SIGNALE
für die
muſikaliſche Welt.
Herausgegeben
von
Bartholf Senkt.
kr a Tan
Achter J ahrgang.
LEIPZIG, Berlag von Bartholf Senff. 1850, |
Inhalt.
No. L. Oper tn Leipzig, von V. — Hauptprüfung anı Conſervatorium der Muſik zu Leipzig im Saale des Gewandhauſes, von B. — Dur und Moll,
Wo. 2. Mendelsſohn-Bartholdy Op. 76, von L. — Gflfted Abonnementeoneert im Suale dei Gewandhaufes zu Leipzig, von B. — Erſte Abendumnterhaltung für Kain niermufit im Saale des Gewandhauſes zu Zeipzig, von B. — Viertes Goncert der „Euterpe” im Sanfe der Buchhändlerbörfe zu Zeipgig, von B, — Dur und Moll.
Wo. 3. Zwölftes Abonnementesiteert Inn Saale des Gewandhauſes zu Leipzig, vor 8, — Dur und Moll. — Ripptifd. — Aufruf an die Freunde Carl Herloßſohns, von E. M. Dettiinger.
No. 4. Dreljehntes Abonnementcoucert im Saale des Gewandhauſes zu Leipzig, von V. — Fünftes Concert der „Enterpe* im Saale der Buchhändlerbörſe zu Leipzig, von V. — Dur und Moll. — Nipptiſch.
Wo. 5. Hamburger Briefe, von Butterbrodt, — Bierzehntes Abonnementconcert im Saale des Gewandhauſes zu Leipzig, von B. — Sechſtes Concert der „Luterpe” tm Saale der Buchhändlerbörſe zu Reipzig, von 8. — Dur und Moll.
No. 6. XIV, Das Klofter des heiligen Ruria, ein Mähren, von L. — Johanna Kintel, Op. 20. Anleitung zum Süngen, von J. B. — Oper in Leipzig von B. — -Goncert von Fräulein Henviette Niffen im Saale des Gewandhauſes zu Leipzig, von B. — Signale and Wien, von Modestus. — Öignale aus Utrecht, von Dr. F.,
&, Kiſt. — Dur und Moll.
No.?7. Fräulein Wilhelmine Clauß im Leipzig. — Füufzehntes Abonnenentconcert im Saale des Gewandhauſes zu Leipzig, von V. — Oper Im Leipzig, von B. — Dur und Moll, — Ripptiſch.
Ne. 8. Der Seher von Khoraffan, Oper von Sobolowski, zum erften Mal aufgeführt in Königsberg, von Louis Köhler, — Schjehntes Abonmementeonsert im Saale des Sewandbaufes zu Reiygig, von V. — Siebentes Concert der „Euterpe“ im Saafe der Buchhändferbörje zu Letpzig, von B. — Dur und Moll.
Wo. 9. Gantor Kermaß an den Stadtpfelfer Schnukkel, um Ker. — Oper in Reip- ig, von B. — Siebzehntes Abonnementeoneert im Saale des Gewandhauſes zu zeipgig, won B. — Muſikalifche Spiree von Clara Schumanı im Saale des Ge—. wandhaufes zu Leipzig, von B. — Concert zum Beſteu des Orcheſter-Penſionsfonds im Saale des Gewandhauſes zu Leipzig” von B. — Hamburger Briefe, vor But— terbrodt. — Robert Schumann Op. 70, Adagio und Allegro Für Pianoforte und Horn, von 2. — Unten Wallerſtelu's Tauzcompoſitlonen, ven T. — Dur und Moll,
Ne. 20. Zwölf Salonſtücke für Bioline und Pianoforte von Ferdinand David, Op. 24. — Der und Moll,
No. #1. XV. Stabat mater rolorosa, ein Mähren, von. — Zweite Abendunter: haltung fir Kammernmfif im Saale der Gewandhauſes zu Leipzig, von BV. — ht: zehntes Abonnementeoncert im Saale der Gewandbaune zu Leipzig, von B. — Meyerbeer und der Prophet in Wien, von Modestus. — Signale aus Braun— fchweig, von Caro, — Hamburger Briefe, von Butterbrodt. — Glücklicher Fund: Zwölf Etuden für Pianoforte von Nowakowski, Op. 25. Don Ker. — Dur und Moll.
No. 18. Quartett fir Pianoforte von X 8%. Dupont, Op. 6, von Ker. — Reime zehntes Abounementevucert inı Saale des Gewandhauſes zu Leipzig, von V. — Extras contert des Muſikvereins „Futerpe“ In Saale der Buchhändlerboͤrſe au Letpzig, von B.— Signale aus Wien, von Modestus. — Dur nnd Moll,
No. 13. Dieyerbeer's „Prophet“ tr Leipzig, von B. — Zwauzigſtes Abonnement soncert im Saale des Gewandhanfes zu Reipzig, von V. — Dritte Abendunterhaltung für Kammermufſik im Saale des Gewaudhanfes zu Leipzlg, von V. — Achtes Lone rert dev „Euterpe” im Saale der Buchhändlerbörſe zu Reiyzig, von B. — Earl Rei— nee, Op. 18, Sechs Lieder und Gefünge, von Ker. — Signale ans Braunſchweig, von Caro. — Dur und Moll. — Ripptiſch. _
No, 14. Gompofitionen von Auguſt Walter, von As, — Dur und Moll, — Stipptifeh,
No. 15, Compofitionen von Nowafonstt, Tauſig, Wieſhorski, von As. — April Signale aus Sondershauſen, von I. Schudt. — Dur und Moll,
No. 16. Signale aus Braunſchweig, von Caro, — Signale aus Danzig, von Dr. 3. — Dur und Moll.
No. 17. Dret Duette für zwei Sopranſtimmen von H. Marſchner, Op. 145, bon As. — Dur und Moll. — RNipptiſch.
No. 18, Präludium aus Königsherg, ven Ker. — Signale and Braunſchweig, von Caro. — Hamburger Briefe, von Butterbrodt, — Dur und Moll.
No. 19. Kritiſcher Fingerzeig, Lonis van Beethoven's Oeuvres complettes pour Piano seul, von Ker, — Signale aus Wien, von Modestus, — Signale aus Petersburg. — Signale aus Weimar, von ...d. — Signale ans Braunfhweig, von Caro. — Signale aus Königsberg, von Ker. — Dur und Molt. — Nipptiſch.
Wo. 20. Comvoftimen von ©. P. Brädener, Op. 5, 6, von As — Dver In Leipzig, von B. — Signale aus Wien, ven Modestus, — Signale aus Rotter— dam, von D, — Dur und Moll. — Ripptiſch.
No. 21. Muſikaliſches aus St, Peterehung, von einen uumuſikaliſchen Deutſchen. Bon F. W. — Dr. Ghriſtian Fricdrich Pohle's Leipziger Pianoforteſchule für Kinder, von Ker. — Signale aus Weimar, — Hamburger Briefe, ven Butterbrodt. — Dur und Moll,
No. 82. Ein Mäcen, baguerreotypht von Ker. — Tranſcriptionen für Pianoforte von Fr, Liszt, von As. — Hamburger Briefe von Butterbrodt. — Dur und Moll. — Ripptiſch.
No. 83, Singen ober Sterben! — Oper in Leipzig, von B. — Signale aus Carld- rube, von Sean Richard. — Dur und Moll,
No. 24. Signale aus Göttingen, von Richard Pohl, — Oper In einzig, von 8, — Dur und Moll.
Wo, 25. Das heutige muſikaliſche Berlin. — Hamburger Briefe, von Butterbrodt.
— Consolations pour Piano par F. Liszt, von As. — Dur und Moll.
No. 26. F. Liszt’s Ilustrations du Prophete pour Piano, ven mf — Signale and Weimar, von 3. — Signale ans Wien, von Modestus. — Dur und Moll. — Nipptiſch.
No. 27. Genoveva von Robert Schumann in Leipzig, von Bd, — Signale ans Wien, von Modestus. — Hamburger Briefe, von Butterbrodt. — Dur und Moll,
No. 28, NRomanzen, Lieder und Balladen von Elife Schmezer, Op. 4, 5, 6, von Ker, — Dar und Moll, — Ripptiſch. ;-
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No. 29. Henurl Herz in Californien. — Drei Sonaten für Pianoforte von Karl Lührss, Op. 20, von Ker, — Oper in Leipzig, von B. — Signale aus Wien, von Modeſtus. — Hamburger Briefe, von Butterbrodt, — Dur und Moll.
No. 30, Ein Nationahınternehmen, Aufforderung zur Stiftung einer Bachgefellfchaft. — Dper in Leipgig. von V. — Dur und Moll. fung ſgefellſchaf
No. 31 u. 32. XVI. Gin feſte Burg iſt unſer Gott, ein Mährchen, von L. — Second grand Trio pour Piano, Violon et Violoncelle par Henri Litolff, Op. 56, von Louis Kühler. — Dar und Moll, — Nipptiſch.
Wo. 33. Jenny Lind, nah B. Jouvin. — Signafe aus Weimar, von H. — Dur und Moll.
No. 34. Hamburger Briefe, von Butterbrodt. — Signale ans Wien, von Mo- destus, — Dur und Moll,
No. 35. Ditpreufifches Signal, von Ker. — Dur und Moll.
No. 36. Signale aus Weimar. — Sirenenzauber, Lied von Louis Köhler, Op, 9, von As, — Dur und Moll.
No, 37. Das Heiderfeft in Weimar, von 3. €. Lobe. — Dur und Moll.
No. 38. Octett von Auguſt Walter, Op. 7, von Kern, — Hamburger Briefe, von Butterbrodt. — Dur und Moll, — Ripstifd,.
No. 39. Herr Cyprian, von Butterbrodt. — Die Rofenfee von Halevy in Leip— zig, von V. — Hauptprüfung am Conſervatorinm der Mufit zu Leipzig, von V. — Signale ans Wien, von Modestus, — Dur und Moll,
No. 40. Mazurka brillante pour Piano par Fr. Liszt, von mf. — Hamburger
Briefe von Butterbrodt. — Oper in Leipzig, von V. — Dur und Moll.
Wo. 44. Leder von Siegfried Saloman, Op. 27, don As. — Erftes Abonnement⸗ concert im Saafe des Gewandhaufes zu Leipzig, von B. — Oper in Leipzig, von V. — Dur und Moll,
Wo. 22. Lieder von der Gräfin E. Schlif, Op. 1, 2, von As, — Zweites Abons nementconcert im Saale des Sewandbanfes zu Peinzig, von V. — Königäberger Signale, von Ker. — Dur und Moll.
Wo. 43. Schulhof im Leipzig. — Oper In Reipzig, von VB. — Bier Lieder für Bar riton von 9. Marfchner, Op. 150, von As. — Londoner Briefe von Butterbrodt, — Dur and Moll.
No. 44. Drittes Ubonnementeoneert im Saale des Gewandhaufes zu Leipzig, bon B. — Pier Ductte ohne Worte fir Rianoforte ven Lonis Köbler, Op. 10, von As, — Signale aus Dresden, — Dur und Moll,
Wo. 25. Bier Lieder von Th. Twietmeyer, Op. 3, von As. — Viertes Abonnement concert im Saale des Gewandhanſes zu Leinzig, von B. — Signale aus Mien, von Modestus. — Dur und Moll.
No. 46, Die Probe von Turandot, Memoiren aus Alben, von I. &. Lobe. — Ballade pour Piano par Carl Reinecke, Op. 20. ben Ker. — giuften Abonne- menteoneert im Saale des Gewandhaufes zu Leipzig, von V. — Londoner Briefe, von Butterbrodt, — Dur und Moll.
No. 47, Fräulein Wilhelmine Clauß in Frankfurt aM. — Scherzo für Pianoforte von A. Metzler, Op. 1, von As. — Sechſtes Abonnementcoucert Im Saale des Ger wandhaufes“ zu Letpzig, von B. — Signale aus Dresden. — Dur und Moll. —
Ro. 48. Die Schule der Fingerübuugen wen Th. Sulfat, Op. 61, von Ker. — Siguale aus Miet, von Modestus, — Dur und Moll, — Ylipptife.
[7 ”o. 49. XVII Ludreig van Beethoven, ein Mährchen von & — Drei Sonaten für Pianoforte uud Violine von Eat Lührss, Op. 21, von Ker. — Siebeittes Abonne— ” menteoneert im Saale des Gewandhauſes zu Leipzig, von B. — Sianale and Weimar, — Signale aus Königsberg, von Ker. — Dur und Moll, — RNipptiſch. -
Re. 50. Neue Lieder von Carl Ludwig Fiſcher für eine Stimme mit Pianoforte, Op. 6 No. 1-8, Op. 10, Ne. 1, 2, ven Ker. — Eiguale aus Dresden, von eg, — Dur und Moll. .
No. 53. Waldſcenen von Nobert Schumann, vor Ker. — Eoneert zum Beſten bed Orcheſter-Penfivns-Fonds im Saale des Gewandhauſes zu Leipzig, von B. — Dur and Moll, - ı
Bo. 52. Achtes Abonnemenktcoucert im Saale des Gewandhauſes zu Leipzig von V. — Londoner Briefe, von Butterbrodt. — Dur und Moll.
Alphahetiſches Regiſter
derjenigen im Druck erfchienenen mufikalifchen Werke, über welche fih Kritiken in diefem Jahrgang befinden,
Beethonen, X. v., Oenvres complettes pour Piano seul, Beeenfirt von Ker. — Berlag von Meyer jun. in Braunfämweig. 24 27. No. 19
David, Ferdinand, Op. 24. Zwölf Salonſtücke fir Dollne und Piansforte, Heft 1—3, — Berlag von Breitiopfm Härtel in Leipzig. . . No, 10,
Dupont, 9. S., Op. 6. Duarteit für Pianoforte, Violine, Biola und Virlonceflo, Receufiyt von Ker. — Verlag von ®. C. De Better in Rotterdam.
No. 12.
Fiſcher, Earl Ludwig, Op. 6 No, 1-3, Op, 10 No. 1, 2. Lieder für eine Stimme mit Pianofotte. Necenfirt von Ker. — Berfag von Schott's Söhnen in
Malıız + 4 * * * + + * + * + + [4 + No, 50,
Gradener, G. P., Op. 5. Fliegende Blätter für Pianoforte. Necenfirt von As. — Berlag von Komien tn Samburnı 2 en 2 2 nee... No. 20; — — 026. Bier Lieder für eine Stimme mit Pianoforte. Recenſirt von As, i — Berlag von Fowten in Sambura. 2 2 2 . No, 20
Hintel, Johanna, Op. 20. Anleitung zum Singen. Recenſirt von Julius Beder. — Derlag von Schott'8 Söhnen in Mainz. 2. No 6,
Köhler, £., Op. 9. Sirenenzauber, Gedicht von J. Mendelsfohn, für Sopran oder Tenor mit Pianoforte. Herenfitt von As, — Berlag von Meyer jun, in Braunſchweig. en rn. No. 36,
— — Op. 19. Vier Duette ohne Worte für Pianoforte. Necenfitt von As. — Berlag von G. M, Meyer jun, in Braunfhwelg . . . No. 44
Aullsf, &., Op. 61. Die Schule der Fingerübungen. Methediſche Anleitung für nfugen {im Gfavierfpiel, Necenfirt von Ker. — Berlag der Schleſin- ger'ſchen Buche und Muſikalienhandlung In Berlil. 2». + No. 48,
Kiszt, Sr., Consolations ponr Piano, Necenfirt von As. — Berlag von Breitkopf u. Härtel in Leipzig. en... No. 25, — — Illustrations du „Prophete“ de G. Meyerbeer pour Piane No, 1—3, Necenfirt vor mf. — Berlag von Breitfopfn, Härtelin Leipzig. No.26, — — Mazurka brillante pour Piano, Nerenfirt von mf. — Berlag von Bars: tholf Seuff in Seipzigg.. un nen. No. 40. Zranfertpkionen für Pianoforte; No. 5. N. Wagner Recitativ und Romanze aus dem „Tannhäuſer.“ N.6 8,93. 8.86. Halloh! Jagdchor und Steyrer aus „Toni.“ Herenfirt von As. — Zerfag von Fr. Kiltuer in Leipzig. » No. 22,
Kitolff, B. Op. 56. Second grand Trio pour Piano, Violon et Violoncelle. Re— ceniirt von Louis Köhler. — Berlag von G. M. Meyerjun, In Braun: [dweie.. . 2.200. ee are + No. dl. 32,
Cührss, C.Op. 20. Trois Sonates pour Piano, No. 1-3. Stereufirt von Ker.
* * +
— Berlag von Sr. Kiftner in Leipzig » >> - eu 0. No 29. — — Op. 21. Drei Sonaten für Bianoforte und Violine, Heft 1-3. Recenſirt
yon Ker. — Berlag von Breitkopfen. Härtelin Letpzig.. No. 49,
Merfchner, »5., Op. 145. Drei Duette für zweit Sopranttimmen mit Plauoforte. Necenfirt vn As. — Berlag von Fr, Kiſtner in Keipzle. . No, 17, — — Op. 150. Pier Kieder won Halm für Bariton oder Alt met Pianoforte. Re— senfirt von As, — Berlag von Bartholf Senff vr Zeipzig. No, 4,
Mendelsſohn- Bartholdy, S. Op. 76. Der Lleder für vierftinmigen Männerchor. Recenfirt von L. — Berlag von Fr. Kiſtner in Leipzige. . Mo, 2.
Mehler, A., Op. 1. Scherzo fir Pianoforke. NReceuſirt von As — PBerlag von
Breltfopf u. Särtel in Kelpyall 200. « + No, 47, Mowafowafi, I, Op. 25. Zwölf Ehuden für Plauoforte. Cab, 1, 2. Necenfirt von Ker. — Belag vn Fr. Kiſtner in Leipzig. . . No, 11,
— — Op. 34. „Ballade pour Piano, NRecenſirt von As. — erlag von Selehr lein in Warfſchau. . . 15.
Pohle, C. x, „ebsiget Pianoforteſchule ei Kinder, Recenfirt Bon Ker, n rt von €, 5 Peters in Leipzig... . . . No. 21.
Beinede, Carl, Op, 18, Sechs Leder und Sefünge für eine Stinme mit Piauoforte. Necenfirt von Ker. — Berlag ven Fr. Kiltner in Leipzig. .„ No. 18, — — Op. %. Ballade pour Piano, Rerenfirt von Ker, — 2erfag von Bars
* v +
tholf Senff in Leipztg... nn . . No 46. Saloman, Siegfried, Op. 27. Scna Lieder fir elite Stimme mit Pianoforte, Re— cenfirt von As. — Verlag von Bartholf Senffür Leipzig. No, 4.
x ᷣchlil, €, az Op. 1, Drei Lieder für Mezzo⸗Sopran oder Alt mit Pianoforte. — . 2. Drei Lieder für Alt oder Mezzo-Soprau mit Piaupforte. en fit von As. — Berlag von Gloͤggl in Wien . . No. 42.
Schmezer, Elife, Op. 4, 5,6. Romanzen, Lieder, Balladen und Geſänge für eine Stimme mit Pianoforte. Recenſirt von Ker. — Bering von Heinrichs-
boten in Magdedurg, 2 + « » x No. 28, Schumann, Hoberf, Op. 70. Adagio und ya für Pienoſorte und Horn oder Violoncell oder Violine. Nerenfirt von L. — Berlag von Fr, Kiſtner in Leipzige . NMo. 9.
— — Op. 8, Waidſtenen. Nenn Ciavlerſtücke. Rerenfit von Ken. — Derlag von Bartholf Senffin Leipztg. ... » re. No. öl, Tauſig, A., Op. 8. Berceuse pour Piano, NRetenſirt von As, — Berlag von Fried» fein it Warſchau. * * * + + 1 ’ * * * No, 5,
Twietmeyer, ©, Op. 3. Bier edere für eine Stimme wi⸗ Planoforte. Rerenfiet von As, — Berlag von F. Whiſtling In Leipzig.
Wallerſtein, Anton, Tangrempofitiouen, Necenfirt von T. — Berlag von Shut J Söhnen in Mainz, Böhme in Hamburg, Nagel in Sanuover, Weinholz in Braunfhwelg, Niemeyer in Hamburg. . No. 9
alter, Auguſt, Op. 3. Drei Lieder für elne Stimme mit Pianoforte, — Verlag von Schubert un. Eomp. in Hamburg. Op. 4. Bier Lieder für Baß oder Bartton mit Pianoforte, — Berlag von Schuberth u. Komp. m Hamburg. Op. 5. Frühlingélied, Scherzo, Capriccio für Planoforte. — Berlag von Sähuberth u, Comp, tn Hamburg. Op. 6, Sechs Kieber für eine Stimme mit Bianoforte, Heft L 2. — Ber fag von Er, Kiftner in Leipais.
Recenſirt von As. 2 2 a er... No 14
— — 0p7 OSttett fie Dlofine, Viela, Violontele, Oboe, Clarinette, Horu, Fa— gott und Contrebaßz. Arrangement für Pianoforte zu 4 Händen. Recenſixt von Ker. — Berlag von Fr, Kiſtner in Leipsig « * =. + No, 38
Wielhorsti, I., Op. 20. Seconde grande Marche pour Piano, Hecenfirt von As. — Berlag von Friedlein in Barfdal . 2 2 Nco. 15.
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No. 1. | Leipzig, Januar. | 1850,
Br
SIGNALE
für Die
Muſikaliſche Welt,
Adter Tahegaug,.
Derantwortlicher Medastesr: Bartholf Senf.
Zuährlich erfcheinen 52 Nummern, Preis für ben ganzen Jahrgang 2 Thaler. Aufertiondgebübren für die Petitzeile oder deren Naum: 2 Neugrofhen, Alle Bud» und Pufitafiendandiungen, fowie alfe Poſtämter nehmen Beftellungen am. Zuſendungen werden unter der Üdrefie ber. Nedartion erbeten,
Oper in Leipzig.
Das Diamantkveug, Tomifshe Oper in drei Arten, von Siegfried Saloman. Zum erften Dat.
Endlich iſt auch bei, uns Saloman's Oper, welcher pon Berlin her iu Folge ber dort ſtattgehabten Aufführungen bereits ein fehr günstiger Auf vorausging, am erſten Welhnachtsfetertage in Scene gegangen; das Werk it, beſonders im Hinblick auf die Muft, bei weiten dag Beſte von deut, was ty dieſer Gattung in ber lebten Zeit ge
ſchaffen und producirt wurde, und verdient ſchon ‚allein. der nuſikaliſchen Bedeutſamkeit
halber eine außergewöhnliche Anerkennung um ſo mehr, je feltener man tu unſern Tas gen eine fo geſnude und kräftige Erſcheinung auf. dem Gebiete dey ſchaffenden Kunit gewahrt. .. BE ..
Das Süjet iſt zwar geſchickt angelegt, enthehrt jedod anf die Dauer derjenigen Gigenishaften, welche Die nöthige Spannung zu erhalten und Dis zum Schluffe bin zu Reigeru vermögen. Namentlich, entſpricht Die. ſehr unwahrſcheinliche Löſumg bes wäh— and, der eriten beiden Arte geſchürzten Kuotens im lebten Acte nicht. den Erwartungen, indem dieſelbe durch eine von.Dichter bingeftellte Figur, bewerkitefligt wird, welche au nicht das miudeſte Intereffe für den Zuſchauuer hat. Der Hauptinhalt des. Buches ift folgender Eine Seiltänzergeſellſchaft, an deren Spike Dempitelle Zepbprine und Bars dato. als die beiden erſten Küuſtler, kommt unter Der Anführung ihres alten Directors Gigoti auf ein in ber Schwelz. gelegenes Landgut, welches von einen Geſchwiſterpaax — Hauptmann Wilhelm Stauft und Therefe — bewpohnt wird, um ſich vor. dem Guts—
hexrrn und der ehrſamen Dorfbewohnerſchaft mit ihren Künſten zu produciren. Bald
Menſch, die Primadonna der Geſellſchaft Mile. Zephyrine liebtz als Zeichen feiner An— betung: ſchenkt er ihr ein Digmantkrenz, angeblich ein Erbſtück feiner. Mutter, Unmit⸗ telbax nach ‚Diefer Scene trifft..auf dem Gute ein rufſiſcher Genexal — Kurakoff — der von einem viejährigen Feldzuge zurückkehrt, ein, um Nachrichten über ſein in frühe— ſter Jugend pexloren gegangenes Kigd vom Hauptmaun Stauff kinzuzlehen.. Kr fieht
2 0. Signale
Zephyrinen, erblickt an ihrem Halſe das Diamantkreuz, und wird, da fein Kind ein fol ches getragen bat, zu glauben veranlaßt, daß er in der jetzigen Beſitzerin des Schmuk— tes ſeine Tochter wiedergefunden habe. Zephyrine giebt in der Veftinzung: über dad ihr ſo mmerwartet gehnnmere Glück vder Unglück vor, daß fie das Kreuz von Ihrer Mutter erhalten habe, und der General ftebt nun um fo weniger au, in ber liebenswürdigen Seiltängerin ſeine Tochter zu erkennen, Später zeige fid jedoch aus einem aufgefunder neu Briefe, Daß Das verloren gegangene Rind keine Tochter fondern ein Sohn fei, und num genießt Baduto, vorntaliger Befißer des Auwelfrenzes Die Ehre, vom General Ku— rakoff adoptirt zu werden. Bald erweiſt ſich aber auch Diefer als ein unverlorener Sohn, und ma erfährt ſchließlich, daß Hauptmann Stauff der Verlorene ſei.
Man ſieht aus Vorſtehendem, daß der Kern der Handlung eben feine ſehr geiſtvolle Intrigue tft, and daß der Schluß des Ganzen etwas Abgeſchwächtes und Unwahrſchetn— tiches bekommen maß, da die Notäwendigkeit den Hauptmann Stauff als legitimen - Soft des General Kurakoff anzuerkennen, gar nicht einmal fonderlich motivirt erfsheint, Im Uebrigen bat der Dichter durch das Auftreten der Seiftängergefellfchaft, je wie durch Die dazu gehörigen pikauten Perſönlichkelten des Gigoti, Baduto und der Zephyrine (welche die Hauptfiguren bilden), viele intereffante Sitnationen und lebhafte Scenen herbeigeführt, die indeſſen eine, wenngleich oft amüſaute, fo doch nux immer partielle und temporaire Wirkung ausüben können, da fie nicht in Beziehung zur: eigentlichen Haudlung ſtehen.
Eine ungleich höhere Bedeutung als das Buch hat die Mufit, Mit feltener Bes fähigung ergreift der Componiſt die glüdfichen Momente, welche das Libretto ihm dar— bietet, ex entwickelt hierbei nicht allein Originalität in Melodie, Harmonie und Rhyth— mus, geſunde männliche Kraft in der Auffaſſung und muſikaliſchen Darſtellung des Tex— tes, und vortreffliche Handhabung des Materials, fondern auch eine überraſchend ſchnelle Gewandtheit in jedweber Form, wie die Oper ffe nur erbeifchen mag. Ueberall docu— mentirt fich der denfende, empfindende Muſiker mit einem ernſten würdevollen Streben, ala einer foliden, gehaltvollen Richtung angehörig, und wir Anden neben vielen vorzüg⸗ fihen Muſikſtücken, bie mir weiter unten näher Sezeichnen wollen, kein einztges, was ohne künſtleriſche Bedentung wäre; felbit da, wo die Handlung ganz ſimple, populäre Meifen erfordert, wie 3. B. bei dem Marſch, mit welchem die Setltängerbande aufzieht, weiß der Gomponiit durch die Wahrheit des Ausdruckes, fo wie durch finnreiche Wen— dungen zu fefjeln, Mit der Behandlung der obligaten Singſtlmmen in den Enfembles find wir dagegen nicht überall einperftanden, da dieſelben theilweiſe ungünſtig gelegt, wie im Quartett des erſten Actes, vom Orcheſter fo: verdeckt werden, dag fie nicht zur gehörigen Geltung komuten können. Diefer Umſtand wirkt aber eben fd wenig vortheil— Haft auf Das Publicum, welches vor allen Diugeit bei Gefangsftüden eine Melodie zu hören wünſcht, als auf die betheifigten Sänger, die nur gar zu Teicht glauben, ihre Bartie ſei undanlbar, nn
Die Mefodiebildung tft, wie ſchon oben bemerkt wurde, in den meiſten Fällen ori— ginell und Fräftigz am meiſten macht fi Died bei dev Serenade im Finale des zweiten Acts geltend. Letztgenanntes Stück, von wahrhaft eigenthümlicher Wirfung, gehört überhaupt zu den glücklichſten Griffen, welche der Componiſt gethan hat; einzelne Takte Daraus ſind öfters mit großem Gefchie und ſehr wirkuugsvoll verwendet, fo daß dieſe Melodie ſich gewiſſermaßen wie ein Faden durch die gänge Dper zieht, Beſonders er wähnenswerth find außerdeni im erſten Acte: bie Introduetton, demnächſt aber Die Mu— fit während der ganzen Scene, in welder Die Seiltängerbande erfcheint, Zuerſt Hört man einen höchft ergöglichen und komiſchen Marfih; "unter deſſen markirten Rhythmen die Equilibriſten herbeiziehen, alsdaun verfündet der Director Gigott feine Vorſtellun— gen, und führt die Hauptmitglieder feiner Befelffhnft, Zephyrine und Baduto, in einer
Signale. 3
durch wahrhaften Humor ausgezeichneten Arte vor, Der Bajazo iſt zur großen Trauer der Dorfbewohnerſchaft vor Kurzem geftorben, und ald Gigott feiner. ehrenvoll gedenkt, bricht der Chor In Klage aus, Die kaum noch treffender und zugleich komiſcher ausge- drückt werben können, wie e8 durch Die Dazu geſetzte Muſik gefchieht. Das ſpäter fol- gende Duett zwifchen bem wilden Baduto und Zephyrine, diefer Heinen pikanten Co— auette, tft eben fo ſchön empfunden und compontrt, als dankbar für Die Ansführenden, Der zweite Met, welcher für das große Publicum die meifte Anziehungätraft hatte, Die tet fr dem erſten Duette, dann aber in den bald darauf folgenden beiden Romanzen von Zephyrinen gefungen, Mufſifſtücke, Die ihrer Schönhelt und mufllalifhen Bedrutſam— keit. wegen überalf Tebhaftefte Anerkennung fiünden werden; die ziwifchen beiden Nomanzen eingefchobene Balletmuſik verdient infofern einer ehrenwollen Erwähnung, ala fle ſich, troß ihrer gefälfigen, Teicht in's Ohr fallenden Weifen, bo fiber das Niveau der ger wähnlichen. Muſik Diefer Gattung erhebt. Das Finale mit feinem poetiſchen Schluffe, in welchen: zunächſt die ſchöne bereits erwähnte Serenade enthalten ift, zählen wir zu den gelangenften Enfembles der Oper,
Im dritten Acte zeichnet ſich ein Jägerchor, obgleich er nicht zur Sache gehört, durch Elgenthünsfichkeit und geſchickte Benutzung der Hörner aus; ferner das Darauf fol- gende Septetl und Octett, und enplid das Finale, in welchen auf fehr geiftoolle Weile der Einzugsmarſch der Seiltänzer mit der Melodie bed erften Chores aus der Introduc⸗ tion vereinigt if, Die Ouverture erfcheint der Oper gegenüber als Muſikſtück nicht ſelbſtſtändig nnd ſchwungvoll genug; fie beſteht wie das jet metit geichieht aus den verfchiedenen Motiven der Oper, und zwar im Weſentlichen aus der Benutzung Der Ser renade, Der Arie des Gigoti und des Duartettes im eriten Acte.
Der Beifall, welden der Componift erhielt, war troß des zweimaligen Hervorrufs defjelben in Auſchung der fait darchgängig tüdhtigen und rühmenswerthen Schöpfung, unzureichend; es war freifich ein fehr buntes Felertagspublicum auweſend. Hoffentlich werben bie ſpäteren Borftellungen dazu beitragen, das erwünſchte Verſtändniß zur Mu— ſik herzuſtellen.
Die Darſtellung war im Allgemeinen eine gelungene. Frau Günther-Bachmann gebührt die Palme des Abends; fie gab Die Rolle der Zephyrine in allen Stürden ganz vorzüglich, und wurde zweimal gerufen, Herr Henry verdient gletchfalls viel Lob als Gigoti, mogenen Herr Braffin Die Partie des Baduto ſehr uuzurelchend gab; er ſchien Feine Idee von der Bedeutung feiner Rolle zu haben. Fräulein Mayer, Herr Widemann und Herr Salomon leiſteten, ſo weit es ihre etwas ſtiefmütterlich be— dachten Bartieen zuließen, Vortreffliches. Die Ehbre gingen aut.
Sauptprüfung am Eonferpatorinm der Muſik zu Leipzig
im Saale des Gewandhauſes. Donnerstag, den 20. December 1849,
H. Abtheilung. Solo und Duartettfpiel, Compofition, Chorgefang.
War die erite Abtheilung der dieamaligen öffentlichen Prüfung mit ihren Panken, Trompeten und Poſaunen, Ihren glühenden Saale und ber compacten Maſſe eines mehr denn tanfendfüpfigen Puhlicums einem Pracht-, Prunk und Stantsballe, oder fonft eis nem großen, Mentlichen Feſte wicht unähnlich, fo glich dagegen dieſe zweite Abtheilung mehr einer befheldenen Soiree, oder elwer gemüthlichen Kamilienfeier, bei welcher ſchmuckt, junge Damen Die Honueurs machten, während die Baßgeigen und Das fonfkige ſchwere Orcheſtergerumpel tief Hinten in den Eden ſchlummerten, und man auf dem
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Orcheſterraumd frei untherwandelke, wie auf den Parkett rines Salons, und Telhie Sylphengeſtalten aufs und abhüpften, aud das Thermometer 15 Grad wentger und Die Menſchheit ringbumher ein wehrt ntenfehlihes Unfehen zeigte und leichter zu athmen wer: ütähte, dedhalb zugleich anfmerkſamer, andädtiger, beifallsluſtlger war, wie fonft. So kam ed, daß De gauze Verſammlung ein eigenthümlich heiteres, gemüthliches und fri— ſches Anfehen gewann, wie wir es wicht oft erlebt haben, um fo öfterer aber zu erle— bei wiinfchen. Sehen wir jegt zu deut Einzelnen über,
Quartett für Streichinstrumente von W. A. Mozart (Esdur), gespielt yon den Herren Röntgen aus Deventer, Schmidt aus Rotlenkirchen, Radecke aus Dittmannsdorf und Gritzmacher
Vortrefflich ansgeflihrt, iind zwar gerade die verfäwglichſten Stellen am gelungen⸗ ſten and Teilen,
„ua belle union.“ Introduction und Rondo brillant für Piangforte zu 4 Händen, von J. Moscheles, gespielt von Fräulein. Laura Börngen aus Verden und Fräulein Camilla Bäabbi aus Grossenhayn,
Ausdrucksvoll, nett and fanber und mit allerliebftem Auſchlage vorgetragen. Die reigende Compoſition Hang unter den Händen des zierlichen Pärchens Doppelt reizend. Gern Hätten wir noch ein Weilchen zugehört und — zugeſehen. Mögen die aumu— thigen Spieleriunen, nicht allein in ihren Leiſtungen ſondern auch dem Alter wie der Größe nach fo trefflich harmonireund, bald wieberfehren und und und Das Bublisum mit etwas Aehnlichem erfreuen,
Myrie und Agnus Dei aus einer Vocal-Missa, componirt von Herrn Wilh, Westmayer aus Iburg.
Eine recht achtbare, auerkennenswerkhe Arbeit, went man dad Gefahrvolle und Schwierige der Aufgabe, aus bloßen Vocalmitteln zu geitalten und, eine einfache Pia— nofortebeglettung abgerechnet, auf alle inſtrumentale Beihülfe zu verzichten, mit in An— flag dringt, — im Sage rein, jo weit dies bei einmaligen Anhören. zu beurteilen möglich, und von fließender und gefhidter Stimmführung, die Wirkung für's Ohr eine wohfgefäflige und angenehme. Ein tiefered Intereffe einzuflößen, dürfte fie ſchwerlich im Stande ſein, da es ihr zu ſehr an eigentlicher Keruhaftigkeit, sn Erfindung fehlt, und die bloße Phrafe noch zu gewaltig fi ſich geltend macht. Die Ausführung unter der Leitung des Componiſten war eine gelungene.
Sonate für Pianoforte und Yioline (Fdur, erster Satz) von L. v. Beethoven, gespielt von Leopold Brassin aus Leipzig und Constanz Fränkel aus Grössenhayn.
Die Piauofortepartle diefer Sonate mit fo viel Energie, folgen Aplomp und fo rihtig gefühltem Vortrage ſplelen zu hören, und zwar auf einem englifchen Concertflü— gel mit breiten und :gewichtwollen Taften, darauf könnten weder wir noch irgend font Jemand gefaßt fein, der dieſen achtjährigen Spieler hatte vortreten und au feinem Stuhle heraufklettern ſehen. Endlich wieder einmal eines jener ächten Wunderfinder, denen die Gottheit jelbft ein Zeugniß ausgeſtellt und das Siegel ihrer Gunſt auf Die Stimm gedrückt hat. Wir wünſchen fo feltenen Faͤhlgketten eine ungeftörte und rubtge Entwtelung, damit einſt Die Kult um einen wahrhaften Vertreter ih reicher kennen könie. — Auch der Violinſpieler, ebenfalls noch tn fo gartem Alter, daß derfelbe die Lünge feinste Bogens urn nicht War viel Uberragte, erwies ſich ala talentbegabt und führte feine Partie mit veinent Tone und vieler Delbecteſſe aus.
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©ttetto für Streichinstrumente (Umoll, erster Satz), componirt von Herrn Woldemar Bargiel aus: Berlin, gespielt von den Herren Joachim, Röntgen ans Deventer, Schmidt aus Rothenkirchen, Kleffel aus Mei- ningen, Radecke aus Dittmannsdorf, Jolın aus Leipzig, Cossmann und Gritzmacher.
Oftmals ſchon brachten Die öffentlichen Prüfungen unſeres Gonfervatortumd im Rache der Compofition Erfreuliches, Gelungenes, Blelveriprechendes, nie aber diirfte bie jebt noch ein Erftlingöwert von fo kühnem Wurfe, fo tiefer Eigenthümlichkeit und einer folhen Fülle edelften Gehaltes hervorgetreten fein, wie dleſes Ottett. Breit und In grandinfeiter Weile angelegt, iſt dafjelbe durch und durch intereffant in feinen Einzel— beiten, und fejlelt vom erſten BIS zum echten Takte, Wir können dent jungen Autor zu feinem Opus, der Anſtalt zu einem folchen Schüler nur Glück wünſchen. Erinnern wir nus reiht, fo iſt Here B. derſelbe, von dem wir ſchon einmal in einer der früher zen Prüfungen ein fehr gehaltwolles Streichanartett gehört Gaben. Es Täht dies Alles auf reihe Fonds ſchlleßen und erweckt Fir die Zukunft des jungen Künſtlers die fchön— ſten Hoffnungen. — Auf das Einftndiren des fehr ſchwierigen Stärfes mag btel Belt und Fleiß verwendet worden ſein, denn die Ausführung ließ in Bezug auf Sicherheit, Deutſtchkett und Accurateſſe Nichts zu wünfgen übrig.
Toecenate in Cdur von C. Czerny und Toccata in Desdur von Ch, Mayer für Pianoforte solo, auf 2 Instrumenten gespielt von Fräulein Anna Ma- sius aus Leipzig und Fräulein Franziska Schlipalius aus Dresden. Eine fehr eigenthümliche Leiſtung, in der wir ein Ergebniß einer der Auſtalt et-
genthümlichen Unterrichtsweiſe zu ertennen glauben, und in fo eracter Weife ausgeführt,
dab. wir geglaubt haben würden, nur Ein Inſtrument zu hören, wenn nicht dev Augen: ſchein und Die größere Sutenfivttät Des Tones widerfprochen hätten. Zwei Hergen und
Ein Schlag — konute man bier ausrufen, fo raſch, rund und in To vollkommener
STetchzeitigkett flog beiden Spieferinnen Alles von den Fingern. Das Legato in den
Doppelgriffen des erften Stüdes mug außerdem noch ls ganz beſonders gelungen her—
vorgehoben werden. Das zweite Stück mit feinen leicht jtacrirten Doppelgriffen, irren
wir nicht, einer früheren Etüdenſammlung dieſes Componiſten enitommeen, :erfordert
große Ausdauer and eine jehr leichte Hand. Beiderlei Anſprüchen wußten die ware ven Spielerianen Genüge zu leiften, und nur ein determintitered Korte blieb neh zu wünfchen übrig. — Selbit dad Auge ging bei diefem Wettkampfe nicht feer aus, Wer, nie wir, don einem glücklich eroberten Gallerieftge hinabſchamte, wird gefunden he ben, daß äwet blühende Seftaften, eine neben der andern vor zwei prächtigen engliſchen Eomeertflügeln figend, fi fehr hübſch ausnehmen, zumal went, wie Dies Hier der Fall war, Die fpantfhe Wand des Notenheftes Daheim geblieben UL, und die Spielerinnen Muth genug befitzen, par coeur ihre Stüde vorzutragen,
Zwei vierstimmige Lieder: Sängerfahrt, componirt von M, Hanpt-—
mann und das Abendläuten, eomponirt von E. F, Richter.
Sinnige Auffafſung, forgfältiger, fein nüancirter Vertrag find es, Die wir bei Die fer Nummer ganz Defonders zu rühmen haben. 68 verdient ſehr anerkannt zu werben, daß unter den Bildungsmitteln dieſer Anſtalt auch der Chorgefattg mehr nnd mehr feine ihm gebührende Stelle einzunehmen aufängt, wie died deutlich in dieſer ſowohl wie in der Finzlid; vorangegangenen Prüfung wahrgenommen werden konnte. Bereits beginnen treffliche Elemente eines Gefangschores fi zu entfalten, und fehr leicht dürfte fpäter einmal ein ſolcher, im einer ſolchen Auftalt feine Wurzeln findend, von Bedeutung werben. DB.
6 Signale.
Dur und Moll.
* Leipzig. Oper im Monat December 1849, 1. Den, Lucla von Lammer- moor, von Donizetti (Pıreia, Fräulein Semiette Niffen; Lord Arthur Buklaw, Herr Reinbold von Wien, als Gaſtrollen). — 4. Des Der Waflerttäger, von Eherubint. — 18. Dec. Martha, von Flotow. — 21, Dee. AMefandro Stradella, von Flotow. — 25. Dec, Das Diamantfreng, von Salon (zum erften Mal. — 29. Der. Der Bars bier von Sevilla, von Noffini. — 31. Der. Das Diamautkreuz, von Saloman. Zus ſammen 6 Dyern in 7 Borſtellungen.
Fräulein Niffen iſt zu Concerten ſowie zum Gaſtſpiel auf der Bühne nach Mag— deburg, Bannover md Bremen eingeladen und wird in ben nächjten Tagen einen Ausflng nach dieſen Städten unternehmen, zum 17. Ju. kehrt fie zu uns zurück umd giebt an dieſem Tage ihr Beuefiz-Coucert im Gewandhaus, bei welchem die amdgezeich- netiten hiefigen Künſtler mitwirken werden,
Herr Joachim, diefer Geiger erften Ranges, verläßt auf einige Zeit Leipzig ind folgt einer Einladung nach Partie, um fih in den berühmten Goncerten des Sonfers yatoriums hören zu laſſen, ihn Gegleitet der Bioloncelliſt Herr Coßmann.
Wir haben das Verguügen auch in dieſer Saiſon wieder Die Gonrertberiöfe der Signale ms Holländifche überfeßt zu ſehen, die holländiſche Mußkzeltung „Säcilia” dent fie ung complet und auf aut holländiſch nach, Das tft uns Höchft ſchmeichelhaft, da diefes Blatt jedoch nicht nöthig bat die Quelle anzugeben, fo thun wir es,
* Berlin, Am 25. Dee. wurde im königlichen Opernhauſe dev „Don Juan“ egeben mit den von J. P. Schmidt inftrumentirten Driginafsllesitativen, Frau Kö > ler glänzte in der Partie der Donna Ana; ſie wurde bei offener Scene gerufen, und nahm allen gehrendeten Beifall fait allein in Empfang, ihre Zeiftung war aber auch Die einzige von höherer Bedentungz rechnen wir die Zerfine noch ab, welche Fraäulein Tue⸗ et —* graciös nud gelungen repräſeutirte, ſo ünd Die übrigen Rollen in Provinzial⸗ Haben faft indgefammt genügender beſetzt zu finden. Dagegen ijt die Oper höchſt brillant und mit vielem Aufwand in Scene gefeht. — Am zweiten BWeißnachtöfeiertag fand eine Wiederholung des Ballets: „Das rhöne Madden von Gent“ ftatt, mit Eur cife Grahn in der Hauptrolle, die Äusſtattung dieſes Ballets vereinigt Alles was bie Bühne an Pracht und Ganz zu bieten vermag, das Ballet tft won großer Wirkung und Fräulein Grahn darin auf dem Bipfelpunkt ihrer Knuſt.
# Herr von Küſtner ift von Varis nad Bertin Keimgefehrt, er hat für 3000 Ka Sonnenſchein mitgebracht, welcher bei der Aufführung des „Propheten“ enden fol,
* Am 26, Der, fand im königl. Schloffe zu Charlottenburg eine mufifali- (he Soiree flatt, in welcher die Damen Köſter und Tuczek, die Herren Mantiud, 3ſchieſche, Balfe, Taubert md Kullaf mitwirften, und Fompoſitionen von Herz, Mendelsfobn, Händel, Curſchmann, Taubert und Balfe ausgeführt wurden. Die legteren begleitete der Componiſt feikil.
* Man hat in Berlin die Entdeckung gemadt, daß Webers Geburtstag nicht der 18. December, fondern der 19. November iftz die Voſſiſche Zeitung theilt fol⸗ gendes Schreiben eines zuverläffigen Kunftfreundes mit: „Als ich vor einigen Jahren die Befanntfchaft der jetzt noch als Witwe in Dresden Tebenden Gattin Webers machte, theilte fie mir unter Auderm auch Folgended aus ber Zeit ihres Brautſtandes zit Weber mit: Auf Webers Frage, warn ihr, feiner Braut, Geburtstag ſet, nennt fie ihm den 18. December, worauf ex freudig ermidert, daß diefer Tag mic fein Geburts⸗ tag fei, Der Tauffhein, welchen fie aus ihrer Heimath zur Trauung kommen läßt, er: weift aber, daß nicht der 18. December, fondern der 19. November ihr Geburtätag ift, und es ergiebt fi. daß derſelbe durch irgend einen Irrthum ver jeher mit dem ihrer Schweſter vertauſcht worden ift. Weber läßt aus Eutin, feiner Baterfiabt, and feinen Taufſchein kommen, und will feinen Mugen nicht frauen, als er fiebt, daß er nicht am 18. December, fondern ebenfalls am 19, November geboren ift, Er beſchließt daher auf einer Meife, die er bald nad der Hochzeit mit feiner Jungen Gattin unternahm, ſelbſt in Eutin daB Kirchenbuch einzufehen, un fih mit eignen Augen von dieſem feltfamen Fuſammentreffen zu überzeugen, Dort eingetroffen, überzeugte er fih wirklich, daß er
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nicht, wie er bläher ftetd der Meinung gewefen, am 18, December, fonbern am 19, No= pember gebören fel, Diele Uebeteinſtimmung des Irrthums, mie bie in Den Ger onrtetagen, iſt allerdiugs fo ieitiomer Art, daß ſie mir faum glaublich erfcheinen wide, wenn ich ftenicht aus dem Munde ber Gattin Webers felbit erfahren hätte. Deshalb babe ish aber auch feinen Anſtand nehmen könuen, diefe interejfante Berichtigung über den Geburtötag des großen Künſtlers mitzutheilen.“
* In Potsdam bat man endlich dem Theater den Huth abgenommen, Herr Huth iſt von der Theaterdirection zurückgezogen worden und der König hat ein dirigi— zenbes Comité bis 1. April 1850 beftätigt, es befteht aus Huth's Tunitfinnigen —
&ubigern. :
* Man fchrelbt uns aus Königsberg: Cine neue Oper von Elmenreich, „Sundel, oder die beiden Kailer“ Hetltelt, — fehr deutſch und ſehr komiſch, — ing bier in Scene, uud war nach zwei Abenden tobt, Lieber gar feine Dper wie Ford! Die Muſik iſt ohne Charakter, ohne Reiz, ohne Neuheit, ohne Geiſt, ohne Fau— tafie, ohne Alles — nur nicht ohne Langeweile, Die Handlung ift Sa in den eruſten, und tranrig in ben komischen Scenen. Cine Heerde gemalter Truthühner wie ein wirklicher lebendiger Truthan jind das Intereſſanteſte in dev Dper, die ſich ungege— ben am beiten befinden möchte. — Kräulein Gilbert, Schülerin Gartia's, tft enga- girt. Sie hat gute Schule, viel Gewandthelt in Coloraturen, aber feine Seele und fein Reben in Spiel und Sefang; in Beiden ift fie ſehr edel, ſehr anerkennenswerth, aber Sehr — — ach! fehr ruhig! Sängen doch bie Sängerinnen von italieuiſchen Geſanglehrern nur manchmal aud eine Deutfche Dper in Deutfchland! —! — went dieſer Wunſch nicht gar zu anmaßend iſt! — Außer ben „Wafferträger” war Meyer: beer's „Mobert” die am wenigften ttalienlfche Oper, die wir Königsberger ſeit Mona— ten zu hören befonmen. Herr Beyer ald Robert und die Marra ald Alice zeichne— ten lich ans. Oberon und Figary fteht in Nusficht, Fräulein Fiſcher (früher in Reipzig) gefiel fehr ala Nomen. — Fräulein Döge bläſ't tn einem eigenen Concerte Re und ſingt dazu, — Frau von MarrasBollmer gab nad) Beendigung ihrer echs Gaſtrollen zwei Couterte, und num giedt fie auf allgemeines Wünſchen wieder ſechs Gaitroflen.:— Die hieſtge Ältere Liedertafel, zuletzt unter Gruihn, iſt nah 25jährigen Beſtehen geſtorben, und lebt in dem Sängervereine (unter Kühler's Di— rectlon) infofern fort, als. dem letzteren Bereine die Partituren von der Liedertafel ver macht wurden. — Eine „Johann-Jacoby-Polka? iſt Gier erſchienen. — Endlich! — Sonſt geht's bier giemlih ſtill her in Sachen der Kunſt.
* Tu Frankfurt a. M. fand am 23. Dee, bei ſtark beſuchtem Haufe unter leb— haften Beifall und wiederholter Hervorrufung des Componiſten die erſte N der Oper: „Der Räder,“ vom dortigen Capellmetſter Schiudelmeißer, ftatt. tele Oper im großen heroiſchen Charakter iſt jedenfall3 ein tüchtiges Werk, welches außer feiner. gediegenen Tendenz and durch Die Grünbfigjfeit und den Fleiß der mufifalifchen Durcharbeitiing ‚ ſowie durch viele. fehr anſprechende Melodien und ganz beſonders durch eine ſehr effectvolle und brillante Suttrumentation fih auszeichnet; . Diefe allgemeinen Anden ungen ‚mögen vorläufig genügen, um auf eine Compoſition aufmerkſam zu ma— hen, die ſchon darum Würdigung verbient, weil fie fidy eine. höhere iind ernftere Auf gabe. gejtellt hat, ald Die der modernen Dberflüchlichfeit und Gefihmarfsleihtfertigkeit, vd, well fie Edleres auſtrebt, als den heutiger Tages Leider allzu beliebten Ohren. und Sinmenfißel amd das nur auf der Eindruck bed Momentes berechnete Amüſement, weiches fo gern die Schaale. und das äußere Flitterwerk an die Stelfe des Kerns und des innerh Lebens jepen möchte. Schließlich dürfen wir nicht unterlaſſen, die mit gro— Ber Sorgfalt und mit unverkennbarer Liebe zur Sade flattgehabte Aufführung hervor— zuheben, und, wie bereits oben. bemerkt, der günftigen Aufnahme zu gedenken, welche das, kunſtſinnige Publicum Deu gefchäßten und befähigten Touſetzer zu Theil wer—
deit ließ. u oo 2 .
* Su Bien im Hofoperntheater haben die Proben zu Meyerbeer's „Propheten“ bereits begonnen und die Vorbereitungen zur Inſceneſetzung der Oper nad dem Muſter der Pariſer mise en scene werden mit Eifer betrieben, Der Eher wird bedentend ver ftärft und über 80 Perfonen- zählen, Ob Meyerbeer fonımen und dirigiren wid, iſt noch unbeſtimmt. W
*Dle Regie des Hofburgtheaters und der Oper in Wien haben von oben herab die Weiſung erhalten, auf der Bühne die Darſtellung und Erwähnung von allem mit ber
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Kirche und Religion Zuſammenhängenden forgfältigft gu vermeiden, — Begterlg IfE man, wie ſich demzufolge außer manchen ältern Opern unter andern auch Meyerbeers „Pro⸗ phet” ausnehnen wird.
* Die große Oper in Paris findirt eine ungedruckte Oper Donizettig: „der Herzog don Alba“ ein, deren Lücken von Adaut ergänzt werdet, — Duprez hatte am 14. Die. fein Abſchiedsbenefiz, das Sans war gebrangt voll, Die Vorſtellung wäßrte bis. Morgens 1° Uhr. | .
* Signora Alboni, welhe zu einigen Vorſtellungen nah Mey gegangen Lk, hat fih in Baris ein febr ſchönes Hötel in den Champs elisees ‚gekauft, weldyes aufs prachtvollſte eingerichtet wird und Das fie nach ihrer Rückkehr von Dieb besteht.
* Am 15. Dee. fand in Baris im Opernhaus der erſte Maskeuball ſtatt, er fiel glänzend aus. Muſard machte Furore mit einer neuen Guadrille, welhe ben renolus ttoniren Titel „Cassons tout‘ führt,
%* In Riga wurde am Tobtenfefte in der Domfirhe das Weltgericht von Fr. Schneider unter Direction des Muflfdirertor Löbmraun aufgeführt,
* Jenny 2ind befindet fid gegenwärtig in. Liber, wohn fie ihren Lehrer Berg aus Stockholm, der fie in Hamburg befucht Hat, auf feiner Rückreiſe begfeis tete, fie wird von bier tn den nächſten Tagen nach Berlin gehen, I
* Paul Tagltont tft beim Hoftheater in Berlin zum Balletmeiſter ernannt worden,
* Der biöherige Dalletmeijter Teſcher in Darmitadt iſt zum Öberinfpector bes Theaters ernaunt worden, es iſt Damit Die obere Leitung der Bikhne fowohl in ar- tiftifcher ala in Beonomticher Beziehung im feine Hand gelegt. i
* Fränlein Niſſen Hat mehrere prächtige Romanzen componirt, deren Publita⸗ tion bevorſteht; eine Derfefßen „la Partenza' ein reizendes Muſikſtück, befindet ih bes reits unter der Preſſe nud wird in den nächſten Tagen erſcheinen. u
8 Nicolai’3 Oper: „Die luſtigen Weiber won Windſor,“ wird nächſtens bei Bote u. Bot in Berlin erihelnen. u
* Löbmann in Riga hat eine komiſche Oper, in einem Acte „ber Maffifche Ed: pellmelſter,“ Text von Carl Gollmick, componirt, welche er zur Aufführung an das Bi: nigliche Theater in Berlin eitgefandt Hat. —
* Bon Louis Köhler erſchetnen nächſtens „vier Duette ohne Worte“ ir Slanier; ein ziemlich neuer Genre, der als Felbfftindiges Feld noch nicht beackert If, da wir bisher nur ein Duett ohne Worte won Mendelsſohn beſitzen. | N
. # Konradin.Kreußer tft am 14. Der. in Riga im Alter von 57. Jahren: ger ſtorben. (Fr hat bekanntlich eine ziemliche Anzahl Opern componirt, won denen beſon— ders „Das Nuchllager wu Granada“ populär geworden tft, erx ſchrieb die Mnſik zu Rai⸗ munds, Zauberſtücken und eine Menge köſtlicher Melodien zu. Uhlands Liedern: Sein Lebensweg war ein dornenvoller. Fu
OR Sgr. Carnovale in Paris, der ehemalige Mnſiklehrer der Kalferin Joſephhe iſt im Hoſpital Beguſon im Uter von 75 Jahren geptorben. Er wur Philpſoph md Dice ter, in allen Wiſſenſchaften bewandert, febr befefen, ſtets heiter und aufgaverft, ein nr ecmũdlicher Plauderer und der eifrigſte Bewunderer Der italleniſchen Oper; deren Porz ſtelungen er in früheren Jahren nie verſäumte. In aurovrafarbenem Frack und hintntel: band‘, mit, wilden Veilchezi gefhnitkter Meite forte man ihr fat "allabendfich Im Theater itaften den beſten Plaß einnehmen und Den vorzilglichſten Sängern ſeines Ba— terländes freundlich zunicken ſehen. Faſt alle behandelten ibn als Narren; er Wwuhte
dies, lieh fih aber dadurch nicht in feinen Gleichmuthe flüren,
Ausgegeben am 2. Sammer.
Berlag von Baͤrtholf Senff in Leipzig.
Denk von Friedruich Andrä in Leipzig-
N, 2. Leipzig, Januar. 1850.
SIGNALE
Mufikaliſche Welt.
Adter Lahrgang,
Verantwortlicher Hedadenr: Bartholf Senff.
Jährlich erfheinen 52 Nummern. Preis fir ben „angen Jahrgang 2 Thaler, Zufertionggebühren für die Betitzeile oder Deren Naum: 2 Nengrojchen, Ale Buche und Prufitaliendanduugen, fowie ale Poſtämter nehmen Beftellungen an. Zuſendungen werben unter ber Adreffe dev Redaction erbeten.
Mendelsſohn-Bartholdy, Op. 76.
Bier Lieder für vierftimmigen Männerchor. No. 1. Das Lieb von braven Dann: „Gaben mir
Rath und gute Sehren,” von $. Heine. — No. 2. Rheinweinliev: „Wo fol ein Feuer noch
gebeiht, von Herwegh. — No, 3. Sieb fir die Deutfchen in Lyon: „Was uns cint als veutfche
Brüder,“ von F. Stolge. — No, 4. Eomitat: „Nun zu guter Legt,” voh Hoffmann von Balz
terslehen. Partitur u. Stimmen. Heft 3 der Lieder für Männerger. No. 4 ber nachgelaffenen Werke, 1 Thlr. Berlag von Ir, Kiſtner in 2eipzig.
Der Benterfung nach zu urtheilen, welche dem letzten Liede beigefügt ift, fcheint die— ſes Kiederheft daB letzte Erbtheil zu fein, welches Deutſchlands Liebertafeln aus dem Vermächtniffe des verklärten Meifters zu erwarten hatten. So greift denu zu, ihr deut— hen Sänger, nehmt dieſe theuren Blätter zur Hand und erquickt euch an dei lebens— frifchen Klängen, ‚welche der Dahingefihiedene im ihnen aufgezeichnet hat, Die Lieder find ſämmtlich heiteren Charafterd und zeichnet fih namentlich No. 1, Heine's „Lied von brapen Manne,“ durch kecken, ſprndelnden Humor, wie man ihm nur felten In Men» delsſohns früheren Lieder für Männerchor begegnet, aus. No. 2, „das Rheinwein— lied” von. Herwegh, in meiſterlicher Auffaſſung; jo oft es auch bereits componirt wor— den, fo bat doch, fo viel uns bekanut, keine Melodie bei den Licdertafeln jo recht Wur—⸗ zel faſſen können, doch ſtellen wir dieſer Compoſttivn das Prognoſticon, daß fie bald in allen Männergefangvereinen heimijch fein wird, Bon erhebender Wirkung iſt das britte Lied, „Ried fir die Deutfchen in Lyon“ von Stofge, namentlich in demielpen die Stelle „daß die Lifte Welfchlands beben unterm deutfhen Flügelſchlag.“ Das legte Lied, „Comltat“ von Hoffmann von Fallersleben, einfach und ſchmucklos, aber trefflich erfaßt, bildet den würdigen Schlußftein des Heftes.
Auf denn, ihr dentſchen Sänger, finget die trefflichen Lieder zum Ruhme und Preiſe deutfcher Kunſt. R,
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Elftes Abonnementconcert
im Saale des Oewandhauſes zu Leipſig. Dienstag, den 1. Januar 1850,
Das Programm iſt zuſammengeſtellt aus Werken von Componlſten, welche in der erſten Hälfte dieſes Jahrhunderts verſtorben find, Die Ausführung der Chöre durch die Diitgliener ner Siugacademie in Verbindung mit dem Thomanerchort.
(Erſter Theil: Erſter Shell aud dem Dratorium: „Die Schöpfung” von Joſeph Hahdn. In Reirgig zum erften Dal aufgeführt ven 18. Sept, 1800 in der Kirche St. Pauli, unter I. ©, Schicht! Leitung. Die Soli gefintgen von Fränlein Niffen, den Herren Widemami und Pögner, — Einfonie No. 8 in Fdur von & v. Beethoven. — Zweiter Thell: Duverture zur Oper „per Freiſchütz““ von & M. v. Weber. — Sanetns, Benedicetus und Agnus Dei aud ber 2, - Mieffe von £&. Gherubini. Die Soli gefungen ven Fräulein Diffen, Fräulein Bf, den Herren Widemann und Bögner, — Duverlure zu Rofamunde von Franz Schubert. Nachgelaffenes Merk, Zum erften Dale. — Der 98. Bfalm, für achtſtimmigen Chor, Harfe und Drihefter, zur Beier des Nenjahrsiages 1844 componirt von F. Mendelsſohn-Bartholdy. Nachgelaſſenes Werk. Zum erſten Male) .
Das neue Fahr brachte und ein ſehr ſchönes, aber jedenfalls zu langes Concert, welches in Diefer Ausdehnnug endlich das Kalfıngvermögen ſo erfihöpfte, dag man nicht mehr mit der erforderlichen Geijtesfraft und Friſche die belden Werke von Schu: bert und Mendelsfohn, die hier zum erjten Male aufgeführt wurden, entgegen nehmen founte; namentlich ſollte Gilfigerwelfe nicht fo Vieles und ſo Maffenhaftes, wie Haydn's Schöpfingamufl und Beethoven's Symphonie gebeten werden, wenn zum Schluffe Die Production neuer, no nicht gehörter Compoſitionen, Severiteht, Man padt aber, aller Reclamationen ungeachtet, wenn der Chor einmal da tft, die Concerte fo voll Muſik, daß wir uns nicht gewundert hätten, zum Schluß heute noch Beethovens 9, Sinfonie als Zugabe zu erhalten,
Das Programm war nach herkömmlicher Sitte zur Feier des erſten Tages im neuen Jahre theilweiſe aus geiſtlicher, theilweife aus Concert-Muſik zuſammengeſtellt, wobet noch der Umſtand bemerkenswerth iſt, daß ausſchließlich mir Schöpfungen folder Ton— ſetzer gewählt waren, Die in der nunmehr zurückgelegten erſten Hälfte dieſes Säculums geſtorben find. So ſtand denn wie billig, als Altmeiſter, vor allen an der Spike: Haudn mit dem eriten Theile feiner jugenpfrifchen unvergänglihen Schöpfung. Gewal⸗ tige Mächte durchbeben die Bruſt bei den tiefen wunderſamen Klängen der Introduckion, welche das Chaod vorstellen, — heilige Schauer ergreifen die Seele bei dem Chor:
Und der Geiſt Mottes ſchwebte
Auf der Fläche der Maſſer ıc., dauach die Seele hoch aufjubelt in den Freudehymnen „Stimmt au die Saiten” und „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes.” Sp war es und wird es immer fein, wert biefe urfräftige nie alternde Muſik ertönt. “
Die Ausführung trug im Ganzen mit geringen Ausnahmen ein würdiges Gepräge; der erfte Eher Hang nicht geifterhaft und myſteriös genug, man hörte faſt zu viel Stimme, — der lebte Dagegen, obgleich er präcid und fräftig gegeben wurde, entbehrte zuweilen des gleichmäßig feitjtchenden Tempo's, da fich das Orcheſter bald nach dem Bes ginn deſſelben Die und da zum Eilen verleiten ließ, wobei fid) natürlich unerfreuliche Schwankungen heransjtellten, Bet derartigen Aufführungen, wo der Dirigent fo weit vom Orcheſter entfernt ift, daß eine ſpecielle Controlle faß unmeglid wird, wäre es nicht Aberflüffig, wenn der Goncertmeifter im Einverſtändniſſe mit dem Dirigenten das urſprüngliche Zeitmaaß feilzuhaften fuchte, damit der Totaleindruck nicht zu leiden brauchte,
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Fräulein Niffen, die una men leider fir einige Zeit verläht, hatte ſich der Aus— ‚ führung der Sopranpartie unterzogen und bildete fomit eine wefentliche Stütze für bie = vorhandenen Solofähe; befonderd fhön, und mit der dazu erforberfihen großarfigen Einfachheit trug fie die Arie: „Nun bent die Flur das frifhe Grün“ nebit bem dahin gehörigen Mecitatiy vor. Kine ehrenvolle Erwähnung verdient außerdem Herr Wide: mann, der fichtlic; bemüht war Gutes zu leiſten.
Die demnächſt folgende achte Symphonie von Beethoven, die graciifefte Ihrer Schwe—⸗ ftern, war eine in jeder Sinficht mufterhafte Leiftung, wie wir fie von unferm Orchefter gewohnt find, Daffelbe gilt von den Ouverkuren zum Freiſchütz, und zu Roſamunde von Franz Schubert, Die letztere it eine Tonfhöpfung, von der man nur gu bebanern bat, daß fie jetzt erſt, zwauzig Sahre nad) dem Tode des Autors, zur Aufführung kommt; erfinderiiche Kraft, Kühnheit in den harmoniſchen Sombinationen, namentlich in dem einleitenden Adagio, hervorſtechender Rhythmik, Lieblichkelt, Anmut und Friſche der Gedanken walten in ihr vor, wenn fle auch bezugs der Anlage nicht mit den bedeu— tenbften Schöpfungen deſſelben Genius rangiren kann.
Die zwiſchen beiden Ouverturen eingeſchobenen Bruchſtücke aus der zweiten Meſſe don Cherubini, welche und in ſolchem Rahmen offen geſtanden nicht am rechten Platze ſchienen, ließen in der geſammten Ausführung kaum etwas mehr zu wünſchen übrig, als eine ſorgfältigere, mit einem Worte eine mehr künſtleriſche Behandlung des Soloquar— tettes. Wir glauben gene, daß diefe, hauptſächlich im vielen einzelnen muſtkaliſchen Feinheiten und Eigenthümlichkeiten fich bewegende Muſtk, bedeutende Anforderungen ar bie Egecutirenden ſtellt, aber dennoch müſſen wir immer den höchſten Maaßſtab an bie einmal erfulgte Leiſtung legen, und biefe gewährte, wie ſchon oben bemerkt wurde, dies— mal nicht vollſtändige Genüge. |
Der das Concert beſchließende Pſalm von Mendelsfohn, welchen wir gleichfalls zum erftien Male hörten, reiht fih würdig den gleihartigen Schöpfungen deffelben Meilters an; und theilt ihre Vorzüge; erhabene Anffaffung des Gegenftandes, ſchwungvolle Stei- gerung mit weifeter Beuntzung der Mittel bis zum Schluffe hin, und eine dem Texte analoge, fehr ‚Fräftige, mitunter maſſenhafte Haltung zeichnen ihn Im gfeichen Maaße ans. Zu bedauern tft e8, dad das Merk der vielen vorhergegangenen Muſik halber nicht fo eindringlid; wirfen Fonnte, wie das einer noch geiftesfrifchen Zuhörerſchaft gegenüber der Fall fein müßte, V.
Erſte Abendunterhaltung für Kammermuſifk
im Saale des Gewandhauſes zu Leipzig. Sonntag, ven 30, December - 1849,
(Erfter Theil: Quartett für Streichinſtrumente von I. Hahdn in Cdur, vorgetragen von ben Herren Concertmriſter David, Rlengel, Herrmann und Wittmann, — Zrio für Binnoforte, Vio— line und Violoncell von Felix Mendelsſohn-Bartholdy in Dmoll, vorgetragen von den Herren Breunung, Joachim und Foßmann. — Zweiter Theil: Quartett ven & v. Beethoven iu Amoll, ocuvre posthume, vorgetragen von den Herren Joachim, David, Herrmann und Coßmann.)
Die diesjährige Reihe der muſikaliſchen Soireen wurde erſt mitten im der Concert: ſaiſon, jedoch auf grandioſe Weiſe durch das große Beethovenſche Amoll-Quartett er: öffnet. Wir können nicht umhin, unſere Frende darüber anszudrücken, daß man bemüht iſt, auch die letzten Tonſchöpfnungen unſeres größten Meiſters, welche von gewiſſen Lens ten zuwellen für Producte des Irrſinnes gehalten werden, dem Publicum zugänglich zu machen; went die Thätigfeit der ansübenden Künftler fi in ſolchen Beftrebungen äu— Bert, fo erfüllen fie eine ihrer Hauptaufgaben, da es wicht bloß Ihre Intenfion fein
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kann, fihen oft Gehörtes und Bekanutes Immer wieder von Neem hören zu laſſen, fondern aud die tiefinnigften, oft ſcheinbar unergründfihen Gebilde des fchaffendei Menfchengeiltes im Gebiete Der Kunst unermüdet au's Tageslicht zu fördern, gleichviel ob darob das Rob der Menge erſchallt oder nicht. So verdient denn ſchon an und für fi die Aufführung Des beregten Quartettes Die größte Auerkennung, — wie viel mehr aber mod, wenn es fi, wie bier, gleichzeitig um ein im Weſeutlichen ſchönes Ge— Tingen bandelt, da es- der techniſchen und getitigen Schwierigkeiten eine kaum zu ahnende Fülle zu überwinden giebt, — Allerdings ging noch bie und da, namentlich in den äns Berit comwplicirten, für Die eriten Dale durchaus unfaßlichen Rhythmen des Adagio's, noch der yostifche Baden verloren, aber im Allgemeinen ftellte fih uns die Zeijtung ale eine folche heraus, Die den Dabei betheillgten Künftlern zur größten Ehre gereicht, Herr Joachim fpielte, wie leicht zu präfmieen, mit befannter jugendlicher Meiſterſchaft Die Prima; dagegen lieb die Bratfihe im Schergo bei ber Ihr zuertheilten auf und ab- fteigenden Achtelfigur an Weichheit und Schmiegfamfeit zu winfhen übrig. Im lebten Sage ſpielte Herr Coßmann, den wir vorzugsweiſe gem im Solo hören, an einigen Stellen, fo z. B. beim Eintritte des Adur, wo Das Violontcello Die Melodie bat, et— was zu ſalonmäßig. \
Der gelungene Vortrag des pifanten Haydn'ſchen Quartettes durch Herrn Concerts meiſter David, fo wie derjenige des Mendelsſohn'ſchen Pianofortetrio's durch Herrn Breunung erfreute ſich allgemeinſter Anerkennung: B.
Viertes Concert der „Euterpe“ im Saale ber Buchhändlerbörſe zu Leipzig. Wreitag, den A. Zanuar 1850,
&rfter Theil: Einfonie in Ddur von Sofepb Hayon. — Bavafine: „Frag ich mein beklom— men Herz” and ber Oper „ber Barbier von Senilla” von &. Roſſini, gefungen von Fräulein Emilie Kieg, — Concertino für bie Bafpefaune von F. David, wargetragen non Hexrn 2. Pohle (Mlitglien des Vereins), — Zweiter Theil: Goncert-Duyerture in Amoll von Garl Wettig. Deu, Manuſcript. — Bariationen über ein ruſſtſches Thema für die Violine ven F. David, vor⸗ getragen von Herrn R. Beder, Mitglied des Drchefters. — Lieder am Pianoforte: „Kennſt bu das Zand” von L. v. Beethoven, „Welch ein wonniges Träumen” von U. F. Niecius und „Bei einem Wirtht wundermild“ von Norb. Burgmüffer, gefungen von Fräulein Smilie Kieg. — Ouverture zu ber Oper: „Milhelm Tel” son G. Rofſini,)
Die Orcheſtervorträge bes gegenwärtigen Abends zengten von gewiffenhaften, aner⸗ fennenäwerthen Beitrebungen; fie waren im Allgemeinen bedeutender ald Diejenigen der in alten Jahre bereits abgehaltenen drei Conterte, obſchon Die höheren Anforderuugen der Kritik keinesweges allfeitig befriedigt winden. Die Haydn'ſche Eymphonte lieg in ihrer gleichwohl recht frifchen und febendigen Reyrodietion noch öfters jene feinen Züge vermifjen, Die fie ald Kompoſition in ih trägt; es war mehr eine techniſch ante, ala eine geiftig durchdachte, verſtändnißinnige Leiſtung, welche Bemerfung befonders das Au— bante trifft. Gehen wir in's Detail, fo haben wir einer unzureichenden Behandlung der Oboepartie im dritten Sabe (Trio), fo wie and eined um einige Takte zu früh erfolge ten Einfapes von Seiten der erften Violiue bei der Neprife des erften Stückes zu gedenken.
Außer der Ouverture zu Wilhelm Tell, welcher das meilte Lob in exechtiver Hinz fid;t gebüßrt, hörten wir noch eine neue Goncert-Duverture von Wettig, einen ehema: figen Schüler des hieſigen Conſervatoriums, Die im vieler Beziehung ein außergewöhn— liches und fehr ſtrebfames Talent bekundet. Der junge Tonſetzer verſpricht ſehr Aner— kennenswerthes zu leiſten, weun er erſt dad Formenweſen vollſtändig überwunden bat,
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and vor allem zu einer Maren Anſchauung, die gleichzeitig das ſelbſtſtändige Bewußtſetn und die ausfchlieglihe Arwendung der eigenen Kräfte in ſich begreift, gefommen fein wird; denn neben vielem Eigenthümllchen, das wir nicht verfennen, blicken noch hie und da die Borbifder durch, nad) welchen gearbeitet wurde, fo daß man zuweilen ehrenwer— then guten Bekannten begegnet. In der Behandlung des Orcheſters, weldes mitunter ohne Grund ben einzelnen Gedanken etwas zu maffenhaft anädrüdt, erweiſt fi der Eomponift gleichfalls als ein begabter Zünger der Kumft, und wenn und nicht Alles tänfeht, fo find wir nad gegenwärtiger Arbeit berechtigt, ihm ein günſtiges Prognofti- con zu ftellen; die Zukunft wird uns darüber befehren, ob wir und geirrt haben,
‚Die Gefangsvorträge waren duch Fräuleln Kietz vertreten, jedoch nicht glüc— ft, wie wir gleich zum Boraus bemerken müflen, da die Dame für die Deffentlichkeit nicht den erforderlichen Stinnmenfond befißt, auch außerdem durchgängig ſehr bebentend nad oben detonirte. Sollten mir von den im Programm näher bezeichneten Stüden eins vorziehen, fo iſt es die Arle aus dem Barbier, wogegen der Vorttag der Lieber ald verfehlt bezeichnet werden muß.
Bon den beiden Soli's haben wir bet weitem Beſſeres zu ſagen; namentlich erfreute Herr Beder, ein junger Blolinift aus der Schule des Herrn Concertmeifter David, durch feine angenehme, und mit Ausnahme der zweiten Variation (Die er techniſch noch nicht vollitändig beherrſcht), auch correcte Leiftung, Herrn Pohle's geſchickte Behand» lung der Baßpoſaune verdient ebenfalls lobende Erwähnung, RB,
Dur und Moll.
Leip ig. Am 10. Jan. wird im Gewandhausconcert eine neue Sinfonie von Carl — zur Aufführung kommen.
Die dritte Aufführung von Saloman's Oper „das Diamantkrenz auf hiefiger Bühne findet Mittwoch den 9. Januar ſtatt.
Die Proben zu Contad's nener Dper „die Defertenre” haben begonnen. Träufein Bud wird nächſtens als Oberpriefterin in der Veſtalin hier auftreten.
* Fräulein Niffen ift auf ihrer Reife nach Bremen am 3. San. in Maygdes burg und am 5, Ian, im Hoftheater zu Hannover vor gedrängt vollen Käufern mit bem glängenditen Erfolg aufgetreten, in Hannover wurde fie vier Dal gerufen, und die große Arie and „Ernani” da capo gefordert. Am 8. Ian. fingt Fräulein Riten in Bremen im Abonuementconcert, in benfelben Concert wird fich ach die talentvolle Harfenfpielerin Fräulein Eyth hören Laffen.
8 Der „Hamburger Correſpondent“ fhreibt über Henriette Niffen: „Das länzende Prognoſticon, das Diefer Sängerin nad ihrer Rückkehr aus Gugland nnd Italien bet ihrem Saftipiefe in Hamburg von Publicum und von der Kritik für Das übrige Dentichland geſtellt wurde, erfüllt fih, Auch in Leipzig, wo fie für Die Des rühmten Abonnementenucerte engagtirt, und bereits als Lucia von Lammermoor im Then: ter aufgetreten if, Haben Die aroßarfigen Leiſtungen der Künſtlerin denſelben Enthu— fiasmus erregt wie außerhalb Deutfchlands und vor Kınzem in Hamburg. Sie wird fetbft von den flrengiten kritiſchen Federn dermalen als die bedeutendſte Coloraturſän— erin Peeichnet, die duch ihre herrlichen Stimmittel, vollendete Schule und feinen Ge— —* m Vortrage jest ein eben ſo reicher als feltener Gewinn für die deutſche Oper geworben,
* Mit den Finanzen ber großen Oper in Paris foll es nicht zum beiten ſte— ben. Bergebend führt fie Meyerbeer's Propheten und das Feenballet nf, mit dem fie das Publicum bezaubert, vergebens iſt ihr von Der Regierung Geld vorgefchoflen wer: den; Die tm worigen Sahre Durch die Nevolution geriffene Lücke in der Finnahme war wohl zu bedeutend, als daß fle auszufüllen wäre, und es ift abermals von einer Inter
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ſtüßung die Redt. Die ttaltenifhe Oper Halt fi ohne Subventton, blos durch Subferiptionen reicher Mufifliebbaber fort bis zum Ende der Salfon, Sie bat weder Mario noch Die. Grifi; aber einige andere aus der alten Truppe find ihr treu ges bficben, und Da der Director Noncont ud [eine Frau ebenfelld fingen, fo fparen fie den Gehalt zweier Sänger, Aeußerſt tbätig iſt das Operettentheater, das jebt auch eines ber befuchteften iſt. Man Hatte ihm einen Nebenbuhler aufgedrungen , wel—⸗ cher ſich „Opera buffo franqais“ betitelte; derfelbe konnte fich aber faum zwei Monate halten. Borfäufig verlangen nun Die Tagesbfätter nit mehr Die Errichtung einer zwei⸗ ten Operettenbühne; iſt aber einmal der Sturz der Opera buflo frangais wieber vers geſſen, fo fängt fi; wieder irgend ein Blatt an zu wiederholen, daß ein zweite Ope— vettentheater ein unentbebrfihes Ding für Baris fei, Damit die vielen Jungen Tonſetzer Gelegenheit befonmen, fih den Publicum befamtt zu machen.
* Madame Nofft-Sontag iſt niht nah Paris gegangen, fie befindet fich in Begleitung Lablache's, Calſolari's und Piatti's auf einer neuen Neife durch England und Schottland Ste wird überall freudig zung Theil enthuſiaſtiſch empfangen. Bet Gelegenheit ihres fchten Concerts fagt ein DBerichterjtatter in „Leeds Timer“: „Die graufame Zeit Babe fte wicht wie ein Nerfkärer, fondern wie ein Geliebter behanbelt,” Ihr Mezza Vore wird namentlich gerühmt.
* Sophie Bohrer giebt in Wilna Concerte.
* Der Ienorift Kahle gaftirt nod) immer, gegenwärtig In Hamburg.
* Frau von Marra-Vollmer wird in diefen Tagen einen Gaſtrolleucyelus in Magdeburg Beginnen,
* Die Sängerin Fräulein Starke, früher in Leipzig, gaftirt In Weimar. Liszt ift vor einigen Tagen wieder in Weimar angelangt.
* Die Dperngefellfchaft und das Tänzerperſonal des Scalas= Theaters in Mat Iand fommt von da nah Verona, um dort aufzutreten, Aus den öffentlichen Gel— dern find 20,000 ft, für Dad Theater beſtimmt, die bis jegt in Mailand ausgegeben worden. Arch die Commune fol einen Theil zu dieſem Zweck beiſteuern.
* Nächftens werden in Bari zwölf Coryphäen und einige Solptängerinnen vom San Carlo Theater in Neapel ankommen. — Es Mind Diejenigen Tänzerinnen, welde fi der vorgefhriebenen grünen Beinkleider nicht bedienen wollten, und Lieber Die Flucht ergriffen. Diele omindfen grünen DBeinkleider find von feinen Tafft, fehr weit, fehr faltig, reichen bis an das Knie umd find unter demfelben mit einem hübſchen Band bes feſtigt. Die jungen Inſurgentinnen follen gerufen haben: Nehmt unfere Köpfe, doch niemals werden wir und dieſer Beinkleidersäteitauration unterziehen,
* In Prag macht die plößliche Entlaſſung der beliebten Sängerin Fräulein Großer von der dortigen Bühne viel Aufſehen. Fräulein Großer erflärte dem Thea— terdirector Herrn Hoffmann, daß fie nicht fobald fingen fünne, weil fie ſich unwohl fühfe; dieſer fchirfte feine beiden Thenterärzte zu ihr und Diefe behaupteten: fie fünne fingen. Sierauf lieg Fräulein Großer Drei Aerzte zu ſich rufen und dieſe gaben Zeug— niß, Fräulein Großer könne nicht fingen, imüſſe 14 Tage geſchont werben.. Hierauf legte firh auch die Intendanz in den Handel, entließ die Sängerin auf der Stelle und entzog ihr auch noch ihre Aurcchte auf eine Peuſion, nachdem fie bereitß 13 Sabre dem Theater ihr Talent gewidmet, Das Leptere iſt ſehr grauſam. Saphir meint im „Humoriſten“ 28 werde beim Theater in Prag nächitend die Prügelftvafe eingeführt werben,
* Madame Weiß mit ihrem Kinder: Ballet befindet fh in dieſem Augenblick in Paris und giebt mit achtundvierzig Kindern auf Dem Theater Port St, Martin mit ungeheurem Beifalle Borftellungen, Ste will von da nad Wien und wird wahrſchein— lich im Hoftheater nächft dem —— ihre Geſellſchaft produciren, ſie bringt ſtatt der Wiener Kinder, die indeß alle groß geworden, Kinder des Auslandes mit: Kinder aller Nationen: amerikaniſche Kinder, Kinder aus England, Frankreich, Spanien ?c., die werden ganz gewih und wenn auch nur weil es fremdé nd, noch mehr Auffehen in dem guten Wien machen,
* Aus zmverläffiger Auefle erfahren wir, daß Erl wieder beim Operntheater am Kärnthnerthor in Wien engagirt tft, daß Dagegen wahrfcheinlich der Verluſt der Frau von Saffelt bevorkteht, die einen Auf nah Münden erhalten haben foll.
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% Bum Beweiſe wie aut ſich Meyerbeer und der Berliner Intendant Herr von Küſtner vertragen, führen Berliner Blätter an, daß fie beide fürzlih in Paris ein und dafjelbe Haus bewohnt Hätten, — Meyerbeer ijt übrigens vor einigen Tagen In
5 Berlin eingetroffen und von da nah Wien weitergereijt, uin dort feinen „Propheten“ einzuſtudiren.
* Am 22. Ian. kommt in Berlin im Opernhauſe zum erſten Male zur Aufführung: „der Mulatte,“ von Balfe. Die Hauptrollen haben Frau Köfter und die Herren Mantins, Bitter und Zſchieſche.
* In Braunfhweig fit die Oper einer Dame gegeben worden: „das Jubi— laͤum, oder die drei Sefangenen,® von Caroline Wifeneder; Text und Muſik jind fo unbedeutend, daß die Galanterie gebietet davon zu ſchweigen.
# „Der Freiſchüß“ in neun Sprachen überfegt. Neulich gab die italieniſche Operngeſellſchaft in Berlin den „Freiſchüßen,“ von Weber, ber In faft allen europäi— ſchen Sprachen aufgeführt wurde. Zuerſt it er in's Stalienifche vom Profefior Roffi (in Linz), daun in's Franzöſiſche, vom Feuilletoniſten Caſtil-Blaze (fa Paris), in's Dä— niſche, vom Profeſſor Oehlenſchläger (in Copenhagen), in's Schwediſche, von Dr. Teg- ner, in's Rufſiſche, von Satow, in's Böhmiſche, vom Bühnendirector Stiepanek, in's Polulſche, von Bognlawsky, in's Engliſche, vou Cronwall-Barry, und in's Holländiſche,
J. von einem Ungenannten überfetzt worden.
X Folgender Scherz macht gegenwärtig in Lithanen die Runde. Ein Tilſiter Inſtrumentenmacher, der ein ausgebreitetes Geſchäft an der ruſſtiſchen Grenze hat, ſoll —wahrhafte Unannehmlichkeiten nit der ruſſtſchen Polizei gehabt haben, weil auf einem “ feiner dort verkauften Klügel die Marfellaife gefpielt worden, Man erzählt, daß biefer- halb ſchnell nach Petersburg berichtet worden, .
*Es jteht zu erwarten, dag Die Welt Frieden haben wird, zu ganz gleicher Zeit find erichienen „die Friedensboten,“ Walzer von 3. Strauß, und „die Friedensboten,* Walzer von Labitzky. "
* Joſeph Gung'l, der Liebling der Berliner, iſt in Anerkennung feiner Ber dienſte um die Berliner Promenade-Concerte durch ein höchſt ſchmeichelhaftes Handſchrei—
ben des Minifter Ladenberg zum „Königlichen Muſtkdirector“ ernannt worden, Bir gratuliren.
Ankündigungen.
Novitäten
der
Carl Luckhardt’schen Musikalienhandlung in Cassel. Versandt am 1. December 1849,
Bochmann, R,, Husaren-Galop für das Pianoforte, Pe Üzerny, ©., Weihnachts-Album, Album &l&gant, 12 Morceaux me-
lodienx pour le Piano, Op. 804, Abthlg. 1, » 2... 15 Liebe, L., Die Tirolerin in der Fremde, Gedicht von Ed. Kanffer,
für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte. 0.17, , . — 1 Liederkranz, Sammlung auserlesener Lieder und Gesänge mit
Begleitung des Pianoforte,
No. 9 Bott, J. J. Die Weinende.
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In meinen Berlage erfhelnt im März d. J.:
National-Freiheits-Liederhalle.
Eine Sammlung der beliebteſten Mattonal- Freiheits-, Vaterlands- und Wehrlieder für vierſtimmigen Männergefang, 2, Heft. Preis 3%, Ser, Das 1. Heft ift in allen Buch und Miuſikalienhandlungen zu haben.
Die Herren, Componiſten werden erſucht, geeignete Beiträge mir baldigſt Durch Buchhändler- Gelegenheit zufommen zu laſſen; namentlich werden einige ungarliihe Nationale Freihelistieder erwüuſcht ſein.
Eisleben, 1. Januar 1850, ’ F. Kuhnt.
Neue Musikalien im Verlage von Fr, Hofmeister in Leipzig:
Anger, Op. 7, Vier Lieder f, Mezzo-Sopran m. Pfte, 15 Ngr.
KMuhe, Op. 14. Andante et Etude p. Pfte, 15 Ner.
— — Op. 24. Serenade p. Pfie, I2! Neger.
Uabitzky, Op. 167, Die Friedensboten, Walzer f. Pfie, zweihändig 15 Ngr., vierhändig 20 Ner., f. Orchester I Thlr. 20 Ngr.
— — Ballstränsschen. Samml. bel. Tänze im leicht, Arrangement, Heft 60. Californier-Galop. Gruss an Leipzig, Galop. 10 Ngr, Heft 61, Die Frie- densboten, Walzer. 10 Ngr.
Quint, 2 Lieder f. Sopran (od. Tenor) m, Pfte. 74 Ngr,
Ravina, Op. 23. Theme original varié p. Pfte, 25 Ngr.
Schmitt, Al, Op. 106. Cantabile p. Yioloncelle et Pite. 15 Ngr., p. Alto et Pfte, 15 Ngr.
Tedeseo, Op. 29. Le Carneval de Yenise p. Pfte, 174 Ngr.
— — 0p. 30. Reminiscences de la Russie. Airs nationanx p. Pfte. 25 Ngr.
Vilbace, BRenaud de, Op. ll. Premiere Cayatine p. Pite. 15 Ngr.
Woehble, Op. 6. Poeme d’Amour. Romance p. Pite. 10 Ngr,
— — 0p.7. Trois Mazurkas p, Plte. 15 Negr,
Willmers, Op. 67. Klänge der Minne, 8 Lieder ohne Worte f. Pfte. Heft 4A—4. à 20 Ngr.
Am 25. December erschien in unserm Verlage:
R. Schumann 2s Trio für Piano, Violine u. Violoncell. Op. 80. Preis ca. 3 Thlr.
Nur vorher eingegangene feste Bestellungen wurden an diesem Tage expedirt.
Schuberth & Co., Hamburg & New-York,
Ausgegeben am 9, Sammer,
Berlag von Bartholf SenfT in Leipzig.
Druck von Friedrich Anbri in Lelpzig.
Ne, 3. Leipzig, Januar. 1850.
SIGNALE
für die
Muſikaliſche Welt
Alter Aahraang,
i
Verantwortlicher Hedastenr: Bartholf Senff.
1J Jaͤhrlich erfcheinen 52 Nummeru. Preis für den ganzen Jahrgang 2 Thaler. p Snferlionsgeöthren für Die Betitzeile oder deren Raum: 2 Neugroſchen. Alle Buch- und 3 Muſikalienhandlungen, ſowie ale Poſtämter nehmen Beftellungen an. Zuſendungen ; werben unker der Ädreſſe der Nedactivn erbeten, i
Zwölftes Abonnementeoncert : im Saale des Gewandhauſes zu Leipzig. Donnerstag, den 10. Januar 1850.
(Erfer Theil: Duverture zur Zauberflöte von W. U, Mozart, — Scene und Arie aus Dem Sreifhuh von EM. v. Weber: „Wie nabte mir ber Schlummer,“ gefüngen von Fräulein Ro— falte Nathe ans Weimar. — Soncert für Pianoforte in Gmoll von Felix Mendelsſohn-Bartholdh, vorgetragen von Herrn Georg Mertel, — ever mit Begleitung des Pianoforte: „Suleika“ von Goethe, componirt von 5. Mendelsſohn-Bartholdy, „Sretdjen am Eypinmrade von Goethe, com— ponirt von Franz Schubert und „das Fiſchermädchen“' von 5. Heine, combonirt won Franz Schu— s bert, vorgetragen von Bränlein Hatte. — Zweiter Theil: Symphonie in Dmoll von &. Luhrß. Manuſcript. Unter Leitung des Gomponiften,)
1. . Hi Die Gegenwart iſt keinesweges arm au hervorragenden productineit Geiftern tm + Gebiete dev Tonkuuſt, wenn noch ſolche Orcheſterwerko auftauchen, wie Die im zweiten
Theile des hentigen Concertes zur Aufführung gebrachte Symphonie. Der Junge Com: poniſt derfelßen, Herr Carl Lührß, welcher fih jeßt bier in Leipzig aufhält, und. deu wir wach feiner jüngften, gegenwärtig zu erörternden Leiſtung für einen außerordentlich begabten und tieffinnigen Zonfeßer zu halten berechtigt find, Hat ſchon vor mehreren Jahren, gleichfalls Durch eine Symphonie, Beweife bober fünftleriiher Befähigung ges geben; wenn er in dem neuen Werke andere, feinen früheren und bekannt gewordenen 4. Beſtrebungen, wie es ſcheint, ganz entgegengeſetzte Bahnen betritt, deren. Nothwendig— 4 keit und Bexechtigung wir nicht durchweg anerkeunen, fo freut es uns bed, in Wahr— beit ansfprechen zu müſſen, daß wir jenen eruften, einer tieferen Nichtung angehörigen € Geiſt, welchen wir fchon damals gewahrten, in potenzivtem Maaßte und ungleich bedeu— tungswoller ausgefprochen wiederfinden; Die Geſinnung mit welcher Dies Werk geſchaffen wurde, leuchtet ung überall als eine Acht Fünfkferifche entgegen, und diefer Umſtand wel— cher fid gleich won vorne herein Far und deutlich kund giebt, bildet ein Hauptuoment 3 Lei der Beurtheilnug der. Leiſtuug. Wir fühlten und empfanden lebhaft, dag ein wars Be mer funjtbefeeiter Schöpfungsprang, Das höchſte Biel vor Augen, dieſe Symphanie ers
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BO Signale.
zeugt hat, und wurden dadurch mit den hie und da vorkommenden frembartigen, thell- weiſe unſchönen Geſtaltungen gewiſſermaſten ausgefähnt,
Im Allgemeinen cutwickelt der Componiſt in einem eigenthänlichen und ſeltſamen aber doch meiſt ſchwüngvellen, organiſchen Ideengange' eine Fülle wahrhaft erhabener und poetiſcher Gedanken, Die oft von tief ergreifender Wirkung find, und eine unge— wöhnliche, urſprüugliche Seijtess Kraft und Energie beurfunden, obgleich fih dabei das unwillkürliche Gefühl einftellt, dap zu Viel und zu Maſſenhaftes auf einmal gegeben wird, Der Schöpfer hat wohl den Muth gehabt, große mächtige Seftalten in's Neben zu rufen, ev beſitzt aber noch nicht Die nur der volleudeten Meiiterichaft eigerre Gewalt, fie vollitindig zu beherrſchen und in den Durch die Kunſt geiteeften Grenzen zu halten; vielmebr überſchreitet er dieſe [eßteren zuweilen, und nicht zum Vortheile für feine Ges bilde. Daher feblen der, gleichwohl ſehr Gedeutungsvollen Tonſchöpfung zwei Eigen- fchaften, Deren Vorhandenſein diefelbe erit zum allſeitig vollfonmenen Kunſtwerke ſtem— yeln: plaſtiſche Vollendung und ſinnliche Genüge. Beide find nicht Im dem Grade vor: handen, Daß für den Zuhörer ein ungeſchwächter Kuuſtgenuß erzielt werben fünnte, Die Formen [ind zu breit, zu gugantiſch für den Serie, welchen fie bergen; dabei entbehren fie zuweilen der feſten Saltung, welche als das Charakteriſche unferer unvergängfichen Muſter für Die Symponte gilt, Der Ausdruck des einzelnen Gedankens aber, wohin namentlich Die Handhabung des Orcheſters gebört, iſt, wenn auch immer edel und hän— fig wahrhaft genial, fe doch zuweilen ſchroff, fait krankhaft, mithin nicht gleihmäßig genußbringend für ein empfindliches Ohr. Außerdem vermißt man bei den Perioden wo eine ſehr complicirte, polyppone Stimmenführung eintritt, eine gewiſſe Klarheit, in— dem zu viel Material anf und übereinander gehänft iſt. — As die hervorſtechenden Elemente der Symphonie find ums die modnlatoriſchen, harmonischen und rhythmiſchen Beſtandtheile erfihienen, bei deren Bildwng der Franz Schubert'ſche Geift vorgeſchwebt bat, obſchou ſehr Vieles der originalen Erfindung des Componiſten augehört, Nantent- lich find uns als Nahbildimgen des eben erwähnten Kunſtheros die nach unfern Das fürbalten zu häufig benußten Harmoniewechſel im Secnndenfortſchrlitt erſchieten. So am Schluſſe dee Adagio's die unmitlelbar aufeinander folgenden Harmoniefolgen auf A,— As, — G. — Feruer im erſten Theil des Scherzo's C, — Des, — C und im zweiten Theil a — B — ar. Andrerſeits macht ſich auch der Einfluß eines fleißi— gen Studinms der legten Beethoven fhen Werke bemerkbar, beſonders in der Juſtru— mentirung, welche der Componiſt übrigens in kenutuißreicher und Häufig bewunderns— werther Weiſe beherrſcht. Alles in Allem genommen, Haben wir eine Knnſterſcheinung por uns, welche Die größte Achtung und Theilnahme einflößt, umd deren Autor unzwei— felhaft Auserleſenes Mefern wird, wern er glücklich und naturgemäß zur vollitändigen Entwirfeling und Läuterung gelangt jein wird,
Ein Tell des amvefenden Pubficums, das Teidenfhaftlich gern Fir ein kunſtgebil— detes und anftändiges gt, Hat den mäßigen Beifall welchen Das Werk fand, durch eine Dppofition Ülnfteirt, die fir den Componiſten nur höchſt ſchmeichelhaft fein kaun, ſeit— dent man vor wenlg Lagen in denſelben Räumen das Adagio aus Beethoven's großem Amoll-Duertett augeziſcht Hat. Mit Geibel's treffenden Worten rufen wir dem jungen Künstler zu:
Biſt Tu als Künftler, ala Poet geſendet,
DMelaß Dich nicht nom Preid des Marktes leilen, Denn finnlos Hat die Welt zu allen Zeiten
An Mittelmäßiges ihre Gunſt verſchwendet, Zeig Ihr en Bild vom Wenins vollenker,
Drauf alle Himmel file GBlorien breiten,
Und eins, wo grell uns roh bie, Farben ſtreiten, Du wirft ed ſehn, wohin ihe Gerz fich wendet.
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Im erften Theil des Concertes hatten wir nad} langer Belt wieder einmal De Freude uns an Fräulein Agthe's lieblichem Gefange zu erquicket. Die Künſtlerin ift in ihren Leiſtungen noch immer diefelde. jugendfriſche, aumuthige Erſcheinung mie vordem, und das iſt hinreichend hegelchnend, da wir feiner Zeit ausführlich ihre Leiſtun— gen beſprochen haben. Beſonders in den Liedern erfreute und heute Die Sängerin; wie immer, ſo genoß auch diesmal Fräulein Agthe einen anszeichnenden mit Hervorruf verbundenen Beifall.
Herr Mertel, ein Schüler des Conſervatoriums, der au Stelle des plößlich er krankten Herrn EM, David das Soloſplel vertrat, zeigte Äh in dem Mendelsſohn'- [hen Gmoll-Concerte als tüchtiger, ſolid gebildeter Pianiſt, wenngleich felne phyfiſchen Kräfte gerade für dad Stück ſich nicht ausdanernd und Feit genug erwiefen. Im Ada— gio ſtand er übrigens elnmal auf ziemlich ſchwachen Füßen, Inden Ihm das Gedächtniß nicht gang tren war. —
Das Drchefter executirte wie gewöhnlich vortrefflih die Duverture zur Zauberflöte und nicht minder die allem: Anfcheine nach ſehr anſtrengende Symphonie. B.
Duround Moll.
% Leipzig. Fränlein Johannſen, eine junge tafentvolle Sängerin aus Co⸗ penhagen, tt bier angefomnen und wird fich in einem dev nächiten Gewandhanscons certe hören ſaſſen, Die guüͤnſtigen Nachrichten welche wir aus Copenhagen Aber die Sän—
erin erhielten, haben bereits durch ihr mehrmaliges Auftreten in einigen Goncerten in Bremen Beſtätigung erhalten, und wir dürfen hoffen, daß ms durch die Befanutfchaft dieſes nordiſchen Saite ein angenehmer Genug bevorſteht.
* Man jihreibt uns ans Halle: Im lebten „Logenconcerte“ am 11. Sam, haften wir Dad Bergnügen, De Goncertfängerin Fräulein Bertha Johannſen and Co— penhagen in dev bekannten Arte ans dem Freiſchütßz: „Wie nahte mir der Schlummer,“ jo wie tn der Gavatine aus dem Barbier, nd zuleßt in zwei Schubert'fchen Liedern zu hören. Die Dame befigt neben fehr angenehmen Stünmenmitteln eine vortreffliche Schule, und erwarb ſich nicht allein durch Diefe Eigenſchaften lauteiten Beifall, ſondern auch durch ihre charaktervolle uud ſchön. belebte Vortragsweiſe. Außerdem beanfpruchte aber eben ſo ſehr Das allgemeine Intereſſe der Anweſenden ein Leipziger Künſtler, Herr von Waftielewsfy, welcher einen Coitcertſatz von Vienxztemps mit ſchönem Ton in der Cantilene, Correctheit in den Paſſagen, und fein gebildeter Auffaffung fpielte, und ranfchenden Beifafl exntete. Bon Orchefterwerfen fan eine Beethoven'ſche Dupertire und Gade's erſte Symphonie zur Aufführung.
* Man fchreibt ung aus St. Beteräburg: Herr Jakob Becker, der bedeu— tendſte der biefigen Pianoforte-Fabrikanten, ein Rheinländer von Geburt und ein hüch- tiger, intefligeitter Kopf, hat bier eine nene Gattung Flügel erfimden, welche gerechtes Auffehen erregen. Die Kinfachheit der Conſtrnction und die wundervylle Reinheit der Tine lafſen Nichts zu wünſchen übrig, fo daß felbit die ſchon fehr vernoflfounnneten, früber von Becker gebauten Inſtrumente feinen Vergleich mit diefer neuen Erfindung aushalten können. — Sm großen Operntheater It Fanny Eldler wie im verfiofienen Jahre die Löwin der Saifon. Soeben wird Perrot's neneſtes Ballet: „Der Zög— Hug der Feen,“ welches jetzt in Paris fo viel Aufjehen erregt, unter Berrot's eiges ner Leitung nit ungeheurem Pomp zum Benefiz derfelben einitudirt, Perrot ſelbſt wirft in ben Ballet mit, — Die italleniſche Oper macht beſſere Geſchäfte ala in leßz— ter Saiſon, befonderd macht der Tenoriſt Mario wahrhaft Furore. And, Die alte Srifi Kiefert den Beweis, daß man in Petersburg. immer nur den Namen kauft. Obgleich ſchon langſt ſtimmlos und im Spiefe übermäßig vutrirend, gehört es doch zum guten Ton der Geſellſchaft, ſich von ihr ala Norma, Lucrezia fanatiiren zu laſſen und jo wird der Juwel der früheren Jahre, Die Frezzolini, nicht mehr beachtet, Dagegen ihre glückliche Nebenbußlerin mit Beifall überſchüttet, obgleich eigentlich von all' den Öravofchreiern Niemand Nechenfchaft geben Tann, warum er eigenilig bhrüllt. Als Eur
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riofität theife th Stmen Me Bedingungen mit, unter welden die Frezzolini 3 Jahre lang engagirt war. 120,000 Franes Sage für 5 Donate, ganzes Benefize, Freie Wahl des Nopertoirs, beftebige Befebnung aller DOpern durch fie, Beſtimnmmug der Proben 2c. Der Gefandte in Rom batte zum Schreden der Antendanz diefen pfiffigen Contract mit ihr adagefiblojfen. — Tamburint bat der Zeit ebenfalls feine einft fü gewaltigen Mitz tel zum Trihut bringen müſſen, gefällt aber durch feine ausgezeichnete Gefangsmanier und fein tüchtiges Schaufpielertalent. Der Tenoriſt Gordint It als — Schwiegerſohn des Herrn Tamburini engagirt, ſonſt würde er Faum 50,000 Francs Gage für 5 Mas nate bekommen. Kleines ſchwaches, in den ungehenren Ränmen durchaus nicht ausreicheu— des Stimmchen ımd eine bübfihe Geſtalt. Die Lalande, Altiſtin, ſchöne Stimme, fonft Anfängerm mit unvertbeilhaften engeren. Roſſi, ausgezeichneter Baßbuffo, aber wenig beichäftigt, da Tamburini in Diefes Fach überzugeben beabfichtigt, Chor nud Orcheſter klafſiſch.
* Fräulein Riſſen iſt in Bremen am 8. Jan. im fünften Privatconcert zum erſten Dal aufgetreten. Die „Weſer-Zeitung“ ſchreibt über die Säugerin: Einen au— ßerordentlichen Genuß boten die Geſangsvorträge von Fräulein Henriette Niflen ans Gothenburg, der ſchwediſchen Sängerin, die feit eirigen Monaten großes Aufſehen in Deutſchland zu machen beginnt Anch uns bat fie bewieſen, daß dies Aufſehen ein vollfonmten gerechtes ift. Fräulein Riffen ainımt unter den Geſangsfünſtlerinnen unſe— rer Zeit eine der erjten Stellen ein, alfe einzelnen Partien der Kunſt beherrſcht fie mit großer Meilterfchaft, befonders den Lriffer, ehre darum den Bortrag in geiftiger Bezie— bung einbügen zu faffen. Die Kunſt ſteht indeß Bei ihr allerdings im Vordergrunde, und die Wirkungen derſelben werden durch Die Befchaffenheit der Stimme, Die, cinige höhere Töne abgerechnet, mächtig. voll und relıs ausklingt, fe wnferitüßt, daß der Ein— druck der ganzen künſtleriſchen Erſcheinung ein auperordentlicher iſt. Die Künſtlerin wird und noch durch ein eigenes Goncert, ſowie int nächiten Privakeoırcerte und hoffent— lich auch im Theater erfreneu.
= Der „Bremifche Beobachter” fagt: Fräulein Niffen tritt und entichieden als ein Geſangstalent erſten Ranges entgegen und impanirt bei den erften Tönen ſchon durch die wunderbare Klangſchoönheit ihrer Stimme, dann aber reißtt ſie nus mehr and mehr zur Bewunderung bin, ſowohl durch Die ſeltene Virtuoſität, mit Der fie Die größ— ten Schwierigkeiten fpielend überwindet, wie auch Durch ihren feelenvollen, tiefgefühlten Vortrag, und am Schluſſe ihrer erſten Arte ſchien ſie vollſtändig alle Serzen erobert zu haben, denn das Publicum brach in einen wahrhaften Beifallsſturm aus, der Die gefei— erte Künſtlerin zu wiederholtem Erſcheinen nöthigte. Die ſchwediſchen Lieder wurden mit einer reizcnden Schalkhaftigkeit vorgetragen und dte franzöſiſche Romanze wiederum mit einer ſo ächt franzöſiſchen liebenswürdigen Coquetterie, daß wir die Vielſeitigkeit der Dame höchlichſt bewundern mußten, Mit freundlichſter Bereitwiſſigkeit gab Frän— fein Riffen dann noch ein gar ſchönes ſchwediſches Lied an; ſchade, daß wir wegen Unkenntniß der Sprache daſſelbe nicht volfftändig zu würdigen wußlen, denn es ſchlen uns offenbar Fein einfaches Volkslied mehr, ſondern ein vollkommenes Kunſtwerk zu jein, Möchte uns nach öfter Gelegenheit werden, die Leiſtungen dieſer eminenten Künſtlerin zu bewundern. Auch die Vorträge des Fräulein Eyth verdienen die größte Anerken— nung, da dieſelbe ihr ſchwieriges Inſtrument mit ſeltener Knuſtfertigkeit behandelt. Lei— ber wollte das Inſtrumeut (wahrſcheinlich wegen der großen Hitze) nicht recht Stimmung halten, wodurch der Eindruck den die talentvölle Künſtlerin ſonſt anfehldar gentacht hätte, in etwas beeinträchtigt ward. Auch Kränlein Eyth ward, nad dem Feentauz bon Parish-Alvars ſtürmiſch applandirt und hervorgerufen.
* Die Bühne in Bremen bat in Fräulein Ganz aus Deſſan eine lange feh— lende Soubrette erhalten.
* Adam's neue zweiactige Oper „der Leuchtthurm,“ in der großen Oper in Paris zum erſten Male gegeben, hat einen glänzenden Erfolg gehabt. Die Ausfüh— rung war vortrefflich. Ponltier fang die Tenorroſle. Archaitt (dev Bariton) ſplelte nit großer Umficht und fang feine Role jeher gut. Bremont war, als komiſcher Bay, vortrefflich, und Mile, Dameron, die junge und hübſche Sängerin, gefiel in der Frauen— role (ihrer eriten neuen Nolle) fehr, Anber fihreibt eine eigene, bedeutende Rolle für fie, in feiner reuen Over, „der verlorene Sohn,” und feheint über den erſten Erfolg der jungen Künſtlerin fehr erfreut zu jehr,
* In dem Foyer des Theaters des Varietes in Paris fand ein originelles fünftlerifches Souper flatt, Der neue Director des Thenterd, Herr. Thibaudeau,
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hatte blos das ganze weibliche Perſonal feines Inſtituts dazu geladen und der Theater— director erfchlen mitten unter den vielen Schaufpielerinsen als Paſcha. Andere Verklei— dungen unter den Masten befannter Journaliſten waren ebenfalls zu jehen, und die ſtreugen Kritiker von Paris wurden von den hübjchen mastirten Damen greulich carri— firt. An tollen Toaſten fehlte es nicht,
* Roſfini iſt ſeit einigen Tagen in Paris auweſend,
* In Schwerin hat Fräulein Her bold als Jenny in der weißen Dame kalt gelaſſen. Das iſt bel der jepigen Temperatur fein Wunder.
# Die Parifer „Gazette musicale‘® berichtet: an der ruſſiſchen Zollgrenze ſei man jeßt eben fo jtreng gegen den Einlaß ausfändifcher Kunſt und Künſtler, wie bisher gegen die Einfuhr ausländijcher Induſtrie- und Kuuſterzeugniſſe. Kürzlich fei de aus—
ezeichnete franzölifche Sängerin Dem, Ida Bertrand, „meil fie feinen Bafjagier: * für die kaiſerl. ruſſiſchen Staaten hatte, wo nur diejenigen Künſtler eingelaſſen würden, die bereits ein Engagement für eines der Im Reiche priviſegirten Theater hät— ten,“ von der Grenze zurhdgewiefen worden. Die ſchöne Sängerin, fe wird binzuge- fügt, ſoll wicht wenig unangenehm überrafcht vworden fein, ala Ihr durch dieſes Verfah— ren alle Hoffuungen anf Kroberungen bei der Faiferl. Chevaliergarde, ſowie auf Dia: mantnadehr, kojtbare Armbänder und Fquipagen, fo völkerrechtswidrig geranbt wurden, Die Dame foll auch in Berfin vergeblih verfucht haben, auf Diplomatifchem Wege zu ihrem Ziele zu gefangen. Se gafant au Die Herren vor der franzöfifchen ſowohl, als von der ruffiiihen Geſandtſchaft gegen fie waren, fol es ihnen doch nicht möglich ge: wefen fein, die Borfchriften der ruffifhen Grenzfperre zu Gunſten der franzöſiſchen Alti— fin aufzuheben.
* Am 5. Ja. führte Robert Schumann In Dresden im Saale des Hötel de Sage fein Metjterwert „Paradies und Peri“ auf.
* Die itaftenifhe Oper der Königsſtadt in Berlin ſtudirt jegt „Nobert ber Zenfel® ei, Signora Fiorentini wird die Alice fingen,
* Meyerbeer, der foeben feinen „Bropbeten” in Dresden einftubiren Hilft, wo er am 24. Jar. zur Aufführung Fommt, wird in den nächften Tagen zu gleichem Zwecke in Wien eintreffen. Die Infrenefeßung der Oper iſt in Wien auf 20,000 Gulden ver- auſchlagt. Die Balletleute fahren ſeit fehs Wochen Schlittſchuhe im Theater, was fie viel bequemer auf der Donan haben könnten. Seit 3 Tagen liegen zwei Baflettänger, die fi in die Schlittfehug werwidelt haben, rettungslos am Boden, ohne einen kühnen Schnitt werden fie nicht mehr zu treimen und aufzurichten fein.
* In Cöln und in Königsberg iſt in dieſen Tagen Halevy’d „Thal von Andorra” zur Aufführing gelangt und mit Beifall aufgenonmen worden,
* Der Baſſiſt Serl in Coburg, fohon fange in Streit mit dem ebendafelbit lebenden Schriftſteller Schlönbach, mißhandelte denſelben wegen einer ihm migliebt- gen Recenſion am hellen Tage auf der Straße und erhielt in Folge deſſen ſofort feinen
bſchied vom Hoftheater.
* Der Violinvirtuos Carl Deichmaun gab in Gotha ein Concert und feſ— felte die Zuhörer durch fein treffliches Spiel; bei dieſer Gelegenheit Tieß ſich auch Die Heine Munder-Pianifin Uranie Berginy hören.
* St Danzig gab der Herzoglich Naſſauiſche Concertmeifter Jultus Schap- Ler ein Concert im Sewerbehaufe, in welchem er ſich ala ein vorzüglicher Violoncello: fpieler produeirte, und duch ſchönen, edlen Ton, anfprechenden Vorkrag und eminente Sertigleit allgemeinen Beifall fand.
* Bor einigen Tagen fuhr bie Gräfe Noffi-Sontag mit einer Gefellfchaft von Glasgow nad) Aberdeen, um bert am Folgenden Zage ein Morgen» Concert zu ges ben, doch der Zug fand bei Glammis fo viel Schnee, daß dadurch Die Sihnelligkeit ſehr vermindert wurde und endlich blieb Der Zug förmlich Im Schnee ſteckeu. Hülfe zu ſchaffen war unmöglich, und fo ſah fid) die berühmte Sängerin, Gräfin NRoffi, Lablache, Salzolari und Biatti genötbigt, ih durch den Schnee hindurchzuarbeiten und für die Naht ein Lhterfommen bei einen Pächter in der Gegend zu — Am folgenden Morgen waren Die Wege ganz von Schuee verdeckt und zwiſchen Drumlethee und Midd— letonbrücke fterfen 5 Locomotiven und 4 Züge feſt.
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* Der Bach-Verein in London In biefer Tagen iſt in London ein Bers ein unter dem Titel: „The Bach Society‘ geitiftet worden, der es fih zur Aufgabe macht, di Keuntniß der Werke Sebaſtian Bäch's in England zu verbreiten (for the purpose of cultirating an acqnaintance witlı the works of the illustrions John Sebastian Bach). Präfident der Geſellſchaft it der als Componiſt in Ruf ſtehende William Sterndale Bennett, „Dev Name Sebaſtiau Bach's,“ bemerkt ein eng— liſches Blatt, „iſt jedem Muſikfreunde bet uns befaunt, aber auch wenig mehr als der Name, Selbſt den Jüngern der Kunſt find feine Werke, mit Ausnahme ber’ Fugeu für Orgel und Elavter, fremd; felne Sunaten und Concertſtücke, feine zahfreihen Drato— viren, Meſſen ze, von denen viele an Majeſtät und Grbabenbeit nie übertroffen worden, ſind fo völlig unbekannt, ats 06 fie nie exiſtirt hätten, Sich zu dent Zwecke zu vereini— gen, Die Werte dieſes graben Mamres zu fhudiren und ſie dem muſikaliſchen Publicum zugäuglich zu machen, ot ein Unternehmen, weldes uaferer Kuuſtfreunde würdig iſt m affe Aufmunterung verdient.”
* Die „Slegante Zeitung” glebt von einem ihrer Leſer welcher fd ungemein vief mit dent Iheaterwefen befchäftigt, die größten Schaufpieler and Sänger fait afle pers ſönlich keunt und höchſt Bewandert in der dramatiſchen Literatur iſt, eine amnſante Ueberſicht des deutſchen Theaters am Ende der vergangenen Jahres; er bat herausge— bracht, daß Deutſchland jet 123 Theater befitzt, auf welchen nicht weniger als 1982 Schanfpieler, 213 Sänger, 197 Sängerinnen und 1416 Schaufpielerinnen agiren. Die Zabl ſammtlicher au dei deutſchen Bühnen befchäftigten Berfonen giebt er auf 13,200 am Unter den Sängerimen befinden fih 12 Die im Auslande gebildet find, Inter den Schaufpielern gewahrt man 1 Grafen, 2 Prelberen umd 36 Adelige. Der Herr Graf gebört einer reifenden Geſeſſſchaft an. Sogar ımter der 120 Senffleurd (inchif, acht Soufflenfen) erblidt man 4 Adelige, welche ſich nicht fchenen, in den Kaften zu friechen und den unterirdifchen Gedbächtnißeinheifer zu ſpieler. Baur dem geſtorbenen Schanfpielern binterließ ein folder 11,000 Gulden Schulden, während ein ebenfalls u feinen Vätern gegangener Theater-Portier ſeinen Erben außer einer bübfchen — ſchaft noch 8000 Thaler in Papieren ımd baarem Gelde hinterlich. An einem Hofthea— ter wurden vom Februar bis Mitte December 17 Heiſerkeiten der Sänger angemeldet uud im Ganzen vom Theaterarzt 32 Krankheitsatteſte ausgeſtellt. Au einer Bühne (wabhrſcheinlich in Leipzigh mußte in 7 Monaten der Vorhaug im Laufe des Stücks fie benmal wegen Dhunact und ſonſtigen Unwohlwerdens herabfallen. Dann — man ſtaune — giebt ed an einem der größten Hoftheater, wo der Hof jährlich 70-—80,000 Tbeler zuſchießt, ter den Kammermuſikern etliche mit einer Jahresgage von 150, fhreibe einhundert funfktg Thaler, mithin gerade fo viel Schalt als ein Dfenbeizer bezieht, Der au diefem Theater mit dem Titel „Temperateur“ fungirt. Auffällig iſt es, daß im vergangenen Jahre nur 2 Contractbrüche ftattgefunden, nämlich an größere Theatern, ein Beweis, daß die Engagements varer beim jemals. Was die Einnahmen der dramatischen Dichter betrifft, fo ftellt unfer Sammler die Frau Birch: Pfeiffer oben an und Schlägt Dad Geſammthonorar mit Inbegriff der Berliner Tautieme auf 2800 Thaler an. Inter den Intendanten befindet ſich einer, welcher in einem Briefe an ei: zem dramatiſchen Dichter das Wort Drama mit dent harten T fehreidt und Meber’s „Suryantbe” eine Jugendarbeit zu nennen beliebte. — Bei der Regieführung giebt es auch 3 Regifſenrs der Barodie und eine der Directlou vorgelegfe Selferrechnung wurde - erit dann bezahlt, nachdem fie der „Verſenkungsmeiſter“ geprüft und für richtig befne den hatte. Maut einer Kaufmannsrechmung für eine Schaufpielerin zu St. (welche Pie felbe aber nicht aus ihrer Taſche bezahlt) hat diefe gafante Dame Ei Ende November jr 200 Tbafer Glacéhandſchuhe verbraucht. — Am Schluß feiner Zuſammenftellung giebt und der fleißlge Sammler und Berechner auch noch Die nugefähro Totalſumme der Schufden all' diefer Männer an. Dean erlaffe uns bie Angabe dieſer Summe zu Nutz und Frommen ferner Credits, fie erreicht eine fchanderhafte Höhe,
5 % Bachmann Korbett erzählt in der Didaskalia Folgende abenteuerliche Ge- ſchichte: Kurz nad dem ungfückfeligen 18. September des Jahres 1848 kam zu Frank— furt am Main auf der Zeit it einem Kaufladen ein Fremder nnd verlangte dad Buch— „eng Find von Becher” Der Bnuchhändler bedauerte recht febr, dem MWunfrhe an— genblicklich nicht entfpreigen zu können, Inden das einzige Exemplar, was er auf dem Lager gehaht babe, vor ein paar Tagen (am 18. Sept. 1848) durch einen Schuß, der in den Erker des Ladens eingedrungen wire, dermaßen verlegt worden, daß es nicht mehr verfäufitch fei. Die Verlegung fei eigenthümlich, da der Schuf mitten durch das Buch gedrungen wäre, und fo den Namen des Berfafierd gänzlich weggenommen Iabe,
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Der Fremde erklärte, dieſe Verletzung mache ihn das Buch noch wünſchenswerther, und er verlange Dafjelbe um jestichen Brei, Der Buchbändfer beeitte ich, dent Wunſche des Käufers aufs Schnefljte zu entſprechen, kounte aber das Buch auf dem beſtimmten Platze und im garen Laden, troß elfrigen Suchens, nicht auffinden. Der Frembe drang in dem Buchhändler, ihm das verlegte Werk auf den andern Tag vor feiner Ab— reife zu beſchaffen. Der Verkäufer, für deu Das umvollitiudige Buch feinen befonderen FI; Batte, verficherte demielben, das er fih alle Mühe yeben wolle, feinen Berfan: gem nachzukommen, Der Fremde Fam am andern Tage wieder, das Buch war aber nicht anfgefunden worden. — Zu Wien, den 23. November defieiben Zahres, drang eine Kugel mitten durch Die Bruft des Verfaſſers vom Bude Jenny Lind, unb der Ranıe Beder war ſomit aus der Liſte der Lebenden geitrichen.
* Der König von Preußen bat dem jungen Biolinfpieler Herrmunn Marne fen in Berlin zu felner Höhern Ansbiiduug eine Unterfiügung von 50 Thalern bes willtgt,
* Hofrat Kiefewetter, der Verfaffer mehrerer muſikaliſcher Werte, unter ans dern der „Geſchlchte des Urſprungs und der Entwicklung unfrer heutigen Muſik“ iſt ges Rorben und tn Baden bei Wien beerdigt worden. Gr war 77 Jahre alt,
Nipptiſch.
* Srierrid Shopim Koffak entwirft in der Konflitutionellen Zeitung ful-
gende Scage; Bor zehn Fahren zogen ſechs Schimmel einen jungen Manu über de
hloßplaß tn Berlin. Sein Saar war lang und flog um feinen Nacken, er trug einen Zobelye von ungariihen Schnitt, mit feinen fangen unheimlichen Kingern niachte er grüßgend ſeltſame Zudungenz ſein dämoniſches Auge blibte fo freundlich, als es kannte, auf Die Menge herab, welche den Triumphator Des Glaviers umgab, An ver Ecke ber Waſſerſeite verbeugte fich dev Virtnoſe ehrerbietig; er bemerkte den graziös zunidenden önig. Sener junge Mann war Franz Liszt.
n demfelben Tage ſaß ein blaffer ſchwächlicher Mann mit fangen hageren Geſicht und dunklem Eraufen Haupthaar im Familienzimmer des Königs Louis Philipp am Piano. Der König hörte ihm gedanfenvoll zu, wie er Leife mit geſpenſtiſcher Leichkig— keit über die Taften des Flügeld glitt, und jene Harmonien künſtlich hervorzanberte, Die des Windes Hauch anf der Neolsharfe bervorbringt. Es durfte ihn Niemand ſtören, die königl. Familie hörte ihn lautlos zu, und es war den Dienern verboten, während ſeiner Bbuntaften das Zimmer zu betreten. 68 war Friedrich Chopin.
Während Franz Liszt fein Siegesflug durch die Eunftgebildete Welt trug, blieb Das größere Genie zu Haufe und ward mur dem Meinen Kreiſe begabter feiner Subörer und der größeren Sphäre denkender ausübender Künſtler bekannt, die fi literariſch mit ſei— nen Merken vertraut machten,
Chopin's Werke waren ein ewiges Ringen des Lebens gegen den Tod, Mo eine Röthe aufitelgt, iſt es nicht die des Morgens oder Abends, es ift die hektiſche Nöthe des früheren Scheidens. Nach ſtürmiſchen Anläufen, nach franfhaften Anſtrengungen zu Luſt und Jubel, ſinkt er ſchmerzlich ſeufzend im leiſfes Murmeln hinab. Durch eine füße Melodie zuckt ein jäher Wehlaut, während oben lieblicht Töne riefeln, droht unten eine verhängnißvolle dumpfe Stimme, und wirre züngelnde Tonfolgen überwältigen die heitern Haren Rhythmen. Und doch war er der glänzendſte Geiſt Der modernen Bit tuvſitäͤt. Er beſaß eine feltfan anregende Kraft auf feine ntager und dürftig produci— renden Kunftgenefjen, und wie galvaniiche Verguldung firt auf vielen hochgepriefenen Clavterwerken des letzten Jahrhunderts Chopin's Originalität,
Auf dem Wege, den er feiner Entwickelung gemäß gegangen war, konnten fie ihm nicht folgen; fie machten ihm mit ihren derben Zungen fein krankhaftes Suften nad, und man Iachte Die derben, mit Gottes Beiſtand gefunden Burſche aus, wenn fie ein ätheriſirtes Chopin'ſches Sänſeln affectirten. Ihn jelbit hatte Die Ueberwältignug alfer biöheriger Schwierigkeiten, der Ueberdruß am der ſeit Hummel, Moſcheles md Ralf brenner feſtgetrannten Mechantk an romantiſche Abgründe getrieben, dent Keuner find feine Gedanken wie Mährchen, Abends zu erzählen wenn Die Phantafie überwiegt. Ich für wein Theil babe Chopin nie Morgens ftudiven mögen. Denn Kaffee und Thalberg — Zwieback und Döhler — eine flarte Havanng und Franz Liszt.
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Seine Scherzi und feine Etüden haben wohl zumeift feinen Ruhm ald Piauiſt ver- breitet. Bon Tepteren find awei Hefte zit Je ſechs Concert Ftüden da, Franz Liszt zuges eignet, die won Geſichtspunkt Des vollendeten Spiels aus, bie und Da mod ungelöſte Probleme Der Applicatur aufſtelſen. Man erinnert fich der donnernden zwölften in Cmoll, der Etüde anf den Obertaften, des Wunderwerkes in Cismoll, der berühmten Arpeggien iu Es.
Bon feiner Berfinfichkeit willen wir nur wenig, Als Gußkow in Paris George Sand befuchte, ſaßen zwei Männer im Iwielicht ſchweigend am Kamin; einer davon war Chopin gewefen, Als er vor nem Jahren Deutfchland befuchte und in Dresden verweilte, fiel ein Beſuch Dei ibm fruchtlos aus. Er lag im Bett und hatte fich den Magen mit großen Tranbenvofiten verderben; er wär nicht zu bebandeht,
In Paris beſuchte er oft das Hillerſche Haus, um Abends cine Partie Whiſt zu ſpielen. Daun forderte ibn oft der große Cherubmi auf, vor dent Kartenjpiel die Ans weſenden durch feine freie Phantaſie zu entzücken. Hatte nım Chopin vollendet, fo trat der Compouiſt Der Lodoiska und Des Waſſerträgers von hinten heran, faßte Chopin's Kopf und drüdte einen Kup auf feine blaffe Skin, Inden er erfreut Irummte: „Immer neue Ideen, brav gemacht!“
Aufruf an die Freunde Earl Herloſiſohns.
Der Interzeichnefe erläßt au Die zahlreichen Freunde Carl Herloßſohus im Ins und Auslande die Aufforderung, ihn durch Freiwillige Liebesbeiträge in den Stund zu fehen, dem tbeueru Todten ein Fleines Denfmal auf feinem Grabe zu errichten. . Diefed Denk nal ſoll ans einem einfachen eifernen Kreuze — Dem Symbole des deutſchen Schrifte jteflers im Leben wie im Tode — beftehen und mit der einfachen, aber wahren In— Schrift geſchmückt fein:
„Hier ruht ein großes, edles Herz” E. M. Oettinger.
Ankündigungen.
Ba A. O0. Witzendorf in Wien ist soeben erschienen:
Dont, 3., Op, 31, Polonaise p. Pfte. 30 kr.
Fahrbaeh, Plı, Op. 80. Berliner Polkä f. Pfte, 15 kr.
— — Op. 81. Strauss’ Monument-Walzer f, Pfte. 45 kr,
Lindner, %., Op. 12. Paraphrases p. Velle av. Pfte, No. 1, Duo de l’Ope£ra les Huguenots, LI fl. 30 kr,
Schubert, Franz, Op. 125. Deux Quatuors arr, p. Pfte, & 4 Mains par Joseph Czerny. Noay. Rdition. No. 1.2. a2f.
Stransky, J., Op. 12. Fleurs des Op£ras, Six Me&lodies p. Velle, av. Pfie. No. 5. La Straniera. Kl.
Waldmüller, F., Op. 47. Erbolungen für die Jugend. Fantasien, Rondos und Variationen f. Pfte. zu 4 Händen. No. 3. Die Musketiere der Köni-
gin. 45 kr.
Ausgegeben am 16. Januar,
Berlag von Bardholf Senff in Keipzig.
Drud von Frieprich Andrä in Leipzig,
' N 4 Leipzig, Januar. 4850.
SIGNALE
5 I n rar die | Muſikaliſche Welt. 3 J ' Adter Tabrgang.
Derantwortliher Hedactenr: Bartholf Senff.
- Zubhrlich erfcheinen 52 Nummern. Preis für den ganzen Yahrgang 2 Thaler, Inſertionsgebühren für die Petitzeile oder deren Raum: 2 Rengrofchen. Ale Buch- und Muſikalienhandlungen, fowie alle Boftämter nehmen Beftellungen au. Bufendungen werben unter der Adreſſe der Redaction erbeten,
Dreizebntes Mbonnementeoncert
in Saale nes Gewandhauſes zu Leipzig. Donnerstag, ben 17. Januar 1850.
tErſter Theil: Jubel-Ouverturt von &. M. v. Weber. — Reciiatlv und Arie mit obligatem
Clavier von W. A. Mozart: „Non temer, amalo bene,“ vorgetragen von Fräulein Spa Buck
und Herrn Ferd. Breunung. — Contertino für das Waldhorn von A. Avam, vorgetragen von
Herrn Ed. Pohle, Mitglitd des Orcheſtert. — Arie aus der Over „la Favorite‘ won Dont
. getliz „O mon Fernaud, tous les biens de la terre," vorgetragen von Bränlein Bud, — Zweiter Sheil: Sinfonia eroica von 8. v. Beethosen.)
Trotz der trefflichen Werke, welde diesmal in dem bündigen und wohl abgerunde— ten Brogramm geboten wurden, war der Totaleindind des Coucertes doch kein fo gün— figer, wie er es uuter anderen Umſtänden bätte fein müffen, da Störungen vorfielen,
welche gang dazu gemacht ware, die Aufmerkfamfeit der aumefenden Zuhörerfhaft ab— J zulenken. Weſentlich wirkte dazu ber Umſtand, daß nad dem zweiten Satze der Sym⸗ phonie ſich aller Gemüther die Schrecken einer möglichen Feuersgefahr bemächtigten, in— den das den Saal erhellende Gas urplötzlich in beunruhigender Menge aus den Röh— ven frömte, Zwar Tehrte Die änßerliche Ordnung, nachdem die Flammen auf ihr urs fprüngliches Maaß reducirt worden waren, allgemach wieder zurück, aber Die innere Ans dacht war, einmal geftört, doch für diefen Abend verloren. gegangen.
Fräulein Buck, deren Leiſtungen ſchon öfters in dieſen Blättern eine beifällige Erwähnung fanden, debütirte hente als Soloſängerin, nachdem ſie ſich bereits mehrere Male im Laufe dieſes Winters bei Enſemble's mitwirkend betheiligt hatte. Das ſchönt und kräftige Organ, fü wie die tüchtige, wenn anch noch nicht vollendete Bildung deffel- ben, war auch heute nicht zu verfennenz mit dev Wahl der Mozart'ſchen Arie, welche eine noch tiefere, durchdachtere Auffaſſung erfordert, als Fräulein Buck befundete, vers mögen wir und nicht ganz einverflanden zu erklären.
.Als Soliſt ließ ſich Herr Pohle, ein OrKeftermitglied, beifällig hören; wir zol⸗ len feiner dabei kundgegebenen Tüchtigleit gleichfalls Anerkennung, ftellen jedoch feine
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26 Signale, anderweitigen Verdienfte als Horniſt, z. B. in der nachfolgenden Symphonle, bei wei⸗ tem höber, und fprechen uns bei der Gelegenheit gegen derartige meiſt geiſtlaſe Producs tionen, de wohl Niemandem Freude und Befrledigung gewähren können, entſchieden aus, Im Grunde iſt es doch hauptiächlich bei ſolchen Bortrigen allein auf die Kundgebung rechniſcher Fähigkeiten abgeſehen, ünd das fcheint uns. für Die Bedeutung der Gewand: bansconcerte zu gering.
Schließlich haben wir die, bis anf einen Feinen Irrthum der erften Flöte im Tranermarſch bald nad dem Gintritt des Cdur, durchaus verfekte Ausfüßbrung der Eroica zu rühmen, und ebenſo diejenige der Jubel-Duverture. B.
Fünftes Concert der „Euterpe“
-- im Saale der Buchhändlerbörſe zu Leipzjig. Sonnabend, den 18.- Januar 1830.
Erſter Theil: Brüblingsfinfonie in Gdur von Louis Ehlert. Neu, Mannſcript. — Zwei— ter Theil: Duverture zu der Oper: „Iphigenie in Auliz“ von Glud, — Arie: „„Da mir Alles uun entriſſen“ aus ker Dper: „Das Nachtlager in Szranaba’’ von E. Kreutzer, geſun— gen von Fräulein Emilie Kietz. — Concert für Bianoforte in Amoll won Rob. Schumann, vor⸗ getragen von Herrn Adolph Blaßmann aus Drespen. — Arit: „Kommt ein fchlanter Burfch ges gangen” aus ver Oper: „Der Freiſchötz“ ven & M. v. Meber, gefangen von Fräulein Kieß. — Fantofier „Sehnſuchtt am Meere“ für Pianoforte von R. Willmers, vorgetragen ven Herrn U Blaßmann. — Duverture zu ber Oper: „Der Sreifhüß” ven & M, v. eher.)
Die Symphonie von Chlert muß als Die Gedeutendite der von Euterpeverein bis⸗ her aufgeführten neuen Kompofitionen bezeichnet werden, da fie neben yriginafer Erfin— dungäfraft, Die nur bie und da durch den fihtfichen Einfluß Robert Schumaun's une terdrückt wird, als ſehr wefentliche Eigenſchaft einen ungleich Höheren Grab von In— telligenz in Anlage und Ausführung erkennen läßt. Der Hauptcharakter ift, wie ſchon das Epitheton erwarten läßt, ein friſcher, wohlgemuther, und hinterläßt einen angeneb- men, meiſt befriedigenden Eindruck; nur ift uns die Intenfion des Gomponiften bei dent Schlagfage des Finale, „Hymnus” benannt, "ehvad apokryphiſch geblieben, da derſelbe nad unſerer Einſicht durch das Vorhergegangene nicht abfolut bedingt fheint. Doch mögen wir uns hierin auch täuſchen, und ſtellen deshalb unſre Meinung nicht als maaß— gebend hin. Die Behaudluug des Orcheſters iſt, wenngleich nicht ohne Geſchick und fleißig, ſo doch bisweilen mühſelig, und wir fönnen bei der Gelegenheit dem Autor den Vorwurf nicht erfparen, daß er die für einen Tonſetzer unerläßliche Notiz bon ber eis genditen Natur der einzelnen Drehefterinitrumente nicht in ausreichenden Maaße genom— men bat, da er den Eperutirenden Manches ohne Noth erfchwert, beffen gleichartiger Ausdruck ohnfehlbar mit geringeren Mitteln zu erzielen fein dürfte. Die Ausführung war jedenfalls unzureichend, einige Proben mehr wären um fo weniger zu verabfänmen gewefen, als der poſitive Werth des Werkes fie wohl verbieut hätte, Ueberhaupt ver: wißten wir heute auch in den beiden Duverturen, deren gelungene Darftellung bei den alljährig feitftehenden Wiederholungen nicht mehr verwundern darf, eine gewiffe unſerem Orcheſter fonft eigene Eonflitenz.
Die Bionofortevorträge eines Dresdner Künftlers, des Herrn Blaßmaum, Waren im Ganzen fehr verdienſtlich, nameutlich gelang Die Piere von Willmers fehr wohl, wo— gegen wir dem Schumann'ſchen Goncerte jene Höhere poetiſche Auffaffung gewünſcht häts ten, bie dies herrliche Stück erft zum Vollgenuß für den Zuhörer bringt.
Für die auf dem Programm genannte Sängerin Fräulein Starf.aus Weimar, trat Fräufen Kietz auf. . BR
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Dur und Moll.
.* Leipzig. Im lebten Gewandhausconcerte trat ein frember Herr der Sänge rin während ihres weiten Vortrags nicht nur gang auffallend nahe gegenüber, Diefelbe fortwährend ſcharf lorgnettirend, —* bot ihr, als Nie geendet hatte, auch deu Arm, um fie herunter vom Orcheſter in den Saal zu führen. Wie fich herausgeftelit bat, mar es leider ein Unglücklicher, der nach an demfelben Abend in Die Irxenanſtalt gebracht worden iſt.
Fräulein Bud bat bei der hiefigen Bühne ein Engagement auf drei Jahre erbal- ten, fe wird In den nächſten Tagen ihre erſten theatrallſchen Berfuche machen.
* Fräulein Niffen hat am 12. Jan, noch ein eigenes fehr zahlreich befuchtes Concert in Bremen gegeben, darin unter andern auch mit einer Arte aus Meperbeer’d „Propheten“ Trinmphe gefeiert, Die Herren Behr und Reinecke wirkten in bem Concert mit. — Am 16, Januar trat Fränlein Niffen im Theater als Yucia bei dop— velt erhöhten Preiſen und überfüllten Haufe auf, fe fand fo großen Beifall, daß Rus blicum und Director ein nechmaliges Auftreten dringend wünſchen, daſſelbe wird am 21. Jan. ſtattfinden. — Am 19. San. folgte die gefeierte Sängerin einer Einladung an den Hof zu Oldenburg um fich daſelbſt Bären zu laſſen.
* Man fchreift und aud St, Petersburg: Die Univerſitäts-Concerte, au ben Sonntagmorgen, pirigiet von dem Bioluncelliiten Herrn Schuberth, haben in dies fem Winter ein ſehr zahlreiches Publicum, dem der Beſuch diefer Aufführungen zum wahren Bedürfuig zu ſein ſcheint. Beethoven's Sinfonia eroica wurde am vorigen Sonntage, nach einſtimmigen Urtheile, meiſterhaft ausgeführt, was um fo bewundernss werther iſt, als Feine Proben ftattfinden, wobei man aber auch nicht überleben darf, dap Herr Maurer ald DBorgeiger und viele andere ausgezeichnete Muſiker der Faiferli= hen Orcheſter mitwirken. — Der Piauiſt Lewy tt nette von Eonftantinpel zurück— gelehrt. Er hat die Ehre gehabt bei Hofe zu fpielen, und von Sr. Majeſtät dem Suls tan, außer den gewöhnlichen Gnadenbezengungen, ein muſikaliſches Gaſtgeſcheuk zu ers halten, nämlich vierzig eigens für ihn aufgezeichnete türfifche Driatnaf= Melodien, von denen fich erwarten Fägt, daß fie, für Janitſcharenmuſik gefept, Geräuſch genug in ber Melt machen würden. Einen wirklich muſikaliſchen Fund dagegen hat Herr Lewy ges than, inden er auf feiner Nüdreife von einen Priefter der aus Kurdiſtan verfprengien Jeſſiden- (oder ſogenannten Tenfeldanbeter:) Serte, eine höchſt eigenthümliche rührende Meladie gelernt Hat, Die fit vor andern miwrgenlänbdifchen Weifen durch ihre große Sing- barkeit auszeichnet und leicht Die ältefte Melodie fein dürfte, Die fih bis auf unfere Zage erhalten hat.
* Dean fchreibt uns aus Halle: Fräulein Iohannfen aus Kopenhagen hat und im zweiten Soncerte dev Mufeumägefellihaft wiederun fhöne, werthvolle Genüſſe bereitet, Die abermals den lauteſten Beifall fanden. Am meiften exeellirte die eben fo befcheidene ala anfpruchsfofe Künſtlerin in der Kirchenarie von Stradella, die fie mit allen Schattirungen und Fetıtheiten der höheren Geſangskunſt ausführte. Außerdem hör— ten wir eine Merle aus Titus mit obfigater Glarinette und zwei Lieder von Mobert Franz und Kranz Schubert. Gröffnet wurde das Concert durch eine Beethoven'ſche Ouverture, und Gefchloffen durd die grandioſe Sinfonie von Mozart mit dev Schluß— füge, Beide Werke wurden in vecht würbiger Weife zu Gehör gebract.
* Die Schweiz Defikt gegenwärtig 6 Ihenterdirectoren mit Gefellihaften von einiger Bedentung. Hehl, Fir Died Zahr Director in Bern, beitreiht ver und nad der Winterfaifon au Solothurn und Baden im Canton Aargau. Cramer, Di: rettor des Zürcher Theaters, kommt Gier eben fo wenig auf die Koſten als andere (laut Zagebl. betrug der Neinertrag der Borftellung vom 8. San. ca. 3 Thlr.), er wird ſich wahrſcheinlich Fir künftiges Jahr fehr bedanken. Mir April zieht er gen Aarau. Herbordt, früher Mitglied der Hehl'ſchen Gefellfihaft, befucht Luzern, Zug, Chur, &t. Gallen und madıt ſelbſt Exeurfionen nah ®indan. Die Oper iſt aus begreifs lichen Gründen bei dieſer Geſellſchaft ausgefchloffen, dagegen wird. das beſſere Schau: und Singſpiel gepflegt, Frey;, ehentaliger Tungmeiller, beglüht Schaffhauſen ꝛc. Direrter Schmiß reſidirt bald in Burgdorf, bald in 20 2 gen und Toll nach ei— nem Berichte Max beweiſen, daß man auch mit geringen Mitteln Ganzes leiſten fünne, natürlich unter ſehr befcheidenen Auſprüchen! Gent hat franzöſiſches Theater unter deutſcher Direction. — Das reiche Baſel ift ohne Theater, der Stadtrath hat es ab» gelehnt die Laſt von den Schultern der Achiomalrs zu nehmen. Die Diresioren find in
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Baſel ſehr im Rachtheil, da Sonntags nicht geſpielt werden darf, Neben dieſen orga— niſtrten Geſellſchaften beſtehen noch zahlreiche Privattheater.
X Greith's Dratortum, „der heilige Gallus,“ it auch in Zürich zur Auffüh— rung gekommen. Das Urtheil des Meiſters Schuyder von Wartenjee war ſchon vor der eriten Aufführung änßerſt günſtig gefällt, Dagegen fanden fih nad; dev Aufführung: noch werjhledene Meinuigen. Wie man hört, arbeitet der junge Componiſt bereits au einem andem Oratorium, Indith.
* Frau Clara Schumann und Herr Concertmeiſter Schubert in Dresden gaben am 15. Jan, ihre vierte Spirce Für Kammermuſik; cu Trio von Mendelsſohn, eine Sonate von Beethoven und „Pensees fogitives“ für Piano und Bieline von Helfer uud Ernft bildeten das Programm, auperdem fang Fräulein Jacoby Xieber yon Schumann und Mendelsſohn. Diefe Dame, auf Den Conſervatorium in Leipzig gebifdet, und zugleich gewandte Clavierſpielerin, wirkte ſchon nenlich bei der Aufführung vor. Schumann’ „Paradies und Peri“ mit. Es jcheint auch in Dresden an wirklichen Eonteertfängerinen zu fehlen,
Fräulein Zucile Grahn hat Berlin auf einige Tage verlaſſen, um in Brause ſchweig Drei Gaſtrollen zu geben, fie wird dafelbit ats Bajadere in Auber's Oper „Gott und Bajadere,“ als Yelva und als Bert attftrefen, in dem letzztgenaunten Stüd wird der königl. Solotaͤnzer Ser Ebel ans Berlin ald Achmet gaſtiren, Fränlein Grahn wird ſich nächſtens mit Herrn Ebel vermählen. u
* Am 17. San, gab der Gorncertmeifter Hub. Nies tm Bäcilienfaale der Sing: acabenrie zu Berlin eine mufifafifche Spiree, bei welcher drei Inſtrumental-Compoſitib⸗ zen feines Bruders, des verftorbenen Ferdinand Nies (Compouniſten der Räuber: Braut) eserutirt wurden. In alleır dreien fpricht fich Die ernfte, den Geſetzen ber Har— wionie tren folgende Richtung des Schülerd Beethoven's aus, Die ſich weniger in einer Reihefolge glänzender Ideen, als im der conſequenten Durchführung eines beſtimmten, gewähltenn Thema's gefällt, Im dieſem Sinne ſchien namentlich Das erſte (ſchon im Jahre 1826 componirte) der älterern Faſſung ſich annähernde Quartett in Cdur, fo wie dad lebte Sextett in Amoll (Manuſeript aus Dem Jahre 1837) geſchrieben. (Sie leichtere Form bat Die Sonate Faur, Op. 34 für Pianoforte und Horn, die von ben Herren Zanbert und Schunfe vortrefflich ausgeführt wurde. Das Ichte Segtett (für 2 Violinen, 2 Bratfchen, Vioſoucell und Contra-Baß) iſt ungewöhnlich ausgedehnt, nas mentlich im fchten Satz, der überhaupt etwas einförmig iſt. Ausgeführt wurden Die Stücke von den Herren Hubert und Louis Ries, Ed. und Wim, Richter, Eöpenhahn und Teetz.
* Der englifche Gefandte Weftmorland vereinigte am 18. San. die Efite der Berliner Geſeliſchaft zu einer muftfalifchen Matüree, in welcher Mitglieder ber Fönigl. Capelle, unter Leitung des Coucertmeiſters Gang, mehrere Sinfonien des edlen Lord, unter denen die durch Henry Litolff's Piano Arrangement auch in weiteren Kreiſen Des tannt gewordene in Gdur, meiſterhaft ausführten; Fräulein Tuczekt fang fehr ſchoön Die. Iorneo-Aria, Pietosa a mio matir! Sgra. Fiorentini eine Aria umd mit bem Eomponiften Balfe amd einem Diletianten ein Trio aus einer Miſſa des Lord, -
* Den 24. San. kömmt „der Mulatte” von Balfe in Berlin zum eriten Mafe jur Aufführung. Fräulein Tuczek iſt verdriehlich, daß eine Mole im biefer Dper an Frau Köſter gegeben worden üt, welche in ihr Fach ſchlägt. =
8 Inu Berlin wird die Feier des Geburätages Mozart's am 27. Jar, durd) eine Borftelling der Zauberflöte begangen; derſelben folgt ein mit Mufit von Mo— jart aus Idomeues begleiteles Tableau, welches das Mozart-Denkmal in Sale burg, von Schwanthaler, mit Gruppen aus feinen Opern umgeben, darſtellt. i
* Im Comcertfanl des Berliner Dpernbaufes ift jet neben den Büſten von Zelter, Radziwil, B. U Weber, Himmel und Righini, die von Mendels- ſohn, von Rilſchel modellixt, aufgeftellt worden.
* Genny Lind fingt am 29, Jan, in einem Concert in Theater zn Sannover. Die Gerüchte, fie werde eine Reiſe durch Rordamerika machen, iwiederhofen ſich.
* Louis Köhler, der in der Kanigsberger Beitundg die Dorfigen Dperit- aufführungen mit Geiſt und Sachkenntniß' kritiſtrt, klagt In feinem feßten —* über den eingetromen Kunſtfinn der Königäberger, Mozarts Figaro mit Herrn NRoberti (doch nicht Roberti-Gartia?) als Almviva-Gaſt hatte ein grauſig leeres Haus, Bon Herrn Noberti wird gejagt, daß er eine ſehr ſchöne Stimme, aber nichts gelernt
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jühe, auch dad Spiel fel genan inte feine Defangsdifoung, nämlich ohne afle Bildung, ränleln Gtlbert fang die Sufanne, ala wäre fie fihlecht disvonirt, nicht dur: chuupfen, denn der ift immer fcheinbar bei ihr da, indem Fräulein Gilbert ſtets nur
allein durch den Mund ausathmet und zwar nur beim Singen, nie bein Sprechen.
* Der Claviervirtuos Schulhoff gab am 12. Jan. in Wien Eoncert, Die hoch: geiyannten Erwartungen ber Wiener find wicht nur erfüllt ſondern fogar übertroffen worden.
* Don Hoven wurde in Wien am 12. Jan. eine Dperette zum erſten Mal ges geben, welche den Titel führt: „Gin Abentheuer Karl IF5* die Operette ſoll angefpro- Ken haben, der Text ift nach dem Tranzöfifchen von Moſenthal.
x Die ab etretenen Sängerinnen können fi nicht beruhigen, . auch Jenny Lutzer-Dingelſtedt iſt wieder Da, fie trat in Wien am 15. Jan. als Suſanne in Mozarts Figaro auf.
X Am 19, an. fand das erfie Concert von Rudolph Willmers in Wien fait, 68. war überfüllt.
* Die Familie Neruda giebt in Wien Concerte.
8 Behr gab am 19. Ian, in Bremen „Die diebiſche Elſter“ von Rofjint zu feinem Benefiz. |
J %* Her Ritter, dieſes reiſende Flötenfptel, hat Contert in Hamburg ange fündigt. Man verſpricht ſich ein Hauptvergnügen. J
* Im letzten philharmoniſchen Concerte in Hamburg lieh ſich der treffliche Pia⸗ niſt Reinecke hören, der zu dieſem Zweck von Brenten eingeladen: war,
xX Yn 23, Ian, wurde In Hamburg zum erften Dal Meyerbeer's „Prophet“ gegeben. Hamburg tft affo allen andern deutſchen Bühnen zuvorgefommen.
8 Auch im Peſther Nationaltheater wird der „Prophet“ bald in Scene geben, und zwar in ungarifcher Sprache. Mad, de la Grange von Paris, jetzt zum „Pro= pheten“ in Wien ammefend, wird fpäter aud In Beth darin ungarisch mitwirken, fie if} vom Director Fancfy auf 12 Saftrollen engagirt.
U # Kanıy Eller bat einen briffanten Saftrollenruf nah Mostau angenone nen, fie befümmt für 12 Abende 10,000 Silberrubel.
* Sm San Larlathenter in Neapel it Schillers „Kabale und Liebe“ aufge führt worden — als Oper. irgend einer bat das Buch bearbeitet und es „Xutfa Mil- ler" genannt, Verdi hat die Muſik dazu gemacht.
* Lumley, der befannte Londoner Theaterdirector, bat dad Unglüͤck gehabt,“ kürz⸗ fh nad feiner Ankunft in Brüffel auf der mit Glatteis bedeften Straße auszırglels fen und ben finfen Arm zu Drehen. Die erften Rotabilitäten der Stadt, dev Bürger— meilter, der engliſche Geſandie, der -Hof, auch Fürft Metternih u. |. w, beeiferten ſich, ihm eine lebhafte Theilnahme zu bezeugen.
# Herr Ih Probſt aus Letpzig, einer der geſchickteſten Inſtrumentbauer, hat
in yon eine arohartige Pianoforte-Fäbrik etablirt, die Borzüglichkeit feiner Juſtru— mente nimmt die Aufmerkſamkeit aller Kenner in Anſpruch md diefelden werden der Erard’fhen au die Seite geftellt,
X Unter den Tanztomponiſten der Gegenwart macht fich feit einiger Zeit ein netter Name vortheilbaft bemerkbar, M. Stephan, Muflldirecter in Franze nsbad, "bat eine Reihe der hübſcheſten Tänze gefihrieben, die fchen während der Iekten Saiſon tn Franzensbad Aufſehen erregten, und jeßt auch an andern Orten, namentlich tn Leip⸗ zig mit großem Beifall gefvielt_ werden. Wir machen Mufifchöre auf die nächjtens im Druck erfheinenden originellen Compofltionen des jungen Böhmen aufmerkfam. .
% Die ttalienifche Muſtkzeitung des Herrn Nicordt „Grazetta musicale di Mi- ano“ ericheint mit Beginn diefed Jahres wieder, fie hatte jeit geraumer Zeit eine Unterbrechung erlitten.
# Der Diäter Sternan tn Coln Kat zu Beethovens Egmont⸗ Muſik und der⸗ jenigen zur „Prezioſa“ von Weber zwei höchſt poetiſche verbindende Texte geſchrieben, zum Behuf von Aufführungen dieſer Muſik im Consertfaat,. on
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* Gin Portrait von Fräulein Marte Wied iſt in Dresden bei Mefer ſoeben erfchienen, von Profeſſor Fechner in Paris gezeichnet.
* Den Componiſten und Muſik-Dirigeuten des Sonaten-Vereins in Berlin, Seren Carl Hering, haben Sr, K. H. der Prinz von Preußen die ſilberne Medaille mit ſeinem. Bildniſſe, begleitet von einem huldvolſen Schreiben, zugeſandt, fo wie Die Dedteation einer großen Sonate für Piauoforte und Violine von Carl Hering huld— reicht anzunehmen gerubt.
& Die Sräfin Roſſl-Sontag, welche durch Den Zanber Ihres Gefangen bie alte Sonntagszeit aus Deutihland nad England übertragen bat, der „wandernde Trümtph“ wie fie Die britiſchen Gutänfiaften nennen, wird jept in Berfin erwartet, wid Kunſt— ſchwärmer ſchmeicheln fih mit der Hoffnung, daß die dentſche Nachtigall vielleicht auch im lieben Daterlande noch einmal fchmettern werde. Was übrigens den beiſpielloſen Erfolg der Künitlerin in England betrifft, fo erſcheitt derfelbe nicht fo erſtaunlich, wenn man ſich erinnert, was Börne bei Gelegenheit des Gaftipield des Fräulein Sontag in Frankfurt erzählt! „Kin Engländer, der feinen Zogenplap mehr bekommen konnte, wollte das ganze PBarterre für fi allein miethen und zeigte ſich, als man ihm bemerkte, daß dieſes ſchicklicherweiſe nicht auszuführen ſei, ſehr erftaunt über die wunderliche Conti— nentalsPBrüderie.” — Und ſogar Dentjche waren damals großmüthig wie die Englän⸗ der. Der Birth des Gaſthauſes, in welchem Fräufein Sontag vierzehn Tage gewohnt, fchlug bei ihrer Abreife jede Bezahluug aus und veredelte und verfüngte dadurd) den alten römifchen Kaiſer zu einem Prytanenm, in welchem ruhmvolle Dentjche im Namen des Baterlandes bewirthet werben. ü
D golone Zeit, in ber wir fröhlich lebten, Beim Klang ver Sontag drutſche Cinheit mehten!
Nipptiſch.
* Görgey und feln Getger. Seit einigen Monaten lebt Görgey in Kla⸗ geufurt SE und zurückgezogen. Mau ſicht ihn ſelten. Sm Muſes will er wieder vie ſentſchaftliche Forſchungen machen. Nur in wenigen. Familienkreiſen, denen er von frü— herher bekannt war, iſt er mit edler Sarfreundihat aufgenommen. Gerne fpricht er da von feinen jüngiten Erlebniſſen. Dft chen hatte er Remeny's und feiner Wunder- geige wie einer augerordentlichen Erſcheinung auf muſikaliſchem Gebiete erwähnt. Gör—
ey hatte nämlich an einem abgelegenen Drte Niederungaund Remeuy, der eben erſt von Reiſen gekommen, getroffen und ihn ſpielen gehört. Der Zauber ſeiner Töne, die Macht tiefer Empfindung, mit der cr die nationalen ungariſchen Weiſen fplelte, machten mäch- tigen Cindruck auf das Gemüth ded Kriegers — genug, Nemeny begleitete Görgey anf feinen ganzen jüngſten Feldzuge, Oft folgte er ibm in das tiefite Gewühl der Schlacht, und wenn ich nicht irre, war es bei Waigen, wo Görgey feinen Freund fait mit Gewalt von feiner Seite führen laſſen mufte, indem er ihm zurief: „Fort, in Div tüdtet Die Kugel ein Genie, das einst noch Die Welt entzüden ſoll!“ Und went der Sturm, ber Schlachten ſchwieg und die Krieger im Lager unter Zelten oder am MWachtfeuer ruhten, da ließ Remeny's Geige die Geiſter Racotzky's und all der ruhmgekrönten Magyarenhel: den aus ihren Grüften fleigen, und dad N auberfieh von der alter Größe ber Ungarn, von dem einitigen Glanze ihres entichwundenen Neichee mit unwiderſtehlicher Kraft ers tönen, — Der Schlag (d. h. der Berrath) bei Bilagos Sieh das verführerijche Ried vers ſtummen, Görgey wanderte von dem Tumufte der Schlachten in die ländliche Einfamteit feines Klagenfurter Aufenthalts. Da folgte von der zahfreichen Umgebung. des eben noch übermädhtigen Feldherrn unr Remeny ins Gil, md die Geige, die bei Vilagos berjtunmt war, fing im einfamen Kämmerchen wieder jene melanchollichen Weiſen zu fingen an, trüber, Düjterer denn je, — Görgey führte feiner Freund auc in die bes freündeten Kreiſe. Da hatte ich Gelegenheit, den genialen jungen Mann (dtemeny ift erft 19 Jahre alt) keunen zu lernen umd feine Geige zu hören, Gr ſpielte Sonaten, Trio's von Beethoven, Mendelsſohn mit ungemeiner — uͤberraſchenden, theilweiſe fremdartigem, bei Wiederholungen oft raſch wechſeludem Ansdrud; ein wundervoll ſchö— nes „Wiegenlied“ und eine etwas bizarre „Viſton, eigener Compoſition bereiteten. auf feine „Ungariſchen“ vor. Wer je in Ungarn gereift iit, der Gat wohl einmal in einen abgelegenen Dorfe Zigeuner „aufſpielen“ gehört, fich aber vielleicht fo wenig wie ich es vermochte, in jenen fremdbartigen, gedehnten und monotonen Weifen zuveihtfinden können. Reweny fehrt le uns verſtehen, er hat ihr uranfänglich cigenthümliches, ihr vielleicht uralt orientalifchea Wefen mit ſchöpferiſcher Kraft erfaßt, und giebt es in gentafer Weiſe
ee — — —
Signale. 3
wieder. Es beginnt eine meiſt höchſt einfache Melodie in Moll, iret mit gar ſeltſamem
Rhythmus In wehmüthigen Accorden, gewinnt bald etwas ficheres, fedes, ſchwunghaftes,
jauchzt fieberhaft anf, und fällt wieder in Ihe bitteres Web. In feinem Rakokßymarſch
tobt und brauſt es wie im dem heißeften Kanıpfe; den hat er dem Sturm der Schlach—
ten abgelauſcht, und Doch liegt Darin noch jener fiefe, unheilbare Schmerz: ber linters
ons einer. Nation! — Nemeny it nach Paris gegmtgen, dort will er hören und fid) ben.
Ankündigungen.
In der T. Trautwein’schen Buch- und Musikhandlung in Berlin erschien soeben:
Flügel, &., Op. 26. Concert-Ouverture. Partitur 1 Thlr. 15 Ngr.
— — Op. 20. Feldblumen.' Clavierstücke 224 Neger,
Eranek, E., Op. 13. Concert f. Pite. mit Orch, Pianoforte - Stimme 2 Thlr 23 Neger, Orchester-Stimmen 5 Thlr. 273 Ngr.
Kullak, T., Op. 51. 2me Portefeuille de Musique p. Pfte, No. I. La belle Madelaine. Noctume. 15 Neger. No. 2. 3 Jägerlieder, 223 Ngr. No, 3. Au bord de la mer, Romanze. 15 Ner, No, 4. Scherzo, 171 Ngr. No. 5. Saltarello. 223 Ngr. Be
Neitharät, A., Oj. 138.. Psalm 54 u. 47. f, Sopr., Alt, Ten, u. Bass, Par- titur 15 Ngr., jede einzelne Stimme 5 Ngr.
Schneider, J., Tafellieder für Männerstimmen, Op. 32, Heft V. Part. u. St. netto 163 Ngr.
— — 0p.33. Heft VI. Part. vu. Si. netto 16% Ner,
Taubert, W., Klinge aus der Kinderwelt, 3. Heft, 12 Lieder f. 1 Stimme, Op. 79. 1 Thir. 5 Ner.
Bei ©. Haslinger ie Wien ist soeben erschienen:
Strauss, J., Op. 240, Zwei Märsche der spanischen Nobelgarde f. Orch, 2 fl, — f. Pfte. 30 kr. — f. Pfte. zu 4 Händen 45 kr.
— — Op, 24l. Die Friedensboten. Walzer f. Orch, 3 fi. — f. 3 Violinen u. Bass 1 fl. — f. Violine 20 kr..— f. Flöte 20 kr. — f. Csakan 20 kr, — f. Guitarre 30 kr. — f. Viol. n. Pfte. 45 kr, — f.#Flöte u. Pite. #5 kr. — f. Pfte. zu 4 Händen 1 fl. 15 kr. — f. Pfte. 45 kr, — f. Pfte, im leichten Styl 30 kr.
Bei Fr. Kistner in Leipzig ist soeben erschienen:
Fleischer, M., Op. 1, Polonaise f. Pfte. 12} "Ngr.
Mücken, Fr., Op. 47. No. 3. Lied: die stille Wasserrose, von E, Geibel -f, eine Stimme m. Pfte. 10 Ner.
— — 0p.52, Neo.1. Lied: „Gut' Nacht fahr wohl mein trenes Herz“ fur Sopran oder Tenor m, Pite. 10 Ngr.
Mendelssohn - Bartholdy, F., Op. 58. Sonate f, Pfte, a. Velle. arran- girt f. Pfte, zu 4 Händen v. Franz Kroll. 2 Thlr.
— — .Dp. 76. Vier Lieder für vierstimmigen Männerchor. No, 1. Das Lied vom braren Mann: „Gaben mir Ratlı und gute Leliren,‘‘ von H, Heine, — No, 2. Rheinweinlied: „Wo solch ein Feuer noch gedeiht,“ von Herwegh.
— Ne. 3, Lied für die Deutschen in Lyon: ‚‚Was uns eint als deutsche Brüder,“ von F, Stoltze. — No. 4, Comitat: „Nun zu guter Letzt," von
. Hoffmann. von. Fallersleben. Partitur u. Stimmen. Heft 3 der Lieder für Männerchor, No, 4 der nachgelassenen Werke. 1 Thir,
Molique, B., Op. 36. Sechs Melodien f. Violine u. Pite, ooncertante, Heft
1,2. a 25 Ngr.
Willmers, B., Op- 66.:Aus der Mährchenwelt, Fantasiestück f, Pite, 20 Ngr.
32 Signale,
Bei Fr. Histner in Leipzig ist soeben erschienen:
LA PARTENZA.
(Der Abschied.) — Poesia di Metastasio. Musica. della
dignora Pnrichetta Nissen. Pr. 10 Ner.
Die vielgeleſene Zeitſchrift:
“in ANECDOTENDIGER,
ift mit dem Jahrgang 1850 durch Kauf-in meinen Berlag übergegangen um wirb ganz in ider bieherigen Weife von mir forigefeht. ‚Wöchentlich erfheint eine Rummer mit Illuſtrationen. der Jahrgang koſtet 1 Thlr, 15 Sgr.
Adolph Büchting in Nordhauſen.
Eben versandte ich: | j u wi
Herrmann Hirschbach. Quartett für 2 Viel, Bratsche, Cello. No. 6. 1 84 Tlilr.
Leipzig, Januar 1850, | Gustav Braüuns.
Bei Q, Sachfe & Co, in Berlin ift zu haben:
Rucile Grahn.
Nach der Natur gemalt von F. Simonean in Antwerpen, geftochen von G. H. Evern ‘ Preis 3 Thaler,
Ausgegeben am -23. Tamıar.
Verlag von Barthoff Senff in 2eipzig.
Druf son. Srteprig Andrä im Leipzig.
No, 5. Leipzig, Januar. 1850.
SIGNALE
für die
Muſikaliſche Welt
Alter Aatraang.
Verantwortlicher Redacteur: Bartholf Senff.
Jährlich erſcheinen 52 Nummern. Preis für den ganzen Jahrgang 2 Thaler, en ahren für die Petitzeife oder deren Naum: 2 Neugrofhen. Alle Buch und
Muſtkalienhandtungen, fowie alle Poftämter nehmen Beitellungen an. Bufendungen werben unter ber Adrefſſe der Redaction erbeten,
Samburger Briefe,
Slöteneitter. — Der Prophet,
Wir hatten fie, die großen Kunftgenüffe feltener Art, fie, die fo lange auf ſich warten ließen, faft fo lange, wie die Berfafjungen im Deutfhland, wir hatten fie — Flötenritter und der Prophet. Beide wären verbaut. Nebrigens exiſtirt zwifchen beiden eine gewiſſe Verwandtſchaft. Fldtenritter iſt ja auch ein Prophet, wenn ber „Prophet“ auch Fein Flotenritter iſt. Alfo der Prophet blies oder vielmehr er bins bie Flöte. Haben Sie das je gehdrt? Es war Sphärenmuſik mit ganz neuer Harmonle. Die letztere war wirklich colofjal. Die Flötenſtimme bifferirte in der Regel mit den übrigen Stimmen einen halben Ton, und was für nen Tom! Leider pafjirte dem edlen Konrertmeifter au diefem Abend etwas, was ihm font nie paſſirt if; von den vier ans gefündigten Sofiften und Soliſtinnen erſchien nur eine einzige Dame, natürlich In weiß. Sie fang, und wie ih hörte, mit Wiberftreben. Das Publicum nahm alle Reiftungen mit Wohlwollen und jenem zarten Belfale auf, den Nitter gewohnt iſt. Leider war der Saal nit gefüllt, aber man wurde eniſchädigt Durch einige preußiſche Officiere und ein fehr elegantes Damenpublicum. Sch traf unter dem Tchteren einige Jugend ge⸗ ſpielinnen. Zahlendes Publicum Habe ich nicht bemerkt.
Und nun der Prophet. Die Vorſtellung dauerte von 6 bis 10"), Uhr. Ich dachte dabei an Verſchiedenes, zuerſt an Meyerbeer und dann an Beerenmeyer. Der letztere guckte gewaltig durch. Geſcheidte Leute ſagen, man hat nach einer erſten Vorſtellung kein Urtheil, ich will aber doch eins riskiren, ich will eben nicht geſcheidt ſein. Ich ber Daupte, mit Meyerbeer ift e3 im Diefer Oper alle geworden, wie die Berliner fagen, fein Syftem bat den lebten Stoß Defommen, De Mafchine Hat keine Lebenskraft mehr. Wenn ich im der Oper eine einzige, wirkliche Melodle gefunden Habe, ſo will ich nicht Butterbrodt Heigen, Lauter harmoniſche Effecte, lauter Stüdchen, kein einziges Stüd, Aber gemacht ift das Ding wundervoll. Man muß wirklich ein fehr gefcheidter Kerl fein, um fo etwas machen zu Binnen. Ein bischen Genie, und Beerenmeyer wäre wirt:
a Signale, | J
lich der größte Componiſt des Jahrhunderts. Uebrigens iſt mir bei dieſer Oper wieder klar geworden, warum Meyerbeer feine Quverturen ſchreibt. Thäte er's, ſo würden bei Leuten die Augen aufgeht, Zum Propheten eine Onverture, von Meyerbeer romponirt, und Die Muſik zum Vropheten wäre eben feine, Darüber Fee ſich noch viel fügen, überhaupt kännte {ch Ihnen den Stoff ſehr ſorialiſtiſch verarbeiten, aber Seribe iſt ein ſehr geſcheldter Mann, und Butterbrodt unß dem Genlius des Jahrhunderts ſeine Rech— unng tragen. Uber die Aufführung, die Scenirung? Parbleu, das Ding machte ſich, für 6 bis 8000 Thaler Glanz, Pomp und Sennenliht, Das letztere war ſtellenweiſe jo hell, daß gewiſſe Damen int erſten Rang ſich genirteu. Ste ſchlugen die Angen nit der, mir fiel die „keuſche Göttin“ aus der Norma ein. Dad Publicum ſchwitzte ad Noten, die Darſteller nicht minder. Uebrigens war das Ganze brav, wenn auch der Prophet anf den Brettern ſtellenweiſe Ohren und Augen ſehr eklich wurde. Die Fides, Mamſell Wagner, ſpielte ſüperb, nud die drei Spetalliten verſtanden ihr Handwerk voſlfkourmen. 6 Vorſtellungen, wie die geſtrige, ımd die Koſten find ba, noch einmal 6 ſolche, und das Profitchen ift da, Das iſt das große Geheimniß von Angebot und Radıfrager Butterbrodt. -
Vierzehntes Abonnementeoncert im Saale des Gewandhauſes zu Leipzig. Donnerstag, den 24. Januar 1850. ° u
(Exfter-Theil: Ouverture zu Elfen von &. Eherntni. — Wrie mit obligater Clarinette von W. U Mozart: „Parto, wa iu, ben mio,‘ geſungen von Sräulein Bertha Johannſen aus Eur penhagen. — Boneert für die Violine in Emoll, compenirt und vorgetragen von Hexen EM. F. Dasir. — Lieber mit Rianofortehegleitung: „Der Neugierige”” von Wilhelm Müller, comp. von Fr: Schubert, „Mitternadt” von Zr. Nitdert, comp. von Carl Rrinccke, „Frühlingsnacht“ son 9. v. Eichendorff, camp. yon R. Schumame, gefinger von Fräulein Johannſen. — 8we i— ter Theil: Sinfonie von Th. Sony, No. 2 in Fdur. Manufreipt. Zum erften Dale, Un ter Direction des Komponiſten. — Licrer für Männerber: „Die Capelle““ und ‚Sonutagsliech” von L. Uhland, componirt ven Conradin Kreutzer (geb, den 22, Nov. 1782 zu Moöͤßkirch In
Baden, geftorten den 14. Dee; 1849 zu Riga), gefungen von bem Benliner-@ängeroetein.) '
Nähte der zur Oper Eliſa“ gehörigen ſehr geiſtvollen Onverture von Chernbim, die in ihrer totalen Erſcheinung, namentlich aber in der Inſtrumeutation entſchieden ab- weicht von den ſonſtigen Orcheſterwerken deffelben Meiſters, wurde uns Die Kreide, die Sängerin Fränfeie Bertha Johannſen aus Copenhagen kennen zu lernen, Au— fer Der bekaunten, in ſoſcher Ausführung aber darnm nicht minder willkommenen Arte aus Titus mit obligater Glarinette, hörten wir Lieder von Schubert, Reinecke und Schumannu; ſchon Die an den fo eben genannten Vorträgen gemachten Wahrmehnmmgen reichen aus, um zu erfennen, dag Fräulein Johannſen zu den werigen Sängerinnen pe bört, welche ſich gleich vortheilhaft durch ein gewifienhaftes und ſchulgerechtes Gefangs: findium, wie durch eine außergewöhnliche, ſehr beachtenswerthe muftfaliiche Bildung auszeichnen. Die letztgenannten Eigenschaften werben noch durch Stimmenmittel, deren Klauggepräge, wennn es auch nicht ausnehmend voluminös genannt werden darf, fo doch ſtets von angenehmer, wohlthuender Wirkung iſt, ausreichend unterſtützt. Die Stimme hat einen Umfang von etwas über zwei Octaven, und ven dieſen geben wir der mittle— ren Tonreie den Vorzug, doch find alle Regiſter gleichmäßig ſchön gebildet und vor— trefflich wit und unter einander verbinden; dies zeiäte ſich aufs deutlichſte bei der Pozartfihen Arie, in deren Schluffeg die mehrmals wiederkehrende Triolenfigur außer: ordentlich gleichmäßig ind volubel ausgeführt wurde, mas feine gang beſondere Schwie- vigfeit bei: der Stelle hut, wo die Singſtimme mit der Clarinette In Terzen ſich fürk
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bewegt. Nächſtdem müſſen wir noch befonders des Triffere Erwähnung thun, ben wir felten in ſolcher Abrundugg und Weichheit, troß affer Dabei vorwalteuden Präciſion, ges bört haben; gleiche Anerkennung verdienen Ausſprache uud Tonbildung, welche lebtere jedoch beim Vortrage der Lieder durch Indispofitisn in der höheren Region ſichtlich er— ſchwert wurde. Die Auffaſſung der Arie war durchweg edel, innig, belebt, und gleich“ zeltig ſehr bezeichnend für das tiefere Innere Verſtäudniß, welches die junge Künſtlerin zu gehaltvoller Muſik hat; dafür ſei ihr beſondere Anerkeunnng gezollt.
Sm Kiede leiſtete Fränſein Johannſen gleich bedeutendes, wie in der Arie, und wir können Died ſogar im weiteſten Sinue auf Die Verſchiedenartigkeit der bei den Lie— dern vorwaltenden Charakteriſtik ansdehnen, denn wir hörten in drei Liedern, Deren Grundſtlmmung von einander ſehr abweicht, auch drei eben fo verſchiedene, ſehr entſpre— chende Vortragéweiſen, die von einem verſtändnißinnigen, warmen und lebendigen Er— taten des Gegenſtandes Zeugniß ablegen. Wir haben uns fehr gefreut, mit ſo klarem Bewußtſcin, fo natürlichen Gefühl, frei von jeder franfbaft gereizten Affeetation und empfindelnden Goquetterie, fingen zu hören. Fräulcin Johannſen will nicht mehr ge ben, als das Kunſtwerk geſtattet, — das giebt Me aber vollendet und in wohl thuenditer Art. Für die Wahl des Reinecke'ſchen Liedes „Mitternacht“ wiffen wir ber gefihägten Sängerin noch befonderen Danf, fie bat und dadurch mit einem werthpoflen Producte der Neuzeit bekannt gemacht; lauter Beifall lohnte ihr nach jedem einzelnen Vortrage. Möchte uns bald die erwünſchte Gelegenheit werben, Fräulein Johannſen wiederholt au hören, —
Herr Goncertmeilter David, der uns in dieſem Winter noch nicht durch fein Solo— fpiel erfreut hatte, bethätigte feine anerfamtte und gerühmte Meifterfchaft, und riß durch die eben fo kunſtyvplle Behandlung ſeines Inſtrumentes, als auch durch das Bracidfe, Pitante und fein Gewählte feiner Vortragsweiſe wiederum wie gewöhnfich zu ſtürmi— ſchem Beifall und Hervorruf bin, nachdem er bereits bei feinem Erſcheinen lebhaft em— pfangen worden war.
Im zweiten Theile wurde abermals ein Manuſcript, der Zahl nach bereits die bierte neue Symphonie in diefev Saifon, von Th. Gouvy, einen jungen fran— zöfifchen Tonfeher, gegeben, Die Beftrefungen -ber frauzöſtſchen Componiſten — mit Ausnahme von Hector Berlivz — auf dem Gebiete der Inſtrumentalmuſik, md ſtets ſehr geringfügig und nubedeutend geweſen; fo iſt es auch jebt noch. Selbſt Auber, dev Träger der neueren frangöfifhen Schule, welcher jo Anerkanntes im Dpernfadhe lei— ſtet, Hat es nicht vermocht, eine Ouverture von höherer künſtleriſcher Bedeutſamkeit zu ſchaffen, geſchweige denn ein größeres, umfaſſenderes Orcheſterwerk. Um fo mehr file len wir uns bewogen, nuſere Anerkennung über die oben erwähnte Symphonie von Gonuvy auszuſprechen, die im Ganzen vieles Schäßenswerthe enthält, und deshalb gutes Zeugniß abfegt von einem tüchtigen, rühmlichen Streben, in weichene der Componiit deutschen Muſtern nacheifert. Durchgängig haben ihn jede feine ſchöpferiſchen Kräfte und der gute Wille wicht in dem Maaße unterftübt, als es nöthig war, um eine voll ſtändige Emancipation von der oberflächlichen und Teichtfertigen franzöſiſchen Nichtung herbeizuführen; diefe giebt ji vielmehr hie und da noch unverhüllt in dem abfichtlichen Streben nad vorherifihender Melpdik, wobei Die Behandlung der Mittelſtimmen md. Bäfie allzufegr im den Hintergrund tritt, zu erkennen, und nur Da, wo eine Durcharbei— tung der einzelnen Gedanken beginnt, wie z. B. im zweiten Theil des erſten Satzes, wird Die gefanmite Haltung bedeutſamer, kräftiger und interefjanter, ala die Themen e8 urfpränglich erwarten laſſen. Die Rhythmik it durchweg ſehr belebt amd das Dei weis tem vorherifchendere Element; in der Handhabung des Harmenifchen macht fich ber Eins flug Mendelsſohn's mitunter unverkennbar geltend. Der Hauptcharakter der Sympho— nie iſt elm heiterer, idylliſcher; van Nomantifche, als eigentliches Wefen der Iuftrumens
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talmuſik. kommt nirgend zum Vorſchein. Bon ben einzeluen Säpen find die erſten beir den nicht alein der Erfindung, ſondern auch der Juſtrumentation nad) die bedeutendſten; dad Ichte Ste ſcheint uns ſiberdies Peiner inneren Zuſammenhang zu dem Vorherge— benden zu haben. Der Componiſt fand eine überans günftige Aufnahme und wurde nach Beendigung der Symphonie gerufen, - Schließlich Haben wir Die fehr gelungene Ausführung der im Programme verzeich- neten Männergmartette lobend zu erwähnen. V.
Sechstes Coneert der „Euterpe“
im Saale der Buchhaändlerbörfe zu Leipzig, Montag, ven 28. Januar 1850.
(Erſter Theil: Eoncert:Doverture van Auguft Horn. Neu, Manuſcrivt. — Geſangefcene für das chromatiſche Horn von E. Wisner, vorgetragen son Seren I. Jehnigen, Mitglied des Ders end, — Nrier „De per questo‘ aus ber Oper „Titus“ von W. U, Mozart, gefungen von Fräulein Minna Stark us Meiner. — Concert für tie Flöte in Ddur, Op. 84 von Bürftenan, vorgeträgen von Seren O. 5. Klausnitz, Mitglied des Orcheſtert. — Lieder von F. Schubert, Schu— mann und Mendelsſohn-Vartholdy, gefungen von Fräulein M. Start, — Zmelter Theil: Sinfenie in Cdur mit der Schlußfuge von W. U. Mozart.)
Das Eoncert brachte zunächſt eine neue Duwerture von Horn, deren Hauptwerth in der dabei verwandten wohl anzuerkennenden Geſchicklichkeit und fleißigen Arbeit bes ſteht; die Erfindung tritt Dagegen in den Hintergrund und häufiger gewahrten wir ein mitunter auffallendes Anſehnen an Mendelsfohn, Schumann md Gade, als es und für die Selbftitändigkeit eines jungen Componiſten erſprießſich ſcheint. Die Inſtrumenti— rung bat und in beſonderer Behandhung einzelner Inſtrumente, namentlid der Hörner wohl gefallen. Der Periodenban könnie hie und da gedrängter fein, fo wie auch ber Schluß des Ganzen, welcher nunatürlich ausgedehnt iſt.
Fräulein Stark's Stimme bat, feitdem wir fie nicht hörten, an Kraft und Stärke zugenommen; Dagegen fcheinen ums bie geiftigen Fähigkeiten der Dame nicht weiter ent wickelt. Bid auf einiges Detoniren fang fie die Arie von Mozart technifch gut, doch vernifen wir das Empfinden am Kunftwerf, d. h. Innere Wärme, und das Edle der Anffaſſung. Die Lieder Haben ung wenig zugeſagt.
Die Solo's waren im Ganzen nicht ſehr erguielich, namentfich das auf dem Horn, weldhes Inſtrument einmal in der Tiefe ſehr unäftbetifch zu werden anfing; möchte we— nigſtens Unſchönes vermieden werden, wenn fi anch Derartige Vorträge nicht ganz aus den Concerten verbannen laſſen. Wie fat immer, fo waren auch die diesmal gewählten Compofitionen werthlos; das iſt natürlich, da es Feine guten giebt.
Die den zweiten Theil bildende Symphonie ton Mozart (Cdur mit der Schluß— füge) ging ber Hauptſache nad befriedigend, aber fihwunglos; wir faffen es dahingeſtellt fein, an wen die Schuld fan, daß das Orcheſter ſich nicht lebensfriſcher und begeiſterter bei der Ausführnng eines jo gewaftigen Werkes, wie diefe Symphonie ift, zeigte.
Dur und Moell.
* Leipzig. Am 26. Jan, hatte die hiefige „Singacademie“ in den Räumen der Börfenhalle eine folenne Zeitfeter veranftaftet, welche durch ein ſchönes Concert er öffnet und mit. Seuver und Ball befhfoffen wurde. Wir hörten von Gefangswerken in vorzügficher Ausführung unter Peltung des Gapellmelfter Rietz einige Chöre aus Mens delsſohn's „Athalla,“ den erflen Theil von Schumauu's „Paradies und Peri,“ zwei Quintette und ein Terzett von Mozart, ſämmtlich ausgeführt von Mitgliedern der Sing⸗
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acabemie. Die Herren Breunung, Gontertmeifter David und Gavellmeijter Nick fpielten mit wahrhaft glängender Bollending das Trio in Dmoll ven Mendelsſohn für Pianoforte, Violine und Violoncello und Präufeln Eyth ließ die zanberischen Töne ihrer Harfe erklingen.
Die Sängerin Frau Gundy gaitirt gegenwärtig auf biefiger Bühne, fie eröffnete ihr Saftipiel am Sonntag mit der Ugathe im Freiſchütz.
Am 28. Jan. fam die Tragödie von G. Köberle: „Heinrich IV. von Frankreich” um erften Male auf biefiger Bühne zur Aufführung. die Duverture und GEntr Act
uſik, welche dem frefflichen Werk beigegeben iſt, hat der bier Lebende Eomponiitt Au: guft Härtel geliefert,
Fräufein Niffen ift von ihrer Reife nach Hannover, Bremen nu. f. w. wieder
hierher zurüdgelehrt, am Donnerſtag findet ihr Benefiz⸗Concert im Saale des Gewand: hauſes au
Das Künſtlerpaar Clara und Robert Schumann wird in dieſen Tagen zu eis nem längeren Befuch in Leipzig eintreffen und es follen dann die Proben zu Schu: mann's Over „Senvvefa” fofort beginnen. Wir werden ferner das Vergnügen haben Frau Clara Schumann im näditen Gewandhausconcert zu hören,
* Die „Gazette musieale“ meldet die Ankunft der Herren Joachim und Coß—
mann in Paris, die beide in den nächſten Lagen jich daſelbſt öffentlich hören laffen werben.
# Man fohreibt aus Bremen: Das ſechste Privatconcert wurde mit der vlerten Symphonie von Beethoven eröffnet. Herr Deichmann, der von vorigen Winter ber bei ums im beften Andenken jteht und kürzlich auch in einen Gewandhausconcert in Feine dig große Anerkennung für feine Zeiftungen auf der Violine erlangt bat, ſpielte eine neue Fantaſie feines Kebrers de Beriot nit großer Virtuofität in den jhwierigen Gffect= ftellen und mit ſchönem, weichen Ton in den geſaugreichen Theilen. Sehr febhafter Beifall belohnte das vortrefffiche Spiel des jungen Künftfers, Mit Herrn Concertmei— fter Beer, Seren von Königslöw (den wir mit Freuden nod für einige Beit zu ben Unfrigen zählen) und Herrn Böttcher fpichte ex das Duadruvelconcert für vier Violi— nen von Maurer. Die Compoſitivn wurde mit Gewandtbeit ausgeführt. — Krüulein Niffen fang eine Arie von Händel (aus einer feiner Dperm), eine befannte Arie aus dem eriten te der „Nachtwandlerin” und zwei Lieder von Reinecke umd Mofheles; der Vortrag der erften Arie war dem Geiſte der [hönen Compoſition augemeſſen, der der Delini’ichen von großer Meifterfihaft in den maſſenhaft angebrachten Coloraturen. Die Künftlerin bat In ihren Gonsertleiftungen noch qröfere Anerkennung gefunden als in der zwelmafigen Aufführung der „Lucia von Ramnermeor;“ Die durchgängig vortreffliche und der Zitelrolle war zu einfach und zu wenig auf den Effect Deredhnet, afa
dag fie unſer Publicum, das auf eine Paradeleiftung fich vorbereitet hatte, mächtig hätte ergreifen follen.
* Man fchreibt ans Oldenburg vom 20. Jan.: Seit zwei Jahren hatten wir bier im eigentlichen Sinne des Wortes feiıte MufiE, denn die Pofitif, die ſonſt eben nicht ſehr beimifch bei und war, übte eine alle Kunſt tödtende Macht über ihre nenge— worbenen Jünger aus, jo day Fran Mujifn auf immer veritößen zu fein fchien. Das Dipverhäftnig unferer Eapellmitglieder mit ibrem Dirigenten, das im Sabre 1848 durch die politifch erregten Gemüther den höchiten Grad erreicht hatte, Ichien alle edle Muſik, die wir hin amd wieder dem Zuſammenwirken unferer Gapelle, nantentlich aber dem Di: vigenten derfelben, dem Hofcapellmeiſter Profeſſor Pott, verbauften, unterdrüden, ja vernichten zu wollen. Wir haben feitdem wenig oder gar feine Mufit in Oldenburg ge⸗ pabt. Die Zeiten und auch die Menfchen feinen fich, wenigſtens in dieſer Beziehung ei und wieder ausgefühnt zu haben. Borgeftern hatten wir nämlich wieder ein großes Iuftrumentalconcert, im welchen fat nur clafifhe Werke zu Gehör gebracht wurden. Die Jubelouverture von Weber, die Dmverture zu „Leonore” (No, 3) von Beethoven und des letzteren Cmoll-Sinfonie wurden mit einen Gifer und mit einer Prãciſion zur Ausführung gebracht, welche den Executirenden alle Ehre macht und die wir kaum bei fer von den Seiheitern zu Berlin, Leipzig, Dresden zr. gehört haben, Herr Profeffor Pott, als Geiger und Dirigent rühmlichſt bekannt, ſpieſte außerdem nit Meiſterſchaft ein großes Violinconcert von Lipinsky und Herr Kammermuſikus Srolmann IL, cin wackerer junger Biolencellift, einige ſchwediſche Lieder von 8, Homberg. — Geſtern Abend fang auch die ſchwediſche Sängerin Fräulein Nif fen im hiefigen Hoftheater.
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Die erfte Piece, eine Arte von Händel, ſprach weniger an als eine Ganatine aus „Er— nant“ von Verdi, die mit vielem Beifall aufgenommen wurde. Den höchſten Grad des Beifalls errang Fräulein Niffen durch den Vortrag fchwedifcher Rieder, von Deren fie einige da capo fingen mußte,
X In der fünften muſikaliſchen Spiree der Frau Klara Schumann und bed Herrn Schußert in Dresden führten die genaunten unter andern auch Schumann's neues „Adagio und, Allegro“ Op, 70 für Pianoforte und Biofine anf, Dafjelbe wird von der Kritik ala Die ſchänfte Nummer des Abends bezeichnet, 2
* An 30, Jam. fol nun in Dresden ber „Prophet“ in Scene geben, es fehlte an Decorationen, mit denen der Pariſer Decorationdmaler Deplechen jedoch jet ſelbſt eingetroffen it,
* Balfe's „Mulatte“ iſt endlich in Berfin gegeben worzen der ganze Hof wohnte der Vorſtellung bei. Balfe, Der ſich ſeit mehreren Wochen in Berlin aufhält und ſchon die Ehre hatte, in einigen Hofconcerten mitzuwirken, iſt ein geborner Irläuder und er hielt zuerjt durch ſeine melodierriche Oper „die vier Haimonskinder“ und durch eine ei— ends für Die Malibran componirte Walzerarie Auf in Dentſchkand. Seine Oper „die Vegeunerin” macht jet anf vielen Bühnen Glück. In feinem „Mufatten” hat der Eom— poniſt eine von feinen frühern Arbeiten ziemtth abweichende Niditung uud zwar mit Erfolg eingeſchlagen, wie wamentlic der zweite rt und der größere Theil des dritten Actes beweiſen. Der erfte, durch eine vecht hübſche Onverture eingeleitete Act, iſt un— bedingt der ſchwächſte Theil des Werkes, Das, da es ohnehin beinah' vier Stunden fpielt, durch einige Kürzungen ſehr gewinnen würde. So könnten z. B. im erſten Act das Duett zwiſchen Herrn Iſchieſche and Pfiſter, im zweiten Die erſte Nummer ganz gut wegbleiben. — Das Libretto iſt nach dem bekannten Schauſpiel „der Chevalier von St Grorge“ recht geſchickt bearbeitet. Die Aufführteng felbſt war eine ſehr gelungene, ner mentlich bezanberte Frau Köſter in ihrer ſchwierlgen aber ſehr dankbaren Geſangvar—⸗ tie, Die nitleri kanu die Partie zu einer ihrer beiten zählen. Auch Ser Mais tius, der fehr bei Stimme war, erntete vielfache Anerkennung. Herr Pfiſter, der heute gut ſpielte, nud die Herren Zſchieſche und Fifcher zeichneten fih aus. Die von Herrn Taglioni ſehr hibſch componirte Menuett-Sarabande erwarb ſich vlel Betz fall, fie bot zum erſten Mat. Gelegenheit, die Weiden eriten Solotäuzer, Herrn Gasper ini md Hognet-Veſtris zuſammen tanzen zu ſehen. Frau Köſter wurde nad dem zweiten Act und am Schlag weit dem Componiſten und dem andern Mitwirkenden gerufen.
In Berlin wurde Möozart's Geburtstag durch eine verunglückte Aufführung. der „Zauberflöte” gefeiert, Frau Köfter war nämlid erkrankt und ſtatt Ihrer figurirte Fräulein Kellberg als Königin der Nacht. Es ging aber nicht,
, % In Nürnberg extellirte im dritten Abonnementeoncert Gert Göbel durch feine Meifterfchaft auf der Oboe, Er wird von dortigen Blättern als einer dei vor— züglichſten Spieler dieſes ſchwierigen Inſtruments bezeichnet.
* Eine Madrider Zeitſchrift enthält eine kurze Biographie der berühmten Tän— zerin Vargas, die gegenwärtig im Spauien fo großes Auffehn macht. Sie wurde im Jahre 1828 in Cadiz gebrren und. tanzte ſchon In ihrem eilften Sabre auf den Thea— tern von Gibraltar und Algeſiras. Ihr Nur verbreitete fich jo ſchnell, Daß fie bereits im folgenden Jahre auf den Theatern von Cadiz und Sevilla auftreten fonnte, wo fie mit ben eriten Tänzerinnen wetteiferte. Von Cadiz ging fie nah St. Yago ımb Wige, und warde in Sabre 1845 fir das Theater in Saragöſſa engagirt. Don dort ‘begab fie fih nad Barcelona, wo fie als erite Tänzerin des Haupttheaters auftrat und in der „Stummen von Portici“ und „Robert dem Teufel“ ſehr geitel, Bon Barcelona ging fie nach Valencia, als erſte Tänzerin, und blieb dort 1847 und 1848, Die Ankunft der Guys Stephen that ihrem Rufe feinen Eintrag: im Gegentheil entitaud dadurch ein MWettftreit, bei den das Publicum nur gewinnen fonnte; während Die Vargas in den Nationaltänzen ſich auszeichnekte, wußte die Buy» Stephen durch die Muth nnd Lieb— lichkeit ihres Tanzes den größten Eindruck zu machen.
* Dem Baſſiſten Lablache ijt Durch den ruſſiſchen Botschafter im Auftrage des Kaifers Nicolans die Einladung geworben, zur talienifchen Opernſalſon nad Peters» burg zu kommen. Der Gar wünfcht den gefeierten Sänger in ſelnen vorzüglichſten Gefangpartien wie Bartols, Dulcamara, Don Pasquafe u. fd. w. zu feben. Ur die kurze Halieniſche Saiſon find ihm 150,000 Krane! angeboten worden. —
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* Thereſe Milanollo bat in Bordeaug die Hängenbfen Triumphe gefeiert. Seit der Malibran, welche Frankreich noch jept Deweint, bat keine Künſtlerin bie Menge fo elertrifirt, fo tief gerüßtt, als Therefe Milanollo. Die Zournale fagen, im Soloſpiel wie int Vortrag der Beethoven'ſchen Quartette, fei jeit Baillot Niemand auf: getreten, der ihr gleich kaͤme.
*In Bordeaug Hat ſich eine junge Negerin, Doung Martinez, ald Sänge rin mit großen Beifall hören laſſen. Ste ift freilich mehr Neger: als Sängerin,
* Mad. Schröder- Devrient fit noch inımer in Parts, hat ſich jedoch bis jegt num in Privatkreiſen Hören laſſen.
* Halevy's „Thal von Andorra” wird jegt auch in London mit glängendent Erfolg gegeben.
,* Menerbeer wird zur Aufführung feines „Propheten“ wahrſcheinlich nicht nad, Bien kommen, da dieſe Oper fo arg zugeftutzt werben foll, daß er alle Luſt verloren hat, Die Zeitung der eriten Darftellung zu übernehmen und bereifs abjagen lief.
* Erf it von 1. Febr, an wieder für das Kärnthnerthortheater in Wien euga— girt, Mad, Haſſelt-Barth hat Dagegen, wie wir bereits vor einiger Zeit aus Wien meldeten, eim Ingagement in Mischen angenommen. Standigl wil Ende März ganz von der Bühne abtreten.
* Die beliebte Sängerin Fräulein Hellwig in Wien verläßt plötzlich das Hof oyerntheater und die Bühne überhaupt, um ein eheliches Engagement auf Nebenzzeit mit Herrun Dr, Bivennst einzugeben:
* Herr Hetze, bisher Muſikdirector in Breslau, geht tn gleicher Eigenſchaft nah Amſterdam.
.% Die in Paris erſcheinende Muſikzeitung „la Musique‘ giebt als Beilage zu ihrer .neneiten.. Rummer zwei SPianoforte= Gompofitionen vor Karl Neinede, ein „Scherzino“ und eine Romanza. Reineckes Compofitionen finden, wie wir hören, in Paris viele. Freunde. on
& FLR...8, als Sängerin in diefen Blättern mitunter genannt, wurde ein⸗ mal gefragt, ob fie auch wife wer Drobens ſei! „Sa wohl!” war Die ſchnelle Ant⸗ wort, „das tt ja der bekannte Componiſt von Männerquartetten.“
% Das AZuchtpolizeigericht in Barid Bat den Redacteur einer dortigen Theater zeitung zu 500 Franken Geldbuße verurthellt, weil er die Stimme, Die Methode und das Talent eines Sängers. Fritifirt hatte, der im Theater Der Porte St, Martin aufges treten fein folite, aber, wie es fich heranäftellte, gar wicht am dem Abend erichienen war, über den ber Artikel Bericht eritattete.
* Die fhöne Bianiftin Marie Marrder, feit Kurzem in Frankfüurt a. M, verheirathet, iſt daſelbſt geftorfen,
% Die berühmte Sängerin Mad. Graffini U im 75. Jahre ihres Alters in Mailand geftorben. Joſephine Grafftini it im Sabre 1778 in Barefe geboren, and die Zochter eines Landmanns. Ihre fehöne Stimme und. ihr vortheilhaftes euere beftiimmten den General Belgiojoſo, ihr in Mailand eine muſtkaliſche Erziehung geben zu Lafer, und ihre eriten Debüts in Gemeinichaft mit den berühmten Sängern Marz Heft und Grescentint auf der Scala in Mailand (1794) waren der Art, um fte ſogleich als Saͤngerin erjten Ranges erfcheinen zu laſſen. Sp fang fie iu deu vorzüglichſten Opern von Iraeita, Cimaroſa, Fingarelli, Portogallo ze und begab ſich ini Jahre 1800 nd Paris, wo ſie In mehreren großen Goncerten fang. Im Sabre 1801 ſoll fle wh in Berlin geweſen Fein, und dort Concerte gugefündigt haben, Die aber nicht zu Stande kamen. Später lieg Bonaparte fie nach Paris kommen, mo te in der italiemni⸗ fhen Oper mit Grescentint, Brizzi, Crivelli, Tacchinard und Mad. Paer fang. Paer somponirie zigends Für ſie feine Oper Dido. Nach den Sturze Napolevns ging fie nach Italien zurück, begab fich aber ſpäter nach Parts, wo fie in den erſten Girkeht febte uud durch ihr feines Benehmen fehr gern gelehen war, Ste war bie Tante der beiden berühmten Künſtlerinnen JZutie und Carlotta Britt, \ u
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Ankündigungen.
Neue Tanzcompositionen Bei Gustav Brauns in Leipzig erschien soeben:
3. Mayer, Brste Liebe. Walzer f. Piano, 12} Ngr, . Grazientänze, Bm 10 Ngr. — — Der Stillrerenügte. „, ”»n 10 Ner. — — 2 Polkas f. Piano. 5 Ngr. Alle Musik- und Taanzfreunde erden auf die Werke dieses neuen frucht- "baren Walzercomponisten aufmerksam gemacht, welche zu den bedeutendsten und dankbarsten des Faches gehören.
Leipzig, Januar 1850. .
“Neue Balladen
für Bass oder Bariton mit Pfte. (Herrn Dalle Aste gewidmet.) Verlag von &. WW. Niemeyer in Banburg
Biehl, E., „Der Verbannte, * Op. 5. re ee rien: 124 Franck, H., „Der Ferge“ Op. 11... . EEE «12% Weädt, Heinr., „Der Goldschmied.“ Op. 3. 2 4 m 12%
— „Der verbannte Polenfürst.“ Op. 4 ,„ . eo. . . 1%
"Diese für den Condertvortrag cömponirten Balladen sind von bedeutender dramatischer Wirkung, und werden bei gutem Vortrage nie einen ausserordent- lichen Erlolg verfehlen,.
Neue Musikalien
im Verlage von
©. A. Klemm in Leipzig.
Beethoven, L. v., Op. 124. Our. arr. f, 2 Pianos zu 8 Händen. 1 2% Brunner, C. T., Op. 133. Der kleine Opernfreund f. Pfte, Neue
‘Folge. Heft 1,2... — 5 Felix, C., Erholung für die Jugend. Leichteste Tänze £ Pfte. 2 „ 4händig, Heft4.A 77 u. — 10 Gold, u Cineres. Meiodie p, Voix de Sopran av. Pfte. et Vele. . — 15 Kelz, J. F., Op. 199, Leichte Veränderungen (Adam, Postillon- hed) f Pfte. . — % Mendelssohn-Bartholdy, Fel,, 2 Gesänge f. 1 Stimme. im. Pfte, - 1 Mozart, W. A. ’ Andante espressivo en Forme de Rondeau p. Pfte, — 10 Papir, L., Op. 1, Sonate f. Pfte. . 1 — Reissiger, F.A., Wiegenlied einer polnischen Mutter £, 1St..m. .Pfte.. — 5
Ausgegeben am 30. Januar,
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Verlag von Bartholf Senff in Reipzig.
Drud son Friedrich Andrä in Lelpzig.
No, 6. Leipzig, Februar 1850.
SIGNALE
für die
Mufikalifche Welt.
Verantwortlicher Hedactenr: Bartholf Senf,
Jaͤhrlich erfiheinen 52 Nummern, Preis für dem ganzen Jahrgang 2 Thaler Sırfertionggebühren für die Petitzeile oder deren Daun: 2 Neugrofchen. Alle Buch» und Ryfifntienbandlungen ſowle alle Boftämter nehmen Bejtellungen wu. Zufendungen werden unter der Adreſſe der Redactivn erbeten,
XIV.
Das Kloſter der heiligen Lucia, Ein Maͤhrchen.
Es war am Feſte der Himmelfahrt Ehriftt im Jahre 1794, als Die Glocken des fihöuen Kloſters der heiligen Lucia, umwelt Rem, zux Abendandacht riefen. Schaaren frommer Beter wallten der Pforte zu. Gar anmuthig waren fie anzuſchaun Die malerl- fen Trachten der Wanderer, die weißen Schleier, die reizenden Frauen, geſchmückt mit Blumen, und die flolzen Schlaufen Männer, an deren Bruſt Helne Zweige duftiger Orau—⸗ genbfüthen prangten. Im aller Augen blitzte üppigfte Lebensluſt und Frühlingsöjubel. Der glühende Sonnenball küßte ſcheidend noch einmal recht Inbrünftig ale Diefe bräun— Höhen, warmgefärbten Wangen, umfing noch einmal mit feinen Strahlenarnten diefe kraftvollen Geſtalten, und zog dann Der Schfeier der Abendröthe über das leuchtende Antlitz. —
Die Fenſter des Kirchleins flämmten auf, Drinnen aber ſtiegen Weihrauchwolken epnpor, und das matte Licht Dev geweihten Kerzen vermochte kaum dieſe wallenden Ne— bel zu durchbrechen. Eine ſüße Dämmerung herrſchte, — das Standbild der heiligen Lucia war von ven köſtlichſten Kränzen und Blumen faſt bedeckt, und ſah aus wie eine Frühlingsköbnigin, — der Briefter ſtreckte ſegnend feine Arme aus, die gläubige Meuge ſtürzte auf die. Kniee, — da ertönte vom heben verhülllten Chore das „Kyrie eleison“ ber frommen Nonnen, Wie flofſen ſie fo ſanft-hernieder, Diefe weichen Stiumten, — wie herrlich und erhebend war die ernſte Weiſe des Maeſtts Paläſtrina! Klar und hehr ſchritt die bedeutungüvolle Grundmelodie durch das anmuthige Gewinde lieblich verflochtener Stimmen, die: oft fie zu. bedecken, zu verhüllen, unterzutauchen ſtrebten, aber immer überwunden von der Siegerin, demüthig zurückweichend, ſich endlich ‚vereinigten zur ſauften Begleiinng and. zum herrlichſten Ganzen. Die bebenden Seelen der Hörer erhoben ſich auf mächtigen Schwingen. bald jauchzend zum Himmel, bald ſanken fie, wie vor zarten unſichtbaren Blumegketten gehalten, wieder ſelig weinend nieder auf Die ge— liebte Erde. Es war ala ob ſich das ſcheidende Licht in Die Geſtalt des Tons geflüch—
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tet, — In alle Herzen ficlen milde Strafen, und alle Augen wähnten die Heine Kirche wunderbar ‚erleuchtet gu febn. —
Du ertönte plöhlich im „Gloria“ eine Sopranſtimme deren überrafhender Klang die Menge gewaltſam aus der ſüßen Verſunkenheit riß. Die Stimme war von einer durchdringenden Klarheit, faſt ſchneidend in ihrer Reinheit, überwältigend In ihrer Fülle, Dir Tou halte nicht® verwandtes nit dem dev anderen Sängerinnen, ber Klang ver miſchte fh nicht mit Den andern Klängen, — einſam, ohne verſchmelzende Weichheit, FM, voll und bad, ſchwebte er auf und ab im Raume der Kirche. —
Im „Credo“ verſtummte die Wunderſtimme, ein andver milder Sopran trat ar ihre Stelle, — am Schluſſe jedoch, im ergreifenden „Agnus Dei’ ımd „dona nobis pacem,“ durchſchultt fie wieder, wie ein glängender, ſcharfgeſchliffner, fieggewohnter Speer, Die tief beniederhängenden Weihrauchſchleier, Es zitterte keine Erregtheit in ihr, — es leuchtete fein Jugendſchmelz in diefen Klingen, e8 war gleichſam eine Stimne ohne Alter uud Geſchlecht, — eine Stimme Die den Eindruck machte, als fer fie ewig ſo geweſen, und müſſe ewig fo bleiben. —
Das Boll war mächtig erſchüttert. „Heilige Maria,” murmelte eine alte Frau, „das war nicht der Gefang eines Weibes!“ Und heftig ſich befrenzend betete fie Teife, Die erſchreckte ſchwarzlockige Nachbarin nickte Beifall und flüfterte den Auſsruf einem neben ihr knieenden Manue zu, deffen brennende Blicke aber vergebens das Gitter des
Chors zu durchdringen ſtrebten. —
Die Meffe war beendet, Die Frauen verliehen tr heftiger Bewegung die Kirche, die Männer ſchüttelten die Köpfe, Jedermann ſprach von dem Zanberſaug, Niemand wuhte den Ramen der verborgenen Sängerin, — die Kerzen erlöſchten, — und das reis zende Dämmerdunfel einer italieniſchen Nacht begrnb alle die tauſend Fragen, Zweifel, Schauer und Erwartungen. —
Als am andern Tage der Morgen, der lachende, ſtrahlende Morgen Italiens mit feinen dunkelblauen Liebesaugen In das Kirchlein blickte, ſtaunte ex, ſchon wieder eine harrende Menge verfammtelt zu fein. Jedes Angefiht wandte ih mit dem Ausdruck geipannteiter Erwartung dent Chore au, von welchem die Hera eriünte, Und wieder tanchte jeue räthſelhafte Stimme auf, und wieder burchbebte fie die Herzen mit einem Gemiſch von Frende und Bangen, und wieder ftaunten Die Hörer, da rief plötzlich ein junges blühendes Weib, zitternd amd alügend: „Heilige Himmelskönigin, ich fehe das Wunder! Maria biff! es ift ein fingendes Kind!” — Und wirklich unterfihted. man hinter dem Gitter die zarte Geſtalt eines Mädchens von etwa 10 Jahren, aus beffen geöffneten Lippen Die wunderbaren Töne ſtrömten. Das Antlitz des Kindes erfchien von frenger Regelmäßigkeit, aber die ſchönen Formen waren noch unbelebt und eine durchſichtige Bläffe bedeete die jugendlichen Waugen. — Bon dem Moment diefer Ent dedung an, fteigerte fih Die Aufregung der Menge von Stunde zu Stunde. Tagtäg— ich wallfahrtete man früh und ſpät in großen Zügen nad; dem Klofter, um die feltfame Heine Sängerin zu hören, deren Stimme man felbit im volliten Chor deutlich unter ſchied, — md die Kunde von den mächtigen Klängen in einer Kinderbruſt durchdrang die ganze Gegend, wanderte felbit nad; Mom, und der Zudrang zu den Meſſen des Kloſters der heiligen Lucia wurde immer gewaltiger und unaufhaltſamer. —
Aber die Schaar der Gläubigen, die da ohne zu fingen und zu grübeln, daukbar das vermeinte Wunder hinnahm, war Bein, im Vergfeich zu dev Menge von Denen, bie — Köpfe und Herzen erfüllt von tanfendfachen Vermuthungen und Aweifeln über die Perſon der Sängerin — in raſtloſer Unruhe hin und her wogte. „Eine Koſtgängerin des Kloſters iſt's, welche ſingt, ſo ſagt man im Kloſter,“ behaupteten Einlge. „Aber je— denfalls iſt fie verwachſen, ſicherlich 18 oder 19 Jahre alt, und hat vielleicht die Ge— ſtalt eines Kindes, wegen ihres Gebrechens. So ſingt Ten Kind!“ — „Nein,
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nein,“ riefen Andere, „man hat euch ein Mährchen aufgebunden, ed tft eine son ben jünger Nonnen, bie Schwerter Barbera, wir wiffen es gang genau, jened Kind hat nurr ſtill zugehört!“ — „Nimmermehr,“ fielen einige Frauen ein, „es ift ein Wunder geſchehn, Die Heilige Lucia hat der frommen Aerbtiſſin Tereſa einen Engel: vom Hintmel geſandt.“ — „Was ſchwatzt ihr da für kindiſches Zeug?” ſchrit jetzt ein kräftiger Mann mit klugem entſchloſſenem Autlitz, „die ganze Sache iſt ein ſchmählicher Betrug, wir werden hintergangen, man lockt und bie Silbermünzen aus den Taſchen!“ — Das Bolt drängte ſich mit fieberifcher Haft um ihn her, der Redner fuhr fort: „Ja, hört mic tur an, Die Wahrheit meiner Worte wird euch Mar werden wie der Tag, merkt auf, nur wenig iſt's, was ich zu fagen habe, Das Klofter ift arnt, Die heilige Lucia verlangt ein neues Sammetkleid und ein goldnes Behänge, man brauchte veide Spenden und ſaun auf ein Mittel das leichtgfäubige Volk herbelzuziehn! Sie haben eine Maſchine bauen laffen in Nom, eine Uhr in Menfchengeftalt, welche fingt, eine Wachspuppe mit Flötenwerk — Ich fage euch — es iſt fein Kind und feine Noune, Die dort oben tril fext, fo fremd und fo überlaut: es it eine graufige Marionetta.“
Die aufgeregte Menge ſtutzte, fihauderte, bekrenzte fi, horchte, ſtritt, fanatiftrte ſich felbft und glaubte zuletzt. — „Gewiß, beim heiligen St, Giovannt, Matteo bat Recht!“ donnerte ein Herkules mit wilden Mienen und ballte bie Fäuſte, „der Sing: fang iſt Pfaffentrug umd weiter nichts! Mer hat denn jemald von einem fingendben Rinde gehört, von einem Kinde mit folher Riefenkraft?! Täuſcht euch ferner nicht, die Wunderfängerin iſt nichts als eine hölzerne Puppe mit einer Wachslarve! Das Ding wird aufgezogen wie eine Uhr, und ſingt allerlei Weifen. Ich fah ſolche feltjame Figuren mehr als einmal bei einen alten berühmten Profeffor in Ron.” — „Ja, und wicht umfonft fühlten wir kalte Schauer, wenn die Haren hellen Flötentöne unfer Ohr berührten, das war die Ahnung des Hölltfchen Bleudwerks,“ fügte ein anderer Aufge— regter mit flammenden Blisten hinzu. — „Diefer nichtswürdige Betrug ſchändet bie Kirche der heiligen Lucia, wir dürfen ihn wicht länger dulden, wir müßten ihn enthül— len, vernichten, und alle beillgen werden uns beiſtehn bei ſolchem Werke!“ tobte ein Dritter.
Wilde Bewegung wogte in der erhißten Menge. Die Weiber befihrieben fih mit ängſtlichen Mienen das ſtarre Wachsgefiht der Marionetta und ihre todten Glasaugen, und wollten nie eine Sylbe des frommen Textes verftanden haben, Biele hatten auch eln ſeltſam fihnarrendes Geräufch deutlich veruonmen am Schluffe des „Gloria.“ „Da war das Uhrwerk abgelaufen,” fagten fie Teife zu eltander, — Die Männer entflaumts ten ſich mehr und mehr durch ihre eignen Heftigen Neben, und die fanfteften Frauen glühten auf an den lodernden Blicken ihrer Gatten, Geltebten, Brüder, — eine allge meine Wallfahrt ins Kloſter ward beichloffen, wm die Auslieferung der Flötenuhr, der trügerifchen fingenden Puppe, zu verfangen.
Als die Abendröthe erfofchen war, die Orangenblüthen berauſchender dufteten, und die flatternden großen Nachtfalter ungeblendet und ſelig in den balſamiſchen Luftwellen fi) badeten, die Sterne aber, leuchtend wie Heine Mondampeſu, an dev unermeblichen Simmelsderfe hingen, — Da zogen zahflefe Menſchenſchaaren laͤrmend und erregt nach dem ſtillen Klofter, dounerten an die epheuumrankte Pforte, und begehrten heftig Einlaß. — Die erſchrockene Aebtiſſin gebot zu Öffnen und trat den Cindringenden ent gegenz mit einem Angſtruf flüchtete ſich die Nomen In ihre Zelle.
Das ehrwürdige Antlik der Priorin, ihre hohe Geftalt und das emporgehaltene Crucifix imponirte der Menge, das wüſte Sefchrei verſtummte, einzelne Frauen janfen auf die Klee, die Männer wichen zurück und nur ein Sprecher näherte ſich ehrfurchts— voll der Priovin und erklärte ihr die Wiuſche, Vermuthuugen umd Forderungen feiner ‘Begleiter,
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Skaunen und Uuglaube malte ſich in den Zügen ber ernten Fraut. „Meine Kite der !® rief fie, „iſt es möglich, daß Ihr Eüre Mutter Terefa folchen Betruges: anklagt? IE es möglich, daß Ihr Cuch fo Her erniedrigt durch ſolchen Verdacht und mi fo unausfprechlih betrübt? Bichet hin — bevenet und büßet Enre Sinde — denn jene Stinme die Euch zu: dieſem beklagenswerthen Irrthum verleitete, ſene Stimme, Die Euch ſo mähtig ergriffen and erſchüttert, — fie rang ana der Bruſt eined gottgeſeg⸗ neten Kinder, ſchwebte nieder vom deu unſchuldigen Lippen eines zehnjährigen Mäd— chens aus Sinigaglia — das bier im Kloſter erzogen wird.“ — „Wir wollen Das Kind ſeheu,“ riefen hier einige wilde. Stimmen. — Das Bolf erhitzte fh von Neuem an ihrem ange, „Ja, ja, fehen wollen wir die Hanberin, fie reden Büren, ihr re geitcht berühren und ihre Häude, und ihren warmen Lebeudodem fühlen!“ — Und immer drohender wurden die Mienen, immer fauter dad verwirrte Geſchrei. Die Er— mahnıngen der Nebtiffin verballten zugehört nd der ſanſt fo ftille Kloſterhof war er- füllt von rauhen Tönen. —
Du verſchwand ‚die Mutter Tereſa, — fie kehrte zurück and drängte ein zartes, bleiches, zitterndes Mävchen, der unxuhigen Maſſe entgegen. Wie aus gelblichen Wachs geformt leuchtete das regelmäßige, farbloſe Antlitz des Kindes unter dem ſchwarzen ge⸗ ſcheitelteu Haar hervor, und ängſtlich ſtarrten die weit geöffneten dunkeln Augen die fremden ausdencksvollen Sefihter an. — „Angelika,“ ſagte die Priorin ſanft, „gage nicht! Sei muthig, hilf Deiner Mutter Tereſa und dieſem verblendeten Volke, erhebe Deine Stimme amd geige Me Himmelskönigln!“
Angelika öffiiele Die Lippen und Geyana ein altes, einfaches „Salve Regina, aber mit einer Kraft, Reinheit und Erhebung, mit einner Siherhett und Ruhe, daß die Tante Iofe Berfammiyng unwiſlkürlich die Kniee beugte. Ein fo tiefer Friede, eine fo unbe— rührte Unſchuld, wie fie and Diefen. Tönen ſprach, konute auch wahrlich nur einer Bruft entſtreömen, Der des Lebens ſüßes Web: und bitire Luſt, Rofen und Dornen noch nicht genaht. Die kryſtallklaren, hellen Klänge zugen weit, weit hinaus in die ſchöne Nacht und das blühende Laud. — Berklärend und weich fag der Sternenſchein auf allen Häupe tern, auf der jugendlichen Stirn der Sängerin und auf den ernjten Ungefichte der ber wigten Aebtiſſin.
Als Angeltka geendet, erhoben fh. alle die niedergeſunkenen Männer und Frauen und ſtürzten wit jenem überwallenden, aufrichtigen Enthufiasmus, Der das herzerbebende Figenthum afler Völfer des. Sädeus iſt, zu dem Kinde Hin. Schluchzend Tihten fie die kleinen Hände der Lächeluden, den Saum bed Gewandes, die leicht erglübten Kinder wangen, die Füße, — prieſen ed nit Thränen Des Entzückens, ſegneten es md ein ein⸗ Khumiger Subelfihrei durchſchuitt Die Luft:
„Ivrivya Angelica Catalani!“
Mutter Terefa Bat aber doch gar bald näher. die kindliche Wunderfängerin aus dem Klofter entfernt, — fie konnte Me gewaltfame Störung Ihres flillen Aſyl's nicht verfchmerzen. Allein fie bat es gewiß ſpäter bitter Derent, denn aus der Pleinen Ans gelifa wurde — Das weiß Die ganze Welt — in Fürgefter Friſt Die große Catalani. Envopr fag vor tr auf den Knieen, — und welche Auswahl prächtiger Gewaͤnder,
Halsketten und blißgender Krönlen hätte die heilige Lucia erhalten vor ſolcher Ans betuug!? j 8,
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Johanna Kink el,
Anleitung zum Singen, Uebungen und Liedchen für Kinder von brei bis fieben Jahren. Op. 20, Br. 2 1. 24 Er, Berlag von B. Schott's Söhnen in Mainz.
Die Satin des Profeſſor Könkel, eines der edlen Märtyrer der Freiheit, konnte in Mitte dee Stürme des vorlgen Jahres Kinderfieder erfinnen oder fie der Melt mit: theilen! Johanna Kinkel iſt eime geittvolle Frau und als folde dem Banıter ae folgt, dem ihr Gatte treueigen geblieben! Seltfame Menſchennatur, Räthſel fir Euch, Ihr Phifiiter, Die Ihr auf der Höhe der Zeit zu ftehen glaubt, wenn Ihr mit hochtra⸗ benden Phraſen vom Künftler verlangt, dag er fih im allen feinen Kunftbeftrebungen wenn nicht ald Republikaner doch wentgftens als demokratiſch-conſtitutloneller Staate- bürger documentire; für Euch Ihre Philiſter, die Ihr die Sphäre der Kunft nur für fo groß haltet, ala (Ener Horizon reicht, Den das epidemiſche Revolntionsfieber, als Noth— feuerfihetn aufgegangen, erleuchtet, indeß Ihr meint, es ſei die Morgenröthe einer gros en Zukunft für Die Kunſt durch die Freiheit und umgekehrt! Man könnte lächeln über Ever Gebahren bei Beginn dei Freihettsfämpfe, Tieße es der tiefe Ingrimm iiber den ſchmählichen, ſelbſtverſchuldeten Kal des. Volkes zur,
Man wird fich vielleicht wundern, daß ich zur Beſprechung Heiner, harmloſer Kin— derfiedchen einen ſolchen Anlauf nehme, allein Autor wie Werk fordern eine ganz befon- dere Beachtung heraus, und es iſt eine alte Wahrheit, daß ſich Extreme beruͤhren. Ab— geſehn von der Berfon des Autors und der Verhältniſſe, unter denen fein Werk ent fand und ind Publicum kant, it es eint eben fo intereffante als erfrenfishe und nüß- liche Erſcheinung. Zunächſt iſt wie Ider, der Kinderwelt die Tonfunft zugänglich zu wachen, eine herrliche, und .danı offenbart die Art und Weite, wie die Verfaſſerin die felbe zu veafifiren weiß, dem entfchiedenen Beruf, den. fie ald Künftler wie old Pädagog dazu hat, Ich kann nicht umhin aus den Vorbericht das MWichtigfte mitzutheilen, was eine vollſtändige und unfafiende Kenniniß der Techuik Bes Geſanges bekundet,
Die Berfaflerin jagt, nachdem fle das Vorurtheil widerlegt, daß frühzeitiges aber innerhalb der natürlichen und vernünftigen Grenzen geletteted Singen den zarten. Keh— len und Lungen Der Kinder. ſchade:
„83 wird vorausgeſetzt, daß Die Mutter oder wer fort, täglich eine Viertelſtuude daran wendet, die Stimme bed Kindes zu bilden. , Notenleſen tft dem Kinde nicht zus zumuthen, nur durch Vor⸗ ud Mitfingen lehrt man es feine Stückchen. Bei den Ton— leitern und Uebungen muß man es am längſten aufzuhalten ſuchen, und vor allem dar⸗ auf halten, daß es beim Singen recht grade ſteht, den Kopf aufrecht hält, den Mund weit öffnet und die Zunge flach liegen läßt. Zu häufiges Wechſeln mit den Liedern regt das Kind auf und benimmt ihn die Freude au dem weit wüglicherem Vocallſtren. welches: den Grund fir alle ſpätere Geſangbildung legt.
Die Bruſtſtimme der meiſten Kiuber vor dem 7. Jahre umfaßt nur 6 Töne ton e bis a, Diele dürfen fie ohne Schaden Träftig berausfingen. Die darüber liegenden Tine gebe fie unwillkürlteh mit der Kopfftimme at, ſo weit fie dieſelbe befifen, Nur ansuahmsmeife und mit Äußerfter Borficht darf man ihnen geſtatten ſolche Roten, we fie. nicht zu vermeiden find, leife mitzafingen: Gin. oft wiederholtes, gawaltjumes Herz auspreſſen derſelben geriiört unfehlbar die Stimme zu.”
Die gemäß dieſen Borfihriften eingerichtesen Uebungen und Lledchen bilden einen Cyclus von einem Jahre, innerhalb welches anf jeden Monat 1 bis 2 Uebungen und 2:16 3 Liedihen Tonımen. Die Nebungen find: leicht faßlich im: melsdiſcher mie rThyths miſcher Hinfiht, und Die Liedchen liegen ihrem Auhnfte nach ganz inuerhalb ber Kiu— dexrſyphäre, in die nur ehmı wahres Dichtergenith fo wie Die Verfaſſerin, dringen und
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dort bei den Kleinen Sympathieen finden kann. Die Lieder plaudern vom guten Bas ter, Großvater, der gutat Mutter, Großmutter, Tante, dem Doctor Velten, dem Häs— hen, der Sage Stuppiteß, dem dicken Mops, der Bürgerwehr, der Hummel, ber Eifen- bahn, den Brummſtällchen und andern gar ſchnurrigen und ergößfihen Sahen, und es wäre der allgemeinen Berbreitung wegen ſehr zu wünſchen, Day die Verlagshaudlung eine recht dillige Ausgabe des Werkchens veranftaltete, wobei ja die beigegebene Piauo— fortebegfeitung wegbleiben könnte, fo daß es, eine rende für Kinder, zu dem bifligen Preiſe von wenigen Kreuzern in die Hände recht vieler Mütter oder Erzieherinnen kom— men kanu. SB
Dper in Leipzig.
(Saftfpiel von Madame Gundy als Agatbe im „Freiſchütz,“ Roftne im „Barbier von Sevilla“ und Königin ver Nacht in ver „Zaubkeflöte.“)
Mit Intereffe haben wir dem Gaflfpiel von Madame Bundy entgegeigefehen, De ren Name in der Theaterwelt ein vielgenannter ift, fie trat hier Dei ums befonders in den beiden zuletzt genannten Noflen mit Glück auf, wogegen die Agathe, diefe rein Deut: fihe Partie, die ihre von der Sängerin anfgebürdeten Zuſätze, Verzierungen, Fadenzen und Fermaten in fo ungemeſſener Zahl durchaus nicht verträgt und daher auch weniger anfprechen konnte. Gewiß find wir nicht Dagegen, wenn ausnahmswelſe und am paſ— fenden Drt eine Cadenz eingelegt, went ein durch den fpecififihen Sinn der Worte und durch Die Handlung motinirtes Ritardando oder Arcelerando gebraucht wird, — aber die unausgefepte Anwendung von Effectmitteln, welche das Weſen und den poſitiven Gehalt eines ganzen Stüdes verunftalten, können wir nie und nirgends billigen. Die ganze LTöſung der Aufgabe war übrigens vom rein muſikaliſchen Standpunkte and eine mehr oder weniger verfehlte, Gedenfen wir noch Der Unficherheit im Terzett des zwei— tem Actes, fowie auch des fant pas Herrn Widemann's in der Wolfsſchlucht bei dei Worten „ih fchoß den Adler, fo müffen wir uns mit Kaspar tröften, wenn er st: „ſo etwas fieht ein Geſcheuter nicht,”
Dagegegen können wir unfere angetheilte Anerkennung und Frende ausdrüden, hin⸗ ſichtlich des vielen Schönen was und Mad. Gundy namentlich im Barbier in reichen Maaße geboten; die hierher gehörigen Leiſtungen werden weſentlich durch die geſammte Geſangsbildung nuterſtützt. Mad, Gundy beſitzt ein äußerſt wohlklingendes, fonores und ebenfo weiches, biegſames Organ, dag den ungewöhnlichen Umfang von zwei und einer halben Detave hat; es reicht nämlich fo viel wir bis jebt davon zu hören befar men, vom b unter der Linie bis zum breigeftrichenen es; die höchſten Chorden wurden. nur in den beiden Arien aus der Zauberflöte (weiche dem hohen es nad zu fehfiehen, jedenfalls um einen Ton tiefer transpenirt waren, da He urfprünglich Doch Dis zum ho— hen f gehen), benutzt. Die Stimmenbildung ift aut, nur hat fie auf dem Vocal i etz was Beigefhmakf vom Gaumen; die Ausſprache iſt meik'nicht ſehr verſtändlich. Die Coloratur wird in allen Manieren und Spielarten mit auherordentlicher Leichtigkeit, Abrundung, Neinheit und Grazie angewendet, und ſei ed nun natürliche Begabung oder Studium, fie verdient faft durchgängig als vorzüglich bezeichnet zu werden, Elne be— fondere Force befigt Mad, Gundy im Staccato, das fie in größeren zuſammenhängen⸗ den Länfern und Paſſagen mit vieler Wirkung und großen Erfolge benukt. Die Par— fie der Nofine iſt bekanntlich vorzugsweiſe mit colorirten Geſangöweiſen außgeftättet, und man Tann deshalb nach unferer Erörterung leicht präſumiren, daß ber geehrte Saft darin zumelft excellirt at, wie 68 dem anch wirklich ber Fall war. Außerdem machte noch das lebhafte, muntere Spiel einen angenehmen Eindruck, und wir ſtimmen
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ein in Den lauten Belfall, welcher der Sängerin von Publicum zu Theil ward, Im zweiten Acte legte Mad, Gundy eine fehr brillante Arie von Donizetti und ein ſchwäbi— [ches Lieb ein, letzteres wollte uns, abgefehen von der ganz charmanten Ausführung, nicht am pafjenden Orte erfcheinen. Bezugs des Auftretens in der Bauberflüte ala Königin der Nacht Haben wir wenig mehr an fagen, als daß die Partie techniſch cor— rect und fanber ausgeführt wurbe, was afferdingd in Anbetracht der beiden ſehr ſchwie— tigen Hauptarien ſchen eine bedeutende Anerkennung in fh ſchließt, die wir Hiermit ausgefprochen haben wollen. Lobenswerth erfchlen es und, daß fich die Sängerin bei weiten mehr an das Original hielt, als im Freiſchütz, obgfeih die Mante nach moders nen Schlüffen no bie und da zum Vorſchein kam. Kin weiteres Gaftfpiel, das wie wie hören, auch den „Fidello“ einfchliegen foll, wird uns Gelegenheit geben, unſer Ur: theil über die ſchätzenswerthe Sängerin zu vervollſtändigen. B.
Soncert von Fräulein Henriette Niſſen
im Saale des Gewandhauſes zu Leipzig. Donnerstag, ben 31. Januar 1850. Unter Direction des Herrn Capellmeiſter Julius Mich.
(Erfter Theil: Ouverture vie Hebriven (Fingalds Höhle), von F. Mendelsſohn-Bartholdy. — Arie aus Judaßz Maccabäng von Händel, vorgetragen son Fräulein Niffen. — Andante und Scherzo für vie Violine, componirt und vorgetragen von Herrn Goncertmeifter F. Davis. — Arie aus „Ernani“ son Verdi, vorgetragen von Fräulein Niſſen. — Zweiter Theil: Duvers tuce zu Preeisfs von ©. M. v. Meber. — Die Bettlerin, Romanze aus dem „Provbeten‘’ von Meyerherr, vorgetragen von Fräulein Niffen, — Coneertftüf für Pianoforte von C. M. v. Weber, vorgetragen von Herrn Drouet, — Lirber am MPianoforte, vorgetragen non Bräufein Niffen.)
Ein eben fo vielfeitiges als geſchmackvoſl angeordnetes Programm und tmäbefondere der im Ausſicht fichende Genug, Präufein Niffen nah mehrwöchentlicher Entbehrung wieder zu hören, hatte ein fehr zahlreiches Publicum herbeigegugen, weiches Apollo'g Räume vollftindig fanatifirt verließ. Zweifelsohne erfreute fih die gefeterte Sängerin heute einer Dispofition, die fie zu Leiſtungen der feltenjten Art befähigte, und wir far gen nicht zu viel, wenn wir behaupten, daß fie ih im Vergleich zu ihren früheren Pro— buctisnen gewiffermaßen übertroffen habe, Zunächſt dürfte fi Das fo eben Ausgefpros bene ſpeciell auf die Verdi'ſche Arie Deziehen, deren unvergleichlich vollendeter Vortrag zu einflimmigen Dacapo-Ruf Beranlaffıng gab, — ein Surces welcher der Seltenheit wegen eben fo auszeichnend als ehrenvoll iſt. Weniger erbaulih war der Gedanke, eitte Eompofition, wie dieſe Arie, zweimal in unmittelbarer Aufeinanderfolge hören zu müffen, allein Fräulein Niſſen's eminente Künftlerfhaft wirkte in fo überwiegenden Maafe und fo feſſelnd, daß für den Augenblick jede anderweitige Reflexion unterdrückt wurde. Außer der häufigen Anwendung der fchwieriaften Fiorituren, welde in der Ges ſangskunſt exiftiven, wollen wir nur eines Trillers auf f (fünfte Linie des Spitems), mit der fih daran fchließenden Triole Erwähnung thun, welcher nicht ſowohl Durch Die damit gebotene Schwierigfeit, als durch die Art der Ausführung wahrbaft ſtaunenerrt— gend wurde. Bon den anderiveltigen Geſangspiecen neunen wir vornehmlich ala Nont: tät die Nomanze der Fldes aud Meyerbeer's „Prophet;“ über den Werth der Compoſi— ton werben wir fpäter- Gelegenheit finden und auszuſprechen, hier nur jo viel, daß Fräulein Niffen den Geijt derfelben volllonmen durchdrungen bat, und den darin aus— gebrüdten Schmerz einer Mutter um dem verlorenen Sohn durch ihre gefühlvolle, innige Auffaſſung auf's treffendfte wiedergab. Leber die Händel'ſche Arie, fo wie über die um Schluffe des Concerts gefpendeten Lieder, vor denen die beiden erften der ſchwediſchen, das letzte dagegen der ſpanlſchen Nation angehören, Tüunen wir nur non Neuem wies
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beiholen was wir über die vollendeten Leiſtungen ber geshrien Künſtlerin ſchon bet Gelegenheit inferer früberen Referate ausgefprochen haben. Lauter, anhaltender Beifatt dankte nach jedem einzelnen Vortrage der außerordentlichen Sängerin, welche bet ihrem Erfiheinen durih freudige Acclamation begrüßt worden war.
Weſentlich trug zur Zierde Des Abends Me Mitwirkung des Herrn Concertmeiſter David bei, welche dadurch eine außerordentliche wurde, daß er ſich in einem ſehr geiſt⸗ reihen Solo feiner eigenen Compoſition hören ließ. Gern bewnuderten wir den ver— dienten Meiſter einmal wieder in dem Beethoven'ſchen Vlolinconcerte, weldhes nun ſchon längere Zeit vom Repertoir verſchwunden, wieder ein erneuertes, ſehr erklärliches In— terefſe gewonnen hat,
Herrn Drouöt's Leiſtung auf dem Pianoforte verdient im Ganzen ſehr viel Rob; der junge Künſtler behandelte. ſein Inſtrument und die ihm zum Vortrage anvpertraute Compoſition von Weber mit anerkennenswerthem Geſchicke und vieler Einſicht, wenn auch Die dieſem Concertſtücke in hohem Grade innewohnende Grazie und Aumnth nicht überall zum entſprechenden Ausdruck Fam. Die Anfaugs bie und De verunglückten Töne find wohl mehr das Ergebniß einer Befangenheit als einer Unſicherheit, da ſpäterhin die Technik fehr präcis wurde.
Die Ausführung beider im Programm genannter Diverfiven war unter Leitung des Herrn Capellmeiſter Riez vortrefflich. V.
Signale aus Wien.
{Seere Concerileibenſcheſten. — Willmert. — Der Männergeſangverein. — Hevens Operetie, — Die Luttzer, — Das Burgtheater. — Fräulein Sellwig.)
Womit ſoll Ihr armer muſikmüder Correſpoudent von der Donau heute ſeinen Bes richt beginnen? Soll er Ihnen erzählen von den Legionen vor Concerten, Die Heu— fehrerfengfeich feit 3 Wochen über und hereingebrochen ſind nud Denen er pflichtſchuldigſt betwohnte, oder foll er ausplaudern, was er hinter den. Conliſſer vom Bropheten gefer ben und gehört, weichen großartigen Eindruck die Stimme der Frau Lagrange auf bie Lanfchenben gemacht bat, wie De Sänger fldy frenen, daß fie die lateiniſchen Kirchen: verfe der Üiedertäufer bei Unter Melden burchgefeßt haben, oder endlich, wie Die Tün— zer bei den berühmten Schlittſchuhtanzt, von Des großen Giacomo wunderlieblicher Batz letmnfif begleitet, fanft auf Die Naſe fallen? DO nein, Sie malen ſich Died fett wohl am beften aus und begnügen fih mit der einfachen Kalendernachricht, Daß wir juſt im Faſching leben, in einer Zeit, wo dem Scherze uud Muthwillen die Zůgel gelüftet wer— den, wo die Lebenoͤluſt ihren Ausdruck im wirbelnden Tauze findet, wo ellenlange Affe her Aber Concerte, Academien Ihren Neferenten in tiefed Nachdenken uund Herknles— lage am Sceidewege verſehen. Ein Jeder macht fi hier feinen Spaß auf eigne Band’ und faſt wifl es ſcheinen, ale finde m der Virtuos darin, wor leeren Sälen th zu ' produciren.
Fräulein Roſa Kaſtner, eine licbenswürdige trefflich gebildete Clavlerſpielerin sont Prager Conſervatorinm, Jules Schulhoff, ein Pianiſt erſten Ranges, die Ger ſchwiſter Neruda und noch mehrere namenlofe Größen mußten wenigſtens die Erfah— rung machen, daß es dies Jahr vorzugswelſe ſchwer hält, dte Wiener in den Eoncert- ſaal zu bringen. Nur Herr Rud. Willmers, dem nen ernaunten Kammervirtnoſen, iſt es gelungen am 20. Ian. ei Concert unter zahlreichem Zufpruche zu geben. A techniſcher Küuftler kann Willmers kanm wohl noch weiter kommen; ex leiſtet das Era reichhare in der höchſten Potenz; die Bravour, dad Brillante feines Vortrags, ſein um: vergleichbarer Triller, deſſen Gleichmäßigkeit nur noch. durch feine Endloſigkeit übertraf
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fen wirb, find Erſcheinungen, die wahrlich in Erſtaunen feßen; aber er beanſprucht auch eine Anerkennung feines herausgebiſdeten Compomiſtentalents und Diefe zofit mar ihm gern nach Anhören feiner neueſten Compoſitionen: „Mährchenwelt“ und „Masten: ſcene,“ welche beide durch getitreiche Auffafſung und graziöſe Behandlung” der. The⸗ nen fich vor feinen früheren Salonpiecen auszeichuen—
Auch der Männergefangverein, der mit Drönung feiner innert Angelegenheit bes ſchäftigt, ſich bisher in den Mantel der Paſſivität gebiilft Hatte, concertirte. Das Amis liche Programm konnte ihm freifich diesmal den gewohnten Applaus nicht fihern. Am meiften zündeten noch Otto's „treues Herz,” eine einfache, wirklich zum Herzen gehende Eompofition eines poctifczen Textes des jfingft verftorbenen Otto jun. md Kücken's „Normannsſang,“ ein energiſcher, effertvoller Chor, in beffen Teste, beiläufig bemerft, mehrere biefige Sohlföpfe die ergebenfte Auffordereng zum Hochverrath finden wollen,
Die Dper brachte als Neuigkeit eine Dyerette von Mofentbal: „Ent Abenthener Karl H.,“ mit Mufit von Hoven. Das trefflide, an fumifchen Situationen reiche Li— bretto des Deborah s Dichters bot dem. Kontpontiiten, deſſen Begabung zu fomifher Muſik Bier ſehr gerühmt wird, paflende Gelegenheit fein Talent zu zeigen; er hat es mit vielem Geſchick und noch größerem Erfolge gethan; aus der fliefenden auſprechen⸗ den Compoſition möchten wir als beſonders gelungen hervorheben: das erſte Duett des Königs (Meicharb) mit Katharina (Fräulein Hellwig, die nebenbei Toiſette par excel- lence gu machen verſteht), die Romanze der letzteren (Gmolll) und fait fänmtliche Rum— mern des Turial, der in Hölzel einen trefflichen Nepräfentanten fand. Die Friſche Des muſikaliſchen Thetles und die Lebendigkeit der Handlung werben biefem Opus unfehlbar den Weg ind „Ausland“ bahnen.
Freudig überrafcht wurde nuſer Theaferpublisum durch das einmalige Wiederaufs treten der Fran Jeuuy Lutzer als Roſine in Mozart's Figaro; die Wahl gerade die— fer Partie war eine vorſichtige, die hierzu erforderliche Beweglichkeit der Stimme lieh wenig eutdecken, Daß ihr Die Zeit an Stärke genommen hatte und fo war vorauszuſe— hen, das die Coloratur, die ftärkite Seite diefer Sängerin, dem Publicum woch Diefel- ben Beifallsbezengungen entloden mürde, Die vor 10 Jahren ber ihren Cadenzen dag Hans durchdröhnten. Wie immer wide auch heute das Briefbuett zur Wiederholung: begehrt: Der Bage Chernubin ift eine fo künſtlerifche Geſangsleiſtunrg der Fran v. Daf felt, daß ſchon alfeln deshalb das ſich erhaltende Gericht von dem Abgange diefer Sängertir die Freunde claſſiſcher und fveriel Mozart'ſcher Muſik mit tiefen Bedauern erfüſlen muß.
Arch das Burgtheater eadlich, das deun jetzt wirklich unter Laube $ Direcktion jteht, ninımt einen mufikaliſchen Anlauf. Titel ik als Muftldirector dafelbit engagixk worden, er folk das Drchefter, das wegen feiner muſikaliſchen Scherze in Den Zwiſchen-— acten weit und Breit berühmt war md unbeirtt von dem öffentlichen Urtheil täglich durch neue Bierfidelelen das menfhlthe Ohr abhärtete, einer ganz neuen Beflaltung: zuführen. Was wir im Namen der fe vielfach benruhigten Mänfe im Burgtheater herzlich wänfchen.
Zum Schluß ned die Mittheilung, daß die fiebenäwitrkige Sangerin Mathilde. Hellwig die Bühne verläßt und ehren der reichſten Reactionärs der Stadt Wien, Herin Dr. Bivenet, Verfaſſer einer Broſchüre über Schwefeläther, heirathet.
Nodestus.
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Signale aus Utrecht.
Es wird Zeit mein werther Redacteur, daft ich zeige, daß Das Utrecht'ſche muſikali— Ihe Kımftleben wieder negen November mit neuer Kraft angefangen hat und daß in “einer Hinſicht, nänfih der Anzahl von Gefangnereinen, fein Iurückſchritt gemadt tft. Ale muſikaliſchen Anstührungen zu befyrechen, würde den Raum der Signale überfchrei« ten, um fo viel mehr, weil ich mh von Concerten in anderen Städten etwas mel— den will. Diefe Eoncertfaifon nahm wieder mit Probe-Soireen und mit dem Dilettauten— Konrert Symphonia (Diresteren Dabmen und Eraeyvanger) am 26. November ihren Anfang, und wurde mit ber erften Quartett-Soiree am 30. November. von den Herren Dahmen, Kraeyvanger, Malherbe ind Baumgarte, mit dem Goncert Collegium musicum Ultrajeetinum (Directer Kufferatd) am 8. Decem: ber, mit dem zweiten Symphonia-Concert am 9, December, mit der erften Soiree musicale von denn Zauggenootihap (Director. Kufferatb), bem zweiten Studen— ten DamensEnncert, mit der zweiten Quartett» Spiree am 21. December fortgefeßt rd durch viele Uebungen der verſchiedenen Liedertafehr: Aurora and Apollo, bes Eins ladung-Gefangvereins (Direstor Craeyvanger), des Utrechtſchen Männer— Geſangvereins (beide neu gegründet) und des Janggenootſchap (Director Kuffes rath) abgewechjeit, während noch eine Meine Liebertafel von Pädagogen wöchentlich nur ter der Reitung des Lehrers der Normal-Geſangſchule, Gern van dev Berg, geleitet, und die Stadt-Geſangſchule Lehrer Kıufferatb) und die des Bereins zur Beförde— rung der Tonknnſt wöchentlich zweimal ftattfinden. Jetzt aber ruhen die Concerte aus wegen der Univerfitätsferien und Fefttage, in welchen die CdurMeffe von Beetho— ven in der Augıftinerficche unter Kufferath und die 15. Mefle von Vater Haydn in eis ner andern Kirche unter Bökelmann löblich vorgetragen. wurden, Die Herren welche den Directorftab führten, verdienen Dank, Die EoneerteProgramme gaben blöher die befannte Symphonit von Beethoven (&.), die erfle von Spohr, die Omverhiren Egmont von Beethoven, die Solennelle (No. 9) von Kalliwoda, Die Dberon und Treifhüß von Weber, im Sympbonia= Goneert eine Duverture von Righini, Jean de Paris von Boieldien und eine von Winter, aber in diefem Genre nichts Neues ala: Hört! eine OQuverture martiale (?) von einer gewiſſen Mad. Lecelli, einer Schülerin Roffinl’s, wie fie fagt, eine erbärmliche muſi— Talifche Production, eine Art von Potpourri, ein italieniſches plagiatifches, gehaftiofes, bombaſtiſches, Geräufch machendes und mit Trommel und Becken gewürzted Unding, womit diefe Compontftin auch in Felix Meritis und Frascati nm Amſterdam aufge treten iſt und vielleicht meint, Die Niederländer, die meiftens Ächte, ante, Fernhafte, poe— tiſche Inſtrumental-Compoſitionen lieben und begreifen, damit vergnügen za Finnen. . Gottlob find die Augen geöffnet und die Gemüther für eblere Sadyen fähig, und ſolche Reiftungen nicht im Stande, den guten Geſchmack ſchnell zu verderben, Mile. Uccelli, Fräulein Tochter, ließ uns In demfelben Concert die Rorma-Arie „Casta diva,“ eine Polonatie au der Oper „Marco vesconti* von Mad. Uecelli, auch ein ganz prächti— nes Stück (17) nebſt zwei italieniſchen Kleinigkeiten hören, leider alles mit einer fo ungefälligen Stinmme, die zwei erffen Soli fo mangelhaft und fo wenig anfprechent, fo unter dem Thermometer einer guten Sängerin, daß der Beifall gering war, Mehr erfrente dev Sefang des Fräulein Marie Müller, welde in dem Studenten s Gonrert die Titus-Arle „Parto“ won Mozart, eine aus I Montecchi ed ı Capnletti von Bels int, „la belle laitiere** von Puget und „der Kauf der Melt“ von Küden mit Fräftie ger, angenehmer Mezzo⸗-Sopranſtimme gut vorteng und allgemeinen Beifall erntete,
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Die Inſtrumental-Soli dieſer beiden Goncerte von deu Herren Dahmen (Bioline), Pals ger (Slarinette), van Zal (Flöte) und einem ſehr verdienftflchen Dilettunten (Piano) wurden mit Beifall empfangen, In der Soiree des Zanggenvotſchaps waren alle Soli und Chöre durch Dilettanten befegt. Wir Safim bier das Programm folgen, von wel chen Vieles gelingen genanıt werden darf; Quartett von J. Haydn (doppelt beſetzt), Aria für Alt aus „Sanſon“, Draterium ven Händel, Duartette (Sopran, Tenor, Alt und Baß) von Tel. Mendelsſohn-Bartholdy Op. AL, Necitativ und Arie für Sopran aus Titus von Mozart, Männerchor von Mendelsfohn: Bartholdy Op. 75, — Zwei: ter Theil: Variations eoncertantes für Rians und Violine von Kalliwoda, Duo für Sopran und Tenor aus den Zahreözeiten von Haydn, Quartett für Sopran, Alt, Te nor und Baß von Mendelsſehn Op. 41 und von R. Schumann Op, 74, Reeitativ und Arie für Sopran aus Figaro's Hochzeit von Mozart, Meeresftille und glückliche Fahrt, Chor von Beethoven. Die Schumann'ſche Muſik gewinnt täglich an Theilnahme und an Bewunderern, Ben diefer Tondichter fo fortfährt auch Meine, ſchöne Geſangcom⸗ pofitisnen im die Welt zu fehlen, wie die für Männergefang, gemifchten Chor (NRo— manzen und Balladen), fpanifche Lieder u. f. w., fo werden feine genialen Schüpfungen unftreitig in Holland fo populär werden, wie Die der Kunſtheroen dieſes Jahrhunderts geworden find. Die Streichquartette in den beiden Quartett-Soireen wurden anf eine ausgezeichnete Weife vorgetragen: Quartett von Beethoven No. 4 in Cmoll; von Mos jart No. 3 in Bdur; Eberubint No. 1 in Esdur; Ontfow Op, 4, No. 3 iu Amoll und Zof. Haydn's Esdur, Die Herren Dahme, Gracvvanger, Malherbe uud Baum garte verdienag gefobt, die Difettanten, welche dieſen Vereinigungen beiwohnen können aber nicht beimohnen wollen, getabelt zu werden.
Wenn wir nun weiter nach Amſterdam, dem Haag und Rotterdam fchanen, fo können wir nur einiges von dem vielen Schönen und Fremden was in Diefer Sat: fon vorgetragen if, anzeigen. Das fepte Cäcilia-Goncert, Die Perle der niederlän: Difchen Goncerte, unter dent wackeren Bau Bree übertraf noch die früheren, Nach der herrlichen, unvergleichlich ſchönen Ausführung von Mozarts YJupiter- Symphonie, den drei eriten Theilen von Beethovens 9. Sympbonie und der Ouverture Athalia von Mendelsſohn und Freiſchütz von Weber, von welden die beiden lebten da capo ver: langt wurden, bat das in großer Maſſe erfchtenene Publicum in bochbegeiiterter Stim— mung den Kunſttempel verlafien. Die in genannten Städten vagivenden Virtuoſen, der berühmte Leonard, Maurin (Binkiniften), dev treffliche Pinnsipieler Mortier de Fontaine und Stlas (Hoflinder am Conſervatorinm in Paris), die Sängerinnen Alboni, Romani Michter von Ilſenan), Leonard de Mendi find willfonmıene Säfte; auch bat der Violiniſt Dubois überall fehr gefallen und der junge Lafſar im Haag Beifall gehabt, Herr Mortier de Fontaine glänzte in Zelig Deritis Concert und enthufladmirte die Aunftefite in feinem Concert am 27. December in Amfterdant, er wurde Darin mehrmals hervorgerufen, was Da eine nicht tägliche Erfiheinung iſt. Su Notterdam wird „Elias“ unter des Hoch geehrten Gern Verhulſt's Leitung fleißig einſtudirt. Der fehr erfahrne Herr Hutſchenruyter dirigirt wieder die Eru- ditia Musica Coucerte und Herr Dupont ſteht einem von ihm jetzt geſtifteten Concert (vhülkarmenifches) zu einem Peufionsfend von Rotterdaner Tonkünſtlern bejlinunt, würs Dig an der Spike, zeigt fi dabei als ein wahrer Kleve vom Leipziger Conſervatorium, als ein tüchtiger Direetor, ſo daß die Symphoien nnd Ouverturen meiſterhaft vorges tragen werben und die Theilnahme an dem Concert fortwährend orescendo geht. Aber jet inis.
Ntreht, im Januar 1850, Dr, 3. €. Kit,
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Dur und Moelil.
* Leipzig. Oper im Jannar: 3. Jau. Der Mafferträger, von Chernbint. — 5; Jar, Marta, von Flotow. — 12. Im, Der Lempler und Die Iüdin, von Marfihe her. — 15, Jan. Die weiße Dame, von Boieldien. — 18. Zar. Oberen, von. eber, — 27. Zaun. Der Freiihüg, von Weber (Agathe, Frau Bundy, großherzogl. Badenſche Hofopernfaͤngerint, ala Gaſtroſſe). — 29. Sa, Der Barbier von Serie. vor Roffini Befine, Fran Guudu, als Gaſtrolle). Im Ganzen 7 Opern in 7 Vorſtellungen.
Fraäulein Niſſen bat in ihrem Gondert, welches fie am 31. San, im Saale Des Gewaudhanſes gab, einen wahren Trimmph gefeiert, Die von ihrer Reiſe zurückgekehrte Künſtlerin wnerde mit Euthuſtasmus ven Den vollen und brillanten Hanſe empfangen und man konnte beſonders heute vecht wahrnchmen, wie beliebt dieſe Sängerin hier ge— vorrden. Bon allen Seiten war man bemüht gewefer, ihr dem Abend zu einem der glänzendſten zu machen, jo empfing Fränfein Niffen ünter andern vor dem Concert von der minfifaftfchen. haute volée Blumenbonquets in fo reicher Anzahl und von folder Schönheit, daff fie ſich an ihre italicniſchen Triumphe erinnert baten mag; fie batte für ihr Auftreten ein Bonget gewählt, vor einigen zwanzig der ſchönſten rothen und wei— Ber anneliien, Die Ipifette der Sängerin war auch an diefen Abend wieder die ges waͤhlteſte.
Im Gewandhansconcert dieſer Woche kömmt die Onverture zu der in Copenha— gen mit großen Beifafl aufgeführten Oper „Tordenskjold“ von Saloman zur Auf führung. Der Eompeniſt wird ſelbſt dirigiren.
Die Dper „das Diamanikrenz““ von Saloman, iſt bier zweimal bet vollem Haufe und mit großem Beifall anfgeführt werden, viermal war dieſelbe wieder auacfept, allein mehrfache Erfranfungen haben bisher weitere Wiederholungen dieſes treiflichen Werkes verhindert, welches gerechte Auſprüche Hat, auf dem Nepertoirs aller, deutſchen Bühnen ven unr einiger Dedentung ich zu befinden. Eude Diefer Woche full die Oper num bes ſtimmt fein, da Fränlcin Bayer wieder bergeitellt if, Saloman's neh nicht gegebene Heine Oper: „Das Eher der Rache,“ wird bald die große ind Schlepptau nehmen ud ben Componiſten in Deutſchland raſch populär machen.
Am 30. Jan. gab der „Panliner Sängerserein“ im Sxale bes Hötel be Pologne fein alljährlich ſtattindendes Concert, und erfreute durch die gelungenen Vorträge Die überaus zahlreiche Zuhörerſchaft. ’
Fräulein Johannfen aus Copenhagen, welche noch bei und verweilt, iſt für beit 16. Februar nach Hamburg eingeladen, zum Auftreten in dem an diefem Tage ſtatifin— denden philharmoniſchen Cöncerf.
Schon wieder einen neuen Balletmeiſter haben wir, Herrn Hoffmann aus Berlin, ſeit wenig Monaten der Dritte im Bunde wit. den beiden abgegangenen.
x* Gade's Oper „Mariotta“ iſt in Copenhagen mit glänzendem Erfolg zur Aufführung gekommeſt und hereits zweimal wiederboft worden, Die Muſik iſt von außer: ordentlicher Schönheit und faud den größten Beifall, ebfhen Aufführnug und Beſetzung zu wünſchen übrig ließen. Gade wird Ende Februar mach Leipzig kommen, um fehte Dper hier zur Aufführuug zu bringen.
* Am 30, Jam, ging der „Prophet,“ von Meyerbeer in Dresden mit großer Pracht zum erſten Mal im Scene, Die Beſetzung war folgende; Tichatſchek, Prophet; Fräulein Michalefi, Fides; Fränlein Schwarzbach, Bertha; Dafle Afte, Jonas; Mitter- wurzer, Oberthal. Die Aufnahme war eine glänzende, Meverbeer wurde nad) drei Ac— ten und am Schluffe gernfen, eine Anszeichnung De auch den Daritelleuden und dem Maler Desplehin ans Parts zu Theil wurde, Meyerbeer hatte alle Proben felbit gelei= tet, Hetffiger dirigirte. Rach ber Oper begaben. fih die Concertmeiſter Lipinsky und Schubert zu Deu Fompouiſten, um ihm einen Lorbeerkranz zu überreichen. Au— genzeugen verfichern, Die Oper fei in Dresden grade fo brillant in Scene geſeßt, wie in Paris. Der Mafer Desplehin empfing für ſeine Arbeiten alfein 3000 Thaler.
* In Meyerbeer'3 „Hugtnotten bildet bekanntlich die Melodie: „Ein feite Burg tjt unſer Gott“ den Grundton, welcher duch die ganze Oper hindurchktingt. In ähn— liher Weife bat Meyerbeer für feinen „Brepgeten” Die Melodle: „Wer nur den lieben Bott läßt walten,” bemugt.
Sigrale. 53
*Am 39. Jau. feierte der. Dresdner Khorgefangverein Robert Schumann fein Stiftungsfeſt nnd führte zu dieſem Zwecke im Saale Torniamenti Mendelstehn's Akhalia auf. Die derfamatorifchen Stücke des Wertes hatte Herr Eduard Devrient - übernommen und trug fie mit Derfeiben künſtleriſchen Weihe vor, die feinen Vortrag der— felken vor längerer Zeit in Leipzig durhdrungen hatte. Fran Clara Schumann ae compagnirte das Touwerk am Flügel: Die Zeitung des Ganzen war in den Händen Robert Schumann's, und Die Präcifion und Relnheit, mit der namentlich Die Chöre auftvaten, läßt auf Die Vortrefflichkeit diefer Zeitung während der Proben fliehen,
* Bei der erſten Aufführung des „Mulatten” in Berlin, hatten einige Choriften, N gegen das Coſtüm der Zeit, ihre natürlichen Bärte mit eingefhmuggelt, was ber Negie entgangen War, Dies bat zu ber mmermg bet Theater⸗Ordre Veranlaſſun gegeben, daß dad fämmtliche Hertenperſonal der Bühne ſich der Bärte gänzlich zu enthalteg hat, wenn es das Zeittoſtüm erfordert, foll der nöthige Haarwuchs (on ges liefert werden.
Die verlanter, ſoll Die Generals Intendantur in. Berlin darauf angetragen Haben, daß alle Angelegenheiten, welche die Aufführung des „Propheten“ etrelien, «18 Die Beſetzung, Die mise en seöne, die Kinftudirung und Zeitung dev Proben, fü wie die Steflung des Operu-Repertoirs während der Eiunſtundiruug — der Beſtlmmung des Kompontſten überlaſſen werde. Nach früher gemachten Erfahrnugen würde das Pur blicum in dieſem gel während der ganzen. Zeit febr wenig Opern zu hören befommen, nnd fo Schr ed ſich auch für eine baldige und vollendete Aufführuug des „Propheten“ interefirte, mung es doch verlangen, Daß die Kräfte der Oper nicht allzuſehr offietell ge= ſchont werden, da fie meiſt ſchon won ſelbſt und privatim Dies zur Genüge th.
& Die itafleniihe Oper des königſtädtiſchen Theaters in Berlin gab am 29, Fanyar zum serien Mal „Robert den Teufel”: Mam it jeßt dabei Roſſin's „Wilhelm Tel” einzuftudiven, den DBeihluß der Dpemfaifon, weldhe hefonders in den betreffen: ae Jonrnalartikeln ſehr gläugend war, wird „Dom Sebaſtian“ von Douizetti machen.
Nach dem Schluß der Saiſon in Berlin geht die italieuniſche Dper zu Vorſtellungen nad Dresden.
E * Kerr Taglioni reift in dieſen Tagen nach London ab, wo er während eines Berliner Urlanbs als Balletweiſter fungirt und ein neued Ballet einfhudiren wird, in welchen Zränfeln Maria Taglioni Anfang März auftreten wird,
xX Die Singacademie in Berlin führte am 30, Jan. Haydes Jahreszeichen auf,
* Nach Kurzer Untexbrechung ihres Gaſtſpieles trat Fräulein Grahn am 3, Jar. in Berlin wieder als „Esmeralda“ auf und tanzte mit einey Meiiterfchaft, wie au bet den berühmteften Bajtipielen dieſe Partie noch nicht geſthen wurde. Der fortwäh— rende Beifall des Publicums begleitete ihre glänzende Leiſtung.
* In dem zunaͤchſt bevorſtehenden Abonucjucnttoucert in Bremen, wid Carl Neinecke feine neue Sinfonie zum erſten Mal aufführen,
* Jenny Lind iſt in Bremen angekommen und wird ſich daſelbſt in einen Concert Hören faffen, Dann giebt Ste am 9. Febr. in Hannover ein zweites Concert und geht Hierauf nad Berlin,
* Liazts Thätigfeit in Weintar wird augenblicklich Durch das Eigfindiren von Glucks „Iphigenie” mit nener Inſtrumentationen von 8. Waguer fehr in Auſpruch enonmei, dieſer Oper werden Aufführnugen von einer nachgelaſſenen Oper Franz
chuberts, des „Graf Dry“ vor Rofſini wid Salomon's neuer Operette „das Chor der Mache” folgen. Am 3. Febr. hat man ſich in Welnar wieder mit einer Aufführung von Wagners „Imtnhänfer“ geplagt, 2 u
.# Sie kommen alle wieder, auch die Heine Clara Novello ift wieder bg, Auf den Brettern iſt eure Welt, darum verfaßt fie Fieber gar nicht, Clara Novello, AR einen Mann von Raug und Vermögen perhetrathet, iſt zur Kunſt zurückgekehrt und bat fi als Primadonna At Rom engagiven ſafſen. u
—X Kilorenz ohne Kunſt und Künſtler iſt ulcht mehr Florenz, und auch bier feiert: die Kunſt unfreiwillig. Die Theater halten ſich nur Dur Schauftüde, Dabei aſt es merkwirdig, mit wie Wenigem der Staliener, dem im Kunſtſachen ein feines Gefühl
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nicht abgefprochen werden kann, dur; die Theaterdircetionen ſich zufrieden ſtellen Täpt, Wenn nur eine einzige Sängerin ſich über die mittlere Höhe muſikaliſcher Begeiſterung erhebt, genügt dies dem Publikum. An cine nur ach leidlich gute Beſetzung aller Rollen, un den hinreißenden Cindruck einer gelungenen Geſammtdärſtellung iſt in Italien wicht zu denken, und ſonderbarer Weiſe wird anf Das dramatiſche Moment bei den Opern gar kein Gewicht gelegt. Noch niemals iſt die Norma fchlechter aufgeſührt worden als in der Pergola. Ünd doch war dieſer Abend nad ein glücklicher Fund tm Vergleich zu Verdi's Rebucadnezar, der. als das elgentliche Stück der Saiſon regelmäßig über die Bretter gebt, Die Hauptſache iſt allerdings in Stalien das Ballet, das niemals fehlen darf. Selbſt in den Volkstheatern, wo mar etwa neun Kreuger für ben Partere— platz bezahlt, werden auf die glänzende Ansjtattung der Ballette große Summen veviven- det. Auf Die Pergola bat ſpaßhäfter oder wem man lieber will nuglücklicher Meife unſer Fauſt, richtiger eine coloſſale Carricatur ded Fauſt fi, verirrt, Befanutfich Hat Srabbe ben baroken Einfall gehabt, der Kauft und den Don Inau ba Eins zu ver⸗ ſchmelzen; damit nicht zufrieden bat der italieniſche Balleteomponiſt zu dieſer Miſchung auch noch Robert den Teufel und ben Freiſchütz hiuzugenommen, ohne daß übrigens ein corinthiſcher Erzfluß daraus entffanden wäre, Bet den Entlehunngen war es nurx auf eine sauce piguante abgeſehen. Der Bater Gretchen's ift dev Comthur, der von Fauſft eritochen wird, und zum Schlufe muß ein zwiſchen Felſen jtchendes Madonnenbild Fauſt's Bertrag mit dem Teufel zerreißen. Dabet fiel mir ein, daß. der Profeffor der Mora, der und Gymnaſiaſten vom Iheaterbefuh abhalten wollte, den Schluß des Freiſchütz einen groben Beritog gegen die ewigen Gebote der Moral nannte, Wie dem auch fein mag, nür gefielen in dent Ballet Fauſt die Coutretänze zwifchen den Teufen und den Teufelinnen nicht, nicht daß ich es für unmöglich oder unangemeſſen hielte, einen Höl⸗ lentanz aufzufübren; ich meine nur, daß ber Teufelstanz, um anzulprechen, eben fo wenig Dumm fetn Darf, al3 der Teufel jelbft. Umgekehrt fcheint der Componift es darauf ab— eſehen zu haben, den Teufel und ſeine Sippſchaft — abgeſchmakt erſcheinen zu laffen. Die Teufelinnen wiſſen nit ihrem Beſenſtiel auch gar nichts anzufangen, Haben bie Ginteniden der Griechen ſich ebenſo geberdet, fe iſt es ſchwer zu begreifen, wie Euripides dadurch, daß er dieſelben auf die Bühne brachte, unter feinen "Bofnun streichen“ Zur ſchauerinnen Unglück anridten Founte. Dagegen nimmt es ſich fehr hübſch aus, wenn die Hölle ſich urpläßlich in ein-Seratl verwandelt und De Teufelinnen, während Fanſt mit. dem Teufel auf deſſen rothem Mantel davon reitet, mit einen Male als polnifche Polkatänzerinnen daſtehen.
* Der Tenuoriſt Kahle iſt bei der Oper in Amſterdam engagirt, er debütirte mit Beifall in der „Martha“. Die Aufführung des „Propheten“ ſteht daſelbſt in den näch— fen Tagen bevor. -
* Mad. La Grange bat ige Gaftiplel im Hofoperntheater in Wien begonnen, fie irat mit glänzendem Erfolg als Nofine auf,
* Das Hofoperntheater in Wien hat Mad, Fa G range aud Paris für ihr Gaſtſpiel von 20 Abenden 5000 Gulden garantirt, Das find außer den Reiſekoſten etwa die Glacehandſchuh, fügte ein Wiener Dandy.
* Schulbeff gab ein zweites, gleichfalls fehr zahlreich befuchtes, Concert in Wien.
* Der Sängerin Fräulein Zerr in Wlen wurde von London für ihre Mitwir— fung bei Goncerten während ihres diesjährigen YHrlaubs das bedeutende Honorar von 5000 Pf, Sterling geboten. |
* Der Man zum Baue eines nenen Hoftheaters in Wien, auf 1 Million Gul—⸗ den veranſchlagt, iſt von St. Maj. dent Kaiſer beſtätigt warden,
% Sn Königsberg kam om 30. Jannar zum erſten Mal die neue Oper von Sobolewary: „Der Seber von Khoroſſan“ zur Aufführung. Die Oper ift voll aus— gain Künſtſchönheiten, bie leider durch den Mangel an Natur ſchwer zu genies
en ſind.
X Die Liedertafel in Aachen gab am 27, Jannar ein Concert zum Beſten ber Reſtaurgtlon des Aachner Münſters, einige Wochen vorher hatte der dortige Inſtrumentäl— verein im Thenter ein Concert zu gfetchen Zwecke gegeben, Es it rübmend ganzuer— kennen, wie viel in Deutjchland Für die Erhaltung alter baufälliger: deutlicher Thürme gefungen und gegelgt wird.
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%* Die Gazette musicale de Paris fchreißt: Nous ayons annoncé deja l’ar- rivee d’un violoniste de premier ordre M. Joachim, qni nous vient de Leipsick. Nous avons en celte semaine Y'occasion de l’entendre dans quelgques salons, et nons pouvons aflirmer que la renommée n’ayait pas exager& son m£rite, M. Jo- achim n’est pas seulement un yirtuose étonnant, qui, par exemple, ex&cute à lui tout seul une fugue & quatre parties de Bach; c'est un artiste dans l’acception la plus &levee de ce mot, qui interpröte avec un sentiment profond les morceaux d'Ernst, les concerlos de Beethoven, de Mendelssolin, les quatuors des grands maitres, enfin tout ce qu’on peut appeler la grande et bonne musique,
% Die Aufführungen des „Propheten“ in Paris Gaben dur einen Unfall der Mad. Biardot-Garcia eine Unterbrechung erlitten, welcher eine Porcellan-Vaſe auf den Fuß gefallen ift und fie verwundet hat.
* Der Biolinift Appolinary de Kuntski befindet fich in Paris, er ließ fih im theätre italien in einen Benefiz⸗Concert des Orcheſters hören.
* Dupvez bat feine muſtkaliſchen Soircen, welche er jeden Winter in Paris zu geben pflegt, wieder eröffnet. In der erften, welche zwei Tage nach der Vermählung feis ner Tochter Alexandrine ftattfand, lieg ſich feine zweite Tochter Caroline, eine junge Sängerin von großem Talent, hören. Duprez, der kürzlich zum lebten Mal auftrat, wird in den nächſten Tagen dieſen Auftritt wiederholen.
* Godeftoid, der vorzügliche Meifter anf der Harfe, iſt von feinen Ausflug nah Parts zueäligetehrt, er lieg fih vor einigen Tagen in einer von der Elite der mulifalifhen Welt befuchten Soiree hören, fein Spiel wie ſeine Compofttionen fanden reichen Applaus.
* Ernſt umd Heller behaupten noch immer den eriten Rang mit ihren Eoncers En London, am 26. Zaun. liegen fich die Kinikler in Brighton in einer Matinde drei,
* Mie wir ſchon früher meldeten hat Die Bull in feiner Vaterſtadt Bergen, welche bisher fein Theater hatte, ein ſolches auf feine Koften erbauen, ausſchmücken und zu dramatischen Aufführungen vollſtändig beritellen laſſen. Sept hat er nun auch auf ein Jahr eine dänische Schauſpieler-Geſellſchaft engagirt, deren Beſoldung er für biefe Leit garautirte. Bor einigen Wochen wurde dieſes Ihenter mit Golberg's dreiactigem Luſtſpleie „Heinrich und Petronella“ eröffnet, weſchem Mehul's Diwerture zu „la chasse du jeune Kenri“* voranging; am Schluſſe ſpielte Die Bull felbit feine Fantaſie über norwegische Volkslieder. Die ftädtifche Behörde von. Bergen hat dem Künitfer bei die fer Gelegenheit das Ehreubürgerrecht ihrer Stadt verliehen, — Au ähnlicher Weiſe hat vor Kurzem Jenny Kind in Stockhohm eine Geſangſchule in welcher uneutgeldlis her Unterricht ertheilt wird, auf ihre Koften errichten Infen.
# Lola Montez, die Bortängerin der baterifchen Revolution, Bat ihren Gatten Heald nun wirflich verloren, derfelbe ift nad; einem kurzen Eheſtandscurſus nad Zone don heimgekehrt, feine Gattin unter dem Schuß zweier franzöfijhen Glegants in Car dix zurücklaſſend.
XDie Drehorgelmänner in Peſth ſpielen jetzt nur den Koöfſuthmarſch und andere ungariſche Melodien, wenn man ihnen kein Geld zuwirft, ſo drohen ſie einen „Schwarzgelben“ zu ſpielen.
DK Herr von Turauyi, der Dirigent der Concerte in Aachen, hat von der ders tigen Kiedertäfel einen filbernen Pokal unnd von dem Juftrumentafverein ein paar filbente Leuchter zum Brefent erhalten. Wird zur Rachahmung fir andere Städte hiermit bes ftens empfohlen; es kann auch abgewechfelt werden: einen Zeuchter und zwei Pokale!
* Geibel's „Loreley,“ über deren Gompofition Mendelafohn farb, dürfen wir hoffen nächſtens im Druck erſcheinen zu ſehen.
* Der König von Sachſen hat Meyerbeer am Vorabend der erſten Auffũhrung Ian „Propheten in Dresden, das NMitterfreuz des Civilverdienftordend überreichen aſſen. ”
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Ankündigungen.
WAUPÜ-NIEDERLAGE-
FORIE-P IM N
8 P. Erard in Paris in Cöln “a
. Wir hbeehren uns anznzeigen, dass Herr —8 Pierre Erard in Paris. uns den alleinigen und ausschliesslichen Verkauf seiner rühmliehst bekannten Forte- Pianos & Harfen für Deutschland übertragen hat, und wir demzufolge ein wohl assortirtes Lager derselben hier am PlJatze unterlialten werden. .
Durch diese Vebereinkunft in den Stand gesetzt, besagte Instrumente unter vortheilhaften Bedingnrigen erlassen zu können, halten wir uns, indem wir jede
sonstige Auskunft zu ertheilen bereit sind, zu geneigten Aufträgen bestens em ‚mpfohlen.
' Cöln, im Dechr. 1849. Fean Marie HMeimann & Oo,
Das Lager befindet sich Marzellenstrasse No. 19 Compteir Marzellenstrasse No. 35.
Verkauf von zwei Pariser Pedal -Harien, |
deren
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Die andere, einfacher Aıt von Challioi, Asaitig mit 7 Pedalen, voll. ständig besaitet. Preis: 12 Louisd’ors.
Mit dem Verkaufe ist beauftragt die Musikalien- & Instrumenten- Handlung von Ä ©. A. Hdlemm in Leipzig.
Ausgegeben ami 0. Ftbruar⸗ | 5
Berlag vou Bartholf Senf in n Selpsig.
Druck von Griebrih Andrä in Leipzig.
No, 7. Leipzig, Februar. 1850.
SIGNALE
Mufikalifche Welt,
Adyter Aahrgange.
Verantwortlicher Bedacteur: Bartholf Senf.
Fährte erſcheinen 52 Nummern. Preis für den ganzen Jahrgang 2 Thaler zufertions: ebühren für Die Petitzeile oder deren Naum: 2 Reugroſchen. Alle Bud) und — en, ſowie alle Poſtämter uehmen Beſtellungen an. Zuſendungen
werden unter der dreffe D der e Rebarkin erbeten,
Sränlein Wilhelmine Elauß.
Als Chopin's ſchöne Seele vor wenig Monden von ihrem Erdentraum erwachte und aufſtieg in die ewge Heimath, da winkte ſie dieſem aumuthvollen Lockenkopf und freute ſcheidend al’ ihre Blumen und Blüthen Aber dieſes Mädchen aus, damit es lä— chelnd die Erde ſchmücke und die zauberiſchen Töne welche ſie geträumt in ſchönen Ta— gen, nicht verloren ſeien in einer ſturmbewegten Zeit. — Spielend wird dies wunder— bare Kind die Welt exobern, erobern und beglücken, unwiderſtehlich lockt die Jungfrau alle Hörer In ihr maienhaftes Taſtenreich! — Duftig, mignonartig, zauberreich dit fie bet uns eingezogen, Niemand bat fie und vorherverkündigt, fie iſt gekommen wie ein fHöner Traum — träumend hat fie uns zurücdgelaffen!
Es war ein ſeltner Abend, als die Künſtlerin im Gewandhaus zu Reipzig, in die fett gefahrvollen Muſikſchlöß, am Tebten Donnerſtag die ſchönen Hände elfengleidh Uber Die Taſten gleiten ließ, lantlos lauſchte eine glänzende Verſammlung ihren Melodien, es war fo ſtill wie weiland tn den Gemächern des armen alten Königs Ludwig Philipp, wenn Ehopim dort Beim Caminfeuer feine perlenden Claviermährchen erzählte — und als ſie geendet, da huldigte das Publicum ſtaunend der jungen Herrlichkeit,
Einen Dan? haben wir auszufptehen, er gilt Frau Klara Schumann, welbe feit einigen Tagen mit Ihren Gatten in unfrer Mitte weil, Dieſe Künſtlerin wollte eigentlich im lebten Coucert ung mit ihrem Spiel erfreuen, kaum hatte fie jedoch in Dresden Fränlein Clauß gehört, ald fie es fich zur Aufgabe machte, dies glänzende Talent ſchuell und vollſtändig in die Deffentlichkeit einzuführen and Fräulein Clauß einfnd an ihrer Statt in Leipzig aufzutreten. Der Erfolg hat die ächt künſtleriſche That’ gekrönt, — Wir hoffen das Meiſterſpiel der genialen Frau iſt uns für ein nächſtes Contert aufgehoben.
B. S.
59 ‚Signale,
Fünfzehntes Abonnementconcert im Saale ves Gewandhauſes zu Leipzig. Donnerstag, ven 7. Februar 1850,
Erxfter Theil: Simfmie in Esdur von W. A. Moyart, — Concert-Arie No, 2 von Mozart; „Resta, 0 enral!t gefunnen won Fraulein