endlich werde dahin gelangen, da ich mit Danken und Beten dir einen ewigen Sabbat im Himmel feiern kann. Heut ist des HErren Ruhetag, Vergejet aller Sorg und Plag, Verhindert euch mit Arbeit nicht, Kommt vor des Höchsten Angesicht. Halleluja! Sonntagsgefang. Mel.: Wo Gott zum Haus nicht gibt ein Gunst. 1. Gott Lob! der Sonntag ist herbei: Die Woche wird nun wieder neu, Heut hat mein Gott das Licht gemacht, Mein Heil hat mir das Leben bracht. 2. Dies ist der Tag, da JEsus Christ Vom Tod für mich erstanden ist. Und schenkt mir die Gerechtigkeit, Heil, Leben, Herzenstrost und Freud. 3. Das ist der rechte Jubeltag, Dran man sich nicht gnug freuen mag, Da wir mit Gott versöhnet sind, Daß nun ein Christ heißt Gottes Kind. 4. HErr, führ mich durch dein Lebenswort Hinauf zur Himmels-Ehrenpfort, Damit ich heilig leb allhier Und dir dort danke für und für. 5. Ehr sei dem Vater und dem Sohn, Sammt Heilgem Geist in Einem Thron! Der heiligen Dreieinigkeit Sei Lob und Preis in Ewigkeit. 14 Der gläubige Christ erwäget Der gläubige Christ erwäget den täglichen und ewigen Sabbat. Aufmunterung. Es ist noch eine Ruhe vorhanden dem Volke Gottes. So lasset uns nun Fleiß tun, einzukommen zu dieser Ruhe, daß unser keiner dahinten bleibe. Hebr. 4, 9. 11. Gott hatte den Juden hart geboten, am Sabbat kein Werk zu tun. Also hart und strenge hat Gott über dem Sabbat im alten Testament gehalten, daß er auch den steinigen ließ, der am Sabbat Holz auflas, wie im 4. Buch Mose im 15. Kapitel stehet. Dies Gebot geht uns Christen im neuen Testament nichts an, wie St. Paulus schreibet zu den Coloffem im 2. Kapitel. Es ist aber solcher Sabbat der Juden gewesen ein Schatten oder Vorbild auf den rechten, geistlichen Sabbat der Christen, den sie täglich feiern. Die Christen nämlich feiern einen täglichen oder geistlichen Sabbat, welcher nicht darin besteht, daß man gar die Arbeit unterlassen und immerdar müßig gehen solle, sondern durch den täglichen Sabbat wird verstanden, wenn der Mensch feiert von Sünden, das heißt so viel: wie die Juden auf Gottes Befehl ruheten von der Handarbeit, so feiert ein Christ auf Gottes Befehl alle Tage von Üppigkeit und Bosheit; er hütet sich, daß er nichts Böses redet wider Gott und den Nächsten, daß er nichts Böses tue, entweder allein oder in Gesellschaft anderer Leute, daß er sich auch durch andere nicht lasse verführen, sondern seine Seele von der Welt unbefleckt halte. Wie er nun dieses meidet, also befleißiget er sich unter seiner Arbeit, öfters an Gott zu gedenken, zu Gott zu seufzen und ihn um seines Heiligen Geistes Regierung und Beistand anzuflehen; und siehe, das ist der geistliche und tägliche Sabbat, den ein Kind Gottes stets feiern soll. Wer nun diesen täglichen Sabbat eifrig gefeiert, der kann versichert sein, er werde auch den ewigen den täglichen und ewigen Sabbat. 1 5 Sabbat im ewigen Leben feiern, welcher darin bestehet, daß die Gläubigen und auserwählten Kinder Gottes werden von aller leiblichen Arbeit, von allem Kreuz und Trübsal, von aller Sünde befreiet, Gott schauen von Angesicht zu Angesicht, immer mit ihm umgehen, ihn loben und ihm ohne Aufhören dienen. O, ein heiliger und herrlicher Sabbat, der niemals wird gestört werden! Dahin werden nur die gelangen, welche hier im Glauben und in der Liebe JEsu werden verharren bis in den Tod. Gebet. Heiliger und barmherziger Gott, da ich nun an diesem Tage dein heiliges Wort höre, durch welches du mich zu deinem lieben Kinde gemacht und aus dem Reiche des Teufels errettet hat, so erinnere ich mich an diesem Tage des täglichen geistlichen Sabbats, darin ich von Sünden ruhen und ablassen und dir meinen Leib und meine Seele, wie auch mein ganzes Leben heiligen soll. Nun, mein Gott, das soll hinfüro, durch deine Gnade, meine tägliche Arbeit sein, daß ich tue deinen, nicht meinen Willen, daß ich die bösen Lüste und Gedanken durch deine Kraft vertreibe, damit du allein in mir ruhen, mich mehr und mehr erleuchten und heiligen mögest. Ach Gott, gib, daß dieser geistliche und tägliche Sabbat meines Herzens niemals möge verstöret werden. Bete du in meinem Herzen, singe in meinem Herzen, lehre in meinem Her- 16 Der gläubige Christ erwäget den täglichen und ewigen Sabbat, zen, so ist mein Herz dein geheiligter Tempel. Wenn ich denn nun nach deinem Rat meines Lebens Tage und zugleich auch diesen geistlichen Sabbat werde geendiget haben, so führe mich, o Gott, ein zu dem himmlischen, ewigen Sabbat, da wir werden in ewiger Ruhe und in der seligen himmlischen Freude dich preisen in dem Tempel der Herrlichkeit; da werde ich das Heilig, Heilig, Heilig mit allen Engeln und Cherubinen anstimmen. Ach, mein Gott, laß mich dereinst zu solcher Seligkeit gelangen. Da wird sein das Freudenleben, Da viel tausend Seelen schon Sind mit Himmelsglanz umgeben, Dienen dir vor Gottes Thron, Da die Seraphinen prangen. Und das hohe Lied anfangen: Heilig, heilig, heilig heißt Gott der Vater, Sohn und Geist. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Der Christen Sabbat ist, Da sie in diesem Leben Der Sünde sterben ab, Ihr Herz gar Gott ergeben, Da sie von Sünd und Schand Und von der Bosheit ruhn, Und das mit allem Fleiß, Was Gott befiehlet, tun. 2. Der Sabbat hört nicht auf, Er daurt durchs ganze Leben, Indem sie alle Stund Ihr Herz zu Gott erheben; Des Herzens Harfe spielt, Die Zunge lobet Gott, Und dieser Sabbat währt Sogar bis in den Tod. 3. Der ewige Sabbat wird Nach diesem erst angehen, Dort in der Seligkeit, Woelbst die Frommen stehen, In großem Glanz und Licht, Wie Sonnen angekleid’t, Wo Ruhe, Fried und Freud Sie labt in Ewigkeit. - Abendgebet am Sonntag. 1 7 4. Wohlan, wer einstens will. Zu dieser Ruh gelangen. Der muß den Sabbat hie, Wie sich's gebührt, anfangen; Er sei und bleibe fromm. Und nehm im Glauben zu, So kommt er nach dem Tod. Zur wahren Sabbatsruh. Abendgebet am Sonntag. HErr, bleibe bei mir, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget. O, du lebendiger, allmächtiger Gott, wie unbegreiflich sind deine Werke, wie unaussprechlich deine Güte, welche du den Menschenkindern erzeigest! Ich kann von Gnade und Wahrheit, von Liebe und Barmherzigkeit sagen, indem du den vergangenen Tag mir viel Gutes an Leib und Seele erwiesen hat; du hast meine Seele gespeiset mit dem Brod des Lebens, und mir aus der lebendigen Quelle zu trinken gegeben; dein Wort ist meinem Munde süßer gewesen, denn Honig und Honigjeim. Ach, laß dein Wort Zeit meines Lebens ein Licht auf meinen Wegen bleiben, daß ich darnach meinen Gang richte, so werde ich nicht straucheln oder aus deiner Gnade fallen. Du bist auch mein Erretter, mein Beistand im Leiblichen gewesen, daß ich gesund diesen Abend erreicht habe. Ich bin nicht wert aller Barmherzigkeit, die du an mir getan hat. Wenn sich nun meine Glieder zur Ruhe legen, so tritt, 1 8 Abendgebet am Sonntag. o mein Schutz, mir zur Seite, habe Acht auf mich und schließ mich in deinen Schutz ein; laß mich beständig ein Licht in dem HErm sein und keine Gemeinschaft haben mit den unfruchtbaren Werken der Finstemiß. Laß dein Wort, das ich gehöret und gelemet, inskünftige in mir als einen heiligen Samen aufgehen, dessen Früchte man an meinem Leben, in der Frömmigkeit, in der Gottesfurcht, im Absterben der Welt und in einer heiligen Übergabe an dich wahmehmen möge. Sei mein Schirm und Schatten wider die Hitze der Anfechtung und wider die feurigen Pfeile des Satans. Der HErr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der HErr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Wende Feuer und Wassersnot und alles Unglück von mir und den Meinigen ab, und laß alle Betrübten, Kranken und Sterbenden deine reiche Gnade genießen; so soll morgen früh unser aller Mund deines Ruhmes voll sein, und wir wollen erzählen, was du uns Gutes an Leib und Seele getan hat. Verzeihe mir, wenn ich nicht mit solchem Eifer dein Wort gehöret, wie ich billig gesollt, und nimm deswegen deine Gnade nicht von mir. Laß in der neuen Woche alles neu an mir sein, schenke mir eine neue Liebe und Verlangen nach dir, einen Abendgebet am Sonntag. 19 neuen Trieb, dir zu dienen und zu gehorchen. Laß mich die in der vorigen Woche begangenen Sünden meiden und fliehen, damit jedermann erkenne, daß ich dein Wort nicht vergebens gehöret habe. Hilf, daß ich fleißig erwäge, daß ich eine unsterbliche Seele habe, damit ich mehr um meine Seele, als um den Leib bekümmert sei. Ich sehe mich, mein Gott, nach meiner Ruhestatt um; ich erinnere mich dabei an meine Grabstätte, darin ich ruhen werde, bis du mich an dem frohen jüngsten Tage zum ewigen Leben erwecken wirst. So gehe denn hin, mein Leib, in deine Kammer zur Ruhe; du aber, meine Seele, in die Wunden JEsu. Laß mich, HErr, von dir nicht wanken, In dir schlaf ich sanft und wohl; Gib mir heilige Gedanken, Und bin ich gleich Schlafes voll. So laß doch den Geist in mir Zu dir wachen für und für, Bis die Morgenröth angehet Und man von dem Bett aufstehet. Amen. Abendgesang am Sonntag. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ich lege mich in JEsu Wunden, Wenn ich mich leg zu meiner Ruh; Ich bleib im Schlaf mit ihm verbunden, Er drücket mir die Augen zu; Ich fürchte nicht die finstre Nacht, Da JEsus um mein Bette wacht. 2. Ich will im Schlaf mit Gott umgehen, Der kommt mir nie aus meinem Sinn; Mein Herz soll immer auf ihn sehen, Wenn ich nun eingeschlafen bin; Es soll mein Geist und Seel allein. Mit meinem Gott beschäftigt sein. 20 Abendgebet am Sonntag. 3. Im Schlafe soll die Seele wachen, Als welche Gottes nicht vergißt, Das kann den Schlaf mir süße machen, Weil sich mit Gott das Auge schließt; Ich bin, Gott, weil du bei mir, Wenn ich erwach, auch noch ei dir. 4. Ach Gott, wend alle Angst und Schmerzen. In Gnaden diese Nacht von mir, Ach, wirke stets in meinem Herzen, Ich such die Hülf allein bei dir; Laß Unglück, Schrecken, Noth und Pein, O Gott, von mir entfernet sein. 5. Laß also mir und auch den Meinen, Und was mir sonsten zugehört, Dein Gnadenlicht des Nachts erscheinen, Daß alles bleibe ungestört, Daß, wenn ich wieder aufersteh, Ich alles un verletzet jeh. 6. Laß deinen Engel bei mir bleiben. Und immer um mein Bette stehn, Laß ihn das Unglück von mir treiben, Auf mich und alle Frommen sehn; So schlaf ich sanft in Gottes Hut, Der auch im Schlaf mir Gutes thut. 7. Ich furchte nicht des Satans Schrecken, Noch seiner Rotte Macht und List, Weil Gott mich selber will bedecken, Und weil mein JEsus bei mir ist; Darf Satan mir kein Licht austun, So muß er mich auch lassen ruhn. 8. Es gehn zur Ruhe meine Glieder, Nachdem der Sonntag ist vollbracht; Mein Mund bricht aus in Freudenlieder. Bei eingebrochner finstrer Nacht; Ich steh mit JEsu wieder auf, Und so vollführ ich meinen Lauf. 9. Ich will dir Seele, Leib und Leben, Sowohl des Tags als auch bei Nacht, Hiemit, o treuer Gott, ergeben. Ach, hab du selber auf mich Acht. Ach, laß mich dir empfohlen sein; Denn du bist mein und ich bin dein. 10. So bleib ich denn in JEsu Wunden, Und schlafe in denselben ein; Auch in den letzten Todesstunden Werd ich da wohl verwahret sein; Darinnen will ich auferstehn Und zu des Lammes Hochzeit gehn. Der gläubige Christ danket Gott nach angehörtem göttlichen Wort. 21 Der gläubige Christ danket Gott nach angehörtem göttlichen Wort. Aufmunterung. Seid Täter des Worts, und nicht Hörer allein, damit ihr euch selbst betrüget. Jac. 1, 22. Wie alle göttlichen Wohltaten von den Kindern dieser Welt mißbraucht werden, also geschieht es auch von ihnen in Absicht auf die Anhörung des göttlichen Wortes, und sie sind hierin von den wahren Kindern Gottes weit unterschieden. Weltkinder bilden sich ein, 1) der Sonntag sei zu ihrer Üppigkeit und Lustbarkeit zu gebrauchen, da sie, von der Arbeit frei, ihrem Fleische sollen Vergnügen machen, welches doch grundfalsch ist. 2) Weltkinder gehen, wenn sie noch vieltun, auf eine ceremonienmäßige Weise des Morgens zu dem Gottesdienst, Nachmittags aber zum sündlichen Vergnügen, und hernach kommen sie, wo nicht berauscht, doch mit eiteln Gedanken, sündlichen Zerstreuungen und weltlichen Torheiten nach Hause. 3) Weltkinder achten das gepredigte Wort nicht, und wenn man die Montags fragen sollte, was ihnen ihr Kirchengang genutzet, was sie gehöret, was sie gelemet, so wissen sie nichts; der Teufel hat das Wort sogleich wieder von ihren Herzen genommen, daß sie nicht glauben und selig werden, Luc. 8, 12. 4) Und wenn sie ja noch etwas wissen, so bringen sie es doch nicht in die Übung. Wahre Kinder Gottes aber hören 1) mit Andacht das Wort Gottes an. 2) Das Gehörte wiederholen sie zu Hause, schreiben es auch wohl auf, und freuen sich darüber als über einen großen Schatz. 3) Sie denken auch in der Woche daran, und trachten, es in Übung zu bringen. Es hatte im alten Testament der HErr die Thiere zum Opfer erwählet, welche wiederkäueten, und die Seelen sind ihm auch die liebsten, welche das gehörte oder gelesene Wort Wiederkäuen, erwägen und aus demselben immer neue Nahrung, Kraft und Saft saugen, und sich also zum ewigen Leben erbauen. 22 Der gläubige Christ danket Gott Gebet. - O du gnadenreicher Gott, wie kann ich dir genugsam danken, wie kann ich genug am dich loben und preisen, daß du mich diesen Sonntag hat erleben lassen, an welchem ich dein heiliges Wort angehöret und vernommen habe, wie ich soll recht glauben, fromm leben und dereinst selig sterben! Du hast mir lassen kund werden, was dein gnädiger Wille an mich sei, du hast mich lassen lehren, was ich soll meiden und was ich solltun. Ach ja, du lässest dich nicht unbezeuget, damit niemand eine Entschuldigung habe. Du gibt uns dein heiliges Wort und die heiligen Sacramente, damit wir sie als Gnadenmittel zu unserm Heil gebrauchen sollen; dein Heiliger Geist will uns darin lehren, uns erleuchten, heiligen, stärken und gründen. Ach, barmherziger Gott, bewahre mich, daß ich kein vergeßlicher Hörer, sondern ein Täter des Wortes sei. Was hilft mir alles Hören, wenn ich nicht darnach tue? Darum versiegele, o Gott, Selbsten in mir, was ich gehöret und gelesen habe, und mache es auch in mir lebendig, thätig und kräftig. Ach, du Thürhüter, schleuß doch mein Herz so bald zu, wenn das Wort des Lebens zu meiner Erbauung in dasselbige gegangen ist, damit es der Satan mir nicht raube, und ich leer wieder nach angehörtem göttlichen Wort. 23 nach Hause gehen müsse. Gib, daß ich mich spiegele an dem Exempel so vieler tausend Menschen, die zwar dein Wort, o Gott, anhören, aber sich nicht bekehren und frömmer werden, noch die Bosheiten, Unarten und sündlichen Gewohnheiten ablegen, sondern vielmehr boshafter und frecher werden und bleiben. Was hilft solchen ihr Kirchengehen, ihr Singen, ihr Hören, ihr Beten? Wird das Wort sie nicht desto mehr verdammen, da sie des HErrn Willen gehört, gewußt und doch nicht darnach getan haben? Ach, mein Gott, laß mich diese Woche nun frömmer und gottseliger werden; gib, daß ich das gehörte Wort täglich wiederhole, davon mit den Meinigen rede, darüber mich erfreue, und allezeit damachtue. Habe ich aus deinem heiligen Wort vernommen, ich solle sanftmütig, demütig und bannherzig sein: ach, so verleihe mir Gnade, daß ich allezeit daran mich erinnere, und niemals in Zorn, Rachgier, Stolz und Unbarmherzigkeit verfalle, sondern meine Feinde liebe, mich selbst verleugne, und den Armen und Elenden Gutes tue. Habe ich gehöret, ich solle gegen meine bösen Lüste und Gedanken streiten, mich verleugnen, den alten Menschen ablegen, hingegen den neuen anziehen, züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt: so gib mir Kraft und 24 Der gläubige Christ danket Gott Stärke, daß ich mich darin täglich üben und es vollbringen möge; und ob es zwar gleich im Anfang in großer Schwachheit geschiehet, daß ich doch fortfahre in der Heiligung, und mich je mehr und mehr reinige von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes. Ach, laß mich mit deinem heiligen Wort umgehen, wie die Weltkinder mit ihren irdischen Schätzen, welche sie einschließen und wohl bewahren; ebenso gib mir Kraft, daß ich die heiligen Wahrheiten, teuren Glaubenslehren, kräftigen Vermahnungen zur Heiligung des Lebens, als einen lieben und werten Schatz in meinem Herzen bewahren, ja, auch täglich vermehren möge, damit ich in allen schweren Fällen, in Kreuz, in Trübsal, in Krankheit, ja, in dem Sterben, daraus einen Trostspruch nach dem andern hervorlangen könne. Ja, mein Gott, laß mich täglich zunehmen an Alter, Weisheit und Frömmigkeit, Gottesfurcht, Erkenntnis deines Willens und Gnade bei dir und den Menschen. Höchster Gott, wir danken dir, Daß du uns dein Wort gegeben; Gib uns Gnade, daß auch wir Nach demselben heilig leben; Du wollt selbst den Glauben stärken, Daß er thätig sei in Werken. Höchster Gott, ach, sei gepreist, Der du lehrt, was wir tun sollen; Schenk uns deinen guten Geist, Gib uns auch ein eifrig Wollen; Laß es ferner wohl gelingen, Gib zum Wollen das Vollbringen. Amen. nach angehörtem göttlichen Wort. 25 Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Wer Gottes Wort anhört, Der soll auch darnach leben, Und also einem Gott Sein Ohr und Herzegeben; Viel hören hilfet nichts, Wenn man doch gottlos bleibt, Und wenn man vor wie nach Die frechen Sünden treibt. 2. Hörst du aus Gottes Wort. Die wahre Buße lehren, Sothu auch wahre Buß, Fang an, dich zu bekehren, Und werdein neuer Mensch; Ach, bleib nicht, wer du bist; Ja, ändre dich bei Zeit. Und werd ein frommer Christ. 3. Hörst du, man solle sich Den Bösen nicht gleich stellen, So sollst du dich auch nicht. Zu ihrer Rott gesellen; Was böse Menschen tun, Das tue du doch nicht, Sei fromm und wandle stets Vor Gottes Angesicht. 4. Hörst du, daß JEsus hat Ein Vorbild uns gelassen, Wie man recht wandeln soll. Und alle Sünden haffen, So folg auch ihm doch nach, Bestreb dich immer dar, Daß du gefmnet seist, Wie JEsus Christus war. 5. Hörst du, es soll ein Christ Nicht nach dem Fleische leben, Solasse dieses Wort Dir stets vor Augen schweben; Folg deinem Herzen nicht, Und steh auf deiner Hut, Vollbringe nicht, wozu Dich treibt dein Fleisch und Blut. 6. Hörst du, man soll gerecht, Gottselig, züchtig wandeln, Und niemals wider Gott. Und ein Gewissen handeln: So folge dieser Stimm, Verlaß die Sündenbahn, Und fang durch Gottes Kraft. Ein neues Leben an. 7. Hörst du, man solle stets Den Nächten herzlich lieben. Und das, was dir gefällt, Mit Fleiß an ihm ausüben: So lieb ihn wie dich selbst, Verfolg und haß ihn nicht, Und so vollbring an ihm. Die anbefohlne Pflicht. 8. Mein Gott, verleih mir Gnad, Daß ich die Himmelslehren Mög immerdar mit Fleiß Zu meinem Nutzen hören, Daß ich, was ich gehört, Mit großer Sorgfalt thu, Und also hie und dort Gelang zu meiner Ruh. 26 Morgengebet am Montag. Morgengebet am Montag. Laß mich früh hören deine Gnade, denn ich hoffe auf dich; tue mir kund den Weg, darauf ich gehen soll, denn mich verlanget nach dir. Heiliger, gütiger und allein weiter Gott, der du den Himmel erschaffen, und die Erde gegründet, und verordnet hat, daß Tag und Nacht abwechseln, und auf das Licht die Finstemiß, und auf die Arbeit die Ruhe folgen soll, damit sich Menschen und Vieh erquicken mögen: ich lobe und preise dich für deine Weisheit und Vatertreue in dieser Morgenstunde, daß du mein Gebet so gnädiglich erhöret, mich die vergangene Nacht vor Krankheit und andenn Übel behütet, und das Meinige mit deinem Schutz umgeben hat. HErr, groß sind deine Werke, die du an den Menschen thut, deine Güte reichet, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen. Ich schlief, und du wachtet; ich war im Schlafe den Todten gleich, aber du hast mich der Sonne Licht wieder sehen lassen. Ach, mein Gott, sei auch heute mein Helfer und Erretter, mein Beistand und Tröster, meine Zuflucht und mein Erbarmer; laß deine Augen über mich offen sein, daß ich unter deinem Geleite unverletzt in meinem Beruf ein- und ausgehen, und den Abend nach deinem Willen Morgengebet am Montag. 27 wiederum unbeschädigt erreichen möge. Mein Gott, laß deinen Segen überall mit und bei mir sein; was ich in deinem Namen anfange, dazu gib selber Rat und Tat, und laß mich niemals etwas wollen, das du nicht willst. Laß mit dem aufgegangenen Sonnenlichte auch das Licht des Heiligen Geistes in mir aufgehen, daß ich den Tag in Furcht, Liebe und Gehorsam gegen dich hinbringe. Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, gewissen Geist; verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir; laß ihn mich leiten, lehren, führen, daß ich heute nicht wissentlich wider dich sündige, und wenn man mich zum Sündigen verleiten will, so laß ihn mich erinnern, und durch seine innerlichen Bestrafungen davon abhalten. Ich lege meine Kleider an, HErr JEsu, kleide mich mit dem Rock deiner Gerechtigkeit. Ich wasche meine Hände, HErr JEsu, wasche mich mit deinem heiligen Blut von allen meinen Sünden. Bewahre mich, daß ich niemals wandele im Rat der Gottlosen, noch sitze, da die Spötter sitzen, als welcher Freundschaft deine Feindschaft ist; so ich will der Welt Freund sein, und mit ihnen ihre sündliche und alte Gewohnheit treiben, so wirst du mein Feind werden. Ach, mein Gott, drücke 28 Der gläubige Christ bittet um Segen in mein Herz die Worte: Wandele vor mir und sei fromm. O, wie viele fangen eine Woche an, aber sie vollenden sie nicht, und sind am Ende derselben krank oder schon begraben! Darum laß mich allezeit nachjagen der Heiligung, ohne welche niemand dich schauen wird; laß mich gottseliger Worte, unsträflichen Wandels und heiliger Gedanken mich befleißigen, damit ich allezeit im Stande der Gnade und in deinen Wunden, o JEsu, erfunden werde. Die Gnade des Vaters erhalte mich, die Liebe des Sohnes heilige mich und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes mache mich fruchtbar zu allen guten Werken. Mit Segen mich beschütte, Mein Herz sei deine Hütte, Dein Wort sei meine Speise, Bis ich gen Himmel reise. Amen. - Der gläubige Christ bittet um Segen im Anfang der Woche. Aufmunterung. Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles in dem Namen des HErrn JEsu, und danket Gott und dem Vater durch ihn. Col. 3, 17. Hat man Ursache, zu beten und zu flehen, wenn ein Tag anbricht, wie viel mehr soll ein gläubiger Christ sein Herz und seine Augen zu Gott erheben, wenn er eine neue Woche anfangen will! Wie viele Menschen haben den Sonntag als den ersten Tag in der Woche gesund erlebet, und sind den Sonnabend darauf schon begraben im Anfang der Woche. 29 gewesen! Wie viele haben die Woche fröhlich und im Segen angefangen, aber ehe sie solche geendet, hat sie das Unglück wie ein Sturmwetter überfallen, daß sie die Woche mit Ach und Weh, mit tausend Tränen und Händeringen beschlossen haben! Nun, mein lieber Christ, das kann dir und mir auch widerfahren; darum soll man gleich im Anfang der Woche zu Gott sich wenden. Es soll aber ein gläubiger Christ 1) Gott anrufen um einen Heiligen Geist, daß derselbe sein Herz wolle heiligen und ihn regieren, damit er nicht in Sünden fallen, Gott beleidigen, sein Gewissen verletzen, den Nächsten betrüben und eine große Verantwortung auf seine Seele laden möge. 2) Er soll die Woche über des Gebetes und des Gottesdienstes nicht vergessen, sondern sich befleißigen, daß er nicht allein des Sonntags, sondern auch in der Woche die Kirche und Betstunden fleißig besuche, sowie täglich in seinem Hause mit den Seinen Gottes Wort lese und betrachte. 3) Und weil es nicht liegt an unserem Rennen und Laufen zur Arbeit, so soll er sonderlich Gott um seinen Segen anrufen, aber auch mitten unter der Arbeit an Gott gedenken, und mit Gebet die Arbeit anfangen, mittein und vollenden. 4) Er soll behutsam reden, christlich wandeln, Gott vor Augen haben, und gedenken, daß eine Woche nach der andern hinschleicht, bis endlich die letzte Todesoder Sterbewoche kommt, da unsere Seele soll vor Gott zur Rechenschaft gestellt werden. Wer das thut, der kann im Segen die Woche anfangen und unter Gottes Schutz vollenden; und sollte er es ihm auch eine Kreuzwoche werden lassen, so wird er doch darin sein Helfer, Retter und Beistand ein und bleiben. Gebet. O du liebreicher und barmherziger Gott! Ich fange unter deinem Beistand eine neue Woche an; ich weiß aber nicht, was mir darin 30 Der gläubige Christ bittet um Segen widerfahren wird. Wie viel Übels und Unglücks kann uns in einem Tage begegnen, wie viel mehr in einer ganzen Woche! Darum komme ich gleich im Anfänge derselben zu dir und empfehle mich dir ganz und gar. Ach, mein Gott, gib mir deinen Heiligen Geist, der mich heilige, leite und regiere und meinem Geist das Zeugnis gebe, daß ich ein Kind Gottes sei. Segne mich diese Woche, segne meinen Ausgang und Eingang, segne meine Berufsarbeit und Geschäfte, segne meine Schritte und Tritte. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Segen und Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom HErm, der Himmel und Erde gemacht hat. Wenn du mich leitet, so irre ich nicht; wenn du mich hältst, so falle ich nicht, darum laß deine Treue und Güte mich allweg behüten. Segne auch alles, was mein ist, und laß es in deinem Segen blühen. Ach, mein Gott und treuer Vater, schütze und bewahre mich vor Schaden, Gefahr, Verlust und Unglück; laß mich Tag und Nacht in deinem Schutz und Gnade stehen. Bewahre mein Haus um und um, wie das Haus Hiobs; laß um mich und das Meinige deine Engel eine Wagenburg schlagen, so wird mich kein Unfall stürzen, so groß er auch ist. Erhöre mein Gebet, wenn ich zu dir schreie, und laß mich nicht uner- im Anfang der Woche. 3 1 hört von dem Thron deiner Gnade Weggehen. Bewahre mich vor schweren Sünden; weise mir, HErr, deine Wege; leite mich in deiner Wahrheit. Erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Gib, daß ich diese Woche möge frömmer und gottseliger werden, in deiner Erkenntnis und Liebe zunehmen, und wie ich eine Woche nach der andern zurücklege, ich auch an dem inwendigen Menschen wachsen, und in meinem Glauben darreichen möge Tugend und in der Tugend Bescheidenheit, und in der Bescheidenheit Mäßigkeit, und in der Mäßigkeit Geduld, und in der Geduld Gottseligkeit, damit, wenn nun die letzte Lebenswoche einbricht, ich deiner Gnade möge versichert sein. Sollte auch diese Woche mir eine Kreuzwoche werden, so stärke mich durch deinen Heiligen Geist, daß ich alles unter deinem mächtigen Beistand ausstehen und überwinden könne. Sei du selbst mein Helfer und Erretter in und aus aller Noth. Nun, ich befehle mich mit Leib und Seele und allem, was ich habe, in deinen gnädigen Vaterschutz, wie auch alle frommen Christen. Darauf so sprech ich Amen, Und zweifle nicht daran, Und geh in Gottes Namen. Die vorgeschriebne Bahn; Ich streck aus meine Hand, Greif an das Werk mit Freuden, Das er mir will bescheiden. In mein’m Beruf und Stand. Amen. 32 Der gläubige Christ bittet um Segen im Anfang der Woche. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott, 1. Ich will die neue Woch"Mit dir, o Gott, anheben, Du wollt mir deinen Geist. Und deinen Segen geben; Im Anfang steh mir bei Und weiche nicht von mir, Daß ich am Ende noch Vereinigt sei mit dir. 2. Ohn deinen Segen kann. Mein Vater, nichts gedeihen, Drum wir, o Segens-Gott, Um Segen zu dir schreien; Ach, komme selbst zu uns. Und greif das Werk mit an, Weil es durch dich allein Befördert werden kann. 3. Ach ja, es ist umsonst, Am Morgen früh aufstehen Und mit Bekümmernis An seine Arbeit gehen, Wenn du nicht selbst mitgeht. Und stehest mit dabei, Daß Anfang und auch End Von dir gesegnet sei. 4. Drum komm, o Gott, zu mir. Und gib mir deinen Segen; Denselben wollest du In meine Arbeit legen; Ach, segne all mein Thun, Ach, segne meine Tritt. Und teile gnädiglich Mir deinen Segen mit. 5. Laß mich in Frömmigkeit. Die ganze Woch hinbringen; Laß meine Arbeit sein, Dich loben, beten, fingen; Bewahre mich vor Sünd Und grober Missetat, Und wenn ich Buße thu, So schenk mir deine Gnad. 6. Mein Gott, begleite mich Auf allen meinen Wegen, Und willst du diese Woch Ein Kreuz mir auferlegen, So biet mir deine Hand. Und steh mir kräftig bei, Ja, trage Selbsten mit, Daß mir's erträglich sei. 7. Nun, was du Gutes wirft Mir diese Woch erweisen, Dafür soll dich, mein Gott, Mein Mund und Herze preisen; Ach, laß mich als dein Kind Dir stets empfohlen sein, Bis ich durch IEu Blut. Geh zu der Freude ein. Aufmunterung zum Abendgebet am Montag. 33 Aufmunterung zum Abendgebet am Montag. Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, HErr, hilft mir, daß ich sicher wohne. Psalm 4, 9. Ist die Dankbarkeit eine schöne Tugend, welche Gott und Menschen wohlgefällt, so soll auch ein gläubiger Christ derselben eingedenk sein, wenn ihn Gott einen Tag hat überleben und den Abend erreichen lassen. Es ist zu beklagen, daß viele Menschen Tage, Wochen, Monate, ja, ganze Jahre hinbringen, ohne zu erkennen, was Gott an ihnen getan hat. Sie genießen von Gott Schutz, Beistand, Hülfe, und danken ihm nicht einmal dafür, sondern meinen, es müßte so sein, sie müßten gesund, glücklich und im Wohlsein ihre Zeit hinbringen, Gott müßte also die erhalten und es ihnen lassen wohl ergehen. Darum, o gläubiger Christ, sondere dich ab von solchen undankbaren Seelen. Hast du den Tag unter dem Schutz und Beistand Gottes glücklich zurückgelegt, fangt die Sonne an unterzugehen, und will es nunmehr Abend werden, so hebe deine Augen auf gen Himmel mit Danken und mit Beten. 1) Danke Gott, daß er dich den Tag über vor Unglück bewahret, und denke, wie viele Menschen vielleicht den Tag, an welchem dich kein Leiden berühret, in das größte Unglück gekommen, ihre Gesundheit verloren, des Abends krank und in großen Schmerzen auf ihr Bette sind gelegt worden, da sie den Morgen noch frisch und gesund waren; ja, wie viele sind in einem Tage arm geworden durch Unglück, die am Morgen noch nichts davon wußten. 2) Bitte Gott um Vergebung deiner Sünden, untersuche deine Reden und deine Taten; hast du den Tag über etwas geredet wider Gott und den Nächsten, hast du etwas vollbracht, das wider dein Gewissen und Christentum ist, o, alsdann bleibe auf und und bitte es Gott ab, ehe du schlafen gehet. 3) Gedenke, vielleicht wird in dieser Nacht Gott deine Seele von dir fordern, o, darum mache Frieden mit deinem Gott, ehe 34 Abendgebet am Montag. du die Augen schließest. 4) Bitte Gott um Schutz und um seiner heiligen Engel Wacht, daß sie alles Unglück von dir abtreiben. 5) Auch in der Nacht selbst, wenn du etwa vom Schlaf erwachet, so denke an Gott; danke ihm, so schläfst du in seinen Armen und unter der heiligen Engel Schutz sanft und selig. WAbendgebet am Montag. Ich liege und schlafe ganz mit Frieden, denn du, HErr, hilft mir, daß ich sicher wohne. O du ewiger und allmächtiger Gott, dieses sind meine Abendgedanken, da ich mich zur Ruhe begeben will. O, wie soll ich dir genug am danken, daß du mich aus- und einbegleitet hat, daß ich meinen Fuß an keinen Stein gestoßen? Du hast mich gespeiset und getränket, du hast mich getröstet uud erquicket, dein Aufsehen hat meinen Odem bewahret, und durch dich und deine Gnade stehe ich noch bis auf den heutigen Tag. Alle diese und andere Wohltaten sind lauter Stimmen, welche mich zu deinem Lobe aufmuntem; darum so lobe den HErm, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den HErm, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat. Vergib mir, o HErr, vergib mir aus Gnade, wo ich heute das Vorbild meines JEsu nicht vor Augen gehabt, und deine Gebote aus den Augen gesetzet, hingegen nach der Welt und mit der Welt gelebet habe. Abendgebet am Montag. 35 Ach HErr, ich schuldige mich und tue Buße im Staub und in der Asche. Der Tag ist nun dahin, tilge auch meine Sünden, wie einen Nebel, und gedenke derselben nimmermehr; ich gelobe dir hiermit an, in rechter Aufrichtigkeit meines Herzens, daß ich dir fleißig dienen und meinen Wandel nach deinem Wort einrichten will. Behüte mich diese Nacht vor allen Nachstellungen des Feindes, vor Unglück und allem Übel; drücke mir Selbsten, wenn ich einschlafe, die Augen zu, mein JEsu, aber drücke mir auch zugleich dein blutiges Bild in mein Herz, daß ich deiner nicht vergesse. Meine Seele mit Begier träume stets, o Gott, von dir, daß ich fest an dir stets bleibe, und auch schlafend dein verbleibe. Sei mein Licht in der Finstemiß, mein Helfer in der Noth; mein Herz hält dir vor dein Wort: ihr sollt mein Antlitz suchen; darum suche ich auch, HErr, dein Antlitz. Ich weiß nirgend hin, als zu dir, o allmächtiger Gott! Mein Vater ist bei mir, warum sollt ich mich fürchten, wenn ich schon einsam liege und schlafe? Mein JEsus, meiner Seele Licht, ist bei mir, wenn sich schon meiner Augen Licht schließet. Der Heilige Geist ist bei mir, der erhält das Zeugnis in meinem Herzen, daß ich ein Kind Gottes sei, ob ich schon von mir selbst nichts weiß. Bin ich also in den 36 Morgengebet am Dienstag. Schutz des dreieinigen Gottes eingeschlossen, so schlafe ich sicher, wie Jakob; ich schlafe getrost, wie ein Kind an seiner Mutter Brust; ich schlafe beschützt, wie Petrus. — Gedenke, HErr, doch auch an mich. In dieser finstern Nacht, Und schenke mir genädiglich Den Schirm von deiner Wacht. Darauf thu ich mein Augen zu. Und schlafe fröhlich ein. Mein Gott wacht jetzt in meiner Ruh, Wer wollte traurig sein? Amen. Morgengebet am Dienstag. Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Todten, so wird dich Christus erleuchten. O du barmherziger Gott, dessen Güte und Treue alle Morgen neu ist, ich sage dir mit Herz und Mund Lob und Dank, daß du mich an diesem Morgen wiederum gesund von meinem Lager hat aufstehen lassen, und meinen Leib vor Schaden und meine Seele vor Sünden bewahret. Wie groß ist deine Güte, HErr, daß Menschen unter dem Schatten deiner Flügel trauen und unter demselben so mächtiglich bewahrt werden! Ich schaue nach der Finsternis wiederum das Sonnenlicht; gib mir Gnade, daß ich diesen ganzen Tag in deinem Licht wandele und alle Werke der Finsternis fliehe. Ich achte den Tag für verloren, an welchem ich der Welt gedienet, Morgengebet am Dienstag. 37 und meinen Mund, meine Glieder und Sinne nach der Welt Gewohnheiten und Torheiten gerichtet habe, wovon ich dereinsten vor deinem Gerichte eine schwere Rechenschaft geben muß. Ich opfere mich hingegen dir ganz zu deinem Dienst auf mit Leib und Seele; laß mich nichts wollen, nichts vornehmen und gedenken, als was dir gefällt, auf daß der ganze Tag dir möge geheiligt sein. Ja, laß mich allezeit so leben, reden und tun, als ob ich heute noch sterben müßte. Und da ich nach der finstern Nacht, darin ich als dein Kind in deinem Arm gelegen, nun wiederum von neuem lebe, so weiß ich nirgend hin, als zu dir; ich klopfe an deine Gnadenthür, ich wende mich wieder zu der Segensquelle, aus welcher ich nehme einen Segen, nach dem andern, eine Hülfe nach der andern; denn was du, HErr, segnet, das ist gesegnet ewiglich; wenn du deine Hand aufthut, so wird alles gesättiget mit Wohlgefallen. Gib mir guten Rat, wenn ich Rat bedarf; richte meine Anschläge und mein Vornehmen nach deinem Willen. Entzünde in mir die Flamme deiner göttlichen Liebe, daß ich diejen Tag meinen Glauben in den Werken zeige, und in wahrer Liebe gegen dich und den Nächsten verharre, auf daß ich ohne Gewissenswunden den Abend erreiche. Wenn ich rufe zu dir, HErr, 38 Der gläubige Christ freuet sich einer Wiedergeburt. mein Gott, so schweige mir nicht, auf daß nicht, wo du schweigert, ich gleich werde denen, die in die Hölle fahren. Höre die Stimme meines Flehens, wenn ich meine Hände aufhebe zu deinem Heiligtum. Laß das Gebet der Elenden, Traurigen, Kranken und auch das Gebet der Meinigen und aller Frommen vor deinem Gnadenstuhl Erhörung finden. Ja, rieht mein ganzes Leben. Allein nach deinem Sinn, Und wenn ich es soll geben. Ins Todes Rachen hin, Wenn's hie mit mir wird aus, So laß mich selig sterben, Und nach dem Tod ererben. Des ewgen Lebens Haus. Amen. Der gläubige Christ freuet sich seiner Wiedergeburt. Aufmunterung. Gelobet sei Gott, und der Vater unsers HErm JEsu Christi, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung JEsu Christi von den Todten, zu einem unvergänglichen, und unbefleckten, und unverwelklichen Erbe, das behalten wird im Himmel. 1 Petr. 1,3.4. Wer sich rühmen will, der rühme sich des HErm. Wer sich freuen will, der freue sich über solche Dinge, die ihn ewig können glückselig machen. Ist nun etwas, dessen sich ein Gläubiger rühmen, und darüber er sich freuen kann, so ist's gewiß die Wiedergeburt, so ist's gewiß diejenige Wohltat, daß er getauft und dadurch ein Kind Gottes geworden ist. Wir haben in der heiligen Taufe erlanget: 1) die Kindschaft bei Gott. Gott ist unser Vater, der uns als eine Kinder ernähren, bewahren, versorgen und nicht lassen will. Wir haben empfangen Der gläubige Christ freuet sich einer Wiedergeburt. 39 2) die Gerechtigkeit JEsu Christi; alles, was JEsus hat durch sein Leiden und Sterben erworben, das ist uns in der heiligen Taufe geschenket und zu eigen gegeben worden. Ja, wir sind in ihn gepflanzet, er ist der Weinstock, wir sind die Reben, durch ihn erlangen wir neue Stärke zum Guten, Licht, Weisheit und Gnade. 3) Uns ist erteilet die Inwohnung des Heiligen Geistes, der will in uns wohnen, unser Herz heiligen, unsere Zunge und unsem Mund regieren, unser ganzes Leben nach dem Wort und Willen Gottes einrichten. Durch solche inwohnende Kraft des Heiligen Geistes werden wir von dem Bösen mehr und mehr abgezogen, und wachsen im Glauben, in der Frömmigkeit und in der Gottesfurcht, wie ein neugeborenes Kind an Kräften und an Jahren zunimmt. 4) Wir erlangen auch die ewige Seligkeit, daß wir nach diesem Leben an der ewigen Freude und Herrlichkeit sollen Teil haben. Wer dieses erwäget, der muß sich billig herzlich in Gott erfreuen. Aber er sehe sich auch vor, 1) daß er die empfangene Gnade nicht wiederum verliere; 2) daß er würdiglich wandele in seinem Beruf; 3) daß er die Welt nicht wiederum lieb gewinne, oder mit Unwiedergeborenen und Weltkindem vorsätzlich sündige, und sich ihnen gleich stelle; 4) daß er seinem himmlischen Vater gehorsam sei, wie ein liebes Kind, daß er dem HErrn JEsu nachfolge, daß er des Heiligen Geistes Trieb nicht widerstrebe. So ist es gewiß, daß er des dreieinigen Gottes Liebe, Gnade und Beistand wird genießen hier in der Zeit und selig sein dorten in der Ewigkeit. Gebet. Großer Gott und liebter Vater, wie kann ich genugsam deine Liebe erkennen, loben und preisen, daß du dich meiner Seele so herzlich angenommen hat, daß sie nicht verdürbe! O, welche 40 Der gläubige Christ freuet sich seiner Wiedergeburt. Herrlichkeit hast du mir in der heiligen Taufe mitgeteilet, da du mich zu deinem Kinde angenommen hast! Rühmen Menschen ihre Glückseligkeit gar sehr, welche sie durch ihre hohe Geburt, durch Besitz nehmung hoher Ehrenstellen, durch großen Reichtum und durch ansehnliche Güter erlangt haben: siehe, so achte ich meine Glückseligkeit viel größer, nämlich diese, daß ich dein Kind bin; denn sind wir Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, so wir anders mit leiden, damit wir auch zur Herrlichkeit erhoben werden. Bin ich ein Kind Gottes, so wird mich mein himmlischer Vater erhalten, regieren, versorgen, beschützen, ja, er wird mich niemals und in keiner Noth verlassen. Bin ich ein Kind Gottes, so habe ich nicht nur an ihm einen kräftigen Beistand im Leben, sondern auch große Freudigkeit im Sterben; darum wird er mich als sein Kind erquicken, laben, trösten und nach meinem Abschied aus dieser Welt in das ewige Freudenleben führen. Gib mir, o liebter Vater, deinen Heiligen Geist, der mich an diese Herrlichkeit fleißig erinnere. Ich bin noch in der Welt und lebe unter den Menschenkindern. Ach, bewahre mich, daß ich mit den Weltkindem nicht sündige und Böses tue, und mich ihnen nicht gleichstelle. Der gläubige Christ freuet sich seiner Wiedergeburt. 41 Sehe ich jemand Böses tun, höre ich etwas Böses reden, so laß mich gedenken, ich sei ein Gotteskind, dem solche Sünden und Laster nicht anstehen. Laß mich in deiner Kraft fröhlich sprechen: Welt, du mußt wissen, daß mir mein Kindesrecht und Kindesteil an Gott und an dem Himmel nicht feil ist, um deiner Lustbarkeit, Eitelkeit und Gewohnheiten zu genießen. Mein JEsu, du weißt, daß ich dich lieb habe und mich herzlich betrübe, wenn ich dich nicht allezeit und in der Tat so liebe, wie ich sollte und wollte. Ach, nimm doch meinen Willen gnädig an; und also laß mich mein Leben in Glauben und Frömmigkeit, in Heiligkeit, Reinigkeit und kindlicher Demut führen, dich lieben, ehren, fürchten und dir folgen, damit ich wie dein Kind leben und sterben, und wie dein Kind zur Himmelsfreude gelangen möge. Ich habe JEsum angezogen. Schon längst in meiner heilgen Tauf; Du bist mir auch daher gewogen. Hat mich zum Kind genommen auf. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. Amen. Gesang. Mel.: JEsu, der du meine Seele. 1. Wer nicht wieder ist geboren. Aus dem Wasser und aus Geist, Der ist ewiglich verloren, Wie es Gottes Wort beweist; Denn es muß allhier auf Erden. Der ein neuer Mensch noch werden, Welcher will nach dieser Zeit Kommen in die Ewigkeit. 42 Der gläubige Christ freuet sich einer Wiedergeburt. 2. Es muß die Geburt geschehen. Durch die Tauf und Gottes Wort; Wird man dem nicht widerstehen, Stoßet man die Gnad nicht fort, So wird man gar bald empfinden, Wie die Unart wird verschwinden; Denn kommt Gott ins Herzenshaus, So treibt er die Sünd hinaus. 3. Uns wird auch zugleich gegeben, Gott, der werte Heilge Geist, Der fängt an ein neues Leben, Das die Laster aus uns reißt; Er erneuert alle Sinnen, Worte, Werke und Beginnen, Treibet uns zum Guten an, Daß man Gott recht dienen kann. 4. Hierauf muß der Mensch nun trachten, Gott zu lieben allezeit, Muß die Welt und Sünd verachten, Wachsen in der Frömmigkeit; Er muß gänzlich unterlassen. Und von Grund der Seele haffen, Was er hat vorher geliebt Und mit Freuden ausgeübt. 5. Singen, Beten, Gott zu Ehren, Ist des neuen Menschen Sinn, Von der Welt zu Gott sich kehren, Neue Kräfte anzuziehn; Gottes Willen zu verrichten, Ist des neuen Menschen Dichten; Also wird er gänzlich neu, Als ob's nicht der Mensch mehr sei. 6. Also muß in dir Vorgehen. Eine Herzensänderung, Also muß man an dir sehen. Eine Lebensheiligung; So muß Herz, Sinn und Geberden. Ganz an dir erneuert werden. Daß die Glaub und Lieb auszier, Daß die Gottes Geist regier. 7. Ach, mein Gott, hie fall ich nieder, Fördre in mir dieses Werk, Andre Sinnen, Herz und Glieder, Gib mir deines Geistes Stärk, Daß ich ja nicht werd verloren, Sondern wieder sei geboren, Daß ich als dein Kind dich ehr. Und dich liebe mehr und mehr. 8. Laß mich auch in diesem Stande. Immer bleiben, o mein Gott, Bis daß meine Lebensbande Einst zerreißen durch den Tod; Daß mich nichts von dir abtreibe. Und du mein, ich dein verbleibe; Alsdann geh ich aus der Zeit In die frohe Seligkeit. Abendgebet am Dienstag. 43 Abendgebet am Dienstag. Der HErr ist mit mir, dämm fürchte ich mich nicht; was können mir Menschen tun? Also spreche ich jetzt, o du gnädiger und liebreicher Gott, in dieser Abendstunde, und sage dir demütigen Dank, daß du mich diesen Tag unter deinem väterlichen Schutz, deiner liebreichen Fürsorge, gnädigen Fiihmng und unter deinem reichen Segen hat zurücklegen lassen. HErr, deine Güte ist groß und deine Barmherzigkeit hat kein Ende. Der HErr ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn mit Ernst anmfen; er thut, was die Gottesfürchtigen begehren, er höret ihr Schreien und hilft ihnen. Ach, mein Gott, wie geschwind gehet doch ein Tag dahin; wie ein Pfeil wird abgeschossen, so geschwind verfließen unsere Jahre. Damm lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß, daß mein Leben ein Ziel hat, und daß ich davon muß. Siehe, meine Tage sind einer Hand breit vor dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, daß ein jeder empfange, nachdem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei Gutes oder Böses. Damm richte ich mich selbst und frage: Meine Seele, wie hast du heute den Tag hingebracht? hast du auch etwas Gutes gedacht? ist Gott heute mit dir vereinigt 44 Abendgebet am Dienstag. geblieben, oder hast du ihn mit vorsätzlichen und wissentlichen Sünden von dir getrieben? Mein Mund, was hast du heute geredet? hast du gesprochen, was ehrbar, was keusch, was wohl lautet? ist das Lob Gottes von dir ausgebreitet worden, oder bist du von Narreteiungen und schandbaren Worten übergeflossen? Wo seid ihr hingegangen, ihr Füße? Was habt ihr verrichtet und verübet, ihr Hände? Was habt ihr gehöret, ihr Ohren. Ihr Augen, wonach habt ihr gesehen? Was ist heute dein Verlangen, Dichten und Trachten gewesen, mein Herz? Ach, mein Gott, wenn ich auf alle diese Fragen antworten soll, o, wie werde ich bestehen? Ach HErr, nimm weg mit diesem Tage meine Übertretungen. O JEsu, tilge meine Sünden mit deinem heiligen Blut. O Heiliger Geist, versichere mich der Vergebung aller meiner Sünden, ehe ich noch einschlafe. Bin ich also von meiner Schuld, dreieiniger Gott, freigesprochen, so schlafe ich mit Freuden ein, und hüte mich morgen mit größerem Fleiß vor alle dem, was dich betrüben kann. Mein Vater, deine Liebe decke mich und die Meinigen; mein JEsu, in deinen Wunden ruheich sanft und wohl; o Heiliger Geist, tue du den letzten Seufzer in meinem Herzen, ehe ich einschlafe, mit welchem ich meinen Geist in die Hände Gottes empfehle. Morgengebet am Mittwoch. 45 Bin ich gleich von dir gewichen. Stell ich mich doch wieder ein, Hat mich doch dein Sohn verglichen Durch sein Angst und Todespein; Ich verleugne nicht die Schuld, Aber deine Gnad und Huld. Ist viel größer als die Sünde, Die ich stets in mir empfinde. Amen. Morgengebet am Mittwoch. Wenn ich erwache, bin ich noch bei dir, o gnädiger und liebreicher Gott, mein Fels, meine Burg und mein Erretter, mein Schild und Horn meines Heils und mein Schutz. Ich erhebe in dieser Frühstunde meine Stimme zu dem Throne deiner Gnaden, und danke dir, daß du die vergangene Nacht deine Flügel über mich ausgebreitet und meinen Leib und meine Seele vor allem Unfall bewahret hat. Gelobet sei der HErr täglich, und gelobet sein heiliger Name ewiglich. Mein Gott, du lässest einen Tag meines Lebens nach dem andern erscheinen, daß ich mich zur Ewigkeit bereiten und meine Seele dir zum Eigentum und zur Wohnung ergeben soll. Du hast mich erschaffen zum ewigen Leben, willst auch nicht, daß ich verloren werde, sondern daß ich mich bekehre und lebe; o, so laß mich diesen Tag auch dazu anwenden, daß ich schaffe selig zu werden mit Furcht und Zittern. Ich bin nun mitten in der Woche, und habe drei Tage derselben glücklich zurückgelegt; laß auch die übrigen 46 Morgengebet am Mittwoch. drei unter deinem Schutz und deiner Gnade nach deinem Wohlgefallen mich erreichen. Wenn ich mitten in der Angst wandele, so erquicke mich; wenn mich meine Feinde umgeben, so tritt du in die Mitte und hilf mir. Ach, mein Mittler JEsu, bleibe mitten in meinem Herzen, daß ich zu dir in allen Begebenheiten, Anliegen, Noth und Tod laufen, und von dir Hülfe erlangen könne. Ist Gott für mich, wer mag wider mich sein? Laß mich, o allerliebster Heiland, heute in deine heiligen Fußtapfen treten, und wandeln, wie du gewandelt hat; so werde ich den Verführungen der Welt und den Tücken meines eigenen Herzens leicht entfliehen. Sei bei mir auf meinen Berufswegen; ich spreche mit völligem Glauben: HErr, ich lasse dich nicht, du segnet mich denn. Segne mich im Schlaf und Wachen, segne meinen Schritt und Tritt, segne mich in allen Sachen, teil mir deinen Segen mit; gesegnet laß mich sein von dir, und nimm den Segen nicht von mir. Laß mich mitten unter meinen Berufsgeschäften mein Herz fleißig zu dir richten, und wenn es sich in der Weltluft und in den Weltsünden verwickeln und belustigen will, so gib mir Kraft, daß ich es losreiße, und es, mein Vater, in deine Liebe, mein JEsu, in deine Wunden einlenke, daß es sich nicht aus deiner Gemein- Der gläubige Christ bittet, Gott wolle ihn von der Welt abziehen. 47 Schaft verirre, und an dem Abend noch darinnen gefunden werde. Steht mir heute ein Kampf bevor, so hilf mir überwinden; meldet sich ein sündlicher Gedanke im Herzen, ein unartiges Wort in dem Munde an, so stärke mich, daß ich es durch deinen Geist abweise. Laß auch die Meinen dir befohlen sein, und laß allen Betrübten und Kranken mitten in ihrem Leiden dein Gnadenlicht aufgehen. Führe mich, o HErr, und leite Meinen Gang nach deinem Wort; Sei und bleibe du auch heute. Mein Beschützer und mein Hort; Nirgends als von dir allein Kann ich recht bewahret sein. Amen. Der gläubige Christ bittet, Gott wolle ihn von der Welt abziehen. Aufmunterung. Stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Vemeuerung eures Sinnes, auf daß ihr prüfen möget, welches da sei der gute, der wohlgefällige, und der vollkommene Gotteswille. Röm. 12, 2. Wenn ein gläubiger Christ erwäget, daß die Weltliebe ist wie das Unkraut, das von selbsten in der Seele wächst, hingegen die Furcht Gottes und die Liebe zu Gott wie eine schöne, wohlriechende Pflanze, die mit Fleiß und Mühe erst muß dahin gesetzet und wohl bewahret werden, so kann er daraus erkennen, was man für Sorge und Arbeit anzuwenden hat. Er soll demnach 1) erkennen, daß Welt in ihm und außer ihm sei. Welt in ihm sind die bösen Lüste, Tücken, Begierden und Gedanken eines Herzens. Welt außer ihm sind der bösen Menschen 48 Der gläubige Christ bittet, Exempel, Lockungen und Verführungen. 2) Diesen allen aber muß ein wahrer Christ widerstehen, den aufsteigenden Lüsten und Gedanken durch Gebet und Seufzen, und der Welt Reizungen durch Vermeidung der Weltgesellschaften, Gewohnheiten, Manieren und Lebensarten. 3) Weil nun dieses nicht stehet in unsem eigenen Kräften, so muß er Gott um Hülfe und Beistand eifrig anflehen. 4) Diees Abziehen von der Welt muß nicht so geschehen, als ob man sich einschließen, einsperren und mit niemand reden und umgehen wolle, sondern es muß darin bestehen, daß man mit den Weltkindem nicht sündige, und ihre bösen Werke und Taten nicht nachtue. Denn wenn wir mit gar keinen Gottlosen umgehen sollten, so müßten wir, nach Pauli Ausspruch, die Welt räumen. Wir sollen in der Welt sein, wie Joseph in Egypten, Lot in Sodom, Daniel und seine Gesellen in Babel, welche alle der Städte und Leute Sünden nicht verübten. 5) Dieses Abziehen von der Welt soll auch nicht nur zum Schein, auf etliche Tage geschehen, wenn man will zur Beichte und zu dem heiligen Abendmahl gehen, sondern diese Arbeit soll beständig sein. Die Welt muß täglich aus dem Herzen heraus, und JEsus muß täglich bei uns eingehen. Gebet. Barmherziger Gott, du Liebhaber der Menschen, wie bist du doch so liebreich gegen uns, daß du Geduld mit uns hat bei unsem vielen Fehlem und Schwachheiten, und strafest uns nicht auf frischer Tat, und wie wir es verdienen! Ach, du hast mir durch dein Wort die Augen geöffnet, daß ich mich nun selbst kenne und das Verderbnis meines Herzens einsehe. Ich fühle Welt in 49 Gott wolle ihn von der Welt abziehen. 49 mir und Welt außer mir. Ich finde Welt in mir, nämlich böse Gelüste meines Herzens, siindliche Neigungen und Triebe zum Bösen. Ich finde Welt außer mir, nämlich die bösen Menschen, die mich mit ihren Sündenexempeln und Verführungen reizen und verleiten wollen. Ach, leider, mein natürlich unartiges Herz hat viel mehr Lust und Freude daran, als an deinem heiligen Wort und an dem Leben, das nach deinem Wort geführt werden soll. Ach, wehe mir, daß ich so lange, so oft und so viel mich durch die Welt habe reizen und verführen lassen! Ich schäme mich, meine Augen vor dir aufzuheben, wenn ich an die Torheiten meiner jungen Jahre gedenke, da ich leider! ach, leider! der Welt mehr gedienet, als dir, meinem Gott, der Welt mehr zu Gefallen getan, als dir, der Welt mehr angehangen, als dir, aber auch damit dich beleidiget, mein Gewissen verletzet und dich zum Zorn gereizet habe. Siehe da, mein Gott, ich kehre um und tue Buße im Staub und in der Asche. Ach, ziehe mich selbst von der Welt ab, mein Gott, damit du allein mein Herz einnehmen und regieren mögest. Dein Heiliger Geist heilige mich durch und durch, und vertreibe die Welt aus mir; stelle mir vor das klägliche Ende der Weltkinder, damit ich dir anhange und nicht der Welt; daß 50 Der gläubige Christ bittet, ich dir folge, und nicht der Welt; daß ich dich höre, und nicht die Welt. Ziehe mich zurück, wenn ich mit der Welt von neuem laufen und sündigen will; erhalte mich allezeit in deiner Furcht, und erinnere mich, daß du mich zu deinem Dienst erschaffen hat, daß ich den neuen Menschen soll täglich anziehen, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Mache mir die Welt immer bitterer, aber die Frömmigkeit, Gottesfurcht und den Himmel süßer. Gib, daß ich beständig verachte die vergängliche Lust der Welt, damit ich sie fliehe, weil auf die genossene Weltlust und Weltfreude lauter Angst, Zerstreuung, ein böses Gewissen und das Seelenverderben folget. Reiße aus meinem Herzen, was noch Welt und Weltliebe heißet, und pflanze deine heilige Furcht in mich, die das Böse aus Liebe zu dir sorgfältig meidet. Du Schöpfer aller Dinge, Du väterliche Kraft, Regiert von End zu Ende. Kräftig aus eigner Macht. Das Herz uns zu dir wende. Und kehr ab unser Sinne, Daß sie nicht irrn von dir. Amen. Gesang. In eigener Melodie. 1. Was frag ich nach der Welt. Und allen ihren Schätzen, Wenn ich mich nur an dir, HErr JEsu, kann ergötzen! Dich hab ich einzig mir Zur Wollust vorgestellt, Du, du bist meine Ruh, Was frag ich nach der Welt! von der Welt abziehen. 5 1 2. Die Welt ist wie ein Rauch, Der in der Luft vergehet, Und einem Schatten gleich, Der kurze Zeit bestehet; Mein JEsus aber bleibt, Wenn alles bricht und fällt; Er ist mein starker Fels, Was frag ich nach der Welt! 3. Die Welt sucht Ehr und Ruhm. Bei hoch erhabnen Leuten. Und denkt nicht einmal dran, Wie bald doch diese gleiten; Das aber, was mein Herz Vor andern rühmlich hält, Ist JEsus nur allein; Was frag ich nach der Welt! 4. Die Welt sucht Geld und Gut. Und kann nicht eher raten, Sie habe denn zuvor. Den Mammon in dem Kasten; Ich weiß ein besser Gut, Womach mein Herze stellt: Ist JEsus nur mein Schatz, Was frag ich nach der Welt! 5. Die Welt bekümmert sich, Im Fall die wird verachtet, Als wenn man ihr mit List. Nach ihren Ehren trachtet; Ich trage Christi Schmach, So lang es ihm gefällt; Wenn mich mein Heiland ehrt, Was frag ich nach der Welt! 6. Die Welt kann ihre Lust Nicht hoch genug erheben, Sie darf noch wohl dazu Den Himmel dafür geben; Ein andrer half s mit ihr. Der von sich selbst viel hält, Ich liebe meinen Gott, Was frag ich nach der Welt! 7. Was frag ich nach der Welt, Im Hui muß sie verschwinden, Ihr Ansehn kann durchaus Den blassen Tod nicht binden; Die Güter müssen fort, Und alle Lust verfallt; Bleibt JEsus nur bei mir, Was frag ich nach der Welt! 8. Was frag ich nach der Welt, Mein JEsus ist mein Leben, Mein Schatz, mein Eigentum, Dem ich mich ganz ergeben, Mein ganzes Himmelreich. Und was mir sonst sag ich noch einmal: Was frag ich nach der Welt! 52 52 Abendgebet am Mittwoch. Abendgebet am Mittwoch. Ich liege und schlafe, und erwache, denn der HErr erhält mich. O du heiliger, gütiger und allein weiser Gott, du hast mich heute diesen vergangenen Tag abermal erfahren lassen, daß du der rechte Vater bist über alles, was Kinder heißet im Himmel und auf Erden; du hast nach deiner unendlichen Güte für mich gesorget, daß es mir nicht gemangelt hat an irgendeinem Gute. Ach HErr, ich bin zu gering aller Güte und Treue, die du mir erweitert. Wie soll ich dem HErrn vergelten alle Wohltaten, die er täglich an mir thut, der ich nur Staub und Asche bin? Verschmähe nicht das demütige Lobopfer, welches ich dir in dieser Abendstunde bringe, und siehe mich ferner in Gnaden an. Vergib mir, o gnädiger Gott, was ich diesen Tag mit Gedanken, Worten und Werken wider dich begangen habe. Hilf, daß ich mit meinen Kleidern alle bösen Gewohnheiten, Unarten und Sünden ausziehe, dieselben morgen und Zeit meines Lebens haffe und lasse, daß ich ablege nach dem vorigen Wandel den alten Menschen, und ihn nimmer wieder anziehe. Laß mich die bevorstehende Nacht gerät allen meinen Anverwandten und Hausgenossen unter dem Schutz deiner Gnade sanft und ruhig schlafen. Die Sonne verbirgt sich, 53 Abendgebet am Mittwoch. 53 aber laß, o JEsu, du Sonne der Gerechtigkeit, deinen Glanz in meinem Herzen leuchten. Erfülle mich im Schlaf mit guten Bewegungen, auf daß, wenn ich erwache, dein Name und Gedächtnis immer in meinem Herzen sei, daß ich von dir und deiner Güte, Treue und gnädigen Führung auf meinem Lager in schlaflosen Nächten reden und denken, und dadurch alle unnützen Sorgen und sündlichen Gedanken vertreiben möge. Erneuere im Schlaf meine Kräfte, daß ich munter und fröhlich den Tag erlebe. Wachet ein Hirt bei seiner Heerde, so laß mich auch deiner Hirtentreue an Leib und Seele befohlen sein. So du aber zur Prüfung meines Glaubens, meiner Geduld und Hoffnung etwas Widriges bei Tag oder Nacht über mich verhängen wolltest, so denke, mein Gott, daß ich dein Kind sei, daß ich ohne dich nichts vermag, und daß es dir, als meinem Vater, zukomme, Errettung und Hülfe aus deinem Heiligtum zu senden. In Traurigkeit erfreue mich, im Elend erquicke mich; wenn ich verlassen bin, so nimm dich meiner herzlich an. Laß deine Allgegenwart und dein allsehendes Auge bei Tag und Nacht mich von Sünden abhalten. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom HErm, der Himmel und Erde gemacht hat. 54 Morgengebet am Donnerstag. HErr, es ist von meinem Leben. Wiederum ein Tag dahin; Lehre mich nun Achtung geben, Ob ich fromm gewesen bin? Zeige mir's auch selber an, So ich was nicht recht getan; Und hilf jetzt in allen Sachen Guten Feierabend machen. Amen. Morgengebet am Donnerstag. HErr, höre meine Worte, merke auf meine Rede, vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott, denn ich will vor dir beten. O du gnädiger und barmherziger Gott, ich lobe und preise dich in dieser Morgenstunde, daß du mich nicht allein von meiner Jugend an so väterlich ernähret und bewahret hat, sondern daß du auch diese vergangene Nacht mein Schutz und mein Beistand gewesen bist, also daß ich zu deinem Lob wiederum gesund von meinem Lager aufstehen und das angenehme Tageslicht anschauen kann. O du Liebhaber des Lebens, was ist der Mensch, daß du fein gedenkest, und des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmt? Ich wußte im Schlaf von mir selbst nichts, aber dein Aufsehen hat meinen Odem bewahret; du hast mich und mein Haus mit deiner Engelwache umgeben, daß mich kein Unfall rühren und kein Unglück beschädigen konnte. Du hast mich durch eine sanfte Ruhe erquicket, welcher vielleicht viele Kranke, Betrübte, Geängstete haben entbehren Morgengebet am Donnerstag. 55 müssen, da ich wohl eben so viel, ja, noch mehr Züchtigung verdienet als sie, indem ich dir für die unsäglichen Wohltaten, so ich Zeit meines Lebens empfangen, nicht so dankbar gewesen, als es meine Pflicht gegen dich, mein Schöpfer, Erhalter und Erlöser, erfordert hätte, nämlich durch ein immerwährendes Lob und demütigen Dank. Nun, ich will heute anfangen, durch deine Gnade zu ersetzen, was ich durch meine Schuld versäumt habe. Ich verspreche in dieser Morgenstunde, dir mit Leib und Seele zu dienen und mich dir zu eigen zu geben. Ich habe mir vorgesetzt, daß mein Mund heute nicht soll übertreten, oder mit Narrentheidingen und sündlichen, unnützen Worten eine schwere Rechenschaft auf mich laden. Ich will meinem Fuß wehren alle sündlichen Wege; mein Auge soll nicht schauen nach mir verbotenen Dingen und Personen; ich will meine Hände nicht ausstrecken zur Ungerechtigkeit, und mein Ohr abwenden von loser Lehre und bösem Geschwätz, als welches gute Sitten verderbt. Hingegen will ich mich, o dreieiniger Gott, zu deinem Dienst ergeben; ach, wohne in mir, heilige, leite und reinige mich immer mehr und mehr durch deine Gnade. Laß mich diesen Tag immer mit frommen Leuten umgehen, und so ich ja Berufshalber und unverhofft zu Bösen komme, 56 Der gläubige Christ will JEsu nachfolgen. so bewahre mein Herz und Gewissen vor ihren sündlichen Reden, Taten und Befleckungen. Segne meine Arbeit, daß ich dieselbe mit kindlicher Zuversicht auf deine Fürsorge freudig und getrost verrichten, und deinen Segen aller Orten empfinden möge. Nun, ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom HErm, der Himmel und Erde gemacht hat; der segne, beglücke und bewahre mich hier in der Zeit bis in die frohe Ewigkeit. Unsern Ausgang segne Gott, Unsem Eingang gleichermaßen; Segne unser täglich Brod, Segne unser Thun und Lassen; Segne uns mit selgem Sterben. Und mach uns zu Himmelserben. Amen. Der gläubige Christ will JEin nachfolgen. Aufmunterung. Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme ein Kreuz auf sich und folge mir. Matth. 16, 24. HErr, siehe, ob ich auf bösen Wegen bin; so soll ein gläubiger Christ täglich seufzen nach Ps. 139,24. Fraget ein behutsamer Wandersmann fleißig nach dem Wege, so soll ein Gläubiger sich fleißig des Himmelsweges erkundigen. Es sind viele Verführer ausgegangen, spricht Johannes, dämm soll ein wahrer Christ sich wohl vorsehen, daß er nicht verführet werde. Ein gläubiger Christ folget demnach 1) nicht den Weltkindern nach, die ihn wollen mitnehmen zu ihren lustigen und sündlichen Gesellschaften; dadurch würde er seine Seele in allzu große Der gläubige Christ will JEsu nachfolgen. 57 Gefahr setzen; viel weniger folget er dem Trieb seines bösen Herzens, sondern er denket allezeit, so ihm etwas in die Gedanken kommt: ist das auch recht? Er folget auch nicht dem Satan und seinen Reizungen nach, sondern er folget nach 2) der heiligen Schrift, die ihm vorstellet, was er glauben, was er tun und unterlassen soll; das ist seine Lebensregel, was die nicht erlaubt, davor hat er einen herzlichen Abscheu. Er folget insonderheit nach 3) dem HErrn JEsu, der uns ein Vorbild gelassen hat, daß wir sollen nachfolgen seinen Fußtapfen; die Fußtapfen JEsu aber sind Demut, Geduld, Sanftmut, Keuschheit, Freundlichkeit und Frömmigkeit, als welche Tugenden er bei seinem Wandel auf Erden uns zum Muster hat ausgeübet. Hierin bestehet die heilige und wahre Nachfolge. Er folget 4) auch nach dem Exempel frommer Christen; siehet er an frommen Christen Eifer im Gebet, Ehrerbietigkeit gegen Gott, Mildthätigkeit gegen die Annen, und andere Tugenden, so trachtet er auch, solche nachzuahmen. 5) Diese heilige Nachfolge aber soll beständig bleiben bis in den Tod, so wird an solchen Seelen auch erfüllet werden, was Johannes saget, Offenb. 14, 4. Sie folgen dem Lamm nach in das ewige Leben. Ach, mein Gott und HErr, mein einziges Verlangen ist, daß ich also lebe, damit ich nach meinem Tode zur Himmelsfreude eingehen möge. Ich freue mich allezeit, wenn ich lese, die Auserwählten im Himmel gehen dem Lamme nach, wo es hingehet; aber ich erkenne auch wohl, daß derjenige, welcher will dem Lamme nachfolgen in der Herrlichkeit, ihm auch muß nachfolgen in dieser Zeit, dieweil er noch in der Welt lebet. 58 Der gläubige Christ will JEsu nachfolgen. Wenn ich dieses bedenke, so bin ich recht um mein Heil bekümmert; ich sehe viele Vorgänger, und weiß nicht, wem ich folgen soll. Der Satan ladet mich zwar ein durch seine Verführungen, ihm nachzufolgen, die Welt stellet mir ihr Exempel, ihre Wege, ihre Gesellschaft vor Augen; allein ich fürchte, ich möchte ihnen auch nach dem Tode folgen müssen, nämlich zur Hölle und Verdammniß. O, darum will ich dir, o JEsu, nachfolgen, so gehe ich den sichersten, besten und seligsten Weg. Ich will dir nachfolgen in Glauben, Liebe, Demut, Gehorsam, Frömmigkeit und Keuschheit. Christus hat uns ein Vorbild gelassen, daß wir sollen nachfolgen seinen Fußtapfen. Dieses Vorbild soll mir immer vor Augen stehen. Ich will nach dem Exempel JEsu meinen himmlischen Vater lieben, ehren und seinen heiligen Willen vollbringen. Ich will nach seinem Exempel meinen Nächsten lieben und ihm Gutes tun. Ich will nach seinem Exempel meinen Feinden gerne verzeihen. Ich will nach seinem Exempel demütig werden, weil er spricht: Lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig. Nun, dies ist mein heiliges Vorhaben, dazu wollest du mir Kraft verleihen. Ach, erinnere mich allezeit daran, wenn ich der bösen Weltkinder Geberden, Der gläubige Christ will JEsu nachfolgen. 59 Worte und Eitelkeiten vor mir sehe, damit ich gedenke: Wo gehest du hin, o Welt? Dein Gang ist nicht zu JEsu und zu der Seligkeit gerichtet. Hilf, daß ich mich selber frage: Ist dieses auch der rechte Himmelsweg? Gib, daß ich fleißig mich erinnere, wer ich bin und wer ich sein soll. Ich soll ein ein Kind Gottes, ein Nachfolger JEu; ich soll mich von der Welt unbefleckt erhalten. Hilf, daß ich in dieser Nachfolge und in diesem Sinn beständig verharre bis in den Tod. Ich folge JEsu nach In Gottesfurcht und Glauben, In wahrer Frömmigkeit, Die soll mir niemand rauben; ln Demut folg ich ihm, Werd ich ihm folgen schwach, So stärkt mich eine Hand, Ich folge JEsu nach. Amen. Gesang. Mel, : Alle Menschen müssen sterben. 1. JEsus bleibet meine Freude, Ob schon in der Welt nichts bleibt, Er ist meiner Seele Weide, Von dem mich nichts Irdisches treibt; Such ich Freud in diesem Leben, Kann mir solche JEsus geben; Drum soll JEsu nur allein. Meiner Seele Freude sein. 2. JEsus bleibet meine Sonne, Ob die Sonne untergeht, Er bleibt meiner Seele Wonne, Ob schon alles traurig steht; Wird mir nur nach meinem Weinen Diese Sonne wieder scheinen, O, so stehet's um mich wohl. Und ich bin Vergnügens voll. 3. JEsus bleibet unter Freunden. Dennoch stets mein bester Freund, Leb ich unter vielen Feinden, So wird er doch nie mein Feind; Sein Herz ist mit mir verbunden, 60 Abendgebet am Donnerstag. Und ich hab an ihm gefunden, Was ich in der Welt nicht find, Ja, an keines Menschen Kind. 4. JEsus bleibet mein Vergnügen, Ob mir's an Vergnügen fehlt, Mein Vergnügen ist ein Fügen, Mich vergnügt, was er erwählt; Drum sprech ich: Mir soll in allem Nur, was dir gefällt, gefallen; Mein Vergnügen ist dein Will, Deinem Willen halt ich still. 5. JEsus bleibet mein Ergötzen, Sonsten acht ich keine Lust, Außer ihm und seinen Schätzen. Ist mir sonst kein Schatz bewußt; Mein Gut und die beste Gabe, Die ich hier auf Erden habe, Ist mein JEsus nur allein, Soll's auch dort im Himmel sein. 6. Drum will ich an JEsu hangen. Wo ich gehe, wo ich steh, Denn dies ist nur mein Verlangen, Daß ich immer ihm nachgeh; Was kann mich von JEsu scheiden? Keine Trübsal und kein Leiden. Ich folg, ob ich gleich bin schwach, JEsu, Gottes Lamme, nach. 7. Wählt, ihr Menschen, o, erwählet Mit mir dieses höchste Gut; Wenn's euch gleich an vielem fehlet, So habt einen guten Muth; Suchet JEsum, halft ihn feste, Dieses ist das Allerbeste; So habt ihr in aller Noth Hülfe und auch Trost im Tod. Wlbendgebet am Donnerstag. Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, und wenn ich erwache, rede ich von dir. O reicher und liebreicher Gott und Vater, hier komme ich abermal mit vielen Wohltaten von dir überhäufet und begnadiget in dieser Abendstunde mit dankbarem Herzen vor dein Angesicht. O, wie gnädig hast du mich angesehen und, wie ein Vater über sein Kind, dich über mich Abendgebet am Donnerstag. 61 erbarmet, daß ich den Abend unbeschädigt erlebet habe; deine Langmut hat meiner geschonet, daß du mich nicht nach Verdienst gestraft hat. Ach, verzeihe mir alle Übertretungen, womit ich heimlich oder öffentlich dich beleidiget habe. Ich sollte stärker werden, wider die Sünde zu kämpfen, eifriger in dem Guten, andächtiger zum Gebet, behutsamer im Reden, frömmer im Wandel; aber wer kann merken, wie oft er fehle? verzeihe mir auch die verborgenen Fehler. Laß mich doch inskünftige mit Fleiß meiden, womit ich dich heute beleidiget habe. Ist meine Sünde groß, viel größer ist dein Erbarmen; wärest du nicht ein so barmherziger Gott, HErr, wer würde noch leben? Ich lege mich nun zur Ruhe, mein Gott, ach, schließe du selbst die Thüre hinter mir zu, wie an dem Kasten Noahs, daß kein Wasser der Trübsal mich überschwemme. Laß die heiligen Engel mich in ihren Schutz nehmen, daß meine sichtbaren und unsichtbaren Feinde meine Ruhe nicht stören. Laß mich bei meinem Niederlegen ins Bette auch gedenken, wie ich dereinst werde mit Erde zugedecket, aber am jüngsten Tage wieder auferwecket werden. Laß mich alle Tage also hinbringen und schließen, daß ich mich eines gnädigen Gottes und guten Gewissens trösten könne, auf daß ich bereit sei, zu welcher 62 Morgengebet am Freitag. Stunde du kommen wirst, mich heimzuführen. Wie ich liege und schlafe und doch noch Althem hole, o JEsu, so sei auch im Schlaf mit mir vereinigt. Odreieiniger Gott, unter deinem Schirm und Schild kann mich weder Noth noch Tod verletzen. Deine Liebe und Schutz, o Vater, deine Wunden, oJEsu, dein Beistand, owerter Heiliger Geist, sind die Wagenburg, darin ruhe ich sanft, und liege darin wohlverwahret; davor muß der Satan fliehen und sich ferne machen. Laß auch die Meinigen deines Schutzes genießen, wie auch alle Armen und Elenden. Stärke im Schlaf meine Kraft, und laß mich nach deinem Wohlgefallen das Tageslicht morgen wieder erblicken. HErr, laß mich ruhig schlafen ein, Hilf, daß mich nichts erschrecke, Und wenn die rechte Zeit wird sein, Alsdann mich wieder wecke, Daß ich an meine Arbeit tret, Wenn ich zuvor hab durchs Gebet Dir meine Werk befohlen. Verschmäh, o Gott, mein Vater, nicht Mein Seufzen, Bitt und Flehen; Laß mich dich, JEsu, wahres Licht, Auch in dem Finstern sehen; O Heilger Geist, am letzten End. Mit deinem Trost dich zu mir wend, Daß ich drauf sanft einschlafe. Amen. Morgengebet am Freitag. Mein Herz ist bereit, Gott, mein Herz ist bereit, daß ich singe und lobe. Gnädiger und liebreicher Gott, mein Vater, Erlöser und Heilig- Morgengebet am Freitag. 63 macher, ich hebe in dieser Morgenstunde mein Herz und meine Hände auf zu dem Thron deiner göttlichen Majestät, von welchem mir Zeit meines Lebens, und auch die vergangene Nacht, gar viele Wohltaten zugeflossen sind. Du bist in derselben meine Stärke, mein Schutz, mein Erretter, meine Burg, mein Nothhelfer, mein Trost, mein Schirm, ja, mein alles gewesen. Aller dieser Wohltaten, mein Gott und HErr, erkenne ich mich unwürdig. Du hast mitten in der Finsternis an mich gedacht, und als mich die dunkeln Schatten umgaben, hast du meinen Leib und meine Seele vor Schaden und Gefahr väterlich behütet. Darum preise ich dich und lobsinge deinem Namen. Der HErr hat Großes an mir getan, des bin ich fröhlich. Sei, o liebreicher Gott, auch diesen Tag mein Beistand, leite und führe mich nach deinem Rat, und nimm mich endlich mit Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Gib mir heute und allezeit ein, was ich reden soll, daß ich dich mit meinem Munde nicht beleidige. Lehre mich, was ich tun soll, daß ich nichts Böses tue. Laß des Geistes Zucht allezeit an mein Herzklopfen, wenn sich meine Gedanken von dir verirren wollen. Laß mich, o JEsu, dein blutiges Bild, wie du an einem Freitag, zur Zeit 64 Morgengebet am Freitag. deines bitteren Leidens, hat blutigen Schweiß für mich am Oelberg geschwitzet, blutig bist in dem Richthaus gegeißelt und blutig ans Kreuz angenagelt worden, vor Augen sehen, wenn Fleisch und Blut sündliche Lüfte in mir erregen. Zeigt sich heute von Außen vielleicht Gelegenheit zu Sünde, darein mein Herz willigen wollte, so zeige mir eben dies blutige Bild, daß dadurch alle Lust zur Sünde in mir erlöschet, ertödtet und vertrieben werde. Also wird mir dieser Freitag ein rechter Freiheitstag von Sünden zeit meines Lebens bleiben, wenn ich den Sünden absterbe, und in dem neuen Wesen des Geistes wandele. Gedenke auch im Leiblichen an mich und segne mich. Laß mich alles Irdische als ein vergängliches Gut ansehen, daß ich mein Herz nicht daran hänge, sondern nach dem Ewigen trachte. Wenn ich arbeite, so stärke mich; wenn ich bete, so erhöre mich; wenn ich ausgehe, so begleite mich; wenn ich heimgehe, so weiche nicht von mir. Umgib auch mich und die Meinigen mit deinem Schutz, wie das Haus Hiobs; bewahre mich, wie den Jakob; habe Acht auf mich, wie auf Elias, daß ich unter deinem Schutz den Abend wiederum fröhlich erlebe. Laß vor mich nicht kommen eine traurige Botschaft, sondern laß mich hören Freude und Wonne. Der gläubige Christ bittet um den Heiligen Geist. 65 Meinen Leib und meine Seele, Sammt den Sinnen und Verstand, Großer Gott, ich dir befehle. Unter deine starke Hand. HErr, mein Schild, mein Ehr und Ruhm, Nimm mich auf, dein Eigentum. Amen. Der gläubige Christ bittet um den Heiligen Geist. Aufmunterung. Schaffe in mir, Gott, ein rein Herz, und gib mir einen neuen gewissen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesichte, und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir. Ps. 51, 12. 13. Um den Heiligen Geist zu bitten, ist die allemothwendigste und seligste Bitte, denn in diesem Leben haben wir vonnöthen einen Führer, einen Lehrer, einen Tröster, und das ist der Heilige Geist, der führet uns in alle Wahrheit, er lehret uns JEsum Christum erkennen, er erkläret ihn uns, er tröstet uns in allerlei Leiden und Trübsal, ja, in der Stunde des Todes. Um den Heiligen Geist sollen bitten. Alte und Junge, Große und Kleine, die Eltern für sich und ihre Kinder, denn der Heilige Geist ist das Pfand unters Erbes; wer hier den Heiligen Geist nicht hat in seinem Herzen, der kann auch dorten nicht selig werden. Derohalben sind das die unglückseligsten Menschen, die ohne den Heiligen Geist sind; die können nicht fromm werden, noch fromm leben, sondern sündigen und fallen, weil sie ohne diesen Regierer und Führer sind; ja, wer will sie auf ihrem Todbette trösten, und in der letzten Noth erquicken? Hat uns Gott aber den Heiligen Geist gegeben, so soll man ihn nicht wieder von sich stoßen durch mutwillige Sünden und ein gottloses Leben, sondern täglich seufzen: Nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir! Solche Seelen stehen in der wahren Vereinigung mit Gott und in dem Stande der Seligkeit, wie St. Paulus bezeuget: Welche der Geist Gottes treibet, die sind Gottes Kinder. Röm. 8, 14. 66 Der gläubige Christ bittet um den Heiligen Geist. Großer Gott, heiliger Vater, siehe, ich armes Kind komme zu dir, und bitte dich um eine nothwendige Gabe, um den Heiligen Geist, welchen du hast gnädiglich verheißen allen zu geben, die dich darum anrufen. Darum sende ihn von oben herab, aus deiner heiligen Wohnung, in mein Herz, daß er sei mein Führer, der mich leite nach deinem Rat, damit ich allezeit, was vor dir wohlgefällig ist, vollbringe. Ach, ich sehe so viele Irrwege und Sündenwege, ich sehe so viele Menschen, die auf denselben gehen, und die mich teils mit freundlichen, teils mit Schmähworten reizen, ich sollte mit ihnen sündigen und Böses tun. Ach Gott, leite mich in deiner Wahrheit, erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte; stelle meiner Seele allezeit vor, wenn mir die Welt mit ihren Sünden will gefallen, daß mich solcher breite Weg in das Verderben und in die Verdammnis führet. Ach, gib mir deinen Heiligen Geist, den Geist der Wahrheit, der mich lehre; den Geist des Trostes, der mich erquicke; den Geist der Freudigkeit, der mich erfreue in Traurigkeit; den Geist der Wiedergeburt, der eine neue Creatur und einen neuen Menschen aus mir mache; den Geist der Kindschaft, der mich versichere, ich sei Der gläubige Christ bittet um den Heiligen Geist. 67 ein Kind Gottes; den Geist, das Pfand meines himmlischen Erbes. O werter Heiliger Geist, ach, heilige mich, du siehet ja, wie mein Herz noch voll Unreinigkeit, Unart und Sünden ist, daher denn lauter unheilige Gedanken, Worte und Werke entstehen; aber du siehet auch, wie ich durch deine Gnade davor einen herzlichen Abscheu habe. Ach, es ist mir leid, daß ich dich jemals betrübet und dein Anklopfen gering geachtet habe. Hiemit ergebe ich mich dir in deine heilige Führung und Regierung; du sollst sein meiner Seele Seele, meines Lebens Kraft, meines Herzens Trost, meines Verstandes Licht, meines Willens Ruhe und Stärke, meines Gedächtnisses Schatz, ein Ursprung, Anfang und Ende meines neuen und geistlichen Lebens. Ach, heilige mich durch und durch, damit mein Geist gerät Seele und Leib mögen unsträflich behalten werden bis auf den Tag JEsu Christi. Mache aus meinem Herzen deinen Tempel, und wohne darinnen. Mache meine Glieder zu Waffen der Gerechtigkeit, daß ich damit nicht möge vorsätzlich und mutwillig sündigen. Mache mein Herz zu einem lebendigen Opfer, das Gott angenehm sei. Du heiliges Feuer, brenne und vertreibe aus meinem Herzen alle fleischlichen Lüfte und Begierden, daß ich auch die Kräfte meines 68 Der gläubige Christ bittet um den Heiligen Geist. Leibes zu deiner Ehre gebrauche. Regiere und führe mich allezeit auf ebener Bahn, bis du mich in den Himmel führest. Wenn mein Fleisch und Blut und die Welt mir wegen des Leidens dieser Zeit den Trost benehmen will, daß ich sei ein Kind Gottes, ach, so versichere mich durch deinen kräftigen Zuspruch, daß weder Leben noch Tod mich werde scheiden von der Liebe Gottes, und daß Kinder Gottes zwar Kreuz und Trübsal haben, aber dennoch Kinder Gottes bleiben. Sei und bleibe du der beständige Einwohner und HErr in meinem Herzen; gib Zeugnis meinem Geist, daß ich ein Kind Gottes sei. Tröste mich auch in der Stunde meines Todes, wenn aller Menschen Hülfe und Beistand verschwindet, mit dem Trost, daß ich werde der Herrlichkeit teilhaftig werden, die mein JEsus durch sein Leiden und Sterben mir erworben hat. — Vater, gib mir auch die Gabe, Die du alle bitten heißt, Daß ich sie empfind und habe, Gib mir deinen Heilgen Geist; Denn ich habe groß Verlangen, Diese Gabe zu empfangen; Ach, erhöre meine Bitt, Teile deinen Geist mir mit. Amen. Gesang. Mel.: Zeuch ein zu meinen Toren. 1. Ach, komm doch in mein Herze, Owerter Heilger Geist! Sei meiner Seele Kerze, Die sie zum Himmel weist, Und mach die neu und rein; Ich habe groß Verlangen, O Geist, dich zu empfangen. Ach, kehre bei mir ein. Der gläubige Christ bittet um den Heiligen Geist. 69 2. Komm, gib mir neue Stärke. In meinem Christentum, Und heilge meine Werke. Zu deinem Dienst und Ruhm; Ach, mache mich ganz neu. Daß ich stets bet und singe Und nur allein vollbringe, Was dir gefällig sei. 3. Komm, heilge meinen Willen. Und reiß ihn von der Welt, Damit ich mög erfüllen. Was dir, mein Gott, gefällt; Ich geb mich gänzlich dir, Regiere meine Sinnen, Mein Leben und Beginnen, Und wohne stets in mir. 4. Ja ändre Herz und Leben. Und heilge gänzlich mich. Heb auf das Widerstreben, Daß alles richte sich Allein nach deinem Trieb, Daß ich die Sünde haffe, Das Böse unterlasse. Und wachs" in deiner Lieb. 5. Laß meine Lippen sprechen, Was ehrbar ist, hinfort. Damit sie nicht ausbrechen. Ins freche Sündenwort; Sei meiner Zunge Herr, Daß sie Gott lob und preise, Dem Nächsten Lieb erweise. Und dien zu deiner Ehr. 6. Ich will von mir ausgehen. Wenn du gehst bei mir ein. Und auf dein Winken sehen Dir ganz zu Dienste sein: Du bist's, den ich erwähl. Ich will mich dir ergeben, Du sollst nun ein mein Leben. Und meiner Seele Seel. 7. Wenn du nun hat genommen. In meinem Herzen Platz, Wenn du zu mir gekommen, So sollst du ein mein Schatz, Dieweil ich an dir hab Den allerbesten Führer, Den Tröster und Regierer, Die allerhöchste Gab. 8. Wird sich mein Leben enden. Daß ich abscheiden soll, So ist in deinen Händen. Mir auch im Sterben wohl; Zerrinnt des Lebens Saft, Daß ich kann nicht mehr beten, So wirst du mich vertreten. Durch deiner Seufzer Kraft. 9. Wenn ich nun werd erblassen, So sprich den Trost mir zu. Ich feie nicht verlassen, Ich komm zu meiner Ruh! Im letzten Kampf und Streit Hilf du mir kräftig ringen Und seliglich durchdringen. Zur Himmelsherrlichkeit. 70 Abendgebet am Freitag. Abendgebet am Freitag. Der Engel des HErm lagert sich um die her, so ihn fürchten, und hilft ihnen aus. O du großer und starker Gott, laß auch in dieser bevorstehenden Nacht deine heiligen Engel sich um mich her lagern und mich mit ihrem mächtigen Schutz umgeben; hast du den Engeln des Tags befohlen, daß sie mich behüten auf allen meinen Wegen, so laß sie auch des Nachts, als die Starken Salomonis, um mein Bette stehen. Ich lege mich nun zur Ruhe, mein JEsu, ach, bestreiche du die Pfosten meines Herzens mit deinem heiligen Blut, daß nicht Schädliches sich zu mir nahe; ich fürchte mich nicht, wenn du bei mir bist. Du hat mich heute begleitet, wo ich mich hingewendet, und in meine Verrichtungen deinen Segen geleget; du hast zu allem, was ich in deinem Namen angefangen. Glück gegeben. Ach, daß heute meine beständige Lehre Josephs Worte gewesen wären: Wie sollte ich ein so großes Übel tun und wider Gott sündigen? Ach, verzeihe mir aus Gnaden, was ich diesen Tag über Böses vollbracht, geredet, gedacht habe; laß mit dem abgehenden Tag auch meine Sünden und Sündenstrafe verschwinden, daß ihrer in Ewigkeit nicht mehr gedacht werde. So du willst Sünde zurechnen, HErr, wer wird bestehen? denn ich Abendgebet am Freitag. 71 weiß gar wohl, daß es also ist, daß ein Mensch nicht gerechtfertigt vor Gott bestehen mag; hat er Lust, mit ihm zu hadern, so kann er ihm auf tausend nicht eins antworten. Was ich aber nicht vermag, das will ich mit JEsu Blut bezahlen. Mein JEsus ist mein, sein Blut ist mein, seine Gerechtigkeit ist mein, ein Himmel ist mein. So erkenne mich doch, mein Hüter, mein Hirte, nimm mich an; von dir, Brunn aller Güter, ist mir viel Guts getan; laß mich solche deine Güte zur Buße leiten, denn du hast mich je und je geliebet, und aus großer Liebe hast du mich zu dir gezogen. Laß dein heißes Blut und deine treue Liebe mein kaltes Herz erwärmen, daß ich dich niemals mehr vorsätzlich möge beleidigen, der du so viel Gutes an mir getan hat. Ich lege mich zur Ruhe nieder, es kann auch diese Nacht meine letzte Nacht werden; ich weiß wohl, wie ich mich schlafen lege, aber ich weiß nicht, wie ich aufstehen werde, das stehet allein bei dir, du Herr meiner Tage und meines Lebens; aber das weiß ich doch gewiß, wenn ich in deinem Namen, mein Vater, in deinen Wunden, o JEsu, in deiner Gemeinschaft, o werter Heiliger Geist, einschlafe, so sterbe ich selig, wenn ich schon zu diesem zeitlichen Leben nicht wieder aufstehen sollte. 72 Morgengebet am Sonnabend. Ich lege mich in JEsu Wunden, Wenn ich mich lege zu der Ruh, Ich bleib im Schlaf mit ihm verbunden, Er drücket mir die Augen zu; Ich fürchte nicht die finstre Nacht, Weil JEsus um mein Bette wacht. Amen. Morgengebet am Sonnabend. HErr, lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß, daß mein Leben ein Ziel hat und daß ich davon muß. Starker und allmächtiger Gott, dieses sind jetzo meine Gedanken am Ende der Woche, da du am letzten Tage derselben mich hast gesund von meiner Ruhe aufstehen lassen. Ich rühme dich in dieser Frühstunde, daß du Leib und Seele so herrlich beschützet, so mächtig bedecket hat, daß keine Gefahr noch Leiden mich hat beunruhigen können. O mein Gott, so wenig die Sterne am Himmel, der Sand am Wasser, die Tropfen im Meer zu zählen sind, so wenig kann ich auch die Wohltaten namhaft machen, welche ich zeit meines Lebens, und auch diese Woche über von dir empfangen habe. Du bist diese Nacht nicht von meiner Seite gewichen, du hast alles Ungemach von mir abgewiesen. Du spracht: Mein Kind, nun liege, trotzdem, der dich betrüge, schlaf wohl, laß dir nicht grauen, du sollst die Sonne schauen. Dein Wort das ist geschehen, ich kann das Licht noch sehen, von Noth bin ich befreiet, dein Schutz hat mich vemeuet. Ach, laß Morgengebet am Sonnabend. 73 mich diesen Tag beständig verleugnen alles ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und dagegen züchtig, gerecht und gottselig den Tag hinbringen. Laß mich mit meinen Kleidern anziehen herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Sanftmut, Demut und Geduld, hingegen den alten Menschen mit seinen Werken, Ungerechtigkeit, Falschheit, Lügen, Zorn, Zank, Zwietracht, Unreinigkeit und Bosheit ausziehen. Weihe dir mein Herz zu einem Tempel, damit heute von mir nichts geredet oder vollbracht werde, was dir zuwider ist. Mein JEsu, der du bist das A und O, der Anfang und das Ende, ich habe nun abermal durch deine Gnade das Ende einer Woche erlebet, laß mich wohl bedenken, daß auch einmal die letzte Woche und der letzte Tag meines Lebens kommen werde, und laß mich alle Wochen und Tage so anfangen, mittein und vollenden, daß ich in den letzten Lebensstunden mich nicht schämen oder beklagen dürfe, daß ich gelebet habe. Laß mich auch diesen Tag in deiner heiligen Furcht hinbringen, behüte meinen Ausgang und Eingang, segne meine Arbeit, stehe mir in allen Fällen bei, und richte all mein Beginnen und Trachten nach deinem Willen. Zerreiße das Sündenregister, welches ich diese Woche hindurch zusammengebracht, und streiche 74 Der gläubige Christ danket Gott am Ende der Woche. es mit deinem Blute aus. Laß mich die neue Woche behutsamer, frömmer, aufrichtiger und dir gefälliger werden. Ich freue mich schon auf den morgenden Sonntag, da ich ruhe von der Arbeit meines irdischen Berufs, auf daß du dein Werk zu meiner Erbauung und Heiligung in mir haben mögest. O Heilger Geist, kehr bei uns ein Und laß uns deine Wohnung sein, O komm, du Herzenssonne! Du Himmelslicht, laß deinen Schein. Bei uns und in uns kräftig sein. Zu steter Freud und Wonne, Daß wir In dir Recht zu leben. Uns ergeben. Und mit Beten Oft deshalben für dich treten. Amen. Der gläubige Christ danket Gott am Ende der Woche. Aufmunterung. Wie soll ich dem HErm vergelten alle seine Wohltat, die er an mir thut? Ps. 1 16, 12. Es gehet ein Tag und eine Woche unsers Lebens nach einander dahin, und wir gelangen alle Tage und Wochen näher zu unserm Tode; unterdessen ist doch der gütige Gott jo barmherzig, daß er bis dahin uns viel Gutes tut an Leib und Seele, und unser Herz erfüllet mit Speise und Freude. Das sollen auch die Gedanken ein eines gläubigen Christen am Ende der Woche. 1) Er danket Gott für den Segen, den er empfangen, für den Schutz, darunter er die Woche glücklich hingebracht, für die Hülfe, die er erlanget hat, darum er Gott mit seinem Gebet angeflehet. Höret er, daß andere die Woche über in Unglück geräten, betrübet worden, gefallen sind, Schaden gelitten, von ihrem Elende und Jammer nicht befreiet worden sind, so hat er Mitleiden mit ihnen, und rühmet Der gläubige Christ danket Gott am Ende der Woche. 75 Gottes Güte, die ihn mit dergleichen Leiden verschonet hat. 2) Ein gläubiger Christ erwäget, daß Gott durch solche beharrliche Beweisung der Güte ihn zur Buße leite; darum bereuet er am letzten Tage der Woche, was er an jedem Tage Böses vollbracht, und läßt also den letzten Tag der Woche einen Versöhnungs-, Bet-, Buß- und Danktag sein. 3) Er bittet auch um ferneren Schutz, Güte und Barmherzigkeit auf die künftige Woche. Er empfiehlt sich Gott und seiner Gnade. 4) Er erwäget, daß also alle Wochen nach einander hinlaufen werden, bis einmal die Sterbewoche kommen wird. Darauf bereitet er sich in wahrem Glauben an JEsum Christum mit einem heiligen und bußfertigen Leben. Solche heilige Betrachtungen sollen den Menschen andächtig, behutsam, dankbar und fromm machen, daß er auf Gott schauet, als von welchem alle gute Gaben von oben herab kommen, daß er sich der göttlichen Gnade überläßt, in der Liebe JEsu bleibet, und also im Stande ist, nach Gottes Willen selig zu leben und zu sterben, wenn ein Sterbestündlein vorhanden ist. Gebet. Der HErr hat Großes an mir getan, des bin ich fröhlich. Bis hieher hat mir der HErr geholfen. Also spreche ich billig, mein Gott und HErr, da ich nunmehr den Schluß dieser Woche so glücklich erlebt habe. HErr, wie teuer ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen! Du beschirmest sie, du erhältst sie, du bewahret sie, und alle Morgen ist deine Güte neu. Ach, mein Gott, du hast in dieser Woche deine Flügel über mich ausgebreitet, du hast mich gesund erhalten, hat mich gesegnet, 76 Der gläubige Christ danket Gott am Ende der Woche. begleitet, bewahret, an Leib und Seele mir viel Gutes getan, hat auch die Meinigen deines Schutzes und deiner Gnade genießen lassen. Nun, das hat Gott getan, das ist Gottes Werk, daß ich diese Woche so glücklich hingebracht habe. Darum lobe den HErrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den HErrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat. Ach ja, wie viele sind diese Woche gefallen, und ich stehe durch deine Gnade aufgerichtet; wie viele haben eine betrübte Trauer- und Kreuzwoche gehabt, aber mich hast du sie in Frieden und Ruhe zurücklegen lassen; wie viele haben Elend und Jammer erfahren müssen, aber ich bin unter deinem Schutz unverletzt geblieben! Dafür sei hochgeliebet, hochgelobet und hochgepriesen von Grund meiner Seele. Habe Dank für deinen Schutz und deine Gnade, habe Dank für deine Liebe und deinen mächtigen Beistand, habe Dank für alles Gute, das du mir an Leib und Seele erwiesen hat. Ach, mein Gott, verzeihe mir auch aus Gnaden, was ich in dieser Woche Unrecht getan habe. Ach, es ist mir leid, es reuet mich, ich betrübe mich darüber, und bitte um Barmherzigkeit und Vergebung meiner begangenen Sünden, um der blutigen Wunden JEsu Christi willen schone, Der gläubige Christ danket Gott am Ende der Woche. 77 und nicht nach Werken lohne. Ich will durch deines Geistes Kraft mit der neuen Woche mich befleißigen, die verübten Sünden zu meiden und dir in Heiligkeit und Gerechtigkeit zu dienen all mein Leben lang. Sei Lob und Preis mit Ehren Gott Vater, Sohn, Heiligem Geist! Der woll in uns vermehren, Was er uns aus Genad verheißt, Daß wir ihm fest vertrauen, Gänzlich uns laffn auf ihn, Von Herzen auf ihn bauen, Daß unser Herz, Mut und Sinn Ihm festiglich anhangen; Drauf singen wir zur Stund: Amen, wir werdn’s erlangen, Glaubn wir aus Herzensgrund. Amen. Gejang. Mel.: Werde munter, mein Gemüte. 1. Nun die Woche ist verflossen, Seele, so bedenke dich, Was du Gutes hat genossen, Da dein Gott so mildiglich Aufgetan die Vaterhand. Und viel Guts dir zugewandt, Und an jetzt in großem Segen Dich sie läßt zurückeiegen. 2. Danke ihm für seine Gaben, Die er reichlich ausgestreut. Und die auf dein Bitten haben. Diese Woche dich erfreut; Wer ist, der erzählen kann, Wie viel Gott ihm Guts getan? Schau, wie Gottes Brünnlein fließen. Die sich reichlich auf dich gießen. 3. Preise eine große Güte. Nun bei diesem Wochenschluß, Und ermuntre dein Gemüte, Da du noch in dem Genuß Seiner vielen Wohltat steht. Und noch täglich mehr empfäht; Ist doch keine Stund vergangen, Da du nicht hast Guts empfangen. 4. Bitte, daß dir Gott verzeihe Alle deine Sündenschuld, Und aus Gnaden dir verleihe. Ferner seine Vaterhuld; Sprich: Mein Vater sieh nicht an, Was ich Böses 78 Abendgebet am Sonnabend. hab getan, Laß die Sünd und Straf der Sünden. Auch mit dieser Woch verschwinden. 5. Laß mich deine Gnad auch spüren, Wenn die neue Woch anbricht; Ach, du wollest selbst mich führen, O du meiner Seele Licht! Leib und Seel und was ist mein, Laß dir stets empfohlen sein. Deine Gnad laß bei mir bleiben. Und das Unglück von mir treiben. 6. Sollt auch mit der neuen Wochen. Meine letzte Woch und Tag Sein zugleich mit angebrochen, Oder daß mich Kreuz und Plag Jetzt empfindlich treffen soll, Ach, so mache alles wohl; Bei dir kann ich nicht verderben, In dir kann ich selig sterben. Abendgebet am Sonnabend. Wenn ich im Finstern wandele, so ist der HErr mein Licht. O du liebreicher und gnädiger Gott, jetzo endiget sich der Tag und zugleich auch die Woche; aber deine Gnade währet für und für. Es können wohl Berge weichen und Hügel fallen, aber deine Gnade weichet nicht von deinen Kindern. Nun, diese ewige Gnade hat mich auch diese Woche überleben lassen; was ich im Anfänge der Woche nicht wußte, das weiß ich nun, nämlich, daß ich gesund derselben Ende erreichen sollte. Deiner Wohltaten sind diese Woche über viel gewesen, du hast mein Gebet erhöret, mich behütet, mir guten Rat mitgeteilet, mich begleitet; kein Tag ist vergangen, da ich nicht Gnaden-, Liebes- und Segensgaben Abendgebet am Sonnabend. 79 von dir empfangen habe, ja, keine Stunde ist vergangen, darin nicht reiche Ströme deiner Wohltaten auf mich geflossen sind. Jetzo habe ich, was ich im Anfänge gewünschet. Oder großen Gnade, Liebe und Barmherzigkeit! Ich gedenke aber heute, am Schluß der Woche, auch an meine Sünden; viel sind meiner Übertretungen gewesen, die ich mit Denken, Wollen, Verlangen, Thun und Lassen vollbracht, daß ich nicht so treulich für meine Seele gesorget, als ich billig hätte tun sollen. Ach HErr, HErr, vergib mir diese Sünden; ach HErr JEsu, durchstreiche mit deinem heiligen Blut die ganze Sündenhandschrift dieser Woche, daß sie mir auf ewig verziehen und vergeben bleiben mögen. HErr, strafe mich nicht in deinem Zorn, und züchtige mich nicht in deinem Grimm. Sei auch in dieser Nacht eine feurige Mauer um mich her, laß kein Unglück, Schaden und Gefahr mich und die Meinigen rühren. Hilf, daß ich alle meine Sorgen auf dich werfe, und unter deiner Fürsorge, mein Vater, sanft ruhe. Ich bin nun eine Woche älter, und auch einen Schritt näher zur Ewigkeit. Das Ende dieser Woche erinnert mich an das Ende meiner Tage, daß auch die letzte Woche, der letzte Tag und die letzte Stunde meines Lebens einbrechen werde, auf welche hernach die lange 80 Abendgebet am Sonnabend. Ewigkeit folgen soll; darum hilf, daß ich alle künftige Wochen, Tage und Stunden also anwende, damit ich vor deinem Anblick nicht erschrecken dürfe. Hilf, daß ich mein Herz alle Tage da hinein schicke, wo ich ewig zu sein wünsche. Hier bin ich ein Pilgrim, der nur sein Nachtlager auf Erden hat; aber im Himmel ist mein Vaterland und meine ewige Wohnung, wo du alle Tränen von den Augen der Deinen abwischen, ihnen die herrlichen Güter deines Hauses austeilen, und sie mit ewiger Freude ergötzen wirst. Hiemit lege ich nieder meine Geschäfte und Berufswerke; ich bereite mich auf den morgenden Sonntag, da ich die Predigt deines heiligen Wortes hören soll. Gib mir dazu deines Heiligen Geistes Kraft, daß ich an meiner Andacht weder von Menschen, noch von meinem eigenen Herzen möge verhindert werden. Fröhlich geh ich nun zu Bette, Gottes Lieb und JEsu Blut Weiche nicht von meiner Stätte, Heilger Geist, halt mich in Hut, Bring mich morgen an den Ort, Da man hört dein heilig Wort, Mich mit selbem lab und speise, Bis ich in den Himmel reise. Amen. Morgengebet. 81 Zweiter Teil. Fest- Andachten. Der andächtige Christbetrachtet zur heiligen Adventszeit Christi Ankunft im Fleisch. Morgengebet. Erfreut und entzückt über deine segensvolle Zukunft ins Fleisch, verlasse ich anjezo mein Lager, und hebe meine Hände auf zu dir, o eingeborener Gottessohn, von welchem mir alle Hülfe kommt. Du besuchet die Welt, um sie zu erretten und selig zu machen; so kommst du auch mir zu gut und zu meinem Besten auf die Erde, damit auch ich in dir leben und volles Genüge haben könne. Wie sollte ich mich daher nicht freuen? Warum sollte ich nicht fröhlich sein? Erscheinest du nun, o JEsu, mir zu gut in der Gestalt des sündlichen Fleisches, kommst du um meinetwillen in die Welt: ach, so komme auch zu mir und in mein Herz. Heilige es durch und durch. Bereite es dir selbst so zu, daß du in demselben deine Wohnung aufschlagen kannst. Stärke meinen Glauben, und erfülle mich mit deiner Liebe, daß ich dich der Welt, 82 Morgengebet. ihren Lüsten und allem andern vorziehe. Will daher die Welt mit ihren Sünden, als Hochmut, Stolz, Zorn, Ruhmredigkeit und andern Werken des Fleisches kommen und sagen: In diesem Herzen wollen wir wohnen, hier wollen wir herrschen, hier wollen wir uns niederlassen: so laß mich in deiner Kraft ihnen Widerstand tun und getrost entgegenrufen: Weicht von mir, ihr Sünden! gehe zurücke, Welt! Hier ist des HErrn Tempel! Hinaus, hinaus mit euch! Ich habe keinen Platz, ich habe keinen Raum für euch, ihr könnt bei mir euren Sitz nicht aufschlagen; mein JEsus ist bei mir, dem hab ich mich allein und zwar ganz ergeben, der soll mich beherrschen, dessen Eigentum will ich in Zeit und Ewigkeit bleiben. O, wie selig werde ich alsdann sein, wenn du dich bei mir aufhältst, und ich mit dir die Welt und alle Feinde meiner Seele überwinden kann! Du bist, o mein Heiland, in die Welt gekommen, die Sünder selig zu machen; ach, darum nimm dich auch meiner an, und komme in meine Seele. Du hast dir zwar dieselbe schon lange, und ehe ich noch geboren war, zu deinem Aufenthalt erwählet, und auch in der heiligen Taufe dazu bereitet, da du mich mit deinem teuem Blut von allen Befleckungen des Fleisches gewaschen und Der andächtige Christ betrachtet die Ankunft Christi. 83 gereiniget; allein ich bin von dir gewichen, ich habe mich mit vielen und großen Sünden wieder verunreiniget, ich habe mit meinem gottlosen Wesen meinen Taufbund oftmals verlassen. Nun aber stelle ich mich wieder ein. Jetzt öffne ich dir wieder die Thür meines Herzens. Jetzt verlangt mich recht ernstlich nach dir. Wie ein Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet, so dürstet meine Seele nach dir, o mein Gott und Heiland! Ach, dämm laß dich bewegen und kehre bei mir ein. Ich schwöre dir eine ewige Treue zu. Vereinige dich mit mir, damit uns nichts möge von einander scheiden. Dein Geist verbinde sich von nun an mit dem meinigen und leite mich allezeit auf ebener Bahn, damit ich immerdar dir folgen und anhangen und auch durch dich dereinst ewig selig werden möge. Führ auch mein Herz und Sinn. Durch deinen Geist dahin, Daß ich mög alles meiden, Was mich und dich kann scheiden, Und ich an deinem Leibe Ein Gliedmaß ewig bleibe. Amen. Aufmunterung. Du Tochter Zion, freue dich sehr, und du Tochter Jerusalem, jauchze; siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm, und reitet auf einem Esel, und auf einem jungen Füllen der Eselin. Sach. 9, 9. Ist eine Zeit, welche Gott ergebene Seelen gern mit Andacht hinbringen, so sind es gewiß die heiligen Festtage, an welchen die Christenheit die Wohltaten Gottes 84 Der andächtige Christ betrachtet die Ankunft Christi. erwäget. Ob nun gleich viele sogenannte Christen die heiligen Festzeiten teils in Üppigkeit und Wollust, teils in Stolz und Kleiderpracht, teils mit Müßiggang und unartigem Geschwätz lassen Vorbeigehen, und daher die Liebe und Gnade des Allerhöchsten nicht zu Herzen nehmen; so ist hingegen ein gläubiges Kind Gottes viel anders gesinnet, denn dasselbe freuet sich 1) auf die bevorstehenden Festzeiten, um alles seiner Andacht vorzustellen, was Gottes Güte ihm geschenket. 2) In der heiligen Adventszeit betrachtet es die Liebe des himmlischen Vaters, der seines einzigen Sohnes nicht verschonet hat, sondern ihn in die Welt gesandt zum Leiden und zum Sterben, um den Menschen die Seligkeit zu erwerben. 3) Es siehet an die brünstige Liebe JEsu, welcher sich in unser armes Fleisch und Blut verkleidet, damit er uns wieder zum Himmel und zur Seligkeit bringen möge. 4) Es preiset die Gnade des Heiligen Geistes, welcher die geschenkten Wohltaten den gläubigen Seelen so lebendig und kräftig vorstellet, zueignet, und solche eben so empfinden lästet, als ob sie heute erst wären geschehen. Daher läßt es 5) die heilige Zeit sich auch eine Zeit der Andacht und des Gebetes sein, welche es mit Anhörung und Betrachtung des Wortes Gottes, mit Anstimmung der Festlieder und mit einem stillen und gottseligen Wandel anfangt und vollendet. Gebet. O du gnadenreicher JEsu, der du bist gekommen zu suchen und selig zu machen, was verloren ist, ich danke dir, daß du mich diese heilige Zeit unter deinem Schutz und durch deine Gnade abermal hat erleben lassen. Ach, gib deines Heiligen Geistes Kraft, daß ich sie möge in Der andächtige Christ betrachtet die Ankunft Christi. 85 deiner Furcht mit heiligen Betrachtungen und zu meiner Seele Erbauung hinbringen. Du ewiger Sohn Gottes, der du bist gewesen, ehe noch der Welt Grund geleget ward, du bist ins Fleisch gekommen und ein wahrer Mensch geworden, daß du uns möchtest glücklich und selig machen. Wir konnten wegen des schweren Sündenfalls nicht zu dir in den Himmel kommen, darum kommst du zu uns auf Erden, auf daß du uns alle mögest zur Seligkeit einführen. Wir waren durch die Sünde Fremde, ja, Gefangene und Gottes Feinde geworden, aber durch deine allerheiligste Ankunft soll alles wieder gut gemacht werden. O große Gnade, o unaussprechliche Liebe! Um deinetwillen, o JEsu, sollen die Fremden Freunde, die Gefangenen Erlösete, die Feinde Gottes Geliebte, die Sünder Kinder und die Gefallenen wieder aufgerichtet werden. O heilige Ankunft! durch die wir zum Tode Verdammte das Leben erlangen sollen, und die wir vorher aus der Gnade gefallen waren, durch dich mit Schmuck und Ehren sollen angetan werden. Denn das ist je gewißlich wahr, und ein teuer wertes Wort, daß Christus JEsus kommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen. Liebster JEsu, mache mich auch selig, führe mich auch in dein Freudenreich. Gib mir 86 Der andächtige Christ betrachtet die Ankunft Christi. zu dieser heiligen Zeit ein aufmerksames und gehorsames Herz, daß ich möge dein heiliges Wort mit Fleiß und Andacht anhören, im Herzen behalten und annehmen; im Glauben, in deiner Erkenntnis und Liebe auch in diesen heiligen Tagen wachsen, und die Glaubensfrüchte in meinem Leben zeigen, als da sind Keuschheit, Demut, Sanftmut, Gehorsam, Frömmigkeit, damit deine Ankunft auch mir möge eine selige und heilsame Ankunft sein. Ach, bewahre mich, daß es nicht von mir heißen möge: Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Ach, HErr JEsu, ich nehme dich auf im Glauben, ich liebe dich, ich ehre dich, ich folge dir. Komm herein, du Gesegneter des HErrn; warum stehest du draußen? ich habe mein Herz dir durch deine Gnade bereitet. Komme in mein Herz, ich will dich als meinen einigen Erlöser, Heiland und Seligmacher im Glauben fassen, und dein Verdienst und deine Gerechtigkeit mir zueignen. Komme in mein Herz, ich will aus Liebe zu dir alle weltlichen Eitelkeiten, Lustbarkeiten, Sünden und Bosheiten gerne meiden, damit du allein meiner Seele Einwohner und meines Herzens Beherrscher seiest. Ach, wohne in mir, heilige mich dir, erhalte mich in deiner Gnade. Meine begangenen Sünden bereue ich, Der andächtige Christ betrachtet die Ankunft Christi. 87 und suche in dir Gnade, darum werden sie mich auch nicht mehr verdammen; denn wenn mich der Sohn frei macht, so bin ich recht frei. Ist Gott für mich, wer mag wider mich sein? O JEsu, du kamst als ein König; ach, herrsche hinfüro in meinem Herzen, daß die Sünde nicht mehr darinnen herrschen und regieren könne. Du kamst als ein Gerechter; ach, mache mich, der ich ungerecht und ein verdammungswürdiger Sünder bin, gerecht, schenke mir das Kleid deiner vollkommenen Gerechtigkeit. Ich freue mich in dem HErm, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott, denn er hat mich angezogen mit den Kleidern des Heils, und mit dem Rock der Gerechtigkeit geschmücket. Du kamst arm, daß du mich mögest reich machen an meiner Seele, reich im Glauben und auch an himmlischen, unvergänglichen Gütern. Du kamst demütig; ach, mache mich demütig, daß ich von dir lerne Demut und Sanftmut und dieselbe in meinem Leben bei allen Gelegenheiten ausübe. O du König der Ehren, ziehe auch in die Tore meines Herzens ein; siehe, ich tue sie dir durch deine Kraft weit auf; regiere mich hinfüro mit deinem Heiligen Geist, daß ich deine Wohnung und dein Tempel beständig, bis an mein seliges Ende, bleiben möge. 88 Der andächtige Christ betrachtet die Ankunft Christi. Mein Herz will dich empfangen gern, Du Gottessohn, du Davidstem, Du wahrer Weibesamen; Du Schiloh, Heiland, Hirt und Heil, Mein Bruder, Gnadenthron und Teil, Komm in des HErren Namen. Komm, König, Friedefürst und Held, Erlöser, Mittler, Lösegeld, Du Licht und Trost der Heiden; O'Seligmacher, Hiilf und Schutz, Versöhner, Rat, Prophet und Trutz, Zeuch in mein Herz mit Freuden. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Hier ist Immanuel! So laßt uns jetzo sagen, Zur angenehmen Zeit, In diesen Freudentagen; Hier ist Immanuel! Der uns die Gnade bringt. Und dem die Christenheit. Das Hosianna singt. 2. Hier ist Immanuel! Den hat uns Gott gesendet, Und mit demselbigen. Sein Herz zu uns gewendet; Hier ist Immanuel! Ach, seht, wie Gott uns liebt, Da er zu unserm Heil. Sein liebstes Kind uns gibt. 3. Hier ist Immanuel! Der Fluch kann uns nicht schaden. Das Opferlamm ist da, Wir sind bei Gott in Gnaden; Hier ist Immanuel! Wir sind von Strafen frei, Es fallet uns kein Fall, Wie groß er immer sei. 4. Hier ist Immanuel! Die Sünd ist uns vergeben, Gott schenkt uns Gnad um Gnad, Wir sollen ewig leben; Hier ist Immanuel! Gott will uns gnädig sein, Es macht uns JEsu Blut. Von unsem Sünden rein. 5. Hier ist Immanuel! Kein Unfall kann uns tödten, Sieh, JEsus ist bei uns. In allen unsem Nöten; Hier ist Immanuel! Erschreckt uns Angst und Noth, So hilft uns gnädig aus. Der wahre Mensch und Gott. 6. Hier ist Immanuel! Laßt uns die Sünde haffen Und alle Lieb der Welt. Aus Lieb zu ihm verlassen; Hier ist Immanuel! Der Seelen Trost und Licht, Den fasse jedermann In Glaubenszuversicht. Abendgebet. 89 7. Hier ist Immanuel! Wir können fröhlich sterben, Wir werden durch den Sohn Des Vaters Reich ererben; Hier ist Immanuel! Deß freut sich Leib und Seel, Und spricht auch in dem Tod: Hier ist Immanuel! WAbendgebet. Wie hat der HErr die Leute so lieb? So muß ich billig verwunderungsvoll, o liebreicher und liebenswürdiger Gott, an dem Schluß dieses Tages meine erfreute Seele fragen. Von deiner unermeßlichen Liebe, welche du gegen die armen Menschen hegest, bin ich nicht allein durch unzählige Wohltaten, welche du mir und andern an Seele und Leib erwiesen, überzeugt worden, sondern auch daraus erkenne ich dieselbe besonders, daß du deines eingeborenen Sohnes nicht verschonet, sondern ihn für alle verlorenen Kinder Adams und also auch für mich dahingegeben hat. Welch eine ausnehmende Probe der Liebe hast du dadurch gegen mich an den Tag geleget, da du diesen deinen eingeborenen, geliebten und einigen Sohn um meinetwillen hat lassen Mensch werden, damit er als ein solcher Marter, Geißeln, Ruthen, ja, selbst den Tod ausstehen und dadurch deiner beleidigten Gerechtigkeit genug tun, mich erlösen, gerecht und selig machen könnte! Wenn ein Großer dieser Welt seinen schönsten Ring, 90 Abendgebet. seine kostbarsten Juwelen, sein edelstes Kleinod anwendete, um einen der eiendeten Menschen aus einem Jammer zu erretten und ihn glücklich zu machen, so würde man solches als den höchsten Grad der Menschenliebe bewundern und aller Orten rühmen; wenn ein König einen seiner Prinzen in die Gefangenschaft gäbe, um dadurch einen andern geringeren Gefangenen von Ketten und Banden loszumachen, so würde man die Liebe eines solchen Monarchen gegen seine Unterthanen nicht genugsam erheben und preisen können. Und doch ist dieses alles nichts gegen die Liebe, welche du den Menschenkindern erzeigest, da du deinen geliebtesten Sohn sich in ihr Fleisch und Blut einhüllen und in der Fülle der Zeit als Mensch in die Welt hat kommen lassen. Ein von einem Elend Befreiter kann seinem großen Wohltäter, wenn er in gute Umstände kommt, noch mancherlei nützliche Dienste leisten und dadurch die ihm erzeigten Guttaten einigermaßen belohnen; und einer, welcher durch die Güte seines Königs aus harten Fesseln errettet worden, kann in seiner erlangten Freiheit demselben nützlich werden. Ich aber und meine Brüder nach dem Fleisch können dir nicht vergelten, was du an uns getan hat; wir haben nichts, was wir dir wieder geben können, wir sind Abendgebet. 9 1 nicht vermögend, unsere Errettung von unserm Verderben, in welchem wir von Natur lagen, und unsere Befreiung von den Stricken des Todes, in welche wir verwickelt waren, welche uns durch die Menschwerdung deines Sohnes zu Teil geworden, mit etwas zu vergüten. Deine Liebe übertrifft alles; sie ist höher denn alle Vernunft. Nichts als ein demütiger Dank, nichts als ein herzliches Loben und Preisen bleibet uns übrig, das wir dir als ein Zeichen unserer gerührten Herzen darbringen können. Hochgelobet sei daher von mir dein heiliger Name für die unendlichen Liebeserweisungen, welche du gegen mich bei der Sendung deines Sohnes in die Welt geoffenbaret hat. Ach, laß mich dadurch ermuntert werden, dich wieder von ganzem Herzen, von ganzer Seele und aus allen Kräften zu lieben. Gib mir selbst das Vermögen, nach deinem Willen zu leben und dir anzuhangen. Ziehe mein Herz von der Liebe zur Welt, zur Eitelkeit und zu Sünden ab, und entzünde in demselben das Feuer der göttlichen Liebe, damit ich dir immer Wohlgefallen könne. Laß mich in deiner Liebe und Erkenntnis zunehmen, daß ich im Glauben bleibe, und diene im Geist so, daß ich hier deine Süßigkeit im Herzen schmecken und stets nach dir dürsten möge. Amen. 92 Morgengebet. Der andächtige Christ betrachtet auf Weihnachten die Geburt JEsu Christi. Morgengebet. In dir, mein Gott und Heiland, freuet sich an jetzo mein Geist, da ich vom Schlafe erwache und an deine heilige Empfängnis und Geburt denke. Das kündlich große Geheimniß: Gott ist geoffenbaret im Fleisch, kann zwar mein endlicher und schwacher Verstand nicht begreifen und erkennen, dennoch aber ergötzet sich meine Seele bei der Erwägung desselben, weil dein Wort, welches Wahrheit ist und nicht trügen kann, mich versichert, daß solches gewiß geschehen, und auch nicht undeutlich entdecket, auf was für Art und Weise es zugegangen sei, wiewohl auch hierbei meine Vernunft schweigen muß, weil sie vor diesen Dingen einen Vorhang erblicket, welchen sie nicht durchschauen kann, und welchen ihr erst die Ewigkeit wird aufziehen müssen. Dein geoffenbartes Wort beschreibet deine Empfängnis und Geburt gar lieblich, wenn der Engel, welcher der Maria dieselbe ankündigte, zu ihr jaget: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. In dieser Abschilderung finde ich Gründe genug zur Freude, und werde daher ganz von derselben Morgengebet. 93 belebet, wenn ich sie mit Andacht erwäge. Ich stelle mir alsdann vor, wie der Heilige Geist, als ein allweiser und allmächtiger Werkmeister, zu Maria sich genahet, den Bau, welchen deine Gottheit einnehmen sollte, von allen Sünden gereiniget, und denselben mit seinen allerheiligten Gaben erfüllet; ich stelle mir vor, wie du darauf, du Kraft des Allerhöchsten, der du heißest. Wunderbar, Rat, Kraft, Held, Ewig Vater, Friede-Fürst, diesen geheiligten Bau eingenommen, mit deiner Gottheit vereiniget, und dieser angenommenen menschlichen Natur alle deine göttlichen Eigenschaften und Hoheiten mitgeteilet hat; ich stelle mir vor, wie du eben hierdurch, da du, wie die Kinder Fleisch und Blut haben, desselben bist teilhaftig worden, unsere menschliche Natur geheiliget und uns vor deinem himmlischen Vater angenehm gemacht hat. Und welche Ströme des Vergnügens müssen nicht auf mich fließen, wenn ich alles dieses in einer heiligen Stille, bei meinem Erwachen, erwäge! O mein JEsu, der du durch deine Menschwerdung mein Bruder geworden bist, wie reich, wie glücklich machst du mich! In dir habe ich nun alles. Durch dich kann ich alles erlangen. Mit dir kann ich alles übernehmen und ausrichten. In keiner Trübsal will ich nunmehr verzagen, 94 Morgengebet. sondern in derselben mich zu dir wenden und vertrauensvoll sagen: JEsu, mein Bruder, hilf mir! Keine Noth und kein Elend soll mich nun kleinmütig machen, sondern ich will mich darin festiglich auf dich verlassen, weil du mein Bruder bist, und als ein solcher mich liebest, und dich meiner gewiß erbarmen wirst. In deiner Menschwerdung hast du, o mein JEsu, meine Natur angenommen, und dadurch dich mit mir vereiniget; mache mich daher auch deiner göttlichen Natur teilhaftig, daß ich ein göttliches Leben führen und mich der Kraft und Regierung deines Geistes gänzlich unterwerfen möge. Laß mich jederzeit die hohe Verwandtschaft, in welcher ich mit dir stehe, von Sünden und von der Gemeinschaft der Welt abhalten, damit ich nichts vollbringe, was dich beleidigen könnte. Laß mich deine Freundschaft höher schätzen als alles, was auf Erden ist. Laß mich dir dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit mein Leben lang. Laß mich dich beständig lieben, als welches besser ist denn alles, damit ich im Leben und Sterben, in Zeit und Ewigkeit in deiner Gemeinschaft möge erfunden werden. O mein Bruder, o mein Auserwählter, welche Freude wird das nicht sein, wenn ich dich, den ich schon hienieden herzlich lieb gehabt habe, in der ewigen Freude, in Der andächtige Christ betrachtet die Geburt JEsu Christi. 95 deiner Krone und Majestät erblicken und auf ewig mit dir werde verbunden werden! Ich freue mich darauf im Geiste; mein Herz ist darüber fröhlich. Und warum sollte ich mich auch nicht freuen, da ich in der Hoffnung bereits selig und im Himmel bei JEsu, meinem Bruder, bin? Wie bin ich doch so herzlich froh, Daß mein Schatz ist das A und O, Der Anfang und das Ende; Er wird mich doch zu einem Preis Aufnehmen in das Paradeis, Deß klopf ich in die Hände. Amen, Amen! Komm, du schöne Freudenkrone, Bleib nicht lange. Deiner wart ich mit Verlangen. Amen. Aufmunterung. Da aber die Zeit erfüllet ward, sandte Gott einen Sohn, geboren von einem Weibe, und unter das Gesetz getan, auf daß er die, so unter dem Gesetz waren, erlösete, daß wir die Kindschaft empfingen. Gal. 4, 4. 5. Ist bei der Geburt eines königlichen Prinzen Freude in dem ganzen Königreich, welchem zum Tröste er geboren ist: so kann Christi JEsu Geburt nicht anders, als allen Menschen erfreulich sein. Die Engel freuen sich in den Lüften, und verkündigen eine große Freude den Menschen, warum sollen sich denn Kinder Gottes nicht freuen? Und zwar 1) über die erbarmende Liebe Gottes, welcher eines Sohnes nicht hat verschonet, sondern ihn für uns dahin gegeben. 2) Über die Freundlichkeit IEu, daß er sich nicht weigert, ob er schon Gott und Gottes ist, die menschliche Natur in einer armen Jungfrau an sich zu nehmen, und ein kleines Kind zu werden. Es verwundern sich 3) Gläubige in einer gläubigen Stille über den heilsamen Rat Gottes von unserer Seligkeit, daran kein Mensch und kein Engel gedacht hätte, daß Gottes Sohn sollte 96 Der andächtige Christ betrachtet die Geburt JEsu Christi. anstatt der Menschen leiden, und sie mit Gott versöhnen. Sie verwundern sich 4) über die unverdiente Gnade, welche Gott den Menschen, die doch eine Feinde waren, Röm. 5, 10, anbietet, um welche die Menschen ihn nicht gebeten haben, ob sie deren schon höchst bedürftig waren. Daher 5) danken sie ihm desto herzlicher dafür, nachdem der Rat Gottes von unserer Seligkeit ihnen kund geworden, begeben sich gerne in die Ordnung des Heils, daß sie JEsu im Glauben anhangen und in einem gottseligen und frommen Wandel folgen. Derowegen ihnen auch die heiligen Weihnachtstage Bet-, Freuden- und Danktage werden. Dies ist der Tag, den der HErr macht; laßt uns freuen, und fröhlich drinnen sein. O HErr, hilf, o HErr, laß wohl gelingen! Gelobet sei, der da kommt im Namen des HErrn! Auf meine Seele, und wende dieses Fest zur Ehre Gottes und zu deiner Erbauung an, und sprich: O du heilige Dreieinigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist! Ach, daß alle meine Blutstropfen Zungen wären, damit ich deine Liebe, Gnade und Barmherzigkeit rühmen könnte! Gott ist die Liebe; dieses erkennet mein Herz und Gemüte an diesem heiligen Feste. Deine Liebe hat ein Mittel gefunden, um die Menschen zur Gnade zu bringen, daran kein Engel noch Mensch hätte denken können, daß nämlich die mittelste Person in der Gottheit sollte ein Mensch Der andächtige Christ betrachtet die Geburt JEsu Christi. 97 werden, um dadurch die menschliche Natur wiederum zu heiligen und zu reinigen. O du holdseliger JEsu, dir sei ewig Lob und Dank gesagt für deine Menschwerdung und Geburt; du wirst ein Menschenkind, damit wir möchten Gotteskinder werden. Nun ist die menschliche Natur recht erhöhet, du hast sie mit deiner Gottheit vereiniget und sie in den Rat der heiligen Dreieinigkeit gebracht. O Liebe, o Gnade! So gewiß die menschliche Natur mit der göttlichen vereiniget ist, so gewiß ist zwischen Gott und den Menschen eine ewige Freundschaft, ewige Verjöhnung, ewiger Friede und ewige Liebe gestiftet. Wann uns Gott in seinem Sohne ansiehet, so kann er nicht anders, als uns gnädig sein; hat er dieses Geliebten nicht geschonet, sondern ihn für uns alle dahin gegeben, wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? nämlich die Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit, Frieden, Leben und Seligkeit. O der großen Liebe JEsu, der als ein zartes Kind hat wollen geboren werden, damit er unsere sündliche Geburt heiligte; er hat zugenommen an Alter und Weisheit, damit er unsere Jugend heiligte. Sei willkommen, du edler Gast, die Sünder nicht verschmähet hat, du kommst ins Elend her zu mir, wie soll ich immer danken dir? O mein liebster 98 Der andächtige Christ betrachtet die Geburt JEsu Christi. Seelenfreund, mein Bruder, ich habe nun an dir einen Heiland im Leiden, einen Erretter in Trübsal, einen Seligmacher, wenn mich meine Sünde ängstet, einen Beistand in Nöten, einen Helfer im Sterben. Du bist mein Licht, das mich erleuchtet, der Weg, der mich zum Vater führet, die Wahrheit, die mich lehret, das Leben, das mich lebendig machet. Du bist meine Gerechtigkeit, die mich gerecht und selig machet, mein Hoherpriester, der für mich betet und mich segnet, das Opferlamm für meine Missetaten, ein vollkommenes Lösegeld für meine Übertretung. O werter Heiliger Geist, wie groß ist deine Liebe, da du mir diesen Trost, diese Freude, diejes Heil abermal verkündigen lässest! Ich freue mich von Grund meiner Seele an diesem heiligen Feste und sage: Mein JEsus ist mein, ein Himmel ist mein; das Kind ist mir, mir, mir geboren; der Sohn ist auch mir, mir, mir gegeben; er hat auch mir, mir, mir die Gnade Gottes, die Kindschaft bei ihm und das ewige Erbe, das uns aufbehalten ist im Himmel, erworben und geschenket. O JEsu, den ich im Geist in der Krippe erblicke und beschaue, wie lieblich bist du, wie freundlich bist du! Ach, verleihe mir Gnade, daß ich dein nimmermehr vergesse, sondern daß ich dich immer im Herzen, Der andächtige Christ betrachtet die Geburt JEsu Christi. 99 im Munde und vor Augen habe. O mein Heil, heilige mich; ich ergebe mich dir mit allem, was ich bin und habe; ach, mein Bräutigam, umfahe mich, dir will ich leben, dir will ich dienen, aus Liebe zu dir entsage ich der Welt und aller Wollust dieses Lebens. Ach, laß mein Herz deine Krippe und deine Wohnung sein in Zeit und Ewigkeit. Schließe mich in deine Liebe, und behalte mich darin, daß ich in dir Ruhe, Friede, Trost, Sicherheit und der Seele Seligkeit haben möge. Nun bin ich nicht verloren, weil mein JEsus ist Mensch geboren; wann ich nun an ihn glaube, so soll ich nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Gott ist mein Freund, weil ich durch den Glauben in JEsu bin, und weil JEsus in mir ist. Ich fürchte den Tod nicht, in ihm habe ich das Leben; nicht die Anklage des Gewissens wegen meiner Sünden, hier ist mein Fürsprecher, JEsus. Mit einem Wort: Er ist die Pfort Zu dieses und des andern Lebens Freuden; Er macht behend Ein seligs End An alle dem, was fromme Herzen leiden. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. O, welch ein Freudenfest, O, welche frohe Stunden, Da JEsus, Gottes Sohn, In Windeln wird gefunden! Es ist mein ganzes Herz. Auf dieses Kind gericht’t, Und meine Andacht geht. Von seiner Krippe nicht. 100 Der andächtige Christ betrachtet die Geburt JEsu Christi. 2. O Lieb, o große Lieb! Wer da mit mir bedenket, Daß Gott uns einen Sohn Zum Leben hat geschenket. O große Vaterlieb! Der uns so hoch geacht’t, Daß er in seinem Sohn Sich uns zu eigen macht. 3. O Treue! JEsus ist Zu uns vom Himmel kommen, Hat an sich Fleisch und Blut, Doch ohne Sünd, genommen. Er kommt und bringet uns Zur Krön, zur Herrlichkeit, Zum Erbteil, zu dem Heil, Zur süßen Himmelsfreud. 4. Ogroße Gnad, es kann. Ein jeder Gnad erlangen, Wer diesem JEsu wird ln Glaub und Lieb anhangen; O Gnade, die uns Trost. Und wahres Leben gibt! Seht, dieser Gnad genießt, Wer JEsum herzlich liebt. 5. O Freud, denn unsere Sünd Sind insgesammt vergeben. Vergeben in der Zeit. Und dort in jenem Leben; Der Bürge ist nun da, Der stellt sich willig ein, Will unser Lösegeld. Und Seligmacher sein. 6. O Trost, so sind wir denn Mit Gott ganz ausgesöhnet, Wer glaubt, wird nicht verdammt, Vielmehr durch ihn gekrönet; Des HErren JEsu Blut, Tod und Gerechtigkeit. Ist unser schönster Schmuck. Und weißes Ehrenkleid. 7. Mein JEsu, du wirst hier Ein Menschenkind auf Erden, Daß ich ein Gotteskind Soll hier und dorten werden; Du kommst und nimmt auf dich All meine Sündenschuld, Hingegen schenkst du mir Des Vaters Lieb und Huld. 8. Du kommst und willst mir auch In Heiligung Vorgehen, Wie ich soll heilig sein, Das soll ich an dir sehen; Wohlan, ich folge nach, Mein JEsus nur allein Soll, weil ich leben werd, Mein Licht, mein Führer sein. 9. Derhalben knie ich hier Vor deiner Krippe nieder, Ich stimm mit Freuden an. Die frohen Weihnachtslieder; Nimm an den Lobgesang, Nimm auch mein Herze an, Weil ich dir, liebster Freund, Nichts Bess”res geben kann. Abendgebet. 101 10. Ich will allhier mit dir Auf ewig mich verbinden, Ach, laß mich neue Gnad Bei deiner Krippe finden; Mein JEsu, ich bin dein, Ach, sei und bleibe mein Und laß mich nimmermehr Von dir geschieden sein. Wlbendgebet. Mein JEsu, mein Immanuel, mein König und mein Blutsfreund, ich liege noch im Geist vor deiner Krippe und betrachte deine heilige Menschwerdung. Und wie kann ich auch diesen Tag, welchen der HErr gemacht hat, besser beschließen und zu einem süßen und erquickenden Schlaf mich vorbereiten, als durch solche Betrachtungen? Ich erkenne dich, Mensch gewordener Heiland, für den wahren Messias, für den aus dem Stamme Davids entsproffenen Erlöser der Welt, an welchem ist alles erfüllet worden, was die Propheten von ihm geweissaget haben. Du bist zu der Zeit, an dem Orte, aus dem Geschlechte und von derjenigen Mutter geboren worden, welche dein himmlischer Vater schon in den Tagen des alten Bundes durch seine Boten hat bestimmen, anzeigen und kund machen lassen; wie sollte ich dich daher nicht für den rechten Heiland der Welt erkennen, und mich über deine Offenbarung im Fleisch nicht inniglich freuen? Was der alten Väter Schaar höchster Wunsch und Sehnen war, und was sie geprophezeit, ist 102 Abendgebet. erfüllt nach Herrlichkeit. Mein Herz hüpfet deswegen vor Freude, wenn ich hieran gedenke und erwäge, wie unendlich viel Gutes mir dadurch zugewachsen ist. Du bist der hohe und erhabene Gott, welcher gewesen, ehe denn die Berge waren und die Erde und die Welt geschaffen worden, und welcher auch bleiben wird, wenn schon alles wird zu Trümmern gegangen sein; du bist der ewige Jehova, das A und das O, der Anfang und das Ende, der da ist, der da war und der da kommt; und dennoch verschmähest du nicht das menschliche Geschlecht, und du wirst zum Heil desselben der Allemiedrigste, Verachtetste und Unwertefte. O der großen Gnade und Liebe, wie glücklich bin ich, daß ich an dir einen solchen Erlöser in der Krippe liegen sehe. Ach, laß mich von derselben nicht ohne Erweckung meiner Seele Weggehen, sondern laß alles, was ich bei deiner menschlichen Geburt bemerke, zu meiner Heiligung und zur Stärkung meines Glaubens etwas beitragen. Du wirst in der Nacht geboren; hilf, daß ich alle Sündenfmstemisse fliehen und stets, als am Tage, in deinem Lichte wandeln möge! Du stelltest dich auf der Erde ein, da alles stille und in Ruhe war; ach, laß mich in dir zu einer wahren Stille des Herzens gelangen und alles Weltgetümmel Abendgebet. 103 vermeiden, damit du auch in solcher Stille bei mir einkehren könnest! Ich treffe dich, o mein Immanuel, da ich dich im Geiste begierig suche, in einer Herberge an; ach, gib mir Gnade, daß ich die Welt als eine Herberge möge ansehen, darinnen ich nur wenig Jahre und Stunden meinen Aufenthalt habe, damit ich mein Herz bei Zeiten dahin schicke, wo ich ewig zu sein wünsche, und so zu deiner Ruhe einzugehen nicht versäume, oder dahinten bleibe. Du lässest dich in einem finstern Stall, an einem unbequemen Orte zur Welt bringen; ach hilf, daß ich allen Gemächlichkeiten entsage, und in dieser Welt mit allem zufrieden sei, was mir deine Güte zuweitet und in welche Umstände sie mich versetzt. Du liegest in einer Krippe, in Windeln eingewickelt; ach, hülle dich auch in mein Herz ein, und laß dasselbe deine Wohnung sein. Wie glücklich werde ich sein, wenn du in Gnaden alle diese meine herzlichen Wünsche erfüllest! Ich zweifle nicht, daß du mich erhörest. Ich glaube festiglich, daß du wirst mein Verlangen stillen. Ganz beruhigt und zufrieden lege ich mich deswegen anjetzt zu Bett und schlafe in deinen Armen ein und seufze: Du aber, zartes IEulein, Kehr auch bei mir zur Herberg ein, Erleuchte das Gemüte, Daß Glaub und Lieb Sich täglich üb; HErr, gib's durch deine Güte! Amen. 104 Morgengebet. Der andächtige Christbetet und dankt Gott am Schluß des Jahres. Morgengebet. HErr, mein Gott und Vater aller Güte, da ich nunmehr meine Augen auftue, so erblicke ich des Tages Licht zum letztenmal in einem Jahre, in welchem ich ganz deutlich erfahren habe, daß du bist gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte und Treue. Kein Tag, ja, keine Stunde dieses zu Ende laufenden Jahres ist verflossen, in welcher du nicht alle diese herrlichen Eigenschaften an mir geoffenbaret hat. Gnädig hast du dich gegen mich erwiesen, da du mir ohne all mein Verdienst und Würdigkeit so viel Gutes erzeiget, indem du mich gespeiset, getränket, ernähret und mir keinen Mangel gelassen an irgend einem Gut. Gnädig hast du dich gegen mich erwiesen, da du mir, wenn ich zu dir rief, um meines Erlösers willen meine Sünden und Missetaten vergäbest. Gnädig hast du dich erwiesen, da du alle Strafen, welche ich mit meinen Bosheiten, Übertretungen und Sünden wohl verdienet und auf mich geladen hatte, von mir weggenommen, sie nicht an mir vollzogen, sondern statt derselben mir Heil und Segen hat zufließen lassen. So gnädig du nun gegen mich gewesen Morgengebet. 105 bist, so barmherzig hast du dich auch erzeiget. Keine Noth, kein Elend, keine Trübsal durfte mich treffen und heimsuchen, so brach dein zärtliches Vaterherz vor Erbarmen, und du hattest Mitleiden mit mir. Kaum war meine Noth am größten, so warst du mir auch am nächsten. Kaum überfiel mich eine Traurigkeit, so fingst du schon an, dieselbe in Freude zu verwandeln. Kaum schrie ich zu dir, so erhörtest du mich, ja, ehe ich noch öfters rief, antwortetest du mir. O des barmherzigen Gottes, welcher mich auch in diesem Jahre mit Geduld und Langmut getragen hat! Wenn ich in Schwachheit verfiel, so übersähest du solche. Wenn ich mich aus Übereilung an dir versündigte, so schenktest du mir die gemachte Schuld. Wenn ich von dir wich und mich wieder bußfertig einstellte, so nahmst du mich auf. Welch einen Reichtum deiner Geduld und Langmut hast du mir dadurch erzeiget! Und ebenso hast du auch durch dein Verhalten gegen mich bezeigt, daß du von großer Güte seiest. Vermittelt derselben hat du meinen Odem bewahret, mein Leben gefristet und mich gesund erhalten, daß ich nun vor vielen andern deine Liebe rühmen und zu deinem Preise sagen kann, du habest alles wohl gemacht, und alles, alles recht bedacht. Deine große Treue ist 106 Morgengebet. die Ursache dieses deines Bezeigens gegen mich. Nach derselben erfüllest du alle Verheißungen, welche du getan hat, und hältst deine Zusagen gewiß. Nach derselben ist mir derohalben so viel Gutes zugeflossen, daß ich es nicht all erzählen kann. Wie kann ich dir nun, o mein Gott, vergelten all das Gute, so du an mir getan hast? Ich bin viel zu unvermögend hierzu. Darum nimm für diesesmal mein schwaches Lallen, statt eines Lob- und Dankopfers, in Gnaden an. Dank sei dir gesagt für alle Treue; Dank für alle Güte; Dank für alle Geduld; Dank für alle Barmherzigkeit; Dank für alle Gnade. Erweise dich ferner gegen mich, wie du dich bisher erwiesen hat. Laß mich diesen Tag in deiner Furcht hinbringen, daß ich an demselben sowohl, als auch in alle Ewigkeit deinen Namen loben und preisen möge. O daß ich tausend Zungen hätte. Und einen tausendfachen Mund, So stimmt ich damit in die Wette Vom allertiefsten Flerzensgrund. Ein Loblied nach dem andern an. Von dem, was Gott an mir getan. Ich will von deiner Güte singen, So lange sich die Zungeregt, Ich will dir Freudenopfer bringen, So lange sich mein Herz bewegt; Ja, wenn der Mund wird kraftlos sein, So stimm ich doch mit Seufzen ein. Ach, nimm das arme Lob auf Erden, Mein Gott, in allen Gnaden hin; Im Himmel soll es besser werden, Wenn ich ein schöner Engel bin; Da fing ich dir im hohem Chor Vieltausend Halleluja vor. Halleluja! Amen. Der andächtige Christ dankt Gott am Schluß des Jahres. 107 Aufmunterung. Lobe den HErrn, meine Seele, und was in mir ist, einen heiligen Namen; lobe den HErrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat. Ps. 103, 1. 2. Wenn andächtige Seelen und dankbare Herzen sich herzlich in Gott erfreuen, wenn er sie eine Woche oder einen Monat glücklich zurücklegen läßt, warum sollen sie nicht ihre Freude verdoppeln, wenn sie unter dem Beistand Gottes ein ganzes Jahr durchlebt haben? Ach, wie viel Leiden kann uns in einem Tage begegnen, und wie viel mehr in einem ganzen Jahre! Wenn ein andächtiger Christ den Schluß des Jahres erblicket, so hebet er Hände, Herz und Mund zum Himmel auf, und schließet es mit Loben, Danken und Beten, und zwar ist es ihm nicht genug, daß er etwa nur die gewöhnlichen Worte ausspricht: Gott Lob und Dank! das Jahr ist auch vorbei; sondern 1) danket er Gott, daß er ihm das Jahr hindurch sein heiliges Wort zur Seelenheiligung hat predigen und den Weg zum Himmel weisen lassen, wie auch, daß er ihm durch das heilige Abendmahl immer neue Kraft und Stärke zur Ausübung der Gottseligkeit und Hervorbringung der Glaubensfrüchte verliehen. 2) Er fraget sich, ob er auch das Jahr über frömmer geworden, wie alt er nun an dem inwendigen Menschen nach der neuen Geburt sei, da er nach der alten sündlichen Geburt abermal ein Jahr zurückgelegt hat. Er bittet 3) Gott auch herzlich und inbrünstig um Vergebung der begangenen Sünden, die er entweder wissentlich oder unwissentlich vollbracht hat. 4) Er preiset Gott sodann für die empfangenen vielen leiblichen Wohltaten, daß er ihn ernähret, versorget, beschützet, errettet, erhalten, gesegnet, bewahret und begleitet. 5) Hat ihm Gott Krankheit, Leid und Trübsal zugeschicket, aber ihn auch wieder davon befreiet, so soll er in Sonderheit ihm dafür danken, und sich am Ende des Jahres, so viel möglich, erinnern, 108 Der andächtige Christ betet und was in jeder Woche oder in jedem Monat entweder ihm oder den Seinigen Gutes widerfahren sei, auf daß also die letzten Tage des Jahres ihm Lob-, Bet-, Dank- und Bußtage werden mögen, dabei er 6) auch Gott um seine Gnade in dem neuen Jahre anflehet. Wie soll ich dem HErrn vergelten alle seine Güte und Treue, die er an mir getan? Der HErr hat Großes an mir getan, des bin ich fröhlich! O du dreieiniger Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, also spricht meine in deiner Gnade sich erfreuende Seele, da ich nun abermal unter deinem Schutz und Beistand ein Jahr glücklich zurückgelegt habe. Ach Gott, wie teuer ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen! sie werden trunken von den reichen Gütern deines Hauses; du tränkest sie mit Wollust, als mit einem Strom; denn bei dir ist die lebendige Quelle, und in deinem Lichte sehen wir das Licht. Mein Gott, der Tage im Jahre sind viele, aber deiner Wohltaten noch viel mehr; Stunden und Minuten im Jahre kann man zählen, aber deine Wohltaten, die du mir erwiesen, sind unzählig. Ich danke dir, daß du mir dieses Jahr dein heiliges Wort hat lauter und rein predigen, und darin den Weg zum Himmel und zu meinem ewigen dankt Gott am Schluß des Jahres. 109 Heil anweisen lassen. Ach, versiegle alles, was ich gehöret habe, in meinem Herzen, und gib mir deinen Heiligen Geist, daß ich mein Leben darnach einrichten möge. Ich danke dir, daß du mich oftmal in dem heiligen Abendmahl mit deinem heiligen Leib und Blut gespeiset und getränket hat; ach, laß es mir zu meiner Glaubensstärkung und Lebensheiligung gedeihen. Ich danke dir, daß du mir oftmal die Sünde vergeben und die verdienten Strafen von mir abgewendet hat; ach, gib mir Kraft, daß ich mich in dem nächsten Jahre davor hüte, und sie nicht wiederum vorjätzlich begehe. Ich danke dir, daß du meinen Beruf gesegnet, mir Nahrung und Kleidung bescheret, mir Gesundheit verliehen, das Unglück, so mir drohete, von mir abgewendet, mein Kreuz erleichtert, und in meinem Elend mich in Gnaden angesehen hast. Du hast mich behütet, wie einen Apfel im Auge, du hast mich beschirmet vor meinen Feinden, die um und um nach meiner Seele stehen. Du hast in Noth mich erhöret, und mein Gebet durch die Wolken vor deinen Thron dringen lassen. Du hast in meiner Trübjalmir Hülfe gesendet vom Heiligtum, und mich gestärket aus Zion. Du hast deinen Segen über mich ausgeschüttet, du hast dein Angesicht nicht vor mir verborgen, da ich zu dir schrie. Du 110 Der andächtige Christ betet und liebreicher Vater hat mich, dein Kind, an deiner Hand geführet; du mächtiger König hat mich, deinen Unterthan, wider alle meine Feinde beschützet; du getreuer Hirt hat mich, dein Schäflein, auf grüner Aue geweidet; du hast mich lebendig erhalten, da jene in die Hölle fuhren; deine Güte und Treue hat mich vom Anfang des Jahres bis an das Ende allewege begleitet. Deine Weisheit hat mich geleitet, deine Liebe hat mich bedecket, deine Hülfe hat mich erfreuet, deine Gnade hat mich erhalten, deine Allmacht hat mir jederzeit ausgeholfen, deine milde Vaterhand hat mir alles gegeben, dein allsehendes Auge hat. Acht auf mich gehabt, und meinen Ausgang und Eingang behütet, daß mir kein Übels begegnete. Darum, ach, sehet und schmecket doch, wie freundlich der HErr ist, und wie viel Gutes er meiner Seele getan hat! Hast du mich zwar zuweilen große und viele Angst erfahren lassen, so hast du mich doch wieder lebendig gemacht. Hatte ich zuweilen viele Bekümmernisse in meinem Herzen, so haben doch deine Tröstungen meine Seele ergötzet. War mir oftmals Gefahr und Noth nahe, so war auch deine Hülfe nahe, und dein Engel hat mich behütet auf allen meinen Wegen und mich errettet aus dem Rachen des Löwen. Ach, mein dankt Gott am Schluß des Jahres. 111 Gott, verzeihe mir aus Gnaden alle Sünden, ach, alle Sünden, die ich in diesem Jahre getan habe! Ach, träfe mich deswegen nicht in dem neuen Jahre, sondern verzeihe sie mir um JEsu willen. HErr, gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen; gedenke aber mein nach deiner Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. HErr, HErr, so beschließe ich denn das Jahr mit Danken, Loben und Beten, und flehe dich demütig an, bleibe auch mein Schutz und gnädiger Gott in dem neuen Jahre, halte deine Hand über mich, und laß mich deinem Schutz, deiner Liebe und Gnade fernerhin befohlen sein. Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut, Dem Vater aller Güte, Dem Gott, der alle Wunder thut, Dem Gott, der mein Gemüte. Mit seinem reichen Trost erfüllt, Dem Gott, der allen Jammer stillt. Gebt unserm Gott die Ehre! Amen. Gejang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Wie ist mein Herz erfreut, Wenn es vergnügt bedenket, Wie viel mir Gottes Hand. In diesem Jahr geschenket, Wie er mich hat versorgt. Und väterlich bewahrt, Und mich gesund und wohl Bis diese Stund verspart! 2. Wie kann ich solche Gnad, Mein Vater, gnugsam preisen? Ach, könnt mein froher Geist Recht dankbar sich erweisen! O, daß doch all mein Blut. Wie eine Zunge wär, Und jeder Aderschlag Erhübe deine Ehr. 3. Viel Gutes hast du mir In diesem Jahr erzeiget, Und deines Segens Strom. Mir reichlich zugeneiget; An 1 12 Abendgebet. Nothdurft, Speis und Trank Hat"s niemals mir gefehlt; Doch sind die Sterne eh Als deine Güt gezählt. 4. Wie ist mein Herz betrübt, Wenn ich dabei erwäge, Und vor dir, treuer Gott, Bußfertig überlege, Wie ich so undankbar. Dafür gewesen bin, Und daß ich nicht gelebt Nach meines JEsu Sinn! 5. Denn, ach, die Sündenlast Liegt mir auf meinem Herzen, Ach, die genoßne Lust Bringt jetzo bittre Schmerzen; Daß ich gesündigt hab, Ach, leider! tausendmal, Was sag ich tausendmal? So oft und ohne Zahl. 6. Du wirst jedoch, mein Gott, Dieselbe mir verzeihen, Und mir zur Besserung Vom Himmel Gnad verleihen; Nimm weg die Schuld und Straf, Vertilg sie ganz und gar, Und traf deswegen nicht. Mich in dem neuen Jahr. 7. Ich will mich dir hiermit Zum Eigentum ergeben, Die Seele gerät dem Leib, Verstand, Sinn, Geist und Leben; Ach, schleuß die Meinigen. In deine Vorsicht ein, Und lasse, was ich hab, Dir auch bepfohlen sein. 8. Beschütze ferner mich Und gib mir deinen Segen, Erhalte, was ich hab, Sei bei mir, und hingegen Wend ab des Unglücks Sturm, Und bleibe stets mein Gott, Zugleich hab Acht auf mich Im Leben, Noth und Tod. 9. So will ich denn das Jahr Mit dir, mein Gott, beschließen; Ach, laß im neuen auch Mich deine Huld genießen; Und sollt dasselbige Vielleicht das letzte sein, So führ mich durch den Tod. Zur Himmelsfreude ein. Wlbendgebet. Anjezo beuge ich zum letzten Male in diesem Jahre vor dir meine Rniee, o mein Gott und Erbarmer, und suche nichts als deine Gnade und deinen Frieden. Ich weiß, daß ich dich vielfältig Abendgebet. 113 in den verflossenen zwölf Monaten erzürnet und betrübet habe; ich weiß, daß ich oftmals deine Gebote übertreten und nicht immer den Weg gewandelt bin, den ich hätte wandeln sollen; ich weiß, daß ich mit diesem meinem Ungehorsam deinen Zorn, deine Ungnade und deine gerechten Strafen verdienet habe; ich weiß aber auch, daß du um JEsu willen bußfertige Sünder zu Gnaden annimmt, und ihnen Missetaten, Übertretungen und Sünden vergibt. Und eben deswegen werfe ich mich vor deinem Throne nieder und rufe um Gnade. Ach, HErr, gedenke nicht der Sünden meiner Jugend, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. Gehe nicht mit mir ins Gericht, denn ich kann so wenig wie andere vor dir bestehen. Verzeihe mir daher alle meine Fehler, auch die verborgenen. Habe ich dein geoffenbartes Wort, welches mich unterweiset zur Seligkeit, in diesem Jahre nicht mit solcher Andacht und Aufmerkjamkeit angehöret, wie ich billig hätte tun sollen, so vergib mir solche Unachtsamkeit, und laß mich hinfüro aus einem Hörer einen Täter deines Wortes werden. Habe ich dich und meinen Nächten nicht so geliebet, wie es mir zugekommen, so dämpfe in mir allen Kaltsinn, und entzünde in meiner Seele das Feuer deiner 1 14 Abendgebet. gött-lichen Liebe, damit ich dich von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüte und aus allen Kräften, meinen Nächten aber wie mich selbst, lieben möge. Habe ich in meinem Amt, Stand und Verrichtungen nicht die gehörige Treue beobachtet, so verzeihe es mir aus großem Erbarmen, und laß mich inskünftige mit dem Pfund, welches du mir anvertrauet, besser wuchern, damit ich stets als ein guter Haushalter erfunden werde und mit meiner Rechnung bestehen möge. Bei dir, o mein Gott, ist die Vergebung, darum suche ich dieselbe auch bei dir. Tilge bei dem Schluß dieses Jahres mein Schuldregister, welches groß genug ist, mit dem teuren Blute meines Heilandes, welches ich im Glauben ergreife. Laß meine Sünden wie einen Nebel deinen Augen vorübergehen. Nimm sie weg von mir, und gedenke derselben nimmermehr, damit ich nicht als ein Schuldner in dem neuen Jahre vor dir erscheinen möge. Nimm mich auch noch in dieser Nacht in deinen Gnadenschutz, und sei eine feurige Mauer um mich her, daß mich kein Unglück treffen könne. Soll aber diese Nacht die letzte sein in diesem Jammerthal, so nimm mich, HErr, in Himmel ein, in deinen Freudensaal; denn also leb und sterb ich dir, o starker Zebaoth, im Tod und Leben hilf du Morgengebet. 115 mir aus aller Angst und Noth. Soll ich aber nach deinem Rat mein Leben höher bringen, und wenn ich erwache, in ein neues Jahr treten, so gehe mit deiner Güte mit mir in dasselbe; leite mich in deinen Wegen; mache mich recht fromm; führe mich auf ebener Bahn, und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir, damit ich dir leben, dienen und gehorchen möge. Ja, mein Gott, das Eine bitte ich nur noch, ehe ich einschlafe, von dir, das wollest du mir geben, nämlich im neuen Jahre nach deinem Willen einen neuen Sinn und Geist, der, was dein Befehl mich heißt, mich lehr unverrückt erfüllen, daß mein Geist, gerät Seel und Leib, deines Geistes Wohnung bleib. O, du großer Gott, erhöre. Was dein Kind gebeten hat, IEu, den ich stets verehre, Bleibe ja mein Schutz und Rat, Und mein Hort, du werter Geist, Der du Freund und Tröster heißt, Höre doch mein sehnlich Flehen! Amen, ja, es soll geschehen. Amen. Der andächtige Christ betet bei dem Anfang des neuen Jahres. Morgengebet. — Was soll ich mir nun von dir, o mein Gott und Vater, ausbitten, da ich in den ersten Stunden dieses Jahres, welches mich deine Güte hat erleben lassen, vor deinem Throne betend 1 16 Morgengebet. er-scheine? Dreierlei bitte ich von dir in kindlichem Vertrauen, und hoffe, du werdet mir keines verjagen. Das Erste ist: daß du mich in diesem Jahre mit deiner starken und mächtigen Hand beschützen, bedecken und erhalten wollest. So lange wir Menschen hienieden auf Erden wallen, so lange sind wir vielen Veränderungen und Gefährlichkeiten unterworfen, welche uns leichtlich verderben und aufreiben können, wo wir nicht von deiner göttlichen Macht bewahret und errettet werden. Will mich daher Unglück von mancherlei Art heimsuchen, so wende solches in Gnaden von mir ab. Drohet mir allerlei Gefahr, so nimm mich unter deine Flügel, daß sie mich nicht treffen kann. Will Kreuz, Trübsal und Noth bei mir einkehren, so sei du mein Schutz, welcher mich davor behüte und bewahre. Soll ich aber nach deinem Willen manches Leiden dieser Zeit erfahren, ach, so laß mich solches in Geduld ertragen, als eine Züchtigung von dir annehmen, und meinen Willen dem deinigen unterwerfen. Stehe mir auch in der Stunde der Angst bei, und laß mich nicht kleinmütig werden. Zeige mir endlich auch bald deine Hülfe, und laß mich meine Lust an deiner Gnade sehen. Das Andere, welches ich demütigt von dir begehre, ist dieses: daß du JEsum allezeit wollest Morgengebet. 117 in meinem Herzen wohnen lassen. Mein Heiland hat sich dasselbe bei meiner Taufe zu einem Tempel bereitet, er hat es als seine Wohnung eingenommen, und sich mit mir, ehe ich noch von mir selber wußte, vereiniget; ja, ob ich gleich durch meine Sünden ihn von mir getrieben und seine Gemeinschaft verscherzet habe, so ist er doch wieder bei mir eingekehret, da ich durch eine Gnade Buße that. Ach, darum laß dieses vortreffliche Kleinod nie von mir genommen werden. Stärke meinen Glauben an seinen Namen. Laß mich meinen JEsum über alles lieben und schätzen. Laß mich in deiner Kraft eine geheiligten Fußtapfen betreten, und immer so gefinnet sein, wie er war, damit ich mit ihm allezeit auf das Genaueste verbunden bleiben, und um seinetwillen dir Wohlgefallen möge. Endlich ersuche ich dich in der tiefsten Beugung meines Herzens, du wollest deine heiligen Engel in diesem Jahre um mich ein und mich auf allen meinen Wegen begleiten lassen. Du endet ja diese dienstbaren Geister aus zum Dienst derer, die da ererben sollen die Seligkeit; du willst auch, daß niemand verloren gehe, sondern alle sollen das ewige Leben ererben, und mithin gehöre ich auch unter diejenigen, welche sich des gesegneten Dienstes jener vollkommenen Geister, welche immerdar um 1 1 8 Morgengebet. dei-nen Thron stehen, getrosten können, und aus eben dieser Ursache erbitte ich von dir flehentlich die Gesellschaft deiner Engel. Thue ihnen Befehl, daß sie mich behüten auf allen meinen Wegen. Laß sie sich um mich her lagern und eine Wagenburg um mich schlagen, damit nicht Böses zu mir kann, und auch der Satan, wenn er sich in einen Engel des Lichts verstellet, nicht vermögend sei, mir zu schaden und mich zu überwältigen. Laß mich stets daran gedenken, daß deine Engel bei mir seien, damit ich mich vor Sünden hüte und mich auf ebener Bahn leiten lasse. Wirst du mir, o mein Gott und Vater, diese meine dreifache Bitte gewähren, so werde ich in diesem Jahre unverletzt bleiben, so wird es ein Jahr geben, von welchem ich werde sagen müssen: Es hat mir gefallen. Meine Seele wird als dann mit Licht, Kraft und Stärke erfüllt bleiben; ich werde im Glauben und in der Heiligung zunehmen, und meinem Beruf gesund nachgehen können. Wenn du mir also verleihet, was ich anjezo gebeten habe, so habe ich alles, was mich im Leiblichen und Geistlichen glückselig machen kann. Da du nun die wahre Glückseligkeit aller Menschen willst, so schenke mir in Gnaden das Gebetene zum neuen Jahre. Erhöre mich, da ich zum erstenmal in diesem Jahre zu dir schreie. Der andächtige Christ betet bei dem Anfang des neuen Jahres. 119 Gib mir, was ich in Demut begehret habe, und sei mir gnädig, so will ich allezeit dich mit fröhlichem Munde preisen und erzählen, was du an mir getan hast. Dies alles wollst du geben, O meines Lebens Leben, Mir und der Christenschaare. Zum selgen neuen Jahre. Amen. Aufmunterung. Der HErr, unser Gott, sei uns freundlich und fordere das Werk unserer Hände bei uns, ja, das Werk unserer Hände wolle er fördern. - Ps. 90, 17. Obgleich oftmal vorwitzige, aber auch kleinmütige Gemüter bei dem Anfang des Jahres gerne wissen möchten, ob ihnen das Jahr werde glücklich sein, so stehet es doch nicht in eines Menschen Macht, solches jemandem kund zu tun; denn zukünftige Dinge weiß der HErr allein. Daher ist dieses allen und jedem zu rathen, welches auch andächtiger Seelen Gewohnheit ist, daß sie, 1) wenn ein neues Jahr eintritt, dasselbe mit Danken anfangen, daß sie die Güte des Höchsten preisen, der sie unter so vielen Sturmwinden des Leidens, unter so vielen Fluthen der Trübsal dennoch glücklich ein neues Jahr hat antreten lassen. Und gewiß, hat ein Schiff großes Glück, das durch Sturm und Wellen durchkommt, so hat man auch Gott auf den Knieen zu danken, wenn er uns ein Jahr glücklich und gesund hat erleben lassen. 2) Sollen andächtige Seelen vom Danken sich zum Gebet wenden, daß die Güte des Allerhöchsten sie ferner beschützen, regieren und erhalten wolle. Verlaß mich auch in diesem Jahre nicht, sprechen sie, und tue nicht von mir die Hand ab, Gott, mein Heil! Sie befehlen Gott ihren Leib, ihre Seele und alles, was sie haben, unter seinen Gnadenschutz. 3) Sie befleißigen sich auch in dem neuen Jahre, 120 Der andächtige Christ betet andäch-tiger und frömmer zu werden. Sie nehmen sich mit Gott vor, daß dieses Jahr möge in die neue Geburt gehören. Gewiß, wenn alte Leute mit ihren vielen Jahren prangen, und sind doch dabei irdisch gesinnt und der Welt ergeben, die haben keinen großem Ruhm, als ein alter Jude oder Heide, der sie vielleicht an Jahren übertrifft. Denn die Frömmigkeit, als welche eine Fmcht des Glaubens und der in wohnenden Gnade ist, ist die Zierde der Jungen und Alten. 4) Es nehmen sich andächtige Seelen auch mit Gott bei dem Anfang des Jahres vor, Gottes Wort fleißig zu hören, im Herzen zu bewahren und darnach ihr Leben einzurichten. Gebet. HErr, HErr, barmherzig, geduldig und von großer Treue, der du bist von Ewigkeit zu Ewigkeit, und bei welchem ist keine Veränderung noch Wechsel des Lichts und der Finstemiß, siehe, ich habe unter deinem Schutz abermal ein neues Jahr angetreten; HErr, wie groß ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen! Du machet sie tranken von den reichen Gütern deines Hauses; Gottes Brünnlein hat Wulffers die Fülle. Dieses alles habe ich, mein Gott und Vater, das vorige Jahr wohl erfahren, darum will ich auch das neue in deinem Namen mit Beten, Seufzen und Flehen anfangen. HErr, frühe, sogleich bei dem Eintritt des Jahres, wollest du meine Stimme hören; frühe, in den ersten Stunden desselben, wollest bei dem Anfang des neuen Jahres. 121 du darauf merken. Ach HErr, ich weiß nicht, was mir in diesem neuen Jahre begegnen kann; das Jahr ist lang, der Tage sind viele, das menschliche Elend ist mancherlei, und die Unglücksfälle, welche die Menschen treffen können, sind unzählig. Damm komme ich zu dir, o starker und liebreicher Gott, und will mich gleich im Anfang deiner Gnade und Treue befehlen. Ach, da alles neu wird, das Land will von neuem grünen, die Sonne höher steigen, alles wird mit neuen Kräften belebet; so laß auch deine Güte und Barmherzigkeit über mich neu werden. Ich befehle dir meine Seele in deinen gnädigen Vaterschutz; bewahre die vor Sünden, daß ich sie nicht vorsätzlich und mutwillig damit beflecke. HErr JEsu, heilige, wasche und reinige sie mit deinem heiligen Blute. Gott Heiliger Geist, wohne in ihr, laß sie deinen Tempel sein. O, wie ein gesegnetes Jahr wird mir dieses sein, wenn ich, o himmlischer Vater, in deiner Gnade bleibe und als dein Kind lebe! O, wie glücklich werde ich sein, wenn ich in deiner Gemeinschaft, o JEsu, werde stehen! O, wie schön werde ich geschmücket einher gehen, wenn du, werter Heiliger Geist, in mir wohnen und mich regieren wirst. Ist des Königs Tochter herrlich geschmücket inwendig, so werde ich in diesem Schmuck dir auch gefallen. 122 Der andächtige Christ betet Und weil du mir bisher Leben und Gesundheit als eine edle Gabe verliehen hat, so wollest du dieselbe mir auch in diesem Jahre, wenn es dein väterlicher Wille und meiner Seele heilsam ist, gnädiglich erhalten, damit ich dadurch zu deinem Dienst und zur Verrichtung meines Berufs desto tüchtiger sein möge. Sollte es aber deinem heiligen Rat gefallen, mich mit Krankheit oder Schmerzen zu belegen, so weiche nicht von mir, und wenn ich Pein leide, so lindre mir solche, und laß auch deine Erquickstunde erscheinen, da du mir alles wieder abnimmt. Halte deine Hand, HErr, mein Gott, über die Meinigen und über alles das Meine; sei eine feurige Mauer um alles her, wie um Elisa; bewahre uns rings umher, wie das Haus Hiobs. Verleihe mir die Kraft deines Heiligen Geistes, daß ich dieses Jahr recht fromm werde und ein wahres Kind Gottes mich erzeige, daß ich sei ein andächtiger Beter, ein fleißiger Hörer und Täter des Worts. Hilf, daß in dem neuen Jahre es von meiner Seele Zustand heißen möge: Das Alte ist vergangen, es ist alles neu geworden; daß sich in mir finde ein neues Verlangen nach dir, neue Liebe zu meinem Nächsten, ein neuer Trieb, mich mit dir zu vereinigen und in dieser Vereinigung zu verbleiben. Ach, heilige mich durch und durch, daß mein bei dem Anfang des neuen Jahres. 123 Geist gerät Seele und Leib möge unsträflich behalten werden bis auf den Tag JEsu Christi. Gib mir einen neuen Eifer in meinem Christentum, in dem Guten zu wachsen und zuzunehmen. Segne meinen Beruf und meine Arbeit, segne meinen Ausgang und Eingang, gib mir, was deine Segenshand mir bestimmt hat. Laß mich aber auch bei dem Anfang des Jahres bedenken, daß auch einst das letzte Jahr meines Lebens anbrechen werde, damit ich mich stets möge bereithalten, in Buße und Glauben stehen, meine Lampe brennend und meine Lenden gegürtet sein lassen, dich, o mein Bräutigam und gnädiger Gott, mit Freuden zu empfangen, und zu deinem, mir von Anbeginn bereiteten Reich einzugehen. Ach, gib mir nach deinem Willen einen neuen Sinn und Geist, der, was dein Befehl uns heißt, mich lehr unverrückt erfüllen, daß mein Geist, gerät Seel und Leib, deines Geistes Wohnung bleib. JEsu, laß mich fröhlich enden. Dieses angefangne Jahr, Trage mich auf deinen Händen, Halte bei mir in Gefahr. Steh mir bei in aller Noth, Ach, verlaß mich nicht im Tod; Freudig will ich dich umfassen, Wenn ich soll die Welt verlassen. Amen. Gesang. Mel.: Allein Gott in der Höh sei Ehr. . 1. Gott Lob! das neue Jahr tritt ein, Es ist schon angehoben; Ach, könnt ich doch recht dankbar sein. Und 124 Der andächtige Christ betet bei dem Anfang des neuen Jahres. Gott vollkommen loben! Ich schenk mich dir, Ach, schenk dich mir, Mein Gott, mein Licht und Lebenszier, Und bleibe stets mein Helfer. 2. Verleih mir deinen guten Geist, Der Herz und Seel regiere, Der mich mit Glauben allermeist Und Gottesfurcht ausziere, Der mich erfülle jederzeit Mit Hoffnung, Lieb und Heiligkeit. Und bleibe stets mein Führer. 3. Laß mich an Glaubensfreudigkeit. In diesem Jahr zunehmen, Und durch den siegesvollen Streit. Des Fleisches Lüste zähmen, Aufdaß ich bleibe fromm hinfort Zu aller Zeit, an allem Ort, Und bleibe mein Regierer. 4. Ach, großer Gott, verlaß mich nicht, Wenn ich vor dich hintrete, Wend nicht von mir dein Angesicht, Wenn ich im Glauben bete; Ach, hör, erhöre meine Bitt! Ach, teil mir deine Hülfe mit. Und bleibe mein Erbarmer. 5. Ich bitt noch mehr, o Gott, von dir: Ach, gib mir deinen Segen, Den wolle deine Liebe mir In meinem Thun beilegen; Ach, liebter Vater, segne mich, Mein Auge schaue nur auf dich. Ach, bleibe stets mein Vater. 6. Und weil du weißt, was mir gebricht, So wirst du für mich sorgen, Es ist ja deiner Weisheit Licht. Mein Zustand nicht verborgen; Drum sorg für mich auch dieses ' Wie du gesorget immerdar, Und bleibe mein Verorger. 7. Sollt mich auch treffen Kreuz und Leid, Sobiet mir deine Hände, Verleih die Hiilfestund bei Zeit, Daß sich die Trübsal wende; Ach, gib mir Glauben und Geduld, Erhalte mich in deiner Huld, Und bleibe mein Erretter. 8. Ja, tröste mich zur Leidenszeit, Und laß mich bald empfinden. Der Kinder Gottes Freudigkeit, Laß alle Angst verschwinden; O Gott des Trostes, wende nicht. Von mir dein Licht und Angesicht, Und bleibe stets mein Tröster. 9. Soll auch dies Jahr das letzte sein. Das ich noch soll erleben. So führe mich zur Freude ein; Da wollest du mir geben Vergnügen nach der Traurigkeit, Die Kröne nach dem Kampf und Streit, Ja, Herrlichkeit und Wonne. Abendgebet. 125 Abendgebet. Großer und erhabener Gott, meine auf dich gesetzte Hoffnung ist an dem ersten Tage dieses Jahres nicht zu Schanden geworden. Ich habe an demselben deine Güte und Liebe verspüret. Du hast mir ein fröhliches Herz verliehen; du hat mir dein Wort verkündigen lassen; du hast mich mit vielem Guten gesättiget und überhäufet. Lob, Preis und Dank sei dir dafür gesagt von ganzem Herzen. Hast du nun in Gnaden bis hierher mein Gebet erhöret, so vernimm auch jetzt mein Schreien, da ich mich zur Ruhe begeben will. Bei dem Anbruch dieses Jahres und Tages habe ich mir deine Huld, deinen Segen, deine Gnade ausgebeten; nun will ich auch noch für andere eine demütige Fürbitte einlegen, da es mir nach deinem Befehl zukommt, Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung zu tun für alle Menschen. Die, welche du zu Obrigkeiten auf Erden gesetzet hat, laß in einem ununterbrochenen Wohlergehen ihr Amt führen. Kröne alle, welche dein Bild an sich tragen und deine Diener sind, mit Gesundheit und gib ihnen Sorgfalt und weise Anschläge, ihr Amt recht auszurichten. Laß sie immerdar bedenken, weswegen sie von dir über andere zu Häuptern gesetzet sind, damit sie die Gerechtigkeit handhaben, das Gute belohnen und 126 Abendgebet. das Böse bestrafen mögen, auf daß alle, so unter ihrer Herrschaft stehen, ein geruhiges und stilles Leben in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit führen können. Diejenigen, welche du ausgesendet hat, das Evangelium des Friedens zu verkündigen, rüste aus mit den reichen Gaben deines Geistes; gib ihnen Kraft und Stärke, ihr wichtiges Amt verwalten zu können; laß sie beständig mit Freuden zu deinem Lobe den Mund auftun; gib, daß sie frei und ungescheut die göttliche Wahrheit verkündigen, damit durch ihren Dienst dein Reich auf Erden immer mehr ausgebreitet und dir eine Gemeinde gesammelt werde, welche sich deiner Gnade getroste. Die ganze Christenheit laß dir auch in diesem Jahre anbefohlen sein. Verfahre mit allen und jedem als ein liebreicher und durch Christum versöhnter Vater; tue ihnen als deinen Kindern Gutes; segne ihre Nahrung, ihr Gewerbe und ihre Hantierung; wende alles Ungemach von ihnen, und sei beständig ihre Sonne und ihr Schild. Und wenn du dich so aller im Leiblichen angenommen, so erweise dich ihnen auch im Geistlichen gnädig und gütig. Die Sünderlaß durch deine Güte zur Buße geleitet werden, auf daß sich die Engel im Himmel über sie freuen mögen. Die Begnadigten stärke, gründe und befestige im Guten, damit Morgengebet. 127 ihnen durch nichts ihre Beilage und Krone könne geraubet werden. Alle Betrübte und Elende erfreue. Alle Kranke und Schwache stärke und heile. Alle Verlassene tröste und erquicke. Aller Menschen erbarme dich. Dies ist, o Vater der Barmherzigkeit, meine Fürbitte, welche ich bei dir einlege; erhöre sie in Gnaden, und sprich dazu Ja und Amen, so wird dieses Jahr allen und auch mir recht gesegnet sein. Segne uns daher so, unser Gott, auf den wir hoffen, segne uns so im Geistlichen und Leiblichen, bis wir dereinst in der Ewigkeit ohne Aufhören Segen von deiner Hand einemten und die herrlichen Güter deines Hauses in Besitz nehmen können. In zuversichtlichem Vertrauen auf die gewisse Erhörung dieser Bitte schließe ich meine Augen und seufze: Unsem Eingang in dieses Jahr segne Gott, Untern Ausgang gleichermaßen; Segne unser täglich Brod; Segne unser Thun und Lassen; Segne uns mit selgem Sterben. Und mach uns zu Himmelserben. Amen. Der andächtige Christ betrachtet das Leiden IEu Christi bei dem Anfang der heiligen Fastenzeit. Morgengebet. JEsu, deine Passion will ich jetzt bedenken; wollest mir vom Himmelsthron Geist und An“dacht schenken. In dem Bild jetzund erschein. 128 Morgengebet. JEsu, meinem Herzen, wie du, unser Heil zu sein, littet alle Schmerzen. Also flehe ich dich, leidender Heiland, billig um deinen gnadenvollen Beistand an, da ich dich im Geiste sehe nach derjenigen Stadt wallen, in welcher schon das Todesurteil auf dich wartet, und wo dir die Feinde, welche dir ohne Ursache gram sind, mit Freuden entgegensehen. Die gegenwärtige Zeit, welche mich deine unendliche Güte anjetzt abermals hat erleben lassen, erinnert mich an dein bitteres Leiden, welches du nach dem Ratschluß deines himmlischen Vaters willig übernommen, um als das Lamm Gottes die Sünden der ganzen Welt zu tragen und für dieselben genug zu tun. Kein Bruder konnte den andern erlösen, noch mit Gott jemand versöhnen; es kostete zu viel, ihre Seelen zu erlösen, daß er es mußte lassen anstehen ewiglich; darum erbarmtest du dich über die, deren Fleisch und Blut du in der Fülle der Zeit angenommen, und hat durch eine blutige Versöhnung ihnen den Frieden wieder verschafft, welchen sie durch ihre Sünden nicht nur gebrochen, sondern auch verloren hatten. Durch deine Kraft mußt du mich tüchtig machen, wenn ich diese wichtige Sache mit Frucht und Segen betrachten soll, denn ohne dich kann ich nichts tun. Erleuchte derowegen meinen Verstand, Morgengebet. 129 daß ich in deinem Lichte die Größe deiner Liebe und Erbarmung erkennen und zu dem dir gebührenden Danke ermuntert werden möge; heilige aber auch meinen Willen, daß er die mir durch deinen Tod erworbenen Wohltaten annehme und zu meinem Besten anwende. Du hat mich geliebet, ehe ich dich noch kannte. Du hast dich für mich dahin gegeben, da ich noch nichts von dir wußte. Du hast Schmach, Spott, Schande und mancherlei Leiden ausgestanden, um mich glücklich zu machen. Für mich, für mich, mir zum Besten hast du alles dieses getan. Sollte ich dir derohalben nicht singen? Sollte ich dich dafür nicht loben und preisen? Ja, tausend, tausendmal sei dir, liebster JEsu, Dank dafür. Tausendmal sei dir gesungen, liebster JEsu. Preis und Ruhm, daß du Höll und Tod bezwungen; nun ich bin dein Eigentum, und du meine Freud und Wonne, möcht ich dich, o schönste Sonne, bald in deiner Krone fehn; komm, dein Leiden ist geschehn! O ja, komm zu mir, treuer Seelenfreund, und verbinde dich mit mir. Du bist für alle und also auch für mich gestorben, auf daß die, so da leben, hinfort nicht sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferstanden ist. Komm derowegen in meine Seele und belebe dieselbe. Laß 130 Morgengebet. mich immerdar erwägen, wie viel es dich gekostet, daß ich erlöset bin. Laß mich stets eingedenk sein, daß du den schmählichsten Tod hat ausstehen müssen, um mich von dem ewigen Tod zu befreien. Laß es mir wie einen Denkzettel allezeit vor meinen Augen schweben, daß du dein Leben hat verlieren müssen, weil ich mir und der Welt gelebet habe; laß mich auch dadurch bewogen werden, dir zu leben und dir nachzufolgen. Ziehe mich selbst als einen Brand aus dem Feuer, damit dein Leiden an mir nicht möge vergebens sein. Laß mich deinen Jünger werden, welchen nichts, nichts von dir scheiden könne. Schenke mir derowegen deinen Geist, welcher in dieser heiligen Passionszeit alles das mir möge zueignen, was ich in derselben von deinem bittem Leiden und Sterben höre und vernehme. Gib mir Gnade, in diesen Tagen mich immer mit dir zu beschäftigen, an dir mich zu ergötzen, und dadurch mir einen ewig bleibenden Segen zu verschaffen. Will die Welt mich zu Üppigkeit und Wohlleben verleiten, will der Satan durch allerlei Zerstreuungen mich stören und zerrütten, will mein verderbtes Fleisch und Blut mich zum Bösen reizen und locken, so laß mich an dein Leidendenken und allen diesen Verführungen fest im Glauben widerstehen, damit sie mich nicht gewinnen Der andächtige Christ betrachtet das Leiden JEsu Christi. 131 und überwinden mögen. Hilf, daß ich dich alle zeit möge im Gedächtniß halten, mich dadurch von Sünden abhalten lasse, und endlich mit dir in diejenige Herrlichkeit eingehe, zu welcher du mir durch dein Leiden und Sterben den Ein gang verschafft hat. HErr, laß dein bitter Leiden. Mich reizen für und für, Mit allem Emst zu meiden. Die jündliche Begier, Daß mir nie komme aus dem Sinn, Wie viel es dich gekostet, Daß ich erlöset bin. Amen. - Aufmunterung. Gott hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. 2 Cor. 5, 21. Die heilige Fastenzeit ist bei den ersten Christen eine Zeit der Andacht und des Gebets gewesen, welche sie mit besonderer Betrachtung des Leidens JEsu haben hingebracht, welches bis auf diesen Tag noch eine Weise in der Christenheit ist. Ob nun aber gleich der Satan die Welt kinder so weit gebracht, daß sie die Fastenzeit nicht mit Beten und Andacht, sondern mit Saufen, Maskeraden, Fressen, Ueppigkeiten und Gottlosigkeiten anfangen, da mit sie bezeugen, sie fragen nichts nach dem gekreuzigten HErrn JEsu, und treten sein Blut mit Füßen; so sind doch die Kinder Gottes anders gesinnt, und haben davor einen Greuel. 1) Sie fangen diese Zeit mit Beten und Singen an, damit sie ihr Herz zur Betrachtung des Leidens JEsu bereiten. 2) Sodann stellen sie sich das ganze Leiden JEsu vor Augen; JEsum in dem Garten Gethsemane, vor Gericht, in dem Richthaus, auf dem Berge Golgatha, am Kreuz, und sprechen bei jeder Betrachtung: 132 Der andächtige Christ betrachtet das Leiden JEsu Christi. Für mich, das ist alles für mich geschehen! 3) Wie sie nun diese heilige Betrachtung zu Hause und in der Kirche anstellen, so begnügen sie sich auch nicht mit der äußerlichen Historie, und lassen zugleich mit der Fastenzeit ihre Andacht verschwinden, sondern wie die Zeit ihres Lebens und auch im Sterben sich der Wunden JEsu getrosten wollen, so haben sie auch Zeit Lebens im Gedächtnis den gekreuzigten und auferstandenen IE um. Dieses Andenken 4) treibt sie an zur Kreuzigung ihrer Lüste und Begierden, daß sie nicht mehr leben nach dem Lauf dieser Welt, oder vorsätzlich sündigen, sondern der Sünde immer mehr absterben, und geistlicher Weise auferstehen. Dieser Fleiß, Verlangen und Wunsch wird von Gott zu ihres Lebens Heiligung gesegnet werden. Ach JEsu, mein JEsu, wie groß ist deine Liebe, die du in deinem bittem Leiden mir erwiesen hat! Du bist der eingeborne Sohn Gottes, du bist das unbefleckte Lamm, der HErr der Herrlichkeit, der Allerheiligste, der nie eine Sünde getan hat; und siehe, du ergibst dich in den allerschmählichsten Tod und in das grausamste Leiden für mich, der ich ein Ungerechter, ein Sünder und ein Kind des Todes bin. O, wie groß ist deine unaussprechliche Barmherzigkeit! Der Heilige trägt meine Unheiligkeit, der Fromme trägt meine Bosheit, der Gerechte meine Ungerechtigkeit, der Unschuldige meine Schuld. Dir werden meine Sünden Der andächtige Christ betrachtet das Leiden JEsu Christi. 133 aufgeleget, damit mir deine Gerechtigkeit geschenket würde. Mein JEsu, an deinem Leiden kann ich sehen den Zorn Gottes gegen die Sünde, den Greuel der Sünden, die Strafe der Sünden. Denn hat Gott, um fremder Missetaten und um zugerechneter Sünden willen, dich unschuldiges Lamm so erbärmlich am Oelberg selbst gemartert, und durch deiner Feinde Hände so jämmerlich zurichten lassen, wie hart werden dann dermaleinst die gestraft werden, welche durch solches Leiden sich nicht zur Buße und zum Glauben bewegen lassen und ihre Sünden selbst bezahlen müssen! Mein JEsu, ich trete jetzt zu dir, und schaue dein Leiden gläubig an. Du gehet in den Garten Gethsemane, und schwitzelt blutigen Schweiß, ach, für mich, damit ich von der Gewalt des Satans befreiet würde. Du wirst vor Gericht geführet, verklaget und zum Tode verdammet, ach, für mich, damit ich, wenn ich nach meinem Tode und am jüngsten Tage vor Gericht werde gestehet werden, möge losgesprochen werden. Du hast vor Gericht lauter Ankläger, aber keinen Fürsprecher, ach, für mich, damit, wenn mich meine Sünden und mein Gewissen anklagen, du mein Fürsprecher sein mögest. Du wirst gegeißelt, und dein Leib fließet mit Blut, die Pflüger ziehen ihre Furchen lang auf 134 Der andächtige Christ betrachtet das Leiden JEsu Christi. deinem Rücken, ach, für mich, damit ich nicht wegen meiner Sünden gestraft würde. Du wirst zum Tode geführet, ach, für mich, damit mein Todesgang mir heilsam und ein Durchgang zum Himmel, ja, ein Hingang zum Vater sei. Du wirst gekreuziget, ach, für mich, du Lamm Gottes hat alle meine Sünden getragen. Du stirbst am Kreuz, ach, für mich, daß ich durch deinen Tod das Leben habe. Du wirst begraben, ach, für mich, damit du mein Grab heiligen mögest. Ist das nicht Liebe, ist das nicht Barmherzigkeit, daß ich durch dein bitteres Leiden Leben, Gnade und Vergebung aller meiner Sünden erlangen soll? Aller meiner Sünden Strafe liegt auf dir, auf daß ich Friede hätte, und davon befreiet würde. Nun will ich dies Leiden mir vor Augen setzen, mich stets daran ergötzen, ich sei auch, wo ich sei. Es soll dein Tod und Leiden, bis Leib und Seel sich scheiden, mir stets in meinem Herzen ruhn. War Israel von aller Schuld und Strafe frei, wenn es im Glauben ein Lamm zum Opfer vor Gott brachte, und dessen heißes Blut vergießen sah, so weiß ich auch, weil du, o JEsu, du unschuldiges und unbeflecktes Lamm Gottes, für mich geschlachtet bist, und dein heißes Blut reichlich für mich vergossen ist, daß ich dadurch, wenn ich es im Glauben auffasse, in Gnaden und Der andächtige Christ betrachtet das Leiden JEsu Christi. 135 mit Gott versöhnet bin. Dein Blut ist das rechte Opferblut, das Versöhnungsblut, das Reinigungsblut, das Besprengungsblut. O mein JEsu, an deine ausgestandene Marter und an dein vergossenes Blut will ich denken, wenn mein Herz mich will zur Sünde verleiten; deine blutige Gestalt am Oelberg, in der Geißelung und am Kreuz will ich mir vor Augen stellen, wenn die Welt mit ihrem bösen Exempel mich reizen will, daß ich mich ihr gleich stelle, ln deine Wunden will ich fliehen in meiner Sündenangst, dein Blut will ich auffassen als mein Lösegeld, wenn mich mein Gewissen ängstet; ja, in meiner Todesstunde will ich nichts als von dir, o JEsu, wissen; dein heiliger JEusname soll mein letztes Wort, deine blutige Gestalt mein letzter Gedanke sein, dein letztes Wort am Kreuz soll auch mein letzter Seufzer im Sterben sein, daß ich damit dir jage: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist. In solcher meiner letzten Stunde, o JEsu, sei mein Trost, meine Freude, meine Erquickung, mein Beistand. Erscheine mir zum Schilde, Zum Trost in meinem Tod, Und laß mich sehn dein Bilde In deiner Kreuzesnoth. Da will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll Dich fest an mein Herz drücken; Wer so stirbt, der stirbt wohl. Amen. 136 JEsus in einem Blute. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Es stirbt mein liebster Freund, Mein JEsus, ach, mein Leben! Sieh, er ist schon erblaßt, Der Geist ist auf gegeben; Er neiget nun sein Haupt Am hohen Kreuzesstamm, Er sinket in den Tod, Mein Seelenbräutigam. 2. Es stirbt mein liebster Freund, Daß ich nicht möge sterben, Daß ich errettet werd Vom ewigen Verderben. Ach ja, er stirbt für mich, Für meine Sünd und Schuld, Befreit mich von der StrafUnd bringt mir Gottes Huld. 3. Es stirbt mein liebster Freund, Und dennoch nicht mein Lieben, Mein JEsus bleibet tief. In meine Seel geschrieben. Ich lieb ihn, weil ich leb, Und lieb ihn auch im Tod, Ich lieb ihn in dem Kreuz Und aller meiner Noth. 4. Ich will mit meinem Freund. Auch noch zu Grabe gehen. Und, wie man ihn einlenkt, Mit Glaubensaugen sehen. Mein Freund, hier ist mein Herz, Da senke dich hinein, Das soll dein Eigentum. Und deine Ruhstatt sein. 5. Ich will mein Herze dir Hiemit zu eigen schenken, Ich will bis in den Tod. An deinen Tod gedenken; Ach, lebe, weil ich leb, Mein Seelenfreund, in mir. Und sterb ich dermaleinst, So sterblich, JEsu, dir. JEsus in seinem Blute. Gesang. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 1. Schauet doch das bittre Leiden, Welches JEsus muß ausstehn, Wie die Juden und die Heiden Grausamlich mit ihm umgehn; Kommt und schaut die Marter an, Ob sie euch bewegen kann, Ob vielleicht euch dieser Schmerz Rühren mög das harte Herz. 2. Schauet, wie er wird geschlagen, Wie die Geißeln blutig sein; Schauet, wie er Spott muß tragen, Ja, Abendgebet. 137 die allergrößte Pein; Schauet doch der Feinde Wuth, Schauet das vergoffne Blut, Ob's euch könnt zurücke ziehen, Daß ihr mögt die Sünde fliehen. 3. Schauet, wie er endlich stirbet An dem hohen Kreuzes stamm. Und die Seligkeit erwirbet; Schauet an das Gotteslamm, Wie ein heißes Blut noch fließt, Und wie er die Augen schließt, Ob's vielleicht die Sünder schrecken. Und zur Buße möcht erwecken. 4. JEsu, liebster JEsu, schreibe. Dieses alles in mein Herz, Daß ich eingedenk verbleibe, Wie dein Leiden, wie dein Schmerz, Wie dein Sterben, wie dein Blut Kommt mir Armen noch zu gut. Daß ich möge daraus sehen, Was auf Sünd für Straf ergehen. 5. Hilf, daß dieses Blut mich lehre, Wo ich gehe, wo ich steh, Daß ich, wo ich mich hinkehre, Blutig dich vor Augen seh. Blutig auf der Lagerstätt, Blutig auf dem Sterbebett, Blutig, wenn ich Schmerzen leide, Blutig, wenn ich nun verscheide. 6. JEsu, stell dein Blut und Wunden. Immer vor mein Angesicht, In den Wunden hab ich funden Gnade, Leben, Trost und Licht; Deine Marter, Tod und Pein Soll im Tod mein Labsal sein, Und so lang ich werde leben, Soll es mir vor Augen schweben. Abendgebet. O mein JEsu, mein König und mein Haupt, ehe ich meine ermüdeten Glieder zu ihrer Ruhe niederlege und einschlafe, muß ich mich noch mit dir unterreden und mich dir anbefehlen. Die Betrachtung deines Leidens, welche ich heute angestellt, hat bei mir die süßesten Empfindungen erwecket, laß mich daher auch in denselben sanft 138 Abendgebet. einschlummern und noch dein Andenken mir fruchtbar sein. Durch dein Leiden, liebster JEsu, hast du geheiliget all das Leiden, das deinen Gliedern, und mithin auch mir, widerfahren kann und soll. Zittern und Zagen hast du empfunden, ja, du hat auch erfahren, wie es Einem zu Muthe sei, wenn man ganz verlassen ist; und dieses deswegen, damit, wenn ich in dergleichen Umstände geräte, ich durch dich aus denselben möge errettet werden. Sei du mir daher in solchen Stunden nicht grausam, du mein Beistand in der Noth, wenn ich rufe, so schweige nicht. Ich erschrecke, wenn du thut, als hörtest du mich nicht. Trauern und Zagen überfällt mich, wenn du dich verbirgt und dich stellet, als kenntest du mich nicht, als ginge ich dich nichts an. Zittern und Angst finden sich bei mir ein, wenn du mich entweder in meinem leiblichen Kreuz oder in meinem geistlichen Anliegen fast abweisen willst, als ob ich bei dir nichts zu sagen hätte. Verbirg dich derohalben nicht vor mir, o du Gnadensonne! Erwecke meinen Glauben zu solcher finstern Zeit, daß ich mich an deine Verheißungen und Liebe festiglich halte, und zuversichtlich hoffe, du werdet meine Klage verwandeln in Reigen, du werdest mir meinen Sack ausziehen und meine Traurigkeit in Freude verkehren. Ach ja, mein Abendgebet. 139 JEsu, sprich in meinem Leiden meiner Seele freundlich zu. Verlaß mich nicht; tue deine Hand nicht weg von mir. Zeige mir deine liebliche Gestalt, wie auch dein Leiden ein herrliches Ende genommen, und laß mich auf deine Güte und Barmherzigkeit fest trauen. Laß mich auch in meinem Leiden dir ähnlich werden und deinem Vorbilde nachfolgen. Willig laß mich alles übernehmen, was die ewig weise Vorsicht über mich verhängt und mir zu tragen auferlegen wird. Geduldig laß mich sein, wenn die Trübsal wie ein Strom mir entgegen kommt. Mit Gelassenheit laß mich alles ertragen, was mir zustößt, und laß mich allezeit so gesinnet sein, wie du, o JEsu, auch warst, ln meinem Anliegen laß mich dir keine Zeit noch Stunde vorschreiben, wann du mir helfen sollst, sondern stets mit dir sagen: Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Laß mich so nach deinem Beispiel in meinen Trauerstunden mich aufführen, damit ich auch dereinst mit dir zur ewigen Freude eingehen könne. Laß mich an dich gedenken, so wird mein Trauern bald verschwinden, denn dein Gedächtniß, JEsu, machet, daß mein traurig Herzelachet. Stelle dein blutiges Bild vor meine Augen immerdar, so werde ich nie ohne Trost sein, sondern mit demselben auf das kräftigte erquicket und 140 Der andächtige Christ erwäget den Todestag JEsu. ge-labet werden. Stehe mir auch in dieser Nacht zur Seite, und laß mich, wenn ich morgen, und so oft es etwa noch geschieht, erwache, in deinem Bilde satt werden. Stärke mich so immerfort mit deiner Hand, bis endlich mein Ende kommt. Und wenn dann dasselbe erscheinet, wenn der Tod sich anmeldet, so laß mich getrost meiner Veränderung entgegensehen und selig einschlafen. Nimm alsdann meinen Geist in deine Hände, laß mir dein Leiden vor Augen schweben, mich aus demselben Trost, Kraft, Stärke und Labsal in überschwänglichem Maße schöpfen. Wann ich einmal soll scheiden, So scheide nicht von mir; Wann ich den Tod soll leiden, So tritt du dann herfür; Wann mir am allerbängsten Wird um das Herze sein, So reiß mich aus den Ängsten Kraft deiner Angst und Pein. Amen. Der andächtige Christ erwäget den Todestag JEsu oder den Charfreitag. Aufmunterung. Fürwahr, Er trug unsere Krankheit, und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unserer Fä willen verwundet, und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Friede hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilet. Jes. 53, 4. 5. Obgleich der Charoder stille Freitag, welcher der eigentliche Leidens- und Todestag unsers hochgelobten JEsu ist, auch noch von den Weltkindern aus äußerlicher Der andächtige Christ erwäget den Todestag JEsu. 141 Scham und Furcht vor Menschen stille hingebracht wird: so haben doch die Christen sich diesen Tag zu ihrer besonderen Andacht erwählet. Sie erwägen an demselben das Leiden JEsu 1) als ein aus Liebe über sich genommenes Leiden. O große Lieb, o Lieb ohn alle Maßen, die dich gebracht auf diese Marterstraßen! Liebe drang JEsum, daß er Mensch wurde; Liebe bewog ihn, daß er sich für uns dahingab, und am Kreuze starb. 2) Als ein unschuldiges Leiden. Man soll nicht meinen, als ob der Heiland im Geringsten etwas getan, das der Strafe wert gewesen sei, denn er war heilig, rein und von den Sündern abgesondert; er hat keine Sünde getan, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden worden. Also war es von Seiten JEsu unverdientes Leiden, aber um unsertwillen nahm er es willig auf sich. Es war 3) ein von seinem himmlischen Vater zugeschicktes und bestimmtes Leiden; denn weil er nach dem wohlbedachten Rate Gottes gelitten, Apost. 2, 23, so wußte JEsus auch, was ihm begegnen sollte. Aber damit sind die Juden nicht entschuldiget, als ob sie Gottes Willen hätten vollbringen müssen; denn Gott hätte seinen Sohn vollends zu Tode martern können, wie er auch schon im blutigen Schweiße auf der Erde lag; er hat sich aber der Juden Eigenwillen und Bosheit dazu bedienet, deren Abficht nicht war, Gottes Willen zu erfüllen, sondern ihre Bosheit und ihren Muthwillen an Christo auszuüben. Wie auch Josephs Brüder ihn nicht verkauft haben, ihren Bruder zum großen Herrn zu machen, sondern sie gedachten, es bös mit ihm zu machen, Gott aber dachte anders, 1 Mos. 50, 20. 4) War Christi Leiden ein wahrhaftiges Leiden, indem er alle Wunden empfunden und die Schmerzen wohl gefühlet hat. Dieses alles ziehet eine gläubige Seele in Betrachtung, und läßt es sich einen Spiegel des göttlichen Zorns gegen die Sünde und einen Spiegel der göttlichen Liebe zum Heil der Menschen sein. 142 Der andächtige Christ erwäget den Todestag JEsu. O du liebreicher und holdseliger JEsu, ich komme jetzt zu dir, dein bitteres Leiden mit Herzensandacht zu erwägen. Ach, laß dein bitter Leiden mich reizen für und für, mit allem Emst zu meiden die sündliche Begier, daß mir's nie komme aus dem Sinn, wie viel es dich gekostet, daß ich erlöset bin. O du unschuldig erwürgtes Lamm, du hast gelitten, weil dir alle meine, ja, aller Menschen Sünden, Schulden, Missetaten, Ungerechtigkeiten und Bosheiten aufgebürdet und zugerechnet wurden, so daß du vor dem göttlichen Gerichte als der größte Sünder, ja, als die Sünde selbst angesehen warst. Waren aber, du unbeflecktes Lamm, unsere Sünden auf dich geworfen, so überfielen dich auch unsere Strafen, wie die Wasserfluthen; da kam Verachtung, Schmähung und Lästerung während deines prophetischen Lehramtes über dich, aber in deinem Leiden wurde alles verdoppelt; da blieb es nicht bei Anklagen und Verdammen zum Tode, daß du mußtest vor zwei Gerichten erscheinen, vor dem geistlichen und vor dem weltlichen, und von beiden zum Tode verdammet werden, sondern nachdem der Stab über dich gebrochen und das Todesurteil gesprochen war, mußtest du auch grausame Schmerzen leiden an deinem Leibe. Der andächtige Christ erwäget den Todestag JEsu. 143 Da wurde dein heiliger Leib verwundet, gegeißelt, zerriffen und blutig gemacht. Schauet doch, ihr Menschenkinder, ob ein Schmerz jemals gewesen sei, als unsers JEsu Schmerzen? Sein Haupt wurde mit Dornengekrönet, sein Leib mit Blut bedecket und durch die scharfen Geißeln wund geschlagen; am Kreuze wurden Hände und Füße durchnagelt, die Seite wurde mit einem Speer durchstochen, daß er wohl mit Recht sagen konnte: Ich bin ein Wurm und kein Mensch. Nicht allein aber war ein heiliger Leib also erbärmlich zugerichtet, sondern an seiner Seele mußte er auch das heftigste Leiden ausstehen, daß seine Seele betrübet war bis in den Tod; die Zornfluthen gerät der Höllenangst griffen ihn dermaßen an, daß er am Kreuze schrie: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? worauf endlich der Tod erfolgte. Erwürgtes Lamm, das hat du alles mir zu gut, mir zum Besten, zu meinem Trost, zu meinem Frieden, zu meiner Erlösung, zu meinem Heil und zu meiner Seligkeit gelitten und ausgestanden. Denn so nicht wäre gekommen Christus in die Welt, und hätte an sich genommen unsere arme Gestalt, und wäre für unsere Sünden gestorben williglich, so hätten wir müssen verdammet sein ewiglich. Nun aber, wenn ich an dich glaube, und dein heilig Blut 144 Der andächtige Christ erwäget den Todestag JEsu. in Glaubenszuversicht mir zueigne, so bin ich nicht verdammt, sondern werde durch dich das ewige Leben haben. O mein JEsu, laß dein bitter Leiden allezeit vor meinen Augen und in meinem Herzen sein, daß ich mich dessen tröste, dadurch gerecht, aber auch dadurch fromm werde. Laß mich keinen Tag hinbringen, da mir nicht dein blutig Bild vor Augen stehe. Laß dein Leiden, dein Blut, deine Wunden auf meine Hand, ja, in mein Herz eingeschrieben stehen, daß bei jedem Odemzug nichts als JEsu Leiden, JEsu Tod, JEsu Blut in meinen Gedanken sei, daß ich dadurch von der Welt abgezogen, geheiliget, gewaschen und gereiniget werde. Mein JEsu, wie dein Leiden mich aufrichtet, erfreuet, tröstet, erwecket und erbauet, also tun solches auch deine sieben Worte am Kreuz. Ach, auch für mich hast du gebetet: Vergib ihnen! Vergib dieser Seele, was sie wider dich getan hat! Für mich hast du geschrieen: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? daß ich niemals, nicht im Kreuze, nicht in Nöten, nicht im Sterben, nicht vor Gericht, nicht am jüngsten Tage, nicht hier zeitlich, nicht dort ewig, verlassen würde. Für mich hast du gesagt: Mich dürstet! Ach, gib, daß ich im Glauben dich wiederum umfassen, nach dir dürften, und nach dir, wie ein Der andächtige Christ erwäget den Todestag JEsu. 145 Hirsch nach frischem Wasser, verlangen, in deiner Liebe mich ergötzen und erquicken möge. Für mich hast du gesorget, da du sprächet zu Johanne: Das ist deine Mutter. Wenn ich auch unter dem Kreuz oder in Trübsal von allen Menschen, wie Maria, verlassen stehe, so wirst du dich meiner herzlich annehmen, dich meiner erbarmen, für mich sorgen, mir helfen und gnädig sein. Ach, laß mich in meinem Sterben und im Tode die Stimme hören: Heute wirst du mit mir im Paradiese ein. Versichere mich dessen in gesunden Tagen, rufe mir es zu auf dem Sterbebette, laß es an mir erfüllet werden nach meinem Tode. Für mich hast du gesprochen: Es ist vollbracht! Nun ist alles getan, was ich hätte tun sollen, nun ist alles gelitten, was ich hätte leiden sollen. Nun ist mir Heil, Leben, Friede, Freude, Trost, Seligkeit, die Krone des Lebens und das weiße Kleid erworben. Ja, dein letztes Wort am Kreuz soll auch mir im Sterben ein Trost- und Freudenwort werden: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände; so will ich beten, so will ich dir nachsprechen, wie du mir hat vorgesprochen. HErr JEsu, deine Angst und Pein. Und dein betrübtes Leiden Laß meine letzte Zuflucht sein, Wenn ich von hier soll scheiden. Ach hilf, daß ich durch deinen ' Fein sanft beschließe meine Noth Und selig sterbe, 146 Der andächtige Christ erwäget den Todestag JEsu. Gesang. Mel.: Herzliebster JEsu, was hast du verbrochen. 1. Kommt, laßt uns Christi Todestag begehen, Laßt uns andächtig an dem Kreuze stehen, Laßt uns mit wahrer Buße, Beten, Singen. Den Tag hinbringen. 2. Er stirbt für uns, daß wir nicht sollen sterben, Er stirbt, daß wir das Leben sollen erben, Und daß nach unserm Tod sich mög anheben. Das Freudenleben. 3. Er stirbt an seinem Kreuze hoch erhaben. Und teilet allen aus gar große Gaben; Er will, wenn wir der Sünden Liebe fliehen. Uns zu sich ziehen. 4. Er stirbt, und trägt, seht doch, die Dornenkrone, Die man ihm aufgesetzt zum Spott und Hohne, Damit er in dem Himmel uns ergötze, Die Krön auffetze. 5. Er stirbt, o sehet, wie ein Blut noch fließet, Das er als das Versöhnungsblut vergießet; Dies Blut wird uns versüßtes Labsal geben. Im Tod und Leben. 6. Er stirbt, ach, schaut, sein Leib ist voller Wunden, Darin die Seele Trost und Ruh gefunden; Nun kann ich, da die Freistatt stehet offen, Ja Gnade hoffen. 7. Er stirbt am Kreuz mit ausgespannten Armen, Weil er sich aller Menschen will erbarmen; Er will auch mich in seine Arme fassen, Mich nicht verlassen. 8. Mein JEsu, wärst du nicht also gestorben, So wären wir an Leib und Seel verdorben; Nun aber kann mich niemand mehr verdammen. Zu Höllenflammen. 9. Im Sterben schenkst du mir das Freudenleben, Durch dich wird mir die Seligkeit gegeben; Wer an dich glaubt, und der da neu geboren, Ist nicht verloren. 10. Ich will im Glauben dich, o JEsu, fassen, Auf dein Verdienst von Herzen mich verlassen; Von deiner Liebe soll mich gar nichts scheiden, Kein Tod noch Leiden. 11. Ich will mein Herz an deinem Kreuz hinlegen Zur Gab und Opfer, wie Dankbare pflegen; Bespreng's mit deinem Blut, und mach es reine, Denn es ist deine. Morgengebet. 147 12. Mein Leben will ich dir zu Ehren führen, Ach, laß mich deinen guten Geist regieren; Nimm meinen Geist an meines Lebens Ende. In deine Hände! Der andächtige Christ frenet sich über die Auferstehung JEsu Christi. Morgengebet. Da ich, mein JEsu, anjezo meine Augen öffne und den hellen Tag erblicke, so fange ich gleichsam wieder von neuem an zu leben, indem ich in einem sanften Schlafe, welchen du mir diese Nacht in deinen Armen vergönnt hat, wie im Tode gewesen bin. Ich lebe aber jetzt erst recht, da du lebest und vom Tode erstanden bist. Dadurch hast du mir diese Glückseligkeit verschafft, daß ich in dir Leben und volles Genüge haben kann. Ach, laß mich dieses Glückes, welches mir durch deine Lebendigwerdung zuwächst, recht genießen. Laß dieses edle Leben in dir bei mir herrlich offenbar werden und ausbrechen, daß ich es nicht allein empfinde, sondern daß es auch andere an mir sehen und wahmehmen. Siehet man es in dem Reiche der Natur augenscheinlich, wenn der Saft und das Leben in die Bäume getreten ist, wie viel mehr muß in dem Reich der Gnaden dein heiliges Leben kund werden, wenn es in der Seele seinen Anfang genommen hat. 148 Morgengebet. Da ich nun auch desselben durch deine Auferstehung bin teilhaftig worden, so laß es mich in deiner Kraft offenbaren und vor aller Welt zeigen. Laß mich dieses Leben offenbaren gegen Gott, daß ich fleißig an ihn gedenke, mit ihm aus- und eingehe, und alles mit ihm anfange und verrichte; daß ich sodann mich nicht schäme, von ihm zu reden, ihn als meinen besten und liebsten Freund überall zu rühmen, und seine Güte aller Orten zu preisen. Bewahre mich aber auch, daß solches nicht geschehe aus falscher Absicht und eitler Ehre, sondern aus inniger Liebe zu ihm und zur Verherrlichung seines heiligen Namens. Laß sich weiter dein Leben in mir offenbaren gegen den Nächten, daß ich mich einer annehme, und mich mit ihm unterrede von dem Zustand seiner Seele, mich mit ihm an dir ergötze, und meine Zeit dir heilige, nimmermehr aber sie mit unnützem Geschwätz und mit sündlichen Belustigungen hinbringe. Wenn ich mit andern von dir rede, so laß solches jederzeit in der tiefsten Ehrfurcht geschehen, und laß mir dabei nie in den Sinn kommen, dadurch das zu suchen, daß ich meine Weisheit mehr an den Tag lege, als daß ich dich ehre. Endlich laß sich dein Leben in mir offenbaren in denjenigen Pflichten, welche ich gegen mich selbst zu beobachten habe. Laß Morgengebet. 149 mich gern in deiner Gesellschaft und Vereinigung bleiben, mich an dir immerdar erfreuen, und unermüdet darnach trachten, daß ich mit dir in eine genauere Bekanntschaft komme und einen vertrautem Umgang erlange. Hierdurch mache ich mich zeitlich und ewig glücklich. Dafür auf das eifrigste zu sorgen, bin ich sehr stark verbunden. Hilf mir der halben, auferstandener Heiland, selbst, daß ich das, was ich habe, halten und daß mir niemand meine Krone, welche ich schon in gläubiger Hoffnung besitze, rauben möge. Niemals und auf keine Weise laß mich dich verlassen. Weder Hohes noch Tiefes, weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentum, noch Gewalt, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch eine andere Creatur laß mich scheiden von deiner Liebe, von deiner Gemeinschaft, von der Vereinigung mit dir. Deine Gnadengaben, welche du mir, weil ich in dir bin, mitteilet und schenket, laß mich nicht allein hochachten und über alles schätzen, sondern auch recht wohl anwenden, damit ich immer die süßesten Früchte davon einemten kann. Wenn dann mein Herz in deiner Liebe brennet, wenn meine Erkenntnis zunimmt und wächst, so laß mich in diesem Wachstum beständig fortfahren, und auch daran unermüdet arbeiten, daß ich andere von dem Irrtum ihres 150 Der andächtige Christ freuet sich Weges bekehren und ihren Seelen vom Tode helfen möge. Schenkest du mir, o mein Heiland, wie ich zu deiner Güte zuversichtlich hoffe, diese erbetene Gnade, daß ich in dir lebe, und solches erlangte Leben in meinem Wandel überall zeige und entdecke, o, so laß mich nicht wieder einschlafen und sterben, sondern täglich neu auferstehen und in dem neuen Leben beständig fortwandeln und gute Früchte bringen, bis du mich zu seiner Zeit zu dem ewigen Leben bringen und in dasselbe einführen wirst. O JEsu, laß mich auferstehn. Im Geist und mit dir leben, Bis du mich selig wirst erhöhn Und mir die Krone geben, Die mir ist nach dieser Zeit. Bereit im Reich der Herrlichkeit. HErr, hör, und laß mein Flehn geschehn. Amen. Aufmunterung. Ich bin der Lebendige. Ich war todt; und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit, und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes. Offenb. 1, 18. Es ist die heilige Osterzeit eine Freudenzeit aller Kinder Gottes, als welche sich in ihrem auferstandenen IEu herzlich erfreuen. Sie freuen sich 1) über die Vollkommenheit ihrer Erlösung; denn nachdem JEsus von den Todten auferstanden, welcher sich als der Bürge, für uns genugzutun, dargestellet hatte, so ist die Bezahlung völlig geschehen; Gott ist versöhnet, er hat den Tod seines Sohnes für unsem Tod angenommen und uns um seinetwillen das Leben geschenket. Es freuen sich gläubige Seelen 2) über die herrlichen Zeugen und Zeugnise von über die Auferstehung JEsu Christi. 151 der Auferstehung ihres JEsu. Ist es nicht ein herrliches Zeugnis, daß er zehnmal nach seiner Auferstehung sich hat sehen lassen, daß er fünfhundert Brüdern auf einmal erschienen, 1 Cor. 15,5, daß er sonderlich mit seinen Jüngern geredet, gegessen, Apost. 10, 4L, sich von ihnen berühren und angreifen lassen, Joh. 20, 25. 1 Joh. 1,1.; welche Zeugen allen Unglauben auf einmal aufheben. Ja, der Unglaube wird durch einen jeden Gläubigen annoch besieget; weil JEsus in uns lebet, nach Gal. 2, 20, so muß er ja auferstanden sein und leben. Sie freuen sich, 3) weil ihnen ist versiegelt und versichert die gnädige Vergebung der Sünden, der Friede mit Gott, daß sie ungescheut im Glauben an Christum sich zu Gott nahen dürfen, und wissen, daß er sich wiederum zu ihnen nahen werde. 4) Sie sind versichert, daß die Auferstehung JEsu auch im Tode und Sterben sie erquicken werde; JEsus, hat ihren Tod im Sterben versüßet und ihr Grab geheiliget, und sie sollen auch zum ewigen Leben auferstehen. Derohalben 5) bringen sie die heiligen Ostertage, wie die übrigen Feste, in Herzensandacht, mit Gebet, Singen und Betrachtungen der Wohltaten Gottes hin, und befleißigen sich 6) geistlicher Weise alle Tage aufzustehen und ihr Sündengrab, das ist, ihre bösen Gewohnheiten, Unarten und Sünden, zu verlassen, hingegen im Glauben und in der Heiligung ihr übriges Leben dem HErrn zu Ehren hinzubringen. Man singet mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten; die Rechte des HErrn ist erhöhet, die Rechte des HErm behält den Sieg. Auferstandener JEsu, mächtiger Siegesfürst, JEsu Christe, Überwinder des Todes, starker Simson, aus deiner Auferstehung 152 Der andächtige Christ freuet sich ent-stehet jetzt in meinem Herzen lauter Freude, da ich durch deine Gnade dieses heilige Fest begehe, und sage mit gebeugtem Knie und gefalteten Händen: Gott sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsem HErm JEsum Christum. JEsus ist auferstanden von den Todten, das ist eine fröhliche Botschaft. Der Bürge ist aus dem Kerker des Grabes losgelassen, dämm muß die Sünde getilget, Gott versöhnet und die Schuld bezahlet sein. Wer will nun verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferwecket ist, welcher ist zur Rechten Gottes, und vertritt uns. JEsus hat dem Tode die Macht genommen, und das Leben und ein unvergängliches Wesen an das Licht gebracht. O JEsu, liebster Freund, deine Auferstehung bringt mir einen dreifachen Trost. Ich sage an diesem Feste: JEsu Auferstehung ist mein Sieg. Nun kann mich meine Sünde nicht verdammen, denn durch Christi Blut und Wunden, durch seine Auferstehung habe ich Vergebung aller meiner Sünden, so viel, so groß und schwer sie immer sind. Hier ist ein vollgültiges Lösegeld, eine vollkommene Erlösung; an Christo haben wir die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden. Der Tod kann mir nicht schaden, weil Christus den Tod überwunden über die Auferstehung JEsu Christi. 153 und meinen Tod zu einem süßen Schlaf, ja, zum Hingang zum Vater gemacht hat. Der Satan ist ein überwundener Feind; wird er schon brüllen, so kann er mich doch nicht verschlingen; wird er mich verklagen, so bittet JEsus für mich und schenket mir seine Gerechtigkeit, darin ich vor Gott gerecht und selig bin. Die Hölle erschrecket mich nicht, denn Christus hat mich errettet von der Hölle; wer nun an ihn glaubet, der soll nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. O ein froher Tag, o ein Freudentag, da mir mein Heil versichert und die Seligkeit bestätiget ist! JEsus lebet, und ich werde auch leben, hier im Glauben mit ihm vereiniger, und dort in der ewigen Herrlichkeit. Meine in dem auferstandenen JEsu erfreute Seele spricht ferner: JEsu Auferstehung ist meine Auferstehung. Ist das Haupt auferstanden, so können die Glieder nicht dahinten bleiben. Nicht allein aber werde ich am jüngsten Tage auferstehen, wie alle Menschen, sondern ich werde auferstehen als ein Kind Gottes, als ein Miterbe JEsu Christi, kraft seines Verdienstes und seiner Genugthuung. Damm fürchte ich mich vor dem Grabe nicht; ich sehe es an als eine Ruhekammer, wo mich mein Heiland wird schlafen lassen, bis er sprechen wird: Stehet auf, ihr Todten, und kommet vor das Gericht. 154 Der andächtige Christ freuet sich Oder großen Herrlichkeit, die mein Heiland mir erworben! Auferstandener JEsu, wie kann ich genugsam deine Gnade und Barmherzigkeit ausbreiten, rühmen und preisen? O Liebe, die mir das Leben und die Seligkeit schenket! Nun ist alles wieder gut gemacht, was durch Adams Fall verdorben war. Ach, mein Heiland, deine Auferstehung soll mir auch einen kräftigen Trost in meinem Leiden geben. Du lagst verschlossen im Grabe, aber du gingst herrlich hervor; also wird auch meine Leidensnacht vergehen, und deine Freuden-, Gnaden-, Hülfs- und Erquickungssonne wird mir wieder scheinen. O JEsu, du bliebest nur drei Tage im Grabe; also ist nach meiner Trübsal auch der Erlösungstag bestimmt; auf die mühsamen Leidensjahre kommt das fröhliche Erlaßjahr. Du standest auf und hattest einen verklärten Leib, die Wunden und Nägelmale waren nicht mehr blutig oder schmerzhaft, sondern glänzend wie die Sonne; so wird mein Leib auch herrlich und verklärt werden, wann du mich aus dem Staube auferwecken wirst. Ich werde meinen vorigen Leib bekommen, und mit meiner Haut umgeben werden; der Leib und die Glieder, die dir gedienet und geheiliget gewesen sind, werden auch des Himmelsglanzes teilhaftig und verherrlichet werden. Ja, weil du, o JEsu, über die Auferstehung JEsu Christi. 155 lebt, so habe ich an dir einen treuen, beständigen Freund, der mich im Leben versorgen, im Leiden erhalten, gegen die Feinde beschützen, in Traurigkeit erfreuen, im Tode erquicken, im Grabe bewahren und dereinst zu der Herrlichkeit bringen und mit der Krone des Lebens, die auch mir verheißen ist, zieren wird. Lebt Christus, was bin ich betrübt? Ich weiß, daß er mich herzlich liebt, Halleluja, Halleluja! Wenn mir gleich alle Welt stürb ab, Gnug, daß ich Christum bei mir hab. Halleluja, Halleluja! Er nährt, er schützt, er tröstet mich, Sterblich, so nimmt er mich zu sich, Halleluja, Halleluja! Wo er jetzt lebt, da muß ich hin, Weil ich ein Glied eins Leibes bin. Halleluja, Halleluja! Amen. Gesang. Mel.: JEsus, meine Zuversicht. 1. JEsus lebt, des freu ich mich, Er ist von dem Tod erstanden; Er hat aus dem Grabe sich Und von allen Todesbanden. Als ein starker Held befreit; O der großen Herrlichkeit! 2. JEsus lebt, er ist nicht todt, Lasset eine Feinde toben, Er ist außer Angst und Noth, Lasset uns den HErren loben, Der da nach dem Kampf und Krieg Hat erhalten Ruhm und Sieg. 3. JEsus lebt, denn er hat sich Gar von vielen lassen sehen, Darum glaub ich festiglich. Und darf nicht im Zweifel stehen. Mir schadt nicht der Apfelbiß, Denn mein JEsus lebt gewiß. 4. Schauet seiner Gottheit Pracht, Denn er nimmt sein Leben wieder, Welches er aus freier Macht. In den Tod geleget nieder! Er starb zu der Leidenszeit. Und stand auf in Herrlichkeit. 156 Abendgebet. 5. Weil er unsem Geist belebt, Muß er ja ein auferstanden, Und wer ihm nicht widerstrebt, Den macht er von Sündenbanden. Durch sein Leben völlig frei, Daß sein Leben in ihm sei. 6. Nun will ich das Freudenfest. Mit Gebet und Dank hinbringen. Und dem, der das Grab verläßt. Lauter Freudenlieder singen; JEsus, JEsus soll allein. In dem Mund und Herzen sein. 7. Nun ist alle meine Schuld Ausgetilget und vergeben, Und ich werd in Gottes Huld Hier und dorten ewig leben; Was ich sträflich an mir hab, Liegt bedeckt in JEsu Grab. 8. Nun ist alle Furcht dahin. Vor des Grabes finstrer Erden, Weil ich ganz versichert bin, Ich werd auferwecket werden; Deckt mich nur mit Erde zu. Hier ist meines Schlafes Ruh. 9. Weil mein liebster JEsus lebt, Werd ich Hülfe bei ihm finden; Wenn sich schon ein Sturm erhebt, Muß er dennoch bald verschwinden, Denn mein lEjus schützet mich, JEsus hilft mir gnädiglich. 10. JEsus lebt, der wird mich nicht. In der Angst und Noth verlassen, Auch nicht, wenn mein Angesicht. In dem Tode wird erblassen; Als dann führt mich eine Hand In mein wahres Vaterland. *11. JEsus lebt, dies Wort soll sein. Auch mein Labjal in dem Sterben, Das versüßt die Todespein Und befreit mich vom Verderben; Nach dem Tod werd ich aufstehn. Und zur Lammeshochzeit gehn. Abendgebet. Lebendiger Heiland, HErr JEsu Christe, bleibe bei mir, da es will Abend werden und der Tag anfängt sich zu neigen. Du hast mir Abendgebet. 157 viele Gnade erwiesen, da du mich nicht nur das erfreuliche Fest deiner siegreichen Auferstehung von den Todten abermals in Gesundheit hat erleben lassen, wofür ich dir unendlich verbunden bin, sondern da du mir auch heute aus deinem wiedererlangten Leben überschwänglichen Trost hat verkündigen und zueignen lassen. Weiche nunmehr nicht von mir mit deinen Liebeserweij ungen, bleibe mit deiner Gnade bei mir, und höre noch meinem Beten zu, mit welchem ich mich vor meinem Einschlafen zu dir nahe. Ich habe bei dem ersten Anblick dieses Tages, da ich an deine segensvolle Lebendigwerdung gedachte, dich darum inbrünstig angerufen, daß du dein Leben an mir überall offenbaren mögest. Rufe mir kräftig zu: Wache auf, der du schläfest, und stehe auf von den Todten, so werde ich dich erleuchten! Laß mich diese deine Stimme hören, vernehmen, und erleuchte mich. Wirke in mir selbst die geistliche Auferstehung, daß ich nicht in meinen Sünden liegen bleibe. Ich kann dieses nicht aus eigenen Kräften bewerkstelligen; denn ob ich gleich eifrig lese, was mich erbauen kann, ob ich gleich andere fleißig höre, welche mir den Weg dazu weisen und zeigen, so kann ich es doch nicht dahin bringen, daß ich ein anderer Mensch werde, und in dir lebe; das ist allein dein Werk, das 158 Abendgebet. mußt du tun, du mußt bei mir wirken beide das Wollen und das Vollbringen. Ach, darum erweise dich mit deiner Gnade an mir wirksam, und erwecke mich von dem Sündenschlafe. Gib meinem Verstand ein größeres Licht, dich und die Wege, welche ich wandeln soll, zu erkennen. Verleihe meinem Willen ein größeres Vermögen, das zu tun, was dir gefällt. Schenke meinem Herzen eine bessere und lautrere Absicht in dem, was ich tue und verrichte, damit ich es allein zu deinem Preis und zu deiner Ehre vornehme. Begäbe meine Gemütskräfte mit einem willigen Gehorsam, mich nach dir zu richten und so wie du gefinnet zu sein. Wirst du, o mein Heiland, dieses tun, so werde ich aufstehen und mich als einen neuen Menschen zeigen können. Weil du nach deiner gesegneten Auferstehung nicht allein deinen heiligen Leib verkläret, sondern auch von der Stunde an, in welcher du dein Grab verlassen, einen ganz andern Umgang, eine andere Lebensart erwählet hat, als du vor deinem Tode hattest und führtest, so laß mich, wenn ich mit dir geistlicher Weise aufgestanden bin, diese geistliche Auferstehung, dieses erlangte neue Leben an mir spüren und wahmehmen; laß es auch andere an mir vermerken und erkennen, daß jedermann an meinen Abendgebet. 159 gott-seligen Reden, an meinem unsträflichen Wandel, an meinen heiligen, dir wohlgefälligen Werken sehe, daß ich nicht mehr sei Finstemiß, sondern ein Licht in dem HErm, daß ich sei berufen worden, und nach diesem Beruf übergegangen von der Finsternis zu deinem wunderbaren Lichte. Laß mich von nun an verleugnen alles ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und hingegen forthin züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt. Laß mich ausgehen aus der Welt und nur allein dir leben, auf daß du immerdar in mir wohnen und wandeln mögest. Bewahre mich, HErr JEsu, daß ich, nachdem du mich erwecket hat, nicht wieder einschlafe. Halte meine Augen beständig offen, daß sie stets wachen, damit ich mein neues geistliches Leben nicht wieder verliere, sondern von einer Klarheit zu der andern, von einer Erkenntnis zu der andern gelange, bis ich dereinst auf ewig mit dir verbunden werden und leben möge. Ich geb dir, o Immanuel, In deine Hände Leib und Seel; Du bist mein Schutz auf Erden, Mein einger Trost, der mich erlöst; Nichts Liebers mag mir werden. Laß mich mit dir zu Grabe gehn, Mit dir auch wieder auferstehn, Den Lüsten stets zu steuern; Daß nach der Zeit in höchster Freud Ich dort mög Ostern feiern. Amen. 160 Morgengebet. Der andächtige Christ betrachtet die Himmelfahrt JEsu Christi. Morgengebet. Ewiger: Hoherpriester, verklärter JEsu, du bist heilig, unbefleckt und von allen Sündern abgesondert, und fahrest nach vollzogener Genugthuung in die Höhe, ja, über aller Himmel Himmel, und bereitest deinen Erlöseten die Stätte, an welche sie, wenn sie den Lauf vollendet und Glauben gehalten, kommen sollen; du bittest für sie und wirft sie auch einstens zu dir sammeln, damit sie ewig da sind, wo du bist. Ich gehöre auch unter diejenigen, welche du mit deinem teuem Blut erkaufet und erlöset hat, indem du dasselbe für alle vergossen und aus deiner eröffneten Seite hat fließen lassen. O, wie freue ich mich daher über deine siegreiche Himmelfahrt, da du mir durch dieselbe auch den Weg bahnest und den Ort zeigest, an welchen ich kommen soll, wenn ich als dein Diener aus diesem Leben scheide! O, wie sehr ergötze ich mich, da ich anjetzt erwache und im Geiste die Heerschaaren des Himmels singen und ausrufen höre: Halleluja, denn der allmächtige Gott hat das Reich eingenommen! Das dienet mir zu einem Vorbild, wie ich dereinstens ewig mit jenen vollkommenen Geistern Morgengebet 161 dir zu Ehren werde Lob- und Danklieder anstimmen, wenn ich nach einem seligen Tode werde in jenes Freudenreich eingehen, wohin du mir, durch deine Auffahrt zu deinem und meinem Vater, zu deinem und meinem Gott den Weg gemacht und bereitet hat. Da mir aber, o Fürst des Lebens, deine Himmelfahrt nichts helfen kann, wenn ich in meiner Sündenhöhle liegen bleibe; da mir dein davongetragener Sieg über Tod, Sünde und Hölle nichts nützen kann, wenn ich nicht auch gegen diese Feinde meiner Seele streite; da ich nicht zu deiner himmlischen Herrlichkeit, zu welcher du durch dein Auffahren in die Höhe eingegangen bist, gelangen kann, wenn ich nicht auch himmlisch gesinnet werde: so gib mir Kraft und Gnade, o liebster Heiland, daß ich auch in das neue geistliche Leben trete und himmlisch gesinnet werde. Entzünde zu dem Ende in mir ein herzliches Verlangen, die Gnadenschätze recht zu erkennen, welche du mir durch dein Leiden und Sterben, durch deine Himmelfahrt und durch dein Sitzen zur Rechten deines himmlischen Vaters erworben hat, und welche ich in der göttlichen Offenbarung beschrieben finde, auf daß ich dadurch möge ermuntert werden, dich innig zu lieben und allem andern vorzuziehen. Laß mich sodann, wenn ich erkannt habe die Herrlichkeit, 162 Morgengebet. die Gerechtigkeit, den Frieden und die Gnade, jo du mir erworben, emsig darnach trachten, in deine wahre innere Gemeinschaft einzudringen. Das laß geschehen durch einen lebendigen Glauben, welcher mich in deine Wunden, dich in mein Herz trägt, und mich mit dir so genau verbindet, daß ich in dir lebe und du in mir. Das laß auch geschehen durch einen beständigen Umgang mit dir, durch ein anhaltendes und eifriges Gebet und durch ein unermiidetes Andenken an dich, damit mein Herz immer da sei, wo mein Schatz ist. Behüte mich, daß ich mich nicht von diesen himmlischen Gesinnungen durch die Lust zur Welt abhalten lasse. Bewahre mich, daß ich nie trachte nach irdischen Dingen, welche meinen Geist beschweren und mit Zentnerlast zur Erde ziehen, zur Himmelfahrt aber mich untüchtig machen. Laß mich der halben mein Herz allezeit dahin schicken, wo ich ewig zu sein wünsche, und nur aus Begierde, nahe bei dir zu sein, verlangen, aufgelöst zu werden. So führe mich an deiner Seite, so lange ich noch in diesem Jammerthal mich nach deinem Rat aufhalten muß; und so nimm mich denn auch, wenn ich meine Augen geschlossen und meinen Geist in deine Hände zurückgegeben habe, zu dir in den Himmel auf. Wie schön, wie lieblich, wie herrlich, wie ruhig werde ich alsdann bei Der andächtige Christ betrachtet die Himmelfahrt JEsu Christi. 163 dir sein! Ich freue mich schon auf das, was ich noch sein werde. Ich hoffe getrost, ewig mit dir zu leben. Laß derowegen meine Hoffnung nicht zu Schanden werden, sondern gib, daß ich nach meinem Verlangen in dem erwünschten Gnadenstand beharre und beständig bleibe, auf daß ich, wenn ich sterbe, dein Angesicht sehe, und wenn ich wieder erwache, in deinem Bilde satt werde, und dann nimmermehr von deiner Seite komme. Ach, HErr, laß diese Gnade mich Von deiner Auffahrt spüren, Daß mit dem wahren Glauben ich Mög meine Nachfahrt zieren. Und dann einmal, wann dir's gefällt, Mit Freuden scheiden aus der Welt. HErr, höre doch mein Flehen! Wann soll es doch geschehen, Wann kommt die liebe Zeit, Daß wir ihn werden sehen. In seiner Herrlichkeit? Du Tag, wann wirst du sein, Daß wir den Heiland grüßen, Daß wir den Heiland küssen? Komm, stelle dich doch ein! Amen. Ja, es geschehe also. Amen. Aufmunterung. Ich fahre auf zu meinem Vater, und zu eurem Vater, zu meinem Gott, und zu eurem Gott. Joh. 20, 17. Die Betrachtung der Himmelfahrt JEsu, unsers Heilandes, kann nicht anders, als einer gläubigen Seele sehr tröstlich und erbaulich sein. 1) Erinnert sie sich der Gewißheit ihrer Erlösung. Weil nun der Siegesfürst wiederum dahin kehret, nämlich in den Himmel, von wo er gekommen ist, so hat er das Werk vollendet, dazu ergesandt war. Sein Lauf kam (in einer Empfängnis und Geburt) vom Vater her, und kehrte (in einer Himmelfahrt) wieder zum Vater, nachdem er den 1 64 Der andächtige Christ betrachtet Menschenkindern Friede, Freude, Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und Seligkeit erworben hatte. 2) Eine gläubige Seele erinnert sich dabei, daß wir hier keine bleibende Stätte haben, sondern die zukünftige suchen müssen. Es haben weder Fromme noch Gottlose eine beständige Wohnung auf Erden. Die Frommen verlangen es nicht, weil sie etwas Besseres wissen, und die Gottlosen, ob sie es gleich verlangen, erlangen es nicht; denn dem Menschen ist gesetzt, einmal zu sterben, hernach das Gericht. Ist nun aber keine beständige Wohnung der Menschen allhier auf Erden, so schicken die Frommen ihr Flerz dahin, wo sie ewig wünschen zu sein. Ja, sie erinnern sich 3) täglich daran, wenn sie ihr Haus, ihre Kleider, ihre Güter und die Ihrigen ansehen, daß sie das alles verlassen müssen. Damit aber, wenn nun die Stunde ihrer Befreiung von der Mühseligkeit dieses Lebens kommt, sie ihre Stätte in der Herrlichkeit bereitet finden mögen, so halten sie 4) fleißig eine geistliche Himmelfahrt; sie verlassen die Erde mit ihren Gedanken, und sind des Himmels eingedenk; sie verlassen die Welt mit ihrer Liebe, und hangen JEsu im Glauben an. Sie verlassen die Welt mit ihrem Leben, indem sie nicht nach dem Willen und der Gewohnheit der Welt, sondern nach Gottes Willen leben. Daher, 5) wenn sie den Himmel anschauen, so denken sie: Da ist mein Vaterland, mein Erbe und meine ewige Wohnung. Gebet. Gott fahret auf mit Jauchzen, und der HErr mit heller Posaune; lobsinget Gott, lobinget unserm König! Also besinge ich, mein JEsu, großer Siegesfürst, deine Himmelfahrt, der du nach dem vollbrachten Werk der Erlösung des menschlichen Geschlechts zu deiner Herrlichkeit die Himmelfahrt JEsu Christi. 165 eingegangen bist. Es liegen nun alle unsere Feinde, nämlich der Teufel, die Welt, die Sünde und der Tod, unter deinen Füßen, du hast uns davon befreiet. Nachdem du gemacht hat die Reinigung unserer Sünden durch dich selbst, hast du dich in den Himmel gesetzet zur Rechten der Majestät Gottes. Mein JEsu, dieses alles ist mir gar tröstlich, darüber erfreue ich mich von Grund meiner Seele. So erfreulich mir deine Ankunft auf Erden war, so tröstlich ist mir deine Himmelfahrt. Du sitzest zur Rechten Gottes und vertrittst uns; der halben, wenn ich bete, so bete ich nicht allein, dein Geist betet in mir, und du bittet für mich; dadurch wird mein armes und schwaches Gebet um deinetwillen gnädiglich erhöret werden. Ich freue mich, wenn ich an dein Wort gedenke: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten, auf daß ihr seid, wo ich bin. Dieses erquicket meinen Geist, weil ich weiß, daß du mir eine Stätte bereitet hat, auf daß, wenn ich nun sterbe, ich einen Ort finden möge, wo ich ewig wohnen und bleiben soll. Du bist mit Lob und Ehre gekrönet, und hat auch mir beigelegt die schöne Krone der Gerechtigkeit, welche du, König der Ehren, als ein gerechter Richter geben wirst denen, die deine Erscheinung lieb haben. Du hast dein Reich eingenommen und herrschest über 166 Der andächtige Christ betrachtet Himmel und Erde, im Reiche der Natur, der Gnaden und der Herrlichkeit; du wirst auch zu mir und allen Gläubigen dermaleinst sagen: Kommet her, ihr Gesegneten, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Du hast Gaben empfangen für die Menschen nach deiner menschlichen Natur, daß du sie uns, deinen Brüdern und Gläubigen, austeilest. Ach, mein JEsu, gib mir eine zwiefache Gabe, der ich zwiefache Kraft und doppelten Trost vonnöthen habe. Gib mir deinen Heiligen Geist, Frömmigkeit, Keuschheit, Sanftmut, Demut, deine Gerechtigkeit, die Kindschaft bei Gott, das Leben, den Frieden und dereinst des Himmels Glanz und die ewige Seligkeit. Weil du nun bist als das Haupt erhöhet, so wirst du mich, als dein Glied, auch nach dir ziehen. Weil mich dein Geist belebet, so werde ich auch ewiglich bei dir sein. O, welcher Trost, welche Freude, welche Herrlichkeit ist das, die mein Heiland seinen Gläubigen, seinen Jüngern und Jüngerinnen verheißet: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein! Ach, mein JEsu, laß mich sein, wo du bist, ziehe mich zu dir, da du zur Rechten Gottes erhöhet bist, bringe mich zur Schaar der heiligen Engel und aller Auserwählten, laß mich deine Herrlichkeit sehen, welche du deinen Gläubigen die Himmelfahrt JEsu Christi. 167 bereitet hat. Ob du aber gleich durch deine Auffahrt in die Höhe, o mein liebster Seelenfreund, deine sichtbare Gegenwart mir entzogen hat, so bist du doch bei mir unsichtbarer Weise, kraft deiner Verheißung: Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende. Darum bin ich getrost in allen Fällen, ich weiß, du bist bei mir in meiner Noth, du errettet mich aus Gefahr, du erquicket mich im Leiden, du tröstet mich in Traurigkeit, du schützest mich in aller Widerwärtigkeit. Darum bin ich gutes Muths, der HErr JEsus ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht, was können mir Menschen tun? Sehe ich dich zwar nicht, so habe ich dich doch lieb, und weiß, daß ich dich dereinst sehen und mich mit unaussprechlicher Freude in dir erfreuen werde. Ich werde dich sehen, wenn ich der Seele nach eine Himmelfahrt nach meinem seligen Abschied halte; ich werde dich auch mit meinen Augen sehen am jüngsten Tage, wenn ich von den Todten auferstehen werde. Zu dem Ende will ich täglich eine Himmelfahrt anstellen und meine künftige Wohnung, meine künftige Krone, meine bleibende Stätte, mein weißes Kleid mit Glaubensaugen beschauen; ich will auch die Welt, so lange ich in der Welt bin, verlassen mit meinem Herzen, mit meiner Liebe, mit 168 Der andächtige Christ betrachtet meinem Leben; ich will die Welt mit allen ihren Eitelkeiten, Gewohnheiten und Sünden fliehen, als welche mich an dieser Himmelfahrt hindern. Auf diese Weise lebe ich, dieweil ich lebe, dem HErrn, und wenn ich sterbe, so sterbe ich in dem HErrn. So fahr ich hin zu JEsu Christ, Mein Arm thu ich ausstrecken; So schlaf ich ein und ruhe fein, Kein Mensch kann mich aufwecken, Denn JEsus Christus, Gottes Sohn, Der wird die Himmelstür auftun, Mich flihm zum ewgen Leben. Amen. Die geistliche Himmelfahrt. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. JEsus fahret auf gen Himmel. Und verläßt den Tränenbach, Und ich folg durchs Weltgetümmel Meinem liebsten JEsu nach; Leiblich kann's zwar nicht geschehen, Bis ich werde auferstehen, Dennoch stellt mein Herz sich ein, Alle Tag bei ihm zu sein. 2. Ich verlasse diese Erden, Ob ich gleich auf Erden leb; Es soll mir nichts Liebers werden, Darnach ich am meisten streb, Als im gläubigen Verlangen Meinen JEsum zu umfangen. Und im Geiste allezeit Anzusehn die Herrlichkeit. 3. Ich fahr auf zu meiner Liebe; Erd, ich liebe dich nicht mehr, Weil ich in der Lieb mich übe, So ist JEsus mein Begehr; Hoffart, Eitelkeit der Erde, Wollust, Pracht und Weltgeberde. Acht ich meiner Lieb nicht wert, Als die JEsum nur begehrt. 4. Weißt du, wo mein Herz zu finden? Droben in der Himmelsfreud. Weltlust kann es nicht mehr binden, die Himmelfahrt JEsu Christi. 169 Es schmeckt bessere Süßigkeit; Es beschauet schon die Krone, Die der HErr zum Gnadenlohne Sammt dem schönen Ehrenkleid. Mir zu geben ist bereit. 5. Man sieht zwar mich hie noch leben. Und umher auf Erden gehn, Ja, noch unter Menschen schweben; Aber doch soll man nicht sehn, daß ich lieb die Sünd und Schanden, Ihren Lauf und Sündenbanden; Ja, ich dring mich nicht dazu, Weil sie stören meine Ruh. 6. Meine Seele und Gedanken. Sind schon längst bei meinem Gott, Als von dem sie nimmer wanken, Nicht im Leben, nicht im Tod; Wo ich schlafe, wo ich gehe, Wo ich ruhe, wo ich stehe, Wo ich bete, wo ich bin, Ist im Himmel Herz und Sinn. 7. Mich kann nun nichts mehr ergötzen, Als nur diese Himmelsreis", Droben bei den Himmelsschätzen Bin ich, die ich kenn und weiß; Meine Ruhe, Freud und Sonne, Mein Vergnügen, Trost und Wonne Ist nicht, wo man mich jetzt sieht, Sondern wo mein Geist hinzieht. 8. Also geistlich aufzufahren. Alle Tag und alle Stund, Spar ich nicht zu späten Jahren, Bis der Tod verschließt den Mund; Nein, dies thu ich schon bei Zeiten, Will mich also recht bereiten. Damit, wenn mein End da ist, Ich hinfahr zu JEsu Christ. 9. Also werd ich nichts verlieren, Trüget man mich gleich ins Grab, JEsus wird mich herrlich zieren. Welchen ich im Glauben hab; Sterb ich, wenn es Gott gefället, So ist schon ein Ort bestellet, Den mein Heil mir hat bereift Dorten in der Ewigkeit. 10. Drum sei fröhlich, meine Seele, Heb empor dein Augenlicht; Diese Erd ist eine Höhle, Da dir wenig Guts geschieht; Schwing dich durch die Andachtsflügel. Zu dem goldnen Stemenhügel, Wo dir stehet längst bereit Tausendfache Herrlichkeit. 170 Abendgebet. Abendgebet. Lebendiger und erhöheter Heiland, du bist in die Höhe gefahren und hast dich auch nach deiner Menschheit gesetzet zur Rechten der Majestät Gottes. Du hast dadurch so wie durch deine gesegnete Menschwerdung meine Natur geadelt und mir das Recht zum Himmel verschafft. Lob, Preis und Dank sei dir dafür gesagt. Laß aber auch an mir die Absicht deiner Himmelfahrt erreicht werden. Sie gehet dahin, daß da, wo du bist, auch alle Gläubigen ewig sein sollen, daß sie sollen Eins sein mit dir, wie du mit deinem Vater nun Eins bist. O, wie wird mein Geist mit Freuden erfüllet, wenn ich hieran gedenke! Ach, laß diese Freude mich nicht vergebens empfinden, sondern mich zum vollen Genuß derselben auf ewig gelangen. Laß mich, mein Erbarmer, schon in dieser Zeit zu der Glückseligkeit kommen, daß ich mit dir Eins sei, daß ich wie ein Glied an dir, als an meinem Haupte, hangen und nimmermehr von dir geschieden werden, sondern in dir Kraft, Stärke und Wachstum zu allem Guten erlangen möge, damit ich ewig bei dir bleiben könne. Laß mich zu dem Ende von nun an mit dir und allen deinen Gläubigen Eins sein in Ansehung der herrlichen Güter, welche du uns durch dein Leiden und Sterben Abendgebet. 171 erworben hat, damit ich derselben mit ihnen teilhaftig werde, und dadurch deinen Frieden, Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit, Zugang zu dem Gnadenstuhl und Versicherung des ewigen Lebens erlange und davontrage. Laß mich mit dir und mit allen Gläubigen Eins sein im Geist, daß dein Geist, nicht aber der Weltgeist, mich leite, erleuchte, heilige, regiere, verkläre und verbinde, daß ich durch diesen Geist sei in dir und mit dir, ja, dein Eigentum, wie du mit deinem Vater in Einem Geist und Leben verbunden bist. Laß mich mit allen Gläubigen Eins sein in der Liebe, daß ich sie mit einer aufrichtigen und beständigen Liebe umfasse und ihnen alles gönne, gebe und wünsche, was ich wollte, daß mir gejchehe. Eifrig und beständig laß meine Liebe gegen die brennen, weil die wahre Liebe das Band der Vollkommenheit ist, in welchem alle einem Christen anständige Tugenden zusammen kommen, und vermittelt welcher sie ausgeübt werden können. Wie du mit deinem Vater in einer unaussprechlichen Liebe verbunden bist, so laß mich mit dir und demselben Eins sein, daß ich dich, und den, der dich gesandt hat, recht innig lieben und deswegen dir und ihm meinen Willen, meinen Verstand, mein Verlangen und mein ganzes Leben aufopfem möge. Erlange ich von 172 Abendgebet. dir, erhöheter Eleiland, diese Gnade, o, so bin ich während meiner Wallfahrt hier auf Erden und auch nach Vollendung derselben wahrhaft glückselig. Bin ich durch deinen Geist zur Einigkeit mit dir gekommen, so bist du mein und ich bin dein, so kann ich deines Beistandes, deiner Huld, deiner Liebe, deines Segens immerdar mich sicher getrosten; ich kann mich stets auf dich verlassen, ich darf keine Noth fürchten, ich kann alles Gute von dir hoffen. Ist das nicht eine beneidenswerte Glückseligkeit, zu welcher ich durch dich und in dir gelange? Sie höret aber nicht auf, wenn ich zu leben aufhöre, sondern alsdann steiget sie auf höhere Stufen, sie kommt zu einer größeren. Vollkommenheit. Wenn ich meine Augen in deinen Armen, in welchen du mich als dein Eigentum beständig hältst, werde geschlossen und meinen Geist aufgegeben haben, so wirst du ihn verklären und mit dir in deine Herrlichkeit nehmen; denn läfet auch ein Haupt ein Glied, welches es nicht nach sich zieht? Du wirst mich auf ewig mit dir vereinigen und an deiner Seite Freude, Wonne und liebliches Wesen ewiglich genießen lassen. Du wirst mir die Stätte einräumen, welche du mir durch deinen Tod und durch deine Himmelfahrt in dem Reiche deines und meines Vaters bereitet hat, und mich in Abendgebet. 173 die ewigen Wohnungen des Friedens einführen. O, welche Seligkeiten stehen mir also bevor, wenn ich mit dir Eins geworden bin, wie du mit dem Vater Eins bist! Welches Glück wartet dort auf mich, wenn ich völlig zu deiner Gemeinschaft gelanget bin! Ich freue mich schon auf diese große Herrlichkeit. Ach, laß meine Freude nicht vergebens sein. Laß mich hier den Vorschmack des Himmels genießen, dort aber in der Ewigkeit nebst allen Gläubigen mit dir und deinem Vater und dem Heiligen Geiste in alle ewige Ewigkeiten verbunden und vereiniget sein. Ja, versichere mich noch vor meinem Einschlafen durch deinen Geist der gewissen Erhörung meines Gebets, und laß dasselbe nicht ohne Frucht zu dir gekommen sein, auf daß ich von nun an mit dir Eins werden und unaufhörlich bleiben möge. Zeuch mich mit deinem Liebesband, Mit deiner Augen Winken; Ergreife mich mit deiner Hand. Und laß mich ja nicht sinken, Vielmehr in schnellem Glaubensflug Stets folgen deinem Liebeszug. Zeuch mich hinauf, und fahre du In meine Seel hernieder; Gib mir in deinem Herzen Ruh, Und nimm auch du hinwieder, ln meinem Herzen ' und Platz; Ja, Amen, o mein Herzensschatz! Amen.. 174 Morgengebet. Der andächtige Christ erwäget die Ausgießung des Heiligen Geistes am heiligen Pfingstfeste. Morgengebet. Geist der Gnade, der du von Ewigkeit her von dem Vater und Sohn ausgegangen, nach der siegreichen Himmelfahrt meines JEsu aber sichtbarlich über die Apostel ausgegossen worden bist, dessen ich mich an dem heutigen Tage mit Freuden erinnere, und zwar in der Absicht, damit sie zu Führung ihres Amtes tüchtig gemacht werden möchten: kehre auch in meiner Seele ein, damit dieselbe zu einem Tempel des lebendigen Gottes durch dich zubereitet und zur Erlangung des ewigen Lebens, zu welchem ich erschaffen und durch meinen Heiland erkauft worden bin, fähig gemacht werde. Du bist das Pfand unserer Kindschaft und unseres Erbes; dämm komme auch zu mir, und versichere mich, daß ich ein Kind Gottes sei und zum Erbteil der Heiligen im Licht ein gegründetes Recht habe. Bringe mich in die wahre Stille meines Herzens und Gemüts, daß ich an dem Getümmel der Welt und an ihren sündlichen Unruhen keinen Gefallen habe, davor fliehe, und allein in dir und mit dir mich ergötze. Kehre aus meinem Herzen heraus alle Unreinigkeiten, Bosheiten und Sünden, auf daß ich jährlich, wöchentlich, ja, täglich Morgengebet. 175 rei-ner werde. Räume das Böse immer mehr und mehr von mir weg, daß offenbar werde, es sei anders und besser mit mir geworden. Heilige mich, weil ich sonst den HErm nicht schauen kann. Zünde auch in mir das wahre Licht an, das mir noch fehlet, daß ich in deiner Erkenntnis wachse, ein Verlangen habe, die Wege des Himmels einzusehen, und allen Fleiß anwende, dieselben zu betreten und darauf zu laufen, ohne müde zu werden. Mein Elend, mein Verderben, meine Noth, worin ich mich befinde, laß mich recht lebendig erkennen, damit ich dadurch zur wahren Demut des Herzens möge geleitet werden. Laß mich auch die Hoheit und Herrlichkeit einsehen, zu welcher ich durch deine gnadenreiche Einwohnung gelange, damit ich zu einer größeren Liebe gegen dich gebracht werde. Durch die Liebe laß mich dir gehorsam werden; in der Liebe laß mich dir folgen und dir mein Herz zum Bearbeiten übergeben. Arbeitest du an mir, so gib, daß ich nicht widerstrebe, daß ich mich durch dich von allem Bösen abhalten und zu allem Guten antreiben lasse. Deinen Rührungen laß mich allezeit folgen; deine Regungen laß mich immerdar merken und ihnen nachgehen. Durch dich laß mich mein Leben lang auf ebener Bahn geführet werden, so werde ich auf der Straße, welche da 176 Morgengebet. heißet die richtige, fort und fort wandeln und zum Himmel gehen. Hast du aber, o werter Heiliger Geist, also an mir gearbeitet, hast du dich bei mir wirksam erwiesen, so laß mich auch, wie die Boten JEsu, nachdem du auf ihnen geruhet, mit neuen Zungen reden, auf daß jedermann höre, die alten, sündlichen, unanständigen und einem Christen nicht geziemenden Worte seien nun ferne von meinem Munde getan, auf daß alle, so mit mir umgehen, sehen, ich sei ein anderer Mensch geworden, auf daß ein jeder an mir merke, weß Geistes Kind ich sei. Heilige mich dann mehr und mehr, durch und durch, auf daß mein Geist und mein Leib immerdar dein Tempel sei und bleibe. Laß mich so hier in der Zeit zur gewissen Versicherung meiner Seligkeit und zum Besitz der Gerechtigkeit JEsu, des göttlichen, durch ihn erworbenen Friedens und der Freude in dir gelangen, dort aber zur Erlangung eines unvergänglichen, unbefleckten und unverwelklichen Erbes, welches mir aufbehalten wird im Himmel, einer herrlichen Krone, eines schönen weißen Kleides kommen, und dich mit dem Vater und Sohn unaufhörlich loben und preisen. Ich singe dir Halleluja; Ach, werde meinem Herzen nah! Bereite mich hier in der Zeit Aufjene frohe Ewigkeit. Halleluja! Halleluja! Der andächtige Christ erwäget die Ausgießung des Heil. Geistes. 177 Aufmunterung. So ihr, die ihr arg seid, könnet euren Kindern gute Gaben geben, wieviel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten? Luc. 11, 13. Nicht allein hat die erbarmende Liebe Gottes uns von Ewigkeit viel Gutes zugedacht, und JEsus uns mit einem heiligen Blute erkauft, sondern der Heilige Geist, als die allerherrlichste, nothwendigste und seligste Gabe, will uns auch in diesem Jammerthal leiten, heiligen und regieren. Es ist der Heilige Geist 1) die allerherrlichste Gabe; denn was könnte Gott mehr und größer an uns tun, als daß er uns seinen Geist zum Führer und Wegweiser mitteilet? Es war der ewigen Liebe Gottes nicht genug, daß die heiligen Engel, die Wächter, neben, um und bei uns sein und uns auf allen unsern Wegen behüten sollen, sondern der Heilige Geist sollte auch in uns wohnen, damit Leib und Seele recht bewahret und erhalten würden. Der Heilige Geist ist auch 2) die allemothwendigste Gabe. Wir können ohne Reichtum, großen Ehrenstand und viele Güter dennoch glücklich in der Welt leben, aber ohne den Heiligen Geist können wir weder hier noch in der Ewigkeit wahrhaft glücklich sein. Daher ist er auch 3) die allerseligste Gabe. Er ist das Pfand unseres Erbes, das Siegel unserer Kindschaft, durch welches wir versichert werden, daß wir Kinder Gottes und Erben des ewigen Lebens sind. Er ist uns höchst nothwendig in Traurigkeit, Trübsal und Anfechtung; denn da vergewissert er uns, daß wir dennoch in der Gnade stehen; er vertritt uns, wenn wir zum Gebet unvermögend sind, bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen. 4) Diese herrliche, nothwendige und selige Gabe will Gott allen geben, die ihn nur darum bitten; diese Verheißung haben wir nicht von leiblichen und irdischen Dingen, weil sie uns nicht allezeit heilsam sind, aber diese Gabe wird Gott niemand versagen. 5) Der Heilige 178 Der andächtige Christ erwäget Geist säubert das Herz eines Christen von der Welt und Sündenliebe, damit er, der gute und reine Geist, in dem Christen Wohnung nehmen könne. Gebet. Ich will Wasser gießen auf die Durstigen und Ströme auf die Dürren; ich will meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, daß sie wachsen sollen wie Gras, wie die Weiden an den Wasser bächen. Ach, liebster JEsu, diese gnädige Verheißung hast du an dem heiligen Pfingstfeste erfüllet, da du über die Apostel deinen Geist reichlich ausgegossen und sie damit zu dem Werke tüchtig gemacht hat, die Gnade, die Vergebung der Sünden in deinem Blute und die Seligkeit allen Völkern zu verkündigen. Treuer Heiland, teile mir auch diese Gabe mit, gib mir auch diese herrliche Gabe. O du werter Heiliger Geist, gieße dich in reichem Maße über mich aus, der du in Feuerflammen dich über den Aposteln geoffenbaret hast! Erleuchte mich zum ewigen Leben, erleuchte meinen Verstand, daß ich JEsum Christum erkennen möge; heilige meinen Willen, daß ich nichts begehre und wünsche, als nur was dir gefällt. Wurden die Apostel, o du Geist der Stärke, durch dich angetan mit Kraft aus der Höhe: so stärke meinen Glauben, gib mir Mut und Kraft, in deinen Wegen einherzugehen, die die Ausgießung des Heiligen Geistes. 179 Welt zu besiegen, den Sünden zu widerstehen, und als ein wahres Kind Gottes zu leben. 0 du gnädiger Regen, mache mich fruchtbar zu allen guten Werken, erquicke mich in der Hitze der Anfechtung, und gib, daß ich viele Glaubens und Lebensfrüchte bringen möge. Du Geist der Gnade und des Gebets, versiegle in mir den Trost und die Freudigkeit, daß ich in der Gnade Gottes - stehe. Ach, bete auch in mir und mit mir, ja, lehre mich recht andächtig beten, ermuntere mich zur Andacht und zum Lobe Gottes. Ruhe auf mir, du Geist der Weisheit, daß ich wissen und tun möge, was Gott gefällt. Ruhe auf mir, o Geist des Verstandes, daß ich wandele in dei ner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem Eini gen, daß ich deinen Namen fürchte. Behüte meinen Verstand vor Irrtum, vertreibe daraus alle Finsternis der Unwissenheit und Eigenliebe, hingegen zünde in mir an das Licht deiner Er kenntniß, daß ich in deiner Liebe und Erkennt nis möge täglich zunehmen. Ruhe auf mir, odu Geist der Furcht des HErrn, pflanze deine heilige Furcht in mein Herz, daß ich nimmermehr mit Wissen und Willen sündige. Ruhe auf mir, odu Geist der Liebe, und reiße allen Zorn, Eigen sinn, Neid, Bosheit und Rachgier aus meinem Herzen. Sei mein Tröster in Kreuz und Trüb 1 80 Der andächtige Christ erwäget sal, wenn die Fluthen mich ersäufen wollen und die Wellen über mir zusammenschlagen. Sei meine Stärke, wenn ich schwach bin, hilf mir die Lüste des Fleisches dämpfen, hingegen laß in mir wachsen Glaube, Liebe, Demut, Hoffnung und Geduld. Sei mein Führer, der mich allezeit leitet auf ebener Bahn, daß ich nicht anstoße, falle oder tue wider Gottes Gebot. Sei mein Lehrer, der mich in alle Wahrheit leite und - JEsum in mir verkläre. O du reines Wasser, wasche mich, gib, daß ich in dem Guten wachse und viele Früchte bringe. Hilf, daß ich durch deine Kraft JEsum in der Tat einen HErm heißen möge, nämlich meinen JEsum, meinen Erlöser, meinen Seligmacher, den Grund meines Heils und meiner Seligkeit. Siehe, o du Licht meiner Seele, wie ich in der Welt mit so vielen Verführungen umgeben bin, denn es sind viele Verführer ausgegangen; darum bewahre mich, daß ich nicht von dir weiche, zeige mir den Weg, darauf ich wandeln soll, denn mich verlanget nach dir. Wenn ich mich führen will, so irre ich, wenn du mich aber führest, so laufe ich den Weg deiner Gebote. Habe ich dich, o werter Heiliger Geist, bisher betrübet, so trage ich darüber herzlich Leid; siehe, mein Herz steht dir offen, ach, kehre in dasselbe mit deinen reichen die Ausgießung des Heiligen Geistes. 181 Gnadengaben ein, erfülle es mit allen christlichen Tugenden, befestige mich, gründe mich, und erhalte in mir das gute Werk, das du in mir angefangen hat. Ach, schaffe in mir ein reines Herz, tilge aus demselben alle Unarten, alle bösen Gewohnheiten und alle Herrschaft der Sünde. Nimm weg das steinerne Herz, und gib mir ein geheiligtes und durch deine Gnade geändertes Herz. Wohne in mir und laß es deinen Tempel und Wohnung sein. So habe ich das Pfand meines Erbes und der Kindschaft, und so weiß ich auch gewiß, daß ich werde ewig selig werden. Bleibe auch, o Heiliger Geist, bei mir in aller Noth und im Sterben; schreie alsdann in mir das Abba, lieber Vater. Gib mir einen Blick der Herrlichkeit und einen Vorschmack der ewigen Freude, wo ich nach dem Kampf zur Krone und nach dem Leiden zur Freude gelangen werde. Heilger Geist, du Kraft der Frommen, Kehre bei mir Armen ein. Und sei tausendmal willkommen, Laß mich deinen Tempel sein; Säubre du mir selbst das Haus Meines Herzens, wirf hinaus. Alles, was mich hier kann scheiden Von den süßen Himmelsfreuden. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Das Pfingstfest freuet mich, Weil JEsus eine Gaben In reichem Maß austeilt, Die wünscht mein Herz zu 1 82 Der andächtige Christ erwäget die Ausgießung des Heil. Geistes. haben. Mein JEsu, schenke mir Auch deinen guten Geist, Der mich von mir zu dir. Und zu dem Himmel weist. 2. Ich irre allzusehr, Womich dein Geist nicht führet, Und mein Herz ängstet sich, Wenn es den Trieb nicht spüret. Wohlan, so leite mich, Mein Licht, auf ebner Bahn, Daß ich in deinem Licht. Zum Lichte wandeln kann. 3. Ich leb in Finstemiß, Wo mich dein Geist nicht lehret, Mein Herz bleibt unbelebt, Wenn er es nicht bekehret. Und neue Lebenskraft. In meinem Geist entzünd’t, Noch meine Glaubensmacht. Auf JEsum Christum gründ’t. 4. Ich kann mich selber nicht. In meinem Leiden trösten, Ich brauche reichen Trost, Wenn meine Noth am größten; Darum so stehe mir Mit deinem Tröste bei, Daß ich ein Gotteskind. Auch in dem Leiden sei. 5. Wie kann ich mich, mein Gott, In Glaub und Lieb erhalten? Es würden diese bald Ohn deinen Geisterkalten; Damm so gib mir Kraft, Daß ich nicht von dir weich, Bis ich nach meinem Kampf Des Lebens Krön erreich. 6. Mein JEsu, gib mir doch, Was ich dich hab gebeten; Laß deinen guten Geist. Im Beten mich vertreten, Daß ich in Frömmigkeit Bring meine Tage hin. Und richte meinen Lauf. Nach deinem Wort und Sinn. 7. Ach, dein Geist helfe mir Mein Fleisch und Blut bezwingen, Daß ich in seiner Kraft Mög gute Früchte bringen; Ich sterbe williglich Der Welt und Sünde ab, Wenn ich den guten Geist. Zu meinem Führer hab. 8. Du sollst, o werter Geist, In meiner Seele bleiben, Du sollst mich, o mein Licht, Zu allem Guten treiben; Ach, bleib du allezeit Vereiniget mit mir. Laß mich geschmücket sein. Durch dich, mit dir, in dir. 9. Und wird mein Wanderstab. Auch in dem Sterben brechen, So wirst du in dem Streit. Mir Trost und Mut zusprechen. Ich geh durch JEsu Blut. Als dann zur Freude ein. Und werde schön verklärt In JEsu Armen sein. Abendgebet. 183 Abendgebet. Reiner Geist des HErrn HErm, komm mit lieblichem Gebraus, bei mir Armen einzukehren, hier in meines Herzens Haus; o mein Perlein, meine Krön, komm vom Vater und dem Sohn zu mir, deinem armen Kinde, mich mit deiner Brunst entzünde. Gib den Vater mir zu kennen und den Sohn, den er gesandt, mach dein süßes Liebebrennen mir im Innern recht bekannt; mach mich heilig, rein und klar, stell mich bald vollendet dar, mit der goldnen Perlenkrone, vor dem Vater und dem Sohne. So muß ich mir noch, du höchster Tröster in aller Noth, du werter Heiliger Geist, deine gnadenreiche Einwohnung und deine himmlischen Gaben ausbitten, ehe ich mich zu meiner Ruhe begebe, weil ich heute überzeugt worden bin, wie gern du eine Hütte Gottes unter den Menschen aufrichtet und zubereitest; mache auch mein Herz, welches mit Sehnsucht darnach verlanget, dazu; verkläre zu dem Ende JEsum in meiner Seele, damit ich ihn lieb gewinne und aufnehme, und dadurch Macht erlange, ein Kind Gottes und ein Tempel desselben zu werden. Verkläre ihn in mir nach seiner Person, nach seinen Wohltaten und nach der mir erworbenen Gnade, auf daß ich ihn als meinen einigen Erlöser annehmen und in 1 84 Abendgebet. sei-nem Namen Vergebung der Sünden suchen und finden möge. Verkläre ihn in mir nach seinen Tugenden und nach einem auf Erden geführten Wandel, in welchem er mir ein Vorbild gelassen, welchem ich nachfolgen soll, damit seine Klarheit, seine Demut, eine Sanftmut, seine Heiligkeit, seine Keuschheit, seine Liebe, eine Aufrichtigkeit und seine Wahrheit sich in mir spiegeln, in meinem Herzen wie ein helles Licht leuchten und in meinem ganzen Leben sich offenbaren. Verkläre ihn in mir nach seiner Majestät und Herrlichkeit, welche er in dem Stande der Erniedrigung zu meinem Besten nicht gebraucht, nach dem vollendeten Werk der Erlösung aber wieder angenommen hat, und nun in derselben zur Rechten seines himmlischen Vaters sitzet, auf daß ich ihn als meinen einigen Mittler zwischen Gott und mir verehre, anbete und ihm diene. Verklärst du JEsum in mir so, so werde ich durch den Glauben mit ihm verbunden, durch seine Gemeinschaft seinem Bilde ähnlich gemacht und durch eine Nachfolge in das Jerusalem, das droben ist, geleitet werden. Geist der Gnade, hilf mir zu dieser Seligkeit. Ohne dich kann ich JEsum nicht meinen HErrn nennen. Ach, darum wirke in mir den wahren, lebendigen Glauben; wirke und vollbringe in mir alles, was dazu nötig ist, daß Abendgebet. 185 Christus in mir Gestalt gewinne und ich sein eigen werde; höre mein Seufzen, vernimm mein Flehen, nimm mein Gebet an, und laß mir die verlangte Gnade widerfahren. Hast du solches getan, hast du JEsum in mir verkläret, so laß mich auch von ihm zeugen, wie eine Apostel von ihm gezeuget haben, nachdem du in reichem Maße über die ausgegossen wärest. Laß mich von ihm zeugen in meinem ganzen Leben, daß ich nach seinem Wort und nach seinem Willen gehorsam lebe, wandele und mich aufführe. Laß mich von ihm zeugen in meinem Herzen, daß ich ihn für den wahren Messias und für den wahrhaftigen Gott erkenne, ihm diene und an ihn glaube. Laß mich von ihm zeugen mit meinem Munde, daß ich ihn sowohl in der Stille, als auch öffentlich lobe und preise, und ihn immerdar bekenne, damit er mich wiederum vor seinem himmlischen Vater bekennen möge. Laß mich von meinem JEsu auch zeugen in meinem Leiden, daß ich in demselben getrost sei, auf ihn fest hoffe, ihm vertraue und gelassen eine Hülfe erwarte. Endlich laß mich auch von ihm zeugen in dem Tode, daß ich ihm bis in denselben getreu verbleibe und im Glauben die Krone des Lebens von seiner Hand hoffe. Lässest du mich auf diese Weise beständig von meinem Heiland zeugen, so wird er dereinst 1 86 Morgengebet. auch von mir zeugen und mich vor seinem himmlischen Vater bekennen. Und wie glücklich, wie selig bin ich alsdann! Geist JEsu, hilf mir dazu; ich hoffe auf dich, laß mich nicht zu Schanden werden; ich übergebe mich dir. Ach, leite mich zum Himmel und laß mich nie auf Abwege geleitet werden. Schmücke mich mit deinen Gaben, Mache mich neu, rein und schön, Laß mich wahre Liebe haben. Und in deiner Gnade stehn; Gib mir einen starken Muth, Heilige mein Fleisch und Blut, Lehre mich vor Gott hintreten Und im Geist und Wahrheit beten. So will ich mich dir ergeben, Dir zu Ehren soll mein Sinn Dem, was himmlisch ist, nachstreben, Bis ich werde kommen hin, Da mit Vater und dem Sohn Dich im höchsten Himmelsthron Ich erheben kann und preisen. Mit den süßen Engelsweisen. Amen. Der andächtige Christ erwäget das Geheimnis der heiligen Dreieinigkeit. Morgengebet. Heilig, heilig, heilig ist der HErr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! Mit diesen Worten lobe ich billig, da ich anjetzo vom Schlafe erwache, deinen großen Namen, anbetungswürdiger Gott, der du dich als einig im Wesen, aber verschieden in Personen gezeiget und offenbaret hat. Der heutige Tag, welchen mich deine Güte abermals hat erleben lassen, veranlasjet mich, dieses große Morgengebet. 187 und gottselige Geheimnis in Erwägung zu ziehen und zu meinem Nutzen anzuwenden. Ach, gib Gnade, daß ich meinen Vorsatz erreiche; erweise dich gegen mich als meinen Gott, damit ich dadurch möge ermuntert und bewogen werden, mich als dein gehorsames Geschöpf zu bezeigen. Vater der Barmherzigkeit, deine Hand hat mich gebildet, deine Macht hat mich bereitet, da ich noch im Mutterleibe war, und mich an des Tages Licht gebracht; deine Treue bewahret meinen Odem und fristet mir mein Leben. Ach, höre nicht auf, treu gegen mich zu sein, sondern beweise dich immerfort als einen liebreichen Vater gegen mich. Laß mich aber auch mit dir wie ein Kind in Demut und Ehrfurcht umgehen, und durch deine Gnade nach dem höchsten Grade der Vollkommenheit trachten. Eingeborener Sohn des Höchsten, HErr JEsu Christe, Mittler, Heiland und Seligmacher, höre nicht auf, dein Verdienst und Blut deinem Vater vorzuzeigen, wenn er mich nach seinem gerechten Zorn wegen meiner Übertretungen, Missetaten und Sünden verdammen, verwerfen und von sich stoßen will; höre nicht auf, ewiger Hoherpriester, für mich zu beten und mich mit deinem himmlischen Segen zu beglücken; höre auch nicht auf, an mir zu arbeiten; werde nicht müde, mich zu deiner Gnade zu 188 Morgengebet. rufen, sondern wirke in und an mir, daß du eine Gestalt in mir gewinnest. Laß keinen von deinen Erlöseten verloren gehen, und also auch mich leben und in dir volles Genüge haben und genießen. Geist der Gnade, erbarme dich über mich und sei mir mit deinen Gaben nicht ferne. Wenn ich betrübt bin, so tröste und erquicke meine arme Seele. Wenn ich trauchle, so erhalte mich und richte mich wieder auf. Wenn ich irre, so weise mich zurecht und führe mich auf ebener Bahn. Wenn ich bete, so bete du mit mir; lehre mich alsdann, was und wie ich beten soll, und gib meinen schwachen Worten und Seufzern Kraft, daß sie meinen Vater im Himmel bewegen, ihm ins Herz dringen, und mir Hülfe von ihm verschaffen mögen. O dreieiniger Gott, beweise dich also gegen mich, so will ich deinen Namen loben, deine Ehre ausbreiten, nach deinem Willen leben, und endlich mit Freuden, wenn du mich rufen wirst, aus dieser jammervollen Welt gehen und von deiner Barmherzigkeit einen Gnadenlohn für meine Treue erwarten. Will meine verderbte Vernunft bei mir allerlei Zweifel erregen, als ob du, o du verborgener Gott, der du in einem Lichte wohnest, zu welchem niemand kommen kann, nicht könnest Eins im Wesen und mannigfaltig in Personen Morgengebet. 189 sein: so laß mich dieselbe unter den Gehorsam des Glaubens gefangen nehmen und ihren Einredungen nicht Gehör geben. Stärke meinen Glauben an dich und laß mich an deinen Offenbarungen und Zeugnisen so fest halten, daß auch die Pforten der Hölle nicht können vermögend sein, mich zu überwältigen oder mir meinen Glauben zu rauben. Will auch mein träges Fleisch und Blut nicht gerne dir folgen und nach deinem Willen leben, so schenke mir Kraft und Vermögen aus deiner unerschöpflichen Gottesfülle, mich dir zu unterwerfen und in meinem ganzen Leben gehorsam zu werden. Laß mich meinen Glauben in Werken zeigen, und in demselbendarreichen Geduld, und in der Geduld Bescheidenheit, und in der Bescheidenheit Mäßigkeit, und in der Mäßigkeit brüderliche Liebe, und in der brüderlichen Liebe allgemeine Liebe. So laß mich in Heiligkeit und Gerechtigkeit hier vor dir wandeln und endlich vom Glauben zum Schauen übergehen. Dann will ich dich, wenn ich dich sehen werde von Angesicht, ewiglich mit allen Auserwählten loben, wie ich schon jetzt damit den Anfang mache und mit gerührtem Herzen jage: Gelobet sei der HErr, Mein Gott, der ewig lebet, Den alles lobet, was ln allen Lüften schwebet; Gelobet sei der HErr, Deß Namen heilig heißt, Gott Vater, Gott der 190 Der andächtige Christ erwäget Sohn Und Gott der werte Geist. Dem wir das Heilig jetzt Mit Freuden lassen klingen. Und mit der Engel Schaar Das Heilig! Heilig! singen, Den herzlich lobt und preist Die ganze Christenheit, Gelobet sei mein Gott. In alle Ewigkeit. Amen. Halleluja! Amen. Aufmunterung. Drei sind, die da zeugen im Himmel: Der Vater, das Wort, und der Heilige Geist; und diese drei sind Eins. 1 Joh. 5, 7. Wenn eine gläubige Seele das Geheimnis der heiligen Dreieinigkeit in heilige Betrachtung ziehen will, so muß sie es machen, wie einer, welcher von der Sonne Licht und Nutzen haben und sich dessen bedienen will. Schauet er mit unverwandten Augen in die Sonne hinein, so blendet er sich, er sieht lauter Finstemiß, ja, nichts; hält er aber die Augen niedergeschlagen, gebraucht also der Sonne Licht und Glanz, so sieht er viel, ja, er sieht alles, was er sehen soll. Das Geheimnis der heiligen Dreieinigkeit ist 1) ein der Vernunft unbegreifliches Geheimniß; sie kann das nicht begreifen: Ein Wesen und drei Personen. Daher viele an dieser Glaubenslehre sich gestoßen haben, und es bis auf diesen Tag noch mit den Juden halten. Unterdessen bleibt es doch 2) ein in der heiligen Schrift uns deutlich beschriebenes Geheimniß; davon reden die herrlichsten Sprüche des Alten und Neuen Testamentes. Am Jordan, als Christus getauft wurde, waren drei Personen zu schauen, Matth. 3, 17. Die Werke und Eigenschaften des dreieinigen Gottes liegen uns auch deutlich beschrieben vor Augen. Diesem Worte des Lebens glaubet ein andächtiger Christ, bis er dereinst in dem ewigen Leben zu dem Schauen gelangen wird. Unterdessen 3) betet er den dreimal heiligen Gott mit Herzensdemut an. Er preiset seinen Schöpfer für alle Wohltaten, die er ihm an Leib und Seele getan. Er danket seinem Erlöser, daß er ihn vom Tode, von der das Geheimnis der heiligen Dreieinigkeit. 191 Sünde, vom Teufel und von der Hölle Gewalt befreiet. Er ergibt seinem Heiligmacher sein Herz und ganzes Leben, befleißiget sich, dem dreieinigen Gott zu gehorchen, und ist versichert, daß er dermaleinst wird herrlich sehen, was er hier geglaubet hat. Denn selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Heilig, heilig, heilig ist Gott, der HErr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll. Also, o du dreieiniger Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, stimme ich anjetzo mit allen Seraphinen und Cherubinen ein Loblied an, deine Hoheit, Majestät und Herrlichkeit zu besingen. O du einiges, unerforschliches und unbegreifliches Wesen, mein Glaube hält sich fest, einig und allein an dein geoffenbartes heiliges Wort, worin du dich mir herrlich geoffenbaret hat. Das ist das ewige Leben, daß sie dich, Vater, daß du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hat, JEsum Christum, erkennen. Ich bete dich an, ich ehre und preise dich, o du Vater aller . Gnade und Barmherzigkeit, der du dich als ein Vater mir kund getan hast. Du hast nicht allein JEsum Christum, deinen einigen Sohn, von Ewigkeit her gezeuget, sondern du bist auch der rechte Vater über alles, was da Kinder heißet im Himmel und auf Erden. Ach, du hast bisher als ein gnädiger und liebreicher Vater auch 1 92 Der andächtige Christ erwäget mich ernähret, versorget, bewahret und erhalten, ja, du ernähret, versorgest und erhältst mich noch bis auf diese Stunde. O du barmherziger Vater, nimm dich doch meiner als deines Kindes herzlich und väterlich an. HErr JEsu, Sohn Gottes, ich habe dich aus deinem heiligen Wort erkennen gelernt als die andere Person der heiligen Dreieinigkeit, von dem himmlischen Vater von Ewigkeit her gezeuget, Gott von Gott, Licht von Licht, auf eine uns unbegreifliche Weise entsproffen. Ich habe dich auch erkannt als meinen Bruder und Blutsfreund, der die menschliche Natur an sich genommen hat, um mich und alle Menschen zu erlösen von Sünde, Tod, Teufel und Hölle. O, darum freue ich mich in dir und bete dich an! Du bist meine Gerechtigkeit, mein Erlöser, Fürsprecher, Hoherpriester, Gnadenthron, Mittler, Immanuel, Seligmacher und Hirt; in dir habe ich das Leben und volle Genüge. Du bist das Opferlamm, das sich für meine Sünden dahingegeben hat; dein Blut ist die Reinigung meiner Missetaten; durch dich habe ich Zugang zur Gnade und zum Leben. In dir bin ich selig, hier zeitlich und dort ewig. O du werter Heiliger Geist, du hast dich in deinem Worte mir geoffenbaret als die dritte Person in der Gottheit, die vom Vater und Sohn ausgehet, ein Geist des Vaters und des das Geheimnis der heiligen Dreieinigkeit. 193 Sohnes, gleichen Wesens, gleicher Majestät und Herrlichkeit. Du hast mich auch wiedergeboren in der heiligen Taufe; durch dich bin ich gebracht zur Gnade, zum Licht und zum Leben, das aus Gott ist. Du bist mein Heiligmacher, der micherleuchtet, heiliget und im rechten Glauben erhält. Du tröstet mich im Leiden, du erfreuest mich in Traurigkeit, du erquicket mich in Trübsal. O du Geist der Gnade und des Gebets, versieglein mir den Trost, daß ich in Gnaden bin; gib Zeugnis meinem Geiste, daß ich ein Kind Gottes sei. Erwecke mich zum Gebet, gib mir Andacht im Gebet, gib mir Freudigkeit nach dem Gebet. Kommt, laßt uns beten und knieen und niederfallen vor dem HErrn, dem dreieinigen Gott, der uns gemacht hat; denn wir sind sein Volk und Schafe seiner Weide; er ist unerforschlich in seinen Wegen und unbegreiflich in seinem Thun. Von ihm und durch ihn und in ihm sind alle Dinge; ihm sei Lob, Ehre und Preis in Ewigkeit. Der Vater ist von niemand weder gemacht, noch geschaffen, noch geboren; der Sohn ist von dem Vater nicht gemacht, noch geschaffen, sondern geboren; der Heilige Geist ist vom Vater und Sohn nicht gemacht, noch geschaffen, noch geboren, sondern ausgegangen. Unter diesen drei Personen ist keine die erste, keine die letzte, keine die größte. 1 94 Der andächtige Christ erwäget keine die kleinste, sondern sie sind alle drei gleich. Der Vater ist Gott, der Sohn ist Gott, der Heilige Geist ist Gott, und sind doch nicht drei Götter, sondern es ist. Ein Gott. Der Vater ist der HErr, der Sohn ist der HErr, der Heilige Geist ist der HErr, und sind doch nicht drei HErren, sondern es ist Ein HErr. O du dreieiniger Gott und HErr, laß mich in dieser Erkenntnis immer wachsen und zunehmen, und gib, daß ich dich im Glauben ergreife und an deinem heiligen Wort als an meiner Glaubens- und Lebensregel festhalte, und was ich nicht begreifen kann, dennoch von Herzen glaube, bis ich von dem Glauben zum Schauen gelangen werde. Indessen, mein Vater, decke mich mit deinen Gnadenflügeln und segne mich. O JEsu, wasche mich mit deinem heiligen Blute und segne mich; mache mich gerecht und ewig selig. HErr Gott Heiliger Geist, erleuchte mich, und segne mich, daß ich in deinem Lichte wandle und in deinem Lichte droben das ewige Freudenlicht erblicken möge. Glauben muß man hier und trauen. Was Gott von sich selber sagt; Dort hebt erstlich an das Schauen, Glaube fragt nicht, Zweifel fragt. Bin ich dort getaufet worden. Auf Gott Vater, Sohn und Geist, Sein Wort mich zum Jordan weist, Da aus offnen Himmelspforten Gottes Stimm von JEsu zeugt. Und der Geist hernieder fleugt. Amen. das Geheimnis der heiligen Dreieinigkeit. 195 Gesang. Mel.: Nun freut euch, lieben Christen g'mein. 1. O heiligste Dreifaltigkeit Voll Majestät und Ehren, Wie kann doch deine Christenheit Dein Lob genug vermehren? Du bist sehr hoch und wundersam, Ganz unbegreiflich ist dein Nam, Dein Wesen unerforschlich. 2. Wir danken dir, daß deine Gnad, Auch weil wir hie noch leben, In deinem Worte so viel hat Uns offenbar gegeben, Daß du bist wahrer Gott und heißt: Gott Vater, Sohn und Heilger Geist, Dreifältig und doch einig. 3. O Vater, aller Dinge Quell. Und Ursprung, sei gepreiset Für alle Wunder klar und hell, Durch deine Macht erweitet; Du Vater hat vor aller Zeit. Den eingen Sohn von Ewigkeit, Dein Ebenbild, gezeuget. 4. Du hast gemacht den Erdenkreis. Nach deinem Wohlgefallen, Uns Menschen drauf, zu deinem Preis, Daß wir dein Lob erschallen; Auch wird durch deines Mundes Wort. Dies alles immer fort und fort. Erhalten und regieret. 5. Drum steh, o Vater, ferner bei Uns, deinen armen Kindern, Und alle Schulden uns verzeih, Als bußfertigen Sündern; Aus unsem Nöten mannigfalt Errette uns und hilf uns bald. Wie du uns hat versprochen. 6. O JEsu Christe, Gottes Sohn, Von Ewigkeit geboren, Uns Menschen auch ins Himmels Thron. Zum Mittler auserkoren, Durch dich geschieht, was nur geschieht, O wahrer Gott, o wahres Licht. Vom wahren Gott und Lichte! 7. Du bist des Vaters Ebenbild. Und doch vom Himmel kommen; Als eben war die Zeit erfüllt. Hast du Fleisch angenommen, Hast uns erworben Gottes Huld, Bezahlet unsre Sünd und Schuld. Durch dein unschuldig Leiden. 8. Nun sitzest du zur rechten Hand. Des Vaters, hoch erhoben. Beherrschest alle Leut und Land. Und dämpft 196 Abendgebet. der Feinde Toben. Hilf uns, o wahrer Mensch und ' Wir wollen dir für deinen Tod. Und alle Wohltat danken. 9. O Heilger Geist, du werte Krön, Erleuchte unsere Sinnen, Der du vom Vater und dem Sohn Ausgehet ohn Beginnen; Du bist allmächtig und ohn End, Der ' und der Sohn dich endt, Im Glauben uns zu eiten. 10. HErr, du gebierest durch die Tauf Uns wiederum aufs neue, Hermacher auch nimmst du uns auf, Wenn du gibt wahre Reue; Durch dich wird unsere Hoffnung fest, Und wenn uns alle Welt verläßt, Bleibst du bei uns im Herzen. 11. Wir bitten dich demütiglich, Daß es mag ja durchdringen, Was wir durch Seufzer oft vor dich In unsem Nöten bringen; Und wenn die letzte Stund da ist, So hilf, daß wir auf JEsum Christ Getrost und selig sterben. 12. Gott Vater, Sohn und Heilger Geist, Für alle Gnad und Güte Sei immerdar von uns gepreist. Mit freudigem Gemüte; Des Himmels Heer dein Lob erklingt. Und heilig! heilig! heilig! singt. Das tun wir auch auf Erden. Abendgebet. Heiliger dreieiniger Gott, voll Freude und Vergnügen trete ich nochmals vor deinen Thron, ehe ich zu meiner Ruhestätte eile, weil ich heute die fröhliche Botschaft vernommen habe und von derselben überzeuget worden bin, daß du in die Herzen derer, welche dich lieben, kommelt und in ihnen wohnest. Das halte ich für die allergrößte Herrlichkeit, deren nur ein vernünftiges Geschöpf Abendgebet. - 197 von dir fähig ist, und darüber ist meine Seele vergnügt und hüpfet vor Freude. Die Welturteilet zwar anders und meinet, das seien unglückselige Menschen, welche ihr Herz dir zur Wohnung einräumten, indem sie nicht allein aller Weltluft sich entschlagen, sondern auch immer im Kampf und Streit stehen müßten, damit keine Sünde eine Herrschaft über sie gewinne. Ich aber weiß und bin überzeugt, daß es die Gerechten gut haben, daß ihnen eine große Herrlichkeit und Seligkeit bereitet ist. Ich sehne mich daher nach deiner Einwohnung, und trage nach derselben ein inniges Verlangen. Komm, o dreieiniger Gott, komm in meine Seele und wohne in mir. Belebe und beherrsche mich. Mache mich ganz neu. Laß mich nicht mehr mir selbst leben, sondern dem, der für mich gestorben und auferstanden ist. Ich weiß, daß diese deine Einwohnung keine bloße Einbildung sei, wofür es die verkehrte Welt zu halten pflegt; sie ist auch keine bloße Mitteilung deiner Gaben, noch viel weniger eine Vergötterung, sondern du kommst selbst deinem Wesen nach zu uns, nicht wie du bei allen Gottlosen bist, sondern durch deine besondere Gnade, da wir so genau mit dir verbunden werden, wie die Rebe mit dem Weinstock, das Haupt mit den Gliedern und die Seele mit 198 Abendgebet. dem Leibe verbunden ist. O der unaussprechlichen Gnade! Wie hoch adelt du, o Gott, die Deinen, daß sie deines Geistes und deiner Kraft sollen teilhaftig werden! Ziehst du also ein in meine Seele, so lebe ich nicht mehr, sondern du lebest in mir, du redest aus mir, du wandelt in mir, du wirkest in mir alles. Laß mich derowegen in deiner Kraft beständig einhergehen, damit es immer von mir heiße: Siehe da, eine Hütte Gottes bei den Menschen! Wiffet ihr nicht, daß JEsus Christus in euch ist? Hieraus entstehet meine wahre Glückseligkeit, auf welche ich mich von Herzen freue und die ich sehnlich wünsche. Ein helles Licht gehet nun in mir auf, darin ich meine Sünden und deine Gnade sehe, und dadurch ermuntert werde, jene zu fliehen und diese zu suchen. Neues Leben kommt mit dir in mich. Nun bin ich nicht mehr ohnmächtig, daß mich eine jede Sünde könne hinreißen, sondern ich vermag alles durch dich, der du mich mächtig machet. Nun habe ich Trost in allem Leiden, in allen Zufällen, bei allem Anliegen. Wie glücklich bin ich also hier in der Zeit! Und wie selig werde ich auch sein in der Ewigkeit, wenn ich in derselben in deiner Gemeinschaft bleiben und dich sehen werde, wie du bist! Ach, hilf mir hierzu in Gnaden. Laß mich im Stande der Der andächtige Christ betrachtet den Schutz der heiligen Engel. 199 Gnaden verbleiben und wachsen, und dich niemals wieder von mir treiben, sondern mit dir vereiniget sein, bis ich ewig in der Ewigkeit dich schauen kann. Erhalt mich, HErr, im Glauben, Daß ich an deinem Leib, Wie am Weinstock die Trauben Fruchtbar und fest bekleib. Mein Herz, Sinn und Gemüt Erneure und regiere, Mein Zunge selbst auch führe, Alsozu singen mit: Ehr sei dem Vater oben. Im allerhöchsten Thron, Ehr sei mit Dank und Loben Seim allerliebsten Sohn, Ehr sei zu aller Zeit. Dem Heilgen Geist gesungen. In allem Volk und Zungen, Heut und in Ewigkeit. Der andächtige Christ betrachtet am Michaelisfeste den Schutz der heiligen Engel. Aufmunterung. Die Engel sind allzumal dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst, um der willen, die ererben sollen die Seligkeit. Hebr. 1, 14. Es sind die heiligen Engel von Gott erschaffen worden zu seinem Dienst und Ehren, als welche allezeit um seinen Thron stehen und seinen Befehl ausrichten. Wenn ein großer König seine Leibwache und Aufwärter einem andern zum Dienst bestellete, so wäre es Liebe und Gnade. Daher 1 ) danket ein gläubiger Christ für diese besondere Gnade, daß Gott nicht allein sich selbst den Menschenkindern mit allen seinen Gütern und Gaben zum Genuß, auch JEsum Christum zum Heil der Seelen, den Heiligen Geist zum Tröster und Führer, sondern auch die heiligen Engel zu Wächtern geschenket hat. 2) Zu dem Ende treibet er dieselben durch mutwillige Sünden nicht von sich, sondern erfreuet dieselben vielmehr durch seine Buße und durch einen gottseligen Wandel. 3) Er 200 Der andächtige Christ betrachtet trachtet auf Erden den Engeln auch gleich zu werden, Gott täglich zu loben, zu preisen, ihm zu danken und den ihm gefälligen Dienst zu leisten. Wer allhier ein Teufel auf Erden, ich will jagen ein widerspenstiger, halsstarriger, unbekehrter Mensch und frecher Sünder bis in den Tod bleibet, der kann nach seinem Tode den Engeln nimmermehr gleich werden. 4) Ein gläubiger Christ befleißiget sich demnach nach der dritten Bitte, Gottes Willen zu tun auf Erden, wie er geschiehet im Himmel. 5) Die Engel betet ein Gläubiger nicht an, als welche Ehre nur dem HErrn der Engel, aber nicht den Mitknechten gebühret, Offenb. 19, 10. 6) In solcher Verfassung des Glaubens, der Liebe, der Frömmigkeit und Gottesfurcht beharret ein gläubiger Christ bis an sein Ende, und weiß, daß die heiligen Engel nicht allein auf seinen Berufs- und von Gott gebotenen Wegen ihn werden vor Unglück behüten, sondern daß sie auch bei seinem Tode um sein Bette stehen, und nach dem Tode die Seele in Abrahams Schooß begleiten werden. Der Engel des HErrn lagert sich um die her, jo ihn fürchten, und hilft ihnen aus. Du barmherziger und liebreicher Gott, wie freue ich mich, daß du deine heiligen Engel mir zum Schutz und Beistand bestellt hast! HErr, HErr, was ist der Mensch, daß du ein gedenkest, und des Menschen Kind, daß du dich einer annimmt, und ihn so hoch achtet? Ist es eine hohe Ehre, wenn ein König seine Leibwache und Aufwärter einem geringen Mann mitgibt, die ihm müssen zur Seite stehen: o, wie viel größere Herrlichkeit ist das, den Schutz der heiligen Engel. 201 daß die heiligen Engel zum Schutz und zur Begleitung uns armen Menschen dienen müssen! O du Gott der Liebe, du hast nach deiner unaussprechlichen Güte nicht allein alle sichtbaren Creaturen, Himmel, Erde, Sonne, Luft, Meer, alle Früchte und Gewächse der Erde uns zum Genuß, sondern auch die uns unsichtbaren Creaturen, die heiligen Engel, zum Dienst verordnet, damit uns ja kein Übel widerfahren möge. Du weißt, liebreicher Vater, wie deine Kinder auf Erden mit vielerlei Gefahr und Elend umgeben sind; darum hast du ihnen Wächter bestellet, die um sie Tag und Nacht wachen und alles Übel abwenden sollen. Du weißt, wie viele und starke Feinde deine Kinder und Gläubigen um sich haben: den Fürsten der Finstemiß, den Satan und sein Heer; darum hast du ihnen auch starke Helden zugegeben, die jenen widerstehen und deine Geliebten bewahren sollen. Ach, mein Gott, wenn eine Woche, ein Monat, ja, ein Jahr nach dem andern vorübergehet, darin meine gefunden, geraden Glieder unverletzt, mein Haus und Habe unversehrt, ja, meine Tritte ohne Fall und Anstoß bleiben, indem kein Unglück sich zu mir nahet: sollte ich solches nicht deiner Vatertreue, Vaterliebe und Barmherzigkeit zuschreiben, daß du durch deine Diener mich also erhalten 202 Der andächtige Christ betrachtet und behütet hat? O, wie viel Gefahr hast du durch den mächtigen Schutz deiner heiligen Engel abgewendet, davon ich nichts gewußt! Nun, mein Gott, dafür sei hochgeliebet und hochgelobet von nun an bis in Ewigkeit. Ich bitte dich auch, liebreicher Vater, befiehl deinem Engel ferner, daß er komme und mich, dein Eigentum, bewache. Laß deinen Engel Gefahr und Unglück von mir abwenden, wie von Jakob, welchem die Heere Gottes begegneten und ihm zur Seite zogen, da ihm die größte Gefahr von seinem Bruder Esau bevorstand. Bewahre mein Haus durch deiner Engel Heer rings umher, wie das Haus Hiobs; laß sie bei mir ein in Nöten, wie bei Daniel; laß sie das Unglück von mir treiben, wie sie die Flammen von den drei Männern hinwegstießen; laß sie meine Nahrung und täglich Brod behüten, wie der Engel dem Elia Brod und Wasser brachte; ja, laß sie um mich her lagern, mir aushelfen und mich begleiten auf den Reisen, wie Tobia. Ach, du gütiger Gott, verleihe mir deinen Heiligen Geist, daß ich diese deine heiligen Geschöpfe nicht möge mit meinen Sünden betrüben, oder mit meinem ruchlosen Leben von mir treiben, daß sie von ferne stehen und vor meiner Bosheit weichen müssen. Gib, daß ich den Engeln in diesem Leben schon möge den Schutz der heiligen Engel. 203 gleich werden in deinem Dienst, Lob, Gehorsam und Preis, damit ich auch den Engeln gleich werden möge in der frohen und seligen Ewigkeit. Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel, soll hinfüro mir immer in den Ohren und in dem Herzen erklingen. Mein Gott, laß auch deine heiligen Engel bei mir bleiben im Sterben, damit sie alsdann meine Seele in Abrahams Schooß tragen und zu deiner Herrlichkeit begleiten mögen. Laß mich da selbst in ihrer Gemeinschaft und Gesellschaft in Ewigkeit sein, mit ihnen mich über deine Herrlichkeit und Majestät erfreuen und das Heilig, heilig, heilig ist Gott, der HErr Zebaoth! anstimmen, und dich, wie für alle, also auch für diese Wohltat ewig loben und preisen. Gott, aller Geister Geist, HErr aller Seraphinen, Der eine Diener heißt Uns Menschen zu bedienen, HErr Zebaoth, nur dir Gebühret Dank dafür. Wir gehen aus und ein, Solaß sie uns begleiten; Wenn wir entschlafen sein, So stelle uns zur Seiten. Die Wache deines Throns, Die Starken Salomons. Schaff, daß sie überall. Die Hand uns unterlegen, Und laß uns keinen Fall. Aus ihrem Schooß bewegen; Ihr Lager schließ uns ein. Wann wir belagert sein. Wann wir, des Eiteln los, Die Sterbelieder singen, Laß uns in Abrams Schooß Durch diese Träger bringen; Mach uns in deinem Reich Den Engeln Selbsten gleich. Amen. 204 Der andächtige Christ betrachtet den Schutz der heiligen Engel. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Der Engel goldnes Heer, Die immer vor Gott stehen. Und seine Majestät In hellem Glanze sehen, Die werden täglich noch Zu unserm Dienst gesandt. Und was uns schaden kann. Wird durch die abgewandt. 2. Die Engel sind bei uns Auf allen unsem Wegen, Bei Tag und auch bei Nacht, Wann wir uns schlafen legen; Geht man zu dem Beruf, So gehen sie mit aus. Und kehret man zurück, So gehn sie mit nach Haus. 3. Wenn Satan und die Welt, Auch andre Feinde wüthen, So sind die Engel da, Die untern Tritt behüten; Sie wenden von uns ab Leid, Unglück und Gefahr, Ihr Auge schlummert nicht, Sie wachen immerdar. 4. Und bricht der Wanderstab Von unsem Lebenstagen, So werden sie die Seel Ins Freudenleben tragen; Zur Ruhe nach der Last, Zur Krone nach dem Streit, Zur Freude nach der Angst, Zum Tröste nach dem Leid. 5. Die Engel freuen sich, Wenn wir uns Gott ergeben. Und, wie wir schuldig sind, Nach Gottes Willen leben. Ach ja, wir sind gewiß, Daß man da Engel findt, Wo Fromme durch Gebet Und Lieb verbunden sind. 6. Ach Gott, wir danken dir Für alle deine Gaben, Und daß wir auch von dir Zum Schutz die Engel haben; Die Helden end uns auch In aller Angst und Noth, Ach, laß sie bei uns sein. Im Leben und im Tod. 7. Verleih mir deine Gnad, Daß ich annoch auf Erden. Mit stetem Lob und Preis. Den Engeln gleich mög werden, Und deinen Willen tun, Damit nach dieser Zeit. Ich bleib den Engeln gleich In deiner Herrlichkeit. 8. Da soll dein Lob und Ruhm ln Ewigkeit erklingen, Da will ich hocherfreut. Das dreimal Heilig singen. Mit aller Engel Chor, Der Auserwählten Schaar; Dies ist des Herzens Wunsch, Amen, er werde wahr. Der gläubige Christ bittet um zeitlichen und ewigen Segen. 205 Dritter Teil. Gebete um allerlei geistliche und leibliche Wohltaten. Der gläubige Christ bittet um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen. Aufmunterung. G8 ' uns Gott, unser Gott. Es segne uns Gott, und alle eit furchte ihn. Ps. 67, 7. 8. Ein jeder Christ betet und bittet etwas von Gott; dabei aber soll ein jeder wohl erwägen, wie er betet und was er bittet. Ein Christ bittet 1) um leibliche Dinge, um Gesundheit, Segen, Nahrung, Abwendung der Gefahr, Hülfe in Noth, Beistand im Leiden, Errettung aus Unglück; und dergleichen Gebet kann Gott wohl leiden, weil er dieses alles uns in einem heiligen Wort verheißen hat. Aber der Christ bleibet nicht dabei stehen; dieses ist das Geringste. Er bittet 2) sonderlich um geistliche Dinge, um den Heiligen Geist, um ein frommes Herz, um das Reich Gottes, welches ist Gerechtigkeit, Friede und Freude in dem Heiligen Geist, Röm. 14, 17. Er bittet um Erleuchtung, Wachstum in dem Guten, Heiligung und um die Gaben des Heiligen Geistes; diees ist das Vornehmste, was er von Gott bitten und erlangen kann, und wenn ihm solches wird verliehen, so hält er es für einen größten Reichtum. Ein Christ bittet 3) auch um ewige Dinge, nämlich um ein seliges Ende, um einen fröhlichen Abschied aus diesem Leben, um den erwünschten Eintritt in das Freudenleben, damit er da Gottes Angesicht schauen und mit weißen 206 Der gläubige Christ bittet Kleidern angetan sich nach dem Kampfe ewiglich in ihm erfreuen könne. Also muß ein Gläubiger beten sonderlich um geistliche und himmlische Güter, wenn er recht und Gott wohlgefällig beten will. Dabei muß er sich aber 4) eines unsträflichen, christlichen Wandels befleißigen, damit ein Gebet nicht durch ein böses Gewissen verhindert werde. Gebet. O du reicher und gnädiger Gott, wie groß und herrlich, wie reich und mächtig bist du! Du hat alles und kannst auch alles geben. Siehe, ich, dein Kind, ich komme zu dir und bitte dich um deine Gaben. Du weißt, daß ich nichts mit in die Welt gebracht, daß ich auch nichts von mir selbst habe, als die Sünde; daher alles, was ich Gutes an mir habe, das kommt von dir; denn alle guten Gaben und alle vollkommenen Gaben kommen von oben herab; ja, was hast du, o Mensch, das du nicht empfangen hat? Ach, mein Gott und Vater, mache mich sonderlich an meiner Seele reich, gib mir deinen Heiligen Geist, gib mir ein frommes Herz, bekehre mich, erleuchte mich, damit ich täglich ein neuer Mensch werde. Hilf mir kämpfen und arbeiten, daß ich die böse Lust bezwinge, die bösen Gewohnheiten ablege, mich von der Welt absondere, hingegen meinen Leib und meine Seele dir ergebe zu einem Opfer, das da lebendig, heilig und um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen. 207 dir wohlgefällig sei. Siehe, mein Gott, wie ich in der Welt so vielen Gefahren und Verführungen unterworfen hin; darum leite du mich durch deine Kraft, daß ich nicht verführet werde, noch von dir abweichen möge. Wohne in meiner Seele, beherrsche mein Herz, und verleihe mir Gnade, daß ich ein lebendiges Glied an dem Leibe meines JEsu und eine neue Creatur sei, so bin ich in der Welt reich genug, geehrt genug, glückselig genug. Sorge auch, o gnädiger Gott und Vater, für mich in dem Irdischen; du weißt, was ich bedarf, du siehest, was mir fehlet; aber gib mir nichts nach meinem, sondern alles nach deinem Willen. Ist mir Gesundheit heilsam, ach, so gib mir einen gesunden Leib zu desto glücklicherer Verrichtung meines Berufes. Gib mir Nahrung und Kleidung, weil du weißt, daß ich ohne dieselben nicht leben kann. Begleite mich auf meinen Wegen, behüte mich vor Unglück. Lege deinen Segen meiner Arbeit bei; denn was du, HErr, segnet, das ist gesegnet ewiglich. Du hast mich in die Welt gesetzt, so wirst du auch mich wohl ernähren und zu versorgen wissen. Ich werfe all mein Anliegen und alle meine Sorgen auf dich. Ach Gott, sorge für dein Kind, erhalte dein Kind, und laß mich deine Vatertreue und Gnade hinfort reichlich genießen. Weil du 208 Der gläubige Christ bittet mich aber, o großer Gott und Vater, nicht bloß um dieses irdischen Lebens willen erschaffen hat, so hoffe ich auch noch auf größere Güter; denn hätte ich nichts von dir zu erwarten, als was ich hierzu empfangen habe, so wäre ich der eiendete Mensch; darum, mein Vater, gib mir auch die himmlischen Güter; erhalte mich im Glauben bis an mein letztes und seliges Ende; laß mich an meinem Ende auf Christi Tod abscheiden; die Seele nimm hinauf zu dir, zu deinen Freuden. Gib mir auch, wenn es dein heiliger Wille ist, ein vernünftiges Ende, und bringe mich nach dem Ausgang aus diesem Leben zu der Schaar der Auserwählten in den FEmmel, daß ich mit ihnen gekrönet, verkläret, mit weißen Kleidern gezieret, dein heiliges Angesicht schauen und mich in dir ewiglich erfreuen möge. Ach, mein Gott, höre die Stimme meines Flehens, und verweigere nicht, was mein Mund bittet. Gib mir von den irdischen Dingen so viel, als dir gefällig und mir heilsam und selig ist, aber in geistlichen und himmlischen Dingen gib mir ein reiches Maß deiner Gnade, und bringe mich als dein Kind dermaleinst zu der Versammlung der Fleiligen im Licht, daß ich hier im Glauben und in der Liebe, und dort in der Ewigkeit mit dir vereiniget bleibe. um zeitlichen, geistlichen und ewigen Segen. 209 Unsem Ausgang segne Gott, Unsern Eingang gleichermaßen; Segne unser täglich Brod, Segne unser Thun und Lassen; Segne uns mit selgem Sterben. Und mach uns zu Flimmelserben. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Mein Vater, denk an mich! Ach, gib mir deinen Segen, Und thu jetzt auch an mir, Wie treue Väter pflegen; Gib, was ich nötig hab Und was mir nützlich ist; Ich schau allein auf dich, Weil du mein Vater bist. 2. Ach, gib mir deinen Geist, Das wahre Seelenleben, Und wirst du mir durch ihn Ein frommes Flerz auch geben. So bin ich reich genug. So bin ich recht beglückt. Weil mich dein guter Geist. Mit seinen Gaben schmückt. 3. Gib mir mein täglich Brod, Gesundheit auch desgleichen, Laß deinen Segen nicht. Von meiner Arbeit weichen; Wend alles Unglück ab. Begleit mich aus und ein. Und laß bei Tag und Nacht. Mich dir befohlen sein. 4. Laß mich in JEsu Christ. Flier leben und auch sterben, Und laß mich durch sein Blut. Die Seligkeit ererben; Laß mich vor deinem Thron. In weißen Kleidern stehn Und, HErr, dein Angesicht. Mit allen Frommen sehn. 5. Mein Gott, erhöre mich, Auf dich steht mein Vertrauen, Ich werd noch meine Lust An deiner Gnade, schauen; Mein Flerze, Geist und Sinn. Sei dir allein geweiht; Mein Segen, Freud und Schatz Bleibst du in Ewigkeit. 6. Wohlan, ich bin erhört, Gott wird's aus Gnaden geben, Drum will ich Mund und Herz Mit Dank zu ihm erheben: Mein Vater, schenke mir. Dieweil ich leb auf Erd, Was du mir zugedacht, Nur daß ich selig werd. 210 Der gläubige Christ danket Gott für seine Gesundheit. Der gläubige Christ danket Gott für seine Gesundheit. Aufmunterung. Es ist besser, einer sei arm, und dabei frisch und gesund, denn reich und ungesund. Gesund und frisch sein ist besser, denn Gold, und ein gesunder Leib ist besser, denn groß Gut. Es ist kein Reichtum zu vergleichen einem gesunden Leibe, und keine Freude der Herzens Freude gleich. Sir. 30, 14-16. Gleichwie Gott den Menschen unterschiedliche Gaben austeilet, geistliche und leibliche, so mag man wohl unter die leiblichen als eine der vornehmsten mitrechnen die Gesundheit. Ein gesunder Mensch ist ein glücklicher Mensch, wenn er dabei fromm ist; er ist aber auch der unglückseligste, wenn er gottlos ist. Ein gesunder Mensch ist glückselig, weil er kann Gott und seinem Nächsten ungehindert dienen, einen Beruf abwarten, und viel Gutes verrichten. Ist aber der Mensch nicht fromm bei einer Gesundheit, so mißbrauchet er diese edle Gabe auf das entsetzlichste zur Ausübung vieler Sünden, Schanden und Bosheiten. O, wie heilsam wäre es manchem Menschen, wenn er lahm, stumm und blind, oder mit Schmerzen behaftet wäre, damit er mit seinen Füßen, mit der Zunge, mit den Augen und mit seinem Leib nicht so viele Sünden ausübete; daher auch auf solchen Mißbrauch der gesunden Leibesglieder dereinst eine schwere Verantwortung "und Strafe folgen wird. Ein wahrer Christ erkennet die edle Wohltat der Gesundheit, und zwar 1) wenn er seine gesunden Glieder ansiehet, so danket er Gott dafür. 2) Er wendet seine Gesundheit an, Gott zu dienen, das Gotteshaus andächtig zu besuchen, und in seinem Christentum zuzunehmen; 3) seinem Nächsten Dienste zu erweisen; 4) einen Beruf treulich und aufrichtig zu vollbringen. 5) Er erkennet, daß die Gesundheit kein ewig und beständig Gut sei, sondern daß auf einen Wink des lieben Gottes sich Schmerzen, Krankheit, Lahmheit der Glieder und ein Der gläubige Christ danket Gott für seine Gesundheit. 211 ungesunder Leib einfinden könne; 6) er mißbrauchet derhalben in gesunden Tagen seine Gesundheit nicht zu Muthwillen, Verwegenheit und Bosheit, damit, wenn die Krankheiten und Schmerzenstage kommen, das Gewissen nicht sage: Das ist eine Strafe Gottes wegen des Mißbrauchs deiner Gesundheit; wie denn also Gott manchem gesunden, aber unbändigen Menschen Zaum und Gebiß durch Zuschickung eines ungesunden Leibes muß anlegen, damit er aufhöre zu sündigen. 7) Ein frommer Christ betet auch fleißig in gesunden Tagen, weil er nicht weiß, ob er in der Krankheit dazu Kraft haben werde, und so wird die Gesundheit heilsamlich angewendet. Gebet. O du gnädiger und barmherziger Gott, wie groß ist deine Liebe und Güte, die du an mir erweitert, indem du mich nicht allein in deinem Schutz und in deiner Gnade erhältst, sondern auch ein Jahr nach dem andern in guter Gesundheit vollenden und wieder anfangen lässest! Nun, mein Gott, ich erkenne, daß dieses eine der guten Gaben ist, welche von dir, o Vater des Lichts, von oben herab kommen. HErr, HErr, wer bin ich, daß du mir solche Barmherzigkeit widerfahren lässest! Sehe ich doch täglich vor meinen Augen Menschen, die kränklich, elend und schwach sind! Höre ich doch viele klagen, daß sie in großen Schmerzen und langwieriger Krankheit auf dem Krankenbette ihr Leben hinbringen müssen, welche vielleicht viel gottesfürchtiger und 212 Der gläubige Christ danket Gott für seine Gesundheit. frömmer sind als ich, und viel andächtiger beten als ich; mir aber gibst du gute Gesundheit, Kraft und Stärke. Ach HErr, ich bin allzugering deiner Barmherzigkeit, die du bisher an mir getan hat und noch thut. Bewahre mich, o lieber Gott, daß ich diese edle Gabe der Gesundheit nicht mißbrauche zur Üppigkeit, Wollust, Hoffart und Frechheit, sondern gib mir wohl zu erkennen, daß du mich dadurch willst aufmuntem zur Dankbarkeit und Frömmigkeit. Hilf, daß ich inskünftige und Zeit meines Lebens meine Gesundheit anwende zu deinem Lob und deiner Ehre, zu Nutz meines Nächsten und zur Vollbringung der Geschäfte meines Berufs. Erhalte mir nach deinem heiligen Rat und Willen meine Gesundheit und geraden Glieder, damit ich ungehindert und eifrig dein Haus besuchen und in deinem Tempel Lob- und Danklieder anstimmen könne. Gib mir deinen Heiligen Geist, daß ich meine gesunden Glieder heilige zu deinem Dienst, und meinen gesunden Verstand zum Wachstum in deiner Erkenntnis. O mein Gott, gib mir Kraft und Stärke, an dem inwendigen Menschen zuzunehmen, daß ich gesund sei im Glauben, brünstig im Geist, geduldig in Trübsal, andächtig im Gebet, aufrichtig in der Liebe gegen dich und den Nächsten, christlich im Leben, Der gläubige Christ danket Gott für seine Gesundheit. 213 fröh-lich in der Hoffnung und getrost im Tode. Ach, heilige mich; segne mich; dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. O Gott, du frommer Gott, Du Brunnquell guter Gaben, Ohn den nichts ist, was ist, Von dem wir alles haben: Gesunden Leib gib mir Und daß in solchem Leib Ein unverletzte Seel. Und rein Gewissen bleib. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1 . Geht dir's wohl nach deinem Leiden. Und hast Glück auf dieser Erd, So ist dieses wohl zu meiden, Daß dein Herz nicht trotzig werd; Denk in deinem Glück und Prangen, Wie dir's ehmals ist ergangen; Denk in Glück und Herrlichkeit. Auch an die vergangne Zeit. 2. Bist du nun gesund und stehet, Denk auch an das Krankenbett; Wenn du fröhlich einhergehet, Denk auch an die Lagerstätt; Bist du wiederum genesen, Denke, daß du krank gewesen; Denk in Glück und Herrlichkeit. Auch an die vergangne Zeit. - 3. Blüht dir Freud und lauter Glücke, Stehet's um dich wohl jetzund, Denk bisweilen auch zurücke, Wie es doch vor diesem stund, Wie es schlecht um dich aussahe, Wie das Elend dir war nahe; Denk in Glück und Herrlichkeit. Auch an die vergangne Zeit. 4. Bist du reich und groß an Schätzen, Denke dabei immerdar, Um in Gott dich zu ergötzen, Daß es vor dem nicht so war; Selig, wer die Demut liebet. Wenn ihm Gott viel Güter gibet; Denk in Glück und Herrlichkeit Auch an die vergangne Zeit. 5. Von den hohen Ehrenauen, Darauf dir's nach Wunsche geht, Sollst du in die Tiefe schauen, Und wenn da ein Armer steht, Denk: so bin ich auch gestanden. In dergleichen Trübsalsbanden; Denkin Glück und Herrlichkeit. Auch an die vergangne Zeit. 214 Der gläubige Christ bittet, 6. Diese seligen Gedanken Halten dich zu aller Zeit In den wahren Demutschranken, Führen dich zur Frömmigkeit, Daß du nimmer dich erhebest, Vielmehr Gott die Ehre gebet. Bleib in deinen Augen klein, So wird Gott dir gnädig sein. Der gläubige Christ bittet, Gott wolle sein Herz heiligen. Aufmunterung. Jaget nach dem Frieden gegen jedermann, und der Heiligung, ohne welche wird niemand den HErrn sehen. Hebr. 12, 14. Wenn sich ein gläubiger Christ in einem natürlichen Verderben ansiehet, so erinnert er sich, 1) daß er sich selbst nicht heiligen kann, sondern daß das ein Werk Gottes ist; 2) derohalben braucht er die von Gott zur Heiligung verordneten Mittel. Er gedenket an seine heilige Taufe, darin der Heilige Geist über ihn ausgegossen worden und in seinem Herzen Wohnung genommen hat, und forschet fleißig nach, ob er diesen guten Geist in den späteren Jahren nicht durch mutwillige Sünden wiederum vertrieben habe. Er weiß, daß das heilige Abendmahl eine Speise der Heiligung ist; darum trachtet er, wenn er dasselbe empfähet, daß dadurch Seele und Leib und alle seine Glieder mögen geheiliget werden. Gottes Wort höret er andächtig und behält das Gehörte in seinem Herzen, damit er in der Heiligung zunehmen möge. 3) Denn es soll die Heiligung geschehen sowohl an der Seele, als an dem Leibe, durch Gottes Kraft und des Heiligen Geistes Wirkung. Ist die Seele geheiliget, so muß das ganze Leben in der wahren Heiligung geführet, so müssen alle Gedanken, Worte und Werke nach derselben gebildet werden. 4) Diese Heiligung soll in Zeiten geschehen, nicht erst in dem Alter oder auf dem Todbette, sondern dieweil man noch beten und die Gott wolle sein Herz heiligen. 215 Mit-tel der Heiligung mit gutem Verstand gebrauchen kann. 5) Solche Heiligung soll man hernach beweisen zu allen Zeiten, bei allen Gelegenheiten, auch wenn man ohngefahr bei Weltkindem sich befindet; da sollen wir in Geberden, Worten und Werken zeigen, daß wir ein geheiligtes Herz haben, und daß der Heilige Geist unsem Mund und das ganze Leben regiere. Solche geheiligte Seelen werden auch dereinst zur Wohnung der Heiligen im Lichte gelangen. Gebet. O du Heiliger Geist, ich erschrecke allezeit, wenn in meinen Ohren deine Stimme erklinget: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig; und wiederum: Ohne die Heiligung wird niemand den HErm schauen. Wenn ich dieses erwäge und dagegen halte mein unheiliges Herz, meine unheiligen Gedanken, unheiligen Worte, unheiligen Werke, so geräte ich oftmals in große Angst, und ich schäme mich meines vorigen unartigen und unheiligen Lebens, da ich leider! nach dem Trieb meines Herzens und nach der Gewohnheit der Weltmenschen mit gesündiget, und mit unheiligen Worten und Werken dich beleidiget habe. Ach, soll niemand dein Antlitz schauen ohne die Heiligung, o, wie wenige werden dann selig werden, o, wie viele werden verdammt werden! Denn hilf, HErr, die Heiligen haben abgenommen. O darum, du heiliger Gott, gib mir alles wohl zu erkennen, damit ich mich möge 216 Der gläubige Christ bittet, mit rechtem Emst der wahren Heiligung inwendig und auswendig befleißigen. O JEsu, heilige mich durch deine Gerechtigkeit, durch dein Verdienst und Blut; ach, schenke mir von Natur Unheiligem deine Heiligkeit, auf daß ich darin, als in meinem schönsten Schmuck, vor deinem himmlischen Vater erscheinen und bestehen könne! Heilige mein Leben durch dein heiliges Wort. Heilige mein Herz, daß es immer mit guten Gedanken möge umgehen. Heilige meinen Mund, daß er nichts Unanständiges, Unchristliches und Böses möge reden. Heilige meinen Willen, damit ich das allein wolle und vollbringe, was dir gefällig ist. O heiliger Gott, ziehe mich ab von der Welt, vereinige mich mit dir, damit ich in mir durch deinen Heiligen Geist das Zeugnis habe, daß ich als ein Kind Gottes neu geboren sei und in der Gnade stehe. Laß aber auch diese Heiligung wahrhaftig sein, damit ich nicht etwa nur äußerlich heilig sei und der Heiligung mich befleißige in der Kirche, bei dem heiligen Abendmahl, oder wenn ich sonst bei heiligen Handlungen bin, sondern daß ich auch möge wahrhaft heilig sein und mich der Heiligung bestreben an allen Orten, zu allen Zeiten, bei allen Gelegenheiten, auch wenn ich gar unter Weltkindern und in ihrer Gesellschaft leben muß, daß ich dann Gott wolle sein Herz heiligen. 217 als ein Kind Gottes möge reden, leben und tun, und in solchem seligen Stande bleiben bis in den Tod, da du mich wirst bringen zu der Schaar der Heiligen und Auserwählten in dem ewigen Freudenlicht. Du bist heilig, laß mich werden Rein und heilig immer mehr; Tödt die Glieder, die auf Erden Widerstreben deiner Ehr; Laß mich in dem neuen Leben. Wachsen und stets dahin streben, Daß die Seel mit Gottes Bild. Auf das neue werd erfüllt. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Soll ohne Heiligung Den HErren niemand schauen Und ausgeschlossen sein. Von jenen „Himmelsauen, So tracht ich nun mit Fleiß In dieser Gnadenzeit, Daß ich gelangen mög Zur wahren Heiligkeit. 2. Doch mich zu heiligen, Erfordert hohe Kräfte, Das kommet Gott nur zu, Denn das ist ein Geschäfte; Drum bringe mich, o Gott, Zur wahren Heiligung, Ach, wirke du in mir Des Herzens Änderung. 3. Ach, heilige mein Herz, Gib heilige Gedanken, Daß meine Tritte nie Von deinen Wegen wanken. Ach, lasse Herz und Geist Beständig heilig sein, Mach es von schnöder Lust, Von Siind und Bosheit rein. 4. Ach, heilige mich ganz, Die Glieder, Mund und Hände, Daß ich sie nur allein. Zu deinem Dienstanwende; Herz, Glieder, Mund und Händ Sind ja dein Eigentum, Drum brauch ich sie allein. Zu deines Namens Ruhm. 5. Ach, mein Gott, heilge mich, Ja, heilge Seel und Leben, Als welche ich hiermit Dir will zu eigen geben; Hilf, daß ich also leb Und tue wie ein Christ, In welchem JEsus lebt. Und der in Gnaden ist. 2 1 8 Der gläubige Christ bittet, 6. In solcher Heiligung Laß mich dereinst auch sterben, Laß mich durch Christi Blut. Das Freudenreich ererben. Mit allen Heiligen; Da werd ich ewig rein. Im schönsten Priesterschmuck. Von dir gezieret sein. Der gläubige Christ bittet, Gott wolle ihn regieren und leiten. Aufmunterung. Weise mir, HErr, deinen Weg, daß ich wandele in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Ps. 86, 11. Es ist dieses Leben nichts anderes als ein Weg; wenn wir geboren werden, so treten wir ihn an, und wenn wir sterben, so höret mit dem Leben der Weg auf, und wir treten in die Ewigkeit. Hier gilt es, was wir für einen Weg in diesem Leben gehen. Gehen wir einen guten Weg, den Weg des Glaubens, der Frömmigkeit und Gottesfurcht, so endiget sich derselbe in des Himmels Herrlichkeit. Gehen wir aber den breiten Weg, den Weg des Unglaubens, der Bosheit, der Gottlosigkeit, so endiget er sich bei der Hölle, in der ewigen Verdammniß. Wenn das ein Christ erwäget, so soll er sich 1) vorstellen, wie er in diesem Leben zwei Wege vor sich habe, den schmalen Himmelsweg und den breiten Höllenweg; aber er soll mit allem Fleiß auf dem Himmelsweg einhergehen. 2) Damit er aber darauf treten und bleiben möge, so soll er fleißig Gott um seine Regierung und Führung anflehen, daß er ihn leiten und regieren wolle. 3) Bittet er Gott um ein heiliges Leiten und Regieren, so muß er nicht neben oder um sich sehen, wie andere Weltmenschen leben, und was sie für Wege gehen; denn wenn er denen will nachgehen und folgen, so höret Gottes Geist auf, ihn zu leiten, ja, er weichet gar von ihm. 4) Wie nun ein Wandersmann einen Geleitsmann vonnöthen hat, Gott wolle ihn regieren und leiten. 219 der ihm den rechten Weg zeige, also bedarf auch ein gläubiger Christ, daß ihm Gottes Geist den rechten Weg zeige, den er wandeln soll. Hierzu aber gehöret die Einwohnung des Heiligen Geistes im Herzen, daß es von ihm heiße: Wiffet ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid, und der Geist Gottes in euch wohnet? 1 Cor. 3, 16. Hat man diesen treuen Geleitsmann in sich und bei sich, so wird er auch die Gedanken, die Zunge, die Sinne und Begierden regieren. 5) Dieser heiligen Regierung widerjetzet sich der gläubige Christ nicht, er widerstrebet auch dem Heiligen Geist nicht, sondern lässet sich führen, ermuntern und leiten, und ist versichert, daß er wird wohl geführet werden, hier zeitlich und dort ewiglich. Oselige Führung! Wohl dem, der Gott zum Führer hat! HErr, du erforschest mich und kennest mich; du verstehet alle meine Wege. Ach, du siehest und weißt auch wohl, mein lieber Gott, wie ich ein herzlich Verlangen habe, auf deinen Wegen zu gehen, und also zu wandeln, wie du es deinen Kindern befohlen, und wovon JEsus uns ein Vorbild gelassen hat. Allein ich muß leider erfahren, wie mich bald hier, bald dort eine Verführung von dem guten Wege und Vorhaben abgeführet. Bald verführet mich mein eigenes Herz durch böses Gelüsten, bald reizet mich die Welt mit ihrem bösen Exempel; ich mag folgen, wem ich will, so erzürne ich dich, meinen Gott und HErrn, ich verletze mein Gewissen, und je näher ich zur Welt komme, je weiter entferne ich 220 Der gläubige Christ bittet, mich von dir. O, dämm bitte ich dich, ach, leite und führe mich nach deinem Rat. Du hast ja gesagt: Ich will dich mit meinen Augen leiten; HErr, hier bin ich, dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Siehe, ich übergebe mich dir ganz und gar, mein Gott, der du hast dein Volk trockenen Fußes durch das rothe Meer und unverletzt durch die Wüste in das gelobte Land geführet. Ach, führe mich durch die Gefahren dieses Lebens, durch die Wüsten und Verführungen dieser Welt mit einem guten und unverletzten Gewissen in das ewige Leben. Ich ergebe dir Herz, Mund, Glieder und mein ganzes Leben. Regiere mein Herz und erfülle es allezeit mit heiligen Gedanken. Regiere meine Glieder, daß ich mit meinen Händen nicht möge nach verbotenen Dingen greifen, und daß meine Füße nicht mögen auf Sünden- und Höllenwegen gehen. Regiere meinen Mund und meine Zunge, daß sie weder Flüche, noch schandbare, unchristliche und unanständige Worte Vorbringen. Regiere mein ganzes Leben, daß ich möge von nun an nimmermehr mutwillig wider dich sündigen, damit ich ein rechter und frommer Christ heißen und auch sein möge. Ach, laß nicht von mir, wenn ich dir aus Schwachheit widerstrebe, und überlaß mich nicht meinem eigenen Willen oder meiner Führung; Gott wolle ihn regieren und leiten. 22 1 denn wenn ich mich führe, so werde ich verführt. Gib mir eine heilige Behutsamkeit in allem meimem Thun, und schreibe deine heilige Furcht in mein Herz, daß ich mich nach dir, nach deinem Wort und meines JEsu Exempel allein richten möge. Ja, leite mich nach deinen Augen, Und rieht mein ganzes Leben Allzeit nach deinem Sinn; Und wenn ich es soll geben. Ins Todes Rachen hin, Wenn's hier mit mir wird aus, So laß mich fröhlich sterben. Und nach dem Tod ererben. Des ewgen Lebens Haus. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Vater, gib mir auch die Gabe, Die du alle bitten heißt; O, wie wohl, wenn ich sie habe! Gib mir deinen guten Geist. Vater, ich hab groß Verlangen, Diese Gabe zu empfangen; Ach, erhöre meine Bitt, Teile deinen Geist mir mit. 2. Es soll dieser Geist mich lehren, Weil ich leb hier in der Zeit, Wie ich mich recht soll bekehren. Und wie ich in Frömmigkeit. Soll beständig einhergehen, Wie ich soll im Glauben stehen, Welcher da lebendig ist. Und sich gründ’t auf JEsum Christ. 3. Es soll dieser Geist mich führen. Allezeit auf ebner Bahn. Und mein Herze kräftig rühren, Wenn ich Böses hab getan. Er soll leiten meine Sinnen, Werke, Worte und Beginnen. Ich will gern in jeder Sach Folgen diejem Führer nach. 4. Es soll dieser Geist mich trösten. In dem Kreuz und Traurigkeit; Wenn die Noth am allergrößten, So darf ich zu keiner Zeit, In den Angst- und Trauertagen Und im Leidensturm verzagen, Weil der Geist mir Zeugnis gibt, Daß mein Gott mich dennoch liebt. 222 Der gläubige Christ bittet 5. Und dieweil ich muß empfinden. Oft zwiefachen Widerstand, Den ich kaum kann überwinden, So woll deine Vaterhand. Mir den Geist auch zwiefach geben, Daß ich, weil ich werde leben, Möge stark im Glauben sein. Und von Missetaten rein. 6. Werther Geist vom Himmelsthrone, Gleicher Gott von Ewigkeit. Mit dem Vater und dem Sohne, Komm zu mir, ich bin bereit; Meine Seele, Geist und Leben. Will ich dir zur Wohnung geben, Komm, ach, komm und nimm es ein, Laß es deinen Tempel sein. 7. Ach, bewahre mich vor Sünden, Ach, laß meine Zuversicht. Sich auf JEsum Christum gründen, Werther Geist, verlaß mich nicht! Ach, durch deine Liebestriebe Stärke mich in Glaub und Liebe, Führe mich durch diese Zeit. In die frohe Seligkeit. Der gläubige Christ bittet, daß die wahre Liebe zu Gott in seinem Herzen möge angezündet werden. Aufmunterung. Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott, und Gott in ihm. Lasset uns ihn lieben; denn er hat uns erst geliebet. 1 Joh. 4, 16. 19. Gott ist die Liebe, und weil Gott die Liebe ist, so will er auch, daß alle seine Kinder und Gläubigen in der wahren Liebe stehen sollen. Die Liebe ist ein Band, welches Gott und unser Herz, aber auch uns und unsers Nächsten Herz mit einander verbinden soll. Ein gläubiger Christ bittet demnach 1) Gott, daß er sein Herz mit seiner heiligen Liebe erfüllen wolle; denn auch diese Gabe gehöret unter die guten Gaben, die von oben herab kommen. 2) Er muß auch die Mittel nicht verachten, wodurch Gottes Liebe in ihm kann angefangen und vermehrt werden, nämlich die andächtige Anhörung und Betrachtung des Wortes Gottes und den würdigen Gebrauch des um die wahre Liebe zu Gott. 223 hei-ligen Abendmahls. 3) Stehet er in der Liebe Gottes, so muß er solche auch beweisen in einem heiligen, christlichen Wandel, in anständigen Reden, in Gott wohlgefälligen Werken; denn die Liebe ist gleich einem Feuer, welches Flammen und Rauch nicht kann verbergen. 4) Er muß sich aber wohl vorsehen, daß er nicht wie Demas die Welt wieder lieb gewinne; denn wer die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters; derohalben muß er aus Liebe zu Gott Welt und Weltfreundschaft und -Gesellschaft meiden, weil sie ihn von der Liebe Gottes abführen. 5) In solcher Liebe soll er auch verharren bis in den Tod und also in der Liebe Gottes sterben. 6) Diese Liebe Gottes soll mit den zunehmenden Jahren sich immer vermehren. Man soll sich schämen, wenn man zwanzig, dreißig, ja, vierzig Jahre der Lust und Liebe der Welt hingebracht, aber darüber die Liebe Gottes vergessen hat, welches ein Christ, wenn ihm Gott die Augen aufgetan, mit desto mehr inbrünstiger, heftiger und beständiger Liebe ersetzen und in solcher Liebe beharren soll bis in den Tod. Gebet. O du liebreicher, gnädiger Gott, du bist allein liebenswürdig; dich, dich sollte ich billig allein von ganzem Herzen, von ganzer Seele und aus allen Kräften lieben. Ach, ich klage und bekenne vor dir mit größter Betrübnis meiner Seele, wie die Liebe zu dir, meinem treuen Schöpfer und liebreichen Vater, zu JEsu, meinem Erlöser und Seligmacher, und zu dem Heiligen Geist, meinem Lehrer und Führer, nicht allein durch die Erbsünde in mir erloschen, sondern wie ich auch deiner rufenden und wirkenden 224 Der gläubige Christ bittet Gnade und dem Trieb des Heiligen Geistes nicht allezeit Platz gegeben, damit wiederum eine wahre Liebe zu dir in meinem Herzen angezündet würde. Ich bitte dich, ändere doch mein Herz, reiße aus demselben alle Welt- und Sündenliebe, und laß in meinen Ohren erklingen die Worte: Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist; denn so jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Vertilge aus mir alle Liebe zur Fleischeslust, Augenlust und hoffärtigem Leben, dazu ich leider von Natur gar geneigt bin, und zünde durch deinen Heiligen Geist in mir an eine reine, wahre Liebe zu dir, daß ich dich, als das höchste Gut, um dein selbst willen allein lieben und alle Eitelkeiten fliehen möge. Denn, will ich ein Kind Gottes sein, so muß die Sünden-, Welt- und Eigenliebe zum Herzen hinaus, und du mußt über alles allein geliebet werden. Damm komme ich, mein Gott, zu dir und bitte dich, ach, gib mir deinen Heiligen Geist, der diese edle, nothwendige und christliche Tugend in mein Herz pflanzen möge; in dessen Kraft will ich dich, meinen Gott, von Herzen und beständig lieben; meine Seele soll an dich denken, mein Mund soll von dir reden, du sollst mir lieber sein, als alle Welt und Weltfreude, als alles Glück und alle Herrlichkeit, ja, um die wahre Liebe zu Gott. 225 als alle Menschen. Aus Liebe zu dir will ich aufhören, wissentlich zu sündigen, aus Liebe zu dir will ich mich aller sündlichen Personen und Gesellschaften entschlagen, aus Liebe zu dir will ich anfangen, recht fromm zu werden, und allein nach deinem Wort und Willen mein Leben einrichten; dich will ich ehren und fürchten, dir will ich dienen, folgen und gehorchen. Ach, du liebreicher Gott, entzünde diese Liebe in meinem Herzen je mehr und mehr, daß ich dich nicht nur einige Tage, Wochen und Jahre lieben, sondern daß meine Liebe zu dir immer zunehmen und bis an mein seliges Ende dauern möge. Gib mir Muth, wenn ich um deiner Liebe willen etwas leiden soll, und stärke mich als dann durch deinen mächtigen Beistand. Also laß mich in Liebe mit dir vereiniget sein in Zeit und Ewigkeit. Ich liebe dich, o lieber Gott! Ja, dich um deinetwillen; Nichts in der Welt, nicht Lust, nicht Spott, Soll meine Liebe stillen; Und sollt kein Höll und Himmel sein, Das mich zur Liebe triebe, So wärest du mir gnug allein, Warum ich dich nur liebe. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Ach, daß sich doch Gottes Liebe Tief ergöffe in mein Herz! Ach, daß sie doch immer triebe. Meine Seele himmelwärts! Ach, daß doch all mein Beginnen, Ach, daß alle meine Sinnen, Herz und Seele insgesammt, Wärm durch Gottes Lieb entflammt! 226 Der gläubige Christ bittet 2. Ach, daß diese Liebe riffe Aus mir alle Lieb der Welt! Ach, daß ich mich stets beflisse, Das zu tun, was Gott gefällt, Und aus Lieb ihn nicht betrübte, Nie, was ihm mißfällt, ausübte, Daß die Welt mir bitter wär Und Gott süßer mehr und mehr. 3. 0 du Liebe, so ergieße Dich in mein Herz tief hinein, Daß ich dadurch ganz zerfließe. Und dein eigen möge sein, Daß ich in der Liebe stehe. Wo ich sitze, schlaf und gehe, Dir zu Liebe alles thu Und aus Liebe in dir ruh. 4. Laß mich in der Lieb auch sterben, Wenn ich gehe aus der Zeit, Führe mich als deinen Erben. In die frohe Ewigkeit; Diese Lieb laß mich genießen, Bis ich werd die Augen schließen. Und gehn zu den Freuden ein, Wo wird lauter Liebe sein. Der gläubige Christ bittet, Gott wolle die Liebe zu dem Nächsten in sein Herz pflanzen. Aufmunterung. So jemand spricht: Ich liebe Gott, und haffet einen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer einen Bruder nicht liebet, den er flehet, wie kann er Gott lieben, den er nicht siehet? Und dies Gebot haben wir von ihm, daß wer Gott liebet, daß der auch seinen Bruder liebe. 1. Joh. 4, 20. 21. Ein neu Gebot gebe ich euch, daß ihr euch unter einander liebet; dabei wird jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe unter einander habt. Also beschreibet Christus das Kennzeichen einer wahren Jünger und Jüngerinnen, Joh. 13, 34, nämlich daß man sie daran erkennen sollte, wenn sie würden ihren Nächsten lieben. Es soll niemand meinen, daß er in der Liebe Gottes stehen könne, wenn er schon seinen Nächsten haffet, o nein! Es ist aber unser Nächster 1) unser Freund, Wohltäter und Verwandter; wenn man nun solche liebet, so ist das zwar unsere Schuldigkeit, es ist aber noch keine ausnehmende Christentugend, denn die ungläubigen um wahre Liebe des Nächsten. 227 Heiden lieben auch ihre Freunde, Gutthäter und Anverwandten, die ihnen nichts zuwider tun. Es ist unser Nächster 2) auch unser Nachbar, Mitbürger und Fremder, auch der uns neidet, vervorteilet und haffet. Bei der letzten Art der Nächsten soll man die Liebe am meisten blicken lassen, und zwar so, 1) daß man ihnen nicht allein nichts Böses wünsche, die nicht schmähe, ihnen nicht Böses mit Bösem vergelte, sondern vielmehr alles Gute gönne, Liebe und Freundschaft erweise, und sie liebe als sich selbst. 2) Gegen die Feinde soll man Bitterkeit, Unversöhnlichkeit, Haß und Bosheit aus dem Herzen verbannen, dagegen mit Worten und Werken beweisen, daß man ohne Groll und Haß ein liebreiches Herz zu ihnen trage, und tue in der Tat und Wahrheit, was Christus sagt: Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch haffen, bittet für die, die euch beleidigen und verfolgen, auf daß ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Matth. 5,44. 45. Gebet. Ach, du liebreicher Gott, der du uns herzlich liebest und aus solcher Liebe uns an Leib und Seele viel Gutes thut, aber uns auch anbefohlen hast, daß wir unsem Nächten mit gleicher Liebe umfassen sollen; ach, ich klage dir, wie mein Herz zu solcher aufrichtigen und wahren Liebe gegen meinen Nächten sogar untüchtig ist. Ich sollte meinen Nächten nach deinem Gebot lieben als mich selbst; ich sollte, wenn du ihm Glück, Gesundheit, Wohlergehen gibt, mich freuen, als ob es mir selbst widerfahren wäre; ich sollte meinen Feind, der mich haffet, schmähet, verfolget, 228 Der gläubige Christ bittet drücket, herzlich lieben, für ihn beten, ihm Gutes wünschen, ja, ihm viel Segen, Gedeihen und Glückseligkeit an Leib und Seele von dir erbitten. Aber du allwissender Gott siehet und weißt, wie mein Herz von diesen Pflichten entfernet ist, wie ich leider, wenn du meinem Nächsten wohlthust, ihm Glück, Ehre und Wohltaten darreicht, mir aber nicht, darüber scheel sehe, daß du so gütig gegen ihn bist. Du siehest, o allwissender Gott, wie das Beten für meine Feinde so träge und gering ist, daß ich sie in meinem Gebet entweder vergesse, oder, so ich ja ihrer gedenke, weil dein Geist mich oft an diese Schuldigkeit erinnert, daß es doch leider mit wenigen Worten geschiehet. Ach, mein Gott und Vater, ich erkenne daraus das Elend und Verderben, darin ich noch stecke, und wie ich noch nicht in solchem Stande der wahren Jünger und Jüngerinnen JEsu bin, in welchem ich billig sein sollte, als welche man daran erkennet, daß die Liebe unter einander haben, nicht allein gegen gute Freunde und Wohltäter, sondern auch gegen Neider, gegen Feinde und Verfolger. Darum bitte ich dich, ach, ändere doch mein rachgieriges und deinem heiligen Willen widerspenstiges Herz, daß ich durch deine Gnade meinen Nächsten so herzlich und aufrichtig lieben möge, als mich selbst. um wahre Liebe des Nächsten. 229 Verleihe mir Kraft und Stärke, daß ich meinem Nächten gern mit Freuden das gönne, was du ihm gibt, und nicht deswegen betrübt drein sehe, wenn du mich dieses Mal nicht mit gleicher Wohltat erfreuest. Behüte mich vor aller Falschheit gegen ihn, daß ich mich nicht etwa freundlich stelle mit Worten, und im Fierzen doch ihm feind sei, wie Judas ihn küsse, und doch verrathe, sondern daß ich es aufrichtig mit ihm meine. Und so ich ja muß der Feinde Verfolgung, Schmähung und Unrecht erfahren, so gib mir Kraft, daß ich es mit Sanftmut überwinde, nicht Böses mit Bösem oder Scheltworte mit Scheltworten vergelte, sondern dagegen ihnen Segen und alles Gute anwünsche. HErr, mein Gott, du siehest, wie dem Fleisch und Blut diese Pflicht so schwer ankommt, aber durch deine Gnade und unter deinem Beistand wird es mir möglich werden. Gib, daß ich allezeit deine vollkommene Liebe, o himmlischer Vater, ansehe, da du uns Menschen, als wir noch deine Feinde waren, geliebet hat. Gib, daß ich mir immer vorstelle die Liebe meines JEsu, der für seine Feinde gebetet und ihnen Gutes getan hat. Schreibe mir in mein Herz die erbarmende Liebe des Heiligen Geistes, welcher nicht müde wird, an meinem widerspenstigen Herzen zu arbeiten und anzuklopfen, damit ich da 230 Der gläubige Christ bittet um wahre Liebe des Nächsten. durch zu einer wahren Liebe gegen meinen Nächsten bewogen werde, und also das Zeugnis erlange, ich sei ein wahrer Jünger JEsu. Laß mich an andern üben. Was du an mir getan, Und meinen Nächsten lieben, Gern dienen jedermann Ohn Eigennutz und Heuchelschein. Und, wie du mir erwiesen, Aus reiner Lieb allein. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ist denn die Liebe gar Aus dieser Welt verschwunden. Da wenig Liebe mehr Bei Christen wird gefunden? Die Liebe sollte ja Bei Christi Jüngern ein, Warum ist Falschheitstück. Bei ihnen so gemein? 2. Ach, in der letzten Zeit. Wird Liebe sehr erkalten Und gar geringe sein. Bei Jungen und bei Alten. Ist diese Zeit schon da, So machet euch bereit. Zum lieben jüngsten Tag. Und zu der Ewigkeit. 3. Wo findet man jetzt Lieb, Wo sind die Liebesproben? Die Liebeswerke sind. Fast gänzlich aufgehoben; Wo ist Aufrichtigkeit? Wo ist die Liebestreu? Regiert die Falschheit nicht. Und lauter Heuchelei? 4. O falsche, böse Welt! Gott kennet deine Stücke, Du bist voll Haß und List, Voll Bosheit und voll Tücke; Du hast die Liebe nicht. Und doch der Liebe Schein, Und dieser falsche Schein Soll wahre Liebe sein. 5. Mein Gott, verleih mir Gnad, Daß ich in Lieb umfassen. Und Gutes gönnen mag, Die mich aus Feindschaft haffen; Ach, mache selbst mein Herz Von aller Bosheit rein, Daß ich auch in der Lieb Mög Christi Jünger sein. 6. Laß deine Lieb zu mir. Vor meinen Augen stehen Und laß mich ihrer Spur. Mit allem Fleiß nachgehen, Ja, daß ich mich betracht. Und selbst an mir nehm ab, Wie es in jedem Fall Mein Nächster gerne hab. Der gläubige Christ erkennet, daß Gott allein das höchste Gut sei. 231 7. Laß deinen guten Geist, Den Geist der Treu und Liebe, ln meinem Herzen sein, Damit ich Lieb ausübe; Gib mir ein redlich Herz, Das ohne Falschheit sei, Voll Liebe, ohne List. Und ohn. Betrügerei. 8. So leb ich als dein Kind. Und werd dahin ge langen, Wo alle Gläubige. In Liebe sich umfangen, Wo Liebe immer blüht In der Vollkommenheit. Und nie auf hören wird. In alle Ewigkeit. Der gläubige Christ erkennet, daß Gott allein das höchste Gut sei. Aufmunterung. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Theil. Pj. 73, 25. 26. Das höchste Gut zu haben und zu besitzen, ist der Menschen Verlangen zu allen Zeiten gewesen; allein darin haben die meisten gefehlet, daß sie nicht gewußt, welches das allerhöchste und allerbeste Gut sei. Das allerhöchste Gut muß beständig und vollkommen sein und muß uns im Leiden und Tode, in Glück und Un glück aufrichten und trösten können. Nach dieser Be Schreibung ist das allerhöchste Gut 1) nicht Reichthum, welchen viele für ihr höchstes Gut gehalten haben und noch halten; denn der verläßt uns im Tode und kann als dann keine Erquickung geben. 2) Ehre und Glück Seligkeit ist auch das höchste Gut nicht; denn wie oft fällt der Geehrte in Verachtung und Schande, und wie oft wird die Glückseligkeit in Jammer und Elend verwan delt! 3) Weisheit und Geschicklichkeit haben zwar den Vorzug vor andern irdischen Gütern, daß man sie uns nicht rauben kann, aber sie verschwinden doch im Tode. Derohalben suchet ein gläubiger Christ sich ein wahres, 232 Der gläubige Christ erkennet, beständiges Gut, welches aber 4) allein Gott ist. Hat er Gott, so hat er alles, die größte Ehre, den größten Reichtum, die größte Weisheit, und zwar in Zeit und Ewigkeit. Gott erfreut den Menschen in glücklichen Tagen, erhält ihn in Kreuz und Trübsal, erquicket ihn im Tode, bleibet mit ihm vereiniget in Ewigkeit. Zu diesem Gut können die Menschen dadurch gelangen, daß sie Gottes Wort hören und lesen, daraus durch des Heiligen Geistes Wirkung sich als Sünder erkennen und an Christum als ihren Heiland glauben. Sodann muß man Zusehen, daß man Gott nicht wieder von sich stoße und die Weltliebe, Eitelkeit und siindliche Lust ein höchstes Gut ein lasse. Gebet. O du gnadenreicher Gott, wie bist du doch so herrlich, so schön, so vollkommen! Wer dich hat, der hat alles, der weiß alles, der kann alles, ja, der hat das allerhöchste, das beste und vortrefflichste Gut. Ach, schreibe doch diese Erkenntnis tief in mein Herz hinein, daß ich allein dich suchen und dich finden möge. Ach, bewahre mein Herz vor der Weltmenschen Torheit, welche meinen, wenn sie große Ehre in der Welt haben, oder großen Reichtum besitzen, oder großes Vergnügen und große Herrlichkeit erlangen, so hätten sie das höchste Gut; allein weit gefehlet! diese Güter verlassen die Menschen im Tode, folgen ihnen nicht nach in die Ewigkeit, trösten sie nicht in der letzten Stunde; solche Menschen treten in die Ewigkeit nackend und bloß, ja, ohne daß Gott allein das höchste Gut sei. 233 Gott. O, darum gib, daß ich das wahre Gut von dem vergänglichen wohl unterscheide. O du dreieiniger Gott, du bist allein mein höchstes, liebstes, wahres und allerbestes Gut; du willst dich mir schenken, dich mit mir vereinigen; o, so vereinige dich denn mit meiner Seele in Zeit und Ewigkeit! Sind alle irdischen Dinge den Feinden, Motten und dem Rost unterworfen, kann sie der Feind rauben, ein Unglück die zernichten, so bleibet mein Gott, als mein höchstes Gut, allezeit mein eigen; mit dem gehe ich aus, mit demselben gehe ich ein, ihn nehme ich mit mir auf die Reise, mit ihm lege ich mich zur Ruhe, ja, mit ihm komme ich dereinst auch in die frohe Ewigkeit. Darum, mein Gott, wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde; habe ich dich, so habe ich das wahre Leben, den größten Reichtum, die wahre Herrlichkeit, das allerbeste Gut. O, darum lebe in mir, wohne in mir, bleibe bei mir, so habe ich einen Helfer in Kreuz und Elend, einen Beistand in Nöten, den größten Reichtum in Armut, den allerkräftigsten Trost in Krankheit, ja, die allersüßeste Erquickung in der letzten Stunde. Wenn dann die Weltkinder ihr Gut verläßt, so verläßt mich Gott doch nicht; dieses höchste Gut behalte ich im Abscheiden aus der Welt, ja, es 234 Der gläubige Christ erkennet, daß Gott allein das höchste Gut sei. wird mir alsdann noch vollkommener, noch trefflicher, noch herrlicher, mit völligem Glanz, zu unaussprechlichem Genuß geschenket werden. Ach HErr, wenn ich nur dich hab, Dann so sag ich allem ab; Legt man mich gleich in das Grab, Ach HErr, wenn ich nur dich hab. Amen. Gesang. Mel.; Alle Menschen müssen sterben. 1 . In Gott bin ich immer fröhlich. In Gott hab ich lauter Freud, In Gott bin ich reich und selig, Gott ist selbst die Seligkeit. Darum laß die Welt vergehen, Laß die Ungewitter wehen, Bleibet nur der Höchste mein, So kann ich vergnüget sein. 2. In Gott hab ich Trost und Frieden, Denn ich bin mit ihm versöhnt, Der den Himmel mir beschieden, Ist mein JEsus, der mich krönt; Drum kann ich in Frieden sterben. Und in Fried den Himmel erben, Fried in dieser Lebenszeit, Fried in alle Ewigkeit. 3. In Gott kann ich sicher raten, Er ist meiner Seele Ruh, Zu Gott, wie zu Noahs Kasten, Eil ich wie das Täublein zu: Ruh im Leben, Ruh im Herzen, Ruh in Trübsal, Ruh in Schmerzen, Ruh in Leiden, Ruh in Noth, Ruh im Grabe, Ruh im Tod. 4. In Gott bin ich reich an Schätzen, Welche keine Zeit verstreut; Freud, Vergnügen und Ergötzen. Und des Trostes Süßigkeit. Wird mir schon von Gott gegeben, Schauet doch, in diesem Leben; Wie wird's nicht mit vollem Schein Herrlich in dem Himmel sein? 5. Drum will ich in Gott verbleiben, Er ist meiner Seele Zier, Nichts soll mich von ihm abtreiben, So bin ich vergnüget hier Und bin auch mit Gott verbunden. In den letzten Todesstunden; Mein Gott, meines Lebens Licht, Weicht von mir im Tod auch nicht. Der gläubige Christ bittet Gott um Erhaltung des Glaubens. 235 Der gläubige Christ bittet, Gott wolle den angezündeten Glauben in ihm erhalten und vermehren. Aufmunterung. So du mit deinem Munde bekennest JEsum, daß er der HErr sei, und glaubest in deinem Herzen, daß ihn Gott von den Todten auferwecket hat, so wirst du selig. Röm. 10, 9. HErr, stärke uns den Glauben. Luc. 17, 5. So unglückselig ein ungläubiger Mensch ist, so glückselig ist die Seele, die im Glauben und in der wahren Erkenntnis Gottes, JEsu Christi und ihres Heiles stehet. Denn ein Ungläubiger ist gleich einem Gemach, darin kein Licht ist, darin es finster und unangenehm ist; aber eine gläubige Seele ist gleich einem Gemach, darin es hell ist und darin ein Licht scheinet, welches Licht der Glaube ist. Diesen Glauben kann sich der Mensch nicht selbst geben, sondern Gott ist es, der ihn in uns anzündet, entweder in der heiligen Taufe, wenn der Heilige Geist wird reichlich über uns ausgegossen, oder durch das Wort Gottes, dadurch der Mensch eine Erkenntnis und Wissenschaft seines Heils erlanget, durch Gottes Kraft dem Wort Beifall gibt, es für eine göttliche Wahrheit in seinem Herzen hält, und in fester Zuversicht Gott fasset, sich JEsum Christum und sein heiliges Verdienst zueignet. Derowegen soll ein gläubiger Christ 1) Gott danken, daß er ihn zum Glauben und zur Erkenntnis JEsu Christi gebracht und dadurch vor Juden, Türken und Heiden glücklich gemacht hat. 2) Er soll sich eines Taufbundes und der darin erlangten Herrlichkeit erinnern und den mit Gott gemachten Bund nicht mutwillig übertreten. 3) Er soll Gottes Wort fleißig und mit Andacht anhören, damit er immer mehr und mehr erleuchtet werden und zu größerer Erkenntnis gelangen möge. 4) Was er höret und liefet, soll er in Übung bringen und seinen Glauben in den Werken zeigen. Dahero 5) es einem wahren Christen nicht soll 236 Der gläubige Christ bittet Gott genug sein, zu sagen: Ich glaube, sondern er soll auch die Glaubensfrüchte: Frömmigkeit, Liebe, Keuschheit, Geduld, Sanftmut und dergleichen, in einem ganzen Leben hervorleuchten lassen. Er soll auch nicht etwa nur eine Zeitlang glauben, sondern im Glauben Gott getreu verbleiben bis in den Tod. So kann er sich auch getrosten, daß er werde das Ende seines Glaubens davontragen, nämlich der Seele Seligkeit. Gebet. O du gnadenreicher Gott, welche große Barmherzigkeit ist es, daß du mich zur wahren Erkenntnis meines Heils gebracht hast! Ich erkenne den Grund meines Heils, welcher ist JEsus Christus mit seinem Verdienst, Blut und Tod. Ich erkenne die Mittel des Heils, nämlich das Wort Gottes und die heiligen Sacramente. Dieses alles weiß ich nicht nur, sondern gebe auch dem allen Beifall, ja, ich setze darauf alle meine Hoffnung und Zuversicht und weiß nun den rechten Himmelsweg; denn wer zu Gott kommen will, der muß an Christum glauben. Durch diesen Glauben und Erkenntnis bin ich unterschieden von ungläubigen Juden, Türken und Heiden. Ach du gnadenreicher Gott, verleihe mir deinen Heiligen Geist, daß er diese Erkenntnis in mir wirke. Gib, daß mein Glaube nicht ein todter, unfruchtbarer Scheinglaube, sondern ein lebendiger Glaube sei. Und weil ich JEsum um Erhaltung des Glaubens. 237 Christum als meinen Heiland kenne, so will ich ihn auch lieben, ihm gehorchen, ihn mehr lieben als die ganze Welt, ihm auch allein dienen, und nicht vollbringen, wozu mein Fleisch und Blut und die böse Welt mich anreizet; außer ihm soll mir auf Erden nichts sonst lieber werden. Erkenne ich die Mittel der Seligkeit, so will ich sie auch unter deinem Beistand zu meiner Seligkeit anwenden; dein Wort will ich andächtig hören und darnach leben; was das Wort verbietet, will ich fliehen und meiden, hingegen die Pflichten und Tugenden, die es mir anbefiehlt, in deiner Kraft durch des Heiligen Geistes Beistand zu vollbringen trachten. Das heilige Abendmahl soll mich heiligen durch und durch; ich will es oft zur Stärkung meines Glaubens und zu meiner Seligkeit, sowie als eine Speise der Heiligung, mit Andacht genießen, und will in solcher Heiligung immer fortfahren. Ach, mein Gott, vermehre in mir den Glauben, die Heiligung und den Gehorsam, daß ich alle Tage frömmer, andächtiger, gottesflirchtiger und dem Bilde meines Heilandes ähnlicher werde. Erhalte mich auch in solcher Gnade bis an mein seliges Ende, damit ich als ein wahrer und frommer Christ möge leben und als ein wahrer und frommer Christ dermaleinst selig sterben. 238 Der gläubige Christ bittet Gott um Erhaltung des Glaubens. HErr, ich glaube, hilf mir Schwachen, Laß mich ja verzagen nicht, Du, du kannst mich stärker machen, Wenn mich Sünd und Tod anficht. Deiner Güte will ich trauen, Bis ich fröhlich werde schauen Dich, HErr JEsu, nach dem Streit, ln der frohen Ewigkeit. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Ach HErr, stärke meinen Glauben, Ach, mein Glaube wird gar schwach, Satan denkt ihn mir zu rauben, Da sich häuft mein Ungemach; Weil sich keine Hülf läßt finden, So will fast mein Glaub verschwinden; Wo ist doch mein HErr und Gott? Sprech ich jetzt in meiner Noth. 2. Wo sind eine Allmachtsproben, Wo ist eine Vaterhand, Welche andre freudig loben? Bin ich ihm denn unbekannt? Weiß er nicht, wie mir es gehet? Weiß er nicht, wie's um mich stehet? Ist mein Leiden ihm zu groß. Daß er mich läßt hülfelos? 3. HErr, ich glaube, hilf mir Schwachen! Ja, ich glaube festiglich, Daß du alles wohl kannst machen, Drum so komm und stärke mich. HErr, ich glaub, daß du noch lebest. Und stets um und bei mir schwebet, Daß dein Auge auf mich sieht. Ob die Hülfe schon verzieht. 4. HErr, ich glaube, daß mich Armen JEsus auch erlöset hat, Daß er sich will mein erbarmen, Daß ich bin in deiner Gnad, Daß mein JEsus in den Leiden Nimmer werde von mir scheiden; Nur mein Herz empfind't es nicht, Weil mir Stärk und Trost gebricht. 5. Hilf, daß ich bald Stärke finde, Stärke mich doch fort und fort, Schenke deinem schwachen Kinde Neue Kraft aus deinem Wort; Lehre mich, dir fest vertrauen Und auf die Verheißung schauen, Die du in dem Wort mir gibst, Ob du schon die Hülf aufschiebt. Der gläubige Christ bittet um Demut. 239 6. Ja, laß deinen Geist mich trösten, Deinen Geist nimm nicht von mir, Wenn die Noth am allergrößten, Der mich überzeugt von dir, Daß du doch an mich gedenkest. Und mir deine Hülfe schenket. Wenn da kommt die Stund und Zeit, Die zur Hülfe ist bereit. Der gläubige Christ bittet um Demut. Aufmunterung. Haltet fest an der Demut. Denn Gott widerstehet den Hoffärtigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. So demütiget euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, daß er euch erhöhe zu seiner Zeit. 1 Petr. 5,5.6. Unter den Sünden, da wider ein gläubiger Christ zu kämpfen hat, ist auch der Stolz und Hochmut des Herzens, welcher hernach in Worten und Werken ausbricht. Stolz sind wir von Natur, nach dem Sündenfall, aber demütig müssen wir werden durch die Gnade. Wer nicht demütig wird, kann Gott nicht gefallen und auch nicht Christi Jünger sein. Wenn nun dieses ein gläubiger Christ erwäget, so bittet er Gott um ein demütiges Herz 1 ) gegen Gott. Denn es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was der HErr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten, und Liebe üben, und demütig sein vor deinem Gott. Micha 6, 8. Er wird gegen Gott aber demütig werden, wenn er bedenket Gottes Hoheit, Majestät, Herrlichkeit und Heiligkeit, wie ihn alle Engel und Seraphinen, Cherubinen und alle Auserwählte anbeten und preisen, und hingegen auch erwäget, wie er ein armer Wurm und Made, ja, nichts als ein elender und sündiger Mensch ist, den Gott in einem Augenblick verderben kann. Es wird ein gläubiger Christ demütig werden 2) gegen den Nächsten, wenn er sich gering gegen ihn achtet, und gedenket, wie ein Nächster vielleicht viel demütiger, gläubiger, frömmer, andächtiger und daher Gott angenehmer 240 Der gläubige Christ bittet um Demut. sei, als er; wie er mit ihm habe Ein Wort, Eine Taufe, Ein heilig Abendmahl, Einen Himmel, ja, daß er im Grabe, wie der ärmste Bettler, wird verfaulen und zu Asche werden. Es wird ein gläubiger Christ auch demütig werden bei sich selbst, wenn er erwäget, daß er alles, was er hat, alle Gaben, Geschicklichkeit, Segen, Leben, Glück, Wohlergehen, nicht von sich selbst, sondern allein von Gott habe, der ihm alles bald nehmen könne, daher er nicht damit prangen, sich dessen überheben, oder das Lob der Schmeichler anhören soll. Er stelle sich, damit er auf keinerlei Weise stolz werde, fleißig vor das Exempel des demütigen JEsu, der sich unter Gott und alle Creaturen erniedrigte und uns zurufet: Lernet von mir, ich bin sanftmütig und von Herzen demütig. Großer, heiliger und barmherziger Gott, der du bist der Hohe und Erhabene, vor dessen Thron Cherubinen und Seraphinen und alle Auserwählte in Demut ihr Antlitz bedecken, ich bekenne und klage dir, daß ich von Natur zu eigener Ehre und zum Hochmut, mich über alles zu erheben, geneigt bin. Es hat durch den Sündenfall der Satan mein Herz mit Hoffart, welche ein Anfang aller Sünde ist, vergiftet, daß ich oftmals vergesse, daß ich Staub, Erde und Asche bin. Ach, mein Gott, gib mir doch ein demütiges Herz, daß ich recht tief einsehen möge, wie ich von dir Leben, Segen, Odem und alles habe, damit ich mich unter deine gewaltige Hand demütigen und nicht freventlich dich mit Worten, Der gläubige Christ bittet um Demut. 241 Gedanken oder Werken beleidigen möge. Lehre mich mein Elend und deine hohe Majestät erkennen, daß ich von mir nichts habe, als Sünde, Tod und Verdammniß, was ich aber Gutes an mir finde, daß ich solches alles von deiner gnädigen Hand empfangen habe, damit ich mit nichts prange, sondern alles als dein Geschenk und deine Gabe ansehe, welches du mir bald wieder nehmen kannst, wenn ich über die Menge der Wohltaten deiner vergessen wollte. Pflanze die wahre Demut in mein Herz, daß ich dir gehorche, dich fürchten, dich ehren, dir dienen, dich anbeten und allein loben und preisen möge. Pflanze auch in mein Herz die wahre Demut gegen meinen Nächsten, daß ich ihn niemals gegen mich verachten, oder mich ihm vorziehen möge. Hilf, daß ich erwäge, wie dir die Hoffärtigen noch nie gefallen haben, aber daß du auf die demütigen Seelen dein Licht, deinen Trost, deine Gnade und Güte hast reichlich fließen lassen. Wende von mir ab hoffärtige Gedanken, gib, daß ich mich hüte vor stolzen Worten, bewahre mich vor Ehrgeiz und Ruhmredigkeit, daraus nichts als Verachtung gegen den Nächten entspringet. Drücke in mein Herz das Bild meines demütigen Heilandes, der sich unter Engel und Menschen erniedriget hat, welcher auch mir zurufet: Lerne von mir, 242 Der gläubige Christ bittet um Demut. denn ich bin von Herzen demütig, daß diese Stimme alle Augenblicke, wenn sich mein Herz erheben will, in mir erschallen möge. Ist mein Nächster gering, so behüte mich, daß ich mich nicht über ihn erhebe; ist mein Nächster hoch, reich, geehret, so laß mich dieses also ansehen, daß du ihn dazu gemacht, dazu erhoben und dazu berufen habet, und mich darüber gegen dich nicht beschweren, oder ihm deine Gaben mißgönnen, vielmehr mich darüber erfreuen möge. Ach, mein Gott, hilf, daß ich umkehre und werde wie die Kinder, die nichts von sich machen, daß ich nichts in meinen Augen werde. Gib mir deinen Heiligen Geist, daß ich der Sünde des Hochmuths täglich absterbe, mich keiner Ehre würdig achte, und von niemandem Ehre begehre, sondern alle Ehre, allen Ruhm dir allein beilege. Gib mir in wahrer Demut des Herzens zu erkennen, daß alles, was ich bin und habe, durch deine Gnade mir gehöre, daß ich mich nichts als meiner Schwachheit rühme. Lehre mich durch solche Demut in Friede und Einigkeit mit jedermann zu leben. Laß mein Herz allezeit eine Wohnung des demütigen JEsu sein, so werde ich mich niemals erheben. Stolz und Hochmut war des Satans Sünde; davor bewahre mich in Gnaden. Und so es dir ja gefallen sollte, mein Gott, mich Der gläubige Christ bittet um Demut. 243 in Spott und Verachtung fallen zu lassen, daß mich mein Feind schmähet und der Verächter mich mit Füßen tritt, so gib mir Kraft und Stärke, daß ich alles mit Demut, Gelassenheit und Geduld ertragen möge, auch dieses zu meiner Demütigung und desto großem Behutsamkeit in meinem Wandel mir dienen lasse. Ach FlErr, FIErr, verleihe mir Kraft und Stärke, durch deinen mächtigen Beistand dieses alles zu vollbringen. Selig sind, die Demut haben. Und sind immer arm im Geist, Rühmen sich ganz keiner Gaben, Daß Gott werd allein gepreist; Danken dem auch für und für, Denn das Himmelreich ist ihr; Gott wird dort zu Ehren setzen, Die sich selbst gering hie schätzen. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Demut ist die schönste Tugend, Aller Christen Ruhm und Ehr, Denn die zieret unsere Jugend. Und das Alter noch viel mehr; Pflegen sie nicht auch zu loben, Die zu großem Glück erhoben? Sie ist mehr als Gold und Geld. Und was herrlich in der Welt. 2. Siehe, JEsus war demütig, Er erhob sich Selbsten nicht, Er war freundlich, liebreich, gütig, Wie uns Gottes Wort bericht't; Ja, man fand in seinem Leben. Gar kein Prangen und Erheben; Drum spricht er zu mir und dir: Lernet Demut doch von mir. 3. Wer der Demut ist beflissen, Ist bei jedermann beliebt, Wer da nichts will sein und wissen, Der ist's, dem Gott Ehre gibt; Demut hat Gott stets gefallen, Sie gefällt auch denen allen, Die auf Gottes Wegen gehn. Und in JEsu Liebe stehn. 244 Der gläubige Christ bittet um Sanftmut. 4. Demut bringet großen Segen. Und erlanget Got,,tes Gnad, An ihr ist gar viel gelegen, Denn wer diese Tugend hat, Der ist an der Seel geschmücket. Und in seinem Thun beglücket; Er ist glücklich in der Zeit, Selig auch in Ewigkeit. 5. Diese edle Demutsgaben, So da sind des Glaubens Frucht, Wird ein jeder Christ auch haben, Welcher sie von Herzen sucht; Wo der Glaub wird angezündet. Da ist Demut auch gegründet; Glaube, Hoffnung, Demut, Lieb Kommt aus Gottes Geistes Trieb. 6. Auf die Demut folget Wonne, Gottes Gnad hier in der Zeit, Und dort bei der Freudensonne Friede, Licht und Herrlichkeit; Da wird Demut herrlich prangen. Und die Ehrenkron erlangen; Was man hier gering geacht’t, Leuchtet dort in Himmelspracht. Der gläubige Christ bittet um Sanftmut. Aufmunterung. Christus hat uns ein Vorbild gelassen, daß ihr sollt nachfolgen seinen Fußtapfen; welcher keine Sünde getan hat, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden, welcher nicht wieder schalt, da er gescholten ward, nicht dräuete, da er litt; er stellete es aber dem heim, der da recht richtet. 1 Petr. 2, 21-23. Wenn ein Mensch in seinem Christentum und in seiner Erneuerung einen guten Anfang gemacht hat, so muß er darnach trachten, daß er immer vollkommener werde. Er muß nicht nur darnach trachten, daß er sich von äußerlich groben Sünden reinige, als da sind: Verachtung des Wortes Gottes, Fluchen, Üppigkeit, Leichtfertigkeit, Ungerechtigkeit, sündliches Spielen und Weltwesen, sondern er muß bedacht sein, auch das Inwendige immerfort zu reinigen, sonderlich von Stolz, Neid, Zorn, Haß und Rachgier, und sich mit Gebet der Sanftmut befleißigen. Diese bestehet darin, daß man nicht Böses mit Bösem vergelte, nicht wieder schelte, wenn man Der gläubige Christ bittet um Sanftmut. 245 ge-scholten wird, nicht aus Haß, Zorn, Rachgier dem Nächsten drohe. 2) Ob wir sanftmütig sind und diese edle Tugend besitzen, wissen wir erst dann recht, wenn uns ein Feind angreift, der uns nach Ehre, Gut und Namen trachtet; denn wer da gleich im Zorn entbrennet, fluchet, schilt, drohet, bei dem wohnet der sanftmütige Geist Christi nicht. 3) Jedoch ist es nicht wider die Sanftmut, Schutz gegen seine Feinde bei der Obrigkeit zu suchen, wie sich auch Paulus auf den Kaiser berief und sich in des Kaisers Schutz begab, als man ihn in Lebensgefahr bringen wollte. Apost. 25, 1 1. 4) Es stehet Kindern Gottes nicht an, wie Hunde zu beißen, wie Löwen sich zu zerreißen, wie wilde Thiere sich in Grimm und Bitterkeit zu verfolgen. 5) Bei solcher Verfolgung, wenn uns ein Feind drücket, will Gott eine Probe unters Glaubens sehen, und uns zur Erkenntnis der vorhergegangenen Sünden führen, ob wir vielleicht mit unserm ungerechten Verfahren andern Leuten Seufzer ausgepresset haben. 6) Die Kennzeichen der Sanftmut sind: im Herzen verzeihen, für die Feinde beten, Matth. 5, 44, ihnen Gutes wünschen, alles Gute tun, alles Gute gönnen, nicht alle Scheltworte hören, nicht alles beantworten und zur Versöhnung willig sein. O du liebreicher Gott, der du die Liebe selbst bist, und willst deine Liebe in unsere Herzen ausgießen durch den Heiligen Geist, ach, ich klage dir mit betrübter Seele, daß mein Herz oftmal gar widerspenstig und unbändig ist. Es sollte in demselben Demut, Liebe, Sanftmut und Gelassenheit sein zur Zeit, wenn mich mein Feind dränget, verfolget und haffet; aber ach, ich finde 246 Der gläubige Christ bittet um Sanftmut. leider anstatt dieser christlichen und nothwendigen Tugenden Eigensinn, Haß, Zorn, Rachgier, Feindschaft, durch welche ich angetrieben werde, wieder zu schelten den, der mir Unrecht thut, und Rache an dem auszuüben, der mich unbilliger Weise angegriffen hat. Wenn ich aber, o Gott, aus deinem heiligen Worte weiß, daß, die solches tun, nicht sollen ins Reich Gottes kommen, und daß dergleichen Aufführung gegen die Feinde nicht sei der Kinder Gottes und der wahren Christen Art, ach, so erschrecke ich über mich selbst, daß ich noch des Teufels Unart an mir habe, als welcher rachgierig, boshaft und unversöhnlich ist, und bitte dich, erbarme dich meiner, o du liebreicher Gott, und gib mir deinen Heiligen Geist, der mein Herz heilige und reinige von aller Bosheit und Rachgier. Hilf, daß ich allezeit sehen möge auf das Exempel meines JEsu, welcher nicht wieder schalt, da er gescholten wurde, und niemals seinen Feinden drohete, daß er sich an ihnen künftig rächen wollte, da er litt, stellte aber vielmehr alles dem heim, der da recht richtet. Ach, gib mir auch einen solchen stillen, sanftmütigen und friedfertigen Sinn, daß ich keinen Groll und Haß in meinem Herzen behalten und die Sonne über meinem Zorn nicht untergehen lassen, sondern, ehe es noch Nacht wird, ehe ich noch Der gläubige Christ bittet um Sanftmut. 247 ein-schlafe, meinen Widersachern von Herzen verzeihen möge. Verleihe mir Kraft und Stärke, daß ich möge sein wie ein Tauber, der nicht höret, und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht auftut zur Zeit, wenn mich mein Feind schmähet. Hingegen gib Gnade, daß ich mich freue, wenn es ihm wohl gehet, daß ich ihm alles Gute wünsche, gönne, ja, ihm gerne helfe und wohl tue, wenn es ihm übel gehen sollte. Bewahre mich, daß ich keine Feindschaft weder in Worten noch Geberden und Werken spüren lasse, sondern wie gegen jedermann, also auch gegen meine Feinde, in dem Herzen sei mitleidig, mit Worten freundlich und aufrichtig, mit Geberden holdselig, auch mit Werken wohltätig, damit durch meine Unversöhnlichkeit mein Gebet nicht verhindert und all mein Gottesdienst und Andacht nicht verwerflich werde. Gib, daß ich von Herzen verzeihe und vergebe meinen Schuldigem, wie ich will, daß du mir meine Fehler und Missetaten gnädiglich vergebet, daß ich nicht täglich wider mich selbst beten möge. Laß auf mich den Segen kommen, welchen du den Sanftmütigen verheißen hat. Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen. Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen. Bezwinge in mir durch 248 Der gläubige Christ bittet um Sanftmut. deinen Geist die wider diese Tugend aufsteigende Lust, damit ich als dein Kind glaube, lebe und sterbe, und dermaleinst durch deine Gnade auch in die Heimath des Friedens versetzt werde. O Seele, schaue JEsum an, Hier kannst du recht erkennen, Was wahre Demut heißen kann. Und was wir Sanftmut nennen; Er stellet sich zum Muster dar; Wie JEsus nun gesinnet war, So sei auch du gesinnet. Das Böse sucht er alsobald Mit Gutem zu vergelten; Man hörte, wenn die Welt ihn schalt, Ihn niemals wieder schelten. Er gibt es seinem Vater hin, So sanft ist deines JEsu Sinn; So sei auch du gesinnet. Amen. Gesang. Mel.: Ach, was soll ich Sünder machen. 1. Sieh doch, wie mein Feind mich schmähet, Großer Gott, ach, höre doch! Großer Gott, du lebst ja noch! Sieh, wie er mit mir umgehet, Wie er tobet, ruft und schreit Und mich fast aus Zorn anpeit. 2. Höre, HErr, ach hör ein Schelten! Aber ach, verleih mir Gnad, Daß ich niemals in der Tat, Noch mit Worten mög vergelten, Was er wider mich ausübt. Und mich auf das Blut betrübt. 3. Gib, daß ich nicht wieder haffe, Daß ich schweige, wenn er schilt Und für Gutes Bös vergilt, Daß ich in Geduld mich fasse. Und ertrage als ein Christ, Was dem Fleisch beschwerlich ist. 4. Hilf, daß ich ihn möge segnen, Wenn er mir aufs schlimmste flucht. Und nichts als mein Unglück sucht, Und daß ich ihm mög begegnen. Mit gelassnem, stillem Muth, Ob er mir gleich Unrecht thut. 5. Lasse mich auf JEsum sehen, Der da gar nicht wieder schalt. Noch mit Bösem Bös vergalt, Und Der gläubige Christ erkennet die immerwährende Güte Gottes. 249 darin-nen ihm nachgehen, Daß ich als ein Gotteskind Stets mit Sanftmut überwind. 6. Ach, laß deinen Geist mich stärken, Wenn mein Feind mir setzet zu. Daß ich ihm da Gutes thu, Daß in meinen Wort und Werken Sich nicht finde Bitterkeit, Zorn, Haß, Rachgier, Grimm und Neid. 7. Laß auch meinen Feind aufhören, Daß er nicht mehr wider mich Rede also freventlich; Ja, du wollest ihn bekehren, Daß der werd hinfort mein Freund, Welcher war mein ärgster Feind. 8. Ach, du wollest ihm verzeihen, Was er wider mich getan, Rechne doch es ihm nicht an! Und du wollt uns Gnad verleihen, Daß wir leben nach dem Streit Stets in Fried und Einigkeit. 9. Und wenn wir dereinsten sterben, Daß wir sterben als versöhnt. Und mit deiner Gnad gekrönt, Laß uns beid den Himmel erben, Zu der Lammeshochzeit gehn. Und dein Antlitz ewig sehn. Der gläubige Christ erkennet die immerwährende Güte Gottes, Aufmunterung. Die Güte des HErrn ist, daß wir nicht gar aus find; eine Barmherzigkeit hat noch kein Ende; sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß. Klagl. 3,22. 23. Alles Ding hat seine Zeit, Gottes Güte aber währet in Ewigkeit, wie David im 136. Psalm „denn seine Güte währet ewiglich“ bei allen Versen wiederholet. Gottes Güte ist wie eine Mutter, welche, wenn ein Kind geboren wird, es in ihre Arme nimmt, für es jorget, es verpfleget und erziehet; so tut auch Gott an uns Menschen. Dieses erkennet nun ein gläubiger Christ, und zwar, 1) daß es eine unverdiente Güte ist. Ach, das haben wir nicht um Gott verdienet; wollte er nach unserm Verdienst mit uns 250 Der gläubige Christ erkennet handeln, so müßte das Verderben an Leib und Seele uns drücken. Es ist eine uns nothwendige Güte; wäre Gott nicht so gütig und barmherzig, so müßten wir verschmachten und vergehen, und würden nicht einen Tag, ja, nicht eine Stunde leben. Denn wie ohne die Luft keine Creatur leben kann, also können die Menschen auch nicht bestehen ohne die Güte Gottes. Ja, was das Meiste, es ist 3) eine immerwährende Güte; wenn ein gläubiger Christ sein ganzes Leben ansiehet, von seiner Geburt an, in seiner Kindheit, Jugend und den fortwachsenden Jahren, so ist es lauter Güte Gottes. Was wir Gutes an uns haben, das hat Gott in uns gewirket; was wir besitzen im Leiblichen, das hat uns Gottes Güte gegeben. Ja, was noch mehr zu verwundern, es ist 4) eine Güte, welche auch die Undankbaren und Gottlosen genießen; auch über sie lässet Gott seine Sonne scheinen, er gibt ihnen Nahrung und Kleidung; nur der Einwohnung des Heiligen Geistes werden sie nicht teilhaftig, weil sie ihr Herz davor zuschließen. Ein gläubiger Christ läset sich aber durch Gottes Güte auch zur Buße, zur Liebe Gottes und Gottesfurcht leiten, und ist versichert, daß er also auch derselben genießen wird bis in den Tod, ja, in alle Ewigkeit. Gott, wie groß ist deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen! Sie werden trunken von den reichen Gütern deines Hauses, und du tränkest sie mit Wollust als mit einem Strom. Nun, solche Güte habe ich auch erfahren, mein Gott, sie ist bei mir alle Tage, alle Stunden, alle Wochen, ja, alle Jahre neu gewesen. Deine Güte hat die immerwährende Güte Gottes. 25 1 mich, da ich geboren war, wie eine Pflegemutter auf die Arme genommen und hat mich erzogen. Deine Güte hat mich in der Jugend an der Hand geführet und aller Orten begleitet. Deine Güte hat in den erwachsenen Jahren mich versorget, erhalten, ernähret und mir viel Gutes bescheret. Ja, deine Güte hat bis auf diesen Tag und diese Stunde, da ich vor dir stehe, über mir geschwebet, deine Leuchte hat über mir geschienen und mich mit Segen, Gnade und Trost erfüllet. Diese deine Güte hat mich oftmals bewahret vor Unglück und Schaden, deine Güte und Treue hat mich alle Wege behütet und ist mit mir aus- und eingegangen, damit mir kein Leid widerfahren möge. Diese deine Güte hat auch meine Seele mit himmlischem Lichte ausgeschmücket, durch dein Wort mich erleuchtet, durch den Heiligen Geist mich geheiliget und zu deiner wahren, lebendigen Erkenntnis gebracht. Ach, mein Gott, laß deine Güte ferner über mir walten, und verlaß mich nicht im Alter, wenn ich grau werde; laß deine Güte und Treue mich begleiten bis in den Tod, bis sie meine Seele zur Erquickung in deinen Schooß, und meinen Leib zur Ruhe in die Erde gebracht hat. Laß deine Güte mich auch zur Buße leiten, daß ich in Betrachtung der empfangenen Wohltaten dir mein Herz zur Wohnung 252 Der gläubige Christ erkennet die immerwährende Güte Gottes. und meine Seele zum Eigentum übergebe. Nach aller deiner Güte erbarme dich über mich, wenn ich aus Schwachheit vielleicht fehlen und fündigen sollte. Bringe mich nach deiner Barmherzigkeit wiederum auf den Weg der Buße und des Friedens, und laß mich deine Gnade genießen, hier zeitlich und dort ewiglich. Für alle deine mir erwiesene Güte danke ich dir und lobe dich von Grund meiner Seele. Nicht allein lobe ich dich allhier, dieweil ich lebe, ich will dich, o gütiger und barmherziger Gott, auch preisen dort in alle Ewigkeit. Drum, o meine Fiebe, Die ich oft betrübe Hier in dieser Welt, Dir dankt mein Gemüte. Wegen deiner Güte, Die mich noch erhält, Die mir oft, Gar unverhofft, Hat geholfen in den Klagen, Noth, Feid, Angst und Zagen. Amen. Gesang. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 1. Gottes Fiebe, Gnad und Güte Werden alle Morgen neu, Das erkennet mein Gemüte, Und auch seine Vatertreu; Gott hat viel an mir getan, Mehr als ich aussprechen kann, Ich hab alle Tag und Stunden Gottes Treu und Güt empfunden. 2. Nicht nur hat er mir das Feben, Nahrung, Segen, Wohlergehn. Reichlich mir aus Gnad gegeben, Sondern er läßt mich auch sehn. Wie es seiner Güt gefällt, Daß er alles noch erhält; Ja, mit jedem frühen Morgen Hebt er wieder an zu sorgen. 3. Er schenkt mir auch seine Fiebe. Und die wahre Seelenfreud, Seines Geistes süße Triebe. Zu der wahren Der gläubige Christ erwäget die künftige Herrlichkeit. 253 Frömmigkeit, Trost, wenn mich ein Leiden quält, Hülf, wenn mich ein Feind anfällt, Güte, wenn ich vor ihn trete, Gnade, wenn ich eifrig bete. 4. Solche Güt hab ich erfahren. In dem ganzen Lebenslauf, Und in diesen späten Jahren Höret sie auch noch nicht auf; Wenn ich Morgens früh aufsteh Und des Abends schlafen geh, Läßt sie mir's an meiner Seelen Nie an etwas Gutem fehlen. 5. Diese Güte will ich preisen, Weil ich lebe in der Zeit, Und dem Höchsten Dank erweisen. In der frohen Ewigkeit. Ach, mein Gott, ich bitte dich, Laffe deiner Güte mich Allezeit zum Trost genießen, Bis ich werd die Augen schließen. Der gläubige Christ erwäget die künftige Herrlichkeit der Kinder Gottes. Aufmunterung. Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder, und ist noch nicht erschienen, was wir sein werden. Wir wissen aber, wenn es erscheinen wird, daß wir ihm gleich sein werden; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Und ein jeglicher, der solche Hoffnung hat zu ihm, der reiniget sich, gleichwie er auch rein ist. 1. Joh. 3, 2. 3. Ein jeglicher wahre Christ soll dreierlei täglich, ja, stündlich erwägen: wer er sei, nämlich ein Kind Gottes; was er an Gott habe, nämlich einen Vater, einen Wohltäter und den allerbesten Freund; und was er von Gott noch zu erwarten habe, nämlich himmlische Freude und Herrlichkeit. Diese Betrachtung wird in ihm die Liebe zu Gott entzünden und stärken, und Haß und Verachtung gegen die Welt und alles sündliche Leben erwecken. Denn 1) große Herrlichkeiten haben die Gläubigen schon hier in diesem Leben, nämlich Vergebung der Sünden, die Kindschaft bei Gott, den Frieden mit Gott, einen Tröster in aller Noth, einen Fürbitter und Fürsprecher, Freude 254 Der gläubige Christ erwäget der Seele, Ruhe in Gott; gegen diese Herrlichkeit ist Silber, Gold, Geld und auch eine königliche Krone für nichts zu achten. 2) Große Herrlichkeiten haben sie nach diesem Leben zu erwarten, nämlich den Eingang in den Himmel, das Anschauen des dreieinigen Gottes, die Gesellschaft der heiligen Engel und Auserwählten, die Befreiung von allem Leiden, ein ewiges Wohlsein und endlich eine fröhliche und selige Auferstehung des Leibes. Ein gläubiger Christ soll 3) sich darauf freuen, sich derselben bei vorfallenden Triibsalen trösten, und sich versichern, es werde dereinst alles Leiden in ewiges Jauchzen verwandelt werden. Sonderlich aber soll er 4) diese Herrlichkeiten nicht verscherzen durch ein sündliches Weltleben, sondern gedenken, er sei zu etwas Herrlicherem bestimmt. Zu dem Ende 5) bleibet er im Glauben und in der Lebensheiligkeit, siehet das Irdische an als etwas Vergängliches, das er verlassen muß, hingegen schicket er sein Herz oft dahin, wo er ewig wünscht zu sein. Wie gnädig, gütig und barmherzig bist du doch, o du ewiger und großer Gott, daß du nicht allein den Menschen in großer Herrlichkeit erschaffen, sondern auch, da er gefallen war, wiederum eine große Herrlichkeit zugesaget hat allen, welche da werden die Gnade annehmen und im Glauben und heiligen Leben dem Trieb deines Heiligen Geistes folgen! Denn solche wiedergeborene und geheiligte Seelen können sich trösten, sie haben in dieser Zeit schon eine große Herrlichkeit, nämlich die Kindschaft bei Gott, die Gerechtigkeit Christi, die Einwohnung des Heiligen die künftige Herrlichkeit der Kinder Gottes. 255 Geistes, den Frieden mit dir, deine Huld, Gnade und Liebe, zu welcher sie allezeit getrost in ihrem Gebet treten, und von der sie in Nöten Hülfe und Barmherzigkeit erlangen können. Zu dieser Herrlichkeit wird noch eine größere kommen nach dieser Zeit; denn wenn die Seele vom Leib geschieden ist, so soll sie sogleich gelangen zum Anschauen deines Angesichts, sie soll deinen Heiligen zugesellet und mit himmlischer Freude erfüllet werden. Zu solcher Herrlichkeit wird auch der Leib nach der Auferstehung gelangen, da soll er verkläret werden und leuchten wie die Sonne. Ach, mein Gott, verleihe mir Gnade, daß ich diese Herrlichkeit möge allezeit vor Augen haben, wie ich im Sterben recht werde anfangen zu leben, wie im Tode mein Elend, nicht aber mein Leben in dir ein Ende nehmen werde, und daß ich alsdann aus der Unruhe zur Ruhe, aus der Trübjal zur Freude, aus der Angst zur Wonne, aus der Traurigkeit und dem Jammerthal zum Trost gelangen soll. Ach, erhalte mich im Glauben und in der Frömmigkeit, daß ich, wenn die Welt mich verführen will, gedenke, wer ich sei, nämlich dein Kind, und was ich noch von dir zu erwarten habe, nämlich die ewige Herrlichkeit und Seligkeit, damit ich nimmermehr die Welt möge lieb haben, und darüber des Himmels Herrlichkeit 256 Der gläubige Christ erwäget die künftige Herrlichkeit. versäumen. Hilf, daß ich, wie die Läufer, so in den Schranken liefen, aufmerksam waren auf alle Tritte, damit sie das Kleinod erlangten, auch möge vorsichtig wandeln, und nicht als ein Unweiter, sondern als ein Weiser, damit ich am Ende meines Lebens mit Wahrheit sagen könne: Ich habe einen guten Kampf gekämpfet, ich habe meinen Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten; hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der gerechte Richter geben wird, nicht aber mir allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb haben. Der Leib zwar in der Erden Von Würmern wird verzehrt, Doch auferweckt soll werden, Durch Christum neu verklärt, Wird leuchten als die Sonne. Und leben ohn all Noth In himmlischer Freud und Wonne; Was schad’t mir dann der Tod? Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Sieh, es ist alles mein. Zum Eigentum gegeben, Was Gott nur ist und hat, Ja, schon in diesem Leben. Ist es schon alles mein, Das Recht und der Genuß Erquicket mich gar oft In süßem Überfluß. 2. Denn siehe, Gott ist mein, Weil seine Vatertreue, Verpflegung, Lieb und Schutz. Wird alle Morgen neue. Er ist mein Licht, mein Heil, Mein Helfer und mein Gott, Mein Beistand und mein Trost. In aller meiner Noth. 3. Und JEsus ist auch mein, Sollt ich mich nicht erfreuen? Was darf ich Noth und Tod, Das Grab und Erde scheuen? Sein Blut, Gerechtigkeit. Und sein Der gläubige Christ beichtet und bittet Gott eine Sünden ab. 257 Verdienst ist mein, Soll ich deswegen nicht Von Herzen fröhlich sein? 4. Der Heilge Geist ist mein, Denn er hat mich geschmücket Mit Glauben, Licht und Kraft, In ihm leb ich beglücket In diesem Tränenthal; Mein JEsus schenket mir Dies Pfand der Seligkeit. Zum Siegel schon allhier. 5. Der Himmel ist auch mein, Als welchen mir erworben. Mein JEsus, da er ist. Am Kreuz für mich gestorben. Ich leb nun oder sterb, So weiß ich wohl, wohin, Weil ich durch JEsu Blut Ein Himmelserbe bin. 6. Und so bin ich ja reich Bei diesen großen Schätzen, Denn diese Schätze sind's, Die mich allein ergötzen; Ja, selig bin ich schon. In dieser Gnadenzeit, Da ich den Vorschmack hab Von jener Herrlichkeit. 7. Doch droben wird mein Heil In vollem Glanzanheben, In Frieden, Trost und Ruh, In jenem Freudenleben, Da werd ich herrlich sein, In froher Himmelspracht, Und werd da ewig sein. Wohin ich stets gedacht. Der gläubige Christ beichtet und bittet Gott seine Sünden ab. Aufmunterung. Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilgemeine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich wohl von meiner Missetat, und reinige mich von meiner Sünde. Ps. 51, 3.4. Einen gnädigen Gott zu haben, ist wahrlich der seligste Stand eines Christen. Zwar meinet die Welt, Reichtum haben, geehrt sein, immer herrlich und in Freuden leben, das wäre Glückseligkeit; aber sie betrüget sich, das alles muß vergehen, und bringet oftmals ein böses Gewissen, schwere Verantwortung, und einen unseligen Tod. Gläubige Christen untersuchen der halben 1) alle Tage ihr Gewissen, ob sie noch in der Gnade Gottes stehen; 2) wenn 258 Der gläubige Christ beichtet sie zur Beichte gehen, so denken sie nicht allein an ihre Sünden, sondern bitten Gott herzlich um Verzeihung derselben; sie bereuen sie, sie trauern darüber, und nehmen ihre Zuflucht zu der Barmherzigkeit Gottes und zu den blutigen Wunden IE su, und flehen demütig um Gnade. Hat Gott ihnen nun Vergebung der Sünden durch den Mund eines Dieners widerfahren lassen, so trösten sie sich dessen, trachten aber, 3) einen gnädigen Gott zu behalten, indem sie sich von dem Heiligen Geist regieren lassen; sie befleißigen sich eines christlichen Lebens, und beweisen solches auch in Reden, Worten und Werken, fliehen die Laster und vorigen siindlichen Gewohnheiten; alsdann wissen sie, daß sie im Leben und Sterben einen gnädigen Gott haben werden. Heiliger, dreieiniger Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, ich armer Sünder komme allhier vor dein allerheiligstes Angesicht, und bitte dich herzlich und demütig um Vergebung aller meiner Sünden. Ach, mein Gott, ich erkenne, daß ich dich leider! vielfältig erzürnet habe mit vielen bösen Gedanken, Worten und Werken. HErr, HErr, das betrübet mich, und ist mir von Herzen leid. Du hast mich durch die heilige Taufe gemacht zum Schäflein deiner Weide und zum Glied an deinem Leibe, darum ich deine Stimme allein hören und dir gehorsamen sollte. Ja, ich sollte als dein Eigentum meine Glieder begeben zum Opfer, das da lebendig, heilig und dir wohlgefällig ist. Aber ach, was soll ich sagen? ich habe und bittet Gott seine Sünden ab. 259 oftmals mehr die Stimme der Welt und meines Fleisches, als deine Stimme gehöret, und habe vielfältig getan, was dir zuwider ist. Oder Blindheit meines Herzens! Oder Torheit meiner jungen Jahre! Willst du nun mit mir ins Gericht gehen, willst du nach deiner Gerechtigkeit mit mir handeln, so bin ich ewig verloren; denn mein Gewissen zeuget wider mich, und meiner Sünden sind mehr, als des Sandes am Meere. Ach, nach deiner großen Barmherzigkeit erbarme dich über mich. Ach, mein Vater, rechne mir nicht zu, was ich Zeit meines Lebens Böses getan, sondern rechne mir zu, was JEsus Christus, mein Heiland, für mich getan; ich ergreife sein für mich vergossenes Blut in wahrem Glauben, ich eigne sein Verdienst mir zu, und spreche: Ach, um JEsu willen sei mir armen Sünder gnädig. Ich will hinfort ein neues und frommes Leben anfangen, und wider dich, o dreieiniger Gott, nicht mehr mutwillig und vorsätzlich sündigen. O JEsu voller Gnad, Auf dein Gebot und Rat Kommt mein betrübt Gemiite. Zu deiner großen Güte; Laß du auf mein Gewissen Ein Gnadentröpflein fließen. Durch dein unschuldig Blut, Die schöne rothe Fluth, Wasch ab all meine Sünde, Mit Trost mein Herz verbinde. Und ihr nicht mehr gedenke, Ins Meer sie tief versenke. Amen. 260 Der gläubige Christ beichtet Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ach, geh nicht ins Gericht. Mit deinem armen Kinde, Ach, Vater, schone doch. Hilf, daß ich Gnade finde; Hab ich gesündiget Und Übels oft getan, Ach, ach, nimm doch dein Kind. In Gnaden wieder an. 2. Ich beuge meine Knie, Und meine Augen weinen, Daß ich sogar befleckt. Jetzt muß vor dir erscheinen. Ach Vater, sieh nicht an. Die große Missetat, Ach, ich verhehl sie nicht, Ich bitte dich um Gnad. 3. O wehe, daß ich hab, O Vater, dein vergessen, Und bei der Sünder Schwarm Mit Lust und Freud geseffen; O wehe, daß die Siind Mich hat oft blind gemacht Und dadurch meine Seel. In diesen Stand gebracht. 4. Ach, laß in JEsu Blut. Mich Gnade, Gnade finden, Laß deines Zornes Grimm, Durch ihn getilgt, verschwinden; Schau mich in JEsu an. Und schenk mir deine Huld, Vergib mir meine Sünd, Erlaß mir alle Schuld. 5. O werter, guter Geist, Der du mir Kraft gegeben Zur Buß und Besserung, Ach, ändre ganz mein Leben, Daß ich mit solchem Fleiß Gott dien nun immerdar, Wie ich ein Sündenknecht. Mit großem Eifer war. 6. Ich will durch deine Gnad Der Sündenlust absterben, Ich will durch JEsu Blut. Die Seligkeit ererben. So lang der Athem noch Bei mir geht aus und ein, So lang soll Herz und Geist. Nur dir gewidmet sein. Ein anderes Beichtgebet. HErr, allwissender Gott, vor dem nichts verborgen ist, du siehet alles, was wir Menschen tun, und höret, was wir reden. Ach, ach, wenn ich daran gedenke, so muß ich mich schämen, daß ich so viel Böses geredet, gedacht und begangen und bittet Gott eine Sünden ab. 261 habe. Ach, wie viel Böses hast du von mir bisher gehöret und gesehen, darum du wohl Ursache hättest, mich als ein ungehorsames Kind ewiglich zu verstoßen und gar in die Hölle zu stürzen! Aber siehe, ich komme in der Gnadenzeit, ich schäme mich, meine Augen vor dir aufzuheben, und spreche: Gott, sei mir Sünder gnädig. Ach, strafe mich nicht in deinem Grimm, wie ich es wohl verdienet habe. Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretung, gedenke aber meiner nach deiner großen Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. Ja, um JEsu Blutes und Todeswillen, erbarme dich über mich. HErr, HErr, gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte, du wirst nicht ewiglich zürnen, sondern dich meiner wieder in Gnaden erbarmen. Ach, handle nicht mit mir nach meinen Sünden und vergilt mir nicht nach meiner Missetat. Ach Gott, du hast gesagt, du wollest nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe. Ach, erbarme dich auch über mich, erzürnter Gott, siehe mich nicht an in meinen Sünden, sondern siehe mich an in JEsu, deinem Sohn, meinem einzigen Heiland, Mittler und Seligmacher! Um seines vergossenen Blutes willen erbarme dich über mich, um seiner heiligen Wunden willen erbarme dich über mich, 262 Der gläubige Christ beichtet und bittet Gott seine Sünden ab. um einer vollgültigen Gerechtigkeit willen, die ich im wahren Glauben ergreife, erbarme dich über mich! Laß mich den Trost in meinem Herzen empfinden, mir seien meine Sünden vergeben, ich sei durch JEsum, meinen Heiland, mit dir versöhnet. Ich will durch deines Heiligen Geistes Kraft mein Leben ändern, mir deine allerheiligste Gegenwart vorstellen, und denken: Ich geh, steh, und was ich immer thu, so steht du da, und sieht mir zu. Laß solche Gedanken nimmer aus meinem Herzen kommen. “ Ich komme jetzt zu dir allhie In meiner Noth geschritten. Und will dich mit gebeugtem Knie Von ganzem Herzen bitten, Vergib mir doch genädiglich. Was ich mein Tage wider dich Auf Erden hab begangen. O HErr, mein Gott, vergib mir's doch, Um deines Namens willen, Und thu in mir das schwere Joch Der Übertretung stillen, Daß sich mein Herz zufrieden gebUnd dir hinfort zu Ehren leb In kindlichem Gehorsam. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Was soll ich Sünder nun anfangen, Da mein Gewissen mir aufwacht? Ach, ach, was hab ich doch begangen, Daß ich hab meinen Gott veracht’t? Gerechter Gott, verstoß mich nicht, Ach, geh nicht mit mir ins Gericht! 2. Gott und sein Wort hat mich gelehret Den rechten Weg der Seligkeit; Ich hab mich aber nicht bekehret In meiner großen Sicherheit. Gerechter Gott, verstoß mich nicht. Ach, geh nicht mit mir ins Gericht! 3. Erzürnter Gott, verzeih mir Armen, Verzeih mir meine schwere Schuld; Ach, schenke mir durch dein Der gläubige Christ betet bei dem Genuß des heil. Abendmahls. 263 Erbar-men. Um JEsu willen Gnad und Huld. Gerechter Gott, verstoß mich nicht. Ach, geh nicht mit mir ins Gericht! 4. Ich fliehe hin zu JEsu Wunden, Als welcher mich erlöset hat; Wo alle Sünder Gnad gefunden, Da hoff und such ich auch Genad. Gerechter Gott, verstoß mich nicht, Ach, geh nicht mit mir ins Gericht! 5. Ich ändre nun mein böses Leben Undfang ein frommes Leben an; Ich will mich dir, mein Gott, ergeben, Und nicht mehr tun, was ich getan. Gerechter Gott, verstoß mich nicht, Ach, geh nicht mit mir ins Gericht! Der gläubige Christ betet bei den Genuß des heiligen Abendmahls. Aufmunterung. So oft ihr von diesem Brod esset, und von diesem Kelch trinket, sollt ihr des HErrn Tod verkündigen, bis daß er kommt. 1. Cor. 1 1, 26. Unter andere Stärkungen des Glaubens, der Liebe gegen Gott und den Nächsten, gehöret auch das heilige Abendmahl, als in welchem sich JEsus will mit unsem Seelen vereinigen, darin wohnen, dieselben regieren, heiligen und in der Frömmigkeit erhalten bis ans Ende. Dieses heilige Abendmahl 1) verachtet und versäumt ein gläubiger Christ nicht, wie die Namenchristen pflegen, welche wegen ihrer Eitelkeit, Weltfreude, Rachgier, Hochmut und Wohlleben so zerstreuet sind, daß sie nicht können an dieses Seelenpfand denken. 2) Es gehet ein gläubiger Christ auch nicht aus bloßer Gewohnheit zum heiligen Abendmahl, sondern er kommt dazu mit einem demütigen, andächtigen und gläubigen Herzen, welches da ist voll guten Vorsatzes, in der Liebe JEsu und in Gottesfurcht beständig zu verharren. Und dieses ist auch 3) sein Entschluß, daß er nach dem heiligen Abendmahl sich seinem Gott ganz ergebe, kraft dieser Seelenpeise alle 264 Der gläubige Christ betet Tage frömmer, andächtiger und eifriger werde in seinem Christentum und in der Ausübung christlicher Tugenden, ja, einem Gott im Glauben und in der Frömmigkeit treu verbleibe bis in den Tod. - Gebet. Mein JEsu, wie kann ich genug am deine große Liebe preisen, daß du nicht allein für mich armen Sünder dich in den Tod gegeben, sondern daß du mir auch deinen heiligen Leib und dein teures Blut zu einer Seelenpeise in dem heiligen Abendmahl verordnet hat! O Liebe, dein Tod bringet mir das Leben, und dein Leib und Blut stärket und erquicket mich zum ewigen Leben. Dadurch bleibe ich in dir und du in mir, du lebest in mir, und in dir erlange ich Gerechtigkeit und Stärke; daher kann mich meine Sünde nicht schrecken, und Satan kann mich nicht verdammen, denn in deinem Gnadenmahl empfange ich das Lösegeld für meine Sünde. Hier empfange ich den Leib, der für mich in den Tod ist dahin gegeben, hier empfange ich das Blut, das für mich ist vergossen worden zur Vergebung der Sünden. Dieses ist das Versöhnungsblut, dadurch meine und aller Menschen Sünden sind getilget worden. So gewiß ich nun dasselbe empfange, so gewiß bin ich mit Gott versöhnet und habe Vergebung aller meiner Sünden. Du hast in der heiligen bei dem Genuß des heiligen Abendmahls. 265 Taufe, als in dem ersten Sacrament, so ich empfangen, mir den Heiligen Geist zum Pfand und das neue Leben gegeben, dadurch ich versichert bin, daß ich dein Kind und Erbe bin. ln dem heiligen Abendmahl, als dem andern Sacrament, gibst du mir das Pfand deines Leibes und Blutes, dadurch du das geistliche Leben in mir willst erhalten und stärken. Ach, mein Gott, heilige meine Seele, stärke meinen Glauben, damit ich dieses Liebesmahl würdig und selig empfangen möge. Gib, daß meine Gedanken allezeit mögen bei dir sein; vertreibe aus meinem Herzen alle sündliche Einfälle und Begierden und alles, was mich in meiner Andacht hindern kann, damit du in mir beharren könnest, und ich in dir sein und bleiben möge in alle Ewigkeit. JEsu, wahres Brod des Lebens, Hilf, daß ich doch nicht vergebens. Oder mir vielleicht zum Schaden. Sei zu deinem Tisch geladen. Laß mich durch dies Seeleneffen Deine Liebe recht ermessen, Daß ich auch, wie jetzt auf Erden, Mög ein Gast im Himmel werden. Amen. Gesang. Mel.: Allein Gott in der Höh sei Ehr. 1. O JEsu, meiner Seele Licht, Mein Trost und mein Verlangen, Ich hab vor deinem Angesicht Dein Liebesmahl empfangen; Ach, wohne doch hinfort in mir, Damit ich möge stets vor dir ln wahrem Glauben prangen. 266 Der gläubige Christ betet 2. O Liebe, die du mich so liebt. Und schenkt mir deine Liebe, Da du dich mir zur Speise gibt, Ach, daß ich ewig bliebe. Mit dir, o Lebenslicht, vereint, Und durch dein teures Blut gereint, Daß mich nichts von dir triebe. 3. Der Vater hat mir heut geschenkt. Den Frieden unserer Seelen; Ich bin gespeiset und getränkt, Was kann mir Gutes fehlen? Weil ich nunmehr in JEsu bin, So ist Sündenangst dahin. Und kann mich nicht mehr quälen. - 4. Mein JEsus hat mein Herz erfüllt. Mit seiner süßen Freude; Mein Hunger ist durch ihn gestillt. Auf dieser Seelenweide. Dein Leib, o JEsu, und dein Blut Sind das gewisse Pfand und Gut, Daß ich nicht von dir scheide. 5. Der Heilge Geist gibt mir dabei Den Trost, der mich erfreuet, Daß ich nun in der Gnade sei. Dieweil der Bund erneuet; Ja, daß ich bin ein Gotteskind, Das bei ' Trost und Gnade find’t, Das kein Ungnad mehr cheuet. 6. Gott Lob, der meine Seele hat So herrlich wollen speisen, Um dadurch neue Lieb und Gnad Mir Annen zu erweisen; Den will ich dafür allezeit, Auch in der frohen Ewigkeit, Mit stetem Lobe preisen. Ein anderes Gebet bei dem Genuß des heiligen Abendmahls. O JEsu, da ich anjezo dein heiliges Liebesmahl empfange, so empfange ich es auch zu deinem Gedächtniß. Ich denke an deine Liebe, wie du mir zu gut in die Welt gekommen bist, daß du mich möchtest zum Erben des ewigen Lebens machen. Ich denke an deine Marter, Pein und bei dem Genuß des heiligen Abendmahls. 267 Wunden, wodurch meine Sünden und Strafen find von mir genommen und deine Gerechtigkeit mir ist geschenket worden. Ich denke an deinen Tod und an deine Auferstehung, wodurch mir Leben und Seligkeit ist mitgeteilet worden. Ich weiß, o JEsu, um deinetwillen erlange ich Gnade, die Kindschaft, den Frieden und die Himmels freude. Ich werde nicht verloren werden, wenn ich in dir, o JEsu, bin, und du in mir bleibet. Ach, so bleibe nun in meinem Herzen, wohne in meinem Herzen, lebe und regiere darinnen, laß mich dein Eigentum ein in Zeit und Ewigkeit. Dein heiliger Leibspeise mich, dein heiliges Blut tränke und erquicke mich zum ewigen Leben. Hilf, daß ich diesen Schatz nimmermehr wieder verliere, sondern daß du, mein JEsu, hinfort in mir leben, regieren und wohnen mögest. Mußte dorten das Manna in ein rein Gefäß geleget werden, ach, so reinige mein Herz durch wahren Glauben, durch wahre Buße, Liebe und Demut, damit ich dieses Seelenpfand würdig empfangen und beständig zu meines Glaubens Stärkung, meines Lebens Heiligung und meiner Seligkeit Versicherung behalten möge. O werter Heiliger Geist, erhalte mich in solcher Gnade bis an mein seliges Ende. Bewahre mich, daß ich nicht wiederum mut willig sündige und aus der Gnade falle, damit 268 Der gläubige Christ betet bei dem Genuß des heil. Abendmahls. das Letzte mit mir nicht ärger werde, denn das Erste; sondern daß ich im Glauben an den dreieinigen Gott, in der Liebe gegen den Nächsten und in der Frömmigkeit beharre bis an meinen Tod, damit ich des Glaubens Ende, der Seele Seligkeit, möge davontragen. JEsus sei mein Speis und Trank, JEsus sei mein Lobgesang, JEsus sei mein ganzes All, JEsus sei mein Freudenschall. Endlich laß, o höchstes Gut, JEsu, laß dein teures Blut, Deine Wunden, deine Pein, Meinen Trost im Tode sein. Amen. Gesang. Mel.: Nun laßt uns Gott, dem HErren. 1. Mein JEsu, sei gepreiset, Daß du mich hat gespeiset. Mit dieser Himmelsgabe, Die ich empfangen habe. 2. Dein Leib, der Seele Leben, Ist mir jetzund gegeben, Dein Blut hab ich genossen. Das du für mich vergossen. 3. Weil JEsus zu mir kommen. Und mein Herz eingenommen. So ist er nun der Meine. Und ich bin auch der Seine. 4. In JEsu bin ich fröhlich, In JEsu bin ich selig; Er wird mir Gnad erzeigen, Denn ich bin nun sein eigen. 5. Mein JEsu, Seel und Leben. Will ich dir ganz ergeben, Ach, mach's mit mir in allen Nach deinem Wohlgefallen. 6. Dich, dich will ich umfassen, Du wirst mich nicht verlassen; Es soll kein Kreuz und Leiden. Mich nun von JEsu scheiden. 7. Und wenn ich einst soll sterben, So nimm mich, deinen Erben, Hinauf zur Freud und Wonne, Wo du bist Licht und Sonne. Der gläubige Christ bittet, Gott wolle ihm Kraft geben. 269 Der gläubige Christ bittet, Gott wolle ihm Kraft geben wider die Sünde. Aufmunterung. Lasset die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, ihm Gehorsam zu leisten in einen Lüften. Auch begebet nicht der Sünde eure Glieder zu Waffen der Ungerechtigkeit, sondern begebet euch selbst Gotte, als die da aus den Todten lebendig sind, und eure Glieder Gotte zu Waffen der Gerechtigkeit. Röm. 6, 12. 13. Die Sünde ist ein Abweichen von Gott, eine Übertretung des göttlichen Gesetzes; sie ist das Unrecht. Nun aber will ein gläubiger Christ nicht gern von Gott abweichen, noch Gottes Gebot übertreten und Unrecht tun, sondern ein Verlangen ist, daß JEsus in ihm lebe, und daß der Heilige Geist ihn regiere; weil er aber dieses nicht allezeit so vollkommen ins Werk richten kann, so muß er kämpfen wider die Sünde. Dieser Kampf bestehet darin: 1) Der gläubige Christ weiß, daß, wer aus Gott geboren ist, der tut nicht Sünde, nämlich mit Vorsatz und Willen, und darum hütet er sich, daß er seinen Gott nicht wissentlich und vorsätzlich beleidige. 2) Weil ihm aber das nicht genug ist, sondern er wollte auch gern ein ganzes Herz mit Seele, Geist und Leben einem Gott heiligen, hingeben und weihen, so bekümmert ihn oft ein einziges sündliches Wort, das er geredet, es betrübet ihn ein aufsteigender böser, sündlicher Gedanke, und so er in der Tat Gott oder den Nächten beleidiget hat, so seufzet er darüber, ln diesem Kampf 3) nimmt er seine Zuflucht zu JEsu Christo, und bittet um Kraft und Stärke, er wolle ihm helfen, die Sünde und Welt überwinden. 4) Soll er nicht allein desto andächtiger beten, sondern auch auf seine aufsteigenden Lüste und Gedanken desto mehr Acht haben, auch die Orte und Personen meiden, dadurch er in Sünden kann gestürzt werden. So kann er auch 5) versichert sein, weil er in einer heiligen 270 Der gläubige Christ bittet, Ver-fassung stehet, und Verlangen hat, Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele und allen Kräften zu dienen, daß, der das Wollen hat gegeben, werde auch das Vollbringen dazu verleihen; JEsus werde seine Mängel und Fehler mit seinem Blute zudecken, ja, das herzliche Verlangen ihm lassen Wohlgefallen. Starker und allmächtiger Gott, der du alles weißt, was in dem Menschen ist, ach, du siehelt, was ich für einen heftigen Kampf habe wider die Sünde; ich wollte gern von Herzen fromm sein und bleiben, dich nicht mehr erzürnen, nach deinem heiligen Wort mein Leben anstellen, und deinen heiligen Willen allein vollbringen; aber ich fühle ein ander Gesetz in meinen Gliedern, das da widerstrebet dem Gesetz in meinem Gemüte. Wenn ich meine, ich stünde nun ganz fest auf dem guten Vorhaben, so muß ich oftmals erfahren, daß auf einmal sich in mir Stolz, eigener Wille, eigene Ehre, Neid und Widerwillen gegen den Nächsten zeigen, daß sündliche Gedanken sich in meinem Herzen einfinden, ja, daß ich sündige mit unbedachtsamen Worten und unanständigen Werken. Ach, ich betrübe mich, daß ich so voll Unreinigkeit bin; reinige du mich, HErr, so werde ich rein. Ich erkenne in deinem Licht und durch deine Gnade, daß Sünde tun ein großes Übel, mein Verderben und meine Gott wolle ihm Kraft geben wider die Sünde. 27 1 Plage sei, wovon ich gern frei werden wollte, daher ich da wider in deiner Kraft kämpfe, und doch zuweilen überwunden werde. Allein eben dieser elende Zustand betrübet mich; was will doch endlich aus mir werden, wenn ich bald fromm, bald böse bin, und wenn meine Frömmigkeit keinen Bestand hat? Du siehestja, mein Gott, wie ich über mich selbst erschrecke, wie ich aber mir nicht helfen kann aus eigenen Kräften; darum komme ich zu dir, und bitte dich, vergib mir alle bisherigen Sünden und Unvollkommenheiten; sodann gib mir Kraft, der Sünde zu widerstreben; laß deinen Heiligen Geist in mir wohnen, und mein Herz reinigen, laß ihn mich erinnern, wenn ich zornig, rachgierig, hochmütig werden will, daß er mir alsdann zurufe und spreche: Denke, du bist ein Christ, denke, du bist ein Kind Gottes, oder willst ein Kind Gottes sein; damit ich möge sanftmütig, demütig und fromm werden. HErr, du hast mir das Wollen gegeben, gib mir auch das Vollbringen. Stärke mich an dem inwendigen Menschen, daß ich durch deine Kraft eine Sünde nach der andern ablegen und über die herrschen möge. Mache mich immer stärker, die Welt in mir und außer mir zu überwinden. Nun, ich vermag alles durch den, der mich mächtig machet, Christus! 272 Der gläubige Christ bittet, Gott wolle ihm Kraft geben. Ach, hilf mir, mein Gott, und gib. Daß ich sei von Herzen fromm, Damit mein ganzes Christentum Aufrichtig und rechtschaffen sei, Nicht Augendienst und Heuchelei. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Ich will von der Welt ausgehen, Weil ich leb noch in der Welt, Weil ich an ihr das muß sehen, Was aufs höchste mir mißfällt. Nämlich Frechheit, Hoffart, Lügen, Falschheit, Eitelkeit, Betrügen, Feindschaft, Untreu, Zank und Streit, Neid und Ungerechtigkeit. 2. Solche Sünden will ich haffen. Durch des Heilgen Geistes Kraft, Und die böse Welt verlassen, Die nur an der Sünde haft’t; Gott will ich mein Herz ergeben. Und in ihm beständig leben, Mein Herz soll ein eigen sein, Ihm gehört es auch allein. 3. Werd ich zwar wohl müssen bleiben. In der Welt noch eine Zeit, So will ich doch nicht mit treiben Ihre Weis und Sündenfreud; Ich will immer ein beflissen, Daß ich hab ein gut Gewissen, Daß es hier bleibt unbefleckt, Von der Welt unangesteckt. 4. Wer so von der Welt ausgehet, Bei dem gehet JEsus ein; Was von Welt geleeret stehet. Wird mit Gott erfüllet sein; Bleibet gleich der Leib auf Erden, Wird die Seel doch himmlisch werden; So ist meinem Leben wohl. Und die Seel ist freudenvoll. 5. Ach, mein Gott, verleih aus Gnad, Daß ich ja geh aus bei Zeit, Damit ich nicht leide Schaden. An der Seele Seligkeit; Wer der Welt Gewohnheit liebet. Und den Ausgang stets aufschiebet, Den erhascht zuletzt der Tod, Und er stirbt dann ohne Gott. 6. Drum will ich aus Babel fliehen, Sondre du mich Selbsten ab, Eh der Tod mich heißet ziehen. Aus dem Leben in das Grab; Ja, ich will der Welt absterben. Und entgehen dem Verderben, So komm ich ins Himmelszelt, Wenn ich ausgeh aus der Welt. Der gläubige Christ will sich Gott zum Opfer geben. 273 Der gläubige Christ will sich Gott zum Opfer geben. - Aufmunterung. Ich ermahne euch, lieben Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber begebet zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei; welches sei euer vernünftiger Gottesdienst. Röm. 12, 1. Es muß sich ein jeder Christ fleißig vorstellen, daß wir nicht unser eigen, sondern Gottes sind. Dieses aber soll uns aufmuntern, daß wir uns selbst und alles, was wir haben, Gott auch wiederum aufopfem. Die Opfer des alten Testaments, daran Gott sollte einen Wohlgefallen haben, mußten 1) freiwillige Opfer sein. Der Mensch muß nicht in der Welt fromm leben aus Furcht vor der Strafe und der Hölle, sondern aus Liebe zu Gott, denn sonst ist ein Opfer ein gezwungenes Opfer; ja, wenn auch keine Hölle wäre, so wird ein wahrer Christ doch aus Liebe sich Gott zum Eigentum ergeben. 2) Die Opfer mußten Gott ganz, mit Kopf, Eingeweiden und Schenkeln, und nicht halb gebracht werden; der halben sollen wir unser Herz nicht halb der Welt und halb Gott geben, sondern von ganzem Herzen, von ganzer Seele und aus allen Kräften ihn lieben und uns ihm ergeben; ein halbes, geteiltes Herz und Opfer verwirft Gott. 3) Die Opfer mußten unbefleckt sein, darum man kein Lahmes und Blindes Gott bringen durfte. Wir sollen uns deswegen hüten, daß wir die Seele und den Leib nicht mit Sünden beflecken, sondern beide ganz in seinen Dienst zu stellen uns bemühen. 4) Gott hat sonderlich ein Belieben getragen an Opfern, welche noch jung waren, an jährigen, zweijährigen Lämmern, uns damit zu zeigen, daß wir mit unserer Bekehrung nicht sollen warten bis in das hohe Alter, sondern uns fein in Zeiten, in blühender Jugend, Gott zu einem Opfer übergeben. 5) Was einmal Gott geopfert war, durfte man nicht wieder austauschen oder 274 Der gläubige Christ will sich Gott zum Opfer geben. wegnehmen; so soll auch ein Christ in einem guten Vorhaben, sich Gott zum Eigentum zn übergeben, beständig sein. Gebet. HErr, HErr Gott, der du deinem Volk Israel befohlen, dir täglich Opfer zu bringen, welche dir mußten ganz geheiliget und übergeben werden, flehe, ich bringe dir mein gläubiges und bußfertiges Herz, das wirst du nicht verachten. Du hast mich, o himmlischer Vater, erschaffen, daß ich soll ein dein Eigentum. Du hast mich, o liebster JEsu, erlöset mit deinem Blut, daß ich in deinem Reich soll leben, und dir dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit. Du hast mich, o werter Heiliger Geist, geheiliget, daß ich soll ein deine Wohnung und daß Christus in mir lebe. O, darum will ich mich dir auch wieder ganz und gar aufopfem und ergeben. Ich opfere dir auf meinen Willen; ich will nun nicht mehr vollbringen, was ich will, sondern was du willst. Ich opfere dir auf meinen Mund, damit will ich dich loben und preisen und ihn niemals mehr zu schandbaren Worten und Narrentheidingen mißbrauchen. Ich opfere dir auf mein Herz, das erfülle mit einem lebendigen Glauben, mit deiner Gnade, mit deiner Liebe, mit einer wahren Frömmigkeit. Mußte von allen Opfern dir das Fett sonderlich geopfert werden, ja, würde ohne Der gläubige Christ will sich Gott zum Opfer geben. 275 dasselbe kein Opfer dir angenehm gewesen sein, so laß dir auch meine Gabe gefallen. Ist solche ein von Natur unreines und zum Opfer untüchtiges Herz, ach, so wasche es mit dem Blute JEsu Christi, welches ich in wahrem Glauben annehme; reinige du es selbst durch deinen Heiligen Geist, heilige es dir zur Wohnung, daß du darinnen regierest und herrschest. Ich opfere dir auf mein Leben; das will ich nach deinem heiligen Wort und nach dem guten Trieb des Heiligen Geistes führen. Ich opfere dir auf meine Glieder; hilf, daß sie mögen werden Waffen und Werkzeuge der Gerechtigkeit, daß ich sie nicht zur Sünde und Schande mißbrauche, sondern daß sie dir mögen geheiliget bleiben. Wie das Geopferte mit niemand mehr Gemeinschaft haben durfte, so will ich mich auch gerne von der sündlichen Welt absondern und von ihrer Gesellschaft wegbleiben. Ja, ich will mich dir aufopfem, dieweil ich lebe und noch gesund bin, und nicht erst auf meinem Krankenbette; denn da möchte es etwa zu spät sein. Ach HErr, der du zu allen Zeiten, am Morgen, am Mittag und am Abend, hat Opfer angenommen, siehe auch in Gnaden mein Opfer an. Bringe ich dir es etwa erst um den Mittag meines Lebens, oder ist der Abend desselben vielleicht nahe, habe ich die Morgen- und Jugendzeit 276 Der gläubige Christ will sich Gott zum Opfer geben. versäumet, so wirst du doch deswegen mein Opfer nicht verachten; ich bringe dir es im Glauben, wie Abel; ach, schaue doch darauf nach deiner Barmherzigkeit! Ich will nun die übrige Zeit meines Lebens dein Eigentum verbleiben. HErr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, Du bist mein, Ich bin dein, Niemand kann uns scheiden; Ich bin dein, weil du dein Leben. Und dein Blut Mir zu gut In den Tod gegeben. Du bist mein, weil ich dich fasse Und dich nicht, O mein Licht, Aus dem Herzen lasse. Laß mich, laß mich hingelangen, Da du mich Und ich dich Leiblich werd umfangen. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mein Gott, laß mich den Wunsch erreichen, Darnach ich seufze für und für, Daß ich nicht möge von dir weichen. Und du auch nimmermehr von mir. Hilf, daß ich also leb auf Erd, Daß ich hier fromm, dort selig werd. 2. Gib, daß ich JEsu Blut und Wunden Ergreif in wahrer Zuversicht, Und mit ihm bleibe fest verbunden, Bis daß verlieht mein Lebenslicht. Hilf, daß ich also leb auf Erd, Daß ich hier fromm, dort selig werd. 3. Und daß ich mög die Sünde meiden. Bei jeglicher Gelegenheit. Und alles, was da mich kann scheiden. Von dir und von der Seligkeit. Hilf, daß ich also leb auf Erd, Daß ich hier fromm, dort selig werd. 4. Ja, daß ich, weil ich lebe, wandle Beständig in der Frömmigkeit, Nie wider mein Gewissen handle, Und nicht versäum die Gnadenzeit. Hilf, daß ich also leb auf Erd, Daß ich hier fromm, dort selig werd. 5. So kann ich endlich selig sterben. Und fröhlich gehen in mein Grab, Weil ich im Sterben werde erben, Was ich hier schon im Vorschmack hab. Hilf, daß ich also leb auf Erd, Daß ich hier fromm, dort selig werd. Der gläubige Christ bittet um Frömmigkeit. 277 Der gläubige Christ bittet um Frömmigkeit. Aufmunterung. Bleibe fromm, und halte dich recht; denn solchem wird's zuletzt wohl gehen. Ps. 37,37. Die Frömmigkeit ist ein Zierat der Jugend und stehet dem Alter auch wohl an. Gott selbst ermahnet den in die Fremde reisenden Abraham dazu: Wandle vor mir und sei fromm, 1 Mos. 17, 1. Zur Frömmigkeit aber ist nicht genug 1) eine äußerliche Ehrbarkeit, denn sie findet man auch bei den Heiden; sondern sie muß entstehen aus dem Glauben, aus der Liebe Gottes und aus dem innem. Grund der Seele. 2) Zu solcher Frömmigkeit gehöret erstlich die Aufrichtigkeit und Redlichkeit des Herzens gegen Gott und den Nächsten, sodann auch eine Unsträflichkeit im Leben, daß man sich unanständiger Reden und unchristlicher Werke enthalte; denn wo sich diese noch bei einem Menschen finden, da kann man nicht sagen, daß er fromm sei. 3) Diese Frömmigkeit soll auch beständig sein bis ans Ende. Es ist nicht genug, zwei oder drei Tage fromm sein, wenn man will zum heiligen Abendmahl gehen, sondern hier muß Hiobs Entschluß gelten: Bis mein Ende kommt, will ich nicht mehr weichen von meiner Frömmigkeit, Hiob 27,5. 4) Wie nun solche Frömmigkeit von Gottes Geist in uns gewirkt wird, so hat sie auch die herrlichsten und schönsten Verheißungen, nämlich dieses und des zukünftigen Lebens. Gebet. Heiliger Gott, ach, ich weiß fast nicht, ob ich vor deinem heiligen Angesicht erscheinen darf, wenn ich meine natürliche Unheiligkeit und mein sündliches Wesen bedenke. Du rufest auch mir zu: Wandele vor mir und sei fromm, und wenn du fromm bist, so bist du angenehm; ja, bleibe 278 Der gläubige Christ bittet um Frömmigkeit. fromm und halte dich recht, denn solchen wird's zuletzt wohl gehen. Aber ach, meine Frömmigkeit ist leider noch nicht weit gekommen; ich bin leider in die Welt, in das Weltwesen, in die Weltgewohnheiten, Welteitelkeiten noch geflochten gewesen. Wo aber die Liebe zur Welt und ihrem sündlichen Wesen sich noch einmischet, da kann auch Christus und die Liebe zu ihm nicht eine rechte Gestalt gewinnen. Weil aber solches dir nicht gefällt, sondern du vielmehr zu deinen Kindern spricht: Stellet euch nicht dieser Welt gleich, ach, so verleihe Gnade, daß ich die Welt und ihr Wesen gar verleugne. Gib mir ein wahrhaft frommes Herz. Hilf, daß ich sei von Herzen fromm, damit mein ganzes Christentum aufrichtig und rechtschaffen sei, nicht Augendienst und Heuchelei. Verleihe mir Gnade, daß ich mich möge einer wahren Frömmigkeit befleißigen, nicht etwa nur zum Schein und äußerlich, sondern daß meine Frömmigkeit möge im Herzen anfangen, daß ich dich über alles liebe, dir diene, und was dir gefällt, vollbringe, ja, daß ich allezeit, wie ein frommes Kind, ehe es etwas vornimmt, seinen Eltern nach den Augen siehet, ob sie es auch erlauben, so auch möge erst in dein heiliges Wort und Gebot schauen, ob solches, was ich vorhabe, mir als einem frommen Der gläubige Christ bittet um Frömmigkeit. 279 Christen anstehe. Ist so mein Herz fromm, so wird auch mein Mund fromm werden, daß er nichts Unanständiges rede; ja, meine Werke und Taten werden dir alsdann auch gefallen. Nun, mein Gott, ich habe diesen Entschluß in deinem Namen gefasset, gib mir dazu Gnade, Kraft, Stärke und Barmherzigkeit. Habe ich in den verflossenen Jahren nicht allewege nach diesem Kleinod getrachtet, so verzeihe es mir um Christi willen. Was ich aus Unverstand oder Blindheit versäumet, will ich nun mit desto größerem Eifer ersetzen, und in Zukunft nicht nach der Menschen Lüsten, sondern nach deinem Willen leben. So will ich, mein Gott, von Herzen und im ganzen Leben fromm werden und fromm bleiben, damit ich als ein frommer Christ dereinst auch seligsterben könne. Dazu gib mir deines Heiligen Geistes Kraft von oben herab, um JEsu Christi willen. Gib mir ein frommes Herz, Du Geber aller Gaben, Das soll mein Reichtum ein, Den ich begehr zu haben, Das soll sein, meine Zierd, Mein Ruhm und schönste Pracht, Denn fromm sein wird bei Gott. Und Engeln hoch geacht’t. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mein allergrößter Fleiß auf Erden. Soll künftighin darin bestehn, Daß ich von Herzen fromm mögwerden Und auf den Himmelswegen gehn; Ist Frömmigkeit der Bösen Spott, So ist sie doch beliebt bei Gott. 280 Der gläubige Christ bittet um Frömmigkeit. 2. Die Frommen haben Gott zum Freunde, Ist dieses nicht ein großes Glück? Drum schaden ihnen keine Feinde Mit ihrem Haffe, Neid und Tück; Denn Gott weiß wohl, was sie anficht, Der treue Freund verläßt sie nicht. 3. Die Frommen werden zwar gedrücket Bisweilen eine lange Zeit, Doch werden sie herausgerücket Aus ihrer Angst und Traurigkeit; Ihr Trauern wird in Freud verkehrt, Ihr Beten wird von Gott erhört. 4. Die Frommen sind bei Gott in Gnaden, Der Zutritt stehet ihnen frei; Nichts kann den Kindern Gottes schaden, Gott stehet ihnen treulich bei; Gott weichet von den Frommen nicht, Der HErr ist selbst ihr Heil und . Licht. 5. Der Frommen Elend muß verschwinden, Auf Leiden folget Trost und Freud, Sie werden großen Segen finden. Nach ausgestandnem Herzeleid; Gott wirft ins Feuer solche Ruth, Die einen Kindern wehe thut. 6. Die Frommen können sich getrosten, Daß keine Noth sie stürzen wird; Ist gleich die Noth am allergrößten, So bleibt doch Gott ihr Schutz und Hirt; O Schäflein, habe guten Muth, Du bist in deines Hirten Hut. 7. Die Frommen werden nicht verlassen, Gott ist's, der ihnen helfen kann, Drum wissen sie sich wohl zu fassen. Er nimmt sich seiner Kinder an; Spricht man: Nun ist das Unglück da, So sprechen sie: Und Gott ist nah. 8. Die Frommen wird Gott schon versorgen, Als welcher ihrer sich annimmt; Ihr Seufzen ist ihm unverborgen, Drum hat er schon die Stund bestimmt, Darin er ihre Sorgen stillt. Und sie mit Trost und Freud erfüllt. 9. Die Frommen können selig sterben, Sie sterben ja auf JEsum Christ, Sie werden Krön und Himmel erben, Der ihnen längst bereitet ist; Sie sind schon selig in der Zeit. Und kommen dort zur Herrlichkeit. Der gläubige Christ bittet um ein unverletztes Gewissen. 281 Der gläubige Christ bittet um ein unverletztes Gewissen. VAufmunterung. Unser Ruhm ist der, nämlich das Zeugnis unsers Gewissens, daß wir in Einfältigkeit und göttlicher Lauterkeit, nicht in fleischlicher Weisheit, sondern in der Gnade Gottes auf der Welt gewandelt haben, allermeist aber bei euch. 2 Cor. 1, 12. Die meisten Menschen tragen Sorge für ihren Leib, denselben gesund zu erhalten; sie haben große Bemühungen, um Güter zu erwerben oder zu erhalten; aber ach, daß sie auch solche große Mühe anwendeten, ihr Gewissen rein und unbefleckt zu erhalten! Das Gewissen ist gleich dem Auge, welches kein Stäublein leiden kann; es ist eines bösen Menschen Ankläger, Zeuge und Richter; ja, das Andenken der Sünde bleibet im Gewissen, wie Narben im Gesicht. Am jüngsten Tage werden Gott und das Gewissen die Zeugen sein, da wider man nichts wird einwenden können, der halben auch das Gericht bald wird geschehen sein, weil man diesen beiden Zeugen nicht widersprechen kann. Ein gläubiger Christ wird ein unverletztes Gewissen behalten, 1) wenn er fleißig Gottes Wort höret und liefet, und darnach sein Leben einrichtet, und in allem, was er sich vornimmt, zu reden und zu tun, gedenket, ob es ihm auch Gott in seinem heiligen Worte erlaubet; wenn er ferner 2) sündliche Gesellschaften und Gelegenheiten meidet; denn wie der, welcher mit Feuer und Wasser umgehet, leicht gebrannt oder genetzt wird, also wird das Gewissen bei Leuten, die unvorsichtig wandeln, leichtlich verletzet. 3) Sonderlich wird das Gewissen bewahret durch ein andächtiges, eifriges Gebet zu Gott, daß er uns leiten und führen und durch eine Gnade und Kraft auf rechter Bahn erhalten wolle, und durch die Vorstellung des allgegenwärtigen Gottes, als vor dessen Augen wir immer wandeln. 282 Der gläubige Christ bittet HErr, mein Gott, wie groß ist deine Güte und Liebe, die du an uns beweisest! Du gibst uns Leben und Gesundheit und lässest es uns wohl ergehen nach deiner Barmherzigkeit. Ach, mein Gott, dieses alles sind deine Geschenke und Gaben; aber sie werden uns wie ein bitterer Wermut werden, wenn in dem gesunden Leibe und bei allen Gaben und Gütern nicht ein rein und unverletzt. Gewissen ist. Darum, o mein Gott, erbarme dich über mich und erhalte mich in deiner Furcht, daß ich mein Gewissen nicht verletze. Das Gewissen ist wie das Auge; wenn in dasselbe nur das geringste Stäublein kommt, so ist es unruhig, es thränet, es wird roth, und man kann es nicht recht auftun; so gehet es auch mit dem Gewissen: hat man wider dasselbe etwas vollbracht, so wird es unruhig, es verklaget, verdammet, und wenn es recht aufwacht, so getrauet man sich nicht, seine Augen gen Himmel aufzuheben. Ach, mein Gott, ich möchte gern eine unverletzte Seele und ein rein Gewissen vor dein heiliges Angesicht bringen, o, darum regiere mich durch deinen Heiligen Geist, daß ich mit meinem Gewissen wie mit meinen Augen umgehen möge. Ach, wie ist ein gut Gewissen ein so edles Kleinod! O, mein Gott, laß mich um ein unverletztes Gewissen. 283 diejen Schatz wohl bewahren! Hilf mir, daß ich niemals etwas reden möge, das mir eine Gewissensangst verursachen könne. Hilf mir, daß ich nie in eine Sünde im Reden, oder in eine böse Tat einwillige, dadurch ich eine schwere Last auf meine Seele lege, die mich entweder in meinem ganzen Leben oder auf dem Todtenbette drücken, oder mir deinen Zorn und Strafe erwecken könnte. Ach, bewahre mich vor dem Beißen des Gewissens und vor Gewissensangst, und damit ich solche nicht empfinden müsse, so verleihe mir Gnade, daß ich mich aller Orten christlich und behutsam aufführe. Gib, daß ich mir allezeit vorstelle deine allerheiligste Gegenwart, vor dir Böses zu tun mich scheue, und gedenke, du seiest ein Herzenskiindiger, als vor welchem nichts verborgen ist; und da ich mich nicht kann vor meinem Gewissen verbergen, sondern dessen Bestrafung, wenn ich Böses tue, so bald fühlen muß, daß ich mich noch weniger vor dir, o allsehender und allwissender Gott, werde verbergen können. Gib, daß ich aufsehe auf JEsum, meinen Heiland, und dessen heiligen Fußtapfen folge. Gib, daß ich dein Wort, als meine Glaubensregel, nimmer lasse von meinem Munde kommen, daß ich durch Verleugnung meines Glaubens mein Gewissen nicht verwunde. Laß dein Wort 284 Der gläubige Christ bittet um ein unverletztes Gewissen. auch sein meine Lebensregel, damit ich nicht vorsätzlich da wider sündige, sondern mich in allem meinem Thun damachrichte. Ach, HErr JEsu, reinige mein Gewissen mit deinem heiligen Blute, verzeihe mir alle meine Sünden, und schenke mir die stille, wahre Herzens- und Gewissensruhe. Ach, dein Heiliger Geist führe mich allezeit auf ebener Bahn, so wird mein Gewissen unverletzt und deine Wohnung in meinem Herzen ungestört bleiben. O Gott, du frommer Gott, Du Brunnquell guter Gaben, Ohn den nichts ist, was ist, Von dem wir alles haben: Gesunden Leib gib mir Und daß in solchem Leib Ein unverletzte Seel. Und rein Gewissen bleib. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ist mein Gewissen frei, Was frag ich nach den Leuten, Die all mein Thun verdrießt, Die alles übel deuten, Was nur von mir geschieht? Im Himmel ist, der zeugt. Von allem meinem Thun. Und der gewiß nicht leugt. 2. Ist mein Gewissen frei, So laß die Leute sagen, Was ihnen nur beliebt; Was darf ich darnach fragen. Was man mir falsch aufbürd"t. Und von mir übel spricht! Denn mein Gott siehet wohl, Wie unrecht mir geschieht. 3, Ist mein Gewissen frei, So kann es mir nicht schaden, Ob man mich schon verdammt; Bin ich bei Gott in Gnaden, Was frag ich nach der Welt? Mein Richter ist ja Gott, Drum ficht mich gar nicht an. Der frechen Feinde Spott. 4. Ist mein Gewissen frei, So kann ich fröhlich beten Und darf vor meinen Gott. Mit Freudigkeit hintreten; Gläubige Eltern tragen Gott ihre Kinder im Gebet vor. 285 Gott sieht und kennt mein Herz, Dem ist es aufgedeckt, Der weiß, daß ich nicht bin. Mit dieser Siind befleckt. 5. Ist mein Gewissen frei, So kann ich stille schweigen. Weil meine Unschuld sich Wird mit der Zeit schon zeigen. Ihr Tadeler, gedenkt, Gott kennet euch und mich, Drum sprecht hinfüro nicht. Von mir so freventlich. 6. Verleihe mir Geduld, Daß ich es kann ausstehen, Wenn man läßt über mich. Ein schnödes Urteil gehen; Ach, rechne keinem doch Die Missetaten zu, Und gib mir Freudigkeit. Und innre Seelenruh. Gläubige Eltern tragen Gott ihre Kinder im Gebiet vor. Aufmunterung. Ihr Väter, reizet eure Kinder nicht zu Zorn, sondern ziehet sie auf in der Zucht und Vermahnung zum HErm. Eph. 6, 4. Ist etwas, was frommen Eltern sehr am Herzen liegt, so sind es ihre Kinder. Gewiß, Kinder sind teure Pfänder, welche Gott von der Hand der Eltern fordern wird. Wenn nun solches fromme Eltern erwägen, 1) so tragen sie dieselben Gott fleißig im Gebet vor, ehe sie geboren werden, und hernach kommen sie also vor Gott, daß sie auch ihre Kinder mitbringen. Es bitten aber fromme Eltern absonderlich, daß Gott ihren Kindern gebe ein frommes Herz und den Heiligen Geist, der sie heilige, regiere, führe, als welches der wahre Grund ihrer Glückseligkeit ist, gegen welchen Reichtum, Geschicklichkeit, Klugheit nichts zu achten sind. 2) Es sollen aber Eltern nicht allein für ihre Kinder beten, sondern sie auch in der Furcht Gottes erziehen. Dazu gehöret, daß sie ihnen nicht den freien Willen lassen, weil der Kinder Wille von Natur unartig und ihr Dichten und Trachten böse ist von Jugend auf, sondern daß sie dieselben unterrichten in der Erkenntnis Gottes, die zum Gebet und christlichen 286 Gläubige Eltern tragen Gott ihre Kinder im Gebet vor. Wandel anhalten, ihnen keine Erlaubnis geben, in sündlicher, eitler Menschen Gesellschaft zu gehen; denn, wenn sie das erlauben, so ist ihr Gebet vergebens, ja, sie spotten Gott mit ihrem Gebet. 3) Die versäumte Kinderzucht bringet den Eltern schwere Verantwortung vor Gott, indem Gott das Blut der verwahrloseten Kinder von ihnen fordern wird. Sie bringet auch den Eltern Schmach und Schande, indem sie an ihren Kindern keine Ehre, sondern Schande haben werden, bisweilen in ihrem Leben, doch gewiß nach ihrem Tode. Die versäumte Kinderzucht bringet auch Gottes Zorn auf die Eltern, wie zu sehen. 1 Sam. 2, 29. Cap. 4, 18. 4) Nachlässige Eltern bringen sich und ihre Kinder in die Hölle, und haben also mit ihrem Zärteln ihnen keine Wohltat erwiesen. Gebet. HErr, allmächtiger Gott, du Vater der Barmherzigkeit, du hast unter andern Gnadengaben mir auch Kinder gegeben, wofür ich dich herzlich lobe und preise. Diese meine Kinder aber sehe ich an als teure Pfänder, die du mir anvertrauet hat, und welche du von meiner Hand wieder fordern wirft; ich sehe sie an als Seelen, die JEsus mit seinem heiligen Blute erkaufet, die der Heilige Geist in der heiligen Taufe geheiliget, und welche du zu deinen Kindern angenommen hat; darum bin ich bekümmert, daß ich ja keines durch meine Schuld verlieren möge. Du jaget zu mir und allen Eltern: Nimm dieses Kind in Acht; wo man sein missen wird, so soll deine Seele an Statt seiner Seele sein. Darum, o Vater aller Gläubige Eltern tragen Gott ihre Kinder im Gebet vor. 287 Gnaden, komme ich zu dir, und trage in meinem herzlichen Gebet meine Kinder dir vor; ich will tun, was ich kann, ich will sie zu deiner Ehre erziehen, sie vermahnen, strafen, unterrichten und für sie beten; aber ach, HErr, HErr, tue du dabei das Beste. Ich habe sie in der heiligen Taufe und sogleich nach ihrer leiblichen Geburt in die Arme deiner Barmherzigkeit geleget; flehe, solches tue ich auch jetzo in meinem Gebet. Ach, segne meine Kinder, begleite meine Kinder, wenn sie aus- und eingehen, erhalte sie in deiner heiligen Furcht, daß sie ihr Gewissen nimmermehr mit Sünden beladen, dich nicht beleidigen, oder gar aus deiner Gnade fallen mögen. Gib ihnen ein gläubiges, demütiges, gehorsames und frommes Herz, daß sie, wie das Kind JEsus, zunehmen an Alter, Weisheit und Gnade bei Gott und den Menschen. Drücke ihnen das Bild JEsu ins Herz, auf daß sie allezeit einen gnädigen Gott und ein unverletztes Gewissen bis an ihr seliges Ende behalten. Ach, laß meine Kinder sein in ihrem Gebet andächtig, in ihrem Christentum wohl gegründet, im Glauben beständig, bei dem Gottesdienst eifrig, in ihrem Leben keusch, in ihrem Umgang gottselig, damit sie niemand mit ihrem Reden und Thun ein Ärgernis geben und dadurch ein schweres Gericht sich zuziehen. 288 Gläubige Eltern tragen Gott ihre Kinder im Gebet vor. Bewahre sie vor Verführung und böser Gesellschaft, erinnere sie allezeit durch deinen Heiligen Geist an deine allerheiligste Gegenwart, daß sie gedenken, du seiest bei ihnen, zu Hause, in der Fremde, in der Kammer, bei Tage, bei Nacht, in der Gesellschaft und in der Einsamkeit. Dein Engel begleite sie, wenn sie aus- und eingehen, dein Engel bewahrte sie, wenn sie auf Reisen, in ihren Geschäften und in der Fremde sind. Gib ihnen deine heiligen Engel zu Gefährten, wie dem jungen Tobia; führe sie durch dieselben aus der Gefahr, wie den Lot, und laß sie der Engel Schutz und Wacht genießen, wie den Jakob. Sollte dir es aber gefallen, mir auch ein Kinderkreuz zuzuschicken, entweder durch ihre Krankheit, oder durch ihr Absterben, oder durch sonst ein Unglück, das ich an ihnen sehen müsse, so verleihe mir in solchem Leiden Geduld, daß ich gedenke, wie ohne dich nichts geschieht, und daß die Kinder eher dein gewesen sind, als sie mein geworden, und daß du auch freie Macht hat, sie wieder zu dir zu nehmen. Willst du aber mich durch meiner Kinder Leiden, Unglück und Tod zu dir ziehen, daß ich auch an ihnen die Vergänglichkeit der sichtbaren Gaben erkennen, und dadurch aufgemuntert werden soll, dich allein zu lieben, als das wahre und vollkommenste Gut, Gläubige Eltern tragen Gott ihre Kinder im Gebet vor. 289 so erhalte mich auf diesem Dornenweg in festem Vertrauen und in der Hoffnung auf deine Allmacht, daß du alles, auch meiner Kinder Kreuz, enden und wenden könnest. Erteile ihnen auch im Leiblichen deinen Segen, versorge sie, pflege sie, gib ihnen Nahrung und Kleidung, und tue wie ein mächtiger himmlischer Vater an ihnen; sei ihr Helfer in Gefahren und Unglück, ihr Arzt in Krankheit, und ihr Ratgeber, wenn sie guten Rates bedürftig sind. Gib meinen Kindern eine fromme Seele, gesunden Leib, guten Verstand, und laß sie vor dir leben, damit sie dich allezeit ehren und preisen. Pflanze in ihre Herzen die wahre Frömmigkeit, erhalte sie in deinem Segen, damit ich Trost und Freude an ihnen haben möge. Ach Gott, erhöre mein Gebet, und gedenke, es sind ja sowohl deine, als meine Kinder; dämm wollest du auch mein Seufzen für sie vor dem Throne deiner Gnade erhören. Bewahre mich, o Gott, daß ich keine Schande von meinen Kindern haben möge, weder bei meinen Lebzeiten, noch nach meinem Tode. Laß mich am jüngsten Tage mit allen meinen Kindern zu deiner Rechten stehen und zu deinem Preise sagen: Siehe, hier bin ich, mein Gott, und die Kinder, die du mir gegeben hat; ich habe deren keins verloren. Ja, mein Gott, 290 Gläubige Eltern tragen Gott ihre Kinder im Gebet vor. verleihe mir Gnade, daß keines meiner Kinder verloren gehe, sondern daß sie alle mit mir, und ich mit ihnen, zu deiner Herrlichkeit eingehen mögen. Ach Gott, segne meine Kinder, Nimm dich ihrer treulich an, Thu an ihnen auch nicht minder, Als du hast an mir getan; Segne ihren Schritt und Tritt, Teil den Segen ihnen mit, Laß es ihnen Wohlergehen, Sie in deiner Gnade stehen. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Du hast, o großer Gott, Die Kinder mir gegeben, Und du erhältst sie auch Im Wohlsein und beim Leben; Ach, dafür dank ich dir, Als eine liebe Gab, Die ich von deiner Hand, Mein Gott, empfangen hab. 2. Seh ich die Kinder an, So muß ich zwar bekennen Daß sie sind alle mein, Weil sie sich von mir nennen; Jedoch sie sind auch dein, Drum komm ich jetzt zu dir Und trage im Gebet Dir meine Kinder für. 3. Ach, pflanz die Gottesfurcht. In ihrer aller Seelen, Daß sie, was dir gefällt, In ihrem Thun erwählen; Erfülle ihren Geist. Mit wahrer Fröhlichkeit, Mit Keuschheit, Glaub und Lieb Und mit Zufriedenheit. 4. Laß sie in Tugenden. Mit jedem Jahr zunehmen Und zum Gehorsam sich Ohn Widerspruch bequemen; Schenk ihnen Kraft und Stärk, Gib Weisheit und Verstand. Und führ sie immerdar An deiner Vaterhand. 5. Laß deinen guten Geist. Sie allezeit regieren, Laß mich an ihrem Thun. Des Glaubens Früchte spüren; Gib ihnen Jakobs Glück. Und Josephs Frömmigkeit, Tobiä folg am Herz. Und Segen allezeit. 6. Und wenn sie in der Welt. Viel Böses sollten sehen, So laß sie nimmermehr. Auf bösen Wegen gehen; Wend ihre Augen ab Von Sünd und Eitelkeit, Bewahre ihre Seel Vor Stolz und Sicherheit. Fromme Kinder beten für ihre Eltern. - 291 7. Wenn die Gesellschaft will Zur Sünde sie verführen. So laß sie deine Furcht. Und Gegenwart verspüren, Und hab selbst Acht auf sie, Bewahre ihren Tritt, Begleite sie und geh, Wo sie hingehn, selbst mit. 8. Erhalte sie gesund, Und zeigen sich Gefahren, Bei Tage oder Nacht, So lasse sie bewahren. Der Engel goldnes Heer Und immer auf die sehn, Daß sie in deiner Gnad Und mildem Segen stehn. 9. Und noch Eins bitt ich dich, Das wollest du mir geben: Laß mich ja nimmermehr An ihnen Schand erleben, Auch nicht nach meinem Tod. Ach Gott, erhöre mich, Verleihe solches mir Und ihnen väterlich. 10. Laß mich an jenem Tag Auch meine Kinder sehen, Daß sie vor dir verklärt. Zu deiner Rechten stehen, Auf daß ich sagen kann: Hier bin ich und die Gab, Die Kinder, die ich längst Von dir empfangen hab. Fromme Kinder beten für ihre Eltern. Aufmunterung. Ihr Kinder, seid gehorsam euren Eltern in dem HErm; denn das ist billig. Ehre Vater und Mutter; das ist das erste Gebot, das Verheißung hat: Auf daß dir's wohl gehe, und du lange lebest auf Erden. Eph. 6, 1-3. Unter andere schwere Sünden, wodurch ein Mensch den Fluch kann auf sich ziehen, gehöret auch diese, wenn sich erwachsene Kinder an ihren Eltern versündigen. Obgleich Eltern von der ersten Stunde der Geburt an mit den Kindern Mühe, Last und Verdruß haben, so ist es ihnen doch am empfindlichsten, wenn die Kinder widerspenstig, herrisch, unartig und boshaft gegen sie sind in den erwachsenen Jahren, als in welchen sie billig ihnen sollten lauter Freude und Vergnügen machen. Fromme Kinder sollen demnach 1) fleißig für ihre Eltern beten, und in solchem Gebet ihnen allen Segen, Gesundheit, 292 Fromme Kinder beten für ihre Eltern. Wohlergehen, langes Leben und Abwendung alles Unglücks von Gott erbitten. Fromme Kinder sollen 2) ihre Eltern lieben, denselben gerne aufwarten, zu ihrem Dienst willig und hurtig sein, und ihrer pflegen, wenn sie krank sind. Fromme Kinder sollen 3) ihren Eltern gehorchen, daß sie sich zu allem Guten erziehen lassen, den Eltern nicht widerbellen oder widersprechen, wenn sie ihnen etwas heißen und befehlen; auch wenn sie sich verheirathen wollen, sollen sie ohne der Eltern Wiffen und Willen sich nicht heimlich verbinden, als welches lauter Fluch und Unglück nach sich ziehet. Fromme Kinder sollen 4) ihre Eltern ehren im Herzen, daß sie erkennen, Gott habe die Eltern an seine Statt gesetzet, indem Gott durch der Eltern Hand den Kindern alles gibt; sie sollen sich auch ehrerbietig mit Worten und Werken gegen sie erzeigen, sie nicht anfahren, ihnen nicht unfreundliche und harte Worte geben, auch ihrer Eltern Ehre und guten Namen vertheidigen. 5) Es sollen fromme Kinder gedenken, daß sie den Eltern nimmermehr vergelten können, was sie an ihnen getan haben. Gedenke, wie sauer du deiner Mutter geworden bist, und mit was für Mühe und Arbeit dich dein Vater erzogen und ernähret hat. 6) Undankbare und widerspenstige Kinder sind rechte lebendige Höllenbrände, denen es nimmermehr wohlgehen kann, wo sie nicht die Sünden und Bosheiten, so sie an ihren Eltern begangen, vor ihrem Tode durch eine herzliche und wahre Buße mit Tränen bereuen. Ach, du gnädiger und barmherziger Gott, ich lobe dich von Grund meines Herzens, daß du mich von frommen und christlichen Eltern in diese Welt hat lassen geboren werden. Das ist die erste Wohltat, die du mir erwiesen hat. Wären Fromme Kinder beten für ihre Eltern. 293 meine Eltern Juden, Türken und Heiden gewesen, so wäre ich so verstockt, so ungläubig und ohne deine Erkenntnis, wie sie. War meiner Eltern erste Sorge nach meiner leiblichen Geburt, daß ich, o mein himmlischer Vater, durch die heilige Taufe in deine Arme geleget würde, darin du mir den Heiligen Geist zum Pfände meiner Kindschaft und meines himmlischen Erbes gegeben hast, so laß auch diesen guten Geist mich immerdar leiten und führen, daß ich meine Pflichten gegen dich und meine Eltern wohl möge in Acht nehmen. Ich liege jetzt mit meinem Gebet vor deinem allerheiligsten Angesicht, und bitte dich: ach, laß meine Eltern gesund, bewahre sie vor Unglück, segne ihre Nahrung, ihre Arbeit und ihren Beruf, gib ihnen langes Leben, vergilt ihnen die mir erwiesene Treue, die ich nicht erzählen und nimmermehr vergelten kann, mit geistlichen und himmlischen Gaben. Gib mir, o himmlischer Vater, ein gehorsames Herz, daß ich meine Eltern nicht beleidige, oder mit Wissen und Willen betrübe. Gib, daß ich mir immer vor Augen stelle das Exempel meines JEsu, der dir, einem himmlischen Vater, nicht allein gehorsam war, sondern auch seinem Pflegevater, dem Joseph, und seiner Mutter, der Maria; damit ich mit meinem kindlichen Gehorsam 294 Fromme Kinder beten für ihre Eltern. meinen Eltern zu aller Zeit, und auch in ihrem Alter, lauter Freude und Vergnügen mache. Bewahre mich, daß ich nicht durch Ungehorsam und Widerspenstigkeit den Fluch und Unsiegen auf mich bringe, der den bösen Kindern gedrohet ist, sondern daß es mir möge hier zeitlich und dort ewig wohlgehen. Gib mir ein ehrerbietig Herz gegen sie, daß ich sie weder mit Worten noch Werken erzürne, daß ich in Demut ihnen begegne, mit Freundlichkeit ihren Befehl anhöre, und auch ohne Widerspruch ihre Züchtigung ertrage. Behüte mich, daß ich nicht den unartigen, bösen Kindern gleich werde, welche ihre Eltern verhöhnen, verachten und ihnen lauter Herzeleid und Verdruß machen, welche aber auch den Fluch auf sich ziehen, und alles Segens, den du frommen und guten Kindern verheißen hat, auf ewig werden beraubet werden. Gib mir deine Gnade, daß ich mich an meinen Eltern nicht versündige, sondern fleißig erwäge, wie sauer ich meiner Mutter geworden und mit wie vieler Mühe ich erzogen bin; damit ich mit dankbarem Herzen und Gemüte solches Zeit meines Lebens erkenne, und meine Eltern an mir keine Schande, sondern lauter Freude erleben mögen. Habe ich in meinen Kinderjahren meinen Eltern etwas zuwider getan, das bitte ich hiermit dir, o Gott, und Fromme Kinder beten für ihre Eltern. 295 meinen Eltern in Demut ab, und verspreche, daß ich durch deine Gnade trachten will, sie mit meinem Gehorsam und einer christlichen Aufführung zu erfreuen. Verleihe mir deinen Heiligen Geist, daß ich im Glauben, in Frömmigkeit, in Keuschheit und Gottesfurcht, wie es einem Kinde Gottes gebühret, möge wandeln, damit ich mit meinen Eltern am jüngsten Tage zu deiner Rechten stehen und mit ihnen zu deiner Herrlichkeit eingehen möge. Du sollt ehm und gehorsam sein. Dem Vater und der Mutter dein, Und wo dein Hand ihn'n dienen kann, So wirst du längs Leben han. Kyrieleis. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ich will, o großer Gott, Vor deinen Thron jetzt treten. Und als ein frommes Kind. Für meine Eltern beten; Der du die Kinder pflegt. In Gnaden anzusehn. Ach, laß auch meine Bitt Und Herzenswunsch geschehn. 2. Die Eltern haben mich In ihr Gebet geschlossen, Eh ich geboren war; Und weil ich bin entsproffen. Von Christen, so bin ich Durch die zur Tauf gebracht. Darin ich einen Bund. Mit dir, o Gott, gemacht. 3. Es hat mich ihre Lieb Zur Schule lassen gehen, Und mich in meinem Thun. Auf JEsum heißen sehen; Ihr Herz war immer dar, Bei Tag und auch bei Nacht, Mit immer regem Fleiß Nur auf mein Wohl bedacht. 4. Laß mich für diese Lieb Sie wieder herzlich lieben, Laß ihre Liebe mir Ins Herz stets ein geschrieben. Damit ich dankbar sei, So viel ich immer kann, Und bleib stets eingedenk, Was sie an mir getan. 296 Fromme Kinder beten für ihre Eltern. 5. Ach, laß sie viele Jahr Zu meinem Trost erleben, Und wollest auch dabei Gesundheit ihnen geben; Erhalte sie, o Gott, Auf lange, späte Jahr, Damit ich sie noch seh In ihrem grauen Haar. 6. Ach, schenke ihnen doch, O Vater, deinen Segen, Laß deinen Segen sein. Auf allen ihren Wegen; Erhalte, was du gibst. Und was du hast beschert, Das segne, daß es werd Durch deine Gnad vermehrt. 7. Gib mir ein willig Herz, Daß ich mich lasse ziehen, Daß ich nach ihrem Rat Die Sünde möge fliehen, Daß ich gehorsam sei. Ohn allen Widerspruch. Und ferne von mir bleib Der sonst gedrohte Fluch. 8. Laß sie an mir viel Freud. Und keine Schand erleben, Ach, laß mir deine Furcht, Mein Gott, vor Augen schweben; Schenk mir ein frommes Herz, Daß ich die Sünde scheu. Und bleibe dir, o Gott, In Glaub und Liebe treu. 9. Laß mich an jenem Tag. Auch meine Eltern sehen In großer Herrlichkeit. Zu deiner Rechten stehen, Und laß mich auch daselbst, Durch IEu Blut so rein, Mit Himmelsglanz geschmückt, Bei meinen Eltern sein. 297 Zweiter Abschnitt. Zum Gebrauch der Betrübten. Der Betrübte tröstet sich der Allmacht Gottes. Aufmunterung. Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Jes. 41, 10. Ist etwas, welches eine betrübte Seele aufrichten kann, so ist es gewiß die Allmacht ihres gnädigen Gottes; denn diese ist der Betrübten Anker, daran sie sich halten, wenn sie sich vorstellen: 1) bei Gott ist kein Ding unmöglich; es ist kein Elend so groß, Gott kann daraus erretten, keine Last so schwer, er kann sie abnehmen, kein Unglück so heftig, er kann es wenden. 2) Soll der Betrübte bedenken, daß andere viel schwerere Bürden getragen haben, und daß sie dennoch Gott daraus errettet hat. Er soll daher mit Freuden sprechen: Ach Gott, du bist noch heute so stark, als du gewesen ewiglich, "mein Vertrauen steht ganz zu dir. 3) Sollten Betrübte sich erinnern, Gottes Allmacht habe keine Schranken, und derowegen den Mut nicht sinken lassen, wenn sie schon nicht sehen, wie, wodurch und auf welche Weise ihnen könne geholfen werden; denn das alles soll man der göttlichen Weisheit, Güte und Treue überlassen. Eure Gedanken sind nicht meine Gedanken, spricht der HErr, und meine Wege sind nicht eure Wege, Jes. 55,8. Diese Betrachtung soll einer betrübten Seele Vertrauen und Hoffnung stärken, weil sie weiß, Gott könne und wolle ihr helfen. Sie soll 298 Der Betrübte tröstet sich der Allmacht Gottes. derohalben Stille sein, hoffen, beten, Gott vertrauen, die Triibjal mit Geduld ertragen, und ihre Augen freudig gen Himmel aufheben und sagen: Meine Hülfe kommt vom HErm, der Himmel und Erde gemacht hat. Ps. 121, 1. Gebet. O du gütiger und freundlicher Gott, du weißt und siehest, wie mein Herz betrübet ist; es liegt auf demselben ein schwerer Stein, den ich nicht abwälzen kann, eine harte Last, die ich kaum tragen kann. Darum komme ich zu dir, o allmächtiger Gott, ich schütte mein Herz aus vor dir, der du meine Zuversicht bist, ich werfe mein Anliegen von mir auf dich, und bitte dich, du wollest mich versorgen, mich erretten, mir beistehen. Das von Wellen herumgeworfene Schifflein hält sich an den Anker, und ich halte mich an dich, lebendiger und starker Gott; das gesagte Wild eilet zu den Bergen, und ich hebe meine Augen auf zu dir, o mein Fels, mein Erretter nnd mächtiger Schutzherr! Ich will nicht verzagen, ich weiß, daß du ein allmächtiger Gott bist, du kannst helfen, dir ist nichts unmöglich; darum, HErr, hilf mir, so ist mir geholfen, sprich nur ein Wort, so weichet meine Bekümmerniß, so erlange ich Hülfe. Ach, mein Gott, ich weiß, du bist barmherzig, darum erbarme dich jetzt auch über mich Elenden; du weißt meinen Schmerz, erkennest Der Betrübte tröstet sich der Allmacht Gottes. 299 mein Herz, hast du mir's aufgeleget, so hilf mir's auch ertragen. Ich weiß, du bist ein weiter Gott, du wirst Mittel und Wege wissen, die mir jetzt unbekannt sind. Ach, zeige mir ein Trostbrünnlein, wie dort der weinenden Hagar, jage mir Hülfe zu, wie ehemals der betrübten Wittwe, hilf mir, wie dort dem verlassenen Elisa, und beweise deine große Güte an mir, wie an dem gefangenen Petro. Laß die Bande meines Elends und Jammers von meinem Herzen fallen. Laß dein Freudenlicht in mir aufgehen, dadurch du mich versichert: Ich will dich nicht verlassen, ich will dich nicht versäumen; ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit ewiger Gnade will ich mich über dich erbarmen. Ich weiß, du bist ein treuer Gott, der noch keinen verlassen hat, der zu dir rief, darum wirst du mich auch nicht verlassen. O, siehe, HErr, mein Gott, wie hier eine elende und hiilflose Seele vor deinem Gnadenthron lieget, sende mir Hülfe vom Heiligtum, und stärke mich aus Zion. HErr, ich lasse dich nicht, du segnet mich denn. Mein Gott und Vater, wenn du mir nicht hilft, wer soll mir denn helfen? Auf dich bin ich geworfen von Mutterleibe an, da hast du mich in die Anne deiner unermüdeten Barmherzigkeit genommen, und bisher darin getragen, ach, darum laß mich 300 Der Betrübte tröstet sich der Allmacht Gottes. auch jetzt darin Hülfe finden. Ich schreie dir so lange nach, bis du spricht: Dir geschehe, wie du willst. Ach Gott, erhör mein Seufzen und Wehklagen, Laß mich in meiner Noth nicht gar verzagen, Du weißt mein'n Schmerz, Erkennt mein Herz, Hast du mir's aufgelegt, so hilf mir's tragen. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ach, wo ist nun mein Gott? So muß ich jetzo fragen, Weil ich von nichts als Kreuz Und Trübsal weiß zu sagen; Weil tausend Kreuz und Leid. Sich stellet bei mir ein, So scheint es, ich muß gar Von Gott verlassen sein. 2. Ach, wo ist nun mein Gott? Hat er mir doch verheißen, Er wolle bei mir ein Und mich der Noth entreißen; Warum verzieht er denn, Verbirgt sein Angesicht, Als wär er nicht mein Gott, Als kennt er mich jetzt nicht? 3. Ach, wo ist nun mein Gott. In diesen meinen Nöten, Die an das Leben gehn. Und mich fast wollen tödten? Zwar seine Allmacht ist. Mir allzuwohl bekannt, Und doch empfind ich nicht. Die starke Helfershand. 4. Ach, wo ist nun mein Gott, Will er sich nicht erbarmen? Sieht er nicht meine Noth? Kennt er nicht mehr mich Armen? Ach ja, ich bin gewiß, Daß die Barmherzigkeit. Mich einst erfreuen wird; Allein wann kommt die Zeit? 5. Doch was betrübt du dich. Mein Herz, mit solchen Fragen? Gott lebet ja annoch; Was willst du immer klagen? Der dich mit seiner Hiilf Erfreuet ohne Zahl, Der hilft gewißlich dir, Glaub's mir, auch diesesmal. 6. Es hat ja Gott noch nie. In Nöten dein vergessen, Warum willst du dich jetzt So ängstigen und pressen? Gott sieht dein Leiden wohl. Und läßt es so Der Betrübte tröstet sich der Liebe Gottes. 301 geschehn, Er will in diesem Kampf Nur deinen Glauben sehn. 7. Verzage nicht an Gott! Willst du den nicht mehr kennen, Der doch dein Vater ist. Und den du pflegt zu nennen. Den allerbesten Freund? Drum stell dein Trauern ein. Und zweifle nicht, er wird Dein Freund und Vater sein. 8. Mein Gott, ich hoff auf dich, Ach, laß die Stunde kommen, Da meine große Last Wird endlich abgenommen; Indessen steh mir bei Und hilf mir gnädiglich; Ach Gott, erbarme dich, Ach Gott, erhöre mich. Der Betrübte tröstet sich der Liebe Gottes. Aufmunterung. Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen; aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig von dir verborgen; aber mit ewiger Gnade will ich mich dein erbarmen, spricht der HErr, dein Erlöser. Jes. 54, 7. 8. Einer betrübten Seele kann in ihrer Traurigkeit, im Kreuz und Leiden nichts Erfreulicheres Vorkommen und gesagt werden, als dieses: daß sie dennoch von Gott um Christi willen geliebt werde. Im schweren Kreuz ist dieses der erste Gedanke, der uns vom Satan und unserm Fleische beigebracht wird: Gott ist dein Feind, er liebet dich nicht mehr; denn liebte er dich, so würde er dich nimmermehr also betrüben und sein Gnadenangesicht vor dir verbergen. Allein diesem Gedanken soll ein Betrübter kein Gehör geben, sondern ihm entgegensetzen die ewige Liebe Gottes, welcher seine Kinder nicht verläßt, und sich erinnern: 1) daß in Kreuz und Traurigkeit zu leben und doch ein Kind Gottes zu sein, wohl könne bei einander stehen; denn Christus, der geliebte Sohn Gottes, hatte Trübsal genug, und blieb doch Gottes Sohn. 2) Soll ein 302 Der Betrübte tröstet sich der Liebe Gottes. Betrübter erwägen, daß Gott dennoch denjenigen liebe, den er in große Traurigkeit, in Anfechtung und Kreuz läsjet geräten. Ein Vater bleibet ein Vater, ob er dem Kind liebkoset, oder ob er es mit der Ruthe züchtiget. Dazu kommt, 3) daß solches Kreuz nicht wird der betrübten Seele zugeschicket aus Zorn, auch nicht zu ihrem Verderben oder Schaden, sondern daß sie Gottes Güte, Allmacht, Treue und Weisheit desto mehr erkennen lerne. 4) Diese Liebe Gottes ist auch unter dem Kreuz sehr geschäftig: sie erhält den Betrübten, bewahret ihn, stärket ihn, segnet ihn, er wird zuweilen wunderbar erquicket und erfreuet, die Last wird erleichtert; welches alles Proben der Liebe Gottes sind. Gebet. Der HErr ist bei mir, darum fürchte ich mich nicht. Du bist mein Hort, mein Fels, meine Burg und mein Erretter. Also seufze ich, mein Gott, in meiner jetzigen Betrübnis und Angst der Seele. Ach HErr, HErr, du weißt ja wohl, wie wehe mir ums Herz ist, wie voller Leiden und Schmerzen ich bin. Aber ich weiß auch, daß mich diese Noth nicht unterdrücken wird, wenn du mir beistehet. Ach, verbirg doch dein Angesicht nicht länger vor mir; mir ist angst, lindere es mir. Du hast mir von Jugend auf viel Liebes und Gutes erwiesen, ach, mit solcher Liebe umfasse mich auch jetzt in der Betrübnis meiner Seele. Ein Schäflein fliehet, wenn es gesagt wird, zu einem Hirten; ein Kind, wenn es geängstiget wird, gehet zu seinem Vater: darum Der Betrübte tröstet sich der Liebe Gottes. 303 komme ich auch, mein Hirte und mein Vater, zu dir. O großer Gott, du hast mir deinen Beistand versprochen: Ich bin bei dir in der Noth, ich will dich heraus reißen; fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, ich bin dein Gott, ich stärke dich, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit; ich will dich nicht verlassen noch versäumen. Nun, o großer Gott, jetzt habe ich Hülfe vonnöthen, jetzt stehe bei mir, jetzt weiche nicht von mir, jetzt verlasse mich nicht. Ich weiß, ich bin nicht verlassen, deine Liebe ist so innig, daß du dich meiner erbarmen mußt. Du hast mich immerdar geliebet, und aus großer Liebe hast du mich zu dir gezogen. Umfasse mich jetzt mit deinen Liebesarmen, erhalte mich, daß ich nicht sinke, erquicke mich in meinem Leiden, laß mich hören Freude und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hat. Ziehe mir aus den Sack, und umgürte mich mit Freuden, und laß meine Traurigkeit in Freude verwandelt werden. Beweise auch an mir, was andere so vielfältig von deiner Liebe und Güte rühmen, damit ich mit ihnen deinen großen Namen preisen möge. O, du Gott der Liebe, versiegle den Trost in meinem Herzen, du habet mein nicht vergessen, so wenig ein Vater seines Kindes vergessen kann. Treuer Vater, siehe, 304 Der Betrübte tröstet sich der Liebe Gottes. dein Kind ist betrübt, erfreue es; es ist voller Angst, erbarme dich und hilf ihm um JEsu willen. Ich will, dieweil ich lebe noch, Das Kreuz dir fröhlich tragen nach; Mein Gott, mach mich dazu bereit, Es dient zum Besten allezeit. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1 . Mich soll kein Kreuz von Gott abtreiben, Und wär es noch so schwer und groß; Mein Vater, du wirst bei mir bleiben, Ach, nimm mich auf in deinen Schooß, In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlaß ich mich auf meinen Gott. 2. Ich weiß, es steht in Gottes Händen, Was mich betrübt und heftig quält; Ich weiß, er kann es leichtlich wenden, Weil es ihm nicht an Mitteln fehlt; In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlaß ich mich auf meinen Gott. 3. Ich weiß, Gott wird nicht von mir weichen; Wo Kreuz ist, da ist Gott nicht weit; Er wird mir eine Hand darreichen. Der Vater hilft zur rechten Zeit; In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlaß ich mich auf meinen Gott. 4. Ich weiß, Gott wird mich bald befreien, Denn er betrübt nicht immer dar, Er macht daraus oftgrüne Maien, Was eine scharfe Ruthe war; In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlaß ich mich auf meinen Gott. 5. Ja, ja, wenn Gottes Stund wird schlagen, So höret auch mein Elend auf; Indessen will ich's willig tragen: Gott hemmt der wilden Wellen Lauf; In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlaß ich mich auf meinen Gott. 6. Der Vater wird ein Kind erhören, Drum halt ich ihm im Glauben still, Er wird mir meine Bitt gewähren, Das ich ihm ewig danken will; In Trübsal, Kreuz und aller Noth Verlaß ich mich auf meinen Gott. Der Betrübte tröstet sich der Hülfe Gottes. 305 Der Betrübte tröstet sich der Hülfe Gottes. Aufmunterung. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt. Meine Hülfe kommt vom HErm, der Himmel und Erde gemacht hat. Ps. 121, 1. 2. Keine Hülfe zu haben in seinem Leiden und Elend ist wohl betrübter, als das Leiden selbst. Dagegen macht die Hoffnung der Hülfe und endlichen Errettung auch das schwerste Leiden leichter. Betrübte Seelen sollen sich damit aufrichten: 1) Gott kann ihnen helfen, denn bei Gott ist kein Ding unmöglich; nichts ist ihm zu schwer und nichts zu groß, er kann helfen in allem und aus allem. Betrübte sollen 2) gedenken, Gott will ihnen auch helfen, in der Kraft der herrlichen Verheißungen, er wolle bei ihnen ein in der Noth, er wolle sie herausreißen, er wolle sie nicht verlassen noch versäumen. Betrübte sollen 3) erwägen die Exempel anderer, welchen Gott schon geholfen. Ach, andere sind vielleicht ärmer, unglückseliger, trauriger, verlassener und elender gewesen, als sie, und doch hat solchen Elenden der HErr geholfen; warum wollte man denn seine Hoffnung fahren lassen? Auf solche Hülfe sollen Betrübte 4) mit Gebet und Flehen, mit Hoffen und Vertrauen warten, und festiglich glauben, die Hülfe bleibt nicht aus; denn was der HErr zusagt, das hält er gewiß; sein Wort laß dir gewisser sein, und ob dein Herz spricht lauter. Nein, so laß dir doch nicht grauen. Sehen Betrübte 5) zwar nicht, wie ihnen könne geholfen werden, so sollen sie sich erinnern, Gott könne tun über alles, was wir bitten und verstehen, er werde ihr Helfer, ihr Vater, ihr Tröster, ihr Erretter, ihr Beistand selbst sein. Haben sie dann Gott, so haben sie alles. Ja, sie sollen auch 6) ihrer Traurigkeit Zeit lassen, denn das ist auch eine Wohltat Gottes, daß er durch die Zeit und Vergessenheit unser Leiden lindert. 306 Der Betrübte tröstet sich der Hülfe Gottes. Wenn ich betrübt bin, so denke ich an Gott. Ach, wo soll ich mich anders hinwenden, an wen soll ich anders denken in dem Leiden und Kummer meines Herzens, als nur an dich, mein Gott? Ach, du hast mich noch nie betrübt von deinem allerheiligsten Angesicht Weggehen lassen, o, darum höre auch jetzt mein Gebet um Christi willen, vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott, und wenn ich rufe, so schweige mir nicht, sondern erhöre mich bald. Von deiner Hand ist mir das Leiden, so ich trage, zugeschickt worden, du kannst mich auch nach deiner Barmherzigkeit wieder davon befreien. Du, HErr, HErr, tödtest und machet lebendig, du führest in die Hölle und wieder heraus. Du, HErr, machet arm und machet reich, du erniedrigest und erhöhest. Du erhebet den Dürftigen aus dem Staub und erhöhet den Armen aus der Niedrigkeit; darum spreche ich im Glauben: HErr, hilf mir, ach, du kannst helfen, du bist ja ein allmächtiger Gott; du willst helfen, denn du hat es mir verheißen. Vater, willst du dein Kind verlassen? Mein Vater, kannst du das Geschrei deines Kindes ertragen, daß du ihm nicht zu Hülfe kommt? Du hast gesagt: Ehe sie rufen, will ich antworten, und wenn sie noch Der Betrübte tröstet sich der Hülfe Gottes. 307 reden, will ich hören; mein Herz bricht mir gegen dich, daß ich mich dein erbarmen muß. Ach, erhöre mich nun auch, höre das Geschrei meines Herzens und das wehmütige Klagen meines Mundes. Jedoch, mein Vater, ich weiß, daß du mich allezeit erhöret, darum will ich dir auch nicht Zeit und Stunde vorschreiben, wann du helfen sollt; ich will gern auf deine Hülfsstunde warten, stärke mich indessen durch deinen Heiligen Geist, stärke meinen Glauben, meine Hoffnung, mein Vertrauen, gib mir Geduld und Kräfte, mein Leiden zu tragen, und laß mich endlich die Zeit erblicken, da du mich mit deiner Gnade erfreuest. Ach, mein Vater, du hast noch keinen verlassen, verlasse auch mich nicht; du hast Betrübte allezeit erfreuet, erfreue auch mich; du hat den Elenden geholfen, hilf auch mir; wann, wie und wo du willst, das alles sei deiner Weisheit, Liebe, Güte und Gnade hiermit gänzlich anheimgestellet. So sei denn wieder zufrieden, meine Seele, was betrübt du dich und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Gott ist. HErr JEsu Christ, groß ist die Noth, Worinnen ich muß stecken, Ach, hilf, mein allerliebster Gott, Schlaf nicht, laß dich erwecken. Niemand ist, der mir helfen kann, Kein Creatur nimmt sich mein an; Ich darf s auch 308 Der Betrübte tröstet sich der Hülfe Gottes. niemand klagen. HErr JEsu Christ, o Gottes Sohn, Zu dir steht mein Vertrauen, Du bist der rechte Gnadenthron; Wer nur auf dich tut bauen, Dem stehst du bei in aller Noth, Hilft ihm im Leben und im Tod, Darauf ich mich verlasse. Amen. Gesang. Mel.: Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 1. Hat mich Gott denn gar verlassen. Jetzt in meiner Traurigkeit? Ich weiß keinen Trost zu fassen. In dem bittem Kreuz und Leid; Ach, wo ist doch nun mein Gott In der großen Angst und Noth? Ach, wo soll ich ihn doch finden, Da die Noth nicht will verschwinden? 2. Willst du meiner nicht gedenken? Denk doch, daß du Vater bist; Soll das Leiden mich versenken, Das so hart und heftig ist? Siehe, was ich von dir such, Ist ja nichts als dein Verspruch; Wirst du selbigen erfüllen. So wird sich mein Jammer stillen. 3. Doch was will ich mich betrüben? Ich weiß, Gott verläßt mich nicht, Er will meinen Glauben üben Und auch meine Zuversicht; Scheint er fern von mir zu sein, So gedenkt er dennoch mein. Seine Lieb kann mich nicht haffen, Noch mich in der Noth verlassen. 4. Darum will ich nicht verzagen, Gehet es gleich wunderlich, Meine Noth will ich ihm klagen, Er wird helfen väterlich; Meine Noth ist ihm bekannt. Und mir seine starke Hand; Diese kann mein Leiden wenden. Und mir eine Hülfe senden. 5. Ich will Gott im Glauben fassen, Wie es Gläubigen gebührt, Ich will nimmer von ihm lassen, Es ist gut, wie er mich führt; Fühl ich gleich die scharfe Ruth, Sind doch diese Wege gut, Die mein Vater mit mir gehet Und darin auch bei mir stehet. 6. Es wird schon die Stunde kommen, Kommt sie eben nicht gleich heut, Da mein Leid wird weggenommen, Da mein Vater mich erfreut; Vielleicht ist die Stunde Der Betrübte tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes. 309 nah, Ja, vielleicht ist sie schon da, Da es heißt: Du bist erhöret, Dir ist deine Bitt gewähret. 7. Sei getrost, o meine Seele, Faffe dich in deinem Gott, Sage, klage und empfehle Ihm allein nur deine Noth; Sonsten schweige gänzlich still. Es geschehe Gottes Will, Er wird mit den Gnadenblicken Dich zu seiner Zeit erquicken. Der Betrübte tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes. Aufmunterung. Barmherzig und gnädig ist der HErr, geduldig und von großer Güte. Er wird nicht immer hadern, noch ewiglich Zorn halten. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmet, so erbarmet sich der HErr über die, so ihn fürchten. Ps. 103,8. 9. 13. Wie betrübt ist es doch, im Elend und Jammer mit harten und unfreundlichen Leuten zu tun zu haben! Allein ein betrübtes Kind Gottes soll versichert sein, 1) daß sein getreuer Gott im Himmel wisse, wie all sein Leiden, Elend und Kreuz, wie groß und schwer es sei, wie lange es daure, und wie empfindlich es der Seele falle; nicht allein weiß es Gott, sondern 2) er erbarmet sich auch des Elenden; dieses sehen wir an der betrübten Wittwe zu Nain und an allen Kranken und Elenden, denen er von freien Stücken entgegen gegangen ist und ihnen geholfen hat. So sprach er von dem Volk: Mich jammert des Volks; und von Zion heißet es: Darum bricht mir mein Herz gegen dich, daß ich mich dein erbarmen muß. In Betrachtung dessen, daß Gott also barmherzig ist und Barmherzigkeit ausübet, soll 3) ein Betrübter nicht verzagen, sondern zu dem barmherzigen Gott seine Zuflucht nehmen; denn die Betrübten sollen getröstet werden. 4) Gott erweitet aber eine Barmherzigkeit gegen die Elenden, teils, wenn er ihnen gibt Freudigkeit und getroten Muth, teils, wenn er in ihrem Leiden sie erhält und ihnen Stärke gibt, daß sie es ausstehen 310 Der Betrübte tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes. und tragen können, teils aber auch, wenn er es gar von ihnen nimmt. Erbarmet sich ein Vater über sein Kind, so wird Gott den Betrübten auch nicht ohne Barmherzigkeit in seinem Elend verderben lassen. O du allliebender Gott, dessen Barmherzigkeit kein Ende hat, dessen Güte alle Morgen neu wird; siehe, ich bekümmerte und betrübte Seele trete allhier vor dein allerheiligstes Angesicht und schütte meinen großen Kummer und betrübtes Herz vor dir aus. Dir ist ja wohl bekannt mein Jammerstand und großes Elend, das mich betroffen hat; meine Seele ist betrübet, mein Geist ist geängstiget, und Leiden hat mich umgeben ohne Zahl. Ich sehe mich um nach Helfern, aber ich finde keine. Menschen wollen sich teils meiner nicht annehmen, teils wissen sie meine Noth nicht, teils mag ich es ihnen auch nicht offenbaren; aber dir, o Gott, klage ich es mit betrübtem Herzen; ich weiß, du bist barmherzig und lässest dich unser Elend jammern. Es jammerte dich der betrübten Wittwe, die da weineteum ihr Kind; es jammerte dich des Volks, welches nichts zu essen hatte, und dein Jammer war mit dem Erbarmen und Helfen verknüpfet. O, darum komme ich zu dir und spreche: Ach, erbarme dich über mich! Ach Gott, ich bin dein Der Betrübte tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes. 311 Geschöpf, darum wirst du das Werk deiner Hände nicht lassen. Ja, ich bin mehr, ich bin auch dein Kind, das du in der heiligen Taufe in die Arme deiner Barmherzigkeit aufgenommen hast, dämm spreche ich: Ach, mein Vater, erbarme dich deines armen und verlassenen Kindes. Mein JEsu, ich bin ja mit deinem heiligen Blut erkauft; ich bin doch dein ererbtes Gut, erkauft mit deinem teuem Blut, dämm wirst du dich deines Eigentums erbarmen. O, du werter Heiliger Geist, lege das Zeugnis in meine Seele, daß ich bei allen meinen Leiden dennoch ein Kind Gottes sei, und wenn ich im Beten matt werde und fast nicht mehr beten kann, so schreie du doch in mir das Abba, lieber Vater! Siehe, ich sinke, ach, reiche mir deine Hand; HErr, hilf mir, HErr, stehe mir bei! HErr, HErr, laß deine Barmherzigkeit groß an mir werden, und gib mir Freudigkeit des Herzens; ja, schreibe und rufe stets in meine Seele die Worte: Du bist nicht verlassen; ich will mich dein erbarmen; ich bin bei dir in der Noth; ich will dich heraus reißen und zu Ehren bringen. Ach HErr, nach deiner großen Barmherzigkeit stärke meinen Glauben, erhalte mich in meinem Elend, gib mir alle Tage neue Kräfte und neues Vermögen, daß mein Glaube nicht möge aufhören, daß meine 312 Der Betrübte tröstet sich der Barmherzigkeit Gottes. Hoffnung nicht sinken, noch mein Vertrauen auf dich schwach werden möge. Du spricht: Ist nicht Ephraim mein teurer Sohn und mein trautes Kind? ich denke wohl daran, was ich ihm geredet habe, darum bricht mir mein Herz gegen ihn, daß ich mich sein erbarmen muß. Denke auch an mich, du hast mir auch Gnade zugesagt, ich bin auch dein Kind, erbarme dich meiner auch. Du hast mich ja noch niemals verlassen, ach, so verlaß mich jetzt auch nicht; hilf deinem Kinde, das zu deiner Barmherzigkeit allein seine Zuflucht nimmt. Ach, in seinem Vaterherzen. Ist er schon auf Hülf bedacht, Meine Trübsal, Angst und Schmerzen. Und was mich sonst traurig macht, Wird sich als dann bald abwenden, Wenn er mir wird Hülfe enden; Drum, mein Vater, komm zu mir, Herz und Auge tränt nach dir. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Wohl dem, der Gott vertraut. In allen seinen Sachen, Und alles dem heimstellt, Der es weiß wohl zu machen, Wohl dem, der da sein Haupt. Nur legt in Gottes Schooß, Der wird ganz ruhig sein. Und vieler Sorgen los. 2. Wohl dem, der Gott vertraut, Als welchem nichts unmöglich, Sein starker Allmachtsarm Kann helfen unverzüglich; Was uns dünkt allzu schwer, Das ist bei ihm : Weil alle Noth von uns, Wenn er's befiehlet, weicht. Der Betrübte erwäget die göttlichen Verheißungen. 313 3. Wohl dem, der Gott vertraut! Kannst du kein Mittel finden, Und meinest, deine Noth Wär nicht zu überwinden: So trau dem weisen Gott, Der alle Hülfe dem ist Rat und Tat, Wenn du bist ohne ath. 4. Wohl dem, der Gott vertraut, Denn seine Liebesproben Muß jede Creatur Mit frohem Munde loben; Der jeder Creatur Die Nahrung reichlich gibt, Der jorget auch für dich, Weil er dich herzlich liebt. 5. Wohl dem, der Gott vertraut. Und nicht den Menschenkindern; Die sind gar oftmals falsch. Und suchen zu verhindern. Das, was uns nützlich ist; Ob sie, was uns gebricht, Wohl wissen und verstehn, So helfen sie doch nicht - 6. Drum will ich immerdar Dir, meinem Gott, vertrauen, Auf deine Vaterhand. In meiner Trübsal schauen; Ach Gott, ich komm zu dir, Ach, sorge du für mich, Ach, nimm dich meiner an. Und hilf mir gnädiglich. 7. Wohlan, ich traue Gott, Es mag mir nun auch gehen, Wie's meinem Gott gefällt; Ich bleib darauf bestehen, Daß Gott den nicht verläßt, Der fest stets auf ihn baut, Weil dem geholfen wird, Der seinem Gott vertraut. Der Betrübte erwäget die göttlichen Verheißungen. Aufmunterung. Er begehrt mein, so will ich ihm aushelfen; er kennet meinen Namen, darum will ich ihn schützen. Er rufet mich an, so will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Noth, ich will ihn heraus reißen, und zu Ehren machen; ich will ihn sättigen mit langem Leben, und ihm zeigen mein Heil. Ps. 91, 14-16. So sehr Kreuz, Unglück und Elend niederschläge, so herrlich richten die göttlichen Gnadenverheißungen wieder auf. Darum soll ein Betrübter bedenken, 1) alle göttlichen Verheißungen gehen auch ihn an; man soll sich 314 Der Betrübte erwäget die göttlichen Verheißungen. nicht einbilden, als ob die Verheißungen nur Mose, David und denen gegeben sind, die dazumal lebten; nein, sie zielen auch auf uns, denn so spricht Paulus Röm. 15,4.: Was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf daß wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben. Ferner soll er 2) bedenken, alle göttlichen Verheißungen werden erfüllet werden zu der Zeit, die Gott hat bestimmt; darum soll ein Betrübter Gott nicht Zeit und Stunde vorschreiben, sondern mit Demut und im Glauben die Hülfe erwarten. 3) Soll ein Betrübter bedenken, daß die Verheißungen Gottes von der Hülfe, Erlösung, Errettung, Befreiung vom äußeren Übel bisweilen auch in diesem Leben erfüllet werden, so daß Kranke gesund, Traurige erfreuet, Elende errettet, Betrübte getröstet werden; aber daß bisweilen Gott diese seine Verheißungen erst in dem ewigen Leben erfüllet, als wo dann alle Verheißungen Gottes in ihre vollkommene Erfüllung gehen werden. In Betrachtung dessen soll 4) ein Betrübter stille ein, und auf die Güte Gottes hoffen, der seine Verheißungen an so viel Tausenden schon erfüllet hat. Gebet. HErr, mein Gott, mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlitz suchen; darum suche ich auch, HErr, dein Antlitz. Ich weiß in meiner Bekümmernis nirgends Trost und Rat zu finden, als bei dir; bei dir mein Herz Trost, Hülf und Rat zu jeder Zeit gefunden hat. Sonderlich suche ich meinen Trost in deinen herrlichen Verheißungen; darin finde ich die wahre und lebendige Quelle, mich in meiner Seelenangst zu erquicken. Ich gehe in dein Heiligtum, ich suche Der Betrübte erwäget die göttlichen Verheißungen. 315 in deinem heiligen Worte ein stärkendes Manna für meine hungrige Seele und ein lebendiges Wasser für meine matte Seele. Du hast gesagt: Ich bin bei dir in der Noth, ich will dich heraus reißen. Ach HErr, die Angst meines Herzens ist groß, führe mich aus meinen Nöten. Du hat gesagt: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, ich bin dein Gott, ich stärke dich, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Du hast gesagt: Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen. Ach HErr, so erbarme dich doch meiner, ach, weiche nicht von mir, verwirf mich nicht von deinem Angesicht; dein freudiger Geist enthalte mich. O, mein HErr und Gott, ich weiß, du wirst deine Zusage und Wahrheit treulich halten im Himmel; wird dein Wort nicht mein Trost sein, so muß ich vergehen in meinem Elend. Aber habe ich schon viel Bekümmernis in meinem Herzen, so erquicken doch deine Tröstungen meine Seele. Dein heiliges Wort stellet dich mir vor als einen mächtigen Gott, als einen liebreichen Vater, als einen starken Helfer, als einen gnädigen Beistand, als einen gewissen Erretter; darauf verlasse ich mich, des tröste ich mich. Mein Herz ist getrost und unverzagt und harret des HErm. Darum sei wieder 316 Der Betrübte erwäget die göttlichen Verheißungen. zufrieden, meine Seele, der HErr verstoßet nicht ewiglich; er betrübet wohl, aber er erbarmet sich wieder nach seiner großen Güte. Was betrübt du dich demnach, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott! Meine Seele wartet auf den HErrn von einer Morgenwache bis zur andern; meine Seele wartet auf den HErm, bis er uns gnädig werde. Erfreue meine betrübte Seele, stärke meine abgemattete Seele, halte meine sinkende Seele, richte auf meine niedergeschlagene Seele, tröste meine traurige Seele. Faffe mich in deine Arme und erquicke mich; verlaß mich nicht und tue nicht von mir die Hand ab, Gott, mein Heil! Ich sehne mich nach dir, meine Seele verlanget nach dir und seufzet: Wann tröstest du mich? Auf ihn will ich vertrauen. In meiner schweren Zeit; Es mag ihn nichts gereuen, Er wendet alles Leid; Ihm sei es heimgestellt, Mein Leib, mein Seel, mein Leben Und was er mir gegeben; Er mach's, wie's ihm gefallt. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Wann wird Gottes Stunde kommen? Ach, wann kommet doch die Zeit? Ach, wann wird mir abgenommen. Meine Klage, Kreuz und Leid? Seufz ich doch darnach von Herzen, Wart ich doch darauf mit Schmerzen, Es spricht oft mein matter Mund: Ach, wann schläget Gottes Stund? Der Betrübte erwäget die Absicht Gottes im Kreuz. 317 2. Ach, ich zähle Tag und Stunden. Und fast jeden Glockenschlag, Bis ich habe Hülf gefunden; In der Nacht, wie an dem Tag, Sprech ich oftmals selbst mit Weinen: Ach, wann wird die Stund erscheinen, Die zur Hülfe ist bestimmt, Die mein Leiden von mir nimmt? 3. Doch ich will dir nichts vorschreiben, Es geschehe, HErr, dein Will; Ich will immer treu dir bleiben. Dir halt ich geduldig still; Willst du mit der Stund verziehen, Will ich drum nicht von dir fliehen, Sondern rufe mit Gewalt: Ach, kommt deine Stunde bald? 4. Ach, laß deine Stund anbrechen, Deine Stund, o lieber Gott; Laß mich einmal fröhlich sprechen: Nunmehr hört auf meine Noth. Nach dem Seufzen, nach dem Schreien Laß mir Hülfe angedeihen; Alle Nothbricht gleich entzwei, Wenn die Stunde kommt herbei. 5. Ach, mein Vater, hör mein Flehen, Sieh, es betet Herz und Mund, Laß mich bald erfreuet sehen. Der erwünschten Hülfe Stund; Wirst du deine Stunde schicken, So wird sich mein Geist erquicken. Ach, mein Vater, höre mich, Höre mich doch gnädiglich! Der Betrübte erwäget die Absicht Gottes im Kreuz. Aufmunterung. Alle Züchtigung aber, wenn sie da ist, dünkt sie uns nicht Freude, sondern Traurigkeit sein; aber darnach wird sie geben eine friedjame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübet sind. Hebr. 12, 11. Wenn ein Kind die Züchtigungen seines Vaters empfindet, so weinet es und meinet, es geschehe ihm gar wehe; ist es daher ein Wunder, wenn Betrübte oftmals nicht wissen, wie sie sich in ihr Kreuz schicken sollen? Ein Betrübter soll aber erwägen: 1) Gott will uns durch das Kreuz nicht ins Verderben bringen, sondern daraus erretten. Wenn der Wundarzt in die Wunde schneidet 318 Der Betrübte erwäget die Absicht Gottes im Kreuz. oder beißende Sachen auflegt, so will er sie heilen und reinigen; und durch Trübsal will uns Gott von der Welt ab und zu sich ziehen. 2) Siehet Gott, daß wir uns in irdische Dinge und Creaturen verlieben, so nimmt er uns dieselben, daß wir ihn allein lieben und unsere Freude an ihm haben sollen. Ja, wenn er siehet, daß wir durch beständige Glückseligkeit, Ruhe und anhaltendes Wohlergehen wollen träg zum Gebet und in unserm Christentum nachlässig werden, so läßt er uns ein wenig bekümmert und betrübt werden, damit wir wieder nach ihm verlangen und in seiner Liebe und Erkenntnis zu wachsen trachten. Bei diesem allem aber bleibet er ein gnädiger, allmächtiger, weiser und gütiger Gott, der uns herzlich liebet. - Mein Gott, der du mich jetzt in so große Traurigkeit und Betrübnis setzest, daß mein Herz geängstet, mein Mund voll Seufzen und mein Auge voll Tränen ist, ach, ich weiß nicht, wo ich mich hinwenden soll! War ich nicht glückselig? war ich nicht fein stille? hatte ich nicht Ruhe? woher kommt solche Unruhe? Ach, mein Jammer ist groß; aber ich will darum nicht von dir fliehen, mein Hirte. Hast du mich durch diejen harten Schlag niedergeschlagen, ach, so richte mich wieder auf mit deinem kräftigen Wort, damit ich möge erwägen, warum du mir dieses Elend zugeschicket hat. Ich weiß ganz gewiß, daß dieses Kreuz mich hat betroffen nicht zu meinem Verderben, oder daß es mir an meiner Seele Der Betrübte erwäget die Absicht Gottes im Kreuz. 319 soll Schaden bringen; o nein, du Liebhaber des Lebens, mein Vater, das ist dein Vorhaben nicht, mich zu verderben und deinen Zorn an mir auszuüben, sondern indem du mich in solchen traurigen Zustand setzest, willst du prüfen meine Liebe, ob ich dich auch sowohl in guten als in bösen Tagen lieben will. Du willst prüfen meinen Glauben, ob ich auch glaube, du seiest ein allmächtiger, weiser und barmherziger Gott, der mich aus diesem Elende erretten und in demselben erhalten könne. Du willst prüfen meine Geduld, ob ich dir zu Ehren dieses Kreuz gern tragen will. Du willst prüfen mein Vertrauen, ob ich dir über alles vertrauen, und auf dich, auf deine Gnade, Liebe und Barmherzigkeit bauen will. Du willst prüfen meine Hoffnung, ob ich hoffen will, wo nichts zu hoffen scheint, und deinem Wort und Verheißen Glauben beimessen. Ja, mein gnädiger Gott und Vater, du willst mich dadurch von der Welt, ihren Lüsten, Sünden und Gewohnheiten abziehen, daß ich mich allein zu dir wenden und zu dir halten soll. Du nimmt mir, was mich erfreuet, daß ich allein meine Freude an dir haben soll; du nimmst mir das, was mich vergnüget, damit ich dich, als mein höchstes und liebstes Gut, hochachten soll. Wohlan, mein lieber Gott, ich will so werden, 320 Der Betrübte erwäget die Absicht Gottes im Kreuz. wie du mich haben willst, ich will das tragen, was du mir auflegt; gib mir deinen Heiligen Geist, der mir dazu Kraft, Stärke und Vermögen mitteile. Ohne dich ist mir's unmöglich in der Trübsal zu bestehen, aber durch deinen Geist und gnädigen Beistand kann ich überwinden. Ich will auch gern geduldig sein, und dir stille halten, es währe so lange als es wolle. Ich will mich auch der Welt und weltlichen Gesellschaften entschlagen, und dir allein anhangen, daß ich ein Geist mit dir werde; so wird dieses Kreuz mich reinigen und meiner Seele gar nützlich sein. Die Hülfe wird schon anbrechen zu rechter Zeit. Gott wird mich nicht verlassen, Ob ich verlassen bin, In Gott will ich mich fassen, Mein Herz, Gemüt und Sinn Soll treulich an ihm halten. Und ihm vertrauen fest, Und den nur lassen walten, Der niemals mich verläßt. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ich gebe mich in Gottes Willen, Wenn Kreuz und Trübsal mich anficht, Mein JEsus kann den Jammer stillen, Ob man mir alle Hülf abspricht, Und ob mir gleich es wehe thut, So ist doch dieses Kreuz mir gut. 2. Das Kreuz gehört mit zu den Dingen, Die Anfangs gehen bitter ein. Und gleichwohl großen Nutzen bringen, Wenn sie nur ausgestanden sein; Fühl ich gleich oft die scharfe Ruth, So ist doch dieses Kreuz mir gut. 3. Laß sein, daß mich das Glücke fliehet, So weiß ich doch, Gott kennet mich, Und daß mich eine Weisheit Der Betrübte bittet um Geduld und Stärke. . 321 ziehet. Ganz von der Welt, allein zu sich; Empfind ich gleich die Unglücksfluth, So ist doch dieses Kreuz mir gut. 4. Wenn meine Feinde mich verlachen, Dazu ich keinen Anlaß geb. So will mich Gott demütig machen, Daß ich mich nicht zu hoch erheb; Ich achte nicht der Feinde Wuth, Vielleicht ist dieses Kreuz mir gut. 5. Weiß ich gleich nichts von guten Tagen, Hingegen viel von Herzeleid, So führt mich Gott, das kann ich jagen, Auch dadurch zu der Frömmigkeit; Zwar kränktes heftig Fleisch und Blut, Jedoch ist dieses Kreuz mir gut. 6. Und muß ich oftmals auch empfinden Anfechtung, Angst und Traurigkeit, So hilft mir Gott doch überwinden Und schenkt mir süße Seelenfreud; Drum hab ich einen frohen Muth, Weil mir auch dieses Kreuz ist gut. 7. Ich sehe wohl aus allem Leiden, Ob es gleich lang und heftig heißt, Daß es mich nicht von Gott will scheiden, Vielmehr mich zu ihm fliehen heißt; Er reißt mich aus der Höllengluth, Drum ist auch dieses Kreuz mir gut. Der Betrübte bittet um Geduld und Stärke. Aufmunterung. Werfet euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Geduld aber ist euch noth, auf daß ihr den Willen Gottes thut, und die Verheißung empfahet. Hebr. 10,35. 36. Geduld ist eine Frucht des Geistes, sie kommt von Gott, und der muß auch darum angerufen werden. Ein Betrübter muß desto eifriger und heftiger beten, je heftiger sein Leiden ansetzet, wie dorten von Christo stehet: Und da er mit dem Tode rang, betete er heftiger. Deshalb soll der Betrübte erwägen: 1) das sei Geduld, wenn der Mensch stille unter einem Kreuz bleibet, und sich in den Willen Gottes ergibt; er weiß, daß seine Trübsal von Gott kommt, der sie auch wieder abnehmen kann; er weiß, daß ihn Gott im Kreuz doch herzlich liebe, und daß er darum nicht habe aufgehöret, Vater zu sein, ob er ihn 322 Der Betrübte bittet um Geduld und Stärke, gleich mit Kreuz beleget hat. Darum 2) murret ein Betrübter nicht wider Gott, ob es gleich lang und schwer ist, sondern jaget: Ich will schweigen und meinen Mund nicht auftun; du wirst es wohl machen. Sollte er 3) ja durch die heftigen Schmerzen, durch das vielfältige Leiden kleinmütig werden wollen, so muß er Gott um Stärke anrufen. Gott aber stärket Betrübte, teils, wenn er ihnen in ihrem Herzen zu erkennen gibt, es werde das Kreuz bald aufhören, teils, er wolle sie nicht verlassen, teils auch, wenn er einige Hülfe und Linderung ihnen widerfahren läßt. Dadurch 4) wird ein Betrübter wiederum stark werden in dem HErm und in der Macht seiner Stärke. Vor Ungeduld soll sich ja ein Mensch hüten, denn Gott hat uns verheißen, er wolle uns helfen das Kreuz tragen. Die Geduld bringt eine rechte Stille des Herzens und des Gemüts. Gebet. HErr, vor dir ist alle meine Begierde, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. Ach, mein Gott, mein Seufzen ist dir nicht verborgen, und mein Elend und Jammer ist dir wohl bekannt. Dieses ist mein Trost, daß ich weiß, es kommt von geliebten Händen, ich habe es mir nicht selbst gemacht, sondern du hast es mir aufgelegt; hast du mir's aber aufgelegt, so hilf mir's tragen. Und weil die Geduld auch gehöret unter die guten Gaben, die von oben herab kommen, von dem Vater des Lichts, ach, so verleihe mir dieselbe nach deiner Barmherzigkeit. Wenn du mich stärkest, wenn du mir hilft und beistehet, so kann ich alles, so vermag ich alles, so wird es mir nicht Der Betrübte bittet um Geduld und Stärke. 323 schwer werden. Ich vermag alles durch den, der mich mächtig machet, Christus. Greife mich auch nicht zu heftig an, damit ich's kann ausstehen. Habe Geduld mit meiner Schwachheit, stärke die müden Hände, erhalte die wankenden Kniee, jage zu meinem verzagten Herzen: Dein Gott ist König, dein JEsus ist bei dir, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer. Ja, wenn du mir hilft, so ist mir geholfen, darum hilf mir, o mein Heil, um deines Namens willen; zu dir habe ich Zuflucht. Stelle doch meiner Seele vor, es sei dein heiliger Wille, daß ich also leiden und mein Kreuz tragen solle, daß ich mich dann mit Freuden entschließe und sage: Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Stelle mir vor deine Liebe, daß du mich unter dem Kreuz und in der Betrübnis dennoch liebest, daß mein Leiden nur eine kleine Zeit und nicht ewig dauern werde, ja, daß dieser Zeit Leiden nicht wert sei der Herrlichkeit, die an uns soll offenbaret werden. Hilf, daß ich erwäge, daß du mein gnädiger Gott und liebreicher Vater seiest, daß dieses Kreuz nicht sei ein Zeichen des Zorns, sondern der Gnade; überzeuge mich, es werde mein Nutzen sein, indem ich dadurch zu dir gezogen werde. Stelle meiner Seele vor das Exempel der Geduld meines lieben Heilandes JEsu 324 Der Betrübte bittet um Geduld und Stärke. Christi, der alles geduldig auf sich nahm, und wie ein Lamm seinen Mund nicht aufthat. Gib, daß ich ihm in solcher Stille und Gelassenheit durch deine Gnade nachfolge; gib, daß ich mit dulde und mit leide, damit ich auch mit gekrönet und zur Herrlichkeit erhoben werde. Laß mein Kreuz dein Wort nicht aus meinem Herzen reißen, meinen Glauben nicht schwächen, noch das Gebet verhindern, sondern gib mir neue Kräfte und neuen Muth, wenn ich einen Sturm ausstehen muß oder ausgestanden habe. Ja, stelle mir vor, daß mich deine Hülfe bald erfreuen und dein kräftiger Beistand gewiß erquicken werde. Du bist mein Stärk, mein Fels, mein Hort, Mein Schild, mein Kraft (sagt mir dein Wort), Mein Hülf, mein Heil, mein Leben, Mein starker Gott in aller Noth; Wer mag dir widerstreben? Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Mein Gott, verzieh doch nicht, Ach sieh, wie ich muß weinen; Wann willst du, o mein Licht, Zu meinem Trost erscheinen? Zu Hause hab ich Kreuz, Und geh ich schon oft aus, So geht mein Leiden mit Und kommt mit mir nach Haus. 2. Zwar hoff ich alle Tag: Sieh, heute wird es besser; Allein das Leiden wird. Fast alle Tage größer; Ich werde schwach und matt. Mein Herze ist beklemmt. Es ist mein Angesicht. Mit Tränen überschwemmt. 3. Durchs lange Leiden will. Auch die Geduld verschwinden, Weil sich die Linderung. So gar nicht will Der Betrübte bittet um Abnehmung der Trübsal. 325 einfinden; Ich warte von dem Tag Bis auf die stille Nacht, Und in der Nacht bin ich Schon auf den Tag bedacht. 4. Willst du nun länger noch, Mein Gott, die Hülf verziehen, Wie wird es mir ergehn? Ach, wo soll ich hinfliehen? Ach Gott, verzieh doch nicht, Ach, eile bald herbei! Ach HErr, wann machst du mich Von meinen Banden frei? 5. Die Hülfe steht bei dir, Sie steht in deinen Händen, Du kannst mit einem Wort Mein Leiden schleunig wenden. Ach, wende dich zu mir, Komm und errette mich, Erleichtre mir mein Herz, Ach Gott, erbarme dich! 6. Das Leiden ist nicht schwer, Wenn du mir es hilft tragen; Ich will, wenn du mit trägt, Von keinem Leiden jagen; Denn trägst du nur mit mir, So trägst du das Gewicht, Ich habe zwar das Kreuz. Und fühl die Last doch nicht. 7. Ach ja, mein HErr und Gott, Laß mich die Stund erblicken, Da du nach meinem Leid Mich endlich wirst erquicken; Ach, schenke mir dereinst Die lang erwünschte Stund, Darnach das Herze seufzt. Und der betrübte Mund. 8. Willst du mir diese Gnad, O großer Gott, erweijen, So will ich, weil ich leb, Dafür dich herzlich preisen; Mein Freudenwort soll ein Nach ausgestandner Noth: Wie gnädig ist doch Gott, der HErr HErr Zebaoth! Der Betrübte bittet um Abnehmung der Trübsal. Aufmunterung. Ich winselte wie ein Kranich und eine Schwalbe, und girrete wie eine Taube; meine Augen wollten mir brechen: HErr, ich leide Noth, lindre mir's. Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe; denn du wirft alle meine Sünden hinter dich zurück. Jes. 38, 14. 17. Gott hat seinen Kindern in ihrem Leiden eine Linderung und Erquickung verheißen, entweder in diesem oder 326 Der Betrübte bittet um Abnehmung der Trübsal. in dem ewigen Leben; es ist demnach den Betrübten nicht verboten, Gott um die Gewährung derselben auch in diejem Leben anzuflehen, doch also, daß sie dabei sich dem Willen Gottes gänzlich unterwerfen. Deswegen, 1) wenn sie empfinden ihres Kreuzes Heftigkeit, Bitterkeit und Langwierigkeit, dürfen sie wohl bitten, daß er es ihnen wieder abnehmen wolle; denn so machte es ja Christus, unser Heiland, selbst, welcher um Wegnehmung des bittem Kelchs seinen himmlischen Vater anflehete; hiermit legen Betrübte ihr Vertrauen und Zuversicht zu der Allmacht Gottes an den Tag. Jedoch 2) soll diese Bitte um Abnehmung des Kreuzes mit einer gelassenen Ergebung in den Willen Gottes verknüpft sein; besser ist' s, wir tragen das von Gott geschickte Kreuz willig, als daß er es uns wegen unsers Murrens abnimmt, und im Zorn ein schwereres zuschickt. Diese Bitte um Abnehmung der Trübsal soll 3) auch eine gute Absicht haben, nämlich, daß wir Gott desto freudiger und ungehinderter dienen können, indem die Trübsal uns oftmals zerstreuet, niederschlägt und zu heiligen Übungen ungeschickt macht. Wollte man aber des Kreuzes entledigt sein aus Ungeduld, oder um der Welt Lust und Freude wieder zu genießen, so flehet man ja leicht, daß Gott ein solch Gebet nicht erhören wird. Ist das Herz noch fleischlich, eitel und irdisch gesinnet, so läßt er das Kreuz auf uns liegen, bis es als ein heiliges Feuer diese Stoppeln und Unreinigkeiten ausgebrannt hat. - O du gnadenreicher Gott, der du die Betrübten und Elenden ansiehet, und dich erbarmest aller deiner Werke, ach, siehe, ich betrübte und bekümmerte Seele stehe allhier vor der Thür deiner Gnade, und flehe dich um Hülfe an. Du Der Betrübte bittet um Abnehmung der Trübsal. 327 weißt ja, wie du mich betrübet hast, du weißt, wie du mich angegriffen hat, aber du weißt auch wohl, daß es mir niemand kann abnehmen, denn du allein. Die Vaterhand, die mich verwundet, die muß mich heilen, der mich getödtet, muß mich wieder lebendig machen, ja, der mich in die Hölle geführet hat, muß mich wieder heraus führen. Ach, darum, du gnadenreicher Gott, komme ich zu dir und spreche: HErr, hilf mir, ach, erbarme dich meiner! Dein Zorn währet einen Augenblick, und du hast Lust zum Leben, aber dein Augenblick währet mir fast zu lange. Barmherziger Gott, der du in deinem Wort so liebreich deinen Kindern erlaubet hast, dich zu bitten: Bittet, so werdet ihr nehmen; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan: ach, laß auch mein Bitten, Suchen und Anklopfen bei dir Gnade finden. Nimm meine Trübsal von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Ich will dir nicht Zeit und Stunde, Art und Weise vorschreiben, sondern deine Hülfe mit Geduld erwarten. Ach, laß mich doch eine Erquickung empfinden; willst du mein Elend noch nicht ganz von mir nehmen, so nimm nur ein Stück und Teil desselben von mir. Du willst dich vor deinen Gläubigen nur einen kleinen Augenblick verbergen und sie mit großer Barmherzigkeit 328 Der Betrübte bittet um Abnehmung der Trübsal. wieder sammeln. Ach Gott, wie lange willst du mein sogar vergessen? Wie lange verbirgst du dein Angesicht vor mir? Ist' s denn ganz und gar aus mit deiner Güte und hat die Verheißung ein Ende? Laß mich doch erfahren, daß du noch mein Vater seiest, der sich über mich erbarmen wolle; laß mich doch inne werden, daß mein eifriges Gebet dir angenehm gewesen sei. Ach, wie lang, ach, lange ist dem Herzen bange und verlangt nach dir. Dir ist ja nichts unmöglich, HErr Zebaoth ist dein Name, groß von Rat und mächtig von Tat. Du bist der Trost Israels und der Nothhelfer, darum verlaß mich nicht, hilf mir, errette mich und sei mir gnädig; erquicke mich nun wieder, nachdem du mich so lange geplaget hat, nachdem ich so lange mein Leiden ausgestanden habe, und tue nicht die Hand von mir ab, Gott, mein Heil. Ist aber deine Hülfsstunde noch nicht da, so stärke mich inwendig und gib mir solche Kraft, daß ich es dir zu Ehren ferner tragen könne; denn wenn du, o lieber Vater, mit mir trägt, oder mir es lindert, indem ich in deiner Kraft einhergehe, so will ich es auch für ein Abnehmen halten, darüber mich freuen und dir danken. Willst du mir es aber in diesem Leben gar nicht abnehmen, sondern ist es dein heiliger Rat, daß ich es bis in den Tod tragen Der Betrübte bittet um Abnehmung der Trübsal. 329 soll, nun, so geschehe auch darin dein Wille; nur laß mich nicht über mein Vermögen versuchet werden, und versüße mir alle Bitterkeit und Triibjal mit dem Genuß deiner Liebe, mit deinem kräftigen Beistand und mit einem erquickenden Vorgeschmack des Himmels. Soll ich noch mehr um deinetwillen leiden, So steh mir, HErr, durch deine Kraft zur Seiten; Beschütze mich stets gnädiglich, Hilf meine Widersacher all bestreiten. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Wann wird mich mein Gott erhören? Ach, wie lang verzieht er doch? Will er sich nicht zu mir kehren, Wegzutun das schwere Joch? Ach, ich muß ja fast vergehen, Wenn er mich nicht will ansehen; Nimmt sich Gott nicht meiner an, Ach, so ist's um mich getan. 2. Hat mir"s Gott ja doch versprochen, Daß er mich erhören woll, Wenn die Stund ist angebrochen, Die mir Hülfe bringen soll; Bei dem Wort will ich ihn fassen. Und darauf mich fest berlassen, Was er mir verheißen hat, Kann er leisten in der Tat. 3. Ich will dennoch eifrig beten: Schaue, Vater, auf dein Kind, Ich will immer vor ihn treten, Wie die, so verlassen sind; Ich will seufzen, weinen, flehen, Aller Orten ihm nachgehen, Ihm schick ich die Seufzer zu, Bis ich habe Hiilf und Ruh. 4. Soll ich in dem Jammergarten, Hier in dem Gethjemane, Länger auf die Hülfe warten, So will ich in Ach und Weh Nicht an Gottes Hülf verzagen. Und mein Kreuz geduldig tragen; Seh ich meinen JEsum hier. In dem Garten doch bei mir. 330 Der Betrübte erwäget den fröhlichen Ausgang des Kreuzes. 5. Nun, wohlan, ich bin vergnüget, Geh es, wie es gehen soll, Wie es mein Gott mit mir füget, So tut es der Seele wohl. Endlich werd ich noch lobsingen. Und ihm meine Opfer bringen, Ja, erzählen jedermann, Was er an mir hat getan. Der Betrübte erwäget den fröhlichen Ausgang des Kreuzes. Aufmunterung. Der HErr verstößt nicht ewiglich; sondern er betrübet wohl, und erbarmet sich wieder nach einer großen Güte: denn er nicht von Herzen die Menschen plaget und betrübet. Klagl. 3, 31-33. Alle Trübsal wird leicht, wenn man hoffet, es werde bald besser werden; eine beschwerliche Reise wird kurz, wenn sie bald zurückgelegt ist. Hierbei soll ein Betrübter sich vorstellen: 1) daß ein Elend gewiß ein Ende nehmen werde und vielleicht noch in diesem Leben, wie Gott also Davids Flucht, Hiskiä Krankheit, Hiobs Elend, der Wittwe Tränen, des Gichtbrüchigen Schmerzen noch in diesem Leben zum Besten gewendet hat. Am allergewissesten aber wird Gott der Frommen Kreuz enden und wenden in dem Tode; denn da soll ihnen die Krone, ein weißes Kleid, die Himmelsfreude zu Teil werden, da will er abwischen alle Tränen von ihren Augen. 2) Soll sich ein Betrübter vorstellen, wenn er durch das Leiden betrübet wird, daß seine Seele dadurch wird erbauet; denn nun hat er erkannt Gottes Allmacht, Weisheit, Liebe und Barmherzigkeit; durch das Leiden und dessen fröhliches Ende ist sein Vertrauen aufgerichtet und sein Glaube gestärket worden; und wenn auch durch das Kreuz die Weltliebe in ihm ist getilget, daß er nun frömmer, andächtiger, christlicher, demütiger und sanftmütiger ist geworden, so hat er gewiß einen großen Nutzen von seinem Der Betrübte erwäget den fröhlichen Ausgang des Kreuzes. 331 Kreuze. So bleibet der Ausgang des Kreuzes fröhlich und selig, es mag sich enden entweder hier in der Zeit, oder erst dort in der Ewigkeit. Ach, du großer Gott, wie ist doch mein Leiden so schwer und groß, wie du selbst weißt, ein jeder Tag hat seine eigene Plage und eine jede Stunde fast ihr eigenes Leiden; aber doch soll mein Glaube, meine Hoffnung und mein Vertrauen deswegen nicht aufhören, sondern ich will mitten in der Trübsal meine Augen aufheben zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt, nämlich zu dir, dem allmächtigen, gütigen und barmherzigen Gott. Ich weiß, du wirst endlich nach der Trübsal mich erfreuen, je nach dem Ungewitter mir die Sonne wieder lassen scheinen. Du hast versprochen, daß du die Mühseligen und Beladenen erquicken wollest: nun, ich warte auf die Erfüllung dieser gnädigen Verheißung; ach, gib mir, wenn es zu deiner Ehre und zu meiner Seligkeit gereicht, meines Herzens Wunsch, und was mein Mund bittet, denn du bist meine Zuversicht, HErr, HErr, von meiner Jugend auf. Ich weiß, deine rechte Hand kann alles ändern. Ach, so ändere, wenn es dein heiliger Wille ist, meinen Zustand; erquicke mich, erfreue, erhöre mich. Daraus will ich erkennen deine große Allmacht, 332 Der Betrübte erwäget den fröhlichen Ausgang des Kreuzes. daß du aus den schwersten und größten Leiden erretten kannst. Daraus will ich erkennen deine große Güte, nach welcher du dich als ein Vater über mich erbarmet hat. Außer dieser Trübsal hätte ich vielleicht in meinem Christentum so viel nicht gelemet, als ich nun durch diese Leiden darin bin unterrichtet worden. Nun sehe ich deinen heiligen Rat, du hast mich demütig, sanftmütig und fromm machen wollen, du hast mich wollen zu dir ziehen, daß ich meine Freude allein an dir haben und meine Hoffnung allein auf dich setzen soll, und da nun dieses ausgerichtet ist, so nimmst du meine Trübsal wieder von mir, und lassest mein Gemüte, das vorher ganz unruhig war, wiederum stille, gelassen und zufrieden werden. O, welche herrliche Frucht hat diese bittere Wurzel getragen, o, welcher große Nutzen ist aus meinem Leiden entstanden! Davids Verfolgungen gaben ihm Gelegenheit, die trefflichsten Lob- und Danklieder zu verfertigen. Meine Tränen sollen auch ein Same werden, daraus gute Früchte wachsen; die Domen, die mich stechen, sollen Rosen tragen; nach meinem Kampf soll der Sieg, nach dem Streit die Krone, nach dem Leiden die Errettung, nach der traurigen und betrübten Nacht der fröhliche Morgen folgen. Nun dafür danke ich dir, dafür preise ich dich. Der Betrübte erwäget den fröhlichen Ausgang des Kreuzes. 333 Lobe den HErm, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat. Wie herrlich wird dermaleinst am jüngsten Tage die Erlösung sein, wenn ich davon allem Übel befreiet in das himmlische Freudenleben eingehen werde! Ist dieses denn das erste Mal, Daß wir betrübet werden? Was haben wir, als Angst und Qual, Bisher gehabt auf Erden? Wir sind ja wohl und hochgekränkt, Und doch hat Gott uns drauf geschenkt. Ein Stündlein voller Freuden. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Wann kommt mein IEjus doch? Will er mich gar verlassen? Mein Heil, wann werd ich dich Zu meinem Trost umfassen? Ach, wenn mein Seelenfreund. So ferne von mir weicht, Wer ist, der in dem Kreuz Mir eine Hand darreicht? 2. Wann kommt mein IEjus doch? Sieh, andre sind beglücket, Sie stehn in Herrlichkeit, Mit Wohlergehn geschmücket; Nur ich muß traurig gehn. Ja, ich muß ganz allein. In meinem Jammerstand Von Gott verlassen sein. 3. Es will mir die Geduld. In meinem Kreuz verschwinden, Weil ich dich, JEsum, fast Weiß nirgend mehr zu finden; Wo ich mich nur hinwend, Sieh, da verbirgt er sich, Und wo ich nach ihm greif, Sieh, da verläßt er mich. 4. Wann kommt mein IEjus doch? Ach, höre doch mein Klagen! Wie lange soll ich noch: Wann kommt mein JEsus, sagen? O JEsu, komm doch bald, Die Zeit wird mir zu lang, O JEsu, komm doch bald, Mir wird sonst angst und bang. 5. Dein IEjus kommet bald, O Seele, sei doch stille Und stell dein Trauern ein, Es ist so Gottes Wille; Weil 334 Betrübte Wittwen schütten ihr Herz vor Gott aus. JEsus sich nicht zeigt, So schmeckt du Bitterkeit, Doch bald erquickt er dich Mit süßer Seelenfreud. 6. Dein IEjus kommet bald, Du liegt in seinen Armen; Sei freudig, er wird sich In Gnaden dein erbarmen; Er sieht dein Leiden wohl, Sieh da, in kurzer Zeit Erquickt er deinen Geist. Mit Trost und Freudigkeit. 7. Dein IEjus kommet bald, Er wird dich nicht verlassen, Denn du bist ja ein Kind; Wie könnt er dich denn haffen? Schau doch auf andre nicht, Die da beglücket stehn, Bald wird dir auch dein Licht. Nach trüber Nacht aufgehn. 8. Dein IEjus kommet bald, Er wird sich zu dir nahen, Sein Mund und Arm wird dich Aufsfreundlichste umfahen. Auf, Seele, sei getrost, Dein Heiland ist dir nah; Nun ist dein Wunsch erfüllt: Dein JEsus ist schon da. Betrübte Witwen schütten ihr Herz vor Gott aus. Aufmunterung. Ihr sollt keine Wittwen und Waisen beleidigen. Wirst du sie beleidigen, so werden sie zu mir schreien, und ich werde ihr Schreien erhören. 2 Mos. 22, 22. 23. Ich bin eine Wittwe, ein Weib, das Leid trägt, und mein Mann ist gestorben. Also beschreibet das kluge Weib von Thekoa eine Wittwe, 2 Sam. 14, 5. Es ist der Wittwenstand 1) ein Trauerstand, indem ein Weib ihres Ehemannes Hülfe, Rat, Trost, Gegenwart und Freundlichkeit muß entbehren, welches auch reichen Wittwen gar empfindlich ist; armen Wittwen tut es desto weher, weil ihnen diejenige Person durch den Tod ist geraubt worden, welche sie und ihre Kinder ernähret und durch Gottes Segen versorget hat. Es ist der Wittwenstand 2) ein betrübter Stand, weil oftmals unchristliche Leute an Wittwen Gewalt üben, ihnen das Ihrige nehmen, sie drücken, verachten und ihnen Unrecht tun. Es Betrübte Wittwen schütten ihr Herz vor Gott aus. 335 ist aber der Wittwenstand 3) ein von Gott beschützter Stand. Gott hat allen Menschen anbefohlen, daß sie keine Wittwen und Waisen beleidigen sollen, und hat gedrohet, wenn man ihnen Unrecht tun würde, so wolle er es rächen. Gott hat verheißen, er wolle der Wittwen Mann, ihr Helfer und Richter sein, der sich ihrer annehmen und ihre Sachen ausführen und befördern wolle. Ja, er hat ihnen einen besondem Segen und Beistand, wie auch seine besondere Hülfe und Gnade zugesaget. In dessen Betrachtung sollen fromme Wittwen 1) nicht an Gott verzagen; denn ist ihr Mann gestorben, so ist Gott nicht gestorben. 2) Sie sollen dieses annehmen als eine Prüfung ihres Vertrauens und ihrer Hoffnung auf Gott. Es soll niemand an einer Creatur hangen, oder sich auf dieselbe verlassen; wenn nun manches Weib meinet, es könne sie und ihre Kinder niemand ernähren, als ihr Mann, so machet sie aus demselben einen Abgott, darum sie Gott von dieser Sünde will frei machen und ihr zeigen, daß er sie und ihre Kinder auch ohne Mann erhalten und ernähren könne. Darum sollen christliche Wittwen 3) im Gebet anhalten, nicht argwöhnisch sein, Gott eifrig dienen, ein frommes, stilles und christliches Leben führen, so wird auch Gott sie reichlich versorgen, ernähren und erhalten. O du barmherziger und gnädiger Gott, der du bist die Zuflucht aller Betrübten, Verlassenen und Elenden, ach, es hat dir nach deinem heiligen und unerforschlichen Rat gefallen, mich in den betrübten Wittwenstand zu setzen. Meine Sonne ist am hellen Mittage untergegangen, und die Krone meines Hauses ist gefallen; ich bin ein 336 Betrübte Wittwen schütten ihr Herz vor Gott aus. Weib, das Leid trägt, mein Mann ist mir gestorben. Wo soll ich mich nun hinwenden? Wo soll ich Rat und Tat suchen? Ach, mein Gott, ich komme zu dir, mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlitz suchen; darum suche ich auch, HErr, dein Antlitz. Du hast in deinem heiligen Wort verheißen, du wollest sein der Wittwen Richter und der Waisen Vater: Ich, der HErr, bin dein Mann, Gott Israels ist mein Name. Ach, so sei auch jetzt mein Mann, mein Richter, mein Helfer, mein Erretter, meine Zuflucht und der Meinigen Vater. Siehe an meine Tränen, wie sie die Wangen herab fließen, und laß sie zur gnädigen Erhörung gen Himmel steigen; siehe an mein Seufzen und erbarme dich meiner. Gib mir recht zu erkennen, daß ich dennoch von dir nicht verlassen bin, ob ich gleich ohne Mann leben muß, und daß du, o du ewiger und unsterblicher Gott, nicht gestorben bist, sondern ewiglich lebest, obgleich mein Mann begraben liegt. Ach, es scheint, daß du dadurch mich willst von allen Creaturen abziehen, daß ich dir allein vertrauen und auf dich allein meine Hoffnung setzen soll. Mein Gott und Vater, ich glaube von Herzen, daß du mich und die Meinigen ohne Mann schützen, ohne Mann ernähren, ohne Mann versorgen kannst; stärke diesen meinen Glauben Betrübte Wittwen schütten ihr Herz vor Gott aus. 337 nach deiner Gnade und Barmherzigkeit. HErr, tue ein Zeichen an mir, daß es mir wohlgehe, führe mich, wie Naemi, versorge mich, wie die Ruth, segne meinen Oelkrug, wie den der Wittwe in Israel, laß das Mehl und den Vorrath nicht abnehmen, wie bei der Wittwe zu Sarepta, wiche meine Tränen ab und sprich zu mir: Weine nicht, wie du zu der Wittwe in Nain spracht. Ach HErr, beschere mir mein tägliches Auskommen, segne meinen Aus- und Eingang, bewahre mich vor Unglück, versorge mich und die Meinigen nach deiner Verheißung. Ich setze alle meine Zuversicht auf dich, lebendiger Gott, dir vertraue ich von ganzem Herzen und von ganzer Seele; du bist weise genug, mich zu erhalten; du bist mächtig genug, mich zu schützen; du bist reich genug, mich zu ernähren und zu versorgen; du bist barmherzig genug, mir alles zu geben, was ich vonnöthen habe; du bist allgegenwärtig genug, in allen Nöten mir beizustehen, mir zu helfen und mich zu erretten. Verlasset sich ein Reisender auf seinen Wegweiser, er werde ihn den rechten Weg führen, vertrauet ein Kranker dem Arzt seinen Leib und sein Leben an, warum sollte ich dir, o allmächtiger und weiter Gott, nicht vertrauen und mich auf dich verlassen? Hilf mir, Gott meines Heils, um deines Namens 338 Betrübte Wittwen schütten ihr Herz vor Gott aus. willen; Vater und Mutter verlassen mich, aber du, o HErr, ach, nimm mich auf. Siehe, um Trost ist mir gar bange, du aber hast dich allezeit meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe; ich habe viel Bekümmernisse in meinem Herzen, aber deine Tröstungen und gnädigen Verheißungen ergötzen meine Seele. Gib, daß ich diesen einsamen Stand im Glauben und in Frömmigkeit führe, meine Freude an dir habe, an dir mich ergötze, niemandem ein Ärgernis gebe; denn ich weiß fürwahr, wer Gott dienet, der wird nach der Anfechtung getröstet, aus der Trübsal erlöset und nach der Züchtigung findet er Gnade. So laß mich auch vor dir, mein Gott, Gnade nach dem Leiden, Hülfe nach der Betrübnis, Freude nach dem Weinen, Trost nach der Traurigkeit finden. Mache mir alle meine Feinde zu Freunden und gib mir Huld und Gnade bei jedermann. Erhöre mein Gebet, gib mir deinen Segen, führe mich an deiner Hand, sorge für mich und die Meinigen nach deiner gnädigen Verheißung. Auf dich bin ich geworfen von Mutterleibe an, darum wirst du auch jetzt mein Schirm und Schatten sein, mich behüten und mir Gutes tun, bis du mich wirst zu der Herrlichkeit bringen, da ich mit fröhlichem Munde in Ewigkeit dich loben werde. Betrübte Wittwen schütten ihr Herz vor Gott aus. 339 Wittwen sind in Gottes Armen, Waisen sind in Gottes Schooß, Ihrer will er sich erbarmen, Wär die Noth auch noch so groß; Denn ein ungerechter Mann Tastet Gottes Auge an, Der die Waisen nie erquicket. Und der Wittwen Herzen drücket. Wenn sie bleiben in den Schranken, Darin sie Gott hat gestellt, Und von ihm auch niemals wanken, Weil er sich zu ihnen hält, Sollen sie im Himmelsschloß Werden allen Kummer los; Da soll nicht mehr wie auf Erden, Wittwennot gehöret werden. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ihr Wittwen, seid getrost, Laßt ab von euerm Weinen, Es will der starke Gott Zu euerm Trost erscheinen; Er ist der Wittwen Mann, Verzagt vor Trauern nicht. Und jetzt auf dieses Wort All eure Zuversicht. 2. Der HErr ist euer Mann, Der wird euch nicht verlassen; Wenn ihr zu sinken scheint, So will er euch umfassen; Der HErr HErr Zebaoth, Der HErr ist euer Mann, Hier steht ein starker Fels, Der nimmt sich eurer an. 3. Der HErr ist euer Mann, Er wird euch schon versorgen; Ist euer Angstgeschrei Dem Vater auch verborgen? Er weiß, was euch gebricht, Den Jammer, der euch quält. Er aber ist der HErr, Der euch im Kreuz erhält. 4. Der HErr ist euer Mann, Der wird sich schon erbarmen, Er höret eure Stimm, Er trägt euch in den Armen; Er will des, der euch kränkt, Ein strenger Richter sein, Drum stellt das Ach und Weh Und bittre Weinen ein. 5. Der HErr ist euer Mann, Der wird euch reichlich geben, Was ihr vonnöthen habt In euerm ganzen Leben; Gott, der nach seinem Rat Zu Wittwen euch gemacht, Der ist auf euer Heil. Und Unterhalt bedacht. 6. Der HErr ist euer Mann, Der wird euch reichlich trösten, Er reißet euch heraus, Wenn eure Not am größten; Erwischt die Tränen ab, Drum sprecht: Du bist mein Gott, Mein Gott, ach, steh mir bei In aller meiner Not. 340 Verlassene Waisen klagen Gott ihre Noth. 7. Der HErr ist euer Mann, Drum sollt ihr ihm vertrauen. Und eure Zuversicht. Auf diesen Felsen bauen; Vertraut ihr ihm allein, So werdet ihr noch sehn, Wie es in diesem Stand Euch wird nach Wunsche gehn. 8. Nur dienet euerm Gott Mit Singen, Danken, Beten; Kommt jede Stund und Tag Vor seinen Thron getreten. Und klagt ihm eure Noth; Bleibt in der Frömmigkeit, Und steht im Glauben fest. Und in Zufriedenheit. 9. Gott, frommer Wittwen Gott. Und Vater frommer Waisen! Du wollest gnädiglich Sie schützen, kleiden, speisen; Sie wissen nirgend hin, Denn nur zu dir allein, Drum wollest du ihr Gott. Und treuer Hüter sein. 10. Versorg der Wittwen Haus, Die Waisen wollt du leiten; Ach, Vater, schau, wie sie. Zu dir die Händ ausbreiten; Ach, hör doch ihre Stimm, Und nimm dich ihrer an, Du bist der Waisen Gott. Und frommer Wittwen Mann. Verlassene Waisenklagen Gott ihre Noth. Aufmunterung. Mein Vater und meine Mutter verlassen mich; aber der HErr nimmt mich auf. Ps. 27, 10. Ist ein betrübter Stand, so ist's gewiß der Stand der Waisen, der Stand, wenn Kinder, von Vater und Mutter verlassen, unter fremden Leuten leben, dienen, sich durchbringen oder aufhalten müssen. So betrübt aber der Stand ist, so wirket er an den Seelen, wenn die Waisen Gott fürchten, viel Gutes. Denn 1) sollen von Vater und Mutter verlassene Kinder gedenken, ob sie gleich keine Eltern haben auf Erden, daß sie doch einen reichen Vater im Himmel haben, als welcher ihr Vater in der heiligen Taufe geworden ist. Dieser himmlische Vater stirbt nicht, er ist reich, er hat alles, was wir bedürfen; er ist mächtig, er kann alles geben; er ist ein Verlassene Waisenklagen Gott ihre Noth. 341 weier Gott, der alles wunderlich und herrlich auszuführen weiß. Es sollen 2) fromme Waisen bedenken, daß Gott oftmals mit Fleiß den Kindern ihre Eltern wegnimmt, damit er an ihnen zeige, wie er arme und verlassene Kinder ohne Vater und Mutter erhalten, ernähren und versorgen, ja, sie zu Ehren bringen und reichlich segnen könne, wie er davon schon viel tausend Exempel uns vor Augen gestehet hat, die mit fröhlichem Munde sagen, wie Jakob: Ich hatte nichts, denn diesen Stab, da ich über den Jordan ging. Von Haus nahm ich zum Wanderstab die Armut und mein Leben, drum alles, was ich jetzo hab, das hat mir Gott gegeben. 3) Es sollen aber auch Waisen im Vertrauen auf Gott anhalten, gegen jedermann demütig, in der Arbeit fleißig, im Gebet andächtig, im Kirchengehen eifrig, im Zuhören aufmerksam, im Leben keusch, im Wandel fromm, in ihren Verrichtungen treu, in all ihrem Thun aufrichtig sein, sonderlich aber Gott vor Augen und im Herzen haben, in keine Sünde willigen, noch tun wider Gottes Gebot. Werden sie sich in diesen Schranken halten, so wird sie Gott gewiß nicht verlassen, er wird sie wunderlich, doch herrlich führen, daß sie Gottes Allmacht und Güte Zeit ihres Lebens werden rühmen können. Gebet. Ach, du gnädiger, barmherziger Gott und Vater, ich armes verlassenes Kind werfe mich allhier nieder vor deinem erhabenen Thron, und bitte dich in Demut und von Herzen: Nimm dich meiner als ein Vater an. Ach, es hat dir nach deinem weiten Rat gefallen, mich meiner Eltern Fürsorge und Pflege zu berauben; ach, wo soll ich nun hin? Ich bin eine Waise 342 Verlassene Waisenklagen Gott ihre Noth. geworden und habe keinen Vater mehr, wer will sich jetzt meiner annehmen? Derowegen, liebreicher Gott und Vater, komme ich zu dir, nimm du dich meiner an, erbarme dich mein; auf dich bin ich geworfen von Mutterleibe, du bist meine Zuversicht von Jugend auf. Siehe, mein Vater und Mutter verlassen mich, aber, ach HErr, HErr, nimm du mich auf. Ach, mein Gott, du gibst ja Speise den Vögeln, die auf freiem Felde fliegen, du kleidet die Blumen, du versorgest das Wild im Walde; ach, so wirst du auch als ein treuer Vater für mich sorgen, dich meiner erbarmen und mir gnädig sein; mein Auge sehnet sich nach dir, ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt, meine Hülfe kommt vom HErrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ich weiß, ich bin darum nicht von dir verlassen, ob ich gleich von Menschen verlassen bin. O, wie viele Exempel stehen mir vor Augen von solchen Kindern, welchen du Vater und Mutter hat lassen sterben, sie aber dennoch herrlich gefiihrer, versorget und ernähret. Ach Gott, der du Mosen aus dem Wasser hat gezogen, schaue auch auf mich, da die Wellen der Trübsal fast wollen über mich zusammen schlagen. Ach, HErr JEsu, der du der Kinder dich hast treulich angenommen und sie gesegnet, ach, segne mich auch, nimm mich Verlassene Waisenklagen Gott ihre Noth. 343 in die Arme deiner Barmherzigkeit, trage mich, und bewahre mich vor Unglück. Ach, du werter Heiliger Geist, der du die Gläubigen fuhrest, wie die Jugend, führe mich auch. Weise mir, HErr, deine Wege, leite mich in deiner Wahrheit, erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen furchte. Ach, du dreieiniger Gott, sei mein Erhalter, der mich schützet, mein Helfer, der mir beistehet, mein Geleitsmann, wenn ich ausoder einreise. Ach, beschere mir gute Freunde, wo ich ein- und ausgehe, erwecke mir Gönner und Gutthäter, die sich meines Elendes erbarmen, laß meine Pfleger und Vormünder mit Liebe gegen mich erfüllet sein; tue ihnen auch Gutes nach deiner Gnade, bewahre sie vor Unglück, und vergilt ihnen mit zeitlichem, geistlichem und himmlischem Segen, was sie Gutes an mir tun. Gib mir ein demütiges und gehorsames Herz, daß ich durch Widerspenstigkeit, liederliches Leben, Bosheit und siindliche Unarten mich der Gunst und Wohltaten meiner Gönner nicht beraube. Behüte mich vor Verführungen, daß ich nicht aus Armut dich möge verleugnen, oder vom Glauben abfallen, sondern hilf mir, daß ich in deiner Erkenntnis und Liebe immer zunehme. Laß deinen guten Geist mich allezeit leiten, heiligen, regieren und bewahren, 344 Verlassene Waisenklagen Gott ihre Noth. daß ich durch böse Gesellschaft nicht zu mutwilligen Sünden verführet werde. Laß mich nicht in Schlemmen und Unkeuschheit geräten, und behüte mich vor verkehrtem Herzen. O du gnädiger Gott und Vater, schrecke mich ab von der Gottlosen Wegen; warne mich, wenn ich sündigen will; erinnere mich, wenn ich des Bösen mich will gelüsten lassen; halte mich, wenn ich falle; hole mich herum, wenn ich irren will; stärke mich, wenn ich schwach bin; mache mich gesund, wenn ich krank bin. O treuer Gott und Vater, ich ergebe mich dir ganz und gar, ach, laß meinen Aus- und Eingang dir befohlen sein. O, wie will ich dir danken, wie will ich dir lobsingen, daß du mir so wohl thust! Meine Zunge soll sagen: Das hat Gott getan; Gott hat mich gesegnet, erhalten, begleitet, gebühret, versorget, ja, ich will jedermann erzählen, wie du als ein gnädiger Vater dich gegen mich erwiesen hat. Ach HErr, HErr, höre das Gebet der verlassenen Waise, höre die Stimme deines Kindes; du bist mein Vater in der heiligen Taufe geworden, in deine Arme haben mich meine Eltern nach meiner leiblichen Geburt geleget; ach, du bist ein reicher und unsterblicher Vater, ein weiser und liebreicher Vater, ach, darum sei deinem Kinde gnädig. Ich weiß, du kannst mir helfen und Verlassene Waisen klagen Gott ihre Noth. 345 willst mir helfen, ach HErr, so hilf mir um deiner Güte willen, daß ich einmal zu deinem Preise jagen kann: Der HErr hat Großes an mir getan, des bin ich fröhlich. - Denn, weil du mein Gott und Vater bist, Dein Kind wirst du verlassen nicht, Du väterliches Herz, Ich bin ein armer Erdenkloß, Auf Erden weiß ich keinen Trost. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ihr Waisen, weinet nicht! Wie? wollt ihr euch nicht fassen? Verlasset euch auf Gott, Der wird euch nicht verlassen; Sind gleich die Eltern todt, So lebet dennoch Gott, Dieweil Gott aber lebt, So habt ihr keine Noth. 2. Gott ist und bleibet stets Der Vater frommer Waisen, Der will sie insgesammt Beschützen, kleiden, speisen; Dem übergebet euch, Der nimmt sich eurer an, Seht! Gott ist euer Schutz. Und euer Helfersmann. 3. Gott ist ein reicher Gott, Der wird euch schon versorgen, Er kennet eure Noth, Die ist ihm unverborgen; Ob ihr schon wenig habt. Der Vorrath ist sehr klein, So will Gott euer Gott. Und treuer Pfleger sein. 4. Habt einen guten Muth, Gott hat es ja verheißen. Daß er Verlassene Aus Trübsal wollte reißen; Das gehet euch auch an, Ihr werdet gar bald sehn, Das Wort wird auch an euch Schon in Erfüllung gehn. 5. Ja, glaubet, bleibet fromm. Und geht auf Gottes Wegen, Erwartet mit Geduld. Den euch verheißnen Segen, Und weichet nicht von Gott, Vertraut ihm allezeit, So blühet euer Glück. In Zeit und Ewigkeit. 346 Der Betrübte klaget über die Schwachheit eines Glaubens. Der Betrübte klaget über die Schwachheit eines Glaubens. Aufmunterung. Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen, und das glimmende ocht wird er nicht auslöschen. Jes. 42, 3. HErr, stärke uns den Glauben. Luc. 17, 5. Ist etwas, das eine gläubige Seele schrecken kann, so ist's die Anfechtung, wenn sie sich einbildet, daß sie nicht recht bete, gar keinen Glauben habe, oder daß ihr Glaube kein wahrer, lebendiger Glaube sei, daher denn der Zweifel entstehet, ob sie auch werde selig werden. Solchen geängsteten Seelen dienet zum Trost, 1) daß ein im Namen JEsu, auf ein Verdienst und Blut gesprochenes Gebet ein rechtes Gebet, und ein schwacher Glaube ebensowohl ein wahrer und seligmachender Glaube sei, als der starke; ein kleines Kind ist ja eben sowohl ein Mensch, als ein großer, starker Mann. 2) Wenn man gerne glauben wollte, so ist das schon ein Glaube, weil dieses Verlangen eine Wirkung des Heiligen Geistes ist; ein Gottloser begehret nicht zu glauben. 3) Der schwache Glaube ergreifet JEsum, ein heiliges Verdienst und seine Wunden, wie der starke Glaube; wenn man einem Kinde und einem starken Mann, jedem einen Goldgulden in die Hand gibt, so hat einer so viel als der andere. 4) Der Satan kann uns das Glaubenslicht nicht im Herzen auslöschen, weil er ja kein Licht des Nachts auslöschen kann. 5) Ob die Glaubensfreudigkeit im Gebet zwar nicht allezeit empfunden wird, so ist doch der Glaube da, wie eine Kohle und Fiinklein unter der Asche da ist, ob man es schon nicht siehet. 6) Die gewisse Probe, daß man den Glauben habe, ist der Kampf und Haß wider den Unglauben und die Sünde, daher auch die Früchte des Glaubens entstehen, Gal. 5, 22.: Liebe, Demut, Sanftmut, Keuschheit, Hoffnung, Gottesfurcht; denn solche geängstete Seelen Der Betrübte klaget über die Schwachheit eines Glaubens. 347 fürchten sich, etwas Böses zu reden oder zu tun. Wo diese sich aber an einem Menschen finden, da ist der Glaube und Heilige Geist, denn es sind nicht Früchte des Fleisches, Gal. 5, 19, sondern des Glaubens und des Heiligen Geistes; denn der Glaube und Heilige Geist sind unzertrennlich. 7) Gebet, Lesen in der heiligen Schrift, Geduld, Harren auf Gott stärken den Glauben. 8) Der Glaube ist eine Gabe Gottes, Gott wird aber nicht mehr von dir fordern, als er dir gegeben hat. 9) Christus ist auch für die Schwachgläubigen gestorben und betet für sie, daß ihr Glaube nicht aufhöre. Und wenn du schon das nicht glauben kannst, so ist's doch wahr, weil es die heilige Schrift jaget. Ach, du gnadenreicher Gott, ich weiß aus deinem heiligen Worte, daß der Glaube allein selig macht, und daß man ohne Glauben dir nicht gefallen kann. Weil ich doch aber dir gerne gefallen und selig werden wollte, so erschrecke ich über mich selbst, wenn ich zuweilen sogar wenig Glauben in meinem Herzen finde. Darum zünde in meinem Geiste an das Licht des Glaubens, dadurch ich dich als den einigen wahren Gott recht möge erkennen, wie du dich in deinem Wort geoffenbaret hat, und daß ich deinem geoffenbarten Wort möge von Herzen glauben, und deine Verheißungen von deiner Gnade und der Vergebung der Sünden, die mir durch JEsum erworben worden, mit festem Vertrauen und 348 Der Betrübte klaget über die Schwachheit eines Glaubens. ungezweifelter Zuversicht möge annehmen. Denn mich dünket zuweilen, ich bete nicht recht, ich glaube gar nicht, oder ich werde doch nicht im Glauben bis an mein Ende verharren. Dieses klage ich dir, mein Gott, darum, weil ich weiß, daß alle guten Gaben und alle vollkommenen Gaben von oben herab kommen. Weil denn nun der Glaube nicht jedermanns Ding, sondern deine Gabe ist, ach, so bitte ich dich, stärke meinen schwachen Glauben; das schwache Rohr wirst du nicht zerbrechen, noch das glimmende Töchtlein auslöschen. Mein Gott, schreibe diesen Trost in mein Herz, daß ein auf das Verdienst, das Blut und den Tod JEsu gegründetes Gebet ein wahres Gebet, und daß ein schwacher Glaube, der sich fest an dich, o dreieiniger Gott, nämlich an dich, o himmlischer Vater, als unsem Schöpfer, an dich, o JEsu, als unsem einigen Erlöser und Seligmacher, an dich, o Heiliger Geist, als unsem Heiligmacher und Tröster, hält, auch ein Glaube sei, der dir gefalle und auch selig mache. Gib mir auch die Empfindung des Glaubens durch eine innerliche Freudigkeit im Gebet, durch einen kräftigen Trost und durch eine freudige Hoffnung zu schmecken, wenn es also dein heiliger Wille ist. Ach, mein JEsu, bitte auch für mich, wie du für Petrum gebeten hat, daß mein Der Betrübte klaget über die Schwachheit seines Glaubens. 349 Glaube nicht aufhöre; versiegle in mir den Trost, daß ich durch dein heiliges Blut erkauft und in der heiligen Taufe dein Kind geworden sei; daß mein schwaches Gebet Gott gefalle, um deiner heiligen Fürbitte willen; daß dein Blut mich auch angehe, und daß ich dadurch gerecht und selig werden soll. Und du, werter Heiliger Geist, wirke in mir die wahren Früchte des Glaubens; treibe mich, heilige mich, regiere mich, ja, wohne in mir und gib das Zeugnis meinem Geist, daß ich wahrhaftig ein Kind Gottes sei. Gelobet sei dein heiliger Name, daß ich in mir einen Abscheu finde, ungläubig zu sein und Sünde zu tun, daß ich dawider seufze, und mit Gebet kämpfe, hingegen ein herzliches Verlangen habe, dir allein zu leben, zu dienen und zu gehorchen, woraus ich sehe, daß du dennoch in mir wohnest. Mehre und erhalte in mir diese Glaubensfrüchte, und mache sie mir alle Tage süßer und erquickender. Wirst du diees mir, o dreieiniger Gott, verleihen, so will ich gern mit meinem schwachen Glauben zufrieden sein. O mein Gott, vor den ich trete Jetzt in meiner großen Noth, Höre, wie ich sehnlich bete, Laß mich werden nicht zu Spott! Meinen schwachen Glauben stärk. Und zerbrich des Teufels Werk, Daß ich nimmermehr verzage, Christum stets im Herzen trage. Amen. 350 Der Betrübte klaget über sündliche, Eine andere Klage über Anfechtung. Der Betrübte klagt über sündliche, böse und gotteslästerliche Gedanken. Aufmunterung. Mir ist gegeben ein Pfahl ins Fleisch, nämlich des Satanas Engel, der mich mit Fäusten schlage, auf daß ich mich nicht überhebe. Dafür ich dreimal dem HErrn geflehet habe, daß er von mir wiche. Und er hat zu mir gesagt: Laß dir an meiner Gnade genügen; denn meine ' ist in den Schwachen mächtig. 2 Cor. 12, 7-9. Betrübt ist es, einen Kranken klagen zu hören über Schmerzen an allen Gliedern des Leibes; aber noch betrübter ist der Seelenzustand, wenn angefochtene Seelen klagen über sündliche, böse und gotteslästerliche Gedanken. Solchen betrübten Seelen aber dienet zum Trost: 1) Geistliche Anfechtungen, Traurigkeit, Schrecken und Seelenangst kommen von Gott, als nach dessen Willen sie dieses leiden müssen: ohne Gottes Willen kann nicht ein Haar von ihrem Haupte fallen, wie viel weniger kann ihnen dergleichen Seelenangst widerfahren? 2) Fromme Christen und Kinder Gottes merken die bösen und abscheulichen Gedanken und erschrecken darüber; die Gottlosen haben sie auch und lachen darüber. 3) Daß aber die Frommen darüber erschrecken, ist ein Kennzeichen, daß sie Gott herzlich lieben, in der Gnade Gottes und im Glauben stehen, und daher nicht leiden können, daß dergleichen böse Dinge in ihren Herzen aufsteigen. 4) Dieser Schrecken, diese Angst über die lästerlichen Gedanken ist ein Zeichen, daß JEsus und der Heilige Geist noch im Herzen wohnen, wäre Satan darinnen (wie die Angefochtenen meinen), so würden sie nicht darüber erschrecken. 5) Solche lästerliche Gedanken rechnet Gott den Seelen der Frommen nicht zu, a) weil sie wider ihren Willen entstehen, b) weil sie darüber seufzen, c) weil sie daran keinen Gefallen böse und gotteslästerliche Gedanken. 351 haben, d) weil sie einen Angstschweiß empfinden, wenn sie kommen, und e) weil sie ihnen widerstehen. 6) Anfechtung ist kein Kennzeichen des Zorns, sondern der Gnade Gottes; solche Seelen haben doch einen gnädigen Gott, wie an Hiob zu sehen ist; Gott ist nicht von ihnen gewichen, er ist noch im Herzen, aber er verbirgt sich vor ihnen. 7) Die Seele stehet im Leiden und nicht im Thun, wenn die Gedanken kommen, wie ein Haus, in das man Feuerkugeln wirft; dämm soll er nur seinen Mund zuhalten, und die bösen Gedanken in Worten nicht aussprechen, auch nicht leicht Unverständigen erzählen, damit er nicht jemand ärgere. 8) Er soll immer widersprechen und sagen: Es ist nicht wahr, ich bin nicht verdammt. Satan ist verdammt, ich bin erlöset; das böse Wort ist nicht mein Wort, ich billige es nicht; weg aus meinem Herzen! Ich bin Gottes, Gott ist mein; wer ist, der uns scheide? 9) Durch lästerliche Gedanken soll man doch sich nicht vom Gebet und Lesen des Wortes Gottes abhalten lassen, sondern man soll vielmehr oft beten und lesen. 10) Weil solche Seelen sagen, sie wollten lieber auf Domen gehen, am Leibe Schmerzen leiden, als solche Gedanken haben, ja, weil sie sich auch vor Sünden und bösen Werken hüten, so ist's ja eine unwidersprechliche Probe, daß der Glaube, JEsus, der Heilige Geist, ja, die ganze heilige Dreieinigkeit noch im Herzen ist. 1 1 ) Können sie auch wegen der bösen Gedanken weder beten, noch an Gott denken, so ist ihre Klage schon ein Gebet und ihr Winseln nach Gott ein gewisses Zeichen der Gegenwart Gottes im Herzen; denn das Verlangen kommt von der einwohnenden Gnade, ja, sie beten durch ihr Winseln und Klagen am heftigsten, eifrigsten und kräftigsten. 12) Ob sie sich gleich einbilden, sie erzürnen Gott in allen Dingen, was sie tun, so nimmt's ihnen Gott nicht übel auf, er siehet ihren Willen und ihr Verlangen an; sie meinen, sie wären die Allerentfemtesten von Gott, und sind ihm die Nächsten; sie meinen, sie 352 Der Betrübte klaget über sündliche, wären die Bösesten, und sind ihm die Treuesten, die meinen, sie wären die Verstoßenen, und sind Gott die Liebsten. 13) Sie sollen geduldig ausharren, denn man hat kein Beispiel, daß Gott solche Seelen habe verlassen; denn er erfreuet, erquicket und tröstet sie wieder; doch muß hier die Zeit erwartet werden, wie man eine Krankheit muß austoben lassen; mit der Zeit wird es sich schon nach und nach verlieren, geringer werden und endlich nachlassen; so haben es bisher die Frommen erfahren. 14) Diese Anfechtungen machen den Menschen demütig, andächtig, vorsichtig, fromm, daß er nicht leicht etwas Böses tun oder reden mag; ja, diese Anfechtung wird das Herz von bösen Gewohnheiten und Unarten, von Lauigkeit im Gebet und Anhörung des göttlichen Wortes reinigen; ist das nicht ein herrlicher Nutzen? 15) Diese Gründe soll man einen nach dem andern betrachten, oder sich von Freunden Gottes weiter auslegen lassen, und dabei leibliche Arzenei gebrauchen, fleißig arbeiten, mit christlichen Personen in die Luft, in Gärten oder aufs Feld gehen, nicht allein bleiben, sondern christliche Leute, Kinder oder Gesinde immer um sich haben, ausgenommen wenn man beten will. Mit den Gegenwärtigen einen Gesang anstimmen, ist auch erbaulich. Man lese auch fleißig das 8. Capitel an die Römer, ingleichen den 27. und 88. Psalm. Gebet. Ach, du heiliger Gott, der du wohnest unter dem Lob Israels, und welchen alle heiligen Engel und Auserwählte ohne Unterlaß loben und preijen: ich betrübte Seele klage dir von Grund des Herzens, wie ich an deinem Lobe gewaltig verhindert werde durch die bösen und lästerlichen Gedanken, welche in meinem Herzen so oft, ja, böse und gotteslästerliche Gedanken. 353 fast täglich aufsteigen. Du allwissender Gott weißt ja wohl, daß sie mich wie fliegende Pfeile überfallen, daß sie mich quälen und ängten; aber du weißt auch, daß ich darüber erschrecke und bitterlich weine, wenn ich solche feurige Pfeile empfinden muß. Ach, mein Gott, rechne mir doch nicht zu, was wider meinen Willen geschieht; du flehest, wie ich kämpfe, wie ich ringe, wie ich dawider seufze, wie ich davor einen Abscheu habe, und sie gern aus dem Herzen vertreiben wollte! Ach HErr, laß deine Hand nicht zu schwer über mir werden, daß ich nicht vergehe. Ich will den Kelch gern trinken, den du mir, o lieber Vater, eingeschenkt hat. Laß es nur nicht einen Kelch des Zornes, sondern deiner Gnade sein. Ach, sei mir gnädig, denn ich bin schwach. O, wie erschrecke ich, wenn ich merke, daß das böse Stündlein angehen will. Ach, verstoße mich deswegen nicht, weil ich es nicht ändern kann, sondern ich muß das leiden; aber deine Rechte, du Allerhöchster, kann alles ändern. Erquicke mich, du dreieiniger Gott, und wenn das böse Stündlein und die Angst vorüber ist, so laß mich deine heilige Gegenwart und reichen Trost wieder empfinden, ja, gib mir mitten in der Angst einen Trostspruch in mein Herz, daran ich mich halte und damit ich mich aufrichte, und ritterlich wehre. 354 Der Betrübte klaget über sündliche, Soll mein Jammer lange währen, ach, so gib mir auch große Geduld, viele Kräfte und Stärke. Laß meinen Glauben nicht aufhören, sondern gib Zeugnis meinem Geist, daß ich dennoch dein Kind und ein Erbe des ewigen Lebens sei. Nun, mein Gott, ich will auch diese Anfechtung gern leiden, weil ich weiß, daß du sie mir nicht zu meinem Verderben, sondern zu meiner Erweckung in dem Guten, zu meiner Reinigung von Sünden, bösen Unarten und weltlichen Gewohnheiten und zur Heiligung meines Lebens zugeschickt hat. Sollte ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? Kommt er doch von geliebten Händen; dieses Feuer soll die bösen Lüste und den alten Menschen aus meinem Herzen ausbrennen, und es dir, o großer Gott, zu einem Tempel und zur Wohnung heiligen. Daher spreche ich auch mitten in meiner Angst: Du bist doch mein Vater, mein Erretter, mein Helfer und mein treuer Beistand. Ach, j ende deines Heiligen Geistes Kraft in mein Herz, die mir helfe kämpfen und überwinden. Du hast gesagt: Es sollen nicht zu Schanden werden, die auf mich harren. HErr, auf dich traue ich, laß mich nimmermehr zu Schanden werden; errette mich durch deine Gerechtigkeit, eilend hilf mir. Sei mir ein starker Fels und eine Burg, daß du mir helfest; um böse und gotteslästerliche Gedanken. 355 deines Namens willen wollest du mich leiten und führen. Du hast gesagt, deine Gnade soll nicht von mir weichen, mir soll eine ewige Gnade aufgehen. Ach HErr, HErr, laß auch jetzt dieses Licht mir aufgehen, daß ich noch meine Lust an deiner Gnade sehe. Ach, mein Vater, laß deine Stunde kommen, da du die Seelenangst mir wieder abnimmt; stärke mich, hilf mir, bewahre mein Herz wie mit einer Mauer, umgib es wie das Haus Hiobs, daß endlich die bösen Gedanken nicht mehr hinein kommen, ja, daß ich sie durch deine Kraft verachten lerne. Du getreuer Gott, du wirst mich ja nicht lassen versuchen über mein Vermögen, lindere meine Angst, so will ich es auch als eine Hülfe annehmen, bis du mich endlich zu seiner Zeit ganz davon befreien wirst. JEsu, du Brunn aller Gnaden, der du niemand von dir stößt, der mit Schwachheit ist beladen, sondern allen Trost einflößt: sollt ihr Glaube noch so klein, als ein kleines Senfkorn sein, wollst du sie doch würdig schätzen, große Berge zu versetzen. Laß mich Gnad, HErr, vor dir finden, Der ich bin voll Traurigkeit; Hilf du mir selbst überwinden, Wenn ich oft muß in den Streit, Meinen Glauben täglich mehr Und des Geistes Schwert verehr, Damit ich den Feind kann schlagen, Alle Pfeile von mir jagen. Amen. 356 Klagen wegen lästerlicher Gedanken. Klagen wegen lästerlicher Gedanken. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ich klage dir, o Gott, Mit hochbetrübter Seele, Wie scharfer Pfeile Sturm Mich so entsetzlich quäle; Ach, böse Lästerung, Gedanken wider dich Entstehen oft bei mir, Und dieses ängstet mich. 2. Ach, wo soll ich doch hin? Wem soll ich davon sagen? Ich traue Menschen nicht! Ach Gott, dir will ich's klagen; Du kennst des Herzens Grund. Und weißt wohl meinen Sinn, Wie ich in solchem Sturm. In lauter Jammer bin. 3. Ach, wär ich doch, mein Gott, Der Pfeile überhoben. Ich quäl und martre mich, Wenn sie so grausam toben, Ach, wenn mein Herz dann nur An dich, mein Gott, gedenkt, So wird's im Augenblick. In Lästerung versenkt. 4. Es wird ein jedes Wort. Im Herzen mir verkehret, Ja, man verdreht das Wort, So mir vielleicht entfahret, Ich höre andre Wort, Als ich im Herzen hab. Und diese große Qual Frißt mir das Herz fast ab. 5. Ach, schaue meine Noth, Bald will mich der verdammen, Der selbst verdammet liegt Mit Ketten in den Flammen; Bald kommt ein Feuerpfeil: Gott wüßte nichts von mir, Ich wäre, o mein Gott, Gar weit entfernt von dir. 6. Ach ja, die Lästerung Mischt sich zu allen Dingen, In alles, was ich thu, In Lesen, Beten, Singen; Was ich zu deiner Ehr Und Ruhm vollbringen soll, Das scheint, als macht ich es. Nur meines Unflats voll. 7. Ich kann der Lästerwort Sogleich mich nicht entschlagen, Ich muß sie oft gar lang Ohn meinen Willen tragen. Ach, rechne mir nicht zu. Das, was ich leiden muß, Und dem ich widersprech; Ich leid es mit Verdruß. 8. Mein Gott, dir ist bekannt, Wie heftig ich mich wehre, Wie ich mich bald zu dir, Bald zum Gebet hinkehre; Ich schreie tausendmal: Mein Gott, ich mein's so nicht, Ich sage nicht, was mir Die Lästerung vorspricht. Gebet gegen lästerliche Gedanken. 357 Gebet gegen lästerliche Gedanken. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ich liege hier vor dir Mit höchst betrübtem Herzen, Ich klage dir, mein Gott, Die großen Seelenschmerzen; Die Angst, die ich empfind In mir ohn. Unterlaß, Macht meine Seele wund, Mein Auge thränennaß. 2. Ach Gott, ich leide dies. Nach deinem Vaterwillen, Ich weiß, du kannst die Angst. Zu seiner Zeit schon stillen; Ach, ich bin ja dein Kind, Ich bin dein Eigentum, Du bist mein Gott und HErr, Mein Freund, mein Trost, mein Ruhm. 3. Ach, die Anfechtung ist. Ein Zeichen deiner Gnaden, Sie bessert Seel und Geist. Und bringet keinen Schaden, Sie reiniget das Herz Von Sünd und Eitelkeit, Sie treibet mich zu Gott. Und wehrt der Sicherheit. 4. Gefällt es aber dir, Mein Herz ganz rein zu machen. Durch scharfes Feuer, das Gleichsam aus Satans Rachen. Wie schwarzer Dampf aufsteigt, So bleib ich doch bei dir, Ach, stehe mir nur bei Und weiche nicht von mir. 5. Ach ja, ich merke wohl, Ich bin vielmehr im Leiden, Ich treibe nicht das Werk, Das ich gern wollte meiden; Ach, ich verschlöffe gern. Des matten Herzens Haus Und trieb die Lästerung, Wenn's möglich, gar hinaus. 6. Der Seufzer, der annoch In meiner Seele guillet, Der Streit, den ich empfind, Wird er schon nicht gestillet, Ja, der vielmehr anhält, Wenn sich der Sturm erhebt, Sieh, der versichert mich, Daß JEsus in mir lebt. 7. Und kommt's zuweilen auch, Daß ich nicht mehr kann beten, Und daß ich mich fast scheu, Vor dich, o Gott, zu treten, So weiß ich doch gewiß, Daß dies mein Angstgeschrei Vor deinem Gnadenthron. Ein eifrig Beten sei. 8. Ach Gott, die Noth ist groß. Doch dir nicht vorzuschreiben. Die Zeit und Stund der Hiilf; So will ich gern noch bleiben, ln diesem Kampf und Sturm, Gib mir 358 Trost gegen lästerliche Gedanken. nur Kraft dazu. Und schenk mir nach dem Kampf Die süße Seelenruh. 9. Will auch die Lästerung. Zu keiner Zeit mehr schonen, So willst du doch, o Gott, In dem Betrübten wohnen; Ach, wohn jetzt auch in mir. Und rufe mir auch zu: Sieh da, ich bin bei dir. Du Hochbetrübter du! 10. Laß meinen Glauben nicht, O Seelenfreund, aufhören. Ach, laß den Lästergeist. Die Andacht nicht mehr stören; Zeig mir nach meiner Angst Dein gnädig Angesicht Und nach der Finsternis Ein herrlich Freudenlicht. 11. Ach, großer, starker Gott, Ach, stärke meinen Glauben, Damit der Satan nie Denselben könne rauben, Versichere du mich, Du seist mein HErr und Gott, Mein Vater, der mich liebt, Mein Helfer in der Noth. 12. Und weil du niemand hat In Anfechtung verlassen, So will ich deine Gnad Mit frohem Mut umfassen; Ach, ende mir doch bald. Die rechte Hülfezeit, Da sich in Trost und Freud Verkehrt die Traurigkeit. 13. Sieh an die Jammerklag, Die Tränen meiner Wangen, Ich schrei dir immer nach. Bis ich werd Hülferlangen; Und schweigest du gleich still, So schrei ich doch zu dir Und sprechohn Unterlaß: Mein Gott, ach, hilf doch mir. 14. Mein Gott, erbarme dich, Sieh an mein bittres Weinen, Ach, laß dein Gnadenlicht. In meiner Seele scheinen; Ach Gott, erquicke mich Und gib mir Freudigkeit, Ach, gib mir Trost und Sieg Nach diesem Kampf und Streit. - Croft gegen lästerliche Gedanken. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Weicht, weichet nur von mir, Ihr sündlichen Gedanken, Ich bleibe Gott getreu, Von dem will ich nicht wanken; Ich acht nun euer nicht. Und eurer Lästerung, Ihr dienet mir vielmehr Zur Seelenreinigung. Trost gegen lästerliche Gedanken. 359 2. Gott rechnet mir nicht zu, Was gegen mich geschiehet, Ja, was mein Will nicht ist. Und was mein Herze fliehet. Und davor Abscheu hat; Gott kennet meinen Sinn, Daß ich hier nicht im Thun, Vielmehr im Leiden bin. 3. Die große Lästerung Erweckt mir tausend Schmerzen, Ich seufz auch immerdar Mit hochbetrübtem Herzen; Doch sie ist außer mir, Ins Herz kommt sie ja nicht, Dawiderstreit ich oft, Daß mir der Schweiß ausbricht. 4. So lang durch Gottes Kraft. Ich nur noch widerspreche, Und jeden Lästerpfeil. Durch einen Geist zerbreche, So schad’t der Pfeil mir nicht; Mein JEsus ist doch mein. In ihm bin ich gerecht, In seinem Blute rein. 5. Zwar fühle ich oftmals, Wie Satans Engel schlüget, Und giftig böse Wort Mir an mein Herz geleget; Doch was kann ich dazu, Daß ich geschlagen werd. Weil ohne Schläg zu sein. Das matte Herz begehrt? - 6. Gott sieht den Jammer wohl, Mein Seufzen, Weinen, Schreien, Und wird zu einer Zeit. Mich schon davon befreien; Weil ich für solche Wort Hab Schrecken, Furcht und Scheu, So schenkt mir Gott die Schuld. Auf meine Buß und Reu. 7. Ja, tobet immerhin, Ihr lasterhaften Worte, Ja, tobet wie ihr wollt, In mir an jedem Orte; Gott ist dennoch mein Freund, Ich acht doch euer nicht, Mein JEsus ist mein Trost. Und meiner Seele Licht. 8. Ihr habet mich von ihm. Bisher noch nicht vertrieben, Ihr könnet es auch nicht, Ihn will ich ewig lieben; Weil's nicht mein Wille ist, Daß ihr im Herzen seid, So bleib ich Gottes Kind. In meinem Herzeleid. 9. Ach ja, ich werde schon Euch einst noch überwinden, Ich werde Ruh und Trost In JEsu Wunden finden; Ich jeh den Himmel schon Mit Freuden wieder an, Ich freue mich in Gott, Wie ich vorhin getan. Dritter Abschnitt. 360 Zum Gebrauch der Kranken. Morgengebet eines Kranken. Aufmunterung. Ich will zu Gott rufen, und der HErr wird mir helfen. Des Abends, Morgens, und Mittags will ich klagen und heulen; so wird er meine Stimme hören. Ps. 55, 17. 18. Obgleich Gott einen Menschen läßt krank werden, so soll er darum doch nicht das Gebet einstellen, sondern desto eifriger beten; ja, je mehr die Krankheit zunimmt, desto inbrünstiger soll auch das Gebet werden, wie auch Christus that, wie Lucas bezeuget, Cap. 22, 44.: Und da er mit dem Tode rang, betete er heftiger. Hat nun Gott jemanden auf das Krankenbette niedergelegt, so soll er 1) bei anbrechendem Tage sogleich ein Herz zu Gott erheben, und ihn preisen für den in der vergangenen Nacht ihm geleisteten Schutz. Ist die Nacht betrübt und unruhig gewesen, so soll er Gott um Linderung anrufen; ist die Nacht aber ruhig und erträglich gewesen, so soll er ihm dafür danken. Hat er also sein Herz am Morgen zu Gott gerichtet, so soll er 2) ein Gebet vor ihn bringen, und sich den Tag über in seinen Schutz und in eine Obhut empfehlen, fleißig an Gott denken, und geduldig leiden, was er ihm zuschicket. Er soll sich dabei 3) erinnern, daß JEsus auch bei ihm an einem Krankenbette sei, ihn daselbst erquicke und erhalte, ja, daß er ihn will da lehren und unterrichten. Vielleicht ist der Kranke in gesunden Tagen kein fleißiger Kirchengänger oder kein Morgengebet eines Kranken. 361 an-dächtiger Beter gewesen; diesen Fehler will ihm Gott vorstellen, daß er nun desto andächtiger beten lerne, und sehe, wie es ihm an Trost und Erbauung mangele, weil er in guten Tagen keinen Vorrath und guten Schatz an Trostsprüchen und Gebeten gesammelt hat. Ist er aber ein Liebhaber Gottes und seines Worts gewesen, so will ihm Gott Anweisung geben durch die Krankheit, wie er nun das in die Übung soll bringen, was er von der Geduld, vom Vertrauen auf Gott, von der Gelassenheit und von der Ergebung in den Willen Gottes gehöret hat. O du heiliger dreieiniger Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, ich komme anjetzt, da der Tag angebrochen, vor deinen allerheiligsten Thron und danke dir, daß du mich diesen Tag wiederum hat erleben lassen. Du weißt, HErr, wie ich die Nacht auf meinem Krankenbette hingebracht habe; dennoch kann ich nicht genug deine Gütepreisen, daß du das Licht der Sonne mich hat wieder sehen und alle Schmerzen gerät allem Ungemach glücklich vorübergehen lassen. O du Gott der Liebe, ich danke dir für deinen Schutz und Beistand; dein Auge hat mich die Nacht bewachet, deine Hand hat mich bedecket, deine Gnade hat mich erhalten. O mein Gott, die Sonne gehet wieder auf, ach, laß auch deine Gnade neu über mich aufgehen. Gib mir mit diesem Tage neue Kräfte, neue Gnade und neue Geduld, mein Leiden willig zu tragen. HErr, mein Gott, es hat dir ge- 362 Morgengebet eines Kranken. fallen, mich auf dieses Krankenbette zu legen; wohlan, ich will darauf bleiben, so lange es dir gefällt; vielleicht willst du mich dadurch absondem von meinen gewohnten Sünden und von meiner ordentlichen Arbeit, damit du allein mit mir reden, mich lehren und unterweisen mögest, wie ich soll für meine Seele sorgen. Nun habe ich Zeit, mein bisher geführtes Leben zu untersuchen, ob ich dir gedienet, dich geehret, dir gehorchet habe, daß ich darüber mich betrübe, mich vor dir schäme und wahre Buße tue, auch mit dir einen Bund mache, und also schaffe mit Furcht und Zittern, selig zu werden. Gib, daß ich, o JEsu, den ganzen Tag möge mein Herz bei dir haben, eifrig beten, an deine Wunden, an dein Blut und an deinen Tod denken, und das wahre Heil und ewige Wohlsein meiner Seele betrachten. Gib mir, mein Gott, einen schönen Trostspruch nach dem andern in mein Herz, der deiner Vaterliebe mich versichere, deine Gnade mir versiegele, und deiner baldigen Hülfe mich vergewissere. Bewahre mich heute vorgeschwinden Zufällen, neuen Schmerzen, betrübten Stunden und allerlei Leiden. Erquicke mich in meiner Mattigkeit, stärke mich durch deinen Heiligen Geist in meiner Schwachheit; willst du aber an diesem Tage mich Schmerzen und Leiden lassen Morgengebet eines Kranken, 363 empfinden, so bleibe nur bei mir und weiche nicht von mir. Hilf mir den Tag glücklich und selig vollenden, und alles mit Gelassenheit und stillem Mut annehmen, was du mir auflegen wirst. Siehe, mein Gott, hier bin ich, mache es mit mir, wie es dir wohlgefällt; du bist mein Vater, ich bin dein Kind, du kannst mein Leben mir erhalten, und mich mit deiner Hülfe erfreuen. Ich will auf den Abend deine Güte rühmen und deine Barmherzigkeit herzlich preisen für alles, was du an mir getan hat. Meinen Leib und meine Seele, Sammt den Sinnen und Verstand, Großer Gott, ich dir befehle. Unter deine starke Hand. HErr, mein Schild, mein Ehr und Ruhm, Nimm mich auf, dein Eigentum. Deinen Engel zu mir sende, Der des bösen Feindes Macht, List und Anschläg von mir wende Und mich halt in guter Acht, Der auch endlich mich zur Ruh Trage nach dem Himmel zu. Amen. Gesang. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 1. Unter meinem Schmerz und Weinen, Nach zurückgelegter Nacht, Seh ich jetzt die Sonne scheinen, Welche alles munter macht; Drum fang ich nun fröhlich an, So viel ich in Schwachheit kann. Diesen Tag mit Beten, Singen. Und mit Andacht hinzubringen. 2. Daß ich mich jetzt krank befinde, HErr, das ist dein Will und Rat, Welcher mir, als deinem Kinde, Dieses zugeschicket hat. Nun, ich nehm es gern auf mich. Ja, ich trag es williglich; Was du pfleget aufzulegen, Ist nicht ohne Gnad und Segen. 364 Abendgebet eines Kranken. 3. Dieser Tag ist angefangen, Weil mich deine Gnad erhält. Laß mich auch das End erlangen, Wenn es dir, mein Gott, gefällt; Lindre meinen Schmerz und Noth, Ach, mein Vater, HErr und Gott, JEsu, meiner Seele Sonne, Schenke mir heut Trost und Wonne. 4. Doch es soll dein Willgeschehen, HErr, dein Wille nur allein; Wie du willst, so soll mir's gehen, So will ich zufrieden sein; Ich will leben, wenn's dein Will, Auch im Leiden halt ich still; Ich will mich zum Tod und Leben Dir hiermit, mein Gott, ergeben. 5. Segne meine Arzeneien, Stärke mich je mehr und mehr, Laß dieselben mir gedeihen, HErr, zu deines Namens Ehr; Hör in Gnaden mein Gebet, Wenn ich gläubig vor dich tret, Daß ich dich im Glauben fasse. Und mich fest auf dich verlasse. 6. Endet heute sich mein Leiden, Daß mir's besser wieder werd; Soll ich von der Welt abscheiden, Der ich bin nur Staub und Erd: HErr, das überlaß ich dir, Wie du willst, geschehe mir; Dein bin ich mit Leib und Seele, Du bist's, dem ich mich befehle. Abendgebet eines Kranken. Aufmunterung. Ich schreie mit meiner Stimme zu Gott, zu Gott schreie ich, und er erhöret mich. In der Zeit meiner Noth suche ich den HErm, meine Hand ist des Nachts ausgereckt, und läßt nicht ab; denn meine Seele will sich nicht trösten lassen. Wenn ich betrübt bin, so denke ich an Gott; wenn mein Herz in Ängsten ist, so rede ich. Ps. 77, 2. 3. Wenn der Mensch die tausendfältigen Zufälle erwäget, welche ihm sowohl bei Tag, als auch des Nachts begegnen können, so soll er ja wohl niemals aufstehen oder schlafen gehen, er habe sich denn mit Leib und Seele dem mächtigen Schutz des gnädigen Gottes befohlen. Sonderlich soll das ein Kranker tun. Hat ihm Gott auf seinem Abendgebet eines Kranken. 365 Krankenbette einen Tag herumgeholfen, so soll er 1) Gott für seinen gnädigen Beistand danken; hat Gott die Arzenei gesegnet, hat er das Ungemach den Tag über leidlich gemacht, so soll er ihn dafür herzlich preisen; dabei soll er auch um Verzeihung bitten, wenn er mit Murren und Ungeduld sich an Gott versündiget hat. Kommt nun die Nacht herbei, wovor sich Kranke sonderlich zu fürchten pflegen, so soll er 2) wiederum mit Gebet sich zu Gott nahen, und ihn anflehen, er wolle alles Unglück, alle gefährlichen Zufälle und Schmerzen in Gnaden von ihm abwenden. Hat er sich also mit Leib und Seele Gott befohlen, so zweifle er nicht, 3) der dreieinige Gott werde auch des Nachts sein Licht und seine Lebenskraft sein, er werde an seinem Bette stehen, ein pflegen und hüten, er werde um JEsu Blutes und Todes willen ihm seine Sünden vergeben und gnädig sein; sollte ihm auch in der Nacht das Todesstündlein bescheret sein, so wird der dreieinige Gott alsdann mit seiner Gnadengegenwart ihn umfassen, und seine Seele durch die heiligen Engel in den Himmel lassen begleiten. Mit solchen guten Gedanken soll sich der Kranke ganz und gar der göttlichen Weisheit, Liebe und Gnade übergeben. Ach, du barmherziger Gott, ich habe nun wiederum einen Tag überlebet; HErr, HErr, du hat nach deiner Güte bis auf diese Stunde mir mein Leben gefristet, dafür sei deiner Vatertreue herzlich Lob und Dank gesagt. Sonderlich preise ich deinen Namen, daß du diesen Tag über meine Schmerzen und Krankheit mir hast tragen helfen. Ach HErr, du legst eine Last auf, aber du hilft sie auch tragen; wir haben einen Gott, der da 366 Abendgebet eines Kranken. hilft, und einen HErrn HErm, der vom Tode errettet. Der HErr betrübet wohl, aber er erbarmet sich wieder nach seiner großen Güte. Der HErr ist gnädig, gütig und freundlich allen denen, die ihn anmfen. Er höret das Schreien der Elenden, und weigert nicht, was ihr Mund bittet. Ach, großer Gott, die Nacht bricht herein, und es will Abend werden; dämm wende ich mich zu dir mit meinem Gebet und spreche: Mein Vater, ach, bleibe bei mir und weiche diese Nacht nicht von mir; ja, befiehl deinem Engel, daß er komm, und uns bewach, dein Eigentum, gib uns die lieben Wächter zu, daß wir vorm Satan haben Ruh, so schlafen wir im Namen dein, dieweil die Engel bei uns sein; o heilige Dreieinigkeit, wir loben dich in Ewigkeit. Wende diese Nacht von mir ab alle gefährlichen und plötzlichen Zufälle, lindere meine Schmerzen, bewahre mich vor Schrecken, Angst und Unglück. Ach, himmlischer Vater, bleibe doch bei deinem kranken Kinde; denn wenn du mit deiner Gnadengegenwart bei mir bist, so fürchte ich mich nicht. Der HErr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? der HErr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? O JEsu, die Sonne gehet unter und weichet von uns, aber du, Sonne der Gerechtigkeit, weiche nicht von mir. Abendgebet eines Kranken. 367 O mein JEsu, fasse mich diese Nacht in deine Arme, deine Linke liege unter meinem Haupt, und deine Rechte decke mich. Gib, daß ich mit dir einschlafe und im Schlafe an deinem vergossenen Blute mich ergötze, deiner Wunden mich erfreue und darin Trost, Vergebung der Sünden und Erquickung für meine Seele finde. O du werter Heiliger Geist, es gehet jedermann von mir, außer Wenigen; aber ach, du Tröster der Betrübten und Beistand der Elenden, bleibe bei mir, stärke mich, erhalte mich in wahrem Glauben und in christlicher Geduld. O du heilige Dreieinigkeit, nimm mich auf in deinen Schutz. Der HErr segne mich und behüte mich, der HErr lasse sein Angesicht leuchten über mir, und sei mir gnädig, der HErr erhebe sein Angesicht auf mich, und gebe mir Frieden. Soll diese Nacht die letzte sein. In diesem Jammerthal, So führ mich, HErr, in Himmel ein. Zur auserwählten Zahl. Und also leb und sterb ich dir, Du starker Zebaoth, Im Tod und Leben hilf du mir Aus aller Angst und Noth. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ich will mich nach der Ruh umsehen, Weil mich die Krankheit müd gemacht, Ich will mit JEsu schlafen gehen, Der selbst bei allen Kranken wacht; Ich denk dabei an meinen Gott, Ja, auch zugleich an meinen Tod. 2. Das Bett ist gleich dem stillen Grabe, Mein Bett und Grab liegt mir im Sinn; Doch wenn ich JEsum bei 368 Der Kranke bittet Gott um Geduld. mir habe, Wenn ich mit ihm vereinigt bin, So schlaf ich aller Sorgen los. Und ruhe sanft in einem Schooß. - 3. Wenn ich mich deck, denk ich, die Erde. Wird einstens decken also mich, Wenn ich darein geleget werde; Allein hab ich, o IEu, dich, So ruh ich wohl in meinem Bett Und auch wohl in der Grabesstätt. 4. Ich denk, wenn ich das Licht austue, Weil ma des Nachts nichts hat zu sehn. So wird auch, wenn ich komm zur Ruhe, Mein Lebenslicht geschwind ausgehn; Doch JEsus, meiner Seele Licht, Verlieht in meinem Herzen nicht. 5. Ich denke, wenn ich mich entkleide, So kleidet man mich einstens aus, Wenn ich von dieser Welt abscheide Und gehe in des Grabes Haus; Fahrt hin, ihr Kleider, fahrt nur hin, Weil ich in Gott gekleidet bin. 6. Pflegt man die Kammer zuzuschließen. Und zu verriegeln Haus und Thür, Damit ich mög der Ruh genießen, Und mich kein frecher Feind berühr: So schließt mein Auge zu der Ruh'Mein liebster JEsus Selbsten zu. 7. Ich werd auch aus dem Bett aufstehen, Wenn nun die Morgenröth anbricht, Und freudig aus dem Grabe gehen, Wenn JEsus, meiner Seele Licht, Mich auferweckt zur Herrlichkeit. Und führet mich zur Himmelsfreud. 8. Dies sind die seligen Gedanken, Sieh, damit schlaf ich fröhlich ein, Mein Herz soll nicht von JEsu wanken. Ich will im Schlaf auch bei ihm sein; O süßer Schlaf, o helle Nacht, Da JEsus in dem Herzen wacht! Der Kranke bittet Gott um Geduld, Aufmunterung. Was betrübest du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Gott ist. Ps. 42, 12. Geduld ist euch noth, daß ihr den Willen Gottes tuet, und die Verheißung empfahet. So sagt Paulus Der Kranke bittet Gott um Geduld. 369 Hebr. 10,36. Und gewiß, wer Gottes Willen vollbringen will, der muß nicht widerspenstig und eigenwillig, sondern geduldig und gelassen sein. Zur Geduld aber soll besonders einen Kranken bewegen 1) Christi Exempel, welcher unter den größten Schmerzen seinen Mund nicht aufthat, sondern war wie ein Lamm. Wenn wir daher ihm wollen gleich werden in der Herrlichkeit, so müssen wir auch, wie er, geduldig leiden. Der Kranke soll 2) bedenken, daß ihm diese Krankheit nach Gottes Willen zugeschickt sei; denn kann kein Sperling auf die Erde, ja, kein Haar von unserm Haupte fallen ohne Gottes Willen, wie viel weniger kann uns eine solche schwere Last und Krankheit aufgelegt werden ohne Gott? Zur Geduld soll ihn 3) bewegen die göttliche Liebe und Allmacht. Was Gott auflegt, das kann er auch wieder abnehmen; wenn er ein Wort spricht, so werden die Kranken wieder gesund. 4) Soll der Kranke erwägen, daß er mit seinen Sünden viel schwerere Plagen und größere Schmerzen verdient hätte; darum soll er, anstatt der Ungeduld, vielmehr in wahrer Buße und Glauben sich vor Gott demütigen, und ihn um Gnade anflehen. 5) Soll der Kranke bedenken, Ungeduld macht das Kreuz nicht leichter, sondern schwerer; ja, Gott hat verheißen, er wolle unser Kreuz uns tragen helfen, das er uns aufgeleget. Er will machen, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß wir's können ertragen. Barmherziger Gott, gnädiger Vater, siehe, ich armer Mensch liege allhier auf meinem Krankenbette und kann nicht auskommen; aber zu dir komme ich und trete vor deinen erhabenen Thron. Ach, es hat dir gefallen, mit diesem Leiden mich väterlich zu belegen und anstatt der bisher 370 Der Kranke bittet Gott um Geduld. genossenen Gesundheit mir diese Krankheit zuzuschicken. Nun, mein Gott und Vater, es geschehe dein Wille, gib mir Geduld, daß ich alles tragen möge ohne Murren und ohne Widersprechen. Gott hat mich in guten Tagen oft ergötzt, sollt ich jetzt auch nicht etwas tragen? Fromm ist Gott und schärft mit Maßen ein Gericht, kann mich nicht ganz und gar verlassen. Habe ich Gutes von dir empfangen, hast du mich in gesunden Tagen oft erquicket und erfreuet, so will ich auch die Krankheits- und Leidenstage durch deine Kraft mit Geduld annehmen, und mich in Demut erinnern, wie ich viele gute und gesunde Stunden in meinem Leben genossen, dagegen diese wenigen Leidensstunden wie nichts und wenig zu rechnen sind. Ich weiß, mein Gott, daß du liebreich und gnädig bist, darum wirst du mir auch nicht mehr auflegen, als ich tragen kann. Ich halte mich an dein Wort, das da spricht: Gott ist getreu, der euch nicht läßt versuchen über euer Vermögen, sondern machet, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß ihr's könnet ertragen. Mein Gott, du weißt auch wohl mein Vermögen und meine Schwachheit, daher wirst du mein Leiden nach meinen Kräften schon einrichten. Siehe an dein schwaches und krankes Kind, und handle mit mir nach deiner Vaterliebe. Ich weigere Der Kranke bittet Gott um Geduld. 371 mich nicht, zu leiden, weil ich weiß, daß du es nicht böse mit mir meinest, weil das Leiden mir soll zu meiner Heiligung dienen. Mein Gott, hier bin ich, mache es mit mir, wie du willst, gib mir deinen heiligen Rat recht zu erkennen, daß diese Krankheit soll ein Feuer sein, welches die Unreinigkeiten, die ich noch an meiner Seele habe, verzehren und wegnehmen und mich reinigen soll; wie es soll sein eine Bußglocke, die mich aufwecke, an meine Sünden zu denken, um dieselben herzlich zu bereuen; eine Betglocke, daß ich um JEsu willen, um seines Blutes und Todes willen die Vergebung aller meiner Übertretungen suche; ja, eine Stimme, die mir zurufe: Bestelle dein Haus; gedenke an deinen Tod und an dein Grab; bereite dich zur Ewigkeit. Wohlan, so mache mich fertig und bereit, wie du mich haben willst dort in der Ewigkeit. Denn ich weiß, daß auf das zeitliche Leiden eine ewige und über alle Maßen wichtige Herrlichkeit folgen soll. Damm sei stille, meine Seele, was betrübest du dich, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, ja, harre auf Gott, denn ich werde es ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Gott ist. Was willt du dich betrüben, O meine liebe Seel! Thu den nur herzlich lieben, Der heißt Immanuel. Vertraue ihm allein. Er wird gut alles machen. Und fordern deine 372 Der Kranke bittet Gott um Geduld. Sachen, Wie dir's wird selig sein. Denn Gott verlasset keinen. Der sich auf ihn verläßt; Er bleibt getreu den Seinen, Die ihm vertrauen fest. Läßt sich's an wunderlich, So laß dir doch nicht grauen, Mit Freuden wirst du schauen, Wie Gott wird retten dich. Amen. Gesang. Mel.: Zion klagt mit Angst und Schmerzen. Seele. 1. Ach, wie lang soll ich noch kämpfen? Ach, wie lange währt der Streit? Wer will doch die Feinde dämpfen? Ach, wann bricht doch an die Zeit, Daß ich nach dem Streit und Krieg Trage davon Krön und Sieg? Ach, ich werde unterliegen. Ach, ich werde doch nicht siegen. Gott. 2. Kämpfe nur getrost, o Seele, Kämpfe, ich will bei dir ein, Fürchte dich nicht, daß dir's fehle, Du bist nicht im Kampf allein; Ich bin allezeit bei dir, Halte du dich nur zu mir, Du sollst meine Hülf empfinden, Du sollst herrlich überwinden. Seele. 3. Aber ach, es währt zu lange, Meine Kräfte sind dahin, Ach, es wird mir angst und bange, Weil ich so entkräftet bin; Mein Leib ist von Schmerzen schwach, Mein Mund schreiet Weh und Ach, Herz und Mund kann nicht mehr beten, Ach, wer will mich doch erretten? Gott. 4. Weißt du nicht, daß ich den Schwachen, Welchem aller Trost entgeht, Kann gar leichtlich stärker machen, Ob er gleich entkräftet steht? Nun wohlan, ich stärke dich, Helfe dir auch gnädiglich; Siehe, du sollst herrlich siegen. Und mit nichten unterliegen. Der Kranke bittet Gott um Geduld. 373 Seele. . 5. Ach, mein Leiden, das ich trage, Ist sehr groß und allzu schwer, Meine Trübsal, Angst und Plage Häuft sich immer mehr und mehr, Auch Anfechtung stellt sich ein, Und der Glaube wird gar klein; Wer will meine Noth aussprechen? Ach, das Rohr wird gar zerbrechen. Gott. 6. Sei getrost in deinem Glauben, Dessen Tocht verliehet nicht. Kein Feind soll denselben rauben, Denk nicht, daß das Rohr zerbricht; Wäre es auch noch so schwach. Sieh, ich führe deine Sach, Ich will deine Feind vertreiben. Und dir soll der Sieg verbleiben. Seele. 7. O mein Gott, in deiner Stärke Hab ich einen guten Muth, Ich kenn deiner Allmacht Werke, Wie dieselbe Wunder thut; Nun wohlan, so steh mir bei, Daß ich überzeuget sei, Daß du werdet mich erretten. Und auf meine Seite treten. Gott. 8. Sieh, die Krön ist aufgestecket, Eil, vollende deinen Lauf! Meine Hand ist ausgestrecket, Sieh, der Himmel steht dir auf; Wonne, Sonne, Trost und Freud In der frohen Ewigkeit; Weiße Kleider, Licht und Krone Wird dem Kämpfer dort zum Lohne. Gott und Seele. 9. S. Nunmehr hab ich überwunden. Alle Noth mit meinem Gott. G. Und ich bleib mit dir verbunden. In und nach der Todesnoth. S. Und wo führest du mich hin. Wenn ich nun gestorben bin? G. In den Himmel zu der Wonne, Wo ich Selbsten bin die Sonne. 374 Der Kranke bittet um Gottes Beistand. Der Kranke bittet um Gottes Beistand. Aufmunterung. Siehe, Gott stehet mir bei, der HErr erhält meine Seele. Ps. 54,6. In Leidens- und Unglücksfällen einen guten Freund und Beistand haben, ist gar ein großer Trost. Ob es nun gleich geschehen kann, daß ein Elender, Fremder oder Armer keinen Beistand hat, der zu ihm spräche: Wie geht es dir? so wissen wir Christen doch gewiß, daß Gott wird aller Elenden Beistand sein. Denn 1) Gott hat allen seinen Kindern Hülfe und Gnade verheißen; darum soll ein Kranker nicht verzagen, wenn er siehet, daß ihn jedermann verläßt, daß niemand sich seiner annimmt, und fest glauben, Gott werde ihn nicht verlassen, und zu rechter Zeit ihm Hülfe und Rettung leisten. Hat 2) auch ein Kranker gute Freunde und Mittel, damit er sich helfen kann, und will doch nichts anschlagen, so soll er deswegen nicht kleinmütig werden, oder an der göttlichen Verheißung zweifeln, sondern gewiß sein, Gott werde in allen trüben Trauerstunden mit seinem Beistand nahe bei ihm sein. 3) Dieser Beistand wird gespüret entweder in der Erhaltung des Kranken, oder in der Linderung der Schmerzen, oder wenn ihm Gott Kräfte gibt, auch das schwerste Leiden auszustehen. Ja, Gott ist treu, er ist oft nahe bei uns, wenn wir meinen, er sei weit von uns entfernet. O du treuer Gott, du siehest, wie ich jetzt in einem elenden und betrübten Stande mich befinde; meine Kräfte nehmen ab, meine Gestalt verschwindet, und des Kreuzes Last drücket mich immer heftiger. HErr, HErr Gott, der du hörest Der Kranke bittet um Gottes Beistand. 375 mein Flehen, und dem mein Leiden nicht unbewußt ist, ich bitte dich herzlich, bleibe doch bei mir, und verlaß mich nicht. Ich halte dir vor deine Verheißungen, da du mich versichert: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, ich bin dein Gott, ich stärke dich, und erhalte dich, und helfe dir auch durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit; und wiederum: Ich will dich nicht lassen, noch versäumen. Nun, mein Gott, auf dieses dein Wort verlasse ich mich. Dein Beistand ist mir höchst nötig, ich kann das Leiden nicht tragen, wenn du nicht bei mir bleibet und es mir tragen hilft. Die Krankheit wird mich bald ersticken und erdrücken, wenn mich deine Hand nicht erhält. Gedenke, daß ich aus Erde gemacht bin; ach, wie bald ist diese irdische Hülle meines Leibes zerbrochen, wie bald versinke ich, wie bald ist mein Leben dahin, wie bald ist's um mich getan, wenn du durch deine göttliche Macht und durch deine Vaterhand mich nicht hältst, und nach deiner Barmherzigkeit und gnädigen Verheißung mir nicht beistehest! Dein Beistand ist mir sehr tröstlich, denn bist du, mein Gott, bei mir, so fürchte ich mich nicht. Ist mir's tröstlich, wenn meiner guten Freunde etliche sowohl des Tages um mich stehen, als auch des Nachts bei mir wachen, o, wie viel tröstlicher ist es mir, wenn 376 Der Kranke bittet um Gottes Beistand. du, mein Gott, bei mir bist! Menschen können mich wohl bedauern und beklagen, aber wenn du bei mir bist, so habe ich den besten Helfer, Erretter und Arzt bei mir. Deine allerheiligste Gegenwart wird mich erquicken und erhalten, meine Schmerzen lindem, und meine Angst stillen. O, dämm verlaß mich nicht, und tue nicht von mir die Hand ab, Gott, mein Heil! Weichet eine liebreiche Mutter nicht von ihrem kranken Kinde, so wirst du, mein Gott, auch nicht von mir weichen. Laß mich deine gnädige Gegenwart empfinden durch eine innere Freude, durch einen kräftigen Trostspruch, durch einen süßen Gedanken, und tröste mich also in meinem Leiden, wie einen seine Mutter tröstet. Ach, mein Gott, stärke meinen Glauben, erhalte meine Kräfte, hilf mir kämpfen, hilf mir siegen und überwinden; durch deinen Beistand werde ich stark, wenn ich schwach bin; ich vermag alles durch den, der mich mächtig machet, Christus. Herzlich lieb hab ich dich, o HErr, Ich bitt, wollt ein von mir nicht fern. Mit deiner Güt und Gnaden; Die ganze Welt nicht freuet mich, Nach Himmel und Erd nicht frag ich, Wenn ich dich nur kann haben; Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, So bist doch du mein Zuversicht, Mein Teil und meines Herzens Trost, Der mich durch sein Blut hat erlöst. HErr JEsu Christ, Mein Gott und HErr, mein Gott und HErr, In Schanden laß mich nimmermehr. . Amen. Der Kranke erkennet, daß er ein Mensch und sterblich sei. 377 Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Mein Gott, verlaß mich nicht, So will ich eifrig flehen, Bis ich von meinem Kreuz Mich werd errettet sehen; Ich kenn dein Vaterherz: Wenn der Betrübte schreit, So bleibet du von ihm Mit deiner Hiilf nicht weit. 2. Mein Gott, verlaß mich nicht, Ohn dich bin ich verlassen, Und weiß auf dieser Erd Sonst keinen Trost zu fassen; Ach, wende doch zu mir Dein süßes Gnadenlicht, Ach, eile doch herbei. Du, meine Zuversicht. 3. Mein Gott, verlaß mich nicht. In diesen meinen Nöten, Du wirst, mein Helfer, nicht Mich in denselben tödten; Die Noth ist jetzt so groß, Erbarmer, komm herbei Und mach in Gnaden mich. Von diesen Banden frei. 4. Mein Gott, verlaß mich nicht. In diesen großen Schmerzen, Ich schrei, mein Gott, zu dir Aus fast zerbrochnem Herzen; Du weißt und siehet wohl, Wie weh mir jetzo ist, Und ich weiß auch gar wohl, Daß du mein Helfer bist. 5. Mein Gott, verlaß mich nicht, Ach, hilf mir überwinden, Und laß, mein Vater, doch Mich deine Hand empfinden; Erscheine mir, mein Heil, So schreiet Herz und Mund, Ach, eile doch herbei. Mit deiner Hiilfestund. 6. Ich will für diese Gnad Dich, weil ich lebe, preisen, Und dankbar allezeit Mich gegen dich erweisen. Mit Ruhm und Lobgesang, Und jagen jedermann: Ach, preiset Gott mit mir, Der mir viel Guts getan. Der Kranke erkennet, daß er ein Mensch und sterblich sei. Aufmunterung. Der Mensch vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit, und ist voll Unruhe, gehet auf wie eine Blume, und fällt ab, fleucht wie ein Schatten, und bleibet nicht. Hiob 14, 1. 2. Obgleich alle Menschen sterblich sind, obgleich auch alle Tage Menschen sterben und begraben werden, so 378 Der Kranke erkennet, daß er ein Mensch und sterblich sei. denken doch die allerwenigsten an ihre Sterblichkeit, sonderlich wenn sie gesund sind und wenn es ihnen wohl gehet; darum muß sie Gott zuweilen an ihre Sterblichkeit erinnern, welches geschiehet durch Krankheit; denn wenn er die Gesunden lästet schwach, die schönen Rosen welk, die Riesen durch die Krankheit matt werden, da merken sie erst ihre Vergänglichkeit. Rechtschaffene Christen sollen deshalb 1) alle Tage an ihre Sterblichkeit denken, und sich derselben erinnern, wenn sie ihre Kleider austun und ihr Schlafgerät anlegen, und als dann in ihrem Herzen denken: So werde ich nach meinem Tode auch entkleidet und mit meinem Todtengewand umhüllet werden. Läßt Gott aber einen Menschen krank werden, so soll man sich wiederum seinen bevorstehenden Tod vorstellen. Es ist ein Betrug des Satans, daß man meinet, wenn man an den Tod nicht dächte, so stürbe man nicht, denn man mag daran denken, oder nicht, so kommt unser Ende, wann es Gott gefällt; wer sich aber zum seligen Tod bereitet, der stirbt desto seliger. Es soll sich der Mensch 2) auch seiner Sterblichkeit erinnern, wenn er an eine verstorbenen Vorfahren und Freunde denket, und glauben, die Reihe werde ihn auch einmal treffen. Selig ist deshalb, wer 3) in Betrachtung der Sterblichkeit im Glauben JEsum Christum ergreifet, und in einem christlichen und frommen Leben verharret bis in den Tod; der wird, wenn er stirbt, nicht sterben, sondern um JEsu willen zur Seelen-Seligkeit eingehen. Mein Gott, es hat dir nach deinem heiligen Rat und Willen gefallen, mich auf dieses Krankenbette zu legen, und dadurch nicht allein mich von meinen Geschäften, von meinen Sünden und sündlichen Gewohnheiten abzusondem und zur Der Kranke erkennet, daß er ein Mensch und sterblich sei. 379 wahren Buße aufzumuntem, sondern mich auch an meinen Tod zu erinnern, daß ich ein sterblicher Mensch sei. Siehe, meine Tage sind einer Hand breit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir; ach, wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben. Mein Gott, sind Krankheiten Vorboten des Todes, so erinnere ich mich gar wohl, daß ich ein Mensch und sterblich bin. Ich bin Erde und muß wieder zu Erde werden. Darum sehe ich mein offenes Grab als einen Schooß der Mutter an, die meinen Leib in demselben sanft ausruhen und schlafen lassen will. Ich weiß auch, daß dem Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, darnach das Gericht, der halben ich auch oft in gesunden Tagen gebetet habe: Ach HErr, lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß, und daß mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß. Ich weiß auch, daß ich alles muß verlassen, meine Habe und Gut, Ehre und Glück und was ich in der Welt besitze. Ich habe hier keine bleibende Stätte, sondern die zukünftige suche ich. Willst du durch diese Krankheit mich nun an mein Ende erinnern, wie den König Hiskias, willst du mir dabei wie ihm zurufen: Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben, und nicht lebendig bleiben; so verleihe, daß ich freudig an meine Sterblichkeit und an mein Ende denke; 380 Der Kranke erkennet, daß er ein Mensch und sterblich sei. daß ich mir vorstelle: Siehe da, dieses ist vielleicht mein letztes Lager und mein letztes Jahr, diese Krankheit zeiget vielleicht an, daß die Lebenstage, die du auf dein Buch geschrieben, nun verflossen sind, damit ich möge mit Gebet, mit Buße und Glauben, mit wahrer Untersuchung meines bisher geführten Lebens mich zum seligen Sterben bereiten. Ja, stelle mir vor, mein Gott, daß ich deswegen nicht sterben muß, wenn ich mich schon zum seligen Sterben schicke, sondern daß ich dadurch von Welt und Sünden abgezogen, und mein Leben, Geist und Seele dir geheiliget werde; ja, daß du eben deswegen die Krankheit mir geschickt habet, daß ich mich also prüfen, untersuchen, bekehren, bereiten, der Welt absterben und in dir leben soll. Siehe, mein Gott, hier bin ich, nimm meine Seele hin, aber bereite mich zuvor recht in der Zeit, daß, wenn ich sterbe, ich möge in deiner Gnade stehen und selig sterben. Ich hab mein Sach Gott heimgestellt, Er mach's mit mir, wie's ihm gefällt; Soll ich allhier nicht länger leben. Ich will nicht widerstreben. Und seinem Willen mich ergeben. Mein Zeit und Stund ist, wann Gott will, Ich schreib ihm nicht vor Maß noch Ziel, Und seinem Willen nur allein, Ohn Heuchelschein, Willich stets treu ergeben sein. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Wie sind wir so gar nichts! Wer dieses wird betrachten, Der wird nur Gott allein, Der Alles ist, Der Kranke erkennet, daß er ein Mensch und sterblich sei. 381 hochachten; Denn wer ein lauter nichts Beleucht’t in Gottes Licht, Der ist es, der mit mir Demütig also spricht: 2. Ich bin nichts, denn von Gott Empfing ich Leib und Leben, Das hat er mir und nicht. Ich selber mir gegeben; Vorher war ich ja nichts, Bis jene Schöpfershand Mich machte, da ward ich Den Menschen erst bekannt. 3. Ich habe nichts von mir, Denn nackend bin ich kommen; Wie konnte aus dem Nichts. Was werden mitgenommen? Von Gott kommt alles her, Es ist auch alles sein, Ich hab nichts ohne Gott, Ohn ihn ist gar nichts mein. 4. Ich weiß nichts von mir selbst; Von Gott ist mir entzündet. Des wahren Glaubens Licht. Und bleibt auf ihn gegründet; Entzieht er mir ein Licht. Und seiner Weisheit Schein, So muß ich ohne Licht. Und ohne Weisheit ein. 5. Ich kann nichts von mir selbst; Von Gott hab ich die Kräfte, Er gibt mir Mut und Stärk, Erhält die Lebensäfte; Durch ihn kann ich allein. Mich regen, hören, sehn, Trüg mich nicht seine Hand, So wiird ich bald vergehn. 6. So bin ich ja gar nichts; Doch das soll mich fromm machen, Ich will die stolze Welt. In ihrem Nichts verlachen, Die sich gar viel einbild"t. Und auf ein Nichts verläßt. Und meinet, daß ihr Nichts. Doch sei das Allerbest. 7. Gott ist das Allerbest, Sein Alles soll vor allen Mir, der ich gar nichts bin, Auf ewig Wohlgefallen. Du einig. Alles, gib, Daß ich auch jeden Tag Dein Alles und mein Nichts. Mit Emst erwägen mag. 8. Du armer Mensch, du Nichts, Was willst du dich erheben? Kannst du auch etwas ein, Das Gott dir nicht gegeben? Wer da will etwas ein, Der wird zu nichts gemacht, Wer aber nichts will sein, Der wird emporgebracht. 9. Fahr hin, o Welt, fahr hin, Dein Nichts kann nicht ergötzen, Wer dich für etwas hält, Der weiß nichts hoch zu schätzen; Mein Alles ist mein Gott, Dem leb und sterbe ich. Und bin durch ihn beglückt. Und selig ewiglich. 382 Der Kranke ergibt sich dem Willen Gottes, Der Kranke ergibt sich dem Willen Gottes, zu leben und zu sterben. Aufmunterung. Und JEsus ging ein wenig hin, fiel nieder auf sein Angesicht und betete und sprach: Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch von mir; doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst. Matth. 26, 39. Gottes Wille ist allezeit der beste; solches pflegen wir wohl zu sagen, aber wenn man sich Gottes Willen einig und allein unterwerfen soll, und sich das lassen gefallen, was unserm Willen zuwider ist, da empfindet man oft einen großen Widerstand. Ein Kranker demnach, welchen Gott auf ein Krankenbette niedergelegt hat, soll 1) bedenken, daß es Gottes Wille sei, daß er in solchem Zustande sich befinde; dämm soll er sich hüten vor Ungeduld, denn sonst würde er anzeigen, daß er mit Gottes Willen nicht zufrieden sei. Er soll 2) aufsehen auf das Exempel JEsu Christi, der in den größten Leiden und Schmerzen, die ihm den blutigen Schweiß austrieben, doch sprach: Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Solche Gelassenheit und Ergebung in den Willen Gottes gefällt Gott wohl und ist ein Zeichen der Kinder Gottes. Ja, 3) wenn man auch beständig Gottes Willen widerstreben wollte, so wird es doch nichts helfen; hat Gott beschlossen, daß das Lager soll das letzte sein, so wird man es durch Widerwillen nicht abwenden, sondern des HErrn Rat und Wille wird doch an uns erfüllet werden. Damm 4) ist dieses das Allerbeste, daß ein Krankerjage: Siehe, HErr, hier bin ich, mache es mit mir, wie es dir gefällt; ich will länger leben, wenn du willst, ich will auch gerne sterben, wenn du willst. O du gnädiger, gütiger und barmherziger Gott, ich komme an jetzt mit meinem Gebet und zu leben und zu sterben. 383 Seufzen vor deinen allerheiligsten Thron, ob ich schon dem Leibe nach auf meinem Krankenbette bleiben muß. Ich sehe, o liebster Gott, es ist dein heiliger Wille, daß ich soll krank liegen, und eine Zeitlang der edlen Gabe der Gesundheit entbehren. Wohlan, ist es dein Wille, so soll es auch mein Wille sein; gefällt es dir, mir soll es auch gefallen; dein Wille und mein Wille soll nur Ein Wille sein. Ich bin geboren worden nach deinem Willen, ich will auch sterben, wann du willst. Nach deinem Willen bin ich lange gesund gewesen, nach deinem Willen will ich auch nun krank sein, so lange du erkennen wirst, daß es meiner Seele nützlich und gut sein wird. Ja, mein Gott, wenn ich könnte wider deinen Willen gesund werden, so wollte ich es doch nicht tun, sondern ich will lieber auf meinem Krankenbette deinen gnädigen Ratschluß vollbringen. Damm will ich in diesem Zustand mit meinem JEsu sprechen: Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Und wiedemm: Des HErm Wille gechehe! Soll ich noch länger auf der Welt leben, so will ich dich noch länger loben, ja, die Jahre, die du mir schenken und mich länger leben lassen wirst, die will ich zu deiner Ehre und in der wahren Frömmigkeit hinbringen. Gefällt dir es aber, daß ich von diesem Lager nicht auf- 384 Der Kranke ergibt sich dem Willen Gottes, kommen, daß ich an dieser Krankheit sterben soll, so mache mich zu einem seligen Sterben bereit. Ich weiß, daß ich diese Hütte des Leibes einmal ablegen muß, aber ich weiß auch, daß du deinen Gläubigen hat einen Bau bereitet, der nicht mit Händen gemacht ist, der ewig ist im Himmel. Im Himmel ist mein Erbteil, mein Vaterland, mein Bürgerrecht; sollte ich mich nicht freuen, das mir erworbene Erbe einzunehmen, in mein Vaterland zu eilen und der Kinder Gottes Herrlichkeit zu genießen? Habe ich Ursache, um Verlängerung und Erhaltung meines Lebens zu bitten, so liegt mir doch auch hart an, ob es nicht besser wäre, aufgelöstet und bei Christo zu sein, meinen JEsum zu erblicken, den ich lieb gehabt habe, da ich ihn doch noch nicht gesehen. Darum, mein Gott, überlasse ich dir alles, du weißt am besten, was mir heilsam ist. Siehe, hier bin ich, der HErrtue mit mir, was ihm wohlgefällt. HErr, wie du willt, so schick's mit mir Im Leben und im Sterben; Allein zu dir steht mein Begier, Laß mich, HErr, nicht verderben; Erhalt mich nur in deiner Huld, Sonst, wie du willt, gib mir Geduld, Denn dein Will ist der beste. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ich will, was JEsus will, Das soll mein Wahlspruch werden. Den wiederhol ich stets, Dieweil ich leb zu leben und zu sterben. 385 auf Erden; Mein Will ist gar verkehrt. Und trifft das Beste nicht, Drum soll er nur allein. Auf JEsum ein gericht’t. 2. Ich will, was JEsus will; Will er, daß ich soll leben, Wohlan, ich will es auch, Er wird auch Kräfte geben; Ich bin in einer Hand, Ihm leb und sterbe ich. Er führ und leite mich, Ich folge williglich. 3. Ich will, was JEsus will; Will er, daß ich soll leiden, Wohlan, ich will es auch. Ich bin bereit zu beiden; Geht JEsus nur voran, So geh ich gerne mit, Denn seine Gegenwart. Versüßt die sauren Tritt. 4. Ich will, was JEsus will; Will er, daß ich soll weinen, Wohlan, ich will es auch, Er wird schon lassen scheinen. Die Sonne nach dem Leid; Denn seine Gütigkeit Wischt alle Tränen ab. Und hilft zur rechten Zeit. 5. Ich will, was JEsus will; Will er, daß mich soll plagen. Die Bosheit meiner Feind, Die mir ins Antli schlagen. Wohlan, ich will es auch, Er gebe mir nur ' Und sein Geist stärke mich. Wenn man mir Unrecht thut. 6. Ich will, was JEsus will; Will er, daß ich verlassen. Von jedermann soll sein, Ja, daß man mich soll haffen, Wohlan, ich will es auch; Verläßt er mich nur nicht. So acht ich's nicht, daß mir Der Menschen Hiilf gebricht. 7. Ich will, was JEsus will; Soll ich dereinst krank werden. Wohlan, ich will es auch, Ich bin ja Staub und Erden; Wie bald zerbricht ein Glas! Ihm ist ja alles leicht. Weil auf sein Wort so bald Die Krankheit wieder weicht. 8. Ich will, was JEsus will; Will er, daß ich soll sterben, Wohlan, ich will es auch, Durch ihn werd ich ererben. Das mir versprochne Reich, Ich geh zur Erbschaft ein. Und bleib im Vaterland, Wo ich soll ewig sein. 386 Der Kranke erkennet, daß das Kreuz Der Kranke erkennet, daß das Kreuz und die Trübsal von Gott kommt. Aufmunterung. Der HErr tödtet, und machet lebendig, führet in die Hölle, und wieder heraus. 1 Sam. 2, 6. Gott ist die Liebe, der die Menschen herzlich liebet. Liebesproben von ihm erhalten gläubige Christen alle Tage durch den gnädigen Beistand und durch die Wohltaten, welche sie von einer Hand empfangen; sie sehen es auch an den großen Liebeswerken der Schöpfung, Erlösung und Heiligung. Ist Gott aber die Liebe, so gibt das einen großen Trost in Krankheit, wenn ein Kranker sich vorstellet: 1) Meine Trübsal kommt nicht her von einem Feind, der mich haffet, sondern von einem Gott, der mich liebet; sie kommt her von einem Vater, der mir von Jugend auf in vielerlei Gefährlichkeit und Zufällen schon Hülfe erwiesen hat. Stehet dieses in der Seele fest, so fließet daraus 2) ein herrlicher Trost: Der Vater meinet es nicht übel mit einem Kinde, der treue Menschenfreund hat auch in dem zugeschickten Leiden ein liebreiches Herz behalten. Hierauf soll sich 3) ein Kranker in Gottfassen, und fleißig zu Gott rufen und beten; er soll ein krankes Haupt in den Schooß Gottes niederlegen, mit Freuden und gutem Mut den Himmel ansehen und denken: Der es schickt, der kann es wenden, er weiß wohl, wie er soll all mein Unglück enden. Sonderlich soll er 4) sich nicht lassen irre machen einer Krankheit Heftigkeit, eine großen Schmerzen und die anscheinende Gefahr; denn hier stehet abermal der Trost fest: Gott leget eine Last auf, aber er hilft sie auch tragen; wir haben einen Gott, der hilft, und einen HErrn HErm, der vom Tode errettet. Ps. 68,21 . Gebet. HErr Gott, barmherzig, geduldig und von großer Güte und Treue, der du vergibt und die Trübsal von Gott kommt. 387 Missetat, Übertretung und Sünde, der du deinen Zorn nicht ewiglich hältst, sondern siehet an die Elenden und richtet auf, die niedergeschlagenen Herzens sind, siehe, ich armer Mensch liege allhier vor dir und bitte: Ach, schaue auf mich von deinem hohen Thron, und erhöre mich. Ich weiß und glaube, daß mein Leiden und meine Trübsal von dir kommt; deine Hand schlägt, aber sie heilet auch, sie verwundet, aber sie verbindet auch; wenn aber meine Krankheit vom Himmel kommt, so schaue ich auch wiederum gen Himmel nach der Hülfe. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom HErm, der Himmel und Erde gemacht hat. Ich habe von dir Gesundheit, Leben und Wohlergehen empfangen, sollte ich dann nicht auch die Krankheit annehmen? Haben wir Gutes von Gott empfangen, sollten wir das Böse nicht auch von ihm annehmen? Die Bäume auf dem Felde stehen bisweilen in voller Blüthe, herrlich mit Blättern und Früchten gezieret, die Sonne bestrahlet und erwärmet sie, allein im Winter sehen sie todt und erstorben aus, müssen Sturm und Frost leiden, und dieses alles kommt von dir, o Gott! O, darum will ich auch bedenken, daß dieses die Zeit meines Leidens und meiner Trübsal sei, die du mir zugedacht und 388 Der Kranke erkennet, daß das Kreuz bestimmt hat. Ja, wie du weißt, wo ein Stern stehet, ob er hoch oder niedrig stehet an dem großen Himmel, also weißt du auch, wie es um mich jetzt stehet. Du weißt, wie schwer ich trage, dir ist bewußt, wie lange ich leide, dir ist auch bekannt, wie viel ich Kräfte habe, das alles auszustehen. O darum, lieber Gott, lege auf, so viel du willst, nur gib mir Kraft und Stärke, daß ich's auch tragen könne. Ich weiß, ohne deinen Willen kann nicht ein Haar von meinem Haupte fallen, wie viel weniger kann ich ohne denselben krank werden? Fällt kein Sperling auf die Erde ohne deinen Willen, wie viel weniger kann ich Schmerzen, Ungemach und Krankheiten unterworfen sein, ja, gar sterben ohne deinen Rat und Willen? Kommt mein Leiden von dir, so kommt es von meinem Vater; kommt es von meinem Vater, so kommt es von geliebten Händen und aus einem liebevollen Herzen, nicht zu meinem Verderben, sondern zum Besten meiner Seele. Züchtige mich, mein Vater, doch mit Maßen, daß du mich nicht gar auffeibet. Betrübe mich, aber erfreue mich wieder; verbirgt du dein Angesicht, so laß es auch wieder leuchten; laß leuchten dein Angesicht, so genese ich. Ich will gern in die Hand meines Vaters fallen, wenn ich Strafe verdienet habe; denn sein Zorn und die Trübsal von Gott kommt. 389 währet einen Augenblick, und er hat Lust zum Leben; er wird sich über Zion erbarmen, und seinem Kinde gnädig sein. Ohne deinen Willen kann mir nichts begegnen, Du kannst verfluchen, und auch wieder segnen; Bin ich dein Kind, Und hab's verdient, Gib warmen Sonnenschein nach trübem Regen. Ich weiß, daß du mich ja noch nie vergessen. Warum sollt ich mein Herz mit Leid jetzt pressen? In meiner Noth Denk ich an Gott, Er wird die Angst nach meinen Kräften messen. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ein Gotteskind zu sein, Und doch mit Kreuz gedrücket, Kann wohl zusammen stehn; Es bleibet doch geschmücket Inwendig an der Seel. Mit Glaub und Frömmigkeit, Ob's gleich auswendig steht. In lauter Kreuz und Leid. 2. Wer hier die Domen trägt, Wird dorten Kronen tragen. Wer hier viel seufzt und weint, Wird dort von Freuden sagen; Du bleibst ein Gotteskind. Auch mitten in der Noth, Auch mitten in dem Kreuz Bist du geliebt von Gott. 3. Sieh, JEsus, Gottes Sohn, Trug eine Dornenkrone, Und blieb doch Gottes Sohn, Er litt vom Spott und Hohne, Und blieb bei Gott geehrt; Drum reimet sich's gar wohl, Zu sein ein Gotteskind, Und doch des Leidens voll. 4. Bleib deinem Gott getreu Im Glauben und Vertrauen, So wirst du eine Hülf Gar bald mit Freuden schauen; Und sollst du in der Welt In lauter Trübsal sein. Was schadt's? wenn du am End Nur geht zum Himmel ein. 5. Dein Vater liebet dich, Obschon die scharfen Ruthen Die Augen machen naß. Und auch das Herz oft bluten. 390 Der Kranke erkennet den Nutzen der Krankheit. Gott liebet solches Kind, Das stets gen Himmel sieht, Und in der größten Noth Zu seinem Vater flieht. 6. Drum sei getrost in Gott, Die Stunde wird bald kommen, In welcher dir dein Kreuz Wird endlich abgenommen; Ob deiner Leiden schon Gar viel und heftig sind, So bist und bleibst du doch Ein wahres Gotteskind. Der Kranke erkennet den Nutzen der Krankheit. Aufmunterung. Die Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Ehre Gottes, daß der Sohn Gottes dadurch geehret werde. Joh. 11,4. Daß Krankheiten großen Nutzen bringen, will der natürliche Mensch nicht glauben, denn er spricht: Der Leib wird nicht allein abgemattet, schwach gemacht und kommt in Todesgefahr, sondern die Kräfte werden auch geschwächt, ohne andere Beschwernisse und Unkosten, die mit der Krankheit verknüpfet sind. Allein dem allen ohngeachtet bringet die Krankheit Nutzen, bisweilen selbst dem Leibe, indem dadurch öfters die Unreinigkeiten der Natur verzehrt werden, und nachher die Gesundheit desto dauerhafter wird. Sonderlich aber bringet Krankheit der Seele einen herrlichen Nutzen, denn 1) dadurch holet Gottmanchen Menschen zurück von seinen Sünden wegen; wie mancher Sünder gehet in seiner Frechheit dahin, achtet weder Gott noch ein Wort, häufet Sünden auf Sünden? Solchen aber reißet Gott gleichsam mit Gewalt zurück durch eine Krankheit, durch Schmerzen und Leiden, daß er nüchtern werde aus des Satans Stricken. Es bringet auch Krankheit 2) den Frommen Nutzen, denn sie lernen daraus erkennen Gottes Allmacht, Güte, Weisheit, Liebe und Barmherzigkeit, welches alles sie vorher wohl gewußt und geglaubet, aber nunmehr erst recht erfahren haben. Nach der Krankheit wird auch 3) bei frommen Seelen Der Kranke erkennet den Nutzen der Krankheit. 391 eine größere Liebe zu Gott, mehr Eifer im Gebet, eine größere Aufrichtigkeit in dem Christentum verspüret. Man lernet, sich Gott ergeben, den Tod vorstellen, zum seligen Absterben bereiten, an den Himmel fleißig denken, ja, seine Seele in Gottes Hände empfehlen. Wenn diees ein Kranker bedenket, so wird er mit Gott auch in der Krankheit wohl zufrieden sein. Gebet. O lieber Gott und Vater, ich sehe und merke wohl, welches dein heiliger Rat über mich sei, nämlich, daß dieses mein Leidensjahr, meine Leidenswoche, ja, meine Leidenszeit sein soll, darin die Glückssonne eine Zeitlang verdunkelt, meine Gesundheit geschwächt und die Leibeskräfte verringert werden sollen. Ich danke dir, mein Gott, daß du mich, ehe du mich also heimgesuchet, vorher deine Wege hat erkennen lassen, nämlich, daß der Kreuzesweg auch ein Himmelsweg sei, und daß du in Krankheit auch unserer Seele Gutes tuet. Ich sehe wohl, mein Gott, daß du mich von der Welt willst abziehen, du willst mir die Welt bitter und den Himmel süß machen, daß ich soll verleugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt; daß ich soll forschen und untersuchen mein Leben, und durch eine herzliche Buße mich zu dir bekehren. Freilich, wenn uns wohl ist, und wir von keiner Trübsal wissen, 392 Der Kranke erkennet den Nutzen der Krankheit. so dünket uns, wir seien nur in der Welt, daß wir irdisches Gut sammeln, oder aber, daß wir mit der Welt scherzen, sündigen, Gesellschaft machen, Gesellschaft halten, uns in ihre Weise, Wege und Sitten schicken sollen; aber weil das unserer Seele Verderben und ewige Verdammnis würde sein, so pflegst du nach deiner Treue uns bisweilen besonders zu fuhren, um allein mit uns zu sprechen. Ach, mein Gott, es scheint, du wollest mit mir jetzt auch allein sprechen und mir sagen, ich soll mich vorsehen vor der Welt Sünden, Verführungen, Bosheiten, Gewohnheiten; du willst mir einreden, ich soll die begangenen Sünden bereuen, ich soll mich der Welt nicht mehr gleich stellen, sondern durch Veränderung meines Sinnes erkennen, welches da sei der gute und wohlgefällige, ja, der vollkommene Gotteswille. Nun, mein Gott, dieses will ich auch tun, wirst du mich lassen gesund werden, so will ich frömmer werden, eifriger beten, das Böse meiden, meine vorigen bösen Gewohnheiten ablegen, die Orte und Menschen, wo und mit welchen ich gesündiget, meiden, und dann ein neuer Mensch werden. Wer die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters; wenn du nun gesehen, mein Gott, daß ich auch in meinem Christentum bin träg, im Gebet nachlässig, hingegen Der Kranke erkennet den Nutzen der Krankheit. 393 zur Sünde willig und die Weltluft zu genießen fertig gewesen, so willst du durch diese Krankheit mich aufwecken, an mein Heil zu denken, und vom Sündenschlaf aufzustehen. Wache auf, der du schläft, sprichst du zu mir, ich will dich reinigen von dem vorigen Unflath. Ja, ich sehe, daß du mich durch diese Krankheit willst an meinen Tod und an das Ende meines Lebens erinnern, daß ich, wenn ich gesund werde, soll deine Allmacht, Liebe und Güte erkennen lernen und preisen, welches nicht geschehen wäre, wenn du mich nicht auf diese Weise heimgesuchet hättest. Nun, HErr, so führe das gute Werk an mir aus, welches du in mir angefangen hat, zu deiner Ehre und meiner Seele Heil; mache durch diese bittere Arznei meine Seele gesund. Heile durch diese scharfen Schnitte und Schmerzen der Sünde Wunden. Wasche durch diese scharfe Lauge meine Unarten ab, und gib, daß ich in wahrer Buße und in lebendigem Glauben in dieser Krankheit mich vor dir demütige, in den Wunden JEsu Hülfe, Rat, Trost und Vergebung meiner Sünden suche und finde. Mach mir stets zuckersüß den Himmel. Und gallenbitter diese Welt; Gib, daß mir in dem Weltgetümmel Die Ewigkeit sei vorgestellt. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. Amen. 394 Der Kranke setzet sein Vertrauen auf die göttliche Allmacht. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Krankheit, Leiden, Angst und Schmerzen, Und was sonsten mich anficht, Reißen mir aus meinem Herzen Gott und seine Liebe nicht; Will mein Gott mich gleich betrüben, Will ich ihn doch herzlich lieben, Er verbleibet doch mein Gott In der größten Angst und Noth. 2. Er will durch das Kreuz mich ziehen. Von der Welt und Sicherheit, Daß ich alle Siind soll fliehen, Und nicht meine Seligkeit Mög durch eigne Schuld verlieren; Er will meinen Geist so zieren, Daß er ewig soll allein. Seine reine Wohnung sein. 3. Wenn ich recht mein Kreuz ansehe, So ist es ein Liebeszug, Daß ich Gottes Wege gehe, Und vermeid den Selbstbetrug, Daß ich ihn erkennen lerne. Und mich von der Welt entferne; Hier seh ich, wie Gottes Treu Alle Morgen werde neu. 4. JEsu, schließ in deine Wunden Meine matte Seele ein, Laß in meinen Jammerstunden. Darin ihre Wohnung sein. Es sei Seele, Leib und Leben, Treuer Vater, dirergeben, Schütze, stärk, erquicke mich In dem Leiden gnädiglich. 5. Ich befehl in deine Hände, Liebster JEsu, meinen Geist, Stärke mich bis an mein Ende, Bis des Lebens Band zerreißt; Dann laß mich mit Freuden schauen. Jene schönen Himmelsauen, Führe mich durch Kampf und Streit. Zu der Seele Seligkeit. Der Kranke setzet sein Vertrauen auf die göttliche Allmacht. Aufmunterung. HErr, mein Gott, da ich schrie zu dir, machtest du mich gesund. HErr, du hast meine Seele aus der Hölle geführet; du hast mich lebendig behalten, da die in die Grube fuhren. Ps. 30,3. 4. Nichts ist erfreuender und tröstlicher in gefährlichen Zufällen, als wenn man einen guten Freund hat, von dem Der Kranke setzet sein Vertrauen auf die göttliche Allmacht. 395 man sagen kann: Ich weiß, der kann mir helfen und wird mir helfen. Ein Kranker kann solches wohl von keinem Menschen sagen, aber von Gott ist er dessen gewiß. Die Allmacht Gottes kann ein Kranker erkennen 1) an dem Exempel. Anderer; wenn er höret, lieset oder weiß, wie Gott Todte lebendig gemacht, auch Todkranken wieder aufgeholfen, so kann er festiglich schließen: Der allmächtige Gott, der dazumal geholfen, der lebt noch. Es kann sich ein Kranker 2) vorstellen die unumschränkte Macht des großen Gottes, welche größer ist als die Macht aller Könige in der Welt, ja, aller Menschen; darum, was uns Menschen unmöglich ist, das ist Gott möglich, was uns zu schwer ist, das ist Gott gar leicht. 3) Soll ein Kranker bedenken, es fehle Gott nicht an Mitteln zu helfen; auf sein Wort muß die Krankheit weichen, er kann auch das geringste Kräutlein oder Arznei segnen, daß es muß das Übel der Krankheit heben und die Gesundheit befördern. Wenn dieses ein Kranker erwäget, so soll er 4) fein stille ein in Gott, anhalten im Gebet, und Gottes Hülfsstunde erwarten. Nicht weniger soll er 5) die Arznei und Hülfsmittel gebrauchen, die ihm von Ärzten vorgeschrieben werden, sich aber dabei vor allen abergläubischen Dingen, als vor Segensprecherei und Gaukelei hüten, und versichert sein, der Allmächtige könne und werde gewiß helfen, wenn eine Stunde wird gekommen sein. Ach, mein HErr und mein Gott, du siehelt, wie mich Schmerz und Leid umgeben hat, und wie meine Plage alle Morgen da ist; meine Krankheit weichet nicht, und ich weiß nicht, ob dieses Lager vielleicht mein letztes Lager sein soll. Dieses stelle ich in deinen heiligen Willen; ich will leben und sterben, wann es dir gefällt. Meine 396 Der Kranke setzet sein Vertrauen auf die göttliche Allmacht. Tage sind einer Hand breit vor dir. Meine Jahre stehen in deinen Händen, du hast mir ein Ziel gesetzt, das werde ich nicht übergehen. Du hat auf dein Buch geschrieben, wie viel meiner Lebenstage werden sollen, als ihrer noch keiner da war. Dennoch lasse ich deswegen den Mut nicht fallen, sondern ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt, meine Hülfe kommt vom HErrn. Ich weiß, daß du bist ein allmächtiger Gott, daß Leben und Tod in deiner Hand stehen, aber daß du durch deine Allmacht auch Todte erwecken, die allergefährlichsten Kranken wieder gesund machen, und das größte Elend und Leiden lindem und aufheben kannst. Ach ja, des HErm Hand ist nicht verkürzet, der Helfer in Israel kann allen Jammer wenden, ja, er kann überschwänglich tun über alles, was wir wissen und verstehen. Er kann erretten alle, die zu ihm treten. Derhalben schaue ich auf diesem meinem Lager nicht um mich, auf schwache Menschen, nicht auf mich, denn ich bin krank und elend, sondern über mich, zu dir, meinem Gott und HErrn. Ich spreche auch jetzt mit dem gläubigen Hauptmann: HErr, sprich nur ein Wort, so wird dein Knecht gesund; ja, sprich ein Wort, so werde ich leben, ich werde von allen meinen Leiden befreiet werden. Ich Der Kranke setzet sein Vertrauen auf die göttliche Allmacht. 397 weiß, bei dem HErm ist kein Ding unmöglich. HErr, deine Allmacht hat kein Ende, wo ist ein solcher Gott, wie du bist? Mein Gott, der du den kranken Hiskias gesund gemacht, das kranke Weib von ihrem elenden Zustande errettet, den Gichtbrüchigen geheilet, den Jüngling erwecket hat, siehe mich auch in Gnaden an, du mächtiger Schutzherr deiner Gläubigen, hilf mir auch, erbarme dich meiner auch, tue ein Zeichen an mir, daß es mir wohl gehe. Du bist mein Helfer und Erretter, mein Gott, verziehe nicht. Mache jedoch alles so, wie es dir wohlgefällt; ich weiß, du kannst es tun, nach deiner Allmacht, und wirst es auch tun, nach deiner Güte, wenn es meiner Seele nützlich ist. Indessen bete ich zu dir im Glauben: Auf meinen lieben Gott Trau ich in Angst und Noth, Der kann mich allzeit retten. Aus Trübsal, Angst und Nöten, Mein Unglück kann er wenden, Steht als in seinen Händen. Amen. Gesang. Mel.: Schwing dich auf zu deinem Gott. 1. Lasset doch den weisen Gott Alle Sachen machen, Überlasset eure Noth, Kümmernis und Plagen. Seiner Weisheit; er weiß wohl, Wie es muß ergehen, Wann und wo und wie er soll Euch in Noth beistehen. 2. Schreibt dem weisen Gott nicht für Stunde, Zeit und Maße, Fraget nicht mit Ungebühr, Was er thu und lasse; Er fängt ja nicht heute an. Erst für euch zu sorgen, Dem Gott, der euch helfen kann, Ist gar nichts verborgen. 398 Der Kranke erinnert sich eines Taufbundes. 3. Lehrt den weisen Gott doch nicht. Wie er's soll anfangen, Wie es werde ausgericht’t, Daß ihr mögt gelangen Zu dem rechten Zweck und Ziel; Folget seinen Wegen, Haltet seiner Führung still. Und erwart’t den Segen. 4. Was der weise Vater tut Überall auf Erden, Das muß uns gewißlich gut. Und recht heilsam werden; Gingen auch die Sachen nicht, Wie wir gerne wollten, Und wie sie nach unserm Licht. Anders gehen sollten. 5. O du weiser Gott, dir sei Alles heimgestellet, Stehe mir in Gnaden bei, Mach's, wie dir's gefallet; Mach es mit mir wunderlich. Hier auf dieser Erden, Lieber Vater, führe mich, Laß mich selig werden. Der Kranke erinnert sich seines Taufbundes. Aufmunterung. Die heilige Taufe ist nicht das Abtun des Unflaths am Fleisch, sondern der Bund eines guten Gewissens mit Gott. 1 Petr. 3,21. Ist in Ansehung Gottes ein Name tröstlich, so ist es gewiß der Name Vater, und ist in Ansehung des Menschen eine Herrlichkeit groß, so ist es gewiß diese: ein Kind Gottes zu sein. Wie nun dieses erfreuen kann in dem ganzen Leben, so kann es auch trösten in Krankheit. Diesen Trost soll ein Kranker nicht aus seinem Herzen lassen. Er soll bedenken: 1) Gott ist ein allmächtiger Vater, dem nichts unmöglich ist. 2) Gott ist ein treuer Vater, der es gut mit seinen Kindern meint. 3) Gott ist ein weiser Vater, der auch das bittere Kreuz seinen Kindern kann zu einer heilsamen Arznei machen. 4) Gott ist ein gütiger und liebreicher Vater, der betrübet, aber sich auch wieder erbarmet. Wenn dieses der Kranke erwäget, so kann er sich herzlich erfreuen. Zu dieser Herrlichkeit der Kinder Gottes aber ist ein christlicher Kranker gelanget durch die heilige Taufe, da er hat einen Bund mit dem dreieinigen Gott gemacht. Dieses nun soll ihn aufrichten und fröhlich machen, allein er soll auch 1) fein Der Kranke erinnert sich eines Taufbundes. 399 als ein Kind alles, was ihm widerfährt, des himmlischen Vaters Willen und Rat überlassen, nicht wider den Vater murren, sondern das Vertrauen haben, Gott werde sich wie ein treuer Vater erweisen. 2) Hat er in gesunden Tagen den himmlischen Vater erzürnet, und zuweilen wie ein Weltkind gelebet, so soll er es ihm auf dem Krankenbette herzlich abbitten, und eine wahre Lebensänderung sich vornehmen, und gewiß glauben, Gott werde sich auch über ein krankes Kind erbarmen. Gebet. HErr Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, fiehe, ich, dein Kind, bin in einem solchen Zustande, daß ich in der Welt keinen Helfer mehr finde; ich sehe hin und her, und frage nach Hülfe, aber niemand nimmt sich meiner an; darum aber will ich nicht kleinmütig werden, sondern ich will vielmehr zu meinem himmlischen Vater gehen und dem meine Noth klagen. Eilet in der Noth das Schäflein zu seinem Hirten, das Kind zu einem Vater, der Unterthan zu seinem König, o mein König, o mein Vater, o mein Hirte, so komme ich auch zu dir. O du dreieiniger Gott, gedenke doch, daß ich dein Kind bin, daß ich getauft bin, daß ich in der heiligen Taufe einen Bund mit dir gemacht habe. In diesem Bunde hast du mir zugesagt, du wollest mein Vater sein, du wollest als ein Vater für mich sorgen, mir helfen, und wie ein Vater an mir tun. JEsus hat mich mit seinem heiligen Blut abgewaschen, und mir 400 Der Kranke erinnert sich eines Taufbundes. den Rock einer vollkommenen Gerechtigkeit geschenket. Der Heilige Geist hat sich reichlich über mich ausgegossen, und schreiet noch in meinem Herzen das Abba, lieber Vater, und gibt Zeugnis meinem Geist, daß ich Gottes Kind sei. O dreieiniger Gott, siehe, hier kommt ein armes Kind zu dir; mein Vater und meine Mutter verlassen mich, meine Lieben und Freunde können mir nicht helfen; darum, o mein himmlischer Vater, nimm du mich auf. Erbarmte sich der Hauptmann über seinen Knecht, der todkrank war, bemühte er sich ihm zu helfen, ach, mein Vater, so erbarme dich meiner auch, und hilf mir. Ging der Vater, dessen Tochter in den letzten Zügen lag, JEsu nach, und sprach: HErr, meine Tochter ist jetzt gestorben, aber komme, und mache sie lebendig, so gehe ich auch, mein Gott und Vater, dir nach, und sage: Ist's dein Wille, ist es mir heilsam, so mache mich gesund, und erhalte mir mein Leben. Ich weiß, du bist ein allmächtiger Vater, ein weiser Vater, ein gnädiger und liebreicher Vater; wo soll das Kind anders hin in seiner Noth, als zu seinem Vater? HErr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über mich! HErr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich! HErr Gott Heiliger Geist, erbarme dich über mich! Wie sich ein Vater erbarmet über Der Kranke erinnert sich eines Taufbundes. 401 seine Kinder, so erbarmet sich der HErr über die, so ihn fürchten: ach, erbarme dich auch über mich. Bin ich ein ungehorsames Kind gewesen, so bereue ich es; bin ich gleich von dir gewichen, so stelle ich mich doch wieder ein. Ließ der Vater seinem verlorenen Sohne Hülfe widerfahren, so nimm mich auch in Gnaden an, der ich in Buße und Glauben jetzt zu dir komme, und spreche: Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! Wenn du willst Sünde zurechnen, HErr, wer wird bestehen? In solchem Vertrauen, mein Vater, warte ich auf deine Hülfe. Ich habe schon erkannt, daß ein Kind Gottes sein, krank und elend und mit vielerlei Kreuzbeleget sein, wohl könne beieinander stehen, darum auch Satan mich so bald nicht in meiner kindlichen Zuversicht irre machen soll; allein laß mich auch bald dein väterliches Herz erblicken, daß du meiner nicht vergessen habest; laß mich deine Vaterhand empfinden. Betrübtes Herz, o sei zufrieden. Ob dich schon endlos Kummer plagt; Der Himmel bleibt dir doch beschieden. Den dir dein JEsus zugesagt; Stellt sich schon Noth und Krankheit ein, So will doch Gott dein Vater sein. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ich bin getauft, ich steh im Bunde. Durch meine Tauf mit meinem Gott, So sprach ich stets mit meinem 402 Der Kranke erinnert sich eines Taufbundes. Munde. In Kreuz, in Trübsal, Angst und Noth; Ich bin getauft, des freu ich mich, Die Freude bleibet ewiglich. 2. Ich bin getauft, ich hab empfangen. Das allerschönste Ehrenkleid, Darin ich allezeit kann prangen, Allhier und in der Herrlichkeit; Ich bin mit JEsu Blut erkauft, Und ich bin auch damit getauft. 3. Ich bin getauft, mir ist gegeben. Zu gleicher Zeit der Heilge Geist, Der heiliget mein Herz und Leben, Dafür sei ewig Gott gepreist; OZierde, welche große Pracht, Die mich gerecht und selig macht! 4. Ich bin getauft und eingeschrieben, Mich schließt das Buch des Lebens ein, Mein Vater wird mich ewig lieben. Und seinem Kinde gnädig sein; Es ist mein Name Gott bekannt, Mein Name steht in seiner Hand. 5. Ich bin getauft, was kann mir schaden? Ich bin und bleibe Gottes Kind, Ich weiß, ich bleib bei Gott in Gnaden, Bei dem ich Trost und Hülfe find; Denn wenn ich weine bitterlich, So spricht mein Vater: Hier bin ich. 6. Ich bin getauft, nichts kann mir fehlen. Dieweil mein Vater an mich denkt; Wer kann die Wohltat all erzählen, Die er mir wirklich hat geschenkt? Mein Vater ist ein reicher HErr, Der gibt mir immer mehr und mehr. 7. Ich bin getauft, ihr Feinde, weichet, Ich steh nun unter Gottes Schutz, Der seinem Kind die Hand darreichet; Was acht ich eure Macht und Trutz? Tat’t ihr ein Gotteskind nicht an, Und glaubt, daß Gottes schützen kann. 8. Ich bin getauft, und bin zufrieden. Mit meines Vaters Lieb und Treu, Ich werde von ihm nie geschieden, Mein Liebestrieb wird stündlich neu; Wie es mein Vater schickt und fügt. So ist mein Herz mit ihm vergnügt. 9. Ich bin getauft; ob ich gleich sterbe, Was schadet mir das kühle Grab? Ich weiß mein Vaterland und Erbe, Das ich bei Gott im Himmel hab; Nach meinem Tod ist mir bereit’t'Des Himmels Freud, das Feierkleid, Der Kranke gründet sich auf die Wohltaten des dreieinigen Gottes. 403 Der Kranke gründet sich auf die Wohltaten des dreieinigen Gottes. Aufmunterung. Der HErr wird mich erlösen von allem Übel, und aushelfen zu seinem himmlischen Reich; welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. 2. Tim. 4, 18. Frommen Christen kann es in ihrem Leiden und in ihrer Krankheit niemals an Trost fehlen, wenn sie nur bedenken, wer sie sind, und mit wem sie es zu tun haben. Sie sind Kinder Gottes, dämm sollen sie glauben, der dreieinige Gott werde sie in ihrem Jammer und Leiden nicht verlassen. 1) Es wird sie ihr Schöpfer nicht verlassen, der sie in ihrer Jugend geführet, in den folgenden Jahren ernähret und bis dahin väterlich erhalten hat; sollte Gott eine Geschöpfe und das Werk seiner Hände verlassen? Verbergen kann er sich wohl, aber verlassen will er sein Geschöpf nicht. 2) Ihr Erlöser, JEsus Christus, wird sie auch nicht verlassen, denn der hat für sie Marter, Pein und Tod gelitten; der ein heiliges Blut für sie hat vergossen, sollte der sie in der Krankheit ohne Hülfe lassen? O nein! Seine Liebe ist zu brünstig. 3) Ihr Heiligmacher, der werte Heilige Geist, wird sie auch nicht verlassen; der wird als dann die trösten, erquicken, erfreuen und ihnen Zeugnis geben, daß sie Gottes Kinder sind, obgleich ihre Krankheit, Leiden und Schmerzen anhalten. Wenn ein Kranker diesen dreifachen Trost im Herzen hat, so wird er seinen beschwerlichen Zustand mit Geduld tragen, und fest glauben, eine Hülfe sei nicht mehr ferne. Doch aber 4) muß er dabei abbitten alles, was er dem dreieinigen Gott in gesunden Tagen zuwider getan hat, und in solchem guten Vertrauen die gnädige Hülfe geduldig und gläubig erwarten. 404 Der Kranke gründet sich auf die O du heiliger dreieiniger Gott, obschon ich mich jetzt schwach befinde an meinem Leibe, so will ich doch deswegen nicht schwach werden in meinem Glauben und Vertrauen zu dir; denn die auf den HErm hoffen, werden unbeweglich bleiben, wie der Berg Zion. Zwar will die Länge und Last meiner anhaltenden Krankheit bisweilen mich kleingläubig machen; allein ich ermuntere mich wieder durch deinen Heiligen Geist, und sonderlich auch damit, daß ich mir die von dir schon längst empfangenen Wohltaten vorstelle. Solltest du mich verlassen, du mein Schöpfer, der du mich aus Nichts erschaffen, und bis auf diese Stunde erhalten hat? Ist denn des HErm Hand verkürzet? O nein, die Hand, die mich bisher geleitet, geführet, gestärket und erhalten, wird mich auch in meiner Krankheit erhalten. Du hast mich je und je geliebet, und durch deine Güte bisher geführet. Liebe ist es, daß du mir hat so lange Zeit Gesundheit geschenket. Liebe ist es, daß du Unglück, große Schmerzen und gefährliche Umstände von mir abgewendet. Liebe ist es, daß du mir bis auf den heutigen Tag Gnade, ja, so viele Gnade und Barmherzigkeit, hast widerfahren lassen; dämm übergebe ich mich dir auch in meiner Krankheit. Wohltaten des dreieinigen Gottes. 405 Solltest du mich verlassen, mein Erlöser, der du mich durch dein heiliges Blut von Sünden, Tod und Teufel erlöset hast? Hast du meiner Seele dich herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe, o, so wirst du auch meinem armen und kranken Leibe Hülfe lassen angedeihen. Hat mich deine Liebe vom Fluch und Tod, ja, aus der Hölle erlöset, so kann sie auch in meiner Krankheit mir bald helfen. O du Gotteslamm, das der Welt Sünde trägt, erbarme dich meiner in meinem gegenwärtigen Leiden! Solltest du mich verlassen, o mein Heiligmacher, der du Leib und Seele geheiliget, die in der heiligen Taufe dir zum Tempel geweihet, und darinnen bisher gewöhnet hast? Du wirst gewiß auch in meiner Schwachheit mein Beistand, ja, mein Tröster bleiben, und mir auch jetzt Zeugnis geben, daß ich ein Kind Gottes sei, ob ich gleich mit Leiden und Trübsal umgeben bin. Darum will ich gutes Muthes sein in meinen Schmerzen und Leiden, und will zu meiner Seele sagen: Es hat dich der himmlische Vater in seine ewige Liebe eingeschlossen; der Sohn Gottes hat dich zu seinem Eigentum, Bruder und Miterben erwählet; der Heilige Geist hat dich eines süßen Trostes und seiner seligen Einwohnung versichert; darum ist alles dein, die Gnade Gottes 406 Der Kranke gründet sich auf die Wohltaten des dreieinigen Gottes. ist dein, das Verdienst und die Gerechtigkeit JEsu ist dein, der kräftige Trost des Heiligen Geistes ist dein, ja, der ganze Himmel mit aller seiner Herrlichkeit ist dein. O, weil denn dem also ist, so will ich mich um meinen kranken Leib nicht bekümmern, sondern mein Anliegen auf den HErm werfen, und dem Gottvertrauen, der mir so viel Gutes erwiesen hat. Ach, mein Vater, ich verlasse mich auf dich. O JEsu, zu dir fliehe ich. O Heiliger Geist, dir ergebe ich mich. HErr Gott Vater, was du hast erschaffen, HErr Gott Sohn, was du hast erlöset, HErr Gott Heiliger Geist, was du hast geheiliget, das befehle ich dir in deine Hände; deinem heiligen Namen sei Lob, Ehre und Preis, jetzt und in Ewigkeit. Gott wird den nicht verlassen, Der ihm vertraut allzeit, Ob ihn schon viele haffen, Geschieht ihm doch kein Leid; Gott will die Seinen schützen, Zuletzt erheben hoch. Und geben, was ihn'n nützet, Hier zeitlich und auch dort. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1 . Ist Gott für mich, so bin ich fröhlich. Und hab im Leiden guten Muth, Auch in dem Tode bin ich selig Durch Gottes Gnad und JEsu Blut; Gott ist für mich, das weiß ich wohl, Drum bin ich alles Trostes voll. 2. Ist Gott für mich im Ungewitter, So trifft mich doch das Wetter nicht; Ist mir das Kreuz gleich schwer und bitter, So bleibt Gott meine Zuversicht; Gott ist für mich, der steht mir bei Und macht mich von der Trübsal frei Der Kranke will sein Leiden ohne Murren tragen. 407 3. Ist Gott für mich in Trauertagen, Wenn lauter Ungemach mich schreckt, So will ich dennoch nicht verzagen, Weil seine Vaterhand mich deckt; Gott ist für mich, weil sich mein Leid In Freud verkehrt zu seiner Zeit. 4. Ist Gott für mich in meinen Nöten, Wenn nun der harte Kampf angeht. So werden sie mich doch nicht tödten. Dieweil mir Gott zur Seite steht; Gott ist für mich, der treue Gott, Der hilft mir stets aus aller Noth. 5. Ist Gott für mich im Mißgeschicke, Das unverhofft mich überfällt, So weich ich dennoch nicht zurücke, Weil seine Hand mich treulich hält; Gott ist für mich im Sturm und Wind. Und wachet treulich für ein Kind. 6. Ist Gott für mich, so wird sich enden. Der Jammer, der mich heftig plagt, Mein Gott wird sich von mir nicht wenden, Die Hülfe bleibt mir unversagt; Gott ist für mich, getrost, mein Geist! Gott ist es, der mein Beistand heißt. 7. Ist Gott für mich, wenn ich nun sterbe, So höret auf mein Kampf und Streit, Es kommt die Stunde, da ich erbe Die Ehrenkron und Seligkeit; Gott ist für mich, wenn’s Herz mir bricht. Und wenn erblaßt mein Angesicht. Der Kranke will sein Leiden ohne Murren tragen. Aufmunterung. Ich will schweigen, und meinen Mund nicht auftun; du wirst's wohl machen. Ps. 39, 10. HErr, wie lange willst du mein so gar vergessen? wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir? So seufzen oft fromme bettlägerige Christen in ihren Krankheiten, nach Ps. 13, 1. Gottes Stunde bleibet ihnen oftmals allzu lange aus. Wenn sie viele Tage, Wochen und Monate zurückbleibet, alsdann gehet es bei vielen nicht ohne Murren ab. Allein so weit soll es ein frommer Kranker niemals kommen lassen, sondern er soll bedenken: 408 Der Kranke will sein Leiden ohne Murren tragen. 1) Gott vergißt und verläßt uns nicht in dem Leiden, in der Trübsal und Krankheit, denn das wäre wider eine Verheißung; ob er zwar verziehet, so harre sein, er tut auch das zu unserer Seele Bestem. 2) Sollte in dem langen Ausbleiben der Hülfe Gottes das Kreuz auch schwerer werden, so soll deswegen kein Murren entstehen, sondern man soll sich erinnern der Allmacht, Liebe und Barmherzigkeit Gottes. Wieget man dem Kranken eine Arznei ab, zählet man die bittem Tropfen, die man ihm gibt, so sollen wir glauben, daß auch all unser Kreuz sei abgewogen und abgemeffen; denn Gott ist treu, der uns nicht läßt versuchen über unser Vermögen. Derohalben 3) ist das Leiden schwer, ist es vielerlei, währet es lang, so soll es deswegen doch unser Vertrauen nicht aufheben, sondern man soll unter stets anhaltendem Seufzen, Gebet, Glauben, Hoffnung und Vertrauen die Hülfsstunde erwarten. O du heiliger und weiter Gott, ich sehe jetzt deinen heiligen Rat und Willen an mir, daß ich soll diese Zeit und Wochen, und so lange es dir gefällt, auf meinem Bette, in meinem Hause zubringen. Wohlan, ich widerspreche deinem heiligen Willen nicht, ich will nicht wider dich murren, sondern sagen: Siehe, hier bin ich, der HErr mache es mit mir, wie es ihm wohlgefällt! Sollte ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? Mein Vater wird mir für Arznei nicht Gifteinschenken. Ich will des HErm Zorn tragen, denn ich habe wider ihn gesiindiget. Auch das bittere Leiden kann meiner Seele nicht Der Kranke will sein Leiden ohne Murren tragen. 409 anders denn heilsam sein, obgleich Fleisch und Blut davor einen Abscheu hat. Du bist mein Vater und Gott gewesen von Jugend auf, so wirst du es jetzt in meiner Krankheit auch bleiben. Soll ich lange also liegen und leiden, mein Gott, mache es doch nicht zu lange, sondern gib mir zuweilen eine Erquickungsstunde, darin du mich von meinen Schmerzen befreiest und mein Leiden lindert. Soll ich viel leiden, so gib mir auch viele Kräfte; du weißt ja, wie schwach ich bin, und wie ich nicht viel mehr ausstehen kann; greif mich nicht zu heftig an, damit ich nicht vergehe, du weißt wohl, was ich tragen kann, wie's um mein Leben stehe; ich bin ja weder Stahl noch Stein, wie bald gehet ein Wind herein, so fall ich hin und sterbe. Ach, mache es mit mir, wie eine Mutter mit ihrem schwachen Kinde; hilf mir tragen, ja, trage mich und nimm mich in deinen Arm und Schooß. Soll mein Leiden schwerer werden, als es ist, so weiche du nur nicht mit deiner Gnadenhülfe und deinem Beistand von mir; soll ich noch mehr betrübte Nächte haben, so laß mich nur deinen Trost empfinden, daß du dennoch mein Gott, mein Vater und mein Freund seiest. Ich weiß wohl, wenn du deinen Kindern Leiden schickelt, so willst du sie nicht verderben, sondern nur zu dir ziehen. So ziehe mich 410 Der Kranke will sein Leiden ohne Murren tragen. denn, mein Gott, durch diese Krankheit von den bösen Gewohnheiten, von der Freude der Welt zu dir, zur Heiligung, zur Frömmigkeit, zum Himmel und zur Seligkeit. Ja, mein Gott, ob du mich gleich lässest also leiden, so will ich deswegen nicht von dir fliehen; mein Hirte, führest du mich den Weg durch Domen, die meinen Leib und meine Seele verwunden, so folge ich dir willig nach. Hat das Haupt Domen getragen, so können die Glieder nicht auf Rosen gehen. Ich habe dich geliebet, da du mir gabst Gesundheit, Glückseligkeit, und da du mir es ließest Wohlergehen; dämm will ich dich auch lieben in Krankheiten, in Leiden und Schmerzen; ich weiß, du kannst mir helfen und wirst mir helfen. Gott hat mich bei guten Tagen Oft ergötzt. Sollt ich jetzt Nicht auch etwas tragen? Fromm ist Gott und schärft mit Maßen. Sein Gericht, Kann mich nicht. Ganz und gar verlassen. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Hat dir dein Gott ein Kreuz beschieden, Und fließt mit Tränen dein Gesicht, So sei mit deinem Gott zufrieden. Und murre ja dawider nicht; Faß deine Seele in Gedidd Und tröste dich des Höchsten Huld. 2. Sieh, der Gott, der dich krank kann machen. Und wirft dich auf das Sterbebett, Dem sind es ja gar leichte Sachen, Daß er dich wiederum erretft; Er machet krank, er macht gesund. In dieser und in jener Stund. Der Kranke schicket sich zum Genuß des heiligen Abendmahls. 411 3. Ach, murre nicht, Gott hat's verheißen, Er woll oein treuer Beistand sein. Und dich aus allen Nöten reißen; Sieh, dieses trifft auch jetzo ein; Vertraue Gott, es kommt die Zeit, Vielleicht ist eine Hiilf nicht weit. 4. Du mußt dich deinem Gott ergeben. Und sagen: Siehe, hier bin ich. Dir will ich sterben und auch leben, Dir überlaß ich gänzlich mich; Mach's mit mir in der Zeit und Welt, Mein Vater, wie es dir gefällt. 5. Wer also ohne Murren träget. Und mit Geduld das auf sich nimmt, Was Gottes Liebe auf ihn leget, Dem ist die Hülfe schon bestimmt, Der wird erquickt hier in der Zeit. Und dorten in der Ewigkeit. Der Kranke schicket sich zum Genuß des heiligen Abendmahls. Aufmunterung. Der Mensch prüfe aber sich selbst, und also esse er von diesem Brod, und trinke von diesem Kelch. 1 . Cor. 11,28. Es soll billig ein jeder Christ also leben, daß er alle Augenblicke selig sterben könne. Soll nun also ein gesunder Mensch sich aufführen, wie viel mehr ein kranker! Ein Kranker tut demnach 1) gar wohl, daß er bei dem ersten Anstoß der Krankheit an seine Sünden denke, und spreche. Ich denke heute an meine Sünden; denn weil um der Sünde willen Krankheit und Leiden kommt, und wer sich an einem Schöpfer versündiget, oft durch Krankheit bestraft wird, so muß auch der Kranke auf die Verjöhnung mit Gott bedacht sein. 2) Diese Versöhnung aber geschiehet, wenn der Kranke mit Weinen und im Glauben Gott um Vergebung seiner Sünden anflehet, und bußfertig das heilige Abendmahl empfängt. 3) Denn man soll sich nicht einbilden, man stürbe, wenn man das heilige Abendmahl genießet auf dem Krankenbette; es ist 412 Der Kranke schicket sich zum Genuß des heiligen Abendmahls. ja keine Speise zum Tode, sondern zum Leben und zu der Seele Seligkeit. Dabei ist 4) zu erinnern, daß man mit seiner Buße und dem Genuß des heiligen Abendmahls nicht warte, bis der Tod auf der Zunge sitzet, bis Verstand und Kräfte weg sind, sondern man soll bald und bei Zeiten dazu tun, dieweil man noch einen Verstand hat, dieweil man noch beten und sich mit Gott versöhnen kann. Wird sich also der Mensch zu Gott wenden von Grund seiner Seele, so wird er um Christi JEsu willen in ihm leben und Gnade erlangen. HErr, HErr Gott, barmherzig, gütig und von großer Treue, ich armer Mensch habe mir vorgenommen, mich mit dir zu versöhnen, meine Sünden dir herzlich abzubitten, die ich Zeit meines Lebens begangen; ich will in den Wunden meines JEsu Gnade und Vergebung der Sünden suchen, und also zu einem seligen Abschied von dieser Welt mich gefaßt machen. Es hat dir gefallen, mein Gott, mich auf dieses Krankenbette zu legen; weil ich aber nicht weiß, ob ich davon wieder gesund aufstehen, oder darauf sterben werde, so will ich vor allen Dingen meine Seele versorgen, und das Übrige dir, meinem gütigen und barmherzigen Gott, befehlen. Ich will mich mit dir versöhnen, weil ich meinen Verstand noch habe, weil ich mich noch befinnen kann, wann ich gesündiget, wie oft ich gesündiget und wie schwer ich gesündiget; ich will dich um Der Kranke schicket sich zum Genuß des heiligen Abendmahls. 413 Verzeihung bitten, da ich noch beten kann, indem ich nicht weiß, ob nicht meine Krankheit zunehmen, hingegen mein Verstand und meine Gemütskräfte sich verlieren werden, da ich weder beten, noch an dich denken kann. Ich weiß ja wohl, wer sich zum seligen Sterben bereitet, der stirbt deswegen nicht früher noch später, sondern er verschaffet vielmehr sich damit den größten Nutzen; nämlich diesen, daß, wenn er gesund wird, er sich vor den Sünden hüte, die er auf seinem Krankenbette erkennet und bereuet hat; und wenn er stirbt, daß er versichert sei, er sterbe wohl und bereitet. Dieses sind meine Gedanken, mein Gott; ich will zur Erlangung und Versicherung der Vergebung meiner Sünden das heilige Abendmahl empfangen, und sodann geduldig, freudig und gläubig erwarten, wie du es mit mir machen wirst. Deswegen falle ich in der Angst meines Herzens vor dir nieder und spreche: Ach, sei deinem Kinde gnädig; ach, rechne mir nicht zu die Sünden meiner Jugend und die Torheiten meiner jungen Jahre. Ach HErr, sei gnädig meiner Missetat, die da groß ist, um JEsu, meines Heilandes, willen. Ach, mein Gott, gib Gnade zu meinem heiligen Vorhaben, verleihe gnädiglich, daß ich das heilige Abendmahl empfahe zur Versicherung, daß du mir alle meine Sünden vergibt, 414 Der Kranke schicket sich zum Genuß des heiligen Abendmahls. Also komm ich nun auch allhie In meiner Noth geschritten. Und thu dich mit gebeugtem Knie Von ganzem Herzen bitten: Vergib mir doch genädiglich, Was ich mein Lebtag wider dich Auf Erden hab begangen. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ich will anjetzo mich Zum Liebesmahle nahen, Und JEsu Leib und Blut. Zu meinem Trost empfahen; Ach, mein Gott, stärke mich, Ach, weiche nicht von mir, Daß ich in Andachtstrieb Vereinigt bleib mit dir. 2. Vertreibe doch von mir. Die sündlichen Gedanken, Und lasse deinen Geist. Von meinem Geist nicht wanken; Verbind, mein JEsu, dich Mit meinem Geist und Sinn, Daß ich der Lieb genieß. Darmach ich hungrig bin. 3. Laß ja nichts Eiteles. Jetzt meine Andacht stören; Ach, laß mich Freud und Wonn In meiner Seele hören; Ach JEsu, steh mir bei, Ach, bitte du für mich. Bring mein Gebet vor Gott. Und hilf mir gnädiglich. 4. Ach, heilige mein Herz, Ach, heilige die Sinne, Mein JEsu, nimm sie ein. Und wohne selbst darinne; Ach, mach sie allesammt Recht heilig, schön und rein. Und laß sie immerdar Dein Haus und Wohnung sein. 5. Erweck zugleich in mir. Die wahre Seelenstille, Daraus die Seelenfreud Und wahre Andacht auille, Darin ich schmecken mög, HErr, deine Süßigkeit, Die Gegenwart, den Trost. Und wahre Seelenfreud. 6. Hab ich dann deinen Leib Wahrhaftig nun genossen, Hat auch dein teures Blut, Das du für mich vergossen, Mich abermals erquickt, So bleib du auch in mir, Damit ich, weil ich leb, Auch leb, mein Heil, in dir. 7. Ja, laß die Heiligung, Die in mir angefangen, Zum großem Licht und Glanz. Von Tag zu Tag gelangen; Du, Sündenlust, geh aus, Mein JEsus gehet ein, Er nimmt den Leib und Seel. Zu seinem Tempel ein. Der Kranke bittet Gott um Vergebung der Sünden. 415 Der Kranke bittet Gott um Vergebung der Sünden. Aufmunterung. Ich schuldige mich, und tue Buße in Staub und Asche. Hiob 42, 6. Es ist ein feiner und löblicher Gebrauch, wenn rechtschaffene Christen alle Abende vor Gott sich stellen und überlegen, was sie des Tags über geredet, gedacht oder getan, und also ihn um Verzeihung der begangenen Sünden anrufen, und ehe sie sich zur Ruhe legen, sich mit Gott versöhnen. Soll aber dieses alle Tage geschehen, wie viel mehr soll es ein Kranker nicht versäumen! Denn er soll 1) eine Untersuchung anstellen, nicht etwa eines Tages, einer Woche, oder eines Monats, sondern eines ganzen Lebens; er soll sich fragen, wie er seine gesunden Tage angewendet, ob er sie zur Ehre Gottes, zum Nutzen des Nächten hingebracht. Er soll untersuchen, wo, wie oft und wie schwer er in gesunden Tagen gesündiget habe. Weil man nun auf dem Krankenbette mehr Zeit hat, so soll diese Untersuchung desto ernstlicher geschehen. 2) Soll ein Kranker nach der Untersuchung Gott herzlich um Verzeihung aller seiner Sünden anrufen, sonderlich weil er nicht weiß, wie nahe oder ferne es sei, daß er vor dem Richterstuhl Gottes erscheinen soll. 3) Kommt man auf dem Krankenbette zur Erkenntnis seiner Sünden, so soll ein Kranker für die Krankheit Gott danken, der ihm die Augen geöffnet, daß er ein Elend erkannt, und Gnade zu suchen ihm Gelegenheit gegeben hat, welches ohne Krankheit vielleicht nicht geschehen wäre. 4) Doch muß man auch, was man in der Krankheit verspricht, in gesunden Tagen treulich halten, auf daß treulosen Versprechern nicht etwas Ärgeres widerfahre. Ach du gnädiger und liebreicher Vater, ich habe mir in deinem Namen vorgenommen, mich 416 Der Kranke bittet Gott um Vergebung der Sünden. mit dir zu versöhnen, dich um Gnade und Vergebung meiner Sünden zu bitten, und sodann auf meinem Krankenbette das heilige Abendmahl zu empfangen. Ich will es bei Zeiten tun, da ich noch meinen völligen Verstand habe. Ich lebe, und weiß nicht, wie lange, ich muß sterben, und weiß nicht, wann; darum komme ich jetzt vor deinen Gnadenthron, und bitte dich demütig um Vergebung aller Sünden, die ich Zeit meines Lebens begangen. Mein Gott, ich muß gestehen, daß ich dich bisher vielfältig erzürnet. Ich habe leider meine gesunden Tage nicht allemal angewendet zu deiner Ehre, zum Gottesdienst, zum Wachstum in meinem Christentum und zur Frömmigkeit, dämm du auch Ursache hat, mich mit Krankheit heimzusuchen, damit ich in mich gehe, und den Mißbrauch meiner Gesundheit, nebst den übrigen Sünden, bereuen möge. Verzeihe mir es, daß ich dich nicht eifriger geliebet und nicht frömmer gelebet habe, als leider geschehen. Ach Gott, gedenke nicht der Sünden meiner Jugend, gedenke aber meiner nach deiner großen Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. O wie erschrecke ich, wenn ich höre, daß ich vor deinem Richterstuhl soll Rechenschaft geben von einem jeglichen unnützen Wort, das ich geredet habe! O wie werde ich mit meinen Gedanken Der Kranke bittet Gott um Vergebung der Sünden. 417 vor dir bestehen, weil du auch ein Richter der Gedanken bist! Und soll ich von meinem ganzen Leben, von allen meinen Werken und Taten Rechenschaft geben: ach, wer kann vor dir bestehen? Darum komme ich vor deinen Gnadenthron in gläubiger Zuversicht auf JEsum Christum, meinen HErm und Heiland, und bete: Ach, um seiner Wunden willen erbarme dich über mich, um seines vergossenen Blutes willen vergib mir alle meine Sünden, durch seinen Todeskampf und blutigen Schweiß hilf mir, lieber HErr Gott! Ich schäme mich, mein Gott, die Augen vor dir aufzuheben, ich schäme mich der vorigen Jahre und der begangenen Sünden; ach, hätte ich doch frömmer und christlicher gelebet. Darum gelobe ich dir, o Gott, ein neues Leben anzufangen. Wirst du mir meine Gesundheit wieder geben, so will ich die Jahre, die du mich auf Erden inskünftige leben lässest, zu deiner Ehre im Glauben und in der wahren Frömmigkeit hinbringen, und sie als ein Geschenk, als einen Zusatz zu meinem Leben annehmen, und all mein Leben lang denken an diese Krankheit und an die Angst meiner Seele, aber auch an deine mächtige Hand. Ach HErr, sei deinem Kinde gnädig und tilge alle meine Sünde nach deiner großen Barmherzigkeit um deiner Güte willen. 418 Der Kranke bittet Gott um Vergebung der Sünden. O JEsu voller Gnad, Auf dein Gebot und Rat Kommt mein betrübt Gemüte. Zu deiner großen Güte; Laß du auf mein Gewissen Ein Gnadentröpflein fließen. Durch dein unschuldig Blut, Die schöne rothe Fluth, Wasch ab all meine Sünde, Mit Trost mein Herz verbinde, Und ihr nicht mehr gedenke, Ins Meer sie tief versenke. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1 . Ich armer Sünder komme wieder, Ich kehre um vom Sündenpfad, Ichfall in tiefster Demut nieder. Und bitte herzlich dich um Gnad; Ach Gott, denk nicht, was ich getan, Ach, nimm mich armen Sünder an. 2. Nun seh ich erst, was ich begangen, Ich fühl der Sünde Angst und Pein, Ach, laß mich wieder Gnad erlangen, Ach, laß mich nicht verloren sein; Ach Gott, denk nicht, was ich getan, Ach, nimm mich armen Sünder an. 3. Ach, ich betrübe mich von Herzen, Ach, sieh an dein verirrtes Kind, Das da mit Tränen, Reu und Schmerzen. Bei dir sich wiederum einfind’t; Ach Gott, denk nicht, was ich getan, Ach, nimm mich armen Sünder an. 4. Ach JEsu, deine roten Wunden. Sind meine Zuflucht allezeit, Darin ich immerdar gefunden. Vergebung, Fried und Seligkeit; Ach, denk doch nicht, was ich getan, Ach, nimm mich armen Sünder an. 5. Ich will ein ander Leben führen, Ach, schenk mir deines Geistes Gab, Ein jeder soll nun sehn und spüren, Daß ich mich ganz geändert hab; Ach Gott, denk nicht, was ich getan, Ach, nimm mich armen Sünder an. Der Kranke betet vor dem Genuß des heiligen Abendmahls. 419 Der Kranke betet vor dem Genuß des heiligen Abendmahls. Aufmunterung. Der gesegnete Kelch, welchen wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brod, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? 1 Cor. 10, 16. Das heilige Abendmahl andächtig und würdig zu empfangen, soll sich ein jeder wahre Christ befleißigen; solches kann nun ein Kranker sonderlich tun, wenn er sich vorher recht prüfet. Denn 1) er ist alsdann von allen Hindernissen befreiet, wodurch sonsten bei der öffentlichen Gemeine die Andacht bisweilen gestöret wird; er kann als dann in Andacht unverhindert beharren, wenn ihn Gott vor Schmerzen und Empfindungen der Krankheit bewahret. 2) Das heilige Abendmahl zu Haus zu empfangen, soll sich niemand ein Gewissen machen, weil wir wissen, daß IEjus aller Orten und alle Tage mit seiner Gnade Gegenwart bei den Gläubigen zu sein verheißen hat. 3) Ein Kranker soll auch zu der Zeit bedenken: vielleicht ist dieses das letzte Mal, daß ich das heilige Abendmahl empfange, und deshalb mit einem desto fetern Entschluß, im Glauben und in der Frömmigkeit zu verharren, sich vornehmen. 4) Haben Fromme gewünschet, daß ihr letztes Wort JEsus, ihre letzte Speise das heilige Abendmahl und ihr letzter Gedanke der am Kreuz hangende blutige JEsus sein möge, wie soll sich denn nicht ein Kranker freuen, wenn er des einen Stücks auf einem Krankenbette teilhaftig wird, und nicht zweifeln, daß zu den übrigen beiden Gott ihm die Gnade auch geben werde? 5) Wenn man aber das heilige Abendmahl auf dem Krankenbette empfangen wollte, um dadurch wieder gesund zu werden, so wäre es höchst unrecht, und ein Aberglaube. 420 Der Kranke betet von den Genuß des heiligen Abendmahls. Gebet. Liebster JEsu, ich bin Willens, anjetzt das von dir eingesetzte Liebesmahl, da ich auf meinem Krankenbette darnieder liege, zu empfangen, weil ich nicht weiß, wann ich von der Welt werde abscheiden. Damit ich aber nicht ohne dich vor dem Gerichte Gottes erscheinen möge, so will ich noch, dieweil ich lebe, mich von neuem mit dir vereinigen, auf daß du in mir und ich in dir sei und verbleibe. Ich will anjetzt das heilige Abendmahl zu Hause empfangen, und bin gewiß, daß du auch daselbst mit deiner Gnade mich erfreuen und erquicken werdet. Ach liebster Seelenfteund, du bist ja nahe bei den Elenden, du erfreuest die Betrübten, du hilft denen, die ein bedrängtes Gemüt haben; so laß auch jetzt mein Herz erfreuet und meine Seele durch diese himmlische Speise, durch diesen himmlischen Trank erquicket werden. Ich habe zwar bei gesunden Tagen dasselbe auch mit der Gemeine empfangen, aber leider! nicht allemal mit solcher Andacht und Aufmerksamkeit, wie es wohl billig hätte sein sollen, weil der Menschen Vielheit, Eitelkeit und mein lüsternes Auge viele Verhinderungen verursachen; nun aber soll niemand meine Andacht stören, da ich in meiner Einsamkeit mich mit dir verloben und vereinigen will. O liebster JEsu, Der Kranke betet vor dem Genuß des heiligen Abendmahls. 421 da ich also in heiliger Andacht dein himmlisches Freudenmahl auf Erden halten will, und ich sonst keine Verhinderungen habe, ach, so teure den Schmerzen und der Krankheit, und gib mir die Erquickung in dieser Stunde, daß ich ungehindert und ungestört könne mein Vorhaben vollbringen. Ich verkündige anjetzt deinen Tod, und erinnere mich an dein Leiden und Sterben, an deine Wunden und Schmerzen, an deine Marter und Pein, an deinen Kreuzestod und an alles, was du für mich getan hat; ich denke daran und danke dir auch dafür, und spreche: Nun, ich danke dir von Herzen, JEsu, für gesammte Noth, für die Wunden, für die Schmerzen, für den herben, bittern Tod; für dein Zittern, für dein Zagen, für dein tausendfaches Klagen, für dein Angst und tiefe Pein will ich ewig dankbar sein. Ich erinnere mich auch an die Einsetzung deines heiligen Abendmahls, in welchem du mich speisest und tränkest zum ewigen Leben; ich glaube deinen Worten, als eines allwissenden, allmächtigen und wahrhaftigen Gottes; ich glaube, daß ich im heiligen Abendmahl empfange deinen wahren Leib und dein wahres Blut; nämlich also: wenn ich das gesegnete Brod empfange, so empfange ich unsichtbarer Weise, o JEsu, deinen wahren Leib, und wenn ich den gesegneten Kelch 422 Der Kranke betet vor dem Genuß des heiligen Abendmahls. empfange, so empfange ich unsichtbarer Weise dein wahres Blut. Nun, diese himmlische Speise, diefer himmlische Trank soll mich stärken im Glauben, daß ich mit Gott versöhnet sei; diese himmlische Speise und Trank soll mich trösten, daß ich nicht verloren sei, sondern das ewige Leben habe; diese himmlische Speise und Trank soll mich versichern, daß ich in deiner Gnade stehe, daß ich Vergebung der Sünde habe, und mit dir vereinigt bin, der du bist die Versöhnung für unsere Sünden, ja, für der ganzen Welt Sünden. Diese himmlische Speise und Trank soll mich erinnern an die himmlische Freudentafel, nämlich an die ewige Freude und Herrlichkeit, wozu du mich nach meinem Tode führen wirst. O JEsu, meiner Seele Bräutigam, heilige und reinige mich, damit ich als deine Braut mich mit dir auf ewig verloben und vertrauen möge. O meiner Seele Hirte, führe dein Schäflein auf grüner Aue, speise mich mit dem Brod des Lebens, erquicke mich mit deinem heiligen Blut. Alsdann kann der Satan mir nicht schaden, die Sünde mich nicht verklagen und auch nicht verdammen; hier habe ich ein vollkommenes Lösegeld für meine Sünden, welches du am Stamm des Kreuzes für mich bezahlet hast, dadurch bin ich gerecht, dadurch bin ich selig. Der Kranke betet vor dem Genuß des heiligen Abendmahls. 423 Ach, wie hungert mein Gemiite, Menschenfreund, nach deiner Güte! Ach, wie pfleg ich oft mit Tränen Mich nach dieser Kost zu sehnen! Ach, wie pfleget mich zu dürsten Nach dem Trank des Lebensfürsten! Wünsche ' daß mein Gebeine Sich durch Gott mit Gott vereine. MEN. Gesang. Mel.: Allein Gott in der Höh sei Ehr. 1. O allerliebstes Seelenpfand, Dem nichts an Hoheit gleichet, Und welches von des Höchsten Hand. Mir jetzt wird dargereichet! Der Seele allerhöchstes Gut, Des HErren JEsu Leib und Blut, Will ich jetzund empfangen. 2. Der Gott der Liebe liebet mich, Doch damit diese Liebe Recht herrlich offenbare sich Und mir vor Augen bliebe, So gibt er dieses Pfand dabei, Daß er mit mir verbunden sei. Und ewig bleiben wolle. 3. Dies Pfand versichert mich aufs neu, Daß alle Sünd vergeben. Und daß mir Gott genädig sei, Daß ich hinfort soll leben. In seiner Liebe, Huld und Gnad, Die er mir jetzt versiegelt hat. Durch diese Seelenpeise. 4. Ja, dieses Pfand versichert mich, Daß ich soll auferstehen. Am jüngsten Tage seliglich Und zu der Freud eingehen; Weil ich dies Pfand empfangen hab, So bleib ich nicht in meinem Grab, Wenn ich im Glauben sterbe. 5. Gott Lob und Dank, der mich gespeist. Und herrlich hat getränket, Der solche Gnade mir erweist. Und Selbsten sich mir schenket; Dem schenk ich mich hin wiederum Und bleibe nun ein Eigentum Im Tod und auch im Leben. 6. HErr JEsu, dir, dir lebe ich. Dir, dir will ich auch sterben, Ich bin gewiß, du nimmst auch mich Nun an zu deinem Erben, Zum Erben hier in dieser Zeit, Zum Erben dort in Ewigkeit; So sterb ich ja mit Freuden. 424 Der Kranke betet nach dem Genuß des heiligen Abendmahls. Der Kranke betet nach dem Genuß des heiligen Abendmahls. Aufmunterung. Ich lebe aber; doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich in dem Glauben des Sohns Gottes, der mich geliebet hat, und sich selbst für mich dargegeben. Gal. 2, 20. Gleichwie ein wahrer Christ allezeit Gott herzlich zu danken Ursache hat, wenn er das heilige Abendmahl empfangen, wie viel mehr soll ein Kranker Gott von Grund des Herzens loben, wenn er dasselbe mit gutem Verstand hat genießen können. Hierbei aber ist zu erinnern, 1) daß man sich nicht einbilde, auf das heilige Abendmahl ändere es sich mit dem Kranken; ja, es ändert sich mit seinem Seelenzustand, wenn er es würdig empfangen, nämlich er erlanget Vergebung der Sünden und Frieden mit Gott, er gelanget in die genaue Gemeinschaft mit IEu; daß aber das heilige Abendmahl eine Veränderung verursache in der Krankheit, dazu ist es nicht eingesetzt, davon haben wir auch keine Verheißung. Darum 2) soll es auch kein Kranker empfangen, damit er sehe, ob er gesund werden oder sterben solle, weil dieses ein Mißbrauch ist, sondern er soll es gebrauchen zur Stärkung des Glaubens, zur Versicherung der Vergebung der Sünden, der Gnade Gottes und der Seele Seligkeit. Hat er es also empfangen in der Ordnung, wie es Christus eingesetzt, so hat er 3) Gott dafür zu preisen, und mit stillem Herzen und gläubiger Seele sich Gott zu ergeben. Wenn man im Kriege das Beste in Sicherheit gebracht, so ist man zufrieden; unsere Seele ist das Beste, haben wir diese durch wahre Buße und Vereinigung mit JEsu Christo in die Hände Gottes empfohlen, so sind wir versichert, Gott werde es auch wohl mit dem Leibe machen. Der Kranke betet nach dem Genuß des heiligen Abendmahls. 425 Gebet. Mein JEsu, mich hat herzlich verlanget, das heilige Abendmahl zu empfangen, ehe denn ich sterbe. Nun, dieses Verlangen ist mir jetzt erfüllet und gestillet worden; du hast mich gespeiset undgetränket mit deinem heiligen Leib und Blut, dafür preise ich dich von Grund meiner Seele. Ich liege hier auf meinem Bette, davon ich durch deine Allmacht wieder aufkommen, aber darauf ich auch sterben kann, wenn es dein heiliger Wille also ist; darum habe ich mich bereitet, meine Seele ist nun genesen, nachdem ich mit JEsu vereiniget bin; ja, ich will nun gerne sterben, nachdem ich, o JEsu, zu der genauesten Gemeinschaft mit dir gelanget bin. Lobe den HErrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat. HErr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen. O JEsu, lebe in mir, schenke mir einen gelassenen Muth, christliche Zufriedenheit und eine dir ganz ergebene Seele. Erhalte mich beständig bei heiligen und guten Gedanken, und laß dein liebliches und süßes Andenken immer in meinem Herzen sein. Willst du mich, o Gott, nun durch den Tod von diesem Leben abfordem, so geschehe dein Wille. Ich weiß, meine Sünde ist mir vergeben, darum darf 426 Der Kranke betet nach dem Genuß des heiligen Abendmahls. ich mich nicht fürchten, vor dich zu treten; denn wo Vergebung der Sünden ist, da ist auch Leben und Seligkeit. Ich weiß, JEsus hat mir seine Gerechtigkeit geschenket; wenn ich in diesem Schmuck und Ehrenkleide vor dich, o Gott, komme, so wirst du mich um derselben willen vor dem Gericht frei und los sprechen. Nun ich bin gerecht worden durch den Glauben, so habe ich Friede mit Gott durch unsem HErm JEsum Christum; durch ihn ist mir der Himmel und der Zugang zu dem Gnadenthron eröffnet. Ich weiß, JEsus ist mein Fürsprecher bei Gott, ich sterbe in der Gnade Gottes, in dem Frieden mit Gott; ich bin versichert des Beistandes des Heiligen Geistes. So bin ich selig, so sterbe ich selig, so gehe ich selig aus der Welt und werde auch ewig selig sein. Dies ist eine große Wohltat, die du mir, o Gott, an meiner Seele erzeiget hat, daß ich jetzt bei gutem Verstände dieses himmlische Liebesmahl mit JEsu habe halten können; diese himmlische Speise stärke und erhalte mich in wahrem Glauben zum ewigen Leben. So ist denn auch mein Wunsch erfüllet, daß meine Speise vor dem Absterben auch möge das heilige Abendmahl sein. Verleihe mir auch, daß mein letztes Wort, das ich auf der Welt rede, möge JEsus, und meine letzten Gedanken, die ich habe, auf JEsu Blut, Der Kranke betet nach dem Genuß des heiligen Abendmahls. 427 Tod, Leiden und Sterben und auf ein heiliges Verdienst gerichtet sein; so weiß ich, daß ich fröhlich und selig leben und sterben werde. Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein? Ja, wer will mich scheiden von der Liebe JEu? Ich lasse ihn nicht, bis er mich bringet zu der Gemeinschaft der Heiligen und Auserwählten. Sei Lob und Preis mit Ehren Gott Vater, Sohn, Heiligem Geist! Der woll in uns vermehren, Was er uns aus Genad verheißt, Daß wir ihm fest vertrauen, Gänzlich uns laffn auf ihn, Von Herzen auf ihn bauen, Daß unser Herz, Mut und Sinn Ihm festiglich anhangen; Drauf fingen wir zur Stund: Amen, wir werdn’s erlangen, Glaubn wir aus Herzensgrund. Amen. Gesang. Mel.: Schmücke dich, o liebe Seele. 1. Nun ist meine Seelgespeiset, Dafür sei mein Gott gepreiset; Mit der Speis ist mir gegeben. Gnade, Segen, Licht und Leben; JEsus hat sich ihr geschenket, Sie hat sich in ihn versenket, Sie hat eine Lieb empfunden, Oder süßen Freudenstunden! 2. Dieses war auch mein Verlangen, JEsum selig zu empfangen; Nun empfind ich Ruh und Frieden, JEsu Reich ist mir beschieden; Wie hoch ist mein Herz geehret, Da mein JEsus eingekehret, Da er in mein Herz gekommen. Und die Wohnung da genommen! 3. Er soll auch mein Herz regieren, Es mit Licht und Recht auszieren, Seele, Geist und alle Sinnen, Worte, Werke und Beginnen. Sollen stets in allen Dingen, Was mein JEsus will, vollbringen; Ich will nichts mehr tun und denken, Ich will JEsu ganz mich schenken. 428 Der Kranke betet, wenn er Arznei gebrauchet. 4. Durch ihn will ich heilig werden, Daß ich, weil ich leb auf Erden, Daß mein Geist, gerät Seel und Leibe, Mit ihm fest vereinigt bleibe; Er soll meinen Geist durchdringen. Und dadurch mich dahin bringen, Daß ich wie ein wahrer Rebe In ihm wie ein Weinstock lebe. 5. JEsus, JEsus soll mich stärken, Daß in meinem Thun und Werken. Ich befördre seine Ehre, Sonsten aber nichts begehre Und dem Bösen widerstehe, Im Gehorsam ihm nachgehe. JEsu, ach, laß mir's gelingen, Mich viel Glaubensfrüchte bringen. 6. Ach, laß doch in solchem Stande Reißen meine Lebensbande, Ach, laß mich in solchem Leben. Meinen Geist dereinst aufgeben; Laß in meinen Todesstunden Mich fest ein mit dir verbunden; Also kann ich selig sterben. Und das Freudenreich ererben. Der Kranke betet, wenn er Arznei gebrauchet. Aufmunterung. Ist jemand krank, der rufe zu sich die Ältesten von der Gemeine, und lasse sie über sich beten, und alben mit Oele in dem Namen des HErrn. Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der HErr wird ihn aufrichten; und so er hat Sünde getan, werden sie ihm vergeben sein. Jac. 5, 14. 15. Ein andächtiges Gebet ist allezeit nötig in gesunden Tagen; warum sollte es ein Kranker vergessen, sonderlich wenn er Arznei gebraucht? Was die Arznei und deren Gebrauch anlanget, so soll ein Kranker 1) den Arzt und die Arznei nicht verachten, und nicht denken: wenn ich gesund werden soll, so kann mich Gott ohne Arznei gesund machen, und wenn ich sterben soll, so wird mir die Arznei nicht helfen. Nein! also soll man nicht denken, denn das heißet Gott versuchen; Gott hat nicht verheißen, uns ohne Mittel zu helfen; was uns Gott nicht verheißen hat, das Der Kranke betet, wenn er Arznei gebrauchet. 429 können wir auch nicht von ihm fordern. Welche die Arznei verachten, und also sterben, die sind Mörder an ihrem Leibe. 2) Doch soll man sein Vertrauen nicht auf den Arzt und die Arznei setzen, sondern auf Gott; wie denn unter die Sünden des Königs Affa auch dieses gezählet wird, daß er in seiner Krankheit nicht Gott, sondern die Ärzzte gesuchet, und ihnen mehr denn Gott vertrauet habe, nach 2 Chron. 16, 12. Darum 3) soll ein Kranker die Mittelstraße erwählen, mit einem Munde und Herzen soll er beten, und mit festem Vertrauen auf Gottes Hülfe die Arznei ergreifen, und sie also gebrauchen; auf solche Weise weiß er, daß sie ihm wird gesegnet sein. O du großer Gott, du siehet den Zustand, darin ich stehe, denn vor deinen allsehenden Augen ist gar nichts verborgen; du siehest in die verborgensten Winkel, du siehet auch auf mein Krankenbette und weißt, wie mir jetzt zu Muthe ist. Ach, mein Gott, ich will die mir verordnete Arznei in deinem Namen gebrauchen, meine einzige Hoffnung aber stehet auf dich, denn du bist der HErr, unser Arzt. Jedoch weil du lässest Kräuter aus der Erde wachsen, und die Arzneimittel selbst erschaffen hat, welche da sollen zur Gesundheit der Menschen dienen, so will ich anjetzt dergleichen unter herzlicher Anrufung deines Namens und mit Gebet auch zu mir nehmen; ach, lege du selber den Segen hinein. Zwar weiß ich wohl, daß du ohne Arznei helfen und gesund 430 Der Kranke betet, wenn er Arznei gebrauchet. machen kannst; denn wenn du nur ein Wort spricht, so wird der Kranke gesund, und wenn du nur winkest, so muß die Krankheit weichen; allein weil du uns hat auch die Mittel zu gebrauchen befohlen, so will ich in dieser Ordnung mich derselben bedienen, und bitte dich, o großer Gott, segne die Arznei, die ich jetzt in deinem Namen und im festen Vertrauen auf dich empfange; laß sie mir gedeihen zur Erstattung und Wiedererlangung meiner Gesundheit, zur Linderung meiner Schmerzen und auch zur Erquickung in meiner Schwachheit. Sprichst du deinen Segen dazu, so mag auch das geringste Kräutlein mir helfen, ja. Kraut und Pflaster hilft und heilet, wenn dein Segenswort dabei ist. Ich nehme die Arznei nicht, die Gesundheit zu erzwingen, sondern als ein Mittel, das du mir erlaubet hat, die Gesundheit von deiner gnädigen Hand wieder zu erlangen. Ich hebe meine Augen aufgen Himmel, wenn ich die Arznei mit der Hand fasse; ich seufze zu dir vor dem Gebrauch, in dem Gebrauch und nach dem Gebrauch. Wenn du sie nun mir anschlagen lässest, so werde ich wieder genesen, denn meine Tage stehen in deiner Hand. Ohne deinen Segen kann und mag ja nichts gedeihen, darum ich, o Segens-Gott, um Segen zu dir schreie; was du, HErr, segnet, das ist Der Kranke betet, wenn er Arznei gebrauchet. 43 1 gesegnet ewiglich. Wirst du durch die Arznei mir helfen, so will ich zwar für dieses dir herzlich danken, aber auch bedenken, daß mich nicht Kraut und Pflaster, sondern deine Gnade erhalten und deine Hand geheilet hat, und will mit Hiskia dein Lob bei jedermann ausbreiten. Hör und vernimm mein sehnlichs Schreien, Du allerliebstes Vaterherz! Wollt alle Sünden mir verzeihen Und lindem meines Herzens Schmerz. Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich. Amen. Gesang. Mel.: Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 1. Wer in Kreuz und Trübsal stecket, Schau den Himmelfleißig an, Wer den bittem Kreuzkelch schmecket, Welchen niemand trinken kann, Denke doch deswegen nicht, Als ob Gott sein Angesicht. Von ihm hätte gar gewendet, Wenn er nicht die Hiilf gleich endet. 2. Vielmehr soll er wohl erwägen. Daß die Stund schon ist bestimmt. Da Gott, wie die Väter pflegen, Unsem Kreuzeskelch wegnimmt, Da das Leiden wieder weicht Und ein frohes End erreicht, Daß man nach dem Kreuz und Leiden Preise Gott mit Herzensfreuden. 3. Auch die bittem Arzeneien. Nimmt ein Frommer fröhlich ein. Und weiß, daß sie ihm gedeihen. Und ganz heilsam werden sein; Eifrig beten und dabei Seufzen, wenn die Arzenei Man will zu dem Munde bringen, Wird zu vielem Heil gelingen. 4. Großer Gott, an deinem Segen, Sprech ich jetzt mit Herz und Mund, Ist es nur allein gelegen, Daß ich wieder werd gesund; Lege deine Kraft hinein, Ach, laß sie gesegnet sein, Laß die Krankheit bald verschwinden Und mich Stärk und Lindrung finden. 432 Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen. 5. Dir will ich mich ganz ergeben, Tod und Leben steht bei dir; Soll ich annoch länger leben, Wie du willst, geschehe mir; In dem schweren Leibesschmerz Weiß ich, daß dein Vaterherz. Nach dem Weinen, Seufzen, Schreien Mich vom Leiden wird befreien. Der Kranke bittet um Linderang der Schmerzen. Aufmunterung. Wenn ich schon rede, so schonet mein der Schmerz nicht; lasse ich's anstehen, so gehet er nicht von mir. Hiob 16, 6. Die Krankheiten und Zustände des Leibes, in welche Gott einen Menschen geräten läsfet, sind nicht einerlei: Etlichen schickt Gott eine Krankheit zu, dabei ihnen kein Glied, ja, kein Finger wehe thut, Etliche aber werden mit grausamen Schmerzen heimgesuchet, wie solches die Erfahrung lehret. Dieses soll uns erinnern: 1) wenn man beten, Gott erkennen, und sich mit Gott versöhnen will, daß man es fein in Zeiten tue, und nicht warte, bis man krank wird, wie Sirach sagt: Spare deine Buße nicht, bis du krank wirst. Denn wie will man in solchen heftigen Schmerzen beten, an Gott denken, sich mit Gott verjöhnen? solches leiden die großen Schmerzen nicht. Wird aber ein Kranker von Schmerzen angegriffen, so soll er 2) deswegen nicht wider Gott murren, sondern alles in der Stille und mit Geduld annehmen. Doch aber 3) darf er wohl um Linderung bitten, wie auch Christus in seinem Leiden getan hat. Kinder klagen den Eltern ihre Noth, warum nicht ein Kind Gottes? In den großen Schmerzen aber soll er 4) denken an eine große Sünde, die er Zeit Lebens begangen, und erkennen, daß es wohlverdiente Schmerzen sind; er soll aber auch denken an Gottes große Barmherzigkeit und an seine große Allmacht, nach welcher er ihn davon befreien kann. Kann er 5) in solchen großen Schmerzen nicht viel und lange beten, so Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen. 433 seufze er zu Gott, und wisse, daß solche kurze Herzensseufzer nicht werden unerhört bleiben. 6) Ungeduld aber lindert die Schmerzen nicht, sondern macht sie noch größer. Gebet. HErr, höre mein Gebet, vemimmmein Flehen, mein König und mein Gott, denn ich will vor dir beten. Ach, ich will beten und bitten, du wollest mich in dieser meiner Leibeschwachheit in Gnaden ansehen, und meine Schmerzen und mein großes Leiden lindem. Du hast ja verheißen, du wollest uns nicht lassen versuchen über unser Vermögen, sondern machen, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß wir's können ertragen. Ach siehe, mein Gott, die Last wird mir fast zu schwer, die Schmerzen nehmen überhand, mein Leib ist matt, meine Kräfte haben abgenommen, meine Zunge klebet an dem Gaumen, meine Gebeine sind verbrannt, wie ein Brand, das Gesicht vergehet mir, daß ich so lange muß harren auf meinen Gott. Ach wie lang, ach lange ist dem Herzen bange, und verlangt nach dir! Verziehe nicht, mein Gott, du erkennest, wie wehe mir ist. Du weißt ja, daß der betrübten Tage und Nächte schon sind viele geworden, du hast selbst gehört mein Ächzen, Seufzen, Klagen und Schreien. Wo soll ich hin in meinem Elend und in meinen Schmerzen? Ach, wo soll ich hin? wo weiß ich 434 Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen. hin? wo kann ich hin? als nur zu dir allein, dem HErrn, meinem Gott! Wenn ich allen Menschen meine Noth klagte, würden sie wohl mit mir Mitleiden haben, aber mich doch nicht erretten. Darum komme ich zu dir, ich weiß, du kannst mir helfen, es stehet bei dir, sprich nur ein Wort, so werde ich leben. O liebster JEsu, der du dem tobenden Meer hat befohlen, sich zu legen, ach, ach, befiehl auch meinen Schmerzen, daß sie sich legen müssen; der du den Gichtbrüchigen mit einem Worte geheilet hat, laß auch deine Barmherzigkeit an mir groß werden. Erquicke mich doch wieder, nachdem ich so lange gelitten und so vieles ausgestanden habe. Ach, komme zu mir mit deiner Hülfe, ehe mich der Schmerz gar aufreibet. Und soll ich ja nach deinem Rat noch länger Schmerzen leiden, so laß mich doch in deiner Gnad als wie ein Schäflein weiden, daß ich im Glauben und Geduld erwarte meines Vaters Huld, die meine Schmerzen stillet. Ach, lege deine Gnadenhand auf mich, so werde ich gesund und von Schmerzen befreiet. Aus der Tiefe rufe ich, HErr, zu dir, laß deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens; meine Seele wartet auf den HErm und auf seine Hülfe, von einer Morgenwache bis zur andern; denn ich weiß, bei dem HErm findet man Hülfe. Der Kranke bittet um Linderung der Schmerzen. 435 Hilf mir, Gott meines Heils, um deines Namens willen, errette mich, und vergib mir meine Sünde um deiner Güte willen; doch nicht nach meinem, sondern nach deinem Willen. Soll ich Schmerzen noch länger tragen, so geschehe dein Wille; gib mir nur Kräfte, daß ich es ausstehen könne. Gib mir, mein Gott, zuweilen einen Rasttag, da ich mich wieder erquicke, oder doch eine Stunde, darin ich mich erhole. Unsere Trübsal ist zeitlich und leicht, dämm mache du mir meine Schmerzen leichter und befreie mich endlich davon. Ach Gott, erhör mein Seufzen und Wehklagen, Laß mich in meiner Noth nicht gar verzagen; Du weißt mein Schmerz, Erkennt mein Herz, Hast du mir's aufgelegt, So hilf mir's tragen. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ach, mein Gott, hilf mir doch, Du siehest, wie mir's gehet, Ach, dir ist wohl bewußt. Wie schlecht es um mich stehet; Du weißt ja meinen Schmerz Mehr, als ich sagen kann, Drum hilf mir gnädiglich, Sonst ist's um mich getan. 2. Ach, mein Gott, hilf mir doch, Auf dich steht mein Vertrauen, Ach, laß mich deine Hülf Mit Freuden bald recht schauen; Du bist's, der Hülfe leist’t, Ja, du bist's ganz allein, Drum stelle dich doch bald Zu meiner Hülfe ein. 3. Ach, mein Gott, hilf mir doch, Zu wem soll ich sonst fliehen, Wenn du mir deine Gnad Und Hülfe willst entziehen? Gewiß, ich weiche nicht, Ich lasse nicht von dir, Bis du mir hilfest aus. Und nimmt die Noth von mir. 436 Der Kranke seufzet, Gott wolle ihn nicht verlassen. 4. Ach, mein Gott, hilf mir doch, Ich weiß, du kannst mich retten, Drum wollest du es tun In diesen meinen Nöten; Du kannst es, du bist Gott, Dem nichts unmöglich ist, Du willst es, weil du auch Zugleich mein Vater bist. 5. Ach, mein Gott, hilf mir doch, Daß ich dein Lob erheben. Und dich auch preisen mög, Dieweil ich werde leben. Und jagen allezeit: Getrost! Gott lebet noch, Und währt es noch so lang, Sieh, mein Gott hilft mir doch. Der Kranke seufzet, Gott wolle ihn nicht verlassen. Aufmunterung. Zion spricht: Der HErr hat mich verlassen, der HErr hat mein vergessen. Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie desselbigen vergäße, so will ich doch dein nicht vergessen. Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet. Jes. 49, 14-16. Verursachet es bei einem Armen eine große Freude, einen reichen Wohltäter zu haben, bei Verlassenen, einen starken Beistand zu finden, so kann auch ein Kranker große Freudigkeit haben in seiner Krankheit und in seinem Leiden, weil er die Verheißung hat, Gott wolle ihn nicht verlassen. Hierbei aber soll er merken, 1) daß ein Verzug der Hülfe nicht ein Verlassen sei; denn manche Kranke, wenn Gott nicht gleich und nach ihrer Rechnung bald hilft, so schreien und sprechen sie, Gott habe sie verlassen. Allein so soll man nicht denken; Hülfe, die er aufgeschoben, hat er drum nicht aufgehoben; hilft er nicht zu jeder Frist, hilft er doch, wenn's nötig ist. Es soll ein Kranker 2) bedenken, Gott habe eine Hiilfsstunde bestimmt, in welcher er helfen will, doch bis dieselbe anbricht, soll er g" warten. Er soll bedenken, ob er in gesunden agen auch nicht Gott verlassen habe: was wäre es denn Wunder, wenn ihn solches Gott jetzt empfinden ließe? Hieran aber will ihn Gott erinnern durch den Verzug der versprochenen Hülfe. Darum bleibe der Kranke 4) dabei, Der Kranke seufzet, Gott wolle ihn nicht verlassen. 437 daß er im Glauben jage: Gott kann mich nicht verlassen, ich bin ein Kind; Gott will mich nicht verlassen, er hat mir's verheißen; Gott wird mich nicht verlassen, er hat mir vor diesem schon oftmals geholfen. Wird er sich also in Gott fassen, so wird er den Verzug der Hülfe in Geduld leiden, und endlich herrlich sehen, daß er von Gott nicht sei verlassen worden. O du allerliebster Gott und Vater, der du mich je und je geliebet, und aus großer Liebe zu dir gezogen! Siehe, ich armer Kranker komme zu dir, und bitte dich demütig, du wollest mich jetzt nicht verlassen in meiner Leibeschwachheit. Du weißt ja, mein Gott, daß ohne dich mir nicht kann geholfen werden. Du bist der Mächtige in Jakob, der Schutz Israels, die Zuflucht der Betrübten, der Helfer der Elenden, der Beistand in der Noth. Der HErr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht; er wird sich aufmachen und über Zion sich erbarmen, er wird mich in Gnaden ansehen. Menschen sprechen: Ich kann euch nicht helfen; und so bin ich ja von allen Menschen verlassen. Doch ich weiß, daß ich nicht von dir verlassen bin; denn Gott verläßt ja keinen, der sich auf ihn verläßt, er bleibt getreu den Seinen, die ihm vertrauen fest; läßt sich's an wunderlich, laß du dir gar nicht grauen, mit Freuden wirst du schauen, wie Gott wird retten dich. Ach, mein 438 Der Kranke seufzet, Gott wolle ihn nicht verlassen. Gott, verlaß mich nicht, siehe doch, wie mein Leiden schon lange währet. Am Abend denke ich: Morgen wird es besser werden, und am Mittag sehne ich mich schon wieder nach dem Abend; ja, in der Nacht rufe ich oft: Hüter, ist die Nacht schier hin? Meine Seele wartet auf dich von einer Morgenwache bis zur andern. Ach, mein Gott, verlaß mich nicht, siehe doch, wie mein Leiden immer schwerer wird; ach, laß mich doch die Last nicht gar erdrücken, nimm weg den Stein, der auf mir lieget, die Ruthe, die mich schlüget, die Schmerzen, die mich plagen. Du kennest ja meine schwachen Kräfte wohl, wie viel ich ausstehen kann. Mein Gott, verlaß mich nicht, siehe doch, wie mein Leiden gar mannichfaltig ist; es scheinet, als ob sich die Trübsal nicht verringere, sondern vielmehr vermehre. Wo soll ich denn hin, wenn du mich verlassen willst? Willst du mir nicht helfen, so kann mir keine Creatur helfen; willst du mich verlassen, so bin und bleibe ich ohne Hülfe. Allein ich weiß, du verlassest mich nicht, ich halte dir vor deine Verheißung, da du gesprochen: Ich will dich nicht verlassen, ich will dich nicht versäumen. Die auf den HErrn harren, werden nicht fallen, sondern fest bleiben, wie der Berg Zion. Der Held in Israel hat es versprochen, er wird seinem Volke Kraft geben, und Der Kranke seufzet, Gott wolle ihn nicht verlassen. 439 den Elenden, der keinen Helfer hat, erretten, und den Seelen der Armen gnädig sein. Nun, auf dein Wort traue ich, und hoffe, du wirst deine Zusage treulich halten im Himmel. Du kannst mich nicht verlassen, denn ich bin ja dein Kind; bin ich doch dein ererbtes Gut, erworben durch dein teures Blut; ich bin dein Eigentum, darum wirft und kannst du mich, dein Kind und Eigentum, nicht verlassen. Ich bin versichert, du wirst mich nicht verlassen; du hast mich noch nie verlassen in meinen Leiden und Triibsalen, da mich Leiden ohne Zahl ergriffen hatten, da die Wellen der Trübsal über meinem Haupte zusammenschlugen: so wirst du es diesmal auch nicht tun. Darauf gebe ich mich zufrieden, darauf verlasse ich mich, und bin gutes Muths, und jage: HErr, ich lasse dich nicht, du helfest mir denn, auf eine solche Art und Weise, als es dir gefällt. Wo soll ich mich denn wenden hin? Zu dir, HErr JEsu, steht mein Sinn. Bei dir mein Herz Trost, Hülf und Rat Allzeit gewiß gefunden hat; Niemand jemals verlassen ist. Der getraut hat auf JEsum Christ. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ich trage mein Kreuz nicht alleine, Mein JEsus trüget es mit mir, Im Leiden bin ich auch der Seine, Er stehet mir bei für und für; Ich trage mein Kreuz nicht allein, Dies soll mir Trost und Zuflucht sein. 440 Der Kranke erinnert sich eines Todes. 2. Den Beistand hat er mir versprochen. Und auch die Hülf zu einer Zeit; Wenn nun die Stund ist angebrochen, Soweichet auch mein Herzeleid; Drum wird mein Glaube niemals klein, Ich trage mein Kreuz nicht allein. 3. Sieh, Gott ist es, durch dessen Gnade. Ich bis auf diesen Tag noch steh, Der macht, daß mir das Kreuz nicht schade, Ob ich gleich fühle Angst und Weh, Daß ich vor großem Schmerz oft wein, Doch bin ich nicht im Kreuz allein. 4. Nun, ich will es geduldig tragen. Und währte es gleich noch so lang; Sollt ich an Gottes Hülf verzagen? Um Hülfe ist mir gar nicht bang; Gott stellt sich bald zur Hülfe ein, Ich trage mein Kreuz nicht allein. 5. Mein treuer Gott, dir will ich trauen, Verlasse mich im Kreuze nicht, Auf deine Liebe will ich schauen, Bis meine Hülfestund anbricht; Laß mich im Kreuze nicht allein, Du bist ja mein und ich bin dein. Der Kranke erinnert sich seines Todes. Aufmunterung. Die Zeit meines Abscheidens ist vorhanden. Ich habe einen guten Kampf gekämpfet; ich habe den Lauf vollendet; ich habe Glauben gehalten. Hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der HErr an jenem Tage, der gerechte Richter, geben wird, nicht mir aber allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb haben. 2. Tim. 4, 6-8. Sich eines Todes erinnern, ist 1) eine nützliche Sache, denn dadurchziehet man sein Herz von der Eitelkeit und den Sünden ab, man siehet alles, was irdisch ist, als Dinge an, die man nicht kann mit in den Himmel nehmen, die man nicht kann behalten, und die uns in der Stunde des Todes nicht trösten können. Sich des Todes erinnern, ist auch 2) eine nothwendige Sache; denn welche da meinen, der Tod sei noch weit von ihnen entfernet, die werden oft frech, üppig, boshaft, vertiefen sich in die Welt und stellen Der Kranke erinnert sich seines Todes. 441 sich ihr gleich; überfällt nun solche der Tod von ohngefähr, so gehen sie gewiß verloren. Sich des Todes erinnern, ist 3) gar heilsam, denn wer, ehe er stirbt, sich sein Ende fleißig vorstellet, der stirbt nicht, wenn er stirbt, und dem kommt der Tod nicht erschrecklich vor; denn der Tod der Gläubigen ist nichts anderes, als ein Hingang zum Vater und ein süßer Schlaf. Wer fürchtet sich aber wohl, zum Vater oder zu Bette zu gehen? Man soll aber 4) nicht denken, daß das ein Zeichen zum Tode sei, wenn ein Kranker viel vom Tode redet, seine Leiche bestellet, sein Testament machet, und sich zum seligen Sterben bereit hält; o nein, darum stirbt niemand einen Augenblick eher, als ihm Gott seines Lebens Ziel bestimmet hat. Man soll 5) auch sich eine Todesstunde nicht so gar grausam und schrecklich vorstellen, wie manche Kranke tun, die sich vor dem Sterben und Herzbrechen fürchten; die Heiden haben zwar gesagt, der Tod sei das Schrecklichste unter allen schrecklichen Dingen, Christen aber sterben in der Gnade Gottes, in den Armen JEsu, in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes; was ist daran schrecklich? ist dieses nicht vielmehr Trost, Süßigkeit und Ereude? HErr, es ist genug, nimm meine Seele hin. So seufze ich zu dir, mein Gott, da ich in meiner großen Schwachheit, die immer größer wird, wohl merke, daß meines Lebens. Ziel da ist. Ich begehre, aufgelöet und bei Christo zu sein. Ich fürchte mich vor dem Tode und Sterben nicht, ich habe bei gesunden Tagen oft daran gedacht, darum kommt es mir jetzt nicht schrecklich vor. Gleichwie das Täublein des Noah mit Freuden zu dem Kasten kehrete, wie ein Fremder mit 442 Der Kranke erinnert sich eines Todes. Verlangen nach seinem Vaterlande eilet: also sehe ich meinen Tod an als eine Aufnahme zur Ruhe aus der Unruhe, als ein glückliches Anlangen aus der Pilgerschaft in das himmlische Freudenland, da nach dem sehnlichen Verlangen ein himmlisches Umfangen meines JEsu folgen wird. Ich weiß, daß der Tod einem gläubigen Christen ein sanfter Schlaf ist, und ein Durchgang in das ewige Leben. Böse Menschen und Weltkinder mögen sich vor dem Tode fürchten, denn sie haben keinen gnädigen Gott, sie stehen nicht in der Gemeinschaft mit JEsu Christo, und haben ihr Herz Gott, dem Heiligen Geiste, nicht zur Wohnung übergeben; allein ich fürchte mich nicht, zu sterben, weil ich defen alles versichert bin. Der HErr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der HErr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Gott ist mein Vater, JEsus mein Fürsprecher, der Heilige Geist mein Führer und Tröster; zu dem komme ich, zu dem gelange ich, warum sollte ich mich fürchten? Meiner Seele Bräutigam wird mich, eine Braut, wohl empfangen. Wenn mein JEsus von seinem bevorstehenden Tode redete, so sprach er: Ich gehe zum Vater. Ja, liebster JEsu, ich will dir auch so nachsprechen: Wenn ich sterbe, gehe ich zum Vater, zum Himmel, zur Freude, Der Kranke erinnert sich eines Todes. 443 zur Seligkeit. Was soll ich mich fürchten, zu sterben? JEsus ist mein, seine Gerechtigkeit ist mein, sein Verdienst ist mein, der Himmel ist mein, warum soll ich nicht fröhlich sein? Der Leib kommt in die Erde, aber die Seele fähret zu Gott; sie gehet aus der Welt in den Himmel, aus der Eitelkeit in die Seligkeit, aus dem Trauern in die Freude, aus dem Leiden zur Glückseligkeit, aus dem Weinen zur Herrlichkeit; ist das nicht ein seliger Durchgang? Ich gehe zur Ruhe, zur Freude, zur Wonne, zur Sonne, zum ewigen Vergnügen. Sehe ich doch schon, wie die Engel um mein Bette stehen, und die Seele zu solcher Herrlichkeit begleiten wollen. Sehe ich doch, wie JEsus seine Arme ausbreitet, und mich als ein Kind empfangen will; wie so viel tausend Gläubige mich aufnehmen wollen. Darum bin ich getrost; ich vergesse, was dahinten ist, nämlich die Erde und alles Irdische, was ich auf Erden habe, und strecke mich nach dem, das da vorn ist, nach dem himmlischen Kleinod, das uns aufbehalten ist im Himmel. Ich habe einen guten Kampf gekämpfet, ich habe meinen Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten; hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der gerechte Richter an jenem Tage geben wird, nicht mir aber allein, sondern auch allen, 444 Der Kranke erinnert sich eines Todes. die seine Erscheinung lieb haben. Wie wohl wird mir sein, wenn ich aufgelöset bin! Wie selig werde ich sein, wenn ich in JEsu Armen bin! Wie vergnügt werde ich sein, wenn ich durch den Tod in das ewige Leben bin durchgedrungen! Kann uns doch kein Tod nicht tödten, Sondern reißt Unsem Geist Aus vieltausend Nöten, Schleußt das Tor der bittem Leiden. Und macht Bahn, Daß man kann Gehn zur Himmelsfreuden. Amen. Gesang. Mel.: Wenn mein Stiindlein vorhanden ist. 1. Wer da will als ein frommer Christ. Nach Gottes Willen sterben, Durch Christi Blut versichert ist, Den Himmel zu ererben, Der kämpfe und bereite sich, Damit er alsdann seliglich Von hinnen mög abscheiden. 2. Vor allem fall er Gott zu Fuß, Beweine seine Sünden, Er thu in Zeiten wahre Buß, Daß er mög Gnade finden, Er haffe jede böse Tat. Und was er sonst begangen hat. In seinem ganzen Leben. 3. Er glaube fest an JEsum Christ Und flieh zu dessen Wunden, Der da der Sünder Zuflucht ist, Damit er werd entbunden. Von aller Ungerechtigkeit, Und nehm dies Blut zum Sterbekleid In seinen Todesstunden. 4. Er führ sodann in Frömmigkeit. Ein Gott gefällig Leben, Hab Gott im Herzen allezeit; Er soll sich auch bestreben, Daß er sich nie von Gott abwend, Und bleibe fromm bis an sein End, Wie Gott es hat befohlen. 5. Er fliehe dabei allermeist Die schnöden Sündenwege Und was da sonst von Gott abreißt; Er steht nicht auf dem Stege, Auf welchem freche Menschen sind, Er leb auch als ein Gotteskind. Und meide, was Gott haffet. 6. Er halte stets mit Beten an. In den gesunden Tagen, Er bete, weil er beten kann, Die Noth Gott vorzutragen; Der Kranke betrachtet Grab und Auferstehung. 445 So wird Gott das Gebet ansehn, Wenn seine Lippen starrend stehn. Am Ende seines Lebens. 7. Besonders soll er sich bei Zeit. Mit seinem Feind versöhnen, Der ihn mit Zorn und Bitterkeit. Hat pflegen zu verhöhnen, Daß er ein liebreich Herze hab, Eh man ihn träget in das Grab Und er den Feind verlasse. 8. Er klebe nicht an dieser Erd Mit seinem Geist und Herzen, Die Welt ist unserer Lieb nicht wert Und bringet viele Schmerzen, Wenn man sie nun verlassen soll; Hingegen tut derselbe wohl, Der nach dem Himmel trachtet. 9. Mein Gott, verleih mir deine Gnad, Daß ich die Welt nichts achte, Und gerne folge deinem Rat Und ihn mit Fleiß betrachte, Auf daß, wenn nun es dir gefällt, Ich wohl bereitet aus der Welt. Zum Himmel mög eingehen. Der Kranke betrachtet Grab und Auferstehung. Aufmunterung. JEsus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubet, der wird leben, ob er gleich stürbe. Und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben. Joh. 11, 25. 26. Wer als ein Christ sein Grab ansiehet, der wird davor nicht erschrecken, so finster es auch immer sein mag: denn 1) es ist eine Ruhekammer, wo wir von allen Schmerzen, von allem Jammer, Kummer und Herzeleid sollen befreiet werden; wird aber der Frommen Leib ohne Schmerzen schlafen und ruhen, so wird 2) die Seele einer himmlischen und unendlichen Freude genießen, denn der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand, und keine Plage rühret sie an; Trost, Freude und Wonne wird stets um sie ein. Der Leib soll 3) auch im Grabe nicht bleiben, sondern die Gebeine und matten Glieder, wenn sie nun ausgeruhet haben, sollen am jüngsten Tage herrlich wieder auferstehen, leuchten wie die Sonne, und mit der 446 Der Kranke betrachtet Grab und Auferstehung. Seele wiederum vereinigt werden. Wollte man 4) einwenden: Ich muß aber die lieben Meinigen und mein Hab und Gut auf Erden verlassen, so soll man bedenken, daß im Himmel ein allgemeines Wiedersehen wird sein. Werden die Unsrigen im Glauben bleiben und Gott fürchten, so werden sie uns auch nachfolgen, und dann werden wir nimmermehr von ihnen wieder geschieden werden. Was die leiblichen Güter anlanget, so wird uns Gott dafür himmlische und ewige Güter schenken. Wenn dieses alles von einem Kranken erwogen wird, so kann die Betrachtung des Grabes ihm nicht schrecklich Vorkommen. Gnädiger und barmherziger Gott, siehe, ich bin bereit, nach deinem heiligen Willen zu leben und zu sterben; ich fürchte mich nicht vor dem Tode, weil ich weiß, daß er mich wird nach viel Trübsal und Leiden zur Ruhe bringen. Denn nach dem Abschied aus diesem Leben muß ich all mein Leiden, Trübsal, Kreuz und Unruhe verlassen; ich gelange zur Ruhe, zur Freude, ich werde ergötzet, erquicket, erfreuet, nachdem ich in der Welt so viele trübe Stunden und traurige Nächte gehabt habe. Vor dem Grabe fürchte ich mich auch nicht, denn siehe, es wird sein meine Schlafkammer; mein Elend, meine Krankheit und mein Leiden kommt nicht mit mir ins Grab, das muß draußen bleiben. O stiller Ort, o angenehme Ruhestätte, wann werden meine matten Glieder und mein schwacher Leib in deinen Der Kranke betrachtet Grab und Auferstehung. 447 Schooß geleget werden? Das Grab hat mir JEsus selbst geheiliget, er hat mir es zur Ruhestätte gemacht; als er nach ausgestandenen Leiden darein geleget wurde, hörten seine Schmerzen und all sein Jammer auf. So hat der HErr auch meinem Leibe eine Ruhekammer bereitet in der Erde, und der Seele einen Erquickungsort im Himmel. Suchen Menschen schöne Häuser, weiche Betten zur Ruhe, so sind sie mit meinem Grab nicht zu vergleichen; aus einem schönen Hause kann man durch Feuer, Feinde und andere Zufälle gesagt werden, in meinem Grabe aber wird mich niemand stören. JEsus wird meine Gebeine bewahren, daß deren nicht Eines wird verloren gehen, ja, er wird auch meine vermoderten Gebeine wieder zusammenbringen. Im weichen Bette muß Mancher Schmerzen und Ungemach ausstehen, aber in meinem Grabe wird kein Unglück sich zu mir nahen und kein Schmerz wird mich rühren. So ist das Grab ein von allen Leiden und Schmerzen befreites Bette; jobald jemand dahinein gelegt wird, so höret sein Schmerz und Ungemach auf. Warum sollte ich mich vor dem Grabe fürchten? ich werde ja nicht darin bleiben. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt; und er wird mich hernach aus der Erde wieder auferwecken. Wer an mich glaubet, spricht mein 448 Der Kranke betrachtet Grab und Auferstehung. JEsus, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage. So soll mein Grab denn nur ein kurzer Aufenthalt sein, darin mein Leib wird schlafen, bis JEsus kommen wird und sprechen: Stehet auf, ihr Todten, und kommet vors Gericht! Es kommt die Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern sind, werden hören die Stimme des Sohnes Gottes, und werden hervorgehen; wenn ich nun diese Stimme hören werde, so werde ich auch auferstehen aus meinem Grabe, mein Leib wird mit meiner Seele wieder vereiniget, mein Leib wird unsterblich gemacht und verherrlicht werden, ich werde leuchten wie die Sonne, ja, alle Schwachheit um und an wird von mir ein abgetan. Grünet das Weizenkom wieder hervor, wenn es in der Erde erstorben zu sein scheinet, so werden auch meine Gebeine wieder versammelt, mit Adern zusammengebunden und mit Haut überzogen werden. Es wird gesäet verweslich, und wird auferstehen unverweslich; es wird gesäet in Schwachheit, und wird auferstehen in Kraft; es wird gesäet ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein mit geistlichen und himmlischen Eigenschaften begabter Leib. Was hier kranket, seufzt und fleht, wird dort frisch und herrlich gehen; irdisch werd ich ausgesät, himmlisch werd ich auferstehen. Der Kranke betrachtet Grab und Auferstehung. 449 Weil du vom Tod erstanden bist, Werd ich im Grab nicht bleiben; Mein höchster Trost dein Auffahrt ist, Todsfurcht kann sie vertreiben; Denn wo du bist, da komm ich hin, Daß ich stets bei dir leb und bin, Drum fahr ich hin mit Freuden. So fahr ich hin zu JEsu Christ, Mein Ann thu ich ausstrecken; So schlaf ich ein und ruhe fein, Kein Mensch kann mich aufwecken, Denn JEsus Christus, Gottes Sohn, Der wird die Himmelstür auftun. Mich fühm zum ewgen Leben. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Ich scheue mich nicht vor dem Grabe, Ich sehne mich vielmehr darnach, Weil ich da wahre Ruhe habe Nach ausgestandnem Weh und Ach! Wer sich noch vor dem Grabe scheut, Der ist noch in der Welt zerstreut. 2. Das Grab ist meine Ruhekammer, Darein mein Leib mit Freuden zieht, Weil in derselben aller Jammer Auf einmal von mir weicht und flieht; Wer schrecklich von dem Grabe spricht, Der kennt des Grabes Ruhe nicht. 3. Das Grab nimmt alle meine Lasten, Die Sorg und Kümmernis von mir, Undlasset mich da anfterasten; O großer Gott, des dank ich dir; Auch von der Sünden Angst und Pein Werd ich im Grab befreiet sein. 4. Das Grab ist mir ein sanftes Bette, Seht, JEsus deckt mich Selbsten zu; Es ist die beste Ruhestätte, Daniemand störet meine Ruh; Dem Leibe ist im Grabe wohl, Die Seel ist bei Gott freudenvoll. 5. Drum bleibt im Grab und JEsu Wunden. Mein Leib und Seele wohl verwahrt, Sie haben darin Schutz gefunden, Wo sie zur Herrlichkeit verspart Verbleiben, bis der große Hirt Sie wiederum vereingen wird. 6. O schönes Grab, o kühle Erde, O schwarze Gruft, doch sanfter Schooß, Darinnen ich recht glücklich werde, Von Leiden, Trübsal, Unglück los. HErr, meinen Geist befehl ich dir, Die Ruh gönn meinem 450 Der gläubige Christ danket Gott Der gläubige Christ danket Gott wegen wieder erlangter Gesundheit. Aufmunterung. Siehe zu, du bist gesund worden; sündige hinfort nicht mehr, daß dir nicht etwas Ärgeres widerfahre. Joh. 5, 14. Daß viele Kranke mit dem Munde Gott viel versprechen, wie sie, wenn sie Gott läßt gesund werden, wollen neue Creaturen, fromme Christen, eifrige Beter, fleißige Kirchengänger, und vom Leben, Herzen und Sitten ganz neu werden, ist gewiß. Aber daß manche dieses Versprechen nicht halten, lehret leider! die tägliche Erfahrung, indem sie nach erlangter Gesundheit wieder so eitel, boshaft, unbändig, unartig und frech werden, wie sie vorher gewesen, wenn sie nur nicht schlimmer werden. Daher soll ein wahrer Christ, wenn ihn Gott von dem Krankenbette befreiet hat, 1) Gottes Allmacht erkennen, loben und preisen, wie Gottes Macht ihn auf einmal aufs Bette hingeworfen, aber auch davon wieder aufgerichtet und ihn von der Todesgefahr gnädig befreiet habe. 2) Es soll ein solcher Kranker, der nun wieder gesund geworden ist, ein auf dem Sterbebette getanes Gelübde bezahlen, und sein Versprechen halten, dämm, weil er es Gott und nicht Menschen getan hat. Denn es ist besser, nichts versprechen, als ein Versprechen nicht halten. 3) Hat er wieder, wie Hiskias, neue Kräfte erlanget, so soll er dem allmächtigen Helfer und Erretter danken, auch vor andern Menschen Gott loben und preisen und ihnen dadurch Gelegenheit geben, die Gnade Gottes zu erkennen, die er ihm erwiesen hat. 4) Soll er auch an die Angst seiner Seele denken, die Todes- und Lebensgefahr fleißig erwägen, und dem allmächtigen dreieinigen Gott zu Ehren ein frommes und gottseliges Leben führen, ja, also im Glauben und gottseligen Wandel verharren, daß er hinfort, wenn Gott etwa mit der Todesstunde kommen sollte, möge zum seligen Sterben und fröhlichen Ausgang aus diesem Leben bereit sein. wegen wieder erlangter Gesundheit. 45 1 Oduallmächtiger und gnädiger Gott, ich trete jetzt allhier vor dein allerheiligstes Angesicht, und danke dir von Grund meiner Seele, daß du mich von meinem Krankenbette wiederum aufgerichtet hat. Ich denke noch an die Angststunden, an das beschwerliche Leiden, an die betrübten Nächte, an die große Gefahr, darin ich lag und schwebte. Aber siehe, deine mächtige Hand hat mich gnädig von meinem Lager aufgerichtet, du hast mich wieder auf meine Füße gestehet, daß ich aus- und eingehen kann. Deine Gnade hat mein Klagen verwandelt in einen Reigen, du hast meinen Sack ausgezogen, und mich mit Freuden gegürtet. HErr, HErr, du hast Großes an mir getan, deß bin ich fröhlich; deine Liebe und Barmherzigkeit hat mir bis hierher geholfen. Denn das weiß ich fürwahr, wer Gott dienet, der wird nach der Anfechtung getröstet, und aus der Trübsal erlöset, und nach der Züchtigung findet er Gnade. Denn du, o Gott, hast nicht Lust an unserm Verderben; nach dem Ungewitter lässest du die Sonne wieder scheinen, nach dem Heulen und Weinen überschüttest du uns mit Freuden. Diese Barmherzigkeit und Vatertreue habe ich auch in meiner Krankheit empfunden; daher will ich mein Leben lang denken an die Angst meiner Seele, 452 Der gläubige Christ danket Gott aber ich will auch rühmen, o allmächtiger Gott, vor der großen Gemeine, was du an mir getan hast. Du hast die Arzneigesegnet, du hast meine Schmerzen gelindert, du hast mir Stärke gegeben, das Leiden zu überwinden, du hast nach den mühjamen und elenden Nächten mir Erquickungstage beschert, und dich meiner in meiner Trübsal wie ein Vater erbarmet. Darum lobe den HErrn, meine Seele, und was in mir ist, einen heiligen Namen; lobe den HErrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat. Ich will den FIErm loben allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein; meine Seele soll sich rühmen des HErrn, daß es die Elenden und andern Kranken hören und sich freuen. Preiset mit mir, ihr, die ihr jemals, wie ich, in Nöten, Krankheiten und Leiden gewesen seid, den HErrn, und lasset uns mit einander seinen Namen erhöhen. Denn da wir Elende riefen, hörete der HErr, und half uns aus allen unsem Nöten. Die den HErrn in ihrem Elend im Glauben ansehen und mit Gebet anrufen, deren Angesicht wird nicht zu Schanden; er lästet sie nicht betrübt von seinem Thron Weggehen, sondern er erbarmet sich ihrer gnädiglich. Ach, mein Gott, laß diese mir erwiesene Gnade und Barmherzigkeit allezeit vor meinen Augen und in meinem Herzen sein. wegen wieder erlangter Gesundheit. 453 Nun weiß ich und habe es erfahren, daß du ein mächtiger Gott bist, daß du kannst die Todten lebendig, die Kranken gesund, die Schwachen stark und die Betrübten fröhlich machen. War ich dem Tode nahe, so hat deine Güte dieses Mal mein Leben noch erhalten. Darum, mein Gott, habe ich mir durch deine Gnade fest vorgenommen, die mir geschenkte Gesundheit, das aufs neue mir verliehene Leben und die Jahre, die ich nach deinem Rat in der Welt noch bleiben soll, zu deiner Ehre anzuwenden und in der wahren Frömmigkeit zuzubringen. Ach, ich habe in meinen Schmerzen und Krankheit erfahren, wie Silber und Gold, Ehre und Herrlichkeit der Welt, auch gute Freunde die Kreuzeslast mir nicht abnehmen konnten, sondern wenn du mir nicht geholfen hättest, so wäre ich in meinem Elend vergangen; darum will ich hinfort nicht mehr nach eiteln Dingen trachten, sondern meine Freude an dir haben; ich will der Welt sündliche Gesellschaft meiden, und mich halten zu deinem Altar, da man höret die Stimme des Dankes und da man erzählet alle deine Wunder; ich will, da mir diese besondere Gnade erschienen ist, verleugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt, damit ich wie die klugen Jungfrauen 454 Der gläubige Christ danket Gott bereit sei, wenn du mit meiner Todesstunde und mit dem Ende meines Lebens kommen wirst, zu der Hochzeit des Lammes, zu der ewigen Freude und Herrlichkeit einzugehen. Ich hatte viel Bekümmemiß, Mein Gott, in meinem Herzen, Doch deine Tröstung war gewiß Die Arznei meiner Schmerzen. Immanuel! Trost Israel! Je mehr du mich verletztest, Je mehr du mich ergötztest. Ich hatte viel Bekümmemiß, Wenn ich den Tod bedachte. Da mir das finstre Grab gewiß Nicht kleines Grauen machte. Immanuel! Trost Israel! Weil du den Tod geschmecket, Hat er mich nicht geschrecket. So hatt ich viel Bekümmerniß, Du aber viel mehr Liebe; Dein Trost war mir so engelsüß, Daß er die Angst vertriebe. Immanuel! Trost Israel! Kannst du mich hier so trösten, Dort ist der Trost am größten. Amen. Gesang. Mel.: Wie soll ich dich empfangen. 1. Wie kann ich gnug am preisen, HErr, deine Wunderthat, Und tiefsten Dank erweisen. Für deine Lieb und Gnad, Weil das, was mich gedrücket, Mein Leiden, ist dahin, Und da ich doch beglücket Vom Tod errettet bin? 2. Mein Geist ist sehr erfreuet, Wenn er die Hülferblickt, Das Leben ist erneuet, Die Seel ist auch erquickt; Ja, Sinne und Gemüte, Und was nur ist in mir, Das preiset deine Güte, Mein Vater, für und für. 3. Dmm soll mein Mund nicht schweigen, Der wieder singen kann, Und dankbar sicherzeigen. Dem, der mir Guts getan; Mein Herz stimmt ein mit Freuden. Und rühmet überall, Wie Gott in meinem Leiden Geholfen dieses Mal. 4. Ich ahe mich verlassen, Und du erhobest mich; Wie kann ich's gnugsam fassen, Daß du so gnädiglich wegen wieder erlangter Gesundheit. 455 Von allen Trübsalsstunden, Die dir und mir bekannt. Mich väterlich entbunden. Durch deine starke Hand? 5. Ich konnte mir nicht rathen, Ich war von Hülfe bloß, Doch sah ich Wundertaten, Da du in deinen Schooß Mich als ein Vater legtest. Und hieltest dich zu mir, Ja, wie dein Kind mich pflegtest. Und spracht: Ich bin bei dir. 6. Ja wohl, ich hab empfunden. Daß du an mich gedacht, Denn ich hab überwunden. Durch deines Armes Macht; Ach ja, ich bin genesen, Lobt Gottes Herrlichkeit! Ich bin in Noth gewesen. Und nun daraus befreit. 7. HErr, ich hab recht gesehen, Was du an mir getan, Ich will es gern gestehen. Und jagen jedermann, Daß deine Macht und Stärke, Vor der sich alles neigt, Sich hat an diesem Werke Gar sichtbarlich gezeigt. 8. Ach, lernet Gott vertrauen, Die ihr in Nöten seid, Denn an mir könnt ihr schauen, Wie seine Gütigkeit Kann alles Unglück wenden, Das euer Herzbeschwert, Und euch die Hülfe senden, So wie ihr die begehrt. 9. Mein Gott, ich werf mich nieder Vor deinem Thron allhier. Und singe Freudenlieder. Mit tiefgebeugtem Knie; Ich danke dir von Herzen. Mit meinem Geist und Mund, Daß du mir nach den Schmerzen Geschenkt die Freuden stund. 10. Dieweil ich werde leben. Und weil ich denken kann, Soll mir vor Augen schweben, Was du an mir getan; Dein Helfen, dein Regieren, Dein Leiten hin und her, Dein Sorgen und dein Führen Vergeß ich nimmermehr. 456 Sprüche und Seufzer zum Nachdenken derer, Sprüche und Seufzer zum Nachdenken derer, welche krank gewesen und gesund geworden sind. HErr, mein Gott, da ich schrie zu dir, machtest du mich gesund. Ps. 30, 3. Gelobet sei der HErr, denn er hat eine wunderliche Güte an mir bewiesen. Ich habe dir, Gott, gelobet, daß ich dir danken will, denn du hast meine Seele vom Tode errettet, meine Füße vom Gleiten, daß ich wandeln kann vor dir im Lichte der Lebendigen. Ich rief dem HErrn in meiner Noth: Ach Gott, vernimm mein Schreien. Da half mein Helfer mir vom Tod. Und ließ mir Trost gedeihen. Drum dank, ach Gott, drum dank ich dir, Ach danket, danket Gott mit mir! Gebt unserm Gott die Ehre! Ich bin zu geringe aller Barmherzigkeit und aller die du an deinem Knechte getan hat. 1 Mos. Ach ja, mein Gott, nur Erbarmen und Liebe ist es von dir, daß du mich von meinen Schmerzen und Nöten erlöset hat. Ich bin aller solcher Wohltaten ganz unwürdig. Deine Treue hat sich bei mir recht verherrlicht, da du dich meiner so herzlich angenommen, und mit mir so gehandelt, wie du mir verheißen hat. Laß mir dieses niemals aus dem Sinne kommen. Laß welche krank gewesen und gesund geworden sind. 457 mich dadurch stets erwecket werden, gegen dich Liebe und Treue zu beweisen mein Leben lang, damit ich dir als dein Knecht diene nach deinem Wohlgefallen, und endlich auch als ein frommer und treuer Knecht den fröhlichen Zuruf hören möge: Gehe ein zu deines HErm Freude! Vater, du hast mir erzeiget Lauter Gnad und Gütigkeit, Und du hast zu mir geneiget, JEsu, deine Freundlichkeit; Und durch dich, o Geist der Gnaden, Werd ich stets noch eingeladen. Tausend-, tausendmal sei dir, Großer König, Dank dafür. Tausendmal sei dir gesungen, HErr, mein Gott, Preis, Lob und Dank, Daß es mir bisher gelungen; Ach, laß meines Lebens Gang Ferner doch durch JEsum leiten, Nur gehn auf die Ewigkeiten; Da will ich, HErr, für und flir. Ewig, ewig danken dir, Er hat meine Seele erlöset, daß sie nicht führe ins Verderben, sondern mein Leben das Licht sähe. Siehe, das alles tut Gott zwei oder dreimal mit einem jeglichen, daß er seine Seele herum hole aus dem Verderben, und " ihn mit dem Licht der Lebendigen. Hiob 33, 30. HErr JEsu, du hast dich gegen mich als einen rechten Erlöser und Erretter bewiesen, daß du nicht nur meine Seele erhalten, sondern auch meinen Leib bewahret hat, da nur ein Schritt, ja, nur ein Haar mir zwischen Tod und Leben war. Ach, erlöse mich noch ferner von allem geistlichen und leiblichen Verderben. Erlöse mich von der Hand aller meiner Feinde. Erlöse mich 458 Sprüche und Seufzer zum Nachdenken derer, besonders von der Herrschaft der Sünde. Verleihe mir Gnade, daß ich ein Licht in dem HErm werden und als ein Kind des Lichtes wandeln möge. Laß mich dir dienen ohne Furcht mein Leben lang, in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die dir gefällig ist. Gib mir Kraft, Glauben und gutes Gewissen zu bewahren bis an mein Ende. Was noch hinterstelliger Zeit im Fleische ist, das laß mich leben nicht der Menschen Lüften, sondern deinem Willen, damit ich so ewiglich dein bleiben möge. Führ auch mein Herz und Sinn. Durch deinen Geist dahin, Daß ich mög alles meiden, Was mich und dich kann scheiden, Und ich an deinem Leibe. Ein Gliedmaß ewig bleibe. - Die Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Ehre Gottes. Joh. 11,4. Das habe ich erfahren, mein Heiland, daß auch an mir geschehen ist, was du ehedem von deinem kranken Freunde Lazarus gesagt hat. Meine überstandene Krankheit war nicht zum Tode, denn du hast mich recht herrlich von derselben befreiet. Dir gebührt dafür allein die Ehre! Laß denn auch meine Genesung allein zu deiner Verherrlichung gereichen. Gib mir ein neues Herz und einen neuen Sinn. Laß mich aller Orten verkündigen, was du Großes an mir welche krank gewesen und gesund geworden sind. 459 getan hat. Verleihe mir Kraft, dir allein zu Ehren zu leben und dich ohne Unterlaß an meinem Leibe und in meinem Geiste zu preisen. Ich will dich all mein Leben lang, O Gott, von nun an ehren; Man soll, o Gott, dein Lobgesang An allen Orten hören. Mein ganzes Herz ermuntre sich. Mein Geist und Leib erfreuen sich. Gebt unserm Gott die Ehre! Siehe zu, du bist gesund worden; sündige hinfort nicht mehr, daß dir nicht etwas Ärgeres widerfahre. Joh. 5, 14. Dieser Ermahnung, o HErr JEsu, laß mich allezeit eingedenk sein. Eine wohlverdiente Strafe meiner Sünden hast du von mir genommen, da du mich von meiner erduldeten Krankheit errettet hat. Es ist dir etwas Leichtes, mich noch härter heimzusuchen, wenn ich mich nicht bessere. Es kann mir leicht etwas Ärgeres widerfahren, wenn ich aufs neue in die Sünde willige und tue wider Gottes Gebot. Davor bewahre mich doch gnädiglich. Behüte mich, daß ich forthin nicht mehr vorsätzlich sündige, sondern vor dir wandle und fromm bleibe. Ach, erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Zucht, Ehr und Treu verleih mir, HErr, Und Lieb zu deinem Worte; Behüt mich, HErr, für falscher Lehr, Und gib mir hier und dorte, Was dient zu meiner Seligkeit; Wend ab all Ungerechtigkeit. In meinem ganzen Leben. 460 Sprüche und Seufzer zum Nachdenken derer, Es ist besser, einer sei arm, und dabei frisch und gesund, denn reich und ungesund. Gesund und frisch sein ist besser, denn Gold, und ein gesunder Leib ist besser, denn groß Gut. Es ist kein Reichtum zu vergleichen einem gesunden Leibe, und keine Freude des Herzens Freude gleich. Sir. 30, 14-16. Mein Gott, das hast du mich durch meine letzte Krankheit gelehret. Da habe ich erfahren, wie Gut und Geld, wie Wohlergehen und Glück so nichtig seien, und wie man das alles nicht brauchen könne, wenn man der Gesundheit entbehren muß, ja, daß man diese edle Gabe sich durch all sein Vermögen nicht schaffen könne. Dank sei dir gesagt für diese heilsame Lehre. Mache mich nun auch tüchtig, derselben zu folgen. Bewahre mich, daß ich das Irdische nicht lieb gewinne, oder es höher achte, als es zu achten ist. Stärke mich, die Gesundheit als eine teure Gabe recht hoch zu achten, sie mit allem Fleiß zu bewahren, und alles zu meiden, womit ich mich um dieselbe bringen könnte. O Gott, du frommer Gott, Du Brunnquell guter Gaben, Ohn den nichts ist, was ist, Von dem wir alles haben: Gesunden Leib gib mir Und daß in solchem Leib Ein unverletzte Seel. Und rein Gewissen bleib. Soll ich auf dieser Welt. Mein Leben höher bringen, Durchmanchen säuern Tritt Hindurch ins Alter dringen, So gib Geduld; vor Sünd. Und Schanden mich bewahr. Auf daß ich tragen mag Mit Ehren graues Haar. welche krank gewesen und gesund geworden sind. 461 Ich schwöre, und will's halten, daß ich die Rechte deiner Gerechtigkeit halten will. Ps. 119, 106. Oft habe ich in der vorigen Krankheit an die Besserung meines Lebens gedacht, oft habe ich dir, o Gott, dieselbe auch angelobt; nun erneuere ich meine Zusage. Erinnere mich selbst fleißig daran, daß ich nie vergesse, dir meine Gelübde zu bezahlen. Schenke mir dazu die Kraft deines Geistes. Mache durch ihn aus mir einen solchen Menschen, der hinfort in deinen Wegen wandele, deine Gebote halte, und damachtue. Recht und Gerechtigkeit laß mich behüten auf allen meinen Wegen. Züchtig, gerecht und gottselig laß mich leben in dieser Welt bis an mein Ende, damit ich so selbst erfahre, wie die Gottseligkeit sei zu allen Dingen nütze und die Verheißung habe diejes und des zukünftigen Lebens. Wie will ich mich doch künftighin. Allein darauf befleißen, Daß all mein Leben, Thun und Sinn Dir angenehm mögheißen! Der Bund, der in der Taufgemacht, Der dich mir hat zum Freund gebracht, Sei wiederum erneuert! Ich will dir jetzt mit Mund und Hand Die Treu aufs neu versprechen; Allein, weil dir doch wohlbekannt, Wiegar leicht ich kann brechen, So steh du meiner Schwachheit bei. Hilf, daß dein Freund ich allzeit sei, So wie du bist der meine. 462 Sprüche und Seufzer zum Nachdenken derer, Bleibe fromm, und halte dich recht; denn solchem wird's zuletzt wohl gehen. Ps. 37, 37. Lieber Vater in dem Himmel, diesen deinen treuen Zuruf laß mir immer im Herzen sein und vor meinen Ohren erschallen. Mache mich auch tüchtig, demselben mit aller Treue zu folgen. Mache mich recht fromm. Lehre mich tun nach deinem Wohlgefallen, dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Verleihe mir immer mehr Kraft, der Heiligung nachzujagen und deinen Willen zu vollbringen. Stärke mich, im Glauben, in der Liebe, in der Frömmigkeit immer mehr zu wachsen und zuzunehmen, und laß mir es dann wohl gehen, so lange ich noch lebe auf Erden. - Mein Gott, gib mir in deinem Lichte Mein großes Elend zu verstehn, Laß mich vor deinem Angesichte In wahrer Herzensdemut gehn; Ich bin ja nichts als Staub und Koth, Du bist der HErr, HErr Zebaoth. Drum laß mich immer vor dir wandeln, Ach, gib mir Kräfte, fromm zu sein, So kann ich immer heilig handeln, So trifft die Hoffnung richtig ein. Daß du mein Gott und Vater bist, Und mir ein Erb im Himmel ist. Siehe, selig ist der Mensch, den Gott strafet; darum weigere dich der Züchtigung des Allmächtigen nicht. Denn er verletzet, und verbindet; er zerschmeißet, und seine Hand heilet. Aus sechs Trübsalen wird er dich erretten, und in der siebenten wird dich kein Übel rühren. Hiob 5,17-19. welche krank gewesen und gesund geworden sind. 463 Wie wahrhaftig ist doch dein Wort, o mein Gott, denn mir ist es ebenso gegangen, wie dort geschrieben stehet, du hast mich verletzet und auch verbunden, du hast mich geschlagen und auch geheilet, du hast mich schon aus viel und mancherlei Trübsal errettet. Gelobet sei dafür dein heiliger Name. Vielleicht aber stehet mir bald wieder eine Trübsal bevor; das weißt du am besten. Nun, wenn sie kommen soll, so gib, daß ich recht willig und bereit dazu sei. Laß mich da auf dein Wort fest vertrauen. Laß mich da eingedenk sein, wie oft du schon herrlich geholfen. Laß auch da mein Vertrauen und meine Hoffnung kindlich auf dich sehen und so warten, bis du mir wieder hilft. Laß mich dann auch unter der Züchtigung schmecken und sehen, wie gut du es mit mir meinet, und wie denen, die dich lieben, alle Dinge zum Besten dienen. O, laß mich dies im Glauben fassen. Und mich mit starker Zuversicht. Auf deine Bundestreu verlassen, Wenn alles wankt, so wankt sie nicht; Mit Reu und Demut juch ich dich. Gib mir den Trost: Gott ist für mich. Lobsingend will ich dich erheben, Mich ewig deiner Gnade freun. Und deinem Dienst mein ganzes Leben, ln kindlichem Gehorsam weihn; Daß, HErr, bei dir stets Gnade sei, Das mach in deiner Furcht mich treu. 464 Sprüche und Seufzer. Also auch ihr, haltet euch dafür, daß ihr der Sünde gestorben seid, und lebet Gotte in Christo JEsu, unserm HErrn. Röm. 6,11. Mein Gott, du hast mir mein Leben gefristet und es mir aufs neue geschenket. Dir gehört es daher auch allein an. Grwecke mich stets, es dir auch allein zu widmen. Laß mich der Sünde täglich absterben und der Gerechtigkeit leben. Laß mich dir zu Ehren leben, und all mein Thun und Lassen nach deinem Willen einrichten. Laß mich in Christo JEsu, meinem HErm, dir immer angenehm sein. Erneuere mich noch immer durch deine Gnade, und mache mich zu einem Opfer, das da lebendig, heilig und dir gefällig sei. Erhalte mich auch so in deiner Gemeinschaft bis an mein Ende, damit mich nichts wieder aus deiner Hand reißen möge. Dies wirke, Gott, dein Geist in mir, Ich habe kein Vermögen, Die Sünd und alles, Gott, was dir Verhaßt ist, abzulegen; Hier ist mein Herz, nimm mich ganz hin, Und gib mir einen neuen Sinn, Damit ich dir gefalle. So werd ich, der ich finster war, Ein Licht in deinem Lichte; Besteh einst mit der kleinen Schaar. Der Frommen im Gerichte; Frohlocke dann, und lobe dich, Daß deine Gnad und Treue mich Gerecht und selig machte. 465 Vierter Abschnitt. Zum Gebrauch der Sterbenden und derer, welche um dieselben sind. Der Sterbende stellet sich vor das göttliche Gericht. Aufmunterung. Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richtstuhl Christi, auf daß ein jeglicher empfahe, nachdem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei gut oder böse. 2 Cor. 5, 10. So wir uns selber richten, so werden wir nicht gerichtet, ist Pauli Ermahnung 1 Cor. 11,31.; und freilich, wenn der Mensch selbst sein Leben untersuchet, sich verklaget, um JEsu willen um Gnade bittet, so wird ihn Gott nicht richten und verdammen, sondern ihm gnädig sein; denn wer eine Missetat bekennet und lästet, der wird Barmherzigkeit erlangen. Dieses nun soll auch ein Sterbender tun; er soll bedenken: 1) er muß einmal vor das Gericht, denn dem Menschen ist gesetzt, einmal zu sterben, und hernach das Gericht; dieses geschiehet nun gleich nach dem Tode, da muß die Seele alsobald vor Gott erscheinen. Hat nun der Mensch, dieweil er auf der Welt gewesen, geglaubet und fromm gelebet, so kommt er nicht ins Gericht, sondern weil die Sünden auf Erden um des Blutes JEsu willen vergeben sind, so wird ihrer im Himmel auch nicht mehr gedacht werden, sondern sie werden vergeben bleiben. Ein Gottloser aber muß ins Gericht, weil er ohne die Versöhnung mit Gott gestorben ist. Der halben tut ein Sterbender 2) wohl, wenn er sich bei Zeiten mit Gott versöhnet, Gott um des Blutes 466 Der Sterbende stellet sich vor das göttliche Gericht. JEsu willen um Vergebung bittet, und also Gnade erlanget; so ist er versichert, er sterbe, wann und wie Gott will, schleunig oder langsam, so wird Gott seine Seele zu Gnaden aufnehmen, und am jüngsten Gerichte wird er als ein um JEsu Blutes willen Gerechter in die ewige Freude eingehen. - Gebet. Ich weiß, mein Gott, daß dem Menschen gejetzt ist, einmal zu sterben, darnach das Gericht; deswegen stelle ich mich jetzt vor dein Gericht, dieweil ich lebe, und will mich mit dir versöhnen, ehe ich sterbe. O gerechter Gott, weil ich nicht weiß, wie lange es noch dahin ist, daß ich von der Welt soll abscheiden, siehe, so komme ich allhier vor dein Gericht und klage mich selbst an. Ach, ich erkenne, daß ich ein großer Sünder bin; ich habe alle deine heiligen Gebote, und auch oftmals wissentlich, übertreten, ich habe dich nicht geliebet von ganzem Herzen, van ganzer Seele und von allen Kräften, ich bin nicht den Fußtapfen meines JEsu allezeit nachgefolget, noch habe ich mich von dem Heiligen Geist stets führen lassen, wie ich billig hätte tun sollen. Ich denke daran, daß ich dein Kind bin in der heiligen Taufe geworden, aber daß ich nicht allemal wie ein Kind Gottes gelebet, daß ich in der Beichte und bei dem Genuß des heiligen Abendmahls dir viel versprochen, aber wenig gehalten, und mich Der Sterbende stellet sich vor das göttliche Gericht. 467 wiederum der Welt gleichgestellet habe. HErr, ich hab nicht recht gehandelt, ja, mich drückt der Sünden Last, ich bin nicht den Weg gewandelt, den du mir gezeiget hat; meine Sünden gehen über mein Haupt, und wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden. Ognädiger Gott, der du verheißen hast, du wollest nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe: siehe, ich komme jetzt, da mein Verstand noch vollkommen ist, ich mich auch noch wohl befinnen kann, und will Frieden mit dir machen. Ach, ich bereue meine Sünden, falle vor deinem Richterstuhl nieder und spreche: HErr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über mich! HErr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich! HErr Gott Heiliger Geist, erbarme dich über mich! Ich fliehe, o Vater, zu deiner großen Barmherzigkeit und spreche: Ich habe gesiindiget vor dir, ich bin nicht wert, daß ich dein Kind heiße; aber ach, sei deinem Kinde gnädig, und verstoße mich um meiner Übertretung willen nicht. Ich fliehe zu dir, o JEsu, mein Fürsprecher, ach, bitte für mich armen Sünder jetzt und in der Stunde meines Todes. Denn ob jemand sündiget, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, JEsum Christum, der gerecht ist; der ist die Versöhnung für unsere Sünden, nicht 468 Der Sterbende stellet sich vor das göttliche Gericht. allein für unsere, sondern auch für der ganzen Welt Sünden; ach, um deines Blutes willen verzeihe mir meine Missetaten, um deiner heiligen Wunden willen laß mich vor dem strengen Gericht Gnade finden. Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilgemeine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. O du werter Heiliger Geist, zu dir fliehe ich, ach, schaffe ein neues Herz in mir, gib mir das Zeugnis, daß ich ein Kind Gottes und bei Gott in Gnaden sei. Ja, wirke in mir eine wahre Buße, einen lebendigen Glauben und heiligen Vorsatz, dir allein zu Ehren zu leben und zu sterben in kindlichem Gehorsam. Ach, wirke in mir heilige Gedanken, andächtige Seufzer, liebliche Todesbetrachtungen; verleihe mir eine erquickende Betrachtung des Himmels ... und der künftigen Herrlichkeit. Laß mich den Trost im Herzen empfinden: Sei getrost, mein Sohn, dir sind deine Sünden vergeben. Alsdann fürchte ich mich nicht, zu sterben, weil ich weiß, daß die hier vergebenen Sünden auch im Himmel vergeben sind. O du heilige Dreieinigkeit, erbarme dich über mich, laß mich bei meinem Abschied aus der Welt bei dir Gnade finden, und rechne mir nicht zu, was ich jemals unrecht getan, sondern erbarme dich meiner nach deiner Liebe. Der Sterbende stellet sich vor das göttliche Gericht. 469 Mein JEu! Wenn ich vor Gericht soll treten, Da man nicht entfliehen kann, Ach, so wollest du mich retten Und dich meiner nehmen an; Du allein, HErr, kannst es wehren, Daß ich nicht den Fluch darf hören: Ihr, zu ' linken Hand, Seid von mir noch nie erkannt. MIPIM, Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ihr Todten, stehet auf! So wird die Stimme klingen, Die uns am jüngsten Tag Kann aus den Gräbern bringen. Wie dieser Stimme Schall. Der Frommen : ergötzt, So wird der bösen Rott Dadurch in Furcht gesetzt. 2. Ihr Todten, stehet auf! Ihr habt nun ausgeschlafen; Ihr Frommen, kommt herbei. Und stellt euch zu den Schafen; Geliebte, gehet ein. Zur Freud und Herrlichkeit, Euch ist das weiße Kleid, Die Ehrenkron bereit. 3. Ihr Todten, stehet auf! Eilt, gehet aus der Erden; Ihr Bösen, ihr sollt jetzt Zur Höll gestoßen werden; Ihr habt nicht fromm gelebt, Geht zu der Höllenpein, Es soll der Ort der Qual. Nun eure Wohnung sein. 4. Ihr Todten, stehet auf! Seht, hier sind eure Glieder, Haut, Augen, Füß und Händ, Die nehmet jetzo wieder; Womit ihr Gott gedient, Dem ist die Herrlichkeit, Womit ihr Sünd getan, Dem ist die Strafbereit. 5. Ihr Todten, stehet auf! Euch, Fromme, soll umgeben. Ein heller Sonnenglanz, Ihr sollt nun ewig leben; Die Seele kehre sich Nun ihrem Leibe zu Und hab, mit ihm verknüpft, Vergnügte Himmelsruh. 6. Ihr Todten, stehet auf! Ach, möcht dies Worterschallen, ln aller Sünder Herz, So würden sie nicht fallen In schwere Missetat; Denn wem das Herz nun bricht Und liebet JEsum nicht, Der kommet ins Gericht. 7. Ihr Todten, stehet auf! Das soll mich nicht erschrecken. Die Stimme wird den Leib Zum Leben 470 Der Sterbende verzeihet und bittet um Verzeihung. auferwecken; Ich werde schön verklärt. Zum Freudenreich eingehn Und, HErr, dein Angesicht. Mit allen Frommen sehn. 8. Im Glauben will ich dir, O Seelenfreund, anhangen, Durch deines Geistes Gnad Recht fromm zu sein anfangen, Damit, wenn auf dein Wort. Die Todten auferstehn, Ich mög von dir verklärt. Zur Seligkeit eingehn. Der Sterbende verzeihet und bittet um Verzeihung. Aufmunterung. So ihr den Menschen ihre Fehle vergebet, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wo ihr aber den Menschen ihre Fehle nicht vergebet, so wird euch euer Vater eure Fehle auch nicht vergeben. Matth. 6, 14. 15. Zu der wahren Vorbereitung zu einem seligen Sterben gehöret auch die Versöhnung mit dem Nächsten; diese Versöhnung nun soll ein Sterbender nicht lange aufschieben, sondern sie in Zeiten, da sein Verstand noch vollkommen ist, vornehmen. Es soll sich aber ein Sterbender 1) erinnern, wenn ihm von andern Leuten ist viel zuwider getan worden, daß er keinen Groll gegen seine Feinde und Beleidiger mit ins Grab nehme, sondern es ihnen von Herzen verzeihe, und, so es möglich, mit Wohltaten oder durch gute Freunde ihnen kund tue, daß er ihnen verziehen habe. Wenn er aber 2) andern Leuten Verdruß angetan und sie beleidiget hat, so soll er nicht eher ruhen, bis er sich mit ihnen versöhnet, ja, er soll sich nicht schämen, sie vor ein Sterbebette kommen zu lassen, und sie mit Herz, Mund und Hand um Verzeihung zu bitten, oder wenn sie abwesend sind, es ihnen schriftlich abzubitten, oder wenn sie todt sind, Gott um Verzeihung deswegen anzuflehen. Hierbei soll man auch das Gestohlene und Entwendete, auch das dem Nächsten mit Unrecht Entriffene ihm oder seinen Erben wiedergeben, weil die Sünde nicht kann vergeben werden, wenn man das Der Sterbende verzeihet und bittet um Verzeihung. 47 1 Entwendete und Gestohlene, oder den Werth desselben nicht erstatten will. Zu solcher Versöhnung soll 3) einen Sterbenden antreiben sowohl die christliche Schuldigkeit, als auch der göttliche Befehl und die Bedrohung, Matth. 6,8, und er soll wissen, daß er, wenn er nicht verzeihen will bei Gott auch nimmermehr Gnade erlangen werde. Wie du mit deinem Feinde umgehet, so wird Gott mit dir umgehen. Mein Gott, ich lebe, und weiß nicht, wie lange; ich muß sterben, und weiß nicht, wann; darum will ich mich in Zeiten mit meinem Nächsten versöhnen, damit ich mit einem versöhnten Herzen von der Welt abscheiden möge. Der Himmel wird genennet das Haus des Friedens, in welches keine unversöhnlichen, rachgierigen und mit Zorn und Haß angefüllten Seelen eingelassen, sondern wovon sie zurückgestoßen werden; darum will ich mein Herz von allem Zorn und von aller Feindschaft reinigen, ich will gern verzeihen und um Verzeihung bitten, damit mich Gott, um JEsu willen, als einen Versöhnlichen zu Gnaden aufnehme. Ach, ich bin noch auf dem Wege zur Ewigkeit, darum will ich alle Feindschaft ablegen, in der gewissen Zuversicht, wie ich von Herzen verzeihe, also wirst auch du mir verzeihen. Darum verzeihe ich hiermit, und von Grund meiner Seele, allen meinen Feinden, 472 Der Sterbende verzeihet und bittet um Verzeihung. Widerwärtigen und allen denen, die mich jemals mit Worten, Werken oder Geberden beleidiget haben; ich verzeihe und vergebe es ihnen, nicht allein mit dem Munde, sondern auch vor Gottes Angesicht und von Herzen; ich will nun und nimmermehr wieder daran denken, ich will es vergessen, und zur Versicherung meiner Versöhnung ihnen alles Gute wünschen, und Gutes tun, wo und wann ich nur kann; ja, ich bitte Gott, er wolle sie segnen, und es ihnen und ihren Kindern lassen Wohlergehen, zeitlich und ewiglich. Wie ich nun von Herzen verzeihe und verziehen habe allen, die mich jemals erzürnet, oder mir etwas zuwider, zum Schaden oder zum Verdruß getan haben: also bitte ich auch hiermit um Verzeihung alle diejenigen, denen ich jemals zu nahe geredet, denen ich etwas zuwider getan, oder Schaden und Verdruß zugefliget habe; ach, verzeihet es mir, ihr lieben Freunde, um der Liebe JEsu willen, traget keinen Haß wider mich, ich erkenne, daß ich euch zu viel getan habe, ich bitte euch hiermit um Verzeihung von Herzen, mit Hand und Mund, und wollte Gott, ich könnte euch hier vor meinem Sterbebette alle sehen, so wollte ich es euch auch gegenwärtig abbitten. Ja, du barmherziger Gott, verzeihe mir aus Gnaden, was ich Zeit meines Lebens meinem Nächsten, Der Sterbende verzeihet und bittet um Verzeihung. 473 er sei, wer er wolle, aus Bosheit oder Schwachheit, wissentlich oder unwissentlich habe zu Leid getan; ach, vergib es mir um deiner Barmherzigkeit willen. Hiermit lege ich alle Feindschaft aus meinem Herzen nieder. Ich will mich nicht rächen und nicht mehr an das erlittene Unrecht denken. Ach, gedenke nicht meiner Sünden und Missetat. Ach, mein himmlischer Vater, erbarme dich über mich. O mein JEsu, wasche mich von Sünden rein und bitte für mich. O du Heiliger Geist, heilige mein Herz, und reinige es von aller Untugend. So sterbe ich fröhlich, so sterbe ich selig. Verleih, daß ich aus Herzensgrund. Mein Feinden mög vergeben, Verzeih mir auch zu dieser Stund, Schaff mir ein neues Leben. Dein Wort mein Speis laß allweg sein, Damit mein Seel zu nähren. Mich zu wehren, ' Unglück geht daher, Das mich bald möcht verkehren. MIPIM, Gesang. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 1. Ich will jedermann verzeihen, Der da mich beleidigt hat; Ach Gott, laß mir angedeihen. Diese unverdiente Gnad, Daß ich, dein versöhntes Kind, Bei dir neue Gnade find; Ich verzeih von Herzensgründe, Und versprech es mit dem Munde. 2. Mein Verlangen und mein Sehnen Ist, mein Vater, dies allein, Daß ich mög mit allen denen Völlig ausgesöhnet sein. Die mir sind von Herzen feind, Ich hingegen bleib ihr Freund; Wüßten sie doch, wie's mich kränke, Wenn ich an mein Unrecht denke. 474 Der Sterbende nimmt Abschied 3. Ach, verzeiht mir, liebsten Freunde, Wenn ich euch erzürnet hab, Bleibet doch nicht meine Feinde; Seht, ich schicke mich zum Grab; Ach, hab ich mit Werk und Wort Euch betrübet da und dort, Ach, das wollen wir aufheben, Ach, ihr wollet's mir vergeben. - 4. Ich will nicht mehr daran denken. Was ihr wider mich getan. Laßt es uns einander schenken. Nehmet meine Abbitt an; Denkt, ach, denket nimmer nicht, Was ich Böses angericht’t; Alles sei hiermit verziehen, Laßt uns alle Feindschaft fliehen. 5. Großer Gott, da dies geschehen, Komm ich nun versöhnt zu dir. Ach, laß mich dein Antlitz sehen. Großer Gott, verzeih auch mir; Nimmweg meine Sündenschuld, Schenk mir deine Lieb und Huld, Laß mir keine Feindschaft schaden, Nimm mich Sünder an in Gnaden. 6. Nun ist meine Seele stille, Dieweil ich versöhnet bin. Es geschehe Gottes Wille, Dem geb ich mich gänzlich hin; Fried mit Menschen, Fried mit Gott, Das verjüßt die Todesnoth, Also kann man selig sterben. Und entgehen dem Verderben. Der Sterbende nimmt Abschied und gibt den Seinigen den Segen. Aufmunterung. Nun, lieben Brüder, ich befehle euch Gott, und dem Wort seiner Gnade, der da mächtig ist, euch zu erbauen und zu geben das Erbe unter allen, die geheiliget werden. Apost. 20, 32. Daß Sterbende vor ihrem Tode von ihren Angehörigen und Freunden Abschied nehmen und ihren Kindern, wenn sie deren haben, den Segen geben, ist in der heiligen Schrift eine gar bekannte Sache, wie wir solches an Mose, Isaak, Jakob, Tobia, Christo JEsu und Andern klar sehen. Solcher Segen nun 1) ist nicht vergebens, denn weil es ein Abschiedsgebet ist, so der Sterbende für die Seinen thut, so wird es auch, wenn es aus dem und gibt den Seinigen den Segen. 475 Glauben kommt und im Namen Christi geschiehet, nicht unerhöret bleiben. 2) Die letzten Worte des Sterbenden pflegen bei den Hinterbliebenen nicht ohne Nachdruck zu sein, daher eine Vermahnung eines sterbenden Vaters, einer abscheidenden Mutter, oder eines Freundes nicht so bald vergessen wird, sondern als ein Stachel in dem Gemüt hängen bleibet. Wie es löblich ist, wenn ein Sterbender mit Beten, Segnen und Gutes-Wiinschen von der Welt Abschied nimmt, so soll er sich 3) auch hüten, daß er niemandem Böses wünsche, weil das eine Art von Rache sein würde, welche keinem Christen geziemet. Kinder sollen 4) ermahnet sein, daß sie die Eltern bei gesunden Tagen nicht betrüben, ihnen kein Herzeleid machen, und dadurch verursachen, daß die Eltern ihnen eben keinen Segen hinterlassen können. Durch der Eltern Fluch wird oft der bösen Kinder Glück im Unglück verwandelt. Fromme christliche Eltern aber geben auch ihren bösen Kindern lieber den Segen als den Fluch. Gebet. Ewiger, gütiger und großer Gott, ich weiß nicht, wie nahe meines Lebens Ende etwa ein möchte, und wann du über mich gebieten und mich von der Welt abfordem werdet; darum will ich mich in Zeiten zu meinem Sterben schicken, sonderlich aber auch mit Beten und Singen mich zu dir wenden, als welches mich in meiner Schwachheit am meisten ergötzen und stärken kann. Denn wenn ich in Nöten bet und sing, so wird mein Herz recht guter Ding, denn Gottes Geist bezeugt dabei, daß dies des Lebens Vorschmack sei. So will ich mich denn auch zu dem künftigen Leben 476 Der Sterbende nimmt Abschied bereiten, und alles noch besorgen, was ich in diejem Leben zu besorgen habe. Ich nehme demnach Abschied von allen meinen Verwandten, Bekannten, Wohltätern und Freunden; ich befehle sie dir, o großer Gott, in deinen Schutz, in deine Liebe und Gnade; tue ihnen Gutes für die mir erzeigte Liebe und Guttaten, und da ich ihnen nicht alles vergelten kann, so wollest du an meiner Statt hinfort ihr reicher Vergelter sein. Ich verlasse meine Freunde, Verwandten und Bekannten, aber du, o großer Gott, wollest sie nicht verlassen; erhalte sie in deiner Furcht, im Glauben und in der Frömmigkeit, damit wir einander im ewigen Leben wieder sehen mögen. Ich gehe den Weg aller Welt, ich gehe voran, aber im Himmel werden die Gläubigen und Kinder Gottes wieder Zusammenkommen. Diejenigen aber, o treuer Gott, die ich hinterlasse, und welchen mein Abschied von der Welt wird betrübt und schmerzlich sein, die überschütte mit deinem reichen Segen. Der HErr segne euch, ihr meine geliebten Angehörigen, er segne euch an Leib und Seele, er sei hinfort euer Vater, Versorger und Pfleger, er nehme euch in seinen Schutz, er beschere euch nach seiner väterlichen Gnade ein gesegnetes Auskommen, und bewahre euch vor allem Übel. Nun fürchtet hinfort Gott, und seid fromm, und gibt den Seinigen den Segen. 477 jetzet euer Vertrauen auf ihn, und wisset, er wird sich über euch erbarmen und euch gnädig eiiir Wendet euch nicht von ihm ab durch Unglauben, Bosheit und unchristlichen Wandel, sondern seid ihm treu bis in den Tod, so wird er euch die Krone des Lebens geben. Lasset nicht von Gott, so wird er euch auch nicht verlassen. Ehret, dienet, liebet und gehorchet ihm. Ja, der Gott aller Gnaden und Barmherzigkeit segne euren Ausgang und Eingang, daß ihr sein und bleiben möget die Gesegneten des HErrn. O großer Gott, ich habe sie gesegnet, laß sie auch gesegnet bleiben. Und hiermit lege ich mich in deine Arme, odreieiniger Gott, nimm meine Seele hin, nimm sie auf in die ewige Freude. Ich begehre aufgelöset und bei Christo zu sein. HErr JEsu, dir lebe ich, dir sterbe ich, dein bin ich todt und lebendig. All, die ich hinterlaß, versorge, schütz und liebe, Und gib, daß mich im Tod nichts hindre noch betrübe; Erhalt mich bei Verstand und einem frischen Muth, Daß mitten im Gebet ich sterb auf JEsu Blut. Ich weiß, durchs Lammes Blut werd ich schon überwinden. Und einen gnädgen Gott im Tod und Leben finden; Ich halte mich an Gott und meines JEsu Blut, Ich weiß, Gott macht es schon mit meinem Ende gut. Amen. Gesang. Mel.: Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1. Mein Stiindlein nahet sich herzu, Daß ich von hier soll scheiden, Um hinzugehn zu meiner Ruh Nach vielem 478 Der Sterbende nimmt Abschied und gibt den Seinigen den Segen. Schmerz und Leiden; Ich schicke mich zu meinem Tod, Und sehne mich nach meinem Gott, Der wird mich ewig weiden. 2. Ach Gott, es ist mir herzlich leid, Daß ich die Welt geliebet, Und lang gesucht die Eitelkeit, Und dadurch dich betrübet; Ach, tilge meiner Sünden Heer, Gedenk derselben nimmermehr. Und was ich ausgeübet. 3. Ich eigne mir zu JEsum Christ, Sein Blut, Verdienst und Wunden, Der meiner Seele Zuflucht ist, Mit dem bleib ich verbunden; O JEsu, JEsu, ich bin dein, Ach, laß mich auch dein eigen sein. In meinen Todesstunden. 4. Darum bestell ich nun mein Haus, Das will ich Gott empfehlen, Ich teil hiermit den Segen aus, Vom Grunde meiner Seelen; Gott woll den Meinigen beistehn. Er laß es ihnen wohlergehn. Und nie an Hülfe fehlen. 5. Also will ich zu meinem Gott Mein Herz und Geist erheben, Ich fürchte mich nicht vor dem Tod, Denn JEsus ist mein Leben; Sieh, ich bin hier, ach, nimm mich hin, Weil ich mit dir versöhnet bin, Dir will ich mich ergeben. 6. Die Erde wird schon meinen Leib. In sanfter Ruhe decken, Woelbsten er verwahret bleibt. Bis ihn Gott wird erwecken; Ihr Schmerzen, Krankheit, eure Macht Kann, wenn ich bin zu Grab gebracht. Mich auch nicht mehr erschrecken. 7. Und meine Seel empfehl ich dir In deine tiefen Wunden, O JEsu, JEsu, bleib bei mir. In meinen Todesstunden; OIEu, ach, verlaß mich nicht, Bis daß ich hab dein Angesicht. Nach meinem Wunsch gefunden. 8. Im Glauben und in Frömmigkeit Will ich mit Freuden sterben, Und so das schöne Feierkleid. Durch JEsum Christum erben; Ich leb und sterb auch als ein Christ, Der da bei Gott in Gnaden ist, Und werde nicht verderben. 9. Und hiermit schlafe ich sanft ein, Wenn sich mein Der Sterbende befiehlt sich Gott. 479 Leben endet, Mein JEsus wird auch bei mir ein, Der sich schon zu mir wendet. Fahr hin, mein Geist, zu deinem Gott, Fahr hin zur Freude nach der Noth, Mein Lauf ist nun vollendet. Der Sterbende befiehlt sich Gott. . Aufmunterung. In deine Hände befehl ich meinen Geist; du hast mich erlöset, HErr, du treuer Gott. Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände. Ps. 31, 6. Luc. 23, 46. Es haben Sterbende oftmals vor ihrem Tode noch vielerlei zu befehlen und anzuordnen. Sie wollen ihr Haus bestellen, und vergessen darüber das Beste, nämlich ihre Seele. Das aber ist von ihnen sehr unweislich und ungerecht gehandelt. Vielmehr soll 1) ein jeder rechtschaffene Christ täglich, wenn er sich des Abends schlafen leget, oder am Morgen aufstehet, seine Seele gerät dem Leib in Gottes Schutz befehlen, und das billig, weil er nicht weiß, was Gott am Tage oder in der Nacht über ihn gebieten werde. Thun aber das fromme Christen täglich, so sollen es auch 2) Sterbende tun. Sie haben vor sich das Exempel ihres Heilandes; als der sterben wollte, da sprach er: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände. So machte es Stephanus, als er unter dem Steinigen seufzete: HErr IEu, nimm meinen Geist auf. Diese Sorge ist Gott angenehm, dadurch leget der Mensch seinen Glauben und sein Vertrauen zu Gott an den Tag. Dieses aber ist auch 3) höchst nötig; man siehet an Sterbenden so vielerlei Veränderungen und Zufälle; o, wie wohl ist' s dann getan, wenn man bei gutem Verstände Gott seine Seele anbefiehlet, und das Beste in gute Verwahrung bringet, im Übrigen aber sich Gottes Willen zu leben und zu sterben überläßt. Ist so alles bestellt, so stirbt man selig. 480 Der Sterbende befiehlt sich Gott. Gebet. Barmherziger und liebreicher Gott, der du die Menschen lässest sterben, und spricht: Kommt wieder, ihr Menschenkinder, der du deine Geliebten durch den Tod zu dir ziehet, und sie der Herrlichkeit teilhaftig machet, die uns JEsus mit seinem bittem. Leiden und Sterben erworben hat; ich sehe, daß meine Schwachheit eine laut redende Stimme wird, die mir zurufet: Bestelle dein Haus, denn du mußt sterben; mache dich bereit, dem Bräutigam entgegen zu gehen, halte deine Glaubenslampe immer brennend. Weil ich nun nicht weiß, wann mein Stündlein sich wird herbei nahen, so will ich mich dir in Zeiten ergeben, und meine Seele mit allen ihren Kräften dir anbefehlen. Laß mein Herz von allen . . . weltlichen Dingen leer stehen, treibe hinaus alle weltlichen, sündlichen und bösen Gedanken, daß ich mich allein an dir ergötze, in dir mich erfreue, von dir rede, deine Herrlichkeit mir vorstelle, und die Freude der Auserwählten, die auch meiner wartet, unaufhörlich betrachte. Erfülle mein Herz mit deinem Heiligen Geist, damit er gute Bewegungen in mir wirke. Hilf, daß ich im Gedächtnis behalte JEsum Christum, sein vergossenes Blut und seinen Tod mir allezeit vor Augen stellend. Wenn nun die Todesstunde Der Sterbende befiehlt sich Gott. 48 1 herbei kommt, so bewahre mich, wenn es dein heiliger Wille ist, vor Anfechtungen, vor schweren Gedanken, vor großen Schmerzen und vor unanständigen Geberden. Laß mir meinen guten Verstand bis an mein Ende, bis mir der Odem ausgehet, auf daß mein Herz, Mund und Geist von dir singe, rede und bete; und so mir ja die Sprache entfallen sollte, daß ich in meinem Herzen deine Lieblichkeit genießen und deine allerheiligste Gegenwart empfinden möge. Gib mir durch deine Gnade. Freudigkeit im Sterben, laß mich alsdann einen Blick tun in die frohe Seligkeit, gib mir in der Todesstunde etliche Tropfen zu schmecken von den himmlischen Süßigkeiten, damit ich voll Freuden und Trost möge von hinnen scheiden. Ich befehle dir meine Seele, wenn sie den Leib verlasset, ach, nimm sie alsdann in deine Hände. Vater, in deine Hände befehle ich meine Seele, ja, HErr JEsu, nimm meinen Geist auf. Bedecke sie mit deiner vollkommenen Gerechtigkeit, und führe sie zur Himmelsfreude ein, wie eine Braut zur Hochzeitsfreude, wie ein Kind zum Erbe, bis sie an dem lieben jüngsten Tage wiederum wird mit dem Leibe vereinigt werden. Ja, ich befehle dir auch meinen Leib in der kühlen Erde; verleihe demselben eine sanfte Ruhe, bis die letzte Posaune 482 Der Sterbende befiehlt sich Gott. erklingen und rufen wird: Stehet auf, ihr Todten, und kommet vor Gericht, und laß mich dann um JEsu willen zum Leben fröhlich und selig auferstehen. Soll ich einmal nach deinem Rat Von dieser Welt abscheiden, Verleih mir, o HErr, deine Gnad, Daß es gescheh mit Freuden; Mein Leib und Seel befehl ich dir, OHErr, ein selig End gib mir Durch JEsum Christum, Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mein Gott, ich habe noch das Leben, Das deine Hand verliehen hat, Das will ich dir jetzt wieder geben, Doch bittlich noch um diese Gnad: Wann nun mein letztes End anbricht, Alsdann, mein Gott, verlaß mich nicht. 2. Ich lebe noch und kann noch beten, Drum bet ich auch und komm zu dir; Wirst du im Sterben zu mir treten, So ist mir wohl, so gnüget mir, Und wann der Tod am Herzen sticht, Alsdann, mein Gott, verlaß mich nicht. 3. Wann meine Todesstund erscheinet, Ich werde nach und nach gar blaß. Wann jeder bei mir klagt und weinet, Ich lieg im Todesschweiße naß, Wann sich entfärbet mein Gesicht, Alsdann, mein Gott, verlaß mich nicht. 4. Wann mein Verstand sich wird verlieren, Daß ich nicht mehr weiß, wo ich bin, So laß mich deinen Geist regieren. Damit ich JEsum hab im Sinn; Und so mich meine Sündanficht, Alsdann, mein Gott, verlaß mich nicht. 5. Wann sich die blassen Lippen schließen, Daß man kein Wort mehr von mir hört, Solaß mir diesen Trost zufließen: Ich geb dir, was du hast begehrt; Wann meine Zunge nicht mehr spricht, Alsdann, mein Gott, verlaß mich nicht. 6. Wann das Gesicht mir wird vergehen. Zuletzt in meiner Sterbenszeit, So laß mich dich im Glanze sehen Und zeig mir deine Herrlichkeit; Auch wann verlieht mein Augenlicht, Alsdann, mein Gott, verlaß mich nicht. Der Sterbende stellet eine Himmelsbetrachtung an. 483 7. Kann ich nun weder sehn noch hören, Man rufe mir zu noch so sehr, So laß, HErr, deinen Geist mich lehren, Und stärk den Glauben mehr und mehr; Ja, wann ich nun soll vors Gericht, Alsdann, mein Gott, verlaß mich nicht. 8. Und lieg ich dann auch ganz erstarret. So laß mich dir empfohlen sein, Und wann man auf mein Ende harret, So laß mich selig schlafen ein; Wann dieses alles nun geschieht, Alsdann, mein Gott, verlaß mich nicht. 9. Bin ich im Glauben abgeschieden. Und mit dem Todtenkleid umhüllt, So laß die Seele gehn in Frieden Dahin, wo mich nur Freud erfüllt; Da laß mich sehn dein Angesicht Im hellsten Glanz und schönsten Licht. 10. Liegt der entseelte Leib begraben, So schau im Grabe auch auf mich, Laß mich die sanfte Ruhe haben; Hab ich nur, schönster JEsu, dich, Dann bleibt der Leib mit Erd bedeckt, Bis deine Hand ihn auferweckt. 1 1 . Ja, laß mich fröhlich auferstehen. An jenem Tag aus meinem Grab, Laß mich den Leib verkläret sehen. Den ich allhier getragen hab; Auf daß ich ganz mit Seel und Leib Dein Eigentum auf ewig bleib. Der Sterbende stellet eine Himmelsbetrachtung an. Aufmunterung. Stephanus aber voll Heiliges Geistes jähe auf gen Himmel, und jähe die Herrlichkeit Gottes, und JEsum stehen zur Rechten Gottes, und sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen, und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen. Apost. 7, 55. Nichts Süßeres und Angenehmeres kann einer gläubigen Seele sein, als an Gott und den Himmel denken. Im Himmel ist ihre Wohnung, ihr Vaterland, ihr Trost, ihr Erbe, ihre Krone, ihre Herrlichkeit, ihr Verlangen, ihre Freude. Ihr Leib ist auf Erden, ihre Seele bei Gott, ihre Arbeit auf Erden, ihre Gedanken im Himmel. Soll es also sein mit einem Gläubigen, wie viel mehr mit 484 Der Sterbende stellet eine Himmelsbetrachtung an. einem Sterbenden? Bei den Sterbenden finden sich allerlei traurige Dinge ein: die finstre Erde, der Abschied von den Ihrigen, der Umstehenden Tränen, die letzte Todesangst und dergleichen. Allein dies alles kann versüßet werden, wenn der Sterbende sein Herz schickt dahinein, wo er ewig wünscht zu sein. 1 ) Der finstern Erde soll er entgegensetzen die Herrlichkeit des Himmels, wo alles wird mit Licht erfüllet sein. 2) Thut der Abschied wehe, so soll er denken an die Cherubinen, Seraphinen, heiligen Engel und Auserwählten im Himmel, bei welchen und um welche er in Ewigkeit sein wird. 3) Siehet er die Seinigen weinen, so soll er sich erinnern der ewigen Freude, Wonne und Glückseligkeit, die auf ihn in dem ewigen Leben wartet, wo selbst kein Ach und Weh und keine Tränen mehr sein werden. Ja, 4) die Todesnot soll ihm keinen Schrecken bringen, weil er in den Armen JEsu und in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes stirbt. Wer also Himmelsgedanken hat, sich die Krone, das weiße Kleid und die Herrlichkeit des Himmels vorstellet, dem wird sein Sterbebette zum Paradies werden. O du gnädiger Gott, wie groß ist deine Liebe und Gnade gegen uns Menschen! Nicht allein thust du uns Gutes, du hilft uns, erhöret uns, erbarmest dich über uns, überschüttet uns mit vielen Wohltaten, dieweil wir leben, sondern hat uns auch viele und herrliche Güter in dem Himmel aufgehoben; denn im Himmel sollen wir haben, o Gott, wie große Gaben. Deshalb stelle ich mir schon im Glauben vor deine große Majetät und Herrlichkeit, den Glanz, darin du wohnet, wie so viel tausend Seraphinen, alle Engel Der Sterbende stellet eine Himmelsbetrachtung an. - 485 und Auserwählte, nämlich alle Frommen, die jemals auf Erden gelebet haben, vor deinem Thron stehen, dich loben und preisen, und das Heilig, Heilig, Heilig dir zu Ehren anstimmen. Ja, ich stelle mir vor, wie ich auch bald werde unter ihnen stehen, wenn ich nun sanft und selig gestorben bin. Ich erinnere mich, wie ich alsdann eine herrliche Krone auf meinem Haupte tragen, und mit einem weißen Kleide werde angetan sein, ja, wie ich werde selbst leuchten wie die Sonne. O Herrlichkeit, o Seligkeit, o Glückseligkeit, die mir der Vater aller Gnaden und Barmherzigkeit um JEsu willen mitteilen wird. Darum erschrecke ich vor dem Tode nicht, weil er mir die Thür zu solcher Herrlichkeit auftun wird. Kann ein irdischer König seinen Palast so herrlich ausschmücken lassen, daß man sich darüber verwundert, und sich nicht satt sehen kann, wie groß und herrlich wird nicht die Pracht des himmlischen Königs und der Glanz des unendlichen Gottes sein! Deshalb will ich gern sterben und die Erde verlassen; ich schaue mit Freuden den Himmel an, denn da ist meine ewige Wohnung, hier haben wir doch keine bleibende Stätte. Diese Wohnung hat mir JEsus, mein Heiland, durch sein Leiden und Sterben erworben, dahin werde ich auch durch den Glauben an 486 Der Sterbende stellet eine Himmelsbetrachtung an. ihn gelangen. Schaue ich den Himmel an, so erinnere ich mich, da ist mein Vaterland, wo selbst alle frommen Christen und Gläubige versammelt sind. Dieweil ich auf der Welt bin, bin ich wie ein Pilgrim und Wandersmann, der immerfort reitet; aber wenn ich durch einen seligen Tod in dem Himmel angelanget bin, alsdann komme ich zur Ruhe, zum Frieden und zu meinem ewigen Wohlsein. Ich sehe den Himmel an mit Freuden, und denke, da ist mein Erbe; habe ich hier ein großes Erbe auf Erden gehabt, im Himmel ist mir ein ewiges und unbeflecktes Erbe aufbehalten. Ich denke, der Himmel ist das Paradies, darin Gott die Gläubigen ergötzen wird, gegen welches das Paradies auf Erden nur ein Schatten war. Ich will, mein Gott, wenn ich deine Herrlichkeit im Himmel erblicken werde, zu dir, wie die Königin aus dem Morgenland zu dem Salomo, sagen: O mein Gott, o mein JEsu, mir ist nicht die Hälfte in diesem Leben von deiner Herrlichkeit gesagt, du hast mehr Herrlichkeit und Gutes, denn das Gerücht ist, das ich von dir gehöret habe. Komm, o Tod, du Schlafes-Bruder, Komm und führe mich mit fort, Löse meines Schiffleins Ruder, Bringe mich in sichern Port; Es mag, wer da will, dich scheuen. Du kannst mich vielmehr erfreuen, Denn durch dich komm ich hinein. Zu dem lieben JEsu mein. Amen. Der Sterbende erwäget die Verheißungen Gottes. 487 Gesang. Mel.: Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 1. Hier ist gut sein, also sagen Dorten in der Himmelsfreud, Die da Krön und Palmen tragen, Angekleid’t mit Herrlichkeit; O, wie ist uns hier so wohl! Wir sind alles Trostes voll, Wir sind aller Angst entbunden, Alles Leiden ist verschwunden. 2. Hier ist gut sein, denn wir sehen. Nunmehr Gott von Angesicht, Wir sind selig, weil wir stehen. In dem größten Glanz und Licht; Uns ist nunmehr ewig wohl, Wir sind alles Trostes voll; Klarheit hat uns ganz umgeben. Hier in diesem Freudenleben. 3. Hier ist gut sein, wir genießen. Lauter Wonne, lauter Freud, Hier an diesem Orte fließen Ströme voller Süßigkeit; Hier weiß man von keiner Klag, Nichts von Trübsal, Angst und Plag; Unser Antlitz ist voll Wonne Und es leuchtet wie die Sonne. - 4. Hier ist gut sein, denn hier schweben. Vieler tausend Engel Heer, Als bei welchen wir nun leben. In der größten Zier und Ehr; Hier erhebet immerdar Gottes Lob der Frommen Schaar; Zu den Engeln, zu den Frommen Sind wir nun erwünscht gekommen. 5. Nun ich will im Glauben bleiben. Und auch in der Frömmigkeit, Davon soll mich nichts abtreiben. Weil ich leb hier in der Zeit; So werd ich: Hier ist gut sein, Stimmen mit den Frommen ein, Und nach ausgestandenen Leiden Gehen auf den Himmelsweiden. Der Sterbende erwäget die Verheißungen Gottes. Aufmunterung. Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Matth. 25, 34. Sterbende haben Labsal und Erquickung vonnöthen, wie am Leibe, also auch an der Seele. Was kann aber die Seele erquicken? Nicht Gold und Geld, nicht Ehre 488 Der Sterbende erwäget die Verheißungen Gottes. und weltliche Pracht, sondern das Wort Gottes, davon David sagt: Dein Wort ist meines Herzens Trost. Darum soll man in gesunden Tagen sich schöne Trostpriiche jammein und in sein Herz fassen, damit man in der Sterbensnot einen reichen Vorrath haben möge. Sonderlich aber soll ein Sterbender 1) sich erinnern oder erinnern lassen der göttlichen Verheißungen, die wir in der heiligen Schrift finden von göttlicher Hülfe, Beistand, Gegenwart und Gnade. 2) Soll er auch solche Trostpriiche und Verheißungen sich zueignen, als ob sie Gott zu ihm rede, und ihm die Verheißungen allein gebe; denn Gott redet in der heiligen Schrift mit allen und einem jeden insonderheit. Hat er nun solche Verheißungen vor sich, so soll er 3) sich darauf verlassen und nicht zweifeln, Gott werde sie auch an ihm erfüllen; tut er es nicht gleich in einem Augenblick, in einer Stunde, verzieht der HErr die Verheißung, so wird er sie doch herrlich zu seiner Zeit wahr machen. Du gnadenreicher Gott, wie süß sind die Verheißungen, die du mir in deinem Worte getan hat, wenn du spricht: Ich bin bei ihm in der Noth, ich will ihn herausreißen; und wiederum: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir, weiche nicht, ich bin dein Gott; und ferner, wenn mein JEsus spricht: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein; in meines Vaters Hause sind viele Wohnungen, ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten, ich will wieder kommen, und euch zu mir nehmen, auf daß ihr seid, wo ich bin; ja, wenn ich versichert werde, JEsus bete für mich und sei mein Der Sterbende erwäget die Verheißungen Gottes. 489 Fürsprecher, und daß der Heilige Geist mich vertrete mit unaussprechlichem Seufzen. O du gnädiger Gott, erfülle anjetzt alle diese Verheißungen an mir. Ach, die Noth wird immer größer, ach, sei und bleibe bei mir in meiner letzten Noth. Ach, verlaß mich jetzt nicht, stehe bei mir, o JEsu, laß mich gelangen zu der Herrlichkeit, und die Stätte einnehmen, die du mir bereitet hat; o JEsu, sei jetzt mein Fürsprecher; ach, bitte für mich armen Sünder, damit ich Gnade und Barmherzigkeit erlange. Ach, du werter Heiliger Geist, stehe mir bei in meiner Schwachheit, und gib mir Kraft und Stärke. Stehet mir ein schwerer Kampf bevor, so hilf mir siegen und überwinden. Habe ich einen hohen Berg zu steigen, so verleihe mir Stärke. Stehet mir noch eine harte Stunde bevor, so hilf mir aus derselben. Wenn mein Mund nicht mehr beten kann, so vertritt mich bei Gott mit unaussprechlichen Seufzern, ja, bringe meine schwachen Seufzer vor Gott. Nun, du gnadenreicher Gott, ich halte mich an deine Verheißungen, und glaube, du werdet sie auch nach deiner Barmherzigkeit an mir, an mir Elenden, erfüllen. Ich glaube deinem Worte, ich traue auf dein Wort, mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlitz suchen; darum suche ich auch, HErr, dein Antlitz. 490 Der Sterbende erwäget die Verheißungen Gottes. Ach, dein Wort ist mir in meinem Leben immer Trost und Freude gewesen, ach, laß es jetzt in meinem Tode auch mein Labsal und meine Eraquickung sein. Kommt die Zeit, da mir um Trost gar bange wird, so nimm dich meiner Seele herzlich an. Erquicke mich, wenn der Todesschweiß anbricht, erfreue mich, wenn die Lippen blaß werden, tröste mich, wenn Hören und Sehen mir vergehen; o du dreieiniger Gott, alsdann laß in meinem Herzen mich hören Freude und Wonne, ein Jubel- und Freudengeschrei, als einen Vorklang und Vorschmack der himmlischen Herrlichkeit. O du großer Gott, erhöre, Was dein Kind gebeten hat, JEsu, den ich stets verehre, Bleibe ja mein Schutz und Rat, Und mein Hort, du werter Geist, Der du Freund und Tröster heißt, Höre doch mein sehnlich Flehen! Amen, ja, es soll geschehen. Amen. Gesang. Mel.: Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1. Ich sterbe gern, warum sollt ich Mich vor dem Grabe scheuen? Mein Glaube pfleget oftmals sich Auf meinen Tod zu freuen; Ich weiß, daß Gott nach dieser Zeit Mich droben in der Ewigkeit Gar herrlich wird verNEUEN. 2. Ich sterbe gern, denn nach dem Tod Wird sich mein Glück anheben, Für Trübsal, Jammer, Angst und Noth Wird Gott mir Freude geben; Das Tränenmaß wird voller Wein, Das Trauern lauter Jauchzen sein. In solchem Freudenleben. Der Sterbende betrachtet die Himmelsfreude und -Gesellschaft. 491 3. Ich sterbe gern, dieweil ich werd Dereinsten auferstehen. Und herrlich aus der finstern Erd Und meinem Grabe gehen; Ich werd, verklärt in Glanz und Licht, Des Allerhöchsten Angesicht. Mit Lust und Freude sehen. 4. Ich sterbe gern, dies bleibt mein Wort, Bis daß ich werde kommen. Zu Gott, an jenen Freudenort, Zur schönsten Schaar der Frommen. Ach, wann bricht an die Freudenzeit, Daß ich zur Himmels herrlichkeit. Auch werde aufgenommen? Der Sterbende betrachtet die Himmelsfreude und -Gesellschaft. Aufmunterung. Darnach jähe ich, und siehe, eine große Schaar, welche niemand zählen konnte, aus allen Heiden, und Völkern, und Sprachen, vor dem Stuhl stehend, und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern, und Palmen in ihren Händen, schrieen mit großer Stimme, und sprachen: Heil sei dem, der auf dem Stuhl sitzt, unserm Gott, und dem Lamm. Offenb. 7,9.10. Was könnte sich ein Sterbender Süßeres und Angenehmeres vorstellen, als wenn er an die Himmelsfreude und Himmelsgesellschaft denket, welcher Gedanke den Frommen schon auf Erden oft ergötzet? Denn ein Sterbender soll, 1) was er auf Erden siehet, anschauen als Dinge, die er bald verlassen und nicht mehr sehen wird. Er soll hingegen 2) himmlische Betrachtungen haben, und fleißig denken an die zukünftige Himmelsfreude, wie er nach dem Abschied aus diesem Leben werde in des Himmels Freude und Glanz versetzt werden, wo lauter Sonne, Friede, Freude, Trost und Herrlichkeit ist, wo anstatt des Leidens und der Schmerzen ein ewiges Ergötzen ihn erfreuen wird. Es soll aber auch 3) ein Sterbender seine Betrachtungen anstellen über die himmlische Gesellschaft, wie er nun bald wird schauen das Angesicht des dreieinigen Gottes, und kommen zu so viel tausend Engeln und Auserwählten. 492 Der Sterbende betrachtet die Himmelsfreude und -Gesellschaft. Wenn also ein Sterbender diese himmlische Gesellschaft und seine künftige Glückseligkeit sich vorstellet, so wird ihm sein Leiden versüßet und die Stunde kurz werden, ja, er wird dadurch heilige Bewegungen in seiner Seele empfinden. Gebet. Wie lieblich sind deine Wohnungen, HErr Zebaoth, meine Seele sehnet sich nach deinen Vorhöfen; ach, wann werde ich dahin kommen, daß ich dein Angesicht schauen und vor deinem Thron mit allen Engeln und Auserwählten stehen werde? O welche große Herrlichkeit und Seligkeit werde ich antreffen, wenn ich von diejem Leibe geschieden und selig gestorben bin, weil ich in die Häuser des Friedens werde versetzet, mit Schmuck und Ehren gekrönet und des himmlischen Glanzes teilhaftig werden! O welche Herrlichkeit und Freude wartet auf mich! Ich werde schauen den dreieinigen Gott von Angesicht zu Angesicht; was ich hier geglaubet, werde ich dort schauen, was ich hier nicht begreifen konnte, werde ich dort vollkommen wissen und erkennen; da werde ich völlig durchstrahlet, durchleuchtet und mit himmlischem Licht erfüllet sein. Welche Freude aber wird das sein, den großen majestätischen Gott in seiner Herrlichkeit zu erblicken! Darum seufze ich und bete mit Verlangen: Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet Der Sterbende betrachtet die Himmelsfreude und -Gesellschaft. 493 meine Seele, Gott, zu dir; meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott; wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue? Das ist die höchste Freude, Gott zu schauen, an den wir hier geglaubet, und ihn doch nie gesehen haben. In diesem Sehen wird das höchste Vergnügen, die lieblichste Süßigkeit und die vollkommenste Glückseligkeit bestehen; mein Leiden wird in Freuden, mein Weinen in Jauchzen, meine Trübsal in Wonne, mein Elend in Ergötzen, mein Jammer in Trost und mein Herzeleid in lauter Herrlichkeit verwandelt werden. Im Himmel werde ich auch in einer freudenreichen und seligen Gemeinschaft leben; hier bin ich unter Menschen, ja, ich habe unter Freunden und Feinden müssen mein Leben hinbringen; allein in der Herrlichkeit werde ich antreffen so viel tausend heilige Engel, welche in großem Glanz und Licht um Gottes Thron schweben, und das Heilig, Heilig, Heilig ist Gott, der HErr Zebaoth, anstimmen. Ich werde da antreffen alle Frommen und Auserwählten, die vom Anfang der Welt her gelebet haben. Ich werde antreffen meine Liebsten und Freunde, die vor mir im Glauben gestorben sind, mit denen werde ich in der süßesten Gemeinschaft ewig leben. O wie wohl wird als dann meiner Seele sein! Alsdann 494 Der Sterbende betrachtet die Himmelsfreude und -Gesellschaft. werde ich nach dem Verlangen zum Umfangen kommen, ich werde bei dem HErm ein allewege, da wird mich keine Trübsal mehr anrühren; und dieses wird nicht etwa nur eine Stunde oder ein Jahr währen, sondern ewig, ewig ohne Aufhören. Nichts soll mir den Glauben. Aus dem Herzen rauben, JEsus stärket ihn; Endlich wird's auch werden, Daß ich von der Erden. Kann gen Himmel ziehn; Gern, ach gern Will ich dem HErrn Heute noch mit Freuden sterben. Und sein Heil ererben. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Welche süße Himmelsfreude, Welche große Herrlichkeit, O welch prächtiges Gebäude. Ist den Frommen zubereit’t In den schönen Himmelsauen, Die sie einstens sollen schauen; Ach, mein Geist ist ganz entzückt, wenn er solchen Glanz erblickt. 2. Da ist recht das Land der Frommen, Denn da kommt kein Böser hin, Da wird der nur angenommen, Der gelebt nach Christi Sinn; Hier ist Gott selbst Licht und Sonne, Hier ist gut sein, hier ist Wonne, Hier genießt man allezeit Lauter Licht und Seligkeit. 3. Da läßt Gott sich selber sehen, Den kein Aug auf Erden sieht, In dem Sehen wird entstehen Trost, Vergnügen, Freude, Fried; In dem Schauen ist. Erfreuen, Das ergötzet stets von neuem; Aug und Seel wird nimmer satt, Das hier voll Vergnügen hat. 4. Ja, in diesem Freudenleben, An dem freuden vollen Ort, Sieht man viele Engel schweben, Die um Gott sind hier und dort. Die im schönen Glanze prangen. Und des Höchsten Lob anfangen; Ich stimm auch mit ihnen ein, Wann ich werd bei ihnen sein. Der Sterbende tröstet sich des Beistandes des dreieinigen Gottes. 495 5. Da find’t man der Frommen Schaaren Voller Pracht und Herrlichkeit, Die zuvor in Trübsal waren Und in tausend Herzeleid, Helle glänzen wie die Sonne, Leben in der größten Wonne, Stehen da vor Gottes, Thron, Schön geziert mit ihrer Krön. 6. Unablässig Gott zu loben, Ist der Frommen Werk allhier; Von den Seiten und von oben. Glänzet alles wie Saphir; Die man hier betrübt verlassen, Kann man freudig dort umfassen, Da, da ist das Wiedersehn, Das da ewig wird bestehn. 7. Auf, auf, lasset uns bestreben, Die wir noch sind in der Welt, Daß wir einst nach diesem Leben. Kommen in des Himmels Zelt; Laßt im Glauben uns fest stehen, Und auf Gottes Wegen gehen, Und ergreifen JEsum Christ, Der der Weg zum Himmel ist. 8. O mein Gott, laß mich gelangen. Auch zu dieser Herrlichkeit, Ach, verzeih, was ich begangen. Meine ganze Lebenszeit; Kleide mich mit reiner Seide, Führ mich zu der Himmelsweide, Da ich mit der Frommen Schaar Dich will loben immer dar. Der Sterbende tröstet sich des Beistandes des dreieinigen Gottes. Aufmunterung. Er erquicket mich mit Blumen. ... Seine Linke liegt unter meinem Haupte, und seine Rechte herzet mich. Hohel. 2,5. 6. Die Gegenwart Gottes im Leiden kann nicht anders als einer Seele süß und tröstlich sein. Gott aber ist nicht allein nahe bei allen Creaturen, sondern er ist auch mit seiner besonderen Gegenwart nahe bei den Gläubigen, im Leben und auch im Sterben. Wie er denn verheißen hat: Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende. O sollte Gott den Frommen die Augen öffnen, 496 Der Sterbende tröstet sich des Beistandes des dreieinigen Gottes. wie dorten dem Knaben Elisä! O was würden sie um ihr Bette für eine heilige Gesellschaft sehen, so viel heilige Engel, die sich schon freuen, daß sie wiederum eine Seele zur Herrlichkeit begleiten sollen, wie auch oftmal fromme Sterbende gerühmet und gesagt: O wie hell ist es um mein Bette? Sehet ihr dorten nicht das weiße Licht? welches gewiß heilige Engel werden gewesen sein. Sonderlich aber ist eine gläubige Seele versichert von des dreieinigen Gottes Beistand. 1) Der himmlische Vater wird an seine Vatertreue denken und seinem Kinde beistehen. 2) JEsus wird die durch ein Blut erkauften Seelen in dem letzten Todeskampf nicht allein lassen. 3) Der Heilige Geist wird auch durch einen kräftigen Trost als dann die erquicken. Vergehet gleich Hören und Sehen, vergehen alle Sinne, so weiß doch ein Sterbender, daß die Verheißung: Ich bin bei ihm in der Noth, auch jetzt in der Todesnot werde an ihm erfüllet werden. O wohl dem, welchen Gott dieses alles in seinem Sterben empfinden läßt! Komm, HErr JEsu, so spreche ich jetzt mit der geistlichen Braut; ja, komm und nimm meine Seele hin! Ich habe schon deine Süßigkeit geschmecket, darum verlanget und dürstet mich nach den vollen Strömen. Ich stelle mir das Sterben nicht schrecklich vor, denn ich sterbe in der Liebe des himmlischen Vaters. Der Vater, der mich Zeit meines Lebens versorget, ernähret, geleitet und geführet, sollte der jetzt, da mein Lebensende herannahet, von mir weichen? O nein, er hat mich viel zu lieb. Bleibt ein Vater bei seinem Der Sterbende tröstet sich des Beistandes des dreieinigen Gottes. 497 kranken Kinde, und hilft ihm, so viel er kann, wie viel mehr kann ich mich des allmächtigen und kräftigen Beistandes meines himmlischen Vaters trösten! Nun wird mein himmlischer Vater mir das Erbe erteilen, das mir JEsus durch seinen Tod erworben hat. Er wird mich heißen eingehen in das Reich, das er mir von Anfang der Welt bereitet hat. Sterben kommt mir nicht schrecklich vor, ich sterbe in der Vereinigung mit JEsu Christo; diese Gemeinschaft ist im Glauben hier angefangen, dieselbe wird auch nimmermehr aufgehoben werden. In dieser Gemeinschaft bin ich ein lebendiges Glied an dem Leibe JEsu Christi, davon er das Haupt ist; weiß aber das Haupt wohl, wie es seinen Gliedern gehet, so weiß auch mein JEsus, wie es jetzt um mich stehet. Ich bin in ihm und er in mir, und in seiner heiligen Gemeinschaft will ich jetzt sterben. Hat er gesagt: Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende, so wird er auch bei mir ein in dem Sterben. Gleichwie er die Seinigen geliebet hat bis ans Ende, da er sich für sie in den Tod gegeben, also liebet er sie auch, wenn sie sterben wollen. Wenn ich also in meines JEsu Armen bin, so ist mir der Tod nicht schrecklich, weil ich den bei mir habe, der alle Todesbitterkeit durch seinen Tod hat 498 Der Sterbende tröstet sich des Beistandes des dreieinigen Gottes. weggenommen. Hier hat mein JEsus mich schon angezogen mit dem Rocke des Heils und mit dem Rock der Gerechtigkeit bekleidet, dorten wird er mir das weiße Kleid der Ehren und Herrlichkeit anlegen. Mein Seelenbräutigam führet mich zur Hochzeit, mein Seelenfreund macht mich seiner Herrlichkeit teilhaftig. Mein HErr erfüllet an mir, was er gesagt: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Der Tod ist mir nicht schrecklich, ich sterbe in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes, der hat sich mein Herz zum Tempel geheiliget in meinem Leben, der wird auch mit mir vereiniget bleiben im Tode. Der mich so oft in meiner Trübsal getröstet, im Leiden erfreuet, im Elend erquicket, im Kreuz erhalten, der wird mich in der letzten Stunde auch nicht verlassen, sondern Zeugnis geben meinem Geist, daß ich gewiß Gottes Kind sei. Sollte mir auch die Sprache entfallen, daß ich nicht mehr beten kann, so wird er mich bei Gott vertreten mit unaussprechlichem Seufzen. Ja, weil er ist das Pfand unseres Erbes, so versichert er mich schon, daß ich ein Erbe des Himmels sei und zu dessen völligem Besitz eingehen werde. Der Vater reichet mir die Krone dar; JEsus führet mich an der Hand zur Freude; der Heilige Geist zieret mich mit Licht und Wonne; die heiligen Engel freuen sich Der Sterbende tröstet sich des Beistandes des dreieinigen Gottes. 499 über meinen Eintritt in das himmlische Freudenleben; alle Auserwählten und Frommen empfangen mich mit Freuden. Ich bin ein Glied an deinem Leib, Deß tröst ich mich von Herzen; Von dir ich ungeschieden bleib In Todesnot und Schmerzen; Wenn ich gleich sterb, so sterb ich dir, Ein ewges Leben hast du mir Mit deinem Tod erworben. Amen. Gesang. Mel.: Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1. Ich freue mich auf meinen Tod, Und laß mir gar nicht grauen, Ich komme bald zu meinem Gott, Den werd ich ewig schauen. Von Angesicht zu Angesicht, Beglänzet mit dem Freudenlicht, In jenen Himmelsauen. 2. Ich komm alsdann zu JEsu Christ, Den werd ich bei mir sehen, Der hier mein Trost und Freude ist, Zu dem will ich dort gehen; Zu dir, o JEsu, Gotteslamm, ' wie die Braut dem Bräutigam, Zu deiner Rechten tehen. 3. Der Engel ungezählte Schaar. Sind die, so mich empfangen, Ich werd mit ihnen immer dar. ln größter Klarheit prangen; Hier werd ich in dem Freudenreich ' schönen Seraphinen gleich, Und dies ist mein Verangen. 4. Ach ja, im Himmel treff ich an Viel Tausende von Frommen, Mit weißen Kleidern angetan, Die da sind aufgenommen. Nach ausgestandnem Kreuz und Leid, Zu solcher großen Herrlichkeit, Zu denen werd ich kommen. 5. O Freud, o Trost, der da mein Herz Wird ewiglich umgeben! Denn da ist keine Angst, kein Schmerz Und kein betrübtes Leben; Vergnügen, Wonne, Herrlichkeit, Erquickung, Ruhe, Fried und Freud. Wird sich da recht anheben. 6. Als dann wird mir ein ewig wohl, Wenn ich hab 500 Der Sterbende will auf JEsum Christum sterben. überwunden; Wie werd ich sein des Trostes voll, Wenn mein Leid ist verschwunden! O Freudenstunde, brich doch an. Daß ich zu JEsu kommen kann. Und bleib mit ihm verbunden. Der Sterbende will auf JEsum Christum sterben. Aufmunterung. HErr JEsu, nimm meinen Geist auf! Apost. 7, 58. Es klagen Sterbende oftmals, wie sie mit allerlei Gedanken so viel zu tun haben, welche nicht weichen und wanken wollen; diese nun zu vertreiben, tut ein Gläubiger wohl, 1) wenn er sich im Glauben und in heiliger Betrachtung vorstellet JEsum am Kreuz, und dabei diese frommen Gedanken hat: JEsu Wunden sind für mich geschlagen, sie sollen auch in meinem Tode meine einzige Zuflucht sein. JEsu Blut ist auch für mich vergossen, dieses Blut wäscht und heiliget mich auch. JEsu ausgespannte Arme wollen auch mich umfassen und in den Himmel ziehen. Er stirbt am Kreuz, damit mein Tod mir möge versüßet, und ich durch den Tod in das ewige Leben eingeführet werden. Solche und dergleichen Gedanken werden die irdischen Gedanken vertreiben, und das Gemüt ganz ruhig und still und das Herz freudig machen. Bei diesen Betrachtungen soll der gläubige Christ 2) auch alle seine Zuversicht auf diesen Heiland der Welt setzen; er soll Christi Gerechtigkeit und Verdienst sich zueignen, damit vor Gott treten und sagen: Ach, um meines JEsu Gerechtigkeit, Blutes, Todes und Verdienstes willen sei mir gnädig, darauf lebe ich und sterbe ich, und dadurch will ich zur Himmelsfreude eingehen. Gebet. O JEsu, liebster Heiland, wenn ich nun von dieser Welt soll abscheiden, indem die Vorboten Der Sterbende will auf JEsum Christum sterben. 501 des Todes sich immer mehr und mehr bei mir einstellen, und mir verkündigen, daß meines Lebens Ende gar nahe sei, so wende ich mich einzig und allein zu dir und spreche: HErr JEsu, nimm meinen Geist auf. O mein Erlöser, du hast mich erlöset von der Sünde und Gewalt des Teufels mit deinem heiligen Blut, mit deinem unschuldigen Leiden und Sterben. Ach, laß mir dieses Blut jetzt zu Statten kommen, daß ich durch dasselbe gerecht vor deinem Richterstuhl bestehen könne. Will mich Satan verklagen, so zeige ich ihm deine blutigen Wunden; wollen mich meine Sünden verdammen, so ergreife ich das gegebene Lösegeld für meine Sünden, dein heiliges Blut. In meiner Todesangst halte ich mich an dein vollgültiges Verdienst. Du bist mein Seligmacher. Ach, so mache mich denn selig, vergib mir meine Sünden, schenke mir deine vollkommene Gerechtigkeit, führe mich ein zu der ewigen Seligkeit. Du bist das Leben, darum werde ich nicht sterben, obschon mein Leben aufhöret, weil ich in dir, und du in mir lebest. Dieses Leben wird jetzt vollkommen werden, da ich ewig bei dir und mit dir leben werde, weil mich weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges von dir trennen kann. Du bist der Weg, ach, führe mich durch das finstere Todesthal in das ewige Leben. 502 Der Sterbende will auf JEsum Christum sterben. Du bist die Wahrheit, ach, du hast bisher alle deine Gnadenverheißungen an mir wahr gemacht, darum erfülle auch diese, da du mir verheißen: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein; wenn ich erhöhet werde von der Erde, will ich sie alle zu mir ziehen. Nimm mich jetzt zu dir, wo du bist. HErr, laß deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hat. Ach, ziehe mich zu dir, zudem völligen Genuß deiner himmlischen Güter. Ich stelle mir vor, wie du am Kreuze für mich gestorben, wie du dein heilig Blut vergossen, wie du für mich daselbst dein Leben gelassen. Ach, dein heiliges Blut wasche und reinige mich von allen meinen Sünden; um deiner heiligen Wunden willen laß mich Gnade und Barmherzigkeit erlangen. Du bist das Lamm Gottes, das sich für mich am Stamm des Kreuzes hat schlachten lassen, und durch dein Blut bin ich mit Gott versöhnet. Du bist mein Hoherpriester, der für mich betet. Du bist der Held, der mir hilft; der Friedefürst, der mich in die Häuser des Friedens aufnimmt. O JEsu, ich komme zu dir, dämm fasse und halte ich dich im Glauben und spreche: Meinen JEsum laß ich nicht; weil er sich für mich gegeben, so erfordert meine Pflicht, klettenweis an ihm zu kleben; er ist meines Lebens Licht, meinen JEsum laß ich nicht. Ja, an Der Sterbende will auf JEsum Christum sterben. 503 JEsum will ich jetzt allein denken, der soll meiner Seele Licht und Heil, meines Lebens Kraft, meine Sonne und Wonne, mein Dichten und Trachten, mein Denken und Überlegen, mein Alles sein. Weg, ihr eiteln Gedanken, an JEsu Verdienst und vergossenem Blut will ich mich ergötzen, seine heiligen Wunden will ich mir vorstellen, seines bittem Leidens will ich mich trösten, und mein letztes Wort soll JEsus sein, ja, mein letzter Gedanke soll JEsus, JEsus ein. Erscheine mir zum Schilde, Zum Trost in meinem Tod, Und laß mich sehn dein Bilde. In deiner Kreuzesnoth. Da will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll Dich fest an mein Herz drücken; Wer so stirbt, der stirbt wohl. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ich will mit frohem Mut In JEsu Wunden eilen, Wenn mich der blasse Tod Erschreckt mit seinen Pfeilen; Ach, öffne mir dein Herz. Und nimm dein Küchlein ein. Hier soll mein Aufenthalt. Und wahre Wohnung sein. 2. Ich will mich glaubensvoll. In diese Wunden senken, Ich will an JEsu Blut. Und sein Verdienst nur denken; Sein Blut ergreif ich jetzt In voller Zuversicht, Und bricht mein Herze schon, So bricht mein Glaube nicht. 3. O Blut, o heißes Blut, Das immer annoch fließet Auf jedes gläubge Herz, Das immer noch genießet Der, welcher Buße thut; O Blut, o heißes Blut, Ich eigne dich mir zu, O allerhöchstes Gut! 4. Ich ruhe hier getrost In diesen offnen Wunden, Ich bleibe nun mit dir, O JEsu, fest verbunden; Kein 504 Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. Schmerz, kein Leid, kein Freud Reißt mich nunmehr von dir, Ich lasse nicht von dir, Ach, lasse nicht von mir. 5. Sieh, ich will nimmermehr Von diesen Wunden weichen, Bis ich darinnen werd Des Glaubens Ziel erreichen, Vergebung, Fried und Freud, Der Seelen Seligkeit; Zieh meinen Geist nach dir. Durch die gespaltne Seit. 6. Und endlich will ich auch In diesen Wunden sterben. Und in denselbigen. Der Seele Heil erwerben; Und schlaf ich glaubensvoll. In JEsu Wunden ein, So wird mein Leib und Seel Gar wohl verwahret sein. Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. Aufmunterung. Es ist genug, so nimm nun, HErr, meine Seele; ich bin nicht besser, denn meine Väter. 1 Kön. 19, 4. Wenn im alten Testament jemand Gott dem HErm eine Gabe brachte, so mußte es kein gezwungenes, sondern ein freiwilliges Opfer sein. So ist es auch mit unserm Sterben; es muß ein Mensch nicht sterben mit Verdruß, nicht gezwungen, nicht mit Murren und Widerwillen, sondern es soll 1) ein Mensch in gesunden Tagen sich bekannt machen die Herrlichkeit, die uns in jenem Leben bereitet ist, die Krone, das weiße Kleid, die Freude, die wir nach dem Tod erlangen sollen. Man soll 2) auch sich bekannt machen den Weg, der zu dieser Herrlichkeit führet, welcher ist JEsus Christus, daß man im Glauben beharre bis in den Tod. Kommt denn nun die Stunde heran, die Gott zum Abschied bestimmet, so soll man 3) mit Freuden seine Augen aufheben gen Himmel und Gott um ein seliges Ende anflehen; dieses kann also geschehen, wenn man dem dreieinigen Gott seinen Leib und seine Seele empfiehlet, JEsum Christum immer im Gedächtnis behält, andächtig betet, und so auf ein Stündlein wartet; dabei man auch Gott anrufen kann, er wolle ein stilles, sanftes, vernünftiges und seliges Ende Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. 505 verleihen. Sollten auch zuweilen einige unanständige Geberden mit unterlaufen, so wird es doch den Umstehenden empfindlicher als dem Sterbenden sein, welcher unterdessen in der süßen Gemeinschaft mit einem JEsu bleibet. Gebet, Barmherziger, gnädiger Gott, ich merke, daß die Zeit meines Abschieds vorhanden ist, daß ich soll in Frieden hinfahren, und zur Ruhe mich niederlegen; mein Gesicht vergehet mir, meine Kräfte nehmen ab, und es scheinet, es wird bald anders mit mir werden; dämm komme ich zu dir, und tue mein letztes Gebet, welches darin bestehet: Mein Leib und Seel befehl ich dir, oHErr, ein selges End gib mir, um JEsu Christi willen. HErr Gott, himmlischer Vater, der du mich erschaffen, bisher versorget und erhalten hat, ach, nimm meine Seele in Gnaden an. O JEsu, der du mich mit deinem Blut erlöset und abgewaschen hast, ach, laß mich im wahren Glauben auf dein Verdienst und Blut jetzt selig sterben. Ach HErr JEsu, in deine Hände befehle ich meinen Geist. O werter Heiliger Geist, mein Tröster und Beistand, ach, verlaß mich jetzt nicht, gib mir Freudigkeit und Versicherung, daß ich ein Erbe des ewigen Lebens sei, ja, bete in mir und mit mir, und vertritt mich bei Gott mit unaussprechlichen Seufzern. Siehe, ich bin be- 506 Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. reit, die Erde zu verlassen, und sehne mich allein nach dir, und bei dir, o dreieiniger Gott, zu sein. Elatte Israel ein Erlaßjahr, da es aus der Knechtschaft wieder zu seiner Freiheit und zu seinem Eigentum kam: ach, mein Gott, wenn ich selig sterbe, so gehet mein Erlaßjahr an, daß ich von allem Sündendienst, von aller Kreuzeslast befreiet, zu der vollkommenen Freiheit der Kinder Gottes in dem ewigen Leben gelangen soll. O mein JEsu, öffne mir die Himmelsthür, begleite und führe mich zu dem ewigen Leben, zu der Gemeine der Heiligen im Licht. Ach, mein Gott, gib mir ein vernünftiges Ende, daß ich möge meinen Verstand bis an den letzten Augenblick meines Lebens behalten. Erhalte mich bei heiligen und guten Gedanken, daß ich immer im Gedächtnis behalte JEsum Christum, und so ja meine Augen früh brechen sollten, so erquicke mich inwendig in meiner Seele mit deinem himmlischen Trost und Licht. Laß JEsum immerdar vor meiner Seele Augen stehen; gib, daß ich mich über sein Blut erfreue, in seine offne Seite mich verberge, seines Verdienstes mich tröste, und seine Gerechtigkeit in wahrem Glauben ergreife. Gib mir, wenn es dir gefällt, ein sanftes Ende. Behüte mich vor Ungeberden, Anfechtungen und zerstreuenden Vorstellungen. Laß mein Herz, Der Sterbende bittet um ein seliges Ende. 507 welches deine Wohnung hier gewesen, fein sanft gebrochen werden. Ach, laß mich in deinem Arm sanft verscheiden. Ach, gib mir auch ein seliges Ende, daß ich möge dein heiliges Angesicht bald mit Freuden erblicken. Odreieiniger Gott, segne meinen Ausgang aus dieser Sterblichkeit und meinen Eingang in die frohe Ewigkeit. Der HErr segne mich und behüte mich; der HErr lasse sein Antlitz leuchten über mir und sei mir gnädig; der HErr erhebe sein Angesicht auf mich und gebe mir Frieden! Im Namen des dreieinigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, lebe und sterbe ich, in seinem Namen schließe ich meine Augen zu, und befehle mich Gott und seiner Gnade. Ich sage Amen drauf in meines JEsu Namen; Es jage gleichfalls auch der HErr, mein Gott, nun Amen; Ich rufe stets allhier: Dreieinger Gott, komm du; Ach, jage: Sei getrost, mein Kind, komm zu der Ruh. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Aufgelöset bald zu werden Wünschet mein erfreuter Geist, Ich verlasse bald die Erden, Weil mein JEsus mich schon speist. Mit des Himmels Süßigkeiten, Und verbleibet mir zur Seiten; Wenn ich JEsum bei mir hab, Fürcht ich nicht das finstre Grab. 2. Brecht, ihr Augen, brecht geschwinde, Laßt vergehen euer Licht, Weil ich hier schon JEsum finde. Mit hellglänzendem Gesicht; Auf dem finstern Todeswege, Auf 508 Gebet der Umstehenden für Sterbende. dem schönen Himmelsstege Ist mein Auge JEsus Christ, Der mein Licht und Leben ist. 3. Und du, rother Mund, erblasse, Ja, ihr Lippen, schließt euch zu, Weil ich meinen JEsum fasse, Komme zu der Himmelsruh. JEsus wird mich schon vertreten, Er wird kräftig für mich beten; JEsus, JEsus ist mein Mund. In der letzten Todesstund. 4. Ja, ihr Ohren mögt euch schließen, Ich brauch euer nun nicht mehr, Mein Trost muß von innen fließen, Darauf ich mit Freuden hör. Ich seh schon die Freudensonne, Mein Ohr höret Freud und Wonne; Was ist das für ein Gesang? Ist es nicht ein Engelklang? 5. Du, mein Herz, zerspring mit Freuden, Edles Leben, fahre hin; Mich wird nichts von JEsu scheiden, Weil ich ja in ihm nur bin; JEsum hab ich schon gefunden Und ich bleib mit ihm verbunden; Wenn das Herz in Stücken bricht, So bricht dieses Band doch nicht. 6. Ja, ihr fast erstarrten Glieder, Durch den kalten Todesschweiß, Legt euch nur ins Grab jetzt nieder, Weil ich schon versichert weiß, JEsus wird das Grab aufdecken Und euch wieder auferwecken, Und euch schön mit Glanz vemeut Bringen zu der Herrlichkeit. 7. Und dich, Gott ergebne Seele, Dich empfehl ich meinem Gott, Geh nun aus des Leibes Höhle, Geh aus aller Angst und Noth; Geh zur Freude nach dem Klagen, Geh zur Wonne nach den Plagen, Geh zur Himmelsfreude ein, O wie wohl wird dir da sein! Gebet der Umstehenden für Sterbende. O du heiliger, dreieiniger Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, du erhöret Gebet, darum kommet alles Fleisch zu dir; siehe, wir kommen jetzt auch zu dir, und tragen dir in unserm Gebet Gebet der Umstehenden für Sterbende. 509 diesen Sterbenden vor. HErr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über ihn; du hast ihn erschaffen zu deinem Ebenbild, er ist deine Creatur, er ist auch dein Kind, welches du in der Taufe zu Gnaden aufgenommen hat, ach, darum erbarme dich über ihn; siehe, dein Kind ist krank, flehe, dein Kind will sterben, ach, laß es an jetzt sein Kindesteil erlangen, nämlich das Erbe im Himmel, der Seele Seligkeit; vergib ihm alle seine Sünden, die es Zeit seines Lebens wider dich getan, und siehe ihn in Gnaden an. HErr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über diesen Sterbenden; du hast ihn mit deinem heiligen Blut erlöset, du bist auch für ihn gestorben, ach, darum rechne ihm seine Sünden nicht zu, sondern rechne ihm zu deine Gerechtigkeit und dein Verdienst, wasche ihn mit deinem heiligen Blute, bedecke ihn mit deiner Gerechtigkeit, und laß ihn jetzt als einen durch dein Blut Gereinigten vor dem Thron Gottes erscheinen. HErr Gott Heiliger Geist, erbarme dich über diesen Sterbenden, erhalte in ihm den Glauben, gib Zeugnis seinem Geist, daß er wahrhaftig Gottes Kind sei, und vertritt ihn bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen; heilige ihn, stärke ihn und begleite ihn zum ewigen Leben. O du heilige Dreieinigkeit, nimm diesen Sterbenden zu 510 Gebet der Umstehenden für Sterbende. Gnaden an, gedenke nicht der Sünden seiner Jugend und seiner Übertretung, gedenke aber seiner nach deiner großen Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Nimm eine Seele in deine Hände und laß sie der ewigen Freude genießen. Erwecke auch den jetzt ersterbenden Leib am jüngsten Tage fröhlich und herrlich. Verleihe ihm indessen die sanfte Ruhe in der kühlen Erde, bis sich in der allgemeinen Auferstehung Leib und Seele wieder mit einander vereinigen und zur Himmelswonne eingehen werden. Indessen, HErr, HErr, da seine Noth und Angst immer größer wird, so laß ihm nicht aus dem Sinne kommen das Andenken des gekreuzigten JEu; wenn seine Augen brechen, so laß einen hellen Schein in seiner Seele aufgehen; ja, o JEsu, du rechter Morgenstern, erleuchte ihn zum ewigen Leben. Wenn er uns nicht mehr sehen kann, so gib, daß er dich, o dreieiniger Gott, beständig im Glauben sehe, bis er dich schauen wird von Angesicht zu Angesicht. Ach, wenn nun sein Mund sich schließet, daß er nicht mehr beten kann, so bitte du für ihn, o JEsu, sei sein Fürsprecher bei deinem himmlischen Vater, hilf ihm kämpfen und überwinden, und laß auch die Seufzer eines Herzens dir angenehm sein. Bricht auch der Todesschweiß aus, ach, stärke ihn und sei ein Beistand. O drei- Seufzer, Sprüche und Gebete, den Sterbenden vorzusprechen. 5 1 1 einiger Gott, bleibe du bei ihm, und erhalte ihn im Glauben, bis er seinen Lauf selig und fröhlich vollenden wird. HErr Gott Vater, was du hast erschaffen, HErr Gott Sohn, was du hast erlöset, HErr Gott Heiliger Geist, was du hast geheiliget, das befehlen wir dir in deine Hände; deinem Namen sei Lob, Ehre und Preis, jetzt und in Ewigkeit! Vollende, Vater, seinen Lauf, Nimm ihn zu deinem Frieden auf; Wenn nun sein Herz im Tode bricht, Verwirf ihn nicht, HErr, HErr, von deinem Angesicht. Amen. Seufzer, Sprüche und Gebete, welche die Umstehenden den Sterbenden vorsprechen können.“) Zion spricht: Der HErr hat mich verlassen, der HErr hat mein vergessen. Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie desselbigen vergäße, so will ich doch dein nicht vergessen. Siehe, in die Hände hab ich dich gezeichnet. Jes. 49, 14-16. Denn Gott verlasset keinen, Der sich auf ihn verläßt; Er bleibt getreu den Seinen, Die ihm vertrauen fest. Läßt sich's an wunderlich, So laß dir doch nicht grauen, Mit Freuden wirst du schauen, Wie Gott wird retten dich. Ach, barmherziger, gütiger Gott, hilf mir in meinem Leiden und in meiner Todesstunde. *) Fromme Christen tun auch wohl, wenn sie selbige bei gesunden Tagen sich bekannt machen, damit sie in dem Sterben, wenn durch die Krankheit das Gehör vergehen sollte, sich selbst in Gott ermuntern können. 512 Seufzer, Sprüche und Gebete, O mein Gott, du bist ja allezeit mein gnädiger Gott und mein Beistand gewesen, ach, bleibe es auch anjetzt. O JEsu, bleibe bei mir, denn es will Abend werden, und der Tag meines Lebens hat sich geneiget. O werter Heiliger Geist, stärke mich, erhalte mich im festen Glauben bis an mein Ende, erleuchte mich zum ewigen Leben. Ich will auf JEsu Blut und Wunden sterben, dem lebe ich, dem sterbe ich, auf sein Verdienst verlasse ich mich. Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue? Ps. 42, 1.2. Wann soll es doch geschehen, Wann kommt die liebe Zeit, Daß wir ihn werden sehen. In seiner Herrlichkeit? Du Tag, wann wirst du sein, Daß wir den Heiland grüßen. Daß wir den Heiland küssen? Komm, stelle dich doch ein. JEsu, du Licht meiner Seele, wenn meine Augen wollen dunkel werden, so laß in meiner Seele aufgehen die himmlische Klarheit. Weiche nicht von mir, wenn meine Augen brechen; zeige mir alsdann deine Gestalt, und laß mich sehen dein Bilde, wie du dich am Kreuz zu Tode geblutet hat. Ob ich schon wandle im finstern Täl, fürchte ich doch kein Unglück, denn mein den Sterbenden vorzusprechen. 513 JEsus ist bei mir. Ja, mein JEsu, bleibe bei mir, stärke mich im Glauben, und laß mich dein Eigentum sein, hier zeitlich und dort ewiglich. Ich bin arm und elend, der HErr aber sorget für mich. Du bist mein Helfer und Erretter; mein Gott, verzeuch nicht. Ps. 40, 18. Wo soll ich mich denn wenden hin? Zu dir, HErr JEsu, steht mein Sinn, Bei dir mein Herz, Trost, Hiilf und Rat Allzeit gewiß gefunden hat; Niemand jemals verlassen ist, Der sich verläßt auf JEsum Christ. Ja, mein JEsu, auf dich verlasse ich mich von Grund meiner Seele; ach, komme und spanne mich aus, bringe meinen matten Leib zur Ruhe und meine Seele nimm auf zu deiner ewigen Himmelsfreude. Ach, höre, o JEsu, mein schwaches Seufzen. Sei mein Beistand in der Noth; du mein Seligmacher und Erretter, errette mich, löse mich auf und mache mich selig. Gib dem Satan keine Macht über mich. Thue mir jetzt die Thür auf zum Himmel und zum ewigen Leben. Ach, komme doch bald, erlöse mich, erquicke mich, segne mich, erbarme dich! Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Jes. 41, 10. 514 Seufzer, Sprüche und Gebete, OHErr Christ, du Morgenstern, Der du ewiglich aufgeht, Sei doch jetzt von mir nicht fern, Weil dein Blut mich hat erlöst; Hilf, daß ich mit Fried und Freud Mög von hinnen fahren heut; Ach, sei du mein Licht und Straße, Mich mit Beistand nicht verlasse. O JEsu, mein einziger Fürbitter bei deinem himmlischen Vater, der du zu seiner Rechten sitzest und vertrittst uns, ach, bitte auch für mich armen Sünder, jetzt und in der Stunde meines Todes; ich fürchte mich nicht, weil du bei mir bist. Ja, du werter Heiliger Geist, du Tröster in aller Noth, bleibe bei mir mit deinem Trost, bis an mein letztes Ende. Ich habe einen starken Beistand, mein Vater ist bei mir, ja, auch die Engel sind bei mir; so will ich mit Freuden sterben. Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitet mich nach deinem Rat, und nimmt mich endlich mit Ehren an. Ps. 73,23. 24. Hilf, daß ich ja nicht wanke. Von dir, HErr JEsu Christ, Den schwachen Glauben stärke. In mir zu aller Frist; Hilf ritterlich mir ringen, Ach, habe auf mich Acht, Bis ich mag fröhlich singen: Ich hab's mit Gott vollbracht. Durch deinen bittem Todeskampf und blutigen Schweiß hilf mir, lieber HErr Gott! Ich weiche nicht von dir, ach, bleibe du auch bei mir; o JEsu, wenn mein Kampf angehet, so hilf mir ringen, so hilf mir siegen und überwinden; wenn die Angst meines Herzens groß wird, so führe den Sterbenden vorzusprechen. 515 mich aus meinen Nöten. Ich bin ja dein Eigentum, darum führe mich durch alle Angst hindurch zur Freude, zur Wonne, zur Herrlichkeit. Bist du mit mir, so fürchte ich mich nicht, so bin ich selig, so werde ich zur Freude eingehen. Ei du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenigem getreu gewesen; ich will dich über viel setzen; gehe ein zu deines HErm Freude. Matth. 25, 23. Nun ich warte mit Verlangen. Auf den süßen Augenblick, Wann du kommst, mich zu empfangen, Komm, und weiche nicht zurück; Nimm mich auf zu deinen Frommen, Komm, ich heiße dich willkommen; Komm, ach komm, o Gottes Lamm, Nimm mich auf, mein Bräutigam! O JEsu, dir will ich in deiner Kraft und durch deines Geistes Beistand treu verbleiben bis an den Tod. Ich weiche nicht von dir, mein Seelenfreund; ich fliehe nicht von dir, mein Hirte; ich lasse dich nicht, mein Seelenbräutigam; außer dir kann mich nichts ergötzen. Führe mich, o liebster Freund, aus dem Elende zur Freude, aus dem Jammer zur Wonne. Ich weiß, daß mein Erlöser lebet; und er wird mich hernach aus der Erde auferwecken; und werde darnach mit dieser meiner Haut umgeben werden, und werde in meinem Fleisch Gott sehen. Denselben werde ich mir sehen, und meine Augen werden ihn schauen, und kein Fremder. Hiob 19, 25-27. 516 Seufzer, Sprüche und Gebete, Christus der ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn, Demthu ich mich ergeben. Mit Freud fahr ich dahin. Mit Freud fahr ich von dannen. Zu Christ, dem Bruder mein, Daß ich mög zu ihm kommen. Und ewig bei ihm sein. Ja, hiermit ergebe ich mich dir, o dreieiniger Gott, in deinen Schutz und Gnade; meine teuer erkaufte Seele befehle ich dir; ich sterbe und werde auch wieder auferstehen; ich sterbe und werde ewig leben in der Himmelsfreude. Odreieiniger Gott, bringe mich zur Ruhe, zur Herrlichkeit, verkürze meine Schmerzen, versüße mir meine Todesstunde, tröste mich mit dem innerlichen Trost des Heiligen Geistes, denselben nimm nicht von mir. Auf das Verdienst JEsu lebe und sterbe ich. Laß mich bald dein FreudenAngesicht schauen in der ewigen Himmelsfreude. Ich aber will schauen dein Antlitz in Gerechtigkeit; ich will satt werden, wenn ich erwache nach deinem Bilde. Ps. 17, 15. Ach, ich habe schon erblicket. Diese große Herrlichkeit, Jetzowerd ich schön geschmücket. Mit dem weißen Himmelskleid; Mit der güldnen Ehrenkrone Steh ich da vor Gottes Throne, Schaue solche Freude an. Die kein Mensch beschreiben kann. Ach, mein JEsu, freudig ist meine Seele, wenn sie an deine Herrlichkeit und an die Freude denket, die du mir bereitet hat. Ich verlasse gern die Welt, weil ich zu meinem JEsu komme, den Sterbenden vorzusprechen. 517 zu meinem Seelenbräutigam; o wie wohl, o wie selig werde ich sein, wenn er meine Seele als seine Braut wird zur Hochzeit einführen, mir das weiße Kleid anlegen, mir die Krone aufsetzen, und mich ewig, nach so vielen ausgestandenen Leiden, Schmerzen und Trübsalen erquicken. Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand, und keine Qual rühret sie an. Von den Unverständigen werden sie angesehen, als stürben sie; und ihr Abschied wird für eine Pein gerechnet, und ihre Hinfahrt für ein Verderben; aber sie sind im Frieden. Weish. 3, 1-3. Freu dich sehr, o meine Seele, Und vergiß all Noth und Qual, Weil dich nun Christus, dein HErre, Ruft aus diesem Jammerthal; Aus Trübsal und großem Leid Sollt du fahren in die Freud, Die kein Ohr jemals gehöret Und in Ewigkeit auch währet. Ich weiß, wenn ich sterbe, so komme ich aus dem Elende zu Gott, aus der Last zur Lust, aus der Angst zum Frieden, aus der Eitelkeit zur Seligkeit, aus der Unruhe zur Ruhe, aus dem Leid zur Freude, darum freuet sich meine Seele. O mein Gott, hier bin ich, so nimm meine Seele hin, mache die herrlich, mache sie selig. Mein JEsu, ich bin dein, du bist mein, wir wollen im Tod und Leben ungeschieden sein. Wir wissen aber, so unser irdisch Haus dieser Hütte zerbrochen wird, daß wir einen Bau haben von Gott erbauet, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist, im Himmel. 2 Cor. 5, 1. 5 1 8 Seufzer, Sprüche und Gebete, Da wird sein das Freudenleben, Da viel tausend Seelen schon Sind mit Himmelsglanz umgeben, Dienen dir vor Gottes Thron, Da die Seraphinen prangen. Und das hohe Lied anfangen: Heilig, heilig, heilig heißt Gott der Vater, Sohn und Geist. Ach, lieber HErr JEsu, versiegle diesen Trost in meinem Herzen, daß ich zu der Himmelswohnung und Herrlichkeit gelangen werde, wenn ich nun dies Haus und dies mein Sterbebette verlassen werde. Welch ein herrliches Haus, welch eine Freudenstätte hast du mir bereitet, da ist keine Angst, kein Jammer und Elend mehr, sondern Freude, Trost, Herrlichkeit, Wonne, Sonne. Ach, wären wir da! Weiche nicht von mir, ich will nimmermehr von dir weichen, dir will ich anhangen, auf deine Gnade verlasse ich mich, in deine Wunden verberge ich mich, auf deinen Tod sterbe ich, durch dein Blut mache mich gerecht und selig. Die Erlöseten des HErrn werden wiederkommen, und gen Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird weg müssen. Jes. 35, 10. Nun es wird annoch geschehen, Daß ich auch nach kurzer Zeit. Meinen Heiland werde sehen. In der großen Herrlichkeit. Denn allhier ist lauter Noth, Müh und Furcht, zuletzt der Tod, Aber dort ist allezeit Friede, Freud und Seligkeit. den Sterbenden vorzusprechen. 519 Gedenke, o JGsu, ich bin durch dein Blut erlöset, laß mich auch bald in dein himmlisches Zion kommen. Ich habe hier lange genug das Tränenbrod gegessen, ach, laß mich bald das süße Engels- und Himmelsbrod kosten. Seufzen und Schmerzen sind hier meine tägliche Gesellschaft gewesen, aber ach, laß mich hören Freude und Wonne, laß meine Seele einen Blick in deine Herrlichkeit tun, erfreue mich nach dem Leiden, erquicke mich in dir und durch dich in Ewigkeit. Ich habe einen guten Kampf gekämpfet; ich habe den Lauf vollendet; ich habe Glauben gehalten. Hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der HErr an jenem Tage, der gerechte Richter, geben wird, nicht mir aber allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb haben. 2. Tim. 4,7. 8. JEsu, hilf siegen, und laß mir's gelingen, Daß ich die Zeichen des Sieges erlang; So will ich ewig dir Lob und Dank singen, JEsu, mein Heiland, mit frohem Gesang; Wie wird dein Name da werden gepriesen, Wo du, o Held, dich so mächtig erwiesen. O JEsu, hilf mir glücklich überwinden, wenn nun der letzte Kampf angehet; stehe bei mir, so wird es mir leicht werden; stärke mich, wenn ich kraftlos bin, mein Helfer, hilf mir in meiner Angst und Mattigkeit. Deine Gnade stärke mich, dein Blut erquicke mich, deine Hand erhalte mich, dein heiliges Verdienst bedecke meine Sünden; 520 Seufzer, Sprüche und Gebete, halte mich Elenden in deinen Armen, labe mich, wenn ich ohnmächtig werde. Auf den Kampf folget die Krone, auf den Streit der Sieg. O wie herrlich werde ich gezieret und von dir gekrönet werden nach meinem Tod! Zeige mir die Krone, die du mir beigeleget hat, und erfreue meinen Geist mit deiner trostreichen Gegenwart. Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angelegt werden. Offenb. 2, 10. 3, 5. Schaut mich in meinem Kranze, Darin ein Sieger prangt, Beschaut mich in dem Glanze, Den meine Seelerlangt; Ich trag die Himmelskrone, Ich glänz in Himmelspracht, Damit von Gottes Sohne Ich gnädigward bedacht. Von meines JEsu Liebe will ich nimmermehr lassen, ich habe ihn geliebet in gesunden Tagen, ich will ihn auch lieben bis in meinen Tod. O JEsu, um deiner heiligen Wunden willen erhalte mich in deiner Liebe; dir will ich treu verbleiben im Glauben bis an den Tod, direwig treu sterben. JEsum in meinem Herzen, Christum in meinem Sinn, in JEsu Namen schlaf ich ein. Ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentum, noch Gewalt, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch keine andere Creatur mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo JEsu ist, unserm HErrn. Röm. 8,38. 39. den Sterbenden vorzusprechen. 52 1 JEsum, JEsum will ich lieben, Hier und dort in Ewigkeit, Sollten mich gleich hier betrüben Aller Jammer, alles Leid; Was frag ich nach Höll und Tod? JEsus hilft mir aus der Noth, Der wird mich zur Freude führen, Wo die Seinen jubilieren. Ja, das ist mein Schluß, meinen JEsum lasse ich nicht. Ich bleibe im Glauben, ich halte mich an ihn, der Tod scheidet Leib und Seele, aber meine Seele scheidet er von JEsu nicht; JEsus ist mein, ich bin sein, ich lege mich in meines JEsu Arme, darin will ich selig leben und sterben; o wie wohl! o wie wohl! Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewähret ist, wird er die Krone des Lebens empfahen, welche Gott verheißen hat denen, die ihn lieb haben. Jac. 1, 12. Herzlich tut mich verlangen Nach einem selgen End, Weil ich hier bin umfangen. Mit Trübsal und Elend; Ich hab Lust abzuscheiden. Von dieser bösen Welt, Sehn mich nach Himmelsfreuden, O JEsu, komm nun bald. Ach ja, o JEsu, komme zu mir, ach, komme doch bald, ohne Aufenthalt, und nimm mich hin in Frieden; gib mir Geduld und Stärke, ich übergebe mich dir ganz und gar, meinen Leib, meine Seele; erhalte mich im Glauben bis an mein seliges Ende. O JEsu, hilf mir durch deine große Gnade und Barmherzigkeit zur ewigen Freude und Seligkeit. HErr Gott, der du 522 Seufzer, Sprüche und Gebete, bist unsre Zuflucht für und für, sei jetzt auch meine Zuflucht, mein Heil, mein Gott, mein Trost, mein Erretter, mein Erbarmer und Seligmacher. Nimm auf die Seele, die nach dir seufzet. O wie verlanget mich, Gottes Angesicht zu sehen, bei den Engeln und Auserwählten zu sein, in himmlischem Glanz und Klarheit einherzugehen. In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöset, HErr, du treuer Gott. Ps. 31, 6. Gleichwie sich fein Ein Vögelein In hohle Bäum verstecket, Wenn's trüb hergeht, Die Luft untät, Menschen und Vieh erschrecket: Also, HErr Christ, Mein Zuflucht ist. Die Höhle deiner Wunden; Wenn Sünd und Tod Mich bracht in Noth, Hab ich mich drein gefunden. Darin ich bleib, Ob Seel und Leib. Hier von einander scheiden, So werd ich dort Bei dir, mein Hort, Sein in ewigen Freuden. Meine einzige Zuflucht nehme ich in meinem Sterben zu dir, o dreieiniger Gott, zu der Barmherzigkeit des himmlischen Vaters, zu den blutigen Wunden JEsu Christi, zu der Gütigkeit des Heiligen Geistes. Diesem dreieinigen Gott befehle ich meinen Leib und Seele. Ach, nimm dein Täublein auf, ich komm in vollem Lauf. Breit aus die Flügel beide, o JEsu, meine Freude, und nimm dein Küchlein ein. Will Satan mich verschlingen, so laß die Englein singen: Dies Kind soll unverletzet sein. den Sterbenden vorzusprechen. 523 Ihr seid kommen zu dem Berge Zion, zu der Stadt des lebendigen Gottes, zu dem himmlischen Jerusalem, und zu der Menge vieler tausend Engel, und zu der Gemeine der Erstgebornen, die im Himmel angeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollkommenen Gerechten. Hebr. 12, 22. 23. Mein Gott, ich bin bereit, Zum Himmel einzugehen Und in verklärtem Glanz. Vor deinem Thron zu stehen; Was soll ich auf der Welt In Trübsal länger tun? Ach, hole mich zu dir, Dort kann ich sicher ruhn. HErr, eile mit mir fort, Hier wird mir gar zu lange, Den Himmel wünsch ich mir, Daß mich die Freud umfange. Da ich dich schauen kann. In alle Ewigkeit; Ach, eile bald mit mir, Mein Gott, ich bin bereit. Mein JEsu, wie herrlich wird der Anblick sein, wenn ich werde dich in deiner Herrlichkeit und alle Engel und Auserwählte in dem Himmel antreffen. Nun, darauf freue ich mich. Ich verlasse die Erde und komme zur Herrlichkeit, ich verlasse das Elend und komme zur Freude, ich verlasse die Menschen und komme zu den heiligen Engeln. JEsus Christus, gestern und heute, und derselbe auch in Ewigkeit. Hebr. 13, 8. Ich rühme mich immer der blutigen Wunden, Die JEsus an Händen und Füßen empfunden; Drein will ich mich hüllen, recht christlich zu leben,. Wer wollte um JEsum nicht immerdar schweben? Wenn Auge und Herz nun im Tode ich neigen, So will ich noch sterbend mit Seufzen bezeugen, Daß IEus, nur IEus, mein JEsus soll heißen. Von welchem mich Satans Macht niemals soll reißen. 524 Seufzer, Sprüche und Gebete, Nun, mein Heiland, dabei laß mich unverrückt verbleiben. Die Süßigkeit deines JEsus Namens laß meine matte Seele empfinden und erquicken. Die Kraft deines vollgültigen Verjöhnungstodes laß mir im Sterben und vor dem Gerichte Gottes zu Statten kommen, daß ich so in dir mög hier gerecht und rein, und auch dorten ewig selig sein. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir. Und ich gebe ihnen das ewige Leben; und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie mir aus meiner Hand reißen. Joh. 10, 27. 28. Ich bin ein Glied an deinem Leib, Deß tröst ich mich von Herzen; Von dir ich ungeschieden bleib ln Todesnot und Schmerzen; Denn wo du bist, da komm ich hin, Daß ich stets bei dir leb und bin; Drum fahr ich hin mit Freuden. Ach ja, mein Hirte JEsu, bringe mich, dein armes Schäflein, nun zur Himmelsfreude, laß den Satan mich nicht aus deiner Hand reißen, du bist mächtiger und stärker als der Satan; dein bin ich, dein will ich auch bleiben. Satan hat kein Teil und Recht an mir, aber dein Eigentum bin ich gewesen und will es auch ewig sein. Ach, nimm meine Seele, wie ein mattes Schäflein, in deine Arme und bringe sie zur ewigen Wonne. O wie wohl, o wie selig, wenn ich bei meinem JEsu bin! den Sterbenden vorzusprechen. 525 Selig sind die Todten, die in dem HErrn sterben, von nun an. Ja, der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit; denn ihre Werke folgen ihnen nach. Offenb. 14, 13. Drum laß ich billig dies allein, O JEsu, meine Sorge sein. Daß ich dich herzlich liebe, Daß ich in dem, was dir gefällt. Und mir dein klares Wort vermeldt, Aus Liebe mich stets übe; Bis ich Endlich Werd abscheiden, und mit Freuden zu dir kommen, Aller Trübsal ganz entnommen. Da werd ich deine Süßigkeit, Die jetzt berühmt ist weit und breit, In reiner Liebe schmecken. Und sehn dein lieblichs Angesicht. Mit unverwandtem Augenlicht, Ohn alle Furcht und Schrecken. Reichlich Werd ich Sein erquicket und geschmücket vor deim Throne Mit der schönsten Himmelskrone. - Ach, HErr, sprich meiner Seele den Trost ein: ich werde in dir sterben. O JEsu, du hast in mir gelebet, und ich in dir, darum will ich auch in dir sterben, in deiner Liebe, in deinen Wunden, in deiner Gnade; laß meinen Jammer und Kummer, meine Schmerzen und Leiden aufhören, hingegen bringe mich zum ewigen seligen Leben, da werde ich ruhen von meiner Arbeit, von meinen Leiden und Schmerzen. O JEsu, höre mich, ja, komme, HErr JEu! Der HErr aber wird mich erlösen von allem Übel, und aushelfen zu einem himmlischen Reich; welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. 2. Tim. 4, 18. Gott Lob! die Stund ist kommen, Da ich werd auf genommen. Ins schöne Paradeis. Ihr Eltern dürft nicht klagen, Mit Freuden sollt ihr sagen: Dem Höchsten sei 526 Seufzer, Sprüche und Gebete, Lob, Ehr und Preis! Er eilet mit den Seinen, Läßt sie nicht lange weinen. In diesem Tränenthal. Ein schnell und selig Sterben. Ist schnell und glücklich erben. Des schönen Himmels Ehrensaal. O großer Gott, denke jetzt in Gnaden an mich, und erbarme dich; ach, gib mir ein vernünftiges, stilles und sanftes Ende. Mein Todestag ist mein Erlösungstag, und meine Todesstunde ist die Stunde, da ich zur ewigen Freude eingehen soll. Ach, erhalte mir meinen guten Verstand bis an das Ende meines Lebens, laß mich freudig anhören den Trost, der mir versprochen wird, und verleihe, wenn es dein heiliger Wille ist, daß ich den Umstehenden noch meinen Glauben und meine Hoffnung bezeugen könne, und so erlöse mich durch ein seliges Ende von allem Übel. Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Matth. 25, 34. Im Himmel ist gut wohnen, Wo mit dem Ehrenkleid Mein JEsus wird belohnen. Der Frommen Herzeleid; Da glänzt der Leib und funkelt, Gleichwie ein Edelstein, Das Licht wird nicht verdunkelt, Im Himmel ist gut sein. Ach, mein JEsu, laß mich auch, wenn ich von dem Leibe scheide, diese Stimme hören; sprich meiner Seele alsdann zu: Komme her, du Gesegnete! Ja, laß Leib und Seele am jüngsten Tage mit diesen Worten in die Herrlichkeit den Sterbenden vorzusprechen. 527 geführet werden. Indessen fasse ich dich im Glauben und erlange in dir und durch dich den Segen und das Erbe. Ich freue mich im HErm, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mich angezogen mit Kleidern des Heils, und mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet. Jej. 61, 10. O Jerusalem, du Schöne, Ach wie helle glänzest du! Ach, wie lieblich Lobgetöne Hört man da in sanfter Ruh! O der großen Freud und Wonne! Jetzund gehet auf die Sonne, Jetzund gehet an der Tag, Der kein Ende nehmen mag. Die Himmelsfreude, das weiße Ehrenkleid versüßet mir alle Bitterkeit des Todes. Der Tod ist mir nicht bitter, JEsus ist bei mir, der tröstet mich, der erhält mich. Ach, mein Gott, lege mir an das himmlische Freudenkleid, der du mich mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet hat. Deine Gerechtigkeit ist meine Gerechtigkeit, und dämm weiß ich, weil ich bin gerecht worden durch den Glauben, so habe ich Frieden mit Gott durch unsern HErm JEsum Christum, ja, ich habe Leben und Seligkeit zu erwarten; wie schön werde ich da gezieret stehen vor dir! Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Joh. 3, 16. 528 Seufzer, Sprüche und Gebete, HErr, ich glaube, hilf mir Schwachen, Laß mich gar verzagen nicht, Du nur kannst mich stärker machen, Wenn mich Sünd und Tod anficht; Deiner Güte will ich trauen, Bis ich fröhlich werde schauen Dich, HErr JEsu, nach dem Streit, ln der frohen Ewigkeit. Ach, liebster Gott und Vater, laß mich jetzt auf JEsum Christum sanft und selig von hinnen scheiden; ich weiß, du hast mich auch geliebet und mir deinen Sohn gegeben; ich habe auch an ihn geglaubet, und will in solchem Glauben an ihn beharren bis an den letzten Augenblick meines Lebens. Ach, versichere mich durch deinen Heiligen Geist, ich werde nicht verloren werden. Stärke mich in solchem Glauben, daß ich bald, was ich hier geglaubet, möge schauen in dem ewigen Leben. Ach, JEsu, stehe mir bei, ach, verlaß mich nicht. Wiffet, daß ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöset seid von eurem eiteln Wandel nach väterlicher Weise, sondern mit dem teuren Blut Christi, als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. 1. Petr. 1, 18. 19. HErr JEsu Christ, dein teures Blut. Ist meiner Seele höchstes Gut; Das stärkt, das labt, das macht allein. Mein Herz von allen Sünden rein. HErr JEsu, in der letzten Noth, Wenn mich schreckt Teufel, Höll und Tod, So laß ja dies mein Labsal sein, Dein Blut macht mich von Sünden rein. Ich komme jetzt, o großer Gott, vor dich, nicht auf meine Gerechtigkeit, sondern in der Gerech- den Sterbenden vorzusprechen. 529 tigkeit JEsu Christi, die ich mir durch den Glauben zugeeignet habe. O du Lamm Gottes, das du trägst die Sünde der Welt, erbarme dich meiner. Ach, gerechter Gott, siehe nicht an meine Sünden und Unreinigkeit, sondern meines JEsu Gerechtigkeit und Heiligkeit; dieselbe ergreife ich, in seine Wunden verberge ich mich, auf sein Verdienst sterbe ich, um des willen sei mir gnädig und barmherzig. Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, darin wir sollen selig werden. Apost. 4, 12. JEsus ist für mich gestorben, Und sein Tod ist mein Gewinn, Er hat mir das Heil erworben, Drum fahr ich mit Freuden hin, Hier aus diesem Weltgetümmel, In den schönen Gotteshimmel, Schaue solche Freude an. Die kein Mensch beschreiben kann. JEsu, mein einziges Heil und meine Zuflucht, ich komme zu dir jetzt in meiner Todesstunde, ach, erbarme dich, verlaß mich nicht. Der süße JEsus Name und das Andenken eines vergossenen Blutes, seiner Wunden, seiner heiligen Person soll nun in meinem Munde, in meinem Herzen und in meinen Gedanken bleiben. HErr JEsu, dir lebe ich; HErr JEsu, dir sterbe ich; HErr JEsu, dein bin ich todt und lebendig. Amen. 530 Seufzer, Sprüche und Gebete, Ob jemand sündiget, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, JEsum Christum, der gerecht ist. Und derselbige ist die Versöhnung für unsere Sünde; nicht allein aber für die unsere, sondern auch für der ganzen Welt. Joh. 2, 1.2. So fahr ich hin zu JEsu Christ, Mein Arm thu ich ausstrecken; So schlaf ich ein und ruhe fein, Kein Mensch kann mich aufwecken, Denn JEsus Christus, Gottes Sohn, Der wird die Himmelsthür auftun, Mich fühm zum ewgen Leben. O großer Gott, die Zeit kommt herbei, daß ich soll abscheiden aus der Welt und vor dein Gericht treten; ach, himmlischer Vater, erbarme dich über mich, und nimm mich als dein Kind, das du erschaffen und geliebt hat, in Gnaden auf. O JEsu, bitte für mich, du bist mein Mittler, Fürsprecher und Seligmacher. Nimmweg meine Sünden, kleide mich in deine Gerechtigkeit, so bin ich selig. O werter Heiliger Geist, wohne und bleibe in meinem Herzen, daß du mich bringelt zu der ewigen Himmelswohnung Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer mein Wort höret, und glaubet dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben, und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurch gedrungen. Joh. 5, 24. Wenn ich nun soll sterben, Und mein Fleisch verderben, Da verlaß mich nicht; Tritt mir an die Seite, Hilf, daß ich so streite, Daß ich ins Gericht Ja nicht komm, Erhalt mich fromm, Daß ich in dem Freudenleben. Um dich möge schweben. - den Sterbenden vorzusprechen. 531 Diese Verheißung erfülle auch an mir, mein Heiland, in Gnaden. Vor das Gericht laß mich kommen und da um deinetwillen Barmherzigkeit erlangen. Ins Gericht aber laß mich nicht kommen und mich nichts von dem Urteil des Todes hören. Erhalte mich im Glauben an dich bis ans Ende, daß auch bei mir sei des Glaubens Ende, der Seele Seligkeit. Darum lasset uns hinzutreten mit Freudigkeit zu dem Gnadenstuhl, auf daß wir Barmherzigkeit empfahen, und Gnade finden auf die Zeit, wenn uns Hülfe not ein wird. Hebr. 4, 16. Stärk mich mit deinem Freudengeist, Heil mich mit deinen Wunden, Wasch mich mit deinem Todesschweiß In meinen letzten Stunden, Und nimm mich einst, wenn dir's gefällt, Im wahren Glauben von der Welt. Zu deinen Auserwählten. Ach ja, um JEsu willen werde ich Barmherzigkeit erlangen. HErr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über mich; HErr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich; HErr Gott Heiliger Geist, erbarme dich über mich und jei mir gnädig und bannherzig! Amen. Gott hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. 2 Cor. 5, 21: JEsu, du hast weggenommen. Meine Sünden durch dein Blut, Laß es, o Erlöser kommen. Meiner Seligkeit 532 Seufzer, Sprüche und Gebete, zu gut, Und dieweil du, so zerschlagen, Hat die Schuld am Kreuz getragen, Ach, so sprich mich endlich frei, Daß ich ganz dein eigen sei. JEsu, du hast meine Sünden weggenommen, und hat mir deine Gerechtigkeit geschenket; was mein ist, meine Sünden und Schulden, sind dir aufgeleget, und was dein ist, deine Gerechtigkeit, ist mir geschenket; deß freue ich mich, des tröste ich mich. Christi Blut und Gerechtigkeit ist mein Schmuck und Ehrenkleid, damit will ich vor Gott bestehn, wenn ich zum Himmel werd eingehn. In JEsu bin ich gerecht, in ihm bin ich selig; ich verhülle mich in meiner Todesstunde in seine Gerechtigkeit, o, darin kann ich fröhlich sterben und Gott angenehm sein. Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen; und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerzen wird mehr sein. Offenb. 21,4. O wie selig seid ihr doch, ihr Frommen, Die ihr durch den Tod zu Gott gekommen! Ihr seid entgangen. Aller Noth, die uns noch hält gefangen. Christus wichet ab all eure Tränen, Habt das schon, wonach wir uns erst jehnen; Euch wird gesungen, Was durch keines Ohr allhier gedrungen. Komm, o Christe, komm, uns auszuspannen; Lös uns auf und führ uns bald von dannen. Bei dir, o Sonne, Ist der frommen Seelen Freud und Wonne. Ach, JEsu, ich freue mich auf die Stunde, da ich werde dein Freuden- Angesicht mit verklärten Augen sehen. Da wird mein Leib leuchten wie den Sterbenden vorzusprechen. 533 die Sonne, und meine Augen werden nicht mehr von Tränen naß, sondern voll Licht und Glanz sein; bei dir finde ich Freude und Trost. Hier bin ich nur noch wie in einer Herberge, bei dir aber bin ich in meinem rechten und ewigen Vaterlande. So wir aber im Licht wandeln, wie er im Lichte ist, so haben wir Gemeinschaft unter einander, und das Blut JEsu Christi, seines Sohns, macht uns rein von aller Sünde. 1. Joh. 1, 7. Wann endlich ich soll treten ein. In deines Reiches Freuden, So soll dies Blut mein Purpur sein, Ich will mich darein kleiden. Es soll ein meines Hauptes Krön, In welcher ich will vor dem Thron. Des höchsten Vaters gehen, Und dir, dem er mich anvertraut, Als eine wohlgeschmückte Braut. Zu deiner Seiten stehen. In der Gemeinschaft meines JEsu bin ich, darin lebe und sterbe ich; o JEsu, du in mir und ich in dir. Es ist nichts Verdammliches an mir, weil ich in deiner Gemeinschaft stehe. Nun gehe ich zur Herrlichkeit ein, JEsu Blut heiliget, kleidet, zieret und macht mich rein. O himmlischer Vater, siehe, das ist deines Sohnes Gerechtigkeit, darin komme ich zu dir. Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt. Joh. 1,29. O Lamm Gottes unschuldig Am Stamm des Kreuzes geschlachtet, Allzeit funden geduldig, Wiewohl du wärest 534 Seufzer, Sprüche und Gebete, verachtet; All Sünd hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen. Erbarm dich unser, o IEu! Christe, du Lamm Gottes, der du trügest die Sünde der Welt, erbarme dich meiner! Christe, du Lamm Gottes, der du trügest die Sünde der Welt, erbarme dich meiner! Christe, du Lamm Gottes, der du trügest die Sünde der Welt, verleihe mir deinen zeitlichen und ewigen Frieden. HErr, nun lässest du deinen Diener im Frieden fahren, wie du gesagt hat, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen. Luc. 2,29. 30. JEsu, du Herzog der Friedens-Heerschaaren, OKönig in Salem, ach, zieh mich nach dir, Laß mich den Friedensbund treulich bewahren, Im Wege des Friedens dir folgen allhier; Ach, laß deinen Geist kräftig mich regieren. Und dir nach im Frieden zum Vater hinführen. Ja, der Friede Gottes, welcher höher ist, denn alle Vernunft, der bewahre auch mein Herz und meine Sinne in Christo JEsu, zum ewigen Leben. Da sind die Friedenshäuser, da heißt's: Victoria! da trägt man Siegesreier; ach, wär ich nur schon da! Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hat, daß sie meine Herrlichkeit sehen. Joh. 17, 24. Ist's nun dein Will, so stell dich ein, Mich selig zu versetzen, Ach, ewiglich bei dir zu sein. Kann meine Seel ergötzen! Eröffne dich, du Himmelssaal, Damit ich nach der Noth und Qual. Zu meinem JEsu komme. den Sterbenden vorzusprechen. 535 O welch eine fröhliche und selige Zusammenkunft wird das sein, wenn ich zu dir, o JEsu, kommen und dich von Angesicht zu Angesicht anschauen werde. Ich habe dich hier schon geliebet, ehe ich dich gesehen habe, wie werde ich mich dann in unaussprechlicher Freude ergötzen, wenn ich nun hinkomme, wo du bist, nämlich zu allen Heiligen und Auserwählten! O wie groß ist deine Herrlichkeit, ich habe davon hier in diesem Leben nicht die Hälfte gehöret, was ich mit Augen dorten sehen werde. Ach, ziehe mich zu dir, und bereite mich zu dem seligen Eingang in deine Herrlichkeit. Unser keiner lebt ihm selber, und keiner stirbt ihm selber. Leben wir, so leben wir dem HErrn; sterben wir, so sterben wir dem HErrn. Darum, wir leben oder sterben, so sind wir des HErm. Röm. 14, 7.8. Herzlich lieb hab ich dich, o HErr, Ich bitt, wollt sein von mir nicht fern. Mit deiner Güt und Gnaden; Die ganze Welt nicht freuet mich. Nach Himmel und Erd nicht frag ich, Wenn ich dich nur kann haben; Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, So bist doch du mein Zuversicht, Mein Teil und meines Herzens Trost, Der mich durch sein Blut hat erlöst. HErr JEsu Christ, Mein Gott und HErr, mein Gott und HErr, In Schanden laß mich nimmermehr. O großer Gott, ich bin dein geworden in der heiligen Taufe, ich bin dein geblieben durch den Glauben, laß mich jetzt im Sterben auch dein 536 Seufzer, Sprüche und Gebete, Eigentum ein. O JEsu Christ, Gottes Sohn, der du für mich hat genug getan, ach, schließ mich in die Wunden dein, du bist allein der einige Trost und Helfer mein. Amen. - Halt im Gedächtnis JEsum Christum, der auferstanden ist von den Todten. 2. Tim. 2,8. Erscheine mir zum Schilde, Zum Trost in meinem Tod, Und laß mich sehn dein Bilde, In deiner Kreuzesnoth. Da will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll Dich fest an mein Herz drücken; Wer so stirbt, der stirbt wohl. JEsus ist mir tief in mein Herz eingeschrieben; ach ja, o JEsu, ich halte jetzt im Gedächtnis deine Marter und Pein, dein vergossenes Blut, deine heiligen Wunden. JEsu, ich umfasse dich, an mein Herz drück ich dich, ach, weiche nicht von mir, mich verlangt nach dir, o mein Heiland, wär ich bei dir! HErr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommt. Und JEsus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradies sein. Luc. 23,42. 43. Auf, auf, mein Geist, ermuntre dich Bei allem deinem schweren Leide; O glaube IEu sicherlich, Dies ist der nächste Weg zur Freude. Ergib in kindlicher Geduld Dich deines Vaters Lieb und Huld, Er wird in seinen treuen Händen Dich unaussprechlich schön vollenden, Und ehe du dich's wirst verfehn, Wirst du verklärt dort oben stehn. Mein JEsu, mein einziges Verlangen ist nach deiner Gnade und Barmherzigkeit. Ach, nimm den Sterbenden vorzusprechen. 537 meine durch dein teures Bluterkaufte Seele auf in deine heiligen Hände. Ach, laß sie dir befohlen sein, laß sie zur Freude in das Paradies eingehen. Ich spreche auch mit dem gläubigen Sünder: HErr JEsu, denke mein! denke, ich bin dein Kind, ich bin durch dein Blut dir zum Eigentum erkauft. Laß mich heute bei dir in deiner Herrlichkeit sein. Das ist je gewißlich wahr, und ein teuer wertes Wort, daß Christus JEsus kommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen. 1 Tim. 1, 15. Ich bin gewiß in meinem Glauben, Als der mich Christo einverleibt; Wer kann mir dieses Kleinod rauben, Das mir ein Blut und Tod verschreibt? Sein teures Wort bekräftigt dies, Drum sagt mein Glaub: Ich bin gewiß. Ich bin gewiß in meinem Sterben, Daß mich der Tod nicht tödten kann, Nach ihm macht mich mein Gott zum Erben. Von dem beglückten Canaan; Ein ander Leben folgt auf dies, Mein JEsus lebt: Ich bin gewiß. Ich bin gewiß, so soll es heißen, Bis aus dem Glauben Schauen wird; Es soll mich nichts von JEu reißen, Ich bin ein Schaf, er ist mein Hirt; In Ewigkeit folgt hier kein Riß, Die Losung bleibt: Ich bin gewiß! HErr, ich warte auf dein Heil! JEsus macht die Sünder selig, er macht mich auch selig. JEsus nimmt die Sünder an, er nimmt mich auch an. Ich bin meines JEsu eigen und bleibe sein eigen. Ich hebe meine Augen auf gen Himmel, und sehe, wie JEsus mich zu sich rufet. 538 Seufzer, Sprüche und Gebete, Wenn ich uur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil. Ps. 73,25. 26. Wann ich einmal soll scheiden, So scheide nicht von mir; Wann ich den Tod soll leiden, So tritt du dann herfür, Wann mir am allerbängsten Wird um das Herze sein. So reiß mich aus den Ängsten Kraft deiner Angst und Pein. O JEsu, mein Leben endet sich, ach, nimm mich auf zu dir. Mein Hirte, nimm dein Schäflein; mein Bräutigam, nimm deine Braut; mein Vater, nimm auf dein Kind; mein JEsu, nimm die durch dein Blut erkaufte Seele zu dir. So bete ich, so wünsche ich, und so schließe ich meine Augen zu. Darnach jähe ich, und siehe, eine große Schaar, welche niemand zählen konnte, aus allen Heiden, und Völkern, und Sprachen, vor dem Stuhl stehend, und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern, und Palmen in ihren Händen. Und er sprach zu mir: Diese find's, die kommen sind aus großer Trübsal, und haben ihre Kleider gewaschen, und haben ihre Kleider helle gemacht im Blut des Lammes. Offenb. 7,9. 14. Wer sind die vor Gottes Throne? Was ist das für eine Schaar, Welche zieret eine Krone, Glänzend gleich den Sternen klar, Singen Halleluja all, Loben Gott mit großem Schall? O wie groß wird ein die Wonne, Wann wir werden allermeist Schauen auf dem hohen Throne Vater, Sohn und Heilgen Geist; Großer Gott, dir sei bereit Lob und Preis in Ewigkeit. Ach, mein JEsu, ich freue mich auf das weiße Kleid und auf die schöne Krone, die du mir wirst den Sterbenden vorzusprechen. 539 - geben. Ich wasche indessen meine Seele in deinem heiligen Blute, ich eigne es mir zu; ach, nimm mich um desselben willen auf in dein ewiges Freudenleben. Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände. HErr JEsu, nimm meinen Geist auf! Luc. 23,46. Apost. 7,58. HErr, meinen Geist befehl ich dir, Mein Gott, mein Gott, weich nicht von mir, Nimm mich in deine Hände, O wahrer Gott, Aus aller Noth Hilf mir am letzten Ende. O mein JEsu, so bete ich jetzt auch mit dir. Dein letztes Wort am Kreuz soll auch mein letztes Wort in meinem Leben sein. HErr JEsu, dir lebe ich, dir sterbe ich, dein bin ich todt und lebendig. O wollte Gott, daß ich mein End wie JEsus möcht erreichen, und meinen Geist in Gottes Händ und treuen Schooß bald neigen; ach laß, mein Hort, dein letztes Wort mein letztes Wort auch werden, so werde ich höchst selig gehn zum Vater von der Grden. Wir warten aber eines neuen Himmels, und einer neuen Erde, nach einer Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnet. 2 Petr. 3, 13. O Gottes Stadt, o wahres Licht, O Wohnung aller Freuden, Wann schau ich Gottes Angesicht? Wann endet sich mein Leiden? Wann schmeck ich eine große Güt? O Lieb, es brennet mein Gemüt, Ich lieg und seufze mit Begier, O JEsu, hole mich zu dir. O Gott, wie selig werd ich sein. Wenn ich aus diesem Leben. Zu dir geh in dein Reich nun ein, Das du mir dort wirst geben. Ach HErr, 540 Seufzer, Sprüche und Gebete, den Sterbenden vorzusprechen. wird dann der Tag bald kommen, Daß ich zu dir werd aufgenommen? Ach HErr, wann kommt die Stund heran, Daß ich in Zion jauchzen kann? O du heiliger dreieiniger Gott, nimm jetzt meine Seele auf in dein himmlisches Freudenreich. Ach komme, HErr JEsu, ich warte auf dich, ach, führe mich ein zu deiner Freude. HErr Gott Vater, was du hast erschaffen, HErr Gott Sohn, was du hast erlöset, HErr Gott Heiliger Geist, was du hast geheiliget, das befehle ich dir in deine Hände, deinem heiligen Namen sei Lob und Preis jetzt und in Ewigkeit! Amen. Siehe, ich komme bald, und mein Lohn mit mir. Offenb. 22, 12. - Was hält dich doch zurücke? Mein liebster SeelenHort! Wo sind denn deine Blicke? Wo bleibt dein teures Wort, Das mir und andern Frommen Stets in den Ohren schallt, Daß du bald wollest kommen? So komm, HErr JEsu, bald! Du Treuster aller Treuen, Mein Schatz, vergiß mein nicht, Laß dich den Bund nicht reuen, den du hast aufgericht’t; Ich bin ja die Geliebte, Nach der dein Blut so wallt; Ach, rette die Betrübte, HErr JEsu, komm doch bald. Nun eile mit der Krone, Die deine Huld gemacht, Befördre mich zum Throne, Den du mir zugedacht: Wo frohes Jubelfingen. Und Jauchzen widerhallt, Wo lauter Engel springen; HErr JEsu, komm doch bald! Ja, komm, HErr JEsu, Amen! Komm, komm, verzieh doch nicht, Und denk an deinen Namen, Und was dein Wort verspricht; Ich seufze, weil ich lebe, Und weil die Zunge lallt, Bis ich den Geist auf gebe: HErr JEsu, komm doch bald! Seufzer und Gebete eines Sterbenden. 54 1- Seufzer und Gebete eines Sterbenden. 1. Wenn mein Stiindlein vorhanden ist. Ach, mein JEsu, das weißt du am besten, mein letztes Sterbestündlein ist vielleicht bald vorhanden, darum lehre mich, daß mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß. Erhalte mich im Glauben, daß ich auf den dreieinigen Gott, auf den ich getauft bin, mich verlasse, und auf dein Verdienst, Blut und Wunden, o JEsu, alle meine Hoffnung setze. Ach, in der letzten Sterbestunde bewahre mich vor Anfechtung, laß deine Linke unter meinem Haupte sein, und deine Rechte mich decken. Erquicke mich in meinem Sterbestündlein durch den Trost des Heiligen Geistes, und laß mich hören Freude und Wonne. Bleibe bei mir, wenn mein Gnde kommt, Und soll hinfahm mein Straße. Ach ja, mein JEsu, ich werde die Todesstraße fahren, aber ich fürchte mich nicht, wenn du, o JEsu, bei mir bist. Mein Tod ist ein Hingang zum Vater; wie freue ich mich, daß ich zu meinem himmlischen Vater, zu dir, meinem JEsu, kommen soll, da werde ich Friede, Freude, Trost, Wonne, Sonne, ein herrliches Kleid, eine 542 Seufzer und Gebete eines Sterbenden. - chöne Krone antreffen. O wie wohl wird mir da sein, da wird all mein Jammer und Elend aufhören und ich werde zur Ruhe, zur Freude und zur Seligkeit gelangen. Auf dieser Todesstraße zum ewigen Leben sei bei mir, o JEsu, treibe von mir meiner Seele Feinde, schenke mir hingegen des Glaubens. Freudigkeit und deines Trostes Süßigkeit, und damit ich diese Todesfahrt mit Freuden selig antreten und vollbringen möge, So gleit du mich, HErr JEsu Christ. Ach ja, o JEsu, begleite mich aus diesem zeitlichen Leben in das ewige Leben. Ist's auf der Todesstraße finster, so werde ich doch im Licht wandeln, wenn du, o JEsu, mein Licht bist. Stehe mir bei an meinem Sterbebette, und nimm meine Seele auf, wenn sie von dem Leibe scheidet. Wenn ich meine Leibesaugen im Tode schließe, so laß meiner Seele Augen dich erblicken. Begleite meine Seele, bis du mich bringet zu deiner heiligen Wohnung, zu den heiligen Engeln und zu der Schaar der Auserwählten. Ja, begleite mich vor den Thron deines himmlischen Vaters als dein Eigentum, damit ich daselbst Gnade erlange und als ein Erbe der Seligkeit angenommen werde. In meinem Abschied aus der Welt stehe bei mir, und Seufzer und Gebete eines Sterbenden. 543 Mit Hülf mich nicht verlasse. Ach, es kann mir in meinem Sterbestündlein niemand helfen, als nur du, o JEsu, allein. Hilf mir und stärke meinen Glauben, hilf mir und gib Zeugnis meinem Geiste, daß ich wahrhaftig Got tes Kind sei, und jetzt, als ein Kind Gottes, das ewige Erbe empfangen werde. Ja, verlaß mich nicht, wenn ich im Tod erblasse und die Todes färbe anziehe. Verlaß mich nicht, wenn mir die Augen brechen, alsdann sei du und bleibe das Licht meiner Seele. Verlaß mich nicht, wenn mir das Gehör vergehet, alsdann lehre, tröste und erquicke mich inwendig in meiner Seele. Verlaß mich nicht, wenn mir die Sprache vergehet und ich nicht mehr beten kann, alsdann bitte für mich, o JEsu, und, o Heiliger Geist, bete in mir und vertritt mich bei Gott mit un aussprechlichem Seufzen. Verlaß mich nicht, wenn ich nun verscheide, alsdann führe mich zur Himmelsfreude, ach, nimm Mein Seel an meinem letzten End in deinen Schutz und Gnade auf. O JEsu, du hast ja meine Seele mit deinem heiligen Blut erkauft; ach, wasche und reinige sie, damit sie als ein reines und Gott wohlgefälliges Gefäß erfunden werde. Kommt nun das Ende meines 544 Seufzer und Gebete eines Sterbenden. Mit Hülf mich nicht verlasse. Ach, es kann mir in meinem Sterbestündlein niemand helfen, als nur du, o JEsu, allein. Hilf mir und stärke meinen Glauben, hilf mir und gib Zeugnis meinem Geiste, daß ich wahrhaftig Gottes Kind sei, und jetzt, als ein Kind Gottes, das ewige Erbe empfangen werde. Ja, verlaß mich nicht, wenn ich im Tod erblasse und die Todesfarbe anziehe. Verlaß mich nicht, wenn mir die Augen brechen, alsdann sei du und bleibe das Licht meiner Seele. Verlaß mich nicht, wenn mir das Gehör vergehet, alsdann lehre, tröste und erquicke mich inwendig in meiner Seele. Verlaß mich nicht, wenn mir die Sprache vergehet und ich nicht mehr beten kann, alsdann bitte für mich, o JEsu, und, o Heiliger Geist, bete in mir und vertritt mich bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen. Verlaß mich nicht, wenn ich nun verscheide, alsdann führe mich zur Himmelsfreude, ach, nimm Mein Seel an meinem letzten End in deinen Schutz und Gnade auf. O JEsu, du hast ja meine Seele mit deinem heiligen Blut erkauft; ach, wasche und reinige sie, damit sie als ein reines und Gott wohlgefälliges Gefäß erfunden werde. Kommt nun das Ende meines Seufzer und Gebete eines Sterbenden. 545 melsfreude, zur Wonne, zur Herrlichkeit, da wird ihr wohl sein. Deine Hände sind mächtige Hände, niemand kann meine Seele aus deiner Hand reißen, nicht die Welt, die hat kein Teil an mir, nicht der Satan, den hast du ja überwunden. Deine Hände sind treue Hände, da wird meine Seele in Ewigkeit wohl aufgehoben sein, denn Du wollt sie mir bewahren. Ich gebe sie dir aufzuheben bis an den lieben jüngsten Tag, da wirst du sie mit meinem verklärten Leibe wieder vereinigen und sodann Leib und Seele die Himmelsfreude genießen lassen. Indeß, HErr JEsu, erfreue, tröste und erquicke meine Seele in deiner Herrlichkeit. Verleihe mir nach dem Glauben das Schauen, nach der Unruhe die Ruhe, nach dem Leiden die Freude, nach der Angst den Trost, nach dem Elend die Erquickung. Laß meine Seele unter den Engeln und Auserwählten deine Herrlichkeit sehen, die du deinen Kindern bereitet hat. 2. Mein Siind mich werden kränken fehr. Ach ja, mein JEsu, ich denke heute an meine Sünde, ich denke daran, und ist mir herzlich leid, daß ich dich die Zeit meines Lebens, so lange, so 546 Seufzer und Gebete eines Sterbenden. oft und so vielfältig erzürnet habe mit Gedanken, Worten und Werken. Ach, ich betrübe mich darüber von Grund meiner Seele, daß ich meinen Schöpfer, meinen Erlöser und Heiligmacher beleidiget habe; ach, hätte ich es doch nicht getan, und wenn ich es noch zu tun hätte, so wollte ich es auch nimmermehr vollbringen. Aber, o JEsu, durch dein unschuldig Blut, die schönerothe Fluth, wasch ab all meine Sünde, mit Trost mein Herz verbinde und ihr’r nicht mehr gedenke, ins Meer sie tief versenke. Ach, mein JEsu, wenn meine Sünden vor mein Krankenbette treten, mich ängstigen und verklagen wollen, so tritt, oJEsu, zu meiner Seite, und zeige mir deine heiligen Wunden, und durchstreiche mit deinem heiligen Blute das Sündenregister, und versiegle in meinem Herzen die Vergebung der Sünden mit deinem Heiligen Geist. Nun, dessen tröste ich mich, Mein G'wissen mich wird nagen. Ich fühle wohl, was für Angst und Schrecken ich muß über meine Sünden ausstehen. OSünde, wie bitter bist du auf dem Todbette, wie macht du so angst und bange! Aber ach, mein JEsu, ich bitte um Gnade, ach, verzeihe mir doch gnädiglich, was ich mein Leben lang wider dich auf Erden habe begangen. O JEsu, um deines Seufzer und Gebete eines Sterbenden. 547 vergossenen Blutes willen verzeihe mir alle meine Übertretungen, um deiner heiligen Wunden willen erbarme dich über mich. Um deiner ewigen Liebe willen nimm mich zu Gnaden an. Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge alle meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit; wasche mich wohl von meiner Missethat, und reinige mich von meinen Sünden. So wird mein Gewissen befriediget und mein Herz beruhiget werden. Ach, ich leugne nicht meine Missetaten und Sünden, ich bekenne vor dem allwissenden und heiligen Gott, daß ihrer gar viel sind. Denn ihr sind viel, wie Sand am Meer. Ist des Sandes am Meer viel, noch viel mehr sind meine Sünden; viel habe ich gesündiget mit Gedanken, viel habe ich gesündiget mit meinen Worten und unnützen Reden; viel habe ich gesündiget mit meinen Werken und Taten, von Jugend auf bis auf diese Stunde. So du nun, HErr, willst Sünde zurechnen, wer wird bestehen? willst du die Gedanken meines Herzens vor Gericht bringen, so muß ich mich schämen; soll ich für ein jegliches unnützes Wort Rechenschaft geben, so bin ich verloren; willst du mich richten, und mir geben nach meinen Werken, 548 Seufzer und Gebete eines Sterbenden. o wie wird es mir ergehen? Ach, was soll ich Sünder machen? ach, was soll ich fangen an? mein Gewissen klagt mich an! Doch will ich nicht verzagen. Und warum sollte ich verzagen? der himmliche Vater wird ja ein armes bußfertiges Kind nicht verstoßen. Ich will nicht verzagen; JEsus ist ja mein Heiland, mein Mittler und Fürsprecher bei seinem himmlischen Vater. Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht; wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auferwecket ist, welcher sitzt zur Rechten Gottes, und vertritt uns. Ich will nicht verzagen, der Heilige Geist wird mein Beistand bleiben, auch in meiner Todesnoth, und mir Zeugnis geben, daß ich wahrhaftig Gottes Kind sei, daß meine Sünden mir um JEsu willen sollen vergeben sein, daß die Barmherzigkeit Gottes mich in die Arme fassen wird. Odarum, so oft mich Satan, meine Sünden und mein Gewissen ängstigen und kränken wollen, so sollst du, o JEsu, meiner Seele Zuflucht und mein Trost sein. Gedenken will ich an dein Tod. Ich will mir in meinem Sterben vorstellen dich, o JEsu, am Kreuz, wie du für mich Seufzer und Gebete eines Sterbenden. 549 gestorben, wie du für mich dein Blut vergossen hat, und sagen: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt. O Lamm Gottes unschuldig am Stamm des Kreuzes geschlachtet, allzeit funden geduldig, wiewohl du wärest verachtet; allSünd hast du getragen, sonst müßten wir verzagen; erbarm dich meiner, o JEu! Dein Tod bringt mir das Leben, weil du für mich gestorben, so soll ich nicht des ewigen Todes sterben und verdammet werden, sondern durch dich das Leben haben. Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingebomen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. So soll nun immer in meinem Herzen ein JEsu bitteres Leiden und ein vergossenes Blut, ja, HErr JEsu, und dein Wunden roth laß mir jetzt in mein Herz eingeschrieben sein. Diese Wunden sind auch für mich geschlagen worden, in dieselben will ich meine Zuflucht nehmen. Gleichwie sich fein ein Vögelein in hohle Bäum verstecket, wenn's trüb hergeht, die Luft untät, Menschen und Vieh erschrecket: also, HErr Christ, mein Zuflucht ist die Höhle deiner Wunden; wenn Sünd und Tod mich bracht in Noth, hab ich mich drein gefunden. In deine hei36 550 Seufzer und Gebete eines Sterbenden. ligen Wunden verberge ich mich, und will darin selig leben und sterben, darin ist meine Seele wohl aufgehoben. Floß aus deinen heiligen Wunden Wasser und Blut, so ist mir dadurch die Reinigung von meinen Sünden und die Versöhnung mit Gott versichert worden. JEsu Blut, Tod und Wunden sollen meine letzten Gedanken, und JEsus, JEsus, JEsus mein letztes Wort sein. O JEsus Christus, Gottes Sohn, der du für mich so viel getan, ach, schließ mich in die Wunden dein, du bist allein der einige Trost und Helfer mein. Ja, HErr JEsu, deine Wunden Die werden mich erhalten. Um derselben willen erlange ich Gnade bei Gott, die Gerechtigkeit und die ewige Seligkeit. Schließet man meinen Leib in den Sarg ein, so will ich meine Seele in die Wunden JEsu einschließen. Darin wird sie erhalten werden, da kann sie der Satan nicht rauben, daraus kann sie kein Seelenfeind vertreiben, in diesen Wunden ruhet sie, und wird gebracht zu der Schaar der Frommen. 3. Ich bin ein Glied an deinem Leib. O welcher große Trost ist das in der Stunde meines Todes, daß ich bin ein Glied an deinem Seufzer und Gebete eines Sterbenden. 551 heiligen Leibe! In der heiligen Taufe bin ich neu geboren und wiedergeboren worden, da bin ich geworden ein Glied der christlichen Kirche, deren Haupt JEsus ist; ist aber JEsus mein Haupt, und ich ein Glied, so weiß ich auch, daß ich da sein werde, wo mein JEsus ist. JEsus aber ist in der Herrlichkeit, da werde ich auch hinkommen; lasset auch ein Haupt ein Glied, welches es nicht nach sich zieht? Ja, mein JEsus wird mich auch nach sich ziehen in sein ewiges himmlisches Freudenreich. Er hat verheißen: Wenn ich erhöhet werde von der Erde, so will ich sie alle nach mir ziehen. O JEsu, du bist ja erhöhet zur Rechten deines himmlischen Vaters; ziehe mich nach dir, bringe mich auch zu deiner ewigen himmlischen Freude! Ach ja, du wirst mich als dein Kind teilhaftig machen deiner Herrlichkeit. Deß tröst ich mich von Herzen. Ein herrlicher Trost; wenn das Haupt die Krone trägt, so freuen sich alle Glieder, und weil mein JEsus mit Schmuck und Ehren gekrönet ist, so werde ich nach dem Kampf den Sieg auch empfahen, ein herrliches Kleid, und eine schöne Krone von der Hand des HErrn. Das ist ein gewisser Trost; denn weil ich Gottes 552 Seufzer und Gebete eines Sterbenden. Kind bin, so bin ich ein Erbe, ja, Gottes Erbe und ein Miterbe Christi, der die himmlischen Güter soll erlangen, und zur Herrlichkeit soll erhoben werden. Ojollte ich denn nicht gern sterben, nicht gern mit leiden und mit dulden, damit ich auch mit herrschen und mit leben möge? Das soll auch mein beständiger Trost sein. JEsus, mein Haupt, wird mich, ein Glied, herrlich machen; JEsus, mein Heiland, wird mich selig machen; darum sage ich auch: Mein JEsu, Von dir ich ungeschieden bleib. Kann man in diesem Leben das Haupt von dem Leibe trennen, so kann mich doch niemand von JEsu trennen; ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentum, noch Gewalt, weder Hohes noch Tiefes mich scheiden soll von der Liebe Gottes, die da ist in Christo JEsu, unserm HErrn. Ja nichts, nichts soll mich von JEsu scheiden. Kein Kreuz und Krankheit, darin will ich beständig aushalten; kein Kampf noch Angst meiner Seele, darin wird mir mein JEsus beistehen und mir überwinden helfen; ja, auch der Tod nicht, sondern der wird mir die Thür auftun, daß ich zu JEsu eingehe. Ich will von JEsu ungeschieden bleiben im Leben, Leiden und Sterben; Leib und Seele mögen sich Seufzer und Gebete eines Sterbenden. 553 scheiden, aber JEsus und meine Seele sollen nimmermehr geschieden werden; muß ich scheiden aus der Welt und von meinen Freunden, von JEsu aber doch nimmermehr. O JEsu, ich habe dich allezeit in mein Herz eingeschlossen, darin will ich dich im wahren Glauben festhalten, bis du mich bringet zu deiner himmlischen Herrlichkeit. JEsus ist mein, und ich bin meines JEsu allezeit, auch In Todesnot und Schmerzen. Ist die Todesnot eine große Noth, so ist sie mir doch keine Noth, weil JEsus bei mir ist. Ja, mein JEsu, willst du in dieser Noth von mir weichen? o du treuer Seelenfreund, das wirst du nimmertun. Du hast mir versprochen: Ich bin bei dir in der Noth; so erfülle jetzt auch deine Gnadenverheißung. Ist die Todesnot die letzte Noth, so wirst du sie, mein Heiland, mit deiner Gegenwart versüßen. Erscheine mir zum Schilde, zum Trost in meinem Tod, und laß mich sehn dein Bilde in deiner Kreuzesnoth. Da will ich nach dir blicken, da will ich glaubensvoll dich fest an mein Herz drücken und will sagen: HErr JEsu, ich lasse dich nicht, du segnet mich denn; HErr JEsu, dir lebe ich; HErr JEsu, dir sterbe ich; HErr JEsu, dein bin ich todt und lebendig. Wer so stirbt, der stirbt wohl, denn 554 Seufzer und Gebete eines Sterbenden. Wenn ich gleich sterb, so ferb ich dir. Ja, mein JEsu, ich will gern sterben, weil ich weiß, daß ich zu dir in die Herrlichkeit kommen werde. Ich will im Glauben sterben, und mich auf dein Verdienst, Blut und Tod verlassen. Ich sterbe fröhlich und selig, denn ich sterbe dir, aus Verlangen nach dir, ich sterbe als dein Kind, welches du bisher hat geleitet; ich sterbe als dein Schäflein, welches niemand aus deiner Hand reißen kann; ich sterbe als dein Erbe, welchem die himmlische Freude und Wonne bereitet ist. Denn Ein ewges Leben hast du mir ja dort bereitet; denn im Himmel bei dir, in der Freude, wird kein Ach und Weh, keine Krankheit noch Schmerz, kein Leiden und Tod mehr sein, sondern Freude, Trost, Friede, Erquickung, Süßigkeit, Klarheit und Herrlichkeit, und dieses Leben in Herrlichkeit soll ewig sein, es soll nimmermehr aufhören. O JEsu, wie freue ich mich auf dieses Leben, auf diese Herrlichkeit! Habe ich hier gehabt wenig gute Tage, und mein täglich Brod ist gewesen Mühe und Klage, so werde ich hingegen in dem Himmel haben lauter gute Tage, Freudentage, Erquickungstage. Da wird alles Trauern und Weinen ewig weg sein. Da Seufzer und Gebete eines Sterbenden. 555 wird mein Heiland abwischen alle Tränen von meinen Augen. O selige Stunde, wenn ich zu dieser Freude gelangen werde; und daß ich auch dazu gelangen werde, weiß ich gewiß, denn dies Freudenleben hast du mir Mit deinem Tod erworben. Du bist, o Lamm Gottes, für mich gestorben, du bist die Versöhnung für der ganzen Welt Sünde. Für mich bist du verspottet, gekreuziget und getödtet; dein Tod meinen Tod versüßet, es kommt alles mir zu gut; dein Verspotten, dein Verspeien muß zu Ehren mir gedeihen; tausend, tausendmal sei dir, liebster JEsu, Dank dafür. Dein Tod ist auch mir zu gut geschehen, dadurch bin ich mit Gott versöhnet, dadurch habe ich Friede, Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und der Seele Seligkeit erlanget. Weil du nun lebest, so werde ich auch leben. O darum sei getrost, meine Seele, und schaue mit Freuden gen Himmel. JEsus hat dir den Himmel erworben, und dir daselbst eine Stätte bereitet. Er spricht: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten. O wohlan, habe ich denn hier keine bleibende Stätte, endiget sich mein Leben, bricht mein Herz, scheidet sich Leib und Seele, so weiß ich schon, wohin: zu JEsu, zu JEsu, meinem 556 Seufzer und Gebete eines Sterbenden. Heiland. Denn ich weiß, wenn dieses Haus meiner irdischen Hütte des Leibes durch den Tod zerbrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbauet, ein Haus, das nicht mit Händen gemacht ist, das ewig ist, im Himmel, und dieses hat mir mein JEsus durch sein Leiden und Sterben erworben. 4. Weil du vom Tod erstanden bist, ist es ein herrlicher Trost, den mir Gottes Wort gibt: wenn ich schon sterbe, soll ich doch wieder auferstehen. Obschon mein Leib wird schwach und matt in die Erde geleget, ob er gleich darin wird zu Staub und Asche werden, so wird er doch nicht im Grabe bleiben, sondern herrlich wieder auferstehen; er soll leuchten wie die Sonne in des Vaters Reich, er soll verkläret, verherrlichet und mit weißen Kleidern angetan werden. Ist das nicht ein großer Trost für mich? und der entsteht daher, weil mein JEsus vom Tode auferstanden ist. Er ist für mich am Stamm des Kreuzes gestorben, als das unschuldige Lamm Gottes, er ist auch begraben worden, er ist aber wiederum siegreich am dritten Tage auferstanden; JEsus ist erstanden, ich werde auch auferstehen; JEsus lebet, ich soll auch leben. O Freude, Seufzer und Gebete eines Sterbenden. 557 o Trost, sterbe ich gleich, und mein Leib wird in die Erde geleget, er soll wiederum hervorkommen, mit Unsterblichkeit und Herrlichkeit angetan. JEsus ist nicht im Grabe geblieben, so auch Werd ich im Grab nicht bleiben. JEsus wird mir mein Leben wiedergeben, und auch meine Glieder, Leib und Seele, die durch den Tod getrennet waren, werden in der seligen Auferstehung wieder vereiniget werden. O, darum leget meinen Leib nur hin in das Grab, ich bleibe doch nicht darin, da ist meine Schlafkammer, da will ich sanft schlafen, bis mich JEsus wird erwecken. Da ist mein Ruhebette, nach so vielem Wachen, schweren Leiden, Schmerzen und Ungemach werde ich nun zur Ruhe kommen. In meinem Grab decket JEsus mich mit seinen Gnadenflügeln, er bewahret meine Gebeine, bis er sie wird wieder vereinigen, mir meiner Augen Licht, Haupt und Hände, ja, alle Glieder wiedergeben. So wenig das Grab meinen JEsum hat halten können, so wenig wird es mich auch halten, wenn die letzte Posaune erklingt, welche auch durch die Gräber dringt. So ist mir das Grab nicht schädlich, dieweil mein Leib da ruhet von aller Sorge, von aller Arbeit, von allen Schmerzen, und meine Seele wird in der Himmelsfreude von Gott 558 Seufzer und Gebete eines Sterbenden. erquicket und getröstet werden. Ja, mein Heiland, nicht allein erfreuet mich deine siegreiche Auferstehung, sondern auch , Mein höchster Tritt ein Auffahrt ist. Als JEsus von den Todten erstanden war, so fuhr er auf gen Himmel und ging ein in seine Herrlichkeit. Siehe, mein JEsus ist vorangegangen, ich folge nach, ich werde auch eine herrliche Himmelfahrt halten. Meine Seele wird sogleich nach dem Ausgang aus diesem Leben zu Gott kommen, und in der seligen und fröhlichen Auferstehung der Todten werden wir dem HErm in den Wolken entgegengerücket werden, da dann Leib und Seele mit einander sollen zu ihres HErrn Freude eingehen. Ach, mein JEsu, stelle mir diese herrliche Himmelfahrt fleißig vor, daß ich mich deren möge bei meinem Absterben getrosten; da erinnere mich, daß ich nicht kann gen Himmel fahren, ehe ich dies Sterbliche abgelegt habe und entkleidet worden bin. Das soll nun mein höchster und lieblichster Trost in meinem Sterben bleiben: JEsus lebt, ich werde auch leben; JEsus ist gen Himmel gefahren, ich werde ihm auch nachfahren; JEsus ist in die Herrlichkeit eingegangen, und ich werde auch bei meinem Eingang in den Himmel derselben teilhaftig Seufzer und Gebete eines Sterbenden. 559 werden; was kann mir denn nun süßer und angenehmer sein, als meines JEsu und meine zukünftige Himmelfahrt? Todsfurcht kann sie vertreiben. Ich weiß, daß ich sterben werde, aber ich fürchte mich nicht davor, denn meine Seele gehet aus der irdischen, zerbrechlichen Hütte, und kommt in die ewige Herrlichkeit. Fürchtet sich auch ein Kind, zu seinem Vater zu gehen, oder eine Braut, zu ihrem Bräutigam zu kommen? Durch den Tod gelange ich zu meinem himmlischen Vater, zu JEsu, meiner Seele Bräutigam; sollte ich mich da denn fürchten? Ich gelange zur Herrlichkeit, zum ewigen Licht, zur ewigen Freude, zur Krone und zum weißen Kleid; das macht mir aber keine Furcht, sondern Trost und Freude. Ich sterbe nicht, mein Elend stirbt nur, meine Seele verlieret ihr Kreuz, und erlanget die himmlischen Güter, die verlasset die Menschen, und kommt zu den heiligen Engeln und Auserwählten. Ja, mein JEsu, was meine Todesfurcht noch mehr vertreibt, ist die allerheiligste Vereinigung mit dir; Denn wo du bist, da komm ich hin. O welcher Trost ist das; nach dem seligen Abschied aus diesem Leben soll ich gen Himmel 560 Seufzer und Gebete eines Sterbenden. fahren, und bei meinem JEsu in seiner Herrlichkeit sein: das Schäflein bei dem Hirten, der Jünger bei dem Lehrer, der Diener bei dem HErm. So hat er es auch verheißen: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. O welche Freude wird das sein, wenn mich JEsus in seine Arme fassen und zu der Herrlichkeit einführen wird. O mein Heiland, wann kommt denn die Stunde der seligen Vereinigung und Heimführung? Nicht allein hast du mich von der Verdammnis und aus der Hölle Rachen befreiet, nicht allein hast du der Seele Seligkeit mir erworben, nicht allein bist du vorangegangen, und hat mir die Stätte bereitet, sondern du willst mich auch zu dir aufnehmen, wie du allen deinen Kindern verheißest: Ich will euch zu mir nehmen, auf daß ihr seid, wo ich bin. O wohlan, so bin ich wohl, wenn ich bin, wo JEsus ist, und dieses dient zu meinem Trost, Daß ich stets bei dir leb und bin. Darum wird er mich zu sich nehmen, daß ich bei ihm leben soll in ewiger Freude, daß ich genießen soll der himmlischen Herrlichkeit; nun soll ich meines himmlischen Vaters Wohnung ererben, aller himmlischen Güter teilhaftig werden, nun hat meine Wallfahrt ein Ende, ich bin daheim. Seufzer und Gebete eines Sterbenden. 561 Ja, auf diese Vereinigung soll niemals eine Trennung folgen. Ich soll vor seinem Thron stehen und sein Antlitz schauen, welches Anschauen die allerunaussprechlichste Freude geben wird; ich soll bei ihm leben, und durch ihn ewiglich erquicket werden, und weil ich davon überzeugt bin, Drum fahr ich hin mit Freuden. Warum wollte ich nicht mit Freuden sterben? Mit Fried und Freud ich fahr dahin, nach Gottes Willen, getrost ist mir mein Herz und Sinn, sanft und stille, wie Gott mir verheißen hat, der Tod ist mein Schlaf worden. Ich sterbe mit Freuden, weil mir meine Sünden um JGsu Blutes und Todes willen vergeben sind. Ich sterbe mit Freuden, weil ich aus dem Grabe zum ewigen Leben wieder werde auferwecket werden. Ich sterbe mit Freuden, weil ich werde eine selige Himmelfahrt halten, und zu meinem JEsu kommen; darum mit Freuden fahr ich von dannen zu Christ, dem Bruder mein, auf daß ich zu ihm komme und ewig bei ihm sei. Ich fahre hin mit Freuden aus der Welt in den Himmel, aus dem Jammerthal in den Freudensaal; denn aus Trübsal und großem Leid soll ich fahren in die Freud, die kein Ohr je hat gehöret, die in Ewigkeit auch währet. 562 Seufzer und Gebete eines Sterbenden. 5. So fahr ich hin zu JEsu Christ. Spricht mein Heiland: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott; so spreche ich auch in meinem Sterben: Ich fahre auf, ich fahre hin zu meinem himmlischen Vater, zu meinem JEsu, zu dem Heiligen Geist, und also zu dem dreieinigen Gott, zu meinem Immanuel, zu meinem Seelenfreund, zu meinem Bruder, ja, zu meinem Erlöser fahre ich erlösete Seele hin. Zu meinem Seligmacher fahre ich, der wird mich in den Himmel führen, und als eine durch sein Blut gereinigte Seele zu Gnaden annehmen. Und ach, wie verlanget mich, JEsum zu sehen in seiner Herrlichkeit; JEsum, den ich nie gesehen, und doch lieb habe, zu umfassen. Darum Mein Arm thu ich ausstrecken. Ich strecke meine Arme aus nach meinem JEsu, ihn an mein Herz zu drücken, ihn zu halten und nimmermehr zu lassen. Ich umfasse JEsum schon im Glauben, ich halte ihn, ich lasse ihn nicht, bis er mich führet in seines Vaters Haus, zur Seligkeit. Ich strecke meine Arme aus, und rufe: Ja, komme, HErr JEu! Ich erinnere mich anjetzt, wie mein JEsus am Stamm des Seufzer und Gebete eines Sterbenden. 563 Kreuzes seine beiden Arme ausgestrecket hat, und also gestorben ist, als ob er mich umarmen wollte; so will ich jetzt auch sterben, mit ausgebreiteten Armen JEsum zu umfassen. O mein Seelenbräutigam, umfasse mich auch, und stelle mich verklärt und verherrlicht deinem himmlischen Vater dar. O welcher selige Eintritt wird das sein, wenn ich werde also von JEsu begleitet und gebühret in den Himmel eingehen! Und in solchen Gedanken will ich nun bleiben und sterben; denn wenn ich sterbe, So schlaf ich ein und ruhe fein. Wenn ich in den Armen JEsu ruhe, so schlafe ich sanft. JEsus in meinem Herzen, JEsus in meinem Sinn, in Gottes Namen schlafe ich ein. O JEsu, mache mir mein letztes Ende und meinen Tod zu einem süßen und sanften Schlaf, daß ich sanft und still im Glauben und in deiner Liebe verscheide. Laß auch meinen Leib in der kühlen Erde sanft schlafen, bis an den lieben jüngsten Tag. Schläft nun mein Leib, so ruhet auch die Seele in der ewigen Freude und Seligkeit. O eine süße Ruhe, die niemand stören kann. Ich ruhe von meinem Kreuz, ich ruhe von allem Jammer, von Trauern und Betrübnis, ich ruhe von allen Schmerzen. O eine selige, himmlische 564 Seufzer und Gebete eines Sterbenden. " und stolze Ruhe! Schläft das Kind sanft in der Mutter Armen, wie sollte ich denn nicht sanft schlafen und ruhen in den Armen meines JEu? daraus Kein Mensch kann mich aufwecken. Todte erwecken ist ein Werk Gottes, darum auch kein Mensch für sich selbst die Kraft hat, Todte zu erwecken. Aber du, mein JEsu, du bist ein wahrer Gott, die Todten aus den Gräbern herauszurufen; denn deine Stimme wird durch die Erde in die Gräber dringen, und die Todten werden auferstehen. O JEsu, so erwecke denn meinen Leib am frohen jüngsten Tage zum ewigen Leben, damit der Leib, der dir hier gedienet, auch möge verherrlicht werden. Ich weiß, daß mein Erlöser lebet; und er wird mich hernach aus der Erde auferwecken; und werde darnach mit dieser meiner Haut umgeben werden, und werde in meinem Fleisch Gott sehen; meine Augen werden ihn schauen, und kein Fremder. Was nun kein Mensch vermag, das wird mein Heiland tun. Denn JEsus Christus, Gottes Sohn. Also lege ich nochmals vor meinem Tode mein Glaubensbekenntnis von JEsu ab. Er ist JEsus, der Heiland und Seligmacher der Menschen; er Seufzer und Gebete eines Sterbenden. 565 ist auch Christus, der verheißene Gesalbte; ja, er ist nicht allein wahrer Mensch, sondern auch Gottes Sohn, ja, Gott selbst. Auf diesen JEsum Christum will ich jetzt fröhlich und selig sterben; das Blut JEsu Christi, des Sohnes Gottes, macht mich rein von allen Sünden. Ja, Der wird die Himmelsthür auftun. Ach, mein JEsu, wenn meine Lebensthür sich schließet, so tue mir auf die Himmelsthür. An den Himmel habe ich fleißig in meinem Leben gedacht, ich habe auch durch den Glauben in der Lebens-Heiligkeit nach dem Himmel getrachtet; darum, o JEsu, thu mir die Himmelsthür weit auf, wenn ich beschließ mein'n Lebenslauf. O JEsu, öffne mir die Himmelsthür, und sprich: Ei du fromme und getreue Seele, gehe ein zu deines HErrn Freude. Komme her, du Gesegnete, ererbe das Reich, das dir bereitet ist von Anbeginn der Welt. O wie selig werde ich sein, wenn du wirst mit solchen süßen Worten Mich fühm zum ewgen Leben. Wie ein Bräutigam seine Braut zur Hochzeit führet, so führe mich, o JEsu, in das ewige Leben, zum Leben, das niemals aufhöret, zur Herrlichkeit, die du mir hat erworben, zur Freude, die in Ewigkeit soll währen; so sterbe ich fröhlich. Nun 566 Die Umstehenden rufen dem Sterbenden zu. bin ich bei JEsu, er ist bei mir. Ich bin aus dem irdischen Jammerleben versetzet in das himmlische Freudenleben. Nun bin ich von dem Glauben zum Schauen gelanget. Meinen lieben Gott von Angesicht werd ich anschauen, dran zweifle ich nicht, in ewiger Freud und Herrlichkeit, die mir bereit; dir sei Lob, Preis in Ewigkeit. Die Umstehenden rufen dem Sterbenden zu. Haltet im Gedächtnis IE um Christum, gedenket an sein bitter Leiden und Sterben. Tröstet euch der Liebe des himmlischen Vaters, der euch in der heiligen Taufe zu seinem Kinde angenommen und euch jetzt als ein Kind in die ewige Herrlichkeit will aufnehmen. Tröstet euch der blutigen Wunden JEsu Christi, die er sich auch für eure Sünden hat schlagen lassen. Tröstet euch eines heiligen Blutes, das er auch für eure Sünden vergossen. Tröstet euch des Beistandes des Heiligen Geistes, der euch geheiliget hat. Auf diesen dreieinigen Gott lebet und sterbet selig. Amen. Segenswunsch über einen Sterbenden. Fahre hin, du durch JEsum Christum teuer erkaufte Seele! Fahre hin zu deinem lieben Gott und Vater in JEsu Christo, der dich geschaffen und geliebet hat, den du kindlich gefürchtet und dem du vertrauet hat. Fahre hin zu dem HErm JEsu, deinem teuersten und treuesten Hirten und Erlöser, der dich als ein Schäflein mit seinem Blut erkauft, an welchen du dich im Glauben gehalten hat. Fahre hin zu dem Tröster, dem Heiligen Geist, der dich geheiliget und zu seinem Tempel und Wohnung erkoren hat. Fahre hin aus der Eitelkeit in die Ewigkeit. Fahre hin aus dieser Pilgrimschaft ins Gebet der Umstehenden, wenn der Sterbende verschieden. 567 himmlische Vaterland. Fahre hin aus dem Leid in die Freude. Fahre hin aus aller Noth zu dem lebendigen Gott; der segne deinen Ausgang und Eingang, und bewahre dich durch seine Macht zur Seligkeit. Fahre hin, und tritt ein in das Reich, das dir bereitet ist von Anbeginn der Welt. Der HErr segne dich, und behüte dich; der HErr erleuchte sein Angesicht über dir, und sei dir gnädig; der HErr erhebe sein Angesicht auf dich, und gebe dir Frieden! Amen. Gebet der Umstehenden, wenn der Sterbende verschieden. O du heiliger und gerechter Gott, so hat es dir gefallen, diesen vor unsem Augen liegenden Verstorbenen durch den zeitlichen Tod von hinnen abzufordern. Ach, laß uns an diesem Tode lernen, daß wir auch einmal also sterben und die Welt verlassen müssen, damit wir uns in Zeiten durch Buße, lebendigen Glauben und Vermeidung der Eitelkeiten und Sünden der Welt dazu bereiten mögen. Erfreue die nunmehr abgeschiedene Seele mit himmlischem Trost und Freude, und erfülle an ihr alle Gnadenverheißungen, die du deinen Gläubigen in deinem heiligen Wort getan; dem Leibe gönne in der Erde eine sanfte und süße Ruhe, bis an den lieben jüngsten Tag, da du alsdann Leib und Seele wiederum vereinigen und zu der Herrlichkeit einführen wirst, damit der ganze Mensch, der hier gedienet, dort möge mit himmlischer Freude erfüllet werden. Tröste auch die durch diesen Tod Betrübten, und sei und bleibe der Hinterlassenen Vater, Versorger, Pfleger, Helfer und Beistand. Verlaß sie nicht, und tue nicht von ihnen die Hand ab, sondern laß sie deiner Güte, Gnade, Liebe und Hülfe reichlich genießen, bis du sie auch wirft dermaleinst fröhlich und selig sterben lassen. Ach, erhöre uns um deiner Barmherzigkeit willen. Amen. 568 Fünfter Abschnitt. Gebete bei besondem Gelegenheiten. Der gläubige Christ lobet Gott an dem wiederum erlebten Geburtstag. - Aufmunterung. Wie soll ich dem HErrn vergelten alle seine Wohltat, die er an mir thut? Ps. 116, 12. Geburtstage, an welchen wir das Licht dieser Welt erblickt haben, sollen billig Lob- und Danktage sein, welche wir mit Singen und Beten, mit innerlicher und äußerlicher Andacht hinbringen sollen, sonderlich wenn wir erwägen die großen und vielen Wohltaten, welche wir Zeit Lebens, bis hieher, von der treuen Hand Gottes empfangen haben, daß er uns in der Kindheit, in der Jugend, bis auf diese Stunde auf den Armen getragen hat. Allein daran denken die Ungläubigen nicht. Zwar wird auch bei ihnen des Tages gedacht, und er wird gefeiert, aber wie? Nicht anders denn mit Mahlzeiten, mit Tanzen und Springen, welches wohl kein Lob- und Danktag, noch ein Gott wohlgefälliger Tag kann genennet werden. Kinder Gottes, wenn sie den Tag jährlich erleben, loben Gottes Treue und Güte, 1) daß er sie von christlichen Eltern hat lassen geboren werden, welche sie zur Erkenntnis des Heils in JEsu Christo gebracht haben; 2) daß er ihnen gesunde Glieder und guten Verstand gegeben, welches eine große, aber unerkannte Wohltat Gottes ist; 3) daß er sie vor Unglück bewahret, aus Gefahr errettet und bis hieher erhalten hat. Sie bitten Gott zugleich 4) demütig um Vergebung der Sünden, und versprechen ihm, die übrigen Lebenstage in kindlichem Gehorsam und Frömmigkeit hinzubringen. Sie trösten sich auch, 5) wenn sie also im Glauben und in der Liebe verharren, daß Der gläubige Christ lobet Gott am Geburtstag. 569 Gott ferner eine Gnadenflügel über die ausbreiten werde. Sie erinnern sich endlich, 6) daß dieses wohl die letzte Feier des Geburtstages auf Erden könne gewesen sein. Gebet. Ewiger, gütiger und barmherziger Gott, ich habe heute durch deine Gnade wiederum meinen Geburtstag erlebet, an welchem du mich nicht allein an das Tageslicht gebracht, sondern auch nachher durch die heilige Taufe zu deinem Kinde auf- und angenommen hat. Durch die erstere Wohltat bin ich ein Mensch und dein Geschöpf, durch die andere aber bin ich dein Kind und dein Erbe geworden. Darum soll dieser Tag mein Lob-, Bet- und Danktag sein. Lobe den HErrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den HErrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat. Preiset mit mir den HErrn, und lasset uns mit einander seinen Namen erhöhen. Ich will den HErrn loben allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Sollte ich dich nicht loben und preisen, mein Gott, daß du mich nicht allein mit gesunden Gliedern, mit wohlgestaltetem Leibe, welches eine große Wohltat ist, sondern auch von christlichen Eltern hat lassen geboren werden, welche mich zu deiner Erkenntnis, o dreieiniger Gott, von Jugend auf angeleitet haben? Hättest du mich von Juden, Türken und Heiden 570 Der gläubige Christ lobet Gott lassen entsprießen, so wäre ich vielleicht so blind und so verstockt wie sie. Nun aber kenne ich dich und liebe dich, und habe in dir der Seele Leben und Seligkeit. Bin ich denn nun in deinen Armen auferzogen worden, so hast du mich in den folgenden Jahren geleitet, begleitet, hat mir Nahrung und Kleidung gegeben, und mich bis diesen Tag gnädiglich erhalten. Ach, mein Gott, ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und Treue, die du an mir getan hat. Kommt her, höret zu, ich will erzählen, was der HErr an meinem Leibe und an meiner Seele getan hat. Aber ach, ich kann es nicht alles erzählen; es möchte eher jemand die Sterne am Himmel zählen, als die Gnadengaben, die ich von dir, HErr, empfangen habe. Aus wie viel Gefahren hat du mich errettet! wie viel Unglück hast du von mir abgewendet! Dein Geist hat mich gelehret, regieret, geführet, und wenn ich sündigen wollte, mich innerlich bestrafet und zurückgezogen. Werden nun meiner Jahre viele, mein Gott, sind deiner Wohltaten viele, so gedenke ich heute auch an meine Sünden, die ich mein Lebtag begangen habe. Ach, verzeihe mir dieselben um JEsu willen, tilge sie mit einem heiligen Blute, und laß mich um seinetwillen Gnade finden. Verleihe mir deine Barmherzigkeit, daß ich die an dem wiederum erlebten Geburtstag. 571 noch übrigen Tage meines Lebens, welche du mir auf deinem Buch angeschrieben hat, in wahrer Gottesfurcht und Frömmigkeit hinbringen möge, auf daß dir all mein Thun und Leben Wohlgefallen möge. Und weil ich nicht weiß, wie viel meiner Tage auf Erden werden sollen, hingegen aber gewiß bin, daß du mir ein Ziel gejetzet hat, welches ich nicht übergehen kann, so bewahre mich, daß ich es mir nicht selbst abkürze durch Zorn, Unmäßigkeit, Sünden, Verwegenheit und Freveltaten, sondern laß mich meine bestimmten Lebensjahre in Gesundheit, in deinem Segen, unter deinem Schutz glücklich erreichen, bis du mir für dieses irdische und vergängliche das ewige und himmlische Leben um JEsu Christi willen geben wirst. Bis dahin will ich diesen Tag, so oft ich ihn erleben werde, dir zu Ehren mit Lob und Dank feiern, und singe jetzt: Nun lob, mein Seel, den HErren, Was in mir ist, den Namen sein! Sein Wohltat tut er mehren; Vergiß es nicht, o Herze mein! Hat dir dein Stind vergeben. Und heilt dein Schwachheit groß, Errett dein armes Leben, Nimmt dich in seinen Schooß; Mit rechtem Trost beschüttet, Verjüngt dem Adler gleich. Der Kön"g schafft Recht, behütet. Die Leidenden im Reich. Amen. Lob- und Danklied am Geburtstage. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Dies ist der liebe Tag, Den hat mir Gott geschenket, Daran mein froher Geist. Mit tausend Lust gedenket, 572 Der gläubige Christ lobet Gott am Geburtstag. Was seine Treu und Güt Bisher an mir getan, Drum stimm ich ihm zu Lob Ein Herzensdanklied an. 2. Dies ist der Tag, da ich Bin in die Welt gekommen, Und bin in meiner Tauf Zu Gnaden angenommen, Da mich mein JEsus hat. Durch sein Blut rein gemacht. Und mich zu seinem Licht. Durch seinen Geist gebracht. 3. Ich habe klein und arm Das Sonnenlicht erblicket, Ganz nackend, ohne Kleid; Doch Gott hat schön geschmücket Den Leib und auch die Seel. Ich habe nichts von mir, Was ich nun bin und hab, Das kommt allein von dir. 4. Du reicher, guter Gott, O wie viel Gnadengaben Hast du mir mitgeteilt. Die mich erfreuet haben; Gesundheit, Glück und Heil, Des Heilgen Geistes Licht Ergötzt mich alle Tag; Ach, ich weiß alles nicht. 5. Ja, ich weiß alles nicht, Mir wird's an Worten fehlen, Wenn ich der Gnaden Füll. Und Menge wollt erzählen. Drum sprech ich: Ruhm und Preis. Sei Gott, auch Dank und Ehr; Der Wohltat ist viel mehr, Als Sandes an dem Meer. 6. Auf, jauchze heut, mein Herz, Laß auch die Stimm erklingen, Ich will dir, treuer Gott, Ein Freudenopfer bringen, Der meinen Leib bewahrt. Und meinen Geist erquickt, Und mich bis diese Stund Mit seinen Gaben schmückt. 7. Du wollest auch zugleich, O Vater, mir vergeben, Womit ich dich betrübt. In meinem ganzen Leben; Lösch aus mit Christi Blut. Die Schuld und Missetat, Womit dich Herz und Mund. Und Tat erzürnet hat. 8 Ich will durch deine Hand Hinfort nicht von dir weichen. Laß mich des Lebens Ziel. In dieser Welt erreichen, Das du bestimmet hast, Daß ich in Frömmigkeit Hinbringe, dir zum Preis, Die ganze Lebenszeit. 9. Das Ende meiner Tag Verbleibet mir verborgen, Drum will ich allermeist Für meine Seele sorgen. Mein Der andächtige Christ danket Gott nach eingesammelter Ernte. 573 Herze liebet dich Bis an das Lebensziel; Es mögen meiner Jahr Sein wenig oder viel. 10. Indessen leg ich mich In meines JEsu Wunden, Ich hab in seinem Blut Gerechtigkeit gefunden; Das teure JEusblut Macht mich von Sünden rein, Ich bleibe weil ich leb Und auch im Tode sein. 1 1 . So oft ich diesen Tag Werd wiederum erleben, So will ich Herz und Mund. Zu dir, o Gott, erheben. So fang ich jedes Jahr. Als neu geboren an. Ach, es ist lauter Gnad, Was du an mir getan. 12. Ich feiere diesen Tag. Mit innigstem Vergnügen, Und will vor deinem Thron Gebeugt und dankbar liegen. Ein jeder Aderschlag, Ein jedes Tröpflein Blut Soll rühmen, was an mir Dein treues Lieben thut. 13. Nun, ich befehle dir, Bis an mein letztes Ende, Mein'n Leib und meine Seel Indeine Vaterhände. Bleib doch mein Lebenslicht, Mein Tröster, Helfer, Stab, Bis ich in dir, durch dich, Den Lauf vollendet hab. 14. Und weil ich weiß, daß ich Nicht werde ewig leben, So wollest du aus Gnad Den Himmel mir dort geben; So bin ich reich genug. Und glücklich gnug auf Erd, Wenn ich bei dir, o Gott, Im Himmel leben werd. Der andächtige Christ danket Gott nach eingesammelter Ernte. Aufmunterung. Sie will nicht wissen, daß ich es sei, der ihr gibt Korn, Most, Oel, und ihr viel Silber und Gold gegeben habe, das sie haben Baal zu Ehren gebraucht. Darum will ich mein Korn und Most wieder nehmen zu seiner Zeit, und meine Wolle und Flachs entwenden, damit sie ihre Scham bedecket. Hoj. 2,8.9. Ist eine in aller Menschen Augen fallende herrliche und große Wohltat zu finden, so ist es unstreitig die jährliche Ernte, wenn Gott die Saat des Winters in der 574 Der andächtige Christ danket Gott nach eingesammelter Ernte. Erde bewahret, in den Sommertagen sie läfet blühen, wachsen und Frucht bringen; wenn er Hagel, Wetterschläge und Sturmwinde abwendet, und durch seinen Segen Scheuem und Keller füllet. Aber ist auch eine vor der Welt geringe und verachtete Wohltat, dafür man Gott am wenigsten danket, so ist es eben diese Ernte; denn da meinen die undankbaren Menschen, es müßte so sein, es müßte nach dem Lauf der Natur alles wachsen, dabei habe Gott nichts getan; deswegen der erzürnte Gott oftmals aus gerechtem Gerichte lässet Mißwachs entstehen, damit jedermann erkenne, daß das Land nichts geben könne, wenn der HErr nicht gibt, und daß nichts wachsen könne ohne einen Segen. Ein gläubiger Christ ist anders gesinnet. Wenn er die vollen Ähren in der Ernte und die mit Trauben beschütteten Weinstöcke erblicket, so hebet er 1) seine Augen auf gen Himmel, und preiset den allmächtigen Schöpfer, Geber und Erhalter seines Segens, als der aus einem Korn so viele Körner, aus einem unansehnlichen Holz so eine köstliche Fracht hervorbringet. Er rühmet 2) die göttliche Fürsorge und Erhaltung, daß er das ganze Jahr über Frühregen und Spatregen zu seiner Zeit gegeben, Donnerwetter, Dürre, Hagelsteine und Überschwemmung in Gnaden abgewendet, und hingegen die Ernte behütet hat. Wenn er nun die Zeit erlebet, daß die scharfe Sichel das Korn niederleget, wenn er es siehet in die Scheunen fahren, wenn er siehet in der Kelter die Trauben zerquetschen, so nimmt er 3) alle diese Gaben mit gerührtem Herzen und dankbaren Händen an. Er gebraucht auch dieselben 4) und nimmt sie zu sich mit Danksagung. Er erkennet, daß Gott ihn nähre, versorge, erhalte. Ja, er läßet sich 5) durch Gottes Güte zur Buße leiten. Danket man einem Wohltäter, und erzürnet ihn nicht, der uns etwa ein Kleid, oder etwas zu unserm Unterhalt gibt, warum soll man den größten Wohltäter nicht loben, der uns alles gibt? Der andächtige Christ danket Gott nach eingesammelter Ernte. 575 — Gebet. Danket dem HErm, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich. Also spreche ich, mein Gott, da ich wiederum die gesegnete Erntezeit erlebet habe. O du gnadenreicher Gott, wie groß ist deine Güte, die du an uns beweisest! Du hat das Erdreich gegründet auf einen Boden, daß es bleibet immer und ewiglich. Aber in eben dieses Erdreich hast du deine herrlichen Schätze geleget, dasselbe muß uns die Früchte reichlich hervorbringen, die zu unserer Lebensunterhaltung, Nahrung und Gesundheit dienen. Sonderlich hast du, o liebreicher Vater, dieses Jahr gekrönet mit deinem Gut, deine Fußtapfen triefen noch vom Fett, du hast gefeuchtet die Berge von oben her, du hast das Land voll Früchte gemacht, die du schaffest. Du hast lassen das Gras wachsen für das Vieh und Saat zum Nutzen der Menschen, daß du Brod aus der Erde bringelt. Ach, treuer Vater, du hast dieses Jahr wiederum uns, deinen, wiewohl undankbaren, Kindern Speise und Trank geschenket, du hat unsere Ernte behütet, der Himmel hat die Erde erhöret, und die Erde hat Korn und Most getragen; du hast uns gegeben. Frühregen und Spatregen zu rechter Zeit, daher haben unsere Felder geblühet, und den von dir aus ihnen 576 Der andächtige Christ danket Gott nach eingesammelter Ernte. uns entspringenden Segen dargereichet. Unsere Bäume haben allerlei schöne und liebreiche Früchte durch deine Gnade gegeben und der Weinstock hat uns erfreuet. Liebreicher Gott und Vater, du hast das Feld und das ganze Land mit deinen Gnadenflügeln bedecket, du hast die Sonne lassen scheinen zu rechter Zeit, daß alles zur Zeitigung ist gekommen, du hast alles bewahret vor Hagelschlag, Brand, Dürre, Überschwemmung; wenn wir schliefen, so wachtest du, du warst unserer Felder Hüter und Schutzherr. HErr, deine Werke sind groß und viel, du hast sie alle weislich geordnet, und die Erde ist voll deiner Güte. Alle Creaturen, Menschen und Vieh, warten auf dich, daß du ihnen Speise gebet zu seiner Zeit; wenn du ihnen gibt, so sammeln sie; wenn du deine Hand aufthut, so werden sie mit Gut gesättiget. Ja, wohl hat du, o reicher Gott, uns dieses Jahr mit deinen Gütern reichlich gesegnet. Nun, dafür danken wir dir von Grand unserer Seele. Kommet, lasset uns beten und knieen und niederfallen, lasset uns mit Danken kommen in sein Haus, und mit Frohlocken in seine Vorhöfe. Lasset uns mit dankbarem Herzen sagen: Der HErr hat Großes an uns getan, ja, der HErr hat Großes an uns getan, des sind wir fröhlich. Der andächtige Christ danket Gott nach eingesammelter Ernte. 577 Ach HErr, HErr, laß uns diese deine verliehenen Gaben und Wohltaten nicht mißbrauchen, sondern daraus deine Liebe gegen uns und deine Vatertreue erkennen. Ach Gott, wenn ja etliche Undankbare sollten mit Schwelgerei und Undank deine Gaben verachten, ach, so entziehe uns deswegen deinen Segen nicht, sondern erhalte uns denselben nach deiner Barmherzigkeit. O Vater, der du uns je und je geliebet, und auch durch diese leiblichen Wohltaten zu dir ziehest, daß wir aus den Gaben den Geber, und aus dem herrlichen Geschenk den Wohltäter erkennen sollen, hilf, daß uns deine Güte möge zur Buße leiten, daß wir, wenn wir deine Gaben auf dem Tische vor uns sehen, in den Händen haben und in den Mund nehmen, allezeit unsere Augen mögen aufheben zu dir, o du Brunnquell alles Segens! Und wie du durch diese Gaben unsem Leib erhältst, ach, so laß uns auch an dem inwendigen Menschen, an Glauben, Liebe, Frömmigkeit durch deine dazu verordneten Gnadenmittel zunehmen, daß wir in dem Guten wachsen, und aus einer Klarheit zur andern gelangen, bis wir dermaleinst zum Genuß der himmlischen Güter in dem ewigen Leben durch JEsum Christum werden aufgenommen werden. 578 Der andächtige Christ danket Gott nach eingesammelter Ernte. Gottes Brünnlein hat getränket Und gefeuchtet unser Land, Was geschadet und gekränket, Hat Gott mächtig abgewandt; Mond und Sterne, Sonnenschein. Haben müssen kräftig sein, Daß die Erde Frucht gegeben, Zuerhalten unser Leben. Weil denn, eh wir es vermeinen, Auch die Ernte dieser Welt. Endlich wird gewiß erscheinen, Da zu schicken hat bestellt JEsus seine Engelein, Ei, so laß uns Weizen sein, Den sie bei viel Jubilieren. Zu des Himmels Freude führen. Amen. Gesang. Mel.: Nun lob, mein Seel, den HErren. 1. Sieh, es ist Gottes Segen. Mit großen Freuden eingebracht, Wie sollten wir deswegen. Auf Gottes Lob nicht ein bedacht? Gott hat das Jahr gesegnet Mit einem großen Gut, Und auf uns ist geregnet. Des Segens reiche Fluth; Wie viel sind doch der Gaben, Die er uns zugewandt, Die wir empfangen haben. Aus seiner Vaterhand! 2. Die Felder, Gärten, Wiesen Hat man mit Freuden angeschaut; O. Schöpfer, sei gepriesen, Du, du hast sie so schön gebaut; Sie waren recht beschweret Von Früchten überall, Gott hat sie uns verehret ln Menge ohne Zahl; Da wir sie abgelesen, O große Gottesgnad, Ist ihr’r viel mehr gewesen, Als man gemeinet hat. 3. Die Menschen auf der Erden, Und was da lebt, das Vieh zugleich, Kann nun gespeiset werden, So ist von Segen alles reich; Des weisen Schöpfers Güte Gibt jedem seine Speis, Darum soll das Gemüte Ausbreiten Gottes Preis; So vielen Creaturen. Zu schaffen Unterhalt, Das sind wahrhafte Spuren. Der göttlichen Gewalt. 4. Ach, laßt uns diesen Segen. Und das von Gott geschenkte Gut. In Undank nicht anlegen, Zur Wollust, Saufen, Übermuth; Gott kann ihn wieder nehmen. Durch Fluch und böse Zeit, Wenn wir uns nicht bequemen Zur wahren Frömmigkeit; Er war in Gottes Händen, Und Der andächtige Christ danket Gott nach eingesammelter Ernte. 579 bleibe noch darein, Er kann ihn wieder wenden, Wenn wir boshaftig sein. 5. Drum laßt uns dankbar werden, Je reichlicher wir sind beschenkt; Gleich wie sich zu der Erden. Das Haupt der vollen Ähren senkt, So lasset uns in Stille, In Demut, Dankbarkeit Annehmen diese Fülle ln dieser Gnadenzeit. Je mehr uns Gott gegeben, Je mehr soll Herz und Mund. Die große Gnad erheben. Zu jeder Zeit und Stund. 6. Ja, denkt bei diesen Gaben, Die wir empfangen in der Zeit, Was zu erwarten haben die Gläubigen in Ewigkeit, Was in dem Freudenleben. Für reichen Überfluß Uns Gott wird ewig geben. Zum seligen Genuß; Das lasset uns erwägen Hinfüro spät und früh. Damit auch dieser Segen Hinauf zu Gott uns zieh. Mel.: Zeuch ein zu meinen Toren. 1. Die Emt ist nun geschehen, Die Frucht ist eingebracht; Wir können alle sehen, Wie wohl uns Gott bedacht; Der wunderbare Gott, Der, was da lebt, ernähret. Hat wiederum bescheret, Was uns dies Jahr ist noth. 2. Betrachtet seine Wunder, Sprecht: Das hat Gott getan! Ein jeder schau darunter Die schönen Gaben an, Und laßt uns fröhlich sein; Ja, lobt den, der es liebet, Und sammelt, was er gibet, Mit Herzensfreuden ein. 3. Der Himmel hat erhöret Die Erd zu einer Zeit, Kein Unglück hat gestöret Des Feldes Fruchtbarkeit; Der Regen macht es weich, Die Sonnenwärme spielte, Des Höchsten Hand erhielte. Und machte uns so reich. 4. Beschaut die Segensspuren. An diesem Tag mit Fleiß, Für alle Creaturen. Ist nun gewachsen Speis; Der weise Schöpfer hat Der Creatur das Leben. Und auch die Speis gegeben. Aus lauter Lieb und Gnad. 5. Wie fromme Väter pflegen. Fürs Haus besorgt zu sein, So hast du auch den Segen Gelegt in Zukunft ein; 580 Der gläubige Christ betet bei entstandenem Gewitter. Du bist die reiche Quell, Daraus viel Gaben fließen. Und welche sich ergießen. Auf unser Leib und Seel. 6. Doch wenn wir dich verlassen. Und, wenn wir haben satt, Mit diesen Gaben praffen, Die man in Händen hat, So ist es dir gar leicht, Den Vorrath zu vermindern, Daß von den bösen Kindern Gar aller Segen weicht. 7. Du füllet uns die Hände, O Gott, mit Überfluß, Allein zu solchem Ende, Damit in dem Genuß Wir loben, der uns liebt. Und daß wir in dem Essen. Des Gebers nicht vergessen, Der alles reichlich gibt. 8. Gleichwie die Sichel fället Der hohen Ähren Pracht. Und sie besonders stellet In eine stille Nacht, So nehmt ein Beispiel ab: Es wird der Tod uns fällen. Und einstens zugesellen. Den Stillen in dem Grab. 9. Ach, zieh uns von der Erden. Durch diese Gab zu dir, Auf daß wir himmlisch werden. Und bleiben für und für; So danken wir dir heut Für das, was wir empfangen, Und was noch zu erlangen, Erwarten wir mit Freud. Der gläubige Christ betet bei entstandenem Gewitter. Aufmunterung. Sein Gezelt um ihn her war finster, und schwarze dicke Wolken, darin er verborgen war. Vom Glanz vor ihm trenneten sich die Wolken, mit Hagel und Blitzen. Und der HErr donnerte im Himmel, und der Höchste ließ seinen Donner aus mit Hagel und Blitzen. Ps. 18, 12-14. Zu den äußerlichen Dingen, wodurch gottlose Weltkinder pflegen geschreckt und zum Gebet erweckt zu werden, gehören auch Gewitter, wenn Gott ein schweres, mit Donner und Blitzen vermischtes Ungewitter aufsteigen lasset; denn da will der freche Mund sogleich beten, nicht aus Liebe zu Gott, denn warum hat er es vorher nicht getan? sondern aus Furcht vor der Strafe. Gläubige Christen erkennen zwar, 1) daß Donner und Blitz von natürlichen Ursachen entstehen, aber auch, 2) daß Der gläubige Christ betet bei entstandenem Gewitter. 581 dieselben Gottes Befehl ausrichten. Gleichwie Gott alle Creaturen wider die bösen Menschen waffnen kann, also ist's ihm auch leicht, durch den Donner Menschen und Vieh zu schrecken, und durch ein Blitzen Häuser, Flecken und Städte anzuzünden. Daher sollen 3) fromme Christen von dem greulichen Fluch, da man mit Wetter und Donner fluchet, sich enthalten; hingegen 4) bei entstehendem Gewitter nicht kleinmütig werden, erschrecken und vor Angst verzagen wollen, welches ein Zeichen eines schlechten Vertrauens zu Gott ist; sondern 5) sich erinnern, daß Gott den Blitz und Donner in seinen Händen hat, und daß er sie wohl werde schützen können, wenn sie auch mitten im Felde und unter freiem Himmel wären. 6) Sie sollen sich aber als dann desto mehr mit Gebet zu Gott wenden, und daraus ihr Nichts und Gottes. Alles erkennen, wie Gott ein mächtiger Gott sei, wir Menschen aber nur arme Würmer, Staub und Asche sind, welche Gott mit einem Wink und Strahl verderben könnte, und demnach 7) sich vor dem majestätischen Gott fürchten und scheuen, nicht allein wenn es donnert, sondern auch wenn die Sonne scheinet, und sich hüten, ihn mit Worten und Werken zu beleidigen, sonderlich aber also leben, daß man eines gnädigen Gottes sich versichern könne zu allen Zeiten, und auch wenn er uns wollte in einem Wetter von „er Welt nehmen. Gebet. O du starker und allmächtiger Gott, ich höre deine Stimme in den Wolken, ich sehe deine Blitze leuchten, und vernehme, wie dein Donner brüllet und schläget. Stark ist dein Arm, und groß ist deine Gewalt, und wenn du wolltest, so könntest du mich und alle Menschen in einem Augenblick, gerät allen Creaturen zu Boden schlagen. Aber, 38 582 Der gläubige Christ betet bei entstandenem Gewitter. ach HErr, HErr, gedenke an deine Barmherzigkeit und Güte, die von der Welt her gewesen ist; gedenke nicht der Sünden meiner Jugend, noch meiner Übertretung, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. Ach, träfe mich nicht in deinem Zorn, und züchtige mich nicht in deinem Grimm. Ich erkenne mit wahrer Demut meines Herzens, daß ich wohl verdienet hätte, daß du mich in deinem gerechten Zorn verdürbeit und zerschmettertest. Aber ach, du langmütiger Gott, verschone meiner bei diejem Gewitter. Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge alle meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit; ach, es reuet mich, und ist mir herzlich leid, daß ich dich bisher so oft beleidiget und mit Gedanken, Worten und Werken erzürnet habe; ach, ich bitte um Gnade und Vergebung aller meiner Sünden und Übertretungen. Siehe doch an, o himmlischer Vater, daß ich dein Geschöpf und auch dein Kind bin; wo sollen aber Kinder in ihren Nöten und Ängsten anders hin, als zu ihrem Vater? Darum komme ich auch zu dir, o mein Vater, und bitte dich, sei mir, deinem Kinde, gnädig! Ach Vater, Schütze mich, bedecke mich, bewahre mich; unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht, verbirg mich heimlich in deinem Gezelt, stelle deiner Engel Wacht um mich Der gläubige Christ betet bei entstandenem Gewitter. 583 her, daß mich kein Unglück rühre, kein Strahlverletze und kein Schlag treffe. Ach, HErr JEsu, du Sohn Gottes, mein einziger Mittler, Fürbitter und Heiland, sei nicht fern von mir, denn Angst ist nahe; ach, eile zu mir, sei mir ein starker Schutz, verlaß mich nicht, und tue nicht von mir die Hand ab, Gott, mein Heil! Siehe, ich stehe von allen Creaturen und Menschen verlassen, aber ach, verlaß du mich nicht, erbarme dich mein und errette mich. Ich halte mich an dich, o JEsu, ich verberge mich in deine heiligen Wunden, ich schreie mit den Jüngern: HErr, hilf uns, wir verderben. O du werter Heiliger Geist, erwecke mein Herz zu Gebet und Andacht, damit ich durch dieses Gewitter möge erwecket und fromm gemacht werden. Hilf, daß ich hinfort Acht gebe, wenn du durch dein heiliges Wort an mein Herz schlägert, daß ich Buße tun, mich bekehren und von allen Sünden ablassen soll, damit ich alsdann willig höre, der Welt mich nicht in sündlichen Reden, Sitten und Gewohnheiten gleich stelle. O du heilige Dreieinigkeit, erbarme dich über mich und alle frommen Christen, bedecke mit deiner allmächtigen Hand meinen Leib und mein Leben, mein Haus und Hof, bewahre die Früchte auf dem Felde, laß den Blitz nicht mein Haus anzünden, oder deine 584 Der gläubige Christ betet bei entstandenem Gewitter. Donnerschläge mich verletzen; sei du mein Beistand in der Noth, denn Menschenhülfe ist kein nütze. Ach, du mächtiger Schutzherr deiner Kinder, schaue auf mich, und laß mich unter deinem Schutz und Schirm sicher wohnen. Von deinem Donner regen sich die Berge und die Erde erzittert: wie sollte ich armer Erdenwurm denn nicht vor dir erbeben? Laß mich daraus erkennen die Vergänglichkeit der Welt, wie alles, was wir sehen, dereinst im Feuer vergehen wird, damit ich mich in Fleischeslust, Augenlust und hoffärtiges Leben nicht möge verlieben, und dich damit zum Zorn reizen. Ach HErr, bewahre mich vor einem bösen schnellen Tod, laß dies Gewitter glücklich und ohne Schaden vorübergehen. Ach HErr, wer ist dir gleich? der du so majestätisch, allmächtig und erschrecklich, aber auch so barmherzig und gnädig bist, der du uns weckest und deckelt; ach, verschone meiner, und laß mich auch dieses Mal Gnade und Errettung finden. HErr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über uns! HErr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über uns! Sei uns gnädig, verschone unter, lieber HErr Gott! Sei uns gnädig, hilf uns, lieber HErr Gott! Vor Feuers- und Wassersnot behüte uns, lieber HErr Gott! Vor einem bösen schnellen Tod behüte uns, lieber HErr Gott! Der gläubige Christ betet bei entstandenem Gewitter. 585 Schlag nicht bei uns ein, frommer Gott! Sieh an des HErren IEu Tod; Befiehl dem Blitze, daß er nicht Ein Unglück hier bei uns anricht. Du heilige Dreieinigkeit, Nimm Leib und Seel in deine Hut, Bewahr auch Häuser, Hab und Gut! Verschon uns, lieber HErr und Gott, Und wende von uns diese Noth; So wollen wir zu aller Zeit. Stets rühmen deine Gütigkeit. Amen. Gesang. Mel.: Ach, was soll ich Sünder machen. 1. Gott, wir hören deine Stimme, Wie das Wetter tobt und brüllt. Und mit Schrecken uns erfüllt; Wie du in dem Zorn und Grimme Himmel, Erd und Luft erregt. Und uns zu der Buß bewegt. 2. Hören wir den Donner knallen, Wie er grausamlich herfährt. Und fast Stadt und Land umkehrt, Wie so harte Schläge fallen: So erzittert und erbebt. Alles, was auf Erden lebt. 3. Ja, wir sehen deine Blitze, Wie das Feuer auf uns schießt. Und gleich Strömen uns umfließt, So daß wir erschrocken sitzen. Und uns fürchten, ob du nicht. Uns willst fordern vor Gericht. 4. In dem Donner, Blitz und Wetter Kommen wir zu dir, o Gott! Ach, hilf uns in dieser Noth! O du Helfer und Erretter. Großer Gott, erbarme dich, Sieh uns doch an gnädiglich. 5. Kein Mensch kann uns jetzt beistehen. Niemand ist, der uns beschützt, Da es also schrecklich blitzt; Alles muß zu Grunde gehen. Wo du uns nicht Selbsten deckt Und die Hand der Hiilf ausstreckt. 6. Gott, wie groß ist deine Stärke, O wie groß ist deine Macht, Die oft wird gering geacht’t! Deine großen Allmachtswerke Zeigen Blitz und Donnerstrahl, Großer Gott, jetzt überall. 7. Treuer Vater, schone, schone, Nimm uns auf in deine Hut, Schütz uns vor des Wetters Wuth, Schau auf 586 Der gläubige Christ betet bei entstandenem Gewitter. uns von deinem Throne; Treuer Vater, steh uns bei, Mach uns von der Strafe frei. 8. Wenn wir dich nicht wollen hören. Alsdann schickt du in das Land Unglück, Wetter, Fluch und Brand, Daß die Stadt und Land zerstören. Jedermann zur Züchtigung Und zur Lebensbesserung. 9. Ach, sieh nicht an unsere Sünden, Die ein jeder hat getan, Ach, nimm uns in Gnaden an. Laß den Blitz doch nicht anzünden. Unsere Häuser, Hab und Gut, Wend ab Feur und Wassersfluth. 10. Ach, wir beben und erzittern, Wenn uns in die Ohren schallt, Wie dein Donner schrecklich knallt; Ach, in solchen Ungewittem Übet du oft Straf und Recht Über einen bösen Knecht. 11. Ach, du kannst uns jetzt auch strafen, Wenn dein Wetter schläget ein, Wo wir jetzt versammelt sein; Ach, willst du uns denn hinraffen? Vater der Barmherzigkeit, Schon uns doch zu dieser Zeit. 12. Siehe nicht an unsere Sünden, Siehe doch an JEsum Christ, Der für uns gestorben ist; Um deßwillen laß uns finden Hiilf, Errettung, Trost und Gnad, Die er uns erworben hat. 13. Ach HErr, hilf uns, wir verderben. Ach HErr, hilf, verlaß uns nicht; O Gott, unsere Zuversicht! Laß uns nicht in Sünden sterben; Linderst du nicht deinen Zorn, So sind wir gewiß verlorn. 14. Ach, du großer Gott, behüte Menschen, Viehe, Feld und Land. Vor Verwüstung, Fluth und Brand; HErr, nach deiner großen Güte Laß den Sturm vorübergehn. Und uns deine Hülfe sehn. 15. Ach, bedecke unsre Früchte, Decke unsere ganze Stadt, Und das, was ein jeder hat, Mach es nicht im Zorn zu nichte; Du bist, der uns helfen kann, Ach HErr, nimm dich unser an. 16. Ach HErr, hör uns doch in Gnaden, Teil uns deinen Segen mit, Ach, erhöre unsere Bitt: Laß das Der gläubige Christ danket Gott, wenn das Gewitter vorüber ist. 587 Wetter uns nicht schaden; Ach, wir fallen dir zu Fuß, Sieh an unsere wahre Buß. 17. Daher wollen wir erkennen, Wenn du uns anjetzt befreit, Daß du unser Gott noch seist, Und dich unsem Vater nennen. Welcher seine Kinder schont, Und nicht nach den Werken lohnt. 18. Ja, wir wollen immer preisen Deine große Wundermacht, Welche über uns gewacht, Und dir fröhlich Dank erweisen, Nicht nur hier in dieser Zeit, Sondern auch in Ewigkeit. Der gläubige Christ danket Gott, wenn das Gewitter vorüber ist. Aufmunterung. Gott donnert mit seinem Donner greulich, und tut große Dinge, und wird doch nicht erkannt. Hiob 37, 5. Gleichwie alle Werke des HErrn, die er vor den Augen der Menschen thut, ungemein groß sind, und gleichwie ein jeder, der ihrer achtet, seine Lust, seine Freude, ein Vergnügen daran haben kann: also findet sich solches auch besonders, wenn man den Donner gehörig betrachtet. Entstehet gleich derselbe aus natürlichen Ursachen, so ist er doch immer in der Hand Gottes. Gott donnert mit seinem Donner. Er regieret die mit Dünsten und Feuer geschwängerten Wolken. Er leitet dieselben nach seinem Wohlgefallen. Er brauchet sie, wozu er will, und lästet sie das ausrichten, was ihm wohlgefällt. Sein Donner ist daher immer furchtbar. Furchtbar und schrecklich ist der Anblick und die Anhörung des Gewitters. Die Menschen erschrecken. Das unvernünftige Vieh zittert und heulet. Alles, was Odem hat, gerätin Angst und Furcht. Was beweiset wohl Gott dadurch anders, als seine große Macht und Herrlichkeit, nach welcher er alles kann in Bewegung setzen, sobald er nur seine Stimme, durch das 588 Der gläubige Christ danket Gott, Getöse in den Wolken, auf Erden hören lässet? Es tut aber Gott durch das Gewitter noch mehr. Er tut große Dinge, welche bald zum Schaden, bald zum Nutzen der Menschen ausschlagen; zum Schaden, wenn der Blitz starke Bäume zersplittert, wenn er Häuser anzündet, wenn er Menschen oder Thiere erschlägt und tödtet; zum Nutzen, wenn der Donner durch seine Erschütterung die Luftreiniger, wenn er die Fruchtbarkeit des Erdbodens befördert. Bezeuget das nicht wiederum, daß das ein großer und herrlicher Gott sein müsse, der auf eine solche unbegreifliche Weise so große Dinge tun kann? Billig sollte dieses alle Menschen, die solche Taten des HErrn öfters sehen, zur lebendigen Erkenntnis und zur demütigsten Verehrung desselben ermuntern. Dem ohnerachtet aber unterbleibt solches vielfältig. Gott tut durch einen Donner große Dinge, und wird doch nicht erkannt. So lange die meisten Menschen das Praffeln des Gewitters hören, so sind sie zaghaft und niedergeschlagen, sobald aber dasselbe vorüber ist, so ist auch bei ihnen alles vorüber, so wird alles vergessen, so ist es nicht anders, als ob sie die Stimme des HErrn nicht gehöret, als ob sie nicht gehöret hätten, was er Großes an ihnen getan habe. Hat das Wetter Schaden getan, so bezeugen sie ein flüchtiges Mitleiden und Bedauern gegen die, welche es betroffen hat. Ist es aber glücklich vorübergegangen, so kommt solches gar nicht in Anschlag und Rechnung; und so bleibet ihnen Gott immer unbekannt. Oder harten Herzen, welche sich nicht wollen erweichen lassen! Oder sträflichen Unempfindlichkeit! Oder schändlichen Undankbarkeit! Wahre Christen hüten sich davor mit aller Sorgfalt. Sie sehen und betrachten mit Aufmerksamkeit die Werke der Natur, und lassen sich dadurch zu ihrem Schöpfer leiten. Das tun sie auch besonders, wenn der Gott der Ehren im Himmel donnert. Sehen sie ein Wetter aufsteigen, so bewundern sie die Majestät, die Größe und die Herrlichkeit dessen, der solches veranstaltet. Hören sie den Donner über ihrem Haupte hinrollen, sehen sie die wenn das Gewitter vorüber ist. 589 Blitze um sich leuchten, so ergeben sie sich gelassen und getrost in die Hand des HErrn, in welcher sie immer sind, und erwarten in kindlicher Zuversicht von derselben alles Gute. Ist das Wetter glücklich vorüber, so erkennen sie, was Gott an ihnen getan habe; sie danken ihm dafür; sie loben und preisen seine Güte und Treue mit Herz, Mund und Händen. Und das führet sie zu Gott, und bringet ihnen nichts als Heil und Segen. Deffen versichert sie der Wahrhaftige selbst, da er spricht: Wer Dank opfert, der preiset mich; und da ist der Weg, daß ich ihm zeige das Heil Gottes. Gebet. Auch mich verlanget nach deinem Heil, o du Gott meines Heils! Deswegen nahe ich mich an jetzt zu deinem Gnadenthrone, um dir mein schuldiges Lob- und Dankopfer darzubringen, da du mich aus Noth, Schrecken und Gefahr so gnädiglich errettet hat. Mir war bange, da ich deine mächtige Stimme in den Lüften hörte, weil ich nicht wußte, was du mit derselben ausführen würdest. Ich nahm zu dir im Gebet meine Zuflucht, und empfahl mich und alles das Meine deiner väterlichen Fürsorge, und du verwarfest mich nicht, sondern hat dich meiner recht herzlich angenommen, und in der Tat gezeiget, daß du sehr gern hilft. Wie leicht hätten deine Blitze können unsere Häuser und Wälder anzünden! Wie leicht hätte dein Wetter können unsere Feldfrüchte zerschlagen! Wie leicht hätte das 590 Der gläubige Christ danket Gott, Ungestüm können unsere Güter und Habseligkeit verzehren und gänzlich vernichten! Wie leicht hättest du können ein Adama aus uns machen und uns wie Zeboim zurichten! Und das hättest du mit Recht tun können, wenn du nach unsem Sünden mit uns hättest handeln und uns nach unsem Missetaten vergelten wollen, was wir damit verdienet haben. Aber das hast du nicht getan. Du hast in Liebe an uns gedacht. Du hat Gnade für Recht ergehen lassen. Du hast uns mit Strafen verschonet, und dafür mit Wohltaten überhäufet. Deine Güte ist es, o Gott, daß wir unter dem Schatten deiner Flügel trauen und nun wieder sicher wohnen können. Deine Güte ist es, daß es nicht mit uns aus ist, und deine Barmherzigkeit hat noch kein Ende. Das erkennet meine Seele wohl. Gerührt, gebeugt und voller Dank komme ich daher vor dich und jage: Du, HErr, hat Großes an mir getan, des bin ich fröhlich. Bringet her dem HErrn Ehre und Macht. Betet ihn an im heiligen Schmuck. Es fürchte ihn alle Welt! Jauchzet dem HErrn, alle Welt, singet, rühmet und lobet. Lasset uns mit Danken vor sein Angesicht kommen und mit Psalmen ihm jauchzen! Alles, was Odem hat, lobe den HErrn! Lobe den HErrn auch du, meine Seele, und vergiß nimmermehr, was er wenn das Gewitter vorüber ist. 591 auch jetzt Großes an dir getan hat. Nun habe ich gesehen, wie du, o starker und allmächtiger Gott, das schwere und fürchterliche Wetter so bald, so gnädig abgewendet, und es ohne Schaden hat lassen vorübergehen; ach, erwecke mich dadurch, daß ich in allen Nöten, die mich noch treffen können, fest auf dich trauen und auf deine Güte hoffen möge. Ich sehe nun wieder einen heitern Himmel; ach, laß mich auch forthin immer schmecken und sehen, wie freundlich du seiest. Ich habe nun deine Größe und Herrlichkeit aufs neue erkannt; ach, laß mich dieses dazu ermuntern, daß ich dich allezeit kindlich fürchten, herzlich lieben, demütig verehren, und so vor dir wandeln möge, wie es dir gefällig ist. Ich habe nun deine wohltätige Hand aufs neue empfunden; ach, laß mich, die Meinen und alle Menschen derselben noch ferner empfohlen sein. Sollte etwa das von uns weggezogene Gewitter an andern Orten Schaden und Unglück angerichtet haben, ach, so erbarme dich der Beschädigten in Gnaden. Regiere sie, daß sie deine Hand erkennen, die sie geschlagen hat, und sich unter dieselbedemütigen. Tröste und erquicke sie selbst. Ersetze ihnen wieder den Verlust, den sie erlitten haben, mit andern Segen. Laß sie bald hören Freude und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden, die du 592 Der gläubige Christ danket Gott, zerschlagen hat. Laß aber auch mich die Gaben und Güter, welche du mir erhalten und gleichsam aufs neue geschenket hat, recht treulich und wohl verwalten, anwenden und brauchen. Laß mich mein täglich Brod mit Danksagung empfangen. Laß mich mit meinen Gütern als ein treuer Flaushalter umgehen. Gib, daß ich sie nie mißbrauchen, und zur Wollust und Üppigkeit anwenden, sondern daß ich sie jederzeit zu deiner Ehre, zu meinem Nutzen und zum Besten meines Nebenmenschen gebrauchen, und so dereinst mit meiner Rechnung freudig vor dir bestehen möge. Nimm auch in Zukunft alles das Meinige in deinen gnädigen Schutz, und bewahre es vor allem Verderben. Und sollte ja noch manches Wetter kommen, das mir den Untergang drohete, ach, so laß mich unverzagt auf deine Gnade trauen und recht zuversichtlich auf deine Güte hoffen. Laß mich da erfahren, daß der gewiß nicht zu Schanden wird, der nur dein harret. Ja, sollte es gar dein Wille sein, mich einmal durch ein Gewitter heimzusuchen und arm zu machen: ach, so mache mich vorher erst an der Seele recht reich, damit, wenn ich alles verliere, ich doch dich und deine Gemeinschaft und den Himmel behalte. Und wenn ich nur den Himmel krieg, so hab ich alles zur Genüg! Ach, mein Vater, ach, mein wenn das Gewitter vorüber ist. 593 Heiland, ach, mein Tröster, der du im Himmel wohnest, und mir von dannen unter dem verzogenen Wetter Schutz, Beistand und Hülfe verliehen hat, bringe mich doch auch zu dir in den Himmel, daß ich dich da von Angesicht zu Angesicht schauen und dir ewig Lob und Dank jagen könne. Lehre mich durch dein Wort den rechten Weg wandeln. Lehre mich tun nach deinem Wohlgefallen. Führe du mich selbst auf der ebenen Bahn. Erhalte mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Laß mich im Glauben, in der Liebe und in der Hoffnung treu bleiben, und von meiner Frömmigkeit nicht ablassen, bis mein Ende kommt, damit, wenn der HErr JEsus an jenem großen Tage des Gerichts mit Feuerflammen, im Donner und Blitz wird offenbar werden, Rache zu geben über die, so Gott nicht erkennen und seinem Evangelio nicht gehorsam sind, ich nicht erschrecken, sondern mit Freuden mein Haupt aufheben und mit ihm zum ewigen Leben eingehen möge. Ach, laß mich ja nicht aus der Acht, Wenn uns dein jüngster Tag erscheinet, Der Tag, da vor Gericht gebracht. Auch das, so man hier nicht gemeinet; Laß mich zu deiner Rechten stehen. Und zu des Lammes Hochzeit gehen; Mein JEsu, dann hab Acht auf mich, So will ich ewig preisen dich. Amen. 594 Der gläubige Christ betet zu Gott, Gesang. Mel.: Auf meinen lieben Gott. 1. Vorüber ist die Noth! Gelobet sei mein Gott! Der es so hat gewendet. Und eine Hülf gesendet, Daß ich in keinen Schaden. Und Jammer bin geräten. 2. Was ist wohl hieran Schuld? Nichts als des Vaters Huld, Nichts als des Heilands Beten. Und seines Geists Vertreten; Das war's, was mich beschirmte, Da Blitz und Wetter stürmte. 3. Wie groß ist deine Treu! Du standest mir dabei, Da deine Donner krachten. Und mich recht furchtsam machten, Da mein Gut und mein Leben. War mit Gefahr umgeben. 4. Du rettest wunderlich! Dafür ich preise dich, Und bitte deine Güte, Daß sie mich stets behüte, Wenn ja in manchen Nöten. Es scheint, du wollt mich tödten. 5. Ach, da Vergißmeinnicht! Laß mich dein Angesicht Vielmehr mit Freuden schauen, Auf deine Liebfest trauen. Und nicht verlassen werden, So lang ich leb auf Erden. 6. Ja, gib mir deinen Geist! Das bitt ich allermeist, Daß er mich stets regiere, Daß er mich stets so führe. Daß ich nicht darf erschrecken, Wenn du mich wirst aufwecken. 7. Wenn da die letzt Posaun. Erklingt, daß ich erstaun. So laß mich auferstehen, Zu dir in Himmel gehen; Da will ich deinen Namen. Noch ewig preisen. Amen. - Der gläubige Christ betet zu Gott, wenn er sich von Hause auf eine Reise begibt. Aufmunterung. Der HErr behütet dich, der HErr ist dein Schatten über deiner rechten Hand, daß dich des Tages die Sonne nicht steche, noch der Mond des Nachts. Der HErrbehüte dich vor allem Übel; er behüte deine Seele. Der HErr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Ps. 121, 5-8. Von Hause zu reisen, können einen gläubigen Christen vielerlei Ursachen antreiben; teils die Berufsgeschäfte, wenn er sich auf eine Reise begibt. 595 teils die Liebe des Nächsten, teils der Zustand der Gesundheit: denn Üppigkeits- und Wollustreisen stehen einem wahren Kinde Gottes nicht an. Ist aber eine nothwendige Ursache vorhanden, warum ein gläubiger Christ eine Zeitlang sein Haus und das Seinige verlassen muß, so soll er solche Reise 1) mit Gebet antreten, und denken, wenn er von Hause reiset, daß Gott aller Orten bei ihm in fremden Landen sei, der alles siehet und höret; daher er sich auch selbst, als vor Gottes Angesicht, ehrbar, züchtig, fromm und christlich aufführen soll. 2) Soll ein gläubiger Christ sich Gottes Schutz und Gnade bei dem Antritt seiner Reise empfehlen, daß er ihn in guter Gesundheit, mit gesunden und geraden Gliedern wiederum nach Hause bringen wolle. Denn gewiß, auf der Reise sind viele um Leib, Leben, Gesundheit und in Unglück gekommen. 3) Soll er auch Gott seine Hinterbliebenen, wie auch Haus und Güter befehlen, daß er durch seine heiligen Engel alles in eine heilige Bewahrung nehmen, vor Feuer, Wassersfluth und Unglück indessen bewahren wolle. 4) Soll er bitten, daß Gott ihn alle das Seine und die Seinigen unverletzt und gesund wieder wolle antreffen lassen. Gebet. Gnädiger und barmherziger Gott, ich habe mir in deinem Namen vorgenommen, auf einige Zeit mich von den Meinigen und von meinem Hause zu entfernen, darum komme ich zu dir, und bitte dich: Ach, segne meinen Aus- und Eingang; in deinem Namen will ich die Reise antreten, unter deinem Geleite laß mich dieselbe verrichten, und unter deinem Schutz wollest du mich wiederum nach Hause bringen. Laß mich der Engel Heer und Schutz umgeben, wie den 596 - Der gläubige Christ betet zu Gott, Jakob, laß deinen Engel in aller Gefahr bei mir stehen, wie bei Paulo, laß deiner Engel. Schaar mit mir aus- und heimreisen, wie mit Joseph und Maria und dem Kindlein JEsu, damit ich von allem Unglück, von Dieben, Mördern und andern Schaden befreiet bleibe. Ach, du Hüter Israels, der du weder schläft noch schlummert, sei bei Tag und Nacht eine feurige Mauer um mich her, wie um Elia, damit sich kein Unglück und Verderben zu mir nahe. Begleite mich früh und spät, in Wäldern und Feldern, mit deiner heiligen Engel Wacht, wie du die Kinder Israels mit einer Wolkensäule durch die Wüste geleitet hast. Begleite mich, wenn ich reise; bleibe bei mir, wenn ich ruhe; wache für mich, wenn ich schlafe; ja, HErr, HErr, habe Acht auf mich, wo ich mich hinwende, und laß mich deiner heiligen Obhut empfohlen sein. Gib, daß mir alle Tage, ja, alle Stunden in meinen Ohren erschallen die Worte, die du Abraham mit auf die Reise gabst, als er von Hause reisen sollte: Wandle vor mir, und sei fromm; auf daß ich deine allerheiligste Gegenwart in der Fremde möge vor Augen haben. Bewahre mich, daß ich in meiner Abwesenheit von Hause und auf der Reise mich nicht lasse des Bösen gelüsten; behüte mich vor Völlerei, Üppigkeit, Frechheit, Bosheit, wenn er sich auf eine Reise begibt. 597 Gleichstellung der Welt, Ausübung der Sünden und Schande. Hilf, daß ich mit unbeflecktem Gewissen wieder nach Hause kehren möge. Wende meine Augen ab, wenn sie etwas Böses sehen; wende mein Herz ab, wenn in demselben böse Lüste entstehen, und bewahre mich, daß ich weder meinen Leib noch meine Seele auf dieser Reise beflecken möge. Hilf, daß ich bedenke, du hörest alles, was ich rede, du siehet alles, was ich tue, und wo ich gehe, stehe, und was ich immer tue, daß du da stehet, und höret, und siehest mir zu, auf daß ich nicht wider dich sündige, und deinen Zorn und Ungnade auf mich ziehe. Ich befehle dir alle das Meine, das ich zu Hause hinterlasse; bewahre dasselbe vor Dieben, vor Feuers- und Wassersnoth, und laß mich alles unverstöret und unversehret wiederum antreffen. Ich befehle dir auch die Meinigen, welche ich hinterlasse; ach, mein Gott, ich gehe von ihnen weg, aber bleibe du bei ihnen, wende alle Gefahr, allen Schaden, alles Unglück und Krankheit in Gnaden von ihnen ab, laß mich die gesund Wiedersehen, sei ihr Schutzherr, erhalte sie, begleite sie, bewahre sie, und laß vor meine Ohren nicht kommen eine traurige Botschaft; sondern laß sie vor dir leben und deines Schutzes und deiner Gnade genießen. Laß mich auch zu seiner Zeit glücklich wieder nach Hause 598 Der gläubige Christ betet zu Gott, kommen, und unter deinem Schutz die Meinigen gesund wiederfinden. Ach, HErr JEsu, der du unter der Gestalt eines Wandersmannes mit zween Jüngern gereiet bist, sei auch bei mir auf meiner Reise und erfülle mein Herz mit guten Gedanken. Gib mir fromme Gefährten, daß wir auf der Reise mit schandbaren Worten und sündlichen Reden uns nicht an dir versündigen, sondern an dich denken, und in deiner allerheiligsten Gegenwart unser Gespräch von deiner Güte, von deinen Wundem, von deiner Treue und Wahrheit halten mögen. Ach, mein Gott, in deinem Namen habe ich die Reise angetreten, in deinem Namen laß mich sie auch glücklich vollenden, so will ich dich mit den Meinen dafür herzlich loben und preisen mein Leben lang. Send deinen Engel vor mir her. Den Weg mir zu bereiten; Befiehl, daß er dem Satan wehr Und allen bösen Leuten. Nimm mich, o HErr, in deinen Schutz, Daß ihre List, Gewalt und Trutz Mir nimmer könne schaden. Bleibe auch stets bei den Meinen, Die mich wünschen bald zu sehn, Laß auf sie, als auf die Deinen, Deine Gnadenaugen sehn: Führe sie doch allermeist, Großer Gott, durch deinen Geist, Daß sie nimmermehr geräten. In Gefahr und Missetaten. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1 . Mein Gott, ich bin von Haus gegangen. Durch deinen Beistand bin ich hier; Mit dir hab ich es wenn er sich auf eine Reise begibt. 599 angefangen, Ach, weiche auch hier nicht von mir. Otreuer Wächter Israel, Dir, dir befehlich Leib und Seel. 2. Ich will hier meine Zeit zubringen. Zu deiner Ehr und deinem Ruhm, Mit Bitten, Flehen, Danken, Singen, Als dein geliebtes Eigentum; Begleite mich, wenn ich ausgeh. Bewahr mich, wo ich bin und steh. 3. Laß mich allhier behutsam wandeln, In Gottesfurcht und Frömmigkeit, Nicht wider mein Gewissen handeln, Und hilf mir, daß ich allezeit Dich gegenwärtig vor mir eh Und nicht auf bösen Wegen geh. 4. Laß in dem Reden mich erwägen, Du, lieber Vater, höret zu, Und daß auf allen meinen Wegen Du alles flehest, was ich thu. Ach, bring mir nicht aus meinem Sinn, Daß du auch seiest, wo ich bin. 5. Ach lasse, großer Gott, den Meinen, Du kennest sie, sie sind zu Haus, Auch deine Gnadensonne scheinen, Teil ihnen deinen Segen aus; Ach, laß es ihnen wohlergehn, Laß mich die fröhlich wiedersehn. 6. Bewahre sie vor Angst und Schrecken. Und wend auch alles Unglück ab; Dein Gnadenflügel woll bedecken, Die ich zurückgelassen hab; Ach, treuer Vater, sie sind dein, Ach, laß sie dir befohlen sein. 7. Ach wache, treuer Menschenhüter, Durch deiner guten Engel Wacht, Auch über meine Hab und Güter, Und habe fleißig darauf Acht. Wend Unglück, Wassersfluth und Brand In Gnaden ab durch deine Hand. 8. Laß mich von keinem Unglück hören, O Vater der Barmherzigkeit, Laß mich gesund nach Hause kehren Durch deine Güt, zu seiner Zeit; Indessen, HErr, beschütze mich Vor allem Unglück väterlich. 9. Erhöre mein Gebet und Flehen, Ach, teil mir deinen Segen mit; Ach, laß doch meine Bitt geschehen, Behüte meine Schritt und Tritt; So will ich mit der frommen Schaar Dich preisen jetzt und immer dar. 600 Gebet eines, der sich in fremden Ländern aufhält. Gebet eines, der sich in fremden Ländern aufhält. Entfernt von meinen Freunden und Bekannten befinde ich mich nun in der Fremde, wo ich sehr wenige Menschen kenne. Aber dich kenne ich doch, o JEsu, du Sohn des Allerhöchsten, als meinen Immanuel, als meinen Bruder, als meinen besten Freund. Darum wende ich mich auch zu dir und bitte dich demiitiglich, du wollest dich meiner annehmen und mich nicht verlassen, bis ich wieder zurück in meine Heimath gekommen, ja, bis ich zu dir in dein himmlisches Reich gelanget bin. Du hast den Deinen die tröstliche Versicherung erteilet: Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende. Ach, erfülle dieselbe auch an mir, und laß mich deine Gnadengegenwart zu allen Zeiten und an allen Orten verspüren. Du hast selbst unsere Reisen geheiliget, da du in deiner Jugend Jerusalem und andere Orte besuchet, da du während deines Lehramtes im jüdischen Land umhergezogen bist und hat wohlgetan und gesund gemacht alle, die vom Teufel überwältiget waren. Ach, laß mich daran stets denken, und nach deinem Beispiel in der Fremde nichts tun, als was gut, was löblich ist und was wohl lautet. Du hast dich auch nach deiner Auferstehung zu deinen Jüngern auf dem Gebet eines, der sich in fremden Ländern aufhält. 601 Wege nach Emmaus gesellet, und bist auf ihre Bitte bei ihnen geblieben. Ach, so bleibe denn auch bei mir, und weiche nicht von mir. Bleibe mein Gefährte, mein Schutz, mein Beistand, mein Ratgeber, mein Führer und mein Erretter. Ach, HErr JEsu, laß mich in allen Fällen empfinden, daß du mir nahe seist. Bewahre mich vor bösen Gesellschaften, und so ich ja in solche geräte, so stärke mich, daß ich nicht mit sündige und mich zum Bösen verfuhren lasse. Gib mir Kraft, allen Reizungen und Verführungen zur Sünde zu widerstehen und ein reines Gewissen zu bewahren. Erwecke mir treue und gute Freunde, mit welchen ich vertraut umgehen könne, und laß mich ihres Umgangs mit Nutzen und Segen genießen. Nimm mich nach Seele und Leib in deinen Schutz, und gib mir nicht nur einen gesunden Leib, sondern auch dieses, daß darin eine unbefleckte Seele und ein reines Gewissen bleibe. Schenke mir durch deinen Geist die Genügsamkeit des Moses, die Keuschheit Josephs, die Gottseligkeit Samuels und die Mäßigkeit Daniels. Erfülle meinen Verstand mit Klugheit, daß ich in allem meinem Thun rechtschaffen handle. Neige meinen Willen zur Tugend, daß ich mich in derselben übe, damit ich in der Fremde einen guten Namen mir erwerbe und behalte, damit ich ein 602 Gebet eines, der sich in fremden Ländern aufhält. gutes Zeugnis mit nach Hause nehmen und mich deines Wohlgefallens erfreuen könne. Zähme meine Leidenschaft, daß ich nicht in Streit und Verdruß geräte, sondern die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens treulich bewahre. Stärke mich besonders, mein Heiland, daß ich dich vor der Welt mit Mund und Herz, mit Worten und Werken bekennen und verherrlichen möge. Und sollte ich ja um meines Glaubens willen angefochten werden, so verleihe mir die Gnade, daß ich allezeit bereit sei, Rechenschaft zu geben von der Hoffnung, die in mir ist, und daß ich mich auf keinerlei Weise zum Abfall, zum Verleügnen. deiner Lehre, oder zur Untreue gegen dich verleiten lasse. Laß dein Wort allezeit meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege ein. Dann kann ich unsträflich wandeln und immer vor dir bestehen. Erhalte auch, o mein Erbarmer, mich bei Gesundheit und beim Leben. Laß mich von den Meinigen nichts als Gutes hören. Segne meine Geschäfte, um deren willen ich mich hier aufhalte, und laß all mein Unternehmen wohlgelingen. Und wenn ich dann meinen Endzweck erreicht habe, so bringe mich wieder vergnügt und beglückt zu den Meinigen zurück; so will ich dir meine Gelübde bezahlen, und dich für alle mir erzeigte Liebe und Treue ohne Aufhören loben Gebet eines, der sich in fremden Ländern aufhält. 603 und preisen. Laß mich aber bei meiner Zurückkunft in mein Haus stets bedenken, daß ich sei beides, dein Pilgrim und dein Bürger, und deswegen stets so wandle, daß ich meine Wallfahrt auf Erden mit dir glücklich fortsetzen und vollenden, und dann in mein rechtes und himmlisches Vaterland kommen, und da in deiner Gemeinschaft leben möge ewiglich. JEsu, du wirst alles machen, Wie es gut und nützlich ist, Ich ergeb dir meine Sachen, Der du HErr und Mittler bist; Sorge du für mich allein. Ich will dir gehorsam sein. Und, wie du mich führest, gehen, Was du willst, muß doch geschehen. Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Mein Gott, ich bin in fremden Landen, Entfernt von meines Vaters Haus; Wer gehet mir allhier zu Händen? Wer hilfet mir in Nöten aus? Mein Gott, o meine Zuversicht, Verlaß mich in der Fremde nicht. 2. Mit dir bin ich von Haus gegangen, Auf meiner guten Freunde Rat, Mit dir hab ich es angefangen, Und sprech deshalben früh und pat: Bleib in der Fremde stets bei mir, Ich weiche nicht, mein Gott, von dir. 3. Beschere mir viel gute Freunde, An welchem Ort ich kehre ein. Und lasse mir auch meine Feinde Durch deine Gnad gewogen sein; Du bist mein Freund, dich halte ich. Auch in der Fremde lieb ich dich. 4. Erhalte mir mein Leib und Leben, Die Glieder, Kräfte und Gesicht; Gesundheit wollest du mir geben, Verlaß mich auch in Krankheit nicht; Gedenk, daß dieses ist dein Kind, Das in der Fremd sich krank befmd’t. 5. Behüte mich vor Sünd und Schande, Bewahre 604 Gebet eines, der in der Fremde krank darnieder liegt. mein Gewissen rein, Und laß mir auch im fremden Lande, HErr, deine Furcht vor Augen sein, Daß ich gedenk, dein Angesicht. Sieht, was im fremden Land geschieht. 6. Gib, daß ich freche Sünder haffe, Und flieh die Häuser, wo sie sind, Und mich da niemals finden lasse, Wo man verübet Schand und Sünd! Gib, daß ich denke für und für, Ich wandle in der Fremd vor dir. 7. Hilf, daß ich dir getreu verbleibe. In der erkannten Glaubenslehr, Daß mich nichts von der Wahrheit treibe, Nicht Reichtum, Wollust, Glück und Ehr; Wer dich verleugnet in der Zeit, Der bringt sich um die Seligkeit. 8. Gib mir, mein Gott, auch deinen Segen, Beschere mir mein täglich Brod; Sei stets bei mir auf meinen Wegen Und sei mein Beistand in der Noth; Laß mich in deinem Segen stehn, Ach, Vater, laß mir's wohlergehn. 9. Ach, segne mich im Schlaf und Wachen, Ach, segne meinen Schritt und Tritt, Ach, segne mich in allen Sachen, Ach, teil mir deinen Segen mit; Gib mir ein frommes Herz dabei, Damit ich recht gesegnet sei. 10. Du wollest dies Gebet erhören Nach deiner großen Gütigkeit. Und diese Bitte mir gewähren, So will ich nun und allezeit. Mit Freuden sagen jedermann. Was du mir Gutes hat getan. Gebet eines, der in der Fremde krank darnieder liegt. Wie gar wunderbar sind deine Wege, welche du, unendlich großer Gott, mit den Menschen geheft, wie gar unbegreiflich sind die Schickungen und Führungen, welche du mit ihnen vornimmt! So muß ich anjetzt sagen, da ich zu dir komme, ob ich gleich auf dem Krankenbette liege. Da ich von Hause wegreisete, war ich frisch und gesund, Gebet eines, der in der Fremde krank darnieder liegt. 605 und nun bin ich krank und elend. Da ich unterwegs war und hier anlangte, war ich stark und kräftig, und nun bin ich matt und schwach. So kann's vor Nacht leicht anders werden, als es am frühen Morgen war. Ach, mein Gott, laß mir dieses recht zu meinem Besten dienen. Laß mich daraus erkennen, wie nichtig und vergänglich das Leben, das Glück und der Wohlstand der Menschen hienieden auf Erden ist, daß ich nie darauf baue, daß ich nie mein Herz daran hänge, sondern am meisten nach dem ringe und trachte, was ewig und unvergänglich ist. Lehre mich bedenken, daß ich sterben muß, auf daß ich klug werde. Lehre mich einsehen, daß mein Leben ein Ziel habe, und ich davon muß. Ich muß es zwar bekennen und gestehen, daß mich dieses besonders schmerzet, daß ich nun von den Meinigen entfernet bin, daß ich ihren Umgang und Zuspruch nicht genießen kann, und daß ich nicht weiß, ob ich ihr Angesicht wieder sehen werde. Deswegen aber will ich doch nicht kleinmütig werden, sondern auf dich, mein Vater, hoffen, der du auch in der Fremde bei mir bist, der du auch da für mich sorgest, und mich gewiß nicht aus der Acht lassen wirst. Ich lege mich daher ganz getrost in deine Arme hin und sage: Mache es mit mir, wie es dir wohlgefällt. Nimm dich 606 Gebet eines, der in der Fremde krank darnieder liegt. vor allen Dingen meiner Seele herzlich an, daß sie nicht verderbe. Bekehre du mich, so werde ich bekehret. Heile du mich, so werde ich geheilet. Hilf du mir, so wird mir geholfen. Vergib mir in Gnaden alle meine Sünden, mit welchen ich dich jemals beleidiget und betrübet habe. Vergib mir dieselben um deines Sohnes, um meines Versöhners, um JEsu Christi willen. Stärke meinen Glauben auf seinen Namen, und laß mich in demselben stets zu dir beten und die Hülfe suchen, die mir nötig ist. Wirke in meinem Herzen recht kräftig durch deinen Geist, und bilde mich so in der Zeit, wie du mich haben willst in der Ewigkeit. Gib meinem Geist durch denselben das Zeugnis, daß ich ein Kind der Gnade und ein Erbe des ewigen Lebens sei. Verleihe mir die nötige Geduld, daß ich nicht gegen dich murre, daß ich mich nicht gegen dich auflehne, sondern alles gelassen annehme und ertrage, was du mir auflegest. Du bist es ja, o HErr, der du den Müden Kraft gibt und den Unvermögenden Stärke genug verleihet; dämm tue es auch an mir nach deiner großen Barmherzigkeit. Soll ich viele Schmerzen leiden, so laß mich bedenken, daß dieselben noch viel geringer sind, als ich mit meinen Sünden verdienet habe. Soll ich lange leiden, so laß mich dir auch stille halten, und von Gebet eines, der in der Fremde krank darnieder liegt. 607 einer Morgenwache bis zu der andern auf deine Hülfs- und Errettungsstunde warten. Und wenn diese kommt, so laß mich meine Lust an deiner Gnade sehen. Mache es mit mir, wie es dir wohlgefällt. Dein Wille ist der beste. Überzeuge mich davon in meinem Herzen. Lehre mich mit meinem Heilande beten: Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Ist's möglich, gefällt es dir, so laß mich genesen. Segne dann die Arzneimittel, die ich gebrauche, und laß mich von Tag zu Tag zu neuen Kräften kommen. Vergilt auch denen ihre Treue und Sorgfalt, welche sich meiner als eines Fremdlings annehmen, und sei dafür ihr Schild und ihr sehr großer Lohn. Gefällt es dir aber nicht, mich aufkommen zu lassen, willst du, daß ich in einem fremden Lande mein Grab finden soll, nun, so verleihe mir Kraft, daß ich auch da meinen Willen in deinen guten und gnädigen Willen gänzlich ergeben möge. Laß mich dann bedenken, daß die Erde überall dein sei, und daß du auch hier meine vermoderten Gebeine finden und wieder lebendig machen kannst. Nimm dann meine abwesenden Freunde und Verwandten in deinen Schutz. Segne sie im Geistlichen und im Leiblichen. Führe sie durch deinen Geist auf ebener Bahn, 608 Gebet eines, der in der Fremde krank darnieder liegt. daß wir dort in der frohen Ewigkeit wieder Zusammenkommen und dich da gemeinschaftlich loben und preisen mögen. Nun, HErr, ich hoffe auf dich, und glaube fest, du wirst alles wohl machen. Meine Zuversicht ist allein auf dich gerichtet, darum sage ich auch voll Vertrauen: Hab Acht auf mich, da ich bin krank, Da die Gesundheit ist verschwunden, Daß ich recht freudig und mit Dank Mich leg in meines JEsu Wunden; Laß mich nicht ungeduldig werden, Und denken, daß ich Staub und Erden; Und wenn die Schmerzen mehren sich, Mein Vater, so hab Acht auf mich. Hab endlich denn auch Acht auf mich, Wenn ich der Welt Valet soll geben, Daß ich im Glauben halte dich, Bis ich komm in ein andres Leben, Da mir das frohe Glaubensende Erteilen werden deine Hände, Daß ich bei dir leb ewiglich; Mein Vater, so hab Acht auf mich. Amen. Gesang. Mel.: Ach HErr, mich armen Sünder. 1. Es steht in deinen Händen, HErr, meine Lebenszeit, Das Leben wird sich enden, Wenn kommt die Ewigkeit; Die Ewigkeit bringt Freuden Dem, welcher JEsum liebt; Die Ewigkeit bringt Leiden Dem, der ihn hat betrübt. 2. Wie lang ich werde leben, Das steht allein bei dir, Drum muß ich immer schweben. In Sorgen für und für, Ob sei mein Ende nahe, Ob es noch weit zurück, Und ob sich bald anfahe. Der letzte Augenblick. 3. Doch die Furcht muß verschwinden, Wenn ich in wahrer Buß Bereue meine Sünden. Und falle dir zu Fuß; Wenn ich in JEsu Wunden Schließ meine Seele ein. So wird zu allen Stunden. Mein Ende selig sein. 4. Und also will ich's machen, Ich liege hier vor dir; Danksagung, wenn einer wieder ist nach Hause gekommen. 609 Reiß mich aus Satans Rachen, Und schenk dich Selbsten mir; Dein Blut wasch mich von Sünden, Das rothe Lösegeld, So werd ich Gnade finden, Wenn ich geh aus der Welt. 5. Laß dann mein Ende kommen, Ich werd durch JEsu Blut. Zu Gnaden angenommen, Das gibt mir Trost und Muth; Ich weiß, ich werde sterben, Ich weiß ich werd Die Seligkeit ererben, Wenn ich verlaß die Erd. 6. Dann komm ich nicht alleine, Wenn ich verschieden bin, Mein JEsu, ich bin deine, Ach, nimm die Seele hin. Und bleib mit mir verbunden, Ach, weiche nicht von mir. Daß nach den Todesstunden Ich ewig sei bei dir. 7. Wie kann mich dann erschrecken. Der Tod, die Ewigkeit? Weil JEsus wird erwecken. Den Leib zu seiner Zeit. Der hat Ruh in dem Grabe, Die Seel ist freudenvoll; Dieweil ich JEsum habe, So ist mir ewig wohl. Danksagung, wenn einer nach vollendeter Reise wieder glücklich ist nach Hause gekommen. HErr, HErr Gott, gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte und Treue, der du überschwänglich tun kannst über alles, was wir bitten und verstehen, der du Gnade und Huld reichlich erzeigest denen, die dich fürchten und in deinen Wegen wandeln; siehe, ich trete jetzt zum erstenmal wieder in meiner eigenen Wohnung vor dein allerheiligstes Angesicht, nachdem ich unter deinem Beistand die in deinem Namen unternommene Reise glücklich vollendet habe. Ich habe gelobet, daß ich dir dafür danken will, 610 Danksagung, wenn einer von der Reise und nun will ich dir auch dieses mein Gelübde bezahlen. Ach, erhebe mein Herz zu dir in feuriger Andacht und Inbrunst, und neige deine Ohren zu meinem Schreien, mein König und mein Gott! Ich kann nicht bergen, daß ich viele Bekümmernisse in meinem Herzen hatte, da ich von Hause wegreisete, daß mir fast bange war, wenn ich an die mannigfaltigen Gefährlichkeiten dachte, welchen die Reisenden öfters ausgesetzet sind. Und wie leicht hätte nicht auch mich solch Ungemach treffen können! Wie leicht hätten mich Mörder und Räuber überfallen, bestehlen und tödten können! Wie leicht hätte ich können in Unglück kommen und meine geraden Glieder verlieren! Wie leicht hätte mich Krankheit, Schmerz und Tod können dahinreißen und an meinen Verrichtungen verhindern! Wie leicht hätte nicht mein Haus und Hof, mein Gut und Vermögen in meiner Abwesenheit Schaden leiden können! Aber das alles ist nicht geschehen. Von dem allen ist mir nichts begegnet. Das habe ich einzig und allein deinem mächtigen Schutz, deiner väterlichen Fürsorge, deinem kräftigen Beistand und deiner treuen Begleitung zu verdanken. Dir, dir sei auch allein dafür Lob, Ruhm, Ehre und Preis! Nicht allein aber hast du mich auf meiner vollbrachten Reise so gnädig vor allem Unfall und wieder glücklich ist nach Hause gekommen. 611 vor aller Widerwärtigkeit bewahret, sondern du hat mir auch noch während derselben unendlich viel Gutes erwiesen. Du hast mich gesund erhalten; du hast mir treue Reisegefährten geschenket; du hast mir aller Orten gute Freunde erwecket; du hast meine Geschäfte gesegnet; du hat alles das Meine in deinen Schutz genommen, daß ich es unversehrt wieder angetroffen; du hast die Meinigen in erwünschtem Wohlsein erhalten, und mich wieder freudig und vergnügt zu ihnen kommen lassen. Ach, wie ist deine Barmherzigkeit so groß! Wie sind deiner Wohltaten so viele! Wie unermeßlich ist der Reichtum deiner Gnade und Liebe! Wie soll, wie kann ich dir doch vergelten alles das Gute, das du mir erzeiget hast? Ach, das bin ich nicht vermögend; dazu bin ich zu schwach und zu ohnmächtig. Ich danke dir dafür mit Herz, Mund und Händen. Ich jage mit gerührter Seele: Tausend, tausendmal sei dir, großer König, Dank dafür. Laß dir doch dieses schwache Dankopfer, um des vollkommenen Versöhnopfers JEsu willen, in Gnaden Wohlgefallen. Ach, nimm das arme Lob auf Erden, mein Gott, in allen Gnaden hin; im Himmel soll es besser werden, wenn ich ein schöner Engel bin; da fing ich dir im hohem Chor vieltausend Halleluja vor. Da ich aber nunmehr, mein Gott, 612 Danksagung, wenn einer von der Reise wieder bei den Meinigen bin, so laß mich auch mit ihnen noch ferner deiner Huld und Gnade genießen. Erwecke mich, ihnen öfters zu erzählen, was du auf meiner Reise Großes an mir getan hat, damit sie auch dadurch zu deinem Preis, zur Bewunderung deiner Treue und Liebe, zum kindlichen Vertrauen auf dich mögen ermuntert werden. Laß mich mit ihnen in Ruhe, in Frieden, in wahrer Zufriedenheit leben, so lange ich noch bei ihnen bin, und immer nur darauf sehen, daß wir dir dienen mögen in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die dir gefällig ist. Laß mich den Segen, den du mir durch meine Reise zugewendet hat, nun auch wohl anwenden, und ihn allezeit mit Danksagung ansehen und gebrauchen. Laß mich überhaupt meine ganze folgende Lebenszeit nicht anders als wie eine Reise nach der Ewigkeit betrachten. Laß mich deswegen dieselbe, in deines guten Geistes Kraft, in Gottesfurcht, in Frömmigkeit und in deinem Dienste hinbringen. Laß mich die Wallfahrt nach meinem himmlischen Vaterland unverdrossen fortsetzen, und alles glücklich überwinden, was mir in den Weg kommt. Und wenn ich dann meinen Lauf vollendet habe, so nimm mich auf in dein ewiges, himmlisches Reich, und bringe mich zu der Ruhe, welche du deinem Volke in jener Welt bestimmt und bereitet wieder glücklich ist nach Hause gekommen. 613 hat. Da will ich dich erst recht loben und preisen. Da will ich dich verherrlichen. Da will ich ewig rühmen, daß dein Herz treu sei. Tausendmal sei dir gesungen, HErr, mein Gott, Preis, Lob und Dank, Daß es mir bisher gelungen; Ach, laß meines Lebens Gang Ferner doch durch JEsu Leiten. Nur gehn auf die Ewigkeiten; Da will ich, HErr, für und für, Ewig, ewig danken dir. Amen. Gesang. Mel.: Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut. 1. Ich beuge mich vor deinem Thron, O Gott voll Gnad und Liebe, Und bitte dich durch deinen Sohn. Um deines Geistes Triebe, Daß mir ein dankbar Lied geling, Daß ich mit Mund und Herzen sing: Der HErr sei hochgelobet! 2. Viel Gutes und Barmherzigkeit. Hast du mir stets erzeiget, Mit lauter Lieb und Gütigkeit. Hat sich dein Herz geneiget. Zu mir auf der vollbrachten Reis", Drum sag ich auch zu deinem Preis: Der HErr sei hochgelobet! 3. Vor Unglück, Schaden und Gefahr Hast du mich selbst geschützet, Und deiner guten Engel Schaar Hat mir allweg geniitzet; Sie hat all Übel abgewandt, Bis ich erreicht mein Vaterland; Der HErr sei hochgelobet! 4. Wie reichlich hat dein Segen mich. Auch in der Fremd beschenket! Wie gütig, ja, wie väterlich Hast du mein Thun gelenket! Du gabst zu allem meinem Werk Die nöthge Weisheit, Kraft und Stärk; Der HErr sei hochgelobet! 5. Die Meinen treff ich wieder an. In Glück und Wohlergehen, Du, du hast ihnen wohlgetan, Mehr als wir selbst verstehen; Sehr groß ist deine Vatertreu, Die bei uns alle Morgen neu; Der HErr sei hochgelobet! 6. Drum dank ich dir mit Mund und Herz Für alle 614 Der gläubige Christ betet in Kriegszeiten. diese Gnade! Wend ferner von mir Leid und Schmerz Und was mir sonsten schade; Wo ich nun gehe aus und ein, Da laß mich dir befohlen sein; Der HErr sei hochgelobet! 7. Besonders gib mir deinen Geist, Der mich zum Himmel leite, Und laß mich, wie du selbst verheißt, Da stehn an deiner Seite; So bin ich dein in dieser Zeit, sing ich dir in Ewigkeit: Der HErr sei hochgeDbet Der gläubige Christ betet in Kriegszeiten. Aufmunterung. Ach, HErr, siehe doch, wie bange ist mir, daß mir's im Leibe davon wehe thut! Mein Herz wallet mir in meinem Leibe; denn ich bin hoch betrübt. Draußen hat mich das Schwert, und im Hause hat mich der Tod zur Wittwe gemacht. Der HErr hat seinen Bogen gespannet, wie ein Feind. Er hat vertilget alle Paläste. Es lagen in den Gaffen auf der Erde Knaben und Alte; meine Jungfrauen und Jünglinge sind durchs Schwert gefallen. Klagl. 1,20. 2,4. 5.21. Die drei Landplagen, womit der erzürnte Gott ganze Länder und Städte verheeret und wüste machet, sind Krieg, Hunger und Pestilenz, Jer. 19, 12. Krieg ist eine schwere Strafe, denn wenn Gott seinen Schutz einem Lande entziehet, so machet sich der Feind alsbald auf Die Ursachen, warum Gott ein Land mit Krieg und Verwüstung strafet, sind unterschiedlich: 1) Ungehorsam, Jes. 1,19. 20. 2) Wenn man nur nach seinen eigenen Lüften lebet, die Furcht Gottes aus den Augen setzet, Rieht. 4, 1.6, 1.3) Verachtung des göttlichen Wortes, wenn man es entweder gar nicht höret, oder doch nicht darnach lebet, 3 Mos. 26, 17. 4) Abgötterei, Rieht. 2, 12-14, es mag auf eine grobe oder subtile Weise geschehen, dahin die Üppigkeiten, Hurereien, Mord, unschuldig Blut, Unterdrückung der Fremden, Wittwen, Beraubung der Armen gehöret. Wenn Gott aber dem Schwert rufet, und den Der gläubige Christ betet in Kriegszeiten. 615 Frieden wegnimmt, Jer. 25, 29, so nimmt er auch die Kraft des Schwertes weg, P. 89,44, daß viel Volks und ein groß Kriegsheer keine Siege erhält; daher entstehet, daß sie müssen fliehen vor ihren Feinden, Ps. 44, 11., darauf Zerstörung, Plünderung, Unterdrückung des Landes und endlich Jammer und Elend folget. Erzürnter Gott, wir kommen allhier mit geängstigtem Herzen und mit gebeugten Knieen vor dein allerheiligstes Angesicht und bejammern das große Elend, worein wir durch unsere großen Sünden und deinen gerechten Zorn gekommen sind. HErr, HErr, wir wohnten unter deinem Schutze sicher, uns durfte kein Schwert schrecken, da du unserer Feinde Feind und unserer Widerwärtigen Widerwärtigerwarest; wir gingen ruhig zu unsem Toren aus und ein, und genossen die Früchte des Landes ungestört; aber nun, o großer Gott, hast du deinen Schutz und den Frieden von uns genommen, daher hat sich der Feind aufgemacht, er hat das Schwert gezücket, er drohet, mit Verbrennen und Plündern die Städte zu verderben und unser Land einzunehmen. Was wollen wir in solcher Angst sagen? Wir müssen gestehen, daß wir die Strafe und Ruthe der Züchtigung längst verdienet haben; wir haben leider! des Friedens und der guten Zeit mißbraucht; da wir sollten uns erbauen, und in 616 Der gläubige Christ betet in Kriegszeiten. dei-ner Furcht wandeln, dir dienen und gehorsam sein, so ist bei uns leider! Verachtung deines Wortes, Mißbrauch deines heiligen Namens, Ungerechtigkeit, Sicherheit, Bosheit mit den abscheulichsten Lastern im Schwange gegangen. Wir schämen uns, erzürnter Gott, unsere Greuel alle zu erzählen, die ohnedem in den Himmel schreien. Ach, barmherziger Gott, gedenke doch nicht unserer Missetaten, deren so viele sind, wie des Sandes am Meere, gedenke aber unser nach deiner großen Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. Wir liegen hier vor dir mit unserm Gebet, nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine Gnade und Barmherzigkeit; wir haben gesündigt, Unrecht getan, sind gottlos gewesen, abtrünnig geworden und von deinen Geboten gewichen. Ach, träfe uns nicht nach deinem Zorn, und züchtige uns nicht in deinem Grimm. Wir fliehen zu dem Gnadenthrone, zu JEsu Christo, unserm einigen Helfer und Fürbitter. Ach, siehe an sein Blut und seine Wunden. OErbarmer, erbarme dich über uns; willst du nach unsem Sünden und deiner Gerechtigkeit mit uns handeln, so wird der Feind uns vertilgen, verschlingen, verbrennen, überwältigen, und es wird kein Exretter da sein. Mächtiger Schutzherr der Elenden, stehe auf, daß nicht Menschen die Oberhand Der gläubige Christ betet in Kriegszeiten. 617 kriegen. Du kannst uns rüsten mit Stärke zum Streit, du kannst unter uns werfen, die sich wider uns setzen. Auf dich stehet all unser Vertrauen und alle unsere Hoffnung in dieser großen Noth. Wenn Menschen wider dich wüthen, so legest du Ehre ein. Ach Gott, wie lange soll der Widerwärtige schmähen und der Feind deinen Namen lästern, als ob uns niemand aus seiner Hand erretten könnte? Errette uns, Gott unsers Heils, und vergib uns unsere Sünden, um deines Namens willen. Nimm dem Feinde den Muth, vertreibe ihn, und wache über unser ganzes Land, über unsere Häuser und über unsere Wohnung. Laß doch bald den Frieden blühen, und wende die Gefahr, darin wir schweben. HErr, dir gebühret die Ehre, daß du Schwerter zerbricht, Spieße zerschlägt und Wagen mit Feuer verbrennest. Erhöre das Schreien, o liebreicher Gott, derer, die jetzt in Gefahr stecken und in des Feindes Händen sind, und manche Schmach und Unbarmherzigkeit erdulden und ausstehen. Erbarme dich der Armen, der Wittwen, der alten und betagten Leute, Kinder und Unmündigen, welche nicht entfliehen können. Mache des schädlichen Krieges ein baldiges Ende, und erhöre unser Gebet, um deiner Güte und Barmherzigkeit willen. 618 Der gläubige Christ betet in Kriegszeiten. O großer Gott, voll Treu, Weil vor dir niemand gilt, Als dein Sohn JEsus Christ, Der deinen Zorn gestillt, So sieh doch an die Wunden sein. Die große Angst und bittre Pein, Um dessen willen schone. Und nicht nach Werken lohne. Amen. Gesang. Mel.: Ach, was soll ich Sünder machen. 1. Was für Jammer, was für Schrecken Bringet nicht die Kriegesnoth, Die uns jetzt, erzürnter Gott, Soll vom Sündenschlaf aufwecken! Angst und Noth vermehren sich, Großer Gott, erbarme dich. 2. Ach, das Schwert ist scharf gewetzet, Welches uns erwürgen soll, Ja, der Feind ist Zornes voll, Der sich schon das Ziel gesetzet, Wie durch eine große Macht. Alles werde umgebracht. 3. Städt und Länder stehn verstöret, Es vergießet Menschenblut. Diese scharfe Kriegesfluth; Man erstaunet, wenn man höret. Wie die Unbarmherzigkeit. Denen Alt und Jungen dräut. 4. Alles stehet voller Jammer, Alles zittert, alles weicht, Wer nur fliehen kann, der fleucht; Sogar die verborgne Kammer, Täler, Wälder, Wüstenei Ist von Feindesfurcht nicht frei. 5. Höre, wie die Armen weinen. Wenn man ihnen alles nimmt. Und zur Knechtschaft sie bestimmt, Wenn die Feuerflammen scheinen; Man verheert, zerreißt, verbrennt, Daß man kaum den Ort noch kennt. 6. Oder schrecklichen Gerichte, Welche jetzt dein Zorn ausübt, Gegen die, so dich betrübt! Alles macht der Feind zunichte, Wenn du nicht, o Gott, aufwacht. Und zur Hülfe dich aufmacht. 7. Ach, wir fallen dir zu Fuße, Rett uns doch aus dieser Noth, Mächtiger HErr Zebaoth! Ach, wir tun von Herzen Buße; Schone, lieber Vater, schon, Sieh uns an in deinem Sohn. Der gläubige Christ lobet Gott nach erlangtem Frieden. 619 8. Deffen Blut sieh an in Gnaden, Tilg damit die Missetat, Welche dich erzürnet hat. Laß den Feind uns nicht mehr schaden, Gib ihm nimmermehr den Sieg, Großer Gott, in diesem Krieg. 9. Ach, zerbrich des Feindes Waffen. Und nimm ihm den stolzen Muth, Räche das vergoßne Blut, Nimm weg die verdienten Strafen; Baue, was da liegt verheert, Rieht auf, was ist umgekehrt. 10. Laß den Feind bald von uns ziehen, Schleuß des Jammers Pforte zu, Schenk uns nach der Trübsal Ruh; Laß den edeln Frieden blühen, Bringe das verwüst"te Land Wiederum in guten Stand. 1 1. So soll, HErr, dein Lob erklingen, Es soll jagen jedermann: Sehet, das hat Gott getan; Und wir wollen fröhlich singen: Lobet Gottes Güt und Gnad, Der dem Krieg gesteuert hat. 12. Ja, wir wollen hinfort leben. In der wahren Frömmigkeit, Und dir jetzt und allezeit. Unser Herz zum Opfer geben; Also soll nach bittrem Schrein. Unser Herz voll Rühmens sein. Der gläubige Christ lobet und danket Gott nach erlangtem Frieden. Aufmunterung. Kommt her, und schauet die Werke des HErm, der auf Erden solch Zerstören anrichtet; der den Kriegen steuert in aller Welt; der Bogen zerbricht, Spieße zerschlägt, und Wagen mit Feuerverbrennt. Seid stille und erkennet, daß ich Gott bin. Ich will Ehre einlegen unter den Heiden, ich will Ehre einlegen auf Erden. Der HErr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz. Sela. Ps. 46,9-12. Keine fröhlichere Botschaft kann nach einem blutigen und beschwerlichen Kriege erklingen, als diese: Es ist Friede! Da kommen die Geflüchteten wieder in ihre Häuser, die Versagten haben Hoffnung, wieder zu dem Ihrigen zu kommen, das Land erholet sich und grünet 620 Der gläubige Christ lobet und vor Freuden, weil es von des Feindes Fuß nicht mehr zertreten wird. Ein gläubiger Christ erkennet, daß diese Gabe von oben herab komme, darum stimmt sein Herz und Mund zusammen. Er lobet Gott, 1) daß er dem Zerstören, Rauben, Plündern, Würgen, Sengen, Brennen ein Ende gemacht, und daß die Einwohner des Landes von des Feindes Furcht und Gewalt befreiet sind. Er danket Gott, 2) daß er bei diesem gefährlichen Kriege ihn und das Seinige beschützet, und nicht zum Raub in die Hände der Feinde gegeben hat. Er erkennet, 3) wie der edle Friede sei gleich einer Sonne, die alles aufrichtet, gleich einem Thau, der alles erquicket. Er bittet Gott, 4) er wolle den Frieden lassen dauerhaft werden, und allen Friedensstörern selbst wehren. Er wendet 5) die Friedenszeit an, nicht zur Üppigkeit und Wollust, sondern dazu, in seinem Christentum zuzunehmen, und seinem Gott ungestört und ungehindert zu dienen. Gebet. HErr, HErr, gnädig, barmherzig und von großer Güte, du hast aus gerechtem Gerichte bisher den Frieden von unserm Lande weggenommen, weil wir die guten Tage und den Frieden mißbraucht haben, weshalb ein blutiger Krieg entstanden; du hast die Feinde uns zur Strafe gerufen, die mußten das Schwert ausziehen, würgen, das Land verheeren, und uns mit lauter Furcht und Schrecken erfüllen. Ob wir nun wohl verdienet, daß dieser Krieg uns gar verderbet hätte, so hast du doch mitten im Zorn an Gnade gedacht, du hast den kriegenden Teilen Gedanken des Friedens gegeben, dafür wir dir danket Gott nach erlangtem Frieden. 621 herzlich und mit Freuden danken. Das Schwert muß auf deinen Befehl wiederum in die Scheide fahren, die Geflüchteten kommen wieder, und wir können aus unsem Toren wiederum ruhig und ohne Gefahr aus- und eingehen. Preise, Jerusalem, den HErrn, lobe, Zion, deinen Gott, denn er machet fest die Riegel deiner Tore, und segnet deine Kinder drinnen, er schaffet deinen Grenzen Frieden. Welch ein herrliches Kleinod ist der Friede, dessen sich das ganze Land erfreuet! Du erneuert uns heute die gnädige Verheißung: Ihr sollt sicher in eurem Lande wohnen, ich will Frieden geben eurem Lande, daß ihr schlafet und niemand euch schrecke, und soll kein Schwert mehr durch euer Land gehen. Ach HErr, erhalte diesen Frieden beständig zu unsem Zeiten, erhebe über uns dein Antlitz, und gib uns den Frieden als ein herrliches Stück deines göttlichen Segens, den du auf dein Volk geleget hat. Laß unsem Frieden sein wie einen Wasserstrom, der nimmer abnimmt, sondern beständig bleibet und quillet; denn du allein hältst Frieden nach deiner gewissen Zusage. Laß Gerechtigkeit und Frieden sich immer küssen, und Gerechtigkeit vom Himmel schauen. Gib uns deinen Heiligen Geist, daß wir den edeln Frieden nicht mißbrauchen zur Üppigkeit, Völlerei und Sicherheit, sondern vielmehr uns erbauen, und in 622 Der gläubige Christ lobet Gott nach erlangtem Frieden. der Furcht des HErrn wandeln. Erquicke durch deinen Segen das verheerte Land, habe allezeit Gedanken des Friedens über uns. Laß uns am Ende unserer Tage in Frieden fahren, und in die Häuser des Friedens gesammelt werden. HErr Gott, dich loben wir Für deine großen Gnaden, Daß du das ganze Land. Von Kriegeslast entladen, Daß du uns blühen läßt. Des goldnen Friedens Zier; Drum jauchze alles Volk: HErr Gott, dich loben wir. Amen. Gesang. Mel.: Nun lob, mein Seel, den HErren. 1. Der Fried ist nun geschlossen, Gott hat uns gnädiglich erhört, Kein Blut wird mehr vergossen. Kein Land und Stadt wird mehr zerstört; Das Schwert ist eingestecket. Die Bogen losgemacht, Kein Feind, der uns erschrecket. Da uns der Friede lacht; Damm soll heut vor allen, Nach dieser Kriegesnoth, Ein Freudenlied erschallen Dem HErrn HErrn Zebaoth. 2. O Friede, teure Gabe, O edles Kleinod, das du bist, Dadurch nun unsere Habe Von neuem unser worden ist, Da Gott dich uns gegeben, So gibt er uns zugleich Vergnügen, Segen, Leben, Ruh in dem ganzen Reich; Die streitenden Gemüter. Zum Frieden sind geneigt, Der treue Menschenhüter Hat uns die Gnad erzeigt. 3. Die helle Friedensonne Beleucht’t die Länder weit und breit, Sie bringet Heil und Wonne, Damm ist jedermann erfreut; Der Ackersmann kehrt wieder Zu seinem Ackerbau, Der Hirte spielet Lieder. Auf seiner grünen Au; Die Schäflein weiden stille. Weil sie kein Feind mehr schreckt. Und nun die Segensfülle Das ganze Land bedeckt. 4. Gleichwie der Krieg zersplittert. Das alles, was er nur erreicht, Daß Berg und Tal erzittert. Und gleichsam von der Stelle weicht: Der Friede pflegt zu heilen. Das, Der gläubige Christ betet in Teurung und Hungersnot. 623 was da liegt verheert, Und Samen auszuteilen Dem, was da ist zerstört; Mit Lust sieht man nun bauen. Die Häuser und das Feld, Der Himmel scheint zu thauen, Was unserm Geist gefällt. - 5. Laß diesen Frieden dauern, Otreuer Vater, lange Zeit, Daß wir in unsem Mauern. Nicht mehr erfahren Krieg und Streit; Ach, habe stets Gedanken. Des Friedens uns zu gut, Und halte in den Schranken. Der Menschen Übermuth; Nimm wegen unsrer Sünden Uns nur den Frieden nicht. Und laß uns Gnade finden, Wann sonst dein Zorn anbricht. 6. Wir wollen nun vermeiden. Da du uns diesen Frieden schenkt, Was dich und uns kann scheiden, O Gott, und gnädig an uns denkst; Dich wollen wir verehren, Dich lieben und allein. Das Herze zu dir kehren. Und also dankbar sein; Wir wollen stets bekriegen. Der Sünden Lasterheer Und alle Lust besiegen. Zu unsers Gottes Ehr. 7. Und da in diesen Tagen. Der edle Friede also blüht, So laßt uns alle sagen: Kommt, schaut des Allerhöchsten Güt; Der hat dem Krieg gesteuert, Seht, das ist Gottes Tat, Den Frieden uns erneuert, O unverdiente Gnad! Laßt Freudenlieder klingen. Dem HErrn HErrn Zebaoth, Und laßt uns alle singen: Nun danket alle Gott! Der gläubige Christ betet, wenn Gott mit Teurung und Hungersnot das Land heimsuchet. Aufmunterung. Du Menschenkind, siehe, ich will den Vorrath des Brods zu Jerusalem wegnehmen, daß sie das Brod effen müssen nach dem Gewicht und mit Kummer, und das Wasser nach dem Maß mit Kummer trinken. Hesek. 4, 16. Werden zahme und wilde Thiere mit Hunger geziichtiget, daß sie etwas lernen oder ihre wilde Art verlassen müssen, so pfleget Gott eben solchen Zaum und Gebiß 624 Der gläubige Christ betet in Teurung und Hungersnot. den Menschen in den Mund zu legen, wenn sie nicht zu ihm wollen. Gott locket sie lange mit Wohltaten, um sie damit zu sich zu ziehen; wenn sie aber durch solche Güte sich nicht lassen zur Buße leiten, so schicket er Hunger ins Land, entweder durch Mißwachs oder durch Krieg, oder durch Teurung und Mangel, oder wenn er den Segen vom Brod wegnimmt, daß man isset und nicht satt wird. Diese Strafe kommt gemeiniglich: 1) wenn die Menschen das Wort Gottes gering achten, und nur auf Wohlleben bedacht sind, Jes. 5, 13.; 2) wenn man fromme Leute und die Knechte Gottes verfolget, Jer. 11, 22.; 3) die Stimme des falschen Propheten gern höret, Jer. 14, 15. 16.; 4) halsstarrig ist, Jer. 24, 10.; 5) ungehorsam bleibet, Hesek.4, 16.; oder 6) wenn man Gewalt gegen Geringe verübt, 2 Sam. 21, 1.2. Diese Hungersnot bringet mit sich Armut, Elend, Verschmachten, daß Eltern ihre Kinder und andere Dinge vor Hunger effen. 7) Wenn dazu noch der geistliche Hunger kommt, Amos 8, 1 1, so ist der Hunger unaussprechlich. Gebet, Gerechter Gott, der du einem jeden gibt nach seinen Werken, und lässest Zorn, Trübsal und Angst kommen über die, so da Böses tun: wir kommen allhier vor dein allerheiligstes Angesicht, und schämen uns, daß wir uns dermaßen an dir versündiget, daß du uns mit Hunger zum Gebet und Gehorsam zwingen mußt. O wie reichlich hast du uns in den vorigen Jahren gespeiset! wir haben Brod die Fülle gehabt, die Erde brachte uns die lieblichsten und schönsten Früchte. Diese Gaben hätten uns sollen als Liebeseile zu dir, Der gläubige Christ betet in Teurung und Hungersnot. 625 dem reichen Geber, ziehen und zur Buße locken. Aber wie schändlich sind diese Güter zur Völlerei, zum Wohlleben und Überfluß mißbrauchet worden, so, daß die Creatur selbst über uns hat geseufzet, daß sie von den undankbaren Menschen mit undankbaren Herzen und Händen ist empfangen worden! Was ist's denn Wunder, daß ein fruchtbar Land nichts trägt, um der Sünde willen derer, die darin wohnen? Du strafest uns mit Teurung, Mangel, Dürre, daß die Erde ihre Früchte kärglich gibt, daher die Teurung das Land drücket. HErr, höre das Schreien der Armen, die um Brod bitten und nicht satt werden. Nimm doch zu Herzen das Winseln der Kinder, das Klagen der Eltern, den Jammer, der in der Stadt und auf dem Lande alle Häuser erfüllet. Es scheint, du habet den Segen von unserer Speise genommen; wir effen, und werden nicht satt, wir nehmen viel Speise zu uns, und verschmachten fast vor Hunger, und das Vieh, die unvernünftige Creatur, rufet um Futter zu ihrem Schöpfer. Ach HErr, HErr, gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte, erbarme dich über uns, kehre dich wieder mit deinem Segen zu uns, den du uns entzogen hat. Deine Brünnlein haben Wassers die Fülle, darum suche das Land heim, und wäfferees; laß den Himmel 626 Der gläubige Christ betet in Teurung und Hungersnot. die Erde erhören, und erhöre du uns selbst von deinem Heiligtum. Laß die Teurung aufhören, wende dich wieder in Gnaden zu uns, sättige die Hungrigen, erfreue die Armen, segne unser weniges Brod, so wir nach dem Gewicht und mit Kummer täglich zu uns nehmen. Nun erkennen wir, daß wir nicht allein vom Brod leben können, sondern am meisten von dem Segenswort, das aus deinem Munde gehet, und dadurch du Kraft in unsere Speise legest. Laß das Feld bald mit Früchten wieder erfüllet werden, vermehre das wenige Mehl, wie das der Wittwe zu Sarepta, laß den geringen Vorrath genug sein zur Erhaltung vieler. Laß indessen dein Wort unsere Speise allewege sein, uns damit zu nähren, denn das ist unsers Herzens Trost, unser Honig und Honigeim; wir wollen dich für diese Gnade rühmen und preisen unser Leben lang. Ach HErr, sieh an die große Noth, Entzieh uns nicht das liebe Brod, Schütt deinen Segen aus; Du bist ja unsere Zuversicht, Drum bitten wir: Verstoß uns nicht! Amen. Gesang. Mel.: Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 1. Mit den scharfen Teurungsruthen Machst du, o erzürnter Gott, Unser hartes Herze bluten. Ach, die bittre Hungersnot Drohet uns den Untergang, Sie macht unsrer Seele bang, Jammer hat uns ganz umgeben, Da wir solche Noth erleben. Der gläubige Christ betet in Teurung und Hungersnot. 627 2. Es ist fast nicht auszusprechen. Wie der Mangel alles drückt; Es möcht dem ein Herze brechen, Der die Tränenfluth erblickt, Welche diese Nothauspreßt, Darin Gott uns sinken läßt; Schau, Erbarmer, auf die Armen, Vater, denk an dein Erbarmen. 3. Mangel drücket Groß und Kleine, Unser Vorrath ist dahin, Mangel schwächt uns Mark und Beine, Mangel quält uns immerhin; Mangel! ruft der Arme aus, Mangel ist ins Reichen Haus, Mangel hat uns aufgerieben, Daß uns nichts ist übrig blieben. 4. Ach, das machen unsere Sünden, Diese steigen himmelan, Daß man keine Hülfkann finden, Die dem Mangel steuern kann; Frechheit und Halsstarrigkeit Bringt uns dieses Herzeleid; Ungehorsam und Wohlleben Müssen diesen Lohn uns geben. 5. Schaue, wie die Kinder jammern: Ach, wir sind ja noch nicht satt! Auf dem Feld und in den Kammern Liegen viel vor Hungermatt; Dort sieht man viel Arme stehn, Die um Brod und Hülfe flehn, Ja, man hört das Vieh auch brüllen, Das will seinen Hunger stillen. 6. HErr, du hast hinweggenommen Deinen Segen von dem Brod, Und ach, daher ist gekommen, Diese Teurung, diese Noth; Unsre Speise sättigt nicht. Welch ein schreckliches Gericht! Hunger bleibt auch in dem Effen, Und der Speis ist bald vergessen. 7. HErr, wir fallen vor dir nieder, Rette uns aus dieser Last, Gib uns deinen Segen wieder, Den du uns genommen hat; Laß die Äcker wieder blühn. Nach dem Säen und Bemiihn, Laß sie reiche Früchte bringen, Laß den Segen zu uns dringen. 8. Speis uns nur mit deinem Worte, Wenn es uns an Brod gebricht; Wenn wir klopfen an die Pforte, Vater, so verstoß uns nicht; Dieses wahre Lebensbrod Stärke uns in dieser Noth; Auf den fetten Seelenweiden. Ist leicht leiblich Hunger leiden. 9. Laß uns wieder Gnade finden, Laß durch deine 628 Der gläubige Christ betet in Pestzeiten. Segensfluth Diese Teurungsnot verschwinden, So wird alles wieder gut; Dann soll unser Herz und Mund. Alle Tag und alle Stund Sprechen: Gott hat Brod und Leben Uns aus Gnaden wieder geben. Der gläubige Christ betet in Pestzeiten. Aufmunterung. Wenn du aber nicht gehorchen wirft der Stimme des HErrn, deines Gottes, ... so werden alle diese Flüche über dich kommen, und dich treffen. Der HErr wird dir die Sterbedrüse anhängen, bis er dich vertilge. Der HErr wird dich schlagen mit Schwulst, Fieber, Hitze, Brunst, Dürre, giftiger Luft und Gelbsucht, und wird dich verfolgen, bis er dich umbringe. 5 Mos. 28, 15.21. 22. Wenn über die, welche Böses tun, Zorn, Trübsal und Angst soll kommen, Röm. 2, 8. 9, so gehören zu solcher Angst allerdings ansteckende Krankheiten und die Pest. Diese Plage kommt mehrenteils: 1) wenn die Menschen dem Worte der Warnung und Vermahnung keinen Glauben beimessen, 4 Mo. 14, 12.; 2) wenn man Gott nur äußerlich und nicht von Herzen dienet, Jer. 14, 12.; 3) Gott gar durch Ungehorsam aus den Augen jetzet, Jer. 24, 10. 27, 9.; 4) die Diener Gottes verachtet, Jer. 29, 17.; 5) wenn das Volk frech und unbändig wird, Hesek. 14, 19.; 6) wenn Hurerei und Mord im Schwange gehet, Hesek. 33, 26. 27.; 7) wenn keine Bußvermahnungen mehr angenommen werden, Arnos 4, 10.; 8) um Ehebruchs willen, 4 Mos. 25, 9.; 9) um Gotteslästerung willen, 2 Kön. 19, 35.; 10) um Hochmuths willen, 2 Sam. 24, 15, auch um anderer Sünden willen. Wo nun diese Strafe einreißet, da ist nothwendig, daß man Buße tue, weil doch der HErr sich nach seiner Barmherzigkeit erbitten läßt, der halben auch David unter den drei Plagen lieber diese erwählete. Der gläubige Christ betet in Pestzeiten. 629 Gebet. Starker und allmächtiger Gott, groß ist dein Zorn gegen die mutwilligen Sünder, welche sich durch deine Wohltaten nicht lassen zur Buße leiten; du handelt eine Zeitlang mit den Menschenkindern als wie ein liebreicher Vater, der die Ungehorsamen mit vielem Verschonen zu sich locket, nachmals aber, wenn sie deine Gnade auf Muthwillen ziehen, so beweisest du dich als ein strenger Richter. Dieses erfahren wir jetzt auch, gerechter Gott, wir hören, daß an vielen Orten sich eine ansteckende Seuche hervorthut, welche viele tausend Menschen dahinraffet, so daß fast in jedem Hause Todte sind, und sich nicht Hände genug finden, sie zu begraben. Das macht dein Zorn, daß sie so verderben, und dein Grimm, daß sie so plötzlich dahin müssen. Haben wir nicht hohe Ursache, zu befürchten, du werdest das um sich reißende Übel auch in unsere Grenzen und in unsere Stadt schicken? Wir dürfen, o eifriger Gott, gar nicht meinen, daß jene allein Sünder vor andern sind, welche du diese scharfe Ruthe lassest empfinden, wir müssen vielmehr bekennen, daß wir wert sind, alle also umzukommen, wie jene. Es findet sich bei uns Sicherheit, Verachtung deines heiligen Worts, Halsstarrigkeit, Üppigkeit, Hurerei, Ungerechtigkeit, 630 Der gläubige Christ betet in Pestzeiten. Wollust, Stolz, ja, es ist fast keine Furcht Gottes im Lande; die Heiligen haben abgenommen, und der Gläubigen sind wenige unter den Menschen. Willst du nun Sünde zurechnen; HErr, wer wird vor dir bestehen? Ach HErr, HErr, wir halten dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlitz suchen; dämm suchen wir auch, HErr, dein Antlitz; du willst nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre, und lebe; dämm schuldigen wir uns, und tun Buße im Staub und in der Asche. Sieh nicht an unsere Sünden groß, sprich uns derselben aus Gnaden los, steh uns in unserm Elend bei, und mach uns aller Strafen frei. Wir haben gesündiget mit unsem Vätern, wir haben nicht recht gehandelt, und sind gottlos gewesen. Befiehl doch dem Würgengel, der das Racheschwert führet, daß er ablasse, und sage, es sei genug. Laß uns leben, so wollen wir deinen Namen rühmen. Sind wir keiner Gnade wert, so sind wir ihrer doch bedürftig; sind wir alle Kinder des Todes, so hast du doch den Bußfertigen verheißen, du wollest Gnade für Recht ergehen lassen. Ojoschenke uns deine Gnade und das Leben, um JEsu, unsers einigen Mittlers und Fürsprechers willen; erbarme dich, erbarme dich, Gott, unser Erbarmer, über uns, sei uns gnädig, verschone uns, lieber HErr, sei uns Der gläubige Christ betet in Pestzeiten. 63 1 gnädig, hilf uns, lieber HErr Gott! Erbarme dich der Armen und Elenden, welche durch die heftige Seuche sind angegriffen, und die Hunger und Kummer leiden müssen, aller Pflege beraubet, und von allen Menschen verlassen sind; führe sie zur Erkenntnis deiner Gnade in Christo, deinem lieben Sohne, stehe ihnen mit Trost bei, und dein Geist gebe Zeugnis ihrem Geist, daß die Kinder Gottes sind, ob sie gleich an dieser Plage sterben müßten. Ach HErr, erhöre unser Gebet, schütze unser Vaterland, so wollen wir sagen: Der HErr hat Großes an mir getan; ja, du kannst erretten alle, die zu dir treten. Ach HErr Gott, durch die Treue dein Mit Trost und Rettung uns erschein, Beweis" an uns dein große Gnad Und traf uns nicht auf frischer Tat; Wohn uns mit deiner Güte bei, Dein Zorn und Grimm fern von uns sei. Amen. Gesang. Mel.: Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 1. Was große Angst und Herzeleid Läßt uns Gott jetzt erleben. Da wir in dieser Jammerzeit In Todesnöthen schweben, Und fast, o schreckliches Gericht, Vor des Würgengels Angesicht Erzittern und erbeben! 2. Gerechter Gott, dies lässest du Uns hören und fast sehen, Und spricht dabei: Kommt, sehet zu! So soll es euch auch gehen, Wenn ihr von eurer Missetat, Die mich zum Zorn gereizet hat, Nicht werdet bald abstehen. 3. Ach ja, die große Sicherheit. Kann niemand fast beschreiben, Man weiß von keiner Frömmigkeit, Ein jeder 632 Der gläubige Christ betet, läßt sich treiben. Von Lügen, Trügen, Schwelgerei, Verachtung Gottes, Heuchelei, Und also will man bleiben. 4. Willst du nach unserm Sündenmaß. Die scharfe Ruthe binden, Und unsere Bosheit, Neid und Haß Sammt andern schweren Sünden Bestrafen mit der Seuch und Pest, Davon du uns viel hören läßt, Ach, wer wird Gnade finden? 5. O Gott, wir fallen dir zu Fuß, Ach Vater, schone, schone! Wir tun mit Tränen herzlich Buß Vor deinem Gnadenthrone; Gedenke nicht, was wir getan, Und sieh uns doch in Gnaden an. In Christo, deinem Sohne. 6. In JEsu Wunden wollen wir Im Glauben uns einhüllen. Wir bringen hier ein Blut vor dir, Um dieses Blutes willen Wirst du uns Armen gnädig sein, Dies heiße Blut kann doch allein Des Zornes Fluthen stillen. 7. Verleih uns doch gesunde Luft. Und schenk uns noch das Leben, Vertreib der giftgen Pesten Duft; Wirst du uns dieses geben, So sollen Herz, Geist und der Mund Dir Lob und Ruhm zu aller Stund Mit tausend Dank erheben. Der gläubige Christ betet, wenn eine Feuersbrunst ausgebrochen ist. Aufmunterung. Siehe, der HErr HErr rief dem Feuer, damit zu strafen; das sollte eine große Tiefe verzehren, und fraß schon ein Teil dahin. Da sprach ich: Ach HErr HErr, laß ab! wer will Jakob wieder aufhelfen? denn er ist ja geringe. Da reuete den HErm das auch, und der HErr HErr sprach: Es soll auch nicht geschehen. Arnos 7,4-6. Aus dieser Schriftstelle ersehen und lernen wir besonders dreierlei. Zuerst dieses, daß Gott immer sein Werk dabei habe, wenn er Unglücksfälle über die Menschen kommen und vornehmlich eine Feuersbrunst ausbrechen lässet. Deswegen sagt der Prophet: Der HErr wenn eine Feuersbrunst ausgebrochen ist. 633 HErr rief dem Feuer. Gott rufet dem Feuer, und endet es den Menschen unmittelbar, wenn er seine Blitze auslasset, daß die Wälder und Häuser anzünden. Mittelbar aber rufet er dem Feuer, wenn er zulasset, daß es entweder Bösewichter anlegen, oder daß es aus Unvorsichtigkeit und Nachlässigkeit der Menschen entsteht. Wenn daher ein Christ höret, daß Feuer ausgebrochen sei an dem Orte, an welchem er wohnet, so denket er: Das ist kein blinder Zufall, sondern das hat Gott getan; denn ist auch ein Unglück in der Stadt, das der HErr nicht tue? Er erinnert sich, daß er auch unter der gewaltigen Hand Gottes stehe, die ihn bei dieser Gelegenheit ebenfalls heimsuchen könne. Er beuget sich vor Gott, und flehet ihn um Schutz und Beistand an. Er empfiehlt sich kindlich seiner Gnade, in der festen Zuversicht, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge müssen zum Besten dienen. Wir erkennen aus der angezogenen Schriftstelle weiter, daß Gott das Feuer öfters zur Züchtigung und Bestrafung der Menschen brauche. Denn der Prophet sagt: Er rief dem Feuer, damit zu strafen, das sollte eine große Tiefe verzehren, und fraß schon einen Teil dahin. Gott strafet die Sünden der Menschen. Und die muß er bestrafen, sowohl wegen seiner Heiligkeit, nach welcher er denselben gram und feind ist, als auch wegen seiner Gerechtigkeit, nach welcher er die Drohungen erfüllen muß, mit welchen er die Ungehorsamen und Boshaften heimzusuchen und zu züchtigen in seinem heiligen Worte erkläret. Es träfet auch Gott die Menschen wirklich wegen ihrer Sünden manchmal mit besondem, manchmal mit allgemeinen Plagen. Mit besondem Plagen tut er es, wenn er sie mit Kreuz und Krankheit beleget, wenn er ihnen einen Segen entziehet, wenn er sie mancherlei Elend empfinden lasset. Da müssen sie inne werden und erfahren, was das heiße, den HErrn verlassen, und sich nicht fürchten vor seinem Gott. Wenn aber dieses nicht fruchten will, so sendet auch Gott zuweilen allgemeine Plagen, durch 634 Der gläubige Christ betet, welche er seinen Zorn über die Sünder äußert. Dazu brauchet er denn auch manchmal das Feuer, und lässet durch dasselbe aller Orten Schrecken ausbreiten und öfters große Verwüstungen anrichten. Vornehmlich bestrafet Gott auf solche Art teils die Verachtung der Predigt seines Wortes, teils den Undank für die von ihm empfangenen großen und unzähligen Wohltaten, wie wir davon ein deutliches Beispiel 4 Mos. 11,1. aufgezeichnet finden; teils aber die beharrliche Unbußfertigkeit, wie wir aus demjenigen ersehen, was nach 1 Mo. 19 mit den Städten Sodom und Gomorra geschehen ist. Ein Christ muß sich deswegen vor diesen Sünden mit besonderm Fleiß hüten, damit er nicht durch dieselben den Feuereifer Gottes über sich und über eine Brüder errege. Und wenn er von einem entstandenen Feuer höret, so muß er es als ein wohlverdientes göttliches Strafgericht betrachten. Er muß an seine Sünden denken, und Gott in die Zuchtruthe fallen, damit sie nicht auch ihn treffe. Er muß sich durch das Feuer zur Buße, zur Besserang, zur Angelobung und Leistung eines neuen Gehorsams erwecken lassen. Endlich ersehen wir aus der oben bemerkten Schriftstelle, daß Gott durch ein ernstliches und eifriges Gebet könne bewogen werden, seinen Zorn fahren zu lassen und ihn wieder in Gnade zu verwandeln. Denn der Prophet sagt: Da sprach ich: Ach HErr HErr, laß ab! Wer will Jakob wieder aufhelfen? denn er ist ja geringe. Da reuete den HErrn das auch, und der HErr HErr sprach: Es soll auch nicht geschehen. So wurde also Gott durch die demütige Fürbitte des Propheten für sein Volk gegen dasselbe wieder geneigt, daß er die Gedanken des Zorns in Gedanken des Friedens verwandelte, daß er sich seiner erbarmte, daß er aufhörte, es mit Feuer zu strafen. Und so vermag das Gebet des Gerechten noch immer sehr viel, wenn es ernstlich ist. Zu demselben muß daher ein gläubiger Christ bei entstandener Feuersnot seine Zuflucht nehmen. Er muß sich und das Seine der wenn eine Feuersbrunst ausgebrochen ist. 635 Aufsicht und Beschützung Gottes empfehlen. Er muß treulich für die bitten, welche das Unglück entweder trifft, oder welchen es doch nahe ist. Er muß gläubig, brünstig, anhaltend seufzen: Ach FIErr, laß ab zu zürnen und zu strafen, denn wer kann uns sonst aufhelfen? Dann wird er auch gewiß Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden auf die Zeit, da ihm Plülfe not ist. FIErr, FIErr, du bist ein unendlich gütiger und freundlicher, aber auch ein erschrecklicher Gott, wenn du zürnet und den Menschen deine Ungnade in den Gerichten zu erkennen gibt. Jetzt erblicke ich nicht dein freundliches Angesicht, " das ich so oft und vielfältig sonst gesehen habe. Jetzt sehe ich, daß du zürnet, und wer kann vor deinem Zorn bestehen und gegen deinen Grimm sich schützen? Von allen Seiten her höre ich jetzt Lärmen, Schreien, Jammern und Wehklagen. Mein Herz bebet. Meine Kraft hat mich verlassen. Meine Seele ist sehr erschrocken. Es ist ein Feuer ausgegangen, welches ohne deinen Willen und ohne deine Zulassung nicht hätte geschehen können. Ich weiß zwar noch nicht die eigentliche Ursache, welche diesen plötzlichen Brand veranlasjet hat. Aber das weiß ich doch gewiß, daß daran vornehmlich schuld sind meine und meiner Mitbrüder Missetaten und Sünden. Die sind vor dich gekommen; die haben deiner 636 Der gläubige Christ betet, Langmut, mit welcher du uns so lange getragen hast, Grenzen gesetzet, daß du uns einmal trafen und zeigen mußt, du seiest nicht ein Gott, dem gottloses Wesen gefalle, wer bös sei und bös bleibe, der bleibe nicht vor dir. Ach ja, HErr, HErr, wir sind Sünder, große Sünder, die deinen Zorn verdienet haben. Wir verhehlen unsere Missetaten nicht. Wir bekennen es, wir haben gesündiget im Himmel und vor dir, und sind nicht wert, daß wir deine Kinder heißen. Wir sehen nun deinen Feuereifer vor uns, und erkennen, daß du uns alle in wenigen Augenblicken aufreiben und verderben könnest. Aber, ach HErr, tue doch solches nicht. Laß ab von deiner Ungnade. Gedenke mitten in deinem Zorn an deine große Barmherzigkeit, welche du verheißen hat denen, die dein Angesicht suchen. Gedenke doch nicht allein an unsere Sünden, sondern auch, und noch viel mehr, an das teure und vollgültige Versöhnopfer deines Sohnes, unsers Heilandes JEsu Christi. Um seinetwillen schone, und nicht nach Werken lohne. Lösche ab in dem Lamme deines Grimmes Flamme. Gott Vater, denk an Christi Tod, sieh an sein heilge Wunden roth, die sind ja für die ganze Welt die Zahlung und das Lösegeld; des trösten wir uns allezeit, und hoffen auf Barmherzigkeit. wenn eine Feuersbrunst ausgebrochen ist. 637 Nun, darauf hoffe auch ich besonders in der gegenwärtigen Noth und Gefahr, und wende mich deswegen zu dir, als meinem einigen Beistand und Erretter. Ich empfehle zuvörderst mich, die Meinigen, mein Haus, meine Güter und alles, was ich als Gaben von deiner Hand besitze, deiner gnädigen Fürsorge und Obhut. Wehre den Flammen, daß sie nicht zu weit greifen; laß sie verlöschen, ehe sie zu meiner Hütte sich nahen können. Stärke mich im Glauben, im Vertrauen und im Hoffen auf deine Güte, daß ich nicht möge kleinmütig werden, wenn auch die Gefahr näher kommen sollte. Gib mir Weisheit und Verstand, mich alsdann so zu betragen, wie es zu deiner Ehre und zu meinem Besten gereichet. Laß alles am Ende glücklich vorübergehen, so will ich deinen Namen loben, und ohne Aufhören rühmen, was du auch dieses Mal Großes an mir getan hat. Erbarme dich auch derer, o du gnadenvoller Gott, welche jetzt sehen müssen, daß die Flammen ihre Häuser und Güter verwüsten und verzehren. Erfülle ihr Herz mit Mut und Trost, daß sie auf dich hoffen. Sei du ihr starker Schild und ihr mächtiger Beistand in der großen Noth, welche sie getroffen hat, und errette sie gnädiglich. Nicht weniger nimm dich auch derer an, welche der Gefahr nahe sind. 638 Der gläubige Christ betet, Gebiete den Flammen, daß sie zu wüthen aufhören und ihre Wohnung nicht angreifen. Sprich nur Ein Wort, so wird es geschehen. Gedenke an deine teure Zusage, die du getan hast, da du gesprochen: So du ins Feuer geheft, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht anzünden; denn ich bin der HErr, dein Gott, der Heilige in Israel, dein Heiland. Gedenke daran, und tue es nach deiner großen Barmherzigkeit. Segne dabei die guten Anstalten, welche zur Dämpfung des Feuers gemacht werden, und laß dieselben die erwünschtesten Wirkungen haben. Erfülle alle die, welche den Nothleidenden beispringen, mit wahrer Liebe, mit zärtlichem Mitleiden und mit deiner Furcht, damit sie ihnen redlich beistehen und helfen. Und sollten sich Bösewichter einfinden, welche an das Rauben und Stehlen denken, so rühre ihr Herz kräftig, daß sie von ihrem bösen Vorsatz ablassen, und die Betrübten nicht noch mehr betrüben und beschädigen. Mache unserer Noth bald ein Ende. Laß wieder Ruhe und Stille in unsere Mauern kommen. Lösche die lodernden Flammen selbst aus, und laß sie nicht wieder ausbrechen. Laß uns aber auch durch dieses dein über uns verhängtes Strafgericht gedemiitigt, gebessert und dahin gebracht werden, daß wir uns forthin wenn eine Feuersbrunst ausgebrochen ist. 639 fürchten vor deinem Zorn, und nicht mehr vorsätzlich wider deine Gebote tun, sondern vielmehr unser Lebenlang vor dir wandeln in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die dir gefällig ist. Erhöre dies mein und aller anderen frommen Christen Gebet gnädig, und sende uns deine Hülfe, so wollen wir dich für diese und alle andern Wohltaten loben und preisen, hier zeitlich und dort ewiglich. HErr Gott Vater, erbarme dich über uns! HErr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über uns! HErr Gott Heiliger Geist, erbarme dich über uns! Sei uns gnädig, verschone uns, lieber HErr Gott! Sei uns gnädig, hilf uns, lieber HErr Gott! Amen. Gesang. Mel.: Wer nur den lieben Gott läßt walten. 1. Gerechter Gott, laß dich erbitten. In der entstandnen Feuersnoth, Ach JEsu, tritt selbst in die Mitten, Verjöhn durch deinen bittem Tod Des Höchsten Zorn und unsre Siind, So dieses Feuer angezünd’t. 2. Wir haben diese schweren Plagen, Ach, leider! längstens wohl verschuld"t; Du hast jedennoch uns getragen. Mit Vatertreu und mit Geduld, Und uns mit deiner starken Hand. Bisher errettet aus dem Brand. 3. Ach, hätten wir's doch recht erkennet, Wenn du uns oft gewamet hat, Wann anderswo dein Zorn gebrennet. Mit Hunger, Pest und Kriegeslast, Und hätten solche fremde Pein Uns lassen eine Warnung sein. 4. Ach, großer Gott, wir fallen nieder. Mit Reu vor deinem Angesicht, Und suchen deine Gnade wieder, Ach, geh nicht mit uns ins Gericht; Laß uns die jetzt empfundne Noth Recht bessern, lieber HErr und Gott! 5. Gib neue Herzen, neue Sinnen, Verleih uns deinen guten Geist, Daß der in unserem Beginnen. Uns immer 640 Der gläubige Christ betet, wenn er deine Wege weist; Erhalt uns stets in deiner Huld Und, wenn wir fehlen, hab Geduld. 6. Bewahr uns ferner vor dem Schrecken, Den du uns jetzt gesendet zu, Gib, daß uns dieser mög erwecken, In dir zu suchen unsere Ruh Für Seel und Leib in dieser Zeit, Durch wahre Buß und Frömmigkeit. Der gläubige Christ betet, wenn er durch das Feuer hat Schaden gelitten. Aufmunterung. Der HErr hat's gegeben, der HErr hat's genommen; der Name des HErm sei gelobt! Hiob 1,21. Vortreffliche Worte, in welche der fromme Hiob ausgebrochen ist, da ihm mancherlei unangenehme Nachrichten hinterbracht wurden, von den Unglücksfällen, welche eine Kinder und seine irdischen Güter betroffen hatten. Unter solchen Nachrichten lautete auch eine also: Das Feuer Gottes fiel vom Himmel, und verbrannte Schafe und Knaben, und verzehrete sie. Auch diese fürchterliche Botschaft erschreckte ihn nicht, oder brachte ihn aus seiner Faffung. Vortreffliches Beispiel für Christen, welche durch Feuersnot in gleiche Umstände versetzt werden, daß sie an ihren Gütern und an ihrem Vermögen Schaden leiden. Denn daß die Christen sich an dem Muster der Gottseligen und Frommen spiegeln und ihnen nachfolgen sollen, das lehret nicht nur Sirach, da er ihnen Cap. 11, 10. zurufet: Sehet an die Exempel der Alten, und merket sie; sondern auch Paulus, da er Röm. 15, 4. schreibt: Was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, daß wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben. Wenn also Christen nach dem verborgenen und gerechten Ratschluß Gottes so heimgesucht werden, daß sie von dem Ihrigen Vieles einbüßen und verlieren, so müssen sie sich fassen und sich beeifem, nach durch das Feuer hat Schaden gelitten. 641 dem Beispiel Hiobs ihr Verhalten einzurichten. Dieser fromme Mann nahm nicht nur alles gelassen von der Hand des HErm an, sondern er überließ sich auch getrost seiner Fühmng und seinem Willen. Auf solche Weise müssen es wahre Christen auch machen, und deswegen folgende Pflichten beobachten. Ihre erste Pflicht ist, daß sie nicht glauben, sie seien von Gott verlassen, sondern daß sie sich in kindlicher Demut zu ihm nahen, und ihn um andern und neuen Segen anrufen. Ihre andere Pflicht ist, daß sie nicht kleinmütig werden, wenn sie nun einen geringeren Vorrath als sonsten vor sich sehen, sondern alsdann fleißiger beten und arbeiten, und dabei gewiß glauben, daß ihnen Gott das Verlorene reichlich wieder ersetzen könne. Ihre dritte Pflicht ist, daß sie fest auf Gott trauen, und sich versichert halten, daß er tausend Mittel in Händen habe, ihnen den erlittenen Schaden zu ersetzen, und daß er auch solches gewiß nach einer großen Treue tun werde, wenn er nur bei ihnen eine liebevollen Absichten erreichet habe. Verhalten sich die Christen auf diese Art, so werden sie unfehlbar auch inne werden und erfahren, daß es Gott ein Leichtes sei, die wieder zu segnen und reich zu machen, daß er ihre Dürftigkeit wieder werde wegnehmen, daß er so mit ihnen handeln werde, daß sie zuletzt zu seinem Preis mit gerührtem Herzen müssen sagen: Der Name des HErrn sei gelobt! (Gebet. HErr, allmächtiger Gott, wie gar schrecklich ist es doch, in deine Hände zu fallen, wie gar unerträglich ist dein Zorn, wenn du denselben über die Menschen auslassest! Das haben wir jetzt erfahren, da du uns nicht nur mit Feuer heimgesuchet, sondern auch durch die Flammen einen großen Teil dessen wieder genommen hat, 642 Der gläubige Christ betet, wenn er was uns dein Segen vorher bescheret hatte. Wir gestehen es frei, daß wir solche Strafen mit unsem Sünden gar wohl verdienet haben. Wir bekennen dir unsere Sünden, und verhehlen unsere Missetat nicht. Sind wir doch mit deinen Gaben nicht immer so treu umgegangen, wie wir billig gesollt. Sind wir doch manchmal ungerechte Haushalter gewesen. Sind wir dir doch vielleicht mehr als zehntausend Pfund schuldig. Kein Wunder also, daß du uns in deinem gerechten Zorn gezüchtiget und also gestrafet hat. Ach, daß wir so sehr gesündiget, ach, daß wir deine göttliche Majestät so gröblich beleidiget haben! Wir fallen dir zu Fuß, und bitten demütiglich um Gnade. Wir schuldigen uns, und tun Buße im Staub und in der Asche. Wir suchen dein Angesicht, ach, laß uns doch um JEsu Christi willen Gnade vor demselben finden. Merke auf uns und erhöre uns, wie wir so kläglich weinen und zagen. Strafe uns nicht mehr in deinem Zorn, und züchtige uns nicht mehr in deinem Grimm. Sei uns vielmehr gnädig, denn wir sind schwach. Heile uns, HErr, denn unsere Gebeine sind erschrocken. Sei uns gnädig nach deiner Güte, und tilge alle unsere Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Gehe nicht weiter ins Gericht mit deinen Knechten, denn vor dir durch das Feuer hat Schaden gelitten. 643 ist kein Lebendiger gerecht. Bedenke, daß wir Staub und Asche sind. Thue ein Zeichen an uns, daß es uns wohlgehe. Tröste uns wieder, nachdem du uns so hart geschlagen, heile uns wieder, nachdem du uns so schwer verwundet hat. Ersetze uns wieder durch deinen Segen, was uns die Flammen geraubet und in Asche verwandelt haben. Erwecke mitleidige und gute Herzen, welche uns liebreich beistehen und helfen. Segne unsem Beruf, unsere Arbeit und das Werk unserer Hände, ja, das Werk unserer Hände wollest du fordern um deines Namens willen. Gutes und Barmherzigkeit laß uns folgen all unser Leben lang, und uns nimmermehr deinen ewigen Zorn erfahren, den wir mit unsem Sünden wohl verdienet haben. Mache uns recht vorsichtig, daß wir Feuer und Licht niemals verwahrlosen, und dadurch weder uns noch unsere Nachbarn in Schrecken und Schaden bringen. Vor allen Dingen aber mache uns recht fromm. Gib, daß das erduldete Kreuz und Leiden uns möge zu dir führen und bei dir erhalten bis an unser Ende. Schenke uns Kraft, alle Sünden zu meiden, und in einem neuen Leben vor dir zu wandeln. Laß uns den neuen Segen, den du uns schenket, recht wohl anwenden, und so gebrauchen, daß wir immer mit unserer Rechnung vor dir bestehen 644 Der gläubige Christ betet, wenn er durch das Feuer 2c. können. Leite uns durch deinen Geist allezeit auf ebener Bahn, und führe uns endlich aus Gnaden in dein himmlisches Reich, das du von Anbeginn bereitet hat denen, die dich lieben. Amen, es geschehe, Amen! Gott versiegle dies in mir, Auf daß ich in JEsu Namen. So den Glaubenskampf ausführ; Er verleihe Kraft und Stärk Und regiere selbst das Werk, Daß ich wache, bet und ringe Und also zum Himmel dringe. Amen. Gesang. Mel.: Schwing dich auf zu deinem Gott. 1. Kreuz und Leiden führt zu Gott, Deß will ich mich trösten. Nach erlittner Feuersnoth, Da die Angst am größten. Gott, der meint es dennoch gut. Da er mich erhalten, Darum hab ich guten Mut Und laß ihn nur walten. 2. Drückt das Kreuz mich noch so sehr, Gott kann es bald wenden, Ist die Last auch noch so schwer. Kann er Hülfe enden; Seine Allmacht, seine Gnad Haben keine Schranken, Dafür will ich früh und spat Ihm von Herzen danken. 3. In dem Elend kann ich wohl. Meine Ohnmacht sehen, Und wer mir da helfen soll; Zu wem soll ich gehen? Ich kann weder Hülf noch Rat Bei mir Selbsten finden, Doch weiß ich, daß Gottes Gnad Mich kann leicht entbinden. 4. Ach, mein Gott, ich ruf zu dir, Lindre meine Leiden, Eile, komm und schenke mir Nach der Trübsal Freuden; Ich vertraue dir allein, Laß nicht ab mit Flehen, Bis du mir wirst gnädig sein. Und mir selbst beistehen. 5. Es soll keine Trübsal doch Mich von dir abscheiden, Denn ich weiß, du lebest noch Und steht mir zur Seiten; Wenn mich alle Welt verläßt, Will ich dir doch trauen, ' Glaub hält sich an dich fest, Bis ich dich werd Jauen. Der gläubige Christ danket Gott nach der Feuersbrunst. 645 Der gläubige Christ danket Gott, wenn die Feuersbrunst glücklich vorüber ist. Aufmunterung. Freuet euch mit den Fröhlichen, und weinet mit den Weinenden. Röm. 12, 15. Eine Ermahnung, welche den Christen die Teilnahme an allem dem, was ihren Nebenmenschen begegnet, auf das emstlichste befiehlet; eine Ermahnung, welcher sie zu aller Zeit eingedenk sein, und welche sie als dann besonders befolgen sollen, wenn sie sehen, daß ihre Brüder mit Feuer und andern Unglücksfällen heimgesucht werden, und dabei ihr Brod mit Tränen effen, und ihren Trank mit Weinen mischen. Bemerken sie diees, so müssen sie mit ihnen weinen, und ihren Schmerz mit ihnen teilen, als einen Schmerz, den sie auch empfinden, da sie mit ihnen Glieder an. Einem Leibe sind. Sehen sie aber, daß ihre Nächten sich erholen, und nach überstandener Angst wieder fröhlich werden, so müssen sie mit ihnen sich vereinigen, und dem zu Ehren Freudenlieder anstimmen, der so herrlich geholfen und alles so wohl gemacht hat. Christen müssen zuvörderst bei entstandener und wieder gedämpfter Feuersbrunst ihre Teilnahme an ihres Nächsten Schicksal dadurch beweisen, daß sie über das Unglück, das ihn betroffen, sich nicht freuen, daß sie ihm dasselbe nicht gönnen, daß sie nicht in ihrem Herzen sagen: Da, da, das sehen wir gerne. Denn das zeuget von Bosheit, Schalkheit und Lieblosigkeit, welche Christen nicht geziemet. Vielmehr müssen sie bedenken, daß das Feuer eben sowohl bei ihnen als bei andern hätte ausgehen, daß es sie eben sowohl wie andere hätte beschädigen können, und daher so daran Teil nehmen, als ob es ihnen selbst begegnet wäre, und aus wehmütigem Herzen mit ihnen klagen und weinen. Christen müssen sich dabei weiter alles lieblosen Richtens enthalten, 646 Der gläubige Christ danket Gott, daß sie die durch den Brand Beschädigten nicht gleich für große Sünder erklären, daß sie sich nicht für frömmer und besser als jene halten, daß sie nicht das Unglück, das sie betroffen, für gerechte Strafen ihrer Bosheit ausschreien, sondern dabei vielmehr ihre Hand auf den Mund legen und in der Stille sagen: Der HErr hat's getan, und wer ist je ein Ratgeber gewesen? Christen, welche vom Feuer nichts erlitten haben, müssen gegen die Abgebrannten noch weit mehr ein wahres Mitleiden beweisen und äußern. Solches müssen die tun, daß sie ihnen alles wieder zurückgeben, was sie ihnen etwa in der Feuersgefahr hatten anvertraut, und davon nicht das Geringste zurückhalten, denn das ist gestohlen und die Betrübten noch mehr betrübt, welches unverantwortlich ist. Solches müssen sie auch endlich noch so tun, daß sie, wenn jene eine Beisteuer von ihnen begehren, ihnen gerne, willig, reichlich und nach ihrem Vermögen geben, ebenso, wie sie wünschen, daß es ihr Nächster in ähnlichen Fällen gegen die tun möge. So weinen sie mit den Weinenden, und nehmen Teil an ihrem Jammer und Elend. So müssen aber auch Christen sich freuen mit den Fröhlichen. Wenn sie sehen, daß ihre beschädigten Brüder sich ermuntern, ihr Herz zu Gott erheben und ihm danken, daß er doch in der Noth ihres Angesichts Hülfe und ihr Gott gewesen ist, so müssen sie sich mit ihnen im Geiste verbinden, mit ihnen Gott loben und preisen, und ihm von Herzen eben sowohl dafür Dank opfern, daß er ihren Brüdern wieder geholfen, als auch dafür, daß er sie beschützet, beschirmet und unbeschädiget gelassen hat. Thun Christen dieses, so tun sie ihre Pflicht, und das bringet ihnen lauter Segen und Heil. Gott hat an ihnen ein gnädiges Wohlgefallen. Er nimmt sie in seinen Schutz. Er wird an die in allen ferneren Nöten denken, und sie aus denselben herausreißen. Er wird sie immerdar schmecken und sehen lassen, wie freundlich er sei. wenn die Feuersbrunst glücklich vorüber ist. 647 Gebet. So hast du denn nunmehr, o heiliger und gerechter Gott, dein Gericht an uns hinausgeführet, mit welchem du uns hat strafen, züchtigen und bessern wollen. Du hast uns zwar dabei ein Hartes erzeiget, aber du hast doch auch Großes an uns getan, daß wir sagen müssen: Der HErr ist gerecht, und seine Gerichte sind auch gerecht. Ich zittere noch, wenn ich an das Schreien, an das Winseln, an das Heulen und Weinen denke, welches noch vor Kurzem von allen Seiten her meine Ohren erfüllet hat. Ich kann mich noch nicht recht fassen, wenn ich mich erinnere, wie viele Eltern, wie viele Kinder, wie viele Unmündige und Säuglinge, wie viele Schwangere und Säugerinnen, wie viele Kranke und Sterbende in der größten Gefahr gewesen sind, von den Flammen verzehrt zu werden, wie sie in solcher Noth zu dir geschrieen haben, und wie viele Tausende hätten unglücklich werden können. Du hast zwar viele durch das Feuer um das Jhrige kommen und arm werden lassen, aber du hast doch auch mitten im Zorne noch an deine Gnade gedacht. Du hast dem Feuer geboten, stille zu stehen und nicht weiter um sich zu greifen. Du hast das Seufzen der Elendenerhöret und dein gnädiges Angesicht wieder zu uns gewendet, daß 648 Der gläubige Christ danket Gott, die wüthende Flamme nicht alles verzehret hat. Welch eine Gnade und Güte, dafür sei hochgelobet und gepriesen! Besonders aber sei dir auch Lob und Dank gesagt für die vorzügliche Barmherzigkeit, welche du mir Armen bei dieser Gelegenheit erzeiget hat. Ich bin nicht besser als meine Brüder; ich habe gleiche Strafe verdienet. Aber du hast mich in Gnaden verschonet. Du hat mir unter der Noth Mut und Trost verliehen; du hast das Feuer von meiner Hütte abgehalten; du hast mich, die Meinigen, meine Güter und mein Vermögen ganz unversehrt gelassen. Ach, wie soll ich dich doch dafür genug am loben? Tausendmal, tausendmal sei dir, großer König, Dank dafür! O daß ich tausend Zungen hätte und einen tausendfachen Mund, so stimmt ich damit um die Wette vom aller tiefsten Herzensgrund ein Loblied nach dem andern an von dem, was Gott an mir getan. Da aber mein Vermögen viel zu schwach und zu gering ist, dir, o Gott, so zu danken, wie es die Größe deiner mir erwiesenen Güte und Huld erfordert, so nimm meinen Willen für die Tat an, und laß dir mein armes Lallen in Gnaden Wohlgefallen. Verleihe mir dabei Kraft und Stärke, daß ich dir mein ganzes folgendes Leben zum Dankopfer widmen und darbringen, daß ich die Sünde wenn die Feuersbrunst glücklich vorüber ist. 649 ernstlich meiden, daß ich der Heiligung eifrig nachjagen, daß ich dir unverrückt anhangen und treulich dienen möge bis an mein seliges Ende. So erbarme dich meiner um JEsu Christi willen, und erhalte mich in deiner Gnade, daß ich dieselbe genießen könne, hier zeitlich und dort ewiglich. Nimm dich aber auch besonders derer an, welche die gedämpfte Feuersbrunst betroffen hat. Richte du sie selbst auf mit deinem göttlichen Tröste, und laß sie deinen heiligen Willen erkennen. Gib ihnen Geduld in ihrer Trübsal, und laß sie in wahrer Gelassenheit nur an dir und deiner Gnade hangen. Er setze ihnen den erlittenen Verlust mit deinem Segen, und verleihe ihnen Gnade, daß sie deine väterliche Liebe, Güte und Treue an sich erkennen, und dich da ohne Aufhören loben und preisen. Nun, HErr, unser Gott, sei uns allen in Zukunft gnädig und barmherzig. Nimm uns täglich in deinen Schutz und Schirm. Bewahre uns vor aller ferneren Feuersgefahr. Gedenke an uns allezeit in Gnaden. Thue uns wohl nach deiner Barmherzigkeit um deiner Güte willen. Thue uns wohl bis an das Ende unserer Tage, so wollen wir dir opfern die Farren unserer Lippen, wie wir solches auch jetzt tun, da wir auf unsere Kniee fallen und sagen: 650 Der gläubige Christ danket Gott nach der Feuersbrunst. HErr Gott, dich loben wir, Daß du uns zwar gestrafet. Jedoch ind einem Zorn. Nicht gar hast weggeraffet; Es hat die Vaterhand Uns deine Gnadenthür. Jetzt wieder aufgetan; HErr Gott, wir danken dir. HErr Gott, wir danken dir. Du Israelis Hüter, Daß du uns väterlich Die Kirch, die Stadt, die Güter. Bisher erhalten hat; Gib ferner Gnad allhier, Daß auch die Nachwelt fingt: HErr Gott wir danken dir! Amen. Gesang. Mel.: Nun laßt uns Gott, dem HErren. 1. Laßt uns den HErrn hoch preisen. Und ihm den Dank erweisen, Den er von uns begehret, Da er der Noth gewehret. 2. Wie schreckten uns die Flammen! Wie liefen wir zusammen! Wie wallten unsere Herzen. Vor Furcht, vor Angst, vor Schmerzen! 3. Das alles ist geendet, Da du uns, Gott, gesendet Dein Hülf, die uns war nahe, Eh man es sich versähe. 4. Dank, Dank sei deiner Güte! Erfüll nun das Gemüte. Mit Freuden nach dem Weinen, Laß uns dein Licht stets scheinen. 5. Dein Licht in deinem Worte Laß doch an unserm So leuchten, daß wir Blinden. Den Weg zum Himmel inden. - 6. Laß uns dein Licht umstrahlen, Wenn Dunkelheit, wenn Qualen Uns noch so heftig schrecken. Und deinen Zorn entdecken. 7. Dann laß uns deutlich sehen, Daß du uns wirst beistehen; Dann laß uns auf dich trauen, Bis wir dich ewig schauen. 8. Und dann laß uns ohn Ende, Wenn wir in deine Hände. Hier Leib und Seel ergeben, In Freude bei dir leben. Der gläubige Christ betet zu Gott bei nasser Witterung. 65 1 Der gläubige Christ betet zu Gott bei anhaltender nasser Witterung. Aufmunterung. Siehe, ich will eine Sündfluth mit Wasser kommen lassen auf Erden, zu verderben alles Fleisch, darin ein lebendiger Odem ist, unter dem Himmel. Alles, was auf Erden ist, soll untergehen. 1 Mos. 6, 17. Auf diese Weise erklärte sich Gott ehedem gegen den frommen Noah, und entdeckte ihm damit ein schweres Strafgericht, welches er Willens sei, über die sündige Welt zu verhängen. Gott lehret ihn damit zuvörderst, daß die kommende Wasserfluth allein von ihm und von seiner Weisheit und Macht abhänge, indem er sagt: Ich will Wasser kommen lassen auf Erden. Er zeiget ihm damit weiter, daß er solches im Zorn, um der Sünden der Menschen willen tun wolle, indem er es ausdrücklich eine Sündfluth nennet. Er bemerket auch endlich noch, daß er solche zur Bestrafung, zum Verderben der Sünder senden und gebrauchen wolle, indem er spricht: zu verderben alles Fleisch, darin ein lebendiger Odem ist, unter dem Himmel; alles, was auf Erden ist, soll untergehen. Dieses alles traf auch richtig ein. Es kam die Sündfluth; die Wasser wuchsen; alles Fleisch wurde verderbt; was einen lebendigen Odem hatte und nicht mit dem Noah in den Kasten gegangen war, das starb. Dieses überzeuget uns sowohl von der Wahrhaftigkeit Gottes, nach welcher er alle seine Zusagen, sowohl seine Verheißungen, als auch seine Drohungen, auf das genaueste erfüllet, als auch von seiner Gerechtigkeit, nach welcher er die Sünden und Übertretungen der Menschen zwar lange mit Geduld trägt und übersiehet, aber sie am Ende doch in einem Zorn heimsuchet und strafet, wenn sie nicht davon ablassen und rechtschaffene Buße tun. Und obgleich Gott verheißen hat, daß er die Welt nicht mehr mit einer allgemeinen Überschwemmungzüchtigen und sie darin 652 Der gläubige Christ betet zu Gott vertilgen wolle, ob es gleich dabei gewiß und ewig bleibet, so läßt doch Gott noch manchmal zur Demütigung und Erweckung der sündigen Menschen Wasserfluthen, starke Wassergüsse und eine anhaltende nasse Witterung kommen, daß der Regen anhält und nicht aufhören will vom Himmel herabzufallen. Wenn nun Christen dergleichen Zufälle wahmehmen, so erinnern sie sich dabei zuerst, daß sie von Gott kommen, daß sie unter einer weiten Regierung geschehen, und geben sich deswegen getrost in seine Hände, in der festen Zuversicht, daß er doch alles wohl machen werde. Christen bedenken weiter bei solchen Heimsuchungen, daß Gott über ihre Sünden, über ihren Ungehorsam zürne. Deswegen kehren sie in sich, und suchen ihr böses Wesen und Leben zu erkennen, zu bereuen, und in wahrer Buße bei ihm, um JEsu Christi willen, Gnade und Vergebung zu erlangen. Christen erwägen auch noch endlich bei solchen Ereignissen, daß sie gar leicht zu ihrem Verderben gereichen können. Sie sind dabei nicht gleichgültig, sondern überdenken mit Aufmerksamkeit, was Gott an ihnen tun könne. Und da sehen sie gar bald, wenn die nasse Witterung zu lange anhalten würde, wie gar leicht als dann der Erdboden zu sehr erweichet, die Früchte des Feldes verfaulen, die Gewächse verderben, den Menschen und dem Vieh die Nahrung und das Futter entzogen, und dadurch Mangel, Teurung, Flunger, Krankheit und endlich eine allgemeine Noth erregt werden könne. Dies treibet sie zu Gott, daß sie sich in seine Hand befehlen, daß sie zu ihm schreien und rufen in ihrer Noth, daß sie ihn um die Abwendung des ihnen drohenden Strafgerichts anflehen, daß sie bei ihm kindlich und gläubig die Errettung und Hülfe suchen, welche ihnen zu solcher Zeit besonders nötig ist. Wenn sie dieses tun, so wird ihnen Gott wieder ein Herz zuwenden, und so gnädig werden, als er vorher zornig gewesen. Er wird sich ihrer erbarmen und ihnen fruchtbare Zeiten schenken, daß ihre Herzen erfüllet werden mit Speise und Freude. bei anhaltender nasser Witterung. 653 Gebet. - Großer und majestätischer Gott, der du den Himmel ausgebreitet, die Erde gegründet und alles erschaffen hat, was da lebet, webet und ist; wir sehen es mit unsem Augen, daß du alles regierest und alles schaffest, was du nur willst. Wie bald kannst du nicht die Gestalt der Erde verändern! Wie bald kannst du ihr nicht ihre Schönheit und Zierde nehmen! Wie bald kannst du uns nicht wieder das Gute und den Segen entziehen, den du uns vor Kurzem gezeiget hattest! Das erfahren wir jetzt besonders, da du die Fenster des Himmels hat aufgetan, und ohne Aufhören den Regen herabfallen lässest. Alles ist traurig und betrübt; alles gewähret einen erschreckenden Anblick; die Sonne entziehet uns ihren erwärmenden und erquickenden Schein; das Auge und Herz wird niedergeschlagen, da es nichts als schwere und trübe Wolken erblicket; das Erdreich ist mit Wasser bedecket; das Gras und die Früchte des Feldes sind der Fäulnis nahe; die Flüsse schwellen und drohen mit Überschwemmung; die Wege werden unbrauchbar und hindern Handel und Gewerbe; und wer weiß, was noch für Schaden und Verlust aus dieser Noth, die uns jetzt getroffen hat, entstehen kann. Ach HErr, HErr, siehe doch an diesen unsem Jammer 654 Der gläubige Christ betet zu Gott und erbarme dich über uns gnädiglich. Du zeigest uns jetzt gar deutlich, daß du über uns zürnet. Und wir erkennen es auch gar wohl, daß wir mit unsem Sünden, mit unserm Ungehorsam, mit unserer Untreue und Widerspenstigkeit diesen deiden Zorn erreget haben. Ja, ja, wir find Sünder, große Sünder, und mangeln gänzlich des Ruhms, den wir vor dir haben sollen. Wir haben gesündiget vor dir, und sind nicht wert, daß wir deine Kinder heißen. Wir haben's verdienet, recht wohl verdienet, daß du uns deinen Segen entziehet und dafür deine Ungnade empfinden lassest. Wir bekennen dir deswegen unsere Sünden, und verhehlen unsere Missetaten nicht. Wir demütigen uns vor dir in wahrer Buße, und bitten dich um Erbarmung und Gnade. Ach, so erbarme dich denn wieder über uns, nachdem du uns so empfindlich geschlagen und betrübet hat. Gedenke an uns und segne uns. Gedenke unser im Besten. Gedenke, daß wir nur Staub und Asche sind. Gedenke an die vollkommene Versöhnung JEsu, und laß um derselben willen auch nunmehr bei uns Gnade für Recht ergehen. Du hast ja verheißen, so lange die Erde stehe, solle nicht aufhören Samen und Ernte, Sommer und Winter, Frost und Hitze, Tag und Nacht. Du hast ja zugesagt, du wollest bei anhaltender nasser Witterung. 655 sättigen alles, was da lebet auf Erden, mit Wohlgefallen. Du hast ja die teure Zusage getan, daß du die Erde und ihre Bewohner nicht mehr mit Wasser vertilgen und ausrotten wollest. Ach, daran gedenke doch auch jetzt! Ach, das erfülle doch auch an uns, o du Gott voller Gnade und Wahrheit! Thue die Fenster des Himmels zu, und gebiete dem Regen, daß er aufhöre, auf uns zu fallen. Heitere den trüben Himmel auf, und laß uns das schöne Sonnenlicht wieder leuchten. Trockne und erwärme damit die allzu feuchte Erde. Gib dem Gras und allem Gewächse ein neues Leben. Bringe alles wieder hervor und zu einer Zeitigung und Reife, damit wir zu einer Zeit den nötigen Vorrathan Korn, Most und Oel und allem dem, was zu unserer Erhaltung nötig ist, mit Freuden einsammeln können. Verleihe uns ferner ein fruchtbares und gedeihliches Wetter. Bewahre uns vor Hagel und Ungewitter. Schenke Frühregen und Spatregen zu seiner Zeit, und laß die liebe Sonne das Land immer wieder erquicken, wenn du es gewäffert hat, daß so das Gras wachse für das Vieh und die Saat zum Nutzen der Menschen. Laß uns aber auch alsdann deine Gaben, die du uns so wunderbarlich erhalten und so gnädig bescheret hat, mit Danksagung empfangen, und 656 Der gläubige Christ betet zu Gott nimmermehr vergessen, was du Großes an uns getan hat. Erweiche unsere harten Herzen durch die uns erzeigte Güte und Treue, daß wir uns redlich bessern, alle wissentlichen Sünden meiden, der Frömmigkeit und Tugend nachjagen, und bis an unser Gnde vor dir wandeln, wie es dir gefällig ist. Und dann nimm uns auch, nach bewiesener Treue, in Gnaden auf in dein ewiges, himmlisches Reich. Da wollen wir dir weit vollkommener danken für alle uns erzeigten Wohltaten, als wir hier in der Schwachheit tun konnten. Da wollen wir, wenn alles wird wohl klingen, dir ewig Lob und Dank fingen. Heilig, heilig, heilig werde, Gott, dein Name stets genannt, Denn der Himmel und die Erde. Machen deinen Ruhm bekannt; Deine Güte, deine Macht, Weisheit, Majestät und Pracht. Hat doch nirgend ihres Gleichen; Gott, wer kann dein Lob erreichen? Amen. Gesang. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 1. Soll der Himmel allzeit weinen? Söller stets bedecket stehn? Soll uns keine Sonn mehr scheinen? Soll man sie nicht wiedersehn? Willst du denn, erzürnter Gott, Nicht ansehen unsre Noth? Siehe, durch des Regens Triefen Schwellen auf fast alle Tiefen. 2. Alles stehet überschwemmet, Alles faulet auf dem Feld, Nichts ist, das den Regen hemmet, Der da täglich häufig fällt; Unsre Früchte zeitgen nicht, Weil es an der Wärm gebricht; Was sich nach der Sonne sehnet. Steht mit Regenthau bethränet. bei anhaltender nasser Witterung. 657 3. Alles trauert, was man siehet, Ist mit Wasser angefüllt, Da die Sonn sich uns entziehet, Ist der Himmel ganz verhüllt; Ach, es ist uns angst und bang, Ein Tag scheint uns Wochen lang, Weil so viele Tag vergehen, Daß wir keine Sonne sehen. 4 Ach, der Himmel will uns lehren, Wie wir gar verstocket sind. Daß man sich nicht will bekehren, Daß bei uns kein Statt mehr find’t. Wenn man rufet: Thut doch Buß! Geht und fallet Gott zu Fuß! Drum will uns die Fluth ersäufen. Wenn wir unsere Sünden häufen. 5. Ach, es will der Himmel weinen. Weil niemand die Sünd beweint; Wer ist doch von Groß und Kleinen, Der es jetzt mit Gott recht meint? Wo ist Buße, Frömmigkeit, Wahre Lebensheiligkeit? Drum kann, ob wir heftig schreien. Keine Hiilf uns angedeihen. 6. Ach Gott, wollest dich erbarmen, Halte doch den Regen ein; Höre das Geschrei der Armen, Gib uns warmen Sonnenschein; Sieh, wir kommen in der Zeit, Unsere Sünden sind uns leid, Und daß wir zu unserm Schaden Solche Straf auf uns geladen. 7. Schenk uns doch die Sonne wieder, Ach Gott, so soll unser Mund Singen. Dank- und Freudenlieder; Denk doch an den Gnadenbund, Den der Regenbogen weist Und uns deine Gnad verheißt; Laß uns sehen aufgerichtet, Was der Regen hat vernichtet. 8. Laß die Wärme doch erquicken, Was die rauhe Regenluft. Wollte auf dem Feld ersticken. Durch den kalten, nassen Duft; Ach, du großer Gott, gebeut, Daß da, wenn du willst, noch heut Von dem blauen Himmelssaale Uns die liebe Sonn bestrahle. 9. Wenn du dies Gebet erhörest. Und uns schenkt der Sonne Glanz; Wenn du wiederum bescherest, Was da schien verdorben ganz: Wollen wir zu aller Zeit Preisen deine Gütigkeit, Daß du Sonne, Licht und Leben Wieder um uns hat gegeben. 658 Der gläubige Christ betet zu Gott Der gläubige Christ betet zu Gott bei anhaltender Hitze und Dürre. Aufmunterung. Elias war ein Mensch, gleichwie wir, und er betete ein Gebet, daß es nicht regnen sollte; und es regnete nicht auf Erden drei Jahr und sechs Monden. Und er betete abermal, und der gab den Regen, und die Erde brachte ihre Frucht, ac. 5, 17. 18. Die eigentliche Absicht, in welcher uns der heilige Apostel Jacobus dieses Beispiel des Propheten Elias vor Augen stellet, ging keineswegs dahin, um uns zu lehren, als ob es bloß in dem Willen und in der Macht dieses Propheten gestanden habe, dem Lande den Regen zu verschaffen und zu entziehen, sondern vielmehr dahin, um uns zu zeigen, daß ein gläubiges, rechtschaffenes und Gott wohlgefälliges Gebet eine gar große Kraft habe und sehr vieles ausrichten könne, und damit seinen kurz vorher getanen Ausspruch: Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist, noch mehr zu bestätigen und außer allen Zweifel zu setzen. Daraus erkennen wir denn folgende drei Wahrheiten. Die erste Wahrheit: Gott allein ist der Herr des Regens, oder derjenige, welcher die Macht hat, den Menschen den Regen entweder zu senden, oder aber auch vorzuenthalten, und in dessen Willen es allein stehet, den Himmel aufzutun oder ihn verschlossen zu halten. Diese Macht kommt Gott nicht allein zu als dem Herrn der Natur, als dem Schöpfer, Erhalter und Versorger der Welt, der alles tun kann nach seinem Wohlgefallen, und alles in seiner Hand hat, sondern sie wird ihm auch in seinem heiligen Worte vorzüglich und allein zugeeignet. Denn so sagt unter andern der Prophet Jeremias, 14, 22.: Es ist doch ja unter der Heiden Götzen keiner, der Regen könnte geben; so kann der Himmel auch nicht regnen. Du bist doch ja der HErr, unser Gott, auf den wir hoffen; denn du kannst solches alles tun. Von ihm kommt also die Befeuchtung und bei anhaltender Hitze und Dürre. 659 Austrocknung der Erde, die Nässe und die Dürre her. Zu ihm wendet sich auch Elias mit seinem Gebet. Seine Hand, seinen Rat muß man daher allezeit erkennen und in Demut verehren, wenn man siehet, was auf Erden geschiehet. Nicht der Natur, nicht dem Schicksal darf es also der Christ zuschreiben, wenn der Regen kommt und wenn derselbe ausbleibet, sondern dem Herrn der Natur; die Wirkung und Regierung Gottes muß er dabei erkennen und sich derselben gänzlich unterwerfen. Die andere Wahrheit: Es ist eine große Gnade von Gott, wenn er den Regen zur rechten Zeit endet; wenn er aber solches unterlasset, so ist es von ihm eine schwere Strafe. In beiderlei Rücksicht betete Elias zu Gott. Zuerst betete er, daß der Regen ausbliebe und das Volk wegen seiner Sünden bestrafet würde. Hernach aber betete er, daß Gott seine Strafe wegnehmen, seinen Zorn wieder in Gnade verwandeln und das ausgetrocknete Land wieder mit dem Regen erquicken wolle. Und in der Tat ist die Verleihung des Regens eine große Gnade von Gott. Das Erdreich wird dadurch erweichet und zur Hervorbringung seiner Frucht tüchtig gemacht. Der in der Erde liegende Same wird zum Aufgehen bereitet und zum Keimen gebracht. Felder und Wälder werden gestärket. Menschen und Thiere werden erquicket. Die ganze Natur wird belebet und in ihrer Pracht erhalten. Wer muß also nicht den Regen für eine gerechte Gnadenwohltat erkennen, welche Gott den Menschen erzeiget? Deswegen verheißet auch der HErr dieselbe vornehmlich den Menschen alsdann, wenn sie würden in seinen Wegen wandeln, seine Gebote halten und darnach tun. Denn so sagt er ausdrücklich 5 Mos. 11, 13-15.: Werdet ihr nun meine Gebote hören, die ich euch heute gebiete, daß ihr den HErrn, euren Gott, liebet, und ihm dienet von ganzem Herzen, und von ganzer Seele; so will ich eurem Lande Regen geben zu seiner Zeit, Frühregen und Spatregen, daß du einsammlest dein Getreide, deinen Most 660 Der gläubige Christ betet zu Gott und dein Oel; und will deinem Vieh Gras geben auf deinem Felde, daß ihr effet und satt werdet. Gleichwie es aber auf diese Weise eine große Gnade von Gott ist, wenn er dem Lande den nötigen Regen gibt, also ist es auch im Gegenteil eine große und schwere Strafe, wenn er denselben zurückhält, und das Land mit Dürre, Trocknung und Hitze beleget. Diese Strafe lässet Gott über die Menschen kommen, wenn sie an ihm sündigen und nicht in seinen Geboten wandeln. So gerecht diese Strafe ist, so hart, so empfindlich ist sie auch. Denn wie jämmerlich und erbärmlich stehet es nicht allenthalben, wo der Regen fehlet, wo Hitze und Dürre drücket? Die Erde springt von einander, und hat keine Kraft, ihre Gewächse zu liefern. Die Wiesen werden den Einöden gleich; die Bäume verwelken; die Früchte fallen ab; das Vieh dürstet; der Mensch schmachtet; Teurung, Mangel, Krankheiten und Seuchen können leicht entstehen; das ganze Land ist mitten im Sommer gleichsam mit einem Todtenkleide angezogen. Trauriger Anblick, empfindliche Strafe! Siehet man daher dieselbe vor sich, fühlet man sie, so muß man dabei nicht gleichgültig bleiben, sondern vielmehr in sich gehen, seine Versündigungen erkennen, und mit einem gedemiitigten und bußfertigen Herzen die Versöhnung derselben in Christo JEsu bei Gott suchen, und ihn mit zerknirschtem Geist um die Linderung und Abwendung einer gerechten Strafen anrufen. Die dritte Wahrheit: Ein rechtschaffenes und Gott wohlgefälliges Gebet ist das sicherste Mittel, vermittelt dessen man von Gott alles Gute, und auch das erlangen kann, daß er seine Strafe abnehme, und das verdorrete Land mit einem gnädigen Regen säuge und erquicke. Das ersehen wir aus dem Beispiel des Elias. Dieser war zwar ein Prophet des HErm, aber doch übrigens ein Mensch, ein sündiger, ein sterblicher, ein ohnmächtiger und schwacher Mensch, gleichwie wir. Er betete, und Gott gab ihm, was er bat. Er betete nach dem Willen und Wohlgefallen Gottes, und bei anhaltender Hitze und Dürre. 661 er wurde erhöret. Gleiches Glück können auch wir genießen. Gleichen Segen können auch wir erlangen; denn bei Gott gilt kein Ansehen der Person. Wer ihn fürchtet und recht thut, der ist ihm angenehm. Wer zu ihm betet nach seinem Willen, den erhöret er. Wenn daher wahre Christen sehen, daß Gott seine Hand zur Strafe über sie habe ausgestrecket, daß er ihnen den Regen entziehe, daß er sie mit Hitze und Dürre plage, so müssen sie zum Gebet ihre Zuflucht nehmen, und dasselbe nur so verrichten, daß es vor Gott kommen und bei ihm einen süßen Geruch erwecken könne. Sie müssen so beten, daß sie ihre Sünden aufrichtig bekennen; so beten, daß sie deren Vergebung in Christo JEsu gläubig suchen; so beten, daß sie dabei im mindesten nicht zweifeln; so beten, daß sie nicht nachlassen, sondern damit anhalten, bis ihnen die verlangte Hülfe ist zu Teil worden. Dann können sie versichert sein, daß sie Gott erhören und ihnen das geben wird, was ihr Herz begehret. Dann werden sie bald die Erfüllung ihres Verlangens vor sich sehen; denn der HErr ist nahe allen, die ihn anrufen, die ihn mit Emst anrufen; er thut, was die Gottesfürchtigen begehren; er höret ihr Schreien und hilft ihnen. Gebet. Nun, so hilf uns denn auch, o HErr, unser Gott, der du bist gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte und Treue, in der großen Noth, in welcher wir uns jetzt zu dir nahen und dich um deine Barmherzigkeit anrufen; hilf uns in der großen Noth, welche uns nunmehr betroffen hat; hilf uns, und errette uns wieder aus derselben gnädiglich. Du hast ehedem deinem Volke gedrohet, wenn es deiner Stimme nicht 662 Der gläubige Christ betet zu Gott gehorchen, wenn es nach deinen Geboten und Rechten nicht tun würde, so wollest du den Himmel über seinem Haupte ehern und die Erde unter seinen Füßen eisern machen, so wollest du seinem Lande Staub und Asche für Regen geben, so wollest du es also strafen, bis es vertilget würde. Diese gerechte und schreckliche Drohung fängst du nun auch bei uns an zu erfüllen. Du hat uns schon eine Zeitlang mit einer anhaltenden Hitze und mit einer alles auszehrenden Dürre heimgesuchet. Du hast schon eine geraume Zeit den Himmel wirklich vor uns verschlossen, und den Wolken geboten, daß sie entweder von uns fliehen, oder uns doch keinen Regen geben sollten. Es scheint in der Tat, als ob der Himmel über uns ehern und die Erde unter uns eisern geworden sei. Ach, wie traurig und erbärmlich sieht es deswegen auf den Feldern und Wiesen, auf den Bergen und in den Tälern, in den Frucht- und Weingärten, ja, allenthalben aus! Die Erde sperret ihren Mund auf und seufzet um Erquickung. Menschen und Thiere lechzen vor großer Hitze; die Bäume verdorren. Das Gras verwelket; die Früchte können nirgends wachsen und zu ihrer Zeitigung kommen; es mangelt dem Vieh an Futter, und unsere Flüsse, Bäche und Brunnen müssen endlich vertrocknen, bei anhaltender Hitze und Dürre. 663 daß wir an Wasser Mangel haben. Und welche traurige Folgen können nicht noch daraus entstehen? Ach HErr, HErr, siehe doch darein, und mache dieser unserer Noth ein Ende. Wir müssen es allerdings vor deinem heiligen Angesicht bekennen, daß wir wegen unsers beständigen Ungehorsams gegen deine Gebote, daß wir wegen des schändlichen Undanks gegen deine vielen Wohltaten, daß wir wegen des großen Mißbrauchs des Guten, das du uns erzeigest, dergleichen schwere Strafen gar wohl verdienet haben. Ja, wir müssen gestehen, daß du gar nicht unrecht hättest, wenn du wegen unserer vielfältigen Missetaten uns mit noch weit härteren Strafen belegtest. Aber, o Vater der Barmherzigkeit, siehe, wir fallen dir gebeugt und gedemütigt zu Fuße, und bitten dich, vergib uns doch unsere großen Sünden, und wende dein gnädiges Angesicht doch wieder zu uns. Erbarme dich über uns, und wende doch diese schwere Plage endlich von uns ab. Du bist es ja, der du uns Menschen viel Gutes thut, du bist es, der du uns vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gibt, und unsere Herzen erfüllest mit Speise und Freude; du feuchtet die Berge von oben her, und machet das Land voll Früchte, die du schaffest; du lässest Gras wachsen für das Vieh 664 Der gläubige Christ betet zu Gott und Saat zum Nutzen der Menschen, daß du Brod aus der Erde bringelt; aller Augen warten deswegen auf dich, daß du ihnen Speise gebet zu seiner Zeit. Ach, so denke denn auch jetzt an uns um deines Namens willen, und erquicke uns mit einem fruchtbaren und durchdringenden Regen. O du allmächtiger Schöpfer und Erhalter aller Dinge, tue doch die Fenster des Himmels auf, suche das Land, das nach deiner Güte lechzet, einmal wieder heim, und wäffere es, daß die Früchte auf den Äckern und in den Obst- und Weingärten zu ihrer Reife kommen, daß die Gewächse in den Feldern aufwachsen, daß das Gras auf den Wiesen hervorkomme, daß Menschen und Vieh allenthalben wieder Nahrung und Unterhalt finden mögen. Sind wir gleich, o Gott, ungehorsame Kinder bis hierher gewesen, so sind wir doch noch durch Christum deine versöhnten Kinder; und daher rufen wir dich um seinetwillen demütig an, du wollest unser Seufzen und Flehen in dieser so dringenden und anhaltenden Noth gnädig erhören, und alles, was da lebt, mit Wasser von oben herab fröhlich machen. Behüte auch ferner unser Land und unsere Wohnung vor ansteckenden Seuchen, vor Feuer, vor Teurung und vor andern wohlverdienten Plagen. Laß uns die jetzt empfundene bei anhaltender Hitze und Dürre. 665 Strafe dazu dienen, daß wir uns forthin bessern, und von Herzen zu dir bekehren. Gib deinen Geist zu dem Ende in unser Herz, daß er ganz andere Leute aus uns mache, nämlich solche Leute, die in deinen Wegen treulich wandeln, deine Gebote halten und darnach tun. Heilige du uns selbst durch ihn durch und durch, daß unser Geist, gerät der Seele und dem Leibe, mögen unsträflich bewahret werden bis auf den Tag JEsu Christi. Nun, HErr, unser Gott, wir hoffen auf deine Güte, ach, laß uns vor dir leben und deinen Ruhm verkündigen. Erhöre unser Gebet, so wollen wir dir für deine Gnade herzlich dankbar sein, und deinen Namen hoch preisen, so lange wir leben, hier zeitlich und dort ewiglich. Erhöre uns, lieber Vater in dem Himmel, denn du bist doch unser Gott. Erhöre uns nach deiner unermeßlichen Treue, nach welcher du uns Beistand und Hülfe in aller Noth hat zugesagt. Erhöre uns um dein selbst willen. Amen, das ist, es werde wahr, Du wollestes erfüllen, Erhör und hilf uns immerdar, Um JEsu Christi willen; Denn dein, o HErr, ist allezeit, Von Ewigkeit zu Ewigkeit, Das Reich, die Macht, die Ehre! Amen. Gesang. Mel.: Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 1. Nun der Himmel bleibt verschlossen. Lange Zeit, o großer Gott, Weil kein Regen sich ergossen, Häufet sich 666 Der gläubige Christ betet zu Gott bei Hitze und Dürre, auch unsere Noth; Man sieht alles traurig stehn. Und nach frischem Wasser gehn; Menschen, Vieh, Laub, Gras und Ähren, Deinen Regenthau begehren. 2. Vater, gib uns deinen Segen; Willst du nicht mehr Vater sein? Vater, gib uns einen Regen, Sonst dringt bei uns Teurung ein; Sieh, die Erd tut auf den Mund, Schreiet dich an alle Stund, Alles Laub will fast erblassen, Wenn du nicht willst regnen lassen. 3. Zwar wir haben's wohlverdienet, Daß der Himmel ehern ist, Daß auch unser Feld nicht grünet, Weil du annoch zornig bist Über uns, die früh und spat Häufen unsre Missetat; Weil wir harte Herzen haben, Soll uns auch kein Regen laben. 4. Weil wir nicht die Sünde fliehen, Wenig achten Gottes Wort, Muß der Regen sich verziehen. Fern von unserm Land und Ort; Andre sehn im Überfluß Deines Regens Segensguß, Nur auf unsre dürren Auen Willst du nicht in Gnaden schauen. 5. Ach, wir fallen vor dir nieder, Bitten dich um Gnad und Huld; Ach, wir kehren heute wieder, Weinen über unsere Schuld; Ach, vergib uns gnädiglich, Womit wir erzürnet dich; Ach, wir wollen unser Leben Dir zu deinem Dienst ergeben. 6. Ach, erbarme dich in Gnaden. Über uns und unser Land, Laß uns doch nicht ferner schaden. Der erhitzten Sonne Brand; Schließ den Himmel wieder auf, Laß dem Regen freien Lauf; Laß den Regen uns erblicken, Menschen, Vieh und Feld erquiten. 7. Wirst du dies Gebet erhören, O du großer SegensGott, Und uns unsere Bitt gewähren, Wenden diese große Noth, Daß du seist mit uns versühnt, Daß das Feld aufs neue grünt, Wollen wir zu allen Zeiten. Deine Gnad und Lieb ausbreiten. Gebetbuch für Schwangere, Gebärende, Kindbetterinnen und Unfruchtbare, enthaltend Morgen-, Abend- und Trostgebiete sammt Aufmunterungen und Gesängen, wie auch Sprüche und Seufzer in Nöten zu sprechen und vorzusprechen. St. Louis, Mo. CONCORDIA PUBLISHING HOUSE. Vorwort. 3 Was der treue und liebreiche Gott allen Gläubigen verheißt: Schutz, Beistand, Sorge und Erhörung des Gebets, dessen haben sich vornehmlich fromme und christlich lebende Ehefrauen zu gewärtigen, wenn der HErr sie segnet, daß sie fruchtbare Mütter werden. Es bleibet fest, was David sagt: Leibesfrucht ist ein Geschenk; und dafür nehmen es auch fromme Eheweiber an, wie man an Sarah, Rebekka, Rahel und andern heiligen Frauen wahmehmen kann, welche, wenn Gott sie gesegnet, ihn dafür von Herzen gepriesen haben. Merken gottselige Ehefrauen den ihnen beschiedenen Segen, so regt sich in ihrem Herzen der heiße Wunsch, das Verborgene möge glücklich und Wohlgestalt an das Tageslicht kommen. Sie werfen aber in frommem Sinn ihre Augen auf den HErm, des festen Vertrauens, der allmächtige und gütige Schöpfer werde ihr Gebet erhören. Und je näher ihre Zeit kommt, um so eifriger flehen sie zu dem, der alles vermag, und warten seiner väterlichen Hülfe. Erhört nun der HErr ihr vertrauendes Gebet, und sehen sie ihr Kind gesund ins Leben getreten, so rühmt Herz und Mund des treuen Gottes gnädige Leitung. In dem gegenwärtigen Buche finden andächtige Ehefrauen zureichende und gewiß erwünschte Anweisung, wie sie sowohl während der Schwangerschaft als bei und nach 4 Gebet. der Entbindung in wahrhaft christlichem Geist sich zu verhalten haben. Möge der treue Gott alle frommen Gemüter, die in demütiger Ergebung eine allumfassende Gnade anrufen, mit segensreicher Erhörung erfreuen! Gebet. JEsu, der du durch deine heilige Geburt unsere siindliche geheiliget hat, stehe mit deiner mächtigen Gnade allen denen bei, welche dich in ihren Nöten anrufen. Hilf ihnen, erquicke sie, tröste sie, erfreue sie. Nahe dich zu ihnen, weil Menschenhülfe zu schwach ist. Schaue, wie ihr Herz nach dir seufzet, ihr Mund bebet und ihre Augen sich zu deinem Heiligtum richten. Sprich ihnen innerlich Trost zu: Ich bin bei dir in der Noth, ich will dich herausreißen; fürchte dich nicht, ich bin bei dir. So wird dein Ruhm erklingen, daß sie sagen: Der HErr hat Großes an uns getan, des sind wir fröhlich, der Name des HErrn sei gelobet jetzt und in Ewigkeit. Amen. Andachten für Schwangere. 5 Die Schwangere verrichtet ihr Morgengebet. Aufmunterung. Ein jeglicher Christ soll billig an jedem Morgen, ehe er an seine Arbeit geht, sich dem Schutz und der Gnade Gottes befehlen, und darum bitten, daß Gott seinen Leib und seine Seele in seiner gnädigen Obhut erhalten wolle. Gewiß, es ist eine große Wohltat Gottes, wenn der Mensch des Morgens gesund aufsteht, unter dem Beistände des Höchsten den Tag gesund hinbringt, und des Abends sich wieder gesund in sein Bette niederlegen kann. Daß dieses eine besondere göttliche Wohltat sei, sieht man daher, weil mancher Mensch einen unglücklichen Tag hat, an welchem er am Morgen gesund ist, des Abends krank, lahm, verwundet, oder mit verletzten Gliedern sich zu Bette muß bringen lassen. Soll aber ein jeder Mensch sich also in die Obhut Gottes empfehlen, wie vielmehr sollen es Schwangere tun? Dieselben sollen fleißig und eifrig alle Morgen Gott anrufen: 1) er wolle sie den Tag über in heiligen und guten Gedanken erhalten, damit sie an Gott denken, ihn allezeit in ihrem Herzen haben, und mit ihm umgehen mögen. Sie sollen Gott auch 2) ihr Leben und ihre Glieder befehlen, daß er wolle ihren Tritt bewahren, und sie vor gefährlichem Fallen und anderem Unglück behüten. Sie sollen auch 3) ihre Frucht in die heilige Obsicht Gottes fleißig befehlen, daß sie mögewachsen, gestärket und wohl gebildet werden. Sonderlich aber sollen sie 4) den Tag über sich vor Zorn, Zank und Streit hüten, nicht alles so 6 Die Schwangere verrichtet ihr Morgengebet. genau suchen, oder sich über alles erzürnen, damit sie nicht durch ihren Eigensinn und Zorn sich und ihrem verborgenen Pfand Unglück, Krankheit oder gar den Tod zuziehen. Werden sie sich also der Güte und Gnade Gottes überlassen, so haben sie den Trost, daß Gott seinem Engel befehlen wird, daß er sie behüte auf allen ihren Wegen. Morgengebet. - HErr Gott Vater, was du hast erschaffen, HErr Gott Sohn, was du hast erlöset, HErr Gott Heiliger Geist, was du hast geheiliget, das befehle ich dir in deine Hände; deinem heiligen Namen sei Lob, Ehre, Preis und Dank gesagt in dieser Morgenstunde und in alle Ewigkeit. Amen. O du gnädiger, gütiger und barmherziger Gott, der du selbst bist das Licht, bei welchem ist kein Wechsel des Lichtes und der Finstemiß, ich danke dir von Grund meiner Seele, daß du mich in dieser finstern Nacht so gnädig bewahret, und mich dieses fröhliche Morgenlicht wiederum hat erleben lassen. O du Licht meiner Seele, gib auch diesen Morgen einen hellen Schein in mein Herz, daß ich dadurch in deiner Liebe, in meinem Vertrauen und in der Hoffnung möge gestärket werden. Heilige meine Seele, damit ich diesen Tag mit dir umgehen, an dich denken, in dir mich erfreuen und deiner Gnade mich getrosten möge. Gib, daß ich an diesem Tage nicht vorsätzlich wider dich sündige, sondern in Heiligkeit und Gerechtigkeit der Kinder Gottes dir diene und vor dir wandele. Stelle mir deine allerheiligste Gegenwart vor Augen, daß du allezeit um und bei mir seiest, alles höret, was ich rede, alles flehest, was ich tue, damit ich dadurch möge desto mehr aufgemuntert werden, in der Heiligung fortzufahren, und dich nicht zu beleidigen. Ich befehle dir auch meinen Leib und mein Leben, meinen Gang, meine Schritte und Tritte. Du hast mich anjetzt, o du Gott aller Güte und Gnade, in einen besonderen Zustand gesetzet, darin ich Die Schwangere verrichtet ihr Morgengebet. 7 auch deines besonderen Schutzes und Beistandes benötiget bin; darum bitte und flehe ich demütiglich, o du Schutzherr deiner Kinder, behüte meinen Ausgang und Eingang, laß deine Gnade mich leiten, deinen Engel mich an der Hand führen, damit ich nicht gleiten, fallen, mich verwunden, oder meinen Gliedern und zugleich auch meiner Frucht dadurch einen Schaden zufügen möge. Bewahre mich, stärke mich, erhalte mich. Vertreibe von mir alles, was mir schädlich ist. Dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Laß mich dann den Abend wiederum unter deinem Schutze erleben, wo ich dir fröhlich danken will für alle Wohltaten, die du mir an Leib und Seele so gnädiglich erwiesen hat. Nun, der HErr segne mich, und behüte mich! Der HErr lasse sein Angesicht leuchten über mich, und sei mir gnädig! Der HErr erhebe sein Angesicht auf mich, und gebe mir Frieden. Die Gnade des Vaters schütze mich, die Liebe JEsu decke mich, und des Heiligen Geistes Beistand erhalte mich jetzt und allezeit! Ach, segne mich im Schlaf und Wachen! Ach, segne meinen Schritt und Tritt! Ach, segne mich mit allen Sachen, und teil mir deinen Segen mit; laß mich ge' sein von dir, und nimm den Segen nicht von mir. Amen! Gesang. Mel.: Freu dich sehr, o meine Seele. 1. Ich erblick die helle Sonne, Nachdem nun die Nacht ist hin; Ich erblick auch meine Wonne, JEsus ist mir schon im Sinn; Mit ihm hab ich hingebracht. Die vergangne finstre Nacht, Mit ihm bin ich aufgewachet, Welches mich vergnüget machet. 2. Ich will auch den Tag hinbringen. Mit dir, JEsu, meine Freud! Beten, Loben, Danken, Singen. Soll ein meine Arbeit heut. JEsus, meine Zierd und Ruhm, Meiner Seelen Eigentum, Kommet nicht aus meiner Seelen, Dem will ich mich anempfehlen. 8 Die Schwangere verrichtet ihr Abendgebet. 3. Ach, regiere meine Tritte, Wende schweres Fallen ab! Ach, behüte meine Schritte, Stärke die verborgne Gab! Ich befehl dem meine Frucht, Welchen meine Seele sucht. Ach HErr, laß sie vor dir leben, Du wollt ihr Gedeihen geben. 4. Führe mich an deinen Händen, Stehe mir in Gnaden bei; Deinen Engel wollst du senden, Daß er immer bei mir ei; Wann ich gleite, halte mich: Sieh, ich halte mich an dich; Vor Erschrecken und Gefahren, Wollest du mich, HErr, bewahren. 5. Laffe ein mein Herze stille, Ohne Zorn und Bitterkeit, Daß mein Geist, Gemüt und Wille Bleibe in der Frömmigkeit. JEsu, o mein Trost und Schild, Laß dein lieblich JEsusbild Immer mir vor Augen schweben. In dem, was ich will anheben. 6. JEsus bleibt mir in Gedanken, JEsus schwebt in meinem Sinn, Von ihm soll mein Herz nicht wanken, Er ist mein, auch wo ich bin, Meinen JEsum laß ich nicht; JEsus, meiner Seele Licht, Ist bei mir auf meinen Wegen Und erteilet mir den Segen. 7. Hat dann, JEsu, dein Begleiten. Meinen Schritt und Tritt bewacht, So will ich die Händ ausbreiten. Auch bei angebrochner Nacht; Ich will danken deiner Treu, Welche alle Morgen neu, Und mit Beten, Danken, Flehen, Mit dir auch zu Bette gehen. Die Schwangere verrichtet ihr Abendgebet. Aufmunterung. O welch eine große Wohltat ist es, wenn Gott einen Menschen den Abend glücklich erleben lässet, wenn er bei dem Niederlegen zu seiner Ruhe sagen kann: Ich liege und schlafe ganz mit Frieden. O welche herrliche Ruhe ist das, wenn man in Frieden mit Gott, in Frieden mit seinem Gewissen, in leiblichem Frieden und Vergnügen Die Schwangere verrichtet ihr Abendgebet. 9 sich zu Bette begibt; da kann der Mensch zum Lob des dreieinigen Gottes sagen: Der HErr hat Großes an mir getan, deft bin ich fröhlich. Schläft er also dann mit dankbarem Herzen und mit einem Gott lobenden Munde ein, so wird die übrige Nachtruhe auch von Gott gesegnet sein. Auf diese Weise sollen auch Schwangere ihr Herz, ihre Augen und ihren Mund zu Gott erheben, wenn sie nun den Tag glücklich vollbracht haben. Sie sollen Gott danken für ihre Erhaltung, für einen Schutz, für eine Gnade und sich seiner Liebe und Barmherzigkeit befehlen. Ist die Nacht, wie man spricht, keines Menschen Freund, wie viel weniger der Schwangeren. Sie sollen demnach Gott anrufen, er wolle abwenden 1) allerlei Schrecken und Unglück, weil durch unverhoffte Schrecken die Schwangeren öfters in die größte Gefahr können gesetzt werden; er wolle sie 2) vor Krankheit und Schmerzen behüten; er wolle 3) seine Segensflügel über sie und ihre Frucht beständig ausgebreitet sein lassen. Bricht darauf wieder der frühe Morgen an, so sollen sie 4) mit Lob vor Gott erscheinen und mit David sagen: Lobe den HErm, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den HErrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat. Abendgebet. Gnädiger, liebreicher und barmherziger Gott, ich erscheine allhier vor deinem allerheiligsten Angesicht mit fröhlichem Herzen. HErr, wie teuer ist deine Güte, daß Menschen unter dem Schatten deiner Flügel trauen; ja, unter dem Schatten deiner Flügel bin ich heute aus- und eingegangen, unter demselben bin ich bewahret worden, kein Unfall hat mich gerühret, sondern ich habe nunmehr den Abend gesund erreichet. Gelobet sei die Liebe des himmlischen Vaters, der mich als ein Kind auf einen Armen getragen hat. Gelobet sei JEsus Christus, mein Heiland, der mich an einer Hand geleitet hat, daß mich 1 0 Die Schwangere verrichtet ihr Abendgebet. kein Unfall hat stürzen können. Gelobet sei Gott der Heilige Geist, der nicht von mir gewichen ist. O du heilige Dreieinigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist, bleibe auch diese Nacht bei mir. Breite deine Güte, HErr, HErr, über die, die dich kennen, und deine Gerechtigkeit über die Frommen. Bewahre meinen Leib und meine Seele vor allem Unfall, laß mich im Schlaf immer mit dir umgehen, damit, wenn ich erwache, ich annoch bei dir sei. Siehe, ich weiß keinen Helfer, denn nur allein dich, du Gott Israels. Laß deinen Engel neben und um mein Bette wachen, daß mir und dem, was du mir aus Gnaden verliehen, nichts schädlich sein könne. Treibe aus meinem Herzen alle unnötigen Sorgen, bösen Gedanken und falschen Einbildungen; treibe von meinem Bette und von meinem Hause alles, was mir Unglück bringen kann. So lege ich mich denn in dem Namen meines Gottes nieder, ich schlafe in den Armen meines JEsu, seine Linke ist unter meinem Haupt, und seine Rechte decket mich. O du mein Schöpfer, Erlöser und Heiligmacher, sei und bleibe bei mir. Du dreieiniger Gott bist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? du bist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Ja, mir grauet vor nichts, weil Gott bei mir ist, ich fürchte mich nicht, weil ich JEsum bei mir habe. Ist's finster um mich, JEsus ist das Licht meiner Seele; will sich Furcht einfinden, der Heilige Geist ist mein Trost und Beistand. Laß diese Nacht glücklich unter deinem Schutz vorüber gehen, daß ich errettet, beglücket, bewahret, erhalten die liebe Sonne erblicken möge; da soll mein Mund dich mit Freuden loben und dir danken für alles, was du Gutes an mir getan hat. So oft die Nacht die Ader schlägt, soll dich mein Geist umfangen; so vielmal sich mein Herz bewegt, soll dies sein mein Verlangen, daß ich mit lautem Schall mög rufen überall: O JEsu, JEsu, du bist mein, und ich auch bin und bleibe dein. So will ich denn nun schlafen ein, JEsu, in deinen Armen, dein Aufsicht soll die Decke sein, mein Lager dein Die Schwangere verrichtet ihr Abendgebet. 1 1 Erbarmen, mein Kiffen deine Brust, mein Traum die süße Lust, die aus dem Wort des Lebens fließt, und deinen Geist ins Herz mir gießt. Amen. Gejang. Mel.: Werde munter, mein Gemüte. 1. Sieh, die Sonn will von uns gehen, JEsus geht doch nicht von mir; In der Nacht will er auch stehen. Bei mir, an dem Bett allhier. O wie wohl bin ich bewacht, Wenn auch in der finstern Nacht JEsu Hände mich bedecken, Daß kein Unfall mich kann schrecken. 2. Darum will ich mich ergeben, JEsu, deiner Treu und Gnad. Ach, erhalte mir mein Leben. Und was mir geschenket hat Deine gnadenreiche Hand; Du kennst das verborgne Pfand; Auf das laß den Segen fließen. Und mich deinen Schutz genießen. 3. Sieh, hier bin ich, Menschenhüter, Ach, behüt mich vor Gefahr! Schütz die Meinen, Haus und Güter, Wache bei mir immer dar. Wenn ich schlaf, so wache du, Decke du mich Selbsten zu; Laß mich sanft und ruhig schlafen Unter deiner Engel Waffen. 4. Ich leg mich in JEsu Armen, Ich leg mich in JEsu Schooß. O wie groß ist sein Erbarmen! Seine Lieb und Treu ist groß. Sein Erbarmen ist mein Licht, Seine Lieb verläßt mich nicht. So bin ich mit Licht umgeben, Wenn ich muß im Dunkeln leben. 5. Nun mit JEsu will ich schließen. Meine müden Augen zu! JEsu, ach, laß mich genießen. Eine fanft und süße Ruh; Segne mich und auch mein Kind. Und auch die, so um mich sind; Vor Angst, Schrecken und Gefahren Wollest du uns, HErr, bewahren. 6. Laß mich auch gesund aufstehen, Wenn ich ausgeschlafen hab. Laß mich einstens fröhlich sehen. Die annoch verborgne Gab. Wenn ich geh aus oder ein, Laß mich dir befohlen sein; Laß kein Unglück, HErr, aus Gnaden. Mir und meinem Kinde schaden. 12 Tägliche Betrachtung einer Schwangeren. 7. Ich leg mich mit JEsu nieder, Mit ihm steh ich wieder auf, Und fing alsdann Freudenlieder. Und vollführe meinen Lauf. JEsu, ich befehl mich dir, JEsu, weiche nicht von mir, So sprech ich in JEsu Namen. Nach dem Beten fröhlich Amen. Tägliche Betrachtung einer Schwangeren. Wenn Gott eine Ehefrau den Ehelegen empfinden lasset, so soll sie sich herzlich darüber erfreuen und Gott dafür danken. Aber sie soll sich auch vorstellen, 1) daß in diesem Stand sich viele Schmerzen, viel Ungemach, viele Beschwerlichkeiten einfinden, davon die vorher im ledigen Stand nichts gewußt und nichts empfunden hat. Die Schmerzen aber sind von Gott dem weiblichen Geschlechte nach dem Sündenfall auferlegt, nach 1 Mos. 3, 16, da es heißt: Ich will dir viel Schmerzen schaffen, wenn du schwanger wirst; du sollst mit Schmerzen Kinder gebären. Kommen aber die Schmerzen also von Gott und sind sie demnach eine Erinnerung an die Sünde, so sollen christliche Ehefrauen 2) bedenken, daß Gott um Christi willen ein gnädiger Gott ist, der ihnen dieselben lindern wird, ein mächtiger Gott, der sie ihnen wieder abnehmen kann; ja, weil denen, die Gott lieben, alle Dinge müssen zum Besten dienen, so werden auch diese Beschwerlichkeiten, welche die Schwangerschaft mit sich bringt, auch den Schwängern zu vieler Erbauung und Übung im Christentum gereichen; sie können dabei lernen Gottes Heiligkeit, Weisheit, Güte, Allmacht, Hülfe und Segen, welches alles sie außer diesem Stand nicht so wohl hätten wissen können. Kommt eine betrübte Stunde, eine schlaflose Nacht, ein beschwerlicher Zufall, so sollen sie 3) sich erinnern an ihren Taufbund, daß Gott ihr Vater sei, der sie als seine Kinder nicht verlassen werde; denn wie sich ein Vater erbarmet über seine Kinder, so Tägliche Betrachtung einer Schwangeren. 13 erbarmet sich der HErr über die, so ihn fürchten. Sie sollen sich vorstellen Gottes Stärke, daß er ihnen werde Kraft geben, das gute Werk zu vollenden und an den Tag zu bringen, welches er in ihnen angefangen hat. Sollte es ihnen bisweilen so schwer Vorkommen, daß sie meinen, sie könnten es nicht ausstehen, so sollen sie sich erinnern, daß bei Gott nichts unmöglich ist, und wenn er nur ein Wort spricht, so müssen sich legen die stolzen Wehen des Leidens und der Beschwerlichkeit. 4) Sollten aber die Schmerzen lange anhalten, so soll doch ihr Vertrauen darum nicht sinken, noch ihre Hoffnung wanken, sondern sie sollen bedenken, Gott habe die Stunde schon bestimmt, da er wieder helfen will. Er spricht oft zu uns, wie zu Maria, einer Mutter: Meine Stunde ist noch nicht gekommen; der halben muß man auch den Verzug der göttlichen Hülfe im Glauben und mit Geduld ertragen, und sich auf die göttliche Verheißung verlassen, wenn er spricht: Ich will dich nicht verlassen noch versäumen. Sprecht ihr: Aber es lassen viele ihr Leben in der Schwangerschaft und in der Geburt, so antworte ich: Gott hat einem jeden eine Todesstunde bestimmt. Wiffen nun Schwangere Exempel der Ehefrauen, die in der Schwangerschaft oder in der Geburt gestorben sind, so sehen sie auch viele Exempel derer, welche glücklich entbunden, und fröhliche Kindermütter geworden sind, ja, deren Anzahl ist ungemein größer, die der HErr nach Wunsch erlöset und ihnen ausgeholfen hat, als derer, die in dem Stand gestorben sind. Wenn nun aber gegen hundert kaum. Eine gestorben ist, und neun und neunzig fröhlich geboren haben, so ist das wider den Glauben und wider die Liebe zu Gott, sich allezeit das Ärgste oder das Schlimmste vorstellen wollen; das ist ein Mißtrauen gegen Gott, und eine schwere Sünde, wenn man an Gott verzweifeln wollte und sagen: Ob Gott gleich so vielen Hunderten, ja, Tausenden geholfen, so wird er mir doch nicht helfen! Wer hat euch dies Mißtrauen in den Sinn 14 Tägliche Betrachtung einer Schwangeren. ge-pflanzet? Kennet ihr vielleicht Gottes Güte und Allmacht nicht? Darum kehret es vielmehr um und saget: Der Gott, der so vielen Tausenden geholfen, der wird mir auch helfen und mir auch beistehen; und darauf verlasset euch von Grund eurer Seele, widersprecht allen zweifelhaften Gedanken, und schauet hingegen auf die mächtige und starke Hand Gottes. Gesetzt aber, es hätte Gott einer Schwängern ihr Ende des Lebens in der Schwangerschaft und Geburt bestimmt, so stirbt sie doch selig, denn sie stirbt in ihrem Beruf! Gleichwie es ein seliger Tod wäre, wenn eine fromme Seele über dem Gebet, ein Prediger auf der Kanzel, ein Mensch in Austeilung der Almosen, ein König auf seinem Thron, da er den Armen recht spricht, stürbe: also ist auch ein seliger Tod, wenn eine Ehefrau in ihrer Schwangerschaft und Geburt ihren Geist aufgeben sollte, denn sie stirbt in ihrem Beruf, in einem Gott wohlgefälligen Stande; der Tod solcher gottseligen Ehefrauen ist wert geachtet vor dem HErrn, und er wird sie mit Wonne nach so vielen Leiden und Schmerzen in der ewigen Himmelsfreude sättigen und erquicken. Wie man aber selig stirbt, und wann man selig sterben soll, das alles sollen wir der göttlichen Weisheit überlassen; wenn ich nur selig werde, wenn ich nur in den Himmel komme, so soll eine gläubige Seele sagen, so mag es der HErr machen und schicken, auf was für einem Weg oder in was für einer Stunde er immer wolle. Jedoch sollen sich Schwangere auch fein fassen, daß sie nicht durch Zorn und Eigensinn sich selbst den Tod zuziehen; denn weil ihnen in dem Stande alles schaden kann, so sollen sie auch desto behutsamer auf sich Acht geben. Es ist an vielen schwängern Weibern gar nicht zu loben, sondern vielmehr zu schelten, daß sie zur Zeit der Schwangerschaft allzu zornig, boshaftig und empfindlich sind; alle Tritte und Schritte, so die Ihrigen tun, sind ihnen nicht recht; sie erzürnen sich über alles, keine Speise, kein Wort, kein Stuhl ist ihnen recht. Da sollen sie sich nun mäßigen Tägliche Betrachtung einer Schwangeren. 15 und wider diese Unart beten; denn wenn sie durch dergleichen Zorn und Verbitterungen sich die Galle rege machen, daß daraus gefährliche Schwachheiten, hitzige Fieber und dergleichen entstehen, so müssen sie nicht sagen, das hat Gott getan, sondern das haben sie selbst getan, und ihre Schwangerschaft bringt sie nicht ums Leben, sondern ihr böser Sinn, ihr Zorn und Eigensinn. Ja, ich gebe allen christlichen Ehefrauen zu bedenken, wenn ihre Frucht in solchem verbitterten Geblüt wächst, zunimmt und geboren wird, ob sie nicht Schuld daran sind, daß sie böse, zornige, eigensinnige Kinder zur Welt bringen, die ein so widerspenstig Gemüt haben, wie die Mütter in der Schwangerschaft gehabt haben. Deshalb soll hier eine christliche Ehefrau sich selbst überwinden und in Gott fassen, und sich nicht den Tod und eine böse Geburt durch ihre Schuld herbeiziehen. Werden sie Gott darum anrufen, so wird der, von dem alle guten Gaben von oben herab kommen, auch diese Gnade ihnen nicht versagen; ja, alsdann können sie sich im Leben und Sterben eines gnädigen Gottes getrosten. Und weil auch christliche Ehefrauen gern in solchem Stande zum heiligen Abendmahl gehen, so haben sie alsdann um desto mehr sich selbst und ihre Frucht dem HErrn JEsu zu übergeben, und durch dessen Kraft im Glauben, in der Liebe und in der Heiligung, gerät der Zucht, zu bleiben. (Gebet, Heiliger, gütiger und barmherziger Gott, ich komme zu dir, Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung vor dich zu bringen. Du hast, o großer Gott, mir einen Ehesegen an jetzt erteilet, dafür ich dir vom Grunde meines Herzens danke und dich bitte, gönne mir auch zu einer Zeit einen fröhlichen Anblick desselben. Weil du aber, o gerechter Gott, auf diesen Stand viel Schmerzen und Ungemach gelegt hat, so nehme ich dieselben unter deinem Beistand auch willig auf. Kommen demnach betrübte 16 Tägliche Betrachtung einer Schwangeren. Stunden, schmerzhafte Tage, schlaflose Nächte, HErr, mein Gott, so weiche nicht von mir; ich weiß, du kannst nach deiner Allmacht all mein Leiden lindem, du bleibst auch mitten in den Leiden und Schmerzen mein Vater, mein Beistand, mein Nothhelfer, meine einzige Zuflucht und mein gnädiger Gott; der du sie mir verordnet und aufgeleget, hat auch die Kraft und Stärke, die zu mäßigen. Wollen die Beschwerlichkeiten und Zufälle groß und viel, ja, fast unerträglich werden, so will ich doch darum nicht verzagen, sondern mich erinnern, daß du, getreuer Gott, mich nicht wirst lassen versuchen über mein Vermögen, sondern machen, daß die Versuchung ein solches Ende gewinne, daß ich es ertragen könne. Wenn ich seufze: Ach wie lang, wie lange ist dem Herzen bange, und verlangt nach dir, so gedenke doch an deine Hülfestunde, und laß sie nach deinem gnädigen Willen bald erscheinen. Stelle mir, o Gott, deine Allmacht vor Augen, ja, schreibe sie mir in mein Herz hinein, daß ich nicht erschrecken möge, wenn etwa andere, welche auch in solchem Stande sich befinden, beschwerliche Krankheiten ausstehen, ja, gar in der Geburt ihr Leben verlieren. Laß alsdann mir beständig in meinem Gemüt und in meinen Gedanken eingeschrieben bleiben, wie des Jahrs über so viel hundert Schwangere glücklich entbunden, die wenigsten aber von dir in der Geburt von der Welt abgefordert werden. Darum will ich auch deiner Allmacht und Gnade trauen, und flehe dich demütig an, laß mich eine fröhliche Kindermutter werden. Hilf mir in der Geburtsstunde, underfreue mich mit einem gesunden und wohlgestalteten Kinde. Solltest du aber beschlossen haben, mir in diesem Stande mein Lebensende zu bescheren, HErr, so geschehe dein Wille! Ich weiß, ich sterbe alsdann in meinem Beruf, ich sterbe in deiner Gnade, die mir Christus erworben hat, ich sterbe in deinen Armen, ich sterbe als dein Kind, ich sterbe selig und du wirst mich zu der ewigen Freude und Seligkeit einführen. Gib mir aber, o mein Gott, Tägliche Betrachtung einer Schwangeren. 17 indessen deinen Heiligen Geist, der mich immer bei guten Gedanken erhalte; gib mir einen stillen und sanften Muth, daß ich nicht durch Zorn oder Bosheit mir und meiner Frucht den Tod verursache; gib, daß ich meinen Zorn mäßigen, und also mich nicht selbst um das Leben bringen möge. Laß auch meine Frucht mit guten Kräften des Leibes und des Gemüts ausgerüstet werden; laß sie wachsen unter dem Schatten deiner Gnade, bis du sie wirst endlich an das Tageslicht bringen, und also alle meine Schmerzen in Wonne und meine Traurigkeit in Freude verkehren. Nun, HErr, mein Gott, ich habe mein Herz vor dir ausgeschüttet; ach, erhöre mich nach deiner Güte, errette mich nach deiner Verheißung, erbarme dich meiner nach deiner Treue, hilf mir nach deiner Liebe, erfreue mich nach deiner Gnade. Ich weiß, du hast mein noch nie vergessen, daß ich mir sollte vor Leid mein Herz so pressen. Mitten in der Noth denk ich an Gott, er wird den Schmerz nach meinen Kräften messen, daß ich durch deinen Geist mög überwinden, und mich allzeit in deinem Haus einfinden zum Preis und Dank, mit Lobgesang, zu ewiger Liebe wirst du mich verbinden. Amen. Gottseliger Amgang einer gläubigen Seele mit Gott. Gesang. Mel.: Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 1. Ich will stets mit Gott umgehen, Ich will immer bei ihm ein. Auf ihn will ich fleißig sehen, Wenn ich ausgeh oder ein; Ohne ihn geh ich nicht aus, Er ist auch bei mir zu Haus; Ich kann nicht mehr ohn ihn leben, Nachdem ich mich ihm ergeben. 2. Mein Herz soll an ihn gedenken, Gott ist's, der mein Herz erfüllt; Ich will es in ihn versenken, Es soll sein mit Gott umhüllt. Seht, ich denke nun nicht mehr; Gott ist der Gedanken Herr; Gott ist alles mir in allen, Ohn ihn kann mir nichts gefallen. 1 8 Tägliche Betrachtung einer Schwangeren. 3. Mein Mund soll stets von ihm sprechen, Gott im Herzen, Gott im Mund; Mein Mund soll von dem ausbrechen. Was mir hegt im Herzensgrund. Was mein Mund nur immer spricht, Ist zu Gottes Ruhm gerichf t; Gott im Herzen, Gott in Worten, Von Gott sprech ich aller Orten. 4. Mein Aug soll stets nach ihm schauen, Denn Gott find ich überall, Nicht nur in den Himmelsauen, Sondern auch im Tränenthal. Wo mein Auge blicket hin. Da ist Gott in meinem Sinn; Mich dünkt, daß er vor mir stehe, Wo ich immer nur hinsehe. 5. In der Arbeit, in Geschäften. Ist mein Herz ohn JEsum nicht; Arbeit ich aus allen Kräften, Bleibt mir Gott doch vor Gesicht. So wird mir die Arbeit leicht, Weil mein Gott nicht von mir weicht. Ohne Gott kann ich nichts machen. Er muß sein bei allen Sachen. 6. Eß ich, so will ich empfangen. Von ihm alle meine Speis; Trink ich, so ist mein Verlangen, Daß zu meines Gottes Preis. Dieses alles mir gedeih, Und daß er stets bei mir sei, Und mir Speis und Trank darreiche, Und auch da nicht von mir weiche. 7. Will ich mich zu Bette legen, Wenn ich bin der Arbeit los, So erteilt er mir den Segen, Und ich ruh in einem Schooß, Ich schlaf in ihm ruhig ein, Bin auch nicht im Schlaf allein, Weil er sich nah zu mir machet Und auch um mein Bette wachet. 8. Bricht nun an der helle Morgen, Steh ich mit Gott wieder auf; Mein Verlangen, Sehnen, Sorgen Ist, daß ich den Lebenslauf. Mit Gott führ, und daß kein Tritt, Ja, kein Wort, noch Tat und Schritt Seie meinem Gott zuwider, Bis mein Haupt sich leget nieder. 9. Von Gott kann mich nicht abtreiben Elend, Jammer, Kreuz und Leid; Dieser Umgang soll auch bleiben Hier und dort in Ewigkeit, Leiden scheid’t mich nicht von Gott, Keine Trübsal, Angst und Noth, Weil mich Gott nicht kann verlassen, So lang ich ihn werd umfassen. Die Schwangere erwäget ihren Gott wohlgefälligen Stand. 1 9 10. Mein Umgang wird nicht zerreißen, Wenn zerreißt das Lebensband; Warum sollt ich das nicht wissen? Hat er doch in seine Hand Mich gezeichnet, daß er mich Will erhalten väterlich, Ja, mir auch nach diesem Leben Dort die Himmelskrone geben. 11. Ich werd auch mit ihm umgehen, Wenn ich dort im Himmelsglanz Werd vor seinem Throne stehen. Und, von ihm durchstrahlet ganz. Werde gleich den Engeln sein, Ganz verkläret, hell und rein, Und in Freuden, Licht und Wonne Leuchten wie die goldne Sonne. Die Schwangere erwäget ihren Gott wohlgefälligen Stand. Aufmunterung. Gleichwie Gott den Ehestand selbst hat eingesetzet, und durch denselben das menschliche Geschlecht fortpflanzen will, daher er auch zu unsern ersten Eltern in dem Paradiese sprach: Seid fruchtbar und mehret euch; also hat auch eine gottselige Ehefrau sich in Gott zu erfreuen, wenn sie solche Fruchtbarkeit vermerket. Sie soll dabei gedenken: 1) Kinder sind eine Gabe Gottes, welche Gabe er etlichen gibt, andern aber versaget, damit die Menschen nicht möchten etwas ihrer Kraft zuschreiben. Sobald nun eine Ehefrau solchen Segen Gottes verspüret, soll sie 2) bedenken, Gott habe in Gnaden an sie gedacht, wie dorten es von Sarah und Rahel heißt: Und der HErr gedachte an Sarah, der HErr gedachte an Rahel. Hierauf soll sie sich 3) zufrieden geben, Gott danken, und glauben, ihr gegenwärtiger Stand sei von Gott, der habe ihr diesen Segen erteilet; sie soll sich erinnern, wenn sie ausoder eingehet, so gehet sie unter dem Schutz und Geleite Gottes; Gottes heilige Engel haben eine besondere Aufsicht auf sie. Finden sich aber Schmerzen und Beschwerlichkeiten ein, so soll die 4) bedenken, daß Gott 20 Die Schwangere erwäget ihren Gott wohlgefälligen Stand. sie zu diesem Stande geordnet habe, aber daß er darum sie nicht verlassen wolle; sondern daß sie desto mehr ihr Vertrauen auf ihn setzen soll, da sie dann empfinden wird, wie der HErr alles herrlich machen werde. Sie soll zu dem Ende 5) im Gebet anhalten, sich vor Zorn und Bosheit hüten, im Glauben, in der Liebe JEsu und wahren Frömmigkeit verharren, und versichert sein, sie stehe in einem seligen und Gott wohlgefälligen Zustand, darin sie sich des Beistandes und der Hülfe Gottes getrosten könne, und was sie nach Gottes Willen in solchem Stande bitten werde, das werde Gott ihr auch nach seiner Barmherzigkeit gnädiglich geben und verleihen. Gebet. O du liebreicher Gott und Vater, wie kann ich genugjam deine Vatertreue erkennen, loben und preisen, daß du mich in den gegenwärtigen Stand berufen und gesetzet hast! HErr, du hast in Gnaden an mich gedacht, und mich dieser Gabe und Frucht des Ehestandes teilhaftig gemacht. Ist dieser mein Stand beschwerlich, so weiß ich doch, daß ich in deiner Gnade stehe, und daß mein Stand vor dir gefällig und von dir eingesetzet sei. Du weißt, HErr, daß ich keines Mannes begehret habe aus Leichtfertigkeit, daß ich meine Seele rein behalten von aller bösen Lust, und habe mich nicht zu unzüchtiger und leichtfertiger Gesellschaft gehalten; einen Mann aber zu nehmen habe ich gewilliget in deiner Furcht, in Keuschheit, dir zu Ehren. Da du denn auch in Gnaden an mich gedacht, und die Frucht des Leibes mir bescheret hat, so nehme ich solches als ein Geschenk von deiner Hand an. Laß mir in diesem Stande deine Barmherzigkeit widerfahren, sei in demselben mein gnädiger Gott, der mein Gebet und Seufzen erhöre, und meine Seufzer lasse vor den Thron der Gnade kommen. Sei in diesem Stande mein Geleitsmann, der mich schütze, begleite und bewahre. Sei in diesem Stande mein Trost, wenn ich betrübt werde, Die Schwangere erwäget ihren Gott wohlgefälligen Stand. 2 1 und gib mir deinen Freudengeist, der mir allezeit Zeugnis gebe, daß ich dein Kind sei. Sei in diesem Stande meine Zuflucht, da ich mein Herz ausschütte, die mich erfreue, wenn ich betrübt bin, die mich erquicke, wenn ich matt bin. Sei in diesem Stande mein Helfer, der mich versichere: Ich bin bei dir in der Noth, ich will dich heraus reißen. Sei in diesem Stande mein Beistand, wenn sich etwa Schmerzen, Ungemach und Beschwerlichkeiten einfinden sollten. Sei in diesem Stande mein Erretter, der zu seiner Zeit die Bande löse, mich fröhlich entbinde, und mich erfreue. Sei in diesem Stande, o himmlischer Vater, meine Stärke; ach, trage, erhalte, stärke und erquicke mich. Sei in diesem Stande, o JEsu, mein Fürsprecher, der mich bei Gott vertrete, und mein schwaches und zuweilen unter vielen Schmerzen abgeschicktes Gebet vor Gott bringe. Sei in diesem Stande mein Tröster, o Gott Heiliger Geist, der mich versichere, daß ich in Gnaden stehe, daß ich ein Kind Gottes sei, und der mich einer fröhlichen Entbindung und gnädigen Hülfe gewiß mache. Ja du, dreieiniger Gott, sei mit mir in diesem Stande, so werde ich wohl beglücket, beschützet, bewahret und errettet werden. HErr JEsu, leite meinen Gang, daß ich forthin mein Leben lang nach deinem Willen walle. Behüte du mir Seel und Leib, mich selbst in deine Hände schreib, auf daß ich ja nicht falle. Ach, gib Antrieb, deine Wunden alle Stunden zu betrachten, und die Welt für nichts zu achten. Amen. Gesang. Mel.: Allein Gott in der Höh sei Ehr. 1 . Wie hat der große Gott doch mich In Gnaden angesehen, Wie hat er doch so gnädiglich Erhört mein gläubig Flehen! So daß mein höchst erfreut Gemüt Erkennet seine Wundergüt; Dafür sei Gott gepriesen. 2. Ist' s nicht mein Schöpfer, der da hat Mir Leib und Seel gegeben, Und fristet mir aus lauter Gnad. Das 22 Die Schwangere erwäget ihren Gott wohlgefälligen Stand. mir geschenkte Leben? Ja, was ich hab in dieser Zeit, Das kommt von seiner Gütigkeit; Dafür sei Gott gepriesen. 3. Es hat mich JEsu teures Blut Befreit aus Satans Stricken, Und dieses allerhöchste Gut Will mich noch stets erquicken. Ja, dieses Blut das macht mich rein, Darinnen werd ich selig sein; Dafür sei Gott gepriesen. 4. Es wird mir auch der Heilge Geist Zur Heiligung gegeben, Der mir den Weg zum Himmel weist, Mich fuhrt im ganzen Leben; Er weiht mein Herz zu seinem Haus. Und treibet alle Sünd hinaus; Dafür sei Gott gepriesen. 5. Er teilet ferner mir auch mit Den längst erwünschten Segen, Er segnet meine Schritt und Tritt. In allen meinen Wegen, Ja, was ich mit Gott immer thu, Da fließet lauter Segen zu; Dafür sei Gott gepriesen. 6. Soll Leiden, Angst und Schmerzenswuth Auf mich auch einst losgehen, So will er in der Trübsalsfluth Mir doch zur Seite stehen. Er hilft, wenn niemand helfen kann, Er ist mein Trost und Helfersmann; Dafür sei Gott gepriesen. 7. Ach, wie hat er so väterlich Bishero mich geleitet Und eine Gnade über mich Wie Flügel ausgebreitet. So leb ich denn in seiner Hut, Er schenket mir getrosten Muth; Dafür sei Gott gepriesen. 8. Doch wie kann nur mein schwacher Mund Die Wohltat hererzählen? Viel Gutes tut er jede Stund Dem Leibe und der Seelen. Er liebet, führet, leitet mich, Ja, er versorgt mich mildiglich; Dafür sei Gott gepriesen. 9. Und was für große Herrlichkeit Will er mir dorten geben. Daß ich in jener Himmelsfreud. Bei ihm soll ewig leben! Drum, wenn ich sterb, so sterblich nicht, Ich komm zu Gott, zur Freud, zum Licht: Dafür sei Gott gepriesen. Die Schwangere danket Gott für ihre Fruchtbarkeit. 23 Die Schwangere danket Gott für ihre Fruchtbarkeit. Aufmunterung. Obgleich die meisten Menschen meinen, daß Kinder eine Naturgabe wären, so lehret doch die heilige Schrift uns ein anderes, wenn sie spricht: Siehe, Leibesfrucht ist ein Geschenk. Daher auch gläubige Eheleute diese Gabe unter andern Gaben von Gott zu erbitten haben. Was Huren und andere ungläubige Personen anlanget, so erlangen sie zwar diese Gabe, weil Gott der Natur ihren Lauf läßt, indem sie nicht zur Ehre Gottes Kinder zeugen, sondern nur ihre sündliche Brunst löschen wollen; bei gläubigen und frommen Eheleuten aber ist es anders, die nehmen die Kinder als eine Gabe Gottes dankbarlich an. Wenn dann nun eine gottselige Ehefrau die Fruchtbarkeit merket, so soll sie 1) Gott dafür danken, und sich erinnern, daß Gott den verheißenen Segen des Ehestandes ihr nun auch erteilet. Hierauf soll sie 2) behutsam wandeln, sich in den Schranken der Mäßigkeit, Sittsamkeit, Sanftmut und christlicher Bescheidenheit halten, damit sie durch ihre eigene Schuld die Fruchtbarkeit nicht wieder vernichte, welches durch unmäßige Arbeit, unbedächtiges Reichen, vorwitziges Tragen und Heben, boshaften Zorn und andere Frechheiten geschehen kann. 3) Soll sie sodann, wenn sie merket, daß ihre Fruchtbarkeit zunimmt, Gott sich und ihre Frucht täglich empfehlen, und ihn anrufen, er wolle sie selbst bilden, erhalten, stärken, bewahren, und zu einer Zeit fröhlich an das Licht bringen. Sie soll 4) wider die Beschwerlichkeiten ihres Standes nicht nur nicht murren, sondern auch nicht hitzig, zornig undrachgierig gegen ihren Ehemann, gegen ihr Gesinde und andere Personen sein, als welches schon ein Zeichen der Ungeduld über die Fruchtbarkeit, und folglich ein Undank sein würde, welchen gewiß Gott siehet, erkennet und merket, und solche Personen es kann entgelten lassen. 24 Die Schwangere danket Gott für ihre Fruchtbarkeit. Gebet. HErr, allmächtiger Gott, der du bist ein Gott des Lebens, der uns allen Odem und Leben gibt, der du den Ehestand mit Früchten des Leibes gesegnet hat; ich danke dir, daß du auch an mich gedacht, und mich des Segens in meinem Ehestandeteilhaftig gemacht hast. Du mächtiger HErr hat mir eine größere Wohltat erwiesen, als andern, welche nach dieser Gabe seufzen und sie nicht erlangen; darum bitte ich dich, laß mich wohl erkennen, was du Gutes an mir getan hat. Ich befehle mich dir ganz und gar. Behüte mich vor Angst und Schrecken, vor Fallen und Gefahr, vor Unglück und was sonst das mir geschenkte Pfand entwenden könnte. Wirke in mir eine christliche Behutsamkeit im Gehen und Arbeiten, damit ich nicht selbst das verderbe, was deine Hand verliehen hat. HErr, wie groß ist deine Weisheit, daß du die Menschen so wunderbarlich bildet; wie groß ist deine Allmacht, daß du sie selbst ans Licht bringelt; wie groß ist deine Güte, daß du auf solche Weise das menschliche Geschlecht erhältst und mehrest! Ich danke dir, mein Gott, daß du mich auch zu einem Werkzeug dieses deines herrlichen Werkes bestimmt, und mich durch deinen göttlichen Segen fruchtbar gemacht hat. Ach, führe das angefangene Werk durch deine Gnade herrlich hinaus; erhalte, was du hast gegeben; stärke, was du hast verliehen; bewahre, was du hast geschenket. Laß mich meine Zeit glücklich unter deinem Schutz hinbringen. Laß vor meine Augen kein Ungeheuer, und vor meine Ohren keine entsetzliche Botschaft kommen; und so ja nach deinem Rat dergleichen mir widerfahren sollte, so erhalte meine Frucht durch deine allmächtige Hand. Laß mich zu rechter Zeit eine fröhliche Kindermutter werden, und das Verborgene mit Freuden erblicken. HErr, laß deine Güte und Treue mich alle Wege begleiten, behüte meinen Fuß, daß er nicht strauchele, meine Glieder, daß deren keines zerbrochen, und Die Schwangere danket Gott für ihre Fruchtbarkeit. 25 meinen Leib, daß er nicht beschädiget werde. Er halte die geschenkte Gabe, und laß sie dir befohlen sein. Indessen aber will ich auf deine Hülfe schauen, ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt; meine Hülfe kommt vom HErm, der Himmel und Erde gemacht hat. Ich will den HErm loben allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde ein. Des Morgens, Mittags und Abends will ich dem HErm danken für all das Gute, das er an mir getan. Lobe den HErren, der deinen Stand sichtbar gesegnet, der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet; denke daran, was der Allmächtige kann, der dir mit Liebe begegnet. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ich danke dir, mein Gott, Für eine jede Gabe, Die ich nun lebenslang, Von dir empfangen habe. Nimm an den heißen Dank. Für deine große Gnad, Die deine Vaterhand. Mir dargereichet hat. 2. Ich danke dir, mein Gott, Daß du mich hat erhöret, Und was mein Flerz gewünscht, Aus Gnaden mir bescheret. Ach, ach, erhalte doch Das anvertraute Pfand, Das ich empfangen hab Von deiner Segenshand. 3. Ich danke dir, mein Gott, Daß du in meinem Leben, Mit großer Milde mir Viel Gutes hat gegeben. Ach, tausend, tausend Dank, Flab Dank, FlErr Zebaoth, Für alle deine Gnad, Ich danke dir, mein Gott. 4. Ich danke dir, mein Gott, Daß du mir beigestanden, In manchem schweren Leid, In schweren Trübsalsbanden. Ach, bleibe stets bei mir. Wenn sich die Noth einstellt; Du bist es, der mich stärkt, Du bist's, der mich erhält. 5. Ich danke dir, mein Gott, Daß du hast abgewendet So manches bittre Kreuz, Und mir die Hülf gesendet, Die Hülf, so abgewandt. Die Angst, so ich gescheut, Und mich nach Angst und Weh Mit reichem Trost erfreut. 26 Die Schwangere empfiehlt Gott sich und ihre Frucht. 6. Ich danke dir, mein Gott, Daß du mich nie verlassen, Auch nicht verlassen wirst. So lang ich werde haffen Der Sünden Wut und Greul; Sieh, ich verpflichte mich, Daß ich dir dienen will. Hier und dort ewiglich. 7. Ach, bleibe doch mein Gott, Ach, bleibe meine Stärke, Mein Helfer, Schutz und Rat, Damit ich Hülfe merke, Wenn nun die Noth einbricht; Ach, steh mir kräftig bei. Daß ich zu aller Zeit. Von dir geschützet sei. 8. Ach, bleibe doch mein Gott, Hilf, daß ich überwinde, Und in der Trübsalsstund Die Hülfe bei dir finde. So soll mein froher Mund Nachausgestandner Noth Stets sprechen dir zum Preis: Ich danke dir, mein Gott. Die Schwangere empfiehlt Gott sich und ihre Frucht. Aufmunterung. Wenn eine gottselige Ehefrau den Segen ihrer Fruchtbarkeit merket, so hat sie, nebst ihrer Berufsarbeit, sonderlich dieses zu tun: 1) Soll sie sich Gott fleißig alle Tage und Stunden befehlen, daß er sie wolle begleiten, stärken und behüten. 2) Soll sie auch ihre Frucht Gott fleißig befehlen, und ihm in ihrem Gebet treulich vortragen. Denn das ist der Unterschied unter christlichen Ehefrauen und Ungläubigen, unter gottseligen Weibern und leichtfertigen Huren: Ungläubige und Huren fluchen wohl über ihre Schwangerschaft, achten ihre Frucht gering, danken Gott nicht dafür, tun ihr wehe, wo sie können, und haben vielleicht nicht viel Gutes mit ihr im Sinne. Gottselige Ehefrauen aber sind anders gesinnet, sie beten niemals, sie tragen denn ihr Kind Gott mit vor; sie rufen ihn an, er wolle es fein bilden, ihm gesunde und gerade Glieder geben, es bei Leben erhalten und gesund lassen geboren werden. Sie lieben ihre Frucht, ehe sie dieselbe sehen, tragen Sorge für ihre Erhaltung, bereiten alles, worin sie nach der Geburt kann eingewickelt werden. Ja, sie tragen Die Schwangere empfiehlt Gott sich und ihre Frucht. 27 nicht allein Sorge für ihren leiblichen Zustand, sondern rufen auch Gott an, daß er ihre Frucht nach der leiblichen Geburt wolle zur Wiedergeburt durch die heilige Taufe gelangen lassen. Gebet. O heiliger Vater und Schöpfer aller Menschen, siehe, ich komme vor dein allerheiligstes Angesicht und bitte dich demütiglich um eine Gnade. Du hast, o großer Gott, nach deiner Güte mir eine Leibesfrucht verliehen; aber wer bin ich, daß ich sie zur Welt bringen sollte? Wie viele Mütter haben Kinder empfangen, aber nicht geboren! Wie viele haben sich auf eine lebendige Frucht gefreuet, und haben sie nicht erlanget! Darum, ach HErr, HErr, vor dir stehet alle meine Begierde, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. HErr, HErr, was du aus Gnaden gegeben, das wollest du auch nach deiner Barmherzigkeit erhalten. Ich befehle deinem väterlichen Gnadenschutz mich ganz und gar. HErr, habt Acht auf mich bei Tag und Nacht, daß mir kein Leid widerfahre. Begleite mich, wenn ich ausgehe, behüte mich, wenn ich auf der Gaffe bin, und bringe mich gesund und unbeschädigt wieder nach Haus. Laß meine Seele stille und vergnügt sein. Laß sie allezeit mit dir umgehen, in dir sich erfreuen, an dir sich ergötzen. Laß mein Herz eine Wohnung JEsu und einen Tempel des Heiligen Geistes sein, daß IEjus in mir lebe, in mir wandele, mich regiere und heilige. Wende ab von mir alle Verdrießlichkeiten, Zorn und Schrecken; ungestaltete Menschen laß nicht vor meine Augen kommen, und so es doch geschehen sollte, so bewahre meine Frucht. Laß dein Aufsehen meinen Odem, mein Leben, meine Schritte und Tritte bewahren. Der HErr behüte meinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Im Namen des dreieinigen Gottes gehe ich aus und ein. Im Namen des dreieinigen Gottes lege ich mich schlafen und stehe auf. Im Namen des dreieinigen Gottes gehe ich 28 Die Schwangere empfiehlt Gott sich und ihre Frucht. an meine Arbeit. O du dreieiniger Gott, bewahre, behüte und schütze mich durch deine Kraft, trage mich auf den Händen, behüte mich auf meinen Wegen, daß mir kein Übels widerfahre, so will ich dir dafür danken und dich loben Zeit meines Lebens. Ich befehle dir aber auch, o dreieiniger Gott, meine Frucht, die ich trage. HErr, ich bete für sie, ich trage sie dir vor, ach, erhöre mein Flehen um deiner Güte, ja, um JEsu willen. Ach, gib meinem Kinde gesunde und gerade Glieder, einen gesunden Leib, gute Leibes- und Gemütsgaben. Hast du es aber im Verborgenen mit solchen herrlichen Leibes- und Gemütsgaben begnadiget, so lasse es nach einer leiblichen Geburt auch bald durch die heilige Taufe wiedergeboren werden. Du hast ja, o JEsu, gesagt: Lasset die Kindlein zu mir kommen, denn solcher ist das Reich Gottes. Du hast die Kinder auf deine Arme genommen und sie gesegnet. Nimm mein Kind auch zu einer Zeit in deine heiligen Arme, und segne es auch! Schenke ihm das Pfand der Kindschaft, nämlich deinen Heiligen Geist, heilige und erneuere es zum ewigen Leben, mache daraus ein Kind des Himmels und des ewigen Lebens, daß ich mit ihm und es mit mir dereinst der ewigen Seligkeit möge teilhaftig werden. Meine Hoffnung stehet feste auf den HErren, meinen Gott; er ist mir der Allerbeste, der mir beisteht in der Noth. Er alleine soll es sein, den ich stets von Herzen mein. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Ich weiche nicht von Gott, Dem will ich mich empfehlen, Dem Helfer, der mir hilft Am Leib und an der Seelen. Er ist mein Fels, mein Hort, Mein Burg und Zuversicht, Mein starker, treuer Gott; Mein Gott verläßt mich nicht. Die Schwangere erinnert sich der göttlichen Verheißungen. 29 2. Ich weiche nicht von Gott; Ob mich gleich Schmerzen drücken, So weiß er mit Geduld. Mein Herze auszuschmücken. Auch in dem größten Leid Will ich beständig sein. Kommt Kreuz, so dringlich fest. Zu meinem JEsu ein. 3. Ich weiche nicht von Gott, Auch in den größten Nöten, Ob sie so heftig sein, Als wollten sie mich tödten; Alsdann schrei ich um Hülf: Verlaß mich nicht, mein Gott! Ach komm, ach rette mich Aus aller Angst und Noth! 4. Ich weiche nicht von Gott, Ihm will ich treu verbleiben. Mich soll kein Ungemach. Von seiner Liebetreiben; Ach ja, du treuer Gott, Ich weiche nicht von dir, Ach bleib du auch bei mir. Und weiche nicht von mir. 5. Ich weiche nicht von Gott, Denn warum sollt ich weichen? Pflegt er nicht allezeit. Mir seine Hand zu reichen, Die Hand, die mich erhält, Die Hand, die mich befreit, Die Hand, die mich erquickt. Und mir hilft allezeit? 6. Ich weiche nicht von Gott, Auch nicht in Leidensstunden; Denn ich hab immerdar Rat, Heil und Trost empfunden; Die Rettung stellt sich ein, Die Stunde geht vorbei, Daraus erkenn ich ja, Daß mein Gott bei mir sei. 7. Ich weiche nicht von Gott, Auch nicht, wenn ich soll sterben; Ich werde nach dem Tod. Die Seligkeit ererben. Drum leb und sterb ich ihm, Ich dien ihm in der Zeit, Und bleib mit ihm vereint. Dort in der Herrlichkeit. Die Schwangere erinnert sich der göttlichen Verheißungen. Wlufmunterung. So betrübt zuweilen und schmerzhaft der Schwangeren Zustand ist, so tröstlich und herrlich sind die Verheißungen Gottes für dieselben, da er ihnen einen Beistand in der Noth zugesagt und ihnen verheißen, er wolle sie nicht verlassen, noch versäumen, er wolle ihnen helfen, sie erretten, 30 Die Schwangere erinnert sich der göttlichen Verheißungen. sie auf den Händen tragen, und was dergleichen Kraft- und Machtsprüche mehr sind. Dieselben soll nun eine jede gottselige schwangere Ehefrau sich bekannt machen, und sich deren getrosten. Sie soll sich 2) erinnern, daß die Verheißungen Gottes alle Menschen angehen, daher auch die getrost sich darauf verlassen kann. Ob aber gleich die erwünschte Hülfe, die versprochene Errettung und der verheißene Beistand nicht zu der Zeit und Stunde erscheinet, wenn sie dieselbe verlanget und vonnöthen hat, so soll sie darum 3) nicht verzagen oder meinen, die Verheißung sei aus, und werde gar nicht erfüllet werden; sondern 4) auf die Verheißung Gottes fest bauen, welcher, wenn eine Hiilfestunden erscheinen, auch was er zusagt, getreulich halten wird. Indessen aber 5) im Gebet, Vertrauen und Hoffnung anhalten, bis endlich die frohe Stunde anbrechen wird, da die vorher Betrübte mit Freuden und zum Ruhm des Allerhöchsten jagen wird: Bis hieher hat mir der HErr geholfen, der HErr hat Großes an mir getan, des bin ich fröhlich. Gebet. Mein Gott, mein Herz hält dir vor dein Wort: ihr sollt mein Antlitz suchen; darum suche ich auch, HErr, dein Antlitz. Du weißt, mein Gott, daß ich ohne dich nichts bin, nichts kann und vermag; wer kann meine Bande lösen, außer du? wer kann mir helfen, als nur du allein? Darum komme ich zu dir, und halte mich an dein Wort der Verheißung. Du sprichst, du wollest die Deinen nicht verlassen, ach, verlaß mich nicht! Du wollest bei ihnen ein in der Noth, ach, meine Noth rücket heran, bleibe bei mir! Du wollest den Deinen helfen, ach, hilf mir! Du wollest die stärken, ach, stärke mich! Du wollest sie herausreißen, ach, reiß mich heraus! HErr, ich weiß in meinem Zustand nirgend hin, als nur zu dir allein. Ich habe viele Sorgen, Bekümmernisse und Ängste in Die Schwangere erinnert sich der göttlichen Verheißungen. 31 meinem Herzen, aber deine Tröstungen ergötzen meine Seele, und dein Wort der Verheißung richtet mich auf Weil ich denn weiß, daß du der Schutzherr deiner Gläubigen, der Helfer der Verlassenen, die Zuflucht der Betrübten, der Beistand der Hiilflosen bist, so bin ich darüber gutes Muths, und halte mich an dich. Ich will mich an dich und dein Wort halten; wenn mein Schmerz und die Angst meines Herzens groß wird, da will ich seufzen: HErr, ich lasse dich nicht, du segnet mich denn. Verziehest du mit der Hülfe, so erscheinet sie endlich doch zum Trost der Elenden, und du hilft ihnen herrlich. Du, HErr, legt eine Last auf, aber hilft sie auch tragen; darum, wenn du meine Last mir tragen hilft, so wird sie mir nicht schwer werden. Du bist meine Zuversicht gewesen, da ich noch an meiner Mutter Brüsten lag; darum sollst du auch meine Zuflucht bleiben Zeit meines Lebens und in allen Zufällen. Gott ist meine Zuversicht und Stärke, eine Hülfe in den Nöten, die mich getroffen haben; darum fürchte ich mich nicht, und warum sollte ich mich fürchten? Ist doch der HErr bei mir. Der HErr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollt ich mich fürchten? Der HErr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Mit Gott will ich getrost an meine bevorstehende Arbeit gehen, unter Gottes Beistand will ich arbeiten, aber auch glücklich überwinden. Odu gnädiger Gott, stärke meinen Glauben, befestige meine Zuversicht auf deine Verheißung. Laß mich, vor allem Unfall beschirmet, fröhlich meine Zeit erreichen. Indessen will ich beten und singen, dir vertrauend, bis ich, fröhlich entbunden, dir in dem Tempel, und Zeit meines Lebens für deine Wohltat in meinem Herzen Lob und Preis opfern werde. Amen, ja, das will ich glauben, denn hier hab ich Gottes Wort, das soll mir kein Unfall rauben; ich will immer fort und fort mich auf diesen Grund verlassen und den Hoffnungsanker fassen mit der starken Glaubenshand, auch in diesem meinem Stand. Amen. 32 Die Schwangere erfreuet sich der Allmacht Gottes. Gesang. Mel.: Ach HErr, mich armen Sünder. 1 . Gott wird mich nicht verlassen, Ob ich schon elend bin; In Gott will ich mich fassen; Mein Herz, Gemüt und Sinn Soll sich nur an ihn halten. Und ihm vertrauen fest, Ja, JEsum lassen walten, Der mich doch nie verläßt. 2. Auf sein Wort will ich trauen; Was er mir zugesagt. Darauf will ich fest bauen, Mit ihm sei es gewagt! Er wird sein Wort erfüllen, Das mir die Hülf verspricht, Und meine Schmerzen stillen, Wenn eine Stund anbricht. 3. Zwar däucht es mir oft lange, Wenn mich das Leiden treibt; Dennoch ist mir nicht bange, Weil Gott mir nicht ausbleibt. Er weiß gar wohl die Stunde, Die er zur Hülf bestimmt, Und wo er aus dem Grunde Das Leiden von mir nimmt. 4. Gott kann mich nicht verlassen, Denn ich bin ja ein Kind; Er kann ja die nicht haffen, Die da sein eigen sind. Sollter des Kindes Tränen Ohn Hülfe stets ansehn, Und sollt mein seufzend Sehnen Ihm nicht zu Herzen gehn? 5. Gott hat mich nie verlassen. Die ganze Lebenszeit, Ob ich schon ohne Maßen. Trug Angst und Herzeleid. Sollt er denn nun anheben. Da ich der Hülfbegehr, Und sie mir gar nicht geben? Das glaub ich nimmermehr. 6. Vielmehr will ich Gott trauen, Denn er ist fromm und gut, Auf seine Hülfe schauen. Mit recht getrostem Muth. Die Stunde wird schon kommen; Alsdann, wenn die anbricht. Wird mein Kreuz abgenommen, Denn Gott verläßt mich nicht. Die Schwangere erfreuet sich der Allmacht Gottes. Aufmunterung. Wenn man die Empfängniß, die Erhaltung, das Wachstum und die Geburt eines Kindes betrachtet, so kann man Gottes Allmacht nicht genug preisen. Ohne Die Schwangere erfreuet sich der Allmacht Gottes. 33 Gottes Allmacht kann kein Kind auf diese Welt geboren werden, und wenn eines geboren wird, so ist's allezeit ein Wunder vor aller Gläubigen Augen. Wenn denn nun dieses eine gottselige Ehefrau weiß, so soll sie 1) auf diese Allmacht ihres Gottes sich verlassen; so viel sie Kinder geboren siehet, so viel Werke der Allmacht Gottes soll sie sich vorstellen. Wie nun die allmächtige Hand Gottes andern geholfen, so kann sie sich auch 2) getrosten, daß Gott ihr helfen werde. Sie soll, 3) wenn sich Kleinmütigkeit etwa einfinden will, sich an den Ausspruch des Engels erinnern, wenn er spricht: Bei Gott ist kein Ding unmöglich, Luc. 1,37. Ist nun Gott kein Ding unmöglich, so kann eine Schwangere sich der göttlichen Allmacht auch erfreuen. Sollten sich 4) Umstände einstellen, die bei andern vielleicht nicht sind, so soll doch darum das Vertrauen auf Gottes Allmacht nicht wegfallen; denn eben darum, weil Gott allmächtig ist, so kann er auch alle gefährlichen Wunden heilen, alle schweren Lasten abnehmen, alle betrübten Zufälle abwenden. Sind Menschen zwar bei der Geburt eines Kindes, so ist doch Gottes allmächtige Hand auch da, die alles regieret, und durch dessen Kraft alles glücklich von Statten gehen wird. Mein Gott, wie freuet sich mein Geist, wenn ich an deine Allmacht denke, an deine allmächtigen Hände, die alles heben, alles tragen, und aus allem erretten. Sehe ich mich in meinem gegenwärtigen Stande an, so muß deine Allmacht alles allein tun; deine Allmacht muß mich auf den Armen tragen, wenn ich nicht fallen soll; deine Allmacht muß meine Beschwerlichkeiten lindem; ja, deine Allmacht muß in meinen bevorstehenden Nöten alles allein verrichten. Gedenke ich meiner Frucht, so muß abermal deine Allmacht dieselbe erhalten, stärken, bewahren und ans Tageslicht bringen. Dieses ist nun 34 Die Schwangere erfreuet sich der Allmacht Gottes. mein größter Trost jetzt und Zeit meines Lebens, daß du bist ein allmächtiger Gott; bin ich schwach, du bist stark; bin ich elend, du bist allmächtig; bin ich ohnmächtig, du vermagst alles. Diesen Trost soll mir niemand rauben: Gott kann mir helfen, und Gott will mir helfen. Wir haben einen Gott, der da hilft, und einen HErm HErrn, der vom Tode errettet. Ist Gott allmächtig, so kann mir kein Leid widerfahren. Ist Gott allmächtig, so werde ich herrlich errettet werden. Damm, o allmächtiger Gott, befehle ich mich dir ganz und gar; wache über mich, erhalte mich, stärke mich. Deine Allmacht erhalte mich in meiner Schwangerschaft; deine Allmacht lasse mich glücklich meine Zeit erreichen; deine Allmacht stärke mich, wenn meine Gebärstunde herannahet; deine Allmacht stehe mir bei, wenn sie nun da ist; deine Allmacht sei im Anfang, Mittel und Ende meiner Arbeit bei mir, bis ich eine fröhliche Kindermutter werde; deine Allmacht entbinde mich fröhlich, und laß mich einen erwünschten Anblick erleben. Ich will mich demnach nicht fürchten, es gehe, wie es will, ich habe ja einen allmächtigen Gott; ich will nicht verzagen, wenn die Noth groß wird, ich habe einen allmächtigen Gott; ich will gutes Muths sein, wenn ich arbeiten soll, denn ich habe einen allmächtigen Gott. Ich will in meinen Nöten schreien und seufzen: O du allmächtiger Gott, hilf mir! Ich verlasse mich auf dich, ich hoffe auf dich, dein Kind wartet auf deine Hiilfestunde. Eile auch, barmherziger Vater, mit deiner Allmacht zu mir, laß mich hören Freude und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hat. Deine Allmacht treibe von mir alle Gefahr; deine Allmacht erhalte meine Frucht; deine Allmacht gebe mir Kraft; ja, deine Allmacht erfreue mich durch eine fröhliche Entbindung; so will ich, dieweil ich lebe, solche deine Allmacht preisen und rühmen, und jagen: Lobe den HErrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat. Ich rief dem HErrn in meiner Noth: Ach Gott, vernimm mein Schreien. Da Die Schwangere erfreuet sich der Allmacht Gottes. 35 half mein Helfer mir vom Tod und ließ mir Trost gedeihen. Drum dank, ach Gott, drum dank ich dir. Ach danket, danket Gott mit mir! Gebt unserm Gott die Ehre. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Wir haben einen Gott, Der hilft zu allen Zeiten, Wenn wir mit Ungemach. Und Trübsal müssen streiten. Ist schon viel Kreuz und Leid, Sind viele Schmerzen da. So ist auch Gott nicht weit. Und eine Hülf ist nah. 2. Wir haben einen Gott, Der hilft in allen Nöten, Die können nimmermehr, Weil Gott mir hilft, mich tödten; Und wären sie so groß, Daß man's nicht glauben kann, Noch größer ist doch Gott, Der nimmt sich meiner an. 3. Wir haben einen Gott, Der hilft in allen Leiden, Und ist das Leiden hart, So soll's mich doch nicht scheiden Von meinem lieben Gott, Dem ist ja alles leicht, So leicht, daß auf ein Wort. Das Leiden von mir weicht. 4. Wir haben einen Gott, Der hilft und hört den Armen, Der herzlich zu ihm schreit, Er wird sich ein erbarmen; Die Armen siehet Gott, Er hört, er sieht, ergibt Zur Zeit, wenn mir's ist nütz, Und wenn es ihm beliebt. 5. Wir haben einen Gott, Der hilft, sollt man auch sprechen: Hier ist die Hülf gar aus; Alsdann will ich ausbrechen. Und sagen: hier ist Gott! Ist der kein Helfer mehr? Ach ja, er hilft gewiß Zu seines Namens Ehr. 6. Wir haben einen Gott, Der hilft, wer will verzagen? Weil er noch hilft, so kann Ich fröhlich jetzo sagen: Mein Gott und Helfer lebt, Auf den verlaß ich mich, Aus allem Kreuz und Leid Hilft er mir gnädiglich. 7. Wir haben einen Gott, Der hilft, dies soll verbleiben. Mein Trost, dieweil ich leb. Ja, dieses will ich schreiben. Tief in mein Herz hinein; Empfind ich manche Noth, So sprech ich auch getrost: Wir haben einen Gott! 36 Die Schwangere tröstet sich der göttlichen Hülfe. Die Schwangere tröstet sich der göttlichen Hülfe. Aufmunterung. Wenn hülfsbedürftige Personen große Gefahren, vielerlei Leiden, schwere Lasten und saure Arbeit vor sich sehen, so sind sie doch gutes Muthes, wenn sie jemanden haben, der in den Gefahren ihnen beistehen, in dem Leiden durchhelfen, die Last erleichtern und in der Arbeit ihnen die Hand bieten will. Nun dieses ist auch der Trost aller Schwängern. Hören sie, 1) daß bei der Geburt Gefahr entstehen kann, so sagen sie: Der HErr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht. Empfinden sie 2) vielerlei Leiden, so sprechen sie zu Gott: Du bist mein Helfer und Erretter; mein Gott, verzieh nicht! Wird ihre Last ihnen täglich schwerer, so erinnern sie sich, 3) der HErr leget eine Last auf, aber er hilft auch tragen, fürchten sie sich nun 4) vor ihrer bevorstehenden Arbeit, so wissen sie, der HErr werde ihre Arbeit beglücken und ihnen durchhelfen. Sollte nun solches Schwängern nicht einen guten Mut machen, sonderlich da sich Gott in der heiligen Schrift einen Helfer nennet? Hilft Gott aber, so ist ihnen gewiß und recht geholfen. Menschen wollen oft gerne helfen und können nicht, aber Gott kann und will helfen; derohalben, ob's schon noch so traurig und gefährlich aussehen sollte, so soll ihnen in das Herz geschrieben bleiben: Der HErr ist mein Helfer. Gebet. Was betrübt du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde es ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Gott ist. Ja, mein Gott, das ist mein Trost in meinem gegenwärtigen Zustand, daß du meines Angesichts Hülfe sein werdet. Ist mein Angesicht blaß vor Furcht, du kannst alle Furcht durch deine herrliche Hülfe vertreiben. Ist mein Angesicht naß von Tränen, du kannst sie Die Schwangere tröstet sich der göttlichen Hülfe. 37 abwichen, wenn du mit deiner gnädigen Hülfe erscheint. Darum will ich mich auf dich verlassen, und alle dem, was mir Furcht, Angst und Schrecken verursachen will, entgegensetzen diesen Trost: Gott ist mein Helfer und wird mein Helfer ein und bleiben. Du aber, o allmächtiger Gott, eile mit deiner gnädigen Hülfe herbei, wenn mir Hülfe not ist; HErr, ich warte auf dein Heil und auf deine Hülfe; ich verlasse mich auf deine Hülfe; wenn du mir nicht hilft, so bin ich verloren. Wird mein Leiden groß, HErr, so weiche mit deiner gnädigen Hülfe nicht von mir. Erscheinet meine Gebärstunde, so erscheine auch mit deiner Hülfe. Du bist meine einige Zuflucht, mein Gott und Beistand, ich weiß ja keinen andern. Willst du mir nicht helfen, wer kann mich erretten? Hilf mir, o du Gott meines Heils, wenn ich bete, und erhöre mich; hilf mir, wenn es gefährlich aussiehet; hilf mir, wenn meine Stunde kommt; alsdann will ich in freudigem Vertrauen mit meinem JEsu seufzen: Vater, hilf mir aus dieser Stunde! Hab ich dich dann bei mir, so werde ich überwinden, so wird meine Traurigkeit in Freude verkehret werden. O wie herrlich hast du andern geholfen, ach, so hilf mir auch! Du bist ja noch eben der starke, gnädige und allmächtige Gott, der du vormals gewesen bist. HErr, ich halte an mit Beten, wie das cananäische Weib, und jage: HErr, hilf mir, ja, ich gehe nicht von dir, ich lasse nicht ab, bis du mich mit deiner Hülfe erfreuet und mir geholfen hat. Komm, ach Vater der Gnaden und Barmherzigkeit, und hilf deinem Kinde, welchem ohne dich nicht kann geholfen werden. Komm, o IEu, du Heiland aller Menschen, und hilf mir, bleibe bei mir, bis ich glücklich entbunden bin. Komm und hilf mir, o werter Heiliger Geist, und versiegle mir den Trost, daß meine Hülfestunde bald anbrechen werde. Dreieiniger Gott, zu dir fliehe ich, auf dich verlaß ich mich. Hilf mir, wann du willst, aber im Verzug der Hülfe stehe mir in Gnaden bei; hilf mir in der Noth, reiß mich aus der Noth, da ich dir dann 38 Die Schwangere tröstet sich der göttlichen Hülfe. mit fröhlichem Munde danken will. Indessen: Frisch auf, mein Herz, verzage nicht, Gott will sich dein erbarmen; Rat, Hülfe will er teilen mit, er ist ein Schutz der Armen; im Vollgenuß und Überfluß kann man nicht allzeit sitzen; wer Gott vertraut, hat wohl gebaut, den will er ewig schützen. Ja, ich will meine Zuversicht auf dich beständig setzen; du wirst, wenn mir's an Trost gebricht, mit Hülfe mich ergötzen. Indessen will ich stille sein, bis sich die Hülfe stellet ein, und deinen Namen preisen. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Mein Gott ist ja bei mir, Drum muß die Furcht verschwinden, Weil sich in Noth und Tod Gott will bei mir einfinden. Mit einer Hülf und Treu, Mit Beistand, Trost und Rat, Wie auch ein teures Wort Mir fest versprochen hat. 2. Mein Gott ist ja bei mir; Kommt schon ein Kreuz gegangen, So will ich es mit Gott. Ohn alle Furcht empfangen. Kommt Kreuz, so kommt auch Gott; Kommt auch Kreuz nicht allein. Und ist es mancherlei, So will Gott bei mir sein. 3. Mein Gott ist ja bei mir; Muß ich die Trübsal schmecken, So will er mich dadurch Zu seiner Lieberwecken. Stellt sich die Trübsal ein, Alsdann empfehl ich mich Des Allerhöchsten Schutz, Der hilft mir gnädiglich. 4. Mein Gott ist ja bei mir, Und sollten Unglücksfluthen Gar über mich ergehn. So ist es mir zum Guten. Das Unglück weichet doch, Ich werde davon los, Weil mein Gott bei mir ist, Und wär es noch so groß. 5. Mein Gott ist ja bei mir; Will auch die Nacht eindringen, Bis sich die Hülf einstellt, So will ich hoffen, singen. Und mich voll Zuversicht Empfehlen Gottes Treu, Der Treu, die Tag und Nacht, Ja, alle Stund ist neu. 6. Mein Gott ist ja bei mir; Mich kann der Tod Andacht bei herannahender Gebärstunde. 39 nicht tödten, Des Höchsten Hülfe steht Mir bei in allen Nöten, Mein Gott weicht nicht von mir, Mein Gott verläßt mich nicht, Mein Gott, mein Trost und Heil, Gott meine Zuversicht. 7. Mein Gott ist ja bei mir; Weg alle Furcht vorm Grabe! Das Grab erschreckt mich nicht, Weil ich da Ruhe habe. Vor aller Angst und Qual; Es bringt mir süße Ruh, Denn Gott, der bei mir ist, Deckt mich selbst sanft dort zu. 8. Mein Gott ist ja bei mir; Gott wird mir schon erscheinen. Zum Trost, zur Hülf, zum Heil, Nach meinem bittem Weinen. Mein Herz, o sei getrost Und hoffe für und für, Und sprich mit frohem Muth: Mein Gott ist ja bei mir! Andachten für Gebärende. Andacht bei herannahender Gebärstunde. Aufmunterung. Wenn Paulus den christlichen Ehefrauen verspricht, sie würden selig werden durch Kinderzeugen, so ist die Meinung nicht, als ob sie mit Kindergebären könnten die Seligkeit erwerben, denn die Seligkeit hat allein Christus JEsus durch sein Leiden und Sterben erworben; sondern er gibt ihnen vielmehr damit den Trost, ob sie gleich wegen des Sündenfalls unter vielen Schmerzen müßten Kinder gebären, so hätten sie dennoch einen gnädigen und verjöhnten Gott, und wenn sie auch über der Geburt sterben müßten, so könnten und sollten sie dennoch selig werden, wenn sie nur blieben im Glauben, in der Liebe und Heiligung, gerät der Zucht. Von ihnen wird daher erfordert: 1) daß sie im Glauben bleiben, daß sie ihr Vertrauen, wenn die Gebärstunde herankommt, nicht wegwerfen, nicht 40 Andacht bei herannahender Gebärstunde. wider Gott murren, sondern im Glauben, in der Hoffnung und Zuversicht bleiben, wenn es schon hart herginge, und auch alsdann sich an die herrlichen Verheißungen und an die göttliche Allmacht erinnern. 2) Sollen sie bleiben in der Liebe Gottes, daß sie Gott herzlich lieben, und auch als dann im Glauben sprechen: Herzlich lieb hab ich dich, o HErr, ich bitt, wollt ein von mir nicht fern mit deiner Güt und Gnaden. Sie sollen bleiben in der Liebe gegen den Nächten, daß sie vorher sich mit Gott und dem Nächsten versöhnen, wie denn auch gottselige Ehefrauen in ihrer Schwangerschaft gern das heilige Abendmahl empfangen, um dadurch der Gnade Gottes versichert zu werden. Sie sollen auch bleiben in der Liebe gegen ihre Frucht, daß sie durch Nachlässigkeit ihr keinen Schaden mögen zufugen, durch Widerspenstigkeit dieselbe nicht um das Leben bringen, sondern dem guten Rat und Zuspruch der Personen, die um sie sind, willig folgen. Wenn aber lieblose Mütter gegen ihre armen Kinder sich bei der Geburt widerspenstig stellen und nicht tun wollen, was ihnen Gott auferlegt, und was sie zu tun schuldig sind, wovon auch Kaiserinnen, Königinnen und Fürstinnen nicht frei sind, und eben wie andere Weiber sich verhalten müssen: so werden die Mörderinnen an ihren Kindern, welche sie vor Gott verklagen werden, daß sie ihnen durch Faulheit ihr Leben genommen, und sie also vor der Geburt getödtet haben. Endlich sollen sie auch 3) bleiben in der Heiligung gerät der Zucht, daß sie ein heilig, züchtig und christlich Leben führen, für ihr Kind fleißig beten, sich vor Sünden hüten, und in solcher Heiligung ihre Gebärstunde erwarten. Gebet. HErr, allmächtiger Gott, getreuer, lieber Vater, es kommt nunmehro meine Gebärstunde immer näher und näher herbei, darum nahe dich auch zu mir mit deiner Hülf und Gnade. Ich nahe mich zu dir mit meinem Andacht bei herannahender Gebärstunde. 41 Gebet, herzlichem Vertrauen, beständiger Zuversicht, lebendigem Glauben auf deinen gnädigen Beistand; ach, nahe dich zu mir mit deiner allerheiligsten Gegenwart, Güte und Barmherzigkeit. Komm zu mir und bleibe bei mir in, unter und nach der Geburt. Wenn ich dich bei mir habe, so habe ich den allerstärksten Erretter, den mächtigsten Helfer und den treuesten Freund bei mir. Gib mir zu der Stunde Freudigkeit, daß ich unerschrocken sei und alle Furcht fahren lasse, daß ich getrost mich möge bezeigen, getrost stehen, getrost niedersetzen oder liegen, und mich trösten, weil du bei mir bist; so wird alles glücklich von Statten gehen. Stärke auch meine Glieder, damit ich nicht matt werde, sondern in deiner Kraft und Stärke meine Arbeit verrichten und fröhlich enden möge. Durch deine Kraft wird mir alles leicht werden; ist der HErr bei mir und mit mir, so bin ich genesen. Gib aber auch, lieber Gott, denen, die mit mir umgehen müssen, Weisheit und Verstand, daß sie klüglich alles anordnen, mir nicht zu wenig und zu viel tun; segne ihr Beginnen und beglücke ihr Vornehmen, daß sie mit mir, und ich mit ihnen dir dafür danken mögen. Verleihe mir, daß ich gutem Rat folge, alle Widerspenstigkeit vermeide, und dadurch weder mir selbst schaden, noch auch meinem Kinde ein Unglück oder den Tod zuziehen und mir eine so schwere Verantwortung verursachen möge. Höre, ach gnädiger Gott, mein und aller Anwesenden Seufzen und Gebet; hilf mir bald und hilf mir glücklich, wenn es dein heiliger Wille ist. Laß mich mein Kind fröhlich und lebendig erblicken, und eine erfreute Kindermutter werden. Siehe, HErr, hier bin ich; mache es mit mir, wie es dir wohlgefällt. Verlaß mich nicht und tue nicht die Hand von mir ab, Gott, mein Heil; bleibe bei mir in der äußersten Noth, und stärke alsdann meine Geduld, daß ich nicht müde werde; meine Hoffnung, daß ich sie nicht lasse sinken. Nun, ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Der himmlische Vater segne, behüte und er- 42 Andacht bei herannahender Gebärstunde. halte mich. JEsus Christus sei bei mir, stärke und erquicke mich, und der Heilige Geist vertrete mich bei Gott mit unaussprechlichem Seufzen, und gebe Zeugnis meinem Geiste, daß ich wahrhaftig Gottes Kind sei. Die Liebe des Vaters decke mich, die Gnade des Sohnes erquicke mich, der Beistand des Heiligen Geistes erfreue mich. Treulich will ich Gott bitten, zum Beistand nehmen ihn; der für mein Heil gestritten, zu JEsu will ich fliehn. Gott kann dem Weh gebieten, und mir Geduld verleihn. Er wird mich wohlbehüten und mein Nothhelfer sein. Amen. Gesang. Mel.: Zion klagt mit Angst und Schmerzen. 1. Ach, hilf mir aus dieser Stunde, Vater der Barmherzigkeit! So schrei ich mit Herz und Munde. Jetzt in dieser Leidenszeit. Ach, ich wende mich zu dir, Großer Gott, ach, hilf du mir; Laß mich doch bald Hülfe finden Durch ein gnädiges Entbinden. 2. Es steht ja in deinen Händen, Sprich ein Wort, so ist's geschehn; Wirst du deine Hülfe senden, So wird's mir nach Wunsche gehn. Komm, mein Gott, und lös das Band, Reich mir deine Vaterhand; HErr, hilf mir in meinen Nöten, Du allein kannst mich erretten. 3. HErr, du hast es ja verheißen, Daß du wollest bei mir sein. Und aus aller Noth mich reißen; Hilf mir, HErr, denn ich bin dein. Helfer, hilf jetzt gnädiglich, Großer Gott, erbarme dich; Höre, rette, komm und eile Und doch länger nicht verweile. 4. Zwar will ich dir nicht vorschreiben Deiner Hülfe Stund und Zeit; Ich will doch geduldig bleiben. In des Leidens Bitterkeit. Gib mir jetzo Kraft und Stärk. Hier zu diesem schweren Werk; Ach, hilf Selbsten mir arbeiten, Und weich nicht von meiner Seiten. - 5. HErr, ich will dir fest vertrauen, Drückt es mich auch noch so lang, Und auf deine Allmacht schauen, Wäre mir auch noch so bang. Sieh, ich sehne mich nach dir, Trost bei herannahender Geburt. 43 Vater, Vater, hilf doch mir; Hilf, o Vater, deinem Kinde, Hilf, mein Vater, doch geschwinde. 6. Ach, mein Gott, hör meine Bitte, Oeffne, was verschlossen ist, Tritt jetzt selber in die Mitte, Weil du doch der Helfer bist. Legdu selber Hand mit an, Die Hand, die mir helfen kann. Sieh, wie ich dich fest umfasse. Und mich ganz auf dich verlasse. 7. In Gott hab ich Kraft und Stärke, In Gott hab ich guten Muth; Der ist selbst mit in dem Werke, Auf dem alle Hülfe ruht. Gottes Hülfe ist schon nah, Wenn er spricht, so steht es da; Mein Mut ist mir unbenommen, Gottes Stunde wird bald kommen. 8. O wie will ich Gott dann preisen, Wenn ich nun entbunden bin! Wie will ich ihm Dank erweisen! Mein Gemüte, Geist und Sinn. Und auch mein erfreuter Mund Soll für diese Hülfestund Immer, weil ich werde leben, Gottes Gnad und Ruhm erheben. Trost bei herannahender Geburt. Aufmunterung. Es pflegen sich gottselige Ehefrauen oftmals zu ängstigen, und Unerfahrene zu erschrecken, wenn die Zeit der Geburt da ist; aber warum wollet ihr erschrecken, ihr habt ja Gott bei euch? Der Gott, der euch hat die Schmerzen aufgeleget, der will sie auch helfen tragen und überwinden. Erinnert euch zur Zeit der Geburt: 1) Gott ist ein guter und gnädiger Gott, er meinet es nicht bös mit euch, denn denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen; weil er ein gnädiger Gott ist, so wird er euch Gnade erzeigen, und euer Elend und euren Jammer ansehen. Er ist 2) getreu, er weiß eure Kräfte und Vermögen besser als ihr selbst; Gott ist getreu, der euch nicht lasset versuchen über euer Vermögen, sondern machet, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß ihr es könnet 44 Seufzer vor der Geburt, ertragen. 3) Gott ist barmherzig; er wird sich auch über euch, wie ein Vater über seine Kinder erbarmen. 4) Gott ist stark; was ihr nicht vermöget, das vermag Gott, denn seine Kraft ist in den Schwachen mächtig; sehet nicht an eure geringe Kraft und Stärke, sondern Gottes Macht; ihr sollt es auch nicht tun, sondern Gott will alles tun, und eure Hände, Arme und Glieder stärken, wie David Gott allen Ruhm beileget und spricht: Du hast mich aus meiner Mutter Leib gezogen, auf dich bin ich geworfen. Erinnert euch: 5) eure Schmerzen währen nicht lange, nicht Jahre und Tag, wie Davids Elend, und wie jenes Kranken Schwachheit, sondern nur eine Stunde, und so sich's ja länger verziehen sollte, so sprecht in kindlichem Vertrauen: Und ob es währt bis in die Nacht und wieder an den Morgen, doch soll mein Herz an Gottes Macht verzweifeln nicht, noch sorgen. Sehet, dieses lasset euren Trost sein, wenn eure Stunde kommt. Seufzer vor der Geburt. HErr, allmächtiger Gott, wenn ich nun merke, daß meine Stunde bald einbrechen wird, da ich mich zur Geburt anschicken soll, so komme ich zu dir, und bitte dich, ach, weiche nicht von mir; ach, bleibe bei mir, gib mir Kraft zu gebären und entbinde mich gnädiglich, lindere die Geburtsschmerzen, die du dem weiblichen Geschlechte aufgeleget hat. Doch da du sie der Eva und ihren Töchtern aufgeleget, zur Zeit, da du sie wieder begnadiget, und JEsum, den Weibes-Samen und Versöhner der Menschen, verheißen hattest, so sehe ich die bevorstehenden Schmerzen an nicht als eine Strafe eines zornigen Richters, sondern vielmehr als eine Züchtigung eines liebreichen und versöhnten Vaters, welche eine Andenken des Sündenfalls sein sollen, aber auch eine Erinnerung, daß ich durch JEsum Christum mit Gott versöhnet bin. O darum, Seufzer vor der Geburt. 45 starker und allmächtiger Gott, hilf mir kräftig; meine Hülfe stehet bei dir; nach dir, HErr, verlanget mich; mein Gott, ich hoffe auf dich, laß mich nicht zu Schanden werden: eile, mir beizustehen, HErr, meine Hülfe! O JEsu, der du bist Mensch geboren worden, um deiner heiligen Geburt und Menschwerdung willen, erbarme dich über mich, hilf mir aus dieser Stunde und erhalte mich. O werter Heiliger Geist, bleibe in meinem Herzen und schreie das Abba, lieber Vater; gib Zeugnis meinem Geist, daß ich mitten in den Wehen dennoch ein Kind Gottes sei. O du heilige Dreieinigkeit, hilf mir, und erbarme dich über mich. Amen. Ein anderer. O du liebreicher Gott, der du uns Menschen herzlich liebest, und sonderlich in unsem Leiden und Schwachheiten uns beizustehen verheißen hast, du weißt ja den Stand, darin ich stehe, du siehet auch, wozu ich mich bereite, und was ich jetzt vorhabe; o dämm stehet alle meine Hoffnung zu dir. O du starker Gott, der du den verlassenen Hirschen im wilden Walde, ohne menschliche Hülfe, wenn sie im Schnee und Frost ihre Jungen haben, beistehet, ach, laß dir auch meine Leibesfruchtanbefohlen sein, und segne die Hände, die zu der Geburt sich darbieten; leiste du mir selber die beste Hülfe und entbinde mich gnädiglich. Du hast gesagt: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, ich bin dein Gott, ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Auf solche deine gnädige Verheißung verlasse ich mich, und greife an das Werk mit Freuden, wozu mich Gott hat beschieden in meinem Beruf und Stand. Ich will getrost sein und auf deine Hülfe harren. Ich will indessen nach deiner Ordnung und nach deinem Willen gern leiden, was du mir aufleget, sei du mir nur nicht fern, HErr HErr, meine Zuversicht in der Noth. Sei und bleibe 46 Seufzer bei und unter der Geburt. meines verschlossenen Pfandes gnädiger Gott, erhalte, o HErr, was deine Hände bereitet haben. Oeffne in Gnaden zu rechter Zeit die Bande der Natur, und wenn alle Menschen verzagen wollen, so beweise du an mir deine Macht und wunderbare Güte. Sei mit deiner Kraft in meiner Schwachheit mächtig, stärke mich an meinem Geist und Leibe, lindere und erleichtere mir meine Schmerzen, und laß meine Frucht frisch und gesund die Welt erblicken: lege sie lebendig in meine Arme und Hände; so will ich mit ausgereckten Armen und gefalteten Händen dir Lob jagen, und was du mir gegeben, als ein Opfer und als dein Kind in der heiligen Taufe dir wiedergeben. Sollte aber in deinem heiligen Rat über mich beschloffen sein, daß ich über dieser Arbeit meinen Geist aufgeben soll, so geschehe dein Wille; du bist mein Gott, mein HErr, mein Vater, ich deine Creatur, deine Magd, dein Kind; mache es mit mir, wie dir es wohlgefällt, ich aber bin bereit zum Leben und Tod, und wenn du gleich mich tödten wolltest, will ich doch auf dich hoffen. Verleihe mir ein geduldiges und williges Herz, beständigen Glauben und feste Zuversicht. Ich lieg im Streit und widerstreb, hilf, o HErr Christ, dem Schwachen, an deiner Gnad allein ich kleb, du kannst mich stärker machen; kommt nun Anfechtung, HErr, so wehr, daß sie mich nicht umstoße, du kannst maßen, daß mir's nicht bringGefähr, ich weiß, du wirst's nicht lassen. Amen. Seufzer bei und unter der Geburt. HErr HErr, groß von Rat und mächtig von Tat, siehe, hier bin ich und seufze allein nach deiner Hülfe. Hier kann kein Mensch helfen, nur du allein. Ich erkenne zu deinem Preis, daß die Geburt eines Menschen ein Wunderwerk ist, welches du allein befördern mußt, und stehet in keines Menschen Macht, ein Kind zur Welt zu bringen. Der halben flehe ich dich, o allmächtiger Seufzer bei und unter der Geburt. 47 Nothelfer, demütig an, du wollest deine Allmacht beweisen. Du weißt ja meine Schmerzen, weil du selbst sie mir aufgelegt hat; ich sitze oder stehe, ich gehe oder liege, so ist es dir bekannt, denn du, HErr, bist um mich. Du siehest auch meine Tränen, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. Ich erinnere mich jetzt deiner unendlichen Allmacht, du kannst überschwänglich tun über alles, was wir wissen und verstehen; keine Noth ist so groß, du kannst daraus erretten. Siehe, deine mächtigen Hände haben mein Kind bereitet, sie haben es mit Fleisch und Haut angezogen, Leben und Wohltat hast du ihm schon lange erwiesen und durch dein Aufsehen sein Dasein bewahret. Darum bringe es auch ans Licht dieser Welt nach deiner Barmherzigkeit. HErr HErr, der du so viel Tausenden geholfen hat an allen Orten der Welt, du wirst nach deiner Güte mir auch helfen; ich verlasse mich auf deine Gnade und Treue, die laß mich alle Wege behüten. Wenn es sich sollte lassen gefährlich ansehen, so sprich meiner Seele den Trost zu: Ich bin bei dir in der Noth, ich will dich heraus reißen, ich will dich nicht verlassen noch versäumen. Laß mich dabei das Meine getreulich tun, damit ich auch ein gut Gewissen behalte; du aber stärke mich Schwache. Betrübtes Herz, sei wohlgemut, warum willst du verzagen? Es wird doch alles werden gut, und all dein Schmerz und Klagen wird sich in lauter Fröhlichkeit verwandeln in gar kurzer Zeit; das wirst du wohl erfahren. Amen. Ein anderer. Ach, gnädiger und bannherziger Gott, du hast gesagt: Rufe mich an in der Noth, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen. Auf diesen gnädigen Befehl komme ich in dieser Stunde auch zu dir, Abba, mein Vater, ich schreie zu dir in meiner Noth, ach, höre doch meine Stimme, und verbirg dich nicht vor meinem Flehen. Gedenke, daß ich dein Kind bin; ach, laß mich doch nicht über mein 48 Seufzer bei und unter der Geburt. Vermögen Schmerzen empfinden; HErr, wenn ich Noth leide, so lindre sie. JEsu, du Sohn Davids, erbarme dich mein, durch deine heilige Geburt und Menschwerdung hilf mir, lieber HErr Gott, stehe mir bei, hilf mir und erfreue mich. Heiliger Geist, du Tröster in aller Noth, sprich meiner Seele den Trost ein, daß ich bald eine fröhliche Kindermutter werden möge. Bringe mein ängstliches Gebet hinauf vor den Thron Gottes, und wenn ich vor Angst nicht beten kann, o IEu, so bitte du für mich; o werter Heiliger Geist, so vertritt du mich bei Gott mit unaussprechlichen Seufzern. O dreieiniger Gott, reiche mir und meinem Kinde deine Hand. Laß uns nicht verderben, noch Schaden leiden. Beweise an uns deine Kraft, so wollen wir rühmen und loben deine Macht, nicht nur in der Sterblichkeit soll dein Ruhm erschallen weit, ich will's auch hernach erweisen und dort ewiglich dich preisen. Laß die Frucht meines Leibes, als dein Geschöpf, in dieser Noth nicht verderben, sondern erhalte sie gnädiglich durch deine Kraft; hilf, daß ich an ihr nichts versäume, sondern sie durch deine Gnade fröhlich erblicken möge. HErr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über mich; HErr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich; HErr Gott Heiliger Geist, erbarme dich über mich! Amen. Ein anderer. Gnädiger und starker Gott, es ist die Stunde da, welche du zu meiner Entbindung bestimmet hast, darum wende ich mich zu dir und schreie; Vater, hilf mir aus dieser Stunde, ln deinem Namen fange ich das Werk an, in deinem Namen will ich es vollenden. HErr, mein Schöpfer, stehe mir bei und stärke mich. JEsu, du Sohn Gottes, der du bist Mensch geboren, bleibe bei mir und erquicke mich. Ach, umfasse mich mit deinen Armen und halte mich. O werter Heiliger Geist, gib mir Geduld und Freudigkeit zu dem Werk, erbarme dich meiner und erfreue mich. O du heilige Dreieinigkeit, Vater, Sohn Sprüche, Seufzer und Gebete in Nöten zu sprechen. 49 und Heiliger Geist, eile, mir beizustehen. Stehe auf, HErr, und hilf mir, sonst verderbe ich. Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, erbarme dich über mich. Christe, du Lamm Gottes, der du trägt die Sünd der Welt, verleihe mir Frieden! Amen. Sprüche, Seufzer und Gebete in Nöten zu sprechen. Der HErr ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn mit Emst anrufen. Er thut, was die Gottesfürchtigen begehren, und höret ihr Schreien, und hilft ihnen. Ps. 145, 18. 19. Ich wende mich von allen Dingen, Und kehre mich zu JEsu Christ: Ich weiß, es wird mir bald gelingen, Weil JEsus nahe bei mir ist; Mein Hoffen ist auf ihn gericht’t, Ich halte ihn und laß ihn nicht. Ich will, wie Jakob, mit ihm ringen, Ich bete, weil er helfen kann; Ich will ihm meine Lieder bringen, Ich greife es mit JEsu an; Ich rufe: HErr, ich laß dich nicht, Bis mir dein Mund den Segen spricht. Ach, mein JEsu, sei jetzt nahe bei mir, und bleibe bei mir, bis du mir geholfen hat; ach, tue doch, was ich begehre, ich begehre aber nichts, als was du mir in deinem Wort verheißen hat, nämlich deine Hülfe. Was betrübest du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hülfe, und mein Gott ist. Ps. 43, 5. Was kränkst du dich, o arme Seel? Sei still und laß das Wanken; Gott, meine Burg, zum Trost ich wähl, Und werde ihm noch danken. Geduld im Leid nur kurze Zeit! Auf Regen scheint die Sonne, Auf Angst kommt Freud und Wonne. 50 Sprüche, Seufzer und Gebete in Nöten zu sprechen. Ach, mein JEsu, ich warte auf dein Heil, ich harre auf deine Hülfe; ach, laß sie mir bald erscheinen, du allein bist meine Hoffnung; ach, erhöre mich, ach, erfreue mich, ach, entbinde mich, so will ich dir danken ewiglich. Der HErr hat dich lassen im Geschrei sein, daß du seiest wie ein verlassen und von Herzen betrübt Weib. ... Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen; aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig von dir verborgen; aber mit ewiger Gnade will ich mich dein erbarmen, spricht der HErr, dein Erlöser. Jes. 54,6-8. Ach JEsu, hilf mir doch; Auf dir steht mein Vertrauen, Ach, laß mich deinen Trost. Mit Freuden bald anschauen. Du bist' s, der Hülfe schenkt, Ja, du bist' s ganz allein; Drum stelle dich doch bald Zu meiner Hülfe ein. Ach, mein Gott, erbarm dich mein, verlaß mich nicht, du bist mein Gott. O barmherziger Gott, meine Augen schauen auf gen Himmel und sehnen sich nach deiner Hülfe. Verbirgdein Angesicht nicht vor mir, deine Gnade stärke mich, deine Hand erhalte mich. Ach HErr, wie lang, wie lange ist dem Herzen bange und verlangt nach dir. Siehe, des HErrn Hand ist nicht zu kurz, daß er nicht helfen könne. Jes. 59, 1. —Gottes Hände sind ohn Ende, Sein Vermögen hat kein Ziel; It's beschwerlich, scheint's gefährlich, Deinem Gott ist nichts zu viel. Ich weiß, mein Gott, daß dir nichts unmöglich ist, dämm vertraue ich auf dich. HErr, recke deine Hand zu mir aus, wie zu dem sinkenden Petro. Deine Hand kann helfen aus allen, in allen und von allen Nöten. Ach HErr, schaue auf mich, ich sehne mich nach deiner Gnade. Sprüche, Seufzer und Gebete in Nöten zu sprechen. 51 Er begehrt mein, so will ich ihm aushelfen; er kennet meinen Namen, darum will ich ihn schützen. Er rufet mich an, so will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Noth, ich will ihn heraus reißen, und zu Ehren machen; ich will ihn sättigen mit langem Leben, und ihm zeigen mein Heil. Ps. 91, 14-16. HErr JEsu Christ, groß ist die Noth, Darin ich mich befinde: väterlich, o guter Gott, Hilf deinem schwachen Kinde; Kein Mensch ist, der mir helfen kann, Und niemand nimmt sich meiner an, Ohn dich bin ich verlassen. Ach, mein JEsu, weil mir niemand helfen kann, als du, so eile mit deiner gnädigen Hülfe herbei. Siehe, ich bin jetzt in der Noth, ach, reiß mich nach deiner Verheißung heraus; ich begehre dein, hilf mir aus; mein Herz hält dir vor dein Wort: ihr sollt mein Antlitz suchen, darum suche ich auch, HErr, dein Antlitz. Es sollen wohl Berge weichen, und Hügel hinfallen; aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HErr, dein Erbarmer. Jes. 54, 10. Was ich nicht kann, das gib du mir, O höchstes Gut der Frommen! Gib, daß mir nicht des Glaubens. Zier Durch Trübsal werd entnommen; Erhalte mich, o starker Hort, Befest"ge mich in deinem Wort, Behüte mich vor Murren. O JEsu, nimm deine Gnade und deinen Heiligen Geist nicht von mir; ach, weiche nicht von mir, stärke mich zu dem Werke und in dem Werke, mit welchem ich jetzt beschäftigt bin. Denke an den Bund, den du in der heiligen Taufe mit mir gemacht. Kraft dieses Bundes bist du mein Vater und ich dein Kind; ach, mein Vater, denk an dein Kind, hilf deinem Kinde, erbarme dich deines Kindes. 52 Sprüche, Seufzer und Gebete in Nöten zu sprechen. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmet, so erbarmet sich der HErr über die, so ihn fürchten. Ps. 103, 13. Weil du mein Gott und Vater bist, Dein Kind wirst du verlassen nicht, Du väterliches Herz; Ich bin ein armer Erdenkloß, Auf Erden weiß ich keinen Trost. Ach mein gnädiger Gott und Vater! Ich weiß keinen Trost und keine Hülfe zu suchen und zu finden, als nur allein bei dir. Darum schreie ich zu dir: ach, hilf mir, mein Vater, erbarme dich über mich, mein Vater, ach, laß dein Vaterherz erweichen, damit ich bald möge erfreuet werden; ach, du kannst es ja, um deiner Barmherzigkeit willen tue es doch. HErr, ich traue auf dich; laß mich nimmermehr zu Schanden werden. Errette mich durch deine Gerechtigkeit, und hilf mir aus, neige deine Ohren zu mir, und hilf mir. Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen möge, der du zugesagt hast mir zu helfen; denn du bist mein Fels und meine Burg. Ps. 71, 1-3. HErr JEsu Christ, ich schrei zu dir. Aus hochbetrübter Seele; Dein Allmacht laßerscheinen mir, Daß mich's nicht länger auäle; Viel größer ist ja Noth und Schmerz, So anficht und betrübt mein Herz, Als daß ich's kann erzählen. Ach HErr, mein Jammer und Elend ist dir gar wohl bekannt. HErr HErr, je mehr die Noth groß wird, desto eifriger will ich um Hülfe rufen; ich will es in meinen Nöten machen, wie mein IEus, welcher da er mit dem Tode rang, heftiger betete. Meine Seele wartet auf den HErm von einer Morgenwache bis zur andern. Ps. 130, 6. Und ob es währt bis in die Nacht. Und wieder an den Morgen, Doch soll mein Herz an Gottes Macht Verzweifeln nicht, noch sorgen. Sprüche, Seufzer und Gebete in Nöten zu sprechen. 53 Mein Gott, das ist und soll auch mein fester Entschluß bleiben, ich will nicht an deiner Hülfe zweifeln, wenn es auch noch so lange währete; wollte der HErr sich ein wenig vor mir verbergen, so wird er sich doch bald aufmachen und mir gnädig sein. Ich winselte wie ein Kranich und Schwalbe, und girrete wie eine Taube; meine Augen wollten mir brechen: HErr, ich leide Noth, lindre mir's. O wie will ich noch reden, daß er mir zugesagt hat, und tut es auch. Jes. 38, 14. 15. Aus der Tiefe rufe ich, Will sonst niemand hören mich. Ach, so hör, o JEsu mein, Du wirst ja der Helfer sein. Die Antwort des HErrn JEsu. In der Höh erhör ich dich; Drückt der Schmerz dich jämmerlich, Macht die Noth dem Herzen bang, Meine Hülfe säumt nicht lang. Ach JEsu, alle meine Hoffnung steht zu dir, als zu meinem starken und mächtigen Helfer; ach, tue, wie du mir zugesagt hat. Mit dir hab ich das Werk angefangen, ach, gib du deinen Segen dazu. Hilf mir und meinem Kinde, laß uns einander fröhlich erblicken, und vor dir leben. HErr, erbarme dich über uns. Meine Augen sehen stets zu dem HErm; denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen. Wende dich zu mir, und sei mir gnädig, denn ich bin einsam und elend. Die Angst meines Herzens ist groß; führe mich aus meinen Nöten. Siehe an meinen Jammer und Elend, und vergib mir alle meine Sünde. Ps. 25, 15-18. Laß mich wiederum empfinden, Mein Gott, deinen Freudenschein, Hilf mich dieser Last entbinden, Lindre dieser Schmerzen Pein; Wirst du mich nicht bald erquicken, Wird die Last mich niederdriicken. Ist mein Seufzen denn 54 Sprüche, Seufzer und Gebete in Nöten zu sprechen. vergebens, Wird mein Beten nicht erhört? Soll ich denn, o Hort des Lebens, Bleiben immerdar beschwert? Laß den Schmerz vorübergehen. Und mich deine Hülfe sehen. HErr JEsu, ich wende mich im Glauben zu dir, ach, komme zu mir, siehe, wie mir so wehe ist, stärke meinen Glauben, erhalte meine Zuversicht, daß ich ja von dir nicht wanke. Ach, tritt du selbst mir zur Seite; HErr, höre mein Gebet, verlaß mich nicht. Ach, it's bald Zeit, daß ich durch deine Hülfe erfreuet werde? Ja, ich komme bald. Amen. Ja, komm, HErr JEsu. Offenb. 22, 20. HErr, wenn du mir nicht helfen wirst, So ist's mit mir verloren; Du bist allein der Lebensfürst, Der uns zu gut geboren. Komm, JEsu, komm, ach komm zu mir! Denn siehe, HErr, die Noth ist hier, Du wirst mich nicht verlassen. Ach, mein JEsu, das ist auch meines Herzens Wunsch und Verlangen, daß du bald kommet. Ach, komm und entbinde mich, komm und erfreue mich, komm und errette mich, komm, laß mich erblicken, was ich zu sehen begehre. Nun, HErr, weß soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich. Höre mein Gebet, HErr, und vernimm mein Schreien, und schweige nicht über meinen Tränen. Ps. 39, 8. 13. Ich weiß, du hast meiner noch nie vergessen, Daß ich mir sollt vor Leid mein Herz so pressen; In meiner Noth Denk ich an Gott, Er wird das Kreuz nach meinen Kräften messen. HErr JEsu, eile zu mir; hilf mir, Gott, mein Helfer, so ist mir geholfen. Ich weiß sonst keinen Rat in dieser Angst und Noth, drum flehe ich zu dir, ach komm, ach komm, ach hilf du mir. Sprüche, Seufzer und Gebete in Nöten zu sprechen. 55 Der HErr gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden. Die auf den HErm harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler, daß sie laufen, und nicht matt werden, daß sie wandeln, und nicht müde werden. Jes. 40,29. 31. — HErr JEsu Christe, Gottes Sohn, Zu dir steht mein Vertrauen, Du bist der rechte Gnadenthron; Wer nur auf dich tut bauen, Dem stehst du bei in aller Noth, Hilft ihm im Leben und im Tod, Darauf ich mich verlasse. Ach HErr, mein Gott, gib mir auch neue Kraft, verleihe mir Muth, Kraft und Stärke deines Heiligen Geistes; ich bin zu schwach, dieses Werk auszuführen, aber in meines Gottes Stärke vermag ich alles. HErr HErr, stärke mich auch dieses Mal, mein Gott, hilffröhlich überwinden. Der Name des HErm sei gelobet. Wo der HErr mir nicht hülfe, so läge meine Seele schier in der Stille. Ich hatte viel Bekümmernisse in meinem Herzen; aber deine Tröstungen ergötzeten meine Seele. Ps. 94, 17. 19. Meine Hülfe kommt vom HErm, Also will ich mich getrosten; Wenn die Hülfe scheinet fern. Und die Noth am allergrößten. Wenn kein Mensch mir helfen kann. So schau ich den Himmel an. HErr, allmächtiger Gott, von dem alle Hülfe kommt, so auf Erden geschiehet, du hast ja gesagt: Rufe mich an in der Noth. Auf deinen Befehl rufe ich und sage: HErr, hilf mir, HErr, erbarme dich, nimmweg die Bekümmernisse und die Sorgen meiner Seele, schenke mir, was ich hoffe, gib mir, was ich bitte. HErr, es stehet in deinen Händen. Wir rühmen uns auch der Trübsale, dieweil wir wissen, daß Trübsal Geduld bringet; Geduld aber bringet Erfahrung; Erfahmng aber bringet Hoffnung; Hoffnung aber läßt nicht zu Schanden werden. Röm. 5,3-5. 56 Sprüche, Seufzer und Gebete in Nöten zu sprechen. Wer hofft in Gott und dem vertraut, Der wird nimmer zu Schanden, Und wer auf diesen Felsen baut, Ob ihm schon kommt zu Händen. Viel Unfall hie, Hab ich doch nie. Den Menschen sehen fallen, Der sich verläßt Auf JEsum fest; Er hilft ein Gläubgen allen. Ach HErr, hilf mir auch nach deiner großen Güte und Barmherzigkeit, ich warte auf deine Hülfe, ich hoffe auf eine fröhliche Entbindung, die stehet bei dir; sieh an mich betrübtes Weib und erfreue mich wieder, laß deine Stunde anbrechen, damit ich mit fröhlichem Munde dir danken möge. Das Gebet der Elenden dringet durch die Wolken, und läßt nicht ab, bis es hinzu komme, und höret nicht auf, bis der Höchste drein sehe. Sir. 35, 21. Ach Gott, erhör mein Seufzen und mein Klagen, Laß mich in meiner Noth nicht gar verzagen; Du weißt den Schmerz, Erkennt mein Herz; Hast du mir's aufgelegt, So hilf mir's tragen. Pflanz nur Geduld durch deinen Geist ins Herz. Und laß mich allzeit schauen himmelwärts, Zu deiner Zeit Wend ab mein Leid; Durch Mark und Bein dringt mir der große Schmerz. HErr, allmächtiger Gott, der du der Elenden Seufzen nicht verschmähest, der du der betrübten Herzen Verlangen nicht verachtet, siehe an unser Gebet, welches wir dir in unserer Noth vortragen, und erhöre uns gnädiglich. Gott, höre mein Gebet, und verbirg dich nicht vor meinem Flehen. Merke auf mich, und erhöre mich, wie ich so kläglich zage und heule. Furcht und Zittern ist mich ankommen, und Grauen hat mich überfallen. Ps. 55, 2.3.6. Hoff, o du arme Seele, Hoff und sei unverzagt, Gott wird dich aus der Höhle, Da dich der Kummer sagt, Mit großen Gnaden rücken, Erwarte nur die Zeit, So wirst du schon erblicken. Die Sonn der schönsten Freud, Sprüche, Seufzer und Gebete in Nöten zu sprechen. 57 Ach HErr HErr, du kannst helfen, denn du bist ein allmächtiger Gott; du willst helfen, du bist ja mein liebreicher Gott und Vater; ach, dämm so erhöre mich, laß leuchten dein Antlitz, so genese ich. Gott spricht: Ich habe dich in der angenehmen Zeit erhöret, und habe dir am Tage des Heils geholfen. Sehet, jetzt ist die angenehme Zeit; jetzt ist der Tag des Heils. 2 Cor. 6, 2. Wenn Trost und Hülfermangeln muß, Die alle Welt erzeiget, So kommt und hilft der Überfluß, Der Schöpfer selbst, und neiget. Die Vateraugen deme zu, Der sonsten nirgends findet Ruh. Gebt unserm Gott die Ehre. Ach HErr, ist deine Stunde noch nicht gekommen? HErr, wie lange willst du mein sogar vergessen? Doch ich weiß, mein Gott vergißt meiner nicht, seine Liebe ist zu groß, sein Herz zu brünstig; ach, um aller deiner Güte willen errette mich. Ach wie lang, wie lange, ist dem Herzen bange, und verlangt nach dir! Laß mein Flehen vor dich kommen; errette mich nach deinem Wort. HErr, mich verlanget nach deinem Heil, und habe Lust an deinem Gesetz. Laß meine Seele leben, daß sie dich lobe, und deine Rechte mir helfen. Ps. 119, 170. 174. 175. Ob sich's anließ, als wollt er nicht, So laß dich gar nicht schrecken, Denn wo er ist am besten mit, Da will er's nicht entdecken; Sein Wort laß dir gewisser sein, Und ob dein Herz spräch lauter Nein, So laß dir doch nicht grauen. HErr, mein Gott, ich will jetzt durch all mein Elend und meine Schmerzen hindurch nur allein auf dich sehen, ich will nicht sehen neben und um mich, denn da find ich schwache Menschen, sondern über mich, gen Himmel, auf 58 Sprüche, Seufzer und Gebete in Nöten zu sprechen. dich, o allmächtiger Gott! Ach, laß deine Gnade mir beistehen und deinen Arm mir aushelfen; hilf du mir, o Gott meines Heils, so ist mir geholfen. Ich will ihr Trauern in Freude verkehren, und sie trösten, und sie erfreuen nach ihrer Betrübnis. Jer. 31, 13. Er wird zwar eine Weile. Mit seinem Trost verziehn Und tun an einem Teile, Als hätt in seinem Sinn Er deiner sich begeben. Und solltst du für und für In Angst und Nöten schweben, Fragt er doch nichts nach dir. Wird's aber sich befinden, Daß du ihm treu verbleibt, So wird er dich entbinden, Da du's am mindsten gläubt; Er wird dein Herze lösen. Von der so schweren Last, Die du zu keinem Bösen. Bisher getragen hat. Ach, mein Gott, entbinde mich auch von meiner Last, verzeuch doch nicht länger mit deiner Hülfe, verkehre mein Trauern in Freude und erfreue mich mit einer fröhlichen Geburt nach meiner Betrübnis. Bei Gott ist mein Heil, meine Ehre, meine Zuversicht ist auf Gott. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe kommt. Meine Hülfe kommt vom HErrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ps. 121, 1.2. Denn Gott verläßt ja keinen. Der sich auf ihn verläßt. Er bleibt getreu den Seinen, Die ihm vertrauen fest; Läßt sich's an wunderlich, Laß du dir gar nicht grauen, Mit Freuden wirst du schauen, Wie Gott wird retten dich. HErr, dreieiniger Gott, ich habe alle meine Hoffnung auf dich gestellt, nach dir sehne ich mich. HErr Gott Vater, erbarme dich mein und meines Kindes! HErr JEsu, stärke mich und stehe mir bei! O Heiliger Geist, erquicke mich mit dem Trost, daß ich bald erfreuet, entbunden, erquicket, bald Hülfe erlangen werde! Dreieiniger Gott, erbarm dich mein! Sprüche, Seufzer und Gebete in Nöten zu sprechen. 59 Die Weissagung (die Verheißung der göttlichen Hülfe) wird ja noch erfüllet werden zu seiner Zeit, und wird endlich frei an Tag kommen, und nicht außen bleiben. Ob sie aber verzeucht, so harre ihrer; sie wird gewißlich kommen, und nicht verziehen. Hab. 2, 3. Von Gott will ich nicht lassen, Denn er läßt nicht von mir, Führt mich auf rechter Straßen, Da ich sonst irrte sehr. Reichet mir seine Hand; Den Abend als den Morgen Thut er mich wohl versorgen, Sei, wo ich woll, im Land. Ach ja, mein Gott, ich lasse dich nicht, du segnet mich und helfest mir denn. Laß doch auf den Verzug deiner Hülfe die fröhliche Hülfestunde anbrechen. Indessen will ich anhalten mit Seufzen und Beten, und sagen: HErr JEsu, hilf siegen! HErr JEsu, hilf ringen! Meine Entbindung, mein Leben und meine Hülfe stehet in deinen Händen. HErr, wie lange willst du mein jo gar vergessen? Wie lange verbirgest du dein Antlitz vor mir? Wie lange soll ich sorgen in meiner Seele, und mich ängsten in meinem Herzen täglich? ... Schaue doch, und erhöre mich" HErr, mein Gott. Ps. 13, 1-3. Ach, wann wirst du dich erbarmen Über meine schwere Pein? Wann wirst du mir gnädig sein? Ach, wann wirst du mich umarmen? Ach, mein Gott, wie lang, wie lang, Soll mir ein so angst und bang? Ach, mein gnädiger und barmherziger Gott, da deine Hülfe verzieht, ist mir angst, aber ich will doch nicht verzagen. Du bist mein Vater und ich dein Kind. Ach, verbirg dein Angesicht nicht länger vor mir. Sprich nur ein Wort, so werde ich genesen; denn wenn du sprichst, so geschieht' s, und wenn du gebeutst, so steht's da. HErr, erhöre mich gnädiglich. 60 Sprüche, Seufzer und Gebete in Nöten zu sprechen. HErr, du bist die Hoffnung Israel.... Heile du mich, HErr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen: denn du bist mein Ruhm. Sei du mir nur nicht schrecklich, meine Zuversicht in der Noth. Jer. 17, 13. 14. 17. Wo soll ich mich denn wenden hin? Zu dir, HErr JEsu, steht mein Sinn; Bei dir mein Herz Trost, Hülf und Rat Allzeit gewiß gefunden hat; Niemand jemals verlassen ist, Der sich verläßt auf JEsum Christ. O mein JEsu, alle meine Hoffnung stehet jetzt zu dir und zu deiner Allmacht; hilf mir, mein Heiland, bald, wenn es dein heiliger Wille ist; hilf mir, daß ich mich über deine Hülfe freuen kann. O wie will ich deinen Namen rühmen und dir lobsingen, wenn du mich herrlich erlöset hast! Meine Zuversicht stehet im Namen des HErrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Ich hoffe aber darauf, daß du so gnädig bist; mein Herz freuet sich, daß du so gerne hilfest. Ich will dem HErrn singen, daß er so wohl an mir thut. Ps. 13, 6. Bin ich zu schwach, laß deine Treu Mir an die Seite treten; Hilf, daß ich unverdroffen sei. Zum Rufen, Seufzen, Beten. So lang ein Herze hofft und gläubt. Und im Gebet beständig bleibt, So lang ist' s unbezwungen. O du getreuer Heiland und liebreicher Menschenfreund, mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlitz suchen; darum such ich auch, HErr, dein Antlitz; ich weiß, du kannst helfen und hilft auch gern, darum hoffe ich auf dich, ich hoffe von einem Augenblick zum andern. Ach Gott, laß es jetzt Zeit sein. HErr, hilf mir nach deiner Barmherzigkeit. Indessen stehet meine Hoffnung auf dich fest. Mein Vermögen ist dahin, und meine Hoffnung am HErrn. Gedenke doch, wie ich so elend und verlassen, mit Wermut und Galle getränket bin. Du wirst ja daran Sprüche, Seufzer und Gebete in Nöten zu sprechen. 61 gedenken, denn meine Seele sagt mir's. Das nehme ich zu Herzen, darum hoffe ich noch. Klagl. 3, 18-21. Wollte mich der HErr auch tödten, Läset ihn mein Herz doch nicht; Er hilft mir aus allen Nöten, Er bewahrt mein Lebenslicht; Ob er sich schon anders stellt Und bei sich verborgen hält, Der mir Leib und Seel geschenket, Der ist's, der jetzt an mich denket. Ach ja, mein Gott denket an mich, darum spreche ich: Der HErr denkt an mich und segnet mich, er lässet ein Angesicht leuchten. Ist gleich mein Vermögen nicht groß, ist bei mir keine Kraft zu gebären, so habe ich doch bei und in Gott Kraft und Stärke. Ich werde doch meine Lust an deiner Hülfe sehen. Du lässest mich erfahren viel und große Angst, und macht mich wieder lebendig, und holet mich wieder aus der Tiefe der Erde herauf. Du machst mich sehr groß, und tröstet mich wieder. Ps. 71,20. 21.0 Vater, sieh mich gnädig an, Damit ich nicht vergehe; Du weißt wohl, was ich tragen kann, Wie's um mein Leben stehe; Auf dich, o Helfer, nur allein Kann stets mein Trost gerichtet sein, Ohn dich bin ich verloren. Ach Gott, willst du mich große Angst und Schmerzen erfahren lassen, ach, so greif mich nur nicht zu heftig an; du weißt mein Vermögen, meine Kraft ist dir nicht verborgen. O darum erquicke mich; wenn ich sinke, so hebe mich, wenn ich ohnmächtig werde, so labe mich, wenn ich müde werde, so stärke mich. HErr, Gott meines Lebens, erhalte mir und meinem Kinde das Leben, dafür soll dein Name ewiglich gerühmet und gepriesen werden. Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher, und fürchte mich nicht; denn Gott der HErr ist meine Stärke, und mein Psalm, und ist mein Heil. Lobsinget dem HErrn, 62 Sprüche, Seufzer und Gebete in Nöten zu sprechen. denn er hat sich herrlich beweiset; solches sei kund in allen Landen. Jes. 12, 2. 5. Und weil ich ja nach deinem Rat Hier soll ein wenig leiden, So laß mich auch in deiner Gnad Als wie ein Schäflein weiden; Daß ich im Glauben die Geduld. Und durch Geduld die edle Huld. Nach schwerer Noth erhalte. Achja, mein Gott, das ist mein Trost, daß mein Leben endlich ein gutes und fröhliches Ende nehmen wird, darum weil du meine Stärke, mein Nothhelfer und Erretter bist; habe ich Gott bei mir, so habe ich eine gewisse Errettung. Darum will ich stille ein und hoffen, durch Stille ein und Hoffen werde ich stark sein. Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christum. Sei nicht ferne von mir; denn Angst ist nahe; denn es ist hie kein Helfer. Meine Kräfte sind vertrocknet wie ein Scherben, und meine Zunge klebet an meinem Gaumen. Ps. 22,12. 16. Hast du denn, JEsu, dein Angesicht gänzlich verborgen, Daß ich die Stunden der Nächte muß warten bis Morgen? Wie hast du doch, Süßester, können annoch Bringen die traurigen Sorgen?- Mußt du denn, Liebste, dich also von Herzen betrüben, Daß ich ein wenig zu lange bin außen geblieben; Weißt du denn nicht, Wie dir mein Herz es verspricht, Dich stets und ewig zu lieben? Ja, deine Liebe und Treue, mein JEsu, ist der Grund meiner Hoffnung und Zuversicht; du hast mich je und je geliebet, und kraft deiner Liebe mir oftmal geholfen und mich errettet; darum hoffe ich, du werdet auch dieses Malmich erquicken. Obgleich meine Noth groß ist, meine Hülfe noch fern scheinet, und von Mattigkeit meine Zunge am Gaumen klebt, so ist doch in dem allen mein Herz auf dich gerichtet, du wirst mich doch noch fröhlich von allem Leiden erretten. Das glaub ich, das weiß ich; ach HErr, stärke mir Glauben und Zuversicht. Sprüche, Seufzer und Gebete in Nöten zu sprechen. 63 Die Güte des HErrn ist, daß wir nicht gar aus sind; seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende; sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß. Der HErr ist mein Teil, spricht meine Seele, darum will ich auf ihn hoffen. Klagl. 3, 22-24. - Sollt es gleich bisweilen scheinen, Als wenn Gott verließ die Seinen, Ei so glaub und weiß ich dies: Gott hilft endlich doch gewiß. Hülfe, die er aufgeschoben. Hat er drum nicht aufgehoben; Hilft er nicht zu jeder Frist, Hilft er doch, wenn's nötig ist. Ach, mein gnädiger Gott, deine Güte ist bei mir nicht nur alle Morgen, sondern alle Augenblicke neu, du stärkest und erhältst mich augenblicklich. Wie könnte ich ohne dich dieses alles verrichten, dein Aufsehen bewahret meinen Odem, du stärkest Haupt und Hände. Darum bin ich nicht verlassen, Gott weichet nicht von mir, und ich weiche auch nicht von Gott. Darum wird auch meine Hülfestunde bald hereinbrechen, weil ich den bei mir habe, von dem alle Hülfe kommt. Erhöre mich, wenn ich rufe, Gott meiner Gerechtigkeit, der du mich tröstet in Angst; sei mir gnädig, und erhöre mein Gebet. Erkennet doch, daß der HErr seine Heiligen wunderlich führet; der HErrhöret, wenn ich ihn anrufe. Ps. 4, 2.4. Seigetreu in deinem Hoffen. Hilft gleich Gott nicht, wie du willt, Er hat bald ein Mittel troffen. Daß dein Wünschen werderfüllt. ... Drum getreu, getreu aushalten Mußt du deinem lieben Gott; Ihn mußt du nur lassen walten, Wenn du nicht willt haben Spott. Rufe nur, Gott ist schon hier, Sein Herz bricht ihm gegen dir; Rufe nur, Gott ist vorhanden, Hoffnung macht ja nicht zu Schanden. Ach, mein Gott, ich weiß, daß du mich allezeit erhörest, darum will ich dir vertrauen in meiner schweren Zeit; 64 Sprüche, Seufzer und Gebete in Nöten zu sprechen. wenn harte Stürme kommen, so will ich dir getreu aushalten. Führest du mich wunderlich, so führe mich nur selig; ich weiß, du bist und stehet neben mir, ob du gleich dich mit deiner Hülfe noch nicht offenbaret; ich spreche indessen im Glauben: Eile mir beizustehen, HErr, meine Hülfe! Der HErr ist freundlich dem, der auf ihn harret, und der Seele, die nach ihm fraget. Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hülfe des HErrn hoffen. Klagl. 3, 25. 26. Ich weiß, du wirst in deinem Sinn. Stets Mitleid mit mir haben. Und mich, wie ich's bedürftig bin, Mit Gnad und Hülfe laben. Ach, stärke meine schwache Hand, Ach, bring in bessern Stand. Das Straucheln meiner UR2, Ja, mein Gott, auf dich harret meine Seele, und mein Vertrauen wanket nicht. Du freundlicher JEsu, erquicke mich mit deiner Freundlichkeit in meinen Nöten, richte auf die wankenden Füße, stärke die matten Hände; ich hoffe auf deine Güte, ich warte auf dein Heil, ich tröste - mich deiner Gnade! 0 du Gott aller Gnaden, der du uns tröstet in Angst, laß mir Barmherzigkeit widerfahren. Ich rufe zu dir, daß du, Gott, wollest mich erhören; neige deine Ohren zu mir, höre meine Rede. Beweise deine wunderliche Güte, du Heiland derer, die dir vertrauen. ... Behüte mich wie einen Augapfel im Auge; beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel. Ps. 17, 6-8. Zeuch mich, zeuch mich mit den Armen Deiner großen Freundlichkeit; JEsu Christe, dein Erbarmen Helfe meiner Blödigkeit. Wirst du mich nicht zu dir ziehen. Ach, so muß ich von dir fliehen. Zeuch mich mit den Liebesjeilen, Zeuch mich kräftig, o mein Gott! Ach, wie lang Sprüche, Seufzer und Gebete in Nöten zu sprechen. 65 willst du verweilen, Starker Gott, Herr Zebaoth? Doch ich hoff in allen Nöten, Wenn du mich gleich wolltest tödten. Ach HErr, bewahre vor Unglück mich und mein Kind, bedecke uns beide mit deinen Gnadenflügeln, höre mein Seufzen und hilf mir. Werden die Nöthe noch heftiger, so laß auch kräftigere Hülfe erscheinen; ich vertraue dir dennoch, ob es gleich scheinet, als ob du mich tödten wolltest. Odeine Hand ist nicht verkürzt, ich sehe nicht auf mein Unvermögen, sondern auf dich gnädigen, starken und barmherzigen Gott. Gott verletzet, und verbindet; er zerschmeißet, und seine Hand heilet. Aus sechs Trübsalen wird er dich erretten, und in der siebenten wird dich kein Übel rühren. Hiob 5, 18. 19. Bald wird mir Hülfe werden; Was soll der feige Muth? Nachdem ich, was auf Erden, Erlitten, wird es gut. Dann werd ich fröhlich singen: Auf Gott hab ich gebaut, Drum muß es mir gelingen; Wohl dem, der Gott vertraut. Ach Gott, die vorige so oftmal mir geleistete Hülfe macht mir Muth, daß du auch dieses Mal werdet mein Gott, Erretter und Beistand sein. Du bist ja noch so stark, als du vormals gewesen; hast du so vielen geholfen, so beweise auch an mir deine Güte; so soll nach der Hülfe mein Mund voll Rühmens sein, und ich will sagen: Das hat Gott getan, der Name des HErrn sei gelobet! Der HErr, dein Gott, ist ein barmherziger Gott; er wird dich nicht lassen, noch verderben, wird auch nicht vergessen des Bundes, den er deinen Vätern geschworen hat. 5 Mos. 4, 3 1 . JEsu, mein Erretter, siehe, Wie oft ich in Nöten bin; Ach, du bist's, zu dem ich fliehe, Sonsten weiß ich 66 Sprüche, Seufzer und Gebete in Nöten zu sprechen. nirgends hin; Darum fürchtich keine Noth, Keine Schmerzen, Kreuz und Tod; Aus den größten Leidensketten Weiß mein JEsus mich zu retten. Ach, mein Vater, gedenke an den Bund, den du mit mir in der heiligen Taufe gemacht hast, gedenke, daß du mein Vater bist, und ich dein Kind. JEsu, gedenke daran, daß du mich gewaschen und gereiniget hat mit deinem heiligen Blute; zu dir flieh ich, und flehe dich um Hülfe in meinen Nöten an, ach, errette mich! ach, erquicke mich! ach, erfreue mich! Der HErr verstößt nicht ewiglich; sondern er betrübet wohl, und erbarmet sich wieder nach seiner großen Güte: Denn er nicht von Herzen die Menschen plaget und betrübet. Klagl. 3, 3 1-33. Nicht bessere Treu auf Erden ist. Denn nur bei dir, HErr JEsu Christ; Ich weiß, daß du mich nicht verläßt. Dein Trostwort bleibt mir ewig fest; Du bist mein rechter, treuer Hirt, Der ewig mich behüten wird. Ach ja, mein Hirt wird ein Schäflein, und mein Vater sein Kind nicht verlassen; hast du mich betrübet, mein Gott, ach, so erfreue mich auch wieder, hast du mir den Segen gegeben, so laß mich ihn auch erblicken; lege mein Kind, o JEsu, mir lebendig in meine Arme, ich will es dir durch die heilige Taufe wieder in deine Liebesarme legen, und dir wiedergeben, was du mir geschenket hat; ist es mein nach der Natur und leiblichen Geburt, so soll es dein werden nach der Wiedergeburt. Gelobet sei der HErr täglich. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. Sela. Wir haben einen Gott, der da hilft, und den HErm HErrn, der vom Tode errettet. Ps. 68,20. 21. Schickt er mir ein Kreuz zu tragen, Dringt herein Angst und Pein, Sollt ich drum verzagen? Der es schickt, Sprüche, Seufzer und Gebete in Nöten zu sprechen. 67 der wird es wenden; Er weiß wohl, Wie er soll All mein Unglück enden. HErr, du hast diese Last mir aufgelegt, ach, nimm sie mir auch wieder ab; du bist ja der Helfer und die Zuflucht aller Gläubigen. O wie leicht ist es dir, mich zu entbinden, die Bande zu lösen, die Thür aufzutun; bei dir ist nichts unmöglich, laß mich in diesem Vertrauen auf dich beständig bis zur Stunde meiner Erlösung verharren. Rufe mich an in der Noth; so will ich dich erretten, so sollst du mich preisen. Ps. 50, 15. Ach HErr, wie reichlich tröstest du, Die gänzlich sind verlassen! Die Gnadentür ist nimmer zu, Vernunft kann das nicht fassen; Sie spricht: Es ist nun als verlom, Da doch das Kreuz hat neugeborn, Die deiner Hülfe warten. Ach, mein Gott, ich warte auf deine Hülfe, ich bin ohne dich gänzlich verlassen, darum rufe ich dich an in meiner Noth, errette mich, erhöre mich, erbarme dich, ach, tröste mich mit deiner Hülfe, und der freudige Geist enthalte mich. Ich will, HErr, rufen zu dir; dem HErm will ich flehen. HErr, höre, und sei mir gnädig; HErr, sei mein Helfer. Ps. 30, 9. 1 1. Er kennt die rechten Freudenstunden, Er weiß wohl, wann es nützlich sei; Wenn er uns nur hat treu erfunden Und merket keine Heuchelei, So kommt Gott, eh wir's uns versehn, Und lässet uns viel Guts geschehn. Ach ja, HErr JEsu, laß deine Hülfestunde bald erscheinen, deiner wart ich mit Verlangen. Indessen will ich seufzen und flehen, du wirst mich erhören, und mir nach deiner Verheißung aushelfen. 68 Die Wöchnerin danket Gott für ihre glückliche Entbindung. HErr HErr, sei du mit mir, um deines Namens willen; denn deine Gnade ist mein Trost, errette mich. Stehe mir bei, HErr, mein Gott; hilf mir nach deiner Gnade. Ps. 109,21. 26. Auf meinen lieben Gott Trau ich in Angst und Noth, Der kann mich allzeit retten. Aus Trübsal, Angst und Nöten, Mein Unglück kann er wenden, Steht als in seinen Händen. Dies ist mein Trost in allen meinen Leiden, daß Gott bei mir ist, der mächtige Schutzherr seiner Kinder. Dem empfehle ich mich, der wird's wohl machen. (Sollte es zum Sterben ein Ansehen gewinnen, so wären im täglichen Handbuch die Sprüche, Gebete und Seufzer bei Sterbenden nachzuschlagen.) Andachten für Wöchnerinnen. Die Wöchnerin danket Gott für ihre glückliche Entbindung. Aufmunterung. „Ein Weib, ... wenn sie das Kind geboren hat, denket nicht mehr an die Angst um der Freude willen, daß der Mensch zur Welt geboren ist“; also sagt der Mund der Wahrheit, Christus (Joh. 16, 21.). Dieses läßt auch Gott gottselige Ehefrauen empfinden, daß sie nach der glücklichen Entbindung alles Trauern unterlassen und Gott hochpreisen. Sie sollen Gottpreisen 1) für seine Allmacht, die sie erhalten, und für den Beistand, den er ihnen geleistet hat, indem sie gestehen müssen, daß ohne Gottes besondere Hülfe all ihr Bemühen wäre vergebens gewesen. Sie sollen 2) Gottes Gnade rühmen, daß er Die Wöchnerin danket Gott für ihre glückliche Entbindung. 69 ihre Geburtsschmerzen abgekiirzet und gelindert hat. Sie sollen 3) Gott danken, daß er sie ihr Kind mit Freuden hat erblicken lassen, oder so es ja todt wäre, daß es Gott zur ewigen Freude und Herrlichkeit aufgenommen, und ihm nach seiner Barmherzigkeit für das irdische Leben das himmlische Freudenleben gegeben habe. Sie sollen 4) die ihnen von Gott geschenkte Ruhe durch Vorwitz oder Geiz, oder unnötiges Umhergehen und Bemühungen nicht brechen, sondern dieselbe genießen und annehmen. Denn wenn manche Kindbetterinnen in den ihnen von Gott bestimmten Ruhetagen sich oftmals wollen groß machen mit Aus- und Eingehen, so fallen sie in gefährliche Krankheiten, bekommen beschwerliche Leibeschäden, unglückliche Zufalle, und dann mögen sie es sich selbst und ihrem Vorwitz zuschreiben und den Schaden tragen, daß sie haben weiter sein wollen als Gott, der ihnen eine Ruhe geordnet und für nötig erachtet hat, sie aber dieselbe für unnötig gehalten und verachtet haben. Daher auch die Ehemänner ihre Eheweiber in solcher Ruhe nicht stören, sondern Gottes Ordnung, welcher den Sechswöchnerinnen befohlen, 3 Mos. 12, daheim zu bleiben und sich zu erholen, treulich nachkommen, und sie zu keiner Arbeit anstrengen, oder vor der Zeit ihr Wochenbett zu verlassen nötigen sollen. Auch sollen die Wöchnerinnen 5) Gott täglich anrufen, er wolle sie und ihr Kind vor allem Übel und Unfall bewahren, und also sich und dasselbe in fleißgem Gebet Gott empfehlen. Endlich sollen sie 6) auch Gott um Gesundheit und neue Kräfte bitten, daß er nach Erlangung derselben sie einen fröhlichen Aus- und Kirchgang wolle halten lassen. Gebet. Allmächtiger, großer und starker Gott, ich erscheine allhier mit Freuden vor deinem allerheiligsten Angesicht, und lobe dich für die herrliche und große Wohltat, damit du mich begnadigt hat. Ich preise dich, daß du meine 70 Die Wöchnerin danket Gott für ihre glückliche Entbindung. Geburtsschmerzen gelindert, mich fröhlich entbunden, und in der Geburt deine Hand über mich gehalten hat. HErr, wie groß ist deine Allmacht, wie herrlich ist deine Stärke! Du hieltet mich, da ich sinken wollte, du erquicktest mich, wenn ich schwach und ohnmächtig werden wollte, du stärktest mich, wenn alle Kräfte dahin waren. Ja, du hast alles herrlich ausgeführet, mein Kind mir geschenket, mein Leben mir erhalten, alles Unglück abgewendet und mich nun nach Wunsch erfreuet. Lobe den HErm, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den HErm, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat. Der HErr hat Großes an mir getan, des bin ich fröhlich. Gelobet sei der HErr, denn er hat erhöret die Stimme meines Flehens; der HErr ist meine Stärke und mein Schild, auf ihn hoffet mein Herz; mir ist geholfen, mein Herz ist fröhlich, und ich will ihm danken mit meinem Liede. Danket dem HErrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich; so jaget, die ihr erlöset seid durch den HErm, denn seine Güte währet ewiglich, die er aus Noth erlöset hat, und die zum HErm riefen in ihrer Noth, und die er errettet aus ihren Ängsten, die sollen dem HErm danken um seine Güte und um seine Wunder, die er an den Menschenkindern thut, und Dank opfern, und erzählen sein Werk mit Freuden. Ja, mein Gott, ich erzähle heute dein Werk mit Freuden, und sage: Wie soll ich dem HErm vergelten alle Wohltat, die er an mir getan hat? Ach, mein Gott, laß auch ferner deine Barmherzigkeit an mir groß werden, beschütze, stärke und erhalte mich auch in diesem meinem Wochenbette. Ach, bewahre mich und mein Kind vor allem Unfall, vor Krankheiten und sonstigen gefährlichen Zufällen. Schenke mir meine verlorenen Kräfte bald wieder, und laß mich jeden Tag stärker werden. O du Gott aller Gnade und Barmherzigkeit, breite deine Gnadenflügel aus über mein Haus, bewahre es vor Feuers- und Wassersnoth, über mein Wochenbette, und laß mich Die Wöchnerin danket Gott flir ihre glückliche Entbindung. 71 darin gesund meine Zeit im Gebet und in deiner Furcht hinbringen. Mein Kind aber wollest du zu deinem Preis und zu deinem Ruhm erhalten, und mir Gnade verleihen, daß ich dereinst mit erneuerten Leibeskräften und guter Gesundheit meinen Kirchgang halten, in deinem Tempel erscheinen und vor deinem Angesicht mein freudiges Lob- und Dankopfer abstatten möge. Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge tut an uns und allen Enden, der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel zu gut und noch jetzund getan. Amen. Gesang. Mel.: Nun freut euch, lieben Christen g'mein. 1. Gelobet sei der große Gott, Der Hülfe mir gesendet, Der meine große Angst und Noth Hat gnädig abgewendet, Der mein betrübt Geschrei erhört. Und meine Bitte mir gewährt. Lobt eine Gnad und Güte! 2. Er ist in dieser Leidenszeit. Mein Beistand recht gewesen, Durch eine große Gütigkeit Bin ich nunmehr genesen; Ach, sehet Gottes Wunder an, Wie er so herrlich helfen kann. Lobt seine Gnad und Güte! 3. Wie war mir doch so angst und bang, Doch wurd ich nicht verlassen; Es däuchte mir die Zeit zu lang, Als wir in Nöten saßen; Nun ist verkehrt die Noth in Freud, Die Traurigkeit in Süßigkeit. Lobt seine Gnad und Güte! 4. Ja, eine starke Gotteshand. Hab ich jetzt recht gespüret; Als Menschenhülfe gar verschwand, Hat Gott das Werk geführet. Schnell fand sich eine Hülfe ein Und tränkte mich mit Freudenwein. Lobt seine Gnad und Güte! 5. Darum will ich zu keiner Zeit, O großer Gott, vergessen, Daß ich in meiner Angst und Leid. In deinem Schooß gesessen; Ich saß in deinem Schooße wohl. Und war auf dich Vertrauensvoll. Lobt seine Gnad und Güte! 72 Die Wöchnerin betet ihr Morgengebet. 6. Gott sei gelobet und gepreist. Die Noth ist nun verschwunden; Der alle Bande leicht zerreißt, Der hat mich auch entbunden. O großer Gott, ich danke dir; So danket, danket Gott mit mir. Lobt seine Gnad und Güte! 7. Ja, ich will nun mit Lob und Preis. Die Zeit mit Gott hinbringen, Hinfliro auch mit allem Fleiß Die große Gnad besingen. Ich will ihn loben, wo ich geh, Ich will ihn loben, wo ich steh. Lobt seine Gnad und Güte! 8. O großer Gott, ich danke dir Für dein getreues Lieben, Daß du so gnädiglich bei mir. In meiner Noth geblieben, Und nunmehr mich davon befreit. Dir sei Lob, Preis in Ewigkeit. Lobt seine Gnad und Güte! Die Wöchnerin betet ihr Morgengebet. Aufmunterung. Sollbeten und Gott anrufen die tägliche Arbeit eines jeden frommen Christen sein, wie vielmehr soll eine Sechs Wöchnerin mit Gebet den Tag anfangen und schließen; sonderlich, da in diesem Stande ihr und ihrem Kinde so vielerlei begegnen kann. Wenn sie aber sich und ihr Kind in die Hand Gottes empfohlen hat, so kann sie auch desto getroster auf die göttliche Hülfe sich verlassen. Es soll demnach eine Sechswöchnerin am Morgen 1) Gott danken flir die verliehene Nachtruhe, und wenn dieselbe ohne zurückgebliebene Schmerzen vollbracht ist, soll sie 2) sich und ihr Kind Gott übergeben und anbefehlen, daß er sie behüten, segnen und bewahren wolle. Sie soll auch 3) mit guten Gedanken den Tag hinbringen und die bestimmte Ruhe mit Danksagung genießen. Und so ja noch Beschwerlichkeiten übrig wären, welche sich nach der Geburt einzufinden pflegen, so soll die 4) dieselben mit Geduld ertragen, und glauben, daß der Gott, der so herrlich die aus den Nöten gerissen, das übrige Wehe auch in Gnaden abwenden werde. Die Wöchnerin betet ihr Morgengebet. 73 Gebet. O du gnadenreicher Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, ich erhebe in dieser Morgenstunde zu dir mein Herz, meinen Mund und meine Hände, und danke dir für den gnädigen Schutz, den du mir diese Nacht geleistet hat. Dein Engel hat um mein Bette gewacht, daß mich kein Unfall gerühret; du hast mich und mein Kind bewahret, und mich diesen Morgen fröhlich wieder die liebe Sonne erblicken lassen. HErr HErr, wie groß ist deine Güte, welche alle Morgen neu ist! Deine Gnade hat mich die Nacht umgeben, dein Schutz ist um mich gewesen, und deine Barmherzigkeit hat mich bedecket, daß ich unbeschädigt bin erhalten worden. Nun, das hat Gott getan, das ist ein Werk seiner Liebe und Treue. Darum auf, mein Geist und meine Seele, und lobe den HErrn, der dir so viel Gutes getan hat. HErr HErr, du bist immerdar und auch diese Nacht mein Beistand gewesen, du hast deine Hand über mich gehalten, ich habe erfahren, wie gnädig, wie stark, wie allmächtig, wie liebreich und gütig du seiest. HErr HErr, ich will nimmermehr vergessen, was du mir Gutes getan hat. Ich will den HErm loben allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein, meine Seele soll sich rühmen des HErm, daß die Elenden es hören und sich freuen. Preiset mit mir den HErm, und lasset uns mit einander einen Namen erhöhen. Da ich den HErm suchte, antwortete er mir, und errettete mich aus aller meiner Furcht; da ich Elende rief, hörete der HErr, und half mir aus allen meinen Nöten. Damm soll auch mein Mund voll Rühmens sein, und mein Herz soll ihm danken, ja, ich will mit gefalteten Händen eine Gnade preisen. Aber ach, HErr HErr, laß mich auch diesen Tag deinem gnädigen Vaterschutz befohlen sein. Ich befehle dir meinen Leib und meine Seele; ach, bewahre meine Seele und mein Gemüt vor schweren Gedanken, Angst und Betrübnis, laß hingegen deinen Heiligen Geist in meinem Herzen 74 Die Wöchnerin betet ihr Morgengebet. wohnen, dasselbe heiligen, mit himmlischem Trost und mit Freude erfüllen, damit ich den Tag in deiner Furcht, mit innerlichem Seelenvergnügen in der Liebe JEsu und in kindlicher Zufriedenheit möge hinbringen. Schenke aber auch meinem Leibe wieder die verlorenen Kräfte, vermehre sie alle Tage, und bringe mich bald wieder zur völligen Gesundheit. Wende von mir ab alle Schmerzen, Zufalle, Krankheiten und alles Unglück, und lindere das Leiden, das du mir nach deiner Weisheit noch auflegen wirt; erhalte auch mein Kind nach deiner Gnade, und laß es wachsen und gedeihen zu deinem Preis. Nun, dreieiniger Gott, ich befehle mich dir ganz und gar. HErr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über mich, sei mir und meinem Kinde gnädig, vergib mir meine Sünden, segne mich und bewahre mich vor allem Übel. HErr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über mich, sei mein Fürbitter, mein Fürsprecher, mein JEsus, mein Seligmacher, und laß deine Gnade, wie einen kühlen Thau, diesen Tag mich erquicken; stehe mir bei, stärke mich und erhalte mich. HErr Gott Heiliger Geist, erbarme dich über mich, bete in mir, und gib Zeugnis meinem Geiste, daß ich wahrhaftig ein Kind Gottes sei. Nun, der HErr segne mich und behüte mich; der HErr erleuchte sein Angesicht über mich, und sei mir gnädig; der HErr erhebe sein Angesicht auf mich, und gebe mir Frieden. Und der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle Vernunft, der bewahre mein Herz, Seele und Sinn, in Christo JEsu, unserm HErrn. Amen. Gesang. Mel.: Wach auf, mein Herz, und singe. 1. Die Nacht ist nun verschwunden, Es hat sich eingefunden. Das Licht, der Tag, die Sonne. Und JEsus, meine Wonne. 2. Mein JEsus war mir nahe, Als ich die Sonn nicht sähe; Er ist mir noch zugegen. Und gibt mir einen Segen. Die Wöchnerin betet ihr Morgengebet. 75 3. Ich bin beschützt geblieben, Das Unglück ist vertrieben, Ich habe anft geschlafen. Bei seiner Engel Waffen. 4. Kein Leid hat mich verletzet. Sein Trost hat mich ergötzet, Mich hat kein traurig Schrecken. Vom Schlafe dürfen wecken. 5. Ich danke dir von Herzen, Daß du Gefahr und Schmerzen. So gnädig abgewendet. Und deine Hülf gesendet. 6. Ich lag in deinen Armen, Ich schlief, und dein Erbarmen Läßt jetzo mich auch sehen. Ein neues Wohlergehen. 7. Wie kann ich gnug am preisen, Wie soll ich Dank erweisen. Dem, der mir Heil und Leben. Bis hieher hat gegeben? 8. Der Tag hat angefangen; Mein JEsu, mein Verlangen, Laß mich in deinem Segen Ihn auch zurücke legen. 9. Kommt Kreuz, so komm geschwinde, Hilf mir und meinem Kinde, Laß beide uns gedeihen. Und uns in dir erfreuen. 10. O JEsu, meine Freude, O meiner Seele Weide, Laß mich in allen Dingen. Mit dir den Tag hinbringen. 11. Wenn ich will vor dich treten, Ach, so erhör mein Beten, Regiere meine Sinnen, Beglücke mein Beginnen. 12. Ach, stärke meine Glieder, Gib mir die Kräfte wieder, Laß mich erfreut ausgehen. Und deinen Altar sehen. 13. Bewahre mich vor Sünden, Und laß mich Gnad empfinden, Wenn ich das Leid dir klage, Das ich noch an mir trage. 14. Zu jeder Tagesstunde Will ich mit Herz und Munde, Mit dankbarem Gemüte Erzählen deine Güte. 15. Ist nun der Tag verflossen, Darin ich hab genossen. Den Schutz, der mich umgeben. Und mir erhält mein Leben; 16. So will ich dir lobsingen. Und mein Lobopfer bringen, Und deinen großen Namen. Von Herzen preisen. Amen. 76 Die Wöchnerin betet ihr Abendgebet. Die Wöchnerin betet ihr Abendgebet. Aufmunterung. Als dort die zween Jünger JEsum den Tag über bei sich gehabt hatten, so wollten sie ihn auch nicht am Abend von sich lassen, sondern sprachen: Bleibe bei uns, HErr, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget. Luc. 24. Also soll auch eine Wöchnerin mit Gebet den Tag anfangen und beschließen, und die besondere Gnadengegenwart ihres Gottes sich zum Schutz in der bevorstehenden Nacht erbitten. 1) Soll sie Gott danken, daß er den Tag über die vor Schmerzen und Zufällen, und ihr Kind vor Unruhe bewahret. Sollte aber Gott ihr nach seinem Rat noch einiges Leiden zugeschickt haben, so soll sie 2) ihn preisen, daß sie unter seinem Beistand dasselbe ausstehen können, und den Abend erlebet habe. Hierauf soll die 3) sich und ihr Kind dem Schutz des dreieinigen Gottes in der bevorstehenden Nacht empfehlen. Gewiß, sind alle Unglücksfälle uns Menschen gefährlich und betrübt und verursachen Schrecken, wie viel mehr einer Wöchnerin, welche unvermögend ist, einer Gefahr zu entlaufen, und zu schwach, vielerlei Leiden auszustehen. Sie soll sodann 4) nach dem Gebet, ohne sich selbst Sorge, Angst, Furcht und Schrecken und eine schlimme Nacht zu machen, in den Armen und in dem Schooß ihres lieben Gottes einschlafen, und auch bei dem Aufwachen an Gott denken, sich in ihm erfreuen und sich ihm ergeben. Gebet. HErr, allmächtiger Gott, wie soll ich dir genug am danken für deine Liebe und Treue, die du mir heute erwiesen hat? Ich habe auch diesen Tag unter deinem Schutz glücklich hingebracht, ich habe den Abend fröhlich erlebet, die Schmerzen und Beschwerlichkeiten meines Standes hast du mir helfen tragen und überwinden, du hat mich beschützet und bewahret, du bist mein und Die Wöchnerin betet ihr Abendgebet. 77 meines Kindes gnädiger Vater, Schutzgott und Beistand gewesen. HErr, da ich zu dir schrie, machtest du mich gesund. Du hast mir meine Klage verwandelt in einen Reigen, du hat mir meinen Sack ausgezogen, und mich mit Freude gegürtet, auf daß dir lobsinge meine Ehre, und nicht stille werde. HErr, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit. Hast du aber nach deiner Barmherzigkeit den Tag über mich mit deinen Gnadenflügeln bedecket, ach, so breite auch deine Güte in dieser Nacht über mich aus, behüte mich, mein Haus und alle die Meinigen vor Unglück, Gefahr und Schaden. Verzeihe mir auch in Gnaden alles, was ich diesen Tag mit Gedanken, Worten und Werken wider dich getan habe. Ich will mich nun legen, o Gott aller Gnade und Barmherzigkeit, in deine Arme, und will sprechen: Ich liege und schlafe ganz mit Frieden, denn du allein, HErr, hilft mir, daß ich sicher wohne. Befiehl deim Engel, daß er komm und uns bewach, dein Eigentum; gib uns die lieben Wächter zu, daß wir vorm Satan haben Ruh; so schlafen wir im Namen dein, dieweil die Engel bei uns sein. Ja, o großer Gott, in deinem Namen will ich jetzt einschlafen und meine Augen schließen; ach, wache du selbst um mein Bette, und treibe zurück alles, was meine Ruhe stören kann. Ob aber mein Leib schläft, so soll doch mein Geist immerdar zu dir wachen und bei dir sein und in dir ein Vergnügen haben. HErr Gott Vater, laß mir dein Vaterherz diese Nacht offen stehen, damit ich im Schlafe an deiner Allmacht, Güte, Liebe und Barmherzigkeit mich erfreuen möge. HErr JEsu, du Licht meiner Seele, umleuchte mich auch diese Nacht mit deinem himmlischen Gnadenlicht, daß ich deiner Wunden, deines Blutes mich trösten, dein lieblich JEsusbild in meinem Herzen bewahren und damit einschlafen möge. O werter Heiliger Geist, erwecke in mir auch heilige Begierden und Verlangen, singe und bete in meinem Herzen, und versiegle mir den Trost, daß ich ein Kind Gottes sei. O du dreieiniger Gott, laß mich also 78 Die Wöchnerin betet ihr Abendgebet. in deiner Liebe einschlafen, in deiner Gnade sanft ruhen, auf daß, wenn ich erwache, ich annoch bei dir sei. Laß mich den Morgen wieder fröhlich und gesund erblicken, da ich als dann dir danken und dich für alle deine mir an Leib und Seele erwiesenen Wohltaten loben und preisen will. Die Gnade des Vaters schütze mich, die Liebe JEsu decke mich, und der Beistand des werten Heiligen Geistes stärke und erhalte mich. Der Tag ist hin, mein JEsu, bei mir bleibe; o Seelenlicht, der Sünden Nacht vertreibe; geh auf in mir, Glanz der Gerechtigkeit, erleuchte mich, ach HErr, denn es ist Zeit. Du schlummert nicht, wenn meine Glieder schlafen, ach, laß die Seel im Schlaf auch Gutes schaffen; o Lebenssonn, erquicke meinen Sinn; ich laß dich nicht, da nun der Tag ist hin. Amen. Gesang. Mel.; O Gott, du frommer Gott. 1. HErr JEju, wahres Licht, Der Tag ist nun vergangen, Es ist nun eingestellt. Der goldnen Sonne Prangen; HErr JEju, wahres Licht, Ach, weiche nicht von mir. Laß mich vereinigt sein. Auch diese Nacht mit dir. 2. Dir leb ich, weil ich leb, Hast du mir doch mein Leben Sammt deines Segens Strom Aus großer Huld gegeben; Dir leb ich, Seelenfreund, Dir leb ich nur allein, Mein Herz und Seele soll, HErr, deine Wohnung ein. 3. HErr JEju, gib mir auch In dieser Nacht den Segen; Ach, decke du mich zu, Ich will zur Ruh mich legen. HErr JEju, bleib bei mir, Nunmehr, sieh, es wird Nacht, Hab du auf Seel und Leib, Mein Heiland, gnädig Acht. 4. Dir sterb ich williglich, Wenn ich dereinst soll sterben, Denn du hast mich gemacht. Zu deinem Himmelserben; Dir sterb ich jeden Tag, Und sterb den Sünden ab; Im Sterben leb ich dir, Weil ich dich, JEsu, hab. 5. Dein bin ich Tag und Nacht; Des Tags wirst du mich leiten. Ach, weich des Nachts auch nicht, Mein Gott, von meinen Seiten. Dein bin ich allezeit, Die Wöchnerin trägt Gott im Gebet ihr Kind vor. 79 Gesund, krank und betrübt; Ich weiß in jedem Stand, Daß mich mein JEsus liebt. 6. Todt und im Grabe sein, Pflegt andre zu erschrecken; Doch aus dem Grab und Tod. Wird JEsus mich erwecken; Todt und begraben sein Ruft uns das Bette zu. Doch JEsus weckt mich auf Von Tod und Schlafesruh. 7. Lebendig werd ich auch Aus meinem Bett aufstehen. Und nach genossner Ruh Das Licht der Sonne sehen; Lebendig bringt mich auch Mein JEsus aus dem Grab, Nachdem in seinem Arm Ich ausgeschlafen hab. 8. Amen, erhöre mich, Und laß mich süß einschlafen, Wend alles Unglück ab. Durch deiner Engel Waffen; Amen, nimm auf dein Kind, Mit JEsu schlaf ich ein. Mein JEsus soll im Schlaf In meinem Herzen sein. Die Wöchnerin trägt Gott im Gebet ihr Kind vor. Aufmunterung. Wenn Gott den Eltern Kinder gegeben hat, so gehet nicht allein die Sorge für sie an, sondern es findet sich auch bei ihnen eine Liebe zu der Kinder zeitlichem und ewigem Heil und ein Verlangen nach ihrer Wohlfahrt; dieses alles aber muß mit Gebet von Gott erlangt werden, weil es mit gehöret unter die guten Gaben, die von oben herab kommen, von dem Vater des Lichts. Es soll demnach 1) eine fromme Mutter ihr neugebomes Kind Gott demütig empfehlen, und ihn bitten, daß er es wolle zur heiligen Taufe gelangen lassen, und in derselben in seine Arme als ein Kind, und zu einer Pflege, Fürsorge, Liebe und Gnade aufnehmen. Läset es Gott an Jahren zunehmen, so muß es 2) in das Abend- und Morgengebet, ja, auch in die täglichen Seufzer eingeschlossen werden, daß es Gott wolle mit seinem Heiligen Geist regieren, ihm ein frommes Herz verleihen, gute Gesundheit, Wachs- 80 Gebet, wenn das Kind zur Taufe gelangt. tum und Gedeihen geben, eine geraden Glieder erhalten, und es vor Unglück und Schaden bewahren. Das Gebet und die Sorgen frommer Eltern nehmen 3) mit zunehmenden Jahren zu, daß ihre Kinder mögen in der christlichen Lehre unterrichtet, gegründet und zu der Erkenntnis JEsu Christi gebracht werden, welchen Schatz ihren Kindern mitzuteilen sie weder Unkosten, noch Mühe, noch Fleiß sparen sollen. Gehen sie in die Fremde, oder kommen unter die Weltkinder in den spätem Jahren, so nehmen die Sorgen der Eltern zu, aber es muß auch da 4) desto eifriger gebetet werden; da machen es fromme Eltern wie Hiob, welcher alle Abend ein Opfer für seine Kinder brachte, um Gott anzurufen, er wolle seinen Kindern gnädig sein und ihnen ihre Sünden vergeben. Es rufen fromme Eltern Gott an, er wolle ihre Kinder vor Verführung bewahren, er wolle sie in keine schweren Sünden und Schanden fallen lassen, er wolle sie durch einen guten Geist auf ebener Bahn leiten, und es ihnen lassen zeitlich und ewig Wohlergehen. Sie haben auch 5) das Vertrauen zu Gott, wenn sie an guter Zucht, Vermahnung in dem HErm, christlicher Erziehung nichts haben mangeln lassen, daß er ihr Gebet auch wird erhören, und so ja die Kinder eine Zeitlang irre gehen sollten, daß er sie nach seiner Weisheit wieder herum zu holen wissen werde. Dabei sie dann 6) das Kinderkreuz, so ihnen Gott nach seinem wunderbaren Rataufleget, mit Geduld und Vertrauen auf seine Gnade ertragen sollen, bis er auch dasselbe lindem, oder nach seiner Barmherzigkeit wieder wegnehmen wird Gebet, wenn das Kind zur Taufe gelangt. O du gnädiger und barmherziger Gott, der du der rechte Vater bist über alles, was da Kinder heißet im Himmel und auf Erden, siehe, ich komme zu dir in wahrer Demut meines Herzens und trage dir mein neugeborenes Kind vor. Barmherziger Gott, nimm doch den Gebet frommer Eltern für ihre Kinder. 8 1 von dir geschenkten Segen durch die heilige Taufe zu deinem Kinde an; ach, laß es dein Kind werden und bleiben, beschirme und erhalte es. Du hast, o JEsu, gesagt: Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht; siehe, ich bringe dir auch an diesem Tage mein Kind, gib ihm deinen Heiligen Geist, der es durch Wasser und Geist wiedergebäre, der es heilige, regiere und sein Herz mit Glauben und himmlischem Licht erfülle; laß es wachsen zu deiner Ehre, und verleihe mir Gnade, daß ich es in deiner Furcht und dir zum Preis erziehen könne. Ach, mein Gott, hiermit gebe ich dir mein Kind wieder zu deinem Eigentum, ich lege es, o himmlischer Vater, in die Arme deiner Barmherzigkeit, ach, versorge und beschütze es. Ich übergebe es dir, o JEsu, wasche es mit deinem heiligen Blute, verbirg es in deinen Wunden wider alle Gewalt des Satans. Ich befehle es dir, o Gott Heiliger Geist, zu deiner Pflege, ach, heilige es durch und durch, damit ein Geist gerät Seele und Leib möge unsträflich behalten werden bis auf den Tag JEsu Christi. Laß diesen Tag ein meines Kindes Bundes-, Segens- und Wiedergeburts-Tag, und gib, daß es dessen allezeit eingedenk bleiben, und ich daran es oft erinnern möge. Laß es diesen Bund niemals wieder brechen, und aus dem Stand der Wiedergeburt niemals treten, sondern im Glauben und in der Heiligung beharren bis an sein Ende, da du es wirst als dein Kind und Erbe zur ewigen Freude aufnehmen. Du Volk, das du getaufet bist und deinen Gott erkennest, auch nach dem Namen JEsu Christ dich und die Deinen nennest, nimm's wohl in Acht und denke dran, wie viel dir Gutes sei getan am Tage deiner Taufe. Amen. Gebet frommer Eltern für ihre Kinder. HErr, allmächtiger Gott, Vater aller Gnade und Barmherzigkeit, siehe, du hast unter andern Gnadengaben mir auch Kinder gegeben, dafür ich dich herzlich lobe und 82 Gebet frommer Eltern für ihre Kinder. preise. Wenn ich aber, mein Gott, meine Kinder ansehe, als teure Pfänder, die du mir anvertrauet, die JEsus mit einem heiligen Blute erlöset und die du in der heiligen Taufe zu deinen Kindern angenommen hat, ach, so bin ich bekümmert, daß ich ja keines derselben durch meine Schuld verlieren möge. Du jaget zu mir und allen Eltern: Nimm dieses Kind in Acht, wo man ein missen wird, soll deine Seele an. Statt seiner Seele sein. Darum, o Vater aller Gnade, komme ich zu dir und trage dir meine Kinder vor; ich will tun, was ich kann, aber tue du das Beste; ach, segne meine Kinder, begleite meine Kinder, wenn sie aus- und eingehen, erhalte sie in deiner heiligen Furcht, daß sie nimmermehr mögen mit schweren Sünden dich beleidigen und betrüben, oder sich Schaden und Schande verursachen. Schreibe meinen Kindern JEsum ins Herz, laß JEsum in ihren Herzen wohnen und ihr Herz heiligen, damit sie nimmermehr einen gnädigen Gott und ein gut Gewissen verlieren mögen. Behüte sie vor Verführung und böser Gesellschaft, erinnere sie allezeit durch deinen Heiligen Geist an deine allerheiligste Gegenwart, daß sie bedenken, du seiest bei ihnen zu Hause, in der Fremde, des Tages und bei Nacht, in der Gesellschaft und Einsamkeit. Dein Engel geleite sie, wenn sie ein- und ausgehen, dein Engel bewahre sie, wenn sie auf Reisen, in ihren Geschäften und in der Fremde find; gib ihnen allezeit deinen Engel zum Gefährten, wie dem jungen Tobia; führe sie durch deine Engel aus der Gefahr, wie den Lot; laß sie der Engel Schutz genießen, wie Jakob. Sollte dir aber gefallen, mir ein Kinderkreuz zuzuschicken, entweder durch Tod, oder Krankheit, oder Unglück meiner Kinder, so gib mir Geduld in solchem Leiden, daß ich bedenke, ohne dich kann nichts geschehen; die Kinder hast du mir gegeben, du hast auch Macht, sie wieder zu dir zu nehmen. Willst du mich auch durch meiner Kinder Tod zu dir ziehen, daß ich dadurch dich allein zu lieben soll aufgemuntert werden, so erhalte mich auf diesem Gebet frommer Eltern für ihre Kinder. 83 Dornenwege doch in Vertrauen und Hoffnung auf deine Allmacht, daß du, wie alles, also auch meiner Kinder Kreuz enden und wenden könnest. Erteile auch im Leiblichen meinen Kindern den Segen, versorge sie, nähre und pflege sie, gib ihnen Nahrung und Kleidung, und tue wie ein treuer Vater an ihnen; sei ihr Helfer in Gefahren, ihr Beistand im Leiden, ihr Ratgeber, wenn die Rats bedürftig sind, ihr Erhalter im Unglück, ihr Arzt in Krankheit. Gib ihnen eine gute Seele, guten Verstand und gesunden Leib, und laß sie vor dir leben und dich ehren und preisen. Gib ihnen ein gehorsames und demütiges Herz, laß sie aufwachsen durch deinen Segen, und laß mich an ihnen Trost und Freude erleben. Ach Gott, erhöre mein Gebet, und denke, es sind ja sowohl deine als meine Kinder; darum wollest du auch mein Seufzen für meine Kinder vor den Thron deiner Gnade kommen lassen und es erhören. Laß mich am jüngsten Tag mit allen meinen Kindern zu deiner Rechten stehen, und zu deinem Preis sagen: Siehe, hier bin ich, mein Gott, und die Kinder, die du mir gegeben hat, ich habe deren keines verloren. Ja, mein Gott, verleihe, daß keines meiner Kinder verloren gehe, sondern daß sie mit mir und ich mit ihnen zu deiner Herrlichkeit eingehen mögen. Ach Gott, segne meine Kinder, nimm dich ihrer treulich an, thu an ihnen auch nicht minder, als du hast an mir getan; segne ihren Schritt und Tritt, teil den Segen ihnen mit, laß es ihnen Wohlergehen, sie in deiner Gnade stehen. Amen. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1. Du hast, o großer Gott, Die Kinder mir gegeben, Und ihnen väterlich. Bisher geschenkt das Leben; Ach, dafür dank ich dir. Als eine liebe Gab, Die ich von deiner Hand, Mein Gott, empfangen hab. 2. Seh ich die Kinder an, So muß ich zwar bekennen, Daß selbige sind mein, Weil sie sich von mir nennen; 84 Gebet frommer Eltern für ihre Kinder. Jedoch sie sind auch dein, Drum komm ich auch zu dir, Und trage dir, o Gott, Jetzt meine Kinder für. 3. Ach, pflanze Gottesfurcht. In ihre zarten Seelen, Daß sie, was dir gefällt, In ihrem Thun erwählen; Erfülle doch ihr Herz Mit wahrer Frömmigkeit, Daß sie in deiner Furcht Verharren allezeit. 4. Laß sie in Tugenden. Mit jedem Jahr zunehmen Und zum Gehorsam sich Ohn Widerspruch bequemen; Schenk ihnen deinen Geist, Gib Weisheit und Verstand Und führ sie immerdar An deiner Vaterhand. 5. Laß deinen guten Geist. Sie allezeit regieren, Mit Demut, Glaub und Lieb Ihr zartes Herz stets zieren; Ach, dein Geist leite sie, Wenn sie gehn aus und ein; Ach, laß an jedem Ort Sie dir befohlen sein. 6. Wenn sie auch in der Welt. Viel Böses werden sehen, So laß sie nimmermehr Auf böse Wege gehen; Wend ihre Augen ab. Von Sünd und Eitelkeit, Bewahre ihre Seel. Vor Stolz und Sicherheit. 7. Wenn die Gesellschaft will Zur Sünde sie verführen, So laß die deine Furcht. Und Gegenwart verspüren; Ja, schrecke sie bald ab, Bewahre ihren Tritt, Begleite sie und geh, Wo sie hingehn, selbst mit. 8. Erhalte sie gesund. Gib ihnen deinen Segen, Nimm sie in deinen Schutz, Führ sie auf deinen Wegen; Ach, laß es ihnen doch Beständig wohl ergehn. Sie stets in deiner Gnad Und deinem Segen stehn. 9. Und noch eins bitt ich dich. Das wollest du mir geben: Laß mich ja nimmermehr An ihnen Schand erleben; Auch noch nach meinem Tod, Ach Gott, erhöre mich, Erbarm dich meiner doch Und ihrer gnädiglich. 10. Laß mich an jenem Tag Auch meine Kinder sehen, Daß sie von dir verklärt. Zu deiner Rechten stehen, Auf daß ich sagen kann: Hier bin ich und die Gab, Die Kinder, die ich einst Von dir empfangen hab. Die Sechswöchnerin schicket sich zu ihrem Kirchgang. 85 Die Sechswöchnerin schicket sich zu ihrem Kirchgang. Aufmunterung. Wenn Gott eine Sechswöchnerin gnädiglich ihre sechs Wochen hindurch erhalten, ihre Kräfte wiedergegeben, sie gestärket, sie und ihr Kind vor Unglück bewahret hat, daß sie nun ihren Kirchgang halten kann, so soll ja allerdings ihr Mund voll Rühmens sein und Gott dankbarlich preisen und loben. Sie soll 1 ) erwägen, wie schwach und kraftlos sie sich in ihr Bette gelegt, aber wie Gott ihre Kräfte erneuert habe, daß sie nun gesund und frisch wieder ausgehen kann. Sie soll 2) bedenken, wie andere Sechswöchnerinnen schwere Krankheiten ausgestanden, nach ihren sechs Wochen ein schweres Lager und Unglück gehabt haben, ja, gar gestorben sind, und deswegen Gott, der sie davor bewahret, mit besondern Lob- und Dankliedem erheben und preisen. Wenn sie über das auch ihr Kind frisch und gesund siehet, so hat sie 3) Ursache, die hohe Wohltat Gottes demütigst zu erkennen. Ihr Kirchgang demnach soll 4) geschehen mit Andacht, mit einem dankbaren Herzen und lobenden Munde, sie soll sich erfreuen, wenn sie in die Vorhöfe des HErrn tritt und zu dem Altar sich nahet. Sodann soll die 5) ihr Gebet, Fürbitte und Dankjagung verrichten, Gott loben, sich und ihr Kind befehlen, den Segen empfangen, und hernach der empfangenen Güte Gottes allezeit eingedenk verbleiben. Wie soll ich dem HErrn vergelten alle Wohltaten, die er an mir getan hat? Ja, der HErr hat Großes an mir getan, des bin ich fröhlich! O du gnädiger und starker Gott, ich will nun wieder meinen ersten Kirchgang halten, dir in deinem Tempel zu danken für deine gnädige Hülfe und für den starken Beistand, den du mir hat erwiesen. HErr Gott, du hast mich glücklich entbunden, 86 Die Sechswöchnerin schicket sich zu ihrem Kirchgang. mein Leben erhalten, mein Kind mich fröhlich lassen erblicken. Du hast, ognadenreicher Gott, diese sechs Wochen mich erhalten, vor Unglück bewahret, du hast mir die verlorenen Kräfte wiedergegeben, daß ich nun in gutem Wohlsein kann zu deinem Tempel mich nahen. Danket dem HErrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich, ln der Angst rief ich den HErrn an, und der HErr erhörete mich, und tröstete mich. Der HErr ist meine Macht, mein Psalm und mein Heil. HErr, ich danke dir, daß du mein Leben in der Geburt erhalten; ich danke dir, daß du mir meine Kräfte wiedergegeben; ich danke dir, daß ich nun durch deine Kraft meinen Ausgang halten und dir in deinem Tempel für alle empfangenen Wohltaten danken kann. Ach HErr, nimm an das schwache Lobopfer meiner Lippen. Ich freue mich, daß mir verheißen ist, daß ich soll in den Tempel gehen und meine Füße stehen sollen in den Toren des geistlichen Jerusalems. Eins bitte ich vom HErrn, das hätte ich gerne, daß ich in dem Hause des HErrn bleiben möge mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottesdienste des HErrn. Ach, mein Gott, laß diesen Ausgang gesegnet sein, gib mir mit jedem Tag mehr Kräfte, laß mein Kind wachsen zu deinem Preis. Ich bringe dir an diesem Tage ein Paar Turteltauben, mein dankbar Herz und meinen lobenden Mund, ach, verschmähe das Opfer nicht. Ich bringe dir das vollkommene Versöhnopfer, JEsu Blut und Tod, in wahrem Glauben, damit reinige mich und wasche mich. Ich opfere dir auch nochmals mein Kind auf, wie ich es schon in der heiligen Taufe getan, ach, sei hinfüro sein Vater, ein Pfleger, ein Schutzherr, ein Exhalter und gnädiger Gott. Laß aber auch deine Gnadenflügel ferner ausgebreitet sein über mich und mein Kind, laß uns vor dir leben und deinen Namen preisen. Gib, daß ich dieser Wohltat allezeit eingedenk jejn und bleiben möge, damit ich im Glauben, in der Frömmigkeit und Gottesfurcht beharren, und darin auch meine Kinder Die Sechswöchnerin schicket sich zu ihrem Kirchgang. 87 erziehen möge. Gib mir und meinen Kindern deinen Fleiligen Geist, der uns erleuchte, heilige, regiere und führe auf ebener Bahn, bis ich und meine Kinder werden zu deiner Flerrlichkeit eingehen, in das neue Jerusalem, wo du selbst Sonne und Licht bist. Ich will, solang ich lebe hier, den HErm lobpreisen für und für; viel Gutes hat er mir getan, viel mehr, als ich erzählen kann. Er hat geholfen überall, und sonderlich zu diesem Mal hat er allein durch seine Hand das Unglück von mir abgewandt. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Gott hat mein Gebet erhöret; Also sprech ich hoch erfreut, Weil er das, was ich begehret, Gnädiglich verliehen heut; Nun erkennet mein Gemüte Gottes große Gnad und Güte, Der betrübt und doch zuletzt Uns in Freud und Wonne setzt. 2. Gott hat mein Gebet erhöret; Meine Traurigkeit und Klag Hat nunmehro aufgehöret, Nachdem dieser frohe Tag Alles Ungemach vernichtet, Mir ein Lachen zugerichtet. Und nach der betrübten Nacht. Alles voller Lust gemacht. 3. Gott hat mein Gebet erhöret; Denn als ich in Nöten schrie. Hat er sich zu mir gekehret. Und gesprochen: Ich bin hie! Ich bin hie, ich will dich retten. Und an deine Seite treten; Dieses ist von Gott geschehn Und ich kann zur Kirche gehn. 4. Gott hat mein Gebet erhöret; Preiset mit mir alle Gott, Der da gnädiglich gewähret Alles das, was uns ist noth; Der da liebreich den ansiehet, Der im Glauben zu ihm fliehet, Und zu uns in Trübsal spricht: Sei getrost, ich laß dich nicht. 5. Gott hat mein Gebet erhöret; Trau ihm doch, wer du auch bist; Ich, ich bin es nun gelehret, Daß er unser Helfer ist. Gott kann schützen und auch decken. Und zu 88 Die gottselige Mutter danket Gott, unsrer Hülf ausstrecken. Seine starke Hiilfehand, Die mein Leiden hat gewandt. 6. Gott hat mein Gebet erhöret; Also sprech ich, wo ich geh; Meine Freud wird stets vermehret, Wenn ich deine Hülf anseh. Darum lern auch Gott vertrauen. Und auf eine Hülfe bauen, So wirst du auch, gleich wie ich, Hülf erlangen gnädiglich. Die gottselige Mutter danket Gott, wenn ihr Kind entwöhnet wird. Aufmunterung. Hat eine gottselige Mutter täglich für ihr Kind zu beten, so erneuert sich das Gebet, wenn nun das Kind soll entwöhnet werden. Denn das ist eine große Gnade, daß Gott die Milch dem zarten Kinde hat so gedeihen lassen, daß es nunmehr gewachsen, stark geworden und an Kräften zugenommen, daß es ohne Milch kann mit Speisen erhalten werden. Darum soll 1) eine gottselige Mutter Gott danken, daß er durch die Milch ihr Kind zu solcher Stärke hat gelangen lassen, daß es nun durch andere Speisen sein Leben erhalten kann. Sie soll 2) Gott danken sonderlich, wenn sie ihr Kind selbst gestillet, daß er ihr gesunde Milch gegeben, zu derselben einen Segen verliehen, ja, dadurch ihr Kind hat gedeihen lassen. Sie soll 3) Gott anrufen, er wolle auch dem Kinde nun die Speise segnen, es lassen aufwachsen zu seinen Ehren, und wie es an Jahren zunimmt, auch ein Herz mit den Gaben des Heiligen Geistes erfüllen. Und weil auch die Kinder um die Zeit sich zum Alleingehen bequemen, so soll die gottselige Mutter 4) Gott bitten, er wolle ihr Kind selbst führen, durch einen heiligen Engel bewahren, vor schwerem Fallen behüten, ihm gerade und gesunde Glieder erhalten, und es also in einer Gnade und unter seinem Schutz von einem Alter zum andern gelangen lassen. wenn ihr Kind entwöhnet wird. 89 Gebet. Barmherziger und gnädiger Gott, wie ist mein Herz erfreuet, daß ich nun auch die Zeit habe erlebet, daß ich mein Kind von der Mutterbrust entwöhnen kann. O liebreicher Gott, du hast mir dieses Kind nach deiner Güte gegeben, es unter so vielen Zufällen erhalten, ihm sein zartes Leben gefristet, und es nunmehr so weit kommen lassen, daß es zu einer Erhaltung stärkere Speise bedarf Gelobet sei deine Barmherzigkeit, daß du ihm die Mutterbrust bisher gesegnet hat, daß es zu Kräften gekommen und von dir das Gedeihen empfangen hat. Habe Dank für deinen Segen, habe Dank für deinen Schutz, habe Dank für deine Treue und Gnade. O HErr, du thust alle Tage noch das größte Wunder, da du in der Mutterbrust Speise und Trank in Milch verwandelt und derselben eine nährende Kraft beilegest, daß die Kinder dadurch gelabet, erquicket und gestärket werden. Ach Gott, hat du nun meinem Kinde die Mutterbrust gedeihen lassen, ach, so segne ihm auch die übrige Speise und Trank, dazu ich es angewöhnen will; gib, daß es sich dazu williglich bequeme, laß es auch dadurch ferner wachsen, und mit jedem Tag, mit jeder Woche und jedem Jahr an Kräften zunehmen. Bleibe auch bei ihm, wenn es will anfangen zu gehen, begleite es durch deinen Engel, halte es, wenn es fallen will, behüte es, wenn Gefahr vorhanden ist. Ach, laß dies mein Kind dir befohlen sein, am Leib und an der Seele, stärke es auch an dem inwendigen Menschen, heilige es durch deinen Heiligen Geist, daß es im Gehorsam und in Gottesfurcht sich gern erziehen lasse, nicht widerspenstig sich beweise, sondern als ein frommes Kind gern folge und höre; gib ihm deinen Heiligen Geist und ein frommes Herz, damit ich Freude allhier erleben, und es dermaleinst zur ewigen Himmelsfreude mitnehmen, und mit ihm zu deiner Herrlichkeit eingehen möge. Sehr groß, o HErr, ist deine Güt, die mich beschützet und behüt' t; ich will sie rühmen hier auf Erd, solang ich Odem haben werd. Amen. 90 Erinnerung und Trost für Unfruchtbare. Gesang. Mel.: O Gott, du frommer Gott. 1 . Der HErr, der große Gott, Der seinen reichen Segen. Auf mich geschüttet hat. Als einen sanften Regen, Den preis ich diesen Tag, Da ich und auch mein Kind In allem Wohlergehn. Und seinem Frieden sind. 2. Hat großes Ungemach Viel andere gedrücket, So hat mit seiner Huld Der Höchste uns geschmiicket. Die Milch, die süße Speis, O. welche große Gnad! Ist's, welche Gott bisher Dem Kind gesegnet hat. 3. An mir und meinem Kind. Sind Wunder viel geschehen; Das muß ich diesen Tag Zu Gottes Preis gestehen. Uns beide schützte er, Er gab uns Kraft und Stärk, Bis er an uns vollbracht. Sein großes Wunderwerk. 4. Gethan hat er so viel, Geschenkt so reiche Gaben, Die mich und auch mein Kind. Bisher erfreuet haben; Er hilft, bewahrt, er liebt, Hält uns in einer Hut, Er tut an uns noch mehr, Als sonst ein Vater thut. 5. Deß bin ich fröhlich heut; Mein Gott, was soll ich sagen? Du hast mein Kind und mich Auf deiner Hand getragen. Ach, segne uns hinfort, Ach sieh, wir sind ja dein, Ach, laß uns deiner Gnad Allzeit empfohlen sein. Erinnerung und Trost für Unfruchtbare. Wenn Gott läfet Eheleute ohne Kinder ein, daß sie mit Abraham sagen: HErr HErr, was willst du mir geben? ich gehe dahin ohne Kinder, 1 Mos. 15,2, so sollen sie 1) bedenken, daß die Ursachen der Unfruchtbarkeit können natürlich sein bei den beiden Eheleuten; denn wie Gott nicht einerlei Natur allen Menschen gibt, also auch nicht einerlei Fruchtbarkeit. Wenn nun Gott diese Erinnerung und Trost für Unfruchtbare. 91 Gabe nicht in ihre Natur geleget hat, so sollen sie deswegen mit ihm zufrieden sein und wissen, daß er doch darum ihr gnädiger Gott ist, der sie liebe und ihnen gewogen sei. Hat eine Tulpe schon nicht so viele Blumen als der Rosenstock, so ist sie doch dem Gärtner und Herrn des Gartens ein liebes Gewächs. Wie viel Bäumlein zieren den Garten und tragen doch keine Früchte, und man hat dieselben doch gern im Garten stehen. Also sind auch unfruchtbare Eheleute Gottes liebe Kinder, ob sie gleich andern an Fruchtbarkeit nicht gleich sind. Sie sollen 2) sich erinnern, daß Kinder eine Gabe des HErm sind; wem er diese Gabe nicht geben will, der soll darum nicht wider Gott murren, noch scheel sehen, wenn Gott einem viel, dem andern weniger gibt. Gott ist der Herr in seinem Haus, wie er will, so teilt er aus. Gott hat sich Vorbehalten drei Schlüssel: den Schlüssel zum Grabe, denn niemand kann Todte auferwecken, als Gott; den Schlüssel zum Regen, denn kein Götze kann Regen geben, und kein Mensch kann regnen lassen; und den Schlüssel zum Mutterleib, da kann niemand öffnen, wenn der HErr zuschließet, und niemand zuschließen, wenn der HErr öffnet. Ist aber diese Vorenthaltung des Ehesegens Gottes gnädiger Wille, so haben solche Eheleute eine Probe ihrer Geduld, Gelassenheit und Hoffnung abzulegen. 3) Unfruchtbarkeit ist kein Zeichen des Zorns Gottes, denn daß Gott nicht zornig über sie sei, sollen sie daher abnehmen, weil es ihnen Gott an andern Wohltaten nicht läset fehlen; er gibt ihnen leibliche Gaben, Gesundheit, Segen, Nahrung, Wohlergehen, welches er zuweilen denen, die Kinder haben, nicht so reichlich erteilet, sondern Krankheit, Kinderkreuz und Elend ihnen reichlich zumisset. Gott gibt ferner denen, welche ohne Kinder sind, die himmlischen Gaben, als Freude in Gott, Frieden mit Gott, die Gerechtigkeit JEsu Christi, Trost und Wonne; dadurch sie ja abermal überzeuget werden, daß Gott nicht zornig über sie sei; denn wer unter Gottes 92 Erinnerung und Trost für Unfruchtbare. Zorn und Ungnade stehet, der muß auch gewiß der himmlischen Gaben entbehren. 4) Es sollen unfruchtbare Eheleute bedenken, daß Gott auch hierin ihnen eine besondere Gabe erweise, und ihren Leibes- und Gemütszustand besser erkenne, als sie selbst. Denn obgleich viele Ehefrauen die Kinder lieb haben, so findet sie Gott doch vielleicht zu schwach, sowohl in der Geburt, als in der Erziehung der Kinder, wie auch im Kinderkreuz; vielleicht würde das Kind der Ehefrau und ihrem Ehemanne viel Zerstreuungen und Sorgen verursachen, die sie an ihrem Gebet und Gottesdienst verhindern; ja, vielleicht würde das Kind zu viel Betrübnis machen, wenn es Gott nach seinem Rate wieder sterben ließe; darum, weil Gott die Stärke und Schwachheit der Menschen besser kennt, als sie selbst, so erweitet er ihnen darin eine besondere Gnade, welche sie doch aus Unverstand für keine Gnade halten. 5) Sonderlich aber sollen sich Eheleute ja wohl hüten, daß sie keine Kinder von Gott mit Murren und Grämen und mit ungeduldigem Flehen erzwingen wollen, denn sonst gibt ihnen Gott im Zorn Kinder. Entweder muß die murrende Mutter Leben oder Gesundheit darüber verlieren, oder wenn das nicht geschieht, so gerät ein solches im Zorn gegebenes Kind so übel, daß es den Eltern tausend Schrecken, Jammer, Verdruß und Herzeleid anrichtet, und sie ihr Leben lang in Angst, Betrübnis und Traurigkeit setzet, welches Früchte ihrer unverständigen Bitte sind. Wie mancher mit Unverstand von Gott erbetene Sohn ist seines Vaters Grab und seiner Mutter Geißel geworden! 6) Es sollen hierbei gottselige Ehefrauen den Spruch Pauli, 1 Tim. 2, 15, nicht mißbrauchen, wenn es heißet: Das Weib wird selig werden durch Kinderzeugen, so die bleibet im Glauben, und in der Liebe, und in der Heiligung, gerät der Zucht. Denn in dem Spruch saget Paulus nicht, daß die Weiber sollen um des Kinderzeugens willen selig werden. Denn wir werden durch das Erinnerung und Trost für Unfruchtbare. 93 Verdienst JEsu Christi und um seines vergossenen Blutes willen vor Gott gerecht und selig, Röm. 3, 28. 5, 1., und nicht durch Kindergebären; denn wenn das wahr wäre, so müßte ja keine Jungfrau selig werden können, welches wider Gott und ein heiliges Wort ist; sondern Paulus fuhrt diesen Spruch zum Trost der Ehefrauen an, nämlich ob ihnen Gott schon große Schmerzen in der Geburt aufgeleget, darum weil sich das Weib im Paradies verführen lassen und die Übertretung und Sünde eingeführt hat, daß jedoch Gott in der Geburt ihnen wolle beistehen und durchhelfen; sie sollen doch selig werden, ob sie gleich durch solches schmerzhafte Kindergebären den Zorn Gottes fühlen, nämlich, wenn sie würden in solchem Stande bleiben im Glauben an den HErm JEsum, in der Liebe gegen Gott und Menschen, in der Heiligung des Lebens und in der Zucht und christlichem Wandel. Der halben ist dieser Spruch ein Trostspruch in Kindesnöthen und eine Versicherung derer, welche in Kindesnöthen sterben, daß sie der Schmerzen, die wegen der Sünde aufgelegt sind, ungeachtet doch sollen selig weraber er zeiget keine Ursache der Seligkeit der Weiber an. 7) Es sollen Eheleute auch die Zeit erwarten und im Gebet anhalten. Etliche Bäume tragen gleich das erste Jahr, etliche aber nach Verfluß vieler Jahre. Darum sollen fromme Eheleute nicht alle Hoffnung wegwerfen; werfet euer Vertrauen (auf Gott) nicht weg, welches eine große Belohnung hat, Hebr. 10,35. Wie nun Gott nicht allen Menschen zu gleicher Zeit leibliche Wohltaten gibt, sondern dem einen frühe, dem andern spät, also auch in diesen Gaben. 8) Hierbei sollen sich Eheleute fleißig hüten vor Mißvergnügen gegen ihre Ehegatten, wenn das Weib die Schuld auf den Mann, oder der Mann auf das Weib schieben wollte; sondern bedenken, daß es Gott sei, der ihnen die Frucht des Leibes nicht geben will, 1 Mos. 30, 1. 94 Erinnerung und Trost für Unfruchtbare. Derhalben sie einander doch herzlich lieben und mit Gott zufrieden sein sollen, weil keines von beiden ohne Gottes Gabe, Segen und Willen etwas dazu tun kann. Absonderlich sollen sie sich auch vor Argwohn, Neid und Mißgunst hüten, wenn etwa die Freunde, Brüder und Schwestern schon nach der künftigen Erbteilung fragen und trachten; sondern aufrichtig in der Liebe gegen einander verharren, die Ohrenbläser abweisen, und auch in den irdischen Gütern nach der Billigkeit und Liebe, wenn es ja einmal sein muß, eine Verordnung machen. 9) Läset Gott es frommen Eheleuten an Kindern fehlen, so sollen sie desto mehr in der Liebe JEsu zunehmen, und da die, so Kinder haben, oft am Gebet, am Gottesdienste und an der Erbauung durch die Kinder gehindert werden, so können sie desto mehr dem Dienst Gottes ungehindert und ungestört ab warten. 10) Schenket Gott christlichen Eheleuten keine leiblichen Kinder, so sollen sie desto mehr die Annen sich lassen empfohlen sein, frommen Kindern Gutes tun, sie kleiden, in die Schule halten, zu ihrer Erziehung helfen, welche Kinder dann solche Eheleute am jüngsten Tage als Vater und Mutter preisen, und auch vor Gott rühmen werden: Diese haben mich gekleidet, gespeiset und getränket, Matth. 25. 11) Gott gibt aus Liebe und Gnade frommen Eheleuten zuweilen keine Kinder, auch darum, weil er siehet, daß inskünftige schreckliche Landplagen und Strafen über eine Stadt und Land einbrechen werden. Wenn er nun die Frommen vor dem Unglück wegrafft, und seine lieben Kinder, ehe das Sturmwetter der Trübsal kommt, schlafen legt, wie er solches dem Hiskia verheißen und an dem heiligen Augustino erwiesen, welches allerdings eine große Gnade Gottes ist: so ist's ja eine Wohltat, wenn Gott keine Kinder gibt, damit sie den Jammer, der über die Welt kommen soll, wie in der Sündfluth geschah, nicht erleben und erfahren. Erinnerung und Trost für Unfruchtbare. 95 12) Endlich mögen Eheleute auch wohl bedenken, ob sie etwa die Kinder nur als eine Naturgabe ansehen, oder ob sie dieselben als eine Gabe Gottes, wie denn Kinder in der Tat sind, halten. Meinen sie, es sei eine Naturgabe, welche sie selbst befördern könnten, so fehlen und irren sie, und will ihnen, durch Vorenthaltung des Ehesegens, Gott zeigen, daß es nicht bei ihnen stehe, sondern daß es eine Gabe sei, darum er will gebeten sein. Wenn hier christliche Eheleute mir wollten entgegensetzen, daß Hurer und Huren wohl nicht darum bitten und doch Kinder zeugen und kriegen, so antworte ich: Bei denen lasset Gott der Natur ihren Lauf, zur Offenbarung ihrer Schande, weil sie nicht Zusammenkommen, Gott zu Ehren Kinder zu zeugen, sondern ihre böse Brunst und Lust abzukühlen. So sollen es also hier gottselige Ehefrauen machen, wie dorten Isaak, von dem es heißet: Und Isaak bat den HErm für ein Weib, denn sie war unfruchtbar; also erkannte Isaak, daß Kinder nicht allezeit eine Naturgabe, sondern eine Gnadengabe Gottes wären, darum auch gleich dabei stehet: Und der HErr ließ sich erbitten, und Rebekka, ein Weib, ward schwanger, 1 Mos. 25, 21. Dieses alles sollen christliche Eheleute sich fleißig vorstellen und sich damit gegen alle Ungeduld und Gemütsunmhe bewahren, und bedenken: ist ihr Haus einsam und ohne Kinder, daß sie nach ihrem seligen Absterben in der Herrlichkeit, in der Gesellschaft vieler tausend heiligen Engel sein werden, mit welchen sie sich in Ewigkeit vor dem Throne des dreieinigen Gottes erfreuen sollen. HErr HErr, was willst du mir geben? ich gehe dahin ohne Kinder! Ach, mein Gott, ich sehe, wie du andern den Ehelegen mit reichem Maße zuteilest, aber mir hat du denselben bisher vorenthalten und nicht gegeben. HErr HErr, laß mich doch dieses alles mit christlicher 96 Erinnerung und Trost für Unfruchtbare. Gelassenheit, als deinen gnädigen Willen, geduldig aufnehmen. Ich weiß, du bist ein allmächtiger Gott, der du mir leicht Kinder geben und mich fruchtbar machen kannst, wenn du willst. Ich weiß auch, daß du mein gnädiger Gott bist, der mich liebet und eine Gnade mir noch nie versaget hat; darum will ich mich geduldig auch hierin deinem Willen unterwerfen, du weißt am besten, warum du mir diesen Segen noch nicht bescheret hat. Sollte ich etwa zu schwach in der Geburt, zu träg in der Erziehung der Kinder, oder zu niedergeschlagen im Kinderkreuz sein, so erkenne ich daraus deine Güte, die meiner schonen und mich nicht über Vermögen versuchen lassen will. Gibst du mir aber nicht die Kinderfreude, so laß in dir desto mehr mich erfreuen, daß ich dich herzlich liebe, an dir all mein Ergötzen und Vergnügen haben möge. Laß mich indessen bleiben im Glauben an dich, dreieinigen Gott, in der Liebe gegen meinen Nächsten, in der Heiligung des Lebens, ja, laß mich in Zucht und Ehrbarkeit vor jedermann wandeln. Laß deinen Heiligen Geist mein Herz immer mehr und mehr überzeugen, daß dieses dein gnädiger Wille über mich sei, dem ich mich denn von Grund meiner Seele er geben will. Bewahre indessen mein Herz vor Neid, Argwohn, Ungeduld und Mißvergnügen gegen meinen Ehe gatten, daß ich ihn dennoch herzlich liebe, ihn als mein Kind halte, ihn lieber habe, wie zehn Söhne oder Töchter. Ist's dein Wille, daß ich eine Zeitlang soll warten, und daß du mich dennoch zu einer fruchtbaren Mutter machen und an mich, wie an Hanna, gedenken willst: so überzeuge mein Herz von diesem deinem gnädigen Wohlgefallen; willst du mir gar keinen Erben geben, HErr, so soll das mein Erbe sein, daß ich deine Wege halte; JEsus soll meines Herzens Trost und mein Theil sein. HErr HErr, es ist dir alles möglich, hast du Sarah und Elisabeth über die Zeit der Natur laffen schwanger werden, so ist es dir auch ein Geringes, meine bisher unfruchtbare Ehe zu segnen. HErr, laß dich erbitten, so will ich für die Erinnerung und Trost für Unfruchtbare. 97 Gabe dir danken mein Leben lang, und sie dir zum Preis und zur Ehre erziehen; ich will sie dir durch die heilige Taufe wiederschenken. Laß mich auch nicht scheel sehen, wenn du andern das Haus voll Kinder gibt, sondern desto mehr Liebe, Gnade und Barmherzigkeit an armen und verlassenen Kindern erweisen, dieselben kleiden, versorgen, pflegen. Nun, HErr, deine Güte sei über uns, wie wir auf dich hoffen; erfreue mich, tröste mich, hilf mir, gib mir Kinder, wenn es dir wohlgefällt, aber nicht im Zorn, nicht zu meiner Strafe, nicht zu meiner Schande; ist mir's nützlich, so gewähre mir nach deiner Barmherzigkeit meine Bitte, ist's aber dein Wohlgefallen nicht, so will ich auch dir kein Kind abzwingen, ja, ich will wider deinen gnädigen Willen nichts, und auch keine Kinder haben. HErr, ich habe mein Herz vor dir ausgeschüttet, ach, schicke es, wie es mir selig und dir gefällig ist. Gib, daß ich meine Seele in Geduld fasse, bis du mir deine Hülfe erzeigen wirst. Ich bin vergnügt in meinem Hoffen, denn hilft Gott gleich nicht, wie ich will, so hat er schon den Schluß getroffen, er weiß am besten Zeit und Ziel; ich harr auf ihn, denn so betrügt die Hoffnung nicht, ich bin vergnügt. Ich bin vergnügt, wird mir nur geben der allerhöchste Wundergott ein fröhlichs Herz, gesundes Leben und was sonst meiner Seele noth; das Übrige, wie er es fügt, befehl ich ihm, ich bin vergnügt. Amen. Gesang. Mel.: Alle Menschen müssen sterben. 1. Ach HErr, was willst du mir geben, Weilich ohne Kinder bin? Meine Zeit und auch mein Leben. Geht in vielem Kummer hin; Andre muß ich fröhlich sehen. Und mit Kindern einhergehen, Aber ich geh ganz allein. Und muß stets bekümmert sein. 2. Nichts erfreut mich mehr im Herzen, Als ein zartes Kind zu sehn, Mit ihm allezeit zu scherzen, Mit ihm hin 98 Erinnerung und Trost für Unfruchtbare. und her zu gehn. Dieses pflegt mich zu ergötzen. Und in tausend Freud zu setzen; Doch die Freude hab ich nicht, Weil's an Kindern mir gebricht. 3. Warum thust du an mir minder, Als an andern, lieber Gott? Andre haben viele Kinder, Die kaum haben täglich Brod. Du gibst mir sonst großen Segen, Aber, ach mein Gott, hingegen Gibst du mir nicht diese Gab, Die ich oft gebeten hab. 4. Ach, mein Gott, ich will nicht fragen, Thue nur, was dir gefällt; Ich will dieses gerne tragen, Alles sei dir heimgestellt. Ach, du weißt ja mein Begehren; Willst du mir's, mein Gott, gewähren, So geschehe, HErr, dein Will; Deinem Willen halt ich still. 5. Laß, o HErr, mir deinen Willen. Immerdar vor Augen sein; Deinen Willen lasse stillen, Was da wend’t mein Wollen ein; Ja, laß mir, o Gott, in allem, Was nur dir gefällt, gefallen, Daß ich christlich mich bezeig Und gelassen stille schweig. 6. Ich will nichts von dir erzwingen, Gib mir ja kein Kind im Zorn; Es möcht mir sonst Jammer bringen. Und mir ein ein scharfer Dorn, Der mein Leben lang mich steche. Und mir mein Vergnügen breche; Was mich martert, quält und sticht. Lieber Gott, das gib mir nicht. 7. "Ich weiß, daß du mich doch liebest, Daß ich steh in deiner Gnad, Ob du mir schon das nicht gibet, Was mein Herz gebeten hat; Hab ich dich, o meine Wonne, Mein Gott, meine Freud und Sonne, So bin ich in dir vergnügt, Wie's dein Wille mit mir fügt. 8. Soll ich keine Kinder haben, So soll meiner Liebe Trieb Sich allein an JEsu laben, Dem schenk ich mein Herz und Lieb. JEsu, deine Lieb und Schöne Ist mir lieber als viel Söhne; Wenn ich JEsum bei mir hab, So hab ich die größte Gab. 9. Nun, mein Gott, ich bin zufrieden. Mit dem mir bestimmten Teil, Welches du mir hat beschieden, Alles Erinnerung und Trost für Unfruchtbare. 99 dient zu meinem Heil; Damm will ich dir vertrauen. Und auf deine Hülfe bauen; Mach mein Herz vertrauensvoll, Gib mir, was ich haben soll. 10. Indeß will ich JEsum lieben. An ihm haben meine Freud, Mich in Lieb und Glauben üben, Und durch stille Müdigkeit Armen Kindern reichlich geben, Daß sie Gott zu Ehren leben, Ihnen helfen Gott zum Preis. Durch mein Wohltun, Treu und Fleiß. 11. Wer weiß, was mein Gott gedenket, Was er mir bestimmet hat? Wer weiß, was er mir noch schenket? Wer weiß, was da eine Gnad Mir noch zugedacht zu geben? Wer weiß, werd ich noch erheben. Nach der Hülfe Herz und Mund, Wenn erscheint die Gnadenstund? 12. HErr, erhöre dies mein Flehen, Ach, nimm meine Seufzer an, Laffe meine Bitt geschehen, Du bist's, der mir helfen kann: Doch laß mich in allen Fällen. Alles dir, mein Gott, heimstellen, Daß ich, wie es immer geh, Spreche: HErr, dein Will gescheh. 100 Register. Gesänge. Seite Ach HErr, was willst du mir geben . 97 Ach, hilf mir aus dieser Stunde . Der HErr, der große Gott . Die Nacht ist nun verschwunden . Du hast, o großer Gott . Gelobet sei der große Gott . Gott hat mein Gebet erhöret . 87 Gott wird mich nicht verlassen . HErr JEsu, wahres Licht . Ich danke dir, mein Gott . Ich erblick die helle Sonne . 7 Ich weiche nicht von Gott . Ich will stets mit Gott umgehen . Mein Gott ist ja bei mir . Sieh, die Sonn will von uns gehen . Wie hat der große Gott doch mich . Wir haben einen Gott . Die Schwangere verrichtet ihr Morgengebet . Die Schwangere verrichtet ihr Abendgebet . Tägliche Betrachtung einer Schwangeren . Die Schwangere erwäget ihren Gott wohlgefälligen Stand . 19 Die Schwangere danket Gott für ihre Fruchtbarkeit . 23 Die Schwangere empfiehlt Gott sich und ihre Frucht . Die Schwangere erinnert sich der göttlichen Verheißungen . Die Schwangere erfreuet sich der Allmacht Gottes . 32 Die Schwangere tröstet sich der göttlichen Hülfe . Andacht bei herannahender Gebärstunde, Trost bei herannahender Geburt . Seufzer vor der Geburt . Ein anderer . Seufzer bei und unter der Geburt . Ein anderer . Ein anderer . Sprüche, Seufzer und Gebete in Nöten zu sprechen . 49 Die Wöchnerin danket Gott für ihre glückliche Entbindung . 68 Die Wöchnerin betet ihr Morgengebet . Die Wöchnerin betet ihr Abendgebet . Die Wöchnerin trägt Gott im Gebet ihr Kind vor . .42 . . 90 . . . 74 , . 83 . . 71 . . 32 . 78 . 25 . .28 . 17 . 38 11 . . 21 . . 35 Andachten für Schwangere. . 5 . 12 26 . 29 Andachten für Gebärende. . . 39 . .43 . . . 44 , ... 45 .46 , ... 47 . ... 48 Andachten für Wöchnerinnen. ...12 ...16 79 Gebet, wenn das Kind zur Taufe gelangt . 80 Gebet frommer Eltern für ihre Kinder . 81 Die Sechswöchnerin schicket zu ihrem - 85 Die gottselige Mutter danket Gott, wenn ihr Kind entwöhnet wird.... 88 Erinnerung und Trost für Unfruchtbare . 90